Eine Million Euro EU-Förderung: Uni entwickelt Studienprogramm in der Kinder- und Jugendhilfe

Thursday, 02. August 2012 um 15:45 Uhr

„Durch Migration organisieren sich Familien über Ländergrenzen hinweg. Kinder wachsen heute in der EU, in Israel und Russland in grenzüberschreitenden Familien und Haushalten auf.“ An der Universität Hildesheim entwickelt ein Team von Wissenschaftlern zusammen mit Partnern aus der EU (Irland, Italien) sowie aus Israel und der Russischen Föderation ein internationales Studienprogramm im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Rund 965.000 Euro erhalten sie aus dem EU-Hochschulkooperationsprogramm Tempus IV.

Die Forschungsgruppe am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim – Alia Jakoby (MA), Dr. Stefan Köngeter und Prof. Dr. Wolfgang Schröer - freut sich über den Erfolg. In der fünften Auswahlrunde wurden von 676 eingereichten Anträgen 108 bewilligt, darunter 13 deutsche Anträge. 

Die sozialen Dienstleistungen für Kinder und Jugendliche sind in Zeiten globaler Veränderungen herausgefordert, ihre Expertise international zu erweitern. „Kinder- und Jugendhilfe ist noch sehr nationalstaatlich organisiert. Erfolgreiche Programme – z.B. das in angelsächsischen Ländern verbreitete ‚Looking after Children‘-Programm – können nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen werden“, erklärt Stefan Köngeter und fordert eine stärkere international vergleichende Perspektive. „Durch Migration organisieren sich Familien über Ländergrenzen hinweg. Kinder und Jugendliche wachsen heute in der EU, in Israel und Russland in Familien und Haushalten auf, die grenzüberschreitend organisiert sind.“ 

Kinder- und Jugendhilfe steht vor der Herausforderung, angemessene Programme zu erarbeiten, wie sie beispielsweise im Rahmen eines „migrationssensiblen Kinderschutzes“ entwickelt werden. Wissen über Entwicklungen der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen und über die Kinder- und Jugendhilfe im europäischen Ausland und in den Nachbarstaaten der EU wird daher immer bedeutsamer – für Forschung, Politik und Wohlfahrtsorganisationen. 

Ziel des Programms ist es, zusammen mit drei europäischen, vier israelischen und zwei russischen Partnerorganisationen ein kooperatives Studienprogramm zu entwickeln, das diese internationale Dimension der Kinder- und Jugendhilfeforschung stärkt. Fortgeschrittene Studierende (Master und Promotion) haben mit diesem Programm die Möglichkeit, eine grenzüberschreitende Qualifikation zu entwickeln und ihre Karrieren transnational auszurichten. 

Das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik baut mit dem Tempus-Projekt seine vielfältigen internationalen Kooperationen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe aus. Seine Expertise im Bereich der strukturierten Promotionsförderung – das Promotionsprogramm „Soziale Dienste im Wandel“, gefördert durch das Land Niedersachsen, und das DFG-Graduiertenkolleg „Transnationale Soziale Unterstützung“ mit insgesamt fünfzehn Doktorandinnen und Doktoranden – ist eine wichtige Basis für das Gelingen dieser internationalen Kooperation. 

„Mit diesem Erfolg haben unsere Hochschulen ein hohes Maß an Internationalität und Verantwortung bewiesen. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leisten in ihren Projekten neben ihren Verpflichtungen in Lehre und Forschung einen wichtigen Beitrag zum Aufbau hochwertiger Hochschulstrukturen in den Nachbarländern der EU“, sagte der niedersächsische Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Josef Lange am Donnerstag. 

Tempus-Programm: Förderung für bundesweit 13 Hochschulen

Ziel von Tempus ist es, durch gemeinsame Projekte mit den europäischen Nachbarn die Modernisierung des dortigen Hochschulwesens voranzubringen. Die Auswahlentscheidungen hat die europäische Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) in Brüssel getroffen. Im bundesweiten Vergleich haben Niedersachsens Hochschulen am erfolgreichsten abgeschnitten. Insgesamt rund 4,3 Millionen Euro erhalten die Universitäten aus Hildesheim und Oldenburg, die TU Clausthal, die Jade Hochschule und die Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaft. 

Bereits seit 2008 leitet die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Olga Graumann an der Universität Hildesheim erfolgreich EU-Tempus-Projekte. Am Projekt „Konsekutive und vernetzte Aus- und Weiterbildung in Bildungsmanagement“ sind vier westeuropäische und sieben osteuropäische Universitäten beteiligt.