„Ein Studium ist mehr als der Weg in das Berufsleben“

Tuesday, 14. October 2014 um 15:47 Uhr

1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende starten in ihr Studium. Die Einführungswoche begann an diesem Montag mit einer Feierstunde. Damit studieren erstmals über 7000 Studierende an der Stiftungsuniversität Hildesheim.

Das Studium werde zu stark unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet. Doch aus Wissenschaft und Universität gehe mehr hervor, als ein Passierschein in das Berufsleben, verdeutlicht Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Zwei Beispiele führen das an diesem Vormittag eindrucksvoll vor Augen. Eine junge Frau betritt die Bühne im Audimax –  dem größten Hörsaal der Universität – und berichtet, was zu ihrem Studienalltag gehört: Die Studentin Charlotte Klages möchte Flüchtlinge und Studierende zusammenbringen und hat gemeinsam mit weiteren Hildesheimern eine lokale Initiative auf die Beine gestellt, um Flüchtlingen in der Nachbarschaft das Ankommen in Hildesheim zu erleichtern, etwa durch Sprachkurse, Sportangebote und Theaterworkshops. Dass die Welt in Aufruhr ist, spüren auch Hochschulen: Auf dem Campus etwa wurden Schriftzüge mit Spray vermerkt – „Free Kobane“. „Jeder von uns erkennt diesen Hilfeschrei. Aber es gibt andere Formen, sich zu solidarisieren und Menschen in Not zu unterstützen, etwa indem Sie in solchen Flüchtlingsinitiativen mitwirken“, sagt Friedrich.

Maher Tyfour ist der zweite junge Mann, der an diesem Vormittag zeigt, dass an Universitäten kulturelle, akademische und menschliche Beziehungen wachsen. „Wir sind ganz stolz darauf, dass Sie bei uns studieren“, so der Universitätspräsident. Der Doktorand aus Syrien erhält in diesem Jahr den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende ausländische Studierende. „Dank der Unterstützung durch den DAAD habe ich die mir ursprünglich fremde deutsche Sprache lieb gewonnen. Ihre Melodie zwingt mich in gewisser Weise, mehr über diese Sprache zu erfahren. Hier habe ich eine Familie gefunden, einen sicheren Ort für mein Leben in der Fremde, die Erfahrungen am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sind sehr wertvoll“, sagt Maher Tyfour. Nach dem Bachelor in Syrien und dem Master an der Universität Göttingen promoviert der gebürtige Syrer seit 2013 bei Prof. Dr. Christiane Maaß an der Universität Hildesheim über Ästhetik in Hörfilmen. Auf einer internationalen Anrede-Tagung unter Leitung von Prof. Dr. Bettina Kluge konnte er als einer der wenigen arabischsprachigen Teilnehmer auf den syrischen Dialekt aufmerksam machen. Er untersucht, wie Autoritätspersonen öffentlich angeredet werden und hat eine Studie vorgestellt, wie Menschen in sozialen Netzwerken sich an den syrischen Präsidenten richten. Maher Tyfour engagiert sich bei Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler und sieht sich aufgrund der eigenen Vita auch als Ansprechpartner für Studieninteressierte mit Migrationshintergrund.

Zur Wissenschaft gehört Internationalität – es ist nicht mehr der eine Gelehrte, der mit der Welt korrespondiert. Mithilfe von Unterstützungsprogrammen können Lehrende und Studierende andere Länder kennen lernen, dies sei „eine Bereicherung in kultureller und akademischer Hinsicht“. „Die Universität Hildesheim legt viel Wert auf Betreuung. Wir wollen sicherstellen, dass Sie nicht eine Matrikelnummer sind, sondern individuelle Ansprache erfahren. Sie sollen im Studium Freiräume erhalten, um Ihre Persönlichkeit zu bilden, dazu gehören auch Auslandsaufenthalte. Das Team des International Office hilft Ihnen dabei, alle Klippen zu umschiffen und berät bei der Planung und Finanzierung“, wendet sich Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Während der Immatrikulationsfeier sprachen auch Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer sowie Studierende vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und Studierendenparlament (StuPa). „Wenn wir etwas verbessern wollen, brauchen wir euch, es geht nicht ohne Mitwirkung“, so die Studenten Andre Vespermann und Julius Schwerthelm. Für stimmungsvolle Musik sorgte die Uni-Big-Band unter der Leitung von Johannes Rosenberger. Zum Wintersemester 2014/15 nehmen 1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende ihr Studium an der Universität Hildesheim auf (ohne Weiterbildungsmaster). Dies sind vorläufige Zahlen, Einschreibungen für die Bachelorstudiengänge „Wirtschaftsinformatik" sowie „Informationsmanagement und Informationstechnologie" sind noch bis zum 20. Oktober 2014 möglich.

