Südtiroler Weinbau - eine Standortbestimmung in der europäischen Rebenlandschaft

Südtiroler Weinbau - eine Standortbestimmung in der europäischen Rebenlandschaft

Kurzzusammenfassung des Vortrags vom 05.11.2007Prof. Dr. Helmut Alexander (Universität Innsbruck)

Keine detaillierte Auseinandersetzung mit den in Südtirol angebauten Rebensorten im Vergleich zu ihren europäischen Konkurrentinnen bot der Vortrag von Prof. Dr. Helmut Alexander von der Universität Innsbruck, vielmehr eine differenzierte Darstellung der Entwicklung des Südtiroler Weinbaus vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Neben den verschiedenen insbesondere wirtschaftlichen, politischen und technischen Einflussfaktoren, die diese Entwicklung (mit-)bestimmt haben, bildeten die Auswirkungen der Globalisierung auf den europäischen Weinbau im Allgemeinen und auf den Südtiroler Weinbau im Besonderen einen Schwerpunkt des Vortrages.

Weinbau war – neben der Versorgung des regionalen Umfeldes - immer schon tendenziell global ausgerichtet. So ist bereits in der Antike Wein ein wichtiges Exportgut. Im Zuge der Kolonialisierung Amerikas gelangen Rebstöcke und die Kunst des Weinbaus in die Neue Welt. Heute entstehen auf allen außereuropäischen Kontinenten neue Weinbaugebiete, die den traditionellen europäischen Weinbaugebieten sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht mehr oder minder Konkurrenz machen. Zwar befinden sich noch rund 60 % der weltweiten Anbauflächen für Wein in Europa und auch der Konsum ist in Europa noch am ausgeprägtesten; die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen jedoch, dass die „Neuen“ im Konzert der weinproduzierenden Länder rasch aufholen und zwar sowohl im Hinblick auf die Produktionsmengen, die Ausdehnung der Anbauflächen als auch im Hinblick auf die Qualität und das Konsumentenverhalten.

Das führt in Europa und insbesondere in Gebieten, die von ihren geographisch-klimatischen Bedingungen her kaum Expansionsmöglichkeiten haben, wie z. B. Südtirol, dazu, von früherer Sortenvielfalt zu einer Konzentration auf wenige, am Markt gut platzierbare Weine zu gelangen und somit durch ein besonderes Geschmacksprofil aus der Masse hervorzutreten.

Das war in Südtirol nicht immer so. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Weinbau im Zuge der Säkularisierung der Klöster und Stifte einen Aufschwung nahm, entwickelte sich zunächst eine recht breite Sortenvielfalt, die allerdings zunächst wesentlich der Befriedigung des regionalen Bedarfs diente und insofern keine wirtschaftlich relevante Einnahmequelle darstellte. Qualitätseinbußen durch den Anbau wässriger Reben, aufgrund natürlicher Einflussfaktoren wie Mehltau und Reblaus, gegen die erst im Laufe der Jahre wirksame Bekämpfungsmethoden entwickelt wurden, führten zu einem zunehmenden Bedeutungsverlust des Südtiroler Weinbaus bis ins zweite Drittel des 19. Jahrhunderts hinein. Infrastrukturelle Verbesserungen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, insbesondere der Eisenbahnbau erleichterten zwar den Export, kamen jedoch nicht in vollem Umfang zum Tragen, weil Witterungseinflüsse und Schädlinge immer wieder Rückschläge mit sich brachten. Umgekehrt ergaben sich aus den verbesserten Transportmöglichkeiten auch Nachteile für den heimischen Markt, da nämlich billige italienische Weine, zum Teil sogar missbräuchlich als Südtiroler Ursprungs etikettiert, die einheimischen Produkten wenn nicht zu verdrängen begannen, so doch ihren Ruf schädigten.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der zunächst aufgrund der einbrechenden Absatzmöglichkeiten in Deutschland dem Südtiroler Weinbau weitere Probleme bescherte, nahm die Produktion einen Aufschwung. Neue, gegen Schädlinge resistentere Pfropfreben ließen die Erträge wieder steigen. Nun waren es eher politische Faktoren, die die Südtiroler Weinbauern mit neuen Schwierigkeiten konfrontierten. Die Einbindung Südtirols in das italienische Staatsgefüge führte unter dem Faschismus u. a. auch zu einer Italianisierung der Südtiroler Ortsnamen, so dass die Herkunft der entsprechenden Weine nicht mehr ohne weiteres als Südtiroler Provenienz erkennbar war und somit die Behauptung des Südtiroler Weins als Markenzeichen erheblich erschwert wurde. Die als Gegenmaßnahme Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts gegründeten Schutzgemeinschaften konnten dagegen nur wenig ausrichten.

Zugleich aber verbesserte sich die Qualität des Südtiroler Weins im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr. Technische Fortschritte, zunehmende Professionalisierung, aber auch die bereits erwähnte Reduktion des Rebenspektrums von 147 Sorten im Jahr 1948 auf aktuell rund 30 Sorten sorgten für eine marktgerechtere Produktion. Intensives Marketing trug ein Übriges dazu bei, dem Südtiroler Wein die Imagebedeutung eines hervorragenden „Qualitätsweins“ zu verschaffen, die ihm heute weit über seine mengenmäßige Bedeutung im Rahmen des globalisierten Weinbaus hinaus für die Autonome Provinz-Bozen-Südtirol zukommt.

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