Universität Hildesheim - Meldungen - Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung de-de Stiftung Universität Hildesheim Sun, 15 Dec 2019 14:45:46 +0100 Sun, 15 Dec 2019 14:45:46 +0100 TYPO3 EXT:news news-17426 Mon, 23 Sep 2019 15:05:00 +0200 Universität Hildesheim im Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-im-bund-laender-programm-zur-foerderung-des-wissenschaftlichen-nachwuchses-erfo/ Die Universität Hildesheim hat sich erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Fünf dieser Professuren können an der Universität Hildesheim etabliert werden, und zwar in den Bereichen Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter sowie Informatikdidaktik. Die Tenure-Track-Professuren sind Teil des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Universität Hildesheim hat sich im Rahmen des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz am 12. September 2019 bekannt gab, können nun fünf dieser Professuren an der Universität Hildesheim etabliert werden. Insgesamt wurden in der zweiten Bewilligungsrunde 532 Tenure-Track-Professuren an 57 Hochschulen zur Förderung ausgewählt. Nach der Vergabe von 468 Professuren in der ersten Bewilligungsrunde 2017 erhalten damit insgesamt 75 Hochschulen eine Förderung. 

Die Tenure-Track-Professur sieht nach einer erfolgreichen Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor, sodass die beruflichen Chancen des herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchses erhöht und die Planbarkeit einer Karriere in der Wissenschaft verbessert werden. An der Universität Hildesheim bestehen damit künftig neben der Habilitation als „klassischem“ Weg, der Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe und der Tenure-Track-Professur im Wesentlichen drei Wege zur Professur. Die auf diese Stellen berufenen Professorinnen und Professoren nehmen ihre Aufgaben in Forschung und Lehre selbständig wahr.

Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter, Informatikdidaktik

Thematisch sollen die Professuren im Bereich der Digitalisierung angesiedelt werden. Wie in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim „MINERVA 2025“ festgehalten, stellt Digitalisierung neben Bildung, Kultur und Diversität ein fachbereichsübergreifendes Leitthema dar. In innovativer Weise werden zwei Bereiche miteinander verknüpft: zum einen technische Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Data Analytics, Computerlinguistik) und zum anderen gesellschaftliche Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Verwaltung und Demokratieentwicklung, soziale Dienste). Der Bereich Digitalisierung dient damit zur weiteren Profilschärfung der Universität Hildesheim. Gleichzeitig werden Forschung, Lehre und Transfer in einem für die Zukunft äußerst relevanten Themenfeld strategisch gestärkt. 

Im Einzelnen beantragte die Universität Hildesheim die folgenden Tenure-Track-Professuren in dem Bund-Länder-Programm: 

  • Professur für Digitales Lehren und Lernen im Unterricht

  • Professur für Ethnomusicology

  • Professur für Digitale Geisteswissenschaften

  • Professur für Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter

  • Professur für Informatikdidaktik

Die Professuren sollen noch in diesem Jahr ausgeschrieben und im Sommersemester 2020 besetzt werden. Die Universität Hildesheim erhält für die Einrichtung der fünf Tenure-Track-Professuren rund 3,5 Millionen Euro. 

Das Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses läuft von 2017 bis 2032. Dafür stellt der Bund bis zu eine Milliarde Euro bereit. Zugleich sagten die Länder zu, die Zahl der unbefristet beschäftigten Professorinnen und Professoren an den antragsberechtigten Hochschulen dauerhaft um 1.000 zu erhöhen. Mit der Etablierung der Tenure-Track-Professur als international bekanntem und akzeptiertem Karriereweg soll nicht zuletzt die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems insgesamt erhöht werden.

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news-17339 Thu, 05 Sep 2019 18:08:00 +0200 Lehrerausbildung an der Uni Hildesheim: Noch freie Studienplätze für das Lehramt an Haupt- und Realschulen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehrerausbildung-an-der-uni-hildesheim-noch-freie-studienplaetze-fuer-das-lehramt-an-haupt-und-reals/ Studieninteressierte können sich noch bis zum 30. September 2019 für einen Bachelorstudienplatz im Bereich Lehramt an Haupt- und Realschulen bewerben. Die frühe Unterrichtspraxis ist seit über 70 Jahren ein Kernelement der Hildesheimer Lehrerausbildung. Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten erhalten in Praxisphasen Einblicke in die Schulrealität. Freie Studienplätze an der Universität Hildesheim sind noch in den folgenden Fächerkombinationen im Bereich Lehramt an Haupt- und Realschulen vorhanden, eine Bewerbung ist bis zum 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++] möglich:
  • Mathematik / Biologie

  • Mathematik / Chemie

  • Mathematik / Geographie

  • Mathematik / Physik

  • Mathematik / Politik

  • Mathematik / Technik

  • Mathematik / Wirtschaft

  • Mathematik / Informatik

Hier geht’s zur Online-Bewerbung um einen Studienplatz

Hildesheim ist seit Jahrzehnten bedeutsam für die Schulentwicklung in Niedersachsen: Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Die Universität geht aus der 1946 gegründeten Pädagogischen Hochschule Alfeld hervor.

Die frühe Unterrichtspraxis ist seit über 70 Jahren ein Kernelement der Hildesheimer Lehrerausbildung und bundesweit besonders. Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten erhalten in Praxisphasen Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und in Seminaren die Unterrichtserfahrungen reflektieren.

Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer studieren in Hildesheim zwei Unterrichtsfächer. In 23 Fächern – von Deutsch, Physik, Biologie und Mathematik über Sport, Theologie, Kunst und Musik bis zu Englisch, Informatik, Psychologie und Politik – bilden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Hildesheim die künftige Lehrergeneration aus. Hinzu kommen Pädagogik, pädagogische Psychologie sowie Politikwissenschaft, Soziologie oder Philosophie.

Besonderen Wert legt die Universität Hildesheim in der Lehrerausbildung auf die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit Heterogenität und auf schulpraktische Erfahrungen ab dem ersten Studienjahr. Studierende sammeln wertvolle Praxiserfahrungen an Partnerschulen in Hildesheim, Hannover und der Region und verzahnen Theorie und Praxis. Die Studentinnen und Studenten gehen einmal wöchentlich an einem Vormittag in die Schule und lernen Unterrichtsanalysen und Unterrichtsversuche.

Hier finden Sie weitere Informationen
über das Lehramtsfach Mathematik
auf der Website des Instituts für Mathematik und Angewandte Informatik

Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung
der Universität Hildesheim

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Fachbereich 4 Informatik Geographie Biologie & Chemie Mathematik & Angewandte Informatik Physik Technik Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-17365 Tue, 03 Sep 2019 09:16:00 +0200 Sprachlernprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/sprachlernprojekt-fuer-gefluechtete-kinder-und-jugendliche-1/ Seit vier Jahren qualifiziert ein Team um Annette Lützel Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. An zwei Standorten in Hildesheim unterstützen die Studierenden täglich geflüchtete Menschen beim Spracherwerb und bei der Integration in Schule, Alltag und Arbeitswelt. Mittlerweile wurden mehr als 400 Studierende qualifiziert. Eine Zwischenbilanz. Im Wintersemester 2015/16 wurde mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ein Projekt gestartet, dass Studentinnen und Studenten qualifiziert, um geflüchtete Menschen beim Spracherwerb zu unterstützen.

Ein Team der Universität Hildesheim vermittelt Studierenden in theoretischen Modulen die fachlichen Grundlagen, in einer Praxisphase unterrichten sie Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund.

Die fachliche Qualifizierung der Studierenden erfolgt in unterschiedlichen Themenbereichen wie zum Beispiel Diversität, Zweitspracherwerb, aufenthalts- und sozialrechtliche Regelungen für Geflüchtete, Hintergrundinformationen zu Fluchtursachen und Herkunftsländern sowie Umgang mit durch Flucht und Verfolgung traumatisierter Menschen. Des Weiteren gibt es Vertiefungsveranstaltungen zum Unterricht im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“, zur Unterrichtsvorbereitung und zum Thema Alphabetisierung. Nach dem Besuch der Einführungsveranstaltung beginnen die Studierenden mit der Unterrichtsassistenz an den Schulen.

400 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt seit 2015 geflüchtete Kinder und Jugendliche beim Spracherwerb unterstützt

Das Sprachlernprojekt fand zunächst in der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Hildesheim statt. Im November 2016 wurde die Erstaufnahmestelle geschlossen, viele Geflüchtete haben nun einen dauerhaften Aufenthalt und benötigen Unterstützung bei der Integration in Schule und Arbeitsmarkt.

Insbesondere die Schulen stehen hier vor einer großen Herausforderung. Das Projekt wird deshalb seit Sommer 2016 an zwei Hildesheimer Schulen, der Grundschule Nord und der Walter-Gropius-Berufsschule, fortgesetzt.  Beide Schulen haben einen großen Bedarf an Sprachförderung, das Sprachlernprojekt bietet hier täglich im Anschluss an den Regelunterricht ein ergänzender Sprachunterricht an. Hier wird – anders als im Regelunterricht – sehr intensiv in kleinen Gruppen gearbeitet. Täglich unterrichten 20 Studierende an den beiden Standorten.

Sprachunterricht an Grundschule und Berufsschule

Das Projekt hat sich seit dem Start sehr gut entwickelt, so die Projektkoordinatorin Annette Lützel. Beide Seiten – geflüchtete Schülerinnen und Schüler als auch Studierende – profitieren sehr von dieser Arbeit. Zuerst hatte sich das Projekt nur an Lehramtsstudierende gerichtet, die im Rahmen ihres Sozialpraktikums teilnehmen. Mittlerweile ist das Projekt auch für Studierende anderer Fachrichtungen, wie zum Beispiel Sozial- und Organisationspädagogik und Erziehungswissenschaften, offen. Viele Studierende treffen im späteren Berufsalltag auf Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, im Sprachlernprojekt erwerben sie wichtige Kompetenzen für diese Arbeit.

Die Schulen werden durch das Projekt sehr gut in ihrer Arbeit unterstützt, deshalb erhält das Projekt auch eine Förderung durch die Stadt und den Landkreis Hildesheim sowie die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung. Mit einer Unterstützung des Europäischen Sozialfonds hat das Uni-Team seit Januar 2019 das Sprachlernprojekt zusätzlich um eine intensive Unterstützung der Schülerinnen und Schüler im Übergang von der Schule in den Beruf erweitert.

Sommerfest

Am Donnerstag, 5. September 2019, ab 14:00 Uhr lädt das Team des Sprachlernprojekts im Neubau am Hauptcampus zum Sommerfest ein. Wer teilnehmen möchte, wird gebeten sich vorher bitte per E-Mail anzumelden (roeben@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Studierendenportal Flüchtlinge
news-17411 Fri, 23 Aug 2019 08:00:00 +0200 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG berichtet über Lehrerausbildung: Studienplätze für das Lehramt an Haupt- und Realschulen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/hannoversche-1/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG berichtet über Lehrerausbildung: An der Universität in Hildesheim wird rund ein Drittel der Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Niedersachsen ausgebildet. Es gibt in Hildesheim insgesamt 2600 Lehramtsstudienplätze. Hildesheim ist seit Jahrzehnten bedeutsam für die Schulentwicklung in Niedersachsen. „An der Universität in Hildesheim wird rund ein Drittel der Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Niedersachsen ausgebildet. Es gibt dort insgesamt 2600 Lehramtsstudienplätze“, berichtet die HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG. Studieninteressierte können sich noch für freie Studienplätze für angehende Haupt- und Realschullehrer bewerben, zum Beispiel in der Fächerkombination Mathematik mit Biologie, Chemie, Geographie, Physik, Politik, Technik, Wirtschaft oder Informatik.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 23.08.2019, „Die Universität Hildesheim hat noch freie Studienplätze für angehende Haupt- und Realschullehrer“ (print) (Artikel nicht online verfügbar)

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Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Pressespiegel überregional
news-17107 Thu, 04 Jul 2019 07:46:00 +0200 Vorstand des Zentrums für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/vorstand-des-zentrums-fuer-digitalen-wandel/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Im Juli kam der Vorstand des „Zentrums für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“  der Universität Hildesheim zur konstituierenden Sitzung zusammen.

Dem Vorstand gehören der Wirschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt (Sprecher), die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, der Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum, die Mathematikdidaktikerin Professorin Barbara Schmidt-Thieme, der Leiter der Universitätsbibliothek Dr. Ewald Brahms und der Literaturwissenschaftler Dr. Guido Graf an.

„Mit dem Zentrum für Digitalen Wandel wollen wir bestehende Forschungs-, Lehr- und Transferinitiativen bündeln, um diesen eine größere Wirksamkeit zu verleihen und um disziplinübergreifende Erklärungs- und Gestaltungsansätze zu ermöglichen, die dem digitalen Wandel in seiner Komplexität gerecht werden“, so Professor Ralf Knackstedt.  

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype die Debatten über den digitalen Wandel prägen. Die Digitalisierung ist eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim.

Weitere Informationen über das ZFDW finden Sie online.

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news-17086 Mon, 01 Jul 2019 08:39:00 +0200 Herausragende akademische Leistungen: Torben Windler, Candy Walter und Carolin Funke https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/herausragende-akademische-leistungen-torben-windler-carolin-funke-und-candy-walter/ Die Universitätsgesellschaft Hildesheim verleiht drei Preise für herausragende akademische Leistungen. Geehrt werden der Informatiker Torben Windler, die Kulturwissenschaftlerin Carolin Funke und der Mathematiker Candy Walter für ihre Bachelorarbeit, Masterarbeit und Promotion. Die Förderpreise sind mit jeweils 500 Euro dotiert „Die Preise sind eine besondere Auszeichnung der Universität für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Sie sollen zudem Studierende und wissenschaftlichen Nachwuchs motivieren“, sagt Heinz-Werner Ernst, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Hildesheim, anlässlich der Preisverleihung im Forum am Hauptcampus. Die Qualität begeisterte ihn, und erstaunt habe ihn die Nähe der Forschungsarbeiten zur realen Welt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

  • Bachelor: Torben Windler | Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ |  Bachelorarbeit „Electricity Price Forecasting in the Context of Production Planning“ | Gutachter: Jan Busse

  • Master: Carolin Funke | Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ | Masterarbeit „Narrative Zwischenräume. Die Bedeutung der Bild-Text-Interdependenz in Bilderbuchgesprächen am Beispiel des Bilderbuches „Garmans Straße“ von Stian Hole. Eine qualitativ-empirische Studie.“ | Gutachterin Prof. Dr. Bettina Uhlig, Gutachter Jan Schönfelder

  • Dissertation: Candy Walter | Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ | Dissertation „Statistische Untersuchungen Planen – Eine empirische Untersuchung zur Planung und Durchführung statistischer Untersuchungen von Lernenden aus 9ten und 10ten Schuljahrgängen“ | Gutachterin: Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme

Nähe der Forschungsarbeiten zur realen Welt

Der Informatiker Torben Windler hat seine Arbeit im Rahmen eines Projektes umgesetzt, in dem einem Produktionsbetrieb mit hohem Energieverbrauch geholfen werden soll, die Niedrigpreisphasen des Stromlieferanten auszunutzen und das vorausschauend Wochen vorher zu planen.

Carolin Funke, gelernte Grafikerin, hat in ihrer Masterarbeit ein liebevoll gestaltetes Werk vorgelegt, das Lehrerinnen und Lehrern Hilfen gibt für das Erschließen von Bilderbüchern. Auch der Mathematiker Candy Walter wendet sich mit seiner Arbeit an Lehrerinnen und Lehrer. Mit Hilfe der Ergebnisse seiner Dissertation sollen Schülerinnen und Schüler eigene Projekte besser durchführen und auswerten können.

Nominiert waren herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aller Fachbereiche

Unter den insgesamt 14 Nominierten mit herausragenden Forschungsarbeiten waren junge Forscherinnen und Forscher aus allen Fachbereichen der Universität Hildesheim. Die Preis werden einmal im Jahr verliehen.

Die vier Fachbereiche hatten die Arbeiten bei der paritätisch besetzten Förderkommission des Senats eingereicht. Die ermittelte in einem aufwendigen Verfahren drei Vorschläge, die sie dem Vorstand der Universitätsgesellschaft zur Entscheidung vorlegte. Die zum Teil sehr umfangreichen Arbeiten wurden mitgereicht, um den Kommissionsvorschlag nachvollziehen zu können.

Die Universitätsgesellschaft fördert Studierende, studentische Projekte und Leistungen und unterstützt Forschung und Lehre. Die gemeinnützige Gesellschaft vereint Freunde, Ehemalige, Förderer und Angehörige der Uni und versteht sich als Bindeglied zwischen Universität und den Bürgerinnen und Bürgern der Region.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Fachbereich 4 Informatik Maschinelles Lernen Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Forschung Studierendenportal Personalportal Bürgergesellschaft Startseite
news-16317 Fri, 08 Mar 2019 15:54:04 +0100 Explore Science: „Ich bin ein Fan von Wissenschaft“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/explore-science-ich-bin-ein-fan-von-wissenschaft/ Henk Telle ist ein „großer Fan von Wissenschaft“. Das Explore bietet eine Vielfalt – von Chemie bis Technik und Informatik – und ist eine große Bereicherung, sagt der 15-Jährige. Die Universität Hildesheim gehört zu den Kooperationspartnern des neuen Schülerforschungszentrums in Hildesheim. Das Explore Sciencenter ist eine Chance für die naturwissenschaftlich-technische Nachwuchsbildung in der Region Hildesheim. Unabhängig von Vorkenntnissen und Fähigkeiten, von Geschlecht, Alter oder Herkunft können Kinder und Jugendliche sich im Explore in Hildesheim in ihrer Freizeit naturwissenschaftlich-technisch beschäftigen.

Als der Neuntklässler Henk Telle vom Explore hörte, schrieb er eine Initiativbewerbung, er gehört nun zu den ersten Praktikanten im Schülerforschungslabor. Der 15-Jährige besucht die Robert-Bosch-Gesamtschule und absolviert gerade sein Schülerpraktikum. „Das Explore bietet eine Vielfalt – von Technik und Informatik bis Chemie – und ist eine große Bereicherung und eine Chance, zu experimentieren“, sagt der Schüler.

Neugierde für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik bei Kindern und Jugendlichen wecken

Professor Jürgen Menthe gehört zu dem Team, das im Explore das Interesse, die Neugierde und die Begabung von Kindern und Jugendlichen aus der Region Hildesheim in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) fördert. „Das Explore kann zu einem Raum für in Hildesheim werden, in dem Kinder und Jugendliche Lust haben, da zu sein, zu experimentieren und Ideen umzusetzen“, sagt Menthe.

Die Universität Hildesheim zählt zu den ersten Partnern des Explore Sciencenter. Mit Chemieprofessor Jürgen Menthe ist seit der Gründung des Vereins „Open MINT e.V.“ ein Experte im Vorstand. Er war schon an der Schaffung eines Schülerforschungszentrums in Hamburg vor einigen Jahren wesentlich beteiligt und einer seiner Forschungsschwerpunkte konzentriert sich auf den nachhaltigen Einfluss von Schülerlaboren. Er forscht und lehrt seit 2015 am Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“. Lehrende verschiedener Fächer engagieren sich in der Programmplanung und in der Gestaltung konkreter Bildungsangebote, somit leistet die Universität Hildesheim ihren Beitrag zur Spitzen- wie zur Breitenförderung in den Natur- und Technikwissenschaften, erläutert Jürgen Menthe.

Lehramtsstudierende sammeln praxisnahe Erfahrungen im Schülerforschungszentrum

Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können die Arbeit des Explore Sciencenter mit Know-how und Geräten unterstützen. Die Universität Hildesheim bildet etwa ein Drittel aller Lehrerinnen und Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen in Niedersachsen aus. „Für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer ist das Schülerforschungszentrum ein Ort, an dem sie wertvolle praxisnahe Erfahrungen sammeln können. Das Explore Sciencenter ist eine große Bereicherung für die Region“, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Das Explore Sciencenter hat sein Headquarter in der Volkshochschule Hildesheim (VHS), die ein wichtiger Transferpartner für die Universität ist. Gemeinsam kooperieren die Volkshochschule und die Universität etwa im Sprachenforum und im Schulmuseum.

Kontakt zum Explore Sciencenter

Wer sich für das Explore Sciencenter interessiert, kann Kim Sören Diesel und Tanja Pessel kontaktieren (E-Mail schreiben: more@explore-hi.de). Die beiden organisieren und planen und helfen Kindern und Jugendlichen, die Experimente, die sie im Kopf haben, umzusetzen.

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news-16300 Thu, 07 Mar 2019 18:25:00 +0100 Informatik an Schulen: Uni Hildesheim bildet Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/informatik-an-schulen-uni-hildesheim-bildet-informatiklehrerinnen-und-informatiklehrer-aus/ Die Debatte um die Fortschritte bei der Digitalisierung in Deutschland betrifft im Kern auch die Schulen – hier wird die nächste Generation ausgebildet. Doch Lehrerinnen und Lehrer für das Schulfach Informatik fehlen. Die Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus. Neben Programmieren und Datenbanken gehören Algorithmen und Datenstrukturen und Medieninformatik zum Studium in Hildesheim. Informatik gehört an alle Schulformen – ab der Grundschulzeit, sagt Dr. Jörg Cassens. „Informatik durchdringt alle Lebensbereiche. Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es,  Schülerinnen und Schülern eine  informatische Grundkompetenz zu vermitteln. Sie können lernen, algorithmische Denkweisen zu verstehen und kritisch damit umzugehen. Nicht jedes Kind muss Programmierer werden, aber  alle Heranwachsenden sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie Algorithmen funktionieren und welche Auswirkungen Technik haben kann.  Ansonsten sind sie der Technik machtlos  ausgeliefert anstatt den Digitalen Wandel aktiv gestalten zu können. Die Einführung eines neuen Faches ist im Schulalltag sicher nicht einfach, aber Schule ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität. Schule ist nicht etwas Statisches. Inhalte, die gelehrt werden, verändern sich – und Informatik sollte in unserer heutigen digitalen Welt ein Pflichtfach sein“, sagt Cassens.

Der Wissenschaftler gehört zu einem Team der Universität Hildesheim, das seit 2016 die künftige Generation der niedersächsischen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer für Realschulen und Hauptschulen ausbildet. Sein Spezialgebiet ist die Medieninformatik, er hat Themen wie künstliche Intelligenz und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sowie ethische Fragen im Blick.

Der Informatiker Jörg Cassens ist Mitglied des Expertengremiums „Digitalisierung in der Lehrerbildung“ des niedersächsischen Verbundes zur Lehrerbildung und Mitautor der „Empfehlungen zur Digitalisierung in der niedersächsischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ (PDF, Februar 2019).

„Jugendliche sollten IT-Systeme nicht nur bedienen, sondern auch beherrschen“

Zum Hildesheimer Team, dass die Informatikausbildung vorantreibt, gehört auch Professor Klaus-Jürgen Förster. „Unser Ziel sollte es sein, dass in Zukunft alle niedersächsischen Schülerinnen und Schüler IT-Systeme nicht nur bedienen sondern auch beherrschen können.“

„Informatik sollte spätestens ab Beginn der Grundschule in Niedersachsen als Pflichtfach in jeder Klassenstufe unterrichtet werden“, sagt Förster.

Das Institut für Mathematik und Angewandte Informatik, an dem Jörg Cassens und Klaus-Jürgen Förster forschen und lehren, sowie der Fachbereich „Mathemematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ der Universität Hildesheim streben dies seit mehreren Jahren an, etwa mit dem Bezugsfach Informatik im Sachunterricht. „Wir können dies im Fall einer Genehmigung durch Hannover mit Unterstüzung unseres Präsidiums an der Uni Hildesheim mit entsprechendem Personal schon ab dem kommenden Wintersemester 2019/20 einführen.“ Im Rahmen der Akkreditierung für das Lehramt Informatik an der Haupt- und Realschule an der Uni Hildesheim wurde dieses Konzept bereits 2015  positiv mitbegutachtet.

Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus

„Wir brauchen in Deutschland eine große Anzahl von grundständig ausgebildeten Informatik-Lehrerinnen und Informatik-Lehrern, die ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln, wie man erfolgreich auch zukünftig die sich immer schneller ausdehnende digitale Welt professionell nutzt und beherrscht“, sagt der Hildesheimer Informatikprofessor Klaus-Jürgen Förster.

Die Niedersächsische Landesregierung hat 2015 beschlossen, das Fach Informatik künftig auch an Hauptschulen und Realschulen einzuführen und seit dem Studienjahr 2016/17 die Universitäten Hildesheim und Oldenburg beauftragt, das Lehramt Informatik an Haupt- und Realschulen in Niedersachsen einzurichten. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik seit 2016 nicht nur für Studienanfängerinnen und Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrkräfte.

Programmieren, Datenstrukturen und Robotik auf dem Stundenplan

Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium in Hildesheim. Die Lehramtsstudierenden wählen Schwerpunkte wie Maschinelles Lernen, Softwareentwicklung, Robotik oder Wirtschaftsinformatik. Sie kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

Die Lehramtsstudierenden besuchen Vorlesungen und Seminare gemeinsam mit den etwa 800 IT-Studierenden aus den IT-Studiengängen „Angewandten Informatik“, „Informationsmanagement und Informationstechnologie“, „Wirtschaftsinformatik“ und „Data Analytics“ und sind nah dran an den aktuellen fachwissenschaftlichen Themen. Hinzu kommen Lehrveranstaltungen in den Bereichen Didaktik, Erziehungswissenschaft und Psychologie sowie Schulpraktika.

Die Studierenden befassen sich im Studium mit Grundlagen der Informatik: Wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen? Wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

„Wir werben massiv um Studierende für das Schulfach Informatik“

„Es ist mehr als überfällig das Lehramt Informatik auszubauen und massiv um Studierende für dieses Schulfach zu werben. Dies darf sich nicht nur auf das Lehramt an Gymnasien beziehen und somit etwa die Hälfte unserer Jugendlichen vernachlässigen“, sagt Klaus-Jürgen Förster.

Ohne durchgehende informatische Ausbildung werde sich die berufliche und persönliche Zukunftsperspektive erheblich verschlechtern, dennoch sei in Deutschland der rechtzeitige Aufbruch bisher versäumt worden. In europäischen Nachbarländern, etwa in Großbritannien und in skandinavischen Ländern, gehören Informatik-Inhalte längst durchgehend zur schulischen Ausbildung. Programmieren (Coding) ist dort meist schon in der ersten Klasse verpflichtend vorgesehen.

Kurz erklärt

Informatik an Schulen: Bewerbung um einen Studienplatz

Die Hildesheimer Universität bildet seit Herbst 2016 Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Informatik an Haupt- und Realschulen aus. Studieninteressierte können sich um einen Informatik-Studienplatz für das Lehramt an Hauptschulen oder Realschulen bewerben. Um dem großen Bedarf gerecht zu werden ist eine Einschreibung für Erstsemester sowohl im Wintersemester wie auch im Sommersemester möglich.

Bisher haben in Niedersachsen nur die Universitäten in Göttingen, Oldenburg und Osnabrück Informatiklehrer für den Unterricht an Gymnasien ausgebildet. Eine Ausbildung zur Informatiklehrerin oder zum Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen war in Niedersachsen im Gegensatz zu verschiedenen anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bisher nicht möglich.

Die Hildesheimer Studierenden werden zur ersten Generation der Lehrerinnen und Lehrer gehören, die das Fach Informatik an Hauptschulen und Realschulen sowie Oberschulen und Gesamtschulen in Niedersachsen aufbauen. „Das ist eine große berufliche Chance und eine spannende, lebenslange Aufgabe“, sagt Professor Klaus-Jürgen Förster.

Wer sich für das Lehramtsfach Informatik interessiert, kann sich ab sofort bei Prof. Dr. Klaus-Jürgen Förster vom Institut für Mathematik und Angewandte Informatik melden (E-Mail foerster@cs.uni-hildesheim.de). Studierende wählen neben dem Fach Informatik ein zweites Fach.

Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

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news-15964 Mon, 14 Jan 2019 08:21:00 +0100 Professor für Empirische Unterrichtsforschung: Christof Wecker https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/professor-fuer-empirische-unterrichtsforschung-antrittsvorlesung-von-christof-wecker/ Professor Christof Wecker untersucht, wie Lehrerinnen und Lehrer guten Unterricht gestalten können. Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich sieht in der Berufung von Professor Wecker einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Lehrerbildung: „Wir haben einen exzellenten Wissenschaftler aus Bayern gewinnen können.“ Christof Wecker hat den Ruf aufgrund des hohen Stellenwerts der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim angenommen. „Beispielsweise sind die praktischen Studienanteile stark ausgeprägt und mit den forschungsbasierten Lehrveranstaltungen verzahnt.“ Prof. Dr. Christof Wecker forscht und lehrt am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Er wurde zum Sommersemester 2018 auf die Professur für Empirische Unterrichtsforschung berufen.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unterrichtsmethodische Handlungsformen, fächerübergreifende Kompetenzen und evidenzbasierte Praxis im Bildungsbereich. In seine Arbeit bezieht er den digitalen Wandel mit ein. Beispielsweise befasst er sich mit der Frage, wie digitale Medien im Unterricht lernförderlich eingesetzt werden können.

Christof Wecker bildet Lehrerinnen und Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen aus. In seinen Vorlesungen und Seminaren lehrt er Unterrichtsmethodik und pädagogische Diagnostik und thematisiert die Arbeitsweisen und Ergebnisse der Lehr-Lern-Forschung und der Unterrichtsforschung. „An meine eigene Lehre stelle ich den Anspruch, dass sie höchst anwendungsrelevant und zugleich forschungsbasiert sein sollte. Ich möchte, dass zukünftige Lehrkräfte daraus Wissen ziehen können, wie sie Unterricht lernwirksam gestalten können, und dass dieses Wissen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Auch eigene Forschungsergebnisse fließen direkt in Lehrveranstaltungen ein“, so Wecker.

Um das Unterrichtsgeschehen zu erforschen, führt der Wissenschaftler Experimente im Unterrichtslabor und in Schulen durch, in denen Unterrichtsmethoden hinsichtlich ihrer Wirkungen auf Lernergebnisse verglichen werden. „Beispielsweise untersuche ich, ob Schülerinnen und Schüler Lerninhalte besser verstehen, wenn sie sich diese angeleitet durch geschickte Fragen ihrer Lehrkraft selbst erschließen“, so Wecker. „Um belastbare Antworten auf derartige Fragen zu erhalten, ist Forschung im Unterricht unabdingbar.“ Die traditionell enge Zusammenarbeit der Universität Hildesheim mit Schulen in Hildesheim und der Region im Bereich der Lehrerbildung will er daher auch im Bereich der Forschung vertiefen.

Christof Wecker hat den Ruf nach Hildesheim aufgrund des hohen Stellenwerts der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim angenommen. „Beispielsweise sind die praktischen Studienanteile stark ausgeprägt und curricular gut in das Studium integriert, das heißt stark mit den wissenschaftlich orientierten und forschungsbasierten Lehrveranstaltungen verzahnt.“ Die breit vertretenen Fachdidaktiken bieten ihm für seine Forschung ein anregendes Umfeld und vielfältige Kooperationsmöglichkeiten.

Präsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich sieht in der Berufung von Professor Wecker einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Lehrerbildung: „Wir haben einen exzellenten Wissenschaftler aus Bayern gewinnen können, der mit der empirischen Unterrichtsforschung einen zentralen Bestandteil des Lehramtsstudiums abdeckt.“

Christof Wecker ist 41 Jahre alt, geboren in Fürstenfeldbruck, und hat Erziehungswissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in München, Tübingen und Oxford studiert. Es folgten Promotion und Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der venia legendi für Pädagogik und Pädagogische Psychologie. Vor seinem Wechsel nach Hildesheim hatte er den Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Passau inne. Seit 1. April 2018 ist er Professor für Empirische Unterrichtsforschung an der Universität Hildesheim.

Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Unterrichtsforschung hat, erreicht Prof. Dr. Christof Wecker unter empirische-unterrichtsforschung@uni-hildesheim.de.

Lesetipp:

Interview: Was passiert im Unterricht?
Der Unterrichtsforscher Christof Wecker erklärt,
welche Rolle Zeit, Störungen, Medien, das Üben
und Sitznachbarn im Unterrichtsverlauf spielen.
Universitätsjournal DIE RELATION, Ausgabe #4, S. 32

Antrittsvorlesung

In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung stellt sich der Unterrichtsforscher am Mittwoch, 16. Januar 2019, den Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in seine Forschung. Die Veranstaltung mit dem Titel „Wozu taugt eine fachunabhängige Unterrichtsforschung?“ beginnt am Mittwoch, 16. Januar 2019, um 18:00 Uhr im Forum am Hauptcampus der Universität Hildesheim.

In seinem Vortrag erläutert Wecker exemplarische Grundformen unterrichtsmethodischen Handelns, deren Beitrag zum Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern und das Zusammenspiel zwischen Fachdidaktiken und empirischer Unterrichtsforschung bei ihrer Erforschung.

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news-15986 Mon, 14 Jan 2019 08:01:00 +0100 Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ startet https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/fotografieprojekt-100-studierende-100-geschichten-startet/ Beim AStA setzen sich Studierende für studentische Belange ein, und gestalten so die Universität mit. Isabelle C. M. Lohrengel ist AStA-Referentin für Inklusion und berichtet im Interview von ihrer Arbeit. Gerade wirbt die Kunststudentin mit dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ für mehr Toleranz und Diversität an unserer Universität. An dem Projekt können Studierende ab sofort noch mitwirken. Die Fotos sind Teil einer Ausstellung. TIPP: Jede Stimme zählt – wählen gehen! Vom 14. Januar bis zum 28. Januar 2019 haben Studentinnen und Studenten die Möglichkeit die Vertreterinnen und Vertreter für die Fachbereichsräte, den Senat und das Studierendenparlament zu wählen. [Hier geht's zur Online-Wahl]

Im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) gibt es eine Reihe von Referaten, Studierende befassen sich zum Beispiel mit den inhaltlichen Themen „Inklusion“, „Soziales“, „Familie“, „Politische Bildung“, „Umwelt und Nachhaltigkeit“, „Internationales und Antirassismus“ oder „Gender und Queer“. Die Mitglieder des AStA arbeiten ehrenamtlich und werden jährlich durch das Studierendenparlament (StuPa) gewählt.

Eine von ihnen ist Isabelle C. M. Lohrengel. Die Lehramtsstudentin studiert in Hildesheim Deutsch, Kunst und Soziologie und arbeitet als AStA-Referentin für Inklusion, zuvor war sie zwei Jahre Beauftragte für Barrierefreiheit.

Interview

Frau Lohrengel, Sie starten ein Ausstellungsprojekt über Vielfalt an der Hochschule. Warum?

Ich zeige ab Ende Januar 2019 im Stammelbachspeicher mein derzeitiges Fotografieprojekt, das ist Teil meines künstlerischen Projekts am Kunstinstitut bei Manfred Lauschke und Swantje Saß. Gemeinsam mit weiteren Kunststudierenden entsteht die Ausstellung „höher, schneller, weiter“. Ich möchte die Möglichkeit der öffentlichen Präsentation nutzen, um auf das Thema „Inklusion“ aufmerksam zu machen. Warum ich gerade jetzt das Projekt umsetze? In letzter Zeit habe ich vermehrt alarmierende Beratungsgesrpäche, in denen Studierende erzählen, wie sie vermehrt Diskriminierung erleben. Ich habe mindestens fünf Beratungen pro Woche, es ist sehr unterschiedlich, und viele sagen, sie wissen nicht, wie sie Hilfe bekommen können. Sie berichten neben strukturellen Barrieren zum Beispiel von Ereignissen, in denen sie von Kommiliton*innen aufgrund einer chronischen Krankheit oder Behinderung beispielsweise gefragt werden: „Ist das ansteckend?“, oder es werden schreckliche herabwürdigende Sticker, die ich hier nicht zitieren möchte, auf dem Campus gefunden.

Sie suchen Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche für Ihr Fotografieprojekt zum Thema Inklusion. Wer kann sich denn bei Ihnen melden? Was verstehen Sie unter Inklusion

Für mich bedeutet Inklusion, das jeder dieselbe Teilhabe erfährt und respektiert wird. Aber auch, dass jeder mit seinen individuellen Eigenschaften akzeptiert und wertgeschätzt wird. Es ist bereichernd, verschieden zu sein. In meinem Fotografieprojekt suche ich nun 100 Studierende, die ein Zeichen für mehr Toleranz setzen möchten. Ich erstelle ein schwarzweiß Portrait, außerdem beantwortet jeder zwei Fragen schriftlich, das ist anonym und wird später in den Computer übertragen – selbst ich kann die Bilder und Geschichten nicht einander zuordnen. Jede Geschichte ist gleichwertig bedeutsam, ich gruppiere und ordne nicht. Die erzählten Geschichten reichen von Rassismuserfahrungen über finanzielle Sorgen und dadurch Diskriminierung, weil man es sich nicht leisten kann, teilzuhaben. Auch die Geschichten von jenen, die sich vielleicht nicht diskriminiert fühlen, können und sollen erzählt werden. Inklusion geht uns alle etwas an! Ich möchte aber besonders die ermutigen, Teil des Projektes zu werden, die selbst Diskriminierung erleben. Ich suche 100, die sich trauen, mich inbegriffen. Mit dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ möchte ich auch einen inhaltlichen Beitrag dazu leisten, inklusive Strukturen an der Hochschule weiterzuentwickeln, und zeigen: Wir sind mehr!

Als AStA-Referentin bearbeiten Sie das Thema Inklusion und möchten für mehr Toleranz und Diversität an unserer Universität werben – was können Studierende im Alltag bewirken und tun?

Ich habe zwei Bitten an uns alle. Die erste Bitte betrifft jeden – gehe mit offenen Augen durch die Uni, reflektiere das eigene Verhalten sowie Machtstrukturen und mache dich stark für andere, wenn Diskriminierung sichtbar wird. Wenn du dich über Strukturen ärgerst, dann sag es auch, denn studentische Partizipation ist super wichtig. Deshalb sollte man auch an Gremienwahlen unbedingt teilnehmen. Die zweite Bitte richtet sich an Betroffene von Diskriminierung – du musst nicht schweigen, du bist nicht alleine und du musst Diskriminierung nicht alleine erleben. Es gibt Unterstützung, wie zum Beispiel meine Referentenstelle beim AStA. Als Studierendenvertreterin möchte ich mich gemeinsam mit dem gut vernetzten AStA- und StuPa-Team für andere stark machen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“: Wie kann ich mitmachen?

Wer an dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ mitwirken möchte, kann ab sofort noch bis zum 23. Januar 2019 an folgenden Terminen teilnehmen: Dienstag, 15. Januar  (14 bis 18 Uhr), Mittwoch, 16. Januar (14 bis 18 Uhr), Dienstag, 22. Januar (10 bis 16 Uhr) und Mittwoch, 23. Januar (14 bis 18 Uhr). Die Studentin erstellt im AStA-Beratungsraum (I103) am Uni-Hauptcampus ein schwarzweißes Portrait, das teilnehmende Studierende als Datei geschickt bekommen können. Außerdem kann man folgende zwei Fragen schriftlich und anonym beantworten: „Was beeinträchtigt dich im Studium?“ und „Was ist dein Ziel?“. Bei Fragen kontaktieren Sie gerne die Studentin Isabelle C. M. Lohrengel, AStA-Referentin für Inklusion (E-Mail: inklusion@asta-hildesheim.de).

Die einzelnen Portraits werden zu einem Tableau zusammengefügt und die Antworten anonym in einem Begleitheft gedruckt. Das Ergebnis wird im Rahmen der kunstpädagogischen Austellung präsentiert.

Ausstellung „höher, schneller, weiter“

Lehramtsstudierende der Kunstpädagogik führen am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft an der Universität Hildesheim wieder ein künstlerisches Projekt durch. Das Ausstellungsprojekt leiten Manfred Lauschke und Swantje Saß.

In der Ausstellung „höher, schneller, weiter“ zeigen 35 Studierende klassische Zeichnungen,  aufwändige Videoinstallationen und dreidimensionale Objekte oder eben Fotografien. Die Ausstellung wird mit einer Vernissage am Montag, 28. Januar 2019 um 18:00 Uhr im Stammelbachspeicher in der Wachsmuthstraße eröffnet. Mit einer Finissage endet die Ausstellung am Mittwoch, 6. Februar 2019 um 18:00 Uhr mit Worten von Professorin Bettina Uhlig.

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news-15479 Mon, 01 Oct 2018 17:51:00 +0200 Wissenschaftsminister: Hildesheimer Lehrerausbildung ist bedeutsam für Schulentwicklung in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/wissenschaftsminister-hildesheimer-lehrerausbildung-ist-bedeutsam-fuer-schulentwicklung-in-niedersac/ Minister Björn Thümler sprach mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Studierenden über die Entwicklung der Stiftungsuniversität und das Studium im Lehramt sowie im Bereich „Data Analytics“. Zudem besuchte er das Center for World Music. Der Niedersächsische Wissenschaftsminister unterstrich während seines Antrittsbesuchs an der Universität Hildesheim die Bedeutung der Hildesheimer Lehrerausbildung für Niedersachsen. Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler informierte sich während seines Antrittsbesuchs in dieser Woche (20. September 2018) an der Universität Hildesheim über die Entwicklung der Hochschule.

Der Minister sprach mit Präsidiumsmitgliedern, mit  Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, auch aus dem akademischen Mittelbau, mit studentischen Vertreterinnen und Vertretern des AStA und des Studierendenparlaments und mit Studierenden über die Entwicklung der Universität Hildesheim, das Studium und die Mitwirkung in hochschulinternen Gremien.

„Minister Thümler erkannte die Notwendigkeit einer Erhöhung unserer Grundfinanzierung an, um unsere Leistungsfähigkeit auch für die Zukunft zu sichern“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Herausforderungen in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung

Als Mitglieder des Senats für die Gruppe der Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Hildesheim berichteten Dr. Torsten Richter und Jonas Ringler dem Minister von den anspruchsvollen Aufgaben ihrer Kolleginnen und Kollegen in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung.

Eine besondere Herausforderung sei es, den eigenen hohen Ansprüchen an eine qualitative Lehre gerecht zu werden und gleichzeitig exzellente Forschung zu betreiben. Auch die zunehmende Heterogenität der Studierenden unter anderem hinsichtlich ihres Alters, ihrer Herkunft, ihrer Vorerfahrungen und ihrer familiären Situation gehe mit zusätzlichen Anforderungen an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität einher. Die Mittelbauvertreter stellen zum Beispiel einen zunehmenden Beratungsbedarf der Studierenden fest.

Gleichzeitig arbeite die Konferenz der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen mit der Hochschulleitung und den zuständigen Stellen in der Hochschulverwaltung daran, diese Herausforderungen zu meistern. Beispielhaft verwiesen die Mittelbauvertreter auf gemeinsam mit der Hochschulleitung initiierte und wiederholt durchgeführte Erhebungen zur Beschäftigungssituation des akademischen Mittelbaus. Senat, Präsidium und Stiftungsrat haben zudem die Leitlinien „Wissenschaft als Beruf attraktiv machen – Gute und faire Beschäftigungsbedingungen für den akademischen Mittelbau“ beschlossen.

Vom Minister danach gefragt zeigten die Vertreter auf, auf welche Weise die Politik die Arbeit von Lehrenden und Forschenden unterstützen könne: Durch eine dauerhafte Erhöhung der Grundfinanzierung könnte das Lehrdeputat vieler wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von in der Regel zehn Semesterwochenstunden gesenkt werden. Dies trage dazu bei, die wissenschaftliche Forschung zu intensivieren – bei gleichbleibender Qualität der Lehre sowie von Beratung und Service.

Die vom akademischen Mittelbau angesprochenen Herausforderungen decken sich auch mit den Schilderungen der Studierenden. Der Präsident wird das Gespräch mit den Studierenden fortsetzen und dabei die von den Studierenden eingebrachten Themen im Studienalltag besonders in den Blick nehmen. Das Präsidium hat die beim Antrittsbesuch des Ministers anwesenden Studierenden zu einem Gespräch eingeladen.

Hildesheimer Lehrerausbildung bedeutsam für Schulentwicklung in Niedersachsen

Der Minister informierte sich über die Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim. „Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Schulen im Land ausreichend mit hervorragend qualifizierten Lehrkräften zu versorgen und möglichst viele junge Menschen für ein Lehramtsstudium zu begeistern“, betonte Thümler. „Die Universität Hildesheim hat zum Wintersemester 2014/15 als eine von insgesamt sieben niedersächsischen Hochschulen das innovative Konzept zur Lehrerausbildung an Grundschulen sowie an Haupt- und Realschulen (GHR 300) eingeführt. Mit dem neuen Konzept können die Studierenden erheblich besser auf die Anforderungen des Vorbereitungsdienstes und des Berufslebens vorbereitet werden. Umso mehr freue ich mich, dass wir die bisherigen Programmittel für GHR 300 ab diesem Jahr verstetigen konnten und die Universitäten die Studiegänge dauerhaft qualitätsgesichert anbieten können.“

Die Universität Hildesheim bildet Lehrerinnen und Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen aus. Etwa 2500 Studierende sind derzeit im Lehramt eingeschrieben. Die frühe Unterrichtspraxis ist ein Kernelement der Hildesheimer Lehrerausbildung.

Zentrum für Digitalen Wandel entsteht in Hildesheim

Der Minister informierte sich über die Schwerpunkte in Forschung und Lehre. Die Universität Hildesheim hat sich darauf verständigt, die Digitalisierung als eines von vier Leitthemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in ihre Entwicklungsplanung aufzunehmen, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Zu den ersten Maßnahmen zählt die Gründung des „Zentrums für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“. Der Gründungsvorstand besteht aus dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt, dem Computerlinguisten Professor Ulrich Heid und der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit der Grundstruktur, der Komplexität sowie den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Im Zentrum versammeln sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachdisziplinen – von Computerlinguistik über Politikwissenschaft und Unterrichtsforschung bis Softwareentwicklung und maschinellem Lernen.

Studium im Bereich „Data Analytics“: 1900 Bewerbungen aus der ganzen Welt

Gemeinsam mit den Studierenden Eya Boumaiza (Tunesien), Mofassir Ul Islam Arif (Pakistan) und Torben Windler (Deutschland) stellte Informatikprofessor Lars Schmidt-Thieme das englischsprachige Masterprogramm „Data Analytics“ vor. Die Universität Hildesheim verzeichnet eine überwältigende Nachfrage mit etwa 1900 Bewerbungen aus der ganzen Welt für dieses Programm. In dem Masterprogramm sind etwa 120 Studentinnen und Studenten aus mehr als 25 Ländern eingeschrieben: Die erste Generation der Studentinnen und Studenten kommt unter anderem aus Afghanistan, Ägypten, Brasilien, China, Deutschland, Indien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Simbabwe und den USA.

„Wir haben ein weltweites Einzugsgebiet, die Nachfrage ist gigantisch, sowohl seitens der Unternehmen als auch der internationalen Studierenden“, so Professor Schmidt-Thieme. Die ersten Absolventinnen und Absolventen beenden im Herbst erfolgreich ihr Studium und arbeiten mit regionalen Unternehmen zusammen.

Professor Lars Schmidt-Thieme und die Studierenden zeigten eindrucksvoll die Leistungen im Bereich Data Analytics in Forschung und Lehre. Dennoch wird „Data Analytics“ im Wissenschaftsministerium formal als eine Studienvariante des Masterstudiengangs „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ geführt und nicht als eigenständiger Masterstudiengang. Ein Umstand, der sich gerade mit Blick auf die hohe internationale Reputation der Hildesheimer Data Science schnellstmöglich ändern sollte, so Schmidt-Thieme.

Denn das Interesse der internationalen wissenschaftlichen Community sowie der Wirtschaft an der Hildesheimer Data Science ist hoch und wächst beständig an: Professor Schmidt-Thieme und die Studierenden berichteten von zahlreichen Kooperationen und Projekten mit Hochschulen und Unternehmen, regional sowie weltweit. Entsprechend soll der Bereich „Data Science“ in Hildesheim weiter ausgebaut werden. Professor Schmidt-Thieme zeigte dem Wissenschaftsminister auf, wie mit einer weiteren Professur in diesem Bereich auch ein englischsprachiges Bachelorprogramm angeboten werden könnte.

„Die Digitalisierung ist das Thema unserer Zeit – hierfür relevante Studienangebote sind vor diesem Hintergrund von großer Bedeutung. Mit ihrem englischsprachigen Angebot leistet die Universität Hildesheim zudem einen wichtigen Beitrag zur Interntionalisierung“, sagt Minister Thümler über die Arbeit der Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Erhalt von Kulturerbe: „Musiktraditionen bewahren und zugänglich machen"

Der Wissenschaftsminister informierte sich in Hildesheim über die Arbeit des Center for World Music. „Als einziges musikethnologisches Forschungszentrum Deutschlands, das an eine Universität angegliedert ist, leistet das Center for World Music einen wichtigen Beitrag für Integration und Bildung. Gleichzeitig fördert es die kulturelle und musikalische Vielfalt in der Region. Durch die Sammlung einzigartiger Tondokumente, Musikinstrumente und Schriften werden Musiktraditionen bewahrt und zugänglich gemacht. Mit diesem Aufgabenspektrum verfügt das Center über ein einzigartiges Profil in Europa", sagte Wissenschaftsminister Björn Thümler.

Das Hildesheimer Forschungsinstitut bewahrt bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens, setzt sich in der Forschung für den Erhalt der Vielfalt musikalischer Äußerungen ein und macht seine Sammlungen zugänglich.

„Die Sammlungen gehören der Allgemeinheit. Es ist nicht richtig, wenn Universitätssammlungen im Keller liegen. Wir begreifen den Transfer in die Gesellschaft als Kernaufgabe des Center for World Music. Wir wollen mit unserer Arbeit in die Gesellschaft hineinwirken und Begegnungen, Respekt und Anerkennung durch Musik fördern“, sagt der Musikethnologe Professor Raimund Vogels.

Die Hildesheimer Sammlung mit über 6.000 Musikinstrumenten und etwa 50.000 Tonträgern gehört zu einer der größten Sammlungen dieser Art in Europa. In einem lokalen Verbund führen das Center for World Music und das Roemer- und Pelizaeus-Museum derzeit ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände zusammen. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt „Wissensspeicher Musik“ leistet einen Beitrag zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes. Das Center for World Music sichert und digitalisiert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, etwa in Iran, Ägypten und Nigeria – auch diese Tonaufnahmen machen die Wissenschaftler zugänglich.

Seit 2011 bildet die Universität Hildesheim in einem Masterstudiengang Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen und mit den Sammlungen arbeiten. Sijia Li, eine der Masterstudentinnen, holte eines der Instrumente aus den Vitrinen und spielte auf der Guzheng. Sie ist auch als Dozentin tätig und unterrichtet Studierende im Spiel auf dem traditionellen chinesischen Instrument.

Professor Raimund Vogels und Dr. Michael Fuhr erläuterten dem Minister die internationale Bedeutung des Center for World Music. Sie stellten zum Beispiel die Arbeit der Graduiertenschule vor, die bis 2020 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen einer Fördermaßnahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird. 18 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nigeria und Ghana befassen sich seit einem Jahr mit der Frage, welche Rolle Musik, Theater oder Literatur beim Wiederaufbau von Gemeinschaften nach Konflikten spielen.

Sabour Moradi überreichte dem Minister abschließend das Saiteninstrument Setar, das der 51-jährige Instrumentenbauer in der Werkstatt im Forschungsinstitut der Universität Hildesheim gebaut hat. Moradi wird im Sonderprogramm „Artist in Residence“ vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert, er arbeitet mit dem Roemer- und Pelizaeus Museum und dem Center for World Music zusammen.

Bauprojekte: Mensa-Neubau der Universität Hildesheim im Stadtteil Marienburger Höhe

Der Minister informierte sich außerdem über die Bauprojekte der Universität Hildesheim. Am Hauptcampus entsteht in drei Jahren Bauzeit bis 2021 eine neue Mensa. Der 2000 Quadratmeter große Neubau ist das größte Bauprojekt der Universität.

Seit Mai 2018 laufen die Tiefbauarbeiten. Dann kommt der Rohbau, der Baubeginn ist für Oktober 2018 geplant. Das erste Essen soll 2021 über die Theke gehen und serviert werden.

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news-15460 Wed, 12 Sep 2018 09:09:16 +0200 Digitale Medien im Unterricht: Lehrerfortbildung zu Medieneinsatz https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/digitale-medien-im-unterricht-lehrerfortbildung-zu-medieneinsatz/ Die Universität Hildesheim richtet eine Lehrerfortbildung zu Medieneinsatz und Medienpädagogik aus. Lehrerinnen und Lehrer können sich ab sofort für die Hildesheimer Pädagogische Tage anmelden. Die Universität Hildesheim lädt Lehrerinnen und Lehrer am 14. und 15. November 2018 zu den Hildesheimer Pädagogischen Tagen ein. In diesem Jahr steht die Fortbildung unter dem Motto „Digitale  Medien – einfach nutzen!?“. Das Themenfeld reicht von der Frage, wie und ab wann Schülerinnen und Schüler in Medienkompetenz unterrichtet werden sollten bis zur Herausforderung der Integration mobiler Endgeräte in den Unterrichtsalltag. Ein weiteres Thema ist die Verwendung von Apps im Fachunterricht und zur Organisation des Alltags von Lehrerinnen und Lehrer.

Der erste Fortbildungstag (14. November 2018) wendet sich an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer. Themen sind unter anderem die Apps für Lehrkräfte, die Erstellung von Trickfilmen und Beispiele für digitalen Unterricht in der Grundschule.

Der zweite Tag (15. November 2018) richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer im Sekundarbereich. Andreas Hofmann, Medienberater beim Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), teilt sein Wissen zum Medieneinsatz im Schulalltag. Themen der Workshops sind unter anderem die Anwendung von Web-2.0-Werkzeugen im Unterricht, die Erstellung von Erklärfilmen und die Tabletnutzung im Unterricht. Dabei geht es zum Beispiel um Augmented Reality, virteulle Whiteboards, Umfragen und Anwendungssoftware für Film, Ton und interaktives Arbeiten. Weitere Workshops thematisieren, wie Kinder und Jugendliche das Internet nutzen, Prävention und Diagnostik von Mediensucht und wie Kinder für wertschätzende Kommunikation in Zeiten von Falschmeldungen und Hassrede sensibilisiert werden können.

Hildesheimer Pädagogische Tage: Programm und Anmeldung

Die Veranstaltungen sind kostenfrei. Eine Anmeldung ist erforderlich. Bei Fragen ist Peter Düker (Kompetenzzentrum für regionale Lehrkräftefortbildung an der Universität Hildesheim, dueker@uni-hildesheim.de, 05121 883 92510) gerne erreichbar und kann Details zur Veranstaltung erläutern.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-17227 Sat, 01 Sep 2018 08:00:00 +0200 GOSLARSCHE ZEITUNG: Neue Lehrer braucht das Land / Seit Jahren warnen Fachleute wie Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich vor einem Lehrermangel https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/goslarsche-zeitung-neue-lehrer-braucht-das-land-seit-jahren-warnen-fachleute-wie-prof-wolfgang-u/ „Seit Jahren warnen Fachleute wie Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich vor einem Lehrermangel. Er ist Präsident der Universität Hildesheim, wo auch junge Leute aus der Harzregion auf Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschulen studieren. Prof. Friedrich verweist im GZ-Gespräch auf Berlin, wo ein deutliches Zeichen gesetzt werde. Der Stadtstaat schaffe 28 neue Professuren fürs Lehramt“, schreibt die GOSLARSCHE ZEITUNG. Der Artikel ist am 01.09.2018 in der Goslarschen Zeitung erschienen.

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Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Präsident
news-15397 Tue, 17 Apr 2018 13:36:00 +0200 Tipps für angehende Lehrer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/tipps-fuer-an/ "Die Lehrer-Challenge" ist ein Buch für Lehramtsstudierende und Lehrende am Beginn ihrer Laufbahn. Das Buch wird vom Autor in der Universitätsbibliothek vorgestellt. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Publikationen Studierende news-14603 Thu, 22 Mar 2018 15:31:00 +0100 Frieden wahren: Friedenspreis der Stadt für Jugendprojekt „FuNah“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/frieden-wahren-friedenspreis-der-stadt-fuer-jugendprojekt-funah/ Das studentische Team des Projekts „FuNah“ wird in diesem Jahr mit dem Friedenspreis der Stadt Hildesheim ausgezeichnet. Seit 2014 begleiten Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim Kinder und Jugendlichen auf ihren Bildungswegen, erst im Klassenzimmer, dann geht es auf den Sportplatz. Dabei entdecken die Kinder, dass sie manche Ziele nur als Mannschaft erreichen können und ein Team auf gegenseitigem Respekt aufbaut. Am 22. März 1945 wurde Hildesheim Opfer verheerender Luftangriffe, die weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legten. Über 1.000 Bürgerinnen und Bürger verloren an diesem Tag ihr Leben. Am 73. Jahrestag gedenkt die Stadt dieser folgenschweren Zerstörung der Stadt.

Im Wissen um die Geschichte, aber auch als Zeichen gegen aktuelle friedensfeindliche Gesinnungen widmet sich der „Hildesheimer Friedenstag“ neben der Erinnerung auch der Wahrung des Friedens in Gegenwart und Zukunft. Im Rahmen der Erinnerungsfeier wurde in dieser Woche der Friedenspreis an eine Einrichtung vergeben, die sich für ein tolerantes und respektvolles Zusammenleben einsetzt. 2018 wird das Kinder- und Jugendprojekt „FuNah“ ausgezeichnet.

„Frieden ist nicht nur die große Politik, Frieden fängt doch schon bei Dritt- und Viertklässlern an. Frieden heißt, gut miteinander umzugehen. Das ist der erste Schritt. Danke und Bitte sagen. Anderen wertschätzend zu begegnen. Zu loben“, sagt Omar Fahmy, Mitarbeiter am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hildesheim und Mitgründer von „FuNah“.

Frieden heißt, gut miteinander umzugehen

Das Bildungsprojekt „FuNah“ entstand 2014 aus einer studentischen Initiative heraus. In einer Realschule in Peine und in Grundschulen und einer Gesamtschule in Hildesheim kommen Studentinnen und Studenten einmal in der Woche mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Zunächst lernen sie im Klassenzimmer, dann geht es raus auf den Sportplatz. Die Mädchen und Jungen erkennen ihre Stärken und Schwächen, arbeiten in einer Mannschaft gemeinsam auf ein Ziel hin, entdecken den Wert von Bildung und setzen sich für Respekt untereinander ein, darauf weist die Sportwissenschaftlerin Professorin Vera Volkmann hin, die das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Die Studentinnen und Studenten sind für viele der Kinder und Jugendlichen Vorbilder. „Mittlerweile sind nicht nur Studierende aus dem Sportinstitut dabei, vielmehr hat sich eine Verknüpfung verschiedener Fachbereiche und Studiengänge – von Psychologie über Umweltsicherung bis Lehramt – entwickelt. Diese vielfältigen Ressourcen sind wichtig und geben uns bei der stärkenorientierten Herangehensweise verschiedene Möglichkeiten des Zugangs zu den Kindern“, sagt Omar Fahmy. Die Zahl der Coaches steigt an, mehrfach konnten erfolgreich Praktika für Schülerinnen und Schüler und im vergangenen Jahr bereits der erste Ausbildungsplatz vermittelt werden.

Die Coaches rund um Omar Fahmy, die an diesem Erfolg den größten Anteil haben und mit dem Friedenspreis ausgezeichnet werden, sind:

Morten Görlitz, Dominik Feer, Hawa Abdul, Nina Köhler, Lia Röttger, Saskia Schmidt, Sameh Keller, Madita Zahn, Ayla Schaub, Berlin Polat, Bessin Osso, Matteo Isermann, Fidan Tuldari, Chiara Garbari (Erasmus), Felix Ehlers, Franziska Schlenker, Hagen Stelzer, Moana Lenger, Nina Bartel, Siyar Daoud, Georg Bauer, Sarah Hammer, Richard Leithäuser, Laura Simon, Foaz Alo, Leona Lüntzel, Kerim Trabelsi, Roberta Rippa (Erasmus), Atilla Ceylan, Aysun Erkan, Claudia Rybicki.

Um stark auf die Kinder und Eltern einzugehen sucht das „FuNah“-Projekt Studentinnen und Studenten, die als Coaches an weiteren Schulen ein qualitativ wirksames Angebot schaffen. „Die größte Motivation für mich liegt darin, die Entwicklung der Kinder in ihrer Persönlichkeit zu beobachten und zu begleiten. Durch den geringen Betreuungsschlüssel (1:3) gelingt es uns ein positives Selbstkonzept bei den Kindern herzustellen, welches oftmals von Lehrkräften und Eltern zurückgemeldet wird“, sagt Fahmy.

„Entwicklung der Kinder in ihrer Persönlichkeit begleiten“

Die Studentinnen und Studenten seien „die tragenden Kräfte von FuNah“ und bringen „enorme und in großen Teilen ehrenamtliches Engagement  auf“, so Professorin Vera Volkmann in ihrer Laudatio. „Aus dem kleinen studentischen Nachhilfeprojekt 2014 ist durch das enorme Engagement von Omar Fahmy, Dominik Feer und vielen anderen eine fest etablierte und sehr facettenreiche Initiative in Hildesheim geworden, die bald an der vierten Schule hier in Hildesheim angeboten wird. Regelmäßig gibt es ein Interkulturelles Fußballturnier, ein Sommercamp, Besuche der Stadtbibliothek, Schwimmkurse und Angebote im kreativen Bereiche, die allesamt von unseren Studierenden getragen werden. Die Studierenden wollen größtenteils Lehrer werden. Sie lernen bei FuNah  frühzeitig die Perspektive der Schülerinnen und Schüler kennen, denen es unser Bildungssystem nicht immer leicht macht, ihre Potenziale auszuschöpfen. Sie lernen, diese Schülerinnen und Schüler besser zu verstehen, um ihnen später Wege ebnen zu können und nicht – wie es heute leider noch oftmals ist – Wege zu versperren. Dafür geben sie viel Zeit und Herzblut, was ihnen die Kinder durch tolle Fortschritte danken. Nur auf diese Weise kann unsere Gesellschaft langfristig zu einer bildungsgerechten Gesellschaft werden. FuNah leistet dazu in Hildesheim einen wirklich großartigen Beitrag.“

Aktuell wird „FuNah“ noch durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Dieser Zeitraum ist aber begrenzt und aktuell ist noch unklar, wie das Projekt weiter finanziert werden kann. Das Team sucht daher Unterstützung, um „FuNah“ als festen Baustein im Fundament der Bildungsintegration in Hildesheim etablieren zu können.

Wissenschaftliche Begleitforschung zeigt: Kinder erfahren Anerkennung

Die Ergebnisse der Begleitforschung zeigen, was das Besondere an „FuNah“ ist. In wissenschaftlichen Interviews begründen die Kinder, warum sie sogar freiwillig in den Ferien zu „FuNah“ und somit zum Lernen in die Schule kommen: „Wir bekommen da Anerkennung, so wie wir sind. Wir können denen vertrauen und sie zeigen uns auch, wie man sich richtig verhält und wie man richtig lernt; also wenn einer andere ausgrenzt oder lacht, weil man das Tor nicht getroffen oder etwas beim Lernen immer noch nicht verstanden hat, dann sagen sie, das geht so nicht. Und der nicht getroffen hat, dem wird gesagt, beim nächsten Mal schaffst Du das! Du kannst das! Es tut unheimlich gut, dass da welche sind, die an uns glauben!“

Die Hildesheimer Friedensrede hielt am Abend die Schriftstellerin Shida Bazyar, die an der Universität in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert hat. Ihre Rede zeigte Wege zu einer gerechteren und toleranteren Welt auf. Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ und mit zahlreichen anderen Publikationen tritt Bazyar für eine offene und tolerante Gesellschaft ein. Shida Bazyar sagte in ihrer Friedensrede: „Denn was wir nicht dürfen, was wir niemals, niemals dürfen, ist, unsere Meinung nach dem zu bilden, was den Rechten vermeintlich in die Hände spielen würde. Damit, und genau damit nämlich spielen wir den Rechten in die Hände. Wir lassen keine Geflüchteten mehr zuziehen, damit die Rechten nicht stärker werden? Damit haben wir den Rechten im gleichen Moment die Macht über das, was passiert, gegeben."

Mit dem „Hildesheimer Friedenstag“ möchte die Stadt Hildesheim an die Erinnerung an die Zerstörung der Stadt den Aufruf zu einem friedlicheren Zusammenleben knüpfen. Der Friedenspreisträger wurde ebenso wie die Friedensrednerin von Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche, der Stiftung Universität Hildesheim und der Stadt ausgewählt: von Superintendent Mirko Peisert, Dechant Wolfgang Voges, Uni-Vizepräsident Professor Martin Schreiner und Oberbürgermeister Ingo Meyer.

Hildesheimer Friedenspreis: Warum wird das Projekt „FuNah“ ausgezeichnet?

Der studentischen Initiative um Omar Fahmy gelingt es, Kinder und Jugendliche mit Migrationserfahrung auf intelligente und spielerische Weise zu unterstützen. Im gemeinsamen Spiel werden wichtige Werte wie Vertrauen und Respekt gefördert. Damit leistet „FuNah“ einen wichtigen Beitrag zur Integration und kombiniert sehr erfolgreich Fußball und Coaching, so die Begründung der Jury.

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Pressemeldungen Sportwissenschaft Fachbereich 1 Studierendenportal Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Flüchtlinge Lehrerbildung
news-15234 Mon, 05 Mar 2018 16:24:00 +0100 Lehrerausbildung / Schule: Mit neuem Konzept gegen Lehrermangel https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehrerausbil/ DEUTSCHE PRESSE-AGENTUR DPA berichtet über die Lehrerausbildung. Der Hildesheimer Mathematiker Jürgen Sander spricht über die Bedeutung der Praxisphase im Studium. Über fehlende Lehrerinnen und Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen in Niedersachsen berichtet die DPA. Professor Jürgen Sander, Vizepräsident für Lehre und Studium an der Universität Hildesheim sowie Vorsitzender des Niedersächsischen Verbundes zur Lehrerbildung, äußert sich im Gespräch mit der DPA über die Lehrerausbildung und mehrmonatige Praxisphasen im Studium. Für angehende Pädagoge sei das Praxissemester eine Phase des Ausprobierens, so Sander.

Deutsche Presse-Agentur DPA, „Schule: Mit neuem Konzept gegen Lehrermangel", 05.03.2018

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Mathematik & Angewandte Informatik Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Pressespiegel überregional
news-14254 Mon, 22 Jan 2018 11:11:00 +0100 Digitale Zukunft: Uni Hildesheim sucht künftige Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/digitale-zukunft-uni-hildesheim-sucht-kuenftige-informatiklehrerinnen-und-informatiklehrer/ Jetzt bis zum 1. März 2018 bewerben: Die Universität Hildesheim bildet Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus, eine Bewerbung zum Sommersemester ist jetzt möglich. Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium in Hildesheim. Die Debatte um die Fortschritte bei der Digitalisierung in Deutschland betrifft im Kern auch die Schulen – hier wird die nächste Generation ausgebildet. Doch Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer fehlen. Jetzt bewerben bis zum 1. März 2018: Lehramt Informatik in Hildesheim studieren

Die Universität Hildesheim bildet Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus. „Was wir in Deutschland brauchen ist eine große Anzahl von Lehrern, die ihren Schülern zeigen, was hinter Computern steckt und wie wir mit der Welt der Informationen umgehen“, sagt der Informatiker Professor Klaus-Jürgen Förster.

Gemäß Statistischem Bundesamt waren im Studienjahr 2016/17 insgesamt weniger als 1500 Studierende in Deutschland in einem Lehramtstudiengang mit Informatik als erstem Fach eingeschrieben. „Es ist also mehr als überfällig das Lehramt Informatik auszubauen und massiv um Studierende für dieses Schulfach zu werben. Dies darf sich nicht nur auf das Lehramt an Gymnasien beziehen und somit etwa die Hälfte unserer Jugendlichen vernachlässigen“, sagt Professor Förster. Ohne durchgehende informatische Ausbildung werde sich die berufliche und persönliche Zukunftsperspektive erheblich verschlechtern, dennoch sei in Deutschland der rechtzeitige Aufbruch bisher versäumt worden. In einigen europäischen Nachbarländern, etwa in Großbritannien und in skandinavischen Ländern, gehören Informatik-Inhalte längst durchgehend zur schulischen Ausbildung. Programmieren (Coding) ist dort meist schon in der ersten Klasse verpflichtend vorgesehen.

Die Niedersächsische Landesregierung hat 2015 beschlossen das Fach Informatik künftig auch an Haupt- und Realschulen einzuführen und ab dem Studienjahr 2016/17 die Universitäten Hildesheim und Oldenburg beauftragt, das Lehramt Informatik an Haupt- und Realschulschulen in Niedersachsen einzurichten. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik nicht nur für Studienanfängerinnen und Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrpersonen. Um dem großen Bedarf gerecht zu werden ist eine Einschreibung auch für Erstsemester sowohl im Wintersemester wie auch im Sommersemester möglich. Bewerbungen für das Sommersemester 2018 können noch bis zum 15. Januar 2018, in begründeten Ausnahmefällen auch später, eingereicht werden.

Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium in Hildesheim. Die Studierenden wählen Schwerpunkte wie Maschinelles Lernen, Softwareentwicklung, Robotik oder Wirtschaftsinformatik. Sie kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

Nicole Döpke gehört als ausgebildete Realschullehrerin mit den Fächern Mathematik und Technik zur ersten Generation der künftigen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer an Haupt- und Realschulen. Sie studiert seit Oktober 2016 an der Universität Hildesheim das Drittfach Informatik und möchte in der Zukunft Schülerinnen und Schüler im Fach Informatik an Realschulen unterrichten. „Die Jugendlichen kennen gar keine Lebenswelt mehr ohne Smartphone, Laptop und Tablet – sie sollen die Geräte nicht nur passiv nutzen, sondern die Technik verstehen und eine kritische Haltung entwickeln“, sagt Döpke.

Die Studierenden befassen sich im Studium mit Grundlagen der Informatik: Wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen? Wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

Informatik an Schulen: Bewerbung um einen Studienplatz im Januar 2018 möglich

Die Hildesheimer Universität bildet seit Herbst 2016 Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Informatik an Haupt- und Realschulen aus. Studieninteressierte können sich noch bis zum 15. Januar 2018 um einen Informatik-Studienplatz für das Lehramt an Hauptschulen oder Realschulen bewerben, das Studium an der Uni Hildesheim beginnt im April 2018.

Bisher haben in Niedersachsen nur die Universitäten in Göttingen, Oldenburg und Osnabrück Informatiklehrer für den Unterricht an Gymnasien ausgebildet. Eine Ausbildung zur Informatiklehrerin oder zum Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen war in Niedersachsen im Gegensatz zu verschiedenen anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bisher nicht möglich.

Die Hildesheimer Studierenden werden zur ersten Generation der Lehrerinnen und Lehrer gehören, die das Fach Informatik an Hauptschulen und Realschulen sowie Oberschulen und Gesamtschulen in Niedersachsen aufbauen. „Das ist eine große berufliche Chance und eine spannende, lebenslange Aufgabe“, sagt Förster.

Wer sich für das Lehramtsfach Informatik interessiert, kann sich ab sofort bei Prof. Dr. Klaus-Jürgen Förster melden (E-Mail foerster[at]cs.uni-hildesheim.de). Studierende wählen neben dem Fach Informatik ein zweites Fach. Bewerbungen sind zum Sommersemester 2018 möglich, die Bewerbungsfrist endet am 15. Januar 2018, in begründeten Ausnahmefällen können Bewerbungen auch später erfolgen. Studienbeginn ist im April 2018. Mehr Infos zur Bewerbung findet man online.

Jetzt bewerben: Lehramt Informatik studieren

Stellungnahme von Informatikprofessor Klaus-Jürgen Förster

In einem Kommentar nimmt Prof. Dr. Klaus-Jürgen Förster Stellung zur Situation des Schulfachs Informatik in Deutschland und zur Ausbildung professioneller IT-Lehrerinnen und IT-Lehrer. Zu den drei klassischen Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen ist die informatische als vierte gleichwertige Kompetenz längst hinzugekommen, sagt Förster. Er forscht und lehrt als Informatiker am Institut für Mathematik und Angewandte Informatik der Universität Hildesheim und hat das Lehramtsfach Informatik in Hildesheim gemeinsam mit dem Institut für Mathematik und Angewandte Informatik, dem Institut für Informatik sowie dem Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik aufgebaut.

Lehramt Informatik, ein Beruf mit Zukunft – für eine erfolgreiche digitale Zukunft

Seit mehr als 40 Jahren ist in Niedersachen  Informatik-Unterricht zumindest an Gymnasien vorgesehen. Trotzdem haben die meisten unserer heutigen Abiturientinnen und Abiturienten an kaum mehr (wenn überhaupt) als einem einjährigen Nebenfachkurs Informatik während ihrer gesamten mindestens zwölfjährigen Schulzeit teilgenommen.

Obwohl den verantwortlichen Ministerien seit Jahrzehnten bekannt ist, dass ohne tiefliegende und durchgehende informatische Ausbildung sich die berufliche und persönliche Zukunftsperspektive erheblich verschlechtert, ist in Deutschland der rechtzeitige Aufbruch in den meisten Bundesländern bisher versäumt worden.

Die bisherige politische Vorgehensweise erinnert an die Einführung „Neuer Medien“ in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts (Filmbildstellen, Schulfunk, Bildungsfernsehen). In dieser Tradition werden seit den 80er Jahren „Neue Medien" im Unterricht eingeführt. Dies ist wichtig und unabdingbar und wird mit viel Elan von interessierten Lehrerinnen und Lehrern vorangetrieben, die sich teils durch berufliche Fortbildungskurse, meist aber durch aufwendige Eigeninitiative in den spezifischen informatorischen Anwendungen ihrer Fächer fort- und weiterbilden.

Aber Ausbildung in der sich rasant entwickelnden Informationstechnologie nur in Form des Einsatzes „Neuer Medien im Unterricht" in den einzelnen Fächern reicht bei weitem nicht aus: Zu den drei klassischen Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen ist die informatische als vierte gleichwertige Kompetenz längst hinzugekommen. Vergleicht man die langjährige Argumentation unserer Politik, dass für die Erlangung informatorischer Kompetenz  die Einführung neuer Medien ohne einen durchgehenden Informatikunterricht ausreicht, dann ist dies gleichwertig mit folgender unsinnigen analogen Argumentation zur Abschaffung des schulischen Faches Deutsch: „Wir brauchen kein eigenständiges Fach Deutsch – schließlich wird in allen anderen Unterrichtsfächern auch Deutsch als Sprache eingesetzt und es werden sogar regelmäßig fachliche Ausarbeitungen von den Schülerinnen und Schülern in deutscher Sprache geschrieben."

Inzwischen suchen Industrie und Wirtschaft in Deutschland in großem Umfang intensiv nach entsprechenden Fachkräften und müssen häufig ihre Suche auf den internationalen Bereich ausdehnen.

In einigen europäischen Nachbarländern, insbesondere in Großbritannien und in skandinavischen Ländern, gehören Informatik-Inhalte längst durchgehend zur schulischen Ausbildung. Programmieren (Coding) ist dort meist schon in der ersten Klasse verpflichtend vorgesehen.

Im vergangenen Wahljahr ist die Forderung nach durchgehender informatorischer beziehungsweise digitaler Bildung in der Schule von allen Parteien lautstark aufgenommen worden. Durchgehender Informatik-Unterricht in allen allgemeinbildenenden Schulen ist nun endlich in der intensiven Diskussion. Wir brauchen junge Lehrerinnen und Lehrer, die grundständig und umfangreich in Informatik als eigenständigem Fach ausgebildet worden sind, um nicht nur Informatik zu unterrichten, sondern ihren Schülerinnen und Schülern dies auch im täglichen Leben durch ihre Persönlichkeit vorzuleben („Hier steckt folgende Informatik drin...") – und nicht wie häufig üblich in elementaren informatischen Fragestellungen auf die Nachilfe junger Schülerinnen und Schüler angewiesen sind.

Wie sieht eine mögliche Realisierung aus? Mit Hilfe unserer während der Schulzeit erlangten „Grundkompetenz im Rechnen/Mathematik“ überlegen wir kurz wie folgt:

  1. Gemäß Statistischem Bundesamt werden in Deutschland etwa 11 Millionen Schülerinnen und Schüler in etwa 400.000 Klassen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen von etwa 800.000 Lehrenden (Vollzeit ca. 500.000, Teilzeit ca. 300.000) unterrichtet. Möchte man durchgehend jede dieser Klassen durchgehend mit nur 2 Stunden Informatik-Unterricht wöchentlich versorgen, dann bedeutet dies bei durchschnittlich wöchentlich 26 Stunden Unterricht pro Lehrkraft den Einsatz von mehr als 30.000 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrern (wobei diese dann nur Informatik und nicht ihr zweites Fach unterrichten).

  2. Gemäß Statistischem Bundesamt waren im Studienjahr 2016/17 insgesamt weniger als 1500 Studierende in Deutschland in einem Lehramststudiengang mit Informatik als erstem Fach eingeschrieben.

Es ist also mehr als überfällig das Lehramt Informatik auszubauen und massiv um Studierende für dieses Schulfach zu werben. Dies darf sich nicht nur auf das Lehramt an Gymnasien beziehen und somit etwa die Hälfte unserer Jugendlichen vernachlässigen.

Die Niedersächsische Landesregierung hat daher 2015 beschlossen das Fach Informatik auch an Haupt- und Realschulen einzuführen und ab dem Studienjahr 2016/17 die niedersächsischen Universitäten Hildesheim und Oldenburg beauftragt, das Lehramt Informatik an Haupt- und Realschulschulen einzurichten. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik nicht nur für Studienanfängerinnen und Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrpersonen. Um dem großen Bedarf gerecht zu werden ist eine Einschreibung auch für Erstsemester sowohl im Wintersemester wie auch im Sommersemester möglich. Bewerbungen für das Sommersemester 2018 können noch bis zum 15. Januar 2018, in begründeten Ausnahmefällen auch später, eingereicht werden.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100, 0177 8605905)

Nachgefragt bei der ersten Generation der Studentinnen und Studenten, die sich auf das Fach Informatik an Realschulen, Hauptschulen und Gesamtschulen an der Universität in Hildesheim spezialisieren

Statements von Studentinnen und Studenten

„Die Welt der Nullen und Einsen besser verstehen“

Er ist einer der ersten Studenten, die in Hildesheim für das Schulfach Informatik ausgebildet werden: Christian Langlott, 25, studiert seit Oktober 2017 Informatik als Drittfach an der Universität Hildesheim. Er studiert außerdem Mathematik am Institut für Mathematik und Angewandte Informatik sowie Sport am Institut für Sportwissenschaft. Christian Langlott möchte künftig an einer Realschule arbeiten.

„Angefangen hat alles mit den ersten Programmierübungen. Was steckt hinter einem Programm, aus welchen Bausteinen bestehen unsere technischen Geräte? Jetzt befasse ich mich mit der Frage, wie ich Informatik in der Schule unterrichten kann. Ich werde an einer Realschule unterrichten.

Viele Jugendliche benutzen den PC und wissen gar nicht, was dahinter steckt und was passieren kann, wenn sie die Welt der Nullen und Einsen nutzen.

Sie sollten mit Sorgfalt die technischen Möglichkeiten nutzen.“

 

 

„Jugendliche sollen lernen, all die Daten und Algorithmen zu verstehen“

Annalena Schade, studiert im dritten Bachelorsemester Lehramt mit den Fächern Informatik und Mathematik an der Universität Hildesheim.

„Ich kenne das Schulfach Informatik vom beruflichen Gymnasium, wo ich IT als Prüfungsfach belegt habe. Als ich meine Schule abgeschlossen habe, gab es leider keine Möglichkeit, Informatik für Realschulen und Hauptschulen zu studieren.

Dann habe ich den Studienplatz an der Universität in Hildesheim entdeckt. Wir haben viel Praxisbezug – im ersten Studienjahr bin ich einmal in der Woche im Klassenzimmer einer Grundschule, als nächstes gehe ich an eine Realschule. Ich möchte Informatik an einer Schule unterrichten.

Wichtig ist, nicht nur IT zu nutzen, sondern zu verstehen. Die Schülerinnen und Schüler wachsen digital auf. Sie sollen lernen, damit umzugehen, was alles digital passiert – auch in Bezug auf all die gesammelten Daten und die Funktion von Algorithmen.“

 

 

„Die Jugendlichen kennen gar keine Lebenswelt mehr ohne Smartphone, Laptop und Tablet“

Nicole Döpke, 25, hat ihr Masterstudium mit den Fächern Mathematik und Technik an der Universität Hildesheim abgeschlossen. Sie arbeitet in der Abteilung „Mathematik Lehren und Lernen“ am Institut für Mathematik und Angewandte Informatik bei Professorin Barbara Schmidt-Thieme. Sie studiert parallel in Hildesheim aktuell Lehramt Informatik als Drittfach im Ergänzungsstudium.

„Ich habe Informatik am Gymnasium als Unterrichtsfach aus der Schülerperspektive kennengelernt. Ich habe neben meinem Technikstudium einen freiwilligen Programmierkurs besucht – da konnte man Informatik für das Lehramt noch nicht studieren. Als ich dann gehört habe, dass die Universität Hildesheim Spezialisten für das Lehramtfach Informatik ausbildet, habe ich mich für das Informatikstudium entschieden.

Es macht große Freude – ich möchte Jugendlichen zeigen: Was steckt hinter den Geräten? Ein Blick hinter die Kulissen. Im Alltag nutzen die Schülerinnen und Schüler täglich die Geräte, nun lernen sie kennen, wie aufwendig es ist, zu programmieren, wie etwa Videospiele programmiert werden und Online-Werbung uns beeinflusst. Meine Rolle als Lehrerin? Die Schüler wachsen mit Smartphone und Computer auf – sie sollen nicht nur passiv nutzen, sondern verstehen, was sie da nutzen und eine kritische Haltung entwickeln. Außerdem möchte ich die Berufsorientierung fördern, damit sich mehr Mädchen für technische Berufe begeistern. Hinter den Computern und Stand-PCs in den Kinderzimmern und den Smartphones und Tablets, die unterwegs genutzt werden, steckt die gleiche Struktur, von innen betrachtet sind die Geräte gar nicht so unterschiedlich. Im Kurs ‚Systemadministration‘ beschäftigen wir uns im Studium zum Beispiel mit all den Grundlagen der Geräte – welche Speichermöglichkeiten gibt es, wie arbeiten Festplatten? Aber wir setzen uns nicht nur mit der Hardware auseinander, sondern befassen uns mit den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung, in der Medieninformatik geht es etwa um virtuelle Welten, Urheberrecht, die Geschichte digitaler Medien, aktuelle Medientheorien und psychologische Grundlagen.

