Beratung in der Promotions- und Postdoc-Phase

Tuesday, 20. February 2018 um 15:49 Uhr

Das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ startet an der Universität Hildesheim ein Beratungsangebot für Promovierende und Postdocs. Die Sozialwissenschaftlerin Svea Korff befasst sich mit Lebenslagen während und nach der Promotion – im Interview spricht sie über ihre Forschung. Sie kordiniert auch das neue DFG-Netzwerk „Ausstieg aus der Wissenschaft“, das Ende Februar in Hildesheim tagt.

Die promovierte Sozialwissenschaftlerin Svea Korff befasst sich am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik mit Wegen nach der Promotion und Gründen für den Ausstieg aus der Wissenschaft. Foto: privat

Die Wissenschaftlerin Dr. Svea Korff aus dem Hildesheimer Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ startet ein Beratungsangebot für Promovierende und Postdocs. Das Beratungsangebot ist individuell und lösungsorientiert.

Die lösungsorientierte Einzelberatung für Promovierende und Postdocs bietet Unterstützung in Phasen der Unsicherheit oder bei Konflikten. Im Gespräch werden gemeinsam ein Erkenntnisgewinn oder Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Das Beratungsangebot ist offen, kostenfrei und wird auf die individuellen Bedürfnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zugeschnitten.

Hochschulen sind Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen

Das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ entwickelt theoretisch fundierte und empirisch angelegte Studien und analysiert den Bildungsraum „Hochschule“. Die vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich in ihrer Forschung auf die Promotions- und Postdoc-Phase im deutschen Wissenschaftssystem spezialisiert.  So hat etwa eine Arbeitsgruppe um Professorin Meike Baader und Professor Wolfgang Schröer im Forschungsprojekt „Chancengleichheit in der strukturierten Promotionsförderung an deutschen Hochschulen“ die Lebenslagen von Doktorandinnen und Doktoranden untersucht. Das Team der Universität Hildesheim hat sich in einem weiteren Forschungsprojekt mit dem Thema „Chancengleichheit in der Postdoc-Phase in Deutschland“ befasst. Auf der Forschungsexpertise basiert auch das vom Forschungscluster angebotene Informations- und Beratungsangebot.

Kontakt: Beratung in der Promotions- und Postdoc-Phase

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Svea Korff gehört zu den Gründungsmitgliedern und ist seit 2015 Sprecherin des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“. Sie wirkt nun als Beraterin (in Ausbildung) als eine Anlaufstelle für Promovierende und Postdocs. Wenn Sie einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren möchten, richten Sie Ihre Anfrage direkt per Telefon (05121 883 11750) oder per E-Mail (svea.korff@uni-hildesheim.de) an Dr. Svea Korff. Weitere Informationen zum Beratungsangebot, der Beraterin und zum Forschungscluster finden Sie online.

 

Interview mit Dr. Svea Korff

„So manches Mal stellt man sich die Frage, ob es nicht leichter wäre aufzugeben“

Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Svea Korff forscht im Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim. 2014 promovierte Korff am Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften. Seit 2009 forscht sie am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik und hat hier die Lebenslagen von Promovierenden und Postdocs in Deutschland untersucht. Nun berät sie Promovierende und Postdocs.

Warum ist denn Beratung in der Promotions- und Postdoc-Phase notwendig?

Svea Korff: Die Promotionsphase und die Zeit nach der Promotion, auch Postdoc-Phase genannt, sind relativ unübersichtliche und unsichere Karriereabschnitte: unübersichtlich, da sie nicht einheitlich geregelt sind und unsicher sowie prekär, durch die zumeist befristeten Beschäftigungsverhältnisse und die zeitliche Beschränkung durch das Wissenschaftzeitvertragsgesetz.
Insgesamt lassen sich die Ergebnisse unserer bundesweiten Untersuchung zur strukturieren Promotion hinsichtlich Beratung so zusammenfassen, „dass die Promovierenden in den Programmen die wissenschaftliche Beratung als ‚Top‘, die Karriereberatung hingegen als ‚Flop‘ beurteilen“ (Baader/Korff/Schröer 2016, S. 14).
In der Postdoc-Phase ließen sich Förderprogramme ausmachen, die sich besonders durch kurzzeitige, über Anmeldung zugängliche Trainings- und Qualifizierungsmaßnahmen sowie Beratungsangebote auszeichnet (Typus „Flow“). Hierbei können die Postdocs die Möglichkeit zur Weiterbildung nutzen, jedoch werden sie nicht längerfristig eingebunden oder unterstützt, sondern müssen in „Bewegung“ bleiben (Böhringer/Gundlach/Korff 2014).

Was ist besonders an dem neuen Beratungsangebot des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“?

