Pictura Paedagogica Online. Über die Realität auf Retabeln und in Bilderchroniken

Pictura Paedagogica Online. Über die Realität auf Retabeln und in Bilderchroniken

Kurzzusammenfassung des Vortrags vom 12.11.2007
Dr. Peter Müller (Göttingen)

Am Beispiel ausgewählter Bilder aus Chroniken und Darstellungen auf Retabeln demonstrierte Dr. Peter Müller, langjähriger Mitarbeiter im DFG-Projekt „Pictura Paedagogica Online“, wie historisches Bildmaterial unabhängig vom jeweiligen Sujet als Quelle für die historische Forschung und Lehre nutzbar gemacht werden kann. Ob eine heimische Landschaft, in die eine religiöse Szene ohne Rücksicht auf ihren tatsächlichen Ort hineingestellt ist, oder eine Stadtansicht im Zusammenhang mit einer Richtszene, ob die Ankunft des Königs vor den Toren der Stadt oder eine Darstellung Marias in ihrer Kammer: in jedem dieser Bilder finden sich Hinweise auf Zeitgenössisches, auf geographische bzw. topographische Gegebenheiten, auf Kleidungsvorschriften und typische Verhaltensweisen, auf gesellschaftliche Zusammenhänge und legitimationsstiftende Ideologien. Natürlich lassen sich solche Hinweise vielfach erst im Vergleich mit anderer Überlieferung, in der Regel schriftlichen Quellen und dinglicher Hinterlassenschaft (sog. Sachüberresten) angemessen interpretieren. Gleichwohl bieten die bildlichen Darstellungen nicht zuletzt im Hinblick auf die didaktische Aufbereitung historischer Themen einen großen Fundus an Material.

Wie groß ein solcher Fundus sein kann, zeigt Pictura Paedagogica Online (PPO), ein Datenbanksystem, das derzeit rund 48.500 Bilder vom Mittelalter bis in die Gegenwart enthält, die einen direkten oder indirekten Bezug zum Themenbereich Bildung und Erziehung haben. Erfasst über eine Schlagwort-Beschreibung der ersten ikongraphischen Ebene mit Normschlagworten der Deutschen Bibliothek lassen sich die als jpg-Dateien mit 75 dpi gespeicherten Bilder zu den verschiedensten Themen problemlos suchen.

Pictura Paedagogica Online (PPO) wurde 1999 begründet als Kooperationsprojekt des damaligen Instituts für Angewandte Erziehungswissenschaft und allgemeine Didaktik der Universität Hildesheim und der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) in Berlin des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Basis sind das seit 1982 unter Leitung von Rudolf W. Keck an der Universität Hildesheim aufgebaute reale Bildarchiv zur Bildungsgeschichte, ferner eine private Postkartensammlung mit fast 20.000 Postkarten aus dem Zeitraum von etwa 1880 bis 1945 sowie der Bildbestand der Sammlung „Alte Drucke“ der BBF. PPO wurde konzipiert als in Zukunft permanent wachsendes virtuelles bildungshistorisches Bildarchiv und ist zugänglich über die Internetseite der BBF unter www.bbf.dipf.de bzw. direkt unter www.bbf.dipf.de/VirtuellesBildarchiv.

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