Zum Abschluss der Feierstunde leitete Martin Scholz die Einführungswoche ein (Erstsemesterbroschüre PDF): Eine Woche lang erkunden die Studienanfänger zunächst die Universität, bevor die Vorlesungen beginnen. 80 Studierende aus höheren Semestern helfen beim Studieneinstieg. „Eins nach dem anderen", rät die Studienberaterin Dinda Fatah den Erstsemestern. Bewerben, umziehen, sich umsehen auf dem Campus – der Übergang ins Studium ist eine aufregende Lebensphase. Die Tutorinnen und Tutoren aus allen Fachbereichen begleiten die Erstsemester und helfen etwa bei der Stundenplangestaltung und beim Zurechtfinden auf dem Campus. In der Einführungswoche stellen sich auf dem von Studierenden organisierten „Markt der Möglichkeiten" studentische Initiativen, Einrichtungen der Uni und Organisationen aus der Stadt vor.

Nach und nach können Studierende die Angebote in Hildesheim entdecken, etwa die Schreibberatung. Ob eine Hausarbeit oder ein Referat: Das Lesen und Verfassen von wissenschaftlichen Texten gehört zu den Kernaufgaben im Studium. Das Lese- und Schreibzentrum unterstützt Studienanfänger aller Fächer dabei, Schreibprozesse zu reflektieren. Die Bibliothek bietet fachbezogene Führungen und Schulungen zur effektiven Informationsrecherche an. Studierende mit Kindern erhalten Einblicke in die Kinderbetreuung „Flexi“. Einen Überblick über Stipendienprogramme der Universität Hildesheim – für besondere Leistungen und gesellschaftliches Engagement – gibt es bei der Stipendienberatung. Im Wintersemester wird sich auch räumlich etwas verändern: Im Neubau am Universitätsplatz 1 – so die neue Adresse – entstehen ein Hörsaal, Seminar- und Arbeitsräume für Studierende.

Gleichalt und Anker im Alltag

Studierende unterstützen Studierende: Die „Anker-Peers" bieten kostenlose und vertrauliche Beratung an. Für Studienanfänger werden die studentischen Berater so zu „Ankern" im Uni-Alltag. Sie kennen Unterstützungsprogramme und können darauf verweisen, etwa auf Bafög- und psychosoziale Beratung, Hilfe bei Prüfungsangst oder beim wissenschaftlichen Arbeiten. Die geschulten Teams gehen auch in Schulen und Jugendzentren und beschreiben dort den Studienalltag. „Der geringe Altersunterschied und die Tatsache, dass wir selbst Studierende sind, helfen, um offen über das Thema Studium sprechen zu können", sagt Studentin Lisa Bödecker.

Ausländische Studierende im Wintersemester 2014/15

Insgesamt beginnen mehr als 215 ausländische Studierende (86 Vollzeitstudierende und 129 Programmstudierende, Stand 08.10.2014) ein Studium an der Universität Hildesheim. Das Zulassungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt studieren im Wintersemester 2014/15 derzeit 433 ausländische Studierende aus 65 Herkunftsländern. Die „Programmstudierenden“ kommen aus 22 Ländern: Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kolumbien, Litauen, Mexiko, Polen, Russland, Serbien, Spanien, Südkorea, Syrien, Türkei und USA. Die Die Herkunftsländer der meisten „Vollzeitstudierenden“ sind: 1. Türkei, 2. Russische Föderation, 3. Griechenland, 4. Polen 5. Schweiz und  6. Ukraine. Insgesamt bestehen über 200 internationale Kooperationen mit Hochschulen in 50 Ländern. Im Wintersemester 2014/15 kommen 6 Studierende aus China (Hefei, Anqing und Hangzhou), 5 Kontaktstipendiaten aus Mexiko, 4 Studierende aus den USA, 4 Studierende aus Russland und je 1 Studentin bzw. Student aus Argentinien, Japan, Kolumbien und Südkorea (Stand: 8. Oktober 2014).

Fotogalerie vom Studienstart im Wintersemester 2014/15, Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Brief der Niedersächsischen Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić an Erstsemester


Semesterstart an der Universität: Oberbürgermeister Ingo Meyer und Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich begrüßen die Neuankömmlinge. Die Uni-Big-Band sorgt für feierliche Musik. Elke Sasse-Fleige vom International Office gratuliert Promotionsstudent Maher Tyfour, der mit dem DAAD-Preis für herausragende ausländische Studierende ausgezeichnet wurde. Gottesdienst der Hochschulgemeinden in St. Michaelis. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim, ESG/KHG (1)