Ein großer Vorteil des Informatikstudiums für das Lehramt sind die Berufschancen – es werden Lehrerinnen und Lehrer gesucht. Es gibt kaum Universitäten, die  IT-Lehrer für Realschulen, Hauptschulen und Gesamtschulen ausbilden. Ich bin froh, in Hildesheim zu studieren, es ist eine super Chance, das Schulfach Informatik in Niedersachsen aufzubauen. Die Schülerinnen und Schüler kennen gar keine Lebenswelt ohne Smartphone, Laptop und Tablet mehr – mit dem Fach Informatik kann ich die Jugendlichen sehr gut erreichen. Informatik ist ein praktisches Fach.“

 

„Informatik ist in unserer Gesellschaft verankert“

Salih Akten, studiert Mathematik und Informatik im zweiten Bachelorsemester an der Universität Hildesheim. Er zog für das Lehramtstudium von Köln nach Hildesheim.

„Ich gehöre zu den Informatikstudenten, die das Studium im Sommersemester begonnen haben. Das ist eine große Chance. Ich bin gebürtiger Kölner. Im Internet habe ich den Hildesheimer Studienplatz entdeckt. Dann ging alles ganz schnell, ich habe die Zusage erhalten und bin von Köln nach Hildesheim gezogen. In Köln habe ich schon an einer Realschule gearbeitet. Hildesheim ist eine kleine Stadt und die Universität bietet mir die Chance, meinem Lebenstraum näher zu kommen. Das erste Semester in Hildesheim bestätigt meinen Berufswunsch. Informatik hat mich von kleinauf begeistert, ich habe schon als Jugendlicher mein Handybetriebssystem geändert und programmiert – die Begeisterung war immer da. Außerdem möchte ich im sozialpädagogischen Bereich aktiv sein – das Schulfach Informatik ist die ideale Schnittstelle.

Ich möchte den Jugendlichen aufzeigen, dass Informatik mehr ist als Computer. Informatik ist in unserer Gesellschaft verankert, viele politische und gesellschaftliche Fragen stammen aus der Informatik: Der Umgang in sozialen Netzwerken und Datenschutz sind wichtige gesellschaftliche Fragen, die wir beantworten müssen. Informatik erkennt man manchmal auf den ersten Blick nicht. Ich steige in die Bahn ein und kaufe mir ein Ticket – allein schon im Automaten steckt das Wissen aus mehreren Jahrzehnten. Vielleicht kann man es so sagen: Informatik steckt wie die DNA in unserem Leben.“

 

„Informatik ist ein sehr lebendiges Fach“

Gia Minh Vo, studiert im zweiten Bachelorsemester Informatik an der Universität Hildesheim. Er spezialisiert sich in Hildesheim auf den Lehrerberuf.

„Ich habe vor meinem Lehramtsstudium bereits mit dem Informatikstudium begonnen und dann entschieden, mich auf Informatik an Schulen zu spezialisieren. Ich habe Kurse mit den professionellen Informatikern zusammen – es ist gut, dass die IT-Experten und die Lehramtinformatiker zusammen in einigen Vorlesungen sitzen. So kann man als Lehramtsstudent auch in die Tiefe der Informatik einsteigen. Ich überlege zurzeit, meinen alten Informatik-Studiengang als Doppelstudium aufzunehmen.

Informatik ist ein sehr lebendiges Fach und entwickelt sich immer weiter, wenn ich etwa daran denke, was in der Informatik vor 50 Jahren und heute passiert. Man muss sich immer selber weiterbilden und als Lehrer am Ball bleiben – das ist ziemlich interessant.

Ich möchte meinen Schülerinnen und Schülern nicht nur das Programmieren beibringen. Programmieren ist ein Teil der Informatik, viele denken vielleicht, Informatiker sitzen nur vor dem PC. Dabei beinhaltet die Tätigkeit von Informatikern viel mehr, man befasst sich mit Gegenständen, die im Verborgenen sind und zu unserem Alltag gehören – vieles sieht man nicht, aber die Berechnungen und Algorithmen prägen unseren Lebensalltag. Ich lerne hier an der Universität in Hildesheim drei Programmiersprachen, die ich bereits abgeschlossen habe. Man steigt da ziemlich tief ein und versteht die Schritte und Prozesse, man lernt, Teilprobleme zu lösen, muss viel nachdenken und legt dann mit dem Programmieren los.

Auf jeden Fall empfehle ich Studieninteressierten, in Hildesheim Informatik für das Lehramt zu studieren, weil man viele Praxisphasen im Studium hat. Ich bin gerade im ersten Jahr in einer Realschule in Hildesheim und beobachte den Unterricht in den schulpraktischen Studien. Informatik ist sehr interessant – man wird angeregt, selber zu arbeiten und sich weiterzubilden.“

 

„Ich möchte Kindern beibringen, wie ein Computer denkt“

Sayde Amirmehrabi, studiert seit einem Jahr Mathematik und Informatik an der Universität Hildesheim. Er ist ausgebildeter Informatiker und unterrichtet seit zehn Jahren als Lehrer Jugendliche in Mathematik in Einrichtungen der Jugendberufshilfe.

„Ich finde das lebenslange Lernen sehr wichtig. Ich bin jetzt 58 Jahre – wenn ich das Studium abschließe, bin ich im Rentenalter. Mein Ziel ist, das Wissen, welches ich an der Universität aufbaue, direkt heute in meinem Alltag als Lehrer anzuwenden, ich begleite Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren und unterstütze sie in der Berufsvorbereitung. Ich möchte sie dabei unterstützen, mit Problemen der reellen Welt strukturiert umzugehen. Die Mathematik und Informatik hilft dabei. Es ist mein Ziel, vor allem den jüngeren Kindern beizubringen, auf welche Art und Weise ein Computer denkt. Sie sollen ein Gefühl dafür entwickeln, welche Welt hinter den Geräten steckt – und nicht nur Codes schreiben. Die Kinder gehen ohne ihr Handy nicht mehr aus dem Haus, die Geräte sind nicht nur zum Rumdaddeln und Spielen da, sie sollen sich damit auseinandersetzen, welchen Sinn die Geräte in unserem Alltag haben und welche Geheimnisse in der Technik stecken können.“

 

„Ich besuche die Kurse der Informatik-Spezialisten“

Anastasia Kilich (Mitte) im Seminar am Hildesheimer IT-Campus mit Annalena Schade und Christian Langlott.

Anastasia Kilich, studiert Informatik und Mathematik im dritten Bachelorsemester an der Universität Hildesheim. Sie begleitet die IT-Studienanfänger bei ihrem Start in das Lehramtsstudium.

„Ich bin von Informatik begeistert. Ich kann selber etwas entwickeln und auf die Beine stellen, etwa eine Website und Anwendungen bauen. Es ist ein bisschen wie ein Haus zu bauen, nur das man nicht real Steine aufeinandersetzt. Man kann Programmiersprachen auch mit Legosteinen vergleichen, die man aneinandersetzt, Kinder können das Programmieren lernen. Deshalb habe ich mich entschieden, Lehrerin zu werden – ich möchte das Wissen weitergeben. Ich lerne im Studium in Hildesheim Programmiersprachen, etwa Java. Wir steigen tief in die Programmiersprachen ein – ich besuche die Kurse, die die reinen Informatikerinnen und Informatiker auch belegen. Es ist eine Herausforderung, als erste Studentin das Lehramtsfach Informatik zu studieren – aber gleichzeitig bietet das Studium in Hildsheim viele Chancen. Ich kann den Studiengang mitgestalten und mich einbringen, ich begleite jetzt die IT-Studienanfänger und helfe ihnen, was sinnvoll ist, welche Kurse sie zuerst wählen sollten, welche erst später im Studium.“

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Informatik Mathematik & Angewandte Informatik Lehrerbildung Studierende Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-15235 Sat, 06 Jan 2018 16:33:00 +0100 Informatik an Schulen / Neuer Studiengang: Uni Hildesheim sucht künftige Informatiklehrer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/informatik-a/ GÖTTINGER TAGEBLATT berichtet über die Ausbildung von Informatiklehrerinnen und Informatiklehrern an der Universität Hildesheim. Der Hildesheimer Informatikprofessor Klaus-Jürgen Förster äußert sich über die Bedeutung der Ausbildung von IT-Lehrern. Über die Ausbildung von Informatiklehrerinnen und Informatiklehrern an der Universität in Hildesheim berichtet das GÖTTINGER TAGEBLATT. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik nicht nur für Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrpersonen.

„Was wir in Deutschland brauchen, ist eine große Anzahl von Lehrern, die ihren Schülern zeigen, was hinter den Computern steckt und wie wir mit der Welt der Informationen umgehen", so Professor Klaus-Jürgen Förster im GÖTTINGER TAGEBLATT.

Göttinger Tageblatt, „Neuer Studiengang: Uni Hildesheim sucht künftige Informatiklehrer", 06.01.2018

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Pressespiegel überregional Informatik Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-15145 Sat, 16 Dec 2017 12:58:00 +0100 Berlin Rebel High School im Thega https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/berlin-rebel/ Das Team des Weiterbildungs-Campus und des CeLeB laden zur Dokumentarfilmvorführung und Diskussion ins Thega ein. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Weiterbildung news-15127 Mon, 04 Dec 2017 13:51:00 +0100 Was tun gegen die "Sittenpolizei" auf dem Schulhof? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/was-tun-gege/ Lehramtstudierende sollen gegen Extremismus in Schulen gewappnet werden. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung news-7720 Fri, 01 Dec 2017 14:18:00 +0100 Vielfalt im Lehrerzimmer: Orientierungstage an der Uni Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/vielfalt-im-lehrerzimmer-orientierungstage-an-der-uni-hildesheim/ Die Universität Hildesheim gibt Jugendlichen während der „Orientierungstage" Einblicke in den Lehrerberuf. Eine Bewerbung ist ab sofort möglich. Ein Ziel ist, Jugendliche für den Lehrerberuf zu interessieren. Die Orientierungstage finden an der Uni am 18. und 19. Januar 2018 statt. Jugendliche können sich ab sofort bewerben Orientierungstage an der Uni Hildesheim: Jetzt anmelden!

Ist der Lehrerberuf für mich passend? Die Universität Hildesheim will Jugendlichen bei der Entscheidung helfen – mit Orientierungstagen. Schülerinnen und Schüler erhalten Einblicke in den Lehrerberuf und sollen für das Thema „Vielfalt an Schulen" sensibilisiert werden. Jugendliche können sich für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer" noch bis zum 15. Dezember 2017 bewerben.

An der Universität Hildesheim und an Schulen finden die Orientierungstage am Donnerstag, 18. Januar 2018, und Freitag, 19. Januar 2018, statt. Der zweitägige Kompaktkurs gibt Einblicke in das Lehramtsstudium und zeigt die Chancen des Lehrerberufs. Die Jugendlichen diskutieren mit Professorinnen und Professoren, Lehramtsstudierenden und Lehrerinnen und Lehrern mit Migrationshintergrund über den Lehrerberuf. Bei einer Hospitation in einer Schule werden die Jugendlichen Schule dann einmal aus einer anderen Perspektive kennenlernen. Insgesamt können 20 Jugendliche teilnehmen. Das Angebot richtet sich an Jugendliche aus ganz Niedersachsen; insbesondere aus der Region Hildesheim, da auch an der Universität Hannover und an der Universität Götttingen Orientierungstage stattfinden.

„Dieses Projekt bietet Jugendlichen die Chance, bereits frühzeitig einen Blick ins Studium zu werfen und zeitgleich Fragen zu klären, die entscheidend dafür sein können, ein Studium aufzunehmen: Was erwartet mich genau, wenn ich Lehramt studiere? Was kostet ein Studium? Was genau bedeutet Vielfalt im Studium und im Beruf? Bin ich darauf vorbereitet?“, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Hildesheim. „Ein Ziel ist, Schülerinnen und Schüler für den Lehrerberuf zu begeistern, damit sich die Vielfalt unserer zunehmend pluralistischen Gesellschaft nicht nur im Klassenzimmer, sondern zukünftig auch im Lehrerzimmer zeigt. Während der Orientierungstage können die Schülerinnen und Schüler reflektieren, ob dieser Beruf zu ihnen passt“, sagt Dörthe Buchhester.

Das Angebot richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe eines Gymnasiums, einer Gesamtschule oder einer berufsbildende Schule (Klasse 10 bis 13). Die Universität ermutigt insbesondere Jugendliche mit ihren unterschiedlichen sozialen, sprachlichen und kulturellen Biografien, sich zu bewerben. Jugendliche, die derzeit die 11., 12. oder 13. Klasse besuchen und Interesse haben, können sich ab sofort für die Orientierungstage in Hildesheim anmelden. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Dezember 2017. Die Teilnahme ist kostenlos. Hier geht's zur Bewerbung: www.uni-hildesheim.de/vielfalt

Die Orientierungstage werden gefördert von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. An der Universität Hildesheim richtet das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung die Infotage in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Angewandte Erziehungswissenschaft, dem Zentrum für Bildungsintegration, der Zentralen Studienberatung, dem Gleichstellungsbüro sowie dem Friend- und Fundraising aus.

Schritt für Schritt erklärt: Melden Sie sich ab sofort für die Orientierungstage an!

1. Schritt: Download des Bewerbungsbogens auf der Internetseite der Orientierungstage

2. Schritt: Ausfüllen des Bewerbungsbogens

3. Schritt: Versand des Bewerbungsbogens bis zum 15. Dezember 2017 an die E-Mail-Adresse vielfalt.hi[at]uni-hildesheim.de oder auf dem Postweg an:

Stiftung Universität Hildesheim
Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
Frau Dr. Dörthe Buchhester
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration
news-15084 Mon, 27 Nov 2017 12:17:00 +0100 "Sie sollten auch einmal gegen den Strich denken" https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/sie-sollten/ 91 Lehramt-Masterstudium-Absolvent_innen werden im Audimax verabschiedet. Pressespiegel regional Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-6803 Mon, 27 Nov 2017 11:25:06 +0100 Lehramt: 91 Absolventinnen und Absolventen starten in den Schulalltag https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehramt-91-absolventinnen-und-absolventen-starten-in-den-schulalltag/ 91 Studentinnen und Studenten haben ihr Lehramtsstudium abgeschlossen und starten in den Schulalltag. „Wir haben gute Rückmeldungen aus den Studienseminaren erhalten”, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Die Hildesheimer Absolventinnen und Absolventen seien sehr gut auf den Lehrerberuf und Schulalltag vorbereitet.

Am Samstag hat die Universität Hildesheim 91 Masterabsolventinnen und Masterabsolventen in einer Feierstunde ihre Urkunden überreicht. Die Studentinnen und Studenten haben ihr Lehramtsstudium erfolgreich abgeschlossen und starten in den Schulalltag. Es handelt sich dabei um den 2. Durchgang im viersemesterigen Lehramtsmasterstudium. „Wir haben gute Rückmeldungen aus den Studienseminaren zu den Absolventen erhalten, sie seien einfach sehr gut auf den Lehrerberuf und Schulalltag vorbereitet”, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. 

„Wir haben viele Jahre viel zusammen gearbeitet und gelernt”, wendete sich Professorin Barbara Schmidt-Thieme an die Absolventinnen und Absolventen. „Und jetzt gehen Sie einfach!” Dabei wies die Mathematikprofessorin auf verschiedene Möglichkeiten hin, wie man sofort oder auch später mit der Universität Hildesheim zusammenarbeiten kann, so können die Absolventinnen und Absolventen etwa ihre Promotion als wissenschaftliche Angestellte anstreben, als Mentor oder Mentorin in der Lehrerausbildung mitwirken und an der Fort- und Weiterbildung teilnehmen.

Die Universität Hildesheim zeichnete im Rahmen der Feierstunde einige Absolventinnen und Absolventen für besondere Leistungen aus. „Es gibt schon sehr vielversprechende wissenschaftliche Arbeiten”, so Professorin Barbara Schmidt-Thieme.

Bester Abschluss: 

  • Kristina Cohrs, Erstfach Deutsch, Zweitfach Kunst, „Aspekte literarischen und historischen Lernens am Beispiel der Darstellung des Nationalsozialismus in ausgewählter Kinder- und Jugendliteratur”

Die Universität zeichnet weitere Studentinnen und Studenten für besondere Leistungen aus:

  • Marie-Therese Brammer, Englisch und Deutsch, „Interkulturelles Lernen im Deutschunterricht der Grundschule – Ein Leseprojekt zum Thema 'Kinder auf der Flucht' anhand des Buches 'Bestimmt wird alles gut'”
  • Sebastian Lentzer, Mathematik und Evangelische Religion, „Aktuelle Konzeptionen für die Konfirmandenarbeit”
  • Anna Grotjohann, Mathematik und Sachunterricht, „Kindervorstellungen zu Ökonomie – eine Interviewstudie”
  • Dörte Schätzel, Mathematik und Evangelische Religion, „Fremde und Fremdheit in biblischen Texten”
  • Marina Wellmann, Deutsch und Mathematik, „Geometrieunterricht in der Grundschule – Entwicklung sprachsensiblen Materials für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache”
  • Alexandra Ernst, Mathematik und Katholische Religion, „Eine didaktisch-methodische Umsetzung zum Thema 'Gebet' in der Primarstufe auf Grundlage entwicklungspsychologischer Theorien für das Grundschulalter”
  • Larissa Flebbe, Mathematik und Sachunterricht, „Geometrieunterricht in der Grundschule – Entwicklung sprachsensiblen Materials für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache”

Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung

„Gegen den Strich denken. Selbständig denken. Nachfragen“

Auszug aus der Rede der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Kristin Kersten, Institut für englische Sprache und Literatur, Universität Hildesheim:

„Liebe Absolventinnen und Absolventen, Sie haben es geschafft. Ein großer Abschnitt liegt hinter Ihnen – und ein neuer steht bevor. Sie können stolz darauf sein. Was wird es sein, habe ich mich gefragt, worauf Sie zurückblicken? Was hat Sie am meisten geprägt? Was nehmen Sie mit? Wenn es etwas gibt, das die Uni Ihnen hoffentlich mitgegeben hat, das ich Ihnen am meisten wünsche, so ist dies: Gegen den Strich denken. Selbständig denken. Nachfragen. Nicht dem Einfachen, Naheliegenden, dem was die Gelehrten sagen, einfach Glauben zu schenken, sondern zweifeln, die tieferen Zusammenhänge selbst ergründen wollen. Wenn wir Sie dazu haben ermuntern können, und Ihnen vielleicht ein paar Wege aufgezeigt haben – und auch die Grenzen – dann hat die Uni ein wichtiges Ziel erreicht. Dann haben Sie ein wichtiges Ziel erreicht. Eines das über die Grenzen des Studiums hinausweisen und Ihr Leben berühren wird. Nun steht Ihnen allen ein neuer Schritt bevor. […]

Ich frage mich oft, in meiner Rolle als Dozentin fürs Lehramt, was es bedeutet, jemanden in das eigene Wissensgebiet mitzunehmen. Und nichts anderes haben Sie sich als Berufsziel erwählt: Ihre Schülerinnen und Schüler mitzunehmen auf dem Weg hin zu dem Wissen und den Kompetenzen, die das Curriculum vorgibt. (Und hoffentlich noch ein gutes Stück darüber hinaus.) In der Didaktik hat es in den letzten zwei Dekaden dazu einen einschneidenden Paradigmenwechsel gegeben, vom so genannten Instruktivismus hin zum Konstruktivismus – oder mit einem amerikanische Schlagwort, vom "sage on the stage", dem Gelehrten auf der Bühne, hin zum "guide on the side", dem Anleiter zum Selbermachen. Wir alle kennen diesen Unterricht des "sage on the stage", bei dem wir als Lernende das Wissen des Gelehrten vor der Klasse memorisieren, internalisieren, und replizieren müssen – die Wissensvollmacht liegt hinter dem Pult. Wir alle kennen das dabei typische Unterrichtsgespräch aus Fragen und Antworten, die richtig oder falsch sind, und die darüber hinaus nichts Eigenes erfordern. […]

Was macht dieser Zugang des selbstentdeckenden Lernens mit uns? Es lässt uns den Schritt gehen vom Empfänger von Informationen zum selbständigen Problemlöser. Vom passiven Aufnehmen zum Sich-zu-eigen-Machen des Problems und seiner Lösung. Denn, auch das wissen wir aus der Forschung: Niemand, auch nicht die Intelligenteste unter uns, kann das identisch übernehmen, was ein anderer uns vermeintlich "lehren" möchte – die Aufnahme von neuem Wissen ist unabdingbar abhängig von unseren Erfahrungen, Ideen, unseren Wahrnehmungen, unserer Aufmerksamkeit, unseren Talenten und Emotionen – in jedem Augenblick. […]

Haben wir, als Begleiter eines Lern- und Entwicklungsprozesses junger Menschen, eines Prozesses, der das Potenzial des ganzen Menschen einbezieht, auch den Mut, die Aufrichtigkeit und die Wahrhaftigkeit, uns selbst als Ganzes in den Lernprozess einzubringen, nicht nur mit unserem Wissen und Können, sondern auch mit unseren Fragen, Fehlbarkeiten, Verletzlichkeiten und Emotionen? Wer von uns hat nicht schon einmal erlebt, dass es die Begeisterung des Lehrenden für ein Thema war, oder das Zugeben, dass man selbst nicht alles weiß oder versteht, die uns am meisten berührt haben?

Wollen wir vor den anderen als die unfehlbaren Gelehrten dastehen, oder wollen wir ein Beispiel dafür werden, dass Fehler zur Entwicklung dazugehören, dass Einsicht und Wieder-Aufstehen uns oft so viel weiterbringen können als Makellosigkeit? – Haben wir wirklich im Auge, was dem einzelnen Kind auf seinem Weg dient, wenn wir ein Thema planen; investieren wir Zeit in die Frage, mit welchen  Aktivitäten wir inspirieren und autonomes, selbst-entdeckendes Lernen anleiten können; oder soll der Griff zum Lehrbuch nur unser eigenes Überleben sichern? […]

Und fragen wir uns schließlich, ob die Methoden, die wir vielleicht seit Jahren in der Klasse verwenden, wirklich effektiv sind, in der Entwicklungsförderung der uns Anbefohlenen? Verwenden wir sie nur, weil die Seminarleiter und Lehrbücher es uns so vorgeben; weil es für uns so am bequemsten ist? Oder sehen wir uns selbst auf einer ständigen Suche nach unserer eigenen Entwicklung, gemeinsam mit allen anderen, um immer besser herauszufinden, was dem Prozess am meisten dienen kann? […]

Wenn Sie etwas aus Ihrer Zeit an der Uni mitnehmen, das ich Ihnen und allen jungen Menschen, für die Sie in Zukunft Verantwortung übernehmen, wünsche, dann ist es dies: Dass Sie nicht aufhören, sich diese Fragen zu stellen, nicht ruhen, bis Sie Wege gefunden haben, die Potenziale jedes einzelnen Kindes zu entdecken, und zu ergründen, wie es bestmöglich gefördert werden kann. Ein paar Möglichkeiten für diese Er-Forschung hoffen wir Ihnen mitgegeben zu haben. Wenn es Ihnen so geht wie mir, dann wird dies ein lebenslanges Lernen sein. Und wenn Sie uns ab und zu davon berichten mögen, was Sie herausgefunden haben, dann sind Sie jederzeit wieder bei uns willkommen. Alles Gute für Ihren weiteren Weg.“

„Ich freue mich sehr, endlich unterrichten zu dürfen”
Interview mit dem Lehramtsstudenten Manfred Schneider

Manfred Schneider hat gerade sein Lehramtsstudium (Master of Education) in den Fächern Chemie und Biologie abgeschlossen. Er startet im Februar 2018 in den Schulalltag als Referendar in einer Schule in Aurich. Im Interview spricht er über sein Masterstudium an der Universität Hildesheim und die Verbindung von Schulpraxis und Theorie.

Gerade haben Sie Ihre Masterabschlussprüfung absolviert – Gratulation! Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Vor einer Stunde hatte ich meine Abschlussprüfung. Ich habe mich in meiner Abschlussarbeit damit beschäftigt, inwieweit man das schülereigene Smartphone im Unterricht nutzen kann. Ein Ergebnis: Die häufig als eher technikfeindlich eingeschätzte Lehrerschaft ist in Wirklichkeit gar nicht feindlich gegenüber Neuerungen eingestellt – es fehlen häufig vielmehr die Grundlagen, die technische Ausstattung, Finanzierung und Konzepte. Die Technik an Schulen ist häufig veraltet und defekt, es gibt große Defizite bei der Wartung und Neuanschaffung. In dem Zusammenhang könnte man stärker schauen, inwiefern die Hardware genutzt werden kann, die die Schülerinnen und Schüler sowieso schon mit in die Schule bringen und die häufig auf einem sehr aktuellen Stand ist. Ich habe Studienseminarleiter in Niedersachsen interviewt, in Stade, in Helmstedt, in Oldenburg. Sie unterrichten angehende Lehrerinnen und Lehrer und unterrichten außerdem selbst. Die Arbeit habe ich am Institut für Erziehungswissenschaft geschrieben.

Sie starten jetzt in den Lehrerberuf, nach Jahren des Studiums. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Ich freue mich sehr, endlich unterrichten zu dürfen. Natürlich weiß ich, dass die Zeit stressig werden wird. Aber es überwiegt die Freude. Ich habe gemerkt, dass mir der Beruf sehr gut gefällt.

Eine Erinnerung an die Studienzeit: Welche Rolle spielen die Praxiserfahrungen im Studium? Wie haben Sie die Kombination aus Theorie und Praxis erlebt?

Die Verzahnung von Theorie und Praxis ist in Hildesheim sehr gut, die Zeit ist sehr lehrreich. Die Praxisblöcke gehören zur wichtigsten Zeit des Studiums. Es dürften meiner Meinung nach sogar noch mehr Praxisphasen sein. Im großen GHR300-Praktikum war ich an der Oberschule in Harsum. Das war eine tolle Zeit, ein tolles Kollegium, ich bin mit zwei Lehrerkollegen aus der Biologie und Chemie durch den Schulalltag gezogen. Ich habe erlebt, wie wichtig der Einstieg in den Unterricht ist. Wenn der Unterrichtseinstieg misslingt und die Schülerinnen und Schüler nicht aktiviert und ins Thema hineinzieht, dann wird es schwer, daraus noch eine erfolgreiche Stunde zu machen.

Welche Taktik haben Sie für Ihren Unterrichtsstart entwickelt?

Da habe ich mit meinen naturwissenschaftlichen Fächern Biologie und Chemie ein großes Glück. Ich kann Phänomene aus dem Alltag heranziehen und ein Problem aufgreifen, das die Schülerinnen und Schüler kennen. Ich gehe da sehr lebensweltnah heran: Warum blüht der Löwenzahn in der Regenrinne? Sonst wächst eine Pflanze doch nicht in einer Regenrinne – wie kommt der Samen da hin?

Sie haben sich auf die Fächer Biologie und Chemie spezialisiert – warum diese Kombination?

Ich weiß, das ist eine ungewöhnliche Kombination. Ich finde die Fächer und die Didaktik in der Biologie und Chemie sehr spannend. Der naturwissenschaftliche Gang der Erkenntnisgewinnung gefällt mir gut, wir arbeiten an einem Problem, abstrahieren, machen ein Experiment, erarbeiten ein Ergebnis. Das ist eine schöne und sehr schülerzentrierte Art, zu unterrichten. In der Chemie hat mich Professor Dr. Jürgen Menthe sehr beeindruckt mit seiner Forschung und Lehre, er ist einer der wenigen Inklusionsforscher in der Fachdidaktik, er bietet Lösungsansätze zur Inklusion im Chemieunterricht.

Im Februar 2018 starten Sie in das Referendariat. Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

Ich werde sehr viel vermissen. Ich beginne mein Referendariat in einer Schule in Aurich. Ich werde das Uni-Leben vermissen, ich habe mich in Hildesheim gerne in der Fachschaft engagiert. In der Fachschaft habe ich Studierende unterstützt, wenn sie Probleme im Studium hatten. Die Fachschaft hat die Aufgabe, Studierenden bei Problemen beizustehen, sie müssen diese dann nicht alleine bewältigen; außerdem bildet man zum Beispiel in Berufungskommisionen die studentische Stimme. Und wir vernetzen Studierende, das ist wichtig, weil man im Labor nie alleine arbeitet, sondern mit weiteren Studentinnen und Studenten gemeinsam – es kann nicht schaden, wenn man höhere Semester in der Chemie kennenlernt und sich mit den Studierenden in der Umweltsicherung und Geographie austauscht. Durch die geringe Studierendenzahl in Hildesheim kommt man schnell ins Gespräch, sieht sich auf dem Campus und in Vorlesungen wieder.

Gemeinsam mit 91 Studentinnen und Studenten feiern Sie Ihren Masterabschluss. Sie haben die Feierstunde ins Leben gerufen – warum?

Gemeinsam mit weiteren Studierenden saß ich bei einem Skatabend zusammen. Der Student Raimund Hollemann hat die Idee vorgeschlagen, dass der Masterabschluss gefeiert werden soll. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass das geklappt hat und in einer Feierstunde die Zeugnisse feierlich jedem Einzelnen überreicht werden.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-13692 Sun, 13 Aug 2017 10:19:00 +0200 Weiterbildung: Inklusive Pädagogik in Hildesheim studieren https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/weiterbildung-inklusive-paedagogik-in-hildesheim-studieren/ Die Universität Hildesheim bildet Experten für inklusive Pädagogik aus. Bewerbungen um einen Studienplatz sind bis Ende August 2017 möglich. Das Studium beginnt im Oktober. Die Nachfrage nach umfassender Fort- und Weiterbildung zum Thema „inklusive Pädagogik“ sei hoch und das in verschiedenen Berufsgruppen, so die Erziehungswissenschaftlerin Cindy Bergt. Die Universität Hildesheim bildet Experten für inklusive Pädagogik aus. Eine Bewerbung um einen Studienplatz im Weiterbildungsstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ ist bis Ende August 2017 möglich. Das Studium beginnt im Oktober 2017.

Der Weiterbildungsstudiengang wurde zum Wintersemester 2010/2011 von der Universität Hildesheim in Kooperation mit einer Schweizer Hochschule entwickelt. Die Universität reagiert damit auf die 2009 in Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen, das keinen Menschen ausschließt, sondern Teilhabe ermöglicht.

Die Universität vermittelt in dem Studiengang Grundlagenwissen zu den Themenfeldern „Grundlagen einer Pädagogik der Vielfalt“ und „Kommunikation, Kooperation, Coaching“, außerdem geht es um den Wandel zur inklusiven Organisation. Alle Veranstaltungen des Studiengangs können im Rahmen einer individuellen Weiterbildung auch einzeln studiert werden.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren kommen berufstätige Studentinnen und Studenten jeden Monat in Hildesheim zusammen. Manche sind 25, andere bereits 55 Jahre. Die Nachfrage nach umfassender Fort- und Weiterbildung zum Thema „inklusive Pädagogik“ sei hoch und das in verschiedenen Berufsgruppen, so die Erziehungswissenschaftlerin Cindy Bergt. Die Universität Hildesheim bildet inzwischen neben Lehrerinnen und Lehrern auch Fachleute aus Kindertagesstätten, Hochschulen und Volkshochschulen fort. „Der Austausch in den heterogenen Lerngruppen wird als sehr gewinnbringend erfahren“, so die Studiengangskoordinatorin.

Nun wurde der Hildesheimer Studiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ durch die Akkreditierungsagentur AQAS für eine Dauer von sieben Jahren bis zum 30. September 2023 erfolgreich reakkreditiert, so Bergt. Die Akkreditierung von Studiengängen ist ein Verfahren zur Sicherung der Qualität von Studienprogrammen. Absolventinnen und Absolventen haben im Gespräch mit der Gutachterkommission die Bedeutung des Studiengangs für die persönliche Weiterentwicklung besonders hervorgehoben.

Zum Wintersemester 2017/18 startet der 7. Jahrgang. Bewerbungen um einen Studienplatz sind noch bis Ende August 2017 möglich. Wer sich für das Studium interessiert oder Fragen hat, kann sich bei der Studiengangskoordinatorin Cindy Bergt melden unter 05121.883-92300.

Studiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“

Weiterbildung: Universität bildet „Schulische Teilhabe-Assistentinnen und Assistenten“ fort

Das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim arbeitet mit einer Grundschule in Salzgitter zusammen, um Schulische Teilhabe-Assistentinnen und Assistenten fortzubilden. Während der einjährigen Fortbildung lernen die Teilnehmer etwa, wie sie Lernprozesse begleiten und wie sie mit Lehrkräften und weiteren Fachleuten im Schulalltag zusammenarbeiten können. Die Weiterbildung beinhaltet mehrere Praxisphasen an der Grundschule, um Theorie und Praxis zu kombinieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams. Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerinnen untersuchen, wie die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen gelingt.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-13018 Thu, 02 Feb 2017 15:34:00 +0100 Sprache im Schulalltag: „Die Professionalität von Lehrern ist extrem kostbar“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/sprache-im-schulalltag-die-professionalitaet-von-lehrern-ist-extrem-kostbar/ Ob Mathematik, Sport oder Chemie – Sprache ist in jedem Schulfach relevant. Die Hildesheimer Professorinnen Elke Montanari und Barbara Schmidt-Thieme setzen in der Lehrerausbildung an. Im Projekt „Umbrüche gestalten“ arbeiten neun Hochschulen in Niedersachsen zusammen. In dieser Woche stellen sie Ergebnisse in Hannover vor. „Schulen können sich jetzt weiterentwickeln – das ist nötig. Die hohe und individuelle Diversität ist ein Ausgangspunkt für zukünftiges Unterrichten. Wir brauchen neue Methoden und Strategien in der Lehramtsausbildung“, sagt Elke Montanari. Hildesheim ist einer der Projektpartner in dem gemeinsamen Verbundprojekt, für das sich neun niedersächsische Hochschulen zusammengetan haben: „Umbrüche gestalten – Sprachenförderung und -bildung als integrale Bestandteile innovativer Lehramtsausbildung in Niedersachsen“. Das Niedersächsische Kultusministerium und das Wissenschaftsministerium unterstützen das Vorhaben nachhaltig. Das Projekt wird gefördert durch das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Ziel dabei ist, die Sprachenförderung in ihrer mehrsprachigen Dimension wie auch mit Blick auf Bildungssprache in die Lehrerausbildung aller Fächer – ob Mathematik, Sport, Sachunterricht oder Musik – aufzunehmen.

„Die große Diversität in der Schülerschaft als Ausgangspunkt des pädagogischen Handelns zu nehmen und sie auf Sprachenbildung zu beziehen, ist eines der Zukunftsthemen im Land“, sagt Professorin Elke Montanari. Sie ist Professorin für  Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim und forscht in den Bereichen Mehrsprachigkeit, Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen und sie befasst sich mit der Entwicklung des mentalen Lexikons am Zentrum für Bildungsintegration und am Institut für deutsche Sprache und Literatur.

„Kinder haben den ersten Spracherwerb schon in den frühen Lebensjahren durchlaufen. In der Schule steht bei Sprachenbildung im Mittelpunkt, diese sprachlichen Fähigkeiten zu einer ausgereiften Bildungssprache auszubauen. Bei Schülerinnen und Schülern, die mitten in ihrer Schulbiografie nach Deutschland kommen, bedeutet das, ihnen Gelegenheit zu geben, ihre mehrsprachigen Ressourcen weiterzuentwickeln, gleichzeitig die neue Sprache Deutsch in Wort und Schrift zu lernen“, so Montanari.

Die Wissenschaftlerinnen setzen sich zum Beispiel mit dem Umgang mit Sprache im Mathematikunterricht auseinander. Wie können Lehrerinnen und Lehrer sprachlich dazu beitragen, das mathematische Lernen zu unterstützen? „Unterricht, ob Deutsch oder Chemie, hat immer mit Sprache zu tun. In der Mathematik gibt es eine Besonderheit: Unsere Gegenstände sind Gegenstände des Denkens. Wir arbeiten mit Fachbegriffen und Formeln“, sagt Professorin Barbara Schmidt-Thieme, die in Hildesheim Seminare zum Thema „Wie viel Sprache steckt im Fach Mathematik?“ anbietet. „‘Eine Kugel rollt‘ – das ist Alltagssprache. Dann geht man in die Fachsprache hinein. ‚Eine Kugel hat überall den gleichen Durchmesser. Sie ist die Menge aller Punkte des dreidimensionalen Raumes, die von einem Punkt M (Mittelpunkt) den gleichen Abstand hat.‘ Diesen Übergang zu gestalten, ist Aufgabe der Lehrkräfte, dazu benötigen sie Sprache“, sagt die Mathematikdidaktikerin Schmidt-Thieme. Ein weiteres Beispiel sind die „Päckchen“. „Man denkt an den Paketboten, an Weihnachten (‚Ich packe ein Päckchen für meine Freunde.‘). Aber in der Mathematik rechnen wir Päckchen – das finden Sie in jedem Mathebuch. ‚Rechne Päckchen‘. Hier ist es gut, sich mit Studierenden genau zu überlegen, was dort eigentlich steht und ob das noch einmal erklärt werden soll. Die fachspezifische Lexik ist sehr spannend“, sagt Elke Montanari.

Im Projekt „Umbrüche gestalten“ haben die Wissenschaftlerinnen Lehr-Lern-Konzepte entwickelt und erprobt, so haben sich Studierende etwa in der Vorlesung „Einführung in die Mathematikdidaktik“ oder in einem dreisemestrigen Projektband im Masterstudium in Schulen mit dem Thema Sprachenbildung befasst. Die Lehrveranstaltungen wurden dokumentiert, damit sie übertragbar sind, sie sind künftig in einer Datenbank online abrufbar. Zudem haben die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen national und international auf Tagungen die Frage diskutiert, was Lehrerinnen und Lehrer kennen und wissen müssen, um mit den Schülerinnen und Schülern der Zukunft zu lernen.

„Schulen können sich jetzt weiterentwickeln – das ist nötig. Die hohe und individuelle Diversität ist ein Ausgangspunkt für zukünftiges Unterrichten. Das bedeutet: Wir brauchen neue Methoden, Strategien und Veränderungen in der Lehramtsausbildung“, sagt Elke Montanari. Die Professorin startet nun ein Nachfolgeprojekt, „Umbrüche II“: In einer internationalen Ringvorlesung „Multilingualism and Diversity“ sprechen die Professoren Ofelia Garcia, Jan ten Thije und Harald Clahsen über Mehrsprachigkeit, Lernen und Vielfalt. „Wir sollten Diversität nicht als Hindernis sehen. Wenn Schülerinnen und Schüler mit zwölf Jahren als Seiteneinsteiger in unserem Bildungssystem anfangen, können wir sie nicht fünf Jahren parken und abwarten. Schülerschaft ist heterogen – welche Konzepte haben wir, hier erfolgreich zu unterrichten, um Hochbegabte, Schüler mit sozialem Förderbedarf und Schüler, die vor einem Jahren nach Deutschland gekommen sind auf ihren Wegen zu begleiten?“, so Montanari.

Zur Rolle der Lehrerinnen und Lehrer sagt Professorin Montanari: „Alle Untersuchungen zeigen, dass man die Bedeutung der Lehrpersonen nicht überschätzen kann. Sie sind enorm wichtig darin, wie sie Schülerinnen und Schüler begegnen. Ich spreche hier in Hildesheim mit Studierenden, die mit acht oder zehn Jahren nach Deutschland gekommen sind und sich erinnern: ‚Da war eine Lehrerin, die hat mich abgeholt und sie hat mich verstanden und bestärkt – dann ging das für mich richtig los.‘ Heute studieren sie Deutsch – man sieht, wie erfolgreich Bildungswege verlaufen können, wenn Lehrerinnen und Lehrer Kinder bestärken. Die Professionalität von Lehrern ist extrem kostbar. Und die gute Nachricht ist: Einer reicht. Wenn eine Schülerin eine Lehrperson findet, die sie annimmt und ihre Ressourcen wahrnimmt und stärkt, dann bringt das einen enormen Schub mit sich.“

Kurz erklärt: „Umbrüche gestalten“

Das Projekt „Umbrüche gestalten“ wird seit 2014 gefördert durch das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Das Mercator-Institut ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefördertes Institut der Universität zu Köln.. Im niedersächsischen Verbundprojekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von neun Hochschulen ein strukturiertes Qualifizierungsangebot zu Sprachenbildung und Sprachenförderung sowie Deutsch als Zweitsprache entwickelt. Ziel ist es, die Themen in die niedersächsische Lehramtsausbildung aller Fächer, Schulformen und Schulstufen zu integrieren. Das Projektteam der Universität Hildesheim arbeitet gemeinsam mit den Teams in Braunschweig, Osnabrück und Vechta im Bereich Grund-, Haupt- und Realschulen.

Eine Abschlusstagung findet in dieser Woche in Hannover statt (Februar 2017). Auf der von der VolkswagenStiftung geförderten internationalen Tagung werden die Projektergebnisse vorgestellt. Unter anderem sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Harvard Graduate School of Education, USA, und der Freien Universität Bozen, Italien.

Kurz erklärt: Studium – Deutsch als Zweitsprache

Die Universität Hildesheim bietet den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Der Masterstudiengang macht sichtbar, dass Mehrsprachigkeit zu unserem Alltag gehört. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Medienkontakt: Kontakt zu den Wissenschaftlerinnen über die Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-12839 Wed, 04 Jan 2017 15:55:00 +0100 Informatik an Schulen: Niedersachsen sucht IT-Lehrerinnen und Lehrer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/informatik-an-schulen-niedersachsen-sucht-it-lehrerinnen-und-lehrer/ Jetzt bewerben: Die Universität Hildesheim sucht die Informatik-Lehrerinnen und Lehrer von morgen. „Was wir in Deutschland brauchen ist eine große Anzahl von Lehrern, die ihren Schülern zeigen, was hinter Computern steckt und wie wir mit der Welt der Informationen umgehen", sagt der Informatiker Klaus-Jürgen Förster. Damit Informatik an Schulen aufblüht, bildet die Hildesheimer Uni seit Herbst 2016 Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Informatik an Haupt- und Realschulen aus. Informatik an Schulen: jetzt bewerben

Seit Herbst 2016 können Lehramtsstudierende an der Universität Hildesheim erstmals das Lehramtsfach Informatik wählen. Studieninteressierte können sich noch bis zum 15. Januar 2017 um einen Studienplatz im Bereich Lehramt an Haupt- und Realschulen mit der Fächerkombination Mathematik und Informatik bewerben, das Studium an der Uni Hildesheim beginnt im April 2017. Bisher haben in Niedersachsen nur die Universitäten in Göttingen, Oldenburg und Osnabrück Informatiklehrer für den Unterricht an Gymnasien ausgebildet. Eine Ausbildung zur Informatiklehrerin oder zum Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen war in Niedersachsen im Gegensatz zu verschiedenen anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bisher nicht möglich.

„Gehören Sie zur ersten Generation der Lehrerinnen und Lehrer, die das Fach in Niedersachsen aufbauen. Das ist eine große berufliche Chance und eine spannende, lebenslange Aufgabe. Kein Beruf ist heute mehr vorstellbar ohne grundlegende und anwendungsorientierte Kenntnisse der Informatik“, sagt der Hildesheimer Informatikprofessor Klaus-Jürgen Förster. In der Schule können zentrale Grundlagen vermittelt werden – wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen? Wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

Im Studium in Hildesheim geht es um weit mehr als ein bisschen Word und die Gestaltung von Power-Point-Präsentationen. Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium. Außerdem wählen die Studentinnen und Studenten fachwissenschaftliche Vertiefungen wie Maschinelles Lernen, Robotik, Softwareentwicklung oder Wirtschaftsinformatik. Sie kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

Informatik ist als eigenständiges Unterrichtsfach an Haupt-, Real- und Oberschulen vorgesehen. Derzeit fehlen allerdings die Lehrerinnen und Lehrer, sagt Professor Klaus-Jürgen Förster. Die Universität Hildesheim möchte dazu beitragen, die nächste Generation der IT-Lehrer auszubilden. Wer sich für ein Informatik-Studium entscheidet, sollte Interesse und Freude am Einsatz moderner Informationstechnologien in allen Lebensbereichen haben, so Förster. „Was wir in Deutschland brauchen ist eine große Anzahl von Lehrern, die ihren Schülerinnen und Schülern zeigen, was hinter Computern steckt und wie wir mit der Welt der Informationen umgehen. Sie sollten Wissen um Chancen und Gefahren aufbauen."

Informatik an Schulen: Kontakt für Studieninteressierte

Wer sich für das Lehramtsfach Informatik an Haupt- und Realschulen (das umfasst auch Oberschulen und Gesamtschulen) interessiert, kann sich ab sofort bei Prof. Dr. Klaus-Jürgen Förster melden (E-Mail foerster[at]cs.uni-hildesheim.de). Studierende wählen neben dem Fach Informatik ein zweites Fach. Studierende aus höheren Semestern begleiten die Studienanfänger beim Studieneinstieg. Bewerbungen sind zum Sommersemester 2017 möglich, die Bewerbungsfrist endet am 15. Januar 2017 [jetzt bewerben]. Studienbeginn ist im April 2017. Mehr Infos zur Bewerbung findet man online.

„Informatik ist längst in unseren Alltag eingezogen“

Professor Klaus Schmid lehrt Informatik an der Universität Hildesheim und forscht im Bereich Softwareentwicklung. Zur Bedeutung von Informatik an Schulen sagt Schmid:

„Die Entwicklung, Informatik als Fach an Schulen zu unterrichten, ist überfällig. Informatik ist längst in unseren Alltag eingezogen, hat Bedeutung für das tägliche Leben. Schule sollte Kinder und Jugendliche darauf vorbereiten, wie die Welt funktioniert, damit sie diese verstehen. Informatik als Schulfach zu unterrichten, bedeutet auch, sich sowohl mit dem Allmachtsglauben als auch mit der digitalen Panik auseinanderzusetzen, die wir vorfinden. Wir sollten dieser Panik mit Wissen begegnen. Informatik ist ein wichtiges Grundwissen über die Welt, genauso sollten Kinder auch erfahren, wie physikalische Prozesse ablaufen (im Fach Physik), wie eine Sprache aufgebaut ist (im Fach Deutsch) oder wie Klänge entstehen (im Fach Musik).“

Kurz erklärt: Lehrerausbildung in Hildesheim

Mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer: Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule, das ist bundesweit besonders. Sie erhalten früh Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester halten sie eine erste Unterrichtsstunde. Etwa 500 Lehramtsstudierende starten jeden Herbst in ihr erstes Studienjahr.

Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte in der Lehrerausbildung liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet in weiteren Praxisphasen im Verlauf des Studiums mit 250 Partnerschulen in Hannover, Hildesheim und der Region zusammen

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Fachbereich 4 Informatik Maschinelles Lernen Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Studierendenportal
news-13243 Thu, 15 Dec 2016 12:39:00 +0100 Einblick in den Lehrerberuf https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/einblick-in/ Die Universität Hildesheim bietet Schülern mit ihren Orientierungstagen die Möglichkeit, sich genauer über das Lehramtsstudium zu informieren. Pressespiegel regional Bachelor-Studiengänge Polyv. 2-Fäch.BA Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Fachbereich 1 Studieninteressierte Lehrerbildung news-13113 Sat, 10 Dec 2016 15:14:00 +0100 1,3 Millionen Euro für Projekt an der Uni https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/13-millione/ Die Universität Hildesheim erhält für ihre frühkindliche Bildungsforschung 1,3 Millionen Euro Förderung vom Land Niedersachsen. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic betont die Praxisorientierung des Projektes. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Bildungsintegration Lehrerbildung Inklusion news-12788 Fri, 09 Dec 2016 18:25:00 +0100 Vielfalt im Lehrerzimmer: Orientierungstage für Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/vielfalt-im-lehrerzimmer-orientierungstage-fuer-jugendliche/ Die Universität Hildesheim gibt Jugendlichen während der „Orientierungstage" Einblicke in den Lehrerberuf. Eine Bewerbung ist noch bis 19. Dezember 2016 möglich. Ein Ziel ist, Jugendliche für den Lehrerberuf zu interessieren. Im Studium können sie zum Beispiel Fächer wie Mathematik und Kunst, Informatik und Deutsch oder Englisch und Sport kombinieren. Jetzt bewerben für die Orientierungstage

Lehrer werden oder nicht? Die Universität Hildesheim will Jugendlichen bei der Entscheidung helfen – mit Orientierungstagen. Schülerinnen und Schüler erhalten Einblicke in den Lehrerberuf und sollen für das Thema „Vielfalt an Schulen" sensibilisiert werden. Jugendliche können sich für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer" noch bis zum 19. Dezember 2016 bewerben.

An der Universität Hildesheim und an Schulen finden die Orientierungstage am Donnerstag, 12. Januar 2017, und am Freitag, 13. Januar 2017, statt. Der zweitägige Kompaktkurs gibt Einblicke in das Lehramtsstudium und zeigt die Chancen des Lehrerberufs. Die Jugendlichen diskutieren mit Professorinnen und Professoren, Lehrkräften und Lehramtsstudierenden. Bei einer Hospitation in einer Schule werden die Jugendlichen Schule dann einmal aus einer anderen Perspektive kennenlernen. Insgesamt können 20 Jugendliche teilnehmen. „Dieses Projekt bietet Jugendlichen die Chance, bereits frühzeitig einen Blick ins Studium zu werfen und zeitgleich Fragen zu klären, die entscheidend dafür sein können, ein Studium aufzunehmen: Was erwartet mich genau, wenn ich Lehramt studiere? Was kostet ein Studium? Was genau bedeutet Vielfalt im Studium und im Beruf? Bin ich darauf vorbereitet?“, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Hildesheim.

Jugendliche, die derzeit die 10., 11., 12. oder 13. Klasse besuchen und Interesse haben, können sich ab sofort für die Orientierungstage in Hildesheim anmelden. Die Bewerbungsfrist endet am 19. Dezember 2016. Die Teilnahme ist kostenlos, hier geht's zur Bewerbung. Die Initiative des Kultusministeriums startet an mehreren Standorten in Niedersachsen – neben Hildesheim auch in Göttingen, Hannover, Oldenburg und Osnabrück. Die Lotto-Sport-Stiftung fördert die regionalen Orientierungstage. An der Universität Hildesheim richtet das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung die Tage in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Bildungsintegration aus.

Aus der Forschung: Vielfalt im Schulalltag

Lehrerinnen und Lehrer spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration, denn sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen", sagt Professorin Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim. Die Erziehungswissenschaftlerin untersucht, welche Erwartungen an Lehrkräfte mit einer Migrationsbiographie gerichtet werden und welche Erfahrungen sie im Schulalltag machen. Nur knapp fünf Prozent der Lehrerinnen und Lehrer haben selbst einen Migrationshintergrund. Vielfalt im Klassenzimmer sei eine Aufgabe für das gesamte Kollegium.

Nachgefragt: Eine Schülerin berichtet von den Orientierungstagen

„Ich möchte mich über den Beruf Lehrerin erkundigen – ich bin mir noch nicht sicher, was ich werden möchte. Das ist hier eine gute Chance, mehr Erfahrungen zu sammeln, was ich noch für ein Studium mitbringen muss, das möchte ich in Erfahrung bringen“, sagt Pinar*. Die 17-jährige Schülerin hat in diesem Jahr an den Hildesheimer Orientierungstagen teilgenommen. „Hier an der Universität kann man mehr Fragen stellen“, sagt die Hildesheimer Schülerin. „Welche Wege kann ich gehen, um Lehramt zu studieren? Diese Frage habe ich im Kopf. Jetzt bin ich mir klar, was ich machen werde“, sagt die Schülerin.

„Ich wollte schon früher in der Grundschule eine gute Lehrerin werden, dann hatte ich viele andere Ideen. Aber jetzt, wo ich hier in der Universität bin, ist mir klar, dass ich Lehrerin werden möchte. Ich will Jugendlichen im Leben weiterhelfen. Ich will Kindern helfen, etwas aus sich zu machen, es ist faszinierend zu sehen, was man schaffen kann. Meine Mutter findet es auch schön, dass ich Lehrerin werden möchte, sie unterstützt mich dabei“, sagt Pinar. An dem Kurs gefalle ihr besonders, dass „zwei Lehramtsstudentinnen der Universität einen Vortrag gehalten haben, wie sie zum Lehrerberuf gekommen sind. Sie machen mir Mut. Wenn ich wirklich studieren möchte, kann ich es schaffen.“

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de).

*Name geändert

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration
news-12903 Mon, 21 Nov 2016 11:39:00 +0100 Drei haben mit der Note 1,0 abgeschlossen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/drei-haben-m/ 100 Master-Lehramts-Absolventen wurden feierlich entlassen und erhielten im Audimax ihre Urkunden. Besondere Leistungen erbrachten Sara-Marie Schnüll, Julia Rebekka und Jan Michael Witt, die ihr Studium mit der Note 1,0 abgeschlossen haben. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) MEd (Lehramt) Lehrerbildung news-12708 Fri, 18 Nov 2016 15:40:00 +0100 Nach der Lehrerausbildung: Ab ins Klassenzimmer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/nach-der-lehrerausbildung-ab-ins-klassenzimmer/ 100 Studentinnen und Studenten schließen ihr Masterstudium ab und starten in den Lehrerberuf. In einer Feierstunde in der Universität Hildesheim erhalten sie ihre Urkunden. Nachgefragt bei drei Studierenden, die künftig täglich im Klassenzimmer stehen. Ab ins Klassenzimmer: Viele Jahre des Studiums liegen nun hinter ihnen – das will gefeiert werden. Bevor die Masterstudierenden in das Referendariat starten, werden sie feierlich in der Universität Hildesheim verabschiedet. Ein studentisches Team hat die Feierstunde vorbereitet. An diesem Wochenende erhalten Studentinnen und Studenten des „Master of Education“ ihre Urkunden. Professorin Barbara Schmidt-Thieme wird während der Feierstunde sprechen, sie zeigt sich beeindruckt von der Vielfalt der Forschungsfragen, denen die Studierenden in den vergangenen Jahren nachgegangen sind. Drei Studierende werden für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet. Eine Woche später, am 26. November 2016, findet eine Feierstunde für Bachelorstudierende (Lehramt) statt.

Insgesamt erhalten 100 Studierende aus dem ersten viersemestrigen Masterstudiengang am Samstag ihre Abschlussurkunden, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. „Wir freuen uns, dass die ersten Absolventinnen und Absolventen nun erfolgreich ihr Studium abgeschlossen haben und wünschen ihnen alles Gute für den weiteren Weg.“

Außerdem baut die Universität ihr bundesweites Ehemaligen-Netzwerk aus: Ehemalige aller Fachbereiche können sich ab sofort online registrieren und werden über aktuelle Entwicklungen informiert.

Nachgefragt – Lehramtsstudierende im Kurzinterview

„Ich möchte, dass meine Schülerinnen und Schüler gerne in die Schule kommen“

Sara Schnüll, 25 Jahre, geboren in Hameln, hat ihr Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik und Musik erfolgreich abgeschlossen, möchte als Lehrerin in Niedersachsen unterrichten – am liebsten in der Region Hildesheim.

Sie starten jetzt in den Lehrerberuf, nach Jahren des Studiums. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Ich glaube, dass das Referendariat eine sehr anstrengende und schwierige Zeit wird. Ich hoffe, dass ich viel lerne und routinierter Unterrichtsstunden planen und umsetzen werde. Man hört ja häufig nicht die positivsten Geschichten über die Zeit des Referendariats. Aber ich hoffe sehr, dass ich das meistern kann und freue mich dann auf die Zeit, in der man mit weniger Druck (durch Unterrichtsbesuche und Bewertungen) an die Arbeit gehen kann.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Es wird eine sehr große Herausforderung, meinen eigenen Anforderungen an mich selbst, aber auch den Anforderungen, die von der Gesellschaft, den Eltern und den Kindern an mich gestellt werden, gerecht zu werden. Davor habe ich großen Respekt und ich bin selber noch gespannt, wie ich das alles so umsetzen werde. Ich möchte, dass meine Schülerinnen und Schüler gerne in die Schule kommen. Ich hoffe, dass sie Spaß am Lernen haben und dass ich jedes Kind da abholen kann, wo es gerade steht. Dass das nicht einfach wird, das war eine große Erkenntnis in meinem Masterstudium. Aber versuchen werde ich es auf jeden Fall.

Was haben Sie in Ihrer Masterarbeit untersucht?

Ich habe mich mit Methoden im Instrumentalunterricht beschäftigt. Welche Methoden wenden Lehrerinnen und Lehrer an, um Kindern das Spielen auf einem Instrument beizubringen? Schon in meiner Bachelorarbeit habe ich untersucht, was guten Instrumentalunterricht ausmacht, ich habe Neunjährige und Erwachsene befragt, wie der Unterricht heute und früher ablief. Spannend – es gibt Unterschiede.

Zu welchem Ergebnis kommen Sie?

Ein Ergebnis: Es kommt auf die Schüler und die Lehrer an, wie sie zusammenpassen – einige Schüler brauchen viele Vorgaben und etwas Druck, andere möchten sich die Inhalte selber erarbeiten und entdecken. Das erfordert vom Lehrer viel Flexibilität, weil man sich auf den Einzelnen konzentrieren muss. Es kommt darauf an, auf jeden Schüler individuell einzugehen – was kann das Kind, wo sind seine Stärken?

Musik wird oft fachfremd unterrichtet – wo wollen Sie im Schulalltag ansetzen?

Auf jeden Fall wird es mehr als ein bisschen hin- und herklimpern. Musik schafft auch Selbstvertrauen. Ich merke, dass die Kinder echt Spaß am Musizieren haben. Eine Befürchtung habe ich, was die Vergabe von Noten in diesem auch emotionalen Bereich angeht, das Schulsystem ist ja sehr leistungsorientiert. Ich glaube, man kann mit Musik viel erreichen. Oft ist das Instrumentarium im Schulalltag begrenzt – von Gitarre bis zum Keyboard. Ich spiele Klavier, bin aber offen, eine Oud oder Tombak in den Unterricht zu holen.

Eine Erinnerung an Ihre Studienzeit: Welche Bedeutung haben die Praxisphasen an Schulen im Verlauf des Studiums? Wie haben die Kinder und Jugendlichen auf Sie reagiert?

Ich erinnere mich gerne an die Praktika in meinem Studium zurück! Im ersten Jahr war ich einmal in der Woche im Klassenzimmer – die „Schulpraktischen Studien“ in der Grundschule Hohnsen hier in Hildesheim waren ein guter Start in das Studium. Ich habe hier auch viele tolle Menschen und Freunde kennengelernt. Die Praxisphase im Masterstudium habe ich an der Grundschule Ochtersum verbracht, auch hier habe ich festgestellt, wie wichtig und schön es ist, engagierte und nette Kollegen und Kolleginnen zu haben, mit denen man gut und gerne zusammenarbeitet und sich über den Unterricht austauscht. Die Schüler haben natürlich erstmal getestet, „wie weit man bei einer Praktikantin gehen kann“..., haben mich dann aber schnell als Lehrperson angenommen und es hat viel Freude gemacht, die Kinder so interessiert und konzentriert zu sehen.

Lektüre gehört zum Studium – welche?

Eine gute Frage... Es gibt kein Buch, das mich vom Anfang bis zum Ende durchgehend begleitet hat – da noch am ehesten das Kochbuch meiner Mutter. In Mathematik war es vielleicht das Buch „Didaktik der Arithmetik", das ich sehr sinnvoll fand.

Gab es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Sie besonders gefördert und unterstützt haben auf Ihrem Weg, Lehrerin zu werden?

In meinem Studium hat mich Dr. Andreas Hoppe aus dem Uni-Musikinstitut von Anfang bis zum Ende begleitet. Neben tollen, praxisnahen Seminaren und Übungen (die wirklich hilfreich für den späteren Lehrberuf waren), hat er mich außerdem während meiner Bachelor- und Masterarbeit unterstützt. Ich habe mich da immer sehr wohl und ernstgenommen gefühlt.

Nun starten Sie in das Referendariat. Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

An meinem Studium werde ich mit Sicherheit das längere Schlafen vermissen – dass man den Tagesablauf und Tagesrhythmus so frei wählen konnte, wie man es wollte. Ich habe dieses „freie Leben“ sehr zu schätzen gelernt. Das wird es im Vorbereitungsdienst und im späteren Job so bestimmt nicht mehr geben. War schon eine gute Zeit!

„Die Kinder haben sich schnell an uns gewöhnt und gemerkt: Okay, die bleiben länger hier“

Raimund Hollemann, 24, aus Hildesheim, hat im Masterstudium Mathematik und Sachunterricht (mit Geographie) studiert, ist einer der wenigen Männer, die sich für den Beruf als Grundschullehrer entschieden haben.

Sie starten jetzt in den Lehrerberuf, nach Jahren des Studiums. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Ich glaube, dass es eine harte und anstrengende Zeit wird. Bisher habe ich von Freunden aus dem Referendariat fast nur Negatives gehört. Ich hoffe allerdings, dass ich durch das Referendariat noch mehr darüber erfahren kann, wie ich Kindern mit Problemen jeglicher Art helfen kann – besonders auch im Erstunterricht.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Wissenschaftliches Arbeiten ist zu einem großen Teil das Abschreiben von anderen.

Eine Erinnerung an die Studienzeit: Welche Bedeutung haben die Praxisphasen an Schulen im Verlauf des Studiums? Wie haben die Kinder und Jugendlichen auf Sie reagiert?

Ich persönlich fand die Praxisphase sehr gut und wichtig. Durch sie wurde ich nochmals ermutigt diesen Beruf weiter auszuüben, weil die Lehre in der Universität mir zumeist zu theoretisch war. Die Praxisphasen waren zu jedem Zeitpunkt meines Studiums enorm aufmunternd und dort habe ich auch erfahren, wie ich in bestimmten Situationen zu reagieren habe. Ich durfte Schulalltag in der Grundschule Ochtersum, in der Grundschule Moritzberg und im Masterstudium in der Grundschule Nettlingen erleben.

Sie haben im ländlichen Raum Ihre Praxiszeit verbracht – was haben Sie in Nettlingen erlebt?

Die Lehrerin an meiner Praxisschule im Masterstudium war genial, das Kollegium an der einzügigen Grundschule, an der ich meine Praxiszeit verbringen durfte, hat uns Lehramtsstudenten sehr unterstützt. Für die Kinder war es ungewohnt, dass Lehramtsstudierende mit im Klassenzimmer sitzen – aber sie haben sich schnell an uns gewöhnt und gemerkt: Okay, die bleiben länger hier. Die Kinder haben uns wirklich herzlich aufgenommen. In den Pausen suchten vor allem die Kinder, die alleinerzogen wurden, meine Nähe auf. Das ist mir zum Ende meiner Studienzeit erst richtig bewusst geworden.

Lektüre gehört zum Studium: Welche?

Den Klassiker „Was ist guter Unterricht" von Hilbert Meyer fand ich während des Studiums sehr interessant und konnte damit auch häufig Unterrichtssequenzen begründen. Für meine Masterarbeit habe ich das Werk zur Untersuchung guten Mathematik- und Sachunterrichts ebenfalls sehr gut verwenden können.

Was haben Sie in ihrer Abschlussarbeit untersucht?

Ich habe Mathematik- und Sachunterricht in der Schule untersucht und Studierende befragt, die ein halbes Jahr an Schulen verbracht haben. Diese haben den Unterricht an zuvor ausgewählten Kriterien, wie klare Strukturierung, Methodenvielfalt oder vorbereitete Lernumgebung (nach Hilbert Meyer), bewertet und somit konnte eine Einschätzung getroffen werden, ob sie eher schlechten oder guten Unterricht gesehen haben.

Gab es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Sie besonders gefördert und unterstützt haben auf Ihrem Weg, Lehrer zu werden?

Es gab in meiner Zeit als Student mehrere Dozentinnen und Dozenten, die mir in unterschiedlichster Situation geholfen haben. Dabei möchte ich keine einzelne besonders Person hervorheben.

Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

Das liebste an der Studienzeit waren mir die neuen Freunde, die ich in der Zeit kennenlernen durfte (mit denen bleibe ich aber sicherlich in Kontakt). Auch werde ich die freie Wahl meines Tagesablaufs (die man als Student zum Teil genießt) vermissen. In der Zeit während ich in der Universität war, vermisse ich vor allem die Freistunden, die mit Kartenspielen in der Mensa immer ein Highlight waren.

„Für mich war es sehr wichtig, erste Unterrichtserfahrungen im Studium zu sammeln“

Miriam Pasewark,  25 Jahre alt, in Celle geboren, hat Lehramt an der Universität Hildesheim mit den Fächern Wirtschaft und evangelische Theologie studiert, möchte später an einer Realschule unterrichten.

Sie starten in den Lehrerberuf. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Mit dem Beginn des Referendariats beginnt eine neue und hoffentlich spannende Phase in meinem Leben. Jetzt wird es ernst! Es wird sicherlich eine Umstellung zum Studentenleben, man trägt nun Verantwortung für die Schüler, Kollegen und für sich selbst. Ich freue mich auf ein freundliches Kollegium und die Möglichkeit, selbst vor einer Klasse zu stehen und mit den Schülern schöne wie auch nicht so angenehme Unterrichtsstunden zu verleben. Ich werde den Schulalltag mit all seinen Facetten kennenlernen und an den Herausforderungen wachsen.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Eine besondere Erkenntnis im Masterstudium, die mir (und vielleicht auch anderen Studenten) in Zukunft hoffentlich noch hilfreich sein wird: Man sollte sich selbst nicht zu sehr mit anderen vergleichen, sondern seine Leistung an den eigenen Ansprüchen und Bemühungen messen. Beispielsweise ist eine 2,7 kein Weltuntergang, es ist eine gute Leistung mit leichten Schwächen, auf die man auf jeden Fall stolz sein kann.

Eine Erinnerung an die Studienzeit an der Universität Hildesheim: Welche Bedeutung haben die Praxisphasen an Schulen im Verlauf des Studiums?

Während meines Studiums habe ich Praktika an der Oberschule Delligsen, der Albertus-Magnus Realschule und der Hauptschule Himmelsthür absolviert. Für mich war es sehr wichtig, die ersten Unterrichtserfahrungen bereits im Studium zu sammeln. Man bekommt schnell ein Gespür dafür, ob man sich vor einer Klasse wohl fühlt. Eine weitere Bereicherung ist die Anleitung durch Mentoren. Man hat die Möglichkeit, den eigenen Unterricht mit einer berufserfahrenen Person zu reflektieren und bekommt hilfreiche Tipps zum eigenen Lehrerverhalten oder der Unterrichtsvorbereitung. Manchmal sieht man auch, was und wie man etwas nicht tun sollte….

Lektüre gehört zum Studium: Welche?

Zwei Bücher, die seit dem ersten Semester immer mal wieder zum Einsatz kamen: Hilbert Meyer „Was ist guter Unterricht?" und „Leitfaden Unterrichtsvorbereitung".

Womit haben Sie sich in Ihrer Abschlussarbeit beschäftigt?

Das Thema meiner Masterarbeit ist: „An den Grenzen des Lehrberufs: Eine empirische Studie zu niedersächsischen Lehrern an Psychiatrien und Krankenhäusern“. Ich habe Interview mit Lehrpersonen geführt, die in Psychiatrien und in Kliniken unterrichten. Vor welchen Herausforderungen stehen sie im Alltag?

Was ist ein Ergebnis?

In Niedersachsen werden die Lehrpersonen mit einer bestimmten Stundenzahl abgeordnet – es gibt keine richtige Schulleitung und Verwaltungsstruktur. Die Lehrer müssen sich selber organisieren. Die Lehrer, die das machen, haben eigentlich keine großen Vorteile, sondern eher mehr Arbeit, deswegen ist das nicht so beliebt. Ich habe in Psychiatrien und in Krankenhausschulen angerufen und gefragt, ob ich dort forschen kann. Die Reaktion: Alle angefragten Lehrer haben zugesagt, sie haben sich sehr gefreut, dass einmal jemand fragt. Ich durfte auch im Unterricht hospitieren.

Wie gelangt man zu Erkenntnissen – lernt man das im Studium?

In Pädagogik habe ich ein Begleitseminar zur Masterarbeit besucht, das war sehr hilfreich. Wir konnten all unsere Fragen stellen und unsere Arbeit auch untereinander diskutieren.

Gab es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Sie besonders unterstützt haben auf Ihrem Weg, Lehrer zu werden?

Es gibt einige Veranstaltungen, die mich sehr interessiert und weitergebracht haben. Dazu gehören sämtliche Psychologie-Vorlesungen und Seminare, welche immer sehr abwechslungsreich und spannend aufbereitet wurden. Die Reli-Seminare im Kloster Drübeck werden mir ebenfalls in Erinnerung bleiben. Außerdem wurde ich während der Masterarbeit sehr von der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Melanie Fabel-Lamla unterstützt.

Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

Ich werde sehr viel aus der Studienzeit vermissen. In Hildesheim habe ich Freunde kennengelernt, die mich (hoffentlich) ein Leben lang begleiten werden. Die Zeit in meiner WG werde ich auch nicht so schnell vergessen, insbesondere unsere gemeinsamen DVD-Abende und das kollektive Aufregen über Dozenten. Des Weiteren war es schön, seine Zeit selbst einteilen zu können. Meine durchschnittliche Aufsteh-Zeit war 9 Uhr – da werde ich mich im Referendariat noch umgewöhnen müssen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-12372 Tue, 08 Nov 2016 14:03:00 +0100 30 Jahre Lehrerfortbildungen: Hildesheimer Pädagogische Tage https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/30-jahre-lehrerfortbildungen-hildesheimer-paedagogische-tage/ Die Universität Hildesheim war in den 1970er Jahren eine der ersten Universitäten, die „Pädagogische Tage“ angeboten hat, um Lehrerinnen und Lehrer fortzubilden und den fachlichen Austausch anzuregen. Schulen können sich seitdem in das Netzwerk einbringen und Fortbildungsangebote wahrnehmen. Auch zum 30. Jubiläum regt die Universität den Dialog über Schulentwicklung an. Die Universität Hildesheim lädt am Donnerstag, 17. November 2016, zum „Hildesheimer Pädagogischen Tag“ ein. Seit den 1970er Jahren bilden sich Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen und pädagogisches Personal hier fort. Das 30. Jubiläum steht unter dem Motto „Wir machen Schule“. Die Universität Hildesheim war die erste Hochschule in Niedersachsen, die „Pädagogische Tage“ angeboten hat, um Lehrerinnen und Lehrer fortzubilden und den fachlichen Austausch anzuregen. Schulen können sich in den Dialog und das Netzwerk einbringen und Fortbildungsangebote wahrnehmen.

Zum Auftakt spricht die ehemalige pädagogische Leiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden zum Thema „Wir machen Schule“. Anschließend finden eine Talkrunde und die Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, pädagogisches Personal, Leitungen von Schulen und angehende Lehrkräfte statt. In den Workshops geht es zum Beispiel um selbstständiges Lernen in Schullaboren, Zusammenarbeit mit Eltern, Kooperation im Lehrerkollegium, Schulentwicklung und Sprachenlernen in der Schule. Die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin Ulrike Bohle gibt Einblicke in Lese- und Schreibzentren für Jugendliche. Lehrerinnen der Oskar-Schindler-Gesamtschule haben gemeinsam mit dem Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim ein Lese- und Schreibzentrum aufgebaut. „Im Verlauf der Jahre sind hier einzigartige schulische Räume zur sprachlich-literarischen Entfaltung für Jugendliche entstanden“, so Bohle. Andreas Pudlat und Sanne Ziethen vom Uni-Geschichtsinstitut sprechen über Denkmäler als Erinnerungs- und Lernorte.

Die Workshops wurden gemeinsam mit Schulen entwickelt. Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule Moritzberg stellen in einem Workshop ein Konzept zum Sprachenlernen von geflüchteten Eltern in der Schule sowie eine Schülerfirma vor. Die Grundschülerinnen und Grundschüler lernen selbst noch schreiben und rechnen, aber übernehmen bereits Verantwortung für ihre eigene Firma. Seit 2014 bereiten Achtjährige in der „Gelben Garage“ der Grundschule Moritzberg alte Fahrräder auf, reparieren und erledigen die selbstentwickelte Buchhaltung. Das Schulprojekt wird von Hubertus von Hoeren, einem ehemaligen Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim, betrieben.

Der Fachtag an der Universität findet in Kooperation mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und unterstützt durch die Deutsche Schulakademie statt. Das ausführliche Programm ist online abrufbar. Kontakt bei Fragen zur Lehrerfortbildung: Vicky-Nicoletta Erber (Telefon 05121.883-92500, E-Mail: fortbildung@uni-hildesheim.de), Prof. Dr. Carola Iller und Benjamin E. Luft.

Hildesheimer Pädagogischer Tag 2016 an der Universität

Thema:  „Wir machen Schule. Mitdenken. Mitreden. Mitgestalten“
Wann?  Donnerstag, 17. November 2016
Wo?  Stiftung Universität Hildesheim, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-12588 Tue, 01 Nov 2016 11:40:00 +0100 Inklusive Schulentwicklung und Lehrerbildung https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/inklusive-schulentwicklung-und-lehrerbildung/ Während eines Fachtags befassen sich Experten aus Schule, Wissenschaft und Bildungspolitik mit inklusiver Schulentwicklung und Lehrerbildung. Seit fünf Jahren bildet die Universität Hildesheim in einem Weiterbildungsstudiengang Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere Berufsgruppen fort. Die Universität reagiert damit auf die 2009 in Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen, das Kinder und Jugendliche nicht ausschließt, sondern Teilhabe ermöglicht. Während eines Fachtags befassen sich Experten aus Schule, Wissenschaft und Bildungspolitik mit inklusiver Schulentwicklung und Lehrerbildung [zum Programm]. Der Fachtag findet am Freitag, 4. November 2016, an der Universität Hildesheim statt. An der Veranstaltung wirken viele Beteiligte aus dem Projekt „Inklusive Lehrer_innenbildung“ mit. Im Projekt haben sie begonnen, Ansätze inklusiver Lehrerbildung zu entwickeln sowie Forschungsimpulse für die Auseinandersetzung mit Fragen inklusiver Unterrichts- und Schulentwicklung zu setzen.

Zum Auftakt des Fachtags spricht Professor Martin Heinrich, Wissenschaftlicher Leiter des Oberstufen-Kollegs in Bielefeld, über inklusive Schulentwicklung im Mehrebenensystem. Anschließend stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – zum Teil gemeinsam mit Studierenden – Ergebnisse aus Forschungswerkstätten vor, die in Workshops besprochen und diskutiert werden. Die Sprachwissenschaftlerinnen Barbara Graßer und Lilia Tschudinovski sprechen über Mehrsprachigkeit in Bildungseinrichtungen.

Wie arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen im Schulalltag zusammen? Professorin Melanie Fabel-Lamla hat gemeinsam mit Studierenden multiprofessionelle Zusammenarbeit in Schulen untersucht und gibt Einblicke in die Forschung. Der Sozialpädagoge Andreas Oehme spricht über Schulbegleitung und Schulsozialarbeit in der inklusiven Schule und stellt ein Projekt zur multiprofessionellen Kooperation aus dem Landkreis Hildesheim vor. Über Herausforderungen und Chancen für Inklusion im naturwissenschaftlichen Unterricht sprechen Peter Düker und Professor Jürgen Menthe. Professorin Vera Volkmann und Gianna Wilm geben anhand videographischer Studien Einblicke in Sportunterricht unter den Bedingungen von Heterogenität und Inklusion. Aktuelle Projekte interkultureller Bildungsforschung stellt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Viola B. Georgi vor. Der Diplompädagoge Jan Voß bietet einen Workshop an, der sich mit dem kommunalen Index für Inklusion befasst. Auch in den Bereichen Politikvermittlung in inklusionsrelevanten Kontexten, Kommunikation, inklusives historisches Lernen sowie inklusionssensible Diagnostik werden Workshops angeboten und es besteht die Möglichkeit, in einen Austausch zu kommen.

„Wir laden ein zum Dialog über inklusive Schulentwicklung und Lehrer_innenbildung“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Anna Moldenhauer. In einer Podiumsdiskussion diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden, Peter Schütz, der Lehramtsstudentin Maja Vogt sowie Ute Wormland, Referatsleiterin für „Inklusion im Bildungswesen“ im Niedersächsischen Kultusministerium.

Inklusionsstudiengang der Universität Hildesheim feiert fünfjähriges Jubiläum

Seit fünf Jahren bildet die Universität Hildesheim im Weiterbildungsstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere Berufsgruppen fort. Im Rahmen des Fachtags feiert der Studiengang sein Jubiläum. Der Weiterbildungsstudiengang wurde zum Wintersemester 2010/2011 in Kooperation mit einer Schweizer Hochschule entwickelt. Die Universität reagiert damit auf die 2009 in Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen, das Kinder und Jugendliche nicht ausschließt, sondern Teilhabe ermöglicht. Der Umgang mit Heterogenität und der Einsatz einer inklusiven Pädagogik ist heute eine sehr bedeutungsvolle Aufgabe im Bildungswesen. Im Studiengang entwickeln die Pädagoginnen und Pädagogen Wege, um konstruktiv mit den unterschiedlichen sozio-kulturellen, körperlichen und biografischen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen umzugehen.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren kommen berufstätige Studierende jeden Monat in Hildesheim zusammen. Manche sind 25, andere bereits 55 Jahre. „Die Studierenden schätzen den Austausch in den heterogenen Lerngruppen“, sagt die Studiengangskoordinatorin Cindy Bergt. Die Universität Hildesheim bildet inzwischen Personen aus Schulen, Hochschulen, Volkshochschulen und Kindertagesstätten fort. Im aktuellen Jahrgang werden zudem Schulbegleiter qualifiziert. Bisher sind diese oft ohne pädagogische Ausbildung.

Bewerbungen um einen Studienplatz im Weiterbildungsstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ sind noch möglich. Die mehrtägigen Seminare können auch einzeln belegt werden Wer sich für das Studium interessiert oder Fragen zu Fortbildungsmöglichkeiten hat, kann sich bei der Studiengangskoordinatorin Cindy Bergt melden (05121.883-92300).

Weitere Informationen:

Projekt „Inklusive Lehrer_innenbildung“ (iLeb)

Studiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“

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news-12606 Thu, 27 Oct 2016 09:24:00 +0200 Alte Domschätze: Interesse an historischen Objekten wecken https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/alte-domschaetze-interesse-an-historischen-objekten-wecken/ Das Dommuseum und die Universität Hildesheim kooperieren in der Lehrerausbildung und wollen Kindern alte Geschichte nahebringen. Wie Kinder historische Kunst wahrnehmen zeigt die Ausstellung „Drachenbilder“ im Dommuseum und auf dem Kulturcampus der Uni Hildesheim. Das neuerworbene Drachenaquamanile des Dommuseums wird seit April in der Sonderausstellung „Drachenlandung“ gezeigt und hat sich bereits zum Publikumsliebling entwickelt. Ausgehend vom Plakatmotiv mit dem Kopf des Drachen im Profil haben Kinder aus dem „Bilderstudio“ der Universität Hildesheim eigene Drachenbilder gezeichnet und ganz eigenwillige Ideen zur Gestalt des Fabeltiers entwickelt. Im Rahmen der Kooperation des Dommuseums mit dem Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität werden ausgewählte Zeichnungen im Museum präsentiert.

Die kleine Sonderschau mit den Zeichnungen der Kinder ist vom 27. Oktober bis 11. November 2016 im Dommuseum zu sehen. Aus diesem Anlass zeigt das Museum den kleinen Drachen, bevor er wegen der folgenden Ausstellungen für längere Zeit nicht zu sehen sein wird. Anschließend werden die Zeichnungen vom 24. November bis 1. Dezember 2016 auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg ausgestellt. Kinder der Grundschulen Itzum und Ochtersum geben Einblicke in die Begegnungen mit historischer Kunst.

Das Dommuseum und die Universität Hildesheim kooperieren in der Lehrerausbildung und wollen Kindern alte Geschichte nahebringen, 2015 wurde ein Kooperationsvertrag unterzeichnet. In den vergangenen 30 Jahren konzentrierte sich die Kunstdidaktik häufig auf die Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Der Blick für die Vermittlung historischer Kunst wurde bisher vollkommen ausgeklammert, so Uhlig. Wie entwickeln Kinder ein historisches Bewusstsein für die Stadt, in der sie leben? Wie kann man die für Kinder vermeintlich schwierige und ferne alte Geschichte adäquat vermitteln? Die Professorin verlegt ihre Seminare für Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten aus dem Hörsaal ins Museum. Lehramtsstudierende gehen mit Schulklassen und Kindergärten in das Museum, um über die Objekte und Bilder zu sprechen. Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit einem „Kopfreliquiar“, welches um 1185 gefertigt wurde. Das wertvolle Metallgefäß soll – für den Betrachter nicht sichtbar – den Kopf des „heiligen Oswald“ enthalten. Die Reliquie gehört zum Domschatz in Hildesheim und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auch Fünfjährige können sich mit Gegenständen religiöser Verehrung und jahrhundertealten Kirchenschätzen auseinandersetzen. „Die Kinder und ihre Fragen sind uns wichtig. Wir möchten das Interesse an historischen Museen wecken“, sagt Bettina Uhlig. Erste Erfahrungen zeigen: Das Interesse der 5- bis 12-Jährigen ist groß.

Bettina Uhlig untersucht, wie Kinder Bilder wahrnehmen, produzieren und wie sich dies verändert. Hierfür hat sie auf der Domäne Marienburg ein bilddidaktisches Forschungsstudio eingerichtet. In Kooperation mit Grundschulen und Kindergärten führt sie ein Feldforschungsprojekt durch, das Aufschluss über die anthropologischen und kulturellen Grundlagen der Entwicklung von Bildlichkeit geben soll. Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder über spezifische „Imaginationsprofile“ verfügen. So gibt es Kinder, die in Erzählungen denken, andere wiederum können sich Szenisches oder technische Zusammenhänge besonders gut vorstellen. Je nach Imaginationstyp variiert die bildnerische Praxis und führt bei einer gezielten Begleitung zu unterschiedlich großen Fortschritten in der individuellen Bildpraxis von Kindern. Die Hildesheimer Forschungsergebnisse fließen sowohl in die fachdidaktische Diskussion als auch in die Praxis in Kindergärten und Schulen ein. Jede Woche kommen Kinder aus umliegenden Grundschulen in die Universität.

