Von Hollywood nach Hildesheim: Regisseur Samuel West

Tuesday, 12. June 2012 um 13:20 Uhr

Der britische Schauspieler und Regisseur Samuel West spricht an der Universität Hildesheim über die Kunst, Shakespeare zu spielen und zu inszenieren. West hat Filme mit Anthony Hopkins und Julia Roberts gedreht und über 100 mal Hamlet gespielt. Seit 2002 ist er verstärkt als Regisseur aktiv und inszeniert Shakespeare sowie zeitgenössische Dramen und Opernproduktionen.

Samuel West studierte in Oxford Englische Literatur und entschloss sich dann doch, die Tradition seiner Eltern, Groß- und Urgroßeltern fortzusetzen, und wurde Schauspieler. Wests Mutter, die Schauspielerin Prunella Scales, ist weltweit durch ihre Rolle in der Fernsehserie „Fawlty Towers. Das verrückte Hotel" bekannt geworden. Wests Vater Timothy West ist auf der Bühne als King Lear genauso zuhause wie in Hollywood Produktionen. Timothy und Samuel West spielten bereits mehrmals Vater und Sohn oder auch die ältere und jüngere Version derselben Figur, z.B. Iris Murdochs Freund Maurice im Kinofilm „Iris".

Samuel West wurde 1992 durch den Film „Wiedersehen in Howards End" international bekannt, in dem er an der Seite von Anthony Hopkins, Emma Thompson und Helena Bonham-Carter auftrat. Danach bekam er zahlreiche Angebote, in sogenannten „Kostümfilmen" mitzuspielen. So trat er in „Carrington", „Jane Austens Verführung", „Jane Eyre" und als Jack the Ripper in „Der Schlitzer" auf. Seine Rolle als unsympathischer Kostümfilm-Kollege von Julia Roberts in „Notting Hill" kann als humorvoller Kommentar auf sein damaliges Image verstanden werden. „Oft beginnt ein Film zuerst nur mit Wests Stimme, ehe sie ihn zu Gesicht bekommen. Durch mehr als 40 Hörbücher und Kommentare bei Dokumentarfilmen ist Wests Stimme eine der bekanntesten im englischsprachigen Raum", erklärt Prof. Dr. Stefani Brusberg-Kiermeier, die Samuel West auf Einladung des Instituts für Englische Sprache und Literatur nach Hildesheim eingeladen hat.

Auf der Bühne hat sich West besonders als Shakespeare-Schauspieler einen Namen gemacht. Für die Royal Shakespeare Company gab er über 100 mal den Hamlet. Seine Interpretation von Shakespeares König Richard II. wurde von Michael Billington im Guardian als „best Richard II ever" gefeiert.

Seit 2002 ist er verstärkt als Regisseur aktiv und inszeniert Shakespeare sowie zeitgenössische Dramen und Opernproduktionen. Von 2005 bis 2007 leitete er die Theater in Sheffield, inszenierte und spielte dort in Shakespeare-Produktionen. In zahlreichen Artikeln und Vorträgen hat West Shakespeares Sprache und die Schwierigkeiten, die sie Schauspielern bereitet, analysiert. „Shakespeares Figuren sprechen genau so wie sie sprechen möchten, der fünfhebige Jambus ist ihre natürliche Ausdrucksform. Die Schauspieler müssen also eine völlige Natürlichkeit erreichen, anstatt dem Publikum den Eindruck zu vermitteln, dass die Figuren eigentlich ganz anders sprechen würden, wenn sie nur dürften", erläutert West.

Dem deutschen Publikum ist der Schauspieler aus Kinofilmen wie „Der wiedergefundene Freund", „Van Helsing" oder aus Uli Edels Film „Die Nibelungen" mit Benno Fürmann und Max von Sydow bekannt. In diesem Jahr hat er in Hollywood mit Bill Murray den Film „Hydepark on Hudson" gedreht, in dem Murray Präsident Roosevelt und West König Georg IV. spielt.

Vortrag an der Universität

Auf der Hildesheimer Shakespeare-Tagung des Instituts für englische Sprache und Literatur spricht Samuel West am Freitag, den 15.6. um 18:00 Uhr in der Aula des Bühler-Campus auf Englisch über die Kunst, Shakespeare zu spielen und zu inszenieren.


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