Die Kunst als Ausgangspunkt: 33 Kunstschaffende positionieren sich in Online-Profilen zu ihrer kulturellen Bildungsarbeit

mardi, 10. août 2021 um 10:51 Uhr

33 Künstler:innen befassen sich mit der Rolle der Künste in der Kulturellen Bildung vor dem Hintergrund ihrer eigenen künstlerischen Arbeit. Die Kulturschaffenden sind Stipendit:innen des bundesweiten Zertifikatskurses „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.

Zwei der 33 Stipendiat:innen: Die Künstlerin Emese Bodolay und der Künstler Christophe Ndabananyie. Foto (li): Heike Kandalowski, Foto (re): Ela Bialkowska OKNOstudio

33 Künstler:innen wurden für das Stipendium „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ durch ein mehrstufiges Auswahlverfahren mit einer externen Jury aus über 450 Bewerbungen ausgewählt. Sie arbeiten über die Bundesrepublik verteilt – von Freiburg bis Bremen, teils in städtisch-urbanen und teils in ländlichen Räumen, berichtet Pia Wagner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturpolitik.

Die Online-Profile der Kunstschaffenden sind ab sofort auf der Projekt-Webseite einzusehen und laden weitere Kulturschaffende ein, sich in ihrer künstlerischen Haltung und kulturellen Bildungsarbeit öffentlich zu positionieren und zu vernetzen, so Wagner.

„In ihren höchst unterschiedlichen Arbeitsansätzen verfolgen die ausgewählten Kunstschaffenden in ihren Projekten verschiedene Strategien und Fragestellungen. Themen wie Community Building, Inklusion oder musikalische Bildung im Alter sind nur einige Beispiele der unterschiedlichen Arbeitsweisen“, sagt Wagner. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erreichen in ihren Projekten unterschiedliche Zielgruppen, bearbeiten diverse gesellschaftliche Fragestellungen und entwickeln innovative Vermittlungsverfahren.

Pia Wagner ergänzt: „Obwohl Kunstschaffende sehr wertvolle Arbeit im Bereich der Kulturellen Bildung leisten, fehlt es häufig an der Wertschätzung als Gegenüber in Schulen und anderen Einrichtungen. Ein renommiertes Zertifikat kann zur Anerkennung und zu zukünftigen gleichberechtigen Kooperationen zwischen Kunstschaffenden und Akteur:innen im Bildungsbereich beitragen.“

„Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ ist eine Qualifizierung und ein Zertifikatskurs für Kunstschaffende verschiedener künstlerischer Disziplinen am Fachbereich 2 „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“, Institut für Kulturpolitik, der Universität Hildesheim. Gefördert wird das Programm durch die Stiftung Mercator.

Zwei Stipendiat:innen im Kurzporträt:

Stipendiatin Emese Bodolay über die Bildung von Gemeinschaften

Die Stipendiatin Emese Bodolay befasst sich in szenischen Arbeiten mit der Beziehung zwischen „Zuschauer:innen“ und „Produzent:innen“. Ihr Interesse gilt der gemeinsam verbrachten Zeit und dem gemeinsam produzierten „Kunstprodukt“. Hierfür arbeitet sie sich an der Bildung von Gemeinschaften, Gemeinschaftsprozessen und Begegnungen ab.

„Ich möchte mit jungen Menschen den Prozess und die Art des Arbeitens in den Vordergrund rücken und so gemeinsam das ergebnisorientierte Arbeiten hinterfragen“, sagt Bodolay.

Stipendiat Christophe Ndabananiye über Erinnerung

Der Stipendiat Christophe Ndabananiye befasst sich in seiner künstlerischen Arbeit mit Erinnerung. „Mit meiner Arbeit zur Erinnerung, genannt Ukumbusho auf Suaheli, meiner ersten Muttersprache, rekurriere ich auf Spuren, sowohl als konzeptuelle Grundlage meiner Werke als auch als Material, die den Zustand von Heimatlosigkeit und Zerstörung durch das Zurücklassen von Menschen und Objekten signalisieren. Dabei verarbeite ich biografische Erfahrungen von radikaler Angst und Verlust, verbunden mit der Ungewissheit der Zukunft. Mich interessiert der Diskurs über künstlerische Arbeiten“, sagt Ndabananiye.

In seiner bisherigen kulturellen Bildungsarbeit, beispielsweise mit Kindern in Masaka in der ruandischen Hauptstadtprovinz Kigali oder mit Studierenden in Berlin, erlebte Ndabananiye „gegenseitige Inspiration“. „Sie fördert den gemeinsamen künstlerischen Prozess und lehrt uns die interessante Erfahrung des Austauschs zwischen Kunstschaffenden und Rezipient:innen, die wir in der Bildungsarbeit im Alltag erleben“, sagt Ndabananiye.

Kontakt:

Bei Interesse an weiteren Informationen oder der Mitwirkung am Transfer des Pilotprojekts finden Sie Informationen auf der Webseite (https://kuenstlerische-interventionen.de). Fragen beantwortet Pia Wagner per E-Mail (pia.wagner@uni-hildesheim.de).