Schulen und Kindergärten, die sich für das Thema interessieren, können die Kunstdidaktikerin Bettina Uhlig kontaktieren (E-Mail: uhligb@uni-hildesheim.de).

Ausstellung im Dommuseum und auf dem Uni-Kulturcampus

Am Donnerstag, 27. Oktober 2016, wird die kleine Sonderschau um 16:00 Uhr in Anwesenheit von Museumsdirektorin Claudia Höhl und Professorin Bettina Uhlig von der Universität Hildesheim eröffnet. Die Zeichnungen der Kinder sind vom 27. Oktober bis 11. November 2016 im Dommuseum zu sehen. Anschließend werden die Zeichnungen vom 24. November bis 1. Dezember 2016 auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg ausgestellt. Die Vernissage auf dem Kulturcampus findet am 24. November 2016 um 16:00 Uhr statt. Museumsdirektorin Claudia Höhl, Professorin Bettina Uhlig und die Kinder, von denen die Zeichnungen stammen, erläutern die Zeichnungen.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-12589 Thu, 20 Oct 2016 15:00:00 +0200 Mit 86 auf dem Campus https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/mit-86-auf-dem-campus/ 30 Jahre Gasthörerstudium an der Universität Hildesheim: Wenn Edith Dörrie ein Seminar in der 3. Etage am Uni-Campus besucht, lässt sie den Fahrstuhl links liegen und greift zu ihrem Gehstock. „Wenn ich in der Universität bin, bin ich gesund“, sagt die 86-Jährige. Die Universität sei für viele „eine Informationsquelle, in der nicht veraltetes Wissen, sondern das aktuellste Wissen weitergegeben wird“, sagt Carola Iller, Professorin für Weiterbildung. Wenn Edith Dörrie ein Seminar in der 3. Etage am Uni-Hauptcampus besucht, lässt sie den Fahrstuhl links liegen und greift zu ihrem Gehstock. „Ich nehme die Treppe. Ich bleibe jung“, sagt die 86-Jährige. „Auf der Straße bin ich nichts, eine alte Frau mit Brille. Beim Arzt bin ich eine Nummer, die Kranke mit den schlechten Augen. Hier in der Universität, hier bin ich ein Mensch und kann lernen. Die Universität ist ein Jungbrunnen. Wenn ich hier oben auf der Marienburger Höhe bin, bin ich gesund“, sagt Edith Dörrie während sie aus dem Fenster des Seminarraumes blickt.

Einmal in der Woche geht Edith Dörrie zur Vorlesung – Geschichte und Politik – neulich diskutierte sie über die Bundeskanzler. „Es geht immer weiter. Mich interessieren die Themen aus den Jahrhunderten. Hat man mit einem abgeschlossen, steht schon das nächste im Vorlesungsprogramm.“

„Oma, du bist Zeitzeugin“, erinnert sich Dörrie an die Worte ihres Enkels. „Du warst für uns da, jetzt tu etwas für dich. Weißt du was du machen kannst? Du kannst zur Uni gehen.“ Die ersten Jahre habe sie in jeder Vorlesung mitgeschrieben, nun machen ihre Augen nicht mehr mit und das Alter mache sich bemerkbar. Ihre Krankheit und eine Augenoperation können sie nicht am Lerneifer hindern. „Soll ich zu Hause bleiben, den ganzen Tag im Bett liegen? Ich gebe mich nicht damit zufrieden, dann habe ich ja nichts mehr. Die Universität füllt meinen Tag aus. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich gehen möchte.“ Sie wolle „am Ball bleiben“. Edith Dörrie hat in ihren 86 Lebensjahren „das Schlimme überwunden“, den Zweiten Weltkrieg überlebt, eine „prägende Erfahrung“. In ihrer Familie war die Uni und Ausbildung „kein Thema“. „Es ging um das Überleben, das kann sich keiner vorstellen. Wir haben Kartoffeln nachgehakt und Bucheckern gesammelt. Ich habe gelernt, mit wenig auszukommen und trotzdem zufrieden zu sein.“ Luxus sei nicht ihr Ding, es gebe andere wichtige Werte – ihre 300 Bücher, das Wissen im Hörsaal und Musik. „Musik ist Medizin, ich tanze gerne.“

„Mit dem Gasthörerstudium öffnet die Universität ihre Lehre für Interessierte aus der Stadt und der Region“, sagt Carola Iller, Professorin für Weiterbildung an der Universität Hildesheim. Die Gasthörerinnen und Gasthörer sind zwischen 21 und 90 Jahre alt. Sie können „reinhören in die Wissenschaft“, so Iller. Die Universität sei für viele „eine Informationsquelle, in der nicht veraltetes Wissen, sondern das aktuellste Wissen weitergegeben wird“.

Das Gasthörerstudium in Hildesheim besteht seit 30 Jahren. Pro Semester starten zwischen 100 bis 160 Gasthörerinnen und Gasthörer in die Vorlesungszeit, davon sind rund 80 Prozent über 60 Jahre. Unter ihnen: Senioren, Frührentner, jemand, der die Zeit der Arbeitslosigkeit überbrückt. „Die älteste Gasthörerin an der Universität Hildesheim war knapp über 90. Sie hatte auch noch an unserem Computer- und Internetkurs für Gasthörende teilgenommen“, erinnert sich Kathrin Vornkahl. Gemeinsam mit Ursula Ullrich koordiniert sie die Anfragen von interessierten Bürgern aus der Stadt. Der älteste Gasthörer im aktuellen Wintersemester ist 87 Jahre und besucht, gemeinsam mit seiner 75-jährigen Frau die Geschichtsvorlesung von Professor Michael Gehler.

Gasthörer können sich aus den Vorlesungen und Seminaren ihr individuelles Studienprogramm zusammenstellen. „Wir verzichten auf Reglementierungen. Interessierte können sich aus dem gesamten Lehrangebot die Veranstaltungen aussuchen, die sie für ihre individuelle Weiterbildung nutzen möchten. Sie erhalten Einblicke in Forschung und Lehre und arbeiten gemeinsam mit Studierenden in Vorlesungen und Seminaren zusammen“ so Vornkahl. Seit Frühjahr 2015 gehen junge Erwachsene, die geflohen sind, zur Universität und bereiten sich auf ein Studium vor. Das Gasthörerstudium ist eine Chance, die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen und die Verbindung zum Uni-Alltag aufzubauen.

„Zwischen den Generationen zu lernen, das ergibt sich nicht zufällig. Wir können den Dialog zwischen Jüngeren und Älteren hochschuldidaktisch fördern und fordern, damit es nicht zu Konflikten kommt“, sagt Carola Iller. Die Bereitschaft der Lehrenden sei wichtig, damit „intergeneratives Lernen“ gelingt. „Wenn Ältere sich mit ihren Berufserfahrungen zu Wort melden, kann das sehr wertvoll für das Seminar sein, aber es muss auch eingeordnet, diskutiert werden“, sagt Iller.

Ein Tag auf dem Uni-Campus: Nachgefragt bei Hans-Joachim Holz

Hans-Joachim Holz kopiert Bücher in der Universitätsbibliothek, sucht online nach passenden Vorlesungen, trifft sich mit Kommilitonen, um ein Referat vorzubereiten. Er trägt einen grünen Kapuzenpullover. Wie andere Studentinnen und Studenten auch. Hans-Joachim Holz ist bloß 50 Jahre älter als die meisten Studierenden auf dem Campus.

Hans-Joachim Holz fährt seit acht Jahren zwei bis drei Mal in der Woche etwa 40 Kilometer mit dem Auto nach Hildesheim. Nach 30 Jahren als Grundschullehrer in Bad Gandersheim geht er nun wieder zur Universität. Der 72-Jährige wählt die Fächer Geschichte, Soziologie, Philosophie und Politik, etwa die Vorlesungsreihe „Europagespräche“ von Professor Michael Gehler, Experte für europäische Geschichte. „Im Sommersemester habe ich das Seminar über Vergangenheit und Gegenwart und ein Ethik-Seminar über Gerechtigkeit besucht. Im Wintersemester steht ein Seminar über die Rolle von Frauen während der Reformation im 16./17. Jahrhundert auf meinem Wochenplan. Außerdem ein Seminar über Tierethik sowie Migration in Deutschland“, sagt Holz.

Das Studium biete eine Möglichkeit, „nach dem Berufsleben nicht von 100 auf 0 zu fallen“. „Es ist ein Geben und Nehmen und schön, mit den jungen Leuten gemeinsam zu arbeiten, ich mache auch in Referaten und Gruppenarbeiten mit, eigentlich nehme ich alles mit, was zum Studium gehört, nur Klausuren schreibe ich nicht mehr.“ Er möchte niemandem einen Platz wegnehmen, sagt Holz.

Festakt – 30 Jahre Gasthörendenstudium

Das Gasthörerstudium in Hildesheim besteht seit 30 Jahren. Während eines Festakts am Donnerstag, 20. Oktober 2016, hält Franz Müntefering, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen, Bundesminister a.D. und Vizekanzler a.D., den Festvortrag (um 18:00 Uhr am Uni-Hauptcampus).

Kontakt: Wer sich für das Gasthörerstudium interessiert, kann sich bei Kathrin Vornkahl und Ursula Ullrich anmelden (Telefon 05121.883-92606 und 05121.883-92600). Weitere Informationen finden Sie online.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Geschichte Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-12441 Fri, 07 Oct 2016 18:34:00 +0200 Geschichten machen: Wie Bild und Text zusammen wirken https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/geschichten-machen-wie-bild-und-text-zusammen-wirken/ Aktuelles aus der Forschung: Das Bilderbuch ist eines der ersten Medien, das Interesse an Erzählungen wecken kann. Mit welchen Mitteln erzählen Texte und Bilder? Die Professorinnen Irene Pieper und Bettina Uhlig beschäftigen sich seit Jahren in der Forschung mit dem narrativen Potenzial von Bildern und Sprache. In Hamburg lebt eine außergewöhnliche Maus. In ihrer Welt ist es plötzlich gefährlich geworden, überall lauern Mausefallen und Katzen. Von allen gejagt kommt der kleinen Maus eine rettende Idee: Sie muss das Fliegen lernen. Die kleine Maus erfindet ein Flugobjekt, baut sich Flügel und blickt an einem Morgen schließlich mit ihrer Konstruktion in die Weite des Hamburger Hafens, um abzuheben. Wer die Bilder des Hamburger Illustrators Torben Kuhlmann entdeckt, wird hineingezogen in eine Geschichte. Seine Illustrationen sind detailreich und erzeugen Räumlichkeit, kein Wunder, wollte Kuhlmann doch schon als Kind „verstehen, wie Raum funktioniert“, wie er auf einer Konferenz in Hildesheim berichtet. Erzählen in Bildern, so beschreibt Kuhlmann, was er beruflich macht.

Das Bilderbuch ist eines der ersten Medien, das Interesse an Erzählungen wecken kann. Mit welchen Mitteln erzählen Texte und Bilder? Wie erzeugen sie Reaktionen der Leser und Betrachter? Auf einer Konferenz an der Universität Hildesheim haben Experten aus Kulturwissenschaft, Literatur- und Kunstdidaktik, Anthropologie und Bildungswissenschaften sowie Illustratoren, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher die Schnittstellen, Überlagerungen und Konvergenzen im narrativen Raum zwischen Text und Bild erläutert und sich mit Differenzen zwischen sprachlichem Erzählen und Erzählen im Bild befasst.

Die beiden Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Bettina Uhlig, Professorin für Kunstpädagogik, und Irene Pieper, Professorin für Literaturwissenschaft, untersuchen, wie Kinder Bild und Text wahrnehmen. Sie beschäftigen sich seit Jahren in der Forschung mit dem narrativen Potenzial von Bildern und Sprache.

„Das aktive Erzählen ebenso wie das rezeptive Aufnehmen von Erzählungen sind Grundbedürfnisse des Menschen. Durch die Erzählung können raum-zeitliche Daten geordnet und geklärt werden. Die Erzählung ermöglicht es, ein wirkliches oder fiktives Geschehen zu bewältigen“, sagt Uhlig. Die Erzählforschung zeigt, dass die Fähigkeit zum Entwerfen und Verstehen von Erzählungen bereits in der jüngsten Kindheit angelegt ist. „Wir arbeiten mit der Tagung die narrativen Qualitäten von Bildern heraus“, so Uhlig. Dass sich Narrationen mittels gesprochener und geschriebener Sprache vermitteln, sei ganz unbestritten. Dass aber auch ein Bild an sich narrativ konstituiert sein kann, sei durchaus umstritten.

Bestehen Differenzen zwischen sprachlichem Erzählen und Erzählen im Bild? „Das, was in der Sprache erzählend nacheinander entfaltet wird, stellt sich im Bild quasi simultan dar“, sagt Irene Pieper.

Wie lernen Kinder, mit Bilderbüchern umzugehen?

Wie und wo können Kinder lernen, mit Bilderbüchern umzugehen? Die Forschung zu Interaktionen in Kindergärten, etwa zwischen einer Erzieherin und einer Kindergruppe, zeigt zum Beispiel, wie Kinder lernen, Erzählungen zu verstehen, zu rekonstruieren, eigene Deutungen vorzustellen und mit Sprachangeboten umzugehen, so Professorin Pieper.

Bilderbücher werden oft zuerst mit Erwachsenen betrachtet. „In Familien, die gute Bildungsangebote für Kinder anbieten, ist die Rezeption von Bilderbüchern interaktiv strukturiert“, sagt Irene Pieper. Die Familiensituation ist ganz bedeutsam, ergänzt Bettina Uhlig. „Dieses ganz eng nebeneinander sitzen, zusammen auf das Bild und auf das Bilderbuch gucken, vielleicht noch in einer Abendsituation, das hat etwas emotional und atmosphärisch Bedeutsames.“

„Für Kinder ist ein Bilderbuch ein Weg, um Geschichten wahrzunehmen und eigene Geschichten zu erzählen“, ergänzt Anna Root. Sie schließt derzeit an der Universität Hildesheim ihr Lehramtsstudium mit den Fächern Kunst und Deutsch ab und arbeitet parallel an einer Grundschule nahe Springe. In ihrer Masterarbeit untersucht die Studentin, welche Wahrnehmungshilfen beim Betrachten von Bilderbüchern im Unterricht zum Einsatz kommen können. In einer empirischen Untersuchung hat Root mit Kindern einer vierten Klasse zum Beispiel Rahmen verwendet, mit denen Kinder einzelne Bildausschnitte in den Fokus rücken und den Rest eines komplexen, detaillierten Bildes verdecken können. „Was passiert davor, was nach dieser Szene? Die Kinder haben Geschichten gezeichnet. Wir haben zwei Wochen an den Erzählungen gearbeitet. Die Kinder haben mit großer Freude eigene Geschichten entworfen.“

Das Umblättern verlangt Zeit

Was passiert zwischen den Seiten? Im Umblättern, im Vor- und Zurückblättern steckt eine besondere Chance, sagt Professorin Gabriele Scherer, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Koblenz-Landau. Das Umblättern trage dazu bei, das Verstehen zu fördern. „Nicht wischen und klicken auf einem Smartphone – das einfache Blättern mit all der Materialität verlangt Zeit. Man braucht Zeit, um Bilderbücher zu betrachten, man soll auch verweilen.“

Man müsse auch aushalten, dass Bilder nicht eindeutig sind, sagt Gabriele Lieber, Professorin für Ästhetische Bildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Mitveranstalterin der internationalen Konferenz. „Kinder interpretieren Bilder, es gibt kein richtig oder falsch, es ist ihre eigene Imagination. Die Geschichte muss nur schlüssig für sie selbst sein.“

Das „produktive Potenzial“ von Bilderbüchern beschreibt Literaturwissenschaftlerin Scherer so: Kinder können erkennen und benennen, sie können beobachten und kombinieren, sie können Figurenperspektiven einnehmen, Leerstellen füllen und interpretieren sowie Bilder in Worte fassen, sprechen, dazu schreiben.

Welche Bilder kann man Kindern zumuten?

Manche Bilderbücher setzen ein Wissen über den Inhalt der Geschichte voraus. „Das schriftlose Märchenbuch funktioniert eigentlich nur, wenn man das Handlungsschema im Kopf hat“, sagt Scherer.  Der spanische Illustrator Adolfo Serra verzichtet in dem Bilderbuch „Rotkäppchen“ vollständig auf Worte. Heranzoomen und weiter wegfahren, ein bisschen wirken die einzelnen Doppelseiten von Serra wie ein Film: In einer Nahaufnahme blickt der Betrachter frontal in die Augen des Wolfes, Rotkäppchen spiegelt sich in den Augen. Die Gefahr ist unglaublich präsent. Ein auf der Bildebene hochkomplexes Buch. Übrigens waren zu Grimms Zeiten die Märchentextsammlungen weitaus beliebter, wenn sie einzelne Bildillustrationen und Kupferstiche enthielten.

Bilderbücher wie jene von Serra führen auch zu der Frage: Welche Bilder kann man Kindern zumuten? Bilderbücher thematisieren nicht nur das Leichte, Schöne, Lustige. Sie wenden sich auch ganz ernsten Themen zu. Bild und Text tragen dazu bei, Emotionalität darzustellen, wie Untersuchungen von Margarete Hopp, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Duisburg-Essen zeigen.

Seit Anfang der 2000er Jahre explodieren die Bücher für Kinder, in denen tatsächlich Tod, Sterben und Trauer thematisiert wird, von gleichaltrigen Freunden aber auch Geschwistern sowie Tod in der Natur und von Tieren, sagt die Hildesheimer Professorin Kathrin Audehm. „Es ist kein Tabu mehr. Ausnahme ist, dass der Moment des Sterbens eines Kindes im Buch thematisiert wird.“ Audehm ist pädagogische Anthropologin und interessiert sich in der Forschung für die szenischen Elemente und „was Bilder machen“ und welche Art von Wissen sie anregen.

Medien, die Bild und Text verbinden sind neben Bilderbüchern auch Graphic Novels, Comics und historische Buchmalereien. Wie das Nebeneinander von Bildern gestaltet ist, untersucht Michael Leibrand, Doktorand am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Hildesheim. „Man nimmt mehr oder weniger wahr, je nachdem wie viel die Seite preisgibt“, sagt Leibbrand über die Comicseite und ihre „Seitenarchitektur“. „Comiclesen ist ein Lernprozess. Ich brauche beides – einen schauenden und einen lesenden Blick.“

Comics verfügen über visuelle und verbale Hinweise, „die es uns erlauben, in die Welt einzutauchen und in die Figuren hineinzuversetzen", ergänzt Felix Griesa, der an der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung der Universität zu Köln über die Geschichte und Theorie der Comics forscht und sich mit der Vielfältigkeit der Erzählinstanzen befasst. „Wir arbeiten in unseren Fachdisziplinen an ähnlichen Fragestellungen. Es ist wichtig, dass wir auf einer Konferenz wie dieser in Hildesheim zusammenkommen.“

Die Forschung geht weiter: Kinder verfügen über spezifische Imaginationsprofile

Die Forschung geht weiter. Derzeit untersucht Bettina Uhlig, wie Kinder Bilder wahrnehmen, produzieren und wie sich dies verändert. Hierfür hat sie auf der Domäne Marienburg ein bilddidaktisches Forschungsstudio eingerichtet. In Kooperation mit Grundschulen und Kindergärten führt sie ein Feldforschungsprojekt durch, das Aufschluss über die anthropologischen und kulturellen Grundlagen der Entwicklung von Bildlichkeit geben soll.

Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder über spezifische „Imaginationsprofile“ verfügen. So gibt es Kinder, die in Erzählungen denken, andere wiederum können sich Szenisches oder technische Zusammenhänge besonders gut vorstellen. Je nach Imaginationstyp variiert die bildnerische Praxis und führt bei einer gezielten Begleitung zu unterschiedlich großen Fortschritten in der individuellen Bildpraxis von Kindern. Die Hildesheimer Forschungsergebnisse fließen sowohl in die fachdidaktische Diskussion als auch in die Praxis in Kindergärten und Schulen ein.

Jede Woche kommen Kinder aus umliegenden Grundschulen in die Universität. „Ob ich zu einem Botticelli-Kunstbuch oder ein Bilderbuch von Aljoscha Blau greife – an beiden kann man erklären, wie Bilder gemacht sind, wie sie auf uns wirken und wie sie mit uns kommunizieren“, so Uhlig.

Irene Pieper forscht im Bereich der literarischen Anschlusskommunikation und untersucht Vorlesegespräche zu Bilderbüchern. Im Lehramtsstudium untersuchen Studierende am Institut für deutsche Sprache und Literatur anhand von empirischen Daten, was solche Gespräche in der Schule und im Kindergarten ausmacht. Wann sind solche Gespräche gelungen? Was sind also Qualitätskriterien solcher Gespräche? Es geht darum, nicht alles aufzulösen und zu verraten, sondern Interpretationsräume zu eröffnen und Sprachangebote bereitzuhalten, so Pieper. „Die Bilder enthalten häufig auch Implizites, worüber man nicht so leicht sprechen kann. Wenn man darüber kommunizieren will, muss man einen Rahmen bereitstellen, auch in heterogenen Lerngruppen mit mehrsprachigen Kindern.“

Wer mehr über die Forschung erfahren möchte, kann sich an Prof. Dr. Bettina Uhlig und Prof. Dr. Irene Pieper wenden. Mehr über die Konferenz „Erzählen zwischen Bild und Text“ lesen Sie hier.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-12384 Mon, 26 Sep 2016 19:13:00 +0200 Lehramtsfach Deutsch – Masterstudium an der Uni Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehramtsfach-deutsch-masterstudium-an-der-uni-hildesheim/ Was sollten Lehrerinnen und Lehrer können, wenn sie künftig 7-Jährige oder 13-Jährige unterrichten? Literatur- und Sprachwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim geben Einblicke in das Lehramtsstudium im Fach Deutsch. Die Universität Hildesheim sucht die künftigen Lehrerinnen und Lehrer. Eine Bewerbung für ein Masterstudium ist derzeit noch möglich. Hildesheim bildet mit etwa 2600 Studierenden rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Die Universität verbindet Schulpraxis und Theorie und arbeitet mit Partnerschulen in Hildesheim, Hannover und der Region zusammen.  Schwerpunkte in der Lehrerausbildung liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer.

Lehramt studieren – eine Online-Bewerbung ist noch möglich: Studieninteressierte können sich für einen Studienplatz im Masterstudium bewerben. Lehramtsstudierende können sich in Hildesheim im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ professionalisieren.

Lehramtsfach Deutsch – Einblicke in das Masterstudium

Jeder Lehramtsstudent wählt zwei Fächer, zum Beispiel Mathematik und Musik, Englisch und Sport oder Deutsch und Kunst. Nachgefragt – was sind Studieninhalte im Lehramtsfach Deutsch im Masterstudium? Was sollten Lehrerinnen und Lehrer können, wenn sie künftig 7-Jährige oder 13-Jährige unterrichten? Literatur- und Sprachwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim geben Einblicke in das Lehramtsstudium.

Das Studium im Fach Deutsch setzt sich aus Seminaren und Vorlesungen zu Sprache, Literatur, Deutsch als Zweitsprache und Mediendidaktik und Theater in der Schule zusammen.

„Wir fragen zum Beispiel danach, wie Kinder in der Welt des Lesens und der Literatur ankommen. Hier gibt es einen engen Zusammenhang mit dem sprachlichen Lernen, den wir auch unter integrativer Perspektive zwischen Sprach- und Literaturdidaktik entfalten“, sagt Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper. Ästhetische Lernprozesse sind in der Primarstufe und der Sekundarstufe I von großer Bedeutung. „Dabei geht es sehr stark um die Frage, wie Kinder und Jugendliche Vorstellungen von ‚Ich‘ und ‚Welt‘ entwickeln und wie sie mit ästhetischen Medien etwas über sich und andere erfahren können“, so Pieper.

Darum geht’s auch im Studium: Wie muss Unterricht gestaltet sein, um gute Lerngelegenheiten für unterschiedlichste Lerner bereit zu halten? Was zeichnet ein „gutes“ Buch für Kinder und Jugendliche aus?  Was zeichnet geeignete Texte für die jeweiligen Lerngruppen aus?  Die Studentinnen und Studenten verbringen eine mehrmonatige Praxisphase in einer Schule und erarbeiten ein Forschungsprojekt. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer führen zum Beispiel eigene Studien zum Bereich „Gespräche zur Literatur“ durch und erproben Gesprächsverfahren. Sie untersuchen anhand empirischer Daten aus dem Unterricht, was gelingende Gespräche zur Literatur auszeichnet.

„Im Bereich der Sprache fragen wir, wie Kinder und Jugendliche zu einer ausgebauten Sprachfähigkeit kommen“, erläutert die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin Prof. Ursula Bredel. „Dabei geht es nicht einfach um normgerechtes Verhalten, sondern darum, das Spektrum sprachlicher Ausdrucksfähigkeiten möglichst breit auszuschöpfen. Um Kinder und Jugendliche bei dieser Entwicklung zu unterstützen, beginnen wir schon im Bachelorstudium mit der Stärkung der Sprachaufmerksamkeit und der Spracherfahrung der Studierenden, um die in der Schule stark ausgeprägte normative Perspektive (Sprachrichtigkeit) durch eine funktionale Perspektive (Sprachangemessenheit) zu ergänzen. Mit Veranstaltungen, die in die Grundlagen der Sprachbeschreibung einführen, stellen wir das notwendige Gerüst zur Verfügung, das die Studierenden in die Lage versetzen soll, die sprachlichen Ressourcen der Schülerinnen und Schüler aufzuspüren und Lernpotenziale zu ermitteln."

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bearbeitung der Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie auf der Bearbeitung verschiedener Lernausgangslagen, zum Beispiel wenn Deutsch als Erst- oder als Zweitsprache erlernt wird, so Bredel.

Im Masterstudium werden die Fragen der Sprachentwicklung an die Bedingungen des institutionellen Lernens angeschlossen: Wie können Lernangebote in der Schule konkret aussehen? Die Studierenden analysieren zum Beispiel Lehrwerke und Auszüge aus dem Sprachunterricht und decken bestehende Probleme der herkömmlichen Unterrichtspraxis auf. Sie erarbeiten Ideen, wie eine wirksame Sprachförderung gelingen kann, sagt Professorin Ursula Bredel. „Im Wintersemester bieten wir zum Beispiel im Projektband eine Veranstaltung zu Aufgaben im Grammatikunterricht an. Dort entwickeln die Studierenden Lernaufgaben für das sprachliche Lernen, erproben sie in der Praxisphase und werten die Ergebnisse aus.“

Lehrerinnen und Lehrer begegnen in ihren Klassen Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Welt. „Daraus können außerordentlich bereichernde Situationen entstehen, wenn sich alle Seiten auf Vielfalt und Diversität einlassen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. „Das Zentrum für Bildungsintegration vernetzt Forschungsprojekte und bündelt eine Vielfalt interessanter und innovativer Perspektiven“, sagt Montanari. So nehmen Studierende zum Beispiel an einer internationalen „Summer School“ teil, die hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zum Thema Mehrsprachigkeit zusammenbringt.

Lehramtsstudierende können im Doppelstudium einen zweiten Masterabschluss erwerben und sich im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) professionalisieren – „das ist eine weitere Besonderheit des Universitätsstandortes Hildesheim“, sagt Montanari. Eine Bewerbung für den DaZ-Master ist wieder zum Wintersemester 2017/2018 möglich.

Bildungswege nach der Flucht: In einem Sprachlernprojekt begleiten Studierende aus dem Lehramt und dem Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache“ Kinder und Jugendliche beim Ankommen im deutschen Bildungssystem und beim Übergang von Sprachlernklassen in den Regelunterricht. Zugleich werden Studierende auf die Berufspraxis vorbereitet. Die Universität arbeitet in dem Projekt mit Hildesheimer Schulen zusammen.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) MEd (Lehramt) Lehrerbildung Studierendenportal
news-12235 Sat, 30 Jul 2016 19:10:00 +0200 Ministerin: „Uni Hildesheim leistet wichtigen Beitrag für Verständigung“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/ministerin-uni-hildesheim-leistet-wichtigen-beitrag-fuer-verstaendigung/ „Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch“, so die Niedersächsische Wissenschaftsministerin anlässlich ihres Besuches an der Hildesheimer Universität. „Sprachförderung, Bildungsangebote und kulturelle Teilhabe sind entscheidend für die Integration von Zugewanderten. Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu  Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch. Die drei Projekte, die ich mir heute angesehen habe, sind herausragende Beispiele dafür, dass Integration, Teilhabe und Diversität an der Universität Hildesheim gelebt und als gesamtuniversitäre Aufgabe definiert werden. Mein Dank gilt den engagierten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Studierenden, die in ihren Bereichen daran arbeiten, dass der gesellschaftliche Wandel positiv gestaltet wird“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić anlässlich ihres Besuches an der Universität Hildesheim.

Die Ministerin hat in dieser Woche die Universität Hildesheim besucht, um sich über den Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" zu informieren. Darüber hinaus informierte sie sich über die Qualifizierung von Geflüchteten, die ein Studium aufnehmen möchten. Außerdem sprach die Ministerin mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich Mehrsprachigkeit über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung.

Musikalische Wege: Aus der Not heraus den Gesang entdeckt

„Mit Musik kann man etwas bewegen, was man mit Worten nicht erreichen kann“, sagte Tinatin Tsereteli. Als Zehnjährige kam sie mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Deutschland an, da in Georgien ein Bürgerkrieg ausbrach. „Wenn ich allein war, bin ich eingetaucht in meine Musikwelt. In Georgien hatte ich Klavier- und Geigenunterricht. Die Musikwelt meiner Kindheit war sehr vielfältig. In Deutschland hatte ich kein Instrument, eine völlige Leere, wir hatten ein Zimmer für die ganze Familie. Aus meiner Not heraus habe ich den Gesang für mich entdeckt.“ Nach dem Abitur hat sie Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und anschließend im Weiterbildungsstudiengang „musik.welt" studiert. Die Sängerin und Musikpädagogin kombiniert die musikalische mit der sprachlichen Bildung in Kitas und Grundschulen. „Die Kinder wollen lernen und alles wie ein Schwamm aufsaugen, wir müssen ihnen nur die Chance geben“, sagt Tsereteli.

Über Bildungschancen sprach auch Abbass Anoor. „Ich bin in Darfur aufgewachsen. Ich wollte zur Schule gehen, aber ich durfte nicht. Ich wollte nicht als Kuhhirt enden und rannte mehrfach ohne Erfolg von zu Hause weg, bis es mir mit 13 Jahren gelang. Ich wollte in die Schule gehen. Erst mit 20 Jahren lernte ich richtig, Texte und meinen Namen zu schreiben.“ 25 Jahre später spricht Anoor vier Sprachen: Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Er ist ein bekannter Rapper aus dem Sudan und musste wegen seiner kritischen Liedtexte das Land verlassen. In seinen Texten spricht der Musiker und Dichter trotz einer positiven Grundeinstellung auch die Probleme seines Landes an. „Ich kann mich durch Musik am besten ausdrücken, was ich fühle, was ich auf den Straßen gesehen habe zu der Zeit, als ich noch im Sudan war.“

Heute studiert der Rapper Musik an der Universität Hildesheim. „Die universitäre Sprache ist etwas schwierig für mich, der Weg von Frankfurt nach Hildesheim ist zeit- und kostenaufwändig“, sagt der 43-Jährige. „Aber für mich ist das Studium eine große Chance. Wirklich, eine große Chance. Ich lerne viele neue Dinge über Musik, Geschichte und kulturelle Diversität. Ich lerne ein neues Instrument, jetzt spiele ich E-Bass. Die Leute an der Universität sind sehr hilfreich, auch in anderen Lebensbereichen. Das Center for World Music hat mir eine Chance, eine neue Familie gegeben. Mein Dank gilt Professor Raimund Vogels und Morena Piro – ich habe zum Glück diesen Ort gefunden. Jetzt habe ich eine zweite Heimat – hier in Deutschland.“

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige aus, die Musik in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – zum Beispiel in Kitas, Schulen, Stadtteilen, Flüchtlingsunterkünften und Jugendzentren. „Das Wissenschaftsministerium hat den Studiengang musik.welt ermöglicht. Die Stiftung Niedersachsen fördert diese Arbeit, dafür bedanken wir uns sehr“, sagte Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Ohne die Unterstützung der Stiftung Niedersachsen könnten die Studentinnen und Studenten nicht an der Universität Hildesheim lernen, da viele den Betrag für ein berufsbegleitendes Studium nicht finanzieren könnten. Insgesamt erhalten 20 Studierende jeweils ein Stipendium. Eine wichtige Landesstiftung habe die Bedeutung von Musik und kultureller Diversität in der Gesellschaft erkannt und handelt entsprechend, so der Musikethnologe und Direktor des Hildesheimer Forschungszentrums, Professor Raimund Vogels. Dadurch konnten in Hildesheim Strukturen aufgebaut werden, um Bildungswege von Menschen, von denen viele ihre Bildungsabschlüsse im Ausland (etwa Georgien, Kamerun, Marokko, Russland, Sudan, Iran, Irak, China, Mongolei) erworben haben, zu fördern und gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen anzuerkennen.

Universität begleitet Wege in das Studium – Ministerin: „Sie sind Pioniere“

Während Tinatin Tsereteli und Abbass Anoor den Übergang in das Studium bereits geschafft haben, sind einige junge Erwachsene mitten auf ihrem Weg an die Universität. Die Wissenschaftsministerin sprach mit jungen Erwachsenen aus Syrien, Ruanda und dem Iran, die sich derzeit in einem sechsmonatigen Intensivsprachkurs auf ein Studium vorbereiten. Sie gaben Einblicke in ihren Lebensweg und erklärten, welche Chancen, aber auch Schwierigkeiten sie erleben.

Seit Frühjahr 2015 begleitet die Universität Hildesheim Studieninteressierte mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg ins Studium. Derzeit nehmen 15 junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs und einer Studienvorbereitung teil. „Wir begleiten Studierende auf ihrem Weg an die Universität. Die Studienvorbereitung umfasst eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewerbung, Finanzierung und Stundenplangestaltung. Wie orientiere ich mich auf dem Campus, wie nutze ich die Bibliothek und das Rechenzentrum? Außerdem gehören Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, Treffen mit Studierenden und Ausflüge dazu“, sagte Anna-Maria Pulm, Mitarbeiterin im International Office der Uni Hildesheim.

„Ich persönlich habe einen Plan, Schritt für Schritt“, berichtete der 24-jährige Majed. Seit eineinhalb Jahren lebt er in Deutschland. „Erst muss ich die deutsche Sprache besser sprechen und schreiben. Ich möchte gut in der Sprache sein. Dann möchte ich mein Informatikstudium abschließen und einen Beruf finden. Ich konnte mein Studium in Aleppo in Syrien nicht fortsetzen, Ich habe viel Zeit verloren und möchte endlich wieder lernen. Ich habe zufällig über eine Freundin von dem Intensivsprachkurs in Hildesheim erfahren – das ist ein großes Glück. Das Uni-Angebot ist selten, ich kenne viele Freunde, die keinen Sprachkurs machen und sich nicht auf ein Studium vorbereiten können. Ich mache mir aber Sorgen, wie ich mein Studium finanzieren kann.“

Auch Nareen, Sajadeh und Ahlam möchten ihr Studium fortsetzen. Als Nareen vor eineinhalb Jahren in Hildesheim ankam, war der Wunsch groß, wieder zu lernen. „Wegen des Krieges in Syrien konnte ich mein Mathematikstudium nicht fortsetzen“, so die 24-Jährige. „Am Anfang war es einfach mit der Sprache, ich habe eine B1-Prüfung abgeschlossen. Dann gab es eine lange Pause – und nun habe ich endlich den Sprachkurs an der Universität gefunden. Man muss sich bemühen, um sein Ziel zu erreichen.“ Sajadeh bereitet sich derzeit auf das Lehramtsstudium vor, ein zweimonatiges Praktikum an einer Grundschule in Hannover habe ihren Berufswunsch bestätigt. An einer iranischen Universität hat die 31-Jährige Englisch und Literatur studiert. Dann habe sie viel Zeit verloren. Nun möchte sie „unbedingt weiterstudieren“. Täglich fährt sie vier Stunden durch Niedersachsen, um an dem Sprachkurs in Hildesheim teilzunehmen. Auch Ahlam hat „viel gewartet“, um ihren Bildungsweg fortsetzen zu können. „Das Schwierige ist die Sprache. Ich habe viel alleine gelernt und habe mir die Sprache selbst beigebracht. Ich habe nach einem Sprachkurs gesucht. Viele Schulen haben mir gesagt: Nein, du kannst nicht studieren. Dann habe ich diesen Intensivsprachkurs der Universität Hildesheim gefunden, ich bereite mich jetzt auf mein Studium vor. Es ist eine tolle Gelegenheit. Wir lernen gemeinsam und wir diskutieren in der Gruppe“, sagt die 24-jährige Ahlam. Sie lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland.

„Sie sind Pioniere, sie haben jetzt angefangen, ihren Bildungsweg an der Universität fortzusetzen. Ich wünsche Ihnen alles Gute“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin zu den jungen Erwachsenen.

Mehrsprachigkeit: Maßnahmen sollten auf Forschungserkenntnissen aufbauen

Es sei wichtig, so Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, aktuelle Bildungsmaßnahmen auf Erkenntnissen aus der Forschung aufzubauen. Derzeit tagen etwa 40 Promovenden sowie Professorinnen und Professoren aus den USA, dem Irak, Schweden, Island, Italien, England und Deutschland an der Universität Hildesheim. Darunter Koryphäen wie die Linguisten Professor Konrad Ehlich, Professorin Rita Franceschini und Professorin Aneta Pavlenko.

„Es gibt viele Personen, die aktuell beim Spracherwerb helfen möchten. Damit wir jetzt nicht in eine Phase kommen, in der sich viele Personen engagieren, dann aber merken, dass sie nicht weiterkommen oder an Widerstände stoßen, braucht es eine Professionalisierung von Lehrpersonen, die in verschiedenen Altersstufen unterrichten können – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene – und Personen, die sich auch mit Traumata befassen“, sagte die Schweizer Professorin Rita Franceschini, die an der Freien Universität Bozen in Südtirol, Italien, forscht und lehrt.

„Wir müssen die gesamte Lernbiografie eines mehrsprachigen Kindes betrachten, und können ein Kind nicht allein auf Sprache oder Migrationshintergrund reduzieren. Eine interdisziplinäre Perspektive ist wichtig. Jeder Lerner bewegt sich innerhalb eines soziokulturellen Umfeldes, bringt eine bestimmte Persönlichkeit, bestimmte kognitive Fähigkeiten und psychologische Bewältigungsstrategien mit“, sagte Professorin Kristin Kersten. Die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin untersucht derzeit in zwei Forschungsprojekten gemeinsam mit Psychologen, wie Kinder mehrsprachig lernen. An bilingualen Schulen und Kindertagesstätten dokumentiert das Forscherteam zurzeit, wie der Spracherwerb funktioniert und wie Lehrer diese Lernprozesse begleiten und bilinguale Programme implementieren [mehr Infos zur Studie 1 und Studie 2]. Die Projekte werden im Rahmen der Programme „PRO Niedersachsen“ und „VW Vorab“ gefördert.

Wie können Lehrerinnen und Lehrer den Spracherwerb begleiten? „Es sollte Plattformen geben, um sich über gelungene Maßnahmen auszutauschen. Jede Person lehrt für sich alleine. In einem ‚Center for meetings‘ könnten sich Lehrer treffen und ihr Wissen und Materialien teilen: Was funktioniert gut? Das ist sehr simpel, aber effektiv“, kommentierte Professorin Aneta Pavlenko von der Universität Philadelphia, USA. Sie ist selbst in einem Flüchtlingscamp aufgewachsen und hatte in den 90er Jahren Englisch in einer Flüchtlingsunterkunft in Italien unterrichtet. Solch ein Austausch sollte sowohl online wie auch offline, im persönlichen Gespräch, möglich sein. „Lehrer sollten sowohl gelungene Materialien und Stundenplanungen teilen als auch ihre Erfahrungen, wenn etwas nicht klappt", so Professorin Pavlenko.

„Der Bedarf an abgesichertem Wissen zu Fragen der Migration und Integration ist groß“, so Elke Montanari. Daher fördert die Universität den wissenschaftlichen Nachwuchs.

An der internationalen „Summer School: Multilingualism and Diversity Education" sind das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung, das Institut für deutsche Sprache und Literatur, das Institut für englische Sprache und Literatur sowie das Institut für Interkulturelle Kommunikation beteiligt.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache Interkulturelle Kommunikation Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Center for World Music Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Lehrerbildung Personalportal
news-12061 Fri, 08 Jul 2016 13:00:00 +0200 IT an Schulen: Niedersachsen sucht Informatik-Lehrerinnen und Lehrer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/it-an-schulen-niedersachsen-sucht-informatik-lehrerinnen-und-lehrer/ Mehr als ein bisschen „Word“ oder „Excel“: Die Universität Hildesheim sucht die Informatik-Lehrerinnen und Lehrer von morgen. Lesen, Rechnen, Schreiben – und Informatik: Letztere wird inzwischen als die „vierte Kulturtechnik“ bezeichnet. Damit diese an Schulen aufblüht, bildet die Hildesheimer Uni ab Herbst 2016 Lehrer für das Fach Informatik an Haupt- und Realschulen aus. Die niedersächsische Landesregierung hatte die Einführung des Faches Informatik für das Lehramt an Haupt- und Realschulen vor kurzem beschlossen. Ab Herbst 2016 können Lehramtsstudierende an der Universität Hildesheim erstmals das Fach Informatik wählen (Informatik an Schulen: hier geht's zur Bewerbung). Bisher bilden in Niedersachsen die Universitäten in Göttingen, Oldenburg und Osnabrück Informatiklehrer aus – allerdings nur für den Unterricht an Gymnasien. Eine Ausbildung zur Informatiklehrerin oder zum Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen war in Niedersachsen im Gegensatz zu verschiedenen anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bisher nicht möglich. Das ändert sich nun ab dem Wintersemester 2016/17 an den Universitäten Hildesheim und Oldenburg.

Die Informatik-Professoren der Universität Hildesheim suchen derzeit nach jenen, die es sich zur Aufgabe machen wollen, Jugendliche zukunftsorientiert und berufsvorbereitend in Informatik in Schulen zu unterrichten. „Gehören Sie zur ersten Generation der Lehrerinnen und Lehrer, die das Fach in Niedersachsen aufbauen. Das ist eine große berufliche Chance und eine spannende, lebenslange Aufgabe. Kein Beruf ist heute mehr vorstellbar ohne grundlegende und anwendungsorientierte Kenntnisse der Informatik“, sagt der Hildesheimer Informatiker Klaus-Jürgen Förster. In der Schule können zentrale Grundlagen vermittelt werden – wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen, wie arbeiten Informationssysteme und wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

Dass es um weit mehr als ein bisschen Word und die Gestaltung von Power-Point-Präsentationen geht, zeigt ein Blick in die Studieninhalte. In Hildesheim gehören neben Programmieren und Datenbanken auch Bereiche wie Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium. Außerdem wählen die Studentinnen und Studenten fachwissenschaftliche Vertiefungen wie Maschinelles Lernen, Robotik, Softwareentwicklung oder Wirtschaftsinformatik. Die Studierenden kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

Um das Studium anzubieten, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehreren Bereichen zusammen, darunter die Informatiker Professor Klaus-Jürgen Förster (Algorithmen), Professor Klaus-Dieter Althoff (Datenbanken), Professor Klaus Schmid (Softwareentwicklung), Professor Lars Schmidt-Thieme (Maschinelles Lernen), Professor Ralf Knackstedt (Informationssysteme), Dr. Jörg Cassens (Medieninformatik), Dr. Norman Weiss (Robotik) und Manfred Gottschalk (Systemadministration).

Studierende wählen neben dem Fach Informatik ein zweites Fach (Chemie, Deutsch, Englisch, Kunst, Mathematik, Musik oder Physik). Wer sich für ein Informatik-Studium entscheidet, sollte Interesse und Freude am Einsatz moderner Informationstechnologien in allen Lebensbereichen haben, sagt Professor Klaus-Jürgen Förster.

Informatik an Schulen: Kontakt für Studieninteressierte

Wer sich für das Lehramtsfach Informatik an Haupt- und Realschulen (das umfasst auch Oberschulen und Gesamtschulen) interessiert, kann sich ab sofort bei Prof. Dr. Klaus Förster melden (E-Mail foerster[a]cs.uni-hildesheim.de, Telefon: 05121.883-40100). Bewerbungen sind zum Wintersemester 2016/17 möglich, die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli 2016. Studienbeginn ist im Oktober 2016. Mehr Infos zu Fächerkombinationen und zur Bewerbung findet man online.

Kurz erklärt: Lehrerausbildung in Hildesheim

Mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer: Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule, das ist bundesweit besonders. Sie erhalten früh Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester halten sie eine erste Unterrichtsstunde. 500 Lehramtsstudierende starten jeden Herbst in ihr erstes Studienjahr.

Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Stiftung Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte in der Lehrerausbildung liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet in weiteren Praxisphasen im Verlauf des Studiums mit 250 Partnerschulen in Hannover, Hildesheim und der Region zusammen.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Informatik Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Studierendenportal
news-11936 Mon, 06 Jun 2016 15:47:00 +0200 Weiterbildung: Uni bildet Schulbegleiter fort https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/weiterbildung-uni-bildet-schulbegleiter-fort/ Die Universität Hildesheim arbeitet mit einer Grundschule in Salzgitter zusammen, um Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter fortzubilden. Bewerbungen für das einjährige Qualifizierungsprogramm sind ab sofort möglich. Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter sind für Kinder da, sie begleiten Kinder mit Beeinträchtigungen und erleben unmittelbar Höhen und Tiefen des Schulalltags, Erfolge und Niederlagen. Sie sollen dazu beitragen, dass ein Kind dem Unterricht folgen kann. Die Heinrich-Albertz-Schule Salzgitter und das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Hildesheim bilden ab Herbst 2016 Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter fort. Gefördert wird das Qualifizierungsprojekt von der Schulstiftung der EKD Hannover. Während der einjährigen Fortbildung lernen die Teilnehmer etwa, wie sie Lernprozesse begleiten und wie sie mit Lehrkräften und weiteren Fachleuten im Schulalltag zusammenarbeiten können. Die Weiterbildung beinhaltet mehrere Praxisphasen an der Grundschule, um Theorie und Praxis zu kombinieren.

Durch die Einführung der inklusiven Schule ist der Bedarf an Schulbegleitern sprunghaft angestiegen. In den 1980er Jahren haben Schulbegleiter grundpflegerische Leistungen erbracht, um beeinträchtigten Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Heute umfassen die Tätigkeiten nicht nur pflegerische sondern auch pädagogische Aufgaben: Schulbegleiter sollen einen bestimmten Schüler bzw. eine bestimmte Schülerin im schulischen Lernumfeld unterstützen, so dass dieser am Unterricht teilhaben kann – von der Hilfe beim Anziehen und Schlucken über den Toilettengang bis zur Unterstützung während der Unterrichtszeit. „Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter sind für die Kinder bedeutsame Bezugspersonen und haben unmittelbaren Kontakt zum Kind“, sagt Cindy Bergt, Mitarbeiterin am Hildesheimer Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung.

Die Qualifikation der Schulbegleiter sei sehr unterschiedlich. Die Personen wurden in der Regel nicht speziell für diese Aufgaben ausgebildet. „Die Bezahlung ist sehr gering. Von den Lehrerinnen und Lehrern werden Schulbegleiter oftmals nicht als kompetente Ansprechpartner wahrgenommen und eher selten bei der Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team eingebunden, etwa wenn es um die gemeinsame Fallanalyse und die gemeinsame Planung, Durchführung und Reflexion des Unterrichts geht“, sagt Bergt. „Schulbegleiter sind nur für ein Kind zuständig. Bei mehreren Schulbegleitungen in einer Klasse kann es passieren, dass annähernd so viele Erwachsene wie Kinder im Klassenzimmer sind.“ Die Fortbildung soll den Schulbegleitern „mehr Sicherheit und Qualifikationen“ bringen, sagt die Erziehungswissenschaftlerin.

Kurz erklärt: Fortbildung für Schulbegleiter

Gemeinsam mit einer Schule in Salzgitter bildet die Universität Hildesheim Fachleute in einer einjährigen Qualifizierungsreihe „Schulische Teilhabe-Assistent_innen (Schulbegleitungen)“ aus.  Die Qualifizierung besteht aus vier Themen-Blöcken und mehreren praktischen Erkundungswochen in der Heinrich-Albertz-Schule Salzgitter. Mentorinnen und Mentoren begleiten die Praxisphasen.  Die einjährige Qualifizierungsreihe beginnt im Oktober 2016. Zunächst geht es um Grundlagen einer „Pädagogik der Vielfalt“, Widersprüche und Perspektiven der inklusiven Bildung. Anschließend folgen Fortbildungen zu den Themen „Lernprozesse wahrnehmen, verstehen, fördern: neurobiologische Grundlagen des Lernens“, „Konstruktiver Umgang mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen im kognitiven sowie sozio-emotionalen Bereich“, „Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams: Modelle zur Kooperation“, „Kommunikation“ sowie „Unterstützung in der Pflege“. Die Fortbildungsreihe endet im August 2017.

Kontakt und Bewerbung

Wer Interesse an der einjährigen Fortbildung hat, kann sich an die Abteilung Fort- und Weiterbildung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) der Universität Hildesheim wenden (Cindy Bergt, Tel. 05121.883-92300, E-Mail bergt@uni-hildesheim.de). Eine Bewerbung ist bis zum 11.06.2016 möglich. Die Teilnahme an der Fortbildung kostet 1.200 Euro. Bei erfolgreichem Abschluss der Qualifizierung werden 70% der Kosten erstattet.

Kurz erklärt: Inklusion in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung

Die Universität Hildesheim bildet in einem Inklusions-Studiengang Lehrerinnen und Lehrer berufsbegleitend fort und unterstützt Grundschulen, Haupt- und Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien auf dem Weg zur inklusiven Schule. Zwei Jahre statt ein Wochenende: Über einen Zeitraum von zwei Jahren kommen die berufstätigen Lehrer jeden Monat in Hildesheim zusammen. Manche sind 25, andere bereits 55 Jahre. Die Nachfragen von Lehrern nach umfassender Fortbildung sind hoch, einige Schulen bilden 2er- und 4er-Teams weiter. Weitere Informationen über den Studiengang  „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ finden Sie online.

Nachgefragt: Vertrauen

Seitdem in Niedersachsen seit dem Schuljahr 2013/14 ein Rechtsanspruch gilt und Eltern frei wählen können, ob ihr Kind eine Förder- oder Regelschule besuchen soll, ist Karin Frank-Gerstungs Teamfähigkeit stärker als bisher gefordert. Sie ist eine der ersten Lehrerinnen in Niedersachsen, die berufsbegleitend zwei Jahre „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ studiert hat. Mehr erfahren: Interview mit der Lehrerin (Uni-Magazin 2015, online, Seite 60).

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Inklusion
news-11719 Wed, 20 Apr 2016 18:11:00 +0200 Nach der Flucht: Lernen statt warten https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/nach-der-flucht-lernen-statt-warten/ Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle: Lehramtsstudierende unterstützen Erwachsene und Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Weitere Studierende können mitwirken – ab sofort kann man sich anmelden. Seit Mitte Oktober 2015 gehen Studentinnen und Studenten jeden Tag in eine Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Sie unterstützen Erwachsene und ihre Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache.

Bisher haben die etwa 150 Menschen, darunter viele Familien, die Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung mit Warten verbracht. „Wir wollen die Zeit nutzen, um miteinander und voneinander zu lernen“, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert. Katharina Melzner leitet den Sprachunterricht und studiert „Deutsch als Zweitsprache“ in Hildesheim. Für Lehramtsstudierende ist dieser Rahmen hilfreich: sie müssen nicht allein einen Sprachkurs auf die Beine stellen, sie vernetzen sich, tauschen sich über Unterrichtsmaterialien aus und die Arbeit liegt auf vielen Schultern verteilt.

Parallel zum Elternkurs gestalten die Studentinnen und Studenten ein Sprachlernangebot für Kinder und Jugendliche (0 bis 12 Jahre).

Lehramtsstudierende aller Fächer können im Rahmen des Projekts ihr Sozialpraktikum absolvieren oder die Leistungspunkte für das Lehramtsstudium (Master, Optionalbereich) erwerben. Außerdem ist es möglich, auf Antrag das Zertifikat für bilinguales Lehren und Lernen zu erhalten. Studierende können im Sprachlernprojekt mitwirken (alle Infos online). Das Projekt wird vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium und der Lotto-Sport-Stiftung gefördert und 2016 durchgängig fortgeführt.

Der nächste Starttermin für das zehnwöchige Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle ist Ende Mai 2016, dann wieder im Oktober 2016. Wer in dem Projekt mitwirken möchte, kann Annette Lützel unter 05121.883-90018 oder sprachlernprojekt@uni-hildesheim.de kontaktieren.

Interview: Nachgefragt bei Marie-Therese

Eine der ersten, die seit Oktober im Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle mitwirkt, ist Marie-Therese Brammer. Die 22-Jährige studiert Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch an der Universität Hildesheim.

Wie sieht dein Alltag aus?

Marie-Therese: Gemeinsam mit weiteren Lehramtsstudierenden fahre ich mit dem Bus zur Erstaufnahmestelle. Da die Anbindung in das Gewerbegebiet nicht so gut ist, bilden wir auch oft Fahrgemeinschaften. Das geht, wir kommen irgendwie immer hier an. Der Sprachunterricht findet an jedem Nachmittag statt. Ich bin seit Oktober immer montags und dienstags hier, bis Ende des Jahres. Wir bauen den Speiseraum für das Sprachenlernen um, schieben die Tische zusammen, wir haben hier keinen extra Raum für den Sprachunterricht. Dann kommen auch nach und nach schon die Teilnehmer, manche bringen ihre kleinen Kinder mit.

Wie fängt man an? Ihr arbeitet sehr nah am Alltag. Wer bin ich, wie heiße ich – ihr greift viele Alltagsthemen auf.

Das ist richtig. Die Teilnehmer am Sprachkurs sprechen Arabisch, Serbisch, wenige sprechen Englisch. Wir versuchen mit Bildern, Händen und Füßen die Vokabeln zu vermitteln. Wir gehen zum Beispiel einkaufen und lernen dabei die Begriffe für die Lebensmittel – das Ei, die Milch, eine Tomate, ein Salat. Oder wir sprechen über die Uhrzeiten – was bedeutet „Viertel vor“? Heute ging es um den Familienstammbaum: Mutter, Vater, Kinder – wir haben uns die Stammbäume aufgemalt. Das ist manchmal auch sehr persönlich. Aber das geht, weil wir auch in Kleingruppen arbeiten und uns zu zweit unterhalten. Heute habe ich mit einem Mann aus Syrien gesprochen, er ist mit seiner ganzen Familie hier in Hildesheim und hat aufgezeichnet, wie seine Kinder, seine Eltern heißen. Ich habe erfahren, dass er 13 Geschwister hat. Da musste ich erstmal nachfragen – wirklich? Fünf Brüder und acht Schwestern. Wir verstehen uns gut, man lernt sich kennen, mit Händen und Füßen, er spricht ganz wenig Englisch.

Neben dem Sprachkurs – klassisch am Tisch mit einer improvisierten Tafel, Zetteln und einem Stift – lernt ihr die Sprache auch in der Freizeit. Ihr erkundet die Stadt Hildesheim, ihr geht einkaufen, ihr wollte zusammen kochen.

Einmal in der Woche gibt es ein Freizeitangebot. Wer in der Erstaufnahmestelle ankommt, hat bisher noch wenig von Deutschland kennen gelernt. Wir sind der erste Kontakt. Wir gehen raus, lernen Vokabeln im Alltag und wenden sie an.

Man kann die Sprache auch mit technischen Mitteln lernen: Es gibt Apps zum Sprachenlernen, Übersetzungsprogramme. Ihr könntet auch einen Tag in die Erstaufnahmestelle kommen, jedem ein Smartphone in die Hand drücken, erklären, wie der Online-Sprachkurs funktioniert und dann seid ihr wieder weg und lasst die Menschen hier allein. Das ist aber nicht der Ansatz dieses Sprachlernprojekts. Ihr verbringt Zeit miteinander, wollt zusammenkommen. Man lacht zusammen, man ist traurig, wenn man erfährt, dass Familienangehörige nicht mehr leben. Was lernst du dabei?

Man verfolgt das sonst nur im Fernsehen, dass Menschen nach Deutschland fliehen. Hier in den Räumen der Erstaufnahmestelle, beim Sprachenlernen passiert viel Menschliches. Ich finde es sehr spannend zu erleben, wie es funktioniert, sich auszutauschen. Auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht, klappt die Verständigung. Es bringt uns allen viel, wir sind angehende Lehrerinnen und Lehrer. Wenn ich später im Klassenzimmer unterrichte, werde ich auch Kinder unterstützen, die noch kein Wort Deutsch sprechen.

Ist die Frage, wie lernt man als Erwachsener die deutsche Sprache als zweite Sprache für dich frisch und ungewohnt oder hast du dich damit schon im Studium beschäftigt?

Im Bachelor-Studium habe ich einige Seminare im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ besucht. Man lernt, wie es sein müsste – aber dann fehlt die praktische Erfahrung. In den Schulpraktika habe ich mit Kindern und Jugendlichen gelernt, die in einer Phase ihres Lebens sind, in der sie sowieso zur Schule gehen und lernen. Deshalb finde ich es sehr interessant, dass ich in dem Sprachlernprojekt nun mit Erwachsenen arbeiten kann und erfahre, wie das abläuft. Die Arbeit in der Erstaufnahmestelle kann ich mir für mein Studium anrechnen lassen, zum Beispiel als Praxisteil für das „Bilinguale Zertifikat“.

Du bist jetzt im Masterstudium und startest bald in den Beruf. Freust du dich auf die Herausforderung? Fühlst du dich überfordert oder suchst du nach Wegen, wie man mit Vielfalt umgehen kann?

Mein Ziel ist, in Niedersachsen zu unterrichten. Ich freue mich da wirklich drauf. Die Vielfalt an Schulen wird immer sichtbarer, ich interessiere mich sehr für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wir können an der Universität in Hildesheim das Masterstudium um ein Jahr verlängern und uns im DAZ-Bereich spezialisieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Interview-Serie über das Sprachenlernen wird fortgeführt. Nächstes Mal: Nachgefragt bei Erwachsenen: Wie erleben sie das Erlernen der deutschen Sprache?

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Studierendenportal Flüchtlinge Lehrerbildung Bildungsintegration
news-11572 Thu, 31 Mar 2016 13:40:00 +0200 Beratung im Schulalltag: Was tun bei Gewalt, Konflikten und Mobbing? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/beratung-im/ Im April tagen über 400 Beratungslehrkräfte an der Universität Hildesheim: Was tun bei Gewalt, Fernbleiben von der Schule, Lernschwierigkeiten oder Mobbing? Schulen sollten ein effektives Beratungs- und Unterstützungssystem aufbauen, sagt Professor Norbert Grewe anlässlich des niedersächsischen Beratungslehrerkongresses 2016. „Angesichts der aktuellen Herausforderungen für die Schulen – Inklusion, traumatisierte Flüchtlingskinder, Medienkonsum und Gewalt –, gewinnt ein effektives Beratungs- und Unterstützungssystem immer mehr an Bedeutung", sagt Norbert Grewe, Professor für Psychologie an der Universität Hildesheim, anlässlich des diesjährigen Beratungslehrerkongresses in Niedersachsen.

Die Universität Hildesheim leitet seit 1978 die Weiterbildung und wissenschaftliche Begleitung von Beratungslehrkräften in Niedersachsen. Diese Lehrerinnen und Lehrer erhalten nach ihrer zweijährigen Weiterbildung drei Verfügungsstunden für die Beratung von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften. Die häufigsten Beratungsanlässe sind Lern- und Verhaltensschwierigkeiten, Konzentrationsprobleme, Mobbing, Unterrichtsstörungen, Gewalt und das Fernbleiben von der Schule. Angesichts der hohen Qualifikation der Beratungslehrkräfte und der großen Akzeptanz in den Schulen sei es bedauerlich, dass nur etwa jede zweite Schule über diese Funktion verfügt und die Beratungsstunden 2003 von fünf auf drei gekürzt wurden. Professor Norbert Grewe appelliert an die Landesregierung diese Lücke im Beratungssystem mittelfristig zu schließen.

Der aktuelle Ausbau der Schulsozialarbeit sei zwar zu begrüßen, so Grewe, aber auch Kinder, die nach einer Flucht im deutschen Schulsystem ankommen, werden in Zukunft mit Schulproblemen konfrontiert werden, bei denen Beratungslehrkräfte die richtigen Ansprechpartner sind. „Wie in anderen Ländern, Finnland, Großbritannien, Niederlande, sollten multiprofessionelle Beratungsteams an jeder Schule eingesetzt werden und nicht mal diese Berufsgruppe und dann wieder eine andere", sagt der Psychologe.

Am Mittwoch, 6. April 2016, kommen etwa 400 Beratungslehrkräfte und 50 Referenten auf dem Niedersächsischen Beratungslehrerkongress 2016 an der Universität in Hildesheim zusammen. Die Teilnehmer bilden sich fort und informieren sich über den aktuellen Stand der Wissenschaft.

Ein Thema auf dem Kongress: Wie kann ein gutes Klassenklima entstehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Professor Norbert Grewe seit 25 Jahren. Schule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche lernen können, wie sie mit anderen umgehen und wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können.

„Das Klassenklima ist ein Risikofaktor und eine Ressource schulischen Lernens“, sagt Norbert Grewe. „Bisher ging man davon aus: Das Klassenklima ist wie das Wetter – man kann nichts dagegen tun, man hat eine schwierige Klasse und muss sich eben warm anziehen oder man hat Glück gehabt“, so Grewe. Dabei gebe es eine Menge an Stellschrauben, um ein „prima Klima“ in der Klasse zu fördern. Seit 22 Jahren bieten Psychologen der Universität Hildesheim und Schulpsychologinnen und Schulpsychologen dazu eine Fortbildung. Bisher haben etwa 700 niedersächsische Lehrerinnen und Lehrer aus allen Schulformen die eineinhalbjährige Fortbildung absolviert. Im Februar 2016 ist der neue Jahrgang mit 50 Lehrkräften gestartet.

„Auf den Anfang kommt es an“, sagt Norbert Grewe. Alle großen Gruppen tendieren dazu, schnell Cliquen zu bilden, das „Recht des Stärkeren setzt sich auf dem Schulhof durch“. „Ein Kind auszugrenzen, schweißt die anderen in der Gruppe zusammen.“

Können Lehrer und Mitschüler diese Entwicklung beeinflussen? „Es gibt gute Beispiele, etwa die Einführung eines Klassenrates, der von Neuntklässlern moderiert wird, oder Patenschaften zwischen Schülerinnen und Schülern. Dabei lernen sie, die Schwierigkeiten, aber auch die guten Seiten des anderen zu sehen und auf den anderen einzugehen“, sagt Grewe, der Beispiele aus ganz Niedersachsen in einer Publikation zusammengetragen hat.

„Für Lehrerinnen und Lehrer sind Klassenfahrten und gemeinsame Aktivitäten im Schulalltag mindestens genauso relevant wie für die Kids. Die Burnout-Forschung unter Lehrkräften zeigt, dass das Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern der stärkste Faktor für Erschöpfungs-Gefühle, aber auch zur Gesundung, ist. Lehrerinnen und Lehrer mit Klassen, die ein prima Klima haben, werden seltener krank als jene, die in sogenannten schwierigen Klassen unterrichten.“

Kongress 2016: Beratungslehrer in Niedersachsen

Am Mittwoch, 6. April 2016, kommen etwa 400 Beratungslehrkräfte auf dem Niedersächsischen Beratungslehrerkongress 2016 an der Universität Hildesheim zusammen. Die Teilnehmer bilden sich fort und informieren sich über den aktuellen Stand der Wissenschaft.

Einige Beispiele aus dem Programm: Professor Thomas Bliesener, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), spricht über Gewalterfahrungen und Gewaltverhalten von Jugendlichen im Web. Jugendliche nutzen moderne Medien und erleben sie als unverzichtbar. Sie werden aber auch mit Fragen und Inhalten konfrontiert, die sie leicht überfordern können, so Bliesener. Die Oberärztin der Hildesheimer Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Kathrin Brunhorn, stellt die Zusammenarbeit zwischen Schule und psychiatrischen Einrichtungen vor. Der Schulpsychologe Lutz Kruse von der Niedersächsischen Landesschulbehörde spricht über Gruppenentwicklungen in der Schulklasse.

Der Hildesheimer Psychologieprofessor Werner Greve gibt Einblick in eine Studie, in der derzeit in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt die Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern zur Inklusion untersucht werden. Professorin Claudia Mähler hält einen Vortrag zum Thema „Ich kann’s nicht und ich will nicht mehr“. Sie untersucht an der Hildesheimer Uni psychische Auffälligkeiten bei Kindern mit Lernstörungen. Mehrere Vorträge beschäftigen sich mit den Themen „Traumatisierung von Kindern mit Flüchtlingserfahrungen“ und „Förderung von Flüchtlingskindern im Unterricht“.

Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Medienabhängigkeit und Spielsucht von Kindern und Jugendlichen. Der Beratungslehrerkongress 2016 findet auf dem Uni-Hauptcampus statt (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). 

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Psychologie Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-11525 Fri, 11 Mar 2016 10:22:00 +0100 Unser A und O: Wie Kinder lesen und schreiben lernen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/unser-a-und-o-wie-kinder-lesen-und-schreiben-lernen/ Ein Team um Professorin Ursula Bredel hat eine Datenbank mit deutschen Kernwörtern erstellt, die Lehrerinnen und Lehrer bei der Planung und Durchführung eines systematischen Orthographieunterrichts unterstützt. Mit Sprache Welten entwerfen – Isa Lange hat bei der Hildesheimer Wissenschaftlerin nachgefragt, wie Kinder lesen und schreiben lernen. Lesen und Schreiben: Als Erwachsener kann man sich kaum erinnern, wie man diese Fähigkeiten erlernt hat. Was leisten Kinder eigentlich beim Schriftspracherwerb?

Ursula Bredel: Mit dem Erwerb der Schriftsprache öffnet sich für Kinder eine neue Welt: Sprache, die vorher in der unmittelbaren Interaktion gegeben war, wird zum situationsentbundenen Gegenstand, die Kommunikationspartner werden abstrakt. Wer Schrift beherrscht, kann den unmittelbaren sozialen Nahraum verlassen, eine wichtige Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe. Auf dem Weg zu kompetenten Schreibern und Lesern müssen Novizen die Form und die Funktion der Schrift entdecken und erproben.

Wie können Eltern und Schule die Kinder auf dem Weg zum kompetenten Schreiber unterstützen?

Für die Erschließung der Funktionsseite sind eine intensive Vorlesepraxis und Gespräche über das Gelesene – wir sprechen von Anschlusskommunikation – besonders wichtig. Die Kinder lernen, dass Sprache nicht an die unmittelbare Kommunikation gebunden ist, sondern Welten entwerfen kann, an denen sie gemeinsam partizipieren können. Die gemeinsamen Vorlesesituationen sollten neben der zunehmenden Ermutigung, Texte selbständig zu lesen und zu schreiben, deshalb auch weit über das erste Schuljahr hinaus ein fester Bestandteil des Deutschunterrichts sein.

Darüber, wie Kinder die Formseite erschließen, herrscht weit weniger Einigkeit: Im herkömmlichen Unterricht wird den Kindern viel selbst überlassen. Sie lernen Buchstaben als Abbilder von Lauten kennen und Schreiben nach Gehör. Die ersten Lese- und die ersten Schreibversuche scheitern: Aus „Roller“ wird beim Lesen „R-OO-L-EE-R“, eine Wortgestalt ohne Bedeutung. Die Kinder erleben dann Lesen nicht als Sinnentnahme, sondern als Übersetzen von Zeichen (Buchstaben) in andere Zeichen (Laute). Eine Tätigkeit ohne Sinn und Verstand. Beim Schreiben wird aus „Roller“ im besten Fall „ROLA“, eine Wortgestalt, die nur schwer entzifferbar ist.

Wie könnten Alternativen aussehen?

Die Orthographie ist die beste Lehrerin: Sie zeigt den Kindern, was weder hörbar ist noch bei genauer Aussprache ermittelt werden kann: Die Struktur der Sprache. Wir sollten Kindern deshalb die richtigen Muster anbieten und nicht mit Einzellauten, sondern mit Silben arbeiten. Sie zeigen zum Beispiel, ob ein Vokal in einer betonten Silbe (Hauptsilbe) kurz (geschlossene Silbe Fel- in Felder) oder lang (offene Silbe Fe- in Feder) zu artikulieren ist. Um auch die jeweils zweite Silbe, die unbetonte Reduktionssilbe (hier -der), erschließen zu können, in der die Buchstaben ganz andere Funktionen übernehmen, arbeiten wir mit der Basisform deutscher Wörter: Dem Trochäus, einer Form aus einer betonten und einer unbetonten Silbe (finden, Tante, Nase, lesen, böse, lieben, Roller, Feder, Felder, Wälder), an dem die Orthographie deutscher Kernwörter insgesamt ausgerichtet ist.

Um die Lehrkräfte bei einem Unterricht zu unterstützen, der auf der Er- und Bearbeitung des trochäischen Basismusters aufbaut, haben wir an der Universität Hildesheim die frei zugängliche Datenbank DORA aufgebaut [siehe Infokasten unten].

Auf Silben reagieren schon Säuglinge. Der Trochäus bildet das wichtigste Schema für den Worterwerb: Wenn Ein- bis Zweijährige „Banane“ sagen wollen, hören wir oft einfach  „nane“, aus „Schokolade“ wird „lade“, aus „Mandarine“ „rine“. Schon sehr kleine Kinder filtern das trochäische Muster sicher heraus; daran kann und sollte man im Schriftspracherwerb anknüpfen. Und Kinder, die Deutsch nicht als Erstsprache sprechen und deren Erstsprachen anderen prosodischen Mustern folgen, können auf der Basis des geschriebenen trochäischen Kernmusters sehen lernen, was sie (noch) nicht hören können.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Prof. Dr. Ursula Bredel lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hildesheim. Die Sprachwissenschaftlerin ist Mitautorin des Buches „Wie Kinder lesen und schreiben lernen“.

Kurzinfo / Muster erkennen und so die Orthographie lernen: Datenbank DORA

Kinder lernen die Schreibung von Wörtern nicht auswendig, sondern orientieren sich an orthographischen Mustern, die sie auf neue Fälle übertragen. Wer leben schreiben kann, weiß, was zu tun ist, wenn er kleben, eben, beben, heben, neben oder streben schreiben will.

Im Rechtschreibunterricht sollte die Entdeckung von orthographischen Mustern aktiv unterstützt werden, fordert ein Hildesheimer Forscherteam. Professorin Ursula Bredel und Hrvoje Hlebec (Sprachdidaktik) und Professor Ulrich Heid und Ronny Jauch (Sprachtechnologie und Computerlinguistik) sowie der Informatikstudent Wilfried Hehr haben eine Datenbank mit derzeit 3213 trochäischen Basisformen entwickelt. Lehrkräfte können in dieser „Datenbank orthographisch regulärer Ausdrücke“ nach Wörtern mit geschlossener Silbe (Felder, holpern, Kante), Wörtern mit Dehnungs-h (Sahne, Fohlen, Bühne), Wörtern mit Diphthong (Geier, Beule, hauen), aber auch nach Wörtern mit bestimmten Anfangs- oder Endbuchstaben suchen. 

„DORA“ zeigt, wie man Kinder schon früh für Wortbausteine sensibilisieren kann, die man braucht, wenn man liebte oder Wald schreiben will: Denn die Wortansicht macht nicht nur Haupt- und Reduktionssilben sichtbar (lie-ben, Wäl-der), sondern durch Einfärbung auch das Stammmorphem (lieb-en, Wäld-er), das in jeder Wortform mit diesem Stamm erhalten bleibt. Die Datenbank ist so gebaut, dass sie intuitiv genutzt werden kann, enthält zur Orientierung aber zugleich einen Begleittext und ein Glossar. Die Datenbank „DORA“ ist online zugänglich.

Die Datenbank „DORA“ wird auch auch in der Lehrerausbildung eingesetzt: Die Studierenden ermitteln die Systematik der Wortschreibung, stellen ihr bisheriges Wissen auf den Prüfstand und bauen neues, systematisches Wissen auf, das sie für ihre spätere Berufstätigkeit brauchen. „Ein gezieltes Experimentieren mit DORA könnte auch rechtschreibschwachen Kindern helfen, der Systematik der Orthographie auf die Spur zu kommen“, so Bredel. 

Kurzinfo / Schriftspracherwerb in der Lehrerausbildung

Der Schriftspracherwerb ist eine der zentralen Anforderungen, denen sich Lernende bei Schuleintritt stellen müssen und in der Regel auch wollen, so Professorin Ursula Bredel. Vom Erfolg des Erwerbs der Schriftsprache hängt die gesamte weitere Bildungsbiographie ab. Sprach- und Literaturdidaktikerinnen und Didaktiker der Universität Hildesheim befassen sich in Seminaren zum Beispiel mit folgenden Themen: Orthographie des Deutschen und ihr Erwerb, Lesesozialisation, Vorlesen und Anschlusskommunikation, Handschrift, Umgang mit Fehlern und Wissen von Kindern bei Schuleintritt.

Lesen Sie dieses Interview im aktuellen Uni-Journal (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-11428 Sat, 27 Feb 2016 10:30:00 +0100 Bildungs- und Sozialforschung: Wie wir uns der Realität annähern https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/bildungs-und-sozialforschung-wie-wir-uns-der-realitaet-annaehern/ Ob in der Kita, Familie oder Schule, im Jugendzentrum oder im Altenheim: Wer ethnographisch forscht, beobachtet vor Ort, was sich abspielt, sagt Professorin Kathrin Audehm. Etwa 170 Fachleute tagen an der Uni Hildesheim: Wie gewinnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten im „Feld“, wie halten sie dennoch Distanz? Sie gehen raus – ihre Forschung findet nicht am Schreibtisch statt, sondern in der Wirklichkeit, im „Feld". Im Wohnzimmer einer Familie, in der Kinder mehrsprachig aufwachsen. In der 2. Schulklasse, die sich um ein gutes Klassenklima bemüht. Während einer Schulkonferenz, in der Zeugnisnoten besprochen werden. In einer WG der Jugendhilfe, die Jugendliche auf dem Weg in das Erwachsenenleben unterstützt.

Wer ethnographisch forscht, nimmt teil, hält Beobachtungen schriftlich fest und wertet die Daten dann aus und schreibt. Die Methoden sind mittlerweile vielfältig. Während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich heute eher wiederholt und für jeweils kürzere Zeit in einheimische Felder begeben oder transnational und vergleichend beobachten, bedeutete ethnographische Feldforschung vor 100 Jahren noch einen langen Aufenthalt von etwa zwei Jahren in einer fremden Kultur.

„Bestimmte Dinge lassen sich nur schwer erfragen, sind den Befragten oft auch nicht bewusst oder eine Erwähnung wert, wie zum Beispiel Körperhaltungen und Bewegungen in Gebäuden und auf Plätzen, Selbstverständliches oder Gewohntes, die Routinen und tatsächlichen Regeln des Alltags. Die ethnographische Forschung trägt Daten nicht von außen an ihre Forschungsfelder heran, sondern beobachtet direkt vor Ort, was sich abspielt", so die Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Audehm. „Dabei können immer Überraschungen passieren. Es kommt darauf an, sich auf diese einzulassen und nicht mit vorgefassten Meinungen und Überzeugungen ins Feld zu gehen und diesen zu folgen. Die Schwierigkeit besteht darin, eine Nähe zu den Personen im Feld aufzubauen, zu ihren Ansichten und Aussagen, ihren Rhythmen, ihren Zeiten und Orten und dennoch reflexive Distanz zu wahren", sagt die Hildesheimer Professorin.

In dieser Woche kommen etwa 170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur fünften Tagung der deutschsprachigen ethnographischen Bildungs- und Sozialforschung an der Universität Hildesheim zusammen.

Die Fachleute reflektieren dabei den eigenen Zugang zum „Feld": Wie erforscht man, was in Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen oder in Familien geschieht?

Die Fachleute befassen sich auf der Tagung „Ethnographie der Praxis – Praxis der Ethnographie" (22. bis 24. Februar 2016, Programm und Abstracts online) mit der Frage, wie sie Themen entwickeln, welche empirische Forschungsfelder in das Blickfeld der Wissenschaft geraten und welche Haltung sie zum Feld einnehmen. Sie reflektieren die Eigenart und Standards ethnographischer Analysen und Beschreibungen.

Professor Georg Breidenstein (Halle) spricht auf der Tagung über die ethnographische Forschungspraxis, die sich „in vielen Varianten um Praktiken der Feldforschung, manchmal auch der Datenanalyse dreht". Der Erziehungswissenschaftler beschäftigt sich mit der Frage, wie Forscher Daten gewinnen und wieder auf Distanz zum Feld gehen, wie sie an Protokollen arbeiten und Überraschungen entdecken. Sein Vortrag beschäftigt sich mit Routinen in der Forschung und dem „Interpretieren" von Beobachtungsprotokollen.

Wie erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zugang zum Feld und mit welcher Haltung gehen sie ins Feld? Mit dieser Frage befasst sich der Hildesheimer Erziehungswissenschaftler Peter Cloos. Der Professor für frühe Kindheit hat unter anderem untersucht, wie Lernprozesse in Kitas dokumentiert werden und wie Kinder auf Beobachtung reagieren.

Mit der Rolle der Forscherin bzw. des Forschers im Forschungsprozess beschäftigen sich Katharina Mangold und Hanna Rettig. Sie zeigen anhand ihrer Dissertationsprojekte, in denen sie sich mit Jugend und transnationalen Erfahrungen beschäftigen, ob die Anwesenheit der Forscherin das Geschehen beeinflusst. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen verwenden den Begriff „inbetween" und sehen es als Leistung des Ethnographen/der Ethnographin, die Spannung zwischen Teilnahme und Beobachtung und zwischen Drinnen- und Draußen-Sein aufrechtzuerhalten.

Über die eigenen Rollen im Feld spricht auch die Berliner Wissenschaftlerin Grit Petschick. Die Feldforschung stellt Bedingungen an die Forschenden, neben Ort und Zeit sind dies Fragen der Finanzierung (Wie viel Feldforschung wird finanziert?) und allgemeine formale Fragen des Zugangs zum Feld. Ist eine Familie, eine Schulklasse, ein Altenheim etwa bereit, die Türen zu öffnen für die Forschung? „Auch andere Faktoren, wie das Alter der Forschenden und ihre bisherige Ausbildung können eine Rolle für die Position im Feld spielen und damit zwischen Nähe und Distanz bzw. beobachtender Teilnahme und teilnehmender Beobachtung entscheiden", so Petschick.

Die Konferenz greift auch internationale Fragen auf. In dem Vortrag „Paris. Eine soziale Geographie der Gewalt" befasst sich Fabien Jobard vom Centre Marc Bloch (Berlin) mit den Terroranschlägen in Paris im November 2015. Die neuere Gewaltforschung weist seit einigen Jahren auf die entscheidende Rolle des Raumes in der Entstehung und Entfaltung von Gewalt hin, sagt Jobard. In solchen „Gewalträumen" präge physische Gewalt den Alltag und die Wahrnehmungen der Menschen. In seinem Vortrag widmet sich der Politikwissenschaftler einem „friedlichem Raum, der aber von einer hohen Gewaltintensität auf einer sehr engen Fläche betroffen wurde".

„Wir erwarten spannende Vorträge und Diskussionen und erhoffen uns auch Anregungen für unser nächstes Hildesheimer Projekt. Jessica Schülein und ich wollen die materiellen Dimensionen der Schulkultur einer Ganztagsschule erforschen. In einer ethnographischen Einzelfallstudie wollen wir untersuchen, welche Bedeutung Architekturen, Räume, der Umgang mit Mobiliar und Medien, die Kleidung, Gesten oder das gemeinsame Mittagessen für die Hervorbringung von Geschlechtlichkeit haben", blickt die Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Audehm auf anstehende Forschung. Die Professorin arbeitet auf dem Gebiet der pädagogischen Anthropologie und ethnographischen Bildungsforschung. Sie analysiert unter anderem Macht- und Autoritätsverhältnissen in pädagogischen Institutionen und Organisationen. Kathrin Audehm hat im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ an der Freien Universität Berlin mitgewirkt und in der „Berliner Ritualstudie" untersucht, wie Rituale und Gesten in Bildung und Erziehung wirken. Die Forscherinnen und Forscher sind „ins Feld gegangen" und haben Familien, Jugendeinrichtungen und Schulen aufgesucht. Audehm hat dabei vor allem Rituale in Familien erforscht und betrat damals wissenschaftliches Neuland, denn solche Analysen lagen bisher in Deutschland nicht vor.

Wer sich für ethnographische Bildungsforschung interessiert, kann Kontakt zu Prof. Dr. Kathrin Audehm aufnehmen (05121.883-10110, ethno@uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Sozialwissenschaften Soziologie Methodenbüro Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration
news-11159 Tue, 19 Jan 2016 19:40:00 +0100 Mathematik ist ein Teamsport https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/mathematik-ist-ein-teamsport/ Forum zum wissenschaftlichen Austausch: Fachleute aus Ulm, Graz, Würzburg bis Hannover tauschen sich in dieser Woche über gelöste und ungelöste mathematische Probleme aus. Auch griechische Mathematiker geben Einblicke in ihre Forschung. Sie diskutieren zum Beispiel über Primzahlen, die „Bausteine der natürlichen Zahlen". Täglich greift Jan-Hendrik de Wiljes zu Stift und Papier. „Man fängt an, probiert aus, sucht Prinzipien. Dann führe ich viele Gespräche, es ist wichtig zusammenzukommen und Ideen unter Fachleuten zu präsentieren", sagt der Doktorand der Universität Hildesheim. Er ist in den Endzügen seiner Doktorarbeit, hat zuvor an Universitäten in Berlin und Hannover geforscht. Seit fünf Jahren arbeitet der Wissenschaftler am Institut für Mathematik und Angewandte Informatik der Universität Hildesheim. Er bildet Lehrerinnen und Lehrer aus, die Mathematik an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichten.

