Bücherstapel im Kinderwagen

Saturday, 22. September 2012 um 20:19 Uhr

„Manchmal werde ich nur als Mutter mit Kind wahrgenommen. Dabei bin ich eine ganz normale Studentin, ich will behandelt werden wie alle anderen", sagt Frauke Paschen. Ein Einblick in den gut organisierten Alltag zwischen Krippe und Hörsaal.

Frauke Paschen sitzt im Seminar „Transnationale Familien“. Die 24-Jährige studiert an der Universität Hildesheim Sozial- und Organisationspädagogik. In ihrem Studium beschäftigt sie sich mit der Situation von Flüchtlingen und Kindern, die außerhalb der Familie aufwachsen. „In diesem Umfeld möchte ich künftig arbeiten, vielleicht einem Asylheim oder in Institutionen, die Flüchtlinge bei der Ankunft in der Bundesrepublik unterstützen“, gibt sie einen Ausblick in die Zukunft.

„In Seminaren über die Entwicklung von Kindern, über Entwicklungspsychologie und den Umgang mit Kindern habe ich einen Vorteil“, schmunzelt Frauke Paschen. „Ich bin eine Mama.“ Im Seminarraum steht der Kinderwagen von ihrem sieben Monate alten Sohn Toumany. Zwischen Fläschchen und Bilderbuch liegen die Uni-Bücher und Skripte unten im Korb. Zum Seminarthema – transnationale Familien – hat Frauke Paschen einen besonderen Bezug. „Mein Ehemann ist im Senegal geboren, arbeitet in Vollzeit. Toumanys Großmutter lebt in Afrika. Über Skype sieht sie ihren Enkel aus der Ferne aufwachsen.“ Die Eltern versuchen, dass ihr Kind deutsch- und französischsprachig aufwächst. „Momentan nimmt die deutsche Sprache aber den größten Raum ein.“

An der Universität Hildesheim studieren immer mehr Mütter und Väter. Die Universität trägt seit 2008 offiziell das Zertifikat „familiengerechte Hochschule" (Jahresbericht). Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Studium, Beruf, Pflege und Familie werden regelmäßig begutachtet und weiterentwickelt. 

„Ob Rampen und Fahrstühle, eine Leseecke in der Uni-Bibliothek, Wickeltische an jedem Campus oder der Familienraum – die Unterstützung für studierende Eltern ist enorm wichtig“, unterstreicht Frauke Paschen. An der Uni Hildesheim fühlt sie sich gut aufgehoben. „Ich kann im Studium den Tag individueller planen, erleben, wie sich mein Sohn entwickelt. Diese Freiheiten hätte ich im Beruf mit 35 Jahren nicht“, ist sie sich sicher. „Dabei kann ich mich bei der Tagesplanung auf eines verlassen: Als Studentin mit Kind erhalte ich eine Zusage für Seminare, die ich besuchen möchte.“ Zudem fallen die Studiengebühren weg – das sind 500 Euro mehr für die Erziehung des Kindes, für Bilderbücher, Windeln oder Babykleidung.

„Mitstudierende, Dozentinnen und Dozenten unterstützen mich, sie haben Verständnis, sind tolerant“, freut sich die junge Mutter. „Manchmal werde ich aber nur als Mutter mit Kind wahrgenommen. Dabei bin ich eine ganz normale Studentin, ich will behandelt werden wie alle anderen und keine Extra-Wurst erhalten.“ Ihre Prüfungen und Hausarbeiten hat sie alle im vorgegebenen Zeitraum abgelegt.

Seit August besucht Toumany die Kindertagesstätte „Rasselbande“, ab Oktober soll er vormittags von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr in der Krippe sein, wenn Frauke Paschen nebenan im Hörsaal studiert. „Ich mache im Wintersemester meine letzten neun Seminare, damit ich im Sommersemester Zeit für meine Bachelorarbeit habe.“ 

Raum für Familien: Der Familienraum am Hauptcampus steht allen Beschäftigten und Studierenden mit ihren Kindern zur Verfügung und kann zum Ruhen, Schlafen, Stillen, Essen und Arbeiten genutzt werden. Gemeinsam mit Studierenden hat das Gleichstellungsbüro den Raum mit Spielmöglichkeiten ausgestattet. Ein Schreibtisch mit Internetzugang, Fläschchenwärmer und Wickeltisch sind vorhanden. 

Studieren mit Familie - Informationen des Gleichstellungsbüros