Internet-basierte Kommunikationsformen, wie Chatforen und soziale Netzwerke, stehen im Verdacht, die politische Debattenkultur negativ zu beeinträchtigen. Im klaren Kontrast zu optimistischen Szenarien einer Demokratisierung politischer Teilhabe und einer Verbesserung demokratischer Deliberation zeigt sich zunehmend, dass sowohl Quantität als auch Qualität der politischen Beteiligung via Internet deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Formen politischer Online-Kommunikation erscheinen vielfach eher konflikt- als konsensorientiert. Im Zusammenhang mit Diskussionen, z.B. über die Flüchtlingspolitik, hat das Phänomen von Hasskommentaren im Internet allgemein und in sozialen Medien im Besonderen auch die politische Diskussion erreicht und Fragen nach geeigneten gesellschaftlichen und politischen Reaktionen hervorgerufen. Das Thema angemessenen (politischen) Diskursverhaltens ist somit von großer politischer wie wissenschaftlicher Relevanz. Die Zweifel an einem positiven Beitrag der Internettechnologie zu einer demokratischen Debattenkultur bergen gerade in Wahlkampfzeiten großes Potential für gesellschaftliche Verunsicherung. Darüber hinaus stellen aufkommende Regulierungsforderungen und -maßnahmen den Wert der freiheitlichen Online-Kommunikation infrage.
Das Forschungsprojekt setzte an diesem Punkt an, indem es das Online-Diskursverhalten im Kontext der Bundestagswahl 2017 mittels eines multimethodischen Designs untersuchte. Wahlkämpfe bilden Hochphasen politischer Kommunikation und damit einen signifikanten Kontext für die Untersuchung politischer Debatten insbesondere im Hinblick auf ihr affektives Eskalationsniveau. Auf der methodischen Ebene ermöglichen sie die Erhebung einer Vielzahl 'natürlicher' Daten politischer Kommunikation und bieten einen realistischen Hintergrund für die experimentelle Forschung.

WasN-Working_Paper_1.1

WasN-Working_Paper_2.0