Forschungstagung

Thursday, 23. April 2009 um 00:00 Uhr

Recht und Sozialpolitik – Forschungstagung zu Problemen grenzüberschreitender Pflege und der Beschäftigung von MigrantInnen in Pflegehaushalten

Zwei Drittel der etwa 2 Milionen pflegebedürftigen Personen werden in Deutschland zu Hause betreut – häufig mit Unterstützung ambulanter Pflegedienste und zunehmend auch durch Beschäftigung von Migrantinnen (fast immer Frauen) aus mittel- und osteuropäischen Staaten (MOE-Staaten), die mit im Haushalt von Pflegebedürftigen leben. Deren Zahl wird auf mindestens 60.000 Personen aus MOE-Staaten geschätzt.

 

Am 17. April 2009 diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis damit verbundene rechtliche und gesellschaftliche Probleme der Erbringung von grenzüberschreitenden Dienstleistungen im Bereich der Pflege- und Haushaltsarbeit auf einer Forschungskonferenz an der Universität Hildesheim, die von Kirsten Scheiwe, Professorin für Recht sozialer Dienstleistungen am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik in Zusammenarbeit mit dem DFG-Graduiertenkolleg 'Transnationale Soziale Unterstützung' und der Doktorandin Johanna Krawietz organisiert wurde. Hochkarätige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis trafen sich zum Austausch über zahlreiche Themen. Das Spektrum der 'Praxis' reichte von der Gerichtsbarkeit über den Zoll, der für die Bekämpfung der Schwarzarbeit zuständig ist, die Zentrale Vermittlungsstelle der Bundesagentur für Arbeit bis hin zu freien Trägern aus dem Bereich der Pflege und der Beratung über Möglichkeiten der '24-Stunden-Pflege'.

Die derzeitigen rechtlichen Möglichkeiten der Beschäftigung von Migrantinnen in Privathaushalten von Pflegebedürftigen werden von verschiedenen Akteuren unterschiedlich interpretiert und sind durch Kontroversen und s genannte Grauzonen charakterisiert. Irreguläre Beschäftigungsverhältnisse sind häufig. Die rechtlichen Rahmenbedingungen und Grauzonen bei grenzüberschreitender Haushalts- und Pflegearbeit im Rahmen der EU und aus den neuen Beitrittsländern Mittel- und Osteuropas erläuterte kompetent Manfred Husmann, Richter am Bundessozialgericht i.R. Björn Nessler von der Diakonie Ruhr-Hellwege berichtete über das Beratungskonzept dieses freien Trägers im Rahmen der ambulanten Pflege. Dr. Hans-Joachim von Kondratowitz vom Deutschen Zentrum für Altersfragen kritisierte das "praktizierte Wegducken und Wegblenden zentralstaatlicher Instanzen' in der bisherigen Politik und diskutierte die Möglichkeiten einer potenziellen Entillegalisierung irregulärer Migrantinnen. Prof. Dr. Tom Schmid thematisierte den österreichischen Versuch der Integration und 'Entillegalisierung' von 'Haushaltsnomadinnen' aus osteuropäischen EU-Ländern.

Die wissenschaftliche Analyse dieses Politikfeldes unter Einbeziehung der international vergleichenden Diskussion wird als Forschungsaufgabe weiter an der Universität Hildesheim fortgeführt; die Tagungsbeiträge werden veröffentlicht.