Ein 3-2-3-1-Rhythmus, 42 Einheiten, 230 Kilometer im Wasser, Mittagsschlaf inklusive

Tuesday, 01. July 2008 um 00:00 Uhr

Olympia-Fahrerin Katharina Schiller bereitet sich bereits in der dritten Woche in französischer Höhe auf ihren Start vor

(sis)
Nicht weit von Andorra liegt eine 2000-Seelen-Gemeinde, die sich in Sportlerkreisen längst einen Namen gemacht hat: Font-Romeu. Im dortigen „Lycee Climatique et Sportif Pierre de Coubertin“, einem Internat, bereiten sich Sportler in der Höhe auf wichtige Wettkämpfe vor. Fast schon ein Dauergast ist Schwimmerin Katharina Schiller, die seit 2003 zweimal im Jahr in die Pyrenäen reist.
Vor Peking sind es in diesen Tagen „nur“ drei Wochen, die Bad Salzdetfurtherin tankte sogar schon einmal mehr als vier Wochen lang Kondition in 1800 Metern.


„Die Bedingungen sind ideal, eine Schwimmhalle gehört direkt zum Komplex, genauso habe ich einen Kraftraum. Darüber hinaus gibt es noch mehrere Turnhallen“, berichtet Katharina Schiller. Die Anlage wurde ursprünglich für die Franzosen zu den Olympischen Spielen 1968 in Mexico konzipiert. Mittlerweile sind regelmäßig Sportler aus vielen Nationen vertreten.


Sie trainiere nach einem 3-2-3-1-Rhythmus (pro Tag) und wechsele in einen 3-2-1-Rhythmus. Das bedeutet: Trainings von 9 Uhr bis 12 Uhr, von 14.45 bis 17 Uhr und von 19.45 Uhr bis 21.15 Uhr. So addieren sich die für Hobbysportler schier unmöglich anmutende 42 Einheiten und 230 Kilometer im Wasser. Die 23-Jährige legt morgens generell immer ein Athletikeinheit ein. Das sind Sprünge, Krafttraining im Trockenen, sowie ausgiebige Rumpfstabilisation wie Bauch- und Rückenstärkung.


Die Dauer der Anpassung, in der sich ihr Körper an die Höhe gewöhnt, erlebt die 200m-Rücken-Spezialisten jedes Mal anders (siehe auch Stichwort). „Ich kann hier oben immer viel schlafen, ein Mittagsschlaf ist Standard und ich trinke viel.“
Die extreme Belastung macht hungrig. „Alle essen in der Höhe mehr, doch die Köche sind auf Sportler eingestellt und es schmeckt alles gut. Es gibt viel Nudeln, Kartoffeln, Reis, Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat, Obst und Joghurt.“ Wie es sich in Frankreich gehört, gibt es zudem Käse in allen Variationen und Baguette.“ Hier und da gönne sie sich außerdem mal eine Kugel Eis oder etwas Süßes.


Wenn die VfV-Schwimmerin sich nicht gerade ausruht, liest sie in der knappen freien Zeit gern. „Hin und wieder geht es auch mal auf einen Kaffee ins Dorf oder ich genieße die Sonne“, so Schiller. Ein Bummel im nahe gelegenen Andorra bringe ebenfalls mentale Frische für das enorme Trainingspensum. Dazu trage auch das abendliches „Puschen-Kino“ von der Festplatte auf dem Laptop bei. „In den drei Wochen habe ich einige Filme gesehen“, sagt die Lehramtsstudentin und lacht.


Die nächsten Aufgaben auf dem Weg nach Peking warten nach ihrer Heimkehr am 4. Juli schon: Wenige Tage später wird Katharina Schiller in Mainz für die Spiele eingekleidet, in Magdeburg steht noch ein Testwettkampf mit dem DSV-Team auf dem Programm.