De Wiljes gehört zu einem Team um Professor Jürgen Sander, das regelmäßig Fachleute aus der Zahlentheorie an einen Tisch holt, um sich über gelöste und ungelöste mathematische Probleme auszutauschen. Mathematikerinnen und Mathematiker von Graz über Ulm und Würzburg bis Hannover kommen Mitte Januar wieder zum Mathematischen Kolloquium an der Universität Hildesheim zusammen (Programm des Kolloquiums „Arithmetik an der A7").

Wer Jan-Hendrik de Wiljes zuhört, entdeckt, wie faszinierend mathematisches Denkens ist. Da sind zum Beispiel die Primzahlen, von denen der Doktorand mit Begeisterung berichtet. „Primzahlen sind die Bausteine der natürlichen Zahlen". Eine Zahl ist eine Primzahl, wenn man sie nur durch sich selbst und durch 1 teilen kann. Die 2, die 3, die 5, die 7, die 11. Während des mathematischen Kolloquiums „Arithmetik an der A7“ spricht unter anderem Helmut Maier von der Universität Ulm über die Lücken zwischen zwei aufeinanderfolgenden Primzahlen. Wie groß oder wie klein können diese Lücken sein? „Eine ungelöste Frage ist das Primzahlzwillingsproblem. Gibt es unendlich viele Paare, die sich nur durch 2 unterscheiden?", sagt de Wiljes über Paare wie 3 und 5, 11 und 13, 59 und 61.

Primzahlen sind aber nicht nur von theoretischem Interesse, sondern haben im letzten Jahrhundert in der Kryptographie unerwartet praktischen Nutzen erfahren. „Wie kann man Daten im Internet sicher übertragen? Daten müssen zum Beispiel beim Online-Banking oder beim Austausch von E-Mail-Nachrichten sicher sein. Bekannt ist das RSA-Verfahren. Zwei natürliche Primzahlen, etwa 11 und 13, kann man leicht multiplizieren: 143. Diese 143 aber dann wieder aufzuteilen ist weitaus schwieriger, das zurückzuverfolgen dauert länger", erläutert der Mathematiker.

Wie bringt man Kindern und Jugendlichen mathematisches Denken bei? Mit dieser Frage befassen sich Fachwissenschaftler und Fachdidaktiker in Hildesheim. Die Kryptographie sei ein „dankbares Arbeitsgebiet für Lehrerinnen und Lehrer", eine mathematische Theorie, die Anwendung im Alltag erfährt, beliebt bei den Lehramtsstudierenden, sagt de Wiljes. „Man muss erst ein gewisses Zahlenverständnis aufbauen, man muss wissen, was natürliche Zahlen, Grundrechenarten und Primzahlen sind – dann kann man mit der Kryptographie im Unterricht loslegen, etwa in der sechsten Klasse. Man kann Bezüge zu Computern herstellen, über den sensiblen Umgang mit Daten sprechen. Verschlüsselung ist das Thema überhaupt, auch für Erwachsene."

Mit dieser Nähe zum Alltag, mit der Anwendung mathematischer Theorien haben die Mathematiker aber auch „sehr zu kämpfen". „Mathematik ist viel mehr als Anwendung. Eine ganze Menge an Problemen hat nichts mit der Realität zu tun. Vielen Personen erschließt sich dabei nicht der Sinn“, sagt Jan-Hendrik de Wiljes.

Zudem sei die Realität komplex. De Wiljes nennt als Beispiel das Netz der Deutschen Bahn. „Möglichst viele Züge sollen zu passenden Zeiten die richtigen Orte passieren, Menschen transportieren, Lokführer und Maschinen müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und dann kommt das Wetter, Eis und Sturm. Ich kann das Problem nicht einfach in ein mathematisches Modell übertragen, es gibt viele Ungewissheiten." In der Mathematik hingegen könne er „störende Nebenfaktoren zunächst reduzieren, Eis und Regen weglassen".

Es gehe darum „auch mit Objekten Kontakt zu haben, die keinen Bezug zur Realität haben". Mathematisch zu denken mache einfach große Freude – wie auch die Verbreitung des Rätsels „Sudoku" zeige. „Es muss nicht alles auf Anwendung getrimmt sein. Kinder in der Grundschule wollen ihren Kopf benutzen, sie haben viel Wissensdurst und Spaß beim Denken. Wenn wir Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, die das gut transportieren und das mathematische Denken fördern, geht das nicht verloren", sagt der Mathematiker. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Jürgen Sander und Prof. Barbara Schmidt-Thieme unterstützen Studierende besonders im ersten Studienjahr, die fachlichen Grundlagen aufzufrischen und Methoden mathematischen Arbeitens zu vermitteln. Sie erwarten von den angehenden Grund-, Haupt- und Realschullehrern, dass sie in der Lage sind, ihr Fach mit Überzeugung und in seiner gesamten Breite zu unterrichten.

Weitere Informationen: Geschichte der Mathematik

Derzeit arbeiten Mathematiker der Universität Hildesheim an einem Band „6000 Jahre Zahlentheorie“. Die Arbeitsgruppe „Geschichte der Mathematik“ möchte darin verdeutlichen, wie zunächst Zahlen durch äußerst unterschiedliche Zeichen in den verschiedenen Kulturkreisen dargestellt wurden: Striche, Kerben, Zahlen in Keilschrift und Hieroglyphen, griechische und römische Zahlzeichen, indische und arabische Ziffern und Knoten der Inkas.

Die Zahlentheorie als Lehre von der Teilbarkeit natürlicher Zahlen findet sich in ersten Ansätzen schon bei den Babyloniern, später bei den Griechen. Noch heute stellt der „euklidische Algorithmus“ des griechischen Mathematikers Euklid einen Weg dar, um den größten gemeinsamen Teiler zweier Zahlen zu ermitteln. In Europa erfuhr die Zahlentheorie zu Beginn der Neuzeit Aufschwung. Viète, Fermat und Euler leisteten die Pionierarbeit für das Werk des Braunschweiger Mathematikers Carl Friedrich Gauß und seine zahlentheoretische Untersuchungen „Disquisitiones Arithmeticae“ von 1801. Sie lieferten die Grundlage für den gewaltigen Aufschwung der Zahlentheorie im 19. und 20. Jahrhundert und ihre Erweiterungen in Gestalt der Algebraischen, Analytischen und der Additiven Zahlentheorie.

Dabei macht die Hildesheimer Forschergruppe deutlich: Viele Bereiche der Zahlentheorie haben im Zeitalter der Computer unerwartet praktischen Nutzen zum Beispiel in der Kryptographie erfahren. Dabei geht es um die Sicherheit der Übertragung von Daten im Internet. Einst wurde die Zahlentheorie als „l’art pour l’art“ wegen ihrer Schönheit gepriesen, aber wegen ihrer geringen Anwendbarkeit oft gering geschätzt.

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Pressemeldungen Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-11134 Thu, 14 Jan 2016 19:00:00 +0100 70 Jahre Lehrerausbildung: Mittwochs im Hörsaal, freitags im Klassenzimmer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/70-jahre-lehrerausbildung-mittwochs-im-hoersaal-freitags-im-klassenzimmer/ Die Universität Hildesheim erinnert in diesen Tagen an die Aufnahme des Studienbetriebs vor 70 Jahren, damals noch in Alfeld. Nach nur einem Jahr schlossen 1947 die ersten 51 Absolventen das Lehrerstudium ab. Frühe Schulpraxis ist seit Gründung der Hochschule bis heute Teil der Lehrerausbildung. In den letzten Wochen haben sich bereits 300 Ehemalige bei der Uni gemeldet, darunter Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen, die seit den 50er Jahren bis heute ihr Studium abgeschlossen haben. 2016 blickt die Universität Hildesheim auf 70 Jahre Lehrerausbildung zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann im Januar 1946 der Studienbetrieb an der Pädagogischen Hochschule Alfeld; im 20 Kilometer entfernten zerstörten Hildesheim waren keine geeigneten Gebäude vorhanden. Die ersten 51 Absolventinnen und Absolventen schlossen 1947 nach nur 400 Studientagen (2 Semester) ihr Studium ab. In den ersten 10 Jahren, bis 1955, absolvierten 510 Personen mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren ihr Studium. Frühe Schulpraxis ist seit Gründung der Hochschule bis heute Teil der Lehrerausbildung. 1970 wurde dann der Semesterbetrieb in Hildesheim aufgenommen.

Die Universität lädt alle ehemaligen und aktuellen Studierenden, ihre Mitglieder sowie die interessierte Öffentlichkeit am Samstag, 16. Januar 2016, um 11:00 Uhr zu einer Festveranstaltung in Audimax der Universität nach Hildesheim ein. Gemeinsam kehren die Teilnehmer zu den Anfängen zurück und erleben die Entwicklung der Hochschule bis heute. Der zweistündige Festakt bietet Raum für Austausch (Programm online). Der Festakt findet im Audimax der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim) statt. Anlässlich der 70-Jahr-Feier erscheint ein Jubiläumsband.

In den letzten Wochen haben sich bereits fast 300 Ehemalige aus allen Jahrzehnten bei der Universität gemeldet, darunter Schulleiter und Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen, die seit den 50er Jahren bis heute ihr Studium abgeschlossen haben. Viele haben der Universität nun Erinnerungen an ihre Studienzeit und den Berufsalltag zugeschickt. Etwa Rudolf Rückert, der sich nach seinem Studienabschluss 1953 in Alfeld an seine erste Schulklasse in Salzgitter mit 60 Jugendlichen erinnert: „Es gab kaum Schulräume, um die Enge zu überwinden, gingen wir möglichst oft ins Freie“, sagt Rückert, der bis in die 90er Jahre eine Schule in Salzgitter geleitet hat. Sein Tipp an heutige Lehramtsstudierende: „Als Lehrer muss man Kontakt zu den Schülern aufbauen, einen Draht finden, auf sie eingehen. In Schulpraktika merkt man, ob man das kann.“

Derya Akdağ ist heute Klassenlehrerin an einer Schule in Bockenem und unterrichtet Zehntklässler in den Fächern Englisch, Geschichte und Wirtschaft und eine 8. Klasse im Fach Werken. „Die Arbeit mit meiner Klasse und die Zusammenarbeit mit dem Kollegium ist bereichernd. An fast jedem Schultag stehe ich vor neuen Herausforderungen, die mich reich an Erfahrungen gemacht haben. Natürlich kracht es auch hier und da mal, das bleibt nicht aus. Mein Studium an der Universität Hildesheim hat mich vom ersten Semester an mit Hospitationen, Praktika und einer guten Betreuung auf diesen Beruf vorbereitet.“ Was es wirklich heißt, Lehrerin zu sein und über Stunden zu unterrichten, erlebt sie nun nach dem Abschluss ihres Referendariats in der Realität, im Schulalltag. Jeden Morgen fährt sie 60 km zur Schule und das „mit einem guten Gefühl“. „Ich bin froh da zu sein, wo ich jetzt bin“, sagt Derya Akdağ.

Ehemalige können sich noch zu der Festveranstaltung anmelden. Über den Festakt hinaus können sie auch eigeninitiativ Jahrgangstreffen auf dem Campusgelände organisieren. Interessierte erreichen Maike Becker per E-Mail (maike.becker@uni-hildesheim.de) oder auch telefonisch (05121 883-90132). Wer Interesse hat, kann an einer Vorabendveranstaltung am Freitag im „Cooks and Wines“ oder an einer Stadtführung durch Alfeld und Hildesheim am Sonntag, 17. Januar, teilnehmen.

Mit der 70-Jahr-Feier startet die Uni auch ein bundesweites Ehemaligen-Netzwerk. Ehemalige aller Fachbereiche können sich online registrieren und werden über aktuelle Entwicklungen informiert.

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Stiftung Universität Hildesheim:

Jubiläumsband „70 Jahre im Dienste der Bildung. Von der Pädagogischen Hochschule Alfeld zur Stiftung Universität Hildesheim (1945 bis 2015)“, Wolfgang-Uwe Friedrich und Martin Schreiner (Hrsg.), Universitätsverlag Hildesheim, 72 Seiten

Lehrerausbildung heute:

Mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer: Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule, das ist bundesweit besonders. Sie erhalten früh Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester halten sie eine erste Unterrichtsstunde. 500 Lehramtsstudierende starten jeden Herbst in ihr erstes Studienjahr.

Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Stiftung Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte in der Lehrerausbildung liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet in weiteren Praxisphasen im Verlauf des Studiums mit 250 Partnerschulen in Hannover, Hildesheim und der Region zusammen.

Mehr über die Lehrerausbildung erfahren:

„Willkommen im Schulalltag. Wie die Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer ausbildet", Reportagen und Interviews (Seite 46 bis 67) im Magazin der Universität Hildesheim, 2015 [PDF und epaper online]

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-11375 Mon, 11 Jan 2016 14:19:00 +0100 ,,Das kann Söhlde besser" https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/das-kann-s/ Jugendkriminalität, Wahlbeteiligung und die Dorfgemeinschaft waren Themen beim Söhlder Neujahrsempfang des Ortsrates. Um ein Zeichen für ein größeres Miteinander zusetzen, beschreitet die Oberschule Söhlde besondere Wege und setzt auf Dorfkooperationen. Neben diversen Gemeinschaftsaktionen bietet die Schule ihren Schülern moderne Unterrichtsformate. So gibt es in Sachen Tablet­Klassen eine Kooperation mit der Universität Hildesheim. Die Schule ist nahezu komplett mit W-Lan ausgestattet. Derzeit werden fünf Flüchtlingskinder an der Schule unterrichtet, zwei weitere sollen noch hinzukommen. Pressespiegel regional Bildungsintegration Flüchtlinge Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Forschung Zentrum für Bildungsintegration news-11092 Thu, 07 Jan 2016 08:00:00 +0100 Studie: Einstellungen von Lehrern, Eltern und Kindern zu Inklusion https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/studie-eins/ Welche Einstellungen haben Lehrerinnen und Lehrer zur Inklusion? Lehrer aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt können ab sofort an einer Studie teilnehmen. Bildungschancen sind ein Schlüsselthema für die Gesellschaft. Deshalb haben die Professoren Katrin Hauenschild und Werner Greve nun die Förderzusage der VolkswagenStiftung erhalten: Die Arbeitsgruppe der Universität Hildesheim untersucht an Grundschulen, mit welchen Einstellungen und Überzeugungen Lehrerinnen und Lehrer unterrichten und wie sie sich verändern. Und: Wie erleben Kinder und Eltern die Reform? Welche Rolle Lehrkräfte bei der Umsetzung von Inklusion im Schulalltag spielen, untersucht eine Arbeitsgruppe der Universität Hildesheim in einer Längsschnittstudie an Grundschulen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Welche Einstellungen haben Lehrerinnen und Lehrer zur Inklusion, abhängig von ihren Vorerfahrungen und konkreten Berufserfahrungen? Unterrichten sie derzeit Kinder mit unterschiedlichem Förderbedarf in ihrer Klasse? Lehrer können ab sofort online teilnehmen.

Die VolkswagenStiftung fördert das vierjährige Projekt im Rahmen des Programms „Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft“ mit insgesamt mehr als 800.000 Euro. „Wir dachten, wenn das kein Schlüsselthema ist, was dann? Wir sind durch das gesamte Begutachtungsverfahren gegangen. Das war ein harter Wettbewerb“, sagt Werner Greve. „Bei der mündlichen Vorstellung waren wir ein ganz kleines bisschen mega-aufgeregt.“ Der Professor für Psychologie leitet gemeinsam mit Professorin Katrin Hauenschild die vierjährige Studie „Einstellungen zu Inklusion. „Wir haben die Zusage erhalten – mit einer Auflage: Wir wurden eingeladen, das Projekt zu erweitern und in der Längsschnittstudie auch Eltern und Kinder zu befragen“, freut sich Katrin Hauenschild.

Die Hildesheimer Arbeitsgruppe startet das Projekt in einer Umbruchphase: Seit 2013 gilt in Niedersachsen ein Rechtsanspruch: Eltern können frei wählen, ob ihr Kind eine Förderschule oder eine Regelschule besuchen soll. „Das Elternwahlrecht ist ausschlaggebend, die Schule und die Lehrkräfte haben keinen Einspruch. Wenn Eltern sagen, mein Kind soll diese Regelschule besuchen, kann die Schule nicht sagen: Nein, das wollen wir nicht“, sagt Werner Greve.

„Wir erwischen jetzt den Zeitpunkt und befragen auch Lehrerinnen und Lehrer, die noch keine Erfahrungen mit Inklusion haben und die sich auch nicht vorgestellt haben, einmal in ihrer Berufslaufbahn sonderpädagogisch mit Kindern mit Förderbedarf und Behinderungen zu arbeiten. Wir begleiten sie in den kommenden vier Jahren und untersuchen, welche Erfahrungen die Lehrkräfte machen und wie und ob sich ihre Einstellungen überhaupt verändern“, so Katrin Hauenschild. So könne man zum Beispiel erfassen, ob sich eine anfängliche Skepsis verstärkt oder ob sie sich zum Positiven wendet.

In einer Pilotstudie haben Hauenschild und Greve schon vor zwei Jahren 120 Lehrerinnen und Lehrer aus Niedersachsen nach ihrer Haltung gegenüber der Reform befragt. Die Einstellung der befragten Grundschullehrkräfte war umso positiver, je mehr Erfahrungen und Kompetenzen sie selbst gesammelt haben. Eher skeptisch eingestellt sind jene, die zum Ziel haben, dass „alle das gleiche lernen sollen“, fasst Werner Greve zusammen. „Inklusion in der Schule“ meint mehr als nur den Zugang von Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen zu Bildungsangeboten. Zur Teilhabe gehöre zum Beispiel auch die Überwindung sprachlicher Barrieren, etwa wenn ein Kind die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernt. Die Idee von Inklusion sei, so Greve, „dass sich durch Kontakt Toleranz und Akzeptanz entwickelt“.

„Wir wollen die Einstellungen nicht beurteilen, sondern dokumentieren, welche Überzeugungen aber auch Sorgen und Befürchtungen Lehrer haben. Was Wissenschaft tun kann, ist, ein differenziertes Bild zu erfassen. Ich vermute, wir werden ein vielfältiges, buntes Bild zeichnen und auch in der Lehrerausbildung darauf reagieren“, sagt Greve. In der Inklusionsstudie befragen die Forscher auch Lehramtsstudierende, die erste Praxiserfahrungen gesammelt haben und bald in den Beruf einsteigen.

Um erfassen zu können, wie sich Einstellungen verändern, arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim mit unterschiedlichen Methoden, kombinieren quantitative und qualitative Verfahren. „Wir arbeiten mit standardisierten Fragebögen in einer großen Stichprobe über vier Jahre“, so Greve. Aussagen und Meinungen werden in der Hildesheimer Studie getrennt erfragt (Beispiel aus dem Fragebogen: 1. „Schülerinnen und Schüler lernen durch inklusiven Unterricht, empathisch miteinander umzugehen.“; 2. „Es ist mir wichtig, dass Schülerinnen und Schüler empathisch miteinander umgehen.“). „Parallel erhoffen wir uns in ausführlicheren offenen Interviews Antworten auf Fragen, die wir im Fragebogen nicht gestellt haben“, so Hauenschild.

Mit der Studie können die Forscher auch erfassen, ob ein Zusammenhang zwischen der Einstellung und der pädagogischen Orientierung besteht. Eine Lehrerin, die mit der Klasse offen arbeitet und die Vielfalt in der Klasse einbezieht, komme vielleicht leichter mit der Heterogenität im Klassenzimmer zurecht. „Wir erfassen auch, ob eine Bereitschaft zur Unterrichtsentwicklung vorhanden ist oder ob es Auswirkungen der Lernumgebung auf den Unterricht gibt“, so Hauenschild. „Außerdem erfahren wir mehr über die Dynamik von Einstellungen“, sagt Werner Greve über Erkenntnisse, die für die Grundlagenforschung relevant sind.

„Auch Kinder sollen zu Wort kommen. Man kann Erstklässler nicht nach ‚Inklusion‘ fragen“, sagt Katrin Hauenschild. Stattdessen fragen sie Kinder ab der ersten Klasse zum Beispiel, wer ihr Freund ist und wer nicht, wen sie warum nett finden, mit wem sie gerne spielen, ob und wie sie Verschiedenheit wahrnehmen.

Zur Arbeitsgruppe gehören neben Greve und Hauenschild vier Doktorandinnen: Die Grundschuldidaktikerin Josephine Götz befasst sich in ihrer Dissertation mit qualitativen Lehrerbefragungen. Lena Ohnesorge hat im Lehramtsstudium in Hildesheim Erfahrungen im Umgang mit Kindern gesammelt, etwa im Projekt „Lernku(h)lt“, in dem sie über ein Jahr Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team gefördert hat. In der Inklusions-Studie befragt sie die Kinder. Welche Sorgen und Ängste, Hoffnungen und Stärken haben Eltern, deren Kinder mit einer Behinderung oder dauerhaften Beeinträchtigung aufwachsen? Die Psychologin Sabine Hellmers untersucht in ihrer Dissertation Bewältigungsstrategien und Lebenslagen von Eltern. In der Inklusions-Studie ist sie für die Eltern-Befragungen zuständig. Lydia Schmieder hat sich ebenfalls mit den Lebenslagen von Eltern befasst; im Projekt übernimmt sie den Fragebogen für die Lehrerinnen und Lehrer.

Jetzt online teilnehmen: Studie startet

Wer in Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt an einer Grundschule unterrichtet, wer im Referendariat oder am Ende des Lehramtsstudiums steht, kann an der Studie der Universität Hildesheim mitwirken. „Wir möchten in dieser Untersuchung Ihre Erwartungen, Ihre Bewertungen, Ihre Überzeugungen, auch Ihre Befürchtungen erfahren. Wir alle machen Erfahrungen, die uns beeinflussen, und möglicherweise werden sich manche Ihrer Einstellungen im Laufe der Zeit wandeln“, heißt es in einem Schreiben der Forschergruppe an Lehrerinnen und Lehrer.

Die erste Erhebungsphase startet in diesen Tagen, Grundschulen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wurden angeschrieben und Lehrerinnen und Lehrer gebeten, den Online-Fragebogen auszufüllen. Erste Ergebnisse werden im Frühjahr 2016 erwartet. Die zweite Fragebogen-Erhebung startet vor den großen Ferien im Sommer 2016. Die Durchführung der offenen Interviews beginnt im Frühjahr 2016.
Die Teilnahme ist ab sofort möglich. „Bitte nehmen Sie sich etwa 60 Minuten Zeit. Das ist nicht wenig – es ist uns bewusst, dass wir viel Zeit von den Lehrerinnen und Lehrern erbitten. Nur wenn wir genauer zu einzelnen Aspekten fragen, wird es möglich sein, die Chancen und Probleme differenziert einzuschätzen“, sagt Professorin Katrin Hauenschild. Wer neben dem Fragebogen auch an Interviews teilnehmen möchte, kann eine E-Mail-Adresse angeben.

Alle Daten werden absolut anonym behandelt. Eine Zuordnung der Antworten zur Person ist nicht möglich und auch nicht beabsichtigt. Die Datensätze werden nicht online oder in „Clouds“ gespeichert. Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Studie wird in anonymisierter Form erfolgen. „Daten einzelner Personen können nicht zugeordnet werden. Wir nehmen keine Auswertung von Einzelfällen vor, sondern untersuchen, welche Aspekte auf Basis der Gesamtstichprobe welchen Einfluss haben“, so Werner Greve. Um die Studie durchzuführen, hat die Hildesheimer Arbeitsgruppe die Genehmigungen der Ethikkommission des Fachbereichs, des Kultusministeriums und der Landesschulbehörde erhalten.
Wer Rückfragen zur Studie hat, kann sich auch telefonisch an Sabine Hellmers (05121.883-10938) und Lydia Schmieder (05121.883-10928) wenden.

Hier gelangen Lehrerinnen und Lehrer zum Online-Fragebogen der Studie „Einstellungen zu Inklusion“.

Hintergrund: Lehrerausbildung in Hildesheim

Die Universität Hildesheim bildet mit etwa 2600 Studierenden ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen in Niedersachsen aus. In einem Weiterbildungsstudiengang „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ lernen Lehrkräfte über zwei Jahre, wie sie mit Vielfalt im Klassenzimmer umgehen können. Die Uni versucht, mit weiteren Fortbildungen Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien auf dem Weg zur inklusiven Schule zu unterstützen.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Psychologie Grundschuldidaktik und Sachunterricht Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Inklusion Lehrerbildung
news-11131 Tue, 05 Jan 2016 15:16:00 +0100 Begegnung auf dem Postweg https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/begegnung-auf-dem-postweg/ Wer nicht anfängt, kann nichts verändern: In studentischen Gremien, im Studierendenparlament und beim Allgemeinen Studierendenausschuss kann man etwas bewirken, sagen Svenja Brakebusch und Robert Rathke. Manchmal, sind es die kleinen Gesten die zählen – und mehr wiegen als Geld. Studierende der Universität Hildesheim haben Geschenkpakete für Familien gestaltet, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben. Manchmal sagen Worte sehr viel – und weitaus mehr als Geld: Auf der Rückseite eines Fotos von Studierenden steht:

„Wir wünschen dir frohe Weihnachten! Wenn du möchtest, würden wir dich gerne einmal treffen.“

Unter der Nachricht haben die Studierenden ihre Kontaktdaten geschrieben. Lasst uns treffen, das ist die Botschaft, die die jungen Erwachsenen an Familien senden, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben.

Von dieser Idee ist die Studentin Svenja Brakebusch beeindruckt. „Das finde ich total cool, dass man den Mut hat und sagt: So, ich würde dich gerne kennen lernen. Du bist neu hier? Ich bin gerne dein Ansprechpartner in dieser Stadt.“

Umgeben von Schuhkartons stehen Svenja Brakebusch und Robert Rathke in einem Uni-Büro. Die beiden studieren an der Universität Hildesheim Lehramt und haben gemeinsam mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), dem Studierendenparlament (StuPa) und in Zusammenarbeit mit dem Hildesheimer Migrationsverein Asyl e.V. Geschenke für Kinder und Jugendliche gesammelt, die nach der Flucht mit ihren Familien oder alleine in Hildesheim angekommen sind. Im Dezember haben sie Studierende und Lehrende dazu aufgerufen, ein Päckchen zu packen: Die Pakete sind in Geschenkpapier umhüllt, liebevoll bemalt, enthalten Spielsachen, Kleidung, Schreib- und Schulmaterialien, dazu handgeschriebene Briefe und Karten. Auf dem Paket kleben kleine Zettel mit einer Altersangabe.

Bis zur Decke stapeln sich die etwa 150 Pakete, täglich wurden es in den letzten Dezemberwochen mehr, bevor sie an Familien in Hildesheimer Flüchtlingsunterkünften verteilt wurden.

„Mit herzlichen Grüßen für ein gutes neues Jahr in Sicherheit und Gesundheit“

steht auf einer Karte in deutscher und englischer Sprache.

Von der Resonanz sind sie überwältigt. „Es ist eine kleine Geste, wir wollen hier vor Ort in Hildesheim etwas tun. Die Leute stehen in unserem Büro: mit welcher Freude sie die Geschenke mitbringen“, sagt Svenja Brakebusch.

Die 23-jährige Lehramtsstudentin engagiert sich seit drei Jahren im Studierendenparlament der Uni. „Wir haben viele Spenden bekommen, auch große Tüten mit Kuscheltieren. Und Mädchen-Schnick-Schnack, Haarbänder, Fußbälle, Lego-Trecker, etwas Süßes mit dazu.“ Außerdem wurden Schulsachen, Stifte, Radiergummis, erste Lesebücher, Anspitzer und Spielzeug eingepackt, ergänzt Robert Rathke. „Die Studierenden haben sich viele Gedanken gemacht, wir haben mit 20 Paketen gerechnet und stehen hier jetzt mit achtmal so viel.“ Die Pakete enthalten auch Grüße und Glückwünsche für das neue Jahr in verschiedenen Sprachen.

„Der große Dank geht an die Studierenden, die sich an solchen Aktionen beteiligen“, sagt Rathke, der an der Universität Lehramt mit den Fächern Wirtschaft, Geschichte und Evangelische Theologie studiert. Seine Hoffnung ist nun, dass über einzelne Feiertage hinaus Freundschaften und Begegnungen entstehen – zum Beispiel durch die Fotokarte mit der handgeschriebenen Einladung: „Lasst uns einmal treffen!“.

Studierende, sagt Robert Rathke, „können die Kompetenzen, die sie an der Universität erwerben, zum Beispiel in den Sprachwissenschaften und im Lehramt, auch im Alltag nutzen und sich einbringen“. Lehramtsstudierende gehen zum Beispiel seit Herbst 2015 in eine Hildesheimer Erstaufnahmestelle und lernen mit Erwachsenen und Familien die deutsche Sprache. 

Studierende aller Fachbereiche können beim Ankommen in der Universität mit Rat zur Seite stehen, sagt Svenja Brakebusch. „Wo muss ich hin, wie stelle ich einen Stundenplan zusammen, was muss ich beantragen, wo sind die Gebäude, in denen das Seminar stattfindet? Wie komme ich zur Universität? Im Alltag geht es darum, zu sagen: ‚Komm doch einfach mit, wir machen das zusammen.‘ Es ist eigentlich gar nicht viel, aber es hat eine riesen Wirkung.“ Das Ziel sei, dann gemeinsam im Hörsaal zu sitzen – um zu lernen.

Studentisches Engagement:

Wer sich für die Mitarbeit in den studentischen Gremien interessiert, kannst sich an Svenja Brakebusch und Robert Rathke wenden. Informationen zum Studierendenparlament findet man online. Den Allgemeinen Studierendenausschuss erreicht man zum Beispiel per E-Mail (kontakt[at]asta-hildesheim.de) und telefonisch unter 05121.883-90184. „Studierende können gerne mit ihren Ideen auf uns zukommen, wir helfen mit Infrastruktur weiter“, sagt Svenja Brakebusch. „Ich lerne hier viel“, sagt Rathke, der beim AStA für Finanzen zuständig ist.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Geschichte Deutsche Sprache Fachbereich 3 Mathematik & Angewandte Informatik Fachbereich 4 Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Flüchtlinge
news-11053 Tue, 15 Dec 2015 15:15:00 +0100 Vielfalt im Lehrerzimmer: Orientierungstage für Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/vielfalt-im-lehrerzimmer-orientierungstage-fuer-jugendliche-1/ Die Universität Hildesheim gibt Jugendlichen während der „Orientierungstage" Einblicke in den Lehrerberuf. Ein Ziel der regionalen Orientierungstage ist, Jugendliche für den Lehrerberuf zu interessieren. Die Initiative des Kultusministeriums startet an mehreren Standorten in Niedersachsen. An den Standorten Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück bieten die Universitäten und Studienseminare in den nächsten Monaten regionale Orientierungstage an, um Jugendliche – mit Migrationsbiographie oder ohne – Einblicke in den Lehrerberuf zu geben und für das Thema „Vielfalt an Schulen" zu sensibilisieren. Jugendliche können sich für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer" bewerben.

An der Universität Hildesheim und an Schulen finden die Orientierungstage am Samstag, 16. Januar 2016, und am Donnerstag, 21. Januar 2016, statt. Der zweitägige Kompaktkurs gibt Einblicke in das Lehramtsstudium und zeigt die Chancen des Lehrerberufs. Die Jugendlichen diskutieren mit Professorinnen und Professoren, Lehrkräften und Lehramtsstudierenden. Sie erleben Schule während einer Hospitation aus einer anderen Perspektive. Insgesamt können 20 Jugendliche teilnehmen.

Jugendliche, die derzeit die 11., 12., oder 13. Klasse besuchen und Interesse haben, können sich einfach für die Orientierungstage in Hildesheim anmelden (hier geht's zum Bewerbungsbogen).

Vielfalt im Klassenzimmer ist eine Aufgabe für das gesamte Kollegium

Lehrerinnen und Lehrer spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration, denn sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen", sagt Professorin Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim. Sie untersucht, welche Erwartungen an Lehrkräfte mit einer Migrationsbiographie gerichtet werden und welche Erfahrungen sie im Schulalltag machen. Nur knapp fünf Prozent der Lehrerinnen und Lehrer haben selbst einen Migrationshintergrund.

Welche Rolle nehmen Lehrkräfte in der Schule ein, deren Familien zum Beispiel nach Deutschland eingewandert sind, die selbst mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben? Die Erziehungswissenschaftlerin Yvonne Rechter von der Universität Hildesheim sagt, dass die Mehrsprachigkeit, die viele Lehrkräfte mitbringen, ein großer Vorteil für das Unterrichten heterogener Schulklassen sei. Letztlich müssten aber alle Lehrkräfte – unabhängig von ihrer Herkunft – lernen, wie sie mit Vielfalt umgehen, sagt Rechter. Sie fördert Lehramtsstudierende beim Sammeln von zusätzlichen Praxiserfahrungen im Studium. In Hildesheim unterstützen Studierende im Projekt „LernKU(h)LT“ seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zwei Mal in der Woche lernen sie gemeinsam in einer Kleingruppe und halten Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-10972 Tue, 15 Dec 2015 14:00:00 +0100 Nach der Flucht: Lernen statt warten https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/nach-der-flucht-lernen-statt-warten-1/ Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle: Lehramtsstudierende unterstützen Erwachsene, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Weitere Studierende können mitwirken – ab sofort kann man sich anmelden. Seit Mitte Oktober 2015 gehen Lehramtsstudierende jeden Tag in eine Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Sie unterstützen Erwachsene und ihre Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Bisher haben die etwa 150 Menschen, darunter viele Familien, die Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung mit Warten verbracht. „Wir wollen die Zeit nutzen, um miteinander und voneinander zu lernen“, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert. Katharina Melzner leitet den Sprachunterricht und studiert „Deutsch als Zweitsprache“ in Hildesheim. Für Lehramtsstudierende ist dieser Rahmen hilfreich: sie müssen nicht allein einen Sprachkurs auf die Beine stellen, sie vernetzen sich, tauschen sich über Unterrichtsmaterialien aus und die Arbeit liegt auf vielen Schultern verteilt. Parallel zum Elternkurs gestalten die Studierenden ein Angebot für Kinder und Jugendliche.

Lehramtsstudierende aller Fächer können die Tätigkeit als Sozialpraktikum anrechnen lassen. Studierende können im Sprachlernprojekt mitwirken (alle Infos online). Das Projekt wird vom Land Niedersachsen gefördert und 2016 durchgängig fortgeführt.

Der nächste Starttermin für das zehnwöchige Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle ist Anfang Januar, dann wieder im März, Mai, Juli und September 2016. Am 4. Dezember 2015 findet eine Informationsveranstaltung für Studierende statt.

Interview: Nachgefragt bei Marie-Therese

Eine der ersten, die seit Oktober im Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle mitwirkt, ist Marie-Therese Brammer. Die 22-Jährige studiert Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch an der Universität Hildesheim.

Wie sieht dein Alltag aus?

Marie-Therese: Gemeinsam mit weiteren Lehramtsstudierenden fahre ich mit dem Bus zur Erstaufnahmestelle. Da die Anbindung in das Gewerbegebiet nicht so gut ist, bilden wir auch oft Fahrgemeinschaften. Das geht, wir kommen irgendwie immer hier an. Der Sprachunterricht findet an jedem Nachmittag statt. Ich bin seit Oktober immer montags und dienstags hier, bis Ende des Jahres. Wir bauen den Speiseraum für das Sprachenlernen um, schieben die Tische zusammen, wir haben hier keinen extra Raum für den Sprachunterricht. Dann kommen auch nach und nach schon die Teilnehmer, manche bringen ihre kleinen Kinder mit.

Wie fängt man an? Ihr arbeitet sehr nah am Alltag. Wer bin ich, wie heiße ich – ihr greift viele Alltagsthemen auf.

Das ist richtig. Die Teilnehmer am Sprachkurs sprechen Arabisch, Serbisch, wenige sprechen Englisch. Wir versuchen mit Bildern, Händen und Füßen die Vokabeln zu vermitteln. Wir gehen zum Beispiel einkaufen und lernen dabei die Begriffe für die Lebensmittel – das Ei, die Milch, eine Tomate, ein Salat. Oder wir sprechen über die Uhrzeiten – was bedeutet „Viertel vor“? Heute ging es um den Familienstammbaum: Mutter, Vater, Kinder – wir haben uns die Stammbäume aufgemalt. Das ist manchmal auch sehr persönlich. Aber das geht, weil wir auch in Kleingruppen arbeiten und uns zu zweit unterhalten. Heute habe ich mit einem Mann aus Syrien gesprochen, er ist mit seiner ganzen Familie hier in Hildesheim und hat aufgezeichnet, wie seine Kinder, seine Eltern heißen. Ich habe erfahren, dass er 13 Geschwister hat. Da musste ich erstmal nachfragen – wirklich? Fünf Brüder und acht Schwestern. Wir verstehen uns gut, man lernt sich kennen, mit Händen und Füßen, er spricht ganz wenig Englisch.

Neben dem Sprachkurs – klassisch am Tisch mit einer improvisierten Tafel, Zetteln und einem Stift – lernt ihr die Sprache auch in der Freizeit. Ihr erkundet die Stadt Hildesheim, ihr geht einkaufen, ihr wollte zusammen kochen.

Einmal in der Woche gibt es ein Freizeitangebot. Wer in der Erstaufnahmestelle ankommt, hat bisher noch wenig von Deutschland kennen gelernt. Wir sind der erste Kontakt. Wir gehen raus, lernen Vokabeln im Alltag und wenden sie an.

Man kann die Sprache auch mit technischen Mitteln lernen: Es gibt Apps zum Sprachenlernen, Übersetzungsprogramme. Ihr könntet auch einen Tag in die Erstaufnahmestelle kommen, jedem ein Smartphone in die Hand drücken, erklären, wie der Online-Sprachkurs funktioniert und dann seid ihr wieder weg und lasst die Menschen hier allein. Das ist aber nicht der Ansatz dieses Sprachlernprojekts. Ihr verbringt Zeit miteinander, wollt zusammenkommen. Man lacht zusammen, man ist traurig, wenn man erfährt, dass Familienangehörige nicht mehr leben. Was lernst du dabei?

Man verfolgt das sonst nur im Fernsehen, dass Menschen nach Deutschland fliehen. Hier in den Räumen der Erstaufnahmestelle, beim Sprachenlernen passiert viel Menschliches. Ich finde es sehr spannend zu erleben, wie es funktioniert, sich auszutauschen. Auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht, klappt die Verständigung. Es bringt uns allen viel, wir sind angehende Lehrerinnen und Lehrer. Wenn ich später im Klassenzimmer unterrichte, werde ich auch Kinder unterstützen, die noch kein Wort Deutsch sprechen.

Ist die Frage, wie lernt man als Erwachsener die deutsche Sprache als zweite Sprache für dich frisch und ungewohnt oder hast du dich damit schon im Studium beschäftigt?

Im Bachelor-Studium habe ich einige Seminare im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ besucht. Man lernt, wie es sein müsste – aber dann fehlt die praktische Erfahrung. In den Schulpraktika habe ich mit Kindern und Jugendlichen gelernt, die in einer Phase ihres Lebens sind, in der sie sowieso zur Schule gehen und lernen. Deshalb finde ich es sehr interessant, dass ich in dem Sprachlernprojekt nun mit Erwachsenen arbeiten kann und erfahre, wie das abläuft. Die Arbeit in der Erstaufnahmestelle kann ich mir für mein Studium anrechnen lassen, zum Beispiel als Praxisteil für das „Bilinguale Zertifikat“.

Du bist jetzt im Masterstudium und startest bald in den Beruf. Freust du dich auf die Herausforderung? Fühlst du dich überfordert oder suchst du nach Wegen, wie man mit Vielfalt umgehen kann?

Mein Ziel ist, in Niedersachsen zu unterrichten. Ich freue mich da wirklich drauf. Die Vielfalt an Schulen wird immer sichtbarer, ich interessiere mich sehr für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wir können an der Universität in Hildesheim das Masterstudium um ein Jahr verlängern und uns im DAZ-Bereich spezialisieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Interview-Serie über das Sprachenlernen wird fortgeführt. Nächstes Mal: Nachgefragt bei Erwachsenen: Wie erleben sie das Erlernen der deutschen Sprache?

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11016 Sun, 13 Dec 2015 18:06:00 +0100 Klasse – wir treffen uns! 70 Jahre Lehrerausbildung https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/klasse-wir-treffen-uns-70-jahre-lehrerausbildung/ 2016 jährt sich zum 70. Mal die Aufnahme des Studienbetriebs an der Pädagogischen Hochschule Alfeld. Die Universität Hildesheim startet ihr Ehemaligen-Netzwerk und lädt Mitte Januar 2016 zu einer Festveranstaltung ein. Wer hier studiert hat, kann ab sofort Geschichten aus der eigenen Studienzeit oder Erinnerungen an den Beruf in der Schule an die Uni senden. Die Wurzeln der Lehrerausbildung reichen in Hildesheim weit zurück. „Der Jahreswechsel 1945/46 unmittelbar nach Gründung des Landes Niedersachsen hat für die Stiftung Universität Hildesheim eine hohe Bedeutung“, sagt Markus Langer, der an der Uni für die Universitätsförderung verantwortlich ist und derzeit einen Festakt für Freunde, Förderer und Ehemalige der Universität Hildesheim vorbereitet. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann – 20 Kilometer entfernt – der Studienbetrieb in den „Alfelder Kursen der Pädagogischen Hochschule Hildesheim“, denn im zerstörten Hildesheim waren keine geeigneten Gebäude vorhanden. Aus ihr ging 1978 die wissenschaftliche Hochschule und später die Universität Hildesheim hervor. Frühe Schulpraxis ist seit Gründung der Hochschule bis heute Teil der Lehrerausbildung. „Die ‚Alfelder Grundlagen' sind es gewesen, welche die Universität Hildesheim zu dem gemacht haben, was sie heute in der niedersächsischen Bildungslandschaft ist", so Dr. Uwe Thomas, Vorsitzender des Stiftungsrates der Universität und Präsident von Bosch Automotive Aftermarket.

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums möchte die Universität nun erfahren:
Was wurde aus den Studierenden, die seit den 50er Jahren hier gelernt haben? Wie erleben Studierende heute die Lehrerausbildung? Wie erleben junge Lehrkräfte den Start in Schulen in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt oder Berlin?

Als erste Absolventin des Studiengangs Kulturpädagogik erinnert sich Lore Auerbach an die Anfangsjahre zurück. „Dieser Studiengang wurde gerade erst aus der ehemaligen Pädagogischen Hochschule heraus entwickelt. Vieles wurde improvisiert, es gab erst sehr wenige Studierende. Die Seminare waren klein, Studierende und Lehrende kannten sich alle. Man hatte das Gefühl, an etwas Neuem mitzugestalten“, so Auerbach. Sie wünscht für die Zukunft der Stiftungsuniversität, dass diese auch weiterhin innovative Studiengänge entwickelt.

Die Universität lädt alle ehemaligen Studierenden, Freunde und Förderer am Sonnabend, 16. Januar 2016, ab 11:00 Uhr zu einer Festveranstaltung nach Hildesheim ein. Gemeinsam kehren die Teilnehmer zu den Anfängen zurück und erleben die Entwicklung der Hochschule. Der zweistündige Festakt auf dem Gelände des Hauptcampus bietet Raum für Austausch (weitere Informationen zum Festakt: 70 Jahre Lehrerausbildung).

Wer Interesse hat, kann an einer Vorabendveranstaltung oder einer Stadtführung durch Alfeld und Hildesheim teilnehmen. Wer sich aktiv an der Veranstaltung mit Ideen einbringen und zum Beispiel ein Jahrgangstreffen organisieren möchte, kann sich an Maike Becker wenden. Sie sammelt auch besondere Geschichten und Erinnerungen aus der eigenen Studienzeit oder an den Beruf in der Schule, die man per E-Mail oder Post zusenden kann. Texte und Bilder werden ggf. ganz oder in Auszügen veröffentlicht. Dabei sucht die Uni nicht nur Schilderungen aus den 50er Jahren, sondern gerade auch aus den Jahren 1960 bis 2000 sowie Schilderungen von aktuell tätigen Lehrkräften oder Referendaren, die an der Uni studiert haben.

Mit der 70-Jahr-Feier für Absolventinnen und Absolventen aller Fächer und aller Jahrgänge der Universität und ihrer Vorgängereinrichtung startet auch ein bundesweites Ehemaligen-Netzwerk. Alumni können sich online registrieren und werden über aktuelle Entwicklungen informiert. Wer sich online registriert, erhält über diesen Weg auch eine persönliche Einladung zum Festakt im Januar.

Interessierte erreichen Maike Becker per E-Mail (maike.becker@uni-hildesheim.de) oder auch telefonisch (05121 883-90132). Auch der Postweg (Universität Hildesheim, z.Hd. Maike Becker, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim) steht Ehemaligen für die Registrierung und Anfragen zur Verfügung.

Hintergrund / Hildesheimer Lehrerausbildung heute

Lehramtsstudierende sind im ersten Studienjahr jeden Freitag im Klassenzimmer. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

500 Lehramtsstudierende starten jeden Herbst in ihr erstes Studienjahr. Sie sind mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer: Die Lehramtsstudierenden der Uni Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule, das ist bundesweit besonders. Um dies zu gewährleisten arbeitet die Universität eng mit Partnerschulen zusammen. In den „Schulpraktischen Studien“ beobachten die angehenden Lehrkräfte in einer studentischen Kleingruppe im ersten Studienjahr jeden Freitag Unterricht und sprechen darüber mit einer Lehrkraft und mit Lehrenden aus den Erziehungswissenschaften in Seminaren. Die Studierenden erhalten früh Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester halten sie eine erste Unterrichtsstunde.

Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Stiftung Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet in weiteren Praxisphasen im Verlauf des Studiums mit 250 Partnerschulen in Hannover, Hildesheim und der Region zusammen.

Mehr erfahren: „Willkommen im Schulalltag. Wie die Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer ausbildet", Reportagen und Interviews (Seite 46 bis 67) im Magazin der Universität Hildesheim, 2015

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11334 Wed, 09 Dec 2015 13:38:00 +0100 Ist Lehrer der richtige Beruf? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/ist-lehrer-d/ Jugendliche mit einem Interesse für den Lehrer_innenberuf haben die Möglichkeit an den Orientierungstagen der Universität Hildesheim teilzunehmen. Unter dem Motto "Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer" können Schüler und Schülerinnen in einem zweitägigen Kompaktkurs mit Studierenden und Dozierenden diskutieren und das Lehramtsstudium aus neuen Perspektiven betrachten. Ähnliche Angebote gibt es in diesem Jahr an mehreren Unis in Niedersachsen. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-11060 Mon, 07 Dec 2015 11:11:00 +0100 Sprache und Theater: „Diese geteilten Erfahrungen sind ein Schatz, für alle“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/sprache-und-theater-diese-geteilten-erfahrungen-sind-ein-schatz-fuer-alle/ „Wir spielen Theater, jeden Freitag“ steht auf einem Handzettel, der im Flüchtlingsheim ausliegt. Der Probenraum eignet sich eigentlich gar nicht, dennoch bringt ein Team um Wiebke von Bernstorff Theaterszenen auf die Bühne des Alltags: Rapunzel, griechischen Mythen, Alice und Kafka-Texte. „Du bist dran!“ Ein sechsjähriges Mädchen rennt mit einem Hula-Hoop-Reifen auf Lehramtsstudierende zu, die noch etwas schüchtern auf Bänken sitzen. Sie haben Kuchen und Getränke mitgebracht, ein kleines Buffet steht an einer gelben Wandseite. In den nächsten Monaten wollen sie den Kindern beim Erlernen der deutschen Sprache und beim Ankommen in der Stadt Hildesheim helfen und mit ihnen Theater spielen, es ist das erste Treffen.

Reihum ist jeder Student, jede Studentin einmal dran. Das Mädchen nimmt jeden an die Hand, weist einen Platz im Raum zu, zählt laut die Umdrehungen des Reifens mit: 22, 23, 24, 25, 26, 27. Ein Junge blickt in die Runde: „Wer war noch nicht?“.

Die Kinder sind kleine Brückenbauer. Selbst erst seit wenigen Monaten in Deutschland, gelingt es ihnen, die Studierenden von den Bänken zu holen. „Es sind einfach Kinder, wie alle anderen Kinder auch. Manche sind schüchtern, andere gar nicht, manche frech, manche wild, manche sanft", sagt Wiebke von Bernstorff. Es komme darauf an, sie als diejenigen wahrzunehmen, die sie sind und werden wollen, ohne sie in vorgefertigte und meist defizitorientierte Schemata wie „traumatisiert“ oder „Opfer“ einzuordnen, so die Wissenschaftlerin. „Das müssen auch die Studierenden erst lernen." Das gemeinsame Theaterspielen sei ein Weg, ohne Sprache auszukommen, oder mit wenig, und dennoch teilzuhaben, sich zu begegnen und zwar gleichberechtigt.

Auf einem Handzettel steht: Wir spielen Theater, jeden Freitag

„Wir spielen Theater, jeden Freitag“ steht auf einem Handzettel, der im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße ausliegt. Die Literaturwissenschaftlerin und Theaterpädagogin Wiebke von Bernstorff arbeitet mit ihren Studierenden und jungen Erwachsenen – manche leben seit einigen Wochen, andere seit Monaten in Hildesheim – wöchentlich am Freitag an Theaterszenen. Seit vielen Jahren befasst sie sich mit dem interkulturellen Theaterspielen und bildet am Deutschinstitut Lehramtsstudierende aus.

„Der Probenraum im Flüchtlingsheim eignet sich eigentlich gar nicht, das ist ein Schulungsraum, aber das ist egal. Wir stellen Tische beiseite und arbeiten mit unseren Körpern und mit unserer Stimme. Wir erzählen uns Märchen, die älteren, schon länger in Deutschland lebenden Kinder übersetzen für die Kinder, die noch nicht alles verstehen.“ Die Theaterübungen basieren häufig auf Nachahmung, Studierende und Kinder bilden jeweils Paare. Besonders gerne mögen die Kinder Objektimprovisationen, erzählt Wiebke von Bernstorff. Dabei liegt ein Gegenstand in der Mitte, reihum macht jeder etwas mit dem Objekt. „Dabei wird aus einer Kiste zunächst ein Hut, dann ein Stuhl, dann ein Lenkrad. Wir jonglieren nicht mit Sprache, wir benutzen sie einfach.“

Seit zwei Jahren bietet die Wissenschaftlerin diese Lehrveranstaltungen an. „Studierende und Flüchtlinge begegnen sich sehr herzlich und interessiert. Die, die sich einmal eingelassen haben, sind ganz dabei, weil sie merken, dass sie hier als ganzer Mensch gefragt sind. Die Berührungsängste gegenüber dem Ort sind anfangs zwar oft groß. Deshalb fange ich immer mit einem Nachmittag zum Kennenlernen an. Diese Brücke braucht es. Die Anhänglichkeit, mit der die Kinder sich an die Studierenden binden wollen, ist eine neue Erfahrung und ungewohnt“, sagt von Bernstorff.

Mit Drei- bis Elfjährigen haben sie letztes Jahr das Märchen „Rapunzel“ inszeniert und zur Weihnachtsfeier aufgeführt. Studierende und Kinder haben die Rollen gemeinsam gespielt und dabei voneinander gelernt. „Dieses Jahr haben wir für die anstehende Weihnachtsfeier mit den Kindern ein eigenes Märchen in Anlehnung an Figuren und Motive aus 'Alice im Wunderland' entwickelt.“ Im Sommersemester hat die Gruppe mit Erwachsenen an Szenen zu griechischen Mythen gearbeitet. Sie haben Szenen entwickelt über Macht und Ohnmacht, Einschluss und Ausschluss.

Improviation – Aus einer Kiste wird zunächst ein Hut, dann ein Stuhl, dann ein Lenkrad

Und wer in das Vorlesungsverzeichnis klickt, landet auch im Wintersemester bei der Lehrveranstaltung von Wiebke von Bernstorff. Voraussetzung sind Spielfreude, Neugierde und Interesse, steht in der Beschreibung. In diesem Wintersemester beschäftigt sich die Gruppe mit Kafka-Texten. Unter ihnen ist zum Beispiel Moussa aus dem Sudan. Er möchte kein Schauspieler werden, erzählt er an einem Nachmittag im Herbst. „Ich spiele jeden Freitag zwei Stunden Theater, ich möchte mit anderen jungen Leuten sprechen. Wir arbeiten an Aufgaben, zum Beispiel spreche ich einen Satz laut und mache dazu eine Bewegung.“

Das Theater habe den Vorteil, dass man „ohne eine gemeinsame Sprache zusammen künstlerisch tätig sein kann“. Es gehe darum, so Wiebke von Bernstorff, sich aufeinander einzulassen. „Den Kindern fällt Vieles zunächst leichter als den Studierenden, denen es zum Teil schwerfällt, als Katze auf dem Boden herum zu jagen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, und schon gar nicht ein Besser oder Schlechter.“ Diese geteilten Erfahrungen seien „ein großer Schatz für alle“. „Ich gehe davon aus, dass das sehr nachhaltige Erfahrungen für die Studierenden sind.“

Es geht darum, sich aufeinander einzulassen

Das bestätigen auch die Lehramtsstudierenden. Seit einem Jahr dabei sind Carolin Schamel und Dennis Schwark. „Wir arbeiten an Szenen, auch mit erwachsenen Flüchtlingen, weil sie hier mehr oder weniger ausharren müssen und nicht rauskommen“, sagt Schamel, die gemeinsam mit Wiebke von Bernstorff und Anna Salgo vom Institut für deutsche Sprache und Literatur, Studierenden der Universität und der Hochschule HAWK auch in der Initiative „Pangea“ mitwirkt. Sie setzen sich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen in der Region Hildesheim ein, spielen gemeinsam Theater und machen Sport, sprechen Deutsch, reparieren Fahrräder in der Fahrradwerkstatt und möchten „Wegweiser“ im Alltag sein, etwa bei Behördengängen zur Seite stehen. „Wir wollen den Flüchtlingen das Ankommen in Hildesheim erleichtern, sie willkommen heißen, ihnen helfen, die Strukturen zu verstehen und zu nutzen und sprachliche Grenzen zu durchbrechen“, sagt Wiebke von Bernstorff.

Die Sprachwissenschaftlerin Anna Salgo hat zum Beispiel ihr Seminar vom Hörsaal in das Hildesheimer Flüchtlingsheim verlegt. Deutschstudierende haben dreimal wöchentlich eine Hausaufgabenbetreuung für Kinder angeboten. Musikstudierende bringen ihre Gitarre mit, singen mit den Kindern. „Ich lerne viel im Umgang mit Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, ich muss die Lernsituation, die Aufgaben, die Sprache anpassen“, sagt Josephine Winkler. Die Lehramtsstudentin der Universität Hildesheim war etwa vier Monate jeden Mittwoch im Hildesheimer Flüchtlingsheim und unterstützt Grundschulkinder beim Spracherwerb. „Wir lesen viel mit den Kindern. Wenn etwas Zeit ist, spielen wir Wortspiele, etwa ‚Obstsalat‘. Es fällt auf, dass Kinder ausziehen und neue hinzukommen, die teilweise noch kein Wort Deutsch sprechen, manche leben erst eine Woche hier. Die Kinder sind sehr offen zu uns“, sagt die 21-Jährige, die in Hildesheim Deutsch und Englisch studiert. „Es sind weniger fachliche Mängel, die Sprache ist die Hürde – und das in allen Fächern. Wir intensivieren den Kontakt zu den Schulen der Flüchtlingskinder“, sagt ihre Dozentin Anna Salgo.

Gegangen, gesehen, gesessen – in normalen Grammatikseminaren sei das Partizip II recht fern. Es sei toll, die Motivation der Studierenden zu erleben und zu sehen, wie die Studierenden Theorie und Praxis verbinden und ihr im Studium erworbenes Wissen über die deutsche Sprache und ihre Vermittlung anwenden. „Die Studierenden müssen nicht nur großes Engagement und Eigeninitiative sondern vor allem auch Flexibilität und Offenheit mitbringen. Das sind Eigenschaften, die auch in ihrem späteren Beruf als Lehrer und Lehrerinnen wichtig sind“, sagt Salgo. Sie haben Waffeln gebacken und auf dem Campus Spenden gesammelt, um Lernmaterialien zu kaufen, Buntstifte, Radiergummis, Lineale, Bildwörterbücher, Lernspiele.

„Teilweise kommen auch Eltern, die einen Deutschkurs besuchen, mit Fragen zu uns“, sagt Josephine Winkler. Manchmal können sie eine Eins-zu-Eins-Betreuung ermöglichen, wenn sehr viele Kinder das Angebot wahrnehmen, arbeiten sie in Gruppen.

Deutsch als Zweitsprache in Hildesheim

Sprache lernen. Das Bild entstand in einer Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Am Deutschinstitut lehrt und forscht mit Elke Montanari eine Professorin für Deutsch als Zweitsprache, Wissenschaftlerinnen befassen sich mit der Mehrsprachigkeit von Kindern und Jugendlichen. Wer Kontakt aufnehmen möchte oder Fragen zu Zweitspracherwerb und zu dem gemeinsamen Theaterspielen hat, kann sich bei Wiebke von Bernstorff (bernstor@uni-hildesheim.de) und Elke Montanari (elke.montanari@uni-hildesheim.de) melden.

Kontakt zur Initiative Pangea

Ankommen und Weiterkommen in Hildesheim: Studierende, die sich beteiligen und mit Ideen sowie Aktionen einbringen wollen, sind herzlich willkommen (E-Mail: pan.gea@gmx.de).

Bildungsteilhabe nach der Flucht

Weitere Informationen findet man auf der Internetseite des Zentrums für Bildungsintegration. Lehramtsstudentinnen und Studenten, die Erwachsene, Familien und Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen möchten, können ihr Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle in Hildesheim absolvieren.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-10941 Sat, 07 Nov 2015 08:31:00 +0100 Deutsch als Zweitsprache: Mehrsprachigkeit wertschätzen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/deutsch-als-zweitsprache-mehrsprachigkeit-wertschaetzen/ Wer hilft beim Spracherwerb nach der Flucht? Schulen sollten Mehrsprachigkeit von Jugendlichen als Chance aufgreifen, sagt Elke Montanari anlässlich der Jahreskonferenz der Integrationsbeauftragten. Die Professorin bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus. Auf ihrer Jahreskonferenz, die diesmal von Niedersachsen in Göttingen ausgerichtet wurde, haben die Integrations-, Ausländer- und Migrationsbeauftragten der Bundesländer mehrere Resolutionen, unter anderem eine Resolution zum Thema Sprache, beschlossen. Die Integrationsbeauftragten sprechen sich für differenzierte Maßnahmen aus, um alle Altersgruppen beim Sprachenlernen zu unterstützen. Mehrsprachigkeit und der Schulbesuch für alle Kinder von Anfang an sind wichtige Ziele in dem Papier.

Für die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari ist diese Resolution das Ergebnis einer „spannenden Entwicklung“. „Betrachtet werden sowohl akute Maßnahmen als auch nachhaltige Lösungen entlang des ganzen Lebens“, sagt die Professorin für Deutsch als Zweitsprache von der Universität Hildesheim. Sie ist auch Mitglied des Vorstands des „Zentrums für Bildungsintegration“.

„Es kommt darauf an, die Chancen in der aktuellen Situation zu sehen, die sich eröffnen. Diese liegen zum Beispiel in den Möglichkeiten, mehrsprachige Modellschulen stärker als bisher zu fördern und Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten zu verankern. Mehrsprachigkeit schlägt sich auf die gesamte Sprachentwicklung nieder“, so Elke Montanari. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die schnelle Umsetzung des Kinderrechts auf Bildung, das in der UN-Kinderrechtskonvention verankert ist.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus und fort. Lehramtsstudierende unterstützen gemeinsam mit einer DAZ-Sprachlehrerin seit Herbst 2015 Erwachsene täglich beim Spracherwerb in einer Hildesheimer Erstaufnahmestelle und haben dafür ein spezifisches Konzept erarbeitet. Weitere Studentinnen und Studenten kombinieren das Sprachenlernen mit dem Sport (Fußball) an Hildesheimer Schulen.

Professorin Elke Montanari hat im Rahmen der Jahreskonferenz in Göttingen am Freitag (6. November 2015) einen Vortrag zum Thema „Willkommen in der Schule!“ gehalten. Sie hebt hervor, dass Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungs- oder Fluchterfahrung eine Bereicherung für die Schule sind. Damit der Spracherwerb gelingt, müssten zukünftige Lehrerinnen und Lehrern bereits im Studium auf den Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer vorbereitet werden.

Die Niedersächsische Landesbeauftragte Doris Schröder-Köpf zeigte sich in einer Stellungnahme am Freitag zufrieden mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Herbstkonferenz: „Ich freue mich sehr, dass wir Landesbeauftragten in so vielen grundlegenden Punkten an einem Strang ziehen. Die Beauftragten sind sich einig, dass ein wirtschaftlich starkes Deutschland auch weiterhin seiner besonderen Verantwortung in Europa gerecht werden muss. Und es muss uns gelingen vom Krisenmanagement zu einem langfristigen Integrationsmanagement überzugehen. Mir liegt die Botschaft von Resolution vier besonders am Herzen: Rassismus und Gewalt gegen Flüchtlinge und ihr soziales Umfeld haben in Deutschland keinen Platz."

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und presse@uni-hildesheim.de)

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news-10984 Tue, 20 Oct 2015 12:05:00 +0200 Lehrer: Traumjob oder eher Alptraum? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehrer-trau/ "Lehrer werden oder lieber nicht?" heißt der neue Ratgeber von Tayfun-Marcel Schmidtke, der sich an Berufsinteressierte, Eltern und Lehrende richtet. Der gebürtige Hildesheimer möchte in seinem Buch auf die Arbeitsbedingungen von Lehrern hinweisen und mit Vorurteilen und Klischees aufräumen. Der 33-Jährige hat an der Universität Hildesheim Lehramt studiert und ist inzwischen offiziell als Lehrer tätig. Fakten und Statistiken aus dem Schulalltag sowie eine Checkliste am Ende des Buches sollen Hinweise geben, ob sich ein Lehramtsstudium empfiehlt. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung news-10730 Fri, 09 Oct 2015 18:00:00 +0200 Sprachkurs: Geschichten erzählen mit dem Körper https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/sprachkurs-geschichten-erzaehlen-mit-dem-koerper/ Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. Im nächsten Sprachkurs sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 25. Oktober 2015 anmelden. An den Moment, in dem sie das erste Mal die Gebärdensprache im Alltag einsetzte, erinnert sich Maria Heybutzki gut. Neulich fuhr die Masterstudentin mit dem Zug von Hildesheim nach Hannover, sie saß im Viererabteil am Fenster. „Ich konnte das Gespräch meiner drei Sitznachbarn verstehen, aber nur etwas, sie waren so schnell und richtig gut – sie haben sich im Dreieck unterhalten, was viel schwerer ist, da man sich dann nicht frontal sieht, sondern die Gebärden teilweise nur aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Man vergisst die Gebärdensprache schnell, wenn man sie nicht anwendet." Als sie aussteigen musste, setzt die Studentin ihre Gebärdensprachkenntnisse ein, um freundlich darum zu bitten, vorbeizukommen. Das konnte sie, die Gesten dazu hatte sie parat und man verabschiedete sich mit einem Lächeln.

Studentinnen und Studenten können an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen. Maria Heybutzki, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und sich in ihrer Abschlussarbeit mit barrierefreier Kommunikation befasst, hat ein Jahr lang an dem Sprachkurs teilgenommen, eine wichtige Erfahrung. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen.

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt die Medienlinguistin Prof. Christiane Maaß. Es gibt zwei Kurse: Gebärdensprache I ohne Vorkenntnisse und Gebärdensprache II mit Vorkenntnissen. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Inklusion zu tun haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft installieren."

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular, Gebärden und Idiome", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache, zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar  wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die beiden Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können. Bisher nahmen Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen" sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die angehenden Medienübersetzer ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Auch Lehramtsstudierende können teilnehmen.

Der Kurs startet am 1. November 2015, geht über zwei Semester und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 25. Oktober 2015. Wer sich für den Kurs anmelden möchte, kann Prof. Dr. Christiane Maaß kontaktieren (E-Mail: christiane.maass@uni-hildesheim.de). Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Inklusion
news-10729 Fri, 09 Oct 2015 17:51:00 +0200 Lehrerausbildung: Vielfalt an Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehrerausbildung-vielfalt-an-schulen/ Vielfalt im Lehrerzimmer: Die Universität Hildesheim möchte mit „Orientierungstagen" Jugendliche für den Lehrerberuf begeistern. Eine Bewerbung ist ab sofort möglich. Lehrerinnen und Lehrer können zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen, sagt Professorin Viola Georgi. Ein Ziel der regionalen Orientierungstage ist, Jugendliche – vor allem mit Migrationsbiographie – für den Lehrerberuf zu interessieren. Die Initiative des Kultusministerium startet an mehreren Standorten in Niedersachsen. Mit einer Tagung haben im Oktober 2015 etwa 170 Fachleute aus Wissenschaft und Schule ein Zeichen für Vielfalt gesetzt. Die Konferenz des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Universität Hildesheim bildet zugleich den Auftakt für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer". An den Standorten Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück bieten die Universitäten und Studienseminare in den nächsten Monaten regionale Orientierungstage an, um Jugendliche – insbesondere mit Migrationsbiographie – für das Thema „Vielfalt an Schulen" zu sensibilisieren und für den Berufswunsch Lehramt zu interessieren.

Lehrerinnen und Lehrer, sagt Professorin Viola Georgi von der Universität Hildesheim, spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration, denn sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen".

Nur knapp fünf Prozent der Lehrerinnen und Lehrer haben selbst einen Migrationshintergrund. Das Ungleichgewicht setze sich im öffentlichen Dienst weiter fort, sowohl in Behörden als auch bei der Polizei, sagt die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf. Dies müsse sich ändern. „Oftmals fehlt es an umfassenden Kenntnissen über Bildungswege und Berufsmöglichkeiten. Hier müssen wir ansetzen, Öffentlichkeit herstellen und für das Thema sensibilisieren", so Doris Schröder-Köpf.

„Mit der Fachtagung und den Orientierungstagen unterstreichen wir, dass die interkulturelle Öffnung von Schulen wichtig ist", sagt Claudia Schanz, Referatsleiterin im Niedersächsischen Kultusministerium. „Wir wollen dazu beitragen, dass Bildungserfolg unabhängig von Herkunft gelingen kann. Und wir wollen die Vielfalt im Klassenzimmer auch im Lehrerzimmer erreichen, denn wir wissen, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationsbiographie am Ende der Schulzeit oft andere Berufsinteressen haben, als den Lehrerberuf. Deshalb werben wir aktiv dafür. Sie haben aufgrund ihrer Lebensbiographie ein vertieftes Verständnis für die Lebenswelt der Jugendlichen. Sie sollen aber zuallererst gute Lehrer sein und nicht auf diese Rolle als Brückenbauer festgelegt werden."

Welche Rolle nehmen Lehrkräfte in der Schule ein, deren Familien zum Beispiel nach Deutschland eingewandert sind, die selbst mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben? Die Erziehungswissenschaftlerin Yvonne Rechter von der Universität Hildesheim betont, dass die Mehrsprachigkeit, die viele Lehrkräfte mitbringen, ein großer Vorteil für das Unterrichten heterogener Schulklassen sei. Letztlich müssten aber alle Lehrkräfte – unabhängig von ihrer Herkunft – lernen, wie sie mit Vielfalt umgehen, sagt Rechter. Sie fördert Lehramtsstudierende beim Sammeln von zusätzlichen Praxiserfahrungen im Studium. In Hildesheim unterstützen Studierende im Projekt „LernKU(h)LT“ seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zwei Mal in der Woche lernen sie gemeinsam in einer Kleingruppe und halten Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften.

Claudia Schanz berichtet von einem Netzwerk, in dem sich etwa 300 Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte engagieren. Erfreulich sei, so Schanz, dass „immer mehr auch Funktionen einnehmen, die Schulleitung übernehmen und im Karriereweg aufsteigen". „Die Lehrkräfte gehen in Schulen und werben aktiv für den Lehrerberuf", so Schanz. Das Niedersächsische Kultusministerium stellt für das „Migranetz" personelle Ressourcen zur Verfügung.

Auf der Hildesheimer Tagung haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch mit dem Themenfeld „Bildungswege nach der Flucht" befasst. Derzeit werden viele Kinder und Jugendliche, die eine Flucht hinter sich haben, in sogenannten Willkommens-, Sprachlern- oder Migrationsklassen – die Bezeichnung variiert je nach Bundesland – auf den Schulalltag in Deutschland vorbereitet. Wie unterstützen Schulen und Bildungseinrichtungen Kinder und Jugendliche bei diesem Übergang? „Vielerorts – besonders in den Städten – klappt das gut, weil Schulen in Deutschland vielfältige Erfahrungen im Umgang mit migrationsbedingter sozialer, kultureller und sprachlicher Vielfalt gesammelt haben. Aber es gibt auch Schulen, die überfordert sind, weil ihnen Personal fehlt, Sozialarbeiter, Psychologen und Dolmetscher etwa, die gerade dringend gebraucht werden", sagt Professorin Viola Georgi, die am Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim über „Schule in der Einwanderungsgesellschaft" und „Bildungschancen" forscht.

„Je eher die Kinder und Jugendlichen wieder einen strukturierten Alltag erleben, umso besser", so Prof. Viola Georgi. Sie sind in der Schule unter Gleichaltrigen, lösen Aufgaben gemeinsam, sie spielen zusammen Fußball, gehen ins Theater oder besuchen den Zoo. Der Schulalltag mit all seinen Routinen hilft dabei, sich in der neuen Gesellschaft zu orientieren und entlastet auch die Eltern.

Die Tagung des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Universität Hildesheim wurde vom Niedersächsischen Sozialministerium gefördert. Beteiligt sind unter anderem das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung und das Institut für Erziehungswissenschaft.

Jetzt anmelden: Orientierungstage / Ministerium und Universität werben für mehr Vielfalt im Lehrerzimmer

Die Initiative des Niedersächsischen Kultutsministeriums kommt auch nach Hildesheim: An der Universität Hildesheim und an Schulen finden die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer!" am Samstag, 16. Januar 2016, und am Donnerstag, 21. Januar 2016, statt. Der zweitätige Kompaktkurs gibt Einblicke in das Lehramtsstudium und zeigt die Chancen des Lehrerberufs. Schülerinnen und Schüler von der 11. bis 13. Klasse können sich bis zum 12. Dezember 2015 bewerben. Das Angebot richtet sich vor allem an junge Menschen mit Migrationsbiographie.
Weitere Informationen zur Teilnahme findet man online.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration
news-10727 Tue, 06 Oct 2015 08:00:00 +0200 Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/willkommensk/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG und HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG über Schule in der Einwanderungsgesellschaft: Professorin Viola Georgi untersucht an der Universität Hildesheim, wie Schulen mit Vielfalt umgehen, und bildet Fachleute für den Bildungsbereich aus. Die Politikredakteurin Marina Kormbaki berichtet in einem Schwerpunkt-Artikel (Seite 3) überden Alltag in Sprachlernklassen und wie Schulen Kinder und Jugendliche beim Ankommen in Deutschland unterstützen. „'Wir haben in der Vergangenheit bereits vielfältige Erfahrungen gesammelt und Konzepte entwickelt. Wir müssen jetzt das Rad nicht neu erfinden', sagt Prof. Viola Georgi, Bildungsexpertin an der Uni Hildesheim. 'Schon seit Langem vermitteln wir Lehramtsstudenten eine Pädagogik, die kulturelle Unterschiede und Mehrsprachigkeit von Schülern nicht mehr als Problem betrachtet'“, heißt es in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen?", Politik Seite 3, 06.10.2015 (print)

Kontakt zu Studierenden und zu Lehrenden, die Studieninteressierte nach der Flucht unterstützen, über die Universität Hildesheim (Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge
news-10838 Thu, 01 Oct 2015 12:05:00 +0200 Diskriminierung fängt im Schulbuch an https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/diskriminier/ Lehrer müssen sich immer stärker mit Schülern auseinandersetzen, die über einen Migrationshintergrund verfügen. Das bisherige Bildungsmodell ist allerdings nicht mehr zukunftsfähig. Auf der Fachtagung "Vielfalt im Klassenzimmer" an der Universität Hildesheim wurden die aktuellen Probleme diskutiert und mögliche Lösungsstrategien aufgezeigt. Die Tagung richtete sich vor allem an diejenigen, die die Last dieser Integrationsarbeit zu tragen haben: Die Lehrer. Pressespiegel regional Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-10640 Wed, 30 Sep 2015 08:06:00 +0200 Schule in der Einwanderungsgesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/schule-in-der-einwanderungsgesellschaft/ Lehrerinnen und Lehrer spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration", sagt Professorin Viola Georgi. Anfang Oktober befassen sich Fachleute an der Universität Hildesheim mit dem Themenfeld „Schule in der Einwanderungsgesellschaft". Unter anderem sprechen sie über „Bildungswege nach der Flucht". Außerdem geht es um die Frage, welche Rolle Lehrkräfte spielen, deren Familienbiografie selbst von Migration geprägt ist, die mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben. Am Donnerstag, 1. Oktober 2015, befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Pädagoginnen und Pädagogen aus der Schule und dem Bereich Migration und Teilhabe mit dem Thema „Vielfalt an Schulen". Die Tagung des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Universität Hildesheim (zum Programm) wird vom Niedersächsischen Sozialministerium gefördert. Beteiligt sind unter anderem das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung und das Institut für Erziehungswissenschaft. Zur Begrüßung spricht die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf.

Die Fachtagung bildet den Auftakt für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer": An den Standorten Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück bieten die Universitäten und Studienseminare regionale Orientierungstage an, um Jugendliche – insbesondere mit Migrationsbiographie – für das Thema „Vielfalt an Schulen" zu sensibilisieren und für den Berufswunsch Lehramt zu interessieren.

Lehrerinnen und Lehrer, sagt die Hildesheimer Professorin Viola Georgi, spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration, denn sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen".

Die Fachtagung soll ein Zeichen für Vielfalt und die interkulturelle Öffnung von Schulen setzen, sagt Claudia Schanz, Referatsleiterin im Niedersächsischen Kultusministerium. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Die Tagung richtet sich insbesondere an Fachleute aus Schulen, Bildungseinrichtungen und Hochschulen sowie an Lehramtsstudierende und am Lehrerberuf Interessierte. Eine Anmeldung ist erforderlich bei Marina de Greef (via E-Mail bis zum 30.09.2015: Marina.deGreef[at]mk.niedersachsen.de).

Derzeit werden viele Kinder und Jugendliche, die eine Flucht hinter sich haben, in sogenannten Willkommens-, Sprachlern- oder Migrationsklassen – die Bezeichnung variiert je nach Bundesland – auf den Schulalltag in Deutschland vorbereitet. Wie unterstützen Schulen und Bildungseinrichtungen Kinder und Jugendliche bei diesem Übergang? „Vielerorts – besonders in den Städten – klappt das gut, weil Schulen in Deutschland vielfältige Erfahrungen im Umgang mit migrationsbedingter sozialer, kultureller und sprachlicher Vielfalt gesammelt haben. Aber es gibt auch Schulen, die überfordert sind, weil ihnen Personal fehlt, Sozialarbeiter, Psychologen und Dolmetscher etwa, die gerade dringend gebraucht werden", sagt Professorin Viola Georgi, die an der Universität Hildesheim zum Thema  „Schule in der Einwanderungsgesellschaft" forscht.

Auf der Fachtagung geht es auch um die Frage, welche Rolle Lehrkräfte in der Schule einnehmen, deren Familien zum Beispiel nach Deutschland eingewandert sind, die selbst mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben.

Die Erziehungswissenschaftlerin Yvonne Rechter von der Universität Hildesheim betont, dass die Mehrsprachigkeit, die viele Lehrkräfte mit Migrationshintergrund mitbringen, ein großer Vorteil für das Unterrichten heterogener Schulklassen sei. Letztlich müssten aber alle Lehrkräfte – unabhängig von ihrer Herkunft – lernen, wie sie mit Vielfalt umgehen, sagt Rechter. Sie fördert unter anderem Lehramtsstudierende beim Sammeln von zusätzlichen Praxiserfahrungen im Studium. In Hildesheim unterstützen Studierende im Projekt „LernKU(h)LT“ seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zwei Mal in der Woche lernen sie gemeinsam in einer Kleingruppe und halten Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften.

Themen der Tagung sind zum Beispiel:

  • Schule in der Migrationsgesellschaft
  • Umgang mit durch Flucht traumatisierten Kindern und Jugendlichen in Schule
  • Mehrsprachigkeit von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern im Unterricht/in der Schule
  • Rassismus- und antisemitismuskritische Jugendarbeit
  • Diversity in Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien

Lesetipp / Aktuelle Reportagen und Interviews: Sport kann verbinden

Nach der Flucht – Sport gibt Kraft und kann verbinden: Zwei Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim begleiten Jugendliche, die geflohen sind, beim Ankommen in Deutschland. Jede Woche gehen sie gemeinsam auf den Sportplatz. Viele weitere Studierende wollen durch Theaterspielen, Musizieren und Sprachenlernen Begegnungen fördern. Lesen Sie aktuelle Reportagen und Interviews im Uni-Magazin (2015, epaper online).

Medienkontakt: Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100, 0177.8605905).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-10638 Thu, 24 Sep 2015 18:51:00 +0200 Filmdreh: So wenig Technik wie möglich https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/filmdreh-so-wenig-technik-wie-moeglich/ Gummibänder halten ein Smartphone fest, damit das Bild nicht verwackelt – auch mit geringsten technischen Mitteln entstehen spannende Kurzfilme. Von A wie Audio bis Z wie Zeit: 50 Studierende kombinieren Erkenntnisse aus Medien, Literatur und Pädagogik. Einblicke in die „Summer School Filmbildung" auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim. Ein Tisch, zwei Stühle, im Erker des alten Pächterhauses: Ein junger Mann sitzt, sie steht und greift zur weißen Kaffeekanne. Zwei Studierende beobachten die Szene mit zwei Kameras, keine teuren Profistücke, sondern: Smartphones. Mit Gummibändern haben sie die Mobiltelefone – die heute jeder in der Hosentasche mit sich tragen kann – auf Stativen befestigt. Ein Klick, die Aufnahme läuft. Psst.

Die Szene ist Teil der einwöchigen „Summer School Filmbildung“ auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim. Etwa 50 Studierende drehen in Kleingruppen Kurzfilme. Am letzten Seminartag werden sie ihre Filme auf der Leinwand präsentieren – bis zu dieser Premiere steht einige Arbeit bevor. Und das unter erschwerten Bedingungen: die Technik wurde auf das Nötigste reduziert. „Die technischen Mittel, die zum Einsatz kommen, sind möglichst gering“, sagt Volker Pietsch. Es gibt eine weitere Vorgabe, erzählt der Hildesheimer Dozent, während er sich auf den Weg zur nächsten Gruppe macht: Im Film müssen drei Personen am selben Ort auftauchen und eine von ihnen soll früher oder später tot sein.

Während im Pächterhaus noch gedreht wird, startet ein studentisches Kamerateam im Hohen Haus bereits  mit dem Schnitt. „Ein Smartphone ist allgegenwärtig und schneller zur Hand als ein ganzes Drehequipment mit Kamera, Tonangel und Licht“, sagt Annette Warnecke, die sich im Studium mit der Frage befasst, wie Filme gemacht werden – auch mit sehr einfachen Mitteln. Sie studiert seit zwei Jahren Philosophie, Künste, Medien an der Universität Hildesheim. Eine kleine Mobilkamera ist zwar handlich, hat aber ihre Tücken. Dass sie einfache technische Mittel verwenden, beeinflusst also die Drehentscheidungen, bei einer Außenaufnahme mit starkem Wind kann sie den Ton nicht gut regeln, das Rascheln der Laubbäume übertönt die Stimme, berichtet Warnecke. Und dennoch: Ob man nun mit einer Profi-Kamera oder mit dem Smartphone dreht – die Herausforderungen sind doch überlappend, ähnlich, etwa wenn man eine Decke verschiebt und dadurch ein Fehler im Bild entsteht.

Annette Warnecke hat in weiteren Seminaren – zum Beispiel „Digitale Filmpraxis“ und „Inszenierung einer Filmszene“ – praktische Filmerfahrungen gesammelt, mit professionellem Filmequipment am Filmset und Rollenverteilung. „Ich war für das Licht zuständig, jeder hat seinen Part beim Aufbau der Filmszene und denkt mit.“

Filmdreh ist eine Teamleistung, sagt Warnecke. Damit Schülerinnen und Schüler ein Gespür dafür bekommen, wie ein Film aufgebaut ist, holt Karina Erdmann den Filmdreh ins Klassenzimmer. Sie studiert in Hildesheim Lehramt mit den Fächern Deutsch und Kunst und startet demnächst in das Referendariat. In einer Praxisphase im Masterstudium hat sie an einer Grundschule in Harsum Filme gedreht. „Die Erfahrung fehlt mir noch. Ich weiß nicht: Können das die Kinder? Kann eine zweite Lehrkraft den Dreh unterstützen? Wir haben kurze Szenen gedreht, 15 Sekunden“, sagt die Studentin, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man mit Kindern und Jugendlichen in der Filmvermittlung zusammenarbeiten kann. In ihrem Fall standen Begegnungen im Fokus: Wie kann man Begegnungen darstellen – der klassische Handschlag etwa. Aber auch gegen eine Tür zu laufen, sei eine Begegnung, oder im Fußball einen Pass abzugeben, ermöglicht Begegnung – wie können Kinder das im Bild dokumentieren?