Wir bieten eine Beratung durch eine dritte, unabhängige Person – unabhängig, weil kein Abhängigkeitsverhältnis besteht, wie dies zum Beispiel bei Promovierenden und deren Betreuungspersonen der Fall ist. Das Angebot ist eine strukturierende Beratung, aber keine inhaltliche – also thematische, fachliche oder methodische Betreuung. Die inhaltliche Beratung bleibt natürlich im Verantwortungsbereich der Betreuungspersonen.

Mit welchen Problemen wenden sich eine Doktorandin oder ein Wissenschaftler in der Postdoc-Phase zum Beispiel an Sie?

Bisher ging es eher um Anfragen rund um die Strukturierung im Promotionsprozess: Wann muss ich mich um was kümmern? Was kommt noch alles auf mich zu? An was muss ich denken, was ist wirklich wichtig und relevant?
Neben Unsicherheiten in der Strukturierung des Promotionsprozesses können aber auch Unsicherheiten in der weiteren Karriereplanung oder Konflikte beim Zusammenspiel unterschiedlicher Lebensbereiche und Anforderungen (Promotion, Projektarbeit, Peer-Group, Betreuung, Familie, Beziehung, Karriere, Moblität und andere) in der Beratung thematisiert werden.
Die Promotions-Phase oder Postdoc-Phase kann wie der Aufstieg auf einen Berg sein. Eine lange Zeit ist es einfach nur beschwerlich. Der Weg ist steil, man kommt gehörig ins Schwitzen. Das Ziel, die Bergspitze, liegt lange Zeit scheinbar unerreichbar über den Wolken. So manches Mal stellt man sich die Frage, ob es nicht leichter wäre aufzugeben, umzukehren und sich einen anderen Weg zu suchen. Erreicht man jedoch ein Etappenziel und die eigene Forschungslandschaft formiert sich vor einem, erhält man einen Überblick über das bereits Erreichte und das noch zu Tuende. Ein solcher Berg wird in der Regel nicht allein bezwungen – und ich möchte Wissenschaftlerinnen und Wissenschafler vor dem Hintergrund meiner Forschungs- und Beratungsexpertise beratend zur Seite stehen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Ausstieg aus der Wissenschaft

DFG-Netzwerk zu Ausstiegsprozessen im akademischen Kontext startet an Universität Hildesheim

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das wissenschaftliche Netzwerk „Ausstieg aus der Wissenschaft“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehreren Hochschulen untersuchen bis 2019 Ausstiegsprozesse im akademischen Kontext. Die Hildesheimer Wissenschaftlerin Dr. Svea Korff koordiniert das DFG-Netzwerk. Am 21. und 22. Februar 2018 startet der DFG-Verbund mit einem Auftakttreffen an der Universität in Hildesheim.

Karrieren sind im deutschen Wissenschaftssystem wenig planbar und von prekären Beschäftigungsbedingungen sowie unsicheren Zukunftsaussichten gezeichnet, so Korff. Entsprechend hoch sei die Zahl derjenigen, die der Wissenschaft den Rücken kehren und langfristig aus dem wissenschaftlichen Feld aussteigen. Bisher fehlen jedoch grundständige empirische und theoretische Erkenntnisse. Das interdisziplinäre DFG-Netzwerk untersucht in den nächsten zwei Jahren individuelle und organisationale Bedingungen des Ausstiegs aus dem wissenschaftlichen Feld und erfasst den Ausstiegsprozess auf den unterschiedlichen Stufen der wissenschaftlichen Karriere (Promotionsphase, Postdoc-Phase und Berufungsphase) theoretisch und empirisch.

An dem DFG-Netzwerk sind verschiedene fachwissenschaftliche Disziplinen beteiligt: Erziehungswissenschaften, Sozialwissenschaften und Bildungswissenschaften. Zur interdisziplinären Gruppe gehören: Dr. Sandra Beaufaÿs (Universität Duisburg-Essen, Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW), Dr. Daniela Böhringer (Universität Osnabrück, Institut für Sozialwissenschaften), Gesche Brandt (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung DZHW), Dr. oec. Anke Burkhardt (Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Institut für Hochschulforschung HoF), Prof. Dr. Patricia Graf (BSP Business School Berlin, Professur für Forschungsmethodik), Dr. Anja Franz (Otto von Guericke Universität Magdeburg, Institut für internationale und interkulturelle Bildungsforschung) und Dr. Svea Korff (Stiftung Universität Hildesheim, Forschungscluster Hochschule und Bildung). Die Wissenschaftlerinnen arbeiten in sieben Teilprojekten.

Auf dem Programm des Auftakttreffens stehen ein erster Austausch unter den Wissenschaftlerinnen, die Vorstellung ihrer Projekte sowie die gemeinsame Planung und Zielsetzungen für die kommenden zwei Jahre.

Created by Pressestelle, Isa Lange

Die promovierte Sozialwissenschaftlerin Svea Korff befasst sich am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik mit Wegen nach der Promotion und Gründen für den Ausstieg aus der Wissenschaft. Foto: privat