Deutsch als Zweitsprache: Mehrsprachigkeit wertschätzen

Saturday, 07. November 2015 um 08:31 Uhr

Wer hilft beim Spracherwerb nach der Flucht? Schulen sollten Mehrsprachigkeit von Jugendlichen als Chance aufgreifen, sagt Elke Montanari anlässlich der Jahreskonferenz der Integrationsbeauftragten. Die Professorin bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus.

Auf ihrer Jahreskonferenz, die diesmal von Niedersachsen in Göttingen ausgerichtet wurde, haben die Integrations-, Ausländer- und Migrationsbeauftragten der Bundesländer mehrere Resolutionen, unter anderem eine Resolution zum Thema Sprache, beschlossen. Die Integrationsbeauftragten sprechen sich für differenzierte Maßnahmen aus, um alle Altersgruppen beim Sprachenlernen zu unterstützen. Mehrsprachigkeit und der Schulbesuch für alle Kinder von Anfang an sind wichtige Ziele in dem Papier.

Für die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari ist diese Resolution das Ergebnis einer „spannenden Entwicklung“. „Betrachtet werden sowohl akute Maßnahmen als auch nachhaltige Lösungen entlang des ganzen Lebens“, sagt die Professorin für Deutsch als Zweitsprache von der Universität Hildesheim. Sie ist auch Mitglied des Vorstands des „Zentrums für Bildungsintegration“.

„Es kommt darauf an, die Chancen in der aktuellen Situation zu sehen, die sich eröffnen. Diese liegen zum Beispiel in den Möglichkeiten, mehrsprachige Modellschulen stärker als bisher zu fördern und Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten zu verankern. Mehrsprachigkeit schlägt sich auf die gesamte Sprachentwicklung nieder“, so Elke Montanari. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die schnelle Umsetzung des Kinderrechts auf Bildung, das in der UN-Kinderrechtskonvention verankert ist.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus und fort. Lehramtsstudierende unterstützen gemeinsam mit einer DAZ-Sprachlehrerin seit Herbst 2015 Erwachsene täglich beim Spracherwerb in einer Hildesheimer Erstaufnahmestelle und haben dafür ein spezifisches Konzept erarbeitet. Weitere Studentinnen und Studenten kombinieren das Sprachenlernen mit dem Sport (Fußball) an Hildesheimer Schulen.

Professorin Elke Montanari hat im Rahmen der Jahreskonferenz in Göttingen am Freitag (6. November 2015) einen Vortrag zum Thema „Willkommen in der Schule!“ gehalten. Sie hebt hervor, dass Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungs- oder Fluchterfahrung eine Bereicherung für die Schule sind. Damit der Spracherwerb gelingt, müssten zukünftige Lehrerinnen und Lehrern bereits im Studium auf den Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer vorbereitet werden.

Die Niedersächsische Landesbeauftragte Doris Schröder-Köpf zeigte sich in einer Stellungnahme am Freitag zufrieden mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Herbstkonferenz: „Ich freue mich sehr, dass wir Landesbeauftragten in so vielen grundlegenden Punkten an einem Strang ziehen. Die Beauftragten sind sich einig, dass ein wirtschaftlich starkes Deutschland auch weiterhin seiner besonderen Verantwortung in Europa gerecht werden muss. Und es muss uns gelingen vom Krisenmanagement zu einem langfristigen Integrationsmanagement überzugehen. Mir liegt die Botschaft von Resolution vier besonders am Herzen: Rassismus und Gewalt gegen Flüchtlinge und ihr soziales Umfeld haben in Deutschland keinen Platz."

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und presse@uni-hildesheim.de)


In einer Hildesheimer Erstaufnahmestelle unterstützen Lehramtsstudierende seit Herbst Erwachsene beim Erlernen der deutschen Sprache, die Bilder entstanden im November 2015. Mehrsprachigkeit schlägt sich auf die gesamte Sprachentwicklung nieder, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Uni Hildesheim. Auf der Jahreskonferenz der Integrationsbeauftragten der Bundesländer in Göttingen sprach die Professorin über den Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim, Porträt: Martina Hanschke, Gruppenfoto: Niedersächsische Staatskanzlei