„Ich habe positive Erfahrungen sammeln können“, sagt Karina Erdmann. In der „Summer School Filmbildung“ setzt sie sich nun stärker mit Kameraeinstellungen und Bildbearbeitungsprogrammen auseinander, sie schätzt den Austausch mit den Studierenden aus den Kulturwissenschaften. „Das regt zum Nachdenken an.“

Und genau das ist das Ziel des Teams, das hinter dem Seminar zu Filmvermittlung steckt: Professorin Stefanie Diekmann und Volker Wortmann (Medienwissenschaft) Stefanie Hundt (Anglistik), Volker Pietsch (Fach Deutsch) und Torsten Scheid (Fach Kunst). Mitgeplant haben auch die Professorinnen Bettina Uhlig (Kunst), Stefani Brusberg-Kiermeier (Anglistik) und Irene Pieper (Deutsch) sowie Professor Toni Tholen  (Deutsch). Ziel dieser Kooperation sei, so Stefanie Diekmann, Professorin für Medienkulturwissenschaft an der Universität Hildesheim, die „fachspezifischen Zugänge zum Medium Film produktiv aufeinander zu beziehen.“ Filme sind aus so vielen verschiedenen Codes zusammengesetzt – man kann dem Film eigentlich nur gerecht werden, wenn man die vielfältigen Perspektiven berücksichtigt.

An der Summer School, die bereits zum zweiten Mal stattfindet (mehr Infos: Bericht aus 2014) und fortgeführt werden soll, wirken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Kulturwissenschaften, Anglistik, Literaturwissenschaften und Lehramt mit. Studierende aus höheren Semestern betreuen die Drehs in Kleingruppen, helfen mit Ratschlägen und Tipps zu Kameraeinstellungen und Videoschnitt. Eingebettet ist der Dreh in ein dichtes Programm mit Vorträgen und Übungen und einer Filmpremiere am letzten Tag, unterstützt mit Snacks von der Back-Factory. Zwar bleibt so weniger Zeit, um zu filmen, sagt Karina Erdmann. „Dafür nutzen wir die Zeit, um zu diskutieren und profitieren von den wertvollen Erfahrungen der Profis.“ Unter den Fachleuten aus dem Medien- und Filmbereich sind zum Beispiel Ines Müller-Hansen von der Hochschule Karlsruhe, der Filmdidaktiker Michael Steiger und die Filmwissenschaftlerin Petra Löffler von der Universität Weimar. Dazwischen geht es zu Kinovorstellungen – große Leinwand, toller Ton – und Diskussion mit den Regisseuren Philipp Döring und Aron Lehmann. Lehmanns Film „Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ handelt von einem Filmteam, dem mitten in der Literaturverfilmung die Produktionsgelder ausfallen.

Warum die Studierenden mit einfachen technischen Mitteln arbeiten, hat einen Grund: Neben Kulturwissenschaftsstudierenden nehmen angehende Lehrerinnen und Lehrer an dem Seminar teil und erproben den Filmdreh. Was geht kostengünstig auch im Unterricht? „In der Schule hat sich in den vergangenen 15 Jahren sehr viel getan. Einige Lehrerinnen und Lehrer sind sehr enthusiastisch“, sagt Volker Pietsch. Am Institut für deutsche Sprache und Literatur befasst er sich mit Mediendidaktik und den Beziehungen zwischen Literatur und anderen Künsten, etwa Film. Wie funktioniert ein Film anders als Literatur? „Gedanken hinter den Gesichtern bekommen wir im Film selten zu hören, meist müssen wir sie aus indirekten Informationen in Bild und Ton ableiten. Der Film regt hier also oft stärker die Phantasie an. Literatur kann Gedanken schneller und konzentrierter ausformulieren. Dafür ist Literatur in der Darstellung von Äußerlichkeiten langsamer. Sie kann auch verschiedene Perspektiven nur nacheinander bieten; im Film dagegen können sich Bild und Ton im selben Augenblick  auch widersprechen“, so Pietsch.

Wer fühlt sich für die Filmvermittlung an Schulen verantwortlich? Die Vorgaben für „Medienkompetenz“ im Unterricht an Grund- und weiterführenden Schulen bleiben recht vage, sagt Pietsch. „Das ist auch eine Chance, bringt eine Offenheit mit sich. Aber damit muss man umgehen können – das geht nur, wenn man damit in der Lehrerausbildung in Kontakt kam. Deshalb holen wir das Thema Filmvermittlung in die Lehrerausbildung. Denn ansonsten laufen diese Vorgaben darauf hinaus, dass man das Bekannte unreflektiert wiederholt oder immer wieder aufs Neue „Die Welle“ oder abgefilmtes Theater aus den 50er Jahren abspielt.“

Wenn audio-visuelle Medien im Schulalltag auftauchen, dann entweder auf den Handys der Jugendlichen auf dem Pausenhof, als Belohnung in einer Unterrichtsstunde oder als Anlass, um sich kritisch mit Medien auseinanderzusetzen. Via Facebook, Twitter und youtube werden Texte, Bilder und Filme veröffentlicht. Problemlos können Videodateien verschickt, Ereignisse in Live-Tweets dokumentiert und kommentiert werden. Sie zeigen Momente, Ausschnitte. Wer hat das gedreht, wo war das? Die Mediendidaktik fokussiert sich, so Pietsch, in der Schule traditionell stark auf die Frage, wie Jugendliche lernen können, kritisch mit Bildern umzugehen, wie sie lernen „sich von audio-visuellen Medien nicht manipulieren zu lassen“.

Aber, sagt Volker Pietsch, die Auseinandersetzung mit audio-visuellen Medien sollte man in der Schule nicht auf medienkritische Rezeption beschränken. „Jugendliche sollten teilhaben und lernen, sich der Medien zu bedienen, nicht nur technisch.“ Es gehe darum, eigene Sehgewohnheiten zu hinterfragen und selbst andere Bilder zu entwickeln. „Ob Dokumentarfilm oder Spielfilm: Oft konzentriert man sich sehr stark auf die Handlung, man vergleicht die Filmstory mit einer literarischen Vorlage oder mit einem gesellschaftlichen Problem. Man beschränkt den Film darauf. Der Film wird dann nur als Anlass genommen, um über das Thema zu sprechen. Aber im Unterricht wird kaum thematisiert, wie der Film das eigentlich umsetzt. Schlimmstenfalls wird Film ein Appetizer oder eine Belohnung und einfach abgespielt.“

Im Gespräch über Film könne man reflektieren, was ein Film alles mitbringt, aber auch, was man selbst alles hinzufügt. „Man bekommt selbst bei den einfachsten Bildern nicht alle Puzzleteile und Einflüsse zusammen“, so Pietsch. In der Summer School befassen sich die Studierenden zum Beispiel mit großen Gesichtern und kleinsten Details, mit Farblichkeit, mit Schärfeverhältnissen und Kameraperspektiven, Beleuchtung und mit Musik – oder ihrer Abwesenheit.  „Die Zusammenarbeit der Fachbereiche in der Summer School Filmbildung macht es möglich, das flüchtige Gesicht des Films aus all diesen Perspektiven einzufangen“, sagt Pietsch.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Medien, Theater und Populäre Kultur Deutsche Sprache Englische Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-10565 Thu, 17 Sep 2015 14:40:00 +0200 Nach der Flucht: Sport gibt Kraft und kann verbinden https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/nach-der-flucht-sport-gibt-kraft-und-kann-verbinden/ Mikad hat es von einer Sprachlernklasse in die Regelklasse geschafft, für seine Freunde ist er ein Vorbild. Daria liebt das gemeinsame Fußballspiel. Orjan fühlt sich durch den Sport gestärkt. Firaz Mama wird vermisst, im Sport findet er Halt, um damit umzugehen. Zwei Lehramtsstudenten der Uni Hildesheim begleiten Jugendliche, die geflohen sind, beim Ankommen in Deutschland. Ihr Werkzeug: der Sport. Viele weitere Studierende wollen durch Theaterspielen, Musizieren und Sprachenlernen Begegnungen fördern. Darüber informierte sich Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić. Mikad* ist mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Von der Sprachlernklasse hat der Zwölfjährige gerade den Übergang in die Regelklasse geschafft. Er besucht eine Gesamtschule in Niedersachsen, lebt seit etwa zehn Monaten in Deutschland. Er hat eine schwierige Vergangenheit, wie eigentlich alle Kinder in dieser Fußballgruppe, die Krieg und Flucht erlebt haben. „Er spricht die deutsche Sprache immer besser", beobachtet der Student Omar Fahmy. „Mikad ist ein Vorbild für die anderen Kinder, er spricht fließend die arabische Sprache in Wort und Schrift und lernt sehr fleißig."

Daria* ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, sie besucht die Sprachlernklasse erst seit zwei, drei Monaten, kam mitten im Schuljahr hinzu. Die 12-Jährige spricht Arabisch und Kurdisch und ist mit ihrer Familie aus Syrien geflohen. „Sie macht im Fußball gut mit", freut sich Omar Fahmy.

Auch Orjan* macht große Entwicklungsfortschritte. Zunächst war es gar nicht so einfach, Freunde zu finden, er hat sich wenig zugetraut. Der Sport stärkt den Jungen. Er geht nun mehr auf Menschen zu.

Der 15-jährige Firaz* ist auf der Suche – seine Mutter wird vermisst, sein Vater ist gestorben. Der Junge lebt seit seiner Flucht aus Syrien bei seinem Onkel und dessen Sohn. Firaz kommt regelmäßig zurück auf den Sportplatz, erzählt den Lehramtsstudenten von seiner verzweifelten Lage. Seine Mama ist nicht auffindbar. „Es ist ihm sehr wichtig, am Sport teilzunehmen“, sagt Fahmy.

Die vier Jugendlichen nehmen in den Sommerferien an einem Sportcamp der Lehramtsstudenten Dominik Feer und Omar Fahmy teil. Etwa 36 Jugendliche kicken und lernen zusammen, viele Kinder kommen aus Syrien, einige aus dem Irak, andere aus Serbien. Sie leben mit ihren Familien im Flüchtlingsheim, einige wohnen in einer Wohnung in der Stadt, andere im Landkreis, 10 km entfernt von Hildesheim.

Was kann Sport auslösen? Kann Bewegung dazu beitragen, dass die Jugendlichen Kraft finden, um in Deutschland anzukommen?

Es ist August. Täglich sind Omar Fahmy und Dominik Feer auf dem Fußballplatz eines Hildesheimer Vereins. Ab 7 Uhr bereiten sie das Sportcamp vor, am Abend bauen sie ab. Dazwischen passiert viel. Nach einer Woche, es ist Samstag, fällt Omar Fahmy erschöpft ins Bett. „Ich muss das erst einmal verarbeiten. Ich bekomme immer mehr Geschichten mit. Es ist Wahnsinn, man denkt nicht, man spricht mit einem 11-Jährigen, sondern mit einem 20-Jährigen“, sagt der Student.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt diese Arbeit im Rahmen einer Soforthilfe für lehrerausbildende Universitäten, die Flüchtlinge beim Spracherwerb und beim Einstieg in ein Studium begleiten. Über die Arbeit an der Universität Hildesheim hat sich die Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić im August (19.08.2015) informiert. „Es geht darum, Flüchtlingen Bildungschancen zu eröffnen. Viele von ihnen verfügen über Bildungsqualifikationen und -potenziale, die wir nutzen wollen. Wir wollen Talente fördern“, so Ministerin Heinen-Kljajić. „Die Universität verfolgt Bildungsintegration mit hoher Priorität. Sie verfügt über Schwerpunkte im Lehramtsstudium, in den Erziehungswissenschaften und in der pädagogischen Psychologie.“ Ein großer Erfolg sei die Förderung des Projektes „Bildungsintegration“ aus dem niedersächsischen VW-Vorab über 2,85 Mio. Euro bis 2016.

Das Projekt FuNah („Fußball & Nachhilfe“) sieht die Ministerin als gelungenes Beispiel, wie man junge Flüchtlinge über den Sport erreicht. Das Projekt zeige, „dass Sport bestimmte Bildungsprozesse in Gang setzen kann“. Er kann das Selbstwertgefühl steigern, und im Spiel erlernen die Teilnehmer Werte wie Fairplay, Respekt und Teamgeist, so die Ministerin.

Der Hildesheimer Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: „Die Universität Hildesheim hat bereits 2008 ihr Leitbild den Anforderungen des Einwanderungslandes angepasst. Wir haben Professuren für Deutsch als Zweitsprache, Interkulturelle Kommunikation, Diversity Education und Migrationspolitik eingerichtet. Wir haben ein Zentrum für Bildungsintegration gegründet und wir stärken die Fächer Sport und Musik, weil diese für Integration besonders geeignet sind. Heute steht die deutsche Gesellschaft vor ihrer größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Wir wollen unseren Beitrag leisten, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Studenten arbeiten im FuNah-Projekt nicht nur in den Ferien, sondern auch in der Schulzeit mit Mädchen und Jungen zusammen und wollen die Verbindungen zwischen den Jugendlichen stärken, gemeinsam an Teamgeist und Vertrauen arbeiten. In einer Realschule in Peine lernen sie seit einem Jahr jeden Montagnachmittag gemeinsam, dann geht es auf den Sportplatz. In einer Hildesheimer Gesamtschule wollen sie seit Jahresbeginn Jugendliche aus einer Sprachlernklasse und aus den Regelklassen im Sport zusammenbringen.

Das sei sehr wichtig, sagt Omar Fahmy und berichtet von einem Vorfall im August. Auf dem Sportplatz fielen Beleidigungen wie „Kanacke“, „Asylantenkinder“ und „Neger“. „Wir haben das Spiel sofort abgebrochen und gemeinsam über die Bedeutung der Wörter gesprochen. Ein Stück weit erzwingen wir diese Situation in einer heterogenen Gruppe. Wir müssen darüber reden, bevor es zu spät ist und solche Begriffe zum Alltag gehören", sagt Omar Fahmy. Die Schüler würden solche Äußerungen aus dem Elternhaus, von Freunden oder im Internet aufschnappen. Oft wissen sie gar nicht, sagt Fahmy, was sie da eigentlich sagen.

„Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy, dessen Familie aus dem Libanon und Ägypten kommt. Dass er Arabisch spricht, ist nun ein Vorteil.  Dominik Feer ergänzt: „Die Kinder sollen lernen, dass sie ihre Mitspieler brauchen, alleine geht es nicht.“ Warum er neben seinem Lehramtsstudium das Sport-Projekt entwickelt hat? Er wolle etwas zurückgeben und habe selber früh Sport getrieben. „Wir können dazu beitragen, dass Kinder schnell Fuß fassen in Hildesheim. Wir sollten jetzt die Kraft aufwenden, nicht dagegen arbeiten, sondern dafür. Die Kinder und Jugendlichen können nicht mehr zurück, sie lernen und leben in Hildesheim", sagt Fahmy.

Hazim liebt Fußball, schon in Irak hat er gespielt – im Bild mit Lehramtsstudent Omar. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Sport im Lebenslauf – Sport und Sprache – Forschung von Vera Volkmann

Über, auf, unter, zwischen – im Sport kann man wunderbar Präpositionen und die deutsche Sprache lernen. Aber im Sport braucht man nicht immer viele Worte und kann sich dennoch begegnen.
„Durch Bewegung im Raum und Vormachen kann man Sprache erfahrbar machen. Regeln im Sport sind international. Das Runde muss ins Eckige. Das ist auch eine Entlastung, weil Sprache nicht zwangsläufig im Fokus ist. Ich kann durch Gesten, Mimik und einen guten Pass viel sagen“, sagt die Sportprofessorin Vera Volkmann, die das „FuNah“-Projekt wissenschaftlich begleitet und untersucht, welche Rolle Sport im Lebensverlauf spielt. „Sport ist gemeinschaftliches Erleben, auch körperlich und emotional. Sport kann ein guter Anker sein, um Begegnungen anzubahnen.“

Schwerpunkt: Bildungsteilhabe von Flüchtlingen / Beispiel: Sport-Bildungs-Projekt „FuNah“

Die Universität Hildesheim unterstützt Integration und Bildung von Flüchtlingen – zum Beispiel durch gemeinsamen Sport: Im Projekt FuNah („Fußball & Nachhilfe“) spielen Kinder aus Flüchtlingsfamilien und Lehramtsstudenten nach individuellen Förderstunden gemeinsam Fußball. Die Niedersächsische Wissenschaftsministerin ist bei einem solchen Fußballspiel zu Gast und unterhält sich nach Abpfiff mit Flüchtlingen und Studierenden über Erfahrungen, Lernerfolge und die Integrationskraft von Sport.

Omar Fahmy, Dominik Feer und Vera Volkmann wollen ihre Initiative ausbauen. Es gibt schon sechs weitere Studierende, die sich für FuNah engagieren wollen. In Kooperation mit dem Deutschinstitut haben die Studierenden an einer Fortbildung im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ teilgenommen. Das Projekt soll auf weitere Schulen in Hildesheim ausgedehnt werden. Zudem bestehen Kontakte zum Netzwerk niedersächsischer Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte und darüber zu einer Schule in Oldenburg, einer Schule im Landkreis Peine und drei Schulen in Hannover. Das Sportteam sucht nun nach Wegen, um das Sport-Bildungs-Projekt auch an diesen Standorten in Niedersachsen anzubieten.

Die beiden Sportstudenten stehen stellvertretend für viele weitere Studierende, die Flüchtlinge auf dem Weg an die Universität in einem Schnupperstudium unterstützen, die gemeinsam Theater spielen oder im Sprachtandem Deutsch lernen. Einige Studierende arbeiten mit künstlerischen Mitteln, um Jugendliche und junge Erwachsene zusammenzubringen, etwa im gemeinsamen Theaterspiel und beim Musizieren. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler u.a. aus den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Migrationspolitik, Diversity Education, Musik und Sport im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen und kooperieren mit Partnern in der Region, etwa Schulen und dem Beratungszentrum Asyl e.V.

Sport stärkt das Selbstvertrauen und verbindet, man wird zu einem Team. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Weitere Informationen: Uni nach der Flucht

Der Hildesheimer Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen.

Magazin: Themenschwerpunkt Studium nach der Flucht / Sport und Musik verbinden

Mehr erfahren Sie im Magazin der Universität Hildesheim. Die Ausgabe 2015 erscheint mit dem Schwerpunktthema „Studium nach der Flucht / Bildungswege von Flüchtlingen“ und ist online kostenfrei als PDF und Epaper abrufbar. Ein Interview mit Professorin Vera Volkmann über die Kraft des Sports lesen Sie auf Seite 38/39 im Uni-Magazin.

Medienkontakt: Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100, 0177.8605905).

* Anmerkung: Die Namen dieser Kinder wurden geändert.

Dieser Beitrag ist Teil 1 der Serie „Kraft und Mut: Bildungswege nach der Flucht". Eine mehrteilige Serie: Wie Menschen, die geflohen sind, in Hildesheim die deutsche Sprache erlernen, wer sie unterstützt und welche Bildungsziele sie haben.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 3 Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Lehramt GHR-300 MEd (Lehramt) Polyv. 2-Fäch.BA Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Sportwissenschaft Flüchtlinge
news-10577 Fri, 11 Sep 2015 18:00:00 +0200 Lerneifer wecken: Guten Morgen, Herr Lehrer! https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lerneifer-wecken-guten-morgen-herr-lehrer/ Wenn ein Schultag beginnt, dann werden neun von zehn Grundschullehrkräfte mit „Guten Morgen, Frau…“ begrüßt. Männer: Fehlanzeige. Die Universität Hildesheim versucht, mehr Männer für den Lehrerberuf zu interessieren und Vorurteile abzubauen. Hannes Heinemann startet Anfang 2016 in den Schulalltag. Wer nicht mit voller Überzeugung dabei ist, wird von den Kindern auch nicht ernst genommen, sagt der 29-Jährige. Für Hannes Heinemann war die Entscheidung ziemlich klar: Es soll in die Grundschule gehen. Der heute 29-Jährige hat schon vor dem Studium in das künftige Berufsfeld geschnuppert, an verschiedenen Schulen Praktika absolviert und so Unterricht mit 6- und mit 16-Jährigen beobachten können. Dafür habe er sich Zeit genommen, um „einen guten Überblick zu haben, welche Anforderungen der Lehramtsberuf mit sich bringt und wie die Arbeit ausfällt“. Während des Abiturs wusste er „noch gar nicht wirklich, wo es beruflich hingehen soll“. Ein Berufsberater, Eltern und eine Lehrerin empfahlen ihm, ein Praktikum zu absolvieren, bevor er sich für einen Studiengang entscheidet. Gesagt getan. Und Hannes Heinemann stand vor der Klasse. „Es ist ein Irrtum, wenn man als Schüler sagt: Ich weiß, wie der Lehramtsberuf abläuft. Klar hat man seine Tage bisher in der Schule verbracht – aber alles aus der Schülerperspektive erlebt“, so der Student. „Es tut gut, Schule aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.“

Der 29-jährige Lehramtsstudent hat in Vechta im Bachelor studiert und erst spät Praxiserfahrungen sammeln können. Zum Masterstudium wechselte er nach Hildesheim. „Viele Studierende stellen erst ziemlich spät fest, dass der Studiengang nicht der Optimale für sie ist, überlegen, ob sie abbrechen. Das ist ein großer Vorteil in Hildesheim, dass man im Studium auch im Schulalltag ist."

An der Universität Hildesheim gehen Lehramtsstudierende im ersten Studienjahr jeden Freitag ins Klassenzimmer (mehr zum Thema im Uni-Magazin 2015, Reportage „Willkommen im Schulalltag" ab Seite 46) und beobachten Unterricht und die Entwicklung von Kindern über einen längeren Zeitraum. Im November starten erneut etwa 500 Studienanfänger in die Schulpraktischen Studien, die erste Praxisphase.

Hannes Heinemann wurde von der Uni Hildesheim im Seminar „Gender-Training“  angesprochen, ob er im Projekt „Männer und Grundschullehramt“ mitwirken möchte. Er ist einer der wenigen Männer, neun von zehn Studierenden in seinen Seminaren seien weiblich, schätzt er. Ein Blick in die Statistik zeigt: 2015 sind von allen Bachelor-Lehramtsstudierenden 22,2 % männlich. Fünf Jahre zuvor lag die Zahl der männlichen Lehramtsstudierenden bei etwa 14 %. Im Masterstudium (Lehramt an Grundschulen) sind derzeit 15,3 % männlich, 2010 lag der Anteil bei 12,3 %.

Statt auf einer Online-Plattform sind Lehramtsstudenten live im Klassenzimmer

Im Projekt „Männer und Grundschullehramt“ – das das Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim seit 2010 aus frei werdenden Mitteln aus dem Professorinnenprogramm des Bundesbildungsministeriums finanziert – geht Hannes Heinemann an Gymnasien und berichtet aus dem Lehramtsstudium. Er bildet eine Brücke – zwischen Jugendlichen in der Orientierungsphase und der Universität.

Wichtig dabei: Die Schülerinnen und Schüler können Fragen stellen. Statt auf einer Online-Plattform ist Heinemann „live“ im Klassenraum, fordert das Gespräch und den Austausch ein, berichtet aus dem Studium. „Wir möchten durch diverse kleinere Projekte den Lehramtsberuf für Männer öffnen, Vielfalt an den Schulen zeigen und fördern und Vorurteilen entgegenwirken“, sagt Ilinda Bendler vom Gleichstellungsbüro der Uni. Durch die Zusammenarbeit mit Studenten sei die Hemmschwelle niedriger, Fragen zu stellen, so Bendler. „Jungen und Mädchen stellen Studentinnen und Studenten andere Fragen als älteren Uni-Beschäftigten.“

Hannes Heinemann studiert nun im vierten Mastersemester Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch, Sachunterricht und Geschichte an der Universität Hildesheim und ist kurz vor dem Absprung in den Schulalltag. Seine Masterarbeit schreibt er zum Thema „Lehrerfeedback“. Er kann sich vorstellen, den Kontakt zur Uni zu halten, um weiterhin seine Erfahrungen an Jugendliche weiterzugeben. Im Frühjahr 2016 startet er in das Referendariat.

Das Gleichstellungsbüro arbeitet auch mit den „Anker-Peers“ der Studienberatung zusammen. Die „Anker-Peers“, das sind Studierende, die für die Beratung geschult in Schulen und Stadtteilen über den Uni-Alltag berichten und Schülerinnen und Schüler in Vorlesungen mitnehmen, um ihnen einen Einblick in das Studium zu geben. Was macht man in einem Studium wie Umweltsicherung, Übersetzen oder Wirtschaftsinformatik? Und wie läuft der Uni-Alltag eigentlich ab? Ab Oktober 2015 wird der Lehramtsstudent Maximilian Koch unter den Anker-Peers über das Thema „Männer an Grundschulen“ informieren, sagt Sonja Weber von der Zentralen Studienberatung. Mittlerweile besteht das Team aus Studierenden aus allen Fachbereichen, von den Künsten über das Lehramtsstudium bis zu den Naturwissenschaften. „Die studentischen Beraterinnen und Berater sind jederzeit erreichbar, per E-Mail und Facebook, sie bieten wöchentliche Sprechstunden und individuelle Beratungstermine an“, so Weber.

Vielfalt an den Schulen fördern und Vorurteilen entgegenwirken

In Niedersachsen sind neun von zehn Lehrkräften weiblich. Zum Stichtag 22.09.2014 waren an den allgemein bildenden Grundschulen in Niedersachsen insgesamt 20.055 Lehrkräfte – Vollzeitlehrkräfte und Teilzeitlehrkräfte mit mindestens der Hälfte der Regelstundenzahl – beschäftigt, davon rund 2.280 männliche und rund 17.780 weibliche. Der Anteil der männlichen Lehrkräfte an den Grundschulen beträgt rund 11,4 %, der Anteil der weiblichen Lehrkräfte rund 88,6 %, teilt Susanne Schrammar vom Niedersächsischen Kultusministerium mit.

Die Universität Hildesheim versucht mit Projekten wie „Männer und Grundschullehramt“ Berufsperspektiven aufzuzeigen. Statt großer Verpflichtungen können Jugendliche erst einmal „hineinschnuppern“. „Die Schüler haben erst etwas Angst, zu fragen“, so Ilinda Bendler. Beim jährlichen „Zukunftstag“ für Mädchen und Jungen erhalten die Jugendlichen daher Einblicke in Berufsfelder. Jungen nehmen unter anderem an Vorlesungen und Experimenten in Psychologie und Sachunterricht teil (Bericht vom Boys‘ Day 2015).

„Die Jungs reagieren mit Interesse, die jüngsten sind 10 Jahre alt, die älteren 16. Auch mit 17 ist man nicht unbedingt schon in der Lage zu sagen, was man werden möchte, deshalb ist eine Unterstützung in dieser Phase so wichtig“, so Bendler. Der angehende Lehrer Hannes Heinemann hat erfasst, wie Jugendliche denn auf diese Angebote reagieren. Er war selbst dabei: „Die meisten waren erstmals an der Universität, sie kamen ganz höflich und zurückhaltend in das Uni-Gebäude und in die Labore herein. Wir sind auf die Domäne Marienburg gegangen, die Schüler haben am Kurs ‚Digital Painting‘ teilgenommen – vielleicht werden sie die künftigen Kunst- oder Musiklehrer“, so der Lehramtsstudent. Alles hängt von engagierten Lehrenden ab, sagt Ilinda Bendler. „Man ist dort richtig dabei, wo die Lehrenden einen packen und motivieren. Ein ganz großer Dank an die Lehrenden und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die solche Angebote für Jugendliche machen.“

Nicht einfach, einer der wenigen angehenden Grundschullehrer zu sein

Hannes Heinemann ist in der Endphase seines Lehramtsstudiums. Im Dezember 2015 erfährt er, an welcher Schule er in das Referendariat starten wird. Blickt er zurück, dann sagt er: „Es ist nicht immer einfach, einer der wenigen angehenden Grundschullehrer zu sein. Ich merke es in meinem Studienalltag, während der Praktika. Ich bin für viele Dinge der erste Ansprechpartner, etwa wenn in Uni-Seminaren ein technisches Problem auftaucht – dann werde ich als erstes angeguckt.“ Jeder müsse lernen, solche Situationen zu nutzen, um über Vorurteile und Stereotype zu sprechen: „Nur weil ich ein Mann bin, bin ich kein Technikexperte.“

Grundschullehramt sei unter den Schülern „kein so angesehener Beruf“. Sie gehen davon aus, dass viele Frauen im Klassenzimmer sind, dass dort gebastelt wird und dass man wenig verdient, berichtet der Lehramtsstudent von seinen Erfahrungen an Schulen. Was er diesen Vorstellungen entgegensetzt?

„Mir fällt es nicht schwer, das zu entkräften“, sagt der angehende Lehrer. „Wenn man sich berufen fühlt, in der Grundschullehre tätig zu sein, dann ist es nicht wichtig, ob man ein bisschen mehr oder weniger verdient. Ich lege Jugendlichen ans Herz, ein Praktikum in mehreren Schulstufen zu machen.“ Manchmal erlebt er im Studienalltag, dass Studierende den Beruf nur wählen, weil sie „nicht wissen, was sie werden wollen“ oder „einen sicheren Job“ suchen. Er rät davon ab, eine Entscheidung auf dieser Grundlage zu treffen. Wer nicht mit voller Überzeugung dabei ist, wird von den Kindern auch nicht ernst genommen, sagt Heinemann. Schließlich müssen Lehrer begeistern können und Lerneifer bei den Kleinen wecken.

Info: Netzwerk Männer und Grundschullehramt und Gender-Trainings

Vielfalt im Lehrerzimmer: In Niedersachsen sind neun von zehn Lehrkräften weiblich. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Die Universität Hildesheim hat ein Netzwerk „Männer und Grundschullehramt – Gender und Diversität in der Grundschule“ aufgebaut. Die Plattform fördert den Austausch unter Lehrerinnen und Lehrern, Schulleitungen, Schulbehörden, Ministerien sowie Lehrenden und Studierenden an Universitäten, um langfristig auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Grundschullehramt hinzuwirken. Eine Onlineplattform wird regelmäßig aktualisiert, bietet kostenfreie Unterrichtsmaterialien und eine Praxisbörse an,  informiert über Weiterbildungsveranstaltungen und good practice-Beispiele an deutschen Universitäten.

Das Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim bietet seit 2010 im Projekt „Männer und Grundschullehramt“ Schnuppertage, Kooperationen mit Schulen und Berufsinformationsabende für Schüler an. Bundesweit gibt es bisher nur in Hamburg, Freiburg und Bremen ähnliche Initiativen.

Lehramtsstudenten sind am Hildesheimer Projekt beteiligt. Sie besuchen gemeinsam mit der Studienberatung Schulen und informieren über die Anforderungen und Aufgaben des Berufes. Im „Schultandem" unterrichten Oberstufenschüler eine Stunde in einer Grundschule, dabei werden sie von Studenten begleitet. Einer von ihnen ist zum Beispiel Martin Preisigke, der seine Masterarbeit über Männer in der Grundschule schrieb und Schüler des Gymnasiums Himmelsthür auf ihre erste Unterrichtsstunde in der Grundschule Moritzberg vorbereitet hat. Seit 2013 unterrichtet er an der Grundschule Cramme. Wer sich für das Thema „Männer und Grundschullehramt“ interessiert, kann sich an das Gleichstellungsbüro der Uni wenden (05121.883-92150, gleichstellungsbuero@uni-hildesheim.de).

Wie kann man im Unterricht vermeiden, Vorurteile zu verbreiten?

Lehramtsstudierende setzen sich in „Gender Trainings" zum Beispiel mit Rollenklischees in Unterrichtsmaterialen und Vielfalt im Klassenzimmer auseinander. Werden Mädchen und Jungen in Unterrichtsmaterial in verschiedenen Rollen dargestellt oder gilt zum Beispiel die Devise: Pferdebücher für Mädchen, Technik für Jungs? Die Auswahl von Unterrichtsmaterialien und Schulbüchern, die Kinder und Jugendliche in ihrer Vielfalt zeigen, statt in stereotypen Bildern, kann einen Beitrag dazu leisten, Vorurteile abzubauen. Im Seminar besprechen Studierende auch eigene Lehrbeispiele und Stundenkonzepte, um Theorie in die eigene Praxis zu übertragen. Lehramtsstudierende können auch an einem Gender-Training teilnehmen, das nächste findet am 13. und 14. November 2015 statt.

Das Training ist offen für alle Lehramtsstudierenden, die Teilnehmerzahl auf 20 begrenzt. Interessierte können sich schon jetzt einen Platz sichern indem sie sich an Charlotte Schiller vom Gleichstellungsbüro wenden (mintproj@uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

www.uni-hildesheim.de/ueber-uns/organisation/weitere-einrichtungen/gleichstellungsbuero/projekte/maennerundgrundschullehramt/veranstaltungen/gender-training-fuer-lehramtsstudierende

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Gleichstellungsbüro Männer und Grundschullehramt Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-10709 Wed, 02 Sep 2015 10:50:00 +0200 Uni bietet Inklusions-Pädagogik als Fortbildung an https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/uni-bietet-i/ Die Uni Hildesheim bietet für Lehrer aus allen Schulformen ein zweijähriges berufsbegleitendes Studium für Inklusions-Pädagogik an. Neben einem monatlichen Treffen aller Teilnehmer, stehen neben Fallberatungen auch viele weitere Zusatzangebote wie zum Beispiel ein Job­Shadowing auf dem Programm. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Schwerpunktthemen Lehrerbildung Inklusion Psychologie news-10712 Tue, 01 Sep 2015 10:50:00 +0200 Viele Flüchtlinge sind Akademiker https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/viele-fluecht/ Hildesheim ist leuchtendes Beispiel für Flüchtlingshilfe. So hat Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic vor zwei Wochen an der Uni ein Sport-Projekt für Flüchtlingskinder zum Spracherwerb besucht. Nun zeichnet sie auch die HAWK als eines von drei in Niedersachsen ausgewählten Projekten aus, mit denen Bildungshürden abgeschafft werden sollen. Bis 2018 gibt ihr Ministerium 3 Millionen Euro zusätzlich aus. Pressespiegel regional Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration news-10696 Mon, 31 Aug 2015 12:51:00 +0200 Einschulung von Flüchtlingskindern https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/einschulung/ SPD-Chef Andreas Sausewein erntete für seinen Vorschlag die Schulpflicht für Flüchtlingskinder aufzuheben heftige Kritik. Das Gegenteil fordert Elke Montanari, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Hildesheim. Die Schulpflicht müsse für alle Flüchtlingskinder umgesetzt werden, doch man benötige mehr Unterstützung von Land und Bund. In Hildesheim werden zum neuen Schuljahr insgesamt 41 Flüchtlingskinder im Alter von sechs bis zehn Jahren in den Grundschulen unterrichtet. Doch Lehrer mit Kenntnissen beim Thema Deutsch als Zweitsprache sind noch Mangelware. Pressespiegel regional Forschung Zentrum für Bildungsintegration Fachbereich 3 Deutsche Sprache Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-10582 Thu, 27 Aug 2015 12:50:00 +0200 Inklusion: Uni begleitet Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/inklusion-uni-begleitet-schulen/ Inklusions-Studiengang: Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen können sich bis zum 15. September 2015 bewerben. Erziehungswissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim begleiten Lehrkräfte über zwei Jahre – und unterstützen somit Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien auf dem Weg zur inklusiven Schule. Seit 2009 gilt eine UN-Konvention, seit 2013 ein Rechtsanspruch in Niedersachsen: Alle Kinder sollen gemeinsam die Schule besuchen können. Die Universität Hildesheim unterstützt Schulen auf dem Weg zur Inklusion und bildet Lehrkräfte aller Schulformen in einem zweijährigen berufsbegleitenden Studiengang „Inklusive Pädagogik“ fort. Mittlerweile wurden knapp 80 Lehrkräfte weitergebildet. In Niedersachsen gibt es somit einen der ersten Weiterbildungsstudiengänge für Inklusive Pädagogik: Das zieht Lehrkräfte etwa aus Bayern, Hessen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein an.

In zwei Jahren lernen sie an der Universität Hildesheim, wie sie mit der Vielfalt im Unterricht umgehen, im Team und mit Fachleuten zusammenarbeiten können. Die Lehrer setzen Studieninhalte schrittweise in den Schulalltag um und werden dabei begleitet.

„Die Qualität der Fortbildungen ist entscheidend für das Gelingen der Reform“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Britta Ostermann, die über die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule promoviert hat. Es gehe neben didaktischen und methodischen Fragen um eine Haltungsänderung im Lehrerzimmer, die nicht in kurzfristigen Fortbildungen zu erzielen sei.

Etwa einmal im Monat, zwei Jahre lang, kommen die Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen – im Alter von 25 bis 60 Jahren – in Hildesheim zusammen. Zwischendurch stehen Fallberatungen, Austausch in internationalen Lernpartnerschaften und das „Job-Shadowing“ an. Hierbei besuchen sich Lehrkräfte gegenseitig im Unterricht, beobachten und geben Rückmeldungen. Sie lernen, wie eine Schule zur inklusiven Schule wird und befassen sich im Studium mit der Inklusiven Didaktik, Pädagogischen Diagnostik und Förderplanung und mit der Frage, wie sie im Kollegium, mit Fachleuten und mit Eltern zusammenarbeiten und mit Konflikten umgehen können.

„Lehrkräfte dürfen in ihrer Praxis nicht allein gelassen werden. Wir arbeiten mit den Lehrkräften im Studiengang auch auf der Mikroebene, analysieren zum Beispiel Videos, Unterrichtssequenzen, Gespräche mit Kindern, Eltern, Kollegen, um die eigene Reflexionsfähigkeit zu erhöhen“, so Ostermann, geschäftsführende Leiterin dieses Weiterbildungsmasters. Manche Schulen bilden ein Vierer-Team fort, die Lehrer geben ihr Wissen an das Kollegium weiter und sollen als Multiplikatoren wirken.

Einen anderen Weg geht die Oberschule Söhlde im Landkreis Hildesheim: Die Erziehungswissenschaftlerin Ostermann erfasst, wie sich die Bedingungen für inklusives Lernen an der Schule verändern und welche Unterstützungsbedarfe die Lehrkräfte aufweisen. Darauf aufbauend entwickelt die Universität eine passgenaue Fortbildungsreihe für das Kollegium und für die gesamte Schulgemeinschaft.

Am Gymnasium Andreanum in Hildesheim untersucht Ostermann seit Juni 2015 gemeinsam mit Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie, die Arbeit in den Inklusionsklassen. Die Wissenschaftlerinnen erheben, wie sich alle Schülerinnen und Schüler im Gemeinsamen Unterricht entwickeln. Außerdem untersuchen sie, wie Gymnasial- und Förderschullehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter und Schulbegleiterinnen im Schulalltag kooperieren und wie die Schülerinnen und Schüler sowie Eltern diese Zusammenarbeit erleben. Erste Ergebnisse sollen im Herbst 2015 vorliegen.

Die Universität Hildesheim berät nicht nur Schulen in der Region Hildesheim. Auch die Stadt Wolfsburg, die auf vielen Ebenen des Bildungssystems Teilhabe ermöglichen möchte, hat von den Erfahrungen in Hildesheim gehört. Seit Frühjahr 2015 untersucht Britta Ostermann in Wolfsburg, wie in Kindergärten und Grundschulen die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams erfolgt und wie pädagogische Fachleute mit Eltern zusammenarbeiten. Ergebnisse sollen im Herbst 2015 vorliegen.

Welche Rolle Lehrkräfte bei der Umsetzung von Inklusion spielen, haben Professorin Katrin Hauenschild und Professor Werner Greve untersucht und 120 niedersächsische Lehrerinnen und Lehrer nach ihrer Haltung gegenüber der Reform befragt: Die Einstellung der befragten Grundschullehrer zur Inklusion wird umso positiver, je mehr Erfahrungen und Kompetenzen sie selber gesammelt haben. Eher skeptisch eingestellt sind jene, die zum Ziel haben, dass „alle das Gleiche lernen sollen“.

Inklusions-Studiengang: Bis zum 15. September 2015 bewerben

Wer Interesse an dem Studium „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ hat, kann Dr. Britta Ostermann kontaktieren (Tel. 05121.883-92392, E-Mail osterma@uni-hildesheim.de). Der Weiterbildungsstudiengang richtet sich an Lehrkräfte aller Schulformen. Dabei können Schulen auch mehrere Lehrkräfte fortbilden, die an ihrer Schule als Multiplikatoren wirken. Im Oktober 2015 startet der fünfte Jahrgang, eine Bewerbung ist noch bis zum 15. September 2015 möglich.

Zwei Jahre statt ein Wochenende: Lehrerfortbildung

Die Universität Hildesheim bildet seit drei Jahren Lehrerinnen und Lehrer berufsbegleitend fort. Nicht bloß an zwei Wochenenden. Sondern monatlich, über einen Zeitraum von zwei Jahren, kommen die berufstätigen Lehrer in Hildesheim zusammen. Darunter Lehrer aus Grund- und Hauptschulen, Oberschulen, aus Gymnasien. Manche sind 25, andere bereits 55 Jahre. Die Nachfragen von Lehrern nach umfassender Fortbildung sind hoch, einige Schulen bilden nicht Einzelkämpfer, sondern 2er- und 4er-Teams weiter.

Nachgefragt: Vertrauen

Seitdem in Niedersachsen seit dem Schuljahr 2013/14 ein Rechtsanspruch gilt und Eltern frei wählen können, ob ihr Kind eine Förder- oder Regelschule besuchen soll, ist Karin Frank-Gerstungs Teamfähigkeit stärker als bisher gefordert. Sie ist eine der ersten Lehrerinnen in Niedersachsen, die berufsbegleitend zwei Jahre „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ studiert hat. Mehr erfahren: Interview mit der Lehrerin (Uni-Magazin 2015, online, Seite 60).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Inklusion Lehrerbildung MA IPK
news-10329 Mon, 03 Aug 2015 09:20:00 +0200 Gemeinsam Familien erreichen und Bildungschancen verbessern https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/gemeinsam-familien-erreichen-und-bildungschancen-verbessern/ Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team: Die Universität, die Volkshochschule und Asyl e.V. kooperieren, um Kinder und Jugendliche in Hildesheim beim Aufwachsen und Lernen zu unterstützen. Sie wollen Bildungschancen verbessern. Eine Hürde: viele Eltern haben Scheu, Anträge zu stellen, etwa um Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beantragen. Wer in einer Suchmaschine „Bildungs- und Teilhabepaket“ (BUT) eingibt, der gelangt zu zahlreichen Informationsseiten im Internet, Flyern in deutscher, russischer, arabischer und türkischer Sprache, FAQ-Listen. Die Flyer geben Antworten: Hinter „Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben“ verbirgt sich der Zugang zu Sport- und Musikunterricht, der Begriff „Lernförderung“ fasst in diesen Infomaterialien zusammen, dass manche Kinder Unterstützung brauchen, „um die Lernziele in der Schule zu erreichen“. Familien erfahren hier, wie und wo sie Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket beantragen können.

Doch Informationsbroschüren reichen nicht aus, der Verein Asyl e.V., die Volkshochschule (VHS) und die Universität in Hildesheim setzen auf persönliche Beratung: Natalya Surzhik hält Kontakt zu Familien in Stadt und Landkreis Hildesheim, sie berät Eltern, deren Kinder sich für eine Lernförderung anmelden möchten und die dafür einen „BUT-Antrag“ stellen müssen. „Wir bemühen uns, einen Überblick zu schaffen. Die Eltern bauen Vertrauen auf. Ein Flyer reicht nicht aus, die Eltern brauchen persönliche Unterstützung, die Antragstellung ist kompliziert“, sagt Surzhik.

Die Zusammenarbeit der drei Partner steht unter dem Dach „Bildungschancen verbessern" (PDF). Familien, deren Kinder Unterstützung in der Schule brauchen, etwa in Deutsch, Mathematik und Englisch, können ihre Kinder für die Lernförderung anmelden. Der Förderunterricht findet in Gruppen oder einzeln außerhalb der Schulzeit statt, in der Schule, in der Stadtbibliothek. Das Migrationszentrum Asyl e.V. verfüge über vielfältige Erfahrungen und ist mit Sprach- und Kulturvermittlern vernetzt, sagt dessen Leiter Uwe Wedekind. Die VHS verfolgt mit dem Projekt „Lernförderung“ seit längerem das Ziel „Familien dabei zu unterstützen, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Anspruch zu nehmen“, sagt Alexey Ponomarev von der Volkshochschule. Die Universität erreicht seit 2006 mit dem Förderprojekt „LernKU(H)LT“ Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen und verbindet dies mit der Lehrerausbildung. Statt, wie bei der Nachhilfe, kurzfristig zu denken, etwa mit dem Ziel, die nächste Klassenarbeit zu bewältigen, setzen die drei Partner dabei an, Kinder darauf vorzubereiten, selbstständig zu lernen. Das Förderangebot der Verbundpartner ist nicht kommerziell.

Durch die Zusammenarbeit wollen sie die Antragsverfahren vereinfachen, die Anmeldung bündeln und gemeinsam Familien beraten. Sie wollen möglichst wenige Hürden aufstellen, gemeinsam haben sie einen Flyer und einen Elternbrief entwickelt. Natalya Surzhik geht in Schulen, informiert über die Lernförderung. „Schulen sind ein Schlüssel, sie können auf Förderangebote aufmerksam machen, wir stellen unsere Angebote bei Schulsozialarbeitern vor.“ Eltern erhalten, meist über die Schule, einen Elternbrief, sie füllen ein Voranmeldeformular aus. „Das Kind unterschreibt das Formular und teilt mit, welche Uhrzeiten für eine Förderung möglich sind. Ich stelle so fest, ob Familien schon einen BUT-Antrag gestellt haben, frage bei der Schule an. Eltern müssen auch eine Bestätigung der Schule einreichen, dass ihr Kind eine Lernförderung benötigt“, schildert Natalya Surzhik das komplexe Verfahren, um einen Erstantrag zu stellen. „Eltern erhalten dann einen Gutschein, den sie einlösen können, nach einem halben Jahr stellen sie einen Folgeantrag, ich telefoniere hinterher.“

Doch die Kooperationspartner wollen nicht „ausfischen“ und nur Kinder fördern, die BUT-berechtigt sind. Regionale Stiftungen unterstützen das Anliegen, so kann die Universität ihr Angebot weiter öffnen. Denn von der Lernförderung im Bildungs- und Teilhabepaket kann nur ein kleiner Kreis profitieren. Antragsberechtigt sind Familien, die Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld erhalten und Asylbewerber, ihre Kinder müssen außerdem versetzungsgefährdet sein, also Noten im Bereich 4 bis 5 nachweisen.

„Da fallen viele Kinder raus. Wir möchten auch Kinder unterstützen, die ihren Leistungsstand halten wollen oder einen höheren Schulabschluss anstreben“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Yvonne Rechter, die das LernKU(H)LT-Projekt gemeinsam mit Michaela Büdcher an der Universität vorantreibt. Nur durch die Unterstützung von Stiftungen könne man auch weitere Kinder erreichen – die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung hat eine zweijährige Projektförderung über 40.000 Euro zugesagt, auch die Bürgerstiftung Hildesheim und die Nina Dieckmann Stiftung sind im Boot. So können auch Kinder erreicht werden, deren Eltern oder Großeltern aus einem anderen Land nach Deutschland eingewandert sind, und Familien, die über wenig Geld verfügen, die aber keinen Anspruch auf BUT-Gelder haben.

Dienstags und freitags lernen Mette und Omer mit einer Lehramtsstudentin der Uni. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Kurzinformation: Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team

Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim fördern seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zweimal wöchentlich über mindestens ein halbes Jahr begleitet je ein Student eine Gruppe von drei bis fünf Kindern. Die Lehramtsstudierenden werden von Erziehungswissenschaftlerinnen unterstützt. „Ziel ist die schulische Situation von Erst- bis Zehntklässlern, vor allem mit Förderbedarf in der deutschen Sprache, in der Region Hildesheim zu verbessern“, sagt Yvonne Rechter, die das Projekt „LernKU(H)LT“ aufgebaut hat. Etwa 600 Kinder und Jugendliche aus der Region und 200 Studenten nahmen bisher teil. Derzeit laufen 18 Gruppen, drei davon in Hannover.

„Individuelle Förderung“ und „Diagnostik“ geht so leicht über die Lippen – was das wirklich bedeutet, erfahren die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in der regelmäßigen Arbeit mit den Kindern. Das Projekt ist keine Hausaufgabenbetreuung, die Studierenden erfassen in einer Eingangsdiagnostik den Lernstand des Kindes und arbeiten für jedes Kind einen Förderplan aus, beschreibt die Projektkoordinatorin Michaela Büdcher. „Die studentischen Hilfskräfte arbeiten nicht allein wegen des Geldes hier, sondern wegen der Relevanz für ihren späteren Berufsalltag.“ Sie wollen auch das Gemeinschaftsgefühl stärken, erarbeiten zum Beispiel Musikstücke und Gedichte.

Im LernKU(H)LT-Projekt besuchen die Studierenden Familien, halten Kontakt zu den Eltern. Übersetzer von Asyl e.V. vermitteln bei sprachlichen Barrieren. Durch die praktischen Erfahrungen setzen sich die Lehramtsstudierenden intensiver mit theoretischen Inhalten aus dem Studienalltag auseinander, etwa mit dem Themenfeld „Unterricht in sprachlich und ethnisch-kulturell heterogenen Klassen«, „Zusammenarbeit mit Eltern“ und „Deutsch als Zweitsprache“. Madeleine Mäbert studiert Musik und Deutsch und fördert fünf Grundschüler, die in die erste, zweite, dritte und vierte Klasse gehen und neben Deutsch auch Arabisch, Bulgarisch, Russisch und Türkisch sprechen. Für sie sei das Projekt eine Chance, um „Theorie auch anzuwenden und die Entwicklung von Kindern zu beobachten“. Mit den Eltern ist sie per Brief, telefonisch und per SMS in Kontakt oder spricht mit ihnen nach der Förderstunde, so hat sie von einem Grundschüler auch die Oma kennen gelernt. „Für die Familien ist es teilweise schwer, zu sagen, was das Kind kann oder was ihm schwerfällt“, sagt Mäbert, die zuvor auch Realschüler beim Lernen unterstützt hat. „Was ich auch lerne? Geduld. Ich gehe auf einzelne Schüler ein, meine Einstellung hat sich verändert.“ Sie besucht Seminare zum Zweitspracherwerb und ein Seminar der Mathematikprofessorin Barbara Schmidt-Thieme und der Sprachwissenschaftlerin Christina Kellner: Wie viel Sprache steckt im Matheunterricht? In Textaufgaben steht „Fruchtsaftgetränk“ oder „Lohn“ – viele Grundschüler kennen die Begriffe nicht aus der Alltagssprache, sagt die Studentin.

Der Lernzuwachs in der Eins-zu-Eins-Situation sei enorm, sagen Studierende. Durch das Projekt lernen sie, dass eine Klasse mit 25 Schülern eben aus 25 Einzelnen besteht. Die Studentin Juliane Belling hat zum Beispiel zwei Jahre lang vier 16- und 17-Jährige gefördert. Weil das Studium praxisnah ist, kam sie aus Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen.

Die Universität arbeitet mit Schulen, Lehrkräften, Eltern und Asyl e.V. sowie nun auch mit der VHS zusammen, um die Lernförderung zu ermöglichen.

Lesen Sie mehr über das LernKU(H)LT-Projekt im aktuellen Uni-Magazin auf Seite 21, 25, 50, 86 und ab Seite 40 (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration
news-10512 Sat, 18 Jul 2015 11:41:00 +0200 „Wollt ihr mehr Karten?” – „Ja” https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/wollt-ihr-m/ Um Sprachfördergruppen voranzubringen haben die Universität Hildesheim, der Asylverein und jetzt auch die Volkhochschule (VHS) einen gemeinsamen Vertrag geschlossen. Zukünftig werden konkrete Ansprechpartner für die unterschiedlichen Themen und Fragestellungen zur Verfügung stehen. Das Hochschul-Projekt Lernkuhlt besteht seit 2006 und richtet sich gezielt an Kinder mit verschiedenen Muttersprachen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation MA DaZ/DaF Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Forschung Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung Inklusion news-10510 Thu, 16 Jul 2015 11:41:00 +0200 Zwischen Hörsaal und Moschee https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/zwischen-hoer/ Seit Herbst 2014 ist Hannes Schammann Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Hildesheimer Universität – der erste deutschlandweit. Die Forschung ist sehr wichtig für eine vernünftige Migrationspolitik. So zum Beispiel die Erkenntnis über den Verlauf von Flucht in Wellen. Zur Zeit erleben wir ein Hoch, aber die Grundstimmung hat sich trotzdem positiv verändert. In einem Interview berichtet Schammann über die positiven Entwicklungen und Aktivitäten in Hildesheim und im speziellen an der Universität mit seinen diversen Netzwerken. Migrationspolitik Pressespiegel regional Sozialwissenschaften Soziologie Politik Zentrum für Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Schwerpunktthemen Bildungsintegration Inklusion Lehrerbildung news-10494 Mon, 13 Jul 2015 13:45:00 +0200 Gegen Vorurteile in Kinderwelten https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/gegen-vorurt/ Mitte Juli fand die letzte öffentliche Ringvorlesung „Kindheit in der Region / KinderLeben vielfältig" statt, eine Kooperation des Niedersächsischen Instituts für Frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe), Hildesheimer Einrichtungen der frühkindlichen Bildung sowie der Universität Hildesheim. Ziel war der Austausch von Erfahrungs- und Wissensbeständen für die optimale Gestaltung von Bildungs- und Entwicklungsprozessen von Kindern. Das Thema der letzten Veranstaltung: Wie kann eine Lernumgebung entwickelt werden, die Vorurteile hinterfragt und sensibilisiert. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Inklusion Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-10225 Tue, 30 Jun 2015 13:26:00 +0200 „Alleine die Sprache zu lernen, ist schwer“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/alleine-die-sprache-zu-lernen-ist-schwer/ Khaled und Aymen sind zwei der Jugendlichen, die in den letzten Monaten viel Energie aufgebracht haben, um die deutsche Sprache zu erlernen. Die Niedersächsische Kultusministerin hat Ende Juni jedem der 218 Schülerinnen und Schüler aus 44 Ländern persönlich das „Deutsche Sprachdiplom“ überreicht. Wissenschaftlerinnen und Studierende der Universität Hildesheim unterstützen Prüflinge beim Zweitspracherwerb. Während im Audimax der Bass einsetzt und die Musik von Andreas Bourani ertönt – „Wer friert uns diesen Moment ein / Besser kann es nicht sein / Denkt an die Tage, die hinter uns liegen / Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen / Ein Hoch auf das, was vor uns liegt / Dass es das Beste für uns gibt“ – steht Aymen Ayo auf dem Campus und erinnert sich an seine ersten Worte in der deutschen Sprache. „Guten Abend“, „Guten Morgen“ und „Wie geht es dir?“. Worte, die erste Gespräche ermöglichen. „Mehr nicht“, sagt er.

Der 18-Jährige ist mit seiner Mutter und seinen drei Schwestern aus Syrien geflohen. Zunächst kommt er in Friedland an, lebt dann in Hildesheim im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße. „Ich möchte mich verständigen können. Seit einem Jahr haben wir unsere eigenen vier Wände, eine Wohnung. Meine Familie spricht Arabisch, ich versuche, auch Deutsch mit meinen Schwestern zu sprechen.“ Aymen, der die berufsbildende Walter-Gropius-Schule in Hildesheim besucht, arbeitet auf ein Ziel hin: Nach einem Praktikum in einem Sportgeschäft möchte er eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann beginnen. „Die Kunden fragen, da kann ich nicht stumm bleiben, sondern muss die Sprache sprechen können. Sie suchen ja Hilfe.“

Der Sport hilft Aymen Ayo mit Hildesheimern in Kontakt zu kommen – und den Wortschatz auszubauen. Er spielt im Verein „DJK Blau-Weiß“ Fußball. „Im Sport ist Sprache wichtig, das ist nicht nur hin- und herspielen“, sagt Aymen und zählt auf, welche Worte er gelernt hat: „Pass auf, hinter dir“ und „Trainer“, „trainieren“, „Verteidiger“, „Stürmer“.

Wie Aymen Ayo lernen derzeit niedersachsenweit Jugendliche die deutsche Sprache als zweite Sprache. Die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat Ende Juni 218 Schülerinnen und Schülern aus 44 Ländern das Deutsche Sprachdiplom (Stufe 1) der Kultusministerkonferenz in einer Feierstunde an der Universität in Hildesheim überreicht. „Das ist eine ganz tolle Leistung. Nicht wenige der Jugendlichen mussten ihre ursprüngliche Heimat als Flüchtlinge verlassen und hier in Niedersachsen teilweise ohne Deutschkenntnisse ganz neu anfangen“, sagt die Ministerin. „Sie haben viel Zeit und Energie in das Erlernen der deutschen Sprache und damit in Ihre eigene Zukunft investiert“, wendet sich Kultusministerin Frauke Heiligenstadt an die Schülerinnen und Schüler.

Die Schülerinnen und Schüler sind aus Haupt- und Gesamtschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen aus Braunschweig und Lüneburg, aus Hannover und Osnabrück, aus Göttingen und Oldenburg nach Hildesheim angereist, um das Sprachendiplom gemeinsam zu feiern. „Sie können stolz darauf sein, dass Sie sich das erarbeitet haben. Wir sind dankbar, dass Sie hier sind“, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Vielleicht, fügt Friedrich hinzu, „sehen wir uns wieder, wenn Sie in Hildesheim Lehramt, Deutsch als Zweitsprache, Informatik oder Sport studieren“. Die Universität hat seit dem Frühjahr die Türen geöffnet und möchte Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen und im Übergang zur Universität unterstützen. „19 Schulen aus ganz Niedersachsen sind angereist, das Zertifikat bringt den Schülerinnen und Schülern hoffentlich Glück in der Zukunft“, so Hannelore Müller vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung, das Lehrkräfte fortbildet.

Mit dem Sprachdiplom weisen die jungen Erwachsenen nun ihre Sprachkenntnisse (Niveau A2 und B1) nach: Neben dem Lese- und Hörverstehen zeigen sie, wie gut sie schriftlich und mündlich kommunizieren können. „Ich will besser in Deutsch werden“ – das ist ein diffuses Ziel, sich auf eine Prüfung mit diesen Schwerpunkten vorzubereiten, dagegen strukturierter.

Unter den jungen Sprachlernern sind auch zwei Klassen der berufsbildenden Walter-Gropius-Schule. Die Schule ist eine der Schulen, die über vier ausgebildete Prüferinnen für das Deutsche Sprachdiplom verfügt. Sie zählt zurzeit vier „Sprachförderklassen“. „Wir versuchen die Klassen mit je etwa elf Schülerinnen und Schülern klein zu halten“, sagt Susanne Oppermann. Sie ist Sprachlernkoordinatorin und arbeitet in einem Netzwerk („DaZNet“), in dem sich Schulen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Mehrsprachigkeit austauschen. Ihr Dilemma: Es werden immer mehr solcher Sprachförderklassen eingerichtet. Aber es fehlen Lehrkräfte, die Jugendliche unterrichten können, die als Seiteneinsteiger ins Bildungssystem kommen, etwa weil sie aus einem Land fliehen mussten und nun die deutsche Sprache von Grund auf erlernen müssen. „Wenn man Glück hat, hat eine Lehrerin ein DaZ-Modul an der Uni besucht, aber auch das reicht nicht aus“, sagt Susanne Oppermann. An berufsbildenden Schulen findet gut die Hälfte des Unterrichts in der Fachpraxis statt: Wer Dachdecker, Maurer oder Tischlerin; Koch oder Mediengestalterin werden möchte, erlernt viele Fachbegriffe. „Fachpraxis geht nicht ohne Sprache. Wenn ich einen Werkzeugkasten packe, dann habe ich es mit dem Akkusativ zu tun: ich packe einen Hobel, eine Fräse ein. Wenn ich als Koch Flüssigkeit abmesse, dann muss ich auch die dritte Person im Singular konjugieren können: messen, er misst“, erläutert die Lehrerin. Ein Fachpraxislehrer, der in der Holzwerkstatt unterrichtet, lehrt auch die Sprache.

Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim.

„In Sprachlernklassen mit einem qualifizierten Lernangebot können Schülerinnen und Schüler in ein bis zwei Jahren die deutsche Sprache so erwerben, dass sie sich zusammenhängend ausdrücken, begründen und erklären können und eine gute Grundlage für ihren Beruf haben“, so Montanari. „Natürlich muss das Lernen auch danach weitergehen, in der Schule oder am Ausbildungsplatz. Hier sieht man die Qualität und das Engagement von Lehrkräften“, so Elke Montanari, die den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ zusammen mit ihrer Kollegin Ana Maria Iglesias Delgado leitet.

Lehramtsstudentinnen, darunter Melda Ökte, Annika Sauthoff und Fidan Tuldari, bereiten sich in Seminaren im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" darauf vor, junge Erwachsene beim Sprachenlernen zu unterstützen. Sie haben im Frühjahr Schülerinnen und Schüler der Hildesheimer Berufsschule bei der Prüfungsvorbereitung unterstützt. Die deutsche Sprache zu sprechen sei „wichtig, wegen meiner Zukunft“, sagt Khaled Ahmed Hussein, einer der Schüler. Der 21-Jährige möchte eine Ausbildung als Maurer beginnen „und vielleicht einmal studieren“. Er interessiert sich für Architektur. Ein Praktikum hat seinen Wunsch bestärkt, er konnte sich bewähren und hofft nun auf einen Ausbildungsplatz, sagt der junge Mann, der seit gut zwei Jahren in Algermissen lebt. Er ist in Somalia geboren, im Jemen aufgewachsen. „Ich möchte weiterhin die Sprache lernen“, sagt Khaled. In seinen Händen hält er das Sprachdiplom. Er habe viel gelernt, auch mit den Lehramtsstudentinnen der Universität Hildesheim.

„Wir haben gemeinsam auf die mündliche Prüfung hingearbeitet“, berichtet die Studentin Fidan Tuldari. Seit zwei Jahren studiert sie Lehramt, die Erfahrungen seien sehr wichtig, man werde „achtsamer, vorsichtiger“, etwa wenn ein Schüler erzählt, dass „sein Vater im Krieg gestorben ist“. „Manche Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Krieg und sind alleine nach Deutschland geflohen.“ Die drei Lehramtsstudentinnen wollen nun Kontakt zu Schulen und Sprachlernklassen aufnehmen und sich in ihrem Studium weiterhin mit dem Zweitspracherwerb von Jugendlichen befassen.

Aymen Ayo hält an diesem Junitag auf dem Uni-Campus das Zertifikat in seinen Händen, ihm sei es wichtig, die Prüfung erfolgreich bestanden zu haben. „Ich freue mich sehr, die Ministerin hat mir in die Augen geschaut und mir das Diplom überreicht. In kleinen Gruppen habe ich mit den Studentinnen gelernt und wir haben uns auf die mündliche Prüfung vorbereitet. Das waren tolle Tage“, sagt der 18-Jährige. „Alleine die Sprache zu lernen, nur mit einem Buch, ist schwer“, ergänzt Hassan Iso. „Mir hilft es, viel zu reden.“ Neben ihn halten Jugendliche den Moment fest, erstellen Selfies auf dem Uni-Campus: Sie können stolz auf sich sein.

Lehramtsstudierende für Deutsch als Zweitsprache ausbilden

Ab dem Wintersemester 2015/2016 können Lehramtsstudierende im Fach Deutsch gleichzeitig im Studiengang „Master of Education“ studieren und sich für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifizieren. Sie erhalten dann zwei Masterabschlüsse. Professorin Elke Montanari rechnet damit, dass Studierende für das Parallelstudium drei Jahre einplanen sollten. Wer sich für das Parallelstudium interessiert, ist zu der Informationsveranstaltung am 2. Juli 2015 um 16:30 Uhr in Raum L 057 (Bühler-Campus der Uni Hildesheim, Lüneburger Straße) herzlich eingeladen.

Lesen Sie mehr zum Thema Mehrsprachigkeit im neuen Uni-Magazin (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10217 Mon, 29 Jun 2015 17:30:00 +0200 Dommuseum im Schulunterricht https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/dommuseum-im-schulunterricht/ Acht angehende Kunstlehrerinnen planen gemeinsam mit ihrer Dozentin Professorin Bettina Uhlig ein Vermittlungskonzept für das Dommuseum. Matthias Friedrich hat sich in ihrem Seminar umgehört, welche Ideen bislang entstanden sind. Nur Gemälde von Paul Klee und keine Alten Meister? „Ich finde es schade, dass sakrale Kunst im Schulunterricht oder in der Elementarpädagogik nur eine untergeordnete Rolle spielt“, sagt Claudia Höhl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dommuseum Hildesheim. Deshalb begrüßt sie die Kooperation mit Bettina Uhlig, die Kunstpädagogik an der Universität Hildesheim lehrt. Die Professorin leitet ein Seminar, in dem Lehramtsstudentinnen Vermittlungskonzepte für Kinder bis zur sechsten Klasse entwickeln. „Das Projekt ist auf insgesamt drei Semester angelegt“, sagt Uhlig. Die Erarbeitung der kunsthistorischen Kontexte ist abgeschlossen, derzeit geht es um die Konzipierung des Vermittlungskonzepts und dessen Erprobung.

Der Weg von der Idee bis zur Unterrichtsstunde ist lang, häufig entwickeln sich die Ideen erst im Gespräch mit den Kommilitoninnen. Sabine Oberkampf hat sich für ihre Schülergruppe den großen Goldkelch des Bischofs Gerhard aus dem 14. Jahrhundert ausgesucht. Auf dem Kelchfuß sind sieben Szenen aus dem Neuen Testament abgebildet, die Patene, die flache Schale für den Leib Christi, setzt dieses Programm mit dem Lamm Gottes und den Symbolen der vier Evangelisten fort. An ein Objekt, das ein derart komplexes Bildmaterial bietet, lassen sich viele Fragen stellen: Zu welchen Anlässen nutzt man es? Welche Rituale lassen sich damit verbinden? Es lassen sich aber auch formale Parallelen zu anderen Gegenständen feststellen. Fußballpokal und Eierbecher etwa besitzen eine ähnliche Form, auch wenn ihr Kontext fundamental verschieden ist. Solche Analogien sollen den Kindern helfen, ein solches Objekt besser zu verstehen. Die Erfahrung steht im Vordergrund: Sabine Oberkampf schlägt vor, dass ihre Schülergruppe selbst eine Messingplatte bearbeiten darf. Dabei zählt nicht das Ergebnis, sondern die Tätigkeit.

Die Studentin Juliane Kley setzt sich mit dem Reliquiar in Form einer Kugeldose aus dem 12. Jahrhundert auseinander. Die Bemalung der Dose zeigt ikonenhafte Heiligenfiguren, deren Gesichtszüge stark idealisiert sind. Die Herstellung einer ähnlichen Dose im Kunstunterricht wäre aber sehr aufwändig, doch sehr einfache Porträtzeichnungen könnten einen Zugang zu diesem Objekt liefern. Die Heiligenfiguren besitzen Identifikationscharakter, für einen damaligen Betrachter war sofort ersichtlich, um wen es sich handelte. Ein ähnliches Projekt sollen auch Juliane Kleys Schülerinnen und Schüler starten: Auf der Reliquiendose wirken die Heiligenporträts wie Medaillons. Eine ähnliche Wirkung kann entstehen, wenn die Schülerinnen Porträt-Sticker auf die Gegenstände in ihrer Lebenswelt kleben. So übertragen sie ein mittelalterliches Bildkonzept in die Gegenwart.

„Kunstwerke müssen real, in ihrer Dimension, Farbigkeit und Gestaltung wahrgenommen werden“, sagt Claudia Höhl. Deshalb sehen sich die Kinder die Objekte auch im Dommuseum an. Erst durch diesen visuellen Zugang erhalten sie die notwendigen Ideen für eine eigene kreative Auseinandersetzung. So soll der Domschatz, der Weltkulturerbe ist, auch für die Jüngsten erfahrbar werden.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-10236 Wed, 24 Jun 2015 13:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: World Refugee Day https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/bildungswege-von-fluechtlingen-world-refugee-day/ Hildesheimer Universitätspräsident fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. „Let’s help refugees thrive, not just survive”, so lautet der Appell von Melissa Fleming vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Wir sollten Flüchtlinge dabei unterstützen, zu überleben und ihnen zugleich dabei helfen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, um Erfolg zu haben.

Wenn die UN zum „World Refugee Day“ am 20. Juni 2015 weltweit auf die Probleme von Geflüchteten und auf ihre Kraft, ihren Mut und Durchhaltewillen aufmerksam macht, setzt die Universität Hildesheim ebenfalls ein Zeichen: Studierende und Lehrende unterstützen Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen und beim Spracherwerb, sie spielen gemeinsam Fußball, Theater und Musizieren.

Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich fordert anlässlich des Weltflüchtlingstages eine stärkere Öffnung des Bildungssystems und mehr Sprachangebote für Flüchtlinge. Dabei weist Friedrich auf die Rolle von Universitäten hin: „Wir wollen unseren Beitrag in Forschung und Lehre, Studium und Weiterbildung leisten, um die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien zu verbessern. Wir erkennen gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen an. Wir sollten die Ärmsten und Fleißigsten nach Kräften fördern, auch und gerade im Bildungssystem.“

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Unter ihnen ist Iman Ziaudin, die in Afghanistan und Pakistan aufwuchs und mit Anfang 20 nach Deutschland floh. Seit eineinhalb Jahren lebt sie in Hildesheim, seit zwei Monaten geht sie zur Uni. „Die Uni macht mich stärker. Ich höre den ganzen Tag Deutsch. Es ist ein schönes Gefühl: Ich kann studieren, ich fühle mich wie andere Studentinnen. Ich komme zur Uni, sitze im Unterricht und stelle mir meine Zukunft vor. Ich finde das super-schön“, sagt die 25-Jährige Informatik-Studentin. Sie besucht derzeit sechs Vorlesungen und bereitet sich parallel auf eine Sprachprüfung (C1) vor.

Die Studierenden mit Fluchterfahrung haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, von Menschen, die noch kein Studium absolviert haben bis zu jenen, die einen Studienabschluss in ihrem Herkunftsland erworben haben. Darunter zum Beispiel Ingenieure und eine Informatikerin aus Syrien, ein Politikstudent aus dem Sudan, ein Arzt und ein Modedesigner aus Syrien. „Das Schnupperstudium gibt Struktur im Tagesablauf, Studierende kommen teilweise aus dem Landkreis zu uns. Sie nehmen am normalen Uni-Betrieb teil. Viele haben einen ungesicherten Status, aber sie bringen den Mut auf, sind hoch motiviert, zu lernen“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. Land und Kommunen sollten „Möglichkeiten schaffen, damit sich Flüchtlinge sinnvoll beschäftigen können“.

Studierende („Anker-Peers“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Uni. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme Außerdem bilden sie Sprachtandems. „Studierende aus Irak, Syrien und Somalia suchen Tandempartner. Es geht um den Austausch in der Alltagssprache. In meine Sprechstunden kommen vermehrt junge Flüchtlinge, die einfach gerne Deutsch sprechen möchten und gleichzeitig Kontakt mit anderen jungen Menschen suchen“, sagt Steffi Albrecht vom International Office.

In Hildesheim gibt es keine Zugangsvoraussetzungen, es geht darum, den Einstieg in das Studium zu ermöglichen. Die Universität arbeitet mit Asyl e.V. zusammen, um Flüchtlinge zu erreichen; mit der VHS (Sprachkurse), mit der HAWK, mit dem Arbeitskreis Asyl der Stadt Hildesheim (Ehrenamtliche informieren). Herausforderungen sind zum Beispiel die Sprachkenntnisse oder auch die Anerkennung der Hochschulzugangsberechtigung. Viele, die ein Studium in ihrem Herkunftsland absolviert haben, waren bemüht, ihre Papiere trotz der Flucht mitzunehmen. „Viele Studierende mussten kurz vor ihrem Abschluss aus Syrien, Irak und Sudan, aus Afghanistan und Iran fliehen. Sie sollen die Bindung zur Uni nicht verlieren“, sagt Daoud Naso vom Verein Asyl e.V.

Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Studierenden des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet und in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht (Niveaustufen B1 und A2).

Hilfe für ein Studium nach der Flucht / Spenden und Stipendien

Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die ein Deutschlandstipendium stiften möchten, können Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121 88390130) kontaktieren. Das Prinzip ist einfach: 1800 Euro Privatspende werden durch den Bund auf den doppelten Betrag aufgestockt. So entsteht ein Stipendium von 300 Euro monatlich über ein Jahr. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Oder spenden Sie unter dem Stichwort „Studium nach der Flucht“ auf das Konto der Stiftung Universität Hildesheim bei der Nord/LB Hannover (IBAN: DE86250500000106031768 / BIC: NOLADE2HXXX).

Magazin: Themenschwerpunkt Studium nach der Flucht

Mehr erfahren Sie im Magazin der Universität Hildesheim. Die Sommerausgabe 2015 erscheint zum „World Refugee Day“ mit dem Schwerpunktthema „Studium nach der Flucht / Bildungswege von Flüchtlingen“ und ist online kostenfrei als PDF und Epaper abrufbar.

Zwei Beispiele

Projekt „LernKU(H)LT“: Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team

Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim fördern seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zweimal wöchentlich über mindestens ein halbes Jahr begleiten sie je eine Gruppe von drei bis fünf Kindern. Die Lehramtsstudenten werden von Erziehungswissenschaftlern begleitet und halten Kontakt zu den Eltern. „Ziel ist die schulische Situation von Erst- bis Zehntklässlern, vor allem mit Förderbedarf in der deutschen Sprache, in der Region Hildesheim zu verbessern“, sagt Yvonne Rechter. Etwa 600 Kinder und Jugendliche aus der Region und 200 Studentinnen und Studenten nahmen bisher teil. Derzeit laufen 18 Gruppen, drei davon in Hannover. Etwa 13 % der Kinder kommen aus Syrien. „Mein Sohn wächst zweisprachig auf. Ich begrüße die Initiative der Universität Hildesheim, für die Studentin sind das wichtige Erfahrungen. Mein Sohn kann in der kleinen Gruppe Fragen stellen, es macht ihm Spaß“, sagt Aiman Ismail, dessen Familie seit vielen Jahren in Deutschland lebt und dessen 9-jähriger Sohn an dem Projekt teilnimmt.

Projekt „Funah“: Im Sport zusammenkommen

Viele Studierende engagieren sich für Flüchtlinge. Über das gemeinsame Fußballspiel wollen Omar Fahmy und Dominik Feer mit Jugendlichen in Niedersachsen Werte erarbeiten wie Teamgeist, Respekt, Vertrauen, Verbindlichkeit, Selbstständigkeit. Ihr Werkzeug gegen Konflikte auf dem Schulhof ist der Sport. „Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy. Vor dem Auspowern bieten die Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim gezielte Förderung im schulischen Bereich an, in Fächern, in denen es bei den teilnehmenden Kindern ab zehn Jahren noch nicht rund läuft. Die Studenten arbeiten seit 2015 mit der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim zusammen. Dabei erreichen sie Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Sie sind wöchentlich in der Schule und arbeiten intensiv mit Kindern aus einer Sprachlernklasse. Die Sportwissenschaftlerin Prof. Vera Volkmann begleitet das Projekt wissenschaftlich. „Sport ist gemeinschaftliches Erleben, auch körperlich und emotional. Sport kann ein guter Anker sein, um Begegnungen anzubahnen.“

Pressemeldung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

„Wir möchten Flüchtlingen, die persönlich ein schweres Schicksal erleiden, Perspektiven aufzeigen. Es ist im Interesse der ganzen Gesellschaft, wenn wir das Potenzial dieser Menschen nicht brachliegen lassen und ihnen dabei helfen, Bildungschancen zu ergreifen“, sagt die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (zur Pressemeldung). „Damit erleichtern wir es Flüchtlingen, rasch bei uns Fuß zu fassen und geben gleichzeitig einen Anreiz, um zukünftige Fachkräfte in Niedersachsen zu halten.“

Medienkontakt:

Kontakt zu Studierenden mit Fluchterfahrung, zu Familien und Wissenschaftlern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905).

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung MA DaZ/DaF Flüchtlinge
news-10239 Fri, 19 Jun 2015 13:50:00 +0200 Fremdsprache in Kindergarten und Schule erlernen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/fremdsprache-in-kindergarten-und-schule-erlernen-1/ Drei Stunden pro Tag oder eine pro Woche? Welche Faktoren beeinflussen den Erwerb einer Fremdsprache bei Kindern? Das untersucht eine Hildesheimer Arbeitsgruppe. Das Team um Professorin Kristin Kersten befragt zudem an 1700 Grundschulen, wie Lehrerinnen und Lehrer die englische Sprache unterrichten. Am Wochenende tauschen sich die Fachleute auf einem Fachtag zu bilingualem Lehren und Lernen an der Universität aus. Wie kann früher Fremdspracherwerb gelingen? Was passiert eigentlich mit der Erstsprache, wenn ein Großteil des Unterrichts in einer Fremdsprache, zum Beispiel Englisch, durchgeführt wird?  „Langjährige Untersuchungen deuten darauf hin, dass andere Fähigkeiten eines Kindes nicht darunter leiden, wenn es eine zweite Sprache im Kindesalter erlernt. Im Gegenteil: In besonders intensiven Programmen kann sich neben kognitiven Vorteilen sogar die Erstsprache verbessern“, sagt Professorin Kristin Kersten von der Universität Hildesheim.

In den dreijährigen Forschungsprojekten „SMILE (Studies on Multilingualism in Language Education)“ und „BiLLiE (Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung)“ untersucht eine Arbeitsgruppe aus den Bereichen Psycholinguistik und Psychologie, welche Variablen Einfluss auf den frühen Fremdsprachenerwerb bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund sowie bei Lernern mit unterschiedlichen kognitiven Voraussetzungen haben. Sie erfassen, wie bilingualer Unterricht in Grundschulen umgesetzt wird und wie die Einstellungen von zweisprachigen Lehrkräften ausfallen. Kristin Kersten arbeitet dabei mit Professor Werner Greve aus dem Institut für Psychologie und einer Reihe von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen zusammen, die die Projekte koordinieren.

In Niedersachsen sind derzeit zwei Stunden Englisch ab der 3. Schulklasse verpflichtend. Im SMILE-Projekt blickt die Hildesheimer Arbeitsgruppe nun auf die Kinder: Welche Faktoren beeinflussen den Fremdspracherwerb? „Forschungsergebnisse aus früheren Studien weisen darauf hin, dass die Intensität, Dauer des Kontakts sowie das handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache an Objekten, Bildern und der Umwelt entscheidend sind. Ob die Fremdsprache mehrere Stunden pro Tag oder nur zwei Stunden pro Woche angeboten wird und wie sie von der Lehrkraft umgesetzt wird– das macht viel aus. Dazu kommt, dass jedes Kind individuelle Voraussetzungen zum Lernen mitbringt, die sich nicht nur in den kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch im sozialen Umfeld unterscheiden. Und schließlich ist jedes Schulprogramm ein komplexes Gefüge, in dem auch jede Lehrkraft ihre eigenen Kenntnisse, Einstellungen und Motivation mitbringt“, so Kersten. „Durch unsere Erhebungen an niedersächsischen Schulen wollen wir an mehreren hundert Kindern in einer Zusammenschau überprüfen: Was hat tatsächlich den größten Einfluss auf den Fremdspracherwerb? Und wie können wir die Kinder darin fördern?“ Die Projektkoordinatorinnen Katharina Schwirz und Katharina Hagenfeldt organisieren zurzeit die ersten Datenerhebungen an vier Schulen.

Professorin Kristin Kersten befasst sich in ihrer Forschung und Lehre mit Formen des bilingualen Lernens, vor allem mit einem besonders intensiven Programm: Bei der „Immersion“ („Eintauchen“ in die Sprache) werden mindestens 50 Prozent des Curriculums in der Fremdsprache unterrichtet. Die Arbeitsgruppe beobachtet Unterricht in bilingualen Schulen, zum Beispiel in einer Immersionsschule in Göttingen. „Die Kinder kommen morgens zur Schule, die Begrüßung läuft auf Englisch ab. Bis auf Deutsch werden alle Fächer in englischer Sprache unterrichtet, auch auf den Fluren wird Englisch gesprochen. Ob Mathematik, Musik oder Sachunterricht – alles was normalerweise auf Deutsch stattfindet, läuft in englischer Sprache ab. Besonders ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer sehr stark das Verständnis sichern müssen, indem sie mit Gestik, Mimik, Materialien und vielen Kontextualisierungen arbeiten.“

An der Göttinger Schule unterrichten derzeit auch zwei Hildesheimer Lehramtsstudentinnen mit den Fächern Mathematik und Englisch in der Praxisphase im Masterstudium. Sie erleben und unterrichten das Fach Mathematik in englischer Sprache. Und sie können im Rahmen ihres Englischstudiums auch ein Zertifikat für bilinguales Lehren und Lernen erwerben, das vom Englischinstitut der Uni Hildesheim angeboten wird. „Es ist sehr wichtig, schon in der Lehrerausbildung anzusetzen, um die Kompetenzen für bilinguales Unterrichten aufzubauen“, so Kersten.

Wie der intensive Fremdspracherwerb abläuft, damit befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lehramtsstudierende und Lehrkräfte an diesem Wochenende auf einem Fachtag. Über 160 Personen aus mehreren Bundesländern haben sich angemeldet. Professorin Claudia Mähler, die einen der Hauptvorträge hält, befasst sich beispielsweise mit der Diagnostik bei Kindern mit Förderbedarf und mit der ihrer Sprachentwicklung. Kinder aller Schulstufen, so Mähler, „weisen eine große Heterogenität bezüglich ihrer kognitiven Kompetenzen auf“. Eine gute individuelle Förderung setze die Kenntnis des Entwicklungsstandes eines jeden Kindes voraus. Professorin Petra Burmeister von der PH Weingarten spricht über Differenzierung im Fremdspracherwerb. Sie hat für die Strategien, den Spracherwerb stark durch Kontextualisierungen und Gesten zu begleiten, den Begriff „Stummfilm-Technik“ geprägt. „Wenn man sich vorstellt, dass den Lehrkräften der Ton abgedreht würde, dann müssten trotzdem alle Inhalte für die Kinder noch verständlich sein – ihre Kenntnisse in der Fremdsprache sind noch nicht groß, aber sie werden durch das Verständnis der Situation und der handlungsbegleitenden Sprache aufgebaut“, erläutert Kristin Kersten.

In Deutschland, so Kersten, sei die flächendeckende Umsetzung von bilingualen Konzepten, also dem intensiven Fremdsprachenlernen an Inhalten im Schulalltag – noch weit entfernt, obwohl die europäische Politik seit über zehn Jahren darauf drängt. Ihre Studien weitet die Hildesheimer Arbeitsgruppe daher derzeit von der Erhebungsphase in Niedersachsen auf die Bundesrepublik aus. „Jede Schule, die neu damit anfängt, muss sehr viele Entscheidungen treffen, die Lehrkräfte müssen sich fortbilden. Sie sind auch Kritik ausgesetzt. Eltern fragen etwa, ob denn der deutsche Spracherwerb ihrer Kinder darunter leidet.“ Die Forschergruppe untersucht daher in einem Zeitraum von drei Jahren, wie Lehrkräfte die bilingualen Konzepte umsetzen und wie sie dies im Schulalltag erleben.

„Wir befragen im BiLLie-Projekt zunächst alle 1700 Grundschulen in Niedersachsen nach ihren Konzepten“, erklärt Kersten, „und anschließend Lehrkräfte deutschlandweit nach ihren Erfahrungen mit und Einstellungen zu bilingualem Unterricht“. „Das Team der Psychologen untersucht in einer längsschnittlichen Fragebogenstudie die Einstellung und Einstellungsveränderung von Lehrenden zu bilingualem Unterricht“, so Werner Greve. Alina Wegner vom Englischinstitut und Lydia Schmieder aus dem Institut für Psychologie koordinieren die BiLLiE-Studien. Die interdisziplinäre Perspektive der beiden Studien, die eng miteinander verknüpft sind, ist eine Neuerung in Forschung zu bilingualem Unterricht. Auch Lehramtsstudierende sind an dem Forschungsprojekt beteiligt, im Methodenbüro der Universität („Cati-Labor“) laufen die niedersachsenweiten Telefonbefragungen. Das Labor vom Institut für Sozialwissenschaften wurde speziell für Telefonbefragungen in empirischen Studien ausgerüstet.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Englische Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-10177 Fri, 12 Jun 2015 18:55:00 +0200 Gehen Jugendliche in die Natur? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/gehen-jugendliche-in-die-natur/ Geographiedidaktiker der Universität Hildesheim haben in einer Vollerhebung alle Fünft- und Neuntklässler an Hildesheimer Haupt-, Real- und Gesamtschulen befragt, ob sie in die Natur gehen. Erdkundeunterricht findet meist im Klassenraum statt, so ein Ergebnis. Man befasst sich mit der Umwelt, aber ist kaum in der Natur. Was würdest du für Naturschutz und gegen Umweltprobleme tun, wenn du könntest? „Jeden Öltanker mit Klebeband abkleben, damit nie wieder ein Öltanker ausläuft.“  Die Idee stammt von einer Siebtklässlerin, Was verstehen Jugendliche unter „Natur“ und „Umwelt“? Etwa 70 % der Schülerinnen und Schüler können nicht beschreiben, was „Umwelt“ ist. Viele Jugendliche verbinden mit dem Begriff Umweltverschmutzung, meist begründen sie diese Zerstörung der Umwelt mit Verkehr, Müll und Atomkraft. Jugendliche sammeln nur wenige Naturerfahrungen in der Schule, Erdkundeunterricht findet meist im Klassenraum statt. Man befasst sich mit der Umwelt, aber ist kaum in der Natur.

Das ist ein Ergebnis einer Studie von Geographiedidaktikern der Universität Hildesheim. Ann-Christin Schock hat untersucht, wie Lehrerinnen und Lehrer Geomedien und außerschulische Lernorte – etwa Schulbiologiezentren – in den Unterricht einbeziehen können. „Wie können Jugendliche sensibilisiert werden, um die Welt für nachfolgende Generationen zu erhalten? Schulen können über Medien Interesse für die Natur wecken“, sagt Schock. Dazu hat sie in einer Vollerhebung 1200 Fünft- und Neuntklässler aus allen Hildesheimer Haupt-, Real- und Gesamtschulen befragt. Der Schülerfragebogen bezog sich auf die Bereiche Freizeitgestaltung, Umweltbewusstsein, Naturerfahrung und Mediennutzung in Freizeit und Unterricht. Außerdem wurden 53 Geographielehrkräfte befragt. „Ich wollte wissen, was machen die Schüler eigentlich in ihrer Freizeit, gehen sie raus ins Grüne?“ 11- und 12-Jährige seien noch sehr offen für die Natur, möchten raus in den Wald, ob Mädchen oder Jungen. Ältere, die stark medienaffin sind, haben hingegen kaum Lust auf Naturerfahrungen in der Schule und mit der Familie. Die Mädchen seien im höheren Alter aber eher naturaffin, gehen reiten oder mit dem Hund Gassi. Ein Junge sagte, Natur sei die Fußgängerzone.

„Nur Klicken in das Internet reicht nicht aus, um Natur zu erleben. Ich muss einen Regenwurm auch anfassen“, sagt Geographieprofessor Martin Sauerwein, der in der Lehrerfortbildung ansetzt. Ann-Christin Schock hat ihre Promotion im Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ abgeschlossen und zuvor an der Hildesheimer Uni Lehramt mit den Fächern Geographie und Englisch studiert. Da die Mediennutzung bei Jugendlichen in starker Konkurrenz zur Naturerfahrung steht, sollte im Unterricht das mediale Interesse genutzt werden, um den zum Teil verlorengegangenen Naturzugang wiederherzustellen, etwa durch Geocaching. „Dabei ist bedeutsam, die Lebenswelt, Interessen sowie die Diversität im Klassenzimmer zu berücksichtigen.“

Hildesheimer Geographische Studien

Wer mehr über Naturerfahrungen von Jugendlichen und den Einsatz von Medien im Erdkundeunterricht erfahren möchte, findet Informationen in Band 3 der „Hildesheimer Geographischen Studien“. Die Darstellung und Analyse der Befragung von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I zu Naturerfahrungen und Geomedien von Ann-Christin Schock umfasst 250 Seiten.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 4 Geographie Biologie & Chemie Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-10023 Wed, 10 Jun 2015 18:41:00 +0200 „Nach der Schule endet Lernen nicht“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/nach-der-schule-endet-lernen-nicht/ Neu an der Universität: Die Professorinnen Bettina Amrhein und Carola Iller befassen sich an der Universität Hildesheim mit Teilhabe an Bildung und Weiterbildung im Lebensverlauf. Anlässlich der Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung im Beisein der Niedersächsischen Kultusministerin berichten die Wissenschaftlerinnen aus ihrer Forschung. „Der Bereich der Weiterbildung umfasst alle Lerngelegenheiten nach dem Abschluss der Schule, der Erstausbildung“, sagt Carola Iller, Professorin für Fort- und Weiterbildung an der Universität Hildesheim. Wenn man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 80 Jahren ausgeht, dann verbringen wir ein Viertel dieser Lebenszeit in Kindergarten und Schule, die anderen drei Viertel Lebenszeit haben wir für Bildung im nachschulischen Bereich, so Iller.

Nach der Schule endet Lernen nicht, sagt Carola Iller. „Vor, neben und nach der Schule gibt es Bildungsprozesse, die wichtig sind, um Herausforderungen im Beruf und Alltag zu bewältigen.“ Neben der Schule finden beispielsweise wichtige Lernprozesse im Sportverein statt. „Vereine sind nicht systematisch als Bildungsorte erschlossen. Wenn man Aufgaben als Jugendtrainer übernimmt, dann ist man dafür fachlich ausgebildet. Aber man gibt Heranwachsenden auch Orientierung.“ Diese Menschen sind wichtige Identifikationsfiguren, das zeigen Untersuchungen der Professorin. Biografische Interviews zeigen, wie wichtig diese Schlüsselpersonen in der Jugend sind, sie kommen teilweise aus der Familie, ältere Geschwister und Verwandte werden zu Vorbildern, aber auch Personen aus der Nachbarschaft und aus Sportvereinen. Iller spricht von dem „signifikanten Anderen“, also Personen, die „bedeutungsvoll sind für die eigene Entwicklung, von denen man sich etwas abschaut, an denen man sich orientiert“. In der Schule finden auch außerhalb des Unterrichts wichtige Lernprozesse statt, zum Beispiel in den Pausen im Umgang mit älteren und jüngeren Kindern.

Die Weiterbildung nach der Schule ist dann ein bunter Strauß mit formalen Angeboten im staatlich anerkannten Bildungssystem (etwa an Universitäten), mit non-formalen Angeboten (etwa Kurse an Volkshochschulen und Trainings der Krankenkasse und betriebliche Bildungsangebote). „Unternehmen sind die größten Weiterbildungsanbieter, obwohl sie nicht als Bildungsanbieter anerkannt sind. Vielen Unternehmen ist es auch nicht bewusst, dass interne Weiterbildungen eine wichtige Rolle für die berufliche Weiterentwicklung spielen“, so Professorin Iller. „Es gibt für alle diese vielen Angebote keinen Masterplan, wie in der Schule, wo wir festlegen, was unterrichtet wird. Wir sind darauf angewiesen, dass Erwachsene die Weiterbildung für sich als so relevant einschätzen, dass sie Zeit und Geld investieren. Deshalb muss jemand, der ein Weiterbildungsangebot für eine 40-jährige berufstätige Mutter entwickelt antizipieren: Was wollen die Erwachsenen? Warum könnte das Bildungsprogramm für diese Frau relevant sein?“

Lernen endet nicht nach der Schule: Anwälte, Ärzte und Lehrkräfte müssen sich fortbilden

In einigen Berufen gebe es eine Fortbildungspflicht, etwa für Anwälte, Ärzte und Lehrkräfte. „In diesen Berufen ist so eine Entwicklung über die gesamte Berufslaufbahn hinweg, da muss man Fortbildungen verpflichten. Ein Studium in der Medizin oder im Lehramt reicht nicht aus, um bis zur Rente eine gute Ärztin, ein guter Lehrer zu sein. Das spüren wir gerade auch an Schulen, mit der Reform zur inklusiven Schule“, sagt Carola Iller.

Durch die Schaffung neuer Professuren sitzen in der Universität unterschiedliche Perspektiven an einem Tisch, von der Lehrerausbildung bis zur Weiterbildung, das war für Bettina Amrhein ausschlaggebend, um von Köln nach Hildesheim zu wechseln. Die Professorin für Inklusion und Bildung lehrt an der Hildesheimer Uni nun in den Bereichen Inklusion, Individuelle Förderung, Diagnostik und Umgang mit Heterogenität in der Grundschule. Sie war selbst fast 10 Jahre Lehrerin an Grund- und Hauptschulen im integrativen bzw. inklusiven Unterricht und beobachtet schon lange die Entwicklung hin zu inklusiven Schulen. „Ich habe selber als Lehrerin viel Skepsis erfahren für meinen Weg zurück in die Wissenschaft.“

Dass die Professur mit dem Schwerpunkt „Inklusion und Bildung“ ausgeschrieben wurde, sei besonders, so Amrhein. „Ich wollte mich zunächst eigentlich gar nicht aus Köln weg bewerben, aber die Ausschreibung der Professur hat mich in ihrer Offenheit für das Thema derart angesprochen. Dies bestätigt sich nun auch in den ersten Kooperationen an der Stiftung Universität Hildesheim. Ich treffe hier auf viele Kolleginnen und Kollegen, die Inklusion bereits interdisziplinär denken. Wir denken Inklusion weit, beziehen das, was wir über Migration und Diversity wissen, mit ein und haben die Nachhaltigkeit dieser Bildungsinnovation fest im Blick.“

Mit der Reform des Lehramtsstudiums in Niedersachsen (GHR 300) – das Masterstudium umfasst nun vier statt wie bisher zwei Semester – wurde ein Modul „Inklusion“ verpflichtend eingeführt. „Die Mathematikdidaktikerin, die Sprachwissenschaftlerin, der Sportwissenschaftler befasst sich mit dem Thema. In den Fachdidaktiken passiert derzeit viel“, sagt Professorin Bettina Amrhein. Weiterbildungen seien in der Hochschullehre sehr wichtig. „Wenn sich Lehrende auch als permanent Lernende begreifen, dann gehen sie auf das neue Thema der Inklusion mutiger zu. Sie schauen, wie sie Barrieren für Lernen und Teilhabe abbauen können.“

Es gebe aber auch Lehrende, die solchen Neuerungen mit Zurückhaltung begegnen. „Oft wird das fälschlicherweise als Widerstand bezeichnet. Das ist wenig hilfreich, denn eine eher abwartende Haltung einer großen Neuerung gegenüber dient vielleicht auch zunächst dem verständlichen Schutz der eigenen Ressourcen. Die Weiterbildung des Hochschulpersonals sollte auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden, dazu gehöre auch die Forschung in den Fachdidaktiken, ergänzt Carola Iller. „Universitäten können Inklusion zum Thema der Hochschuldidaktik machen, sie leben das vor, auch die Verwaltung.“

„Inklusive Fachdidaktik“: Umgang mit Vielfalt in Mathematik-, Sprach-, Sportunterricht

Derzeit lehrt Bettina Amrhein in den Seminaren „Schul-Forschungswerkstatt (Pädagogik). Fallstudien zur Entwicklung inklusiver Schulen" und „Inklusion im regionalen Kontext". Studierende seien nicht selten erheblich irritiert, beobachtet sie. „Durch ihre Erfahrungen in der Praxisphase – und in Hildesheim verbringen die Lehramtsstudierenden sehr viel Zeit in der Praxis im Vergleich zu anderen Standorten –, erleben sie häufig, dass der Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer nicht gut gelingt. Gerade aktuell machen sie aufgrund der großen Probleme bei der Umsetzung inklusiver Bildung in der Schule häufig die Erfahrung, dass Lehrkräfte der Bildungsreform sehr skeptisch gegenüberstehen. Lehrkräfte berichten, dass sie häufig allein sind, dass sie Ressourcen nicht erhalten.“ Das erleben Lehramtsstudierende an Schulen und sie wissen, das wird später Alltag sein. Der Einfluss der Mentoren im Praktikum wirke stärker als der der Dozenten in den Begleitveranstaltungen. Im Projektband „Fallstudien zur Entwicklung und Gestaltung inklusiver Schulen“ wolle sie Studierende dabei unterstützen, „einen forschenden Blick zu entwickeln und die Praxiserfahrung immer vor dem Hintergrund der im Rahmen des Studiums kennengelernten Theorien zu reflektieren“. Im Wintersemester 2015/16 folgt eine Ringvorlesung „Inklusion“ mit dem Schwerpunkt „Inklusive Fachdidaktik“. „Die Studierenden haben einen hohen Bedarf, ihre Vorstellungen auszureifen, wie Inklusion in ‚ihrem‘ Fach funktionieren kann“, so Bettina Amrhein. Langfristig wolle sie die Kooperation mit den Praxisschulen ausbauen und in einen gemeinsamen Lernprozess einsteigen, was die Entwicklung hin zu inklusiven Schulen betrifft.

An der Universität in Hildesheim gibt es einen Studiengang, in dem Lehrerinnen und Lehrer, die mitten im Beruf stehen, über einen längeren Zeitraum auf dem Weg zur inklusiven Schule begleitet werden. „Es geht nicht allein darum, wie man Arbeitsblätter größer kopiert, sondern darum, pädagogische Grundhaltungen zu reflektieren“, so Amrhein. „Der Weg zur Inklusion ist ein Paradigmenwechsel im pädagogischen Handeln, viele Lehrkräfte haben sich in der Erstausbildung nicht damit befasst, es ist nicht ausreichend, kurzfristig zu intervenieren. Das gilt für viele Innovationen, die Menschen müssen dahinter stehen“, ergänzt Professorin Carola Iller.

Barrieren aufspüren: Unterricht so gestalten, dass alle teilhaben können

Was bedeutet inklusive Bildung? „Im Kern geht es darum, Barrieren für Teilhabe in einem System, zum Beispiel der Schule oder der Universität, aufzuspüren, sagt Bettina Amrhein. In vielen anderen Bundesländern gehe der Aufbau einer an Inklusion orientierten Lehrerbildung derzeit jedoch in eine etwas andere Richtung. Häufig sollen sich Studierende „sonderpädagogische Kompetenzen“ und Spezialwissen über den Umgang mit Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf aneignen.

„Umgang mit Inklusion bedeutet jedoch, den Blick immer auf alle Schülerinnen und Schüler zu richten. Es liegt in der Verantwortung der allgemeinen Schulpädagogik in Kooperation mit anderen Professionen, den Unterricht so zu gestalten, dass alle teilhaben können. Dass dies funktioniert, wird auch in Deutschland seit fast 40 Jahren immer wieder bewiesen und mit Forschungsergebnissen hinterlegt.“ Dabei sei dies nicht einfach, da das Schulsystem darauf ausgerichtet sei, möglichst homogene Lerngruppen zu bilden. Mit Lehramtsstudierenden und Promovierenden befasst sie sich zurzeit mit dem Schulalltag in anderen Ländern: wie funktioniert das Schulsystem und Teilhabe an Bildung etwa in Canada? „Viele Länder haben schon vor Jahrzehnten umgesteuert, um mit Vielfalt positiv umzugehen“, so Amrhein.

„Das Problem, das ich derzeit sehe, wenn ich Lehrerfortbildungen gebe, ist: Wir erwarten von den Lehrern eine inklusive Haltung. Wir mahnen sie an. Andererseits belässt man sie aber in der Logik eines Schulsystems, das noch sehr wenig inklusiv ausgerichtet ist, das erlebe ich vor allem an Gymnasien“, so die Professorin. „Ich befasse mich daher stark mit dem Handeln von Schulleitungen. Schulleitungen können diesen Prozess mitsteuern, wir sollten sie stärker fortbilden. Viele Bundesländer haben ein Tages-Modul Inklusion an ihre üblichen Fortbildungen drangesetzt, das reicht bei weitem nicht aus", sagt Bettina Amrhein.

Bildung im Erwachsenenalter: Man kann auch noch Bildung nachholen

Eine wichtige Aufgabe der Erwachsenbildung sei, so Carola Iller, die Tür weiter offen zu halten, Abschlüsse nachzuholen. „Man kann auch noch Bildung nachholen im Erwachsenenalter. Aber wir sehen, dass die Schere auseinanderklafft. Diejenigen, die an der Universität Studiengänge im Erwachsenenalter besuchen, das sind die bildungsaffinen. Diejenigen, die früh in eine andere Richtung gebracht wurden und kein positives Verhältnis zu Bildung haben, die nutzen auch Weiterbildungsmöglichkeiten nicht.“ Naja, dann eben nicht – diese Einstellung sei fatal. „Wir wissen aus bildungsökonomischen und soziologischen Untersuchungen, dass Bildung ganz viele positive Effekte hat, das geht einher mit einer besseren Gesundheit und Berufsposition, mit einem höheren Einkommen, einer stärkeren politischen Partizipation und gesellschaftlichem Engagement.“

Die Teilhabe an Bildung, so Carola Iller, habe eine so große, steuernde Wirkung, so dass man nicht einfach sagen kann: Dann bildest du dich halt nicht weiter. „Weiterbildung ist freiwillig, aber wer sich dagegen entscheidet hat erhebliche Nachteile.“

Etwa die Hälfte der Bevölkerung nimmt keine Weiterbildung wahr. So nimmt etwa „fast jeder zweite Niedersachse an Weiterbildung teil“, wie aus einer Studie (2015) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur hervorgeht. Demnach haben in Niedersachsen 2014 rund 2,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger im Alter von 18 bis 64 Jahren (47 Prozent) an einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Erwerbstätige und Auszubildende profitierten dabei am häufigsten von Weiterbildung. Arbeitslose und sonstige Nicht-Erwerbstätige würden zu 40 bzw. 23 Prozent erreicht. „Der Landesregierung ist es ein besonderes Anliegen, jedem die Chance auf Weiterbildung zu ermöglichen, mehr Menschen für Weiterbildung zu begeistern, das Angebot entsprechend attraktiv zu gestalten und so die Ausbildung von Fachkräften zu sichern“, so die Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić.

Die Studie wurde parallel zur bundesweiten Studie „Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014“ des Bundesbildungsministeriums durchgeführt. „Es gibt Menschen, die sehr aktiv regelmäßig an Weiterbildungen teilnehmen“, sagt Professorin Iller. „Aber die nie Teilnehmenden, etwa 20 bis 25 Prozent, die nach ihrem meistens sehr niedrigen Berufsabschluss aus dem Bildungssystem ausgeschieden sind, die haben große Probleme, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Das macht für mich als Weiterbildungsforscherin das Thema Inklusion so bedeutsam. Damit die Teilhabe an Bildung im Lebensentwurf vorkommt, sollte es eine stärkere Koordination und Steuerung geben. Es gibt keinen Masterplan in der Weiterbildung, welche Angebote für welche Gruppen gemacht werden sollen. Es gibt Angebote, aber es gibt Menschen, die diese Angebote gar nicht finden,  Weiterbildung kommt gar nicht vor in ihrem Lebenskontext.“

In die Uni mit 71: Seniorinnen und Senioren müssen nicht mehr lernen, aber viele wollen es

Anders bei manchen älteren Menschen: Seniorinnen und Senioren etwa müssen gar nicht mehr lernen. „Sie müssen nichts mehr nachweisen und davon einen Nutzen haben. Sie gehen in die Universität, weil sie es gesellig finden mit jungen Studierenden, weil sie Vorlesungen spannend finden“, sagt Carola Iller und weist auf das Gasthörerstudium an der Uni in Hildesheim hin. Rund 80 Prozent sind über 60 Jahre, die älteste der etwa 100 Gasthörenden ist Jahrgang 1930, sie wird dieses Jahr 85 Jahre alt. „Sie würden niemals einer Studentin den Platz wegnehmen wollen, das hat für die Gasthörer oberste Priorität. Aber wenn es einen Platz gibt in der Geschichtsvorlesung oder dem Theologieseminar, dann möchten sie teilhaben, es gehört zu ihrer Freizeitgestaltung, zu ihrem täglichen Leben“, so Iller.

Das bestätigt Hans-Joachim Holz, der 71-Jährige besucht seit sechs Jahren nicht nur Vorlesungen, sondern auch viele Seminare an der Universität Hildesheim. Er fährt zwei bis drei Mal in der Woche von Bad Gandersheim etwa 40 Kilometer mit dem Auto nach Hildesheim. „Nach 30 Jahren als Grundschullehrer gehe ich wieder zur Universität. Das Lernen hört nicht auf. Ich muss aber keine Pädagogik-Seminare mehr besuchen", lächelt er. Hans-Joachim Holz wählt, wie viele der Gasthörenden, die Fächer Geschichte, Soziologie, Philosophie. Beliebt ist zum Beispiel die Vorlesungsreihe „Europagespräche" des Historikers Professor Michael Gehler.

Das Studium biete eine Möglichkeit, nicht von 100 auf 0 zu fallen, nachdem man im Berufsleben ausscheidet. „Ich gehe noch lieber in Seminare. Es ist ein Geben und Nehmen und schön, mit den jungen Leuten gemeinsam zu arbeiten, eigentlich nehme ich alles mit, was zum Studium gehört, Referate, Gruppenarbeiten – nur Klausuren schreibe ich nicht mehr.“ Er habe schon viele Beziehungen zu den Studierenden geknüpft und sieht bekannte Gesichter wieder. Schließlich sei die Uni überschaubar, mit insgesamt 7100 Studierenden. In diesem Sommersemester besucht Hans-Joachim Holz zum Beispiel Lehrveranstaltungen zu den Themenfeldern Religion, Migration und Integration und Politische Kultur, etwa eine Vorlesung von Politikwissenschaftlern über „Demokratie und Islam".

Biographien erforschen: Nicht von 100 auf 0 fallen – Pläne machen für die Phase nach dem Beruf

In der Forschung arbeitet Carola Iller mit Studien, deren Daten (Tonbänder und Transkripte) über Biographien sie weiter auswertet. So untersucht sie anhand von biografischen Interviews aus der „interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters“ (ILSE), welche Bedeutung Bildung für das gesunde und zufriedene Altern hat. Dabei wurden Menschen, die um 1930 und um 1950 geboren wurden, über einen Zeitraum von 20 Jahren mehrfach befragt.

Aus ihren Untersuchungen geht hervor, wie sich die Menschen Pläne für die Phase nach dem Beruf machen, welche Rolle Bildung für diese Menschen spielt und welche Erwartungen sie an Weiterbildungen haben. „Mit zunehmendem Alter werden formale Bildungseinrichtungen unbedeutender, weil man die Abschlüsse nicht mehr braucht und man eher gezielt nach einzelnen Veranstaltungen sucht.“ Soziale Beziehungen, Personen, von denen man etwas lernen kann, sind sehr wichtig für den Lernprozess, das ist ein wichtiges Ergebnis der Untersuchungen der Professorin. „Es ist wichtig, dass man Personen im Umfeld, in der Familie, im Freundeskreis hat, die einen unterstützen und sagen, das ist gut, was du machst. Sie können Anregungen geben, Informationen austauschen, das funktioniert auch gut intergenerativ, von den Kindern zu den Eltern, von den Enkelkindern zu den Großeltern und umgekehrt“, so Iller.

Was machen ältere Menschen? „Es gibt eine Reihe von Weiterbildungsanbietern, die gezielt Senioren ansprechen, wobei sie das eigentlich gar nicht so wollen. Es gibt viele Kirchen, die für Senioren kulturelle Angebote machen, etwa ein Theaterbesuch mit einem Gespräch davor. Manche bieten Seminare mit Selbsthilfecharakter an, um in einer besonderen Lebenssituation Austausch mit anderen zu ermöglichen, etwa bei Trauer.“ Es gibt  Seminare für ältere Männer, etwa das Projekt „Baustellen beim Älter werden“ in Bremen. Über zwei Halbtage kommen die Männer zusammen und tauschen sich über das Älter werden aus, was sie mit der Zeit anfangen und wie sie den neuen Lebensabschnitt und den Alltag planen. „Menschen, die Pläne haben, aktiv sind, sich engagieren, die bleiben auch länger gesund und zufriedener. Und sie lernen so auch andere Leute kennen, wenn die beruflichen Kontakte nicht mehr relevant sind“, sagt Iller.

In Hildesheim kommen zum Beispiel in einem wöchentlichen Seniorentreff bei der AWO ältere Migrantinnen zusammen, die sich beim Kaffee über das komplexe Pflegesystem austauschen. Fragen wie, „Was ist eine Pflegestufe?“ werden in türkische Sprache übersetzt, sie befassen sich mit Depression im Alter, mit Sportangeboten. „Es ist wichtig, dass die Fachkräfte im Gesundheitswesen und in der Sozialen Arbeit hier Grundkenntnisse im Bereich der Weiterbildung haben, damit sie nicht allein intuitiv arbeiten“, sagt Carola Iller. „Es sollte noch stärker Multiplikatoren geben, die sich mit hauptberuflich Verantwortlichen in der Weiterbildung vernetzen, die wissen, welche Angebote es gibt. Sie können nicht alles, aber sie können im Vorfeld arbeiten und Menschen erreichen. Diese Brückenpersonen machen Bildungsberatung. Sie können dazu beitragen, dass sich eine Person dazu entscheidet, sich weiterzubilden.“ Über niedrigschwellige Angebote, zeitlich überschaubar, kann man jene erreichen, die bisher nicht im Boot sind. „Wer ganz bildungsungewohnt ist, verpflichtet sich nicht gleich für ein halbes Jahr, einen Kurs zu besuchen. Man sollte auch vertraute Orte wählen, um über Weiterbildung zu informieren, und nicht auch noch räumlich Hürden aufbauen“, sagt Iller. Einige Kirchen arbeiten zum Beispiel mit einem Rollwagen, da ist alles drin für ein Seminar. Auch Betriebe fahren nicht in ferne Schulungszentren, sondern bilden am Arbeitsplatz fort.

Die Professorinnen Bettina Amrhein und Carola Iller sprechen in einer gemeinsamen Antrittsvorlesung über „Inklusive Bildung – ein Leben lang“. Die öffentliche Vorlesung beginnt am Mittwoch, 20. Mai 2015, um 17:00 Uhr im neuen Forum am Hauptcampus und ist Teil der Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Diese Eröffnung beginnt mit einem Grußwort der Niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt um 16:15 Uhr.

Informationen zur Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Ang. Erziehungswissenschaft Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-10302 Thu, 21 May 2015 15:38:00 +0200 Gute Noten für die Lehrer-Schmiede https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/gute-noten-f/ Die Universität Hildesheim spielt eine Vorreiterrolle bei der Ausbildung niedersächsischer Lehrer. Das bescheinigte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt bei der Eröffnung des neuen Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB). "Das Hildesheimer Modell der Lehrerbildung ist überregional bekannt", so die Ministerin. Pressespiegel regional Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Schwerpunktthemen Lehrerbildung Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft news-10084 Wed, 20 May 2015 15:45:00 +0200 Lehrerbildung: Schule ist im Wandel https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehrerbildung-schule-ist-im-wandel/ Schule ist im Wandel, sagt die Niedersächsische Kultusministerin anlässlich der Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) an der Universität Hildesheim. Universitäten sollten Lehrkräfte auf vielfältige Anforderungen vorbereiten, etwa auf den Ganztag, das inklusive Unterrichten und den Umgang mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Das Hildesheimer Modell der Lehrerbildung sei überregional bekannt, so die Ministerin. Etwa 2600 Lehramtsstudierende und Wissenschaftler aus 23 Fächern arbeiten an Wegen, wie sie Barrieren im Bildungsystem abbauen können. Während Studierende in einem Hildesheimer Klassenzimmer sitzen und nach einem guten halben Studienjahr ihre erste Unterrichtsstunde vorbereiten, untersuchen Wissenschaftlerinnen in Grundschulen den Wortschatz von mehrsprachigen Kindern und wie Lehramtsstudierende aller Fächer – ob Mathe oder Sport – mit der sprachlichen Vielfalt umgehen können. Der Forschungsnachwuchs durchforstet derweil in der Uni das Video-Fallarchiv HILDE, analysiert Mathestunden in der 8. Klasse und Sportunterricht mit Fünftklässlern. In einem Promotionskolleg untersuchen Promovierende, wie Bildungsbiographien von Schülerinnen und Schülern an der Schnittstelle von Schule und Ausbildung verlaufen oder wie Lehrkräfte Aufgaben formulieren. Nebenan begleiten und beraten Erziehungswissenschaftlerinnen Schulleitungen und Lehrkräfte auf dem Weg zu inklusiven Schulen, zum Beispiel in einem zweijährigen berufsbegleitenden Weiterbildungsstudium.

Im neuen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) an der Universität Hildesheim sind die Bereiche „Lehre und Studium“, „Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs“ und „Fort- und Weiterbildung“ unter einem Dach. „Die Gründung des CeLeB bündelt die verschiedenen wissenschaftlichen Aktivitäten der Universität in diesem Bereich. Es soll für das Land wichtige Impulse geben“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

Über 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 23 Fächern – von Physik und Mathematik über Sport, Kunst und Musik bis zu Psychologie und Politik – arbeiten hier an einem Strang: Sie bilden die künftige Lehrergeneration aus, die heutigen Lehrerinnen und Lehrer fort und erforschen, wie sich Schule verändert. Neue Professorinnen wurden kürzlich berufen, unter anderem für Fort- und Weiterbildung sowie für Inklusion und Bildung.

„Ob Ganztag, Inklusion oder die Zunahme von Flüchtlingskindern – Schule befindet sich im stetigen Wandel und Schülerschaften werden immer heterogener“, darauf weist die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt anlässlich der Eröffnung des CeLeB am heutigen Mittwoch (20. Mai 2015) hin. „Die Niedersächsische Landesregierung unterstützt Lehrkräfte bei der Bewältigung dieser Herausforderungen. Dafür stärken wir beispielsweise im Rahmen des Vorhabens GHR 300 die Praxisnähe und die Wissenschaftsorientierung bei der Ausbildung von Grund-, Haupt- und Realschullehrkräften. Das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung an der Universität Hildesheim wird für die pädagogische Professionalisierung künftiger Lehrkräfte eine wichtige Rolle spielen. Reformelemente, die die Universität aktiv in die Konzeptentwicklung und Implementierung von GHR 300 eingebracht hat, tragen dazu bei, Lehrerinnen und Lehrer auf ihre vielfältigen Anforderungen vorzubereiten“, so die Kultusministerin.

Lehramtsabsolventen und Lehramtsabsolventinnen der Uni Hildesheim zeichnen sich durch Praxisnähe und ausgeprägte Methodenkompetenz aus, sagte Ministerin Heiligenstadt in Hildesheim. Das sei eine gute Basis für das Referendariat und den Beruf, es gebe sehr viele positive Rückmeldungen aus den Studienseminaren. „Das Hildesheimer Modell der Lehrerbildung ist überregional bekannt."

Eineinhalb Jahre haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Aufbau der Strukturen gearbeitet, neue Konzepte in der Lehrerausbildung entwickelt, Forschungsaktivitäten konsolidiert und zugleich die Reform des Lehramtsstudiums „GHR 300“ umgesetzt. Das Masterstudium umfasst nun vier statt wie bisher zwei Semester. Derzeit sind Lehramtsstudierende in Partnerschulen, von Februar bis Juli, an jeweils drei Tagen in der Woche. Dabei werden sie von Wissenschaftlern und Lehrkräften begleitet. „Die Tandem-Lehre bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich“, so Professorin Barbara Schmidt-Thieme über die Arbeit in den Fachnetzen. „Wir wollen Uni- und Schulalltag weiter verschränken und erhoffen uns viel davon. Lehrerinnen und Lehrer, Seminarleiterinnen und Seminarleiter entwickeln gemeinsam mit Wissenschaftlern Unterricht weiter.

Die Professorinnen Melanie Fabel-Lamla, Kristin Kersten und Barbara Schmidt-Thieme leiten das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Häufig konzentrieren sich solche Zentren, wie sie bundesweit seit einigen Jahren an Universitäten entstehen, vor allem auf die Koordinierung von Fragen des Lehramtsstudiums. Das CeLeB bündelt hingegen auch Aktivitäten im Bereich Bildungsforschung und der Fort- und Weiterbildung. „Wir arbeiten mit Forscherinnen und Forschern aus den Bereichen Frühkindliche Bildung, Bildungsintegration und vielen anderen interdisziplinären Forschungsgruppen zusammen. Das ‚Forum Bildungsforschung‘ ist eine Plattform für den Austausch“, sagt Professorin Kristin Kersten. So organisiert das CeLeB in diesem Jahr zum Beispiel Fachtagungen, um sich über den Spracherwerb und das bilinguale Lernen und über Methoden in der Bildungsforschung auszutauschen, und begleitet Schulen in der Schul- und Unterrichtsentwicklung wissenschaftlich. Ein weiterer Schwerpunkt des CeleB ist der Fort- und Weiterbildungsbereich. Kompetenzzentren an niedersächsischen Universitäten sind seit 2012 für die Lehrerfortbildungen zuständig, der Bereich wird weiterexpandieren.

Der Mehrwert, den die Uni für das Land erreiche, liege in der Ausbildung guter Lehrerinnen und Lehrer und in der Verzahnung von Ergebnissen aus der Bildungsforschung mit dem Schulalltag, so Friedrich. „Unsere Professorinnen sammeln wichtige Erkenntnisse in Forschungsaufenthalten im Ausland, Viola Georgi forscht derzeit in Stockholm und Melanie Fabel-Lamla in Canada, sie bringen wichtige Erkennninisse nach Niedersachsen, wie klassische Einwanderungsländer mit Vielfalt im Bildungsystem umgehen."

Die Universität bildet mit rund 2600 Personen rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Lehramtsstudierende sind im ersten Studienjahr freitags im Klassenzimmer und beobachten Unterricht. Dann folgen weitere Praxisphasen, die vor- und nachbereitet werden. Dabei arbeitet die Uni mit 250 Partnerschulen in Hildesheim, Hannover und der Region zusammen.

Neue Professorinnen: Nach der Schule endet Lernen nicht, sagen Bettina Amrhein und Carola Iller

Die Hildesheimer Allgemeine Zeitung berichtet in der Mittwochsausgabe (neue Professorinnen) und in der Donnerstagsausgabe (Eröffnung) über die Arbeit am CeLeB.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Englische Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) MEd (Lehramt) Lehrerbildung Inklusion MA IPK
news-10296 Wed, 20 May 2015 15:38:00 +0200 Nach der Schule geht das Lernen weiter https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/nach-der-sch/ "Inklusive Bildung -ein Leben lang", lautet der Titel einer gemeinsamen Antrittsvorlesung von zwei neuen Professorinnen der Universität. "Der Bereich der Weiterbildung umfasst alle Lerngelegenheiten nach dem Abschluss der Schule, der Erstausbildung", sagt Carola Iller, Professorin für Fort-und Weiterbildung. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung news-9888 Wed, 06 May 2015 12:40:00 +0200 „Grenzüberschreitende Prozesse bestimmen den Alltag in der Jugendhilfe" https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/grenzueberschreitende-prozesse-bestimmen-den-alltag-in-der-jugendhilfe/ Bevor man in das Büro von Professor Gunther Graßhoff gelangt, begegnet man elf orange gekleideten Figuren. Tischfußballspiel im Flur. Schließlich befasst sich der Sozialpädagoge an der Universität Hildesheim mit Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe. Man ist jugendnah. Im Gespräch mit Isa Lange weist der Professor darauf hin, dass grenzüberschreitende Prozesse den Alltag in der Jugendhilfe bestimmen und Fachkräfte darauf vorbereitet werden müssen. Mittlerweile ist etwa jedes zehnte Kind in einem Heim als minderjähriger Flüchtling ohne Eltern nach Deutschland gekommen. Sie haben seit einem Jahr eine Professur für Sozialpädagogik an der Universität Hildesheim inne, waren zuvor Professor für außerschulische Bildung in Jena. Vielleicht können Sie einen Einblick in Ihre Forschung geben.

Gunther Graßhoff: Kinder- und Jugendhilfe ist ein Feld, welches mich innerhalb der Sozialpädagogik sehr interessiert, mein Hauptinteresse ist, die Perspektive von Kindern und Jugendlichen stark zu machen. Es geht um Partizipation, es geht darum, die Interessen und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen zu besprechen.

Es geht darum, mitzubestimmen? Was meint „Partizipation“ in diesem Bereich?

Es gibt eine Bandbreite von sozialer Infrastruktur, und gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vorsehen. Das meint zum Beispiel Mitbestimmung in Einrichtungen, etwa Heimen und Jugendzentren. Dass Kinder ihren Alltag hier gleichberechtig mitbestimmen. Das meint aber auch, auf einer politischen Ebene, jugendpolitische Positionierungen der Jugendlichen, da eine Stimme zu haben im demokratischen Prozess der Meinungsbildung. Die Kinderrechte sind ein Rahmen für das Ganze. Ich schätze die kollegiale Struktur im Fachbereich, wir arbeiten kooperativ und tauschen uns aus, etwa was das Themenfeld „Inklusion“ angeht. Vielleicht etwas ungewöhnlich für einen Sozialpädagogen: Ich habe keine großen Berührungsängste mit dem Thema Schule. Ich beschäftige mich mit der Entwicklung der Ganztagsschule und mit der Öffnung zu nicht-schulischen Institutionen und Sozialräumen. Die Veränderung von Schule hat Konsequenzen für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen und die Grenzen zwischen den einzelnen Feldern Schule, Soziale Arbeit verschiebt.

Wenn wir von der Sozialen Arbeit auf die Entwicklung hin zur Ganztagsschule blicken, was verändert sich? Ist man hier stärker gefordert, zusammenzuarbeiten?

Empirisch ist ganz klar zu sehen: Ganztagsschule funktioniert nur in der Kooperation mit außerschulischen Partnern.

...von der Musikschule über den Sportbereich und künstlerische Einrichtungen wie Museen bis zu Umwelteinrichtungen, etwa Schulbiologiezentren?

Genau. Unterschiedliche Partner werden Teil dieser Ganztagsschule. Es gibt auch in Niedersachsen sehr unterschiedliche Wege und Vorstellungen, wie man dies gestaltet. Grundsätzlich ist es eine Ausweitung von Schule über den ganzen Tag, oder zumindest weiten Teilen. Dies bedeutet eine gewisse Konkurrenz zu Angeboten außerschulischer Bildung. Wenn Kinder bis um 16, 17 Uhr in der Schule sind, können sie nicht um 14 Uhr im Jugendzentrum sein. Da gab es zu Beginn große Bedenken, ob sich eine solche Konkurrenzsituation entwickelt. Für Schule bedeutet das eine ganz neue Form der Zusammenarbeit. Wir arbeiten am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Universität Hildesheim mit der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Melanie Fabel-Lamla zusammen, um zu untersuchen, wie es gelingt, zwischen den Professionen zusammenzuarbeiten – Sozialpädagogen, Lehrer, Schulbegleiter und Erzieher.

Welche Formen der Zusammenarbeit beobachten Sie in Niedersachsen?

Was sich in der Praxis zeigt: Die Kooperation kann für alle Seiten produktiv sein, am Anfang gab es Ängste. Aber für einen Sportverein oder ein Jugendzentrum kann es interessant sein, Angebote aufrecht zu erhalten.

Weil sie vorher gar nicht alle Schülerinnen und Schüler erreicht haben?

Genau, auch die StEG-Studie über Ganztagsschulen zeigt, dass das eher für beide Partner Synergien auslöst, wenn man kooperiert. Man muss nicht immer so parallel denken.

Ein Blick in die Jugendzentren: Was ist deren Aufgabe? Jeder assoziiert etwas mit Jugendzentren, vielleicht können Sie einen Einblick geben: Was ist denn deren Leistung in einem Stadtteil?

Die Arbeit mit Jugendlichen hat sich verändert. Jugendzentren sind Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche, die vor allem die Aufgabe haben, Freizeit zu gestalten, offene Angebote für jene zu schaffen, die wenig Spielräume im kommerziellen Markt der Freizeitgestaltung haben. Bildungsaspekte spielen zunehmend eine Rolle, sie gestalten Übergänge in Ausbildung und Arbeit mit. Im Grunde kann man sagen, diese niedrigschwelligen Zugänge zu Kindern und Jugendlichen werden genutzt, um Beratung im Kontext von Schule und Ausbildung zu gewährleisten. Die Bedeutung vom Jugendzentrum im Sozialraum ist größer geworden. Das sind zum Teil Einrichtungen, in denen Kinder- und Jugendinteressen im Stadtteil gebündelt werden. Man kann nicht mehr davon ausgehen, das sind so Einrichtungen, wo ein Billardtisch im Raum steht und man ein bisschen guckt, dass alles läuft. Es sind schon anspruchsvolle Aufgaben geworden...

...die das Erwachsen werden begleiten. Kommen wir zu weiteren Arbeitsschwerpunkten: Sie haben ein Buch „Soziale Arbeit in Europa“ mitherausgegeben. In dem Band erschienen auch Beiträge über die Krise und Sozialpolitik in Griechenland und über sozialpädagogische Dienste in Spanien. Warum dieser Blick auf Europa? Sie lehren etwa auch im Seminar zu internationalen und transnationalen Perspektiven in der Sozialen Arbeit. Warum endet Ihr Blick nicht an den Grenzen von Deutschland?

Grundsätzlich ist Soziale Arbeit immer schon mit grenzüberschreitenden Prozessen verwoben. Im Zuge von Transnationalisierung und Globalisierung nimmt dies zu. Soziale Arbeit ist eng an sozialstaatliche, nationale Regularien gebunden. Alles was wir tun, ist in einem rechtlichen Rahmen verortet, dieser wird zunehmend auf europäischer und internationaler Ebene verhandelt. Wenn wir uns zum Beispiel Armut und die Flüchtlingsthematik anschauen, sind dies keine Entwicklungen, die an den Grenzen halt machen. Sie werden europaweit diskutiert. In unserem Fach, der Sozialpädagogik, setzen wir uns damit auseinander.

Die Geschichte der Sozialpädagogik werde nationalstaatlich eng geführt und internationale Bezüge bleiben randständig, schreiben Sie in der Kurzerläuterung zu Ihrem Seminar. In einer Stadt wie Hildesheim oder in einer Großstadt wie Hannover, wie ist hier im Alltag spürbar, dass Soziale Arbeit „international gedacht werden muss“?

Wir beschreiben uns als ein Einwanderungsland. Der Blick auf den Alltag in Hildesheim ist davon gekennzeichnet, dass wir es zunehmend mit Migration und heterogenen Gruppierungen zu tun haben. Grenzüberschreitende Prozesse sind nicht nur ein Rahmen, die diese Arbeit bestimmen, sie bestimmen auch den Alltag. Wenn wir uns einzelne Felder der Erziehungshilfe anschauen: In Heimen, in stationären Einrichtungen, ist mittlerweile jedes zehnte Kind ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Die Kinder kommen ohne Eltern nach Deutschland. Diese Vielfalt ist kein akademischer Diskurs, sondern das bestimmt die Realität und den Arbeitsalltag von Sozialpädagogen – wie auch Lehrern – jeden Tag. Man sollte das aber nicht überdramatisieren, Vielfalt war schon immer die Realität.

Womit auch diejenigen, die in Heimen, an Schulen und in Jungendeinrichtungen arbeiten und diese Wege der Kinder begleiten und unterstützen sollen, auch die Kompetenzen mitbringen müssen. Etwa mit einem Kind, das eine Flucht erlebt hat, wie können sie hier sorgsam mit umgehen? Wie bereiten Sie denn die künftigen Fachkräfte darauf vor? Ich bin gerade am Informationsbrett des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik vorbeigegangen. Professorin Kirsten Scheiwe lehrt Sozialrecht, Professor Wolfgang Schröer lehrt im Seminar „Weltatlas Soziale Arbeit“ und schafft Zugänge zu unterschiedlichen Regionen der Welt, bei Andreas Oehme befassen sich die Studierenden mit Schulsozialarbeit und Berufsorientierung, bei Lucia Artner und Johanna Krawietz geht es um die Betreuung und Pflege von Älteren mit einer Zuwanderungsgeschichte – das sind einige der Lehrveranstaltungen in diesem Sommersemester. Welches Wissen geben Sie Ihren Studierenden mit?

Studierende sollen diese Prozesse kennenlernen. Die rechtlichen, psychosozialen oder auch sprachlichen Anforderungen sind komplex, sie sollen sich damit intensiv auseinandersetzen.

Die Auseinandersetzung mit transnationalen Fragen ist eine Stärke am Institut, im Team mit Professor Inga Truschkat und Professor Wolfgang Schröer untersuchen Sie etwa in einem Graduiertenkolleg, wie Unterstützung über Grenzen hinweg gestaltet wird (zur Pressemeldung). Ist dies ein Pflichtteil oder Wahlbereich im Studium?

In der Sozial- und Organisationspädagogik starten durchschnittlich 100 Personen in den Bachelor, sie arbeiten später vor allem in unterschiedlichsten sozialen Diensten. Im Master sind es 45 Plätze, dort sind vor allem die Möglichkeiten, eigene Forschungserfahrung im Kontext der Sozial- und Organisationspädagogik wichtig. Innerhalb des Studiums können Studierende Schwerpunkte auswählen.

Sie befassen sich im Hörsaal mit all diesen Fragen. Wie stellen Sie den Übergang zur Praxis her, zu dem was im realen Leben passiert?

Wir legen in den Studiengängen Wert darauf, dass die Studierenden konkrete Einblicke in Handlungsfelder erhalten, in einem mehrwöchigen Praktikum im Bachelor und in einem halbjährigen Praktikum im Masterstudium. Diese Erfahrungen besprechen wir mit den Studierenden vorher und nachher, etwa mit der Kollegin Ulla Bosse.

Wo gehen die Studierenden zum Beispiel hin?

Eine Masterstudentin, die ich im Praktikum gerade begleitet habe, hat im Bundesministerium für Entwicklung sich in einem der Referate mit Entwicklungspolitik befasst. Andere Studierende arbeiten etwa in einer Beratungsstelle für Schwangere, erhalten bei Bosch Einblicke in die Personalentwicklung oder sammeln Erfahrungen in der Migrationsberatung und Zusammenarbeit mit älteren Migrantinnen und Migranten.

Im Masterstudium steht ein Forschungspraktikum an, welche Fragen tauchen auf?

In dem Forschungspraktikum bearbeiten die Studierenden eine eigene Forschungsfrage von A bis Z, noch vor der Masterarbeit. Wir begleiten die Studierenden dabei eng. Dabei gibt es viele Verbindungen zu den praktischen Erfahrungen, sie sollen darüber hinaus aber einen eigenen kleinen Beitrag zur Forschung leisten. Im laufenden Semester haben wir etwa ein Projekt, das sich mit dem Alltag von Flüchtlingen beschäftigt. Die Studierendengruppe war auch in Hildesheim. Sie untersuchen, wie Kinder und Jugendliche in dieser Situation aufwachsen, etwa in Flüchtlingsheimen. Ein anderes Projekt, an der Schnittstelle zur Organisationspädagogik, untersucht, warum sich Menschen überhaupt noch ehrenamtlich engagieren. Weshalb machen sie das, was lernen sie dabei? Die Studierenden haben Interviews mit Menschen geführt, die in sehr anspruchsvollen und psychosozial belastenden Bereichen arbeiten, etwa in der Katastrophenhilfe und beim Deutschen Roten Kreuz. Wieso machen die das überhaupt, was sind ihre Beweggründe? Ein Projekt befasst sich mit Frauen in der Bundeswehr. Wie ist das als Frau in einer männlich dominierten Welt der Bundeswehr? Das studentische Team befragt Frauen, die selbst eine Karriere in der Bundeswehr machen, wie sie ihren Weg in dieser Institutionen – auch mit Hindernissen – beschreiben.

Eine letzte Frage: Der Fall. Sie haben ein Buch über die „sozialpädagogische Fallarbeit“ verfasst. Können Sie noch diese Wortkombination erläutern?

In dem Buch geht es um die Arbeit mit Fällen im Studium. Mit Wolfgang Schröer zusammen arbeite ich an einem Projekt, gemeinsam mit dem Jugendamt des Landkreises Hildesheim, über die Planung von Hilfen. Wenn Kinder und Jugendliche und deren Familien Unterstützung brauchen, dann werden sie dort – in Form von einer Akte – zu einem Fall. Dieser Prozess ist für den Hilfeverlauf ganz zentral. Wir schauen uns an, wie in der Jugendhilfe Hilfen für Kinder und Jugendliche bearbeitet werden. Wir untersuchen etwa vor Ort in der Fallbearbeitung, wie diese Prozesse ablaufen, wie Diagnosen getroffen und Hilfen geplant und wie Kinder und Jugendliche beteiligt werden. Wir wissen aus der Fachdebatte, dass die Beteiligung der Jugendlichen entscheidend ist für das Gelingen der Hilfen. Dies nun sehr nah an der Praxis, im Landkreis Hildesheim, im Jugendamt, im Büro, bei den Mitarbeitern aus der Fallbearbeitung zu untersuchen, wird sehr spannend sein, auch um die Hilfeplanung in der Region gemeinsam zu verbessern.

Öffentliche Antrittsvorlesung

In seiner Antrittsvorlesung spricht Professor Gunther Graßhoff über Partizipation und Verstehen in der sozialpädagogischen Forschung. Er geht der Frage nach, wie junge Menschen selbst im Kontext unterschiedlicher Forschungsprojekte beteiligt werden können. Die Vorlesung beginnt am Mittwoch, 6. Mai 2015, um 18:15 Uhr in der Aula am Bühler Campus der Uni Hildesheim. Interessierte sind herzlich willkommen.

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Pressemeldungen Sozial- und Organisationspädagogik Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Forschung Bildungsintegration
news-9991 Wed, 06 May 2015 10:04:00 +0200 Wirtschaftsvertreter blicken sorgenvoll auf mangelnde digitale Exzellenz und MINT-Begeisterung https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/wirtschaftsvertreter-blicken-sorgenvoll-auf-mangelnde-digitale-exzellenz-und-mint-begeisterung/ Unternehmen von Weltrang wollen in Hildesheim Impulse für mehr Bildungsanstrengungen in technologischen Fächern setzen: Spitzenvertreter von Bosch, Rolls-Royce und IBM diskutieren in einer öffentlichen Veranstaltung am Dienstag, 12. Mai 2015, um 19:00 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim. Bosch möchte sein Campusgelände in Hildesheim auch für kreative Jungunternehmer und Start-Ups öffnen und mit jungen Fachkräften aus dem Hochschulumfeld zusammenarbeiten. Wirtschaftsvertreter fürchten die „mangelnde digitale Exzellenz“ und zu wenig Begeisterung für den „MINT“-Bereich – dahinter stecken die Felder Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Mit einer Diskussionsveranstaltung am 12. Mai 2015 in Hildesheim machen Fachleute von IBM, Rolls-Royce und Bosch auf ihre Sorge aufmerksam, diese fehlende Exzellenz in der Ausbildung „könnte den High-Tech-Standort Deutschland gefährden“.

Ohne neue Ausbildungsimpulse entsteht keine „Wirtschaft 4.0“, also eine Industrie, deren Geschäfts- und Fertigungsprozesse auf der Digitalisierung aufbauen, darauf weist Martin Mähler hin. Er leitet den Bereich Wissenschaftsbeziehungen bei dem Technologie-Konzern IBM in Böblingen. „Wir investieren in Deutschland – die Bildung sollte es auch tun“, so Ulrich Wenger, der den Bereich Engineering & Technology bei Rolls-Royce Deutschland in Dahlewitz führt. Dietmar Meister, Leiter des Bereichs Smartphone & Cloud Solutions bei der Bosch SoftTec GmbH in Hildesheim, fordert „mehr kreative Exzellenz für die Wirtschaft 4.0“. Besonders bedroht seien kleine und mittelständische Betriebe. Darauf weist Astrid Lange von der Abteilung Wirtschaftswissenschaften und ihre Didaktik der Universität Hildesheim hin. Mit weiteren Wissenschaftlern aus dem MINT-Bereich bildet sie an der Uni Lehrerinnen und Lehrer aus, die an Grund-, Haupt- und Realschulen Wirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Biologie, Chemie, Informatik und Co unterrichten. Hartmut Reichardt (mediardt, Agentur für Kommunikation, Hildesheim) moderiert die Diskussion.

Für ihren Auftritt in Hildesheim bringen die Beteiligten mit ihren Firmenzentralen abgestimmte Empfehlungen mit, damit Deutschland nicht den Anschluss an die Digitalisierung verliert. Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer, der selbst im Audimax zugegen sein wird, empfängt die Podiumsteilnehmer im Rathaus und wird deren Empfehlungen schon vorab entgegen nehmen. Die Fachleute weisen darauf hin: Die künftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes wird weniger in den Unternehmen als vielmehr an den Schulen und Hochschulen entschieden. Junge Menschen sollten gefördert werden, die Mathematik, Ingenieurwissenschaften und Technik als Chance, und nicht als Zumutung empfinden.

Bosch möchte sein Campusgelände in Hildesheim auch für kreative Jungunternehmer und Start-Ups öffnen, darauf weist Dietmar Meister hin. Junge Tüftler, Fachkräfte aus der Universität und der HAWK, sollen dort an Innovationen basteln können. „Innovationen aus dem Hochschulumfeld brauchen die passenden Rahmenbedingungen, um umgesetzt werden zu können. Wir brauchen eine Kultur, die das Scheitern von Jungunternehmern nicht nur toleriert, sondern respektiert", so Meister. In der Hochschulbildung sehe Bosch „Bedarf, praxisorientierte Schwerpunkte für einen effizienten Start nach der Hochschule zu schaffen". Dabei können IT-Studierende sich zum Beispiel mit „Methoden im Engineering von komplexen und verteilten (Software-)Systemen" befassen und sich in Projekten und in Praktika mit praxisnahen Themen auseinandersetzen.

Die Spitzenvertreter von Bosch, Rolls-Royce und IBM sowie die Wissenschaftlerin wollen in Hildesheim mit Bürgerinnen und Bürgern, Lehrenden und Studierenden über das Risiko und die Folgen verpasster Weichenstellungen diskutieren: Was passiert, wenn Autos oder Flugzeugtriebwerke nicht mehr in Deutschland, sondern nur noch dort gebaut werden, wo die Software-Schmieden stehen? Die Entwicklung bei Fernsehern und Fotoapparaten sollte uns zu denken geben – schon in den vergangenen Jahrzehnten verschwanden ganze Branchen, so die Veranstalter.

Über die Reihe „Chancen für Morgen“

Chancen für Morgen ist eine Reihe des Rotary Club Hildesheim, in der einmal jährlich Spitzenthemen der Gesellschaft aufgegriffen werden, jeweils in Zusammenarbeit mit der Stiftung Universität Hildesheim. Zeigen Sie durch Ihr Kommen und Ihr Mitdiskutieren, dass wir vermehrte Bildungsanstrengungen brauchen, um nicht ins technologische Abseits zu geraten. Die Diskussionsveranstaltung „Wirtschaft 4.0 braucht Ausbildung 2.0“ beginnt am Dienstag, 12. Mai 2015, um 19:00 Uhr im Audimax am Uni-Hauptcampus (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim).

Lesen Sie mehr:

Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 11.05.2015, „Bosch öffnet sich für kreative Gründer / Startups sollen sich mit Hilfe des Weltkonzerns im Hildesheimer Wald ansiedeln / Debatte morgen in der Uni" (Seite 1/15)  //  Kehrwieder am Sonntag, 10.05.2015, „Diskussion in der Uni: Erfolg wird an Schulen und Hochschulen entschieden / Welche Impulse braucht die Wirtschaft?", Interview mit der Wirtschaftspsychologin Astrid Lange

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Fachbereich 4 Informatik Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-9934 Tue, 28 Apr 2015 17:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: Was können Unis tun? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/bildungswege-von-fluechtlingen-was-koennen-unis-tun/ Um Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen zu unterstützen, könnten Studierende „von Mensch zu Mensch" helfen, sagt die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf. Eine besondere Rolle komme dabei dem Spracherwerb und den Künsten zu. Am Rande einer Konferenz über das Recht auf Bildung an der Universität Hildesheim sprach Isa Lange mit der Migrationsbeauftragten. Wenn wir über Bildungswege von Flüchtlingen sprechen, was erhoffen Sie sich von Universitäten? Welche Rolle spielen die Hochschulen, was beobachten Sie in Niedersachsen?

Doris Schröder-Köpf: Es gibt einige sehr schöne Initiativen, wie Universitäten sich öffnen für Flüchtlinge, um ihnen aus der Perspektiv- und Betätigungslosigkeit rauszuhelfen, etwa in Lüneburg. Das ist ein erster Weg, dass sich die Studierenden selber bemühen, um junge Leute, die in Herkunftsländern schon ein Studium aufgenommen haben, und die das aufgrund ihrer Lage erstmal nicht weitermachen können.

Was können Studierende tun?

Durchaus auch von Mensch zu Mensch helfen, einzelne ansprechen. Wo sind Menschen mit Fluchterfahrung, die weitermachen möchten, wie können wir ihnen Teilnahme an Kursen an der Uni ermöglichen? Sie können zum Beispiel beim Deutschlernen helfen.

An der Hildesheimer Universität begleiten seit Sommersemester im „Schnupperstudium" einige Lehrende und Studierende junge Erwachsene mit Fluchterfahrung, zeigen den Campus, beraten bei der Suche nach Seminaren. Einige Studenten haben Tandems gebildet, um mit den Flüchtlingen auch an der Alltagssprache zu arbeiten, was man in üblichen Sprachkursen nicht lernt. In Seminaren hat man es dann aber mit Fachsprache zu tun...

Natürlich ist die fachspezifische Frage eine große Herausforderung. Ich habe das selber kennengelernt, habe in den Vereinigten Staaten gelebt. Als ich dort schwanger wurde und ein Kind bekommen habe und Kinderarztbesuche machen musste, hat mir das Vokabular für Kinderkrankheiten völlig gefehlt. Wie viel schwieriger muss es sein, wenn man Physik, Chemie oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert und es fehlt einem das Vokabular für genau diesen Bereich? Da reicht nicht mehr der Wortschatz, um Brötchen einzukaufen und sich mit Nachbarn unterhalten zu können. Das ist eine große Herausforderung – vor der stehen wir in Niedersachsen auch in den Gymnasien. Es gibt jetzt einige Gymnasien, an denen Sprachlernklassen eingerichtet wurden. Früher war das mehr an Hauptschulen, Gesamtschulen. Die Lehrer an den gymnasialen Sprachlernklassen sagen, es ist wahnsinnig schwierig, dass Fachvokabular für Kunstunterricht genau so drauf zu haben wie für Mathematik. Das ist eine große, große Herausforderung. Wenn es gelingt, profitieren wir alle davon.

Wer sollte dabei mitwirken?

Wir haben viel zu tun, alle. Das schafft die Politik alleine nicht. Da können alle Studierenden mithelfen.

Sie sprechen die Studierenden an – an der Universität Hildesheim arbeiten einige im Theater und in den szenischen Künsten mit Flüchtlingen zusammen (etwa die Gruppe Voll:milch oder das Türkisch-Deutsche Theater). Im musikalischen Bereich befassen sich Forscher und angehende Lehrerinnen und Lehrer am Center for World Music mit kultureller Vielfalt. Ist das auch ein Weg, sich künstlerisch zu begegnen?

Ich glaube sogar, dass künstlerische Ausdrucksformen ganz besonders geeignet sind, um Menschen, die Flucht, Vertreibung und viele Gräuel erlebt haben, sozusagen das Leben zu erleichtern und einen Zugang zu einer neuen Gemeinschaft zu finden. Das geht von Ausdruckstanz bis zur Malerei. Es gibt inzwischen auch einige fotografische Projekte mit Flüchtlingen. Diese künstlerischen Ausdrucksformen sind glaube ich besonders gut, weil sie an die Seele gehen und man nicht viele Worte braucht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über die Konferenz: Recht auf Bildung

An der Universität Hildesheim diskutierten am 23. und 24. April 2015 Fachleute über das Menschenrecht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland sowie über den Bildungserfolg von Kindern in der Migrationsgesellschaft, der auch vom Rechtsstatus abhängt. Etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis nahmen teil, darunter Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive aus Bremen, Hildesheim, Hannover und Berlin sowie die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe des Landes Niedersachsen. Es sei dringend notwendig, „konsequent weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Viola Georgi (mehr im Interview, Mediendienst Integration). Organisiert wurde die Konferenz vom „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften" und dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und dem Deutschen Institut für Menschenrechte. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Lehramtsstudierenden und Studierenden des Masterstudiengangs DaZ/DaF auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet. Dabei arbeitet die Uni mit der berufsbildenden Walter-Gropius-Schule und dem Niedersächsischen Landesinstitut für Qualitätsentwicklung zusammen. Als Ergebnis für die mündlichen Prüfungen haben alle Lerner in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht, und zwar auf den Niveaustufen B1 und A2.

Einen Nachbericht zur Konferenz lesen Sie auf der Internetseite www.uni-hildesheim.de zum Wochenende.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Fachbereich 1 Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration Flüchtlinge
news-9974 Tue, 28 Apr 2015 08:00:00 +0200 Demokratie und Islam / Acht Vorträge und eine Podiumsdiskussion / Regionalexperte für den Nahen Osten, Juniorprofessor für Migrationspolitik und Demokratieforscherin organisieren öffentliche Vortragsreihe https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/demokratie-u/ GÖTTINGER TAGEBLATT über Vortragsreihe zu Demokratie und Islam: Politikwissenschaftler befassen sich an der Uni Hildesheim mit dem Spannungsverhältnis von Religion und Politik „Um das Spannungsverhältnis von Religion und Politik geht es in der Vortragsreihe 'Demokratie und Islam' an der Universität Hildesheim. Themen sind unter anderem die politischen Forderungen von Muslimen an die deutsche und niedersächsische Politik", berichtet das GÖTTINGER TAGEBLATT.

In der öffentlichen Vortragsreihe geben Fachleute jeden Dienstag im Sommersemester einen Einblick in ein Themenfeld. Darunter sind Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland), Dr. Guido Steinberg (Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik) und Dr. Manfred Schmidt (Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge). Es werden „zentrale Fragen zur Rolle des Islam in der deutschen und internationalen Politik angesprochen", so das GÖTTINGER TAGEBLATT.

„Die Referenten diskutieren mit Politikwissenschaftlern der Universität Hildesheim. Darunter sind Thomas Demmelhuber, Regionalexperte für den Nahen Osten, Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik, und Demokratieforscherin Marianne Kneuer, die sich mit dem Verhältnis von Staat und Religion befasst", fasst die Tageszeitung GÖTTINGER TAGEBLATT zusammen.

Göttinger Tageblatt, Alfelder Zeitung, Eichsfelder Tageblatt u.a., „Demokrate und Islam / Acht Vorträge und eine Podiumsdiskussion", 28.04.2015 (print) (www.goettinger-tageblatt.de)

Kontakt zu den Forschern über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Pressespiegel überregional Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-9930 Mon, 27 Apr 2015 17:47:00 +0200 Demokratie und Islam https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/demokratie-und-islam/ Die Universität Hildesheim organisiert eine öffentliche Veranstaltungsreihe mit prominenten Gästen zur Rolle des Islam in der Politik. Interessierte Studierende, Lehrende, Bürgerinnen und Bürger können ab 5. Mai jeden Dienstag Vorträge besuchen und mit Experten aus ganz Deutschland diskutieren. Themen sind unter anderem die politischen Forderungen von Muslimen an die deutsche und niedersächsische Politik oder die Rolle der „Scharia“ für europäische Muslime. Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim diskutieren mit der hochkarätig besetzten Vortragsreihe „Demokratie und Islam“ das Spannungsverhältnis von Religion und Politik und wollen darin einen Raum für einen faktenbasierten Austausch zu einem emotionalisierten Thema schaffen.

Die öffentlichen Veranstaltungen richten sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Region, Studierende und Lehrende. In acht Vorträgen und einer Podiumsdiskussion werden von Mai bis Juli 2015 zentrale Fragen zur Rolle des Islam in der deutschen und internationalen Politik angesprochen. Die Spannbreite der Themen ist groß: Es geht um die grundsätzliche Vereinbarkeit von Religion und Demokratie, um die Deutsche Islam Konferenz und um Forderungen islamischer Verbände an die deutsche Politik. Außerdem werden Vorträge zum politischen Islam im Nahen Osten oder zu theologischen Argumentationen im internationalen Terrorismus angeboten. In einer abschließenden Podiumsdiskussion geht es um den Islam in Niedersachsen. Unter den Vortragenden der Reihe sind Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland), Dr. Guido Steinberg (Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik) und Dr. Manfred Schmidt (Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge).

Die Vorlesungsreihe spiegelt eine Expertise wider, die sich an der Universität Hildesheim am Institut für Sozialwissenschaften in den vergangenen Jahren versammelt hat: Professor Thomas Demmelhuber ist Regionalexperte für den Nahen Osten, Feldforschungsaufenthalte führten den Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt „Internet und Politik" unter anderem nach Ägypten, Jordanien, Katar und Kuwait und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik, befasst sich mit Fragen von Migration und Integration in Kommunen, in Deutschland und Europa. Professorin Marianne Kneuer ist Demokratieforscherin und befasst sich mit dem Verhältnis von Staat und Religion. „Demokratien kennen unterschiedliche Ordnungsmuster, von der strikten Trennung von Staat und Religion (Frankreich), über partnerschaftliche Modelle (Deutschland) bis hin zu Staatsreligionen (Großbritannien)“, sagt Kneuer über das grundsätzliche Spannungsverhältnis von Religion und Demokratie.„Der Glaube fügt sich nicht ohne Weiteres in die moderne demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung ein.“ Die drei Hildesheimer Politikwissenschaftler organisieren die Vorlesungsreihe. Sie bilden unter anderem Grund-, Haupt- und Realschullehrerinnen und Lehrer aus.

Oft werde verkannt, „dass außerhalb der arabischen Welt mehr Muslime leben als in der Region selbst. So ist zum Beispiel das bevölkerungsreichste muslimische Land Indonesien auch eine Demokratie", sagt Thomas Demmelhuber. „Meist steht die arabische Welt deckungsgleich zur islamischen Welt." Er weist darauf hin, dass die Annahme eines problematischen Verhältnisses von Demokratie und Islam einer empirischen Prüfung weltweit nur ansatzweise standhält.

Hannes Schammann ergänzt: „Wir wissen aber auch: Politische Forderungen von Muslimen sehen in Hildesheim natürlich ganz anders aus als in Jakarta oder Riad. Wir legen deshalb einen weiteren Schwerpunkt auf muslimisches Leben in Deutschland und Niedersachsen. Hier entwickelt sich seit Jahren eine sehr dynamische und bunte Szene.“

Die erste öffentliche Veranstaltung findet am Dienstag, 5. Mai 2015, um 18.15 Uhr, im Hörsaal 1 auf dem Hauptcampus statt (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). Das vollständige Programm ist online (PDF) abrufbar.

Die Vorlesung „Demokratie und Islam“ im Überblick:

Zum Auftakt am 5. Mai 2015 spricht Prof. Dr. Marianne Kneuer (Universität Hildesheim) über das Verhältnis von Demokratie und Religion. Dr. Jörn Thielmann (Geschäftsführer des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa, Universität Erlangen-Nürnber) befasst sich am 12. Mai mit dem Thema „Scharia und Europa". Am 19. Mai spricht Prof. Dr. Hannes Schammann (Universität Hildesheim) über Islamische Jugendinitiativen in Deutschland. Am 2. Juni geht es in dem Beitrag von Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Köln) um Forderungen Islamischer Verbände an die deutsche Politik. Wie demokratisch ist der politische Islam Im Nahen Osten? fragt Prof. Dr. Thomas Demmelhuber (Universität Hildesheim) am 9 Juni. „Islam in Indonesien" ist das Thema der Vorlesung von Prof. Dr. Monika Arnez (Universität Hamburg) am 16. Juni. Über „Theologische Argumentationen im internationalen islamistischen Terrorismus" spricht Dr. Guido Steinberg (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) am 23. Juni. Dr. Manfred Schmidt (Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg) spricht am 30. Juni über „Die Deutsche Islam Konferenz: eine Erfolgsgeschichte?". In der abschließenden Podiumsdiskussion am 7. Juli 2015 zum Thema „Angekommen. Anerkannt? Muslime in Niedersachsen" debattieren unter anderem Prof. Dr. Wolfgang Reinbold (Beauftragter für Kirche und Islam der Evangelischen Landeskirche) und Avni Altiner (Vorsitzender der Schura Niedersachsen). Die Moderation übernimmt Hannes Schammann.

Kontakt: Wer Fragen oder Interesse an den Themen der Vorlesungsreihe hat, kann sich an die Organisatoren wenden (Prof. Dr. Marianne Kneuer, Telefon: 05121.883-10706, E-Mail: kneuer[at]uni-hildesheim.de; Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, 05121.883-10704, thomas.demmelhuber[at]uni-hildesheim.de; Prof. Dr. Hannes Schammann, 05121.883-10712, hannes.schammann[at]uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-10009 Tue, 21 Apr 2015 13:32:00 +0200 Inklusive Schule auch für Durchschnittskinder https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/inklusive-sc-1/ Um Verschiedenheit und Inklusion auf unterschiedlichen Ebenen und in allen Lebensbereichen drehte sich der fünfte Frühjahrsempfang der Hildesheimer Grünen. Dass es beim Thema Inklusion nicht nur um Kinder mit Beeinträchtigungen geht, betonte Dr. Britta Ostermann in ihrem Vortrag. Sie ist Geschäftsführerin der Abteilung Fort-und Weiterbildung des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Schwerpunktthemen Inklusion Lehrerbildung Erziehungswissenschaft news-9869 Thu, 16 Apr 2015 17:35:00 +0200 Das Herz der Universität: Wissenschaftsministerin eröffnet Neubau https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/das-herz-der-universitaet-wissenschaftsministerin-eroeffnet-neubau/ Lehrerinnen und Lehrer, die in Hildesheim ausgebildet werden, „tragen in besonderem Maße dazu bei, Teilhabe zu ermöglichen“. Darauf weist die Niedersächsische Wissenschaftsministerin am Rande der Eröffnung des Neubaus hin. Das neue „Forum“ ist das nun größte Gebäude der Universität Hildesheim. Erstmals hat die Stadt auch einen Universitätsplatz, hier sollen Bürger und Studierende stärker als bisher zusammenkommen. Eine Abschlussarbeit abgeben, sich über das Studium informieren oder einen Auslandsaufenthalt planen: Alle Serviceeinrichtungen der Universität Hildesheim sind nun am Hauptcampus erreichbar. „Das neue Gebäude am Universitätsplatz wird den Hochschulstandort Hildesheim prägen, denn es bildet künftig das Herzstück der Universität. Hier werden Serviceeinrichtungen gebündelt, hier ist viel Platz für Arbeit und Lehre, hier hält man sich gerne auf. Vor allem bietet das Forum Raum, um junge Menschen zu Lehrkräften auszubilden. Diese angehenden Lehrerinnen und Lehrer tragen in besonderem Maße dazu bei, Bildungsintegration und soziale Teilhabe zu ermöglichen“, sagt die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić anlässlich der Eröffnung des Neubaus am heutigen Mittwoch (15.04.2015). Im Neubau ist im obersten Stockwerk das „Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung“ untergebracht. Die Universität bildet mit rund 2600 Personen den Großteil der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Lehramtsstudierende sind im ersten Studienjahr freitags im Klassenzimmer und beobachten Unterricht. Dann folgen weitere Praxisphasen, die vor- und nachbereitet werden. Dabei arbeitet die Uni mit 250 Partnerschulen in Hildesheim, Hannover und der Region zusammen. Professorinnen und Professoren für Deutsch als Zweitsprache, Diversity Education, Migrationspolitik und Inklusive Pädagogik lehren in Hildesheim. Erziehungswissenschaftlerinnen begleiten Lehrerinnen und Lehrer auf dem Weg zu inklusiven Schulen, etwa in einem zweijährigen berufsbegleitenden Studium.

Im Neubau sind zwei weitere Forschungszentren untergebracht: Das „Zentrum für Bildungsintegration – Demokratie und Diversität in Migrationsgesellschaften", das Ende April eine Konferenz zum Thema „Das Menschenrecht auf Bildung im Kontext von Migration und Integration" ausrichtet, und das „Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachen". Sie nehmen Chancen von Migration in den Blick und untersuchen die Übergänge von Kitas in Schulen und das Aufwachsen von Kindern.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich betont, dass die Universität Hildesheim den Zeitplan und auch den Kostenplan eingehalten hat. Die Stiftungshochschule habe den Nachweis erbracht, dass auch Hochschulen ihrer Verantwortung als Bauherrin gerecht werden können. Das Land Niedersachsen investiert rund zwölf Millionen Euro. Dabei bleibt die Universität unter dem üblichen Kostenrahmen: Nach Landesstandard sind für das Gebäude 14,8 Millionen Euro zu veranschlagen – die Universität Hildesheim liegt mit etwa 12,8 Millionen Euro Gesamtkosten gut 14 % unter diesen Richtwertkosten. Die Hochschule hat als Stiftungsuniversität seit 12 Jahren die Verantwortung für das Baumanagement. „Wir haben hier in der Uni eigentlich ein kleines Bauamt, mit Planern, Architekten. Viele größere Universitäten würden auch gerne die Bauherreneigenschaft haben“, sagt Uni-Baudezernent Thomas Hanold. „Wir können schnell und flexibel bauen, da wir in eigener Verantwortung handeln und über gute Kenntnisse der wissenschaftlichen Einrichtungen und Abläufe verfügen.“ Er hat mit seinem Team bereits die hochmittelalterliche Marienburg – ein Baudenkmal aus dem 14. Jahrhundert samt Vorburg und Wirtschaftshof – zur universitären Nutzung ausgebaut sowie den Bühler-Campus für die Sprach- und Informationswissenschaften ausgebaut.

Mit dem Uni-Neubau werde die „Attraktivität der Stadt als zukunftsfähiger Bildungsstandort gestärkt“, verdeutlicht Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim. Er spricht von einem „wichtigen Meilenstein“, der den Standort auch aus städtebaulicher und architektonischer Sicht profiliert. „Die Ausgestaltung des baulichen Umfeldes öffentlicher und privater Liegenschaften sowie unserer kulturellen Angebote ist schließlich ein wesentlicher Baustein zur Bindung junger Menschen, die wir hier langfristig erreichen möchten“, so Meyer.

Wer in den Neubau eintritt, der steht vor einem geschwungenen, offenen Tresen. Unternehmen und Banken bauen ihre Schalter und Tresen ab, setzen vermehrt auf elektronische Auskunft. „Wir machen das umgekehrt und schaffen wieder Ansprechpartner: Bisher hatte die Universität eine Infoline, hier konnten Studierende und Studieninteressierte anrufen oder eine Email schreiben“, sagt Dinda Fatah von der Studienberatung. Ein studentisches Team gibt nun täglich im „CampusCenter“ Auskunft.

Was passiert im Forum? – Kurzinformation zum Neubau

40.000 Prüfungen bearbeiten: Markus Flohr und sein Team vom Prüfungsamt. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Das neue „Forum“ ist das nun größte Gebäude der Stiftungsuniversität Hildesheim. Auf rund 3600 m² Hauptnutzfläche entstanden Seminarräume, ein Hörsaal, Aufenthalts- und Arbeitsbereiche für Studierende und für Forschungszentren. Verglaste Außenwände und ein geschwungener Empfangstresen laden im Erdgeschoss zum Ankommen ein. Das fünfgeschossige Gebäude ist 20 Meter hoch. Alle zentralen Einrichtungen der deutlich gewachsenen Hochschule können nun ihre Serviceleistungen am Hauptcampus anbieten, sagte Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić, bereits anlässlich der Grundsteinlegung am 27. Juni 2013. Studierende können sich vor oder nach Lehrveranstaltungen beim Immatrikulations- und Prüfungsamt informieren und am Servicepoint des Dezernats für Studienangelegenheiten Abschlussarbeiten abgeben. Im „CampusCenter“ der Zentralen Studienberatung in der ersten Etage erhalten Interessierte Informationen rund um das Studium. Ein studentisches Team gibt täglich Auskunft. In langen Wintersemestern bietet das viergeschossige Atrium einen angenehmen Aufenthaltsort. Deckenfenster sorgen für eine natürliche Beleuchtung. Die insgesamt sieben Seminarräume für bis zu 72 Personen sind mit neuer Technik für die Lehre ausgestattet. Im „International Office" können Studierende ihren Auslandsaufenthalt planen. Außerdem haben im Neubau das Institut für Erziehungswissenschaft, das Finanzdezernat, das Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung sowie Promotionskollegs ihren Platz. In der vierten Etage arbeiten mit den Vizepräsidenten Teilbereiche der Hochschulleitung sowie die Stabsstellen für Forschungsmanagement, für Qualitätsmanagement sowie für Friend- und Fundraising.

Die Studierenden, Lehrenden und Besucher profitieren von kurzen Wegen und Informationen an einem Standort. Bisher waren die meisten Serviceeinrichtungen in der Innenstadt ausgelagert. Der Universitätsplatz verbindet die ältere Campusarchitektur aus den 1970er Jahren mit dem Neubau, der für Bürger nun die zentrale Anlaufstelle ist, um Informationen über die Universität zu erhalten.

Die Universität ist in den vergangenen zehn Jahren räumlich und personell stark gewachsen, von etwa 3600 auf heute 7100 Studierende. Seit 2003 ist die Hochschule eine Stiftungsuniversität und hat mehr Entscheidungsspielräume, etwa bei Berufungs- und Bleibeverhandlungen und im Baumanagement.

Stuhl stiften

Stühle stiften. Foto: Clemens Heidrich

Wer die Arbeit im neuen „Forum“ unterstützen möchte, kann das im Rahmen der Aktion „Stühle stiften“ tun. Mit einem Betrag von 100 Euro kann man die Patenschaft für einen Stuhl im Hörsaal übernehmen und die Verbundenheit mit der Universität dokumentieren. Wer die Universität unterstützen möchte, kann sich an Markus Langer wenden (markus-langer[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90130).

Neubau erkunden beim Tag der Architektur

Das „Forum“ ist ein offizieller Veranstaltungsort beim „Tag der offenen Tür“ der Architektenkammer Niedersachsen. Am 28. Juni 2015 bietet die Universität Führungen an, um den Neubau zu erkunden.

Neubau: Bildergalerie und Fakten / Bildergalerie der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung

Broschüre „Forum am Universitätsplatz 1: Die Stiftung Universität Hildesheim als Bauherrin“ (PDF)

Bildergalerie der Eröffnung (ab Donnerstag hier online)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Stiftungsuniversität Präsident Präsidium
news-9870 Thu, 09 Apr 2015 13:32:00 +0200 Streit zwischen Land und Hochschulen ist beigelegt https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/streit-zwisc/ Der Streit zwischen der Landeshochschulkonferenz (LHK) und dem Wissenschaftsministerium um Gelder für die Lehrerbildung ist beigelegt. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt, bestätigte der Vorsitzende der LHK, Hildesheims Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich der HAZ. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Einrichtungen Lehrerbildung news-9570 Mon, 30 Mar 2015 19:31:00 +0200 Die Stunde der Wahrheit: Prüfungszeit https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/die-stunde-der-wahrheit-pruefungszeit/ Studieren spielt sich in diesen Wochen auch auf den Fluren zwischen den Hörsälen ab. An Arbeitstischen sitzen Studierende über Mitschriften und lernen. Wie das Prüfungsamt der Universität Hildesheim jährlich etwa 40.000 Prüfungen bearbeitet – ein Einblick. Prüfungszeit – ein Rundgang über den Hauptcampus in der vorlesungsfreien Zeit von Isa Lange. Sozialpsychologen haben außerdem untersucht, wie Gruppen ein Wir-Gefühl entwickeln und so besser Stress bewältigen können. Pro Semester verarbeitet ein Team um Markus Flohr etwa 20.000 Prüfungen an der Universität Hildesheim. Im Idealfall „verbuchen“ die Lehrenden oder die Sekretariate in den Instituten die Prüfungsergebnisse im System selbst. Teilweise trägt auch das Prüfungsamt die Ergebnisse ein. „Im Prüfungsamt laufen alle Fäden zusammen. Wenn alle für den erfolgreichen Studienabschluss erforderlichen Studien- und Prüfungsleistungen erbracht worden sind, erstellen wir die Abschlussdokumente. Dazu gehören ein Zeugnis, eine Urkunde, das Transcript of Records und Diploma Supplement. Der zuständige Prüfungsausschussvorsitzende und Dekan unterschreiben die Dokumente, bevor sie an die Absolventinnen und Absolventen ausgegeben werden können“, skizziert Markus Flohr den Vorgang. Er ist an der Universität seit zehn Jahren als Sachgebietsleiter für Immatrikulations- und Prüfungsangelegenheiten tätig.

Mit dem Umzug aus der Innenstadt in den Neubau (Forum) am Universitätsplatz ist der „Servicepoint des Dezernats für Studienangelegenheiten“ nun besser erreichbar. In der ersten Etage über dem Hörsaal, auf der Höhe des viergeschossigen Atriums können Studierende innerhalb der täglichen Öffnungszeiten Abschlussarbeiten abgeben oder Bescheinigungen und Anträge abholen. Acht studentische Hilfskräfte geben Auskunft. Eine von ihnen ist Lisa Nottmeier. Zwei Stapel mit Master- und Bachelorarbeiten in roten und schwarzen Einbänden liegen neben ihr. „Ich habe immer montags Schicht“, sagt die Studentin der Sozial- und Organisationspädagogik, schon kommt der nächste Student an ihren Tresen: Benedikt hat eine Kopie des Bachelorzeugnisses in der Hand und möchte diese abgeben, sichtlich erfreut und erleichtert. Dennoch eine Nachfrage, zur Sicherheit: Die Unterlagen sind jetzt vollständig?

40.000 Prüfungen: Markus Flohr, Stefan Schmidt, Mareike Reis, Johannes Wolbring, Lisa Nottmeier. Foto: Lange/UHi

„Das Angebot wird sehr gut angenommen, mehr als bisher. Die Studierenden kommen bei uns vorbei, bevor sie in die Bibliothek oder Mensa gehen“, freut sich Markus Flohr. Kann ich das noch abgeben? – an einem Freitag Ende März, kurz vor Ende des Semesters, stehen zwei Studenten in seinem Büro. „Jetzt ballt sich alles, bis zum 31. März wollen viele alles erledigen, um nicht in das nächste Semester zu rücken. Sie wollen sicherstellen, dass alle Unterlagen beisammen sind.“ Gelassen mal eben einen Leistungsnachweis oder eine Hausarbeit abgeben? Markus Flohr spürt eine gewisse Hektik und Unsicherheit, gerade zum Ende des Semesters. „Wir beruhigen und blicken auf die Sachlage, wir finden eigentlich immer eine Lösung.“

Die studentischen Hilfskräfte am Servicepoint sind dabei die ersten Ansprechpartner, sie sind jedoch nicht befugt, Dokumente zu unterschreiben. Dafür müssen sich Studierende an die zuständigen Sachbearbeiter wenden. Jedem Sachbearbeiter sind bestimmte Studiengänge zugeordnet. Sigrid Ilgenstein bearbeitet zum Beispiel die Prüfungen in den Studiengängen „Deutsch als Zweitsprache/Fremdsprache“, und die Buchstaben A bis Q aus den Studiengängen „Internationales Informationsmanagement“ und „Internationale Kommunikation und Übersetzen“; Rosemarie Bierwirth übernimmt die Namen R bis Z. Im Bereich des Lehramtes – im Zwei-Fächer-Bachelor und Zwei-Fach-Master sind derzeit mit rund 2700 Studierenden die meisten Studierenden eingeschrieben – teilt sich das Prüfungsamt die Sachbearbeitung alphabetisch von A bis E, von F bis N und von O bis Z ein. Mit dieser Struktur behalten die insgesamt 8 Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter und Markus Flohr bei 40.000 Prüfungen jährlich und 7200 Studierenden den Überblick.

„Man muss wissen, was der Körper leisten kann“

Quartier vor dem Hörsaal, dann geht es weiter in die Bibliothek: Yvonne Harms. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Einmal quer über den Universitätsplatz, unweit des Neubaus, sitzt Yvonne Harms vertieft über ihren Unterlagen. Sie studiert „Sport, Gesundheit, Leistung“ an der Universität Hildesheim und bereitet sich auf eine Biologie-Klausur vor. Vor ihr liegen Mitschriften und Arbeitsblätter rund um Cythologie und Botanik, über pflanzliche und tierische Zellen, über die Teilung, Bestandteile und Funktionen von Zellen. Sie wartet vor Hörsaal 3 auf ein Tutorium, wo sie die Themen mit weiteren Studierenden gemeinsam bearbeiten und Fragen klären kann. „Ich kann besser in der Uni lernen als zu Hause, ich gehe danach in die Bib“, sagt die Studentin.

Biologie und Sport ist ihre Kombination. „Gesundheit und Leistung passen gut zusammen, ich gehe in den außerschulischen Bereich. Man muss wissen, was der Körper leisten kann, wie er funktioniert, was unsere biologischen Grundlagen sind. Ich habe auch Botanik-Vorlesungen, das ist dann nicht direkt mein Berufsfeld, aber es gehört zu meinem Studium dazu“, sagt Harms, die kurz vor dem Bachelorabschluss steht und einen Masterstudiengang anschließen möchte. „Erst Bio, im März drei weitere Klausuren. Das kriegt man organisiert. Hätte ich zum Ausgleich nicht den Sport… Man muss den Ausgleich fest mit einplanen in den Tagesablauf.“ Laufen, Fußball in einer Mannschaft – das gehört bei ihr zum Alltag.

Erstes Semester, erste Klausur: „Erfahrungen in der Schule lassen mich durchhalten“

„Ich weiß, warum ich lerne. Ich will in die Schule“, sagt Rohani Mavigök. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Zehn Meter weiter steht Rohani Mavigök in einer Dreiergruppe, alles Erstsemester. Gerade hat sie eine Pädagogik-Klausur geschrieben und kommt aus dem Hörsaal. „Es waren sehr viele Themen, es lief gut. Ich befasse mich gerade mit der Frage, wie man Unterricht plant“, sagt die Lehramtsstudentin. Die 19-Jährige studiert seit einem halben Jahr die Fächer Mathematik und Politik.

Es sind die ersten Klausuren an der Universität, auch der 19-jährige Soner Topcu blickt zurück auf sein erstes Semester. „Von Klausuren lasse ich mich nicht stressen. Der Umgang mit Kindern und die Unterrichtsbesuche bestätigen meinen Berufswunsch, ich will auf jeden Fall in die Schule. Ich erfahre Zuneigung und Bestätigung, dass ich mich in der Klasse wirklich aufhalten möchte. Durch die Praxis lerne ich auch die theoretischen Inhalte, befasse mich mit der Frage, was gute Lehrer sind“, sagt Soner Topcu, der in Hildesheim Lehramt mit den Fächern Biologie und Chemie studiert. Jeden Freitag beobachtet er im ersten Studienjahr Unterricht in einer dritten Klasse an der Grundschule „Auf der Höhe“, „an der Schillstraße hinter der Aral-Tankstelle“, fünf Minuten Fußweg von der Uni entfernt. Im Sommersemester steht bereits die erste Unterrichtsstunde bevor. Erst stehen aber noch zwei Klausuren in Biologie und Chemie an. Fachdidaktik und Fachwissenschaft plus Schulpraxis, aus dieser Kombination ist das Lehramtsstudium gestrickt. „Der Umgang mit den Kindern macht sehr viel Freude. Die Drittklässler sind offen, reden mit mir“, ergänzt Berat Krasniqi. Der 18-Jährige mit der Fächerkombination Mathematik und Technik möchte ebenfalls Lehrer werden.

Diese Erfahrungen lassen mich durchhalten in der Klausurenphase, sagt die Studentin Rohani Mavigök. „Ich weiß, warum ich lerne. Ich will in die Schule.“ Unsicher ist sie sich mit ihrem Fach. Vielleicht werde sie wechseln zum Fach Englisch. In solchen Fällen hilft die Studienberatung weiter. „Es ist gut, dass ich das jetzt früh bemerke und nicht erst sechs Semester studiere und dann abbreche.“ Jeden Freitag beobachtet sie seit Oktober Unterricht an der Renata-Realschule in Hildesheim. Zunächst einige Monate in einer zehnten Klasse, in der sie Einblicke in die Abschlüsse und den Übergang in Ausbildung und Beruf erhielt. Nun in einer siebten. „Wir sitzen in einer kleinen Gruppe im Klassenzimmer, mal hinten, dann verteilt zwischen den Schülerinnen und Schülern, und beobachten Unterricht, den Lehrer, einen einzelnen Schüler.“ Wofür sie all die Informationen aus den Vorlesungsskripten benötige, werde in der Schule deutlich. Im Sommersemester wird sie eine Mathestunde unterrichten. Ihre erste.

Gelb, grün, pink: Der Textmarker hebt Formeln hervor

Sport und Aufräumen als Ausgleich: Kristina Haase, Marie Schulte, Adrian Bothe. Foto: I.Lange/Uni Hildesheim

Eine Etage über der Pädagogik-Gruppe neben einem Hörsaal hat eine Gruppe aus der Mathematik ihre Unterlagen auf drei aneinandergestellten Tischen ausgebreitet. Gelb, grün, pink – der Textmarker hebt Gleichungen hervor. Mitschriften, Aufgaben, Taschenrechner, Karopapier. Kristina Haase blättert durch ihre Notizen – diskrete Verteilungen, komplexe Formeln, Verteilungsmodelle, Approximation. Die 22-Jährige studiert Lehramt mit den Fächern Mathematik und Sport und möchte einmal in der Realschule unterrichten. Oft fragt sie sich, wie sie diese Inhalte im Schulunterricht vermitteln könne. „Wir haben am Beispiel von Romeo und Julia berechnet, wie wahrscheinlich es ist, dass sich das Liebespaar nicht umbringt. Wenn einer eine Viertelstunde zu spät kommt, dann überleben beide nicht. Auch Würfelbeispiele helfen, um die Wahrscheinlichkeitsrechnung verständlich zu erklären, das sind die Anfänge“, sagt Haase.

An diesem Nachmittag lernt sie gemeinsam mit Marie Schulte und Adrian Bothe. Angst vor Prüfungen nehme das zwar nicht, „aber wir haben gemeinsam Bammel, besser als alleine“. „Wir erklären uns gegenseitig, wie wir Stochastik verstehen“, sagt Marie Schulte. „Ich habe einiges aufzuholen, ich schreibe zwei Klausuren und dann im Sommer zwei weitere in Mathematik“, sagt der 23-jährige Lehramtsstudent Adrian Bothe.

Wie man solche Phasen durchsteht? „Mein Fach Sport motiviert mich, ich lerne mit vielen Leuten in der Gruppe, die Seminare, in denen wir auch körperlich aktiv sind, schaffen Zusammenhalt. Gerade ging es um Tischtennis“, so Bothe. „Wir beobachten und simulieren Sportstunden, ich habe gerade eine Stunde zu Ringtennis geplant“, ergänzt Kristina Haase über ein Seminar „Kleine Spiele und Spielvermittlung“. Sie lernt die Breite des Sports kennen, nicht allein Trendsportarten und Fußball. Im Sport lernen Kinder, Regeln einzuhalten, das sei wichtig für Heranwachsende. Im Sportstudium befassen sie sich mit der Vielfalt, planen Sportstunden für Kinder, die wenig aufmerksam oder adipös sind. Dabei sei es wichtig, auf unterschiedliche körperliche Voraussetzungen einzugehen, ohne zu diskriminieren, sagt Adrian Bothe. Diese Praxiserfahrungen geben Kraft, auch schwierige Prüfungsphasen zu überstehen, meint er. „Durch die Klausuren muss ich jetzt durch“, so Kristina Haase. In der Prüfungszeit sei Sport ihr Ausgleich, zum Auspowern. Adrian schmunzelt und ergänzt: „Und erstmal das Zimmer putzen, das lenkt ab vom Lernen.“

Auch Marie Schulte zehrt von den Praxiserfahrungen in dieser Prüfungszeit und hat ihr Ziel, Grundschullehrerin zu werden, vor Augen. In einer ersten Klasse der Grundschule Sarstedt hat sie Religion unterrichtet. In der Klasse saßen Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Glaubensrichtungen. „Die Kinder gehen ganz offen an das Thema heran, wir haben Geschichten im Theaterspiel nachgespielt. In der Klasse sind auch Kinder muslimischen Glaubens und die Kinder haben einander vorgestellt, wie sie beten, haben sich gegenseitig erzählt, was für sie Religion ist. Ich habe gerade ein Seminar über Islam. Schüler sollten in der Grundschule lernen, mit Akzeptanz anderen zu begegnen und nicht mit Vorurteilen, die leicht entstehen“, so Schulte, die neben Mathematik Katholische Religion studiert. Als Lehrerin müsse sie wissen, wie sie mit dieser religiösen Vielfalt umgehen könne. Auf dem Schulhof etwa finden Sprüche über Islam statt, gerade in diesen Wochen. „Kinder sollen Einblicke in verschiedene Weltanschauungen und Religionen erhalten und verstehen: Es gibt viele verschiedene Einstellungen.“

Bibliothek als Lernort: Gemeinsame Pausen einlegen

Noch zwanzig Seiten, dann eine Kaffepause: Tiana Hauf und Barbara Harms. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Gemeinsames Lernen kann in der Prüfungsphase weiterhelfen, sind sich die Psychologiestudentinnen Tiana Hauf und Barbara Harms sicher. Die beiden treffen sich regelmäßig in der Bibliothek. Die Ecke im Erdgeschoss neben den Zeitschriften hinter grellblauen Bücherwänden ist ihr Stammplatz. „Wir sind ein eingespieltes Team, wir motivieren uns gegenseitig und machen gemeinsam Kaffeepausen, das ist unser tägliches Ritual“, so die 22-jährige Tiana Hauf, die für eine Klausur im Bereich Motivations- und Emotionspsychologie lernt. „Das schaffen wir, kriegen wir hin“, ermuntern sie einander.

Erfahren sie Konkurrenz oder sehen sie den anderen als Bedrohung im Sinne von „Der macht das besser“? „Nein, auf keinen Fall, wir freuen uns füreinander“, sagt Barbara Harms. Die 25-Jährige schreibt eine Hausarbeit im Masterstudium über evolutionäre Psychologie.

Szenische Künste – es geht darum, gute Filme im Team zu drehen, nicht um eine Note

Die Gruppe gibt Sicherheit, sagt Hannah Zita Quell (re.), mit Ida Sassenberg. Foto: I. Lange/Uni Hildesheim

Ida Marie Sassenberg und Hannah Zita Quell sind „mit den Klausuren durch“. In diesem Jahr sind es zwei Einführungen: in die Psychologie und in die Populäre Kultur. Nun stehen Hausarbeiten und Essays an. Zum Beispiel untersucht Ida Sassenberg, wie Moderation und Moderatoren in Filmen dargestellt werden, oftmals negativ. Sie studiert „Szenische Künste“ mit den Fächern Medien, Theater und Literatur. In Seminaren und Vorlesungen schreibt sie „mit Hand mit“, markiert farblich. „Ich bin nicht so der Typ Gruppenlerner, sondern eher ein kleiner Einzelkämpfer. Damit komme ich gut durch. Mein Ausgleich ist, dass ich im Studium viele Projekte mache. Ich drehe gerade einen Film, dazu habe ich eine mündliche Prüfung und das zählt als Prüfungsleistung. Es ist letzten Endes aber mit viel Spaß verbunden und wir helfen uns gegenseitig bei den Drehs. Ich habe meinen ersten eigenen Kurzfilm auf 16 Millimeter gedreht, darauf eine Note bekommen, aber letzten Endes geht es uns nicht um die Note. Sondern um das Drehen. Das ist so nah am Berufsalltag. Die Praxis ist permanenter Teil des Studiums, das fängt im ersten Semester an.“ Im Seminar von Professor Uwe Schrader hat sie sich mit Filmen im Film befasst und dreht nun. „Bei mir geht es um vier Filmstudenten, die sich, während sie über Filme diskutieren, in bekannte Filmfiguren aus ‚Avatar‘ und 'Fluch der Karibik' verwandeln.“

Medien, Musik und Theater, das ist Hannah Zita Quells Fächerkombination und gerade befasst sie sich mit dem, was die Massen anzieht: populäre Musik, Hollywood-Streifen. „Ich schreibe mir Stichpunkte auf, was ich lernen muss. Dann setze ich mich mit einer Gruppe zusammen. Das ist eine Absicherung, ob ich alles drauf habe, wir fragen uns gegenseitig ab, diskutieren. Ich brauche trotzdem auch die Zeit alleine, aber die Gruppe gibt eine Sicherheit.“ Konkurrenzdenken, der andere ist besser als ich – nein. „Ich kenne die Noten der anderen nicht. Es ist eher so ein Gefühl: Wir schaffen das gemeinsam. Wir haben das erste Mal gemeinsam gelernt.“ Gerade hat sie ihre Hausarbeit über Helden der Kindheit fertiggestellt. „Ich habe über meine Heldin der Kindheit, Hermine Granger aus Harry Potter geschrieben. Nun folgt eine weitere über das Vibrato beim Singen.“

Ihr Tipp an jene, die Prüfungen schreiben: „Man sollte gut durchplanen, was man zu lernen hat, realistisch planen und sich darauf verlassen. Mit Disziplin und Ehrgeiz, dann schafft man das“, so Quell. Ida Sassenberg ergänzt: „Nicht stressen lassen. Es geraten immer alle in Panik. Man kann nur sein Bestes geben. Natürlich sollte man anständig lernen, und die Nacht vorher gut schlafen. Es passiert aber nichts Schlimmes, wenn man eine Klausur verhaut, zur Not muss man ein Semester länger studieren.“

„Quick“ macht gute Laune – die Hündin heitert die Lernatmosphäre auf

Chemie lernen (v.li): Laura Gässner mit Hündin, Patrick Göring, Ksenia Evseeva. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Wer sich in dieser Gruppe zuerst bemerkbar macht ist „Quick“, eine Hündin. Nachdem sie die Uni-Flure im H-Gebäude und Tischinseln erkundet hat, kehrt sie zu einer Dreiergruppe zurück, legt sich neben ein Tischbein und vor die Füße des Lehramtsstudenten Patrick Göring. Der 24-Jährige studiert seit einem halben Jahr Chemie und Wirtschaft. Am nächsten Tag steht eine seiner ersten Klausuren im Studium bevor, es geht um Anorganische Chemie. Die Kleingruppe trifft sich regelmäßig. „Ich kann mich schlecht alleine zum Lernen motivieren, wir setzen feste Termine. Ich erkläre auch gerne“, sagt der Student und beginnt zu schildern, was Redoxreaktionen sind. „Dabei werden Elektronen auf den anderen Reaktionspartner übertragen, die Oxidationszahlen ändern sich.“

Neben ihm sitzen die 19-jährige Ksenia Evseeva und Laura Gässner. Beide studieren Lehramt mit der Fächerkombination Biologie und Chemie. Die  27-Jährige schreibt fünf Klausuren. „Es hilft mir in der Gruppe über die Inhalte zu sprechen, sonst würde ich doppelt so lange brauchen“, sagt Laura Gässner. Zu ihr gehört auch der Vierbeiner „Quick“. Die Hündin lenkt die Gruppe ab, es ist ganz erfrischend, macht gute Laune“, sagt Patrick Göring. Die Hündin sorgt auch für eine ruhige Stimmung. Er belohne sich selber, etwa indem er Freunde trifft, ein gemeinsames Essen. „Wie ein Hund", schmunzelt der Student. „Die Prüfungszeit ist so schlimm, wie man sich das vorstellt vor dem ersten Semester.“ Ziemlich viel Stoff sei das. „Mir hilft die Gruppe, sie gibt Denkanstöße, wir erklären uns die Inhalte gegenseitig. Wir schreiben alle Chemie“, sagt Ksenia Evseeva. Eine Pädagogik-Klausur hat sie schon geschrieben, die lief eigentlich richtig gut.

Wir schaffen das: Stress lässt sich im Team besser bewältigen

Je stärker sich Studierende einander verbunden fühlen, desto weniger Stress haben sie. Foto: I.Lange/Uni Hildesheim

In einem gut funktionierenden Team kann man Stress leichter bewältigen, das ist ein Ergebnis einer Studie von Hildesheimer Sozialpsychologen. Professor Andreas Mojzisch und Jan Häusser haben in Labor- und Feldstudien untersucht, wie Gruppen als Stresspuffer wirken können und welche Rolle ein Wir-Gefühl dabei spielt. 190 Studierende der Universität Hildesheim haben teilgenommen. Das Forschungsprojekt wurde durch das Niedersächsische Wissenschaftsministerium mit 198.000 Euro gefördert.

Bisherige Studien haben Stress als ein individuelles Problem betrachtet, die Forscher haben hingegen Gruppen im Blick. Am Arbeitsplatz kann ein Wir-Gefühl zum Beispiel durch gemeinsame Erfolgserlebnisse und Rituale entstehen. „Unsere Laborexperimente zeigen, dass ein Wir-Gefühl die hormonelle Stressreaktion puffert. Dies gilt sowohl für das Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe der Studierenden als auch für das Wir-Gefühl zwischen den Studierenden und den Prüfenden. Konkret bedeutet dies, dass ein Wir-Gefühl dazu führt, dass weniger Cortisol – das ist ein wichtiges Stresshormon – freigesetzt wird. Dies hat sich in zwei Laborexperimenten mit studentischen Probanden  gezeigt“, berichtet Andreas Mojzisch von aktuellen Studienergebnissen, die im „Journal of Experimental Social Psychology“ publiziert wurden. In den Labortests hat zum Beispiel eine Gruppe von Studierenden über ein Gemeinschaftsgefühl nachgedacht, ein Gruppenfoto wurde erstellt. Eine andere Gruppe reflektierte individuelle Unterschiede, Einzelaufnahmen wurden gemacht.

Die Sozialpsychologen können zeigen, dass ein Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe der Bewerber für das Sport-Studium mit einem geringeren Stresserleben und einer geringeren Ausschüttung von Cortisol einhergeht, so Mojzisch. Die Untersuchungen fanden im Rahmen der Sporteignungsprüfung in Kooperation mit dem Sportwissenschaftler Professor Peter Frei statt.

Lesen Sie mehr über die Studie: „Stress lässt sich neuen Forschungsergebnissen der Universität Hildesheim zufolge in einem gut funktionierenden Team leichter bewältigen als allein“, Recherche von Charlotte Morgenthal, Evangelischer Pressedienst (EPD), 27.03.2015

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Pressemeldungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Sportwissenschaft Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Fachbereich 3 Fachbereich 2
news-9834 Mon, 30 Mar 2015 16:02:00 +0200 Annja Bormann hilft noch bis September mit und geht dann in den Ruhestand https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/annja-borman/ 15 Jahren lang hat Annja Bormann als Schulleiterin die Entwicklung der Logopädie-Schule des Diakonie-Kollegs Hildesheim gesteuert. Vom Aufbau der Schule über den Umzug bis hin zum Neuanfang in Hildesheim. Ende September startet Annja Bormann mit dem „Ruhestand” in einen neuen Lebensabschnitt. Ab April wird Melanie Wipprecht neue Schulleiterin. Durch den neuen Studiengang „Bildungswissenschaften in den Gesundheitsfachberufen” der HAWK und der UNI Hildesheim wird es zukünftig noch intensivere Kooperationsmodelle geben. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Sozial- und Organisationspädagogik news-9791 Sat, 28 Mar 2015 16:02:00 +0100 Neuer Studiengang für Lehrer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/neuer-studie/ Die Stiftung Universität Hildesheim bietet zusammen mit der HAWK einen neuen Bachelorstudiengang an: Bildungswissenschaften in den Gesundheitsfachberufen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie so die Bezeichnung. Mit dem Abschluss können Lehrkräfte dann an Schulen für Gesundheitsfachberufe qualifiziert unterrichten. Pressespiegel regional Sozial- und Organisationspädagogik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Einrichtungen Lehrerbildung news-8985 Tue, 24 Mar 2015 10:00:00 +0100 Interkulturelles Lernen: Vielfalt will gelernt sein / Sprachunterricht kann Kindern bessere Chancen bieten und angehende Lehrer auf die kulturelle Vielfalt in den Klassen vorbereiten https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/interkulture/ ZEIT ONLINE über die interkulturelle Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim: Reportage über eine Lehramtsstudentin, die wöchentlich Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team fördert An einem Freitagnachmittag in einer kleinen Bücherei einer Hildesheimer Grundschule: Drei Grundschüler sitzen um einen Tisch, auf dem vierten kleinen Stuhl sitzt die Lehramtsstudentin Madeleine Mäbert. Zweimal die Woche trifft sich diese Lerngruppe, darunter der neunjährige Omer. „Anderthalb Stunden lang übt die Lehramtsstudentin mit den Jungs Lesen, Grammatik oder Texte schreiben", beobachtet Birk Grüling in der ZEIT-Reportage.

Die Kinder sollen in der Gruppe vor allem besser Deutsch und konzentriertes Arbeiten lernen, so ZEIT ONLINE über das Projekt „Lernku(h)lt - Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team" am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Dabei begleiten Hildesheimer Lehramtsstudierende Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund über ein Jahr zwei Mal wöchentlich in einer Kleingruppe. Sie halten auch Kontakt zu den Klassenlehrern und Eltern. Lokale Stiftungen unterstützen das Projekt, die Uni arbeitet mit Asyl e.V. zusammen, um den Kontakt zu Familien zu halten.

„An der Universität Hildesheim hat man aus den positiven Praxis-Erfahrungen des LernKU(H)LT-Projekts gelernt. Neben längeren Praxisphasen in den Schulen wurde das Lehrangebot zu den Themen Migration, Sprachenförderung und Bildung stark ausgebaut", beobachtet ZEIT ONLINE. „In den Mathebüchern ist von Fruchtsaftgetränken, Keltereien oder Arbeitslöhnen die Rede. Viele Kinder kennen solche Begriffe aus ihrer Alltagssprache nicht", sagt die Mathematikdidaktikerin Prof. Barbara Schmidt-Thieme im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Prof. Viola Georgi, Leiterin des neugegründeten Zentrums für Bildungsintegration der Uni Hildesheim, sagt ZEIT ONLINE: „Es gibt immer noch Bildungsungleichheit in Deutschland. Deshalb brauchen wir mehr interkulturell ausgebildete und für Diskriminierung sensible Lehrer.‘“  

ZEITonline, „Interkulturelles Lernen: Vielfalt will gelernt sein", Reportage aus Hildesheim, 24.03.2015 (online)

Kontakt zu den Forschern, Lehramtsstudierenden und mehrsprachigen Familien über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Ang. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-9766 Fri, 20 Mar 2015 16:00:00 +0100 Einwanderung ist in den Büchern noch ein Problem https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/einwanderung/ Das Thema Einwanderung wird in vielen Schulbüchern immer noch als ein Problem und nicht als gesellschaftlicher Normalfall betrachtet. Das zeigt eine neue Studie, die die Universität Hildesheim zusammen mit dem Braunschweiger Georg-Eckert-Institut erstellt hat. Es gelingt vielen Büchern noch nicht, die gesellschaftliche Vielfalt als normal abzubilden und Chancen von Migration aufzuzeigen, sagt Professorin Viola Georgi von der Uni Hildesheim anlässlich der Veröffentlichung der „Schulbuchstudie Migration und Integration“. Untersucht wurden 65 Schulbücher aus fünf Bundesländern in den Fächern Sozialkunde, Politik, Geschichte, Geografie. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung Inklusion Pressespiegel regional news-9982 Fri, 20 Mar 2015 09:00:00 +0100 Einwanderung ist in den Büchern noch ein Problem / Eine Studie kritisiert die Darstellung und Rolle von Migranten in der Unterrichtsliteratur für Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/einwanderung-1/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG über Schulbücher und die Darstellung von Migration und Integration in Bildungsmedien / Professorin Viola Georgi von der Uni Hildesheim sagt: Die Lehrerausbildung habe bei dem Thema einen großen Nachholbedarf „Begriffe wie Ausländer, Fremde, Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund würden oft nicht unterschieden, sondern oft als Synonyme in den Büchern verwendet. […] Weil ihm dies nicht gefällt, macht Benedikt Domdey immer häufiger sein Unterrichtsmaterial selbst. ‚Schulbücher sollten alle Jugendlichen ansprechen, hier sollte eine Bandbreite auftauchen, eine Vielfalt, denn die Klassen sind vielfältig‘, sagt Domdey. Er studiert an der Universität Hildesheim Wirtschaft und Theologie und hat in Schulpraktika in sechsten und neunten Klassen an Schulen in Hildesheim, Bad Salzdetfurth und Nordstemmen unterrichtet", berichtet die Redakteurin Saskia Döhner in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG anlässlich einer neuen Schulbuch-Studie. Das Georg-Eckert-Institut hat im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Bildungsintegration der Uni Hildesheim untersucht, wie Schulbücher Migration und Integration darstellen.

„In Büchern gebe es oft Aufgaben wie ‚Fragt einen Schüler mit Migrationshintergrund in eurer Klasse, wie seine Familie zu uns nach Deutschland gekommen ist‘", sagt Viola Georgi, Professorin für Diversity Education an der Universität Hildesheim, der HAZ. Dadurch würden Migranten immer wieder aus der Gemeinschaft herausgehoben, die Lehrerausbildung habe bei dem Thema einen großen Nachholbedarf, so Georgi.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, „Einwanderung ist in den Büchern noch ein Problem / Eine Studie kritisiert die Darstellung und Rolle von Migranten in der Unterrichtsliteratur für Schulen", 20.03.2015 (print) (www.haz.de)

Kontakt zu den Forschern vom Zentrum für Bildungsintegration und zu Lehramtsstudierenden und Schulen über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-9727 Wed, 18 Mar 2015 16:00:00 +0100 Neue Studie: Integration und Migration im Schulbuch https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/neue-studie-integration-und-migration-im-schulbuch/ „Formuliere mögliche Zukunftswege für ausländische Kinder" – steht als Aufgabe in einem Schulbuch. Es gelingt vielen Büchern noch nicht, die gesellschaftliche Vielfalt als normal abzubilden und Chancen von Migration aufzuzeigen, sagt Professorin Viola Georgi von der Uni Hildesheim anlässlich der Veröffentlichung der „Schulbuchstudie Migration und Integration“. Ein Team des Georg-Eckert-Instituts unter der Leitung von Inga Niehaus und die Erziehungswissenschaftlerin haben 65 Schulbücher in den Fächern Sozialkunde, Politik, Geschichte, Geografie aus fünf Bundesländern untersucht. Staatsministerin Aydan Özoğuz hat am 17. März 2015 in Berlin die „Schulbuchstudie Migration und Integration“ vorgestellt. Schulbücher vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch Werte und Normen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration hat das „Georg-Eckert-Institut – Leibniz Institut für Internationale Schulbuchforschung" (GEI) in Zusammenarbeit mit dem „Zentrum für Bildungsintegration" an der Stiftung Universität Hildesheim beauftragt, eine Analyse zur Darstellung von Migration und Integration in Schulbüchern durchzuführen. Die Studie spricht Empfehlungen für die Bildungspraxis und -politik aus, wie eine zeitgemäße Darstellung von Vielfalt in Schulbüchern gelingen kann. „Ich empfehle, dass nicht nur die Schulbuchverlage, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer und Bildungsverwaltungen der Länder die Schulbuchstudie 'Migration und Integration' als Anregung nutzen", so die Staatsministerin Aydan Özoğuz. „Ein ermutigendes Ergebnis der Studie ist, dass in den Sozialkundebüchern Deutschland explizit als ein Einwanderungsland, in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft ihre Heimat haben, beschrieben wird."

Dr. Inga Niehaus hat die Studie am Georg-Eckert-Institut geleitet. Zum Team der Schulbuchforscher gehören die Autoren der Studie, Rosa Hoppe und Dr. Marcus Otto. Die Forschungsbibliothek des GEI in Braunschweig umfasst mit 175.000 Schulbüchern aus 160 Ländern eine weltweit einzigartige Sammlung der Fächer Geschichte, Sozialkunde, Geographie und Religion.

Beteiligt an der Studie ist auch Professorin Viola B. Georgi. Mit dem Thema Schulbücher und Bildungsmedien und ihrer Relevanz in der Lehrerausbildung befasst sich die Erziehungswissenschaftlerin an der Universität in Hildesheim. Dabei bindet sie auch Studierende der Erziehungswissenschaften und des Lehramts ein. Sie lehrt und forscht im Bereich Diversity Education, befasst sich mit Vielfalt im Schulalltag, an Kitas und Hochschulen.

Online lesen: „Schulbuchstudie Migration und Integration" (PDF)

Presseinformation des Georg-Eckert-Instituts

Interview mit Professorin Viola Georgi als PDF

Nachgefragt bei Professorin Viola Georgi: Wie Schulbücher Migration und Integration darstellen

Weshalb sind Schulbücher eigentlich ein wichtiger Gegenstand von Forschung?

Viola Georgi: Schulbücher sollen gesellschaftlich als relevant und richtig erachtetes Wissen bereitstellen. Es geht um Weltbilder, gesellschaftliche Werte und Regeln, die via didaktischer Aufbereitung in der Schule an die nächsten Generationen weitergegeben werden sollen. Schulbücher müssen sich an staatlichen Rahmenplänen orientieren und offiziell genehmigt werden. Schulbücher repräsentieren anerkanntes und staatlich legitimiertes Wissen. Sie verfügen daher über eine gewisse Autorität und gelten als lehrreich. Wenngleich Schulbücher nach wie vor ein wichtiges Bildungsmedium darstellen, sollten sie jedoch m.E. in ihrer Wirkung nicht überschätzt werden. Denn was genau aus den Schulbuchinhalten bei den Lernenden ankommt, hängt auch ganz maßgeblich davon ab, wie die Lehrenden mit dem Schulbuch umgehen und welche ergänzenden Materialien sie zum Einsatz bringen. Aufgrund der gesellschaftlichen, bildungspolitischen und bildungspraktischen Relevanz von Schulbüchern ist es für die Umsetzung von diversitätssensibler Bildung aber dennoch notwendig, Lehrmittel zu entwickeln, die einen inklusiven Unterricht unterstützen.

Was haben Sie in der Studie untersucht?

Die Studie geht der Frage nach, wie Migration und Integration in Bezug auf gesellschaftliche Vielfalt in deutschen Schulbüchern dargestellt werden und inwiefern Schulbücher zu einer zunehmenden Akzeptanz von Diversität als gesellschaftlicher Normalität beitragen können. Die Untersuchung bezieht sich auf die Tatsache, dass sich Deutschland in den letzten Jahrzehnten zu einem modernen Einwanderungsland entwickelt hat. Vielfalt im Klassenzimmer ist längst zur Regel geworden und die Auswirkungen auf das Bildungssystem sind nicht zu übersehen. Der Fokus der Studie liegt auf den Schwerpunkten „Diversity – Abbildung einwanderungsbedingter Vielfalt“ und „Partizipation – gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund.

Wie viele und welche Schulbücher haben Sie untersucht?

Insgesamt haben wir 65 aktuell zugelassene Schulbücher aus fünf Bundesländern untersucht. Dazu gehörten Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Berlin und Brandenburg. Die qualitative Analyse bezieht sich auf Schulbücher der Sekundarstufen I in den Fächern Sozialkunde, Politik, Geschichte und Geografie.

Was sind die Befunde?

Die von uns untersuchten Schulbücher spiegeln größtenteils dominante gesellschaftliche Diskurse wider, wie zum Beispiel die sich hartnäckig behauptende Position, dass Migration in erster Linie Probleme verursache und konfliktbeladen sei. Zum Teil hinken die Bücher den neueren Entwicklungen und Erkenntnissen der Wissenschaft hinterher, das heißt, es fällt ihnen schwer die demografische Realität – also die deutsche Einwanderungsgesellschaft – zeitgemäß in Bild und Text zu fassen. Es gelingt ihnen bisher noch nicht, die migrationsbedingte Vielfalt als normal zu begreifen und auch die Potentiale von Migration und Diversität zu erkennen und zu vermitteln. Stattdessen werden wir mit Darstellungen konfrontiert, die sich nur schwer von Stereotypen lösen können. Migranten werden nur selten als aktiv Handelnde, sondern eher als Bedürftige und oft als Opfer gesellschaftlicher Umstände präsentiert. Viele Schulbuchdarstellungen verfallen zudem immer wieder in das Muster „Wir“ und „Sie“, „eigen“ und „fremd“, wobei sich ein Integrationsverständnis offenbart, das davon ausgeht, dass es vor allem die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind, die Anpassungsleistungen an die „deutsche Gesellschaft“ erbringen müssen. Dass ist problematisch, da auf diese Weise der Mythos eines homogenen deutschen Kollektivs aufrechterhalten wird. Migranten werden immer wieder als die Anderen, als die diesem Kollektiv Gegenüberstehenden präsentiert. Auch lässt sich ein fahrlässiger Umgang mit Bezeichnungen ausmachen. In manchen Schulbüchern werden die Begriffe „Ausländer“, „Fremde“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“ synonym verwendet.

Sie haben auch die Arbeitsaufträge in den Schulbüchern unter die Lupe genommen. Was lässt sich dazu sagen?

Häufig sind die Arbeitsaufträge aus Perspektive der Dominanzgesellschaft formuliert. Besonders augenfällig wird das in Aufgabenstellungen, die die Schüler explizit einer Herkunft zuweisen, wie zum Beispiel „Fragt einen Schüler mit Migrationshintergrund in eurer Klasse, wie seine Familie zu uns nach Deutschland gekommen ist“ oder die Aufforderung, die Klasse mal in ausländische und deutsche Schüler zu teilen, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Oft werden Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien zum Untersuchungsobjekt ihrer Mitschüler ohne Migrationshintergrund, die zum Beispiel dazu aufgefordert werden „fremde Kulturen am Schulort“ zu untersuchen oder darüber diskutieren sollen, welche Erfahrungen sie mit Aussiedlern gemacht haben. Für die Schüler aus Einwandererfamilien bedeutet das, ständig die Erfahrung zu machen, auf die Herkunft verwiesen zu werden. Das macht es schwer, ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Sie werden aus der Klasse herausgehoben, besonders bzw. anders „gemacht“ und müssen – im Gegensatz zu ihren Mitschülern ohne Migrationsgeschichte – häufig private Auskunft über ihre vermeintlich andere Lebensweise, ihre Familie oder ihre Religion geben, in einem Rahmen, in dem sie das vielleicht gar nicht möchten.

Welche Rolle spielt die Lehrerausbildung für das Erlernen eines kritischen Umgangs mit Bildungsmedien? Welche Konzepte können hier tragen?

Der Diversity-Ansatz ist m.E. eine wichtige Strategie auf dem Weg zu einem pluralen demokratischen Gesellschaftsverständnis. In einem solchen Selbstverständnis ist Diversität der Normalfall. Schlicht gesagt: Es ist normal, verschieden zu sein. Die Auseinandersetzung mit Heterogenität ist Teil unseres Alltags. Differenz – etwa die Migrationserfahrung – ist dann nicht als „Abweichung“ zu definieren, sondern stellt lediglich einen Aspekt menschlicher Identität dar. Die vielfältigen individuellen und kollektiven Unterschiede werden als selbstverständlich begriffen und zum Ausgangspunkt von Lernprozessen gemacht. Das gilt für Kita, Schule und Hochschule gleichermaßen. Zugleich handelt es sich bei „Diversity Education“ um eine Perspektive, die bewusst auch die gesellschaftlichen Dominanz- und Ungleichheitsverhältnisse in den Blick nimmt. Durch eine dezidierte Antidiskriminierungsperspektive, die an den Menschenrechten ausgerichtet ist, wird die Gleichstellung von Verschiedenen angestrebt. Das geschieht zum Beispiel auch über die angemessene Repräsentation, Anerkennung, Wertschätzung und Inklusion von Verschiedenheit in Schulbüchern und anderen Bildungsmedien. Ganz entscheidend ist hierbei, dass die Lehr- und Lernmaterialien auf Lehrkräfte treffen, die die notwendigen pädagogischen und fachdidaktischen  Kompetenzen mitbringen, um einen diversitätssensiblen Unterricht zu gestalten. Hier sehe ich aber in der deutschen Lehrerausbildung noch großen Nachholbedarf.  Es bedarf m.E. vielerorts einer systematischen curricularen Verankerung von Diversity-Themen (etwa Migration, Mehrsprachigkeit, Inklusion, Interkulturalität) in der Lehreraus- und -fortbildung. Hier kann dann ein kritischer, ungleichheits- und diversitätssensibler Umgang mit Unterrichtsmaterialen eingeübt werden.

Was kann man tun, damit sich die Inhalte der Schulbücher verändern?

Verlage müssen die Befunde der Schulbuchforschung zunächst einmal überhaupt erst zur Kenntnis nehmen und als mögliches Korrektiv der eigenen Arbeit anerkennen. Darüber hinaus wäre es sehr sinnvoll, Autoren regelmäßig thematisch weiterzubilden und auch Schulbuchautorinnen und -autoren mit Migrationshintergrund zu rekrutieren. Schließlich halte ich ein zusätzliches kritisches Lektorat durch Fachwissenschaftler und Fachdidaktiker für ratsam. Ich möchte aber nicht versäumen, auf den komplexen Produktionsprozess von Schulbüchern hinzuweisen, der sich u.a. an staatlichen Rahmenplänen für die Schulen orientieren muss. Auch in diesen Rahmenplänen – von Bundesland zu Bundesland verschieden – stecken manchmal problematische Vorgaben, wenn z.B. verlangt wird, dass die Lernenden sich mit „Fremdem“ und „Eigenem“ beschäftigen sollen.  Hierzu müssen die Autoren dann eine Themeneinheit oder ein Kapitel entwickeln, ob sie das sinnvoll finden oder nicht. Ich erhoffe mir aber einen Paradigmenwechsel. Zumindest kündigt sich dieser in den jüngsten Empfehlungen der Kultusminister zur interkulturellen Bildung in Erziehung und Schule von 2013 an. Hier heißt es nämlich: „Schule soll Vielfalt zugleich als Normalität und als Potenzial für alle wahrnehmen und Schulbücher sollen geprüft werden „im Hinblick darauf, ob die vielschichtige, auch herkunftsbezogene Heterogenität der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt ist.“ (KMK 2013, 8)

Die Uni Hildesheim bildet einen Großteil der nds. Grund-, Haupt-, Realschullehrer aus. Foto: I. Lange/Uni Hildesheim

Zur Person

Prof. Dr. Viola B. Georgi ist Professorin für Diversity Education an der Stiftung Universität Hildesheim und Direktorin des Zentrums für Bildungsintegration.

Zwischen 2006 und 2012 war sie Juniorprofessorin für Interkulturelle Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2010 nahm sie eine Gastprofessur an der York University in Toronto (Kanada) wahr. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt und am Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig Maximilians Universität München tätig. Sie studierte Lehramt, Erziehungswissenschaft und Soziologie an der Goethe Universität Frankfurt, der University of Bristol (England) und der Harvard University (USA). Zu Ihren Arbeits- und  Forschungsschwerpunkten zählen u.a.  Diversity Education, Interkulturelle Bildung und Professionalisierung, Diversity in Bildungsmedien, Holocaust Education, Geschichtsbewusstseinsforschung, Demokratiepädagogik und Citizenship Education.

Lesetipp: Bücher, die verbinden – oder trennen: Integration und Vielfalt in Schulbüchern. Fachleute aus mehreren Ländern analysieren, wie Verschiedenheit (Diversity) in Schulbüchern dargestellt wird. Es gibt Zwischentöne, Schattierungen, Abstufungen – doch leider auch viele Klischees und Vorurteile. (Meldung vom September 2014)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-9743 Wed, 18 Mar 2015 15:18:00 +0100 Familienfotografien sichten, Jugendliche befragen, Alltag im Pflegeheim beobachten https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/familienfotografien-sichten-jugendliche-befragen-alltag-im-pflegeheim-beobachten/ Sieben Stipendiatinnen schließen derzeit ihre Promotion im Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ ab. Die Bewerbungsphase für die nächste Phase läuft bereits: Die Universität Hildesheim hat acht Promotionsstipendien ausgeschrieben. Noch bis zum 23. März 2015 ist eine Bewerbung möglich. Von der Chemiedidaktik über erziehungswissenschaftliche Familienforschung bis zu außereuropäischer Ethnologie: Sieben Nachwuchswissenschaftlerinnen forschen seit drei Jahren rund um Geschlechterfragen im interdisziplinären Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" – eines der einzigen dieser Art bundesweit. Derzeit schließen sie ihre Promotionen ab und sind in der Endphase. „Sie untersuchen sichtbare und unsichtbare Zusammenhänge zwischen Geschlecht und Bildung“, sagt Professorin Meike Baader von der Universität Hildesheim. Mit welchen Fragen sich die jungen Forscherinnen auseinandersetzen – ein Überblick.

Wie sich Schulbildung auf Familien auswirkt

Andrea Noll untersucht Familiengeschichten, Berufs- und Bildungsbiographien von Frauen, Männern und ihrer Verwandtschaft im westafrikanischen Ghana. Dabei hat sie Familien begleitet und erfasst, wie sich Schulbildung auf die Rollen von Frauen und Männern innerhalb einer Familie auswirkt. In drei Forschungsaufenthalten von jeweils mehreren Monaten hat sie den Alltag von mehreren südghanaischen Fanti-Familien begleitet. Die junge Wissenschaftlerin reist durch die Weltgeschichte, war bei Familientreffen in Amerika. Bereits in ihrer Magisterarbeit hat die Ethnologin in Nordghana geforscht und die Schulkultur in einem Mädcheninternat untersucht. Disziplin und Kreativität schließen einander nicht aus, sagt sie über ihre Schulbeobachtungen.

Das erste Mal verliebt: Jugendbiographien erforschen

Auf Datenmaterial aus dem Projekt „Wege finden – gestärkt erwachsen werden“ greift Anja Schierbaum zurück. Über vier Jahre hat sie gemeinsam mit Professor Michael Corsten weibliche Jugendbiographien untersucht und kann nun individuelle Entwicklungsverläufe und Veränderungen von 14- bis 19-Jährigen beobachten. „Zum Zeitpunkt der empirischen Untersuchung waren die Mädchen das erste Mal verliebt, wollten darüber entscheiden, wann sie nach Hause kommen, suchten ihre Kleidung selbst aus und wünschten sich, Ferien mit ihren Freunden und nicht mit den Eltern zu verbringen“, so Schierbaum. In ihrer Dissertation erfasst sie nun, wie junge Frauen „über ihr Leben und ihre Zukunft nachdenken“.

Das gleiche Geschlecht: Familienfotos kommen ohne Sprache aus

Ich bin Eltern im Plural – unter diesem Arbeitstitel läuft Janine Schallats Forschung. Sie befragt Familien und erfasst, wie sich gleichgeschlechtliche Eltern in Familienbildern zeigen. Schallat hat an der Universität Hildesheim Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt „Diversity Education“ studiert und befasst sich in ihrer Dissertation „Das Geschlecht der Elternschaft“ mit den Geschlechterverhältnissen innerhalb von Familien. Dazu hat sie 53 Familienfotografien erhoben, die Auswahl der nicht-professionelle Fotografien, also Amateuraufnahmen, wurde dabei den Familien überlassen.

„Bilder eröffnen etwas, was im Gespräch nicht möglich ist. Sie kommen ohne Sprache aus, dadurch entsteht nicht die Herausforderung in so klar definierten Rollen wie Mutter, Vater, Kind zu denken", sagt Janine Schallat über ihr Datenmaterial. Sie hat die auf den Fotos abgebildeten Eltern interviewt, um mehr über „die Eigensicht und Selbstdarstellungen der Familien zu erfahren“.

Chemieunterricht – ein Schlüssel, um den passenden Beruf zu finden?

Anna Kotwica untersucht in ihrem Forschungsprojekt die Berufsorientierung von Jugendlichen im Chemieunterricht. In Deutschland habe nur ein geringer Teil der Jugendlichen naturwissenschaftsbezogene Berufserwartungen, wobei die Erwartungen von Mädchen niedriger sind als die von Jungen. Anhand von  Fragebogen-Erhebungen erfasste sie den Einfluss der Schule auf Jugendliche. Sie hat Auszubildende in chemischen Berufen nach ihrer Zufriedenheit und ihrem schulischen Chemieunterricht befragt. Außerdem sollen Interviews mit Chemielehrkräften geführt werden. Anna Kotwica hat Lehramt mit den Fächern Chemie und Biologie in Hildesheim studiert und absolviert derzeit ihr Referendariat.

Geschichte der Hochstapelei in der Literatur: Männer in der Mehrzahl

Mit der „Kulturtechnik des Hochstapelns“ befasst sich Verena Doerfler. Schöner Schein und gute Selbstvermarktung stellten historisch noch einen Normenbruch dar, seien aber mittlerweile „zur Norm geworden“. Die Kulturtechnik – ob man sie beherrscht oder nicht – entscheide wesentlich über eine erfolgreiche und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft, so ihre Annahme. „Das beginnt beim Bewerbungsgespräch, in dem man sich selbst vermarkten muss und erst später zeigen kann, ob und inwiefern man das, was man versprochen hat, auch wirklich erfüllen kann.“

In ihrer Dissertation arbeitet die Kulturwissenschaftlerin die Geschichte der Hochstapelei auf und blickt auf literarische Figuren seit dem 19. Jahrhundert. „In der Geschichte der Hochstapelei sind männliche Figuren deutlich in der Mehrzahl“, sagt sie. Zu den bekannten Hochstaplern zählen etwa Georges Manolescu, Felix Krull, der „Hauptmann von Köpenick“ und Gerd Postel. Dem Hochstapeln wohne durchaus ein produktives Moment inne, „ein Glaube nämlich an in einem schlummernde Möglichkeiten“, so Verena Doerfler. Der Blick in andere Fachdisziplinen im Graduiertenkolleg sei hilfreich. „Aber irgendwann muss ich am Schreibtisch sitzen, selber schreiben. Das mache ich gerade“, sagt Doerfler.

1200 Jugendliche befragt: Gehen sie in die Natur?

Wie erleben Jugendliche Natur, Wald und Wiese? Ann-Christin Schock, die in Hildesheim Lehramt mit den Fächern Geographie und Englisch studiert hat, untersuchte, wie Lehrkräfte Geomedien und außerschulische Lernorte – etwa Schulbiologiezentren – in den Unterricht einbeziehen können. „Wie können Jugendliche sensibilisiert werden, um die Welt für nachfolgende Generationen zu erhalten? Schulen können über Medien Interesse für die Natur wecken“, so Schock.

Dazu hat sie 1200 Schülerinnen und Schüler aus acht Haupt-, Real- und Gesamtschulen befragt, eine Vollerhebung aller 5. und 9. Klassen in Hildesheim. „Ich wollte wissen, was machen die Schüler eigentlich in ihrer Freizeit, in der Natur, gehen sie raus ins Grüne? Die Schüler sammeln nur wenige Naturerfahrungen in der Schule, Erdkundeunterricht findet meist im Klassenraum statt“, so Schock. Man befasst sich mit der Umwelt, aber ist kaum in der Natur. Elf- und Zwölfjährige seien noch sehr offen für die Natur, möchten raus in den Wald, ob Mädchen oder Jungen. Ältere, die stark medienaffin sind, haben hingegen kaum Lust auf Naturerfahrungen in der Schule und mit der Familie. Die Mädchen seien im höheren Alter aber eher naturaffin, gehen reiten oder mit dem Hund Gassi. „Nur klicken in das Internet reicht nicht aus, um Natur zu erleben. Ich muss einen Regenwurm auch anfassen“, sagt Geographieprofessor Martin Sauerwein. Ann-Christin Schock hat ihre Promotion abgeschlossen und auch ihre Arbeit während der Disputation verteidigt.

Beobachtungen im Pflegeheim: Ein Lächeln der Demenzerkrankten

Anja Kauppert hat ihre Dissertation „Lichte Augenblicke. Zur Leiblichkeit sozialer Relationen“ im Februar eingereicht. Die Soziologin hat sich mit „lichten Augenblicken bei Demenz“ im Pflegeheim befasst. Eine demente Person changiert in solchen Momenten zwischen „gesund“ und „krank“, so Anja Kauppert. Solche Augenblicke können dort auftauchen, wo sich die körperlichen Erwartungen an den Erkrankten schon so weit zurückgebildet haben, dass plötzliche „Normalitäten“ überraschend als „lichter Augenblick“ wahrgenommen werden.

Der methodische Zugang der Forscherin ist ungewöhnlich: Phänomenologie als Forschungsmethode in der Soziologie, also das Beobachten von Sichtbarem, ist kaum üblich. Dazu sagt Anja Kauppert: „Das stille und klare Lächeln einer Bewohnerin des Pflegeheims gehört nicht zu den üblichen Daten, an denen Soziologinnen sich abarbeiten.“

Sie ging „ins Feld“, führte eine ethnographische Studie auf einer Station eines kirchlichen Pflegeheims durch, das sich auf schwere Demenz-Fälle spezialisiert hat. Sie dokumentierte den Alltag in Ton, Film und Beobachtungsprotokollen. Dabei wurde deutlich, dass sich viele Beobachtungen kaum deuten ließen, ohne eine kritische Gender-Perspektive einzubeziehen. Kauppert nennt Beispiele, in denen Geschlecht und Sozialisation eine Rolle spielen: Sie beobachtete etwa den Klaps auf den Po einer weiblichen „Küchenhilfe“ durch einen „älteren Stationsbewohner“ und ihre Reaktion darauf, die veränderte Stimmlage der Pflegerinnen bei Eintritt des Qualitätsmanagement-Beauftragten und das Adressieren des Hausmeisters. In ihrer Dissertation arbeitet Kauppert heraus, welche Rolle eine gendersensible Ausbildung der Pflegekräfte in diesen Situationen spielt und mit welchen wertenden Meinungen Fachkräfte im Alltag handeln.

Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden

„Die Vielfalt der Forschungsthemen war und ist immer wieder eine große Herausforderung“, sagt die Koordinatorin des Graduiertenkollegs Kerstin Bueschges. „Promovierende unterschiedlicher Fachrichtungen in einem interdisziplinären Austausch zu bringen, hat seine ganz eigenen ‚Tücken‘, die aber bei erfolgreicher Umsetzung dafür doppelt lohnend sind.“ Als Beispiel dieses fruchtbaren Austauschs nennt Bueschges den Sammelband „Bildung, Selbstbild, Geschlechterbilder“, der derzeit entsteht. Der Sammelband ist das Resultat einer gleichnamigen Vortragsreihe, die über drei Semester lief und an der renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland teilnahmen.

Das Graduiertenkolleg kann durch eine Förderung des Bundesforschungsministeriums und aus Mitteln des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums Mitte 2015 in eine zweite Runde starten. Derzeit läuft die Bewerbungsphase. Kerstin Bueschges ermutigt alle, die an der Thematik „Gender und Bildung“ interessiert sind und eine Promotion anstreben, sich mit spannenden Projekten zu bewerben. Sie hofft dabei auf eine ebenso „bunte Runde“ wie zuvor. Erstmals ist ab dem Sommer auch der Fachbereich Kulturwissenschaften vertreten. Die Professorinnen und Professoren Kathrin Audehm, Meike Sophia Baader, Stefani Brusberg-Kiermeier, Michael Corsten, Beatrix Kreß, Annemarie Matzke und Toni Tholen werden die Doktorandinnen und Doktoranden begleiten. „Hochschulen müssen sich entscheiden, ob sie sich als Katalysatoren sehen“, sagt Silvia Lange. Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität wünscht den aktuell Promovierenden für den Abschluss ihrer Arbeit alles Gute und äußert die Hoffnung, „dass Sie sich in ihren Arbeitszusammenhängen für Gleichstellung einsetzen“.

Worum geht's? 8 Promotionsstipendien zu vergeben

Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ startet in eine zweite Runde. Noch bis zum 23. März 2015 können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um ein Stipendium (monatlich 1250 Euro) bei der Universität Hildesheim bewerben. Insgesamt acht Promotionsstipendien in den Bereichen Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften werden vergeben. Bewerberinnen und Bewerber müssen über ein abgeschlossenes Studium (Diplom, Master, Staatsexamen, vergleichbare Abschlüsse) mit überdurchschnittlichen Leistungen verfügen.

Finanziert wird das Graduiertenkolleg aus Mitteln aus dem Professorinnenprogramm II und aus Zuschüssen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Interessierte können sich bei Fragen an die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Silvia Lange (langes@uni-hildesheim.de) und die Projektkoordinatorin Dr. Kerstin Bueschges (bueschge@uni-hildesheim.de) wenden.

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news-9736 Wed, 18 Mar 2015 09:00:00 +0100 Beim Thema Integration sind Schulbücher mangelhaft: Eine Studie zeigt, dass Schulbücher die Vielfalt im Klassenzimmer nur unzureichend abbilden https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/beim-thema-i/ DIE WELT über eine Schulbuchstudie im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: Das Georg-Eckert-Institut hat in Zusammenarbeit mit der Uni Hildesheim untersucht, wie Schulbücher Migration und Integration darstellen. In der Lehrerausbildung sollten Themen wie Migration, Interkulturalität, Inklusion systematisch im Lehrplan verankert werden, fordert Professorin Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim. DIE WELT über eine neue Studie des Georg-Eckert-Instituts, in der in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim untersucht wurde, wie Migration und Integration in Schulbüchern dargestellt werden. 

Vielfalt in der Gesellschaft und an Schulen werde „nicht als Normalfall dargestellt", das zeige die Studie, berichtet DIE WELT. „Tragen Schulbücher ungewollt zur Diskriminierung von Schülern mit Zuwanderungsgeschichte bei? Das Thema Schulbücher ist ein Arbeitsschwerpunkt von Prof. Viola Georgi von der Universität Hildesheim. Die Erziehungswissenschaftlerin ist deutschlandweit die einzige Professorin für 'diversity education', also für Vielfalt in der Lehrerausbildung", schreibt Freia Peters in der Zeitung DIE WELT.

Deutschland habe sich in den letzten Jahrzehnten zu einem modernen Einwanderungsland entwickelt, sagt Professorin Viola Georgi der Zeitung DIE WELT. In der Lehrerausbildung sollten Themen wie Migration, Interkulturalität, Inklusion systematisch im Lehrplan verankert werden, so die Hildesheimer Professorin. Die Studienleiterin Inga Niehaus vom Georg-Eckert-Institut regt in der WELT an, die Begriffe und Bezeichnungspraxen wie „Ausländer", „Fremde" und „Migranten" zu überdenken.

DIE WELT, „ Beim Thema Integration sind Schulbücher mangelhaft / Eine Studie zeigt, dass Schulbücher die Vielfalt im Klassenzimmer nur unzureichend abbilden", 17./18.03.2015 (print kurz, online lang) (www.welt.de)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905) / Kontakt zu den Schulbuchforschern und weitere Infos zur Schulbuchanalyse über das Georg-Eckert-Institut

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news-9734 Wed, 11 Mar 2015 16:02:00 +0100 Trotz Krieg: Wissenschaftler an einem Tisch https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/trotz-krieg/ Über Diversität oder die Unterschiedlichkeit der Kulturen und Eigenschaften von Menschen sprachen 17 Forscher, die das dreijährige Projekt namens Tempus betreiben. Dabei saßen auch Wissenschaftler an einem Tisch, deren Regierungen derzeit offen oder verdeckt gegeneinander Krieg führen. Initiatorin des gemeinsamen Forschungsprojektes zur Förderung von Bildung ist die Hildesheimer UNI Professorin Olga Graumann. "Wir erleben hier eine hochspannende Atmosphäre, als wir bei der EU die Projektmittel beantragten, war vom Krieg noch keine Rede", sagte sie. Doch nationale Differenzen beherrschten nicht die die Arbeitstagung in Hildesheim, an der auch Gäste aus Italien, Finnland und Weißrussland teilnahmen. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Lehrerbildung Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation International Office news-9649 Mon, 02 Mar 2015 19:25:00 +0100 Umgang mit Vielfalt: Forscherinnen halten Beziehungen zu Russland und Ukraine https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/umgang-mit-vielfalt-forscherinnen-halten-beziehungen-zu-russland-und-ukraine/ Forscher aus der Ukraine, aus Russland, Weißrussland und Hildesheim befassen sich mit der Frage, wie Menschen in ihrer Vielfalt zurechtkommen, wie sie mit Unterschieden und Konflikten umgehen. „Es wäre schlimm, wenn gerade wir auseinanderbrächen. Je mehr Verbindungen wir stärken, desto mehr Vorurteile können wir abbauen“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Olga Graumann angesichts aktueller Konflikte. Die Kulturen Osteuropas werden in unserem Bildungswesen vernachlässigt, meint Beatrix Kreß. Isa Lange sprach mit den Forscherinnen am Rande einer Arbeitstagung. Wissenschaftsbeziehungen ändern die Politik nicht, „aber wir schaffen Begegnungen“, sagt die emeritierte Professorin Olga Graumann. Biographien wie jene der Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen, dass der Austausch und Sprachkenntnisse helfen, sich Urteile zu bilden und nicht mit Vorannahmen zu arbeiten.

Seit über einem Jahr kommt die Ukraine nicht zur Ruhe, die politische Lage ist angespannt, Beziehungen zwischen Russland, der Ukraine und der Europäischen Union sind belastet.

Als sie ihr gemeinsames Projekt vor zwei Jahren starteten, rechneten sie nicht mit den politischen Entwicklungen. Nun erleben Wissenschaftler, wie das Thema ihrer Forschung – der Umgang mit Vielfalt und Konflikten – sehr präsent im Alltag ist. Etwa in Kiew: Wie kann die Stadt mit Flüchtlingen aus der Ostukraine umgehen? Wie können Lehrer erkennen, dass ein Flüchtlingskind traumatisiert ist?

„Wir sind Wissenschaftler, keine Politiker. Wir haben einen wissenschaftlichen Auftrag, wir denken global und über die Grenzen hinaus. Wir kennen uns persönlich, wir kennen die Menschen. Das ist ein großes Plus“, beschreibt Olga Graumann, wie es gelingt, gemeinsam an einem Tisch zu arbeiten. In diesen Tagen kommen 17 Forscherinnen und Forscher aus der Ukraine, Weißrussland und Russland sowie Vertreter aus EU-Universitäten (Rom, Helsinki, Bremen) an der Universität Hildesheim zusammen. Die Hochschulen arbeiten in einem Netzwerk zusammen (siehe unten).

Aus der Ukraine reisen Forscher gemeinsam im gleichen Zug und Flugzeug an, aus der ostukrainischen Stadt Berdjansk nahe Mariupol am Asowschen Meer, aus Kiew und aus der westukrainischen Stadt Khmelnitzkij. Aus Russland sind Wissenschaftler aus Welikij Nowgorod, Tjumen, Kuban/Krasnodar, Ryazan, Wologda, Kostroma und St. Petersburg beteiligt, sowie aus Weißrussland die Hochschulen in Witebsk, Mosyr und Minsk. „Wir diskutieren nicht über Politik“, sagt Graumann, aber Gespräche, die am Tisch laufen, seien schon manchmal von der Krise geprägt. „Eine Kollegin aus der Ostukraine wurde von einer Russin gefragt, wie es ihnen geht. Sie sagte: Wir haben unsere Wahrheit, ihr habt eure Wahrheit. Damit war das Gespräch beendet“, so Graumann. „Wir bemühen uns, vorsichtig miteinander umzugehen. Ich stehe auf keiner Seite, bin völlig neutral. Das spüren die Kollegen, das ist unsere Arbeitsgrundlage.“

Als der Konflikt begann, schrieb die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin an alle Kollegen einen Brief, mit dem Appell, „dass wir im Sinne von Comenius denken wollen, weltoffen und wissenschaftlich und alles differenziert betrachten“. Das habe sich bisher bewahrheitet, alle liefern ihre Arbeit.

Dennoch geht so ein Konflikt nicht an den Forschern vorbei, er ist der Rahmen für ihre Zusammenarbeit. „Die Kollegen und Kolleginnen aus der Ostukraine haben Angst um ihre Söhne und Männer, darüber sprechen sie mit uns“, so Graumann. Die Konflikte innerhalb des Landes spüre man. Doch es gibt zum Beispiel, angeregt durch ein gemeinsames EU-Projekt, einen Kooperationsvertrag zwischen der westukrainischen Nationalen Universität Khmelnitzkij und der Staatlichen Universität Nowgorod in Russland, der nach wie vor mit Leben gefüllt ist. „Die Bindungen sind zum Glück nicht durch die politische Situation zerstört worden. Uns verbindet die gemeinsame Arbeit, unser Thema ist Diversity, wir befassen uns mit der Frage, wie Menschen in ihrer Vielfalt zurechtkommen, wie sie mit Unterschieden und Konflikten umgehen. Es wäre schlimm, wenn gerade wir es nicht schaffen würden und auseinanderbrächen“, sagt Olga Graumann. Um das Diversitymanagement an Schulen, in Hochschulen und Unternehmen und um den Umgang mit Heterogenität direkt in einer Schulklasse, darum geht es nun bei der Entwicklung von Modulen für den Bachelor und das Promotionsstudium und bei der Entwicklung eines Masterstudiengangs „Bildungsmanagement in heterogenen Organisationen“.

Forscher aus allen Ost-Partneruniversitäten erarbeiten zurzeit Inhalte für Studiengänge. Dabei geht es etwa um „Subjektive Theorien und Stereotype“. Lehramtsstudierende sollen darauf vorbereitet werden, wie sie mit Stereotypen umgehen können – in einer Lage wie heute sei das besonders aktuell. Kinder kommen mit Meinungen und Vorurteilen über „die Russen“ oder „die Ukrainer“ oder „die Europäer“ oder „die Deutschen“ in die Klassenzimmer, greifen Wortlaute aus Medien oder Familie auf. „Jugendliche sollten lernen, damit umzugehen, dies zu hinterfragen, so dass eine Generation aufwächst, die mit dieser Vielfalt und mit Konflikten offen umgehen kann“, so Olga Graumann. Sie greift dabei auf die jahrelangen Erfahrungen in der Hildesheimer Lehrerausbildung zurück. Die Hildesheimer Professorin Irene Pieper aus den Literaturwissenschaften und Sportprofessor Peter Frei evaluieren Module zu „Diagnostik der Lese- und Schreibfähigkeit“ und „Diagnostik der Motorik“, die in den Partneruniversitäten entwickelt wurden, und beraten die Modulentwickler. Im Juni und November 2015 reisen die Partner erneut nach Hildesheim an, werden in der Bibliothek arbeiten, Dozenten treffen. Ein reges Begegnen.

„Wissenschaftsbeziehungen zu pflegen geht nicht nur über E-Mail. Man muss die Menschen besuchen und persönliche Kontakte aufbauen“, sagt Graumann. Die Sorge und Angst, dass die Politik alle bisherige Arbeit zerschlage sei groß. Sie hofft, „dass von dem, was wir gesät haben, bei den Menschen etwas bleibt, auch wenn die Politik das im Moment nicht zulässt“. In der gemeinsamen Arbeit werde deutlich, dass in der Pädagogik traditionell die gleichen Stränge verfolgt wurden. Das erleichtere nun, zum Beispiel ein gemeinsames Buch über „Vielfalt der Pädagogik“ sowie ein Buch zu „Diversity Management in heterogenen Organisationen“ zu schreiben.

Noch ist der Austausch möglich, die Wissenschaftler können reisen. Kollegen aus der Ukraine fuhren 2014 nach Russland, im September 2014 kamen die Forscher zu einer großen Konferenz der International Academy for Humanization of Education (IAHE) in Witebsk in Weissrussland zusammen. „Es kann sein, dass die Politik das Reisen verbietet. Aber die Menschen, die wollen den Austausch“, so die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin. In Wien steht im Juli 2015 eine internationale Tagung zu Inklusion bevor, im September 2016 eine Konferenz an der Hildesheimer Universität zu Diversity-Management, in Kooperation mit der IAHE.

Gerade in angespannten Zeiten, sollte man die Bindungen halten. „Das ist das Einzige, was wir als in der Regel differenziert denkende Wissenschaftler tun können. Das ist unser Part, den wir als Universität haben und das Einzige, was wir können“, so Graumann. „Angela Merkel versucht es auf politisch-diplomatischem Wege, Frieden zu schaffen. Wir können zumindest Menschen zeigen: Man kann über Grenzen hinweg denken. Uns verbindet unglaublich viel. Russische Pädagogen diskutieren zum Beispiel unsere alten Philosophen wie Nietzsche, gehen auf gemeinsame Quellen zurück, sehr viel stärker, als wir das selber machen. Etwa Comenius, sie nennen ihn in der nicht latinisierten Weise Komensky, er ist unser gemeinsamer Hintergrund, da fühlt man sich verbunden.“

Erziehungswissenschaftler der Universität Hildesheim haben gemeinsam mit der Universität in Nowgorod, Russland, vor zehn Jahren als erste und bis heute einzige Hochschulen einen Doppelabschluss in Erziehungswissenschaft entwickelt. Wissenschaftler aus den Erziehungswissenschaften, Sozial- und Organisationspädagogik und Psychologie sind an der Lehre beteiligt und gehen auf die Studierenden ein. Der DAAD hat den gemeinsamen Studiengang mit mehr als 800.000 Euro unterstützt. 28 deutsche Bachelor- und Masterabschlüsse wurden bis 2014 an russische Studierende vergeben, sieben weitere folgen 2015, alle verteidigen ihre Abschlussarbeit in deutscher Sprache. 88 deutsche und russische Dozenten lehrten bisher an der jeweiligen Partneruni. Die russische Doktorandin Ekaterina Egorova promoviert in Hildesheim über „Individualisierung im russischen Schulsystem“. Es sei nicht leicht, deutsche Studierende für einen Aufenthalt in Russland und der Ukraine zu gewinnen, denn diese zieht es in westliche Länder. „Der Gedanke, in einem osteuropäischen Land zu studieren löst bei vielen Unsicherheiten und Ängste aus. Es ist leichter vom Osten in den Westen zu gehen, als umgekehrt“, so Graumann. Umso mehr freut sie sich, dass zehn Studierende aus Hildesheim an der Staatlichen Universität Nowgorod in Russland studiert haben und fünf das russische Diplom erworben haben.

Das bestätigt auch Marit Breede. Sie organisiert am International Office die Auslandsaufenthalte von Studierenden. Hildesheim pflege den Kontakt zu Partnerhochschulen in Polen, im ungarischen Budapest. Studierende fragen kaum nach Studienaufenthalten in Russland und Ukraine nach, diese seien auch nicht als Länder in dem großen Förderprogramm Erasmus Plus vertreten. „Das Interesse, in diese Länder zu gehen, ist in der Vergangenheit und auch momentan nicht besonders groß“, so Breede. Mit einer Promos-Förderung ging ein Student im letzten Jahr zum Praktikum nach Sibieren.

Dabei können Begegnungen wie Studien- und Forschungsaufenthalte gerade in politischen Krisen dazu beitragen, Verständnis in bestimmten Fragen zu entwickeln und „die Anderen" differenzierter zu betrachten. Damit dies gelingt, sei aber eine intensive Begleitung dieser Kontakte notwendig, sagt Beatrix Kreß. Bei der Professorin für Interkulturelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Slawische Länder nutzen Studentinnen die zur russischen Partneruniversität in Welikij Nowgorod bereits aufgebauten Kooperationen und gehen im Rahmen eines geplanten Doppelstudiengangs der Interkulturellen Kommunikation im Herbst nach Russland. Zwei russische Studentinnen sind bereits in Hildesheim. Die derzeit geringe Nachfrage sei „vor allem auf fehlende Kenntnisse und stereotype Vorstellungen zurückzuführen", sagt Beatrix Kreß. Die Kulturen Osteuropas werden in unserem Bildungswesen und in der medialen und gesellschaftlichen Wahrnehmung vernachlässigt, so Kreß. „Auch in der historischen Perspektive wird vor allem die geschichtliche Entwicklung im 2. Weltkrieg betont, die Jahrhunderte währenden intensiven kulturellen Kontakte zwischen Deutschland und Russland werden aber vernachlässigt." Dem wolle sie durch Forschung und Lehre entgegenwirken.

Am Institut für Interkulturelle Kommunikation widmen sich mehrere Lehrveranstaltungen der russischen Kultur aus einer kontrastiven Perspektive sowie der deutsch-russischen interkulturellen Kommunikation, so Kreß. „Neben deutschen Studierenden, die sich für Russland und Osteuropa interessieren, haben wir auch zahlreiche Studierende, die familiäre Verbindungen nach Russland haben und ein Interesse für ihre Wurzeln mitbringen." Daher werden Exkursionen, Gastvorträge und Lehrveranstaltungen zum Russischen sehr gut nachgefragt.

Das Team des International Office schickt Studierende nur in Regionen, die sicher sind, so Marit Breede. „Generell gilt, dass wir keine Aufenthalte fördern dürfen in Regionen, für die vom Auswärtigen Amt her eine Reisewarnung besteht.“

Umgang mit Unterschieden, Konflikte und ihre Gründe (Notiz Arbeitstagung). Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Worum geht's? EU-Projekt Tempus: Umgang mit Vielfalt

Hildesheimer Erkenntnisse in der Bildungsforschung kommen in der Ukraine, Weißrussland und Russland an: Bis 2016 arbeiten Erziehungswissenschaftler der Universitäten Hildesheim, Bremen, Wien, Helsinki und Rom gemeinsam mit Hochschulen aus Russland, der Ukraine und Weißrussland an Wegen, wie „Diversity“ in der Aus- und Weiterbildung von Pädagogen und Bildungsmanagern in den östlichen Ländern berücksichtigt werden kann. Auch eine Schule in St. Petersburg und ein Kinderheim in Kiew gehören zu den Projektpartnern.

Zunächst erfassen Soziologen in den Städten der beteiligten Hochschulen, was den Eltern – etwa in St. Petersburg, Welikij Nowgorod, Tjumen, Kiew, Minsk, Witebsk, Berdjansk und Khmelnitzkij – wichtig ist. Was erhoffen sie sich in Bezug auf Umgang mit Vielfalt? Dann sollen Schulungsinhalte für Sozialpädagogen, Erzieher und Lehrer erarbeitet werden, erläutert die Hildesheimer Projektleiterin Professorin Olga Graumann. „Wir beraten die Hochschulen derzeit und begleiten sie dabei, ihre Curricula in den Studiengängen zu modernisieren. Wie können Lehrer mit physischen Beeinträchtigungen, Sprachproblemen, mit kultureller und sozialer Vielfalt, mit Hochbegabung professionell umgehen? In allen drei Ländern ist ein zunehmender Zustrom der Migranten zu verzeichnen.“ Die Mehrzahl der Arbeitsmigranten hat selbst keine höhere Schulbildung. Das bedeutet, dass die Eltern ihren Kindern in der Schule eher nicht helfen können, da sie auch in der Regel die Landessprache nicht oder nur ungenügend beherrschen. In der Ukraine wurde Inklusion in das Bildungsprogramm aufgenommen, doch ausgebildete Pädagogen fehlen weitgehend.

Man wolle in der „länderübergreifenden Vernetzung voneinander lernen“, sagt Olga Graumann. Das Projekt „Aus- und Weiterbildung für Pädagogen und Bildungsmanager im Bereich Diversity" wird seit 2013 bis Ende 2016 mit rund 1,2 Millionen Euro von der Europäischen Kommission gefördert, über 900 Anträge wurden eingereicht – nur 13 Anträge von deutschen Hochschulen wurden bewilligt. Von den 171 bewilligten Anträgen werden nur 27 Universitäten mit über einer Millionen Euro gefördert. Hildesheim wurde ausgewählt, da die Universität umfassende Erfahrungen im Umgang mit Vielfalt nachweisen kann. So läuft in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern und Schulen seit mehreren Jahren das Projekt Lernku(h)lt, bei dem Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen gemeinsam in Kleingruppen lernen und Lehramtsstudierende wiederum praxisnahe Erfahrungen im Umgang mit Mehrsprachigkeit, Diagnostik und Eltern sammeln.

Um Diskriminierungen von Menschen abzubauen, um eine möglichst chancengerechte Entwicklung aller zu ermöglichen, könne man gerade im Bildungsbereich ansetzen, so die Erziehungswissenschaftlerin. „Die Pädagogik und Bildungspolitik sind aufgerufen, den Bereich Diversity in den Mittelpunkt ihrer Zielsetzung zu stellen.“ Die Folgekosten gescheiterter Biografien seien auf Dauer höher als die Investitionen in eine gute Erziehung und Bildung, sagt Olga Graumann.

An einem Tisch in Hildesheim: Forscher aus Ukraine, Weißrussland, Russland. Foto: Lange/Uni Hildesheim

Medienkontakt: Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Interkulturelle Kommunikation Lehrerbildung Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) International Office Aktuelles IO
news-9696 Mon, 02 Mar 2015 15:46:00 +0100 Das digitale Büffeln - Vor-und Nachteile neuer Medien im Schulunterricht https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/das-digitale/ Das Internet reicht nicht bis ins Klassenzimmer. So das Ergebnis einer Recherche von Hildesheimer Studenten der Informationswissenschaften. Uni-Professor Joachim Griesbaum schickte seine Studenten auf den Weg, die Situation vor allem im Grundschulbereich näher zu erforschen. Als Ergebnis bieten sie nun einen kostenfreien Online-Kurs "Digitales Lernen in der Grundschule" an. Der Kurs soll darüber informieren, wie E-Learning in der Schule richtig und sinnvoll zum Einsatz kommt. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-9646 Sat, 28 Feb 2015 09:30:00 +0100 Praxisnahe Lehrerausbildung: „Ausbildungsort und Tatort rücken zusammen“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/praxisnahe-lehrerausbildung-ausbildungsort-und-tatort-ruecken-zusammen/ „Für mich ist das der Start“, sagt Barbara Zeh. Bisher hatte die Lehrerin aus Hannover nichts mit der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim zu tun. Das ändert sich nun. Das Land Niedersachsen möchte Theorie und Praxis stärker zusammenbringen, an allen Hochschulstandorten, die Grund-, Haupt- und Realschullehrer ausbilden. Bis Juli sind Studierende niedersachsenweit in Klassenzimmern, Hildesheimer Studenten laufen bei 170 Mentoren mit und erleben alle Facetten des Schulalltags: Unterricht, Konferenzen, Ganztagsschule, Elternabende. Die 3. Klasse der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Grundschule in Hannover ist langsam daran gewöhnt, neue Gesichter zu begrüßen. Einige Flüchtlingskinder gehen seit kurzem in diese Schule, sie kommen aus dem Irak, aus Libyen, aus Syrien. An einem Montagmorgen im Februar stehen wieder zwei unbekannte Menschen im Klassenzimmer. „Sie bleiben einige Monate hier, sie lernen auch noch“ – so teilt Barbara Zeh ihren Schülern mit, dass nun vier weitere Augen im Klassenraum sind.

Aus den Kinderstühlen sind die Neulinge aber herausgewachsen, sie sind keine neuen Mitschüler. Sondern Deutsch- und Musikstudentinnen der Universität Hildesheim.

Seit Februar noch bis Mitte Juli sind Lehramtsstudierende im Masterstudium in Niedersachsen 18 Wochen an Schulen. Das schulische Langzeitpraktikum („Praxisblock“) wird in Seminaren an der Universität vor- und nachbereitet und begleitet. Die Studierenden sind drei Tage pro Woche in einer Praktikumsschule – an den anderen zwei Tagen an der Uni – und erleben alle Facetten des Schulalltags: Unterricht, Pausenzeiten, Schulfeste, Elternabende und Konferenzen. Das ist landesweit eine neue Entwicklung. Im Herbst 2014 hatten das niedersächsische Wissenschaftsministerium und das Kultusministerium mit den Hochschulen in Oldenburg, Osnabrück, Lüneburg, Braunschweig, Vechta und Hildesheim eine Kooperationsvereinbarung für eine Reform im Lehramtsstudium unterzeichnet. Die Masterstudienzeit für Grund-, Haupt- und Realschullehrer wurde verdoppelt und beträgt nun zwei Jahre.

Zu dieser Reform gehört neben der Erarbeitung eines Forschungsprojekts eine mehrmonatige Praxisphase, die Mitte Februar startete. Insgesamt 170 Lehrerinnen und Lehrer kamen zum Auftakt an der Universität in Hildesheim zu einer vom Kompetenzzentrum für Regionale Lehrerfortbildung organisierten Schulung mit Fachdidaktikern vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung zusammen. Die Lehrer begleiten als Mentoren die Lehramtsstudierenden an den Praktikumsschulen.

Eine von ihnen ist Barbara Zeh. Sie hat sich gleich gemeldet. Pro Student pro Fach erhält sie 0,5 Anrechnungsstunden. Aber sie beginnt nicht mit der Rechnerei. Natürlich sei das mehr Arbeit für sie, sagt Zeh, sie habe nun eine weitere Person im Blick. „Die Anfangsphase im Praktikum ist stressig. Wenn man sich die Mühe aber macht und herausarbeitet, wo jeder seine Schwerpunkte hat und wo man hinwill, dann wird das ein Selbstläufer. Das Klassenzimmer ist kein abgeschlossener Raum. Meine Tür steht immer offen“, sagt die Lehrerin. Unterricht läuft von morgens bis in die Spätbetreuung bis 17:00 Uhr, denn die Schule ist eine „Offene Ganztagsschule“. Etwa 350 Schülerinnen und Schüler lernen in Hannover-Kleefeld. „Unsere Schüler kommen aus dreißig verschiedenen Ländern. Wir unterrichten inklusiv. Wir unterrichten Flüchtlingskinder. Die Lehramtsstudenten können in der Endphase ihres Studiums bei uns die ganze Bandbreite und Realität des Lehrerberufs erleben.“ Die Schule habe Projekte zur Gewaltprävention entwickelt, Fortbildungen für Lehrer und Kinder, die Studentinnen können erfahren, wie die Zusammenarbeit im Schulalltag mit zwei Sozialpädagoginnen an der Schule abläuft.

