„Von gesellschaftlicher Anerkennung der Heimerziehung weit entfernt“

Saturday, 08. September 2012 um 14:53 Uhr

Zur Bundestagung Heimerziehung erwartet die Universität Hildesheim vom 12. bis 14. September 2012 rund 300 Fachleute aus der Praxis, aus Einrichtungen, Jugendämtern und Hochschulen.

Laut Bundesstatistik erhalten etwa 950.000 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige Leistungen der Hilfen zur Erziehung (Dortmunder Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik 2011). Jede vierte Hilfe ist eine Maßnahme der Heimerziehung, deren Aufgabe es ist, Kindern und Jugendlichen einen lohnenden Lebensort und verbesserte Zukunftschancen zu bieten, sofern sie vorübergehend oder auf Dauer nicht in ihrer Familie leben können. Die Gründe dafür sind vielfältig. Meist handelt es sich um sozial benachteiligte Familien, die mit einer Vielzahl von Problemen belastet sind. Wie können Kinder in unterschiedlichen Formen der Heimerziehung ihre familiären Krisen und kindlichen Enttäuschungen bewältigen, wie kann ein soziales Miteinander gestaltet werden?

„Von der gesellschaftlichen Anerkennung der Heimerziehung – als Ort, an dem Kinder aufwachsen – sind wir weit entfernt“, sagen Dr. Stefan Köngeter und Dr. Maren Zeller vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim, die mit der Fachgruppe Heimerziehung der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGFH) die Bundestagung Heimerziehung vorbereitet haben. Von Heimerziehung im Allgemeinen kann kaum mehr gesprochen werden. 

In den letzten Jahren hat sich die Heimerziehung professionell weiterentwickelt und ausdifferenzierte Einrichtungsformen – von der kleinen Wohngruppen in der Nachbarschaft bis zu Einrichtungen zur Unterstützung von Kinder und Jugendlichen in besonders gefährdeten Lebenslagen – entwickelt. „An diese Entwicklungen gilt es anzuknüpfen“, so Köngeter und Zeller. „Wohngruppen und Einrichtungen müssen als Nachbarschaften akzeptiert und die Leistungen der Pädagoginnen und Pädagogen anerkannt werden. Die Kommunalpolitik darf die Heimerziehung nicht nur als Kostenfaktor sehen.“ Letztlich gehe es bei der Heimerziehung ja darum, „dass die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass sie ein Recht auf Bildung und auf ein Aufwachsen unter gerechten Bedingungen“ haben.

„Pädagogisches und soziales Gelingen in der Heimerziehung“: Die vierte Bundestagung Heimerziehung versucht in diesem Kontext eine aktuelle Standortbestimmung der Heimerziehung, in dem sie sich diesem „Lebensort auf Zeit" aus verschiedenen Blickwinkeln widmet. Bundesweit kommen Fachleute aus der Praxis, aus Einrichtungen, Jugendämtern, Hochschulen für drei Tage an der Universität Hildesheim zusammen, um zu diskutieren wie Heimerziehung zukünftig gestaltet werden kann, um Kinder zu schützen und zu fördern.

Die Bundestagung ist eine Kooperation der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen, des CJD Göddenstedt, des Psychagogischen Kinderheims Rittmarshausen e.V. und der Universität Hildesheim.

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