Lehramtsfach Deutsch – Masterstudium an der Uni Hildesheim

Monday, 26. September 2016 um 19:13 Uhr

Was sollten Lehrerinnen und Lehrer können, wenn sie künftig 7-Jährige oder 13-Jährige unterrichten? Literatur- und Sprachwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim geben Einblicke in das Lehramtsstudium im Fach Deutsch.

Die Universität Hildesheim sucht die künftigen Lehrerinnen und Lehrer. Eine Bewerbung für ein Masterstudium ist derzeit noch möglich. Hildesheim bildet mit etwa 2600 Studierenden rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Die Universität verbindet Schulpraxis und Theorie und arbeitet mit Partnerschulen in Hildesheim, Hannover und der Region zusammen.  Schwerpunkte in der Lehrerausbildung liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer.

Lehramt studieren – eine Online-Bewerbung ist noch möglich: Studieninteressierte können sich für einen Studienplatz im Masterstudium bewerben. Lehramtsstudierende können sich in Hildesheim im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ professionalisieren.

Lehramtsfach Deutsch – Einblicke in das Masterstudium

Jeder Lehramtsstudent wählt zwei Fächer, zum Beispiel Mathematik und Musik, Englisch und Sport oder Deutsch und Kunst. Nachgefragt – was sind Studieninhalte im Lehramtsfach Deutsch im Masterstudium? Was sollten Lehrerinnen und Lehrer können, wenn sie künftig 7-Jährige oder 13-Jährige unterrichten? Literatur- und Sprachwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim geben Einblicke in das Lehramtsstudium.

Das Studium im Fach Deutsch setzt sich aus Seminaren und Vorlesungen zu Sprache, Literatur, Deutsch als Zweitsprache und Mediendidaktik und Theater in der Schule zusammen.

„Wir fragen zum Beispiel danach, wie Kinder in der Welt des Lesens und der Literatur ankommen. Hier gibt es einen engen Zusammenhang mit dem sprachlichen Lernen, den wir auch unter integrativer Perspektive zwischen Sprach- und Literaturdidaktik entfalten“, sagt Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper. Ästhetische Lernprozesse sind in der Primarstufe und der Sekundarstufe I von großer Bedeutung. „Dabei geht es sehr stark um die Frage, wie Kinder und Jugendliche Vorstellungen von ‚Ich‘ und ‚Welt‘ entwickeln und wie sie mit ästhetischen Medien etwas über sich und andere erfahren können“, so Pieper.

Darum geht’s auch im Studium: Wie muss Unterricht gestaltet sein, um gute Lerngelegenheiten für unterschiedlichste Lerner bereit zu halten? Was zeichnet ein „gutes“ Buch für Kinder und Jugendliche aus?  Was zeichnet geeignete Texte für die jeweiligen Lerngruppen aus?  Die Studentinnen und Studenten verbringen eine mehrmonatige Praxisphase in einer Schule und erarbeiten ein Forschungsprojekt. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer führen zum Beispiel eigene Studien zum Bereich „Gespräche zur Literatur“ durch und erproben Gesprächsverfahren. Sie untersuchen anhand empirischer Daten aus dem Unterricht, was gelingende Gespräche zur Literatur auszeichnet.

„Im Bereich der Sprache fragen wir, wie Kinder und Jugendliche zu einer ausgebauten Sprachfähigkeit kommen“, erläutert die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin Prof. Ursula Bredel. „Dabei geht es nicht einfach um normgerechtes Verhalten, sondern darum, das Spektrum sprachlicher Ausdrucksfähigkeiten möglichst breit auszuschöpfen. Um Kinder und Jugendliche bei dieser Entwicklung zu unterstützen, beginnen wir schon im Bachelorstudium mit der Stärkung der Sprachaufmerksamkeit und der Spracherfahrung der Studierenden, um die in der Schule stark ausgeprägte normative Perspektive (Sprachrichtigkeit) durch eine funktionale Perspektive (Sprachangemessenheit) zu ergänzen. Mit Veranstaltungen, die in die Grundlagen der Sprachbeschreibung einführen, stellen wir das notwendige Gerüst zur Verfügung, das die Studierenden in die Lage versetzen soll, die sprachlichen Ressourcen der Schülerinnen und Schüler aufzuspüren und Lernpotenziale zu ermitteln."

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bearbeitung der Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie auf der Bearbeitung verschiedener Lernausgangslagen, zum Beispiel wenn Deutsch als Erst- oder als Zweitsprache erlernt wird, so Bredel.

Im Masterstudium werden die Fragen der Sprachentwicklung an die Bedingungen des institutionellen Lernens angeschlossen: Wie können Lernangebote in der Schule konkret aussehen? Die Studierenden analysieren zum Beispiel Lehrwerke und Auszüge aus dem Sprachunterricht und decken bestehende Probleme der herkömmlichen Unterrichtspraxis auf. Sie erarbeiten Ideen, wie eine wirksame Sprachförderung gelingen kann, sagt Professorin Ursula Bredel. „Im Wintersemester bieten wir zum Beispiel im Projektband eine Veranstaltung zu Aufgaben im Grammatikunterricht an. Dort entwickeln die Studierenden Lernaufgaben für das sprachliche Lernen, erproben sie in der Praxisphase und werten die Ergebnisse aus.“

Lehrerinnen und Lehrer begegnen in ihren Klassen Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Welt. „Daraus können außerordentlich bereichernde Situationen entstehen, wenn sich alle Seiten auf Vielfalt und Diversität einlassen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. „Das Zentrum für Bildungsintegration vernetzt Forschungsprojekte und bündelt eine Vielfalt interessanter und innovativer Perspektiven“, sagt Montanari. So nehmen Studierende zum Beispiel an einer internationalen „Summer School“ teil, die hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zum Thema Mehrsprachigkeit zusammenbringt.

Lehramtsstudierende können im Doppelstudium einen zweiten Masterabschluss erwerben und sich im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) professionalisieren – „das ist eine weitere Besonderheit des Universitätsstandortes Hildesheim“, sagt Montanari. Eine Bewerbung für den DaZ-Master ist wieder zum Wintersemester 2017/2018 möglich.

Bildungswege nach der Flucht: In einem Sprachlernprojekt begleiten Studierende aus dem Lehramt und dem Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache“ Kinder und Jugendliche beim Ankommen im deutschen Bildungssystem und beim Übergang von Sprachlernklassen in den Regelunterricht. Zugleich werden Studierende auf die Berufspraxis vorbereitet. Die Universität arbeitet in dem Projekt mit Hildesheimer Schulen zusammen.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)


Ein Nachmittag in einer Grundschule in Hannover: Eine Lehramtsstudentin (links) begleitet Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Die Universität Hildesheim verbindet Schulpraxis und Theorie und arbeitet mit Partnerschulen in der Region zusammen. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim