Konzept

Forschung zielt auf Wissen. Reflexiv ist Forschung dann, wenn sie ihr Wissen selbst zum Gegenstand der Betrachtung macht. Reflexives Wissen über sich selbst einzuholen, ist ein inzwischen regelmäßig verfolgtes und entsprechend gut dokumentiertes Anliegen der Sportpädagogik. Die Hildesheimer Tagung 2009 schließt an diese Form disziplinärer Selbstvergewisserung im Sinne einer neuerlichen Bedarfsmeldung an. Allerdings diesmal von der anderen, der Kehrseite her: Nunmehr geht es um Ungewissheit (und in heuristischer Äquivalenz: um Nicht-Wissen, Unsicherheit, Kontingenz).Die reflexive Beschäftigung mit Ungewissheit, das zeigt ein Seitenblick auf neuere sozial- und erziehungswissenschaftliche Diskussionen (vgl. Helsper, Hörster & Kade, 2003), ist gerade auch für pädagogische Praxis und Empirie von Bedeutung.

Ungewissheit betrifft auf dieser Folie betrachtet – erstens – die Ebene konkreten sportpädagogischen Handelns außerhalb wie innerhalb der Institution Schule, und zwar strukturell: Mit dem Wirkungsversprechen pädagogischer Vermittlungs- und Erziehungspraxis einher geht die Scheiteranfälligkeit ihrer Intervention. Verstanden als nicht-triviales Geschehen, erscheint sportpädagogische Praxis geradezu als fortwährender Generator von Ungewissheit. In modernisierungstheoretischer Sicht bezeichnet Ungewissheit – zweitens – ein Signum moderner Gesellschaften. Wandel bei fehlender Steuerbarkeit ist nicht zuletzt auch eine zentrale Problemdimension aktueller demographischer, volksgesundheitlicher sowie bildungs- und forschungspolitischer Entwicklungen, die zahlreiche Handlungsfelder und Anwendungsbereiche der Sportpädagogik unmittelbar betreffen (Schulsport, Gesundheitssport, Alterssport etc.). Schließlich ist Ungewissheit – drittens – nicht allein auslösendes Motiv für die Erzeugung sportpädagogischen Wissens, sondern läuft im Prozess der Wissensgenese ebenso mit wie im Akt der Ergebnisdarstellung. Wissen erscheint demnach als prekäre Größe, gleichviel, ob seine Produktion nun strikt theoriegeleitet oder, wie neuerlich dominant der Fall, nach den Standards empirischer Forschung erfolgt.

Die Sportpädagogik hat in den letzten Jahren zweifellos eine dynamische Entwicklung genommen. Die Tagung Ungewissheit: Sportpädagogische Felder im Wandel versteht sich als Gelegenheit für eine angemessene Reflexion auf einen zentralen unsichtbaren Begleiter dieser Fortschrittsdynamik. Zu fragen wäre etwa nach der spezifischen Relevanz von Ungewissheit in und für unterschiedliche sportpädagogische(n) Handlungsfelder(n) und Anwendungskontexte(n). Welche (unterschiedlichen oder einheitlichen) Formen des Umgangs mit Ungewissheit in Forschung und Praxis lassen sich identifizieren? Wie wäre ein reflexives Wissen um Ungewissheit nutzbar zu machen, etwa als Ressource für Professionalisierung auf unterschiedlichen Handlungsebenen u.ä.m.? Angezielt ist mithin die sportpädagogische Neuvermessung eigener Ansprüche und Zukunftschancen unter der Bedingung von Ungewissheit. Gesucht wird nach Bestimmung im Ungewissen, ohne freilich dem damit bezeichneten Paradox blind auf den Leim zu gehen.

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