„Wir sind in die Praxisphase am Faschingsmontag gestartet, das war ein guter Auftakt. Die Schüler lernen und die Studenten lernen auch noch, von den Schülern. Die Kleinen sind darüber schon stolz. Sie nehmen sie gut auf und finden das schön, wenn auch eine andere Stimme zu hören ist. Das stört überhaupt nicht, die Kinder sind trotzdem bei mir, wenn ich Unterricht mache. Das sage ich auch meinen Kolleginnen, die nachfragen, wie das klappt“, sagt die Lehrerin. Sie möchte den Studentinnen „einen Einblick geben, wie ich unterrichte“. „Für mich ist die Zusammenarbeit mit der Universität neu, ich kann Stundenstrukturen und Methoden überdenken und meinen eigenen Unterricht reflektieren.“ Es lohne sich, mit den Studentinnen ins Gespräch zu kommen. Gerade bereitet sie einen Rechtschreibtext und ein Diktat mit den Kindern vor, die Studentinnen beobachten noch, werden aber ab März selbst vier Stunden pro Woche unterrichten und mit einer Unterrichtseinheit zur Bildergeschichte beginnen, auch Unterrichtsbesuche stehen an. „Viele Kinder haben zu Hause niemanden, mit dem sie üben können“, sagt Barbara Zeh. Die Kleinen sind es gewöhnt, eigenverantwortlich zu lernen, sagt Zeh. Mal arbeiten sie alleine, dann in der Gruppe, dann mit einem Partner an Stationen. „Ich zeige den Studentinnen, was die Kinder können, damit sie Anknüpfungspunkte haben: Wie kann ich in diese Klasse reingehen?“

Eine andere Lehrerin unter den 170 Mentoren sagt über die engere Zusammenarbeit zwischen Universität und Schulen: „Ausbildungsort und Tatort rücken zusammen“. Um solche Praxisphasen zu ermöglichen, müssen Strukturen im Uni- und Schulalltag zusammenfinden, sagt Dörthe Buchhester. Sie koordiniert die Reform am Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) der Universität Hildesheim. Das bedeutet: Jeweils zwei Lehramtsstudierende mit möglichst gleicher Fächerkombination mussten an Schulen in Hildesheim, Hannover und dem Umland vermittelt werden, Fahrtwege mit öffentlichen Mitteln sollen maximal eine Stunde dauern. Insgesamt sind das etwa 260 Studierende an 100 Schulen. Je ein Fachdidaktiker und Lehrbeauftragter begleiten nun im Tandem das Studentenpaar, reisen zu Unterrichtsbesuchen an die Schulen. Mentorenfortbildungen sollen nicht in der Zeugniszeit, aber auch nicht in der Prüfungszeit der Forscher liegen. „Wir haben vom Kultusministerium die Auflage, die Mentoren nicht zu belasten, sie aber auch nicht alleine zu lassen. Auch unsere Studenten haben viel zu tun. Sie haben kaum Zeit zwischen Vorlesung, Prüfungen und dem ersten Schultag, der in der vorlesungsfreien Zeit liegt“, so Buchhester. Sie hebt hervor, wie wichtig die Gespräche zwischen Lehrern und Fachdidaktikern der Uni seien. Dabei erinnert sie auch an Grenzen: Studierende dürfen im „Praxisblock“ nicht eigenverantwortlich unterrichten, sie sind auch nicht befugt, eine Pausenaufsicht zu machen. Die Mathematikdidaktikerin Professorin Barbara Schmidt-Thieme spricht von einem Prototyp, der ins Wasser gelassen wurde: „Wir wollen, dass das Schiff fährt. Wir wollen Sie ins Boot holen.“

Das ist bei Mattias Weiß gelungen. Er unterrichtet Englisch und Sport an der IGS Bad Salzdetfurth und sieht in der Zusammenarbeit mit der Uni große Chancen. Schon im ersten Studienjahr arbeitet seine Schule mit der Universität Hildesheim zusammen und holt Lehramtsstudenten in den „Schulpraktischen Studien“ einmal pro Woche ins Klassenzimmer. Seit Februar begleiten zwei Masterstudenten seinen Schulalltag. Von dem Blick aufs Schwarze Brett am Morgen über den Unterrichtsalltag, eine spontane Unterrichtsvertretung wegen Krankheit bis zur Konferenz und Elterngesprächen. „Wenn der Unterricht gut läuft, freut man sich. Wenn er schlecht läuft, denke ich mir: Oh je, was müssen die Studenten nun von mir denken?“, lächelt Mattias Weiß über die Tatsache, dass nun vier Augen mehr in seinem Klassenzimmer sitzen. Er ist selbst erst seit einem Jahr Lehrer, unterrichtet von der 5. Klasse bis zur Oberstufe. „Es gibt nun jemanden, der Kritik üben kann und das ist auch für mich hilfreich. Ich bin da ganz offen. Ich hoffe die Zusammenarbeit mit der Universität bringt mir auch etwas. Wir können zum Beispiel als Team unterrichten.“

Schulen und Uni begleiten den Übergang in den Lehrerberuf: Lehrer im Hörsaal. Foto: Lange/Uni Hildesheim

Lehrerausbildung – Reform des Masterstudiums in Niedersachsen:

Darum geht’s: Angehende Grund-, Haupt- und Realschullehrer studieren seit dem Wintersemester 2014/15 insgesamt zehn Semester. Die Masterzeit verdoppelt sich von einem auf zwei Jahre. Ein Ziel ist, Praxis und Theorie besser zu verzahnen. Als neue Studienelemente werden eine Praxisphase und ein Projektband integriert. Die Niedersächsische Landesregierung hat im August 2014 die vom Kultusministerium und Wissenschaftsministerium erarbeiteten neuen Verordnungen über Masterabschlüsse für Lehrämter beschlossen.

„Der Schritt der Landesregierung, das Masterstudium zu verlängern, ist klug und an der Zeit. Die Universität Hildesheim wird für das Land Niedersachsen rund ein Drittel der künftigen Lehrerinnen und Lehrer ausbilden. Wir stellen uns dieser Herausforderung gern, denn die Reform ist ein sehr wichtiger Schritt in Richtung mehr Praxisnähe“, sagt der Hildesheimer Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Parallel zur Praxisphase verläuft das Projektband. Dabei betreuen Lehrende der Universität Hildesheim die angehenden Lehrerinnen und Lehrer im „forschenden Lernen“. Die Studierenden entwickeln Forschungsarbeiten und vertiefen Kenntnisse und Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten, können Schulpraxis, Theorie, Handeln und Reflexion aufeinander beziehen. Aus den Projektfragestellungen kann sich auch die Masterarbeit entwickeln.

Wie Alan (7) rechnet, beobachtet Lehramtsstudent Ali Ünlü ein Jahr in Drispenstedt. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Partnerschulen in der Lehrerausbildung - seit über 30 Jahren

Mittwochs im Hörsaal, freitags im Klassenzimmer: Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule. Die Universität setzt auf die enge Zusammenarbeit mit Partnerschulen in allen Praxisphasen. In den „Schulpraktischen Studien" beobachten die angehenden Lehrkräfte in einer studentischen Kleingruppe im ersten Studienjahr jeden Freitag Unterricht und sprechen darüber mit einem Lehrer und Erziehungswissenschaftler. Etwa 500 Erstsemester starten so jährlich im Oktober in ihr erstes Studienjahr – seit über 30 Jahren – und erhalten früh echte Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Ab April stehen die ersten Unterrichtsstunden für die Studienanfänger an. Weitere Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums in mehreren Schulformen. „Unsere Studierenden überprüfen ihre Eignung für den Beruf zu Beginn des Studiums und im Übergang zum Berufsalltag“, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung.

Die Universität Hildesheim bildet mit etwa 2600 Studierenden einen Großteil der niedersächsischen Grund- Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Hildesheim leitet zusammen mit Hannover seit diesem Jahr den Verbund der niedersächsischen lehrerbildenden Hochschulen.

Informationen zur Reform „GHR 300“: Häufige Fragen, Studienprofil, Praxisphase, Projektband

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Ang. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Musik und Musikwissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Inklusion Lehrerbildung Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration
news-9688 Tue, 24 Feb 2015 11:10:00 +0100 Lernen per Wisch-Effekt – Neue Lernmedien an Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lernen-per-w/ ln Stadt und Landkreis Hildesheim gibt es bereits etliche Schulen, die technisch aufgerüstet haben. Die RBG, Söhlde oder Harsum sind zwei dieser neuen Tablet-Pionierschulen. Wie das "gläserne Klassenzimmer" arbeitet, zeigte auch der Verein n-21 auf der Dictaeta in Hannover. Zum gleichen Thema forscht auch Professor Joachim Griesbaum an der Uni Hildesheim: "Digitale Medien verbessern die Lernumgebung. Das Lernen selbst ersetzen sie nicht." Pressespiegel regional Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-9678 Fri, 20 Feb 2015 11:10:00 +0100 Fachtagung zum Lesenlernen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/fachtagung-z/ „Literacy-Erzähl-, Sprach-, und Schriftkultur in der Kita” - zu diesem Thema tagten am Dienstag, 3. März, pädagogische Fachkräfte in der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Psychologie news-9983 Thu, 19 Feb 2015 09:00:00 +0100 Bessere Kurse für Flüchtlinge / Wissenschaftlerin fordert besser qualifizierte Sprachkurse für Asylsuchende https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/bessere-kurs/ EVANGELISCHER PRESSEDIENST (EPD) über Sprachkurse für Flüchtlinge: Die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari von der Uni Hildesheim befasst sich mit der Bildungsteilhabe von Flüchtlingen und fordert Sprachlernangebote für alle Flüchtlinge in Deutschland „Die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari von der Universität Hildesheim hat ein qualifiziertes Sprachlernangebot für alle Flüchtlinge in Deutschland gefordert. Bislang gebe es Integrations- und Sprachkurse nur für Menschen mit gesichertem Aufenthaltsstatus", sagte die Professorin für Deutsch als Zweitsprache dem EVANGELISCHEN PRESSEDIENST (EPD). "Auch in den Schulen sieht Montanari Entwicklungsbedarf im Blick auf Mehrsprachigkeit. Gerade in den letzten Monaten steige die Zahl junger Menschen, die im Schulalter nach Deutschland kommen und als Seiteneinsteiger mit dem Unterricht anfangen. Einige hätten aufgrund der Situation in ihrem Heimatland noch nie eine Schule besucht, andere kämen von Elite-Institutionen im Ausland", schreibt die Redakteurin Katharina Hamel (EPD).

Evangelischer Pressedienst EPD, erschienen in regionalen Tageszeitungen, u.a. Ostfriesische Nachrichten, Delmenhorster Kreisblatt,  „Bessere Kurse für Flüchtlinge / Wissenschaftlerin fordert besser qualifizierte Sprachkurse für Asylsuchende", 19./20.02.2015 (print) (www.epd-archiv.de)

Kontakt zu den Forscherinnen und zu Studierenden mit Fluchterfahrung über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

Bessere Kurse für Flüchtlinge / Wissenschaftlerin fordert besser qualifizierte Sprachkurse für Asylsuchende

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional MA DaZ/DaF Bildungsintegration Lehrerbildung
news-9674 Tue, 17 Feb 2015 11:10:00 +0100 „Ich kann nicht zeichnen” gibt's nicht https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/ich-kann-ni/ Lehramtsabsolventin Dorothea Kraake arbeitet im Bilddidaktischen Forschungsstudio der Uni Hildesheim mit Kindern und erforscht ihre Vorstellungen zu Bildern. Einmal wöchentlich betrachtet sie mit Schulklassen Bilderbücher, Medien oder auch Kunstwerke. Was sind für Kinder gute, was sind schlechte Zeichnungen. Nebenbei gestalten die Kinder auch eigene kleine Kunstwerke, das stärkt ihr Selbstbewusstsein. Pressespiegel regional Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-9608 Mon, 16 Feb 2015 17:17:00 +0100 Online publizieren: Blättern, knicken – wischen, klicken https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/online-publizieren-blaettern-knicken-wischen-klicken/ Klick statt Knick: Weltweit und kostenfrei verfügbar – mit dem „Online-Publishing“ entsteht ein digitales Gedächtnis der Hildesheimer Universität. Erste Erkenntnisse gibt es aus der Politikdidaktik über internationale Schulpartnerschaften. Ein Klick ins Netz – die vollen 264 Seiten stehen online. Begegnungen haben eine „fundamentale Bedeutung für das biographische Lernen bei Schülerinnen und Schülern“. Kaum ist der letzte Satz notiert, sind die 264 Seiten weltweit kostenfrei verfügbar: Im Oktober hat Jessica Schwarz ihre Dissertation „Die Wiederentdeckung der Begegnung in der politischen Bildung" (Volltext online) verteidigt.

Die Politikwissenschaftlerin untersucht am Institut für Sozialwissenschaften, wie Globales Lernen in internationalen Schulpartnerschaften stattfindet. Dabei betrachtet sie die Zusammenarbeit von niedersächsischen Schulen mit Partnern in Brasilien, Costa Rica, Gambia, Kenia, Niger, Tansania und auf den Philippinen. Politische Kinder- und Jugendbildung konfrontiere die Jugendlichen „mit Themen, die erst mit einem bestimmten Alter oder einer gewissen biographischen Reife (Wahlen, Unterschriftenaktionen, Demonstrationen) ihre volle Relevanz für das Individuum entfalten“, so Schwarz. Politische Problembestände seien „nicht mehr lokalisiert oder ausschließlich national geprägt“. Darauf müssen Kinder und Jugendliche vorbereitet werden. Die Politikwissenschaftlerin weist darauf hin, dass Schulpartnerschaften geeignet sind, „um Wissensvermittlung über globale Zusammenhänge mit persönlichkeitswirksamen Erfahrungen der Begegnung mit einem vormals geographisch entfernten Kulturraum zu verbinden“.

Diese Arbeit bildet den Auftakt der Reihe „Hildesheimer Studien zur Fachdidaktik“, herausgegeben von den Professoren Peter Frei, Katrin Hauenschild, Irene Pieper und Barbara Schmidt-Thieme im Universitätsverlag Hildesheim. In den beinahe 20 Verlagsjahren entstanden über 60 Printpublikationen. Wer über das technische Know-how verfügt, konnte und kann auf dem HilDok-Server der Universitätsbibliothek seine Beiträge auch als Online-Ausgabe einstellen. Künftig sollen im Verlag neue wissenschaftliche Reihen ins Leben gerufen und umfassend redaktionell betreut werden. Mit diesem neuen „Online-Publishing“ entsteht ein digitales Gedächtnis der Hildesheimer Universität, kostenfrei und weltweit verfügbar.

Blättern und knicken oder wischen und klicken? „Wir möchten Universitätsmitgliedern die Möglichkeit bieten, ihre wissenschaftlichen Erträge schnell und in ansprechendem Layout zu publizieren“, sagt Mario Müller, Editorial Director Print & Digital Publishing des Universitätsverlages. „Wissenschaftlich arbeiten heißt heute zu einem großen Teil online zu recherchieren. Als Historiker gelange ich an sehr alte Quellen und handschriftliches Material, kann von Hildesheim aus die Bestände in New York und London einsehen – das ist ein Traum. Durch die Online-Recherche wird die wissenschaftliche Arbeit nicht oberflächlicher, sondern intensiver, da ich mir Originale anschauen kann, die sonst in Depots unter Verschluss sind.“ Der größte Feind der Bibliothek ist der Nutzer, schrieb Umberto Eco. „Diesen Eindruck hatte man lange, wichtig war der schonende Umgang mit dem Material. Aber nun bietet das Internet völlig neue Möglichkeit der Rezeption: Einmal gescannt und schon kann man sehen, was geschrieben steht, auch Randnotizen und Nutzungsspuren nachvollziehen“, sagt der habilitierte Historiker. Bisher waren gerade kleine Universitätsstandorte im Nachteil – die Auswahl an Medien ist begrenzt, der Raum knapp bemessen. Zwar arbeiten Forscher und Studierende per Fernleihe – jemand holt das gewünschte Buch hervor, schickt es auf dem Postweg nach Hildesheim, bis es wieder an den Ursprungsort zurückgesandt wird –, das ist aber umständlicher als der Klick im Netz.

Online zu veröffentlichen biete für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Möglichkeiten. „Die Werke sind wie im Printbereich über Fachportale recherchierbar und in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet. Der Universitätsverlag arbeitet nicht gewinnorientiert, wir wollen Wissen flexibel und transparent zur Verfügung stellen“, so Müller.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Sozialwissenschaften Politik Universitätsbibliothek Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-9644 Fri, 13 Feb 2015 11:10:00 +0100 Sarstedter Schüler singen mit dem Ministerpräsidenten https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/sarstedter-s/ 30 Schulen aus Stadt und Kreis beteiligen sich an der Aktion „Klasse! Wir singen”. Das Projekt rückt musikalische Aktivitäten als echtes Bildungsangebot in den Fokus der Kompetenzförderung und Persönlichkeitsbildung im schulischen Kontext. Die notwendige Fortbildung für teilnehmende Klassenlehrer wird von der Universität Hildesheim durchgeführt. Pressespiegel regional Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung news-9544 Tue, 10 Feb 2015 18:21:00 +0100 Auffangen, bevor sie fallen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/auffangen-bevor-sie-fallen/ Was für ein Verlust von Lebenszeit, Steuern und Talent. Scheitern muss erlaubt sein, aber die hohen Studienabbrecherzahlen sind ein Skandal. Viele Projekte zielen auf Reparatur statt auf Prävention, schreibt Marion Schmidt in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Sie fordert von den Universitäten: Lasst sie nicht fallen! Eine Antwort aus Hildesheim. Ein Viertel Jahr nach Studienbeginn heißt es für manche Studienanfänger derzeit: Habe ich eigentlich das Richtige gewählt? Nach den ersten Wochen an der Universität kehren viele über die Feiertage und nun in der vorlesungsfreien Zeit zurück zu ihren Familien – und landen oft bei Martin Scholz und seinem Team. Das Frühjahr ist eine Hochphase in der Studienberatung der Universität Hildesheim. Sprechstunden sind dann stark nachgefragt. „Das Konstrukt wackelt bei einigen, sie sind sich unsicher, ob sie das Richtige studieren und wo es beruflich hingehen soll. Und in dieser Phase kommt das Eigenständigwerden hinzu, die erste eigene Wohnung, ein Ortswechsel, sie müssen neue Freunde finden und verlieren bisherige Bezugssysteme. Sie tragen alleinige Lebensverantwortung – vom Kleiderwaschen bis zur Bezahlung von Rechnungen. Da braut sich bei manchen jungen Erwachsenen etwas zusammen", so Martin Scholz. Der Leiter der Studienberatung nennt das „psychosozialen Arbeitsberg". Einigen ist das zu viel in zu kurzer Zeit, sie reagieren mit Studienabbruch.

Kein 100-Meter-Lauf mit kurzfristigen Leistungsspitzen – Martin Scholz vergleicht das Studium heute mit einem Marathon, mit andauernden Anforderungen in jedem Semester. Die Studierenden möchten ankommen, sie starten in das Studium, um einen Abschluss zu bekommen und erfolgreich zu sein. „Für manche ist es schon ein Drama, über der Zeit zu sein und ein Semester länger zu studieren." Doch warum bleiben einige auf der Strecke, brechen ab?

Die Abbrecherquoten sind trotz aller Bemühungen in den letzten Jahrzenten relativ stabil. Bund und Länder haben Ende des Jahres den dritten Hochschulpakt beschlossen. Bis 2020 erhalten die Hochschulen Gelder für zusätzliche Studienplätze. Neu ist: 10 Prozent der Mittel sollen in Maßnahmen fließen, die gezielt Studienabbrüche verhindern sollen. „Jetzt muss es darum gehen, die Mittel richtig einzusetzen“, heißt es in einem Schwerpunktartikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT („Lasst sie nicht fallen!", 53/2014). Viele Projekte seien oft nur befristet und zielten mehr auf Reparatur ab statt auf Prävention.

Wie können Hochschulen reagieren, bevor ihnen Studierende, „verloren gehen“? Manche Studentinnen und Studenten kommen – trotz Informationstagen und Beratungsangeboten – mit falschen Annahmen an die Universität, etwa: „Mathe im Grundschullehramt ist Kindermathematik“. Im Studium erfahren die Lehramtsstudierenden, dass die Fachwissenschaft, von Algebra und Geometrie über Analysis bis zur Stochastik, neben Didaktik und Schulpraxis zum Kernbestandteil gehört. „Viele Studienanfänger haben Schwierigkeiten selbst mit einfachen mathematischen Routinen wie der Bruch- und Prozentrechnung oder dem Dreisatz, im Umgang mit Variablen und bei Termumformungen“, sagt Professor Jürgen Sander. Der Zahlentheoretiker ist Vizepräsident für Lehre und Studium und hat damit die Studienabbrecher im Blick. „Es kommt darauf an, den für viele Studienanfänger mit Fach Mathematik schwierigen Übergang von der Schule zur Universität zu erleichtern“, sagt er. Gemeinsam mit Barbara Schmidt-Thieme, Professorin für Mathematik und ihre Didaktik, und Stochastikprofessor Thomas Richthammer möchte er Wackelkandidaten frühzeitig entdecken.

Anstatt den jungen Erwachsenen in einem Zwei-Wochen-Vorkurs lediglich die für das Studium notwendigen schulischen Vorkenntnisse vor Augen zu führen und sie danach sich selbst zu überlassen, hat das Matheteam ein „Brückenjahr" geschaffen – und damit die an vielen Unis inzwischen üblichen „Brückenkurse" erweitert. Studienanfänger erhalten im ersten Jahr in Hildesheim neben den Standardveranstaltungen besondere Unterstützung. Jeden Freitag sind die Studierenden im ersten Studienjahr im Klassenzimmer und erfahren, was zum Schulalltag und Lehrerberuf gehört. Nach dem zweiwöchigen Mathe-Vorkurs vor Studienbeginn folgen individuelle Beratungsgespräche, es gibt einen wöchentlichen Übungsmarkt mit Tutoren und Workshops zur Wiederholung mathematischer Grundlagen sowie Projekttage ohne Notendruck.

„Zu Beginn erfahren unsere Studierenden, was wir von ihnen erwarten und was sie können müssen. Mathekenntnisse werden geprüft und einzeln zurückgemeldet. Die individuelle Begleitung und Rückmeldung ist wichtig“, erklärt Schmidt-Thieme. Das ist aufwendig, um die Betreuung zu leisten, investiert das Matheinstitut im ersten Studienjahr auch schon einmal mehrere Stunden pro Student über den normalen Betreuungsaufwand hinaus. Das sei eine Investition in die Zukunft, denn dieser Mehraufwand zahlt sich in den höheren Semestern aus. So haben Studienanfänger auch die Chance, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt das Studienfach zu wechseln. „Erst nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Fach auf universitärem Niveau sollten sich einige eingestehen: Das schaffe ich nicht. Dann ist ein Abbruch oder Fachwechsel klug. Den Anderen zeigen wir Hilfen auf, wie sie ihre Defizite durch verstärkten Arbeitseinsatz beseitigen können“, sagt Sander.

Jeder Mathestudent nimmt mindestens einmal pro Semester im Bachelorstudium an einem Grundlagentest teil. Das Signal soll sein: „Wir meinen das ernst, ihr müsst die mathematischen Grundlagen dauerhaft drauf haben. Die kommen immer wieder." Wer den Test nicht besteht, wird nicht zur Klausur zugelassen. Es gibt eine Palette an Möglichkeiten, zu üben: mit den Mentoren, in studentischen Arbeitsgruppen oder auch mittels Online-Aufgaben. Zehn Lehrende haben Aufgaben zu schulischen Grundlagen ins Netz gestellt – die Studierenden können sich jederzeit einloggen und üben. Im zweiten Semester können Studierende an der „Mathe-Hütte“ teilnehmen. Während dieser dreitägigen Exkursion erarbeiten studentische Kleingruppen eigenständig ein mathematisches Thema und stellen das Erlernte den anderen Teilnehmern vor. Zum Ende des ersten Studienjahrs folgt ein weiteres Beratungsgespräch, um Resümee zu ziehen und Warnungen an Studierende auszusprechen, die ihre Schwierigkeiten selbst nicht wahrnehmen, so Sander. Spätestens nach einem Jahr soll so für alle Beteiligten feststehen, ob der Beruf des Mathe-Lehrers für den Studierenden wirklich die richtige Perspektive ist, oder eine Alternative angeboten werden. Die Universität Hildesheim bildet mit derzeit etwa 2900 Studierenden ein Drittel aller niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus, darunter über 700 angehende Mathematik-Lehrkräfte. „Eine große Verantwortung, schließlich unterrichten unsere Studierenden über viele Jahre künftige Schülergenerationen“, sagt Sander.

Auch in anderen Fächern – etwa Technik – versuchen Lehrende durch begleitende Tutorien in den ersten beiden Semestern das Abbrechen zu verhindern. Der „Schwund" im Fach Technik sei unauffällig, sagt Professor Jürgen Rüdiger Böhmer. „Wirkliche Abbrecher gibt es wenige, seit wir einen erheblichen Aufwand mit jedem einzelnen Studierenden realisieren.“ Dazu gehöre das Kennenlernen im Arbeitswissenschaftlichen Seminar, eine Tutorenbetreuung in Praktika und in „offenen Werkstätten", die besonders gut angenommen werde, so Böhmer. Auch die Physikvorlesungen von Professorin Ute Kraus  werden von Tutoren begleitet. „Eine Fachstudienberaterin berät jederzeit individuell und hilft bei der Studienplanung.“

Das ist die fachliche Seite. Doch allein die Studieninhalte zu betrachten wäre verkürzt, sagt Martin Scholz, der seit Kurzem Vorsitzender der bundesweiten Vereinigung der Studienberater ist. „Viele Studierende kommen mit hohen verinnerlichten Leistungserwartungen an die Hochschule und setzen sich unter Druck. Sie gehen davon aus, dass spätere berufliche Chancen davon abhängen, dass sie ihr Studium schnell, möglichst zielstrebig und geradlinig absolvieren müssen", heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Viele würden sich „kaum Toleranz für Eingewöhnungsschwierigkeiten, Misserfolge und Umwege zugestehen. Der Raum für Persönlichkeitsentwicklung ist extrem eingeengt". Die Studienstrukturen seien „stark ausgerichtet auf Studierende, die ihr gesamtes Zeitpensum für das Studium aufwenden und unter optimalen materiellen und persönlichen Rahmenbedingungen am Studienerfolg arbeiten können". Studierende, die phasenweise durch Krankheit eingeschränkt sind, das Studium mit Familie oder Erwerbsarbeit vereinbaren müssen, kommen zu kurz. Die Diversität der Studierenden werde bislang unzureichend beachtet. Sorge bereitet den Studienberatern, dass auf den gestiegenen Bedarf an psychologischer und psychosozialer Beratung bisher kaum reagiert worden ist. Mithilfe von Coachings zur Stressbewältigung sowie Unterstützung bei der Studienorganisation und Prüfungsvorbereitung können Studierende in die Lage versetzt werden, den Anforderungen des Hochschulsystems besser gerecht zu werden, heißt es.

Wie achten Studierende auf ihre Gesundheit, wie entspannen sie, wie gehen sie mit Stress um, nehmen sie leistungssteigernde Mittel? Es gibt erstaunlich wenige Daten über Gesundheit im Studium. Verlässliche Zahlen für einen Standort fehlen. Daher hat ein Team um Psychologieprofessorin Renate Soellner das Gesundheitsmonitoring „healthy@uni-hildesheim“ gestartet. Die ersten Ergebnisse für die Universität Hildesheim liegen vor, im Februar 2015 läuft die nächste Erhebung (Studierende können aktuell teilnehmen, und bei Rückfragen eine E-Mail an die Forscherinnen senden: healthy@uni-hildesheim.de).

Renate Soellner, die sich mit Suchtfragen befasst und in einer Forschergruppe den Alkoholkonsum von Jugendlichen in europäischen Ländern untersucht hat, sagt: „Der psychische Druck ist für manche Studierende immens. Konkurrenz, das Gefühl von Belastung und Prüfungsangst gehören für viele zum Studienalltag." Ein Blick in die Ergebnisse für Hildesheim zeigt: Ein Viertel (1838) der 6592 Studierenden hat an der Studie teilgenommen, im Durchschnitt sind die Studierenden 23,7 Jahre alt, der jüngste Teilnehmende ist 16, der älteste 62 Jahre. 95 Prozent der Befragten haben keine Kinder, wenn doch dann mehrheitlich ein oder zwei. Sie pflegen nur selten einen Angehörigen (5 Prozent). Zwei Drittel der Befragten wohnen in Hildesheim. Die meisten finanzieren ihr Studium aus unterschiedlichen Quellen, die Eltern (66 Prozent) und der eigene Verdienst (49 Prozent) stehen an erster Stelle. Die Studierenden konnten zudem angeben, ob sie mit ihrem Studium zufrieden sind. Die Mehrheit der Studierenden sind mit ihren Studienleistungen (55.6%) und ihrer Studiensituation insgesamt (43.4%) „sehr oder eher zufrieden“. Die Rahmenbedingungen ihres Studiums werden zu etwa gleichen Teilen als eher zufriedenstellend (36.4%) eher neutral (35.3%) oder als eher unzufriedenstellend (28%) beurteilt. Gleichzeitig erleben über 50% der Hildesheimer Studierenden ihr Leben zum Befragungszeitpunkt jedoch als „ziemlich“ oder „sehr“ stressig.

Was erwartet mich an der Uni? Studierende wie Carola Hogrefe geben Einblicke. Foto: Lange/Uni Hildesheim

Übergänge begleiten: Studierende sind Anker im Uni-Alltag

Seit 2012 berichten Studierende in Schulen, Freizeitheimen und Stadtteilen aus dem Uni-Alltag. Die „Anker-Peers" beraten vor und während des Studiums. Dabei wollen sie auch Schülerinnen und Schüler erreichen, die als erste in ihrer Familie den Weg zur Universität einschlagen. Es geht nicht allein um die Beantwortung der gestellten Fragen, sagt Carola Hogrefe, die auf dem Kulturcampus der Uni Philosophie, Künste und Medien studiert. „Wenn wir nach der Studienortswahl gefragt werden, dann kann dahinter auch die Sorge vor Veränderungen stecken. Wir haben diese Unsicherheiten selbst durchgemacht und sind für diese versteckten Fragen sensibel", sagt die studentische Beraterin. Etwa zehn Besuche stehen pro Semester in der Region an. Die studentischen Beraterinnen und Berater kennen die Unterstützungsprogramme – Bafög- und psychosoziale Beratung, Hilfe bei Prüfungsangst oder wissenschaftlichem Arbeiten – und können darauf verweisen.

Sie wollen „Anker" sein, haben einen eigenen Beratungsraum am Hauptcampus. Flyer, eine Zusammenarbeit mit dem lokalen Radio Tonkuhle, ein Internetauftritt und Aktionen wie „Rent a Peer" entstanden. Dabei können sich Erstsemester einen Studierenden ‚leihen‘, um sich an der Universität zurechtzufinden oder den eigenen Stundenplan zu erstellen. In theaterpädagogischen Workshops kommen sie auf spielerische Weise mit Jugendlichen über das Studieren ins Gespräch. Mit dem Beratungsangebot sollen Jugendliche frühzeitig bei der Studienwahl unterstützt werden – vor allem jene, die mit dem Bewerbungsverfahren noch nicht vertraut sind und keine Geschwister oder Eltern haben, die aus dem Studienalltag berichten können, sagt Martin Scholz von der Studienberatung der Universität Hildesheim. Alle studentischen Berater werden regelmäßig geschult. „Sie kennen ihre Grenzen der Beratung. Zunächst klären sie das Anliegen des Ratsuchenden, oft können sie aus eigenen Erfahrungen berichten." 

Das Programm wurde vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert und wird seit Anfang 2014 von der Universität aus Eigenmitteln fortgeführt. Es ist normal, sich Hilfe zu holen. Beratung sei ein alltägliches Unterstützungsangebot, sagt Scholz: „Jeder Fußballer hat einen Mentalcoach. Es sollte normal sein für Studierende, Beratung anzunehmen. Dabei wollen wir nicht einzelne Gruppen separieren und nach spezifischen Hintergründen trennen.“

Aus dem Leitbild der Universität

Im Leitbild – ein Orientierungsrahmen für das Handeln im Alltag – geht die Hochschule im Schwerpunkt „Studierendenuniversität“ auf die Betreuung von Studierenden ein, wenn es heißt: „Die Universität Hildesheim versteht das Studium als Zeit einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung. Sie legt deshalb großen Wert darauf, die Studierenden fachlich und persönlich zu betreuen und zu fördern. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen sich als Ansprech- und Diskussionspartner der Studierenden und im Bereich der Lehre als deren Mentoren.“

Eine Vorlesung in Theaterwissenschaften auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg. Foto: Andreas Hartmann

Medienkontakt: Kontakt zu Studierenden und Lehrenden über die Pressestelle (Isa Lange, 05121.883-90100 und 0177.8605905, presse@uni-hildesheim.de)

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news-9637 Tue, 10 Feb 2015 08:25:00 +0100 Bald wieder Klassenfahrten? Kontrahenten suchen Einigung https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/bald-wieder/ Nach Monaten heftiger Streitigkeiten suchen die Landesregierung und die Lehrerverbände intensiv nach einem Weg, den Klassenfahrten-Boykott der Gymnasiallehrer zu beenden. Warum Klassenfahrten sowohl für Schüler als auch für Lehrer so wichtig sind, erklärt Prof. Norbert Grewe von der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Psychologie Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-9449 Tue, 27 Jan 2015 16:30:00 +0100 Honorarprofessur für Theologen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/honorarprofessur-fuer-theologen/ Er ist stets am Dialog mit anderen Wissenschaften orientiert: Hans-Georg Babke. Studierende befassen sich in Seminaren des Theologen mit der Vielfalt an Glaubensrichtungen und mit den Beziehungen zwischen Religion und Staat. Die Universität Hildesheim verleiht Dr. Hans-Georg Babke eine Honorarprofessur. Er lehrt seit 2006 am Institut für Evangelische Theologie. Die Themen seiner Lehrveranstaltungen sind äußerst vielfältig und systematisch-theologisch fundiert, würdigt Theologieprofessor Martin Schreiner. Babke sei stets „am Dialog mit anderen Disziplinen und Wissenschaften orientiert". Seine Studierenden – angehende Grund-, Haupt- und Realschullehrkräfte – befassen sich mit der Pluralität der Religionen, mit den Beziehungen zwischen Christentum, Staat und Demokratie und zwischen Ethik und Technik. Sie besuchen seine Seminare zu postmoderner Religionskritik, zur Theologie und Kulturphilosophie Albert Schweitzers und gehen der Frage nach „Wie wahr können religiöse Aussagen sein?".

„Mit seiner großen praktischen Erfahrung als Pfarrer, Assistenzreferent in der Bildungsabteilung des Kirchenamtes der EKD, als Religionslehrer, Koordinator deutsch-englischer Lehrerfortbildungen und Leiter des Amtes für Religionspädagogik und Medienarbeit der Braunschweigischen Landeskirche in Wolfenbüttel verstärkt Hans-Georg Babke auf hohem akademischen Niveau unser Lehrangebot", so Schreiner. Er sei eine „wissenschaftlich und durch Berufspraxis hervorragend ausgewiesene Persönlichkeit“.

Mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche lernen können, mit konfessioneller und religiöser Vielfalt umzugehen, befassen sich evangelische und katholische Religionspädagogen in Hildesheim. Sie arbeiten unter anderem in konfessionell gemischten Teams an der Universität und publizieren gemeinsam, etwa den Band „Mit Kindern über Schöpfung und Weltentstehung nachdenken" und das Handbuch „Theologisieren mit Kindern“. In Fachpraktika an Schulen in der Region sammeln die Lehramtsstudierenden Erfahrungen, wie Kinder und Jugendliche über Religion und Glaube denken. Die Studierenden setzen sich vor Ort mit religiöser Vielfalt auseinander. Im Theologiestudium besuchen sie zum Beispiel eine evangelische Kita und verschiedene Kirchen in Hildesheim, eine Synagoge in Hannover, eine Moschee und die serbisch-orthodoxe Gemeinde in der Region. Für viele seien dies Erstbegegnungen, sagt Prof. Dr. Martin Schreiner: „Es ist sehr wichtig, andersgläubige Menschen zu kennen, damit interreligiöse Bildung gelingen kann.“

Seine Antrittsvorlesung hielt Prof. Dr. Hans-Georg Babke am 26. Januar 2015 zum Thema „Gott denken – eine Auseinandersetzung mit Wolfhart Pannenbergs Theologie".

Presseinformation der evangelisch-lutherischen Landeskirche Braunschweig

Liebe Frau Lange, vielen Dank schon einmal für das Gespräch. Anbei finden Sie meine Kontaktdaten. (Da ich freier Mitarbeiter beim NDR bin, erreichen Sie mich über diese E-Mail-Adresse meist schneller.) Constantin Alexander 0170 860 95 88 constantin.alexander@gmx.de c.alexander.fm@ndr.de
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Pressemeldungen Evangelische Theologie Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-9397 Tue, 27 Jan 2015 09:29:00 +0100 Uni informiert: Studieren auf der Höhe https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/uni-informiert-studieren-auf-der-hoehe/ Wirtschaftsinformatik, Umweltsicherung, Übersetzen? Szenische Künste, Lehramt oder Sozialpädagogik? Lehrende und Studierende geben während der Infotage Anfang Februar Einblicke in Studiengänge. Studieninteressierte erhalten außerdem Informationen zu Bewerbung, Finanzierung und Eignungsprüfungen. Die Studienberatung, das Centrum für Lehrerbildung und das Gleichstellungsbüro bieten einen Workshop zur Berufsorientierung an. Anfang Februar lädt die Universität Hildesheim Studieninteressierte zu den Infotagen „Studieren auf der Höhe" (Programm, 4. bis 6. Februar 2015) ein. Die Infotage auf dem Uni-Hauptcampus bieten die Möglichkeit, sich in Themen-Veranstaltungen gezielt über das Studienangebot der Universität zu informieren und anschließend mit Studierenden, Fachvertretern oder der Studienberatung ins Gespräch zu kommen, sagt die Studienberaterin Dinda Fatah. „Studieninteressierte können sich auch über die Bewerbung um einen Studienplatz, Finanzierung und Auslandsaufenthalte sowie Studieren mit Kind informieren. Außerdem bieten wir Führungen über den Campus an." Neben der Vorstellung von Studieninhalten gibt es wichtige Informationen rund um die Eignungsprüfung in den künstlerischen Studiengängen sowie für Musik, Kunst und Sport im Lehramtsstudium.

Der kulturwissenschaftliche Fachbereich informiert über die Verbindung von Theorie und Praxis im Studium [Hinweis: Diese Veranstaltungen finden auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg statt]. Ab 8:00 Uhr können Studieninteressierte am Schnupperstudium teilnehmen und Lehrveranstaltung besuchen, zum Beispiel zu den Themen „Kulturpolitik", „Die Wiederentdeckung des Hörens", „Über das Denken nachdenken" oder „Deutsch-türkische Kulturbeziehungen".

Lehrende geben anschließend Einblicke in die Bachelorstudiengänge „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis", „Szenische Künste", „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus" sowie „Philosophie - Künste - Medien". Außerdem stellen Studierende des Masterstudiengangs „Inszenierung der Künste und der Medien" Forschungsergebnisse öffentlich vor. Der Abend endet mit Werkschauen, Ausstellungen und Filmvorführungen. Der Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ ist der älteste Studiengang in Deutschland, der seit 1978 für kulturwissenschaftliche, künstlerische und kulturvermittelnde Berufe qualifiziert. Absolventen sind in Theaterhäusern und Verlagen, in Schulen, in Funk- und Fernsehanstalten, in der Kulturverwaltung und Kulturellen Bildung tätig.

Am Hauptcampus der Universität geben Lehrende am Mittwoch Einblicke in das Studium in den Bereichen Erziehungswissenschaft, Sozial- und Organisationspädagogik sowie Psychologie mit dem  Schwerpunkt Pädagogische Psychologie. Dann geht es weiter mit Informationen zu den Studiengängen Internationales Informationsmanagement, Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen sowie English Applied Linguistics. Am Abend informieren Lehrende über die Bachelorstudiengänge Infomationsmanagement und Informationstechnologie, Umweltsicherung sowie Wirtschaftsinformatik. Studierende lernen in Hildesheim zum Beispiel, Informationssysteme zu entwickeln und große Informationsmengen in Unternehmen zu managen. Im Bereich „Angewandte Informatik“ können sie sich auf Programmierung, Datenbanken, Softwaretechnik und Künstliche Intelligenz spezialisieren. Durch Schnuppertage und in Zusammenarbeit mit Schulen versuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim mehr junge Frauen für ein IT-Studium zu interessieren.

Schülerinnen und Schüler sowie alle weiteren Studieninteressierten können sich am Donnerstag über Finanzierungswege informieren. Um 13:00 Uhr beginnt eine Infoveranstaltung zum Thema „Wie bewerbe ich mich um einen Studienplatz?". Am Abend geben Sportwissenschaftler Einblicke in das Studium „Sport, Gesundheit, Leistung". Um 17:00 Uhr informieren Lehrende über Wege in den Lehrerberuf an Grund-, Haupt- und Realschulen. Bundesweit besonders ist die frühe Verbindung von Theorie und Praxis in der Lehrerausbildung. Die Studienanfänger sind im ersten Studienjahr mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet dafür eng mit Partnerschulen zusammen. In den „Schulpraktischen Studien" beobachten die angehenden Lehrkräfte in einer studentischen Kleingruppe im ersten Studienjahr einmal in der Woche Unterricht und sprechen darüber mit einem Lehrer und Erziehungswissenschaftler in Seminaren. Die Studenten erhalten früh echte Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester hält jeder Student seine erste Unterrichtsstunde. Weitere Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums in mehreren Schulformen.

In einem mehrstündigen Workshop „Lehramt studieren?!" erhalten Studieninteressierte am Freitagnachmittag Einblicke in den Studienaufbau und die Berufspraxis. Im Mittelpunkt stehen zum Nachdenken anregende Reflexionsangebote rund um das Thema Fähigkeiten und Ressourcen, die Lehrerinnen und Lehrer im Berufsalltag benötigen. Die Studienberaterin Anna-Elise Weiß und Dr. Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung geben Einblicke in den Aufbau des Lehramtsstudiums, Studierende berichten von Praxisphasen. Eine Referentin des Gleichstellungsbüros informiert über das Projekt „Männer und Grundschullehramt“ und ein Grundschullehrer berichtet aus dem Schulalltag. Eine Anmeldung ist erforderlich (bis zum 25. Januar per e-Mail: kock@uni-hildesheim.de). Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt.

Programm der Infotage online

Infoline bei Rückfragen: 05121.883-55555

Bitte beachten Sie: Die Zentrale Studienberatung und weitere Einrichtungen der Universität wie das International Office, das Immatrikulations- und Prüfungsamt ziehen in diesen Tagen um in das neue FORUM am Universitätsplatz 1. In der Woche vom 2. bis 6. Februar 2015 kann es bei der Studienberatung zu Verzögerungen in der Telefon- und Emailbeantwortung kommen (Umzug Immatrikulationsamt: 30. Januar bis 9. Februar, erste Sprechzeit am Universitätsplatz am 10.02.2015 / Umzug Prüfungsamt: von 6. bis 16. Februar). Wir bitten um Verständnis.

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news-9385 Sat, 10 Jan 2015 18:44:00 +0100 Suchen mit der blinden Kuh: Digitale Medien in der Grundschule https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/suchen-mit-der-blinden-kuh-digitale-medien-in-der-grundschule/ Kinder wachsen mit digitalen Medien auf. Tür zu, Stecker raus – im Klassenzimmer ist das Internet vielerorts nicht angekommen. Studierende der Informationswissenschaft wollen mit einem Online-Kurs bundesweit Grundschullehrkräfte und Lehramtsstudierende erreichen und über den sicheren Einsatz von mobilen Geräten wie Tablets im Unterricht informieren. Einblicke in den kostenfreien Kurs „Digitales Lernen in der Grundschule“. Tablets und Smartphones gehören für viele Kinder mittlerweile zum Aufwachsen dazu. Im Unterrichtsalltag ist der Umgang mit mobilen digitalen Geräten bisher kaum angekommen, darauf weisen Studierende der Informationswissenschaften der Universität Hildesheim hin. In ihrer Recherche an Schulen in der Region sind sie auf Unsicherheit und Zurückhaltung gestoßen, digitale Medien im Klassenzimmer einzusetzen. Das wird auch in einem Video deutlich. „E-Learning haben wir eigentlich nur durch unseren Computerraum“, sagt eine Lehrerin. Mit mobilen Geräten könnte man hingegen flexibler arbeiten, in einer Ecke im Klassenraum, am Gruppentisch. Allerdings sieht sie die Gefahr, das Tablets als Spielzeug genutzt werden. „Wir haben überhaupt keine Tablets in der Schule. Ich fühle mich derzeit auch nicht in der Lage, weil ich überhaupt keinerlei Vorwissen habe“, sagt eine andere.

„Wir möchten informieren und Grundschullehrerinnen und Lehrern näher bringen, wie sie E-Learning im Unterricht anwenden können“, sagt Alice Holka. Die 27-Jährige aus Oberhausen studiert an der Universität Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“. Gemeinsam mit 20 Studierenden hat sie in einem Projektseminar bei Professor Joachim Griesbaum den Online-Kurs „Digitales Lernen in der Grundschule – Tablets von Lehrern sinnvoll eingesetzt“ entwickelt. In dem kostenfreien Kurs – einem sogenannten MOOC – erfahren Lehramtsstudierende und Grundschullehrkräfte, wie sie Tablets sinnvoll in ihrem Unterricht einsetzen können. Das Besondere: Die Kursteilnehmer kommen aus ganz Deutschland. Ob eine Lehrerin aus Frankfurt, eine Referendarin aus Magdeburg, ein Lehramtsstudent aus Ludwigsburg oder ein Lehrer aus Oldenburg – jeder kann teilnehmen.

Die Studierenden vermitteln im ersten Teil des Kurses, was E-Learning ist, warum es sinnvoll ist, Grundschüler im Umgang mit neuen digitalen Technologien vertraut zu machen, wo Chancen und Risiken liegen und welche Voraussetzungen für den Einsatz von Tablets in der Grundschule geschaffen werden müssen.

Im zweiten Teil geben sie einen Überblick über den Einsatz von Tablets an Grundschulen in Deutschland, diskutieren die Rolle der Lehrperson und zeigen Praxisbeispiele aus einer Hildesheimer Grundschule. Eine Lehrerin berichtet in einem Video von ihren bisherigen Erfahrungen im Schulalltag. Nur wenige Grundschulen haben Erfahrungen mit Tablets im Unterricht oder arbeiten wenn nur eine gewisse Zeit in der Woche mit den Geräten, sagt Kyra Bornemann. Eine bereits 5. Klasse der Molitoris-Schule in Harsum arbeitet zum Beispiel einmal in der Woche mit Tablets. Die Schule setzt die Geräte besonders für die Internet-Recherche in Geschichte und Erdkunde ein, da in diesen Fächern die Schulbücher schnell veralten und keine aktuellen Informationen enthalten.

Auf dem Markt schwirren eine Menge Apps für Grundschüler umher, die allerdings nicht immer geeignet sind, da sie bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllen. so die von den Studierenden interviewte Lehrerin Christiane Schulte von der Grundschule Fischbeck. Dann tauchen zum Beispiel Rechenaufgaben ohne Mengendarstellungen auf, lediglich mit Zahlen. Ihre Schülerinnen und Schüler seien besonders motiviert, mit dem Tablet selbstständig zu arbeiten. Schwierig werde es manchmal, wenn die Kinder zu schnell von der eigentlichen Aufgabe abgelenkt werden, etwa wenn sie für sich spannende Themen im Internet finden und sich diese lange anschauen oder durchlesen. „Die Tablets werden an dieser Schule besonders in Gruppenarbeiten für Recherchen im Sachunterricht genutzt. Die Schüler arbeiten mit Suchmaschinen für Kinder wie ‚blinde-kuh.de‘ und bereiten damit eigenständig Referate vor“, berichtet Kyra Bornemann von der Recherche. Die 26-jährige Studentin hat die Kursinhalte mitentwickelt und besitzt selbst übrigens kein Tablet. Sie erinnert sich an ihre Grundschulzeit: „Wir hatten ein Englisch-Lern-Computerspiel, welches ich sehr gerne gespielt habe. Ich kann mir gut vorstellen, dass Schüler motivierter sind, wenn das Lernen mithilfe von Tablets ‚spielerischer‘ und eigeninitiierter gestaltet werden kann.“

Kinder-Suchmaschinen wie blinde-kuh sollen sichere Recherche ermöglichen: Dabei werden auch Surftipps zu Internetseiten in türkischer Sprache sowie Nachrichten zusammengestellt. Screenshot: Isa Lange/Uni Hildesheim

Im dritten Teil des Kurses zeigen die Studierenden, wie mobile Geräte sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden können. Die Studierenden gehen auf den sicheren Umgang mit Tablets ein, von der sicheren Recherche im Internet bis zum Einrichten von Sicherheitsschranken und der Betreuung der Kinder während der Nutzung. „Wir stellen eine App vor, die Vorgaben des Kultusministeriums und Datenschutzaspekte berücksichtigt und Schülern spielend Lerninhalte vermittelt. Diese App ist frei verfügbar. Außerdem geben wir einen Überblick über weitere Apps für den Unterricht“, sagt James Patric Hiller. Der 29-Jährige studiert an der Uni Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ mit dem Schwerpunkt Informationswissenschaft.

Wenn 27 Kinder im Unterricht mit Tablets hantieren – kann der Klassenlehrer dann den Überblick behalten, wo die einzelnen Schüler hinklicken? Die Hildesheimer Studierenden stellen Kontrollapps zum Sicherheitsbrowsing vor und bieten Einblicke in die Kindersuchmaschine „fragFINN" sowie die Recherche im Kinder-Wiki „ZUM-Grundschul-Wiki". „Lehrer sollten Schüler anleiten, nur innerhalb dieser geschützten Umgebung zu agieren. Sie können nicht ständig kontrollieren. Sie sollten Schüler dabei begleiten, den Sinn dieser Suchmöglichkeiten zu erkennen. Kindergerechte Suche im Netz kann auch Spaß machen“, so Hiller. Für den medienerfahrenen Studenten bietet die digitalen Geräte eine Chance, „normalen Unterrichtsalltag“ durch multimediale, bunte, abwechslungsreiche Inhalte anzureichern. „Wer mit Freude bei der Sache ist, lernt besser und speichert die Informationen nachhaltiger. Aber: Lernapps können den Unterricht nicht ersetzen, sondern eben nur ergänzen.“ In der heutigen Zeit sei Informationskompetenz ein wichtiger Schlüsselfaktor, so James Hiller. Wer weiß, wo er suchen müsse, könne seinen „Wissensschatz ausbauen“, so der Student.

Im vierten Teil des Kurses zeigen die Studierenden, wie man Eltern den Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht näher bringen kann. Der Umgang mit Medien sei – genauso wie das Lesen, Schreiben und Rechnen – eine wichtige Voraussetzung für das spätere Berufsleben. Voraussetzung für den Einsatz von mobilen Endgeräten in der Schule sind medienkompetente Lehrerinnen und Lehrer. Die Studierenden geben einen Einblick Aus- und Fortbildung zum Thema sowie zur Beantragung von Fördermitteln.

Im ZUM-Grundschulwiki können Kinder die Inhalte der Internetseite mitgestalten und ihr Wissen weitergeben. Ein Detektiv erklärt, wie man sicher surft. Screenshot: Isa Lange/Uni Hildesheim

Wie Schulen auf digitale Medien reagieren, beobachtet Professor Joachim Griesbaum. „Derzeit finden sich vermehrt Initiativen, Tablets in den Unterricht zu integrieren. Die Folgen sind bislang wenig erforscht“, sagt der Informationswissenschaftler der Hildesheimer Universität. Digitale Medien seien Teil der allgemeinen Infrastruktur, innerhalb derer lehren und lernen stattfindet. „Technologien können auch völlig neue soziale Lehr- und Lernkontexte erschaffen.“ Zwar könne so ein höheres „informationelles und soziales Lernkapital realisiert werden“.

Gleichzeitig bestünde aber die Gefahr des „Information Overloads“ und der Ablenkung, so Griesbaum. Ein Klick hier, ein Wischen dort. „Die Informations- und Medienkompetenz wird für Lehrende und Lernende immer wichtiger.“ Die Informationswissenschaft könne dazu beitragen, den kompetenten und sicheren Umgang mit elektronischen Informationen und Kommunikationsformen zu erlernen. „Digitale Medien erlauben es uns im Idealfall Lehr- und Lernumgebungen zu verbessern. Das Lernen selbst können sie uns nicht abnehmen. Für die Gestaltung von Lernprozessen und -szenarien, bleiben fachbezogene und pädagogisch-didaktische Kompetenzen der Lehrkräfte nach wie vor zentral.“

Ich bin deine Ministerin: Auch mit Informationen von Politikern – hier die Kinderwebseite der Bundesfamilienministerin – müssen Kinder lernen, umzugehen. Screenshot: Isa Lange/Uni Hildesheim

Teilnahme am MOOC „Digitales Lernen in der Grundschule“

Der Online-Kurs startet am 12. Januar 2015. Vier Wochen lang wird jeden Montagnachmittag eine neue Inhaltseinheit freigeschaltet, die dann zu einem beliebigen Zeitpunkt bearbeitet werden kann. Für die Bearbeitung müssen etwa 45 Minuten in der Woche eingeplant werden. Jeder, der bis zum 9. Februar 2015 alle Inhalte bearbeitet hat, bekommt eine Teilnahmebescheinigung. Die Kursteilnehmer können in moderierten Foren ihre Fragen stellen und sich mit anderen Teilnehmern austauschen. Interessierte können sich ab sofort kostenfrei anmelden. Alle Inhalte sind auch nach dem Start verfügbar. Und ja – auch von unterwegs kann man natürlich an dem Kurs teilnehmen (unterstützte Plattformen sind iOS, Android, Palm webOS, BlackBerry).

Lernen im digitalen Zeitalter: Fachleute für E-Learning

Online Wissen teilen: Wie E-Learning und Wissensmanagement über das Internet organisiert werden, erforscht Joachim Griesbaum. Der Professor für Informationswissenschaft mit dem Schwerpunkt „Soziale Netzwerke und Kollaborative Medien“ forscht an der Universität Hildesheim zu Suchmaschinen-Marketing, Identitätsbildung in sozialen Online-Medien und Wissensmanagement im Internet. „MOOCs beruhen auf dem Gedanken, dass Wissen in Online-Netzwerken und Communities sozial erzeugt und erworben wird“, sagt Griesbaum über virtuelle Großgruppen-Lernszenarien. Er befasst sich mit Vorteilen, Problemfeldern und Folgen dieses Trends. Seine Studierenden haben 2014 einen MOOC über Wissensmanagement und im Jahr davor einen Online-Kurs „Datenschutz im Internet" angeboten.

Ende der Kreidezeit: Einblick in die digitale Lehrerausbildung

Kreidetafel oder Technik – wie verändert sich der Lehrerberuf technisch? In Bad Salzdetfurth sieht die Lösung so aus: Da das Lehrerkollegium die Technik unterschiedlich stark nutzt – einige mit Neugier, andere mit Skepsis – stehen in jedem Klassenraum eine weiße Tafel, die mit Stiften beschrieben werden kann, und eine interaktive Tafel mit allen technischen Möglichkeiten. Lehramtsstudierende erproben die Technik, Siebtklässler helfen ihnen dabei. Die Studierenden der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr jeden Freitag im Klassenzimmer und beobachten Unterricht. [zur Reportage „Kreidetafel oder Technik – wie verändert sich der Lehrerberuf technisch?"]

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news-9984 Thu, 08 Jan 2015 09:00:00 +0100 Integrationskurse in Deutschland: Zu wenig Vorbereitung auf das Arbeitsleben https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/integrations/ DEUTSCHLANDFUNK berichtet über 10 Jahre Integrationskurse. Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Uni Hildesheim, beobachtet, dass Deutschlerner auf B1-Niveau im Beruf schnell an ihre Grenzen stoßen. Das Lernen müsse unbedingt nach dem Integrationskurs weitergehen „Mehr als eine Million Menschen haben in den letzten zehn Jahren in Deutschland an Integrationskursen teilgenommen. Doch mit dem 'Deutschtest für Zuwanderer', mit dem die sechsmonatigen Kurse enden, seien die Teilnehmer noch nicht auf das Berufsleben vorbereitet, kritisieren Experten", so die Journalistin Katja Hanke im DEUTSCHLANDFUNK. In der Reportage hat sie einen Integrationskurs an der Volkshochschule Neukölln in Berlin besucht, seit drei Monaten lernen die Teilnehmer hier an jedem Vormittag die deutsche Sprache.

„Dass Deutschlerner auf B1-Niveau im Beruf schnell an ihre Grenzen stoßen, meint auch Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Zum Beispiel in Beratungssituationen", heißt es im DLF. „Das kann in der Krankenpflege sein, das kann aber auch in jedem anderen Fall sein. Also, wenn jemand kommt und ein Anliegen schildert und der Lerner soll darauf reagieren. Sowie das individuell wird, ist es problematisch, das mit B1 zu lösen. Das heißt, das Lernen muss unbedingt nach dem Integrationskurs weitergehen", sagt Professorin Elke Montanari im Gespräch mit dem DEUTSCHLANDFUNK.

Die Sprachwissenschaftlerin der Uni Hildesheim bemerkt außerdem, dass „der Kurs für die meisten Lernenden der einzige Ort ist, an dem sie Deutsch sprechen". „Und hier wäre eigentlich ein Ansatz, wo ich denke, dass man noch mal gezielter darüber nachdenken könnte. Also, wie könnte im Integrationskurs eine Brücke in den Alltag gemacht werden. Es gibt dazu verschiedene Ideen, zum Beispiel sollte ein Praktikum zum Integrationskurs gehören. Das finde ich eine spannende Überlegung", so Montanari im DEUTSCHLANDFUNK.

Deutschlandfunk, „Integrationskurse in Deutschland: Zu wenig Vorbereitung auf das Arbeitsleben", 19./20.02.2015 (Audio und Text online, Radiobeitrag von Katja Hanke, ~4:30 Min)) (www.deutschlandfunk.de)

Eine Langfassung des Audio-Beitrags „Integrationskurse in Deutschland / Warum sich die meisten Sprach-Integrationskurse nicht fit für den Beruf machen“ wurde im Südwestrundfunk SWR2, Sendung „Impuls“, 12.01.2015 gesendet.

Kontakt zu den Forscherinnen und zu Sprachlernern über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional MA DaZ/DaF Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge
news-9358 Fri, 19 Dec 2014 13:32:00 +0100 Mit Sprache Kompetenzen aktivieren – VHS-Chefin startet Spendenaufruf https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/mit-sprache/ Bildung als Schlüssel zur Integration. Eine einfache und erfolgversprechende Formel, die VHS-Chefin Margitta Rudolph umsetzen will. Tatkräftige Unterstützung erhält sie dabei auch von Seiten der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Studiengänge Master-Studiengänge MA DaZ/DaF Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration news-9254 Sat, 06 Dec 2014 09:42:00 +0100 Aus Lyrik wird Gebärdensprache - Reihe: Hildesheimer Gespräche https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/aus-lyrik-wi/ Gedichte in Gebärdensprache vortragen, geht das? Zu dem spannenden Thema diskutieren Experten aus Hamburg und Hildesheim. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation news-8926 Tue, 07 Oct 2014 18:25:00 +0200 Erstmalig Erweiterungsstudium Lehramt zum Wintersemester 2014/15 https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/erstmalig-erweiterungsstudium-lehramt-zum-wintersemester-201415/ Chemie, Kunst, Physik, Politikwissenchaft und Technik: Angehende Lehrerinnen und Lehrer können parallel zum Lehramtsstudium oder nach dem Studienabschluss ein Erweiterungsfach studieren. Bis zum 10. Oktober 2014 sind Bewerbungen möglich. Erstmals seit Einführung der Bachelor-Master-Struktur für die Lehramtsstudiengänge bietet die Universität Hildesheim zum Wintersemester 2014/15 in einigen Fächern die Möglichkeit, das jeweilige Fach als weiteres Unterrichtsfach zu studieren. Das Angebot betrifft die Fächer Chemie, Kunst, Physik, Politikwissenchaft und Technik. Die Bewerbungsunterlagen können hier heruntergeladen werden. Die Bewerbungsfrist (Ausschlussfrist) endet am Freitag, 10. Oktober 2014.

Da Erweiterungsfach umfasst das Curriculum des Bachelor-Studiengangs des jeweiligen Faches, also 57 Leistungspunkte, sowie die fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Lehrveranstaltungen des Master-Studiums im Umfang von 10 Leistungspunkten. Eine studienabschließende Prüfung gibt es nicht. Über das erfolgreich abgeschlossene Studium wird ein Zertifikat ausgestellt, das in Verbindung mit dem Abschluss Master of Education gilt.

Das Erweiterungsfach kann parallel zum Lehramtsstudium, aber auch nach Abschluss des Studiums absolviert werden. Zugangsvoraussetzungen sind der Nachweis von mindestens 60 Leistungspunkten in einem Lehramtsstudium mit Schwerpunkt Lehramt an Grundschulen, Hauptschulen oder Realschulen sowie der Nachweis über ein Beratungsgespräch mit der Fachstudienberatung des Erweiterungsfaches. Für das Fach Kunst ist zusätzlich der Nachweis der besonderen künstlerischen Eignung zu erbringen. Dies kann durch Ablegung einer Eignungsprüfung im Laufe das Wintersemesters 2014/15 geschehen. Bewerberinnen und Bewerber für das Fach Kunst werden bis zum Nachweis der künstlerischen Befähigung auflösend bedingt eingeschrieben, das heißt die Einschreibung für das Fach erlischt, wenn der Nachweis nicht bis zum Semesterende im Immatrikulationsamt vorliegt.

Das Zulassungsverfahren wird, sofern mehr Bewerbungen vorhanden sind als Studienplätze, auf der Basis der Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung  durchgeführt. Auswahlordnung und Prüfungsordnung für das Erweiterungsfach finden sich im elektronischen Verkündungblatt der Universität Hildesheim (Heft 97, vom 29.09.2014)."

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Pressemeldungen Fachbereich 4 Fachbereich 1 Fachbereich 2 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-9151 Mon, 29 Sep 2014 08:00:00 +0200 Gefragt aber belächelt - Was ist der Bachelor-Abschluss tatsächlich wert? https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/gefragt-aber/ SÜDDEUTSCHE ZEITUNG behandelt in einem Schwerpunktartikel diese Fragestellung und fängt hierzu die Erfahrung und Einschätzung von sechs Studenten ein. Johann Osel und Roland Preuss gehen in einem Schwerpunktartikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG der Frage nach, was der Bachelor Abschluss tatsächlich wert ist. Für den 24-jährigen Studenten Dominik Feer von der Universität Hildesheim ist der Bachelor „Mittel zum Zweck”.  „Schon beim Studienstart war sein Ziel: Lehrer. Sein großes Projekt hat ihn bestätigt: Mit einem Kommilitonen hat er 'Funah' an einer Schule in Peine geründet – ein Angebot für Schüler, das Fußball und Nachhilfe kombiniert,” beobachtet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. „Sport hat uns immer viel gegeben im Leben. Wir wollen nicht Ballkünstler aus den Kindern machen, sondern Teamgeist und Fairness üben”, sagt er der SZ. Dominik Feer und der Student Omar Fahmy werden in dem Sportprojekt von Professorin Vera Volkmann im Rahmen der Lehrerausbildung an der Uni Hildesheim begleitet.

Süddeutsche Zeitung, „Gefragt aber belächelt”, 29.09.2014 (print) (www.sueddeutsche.de)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Pressespiegel überregional Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Bildungsintegration Sportwissenschaft Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8805 Wed, 24 Sep 2014 14:35:00 +0200 Lehramt: Masterstudium künftig vier Semester https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehramt-masterstudium-kuenftig-vier-semester/ Unterricht, Pause, Elternabend: Alle Facetten des Schulalltags erleben. Ab dem Wintersemester 2014/2015 studieren angehende Lehrerinnern und Lehrer im Masterstudium vier Semester. In Tandems gehen die Studierenden an Praktikumsschulen, parallel zur Praxisphase verfolgen sie eine Forschungsfrage. Darum geht’s: Angehende Grund-, Haupt- und Realschullehrer, die im Herbst 2014 ihr Masterstudium aufnehmen, werden insgesamt zehn Semester studieren – statt bisher acht. Die Masterzeit verdoppelt sich von einem auf künftig zwei Jahre. Als neue Studienelemente werden eine Praxisphase und ein Projektband integriert.

„Die Reform des Masterstudiums bietet die Chance, dass angehende Lehrerinnen und Lehrer noch intensiver in den Schulalltag eintauchen und frühzeitig Erfahrungen in ihrem späteren Berufsfeld sammeln. Ziel ist, wissenschaftliche Theorie und schulische Praxis stärker zu verzahnen“, sagt Dörthe Buchhester, Leiterin der Koordinierungsstelle Lehramt am Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB). Sie koordiniert die Reform an der Universität Hildesheim. „Der Schritt der Landesregierung, das Masterstudium zu verlängern, ist klug und an der Zeit. Die Universität Hildesheim wird für das Land Niedersachsen rund ein Drittel der künftigen Lehrerinnen und Lehrer ausbilden. Wir stellen uns dieser Herausforderung gern, denn die Reform ist ein sehr wichtiger Schritt in Richtung mehr Praxisnähe“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Derzeit studieren in Hildesheim etwa 2600 angehende Lehrkräfte.

Im ersten Mastersemester beginnt die Praxisphase künftig mit einem Vorbereitungsseminar. Darin werden die Studierenden auf den „Praxisblock“ – das schulische Langzeitpraktikum – vorbereitet. Dieses beginnt im Februar an einer Praktikumsschule in der Region und dauert 18 Wochen. Die Studierenden sind drei Tage pro Woche in der Schule. Dabei schließen sich Studierende zu Tandems (zwei Personen) und Tridems (drei Personen) zusammen und erleben alle Facetten des Schulalltags, erklärt Dörthe Buchhester: Unterricht, Pausenzeiten, die Vor- und Nachbereitung von Unterricht, Projekttage, Schulfeste, Elternabende, Beratungen und Konferenzen. „Aufgrund der Vorerfahrungen im Bachelorstudium – bereits im ersten Studienjahr sind unsere Studienanfänger einmal in der Woche im Klassenzimmer – sind unsere Studierenden gut gewappnet für den Schritt in dieses schulische Langzeitpraktikum. Sie überprüfen ihre Eignung für den Beruf somit zu Beginn des Studiums und nun auch in der letzten Studienphase im Übergang zum Berufsalltag“, sagt Buchhester. Die Praxisphase wird durch ein Begleitseminar an der Universität unterstützt. Jeweils ein Fachdidaktiker und ein Lehrbeauftragter begleiten die Studierenden in der Vorbereitung, während der Praxisphase und in der Nachbereitung (Lehrendentandem). Die Universität arbeitet mit insgesamt etwa 250 Partnerschulen in der Region zusammen.

Parallel zur Praxisphase verläuft das Projektband. Dabei betreuen Lehrende der Universität Hildesheim die angehenden Lehrerinnen und Lehrer im „forschenden Lernen“. Die Studierenden entwickeln Forschungsarbeiten und vertiefen Kenntnisse und Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten, können Schulpraxis, Theorie, Handeln und Reflexion aufeinander beziehen. Aus den Projektfragestellungen kann sich auch die Masterarbeit entwickeln.

Direkter Link zum Bewerbungsportal:

Studierende können sich für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (Masterstudium) oder für das Lehramt an Grundschulen (Masterstudium) online bewerben (zum Bewerbungsportal).

Kontakt bei Fragen:

Dr. Dörthe Buchhester, Koordinierungsstelle „GHR 300“ (Telefon: 05121.883-90140, E-Mail: koordla@uni-hildesheim.de)

Informationen zu GHR 300 online:

Häufige Fragen, Studienprofil, Praxisphase und Projektband

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8735 Thu, 28 Aug 2014 17:42:00 +0200 Turnen: Sich aus eigenem Antrieb komplex bewegen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/turnen-sich-aus-eigenem-antrieb-komplex-bewegen/ Springen, kriechen, drehen – wenn die Stadt zum Hindernis wird. Wer Wände hochlaufen und die „dritte Dimension“ erklimmen will, muss klein anfangen. Jüngere Sportarten wie „Parkour“, „Move Artistic“ und „Breakdance“ sind in. Wie beim klassischen Turnen sind flüssige Bewegungen und maximale Kraftleistungen in Körperpositionen gefordert, die man kaum im Alltag einnimmt. Ein Besuch bei Thomas Heinen, Professor für Sozialwissenschaften des Sports an der Universität Hildesheim. Wie Turner überhaupt etwas wahrnehmen, untersucht er im neuen Bewegungslabor. „Jüngere Sportarten wie ‚Parkour‘, ‚Freerunning’ oder ‚Move Artistic’ sind eine gewisse Art von Lebensstil. Man hat lässige Kleidung an, man nutzt die Bewegungsangebote, die sich so draußen ergeben. Da ist ein Zaun, ich springe rüber, schlage einen Salto“, sagt Thomas Heinen, Professor für Sozialwissenschaften des Sports an der Universität Hildesheim. Das erfordert körperlich viel und ist ein Stück gefährlicher, als das Turnen in einer mit Matten abgesicherten Halle. „Die Jugendlichen gehen ein Risiko ein, das ist wohl ein gewünschter Spannungsbogen. Ihre Vorbilder präsentieren ihre Bewegungen in Kurzfilmen auf youtube.“ Über das Internet wird verbreitet, was man kann. „Sie haben neue Tricks, die sie mit der Handykamera aufnehmen und der Welt präsentieren. Sie haben auch griffige Namen erfunden, ein ‚Salto rückwärts‘ ist dann ein ‚Back Flip‘, eine ‚Sprunghocke‘ wird als ‚cat pass’ ‚monkey‘ oder ‚gorilla’ bezeichnet. Das ist nichts Neues, hört sich aber cooler an“, sagt Thomas Heinen.

Parkourläufer und Freerunner erklimmen urbane Räume, ziehen ihre Bewegungslinien durch die Stadt, die so zum Hindernis wird. „Parkour“ kommt auch in Universitäten an.

Wer Fliegen will, muss Wände erklimmen: Hilfestellung im Sportunterricht wichtig

Donnerstagvormittag, in der großen Turnhalle: Wer Fliegen will, muss zunächst Wände erklimmen. Mit Hilfe. Während jeweils zwei Sportstudierende sichern, läuft die dritte Person die Wand hoch, um einen Überschlag zu machen, die Vorform für den anstehenden Salto. „In Reihen anstehen, stramme Bewegungen, strenge Turnübungen. Früher lief Turnunterricht meist so ab: Da steht ein Kasten mit einem Sprungbrett in der Turnhalle und jedes Kind springt einmal darüber. Nein, modernes Turnen ist anders“, sagt Thomas Heinen. „Ein Miteinander, gegenseitiges Helfen und Sichern gehören dazu und so können auch Personen, die kein gutes Koordinationsprofil haben, Turnübungen erlernen. 95 Prozent unserer Sportstudierenden können am Ende des Semesters einen Salto.“ Sie sollen einmal selbst Interesse an Sport und Bewegung vermitteln, wer positive Erfahrungen gesammelt hat, im Miteinander, werde Sportunterricht in Grund- und weiterführenden Schulen einmal anders gestalten.

Turnen und Bewegungskünste gehören zu den Studieninhalten der angehenden Lehrer und Sportwissenschaftler der Hildesheimer Universität. Eigentlich gibt es gepflasterte Wege, um vom Hörsaal zum Sportgebäude zu gelangen. Aber verlockend sind sie: die Treppen, stabilen Zäune, Fassaden, verschachtelten Gebäude, meterlangen Bänke und Geländer. So wird auch der Campus zum Hindernis, das die Studierenden in möglichst flüssigen Bewegungen überbrücken. „Wir vermitteln im Studium klassisches Gerätturnen, unter dem Part Bewegungskunst fallen dann auch ‚Parkour‘ und ‚move artistic‘, also alles was man mit seinem Körper so artistisch darstellen kann. Das ist auf nichts beschränkt, je kreativer, desto besser. Wir überlegen im Seminar: Wie kann man einen Stuhl oder Zäune nutzen, um einen Handstand oder einen Überschlag zu machen?“, sagt Thomas Heinen. Das probiert er mit seinen Sportstudierenden aus. „Wir erproben dies immer im gesicherten Umfeld, mit Bewegungsführung und Hilfestellung, und fragen, wie man diese Sportarten in den schulischen Unterricht einbauen kann, so dass es sicher ist und jeder teilhaben kann – der Draufgänger wie auch Schüler, die eher ängstlich sind.“

Flüssige Bewegungen: Turnen soll leicht aussehen, fordert aber enorm viel vom Körper

Wie kommt es, dass Sportarten wie „Parkour“ unter Jugendlichen beliebter sind als klassisches Gerätturnen – wo die körperlichen Anforderungen doch ähnlich sind? „Turnen ist gebunden an eine Norm. Der Strecksprung hat in einer bestimmten Art und Weise auszusehen, gestreckte Füße, angelegte Arme. Das alles spielt bei den neueren Bewegungsformen keine Rolle, man kann Beine abknicken und individueller und spektakulärer halten“, sagt Professor Heinen. Das Regelbuch allein im Kunstturnen zählt über 200 Seiten, von der Kleiderordnung über Körperbewegungen und Verhalten am Gerät bis zum Abmelden bei Kampfrichtern. Regeln gibt es für jedes Übungsteil: Ein Handstand ist nur dann ein Handstand, wenn der Körper exakt gestreckt ist und die Abweichung zur Vertikalen maximal plus/minus 10 Grad beträgt.

Beim Gerätturnen erklimmen Sportler den Raum, die dritte Dimension, und fliegen durch die Luft. Was charakteristisch am turnerischen Bewegen ist – Thomas Heinen beschreibt das so: „Die Flüssigkeit der Bewegungen. Es soll sehr leicht aussehen, der Turner wirkt nicht so, als würde er sich sehr anstrengen müssen. Doch dahinter steckt eine enorme Leistung des Sportlers. Das Turnen stellt mit die höchsten Anforderungen an den Menschen: maximale Kraftleistungen in komischen Körperpositionen, die man im Alltag so nicht hat. So wird zum Beispiel der Kreuzhang nur durch drei, vier Muskeln getragen. Der ganze Körper ist beim Turnen in Bewegung, das erfordert Koordination. Man ist nah an der Wahrnehmungsgrenze des Menschen, sich aus eigenem Antrieb in der Komplexität – dreifacher Salto mit einer dreifachen Schraube – schneller zu bewegen, geht kaum.“

Mobiles Labor entsteht: Was passiert im Körper von Sportlern?

Professor Thomas Heinen untersucht im neuen Bewegungslabor der Universität Hildesheim, was im Körper passiert, um solche Leistungen erbringen zu können. Im Bewegungslabor können die Forscher alle Bewegungen des Menschen, sowohl in der räumlichen-zeitlichen wie in der Kraftdimension vermessen. „Es ist sehr aufschlussreich, die menschliche Leistung zu erfassen und mit dem Tierreich oder Maschinen zu vergleichen. Die Sprunghöhe eines Menschen auf einer gefederten Akrobatikbahn bei einem Salto nach einem 10 Meter langen Anlauf ist bis zu 3 Meter hoch – etwa das, was ein 20 cm großes Galago-Äffchen aus dem Stand schafft.“

Die Forscher können anhand der Bewegungsanalyse Vorhersagen treffen, welche weiteren Bewegungen bei einem Sportler möglich sind – wäre etwa ein vierfacher Salto denkbar? Sie setzen „Highspeed-Kameras” ein, die besonders gut schnelle Bewegungen des Menschen aufzeichnen können. Dabei werden Marker an den Sportlern angebracht. Der LED-Ring um die Kamera bescheint dabei die Marker mit einem Infraroten Licht, welches für das menschliche Auge nicht sichtbar ist, die Kamera aber gut aufzeichnen kann, erklärt Heinen. Die Aufzeichnungsrate beträgt bis zu 200 Bilder pro Sekunde. Zum Vergleich: Eine handelsübliche digitale Videokamera nimmt etwa 25 bis 50 Bilder pro Sekunde auf.

Die Wissenschaftler untersuchen auch, welche Wirkung das beliebte Kinesiotaping erzielt. Denn ob die bunten Streifen, die sich Sportler auf den Körper kleben, etwas verändern ist unklar. Die Forschergruppe am Institut für Sportwissenschaft untersucht außerdem Wahrnehmungsprozesse: Wie nehmen Sportler bei solch komplexen Bewegungen überhaupt noch etwas wahr? Dafür messen sie das Blickverhalten mit einem mobilen Eyetracker, können erfassen, in welchen Phasen das Auge bei einem dreifachen Salto geschlossen ist, wann es stationär auf einem bestimmten Punkt im Raum ruht und man sich darauf fixiert. „Es gibt Unterschiede abhängig von der Art der Bewegung und der Erfahrung: Anfänger schließen Augen meist, Experten haben die Augen offen, um sich an der Decke zu orientieren und die Landung vorzubereiten. Sie nutzen die Informationen. Wir untersuchen, wo hier Grenzen liegen, beim dreifachen Salto ist die Geschwindigkeit so hoch, auch Experten schließen die Augen“, sagt Thomas Heinen, der im Bewegungslabor Experten und Novizen vergleicht. Das Labor liegt direkt neben der Turnhalle, eine Tür kann geöffnet werden, so dass auch Anläufe und Geräte mit eingebaut werden können. „Unser Labor ist mobil, wir können das gesamte Equipment in Sporthallen und ins Freie bringen.“

Die Sportwissenschaftler untersuchen derzeit auch die zwischenmenschliche Koordination und fragen, wie man in Synchronsportarten zu einer Synchronizität kommt. In den Studien arbeiten sie mit dem Olympiastützpunkt in Hannover, mit den Wasserball- und Handball-Nationalmannschaften und Turnern aus Niedersachsen zusammen. „Die Sportler freuen sich über Rückmeldungen und sind sehr interessiert, gerade kleinere Vereine haben meist nicht solche komplexen Geräte, um kinematische Analysen durchführen“, sagt Heinen. Der Ablauf ist üblicherweise so: Bewegungen werden aus mehreren Perspektiven mit drei, vier Kameras aufgezeichnet. Dabei verfolgen die Sportwissenschaftler innerhalb der Kamerabilder mehrere Körperpunkte und gestalten ein 3D-Modell des Menschen. Solche Analysen können verwendet werden, um Vorhersagen zu treffen: Was wäre etwa nötig, damit aus dem Salto ein Doppelsalto wird? Thomas Heinen bindet seine Sportstudierenden in die Forschung ein. Sie führen in Seminaren Untersuchungen selber durch und erlernen die Methoden, setzen Pilotstudien in Abschlussarbeiten fort. So haben die Studierenden etwa untersucht, welche Wirkung Geschmack auf die Leistung hat, sie haben Drehpräferenzen bei Turnern, Synchron-trampolinspringer und die Techniken beim „Schubkarrenrennen“ untersucht. Es sind jene Studierende, die einmal als Lehrer Sportunterricht gestalten.

Die Bewegungsformen im Gerätturnen sind sehr vielfältig und gut geeignet, um einen Grundstein zu legen für Koordination, Kraft, Beweglichkeit. Das hat man in anderen Sportarten weitaus weniger, etwa was die Rotation oder das „Über-Kopf-Gefühl“ angeht. In Gerätelandschaften und neueren Sportarten wie Parkour können solche Grundsteine in der Kindheit und Jugend gelegt werden. Auch bei manchen Profisportlern, etwa Volleyballern, gehört Turntraining zum Trainingsprogramm. Turnen und Bewegungskünste sind zwar im Kerncurriculum für die Grundschulen ausgewiesen, ob dies im Schulalltag allerdings auch konsequent umgesetzt wird, hängt wohl immer noch stark von der Lehrperson selber ab.

Zur Person

Thomas Heinen ist seit Herbst 2013 Professor für Sozialwissenschaften des Sports an der Universität Hildesheim, zuvor hat er seit 2011 eine Professur für Sportpädagogik verwaltet. Zuvor hat er sieben Jahre an der Deutschen Sporthochschule in Köln am Psychologischen Institut gearbeitet, zunächst als Hilfskraft, später als Promovend. In Hildesheim schätzt Thomas Heinen „die Gestaltungsmöglichkeiten an der Universität“. Gerade erschien im Arete Verlag die Publikation „High Performance Gymnastics“. Das Buch ist in Kooperation zwischen der Stiftung Universität Hildesheim und den Universitäten Campinas und Sao Paulo (beide Brasilien) entstanden.

Jahrestagung der dvs-Kommission Gerätturnen

Auf der Jahreskonferenz vom 1. bis 3. September 2014 an der Universität Hildesheim befassen sich etwa 60 Fachleute aus der gesamten  Bundesrepublik, der Schweiz, Japan, Slowenien und England mit den „Dimensionen des Bewegungslernens im Turnen“ (Tagungsprogramm und Abstracts). Für das turnerische Sich-Bewegen ist die Erschließung der dritten Dimension des Raumes charakteristisch. Die Sportwissenschaftler befassen sich mit den Anforderungen an das Turnen und wie in Sportvereinen und Schulen turnerische Lernprozesse begleitet werden können. Dabei betrachten sie auch informelles Turnen, etwa neuere Bewegungsformen wie Parkour oder Freerunning. Ivan Čuk, Professor für Kinesiologie an der Universität Ljubljana und Herausgeber der Zeitschrift „Science of Gymnastics" spricht zur Eröffnung am Montag, 1. September, um 14:00 Uhr in einem Hauptvortrag über den Einfluss der Entwicklung des Wertungssystems im Turnen auf die Leistung. Monèm Jemni von der University of Greewich, England, befasst sich im zweiten Hauptvortrag (2. September, 14:00 Uhr) mit psychologischen, physiologischen und biomechanischen Zusammenhängen, um die komplexen Vorgänge beim Turnen besser zu verstehen. Die weiteren Themen sind vielfältig: So sprechen Katja Winde und Marc Nicolaus über die Auswirkungen visueller Reize auf einen Handstützüberschlag am Sprung; Maika Bepperling stellt erste Ergebnisse einer Untersuchung zu Kindheiten im Leistungsturnen vor und Juliane Veit und Damian Jeraj befassen sich mit Rückmeldungen zur Korrektur von Bewegungsfehlern.

Neben diesen Fachvorträgen finden drei Praxis-Workshops statt. Studierende, im Sport tätige Menschen und Lehrkräfte können an diesen Workshops teilnehmen: In Workshop 1 befassen sich die Teilnehmer mit dem Einsatz von neuen Medien im Bewegungslernen (2. September, 11:00 bis 12:30 Uhr) und können dabei die Nutzung von Tablet PC und Smartphone bei Bewegungslernprozessen ausprobieren. In Workshop 2 geht es um bewusste Bewegungen beim Turnen und welche Rolle Sprache beim Bewegungslernen spielt (2. September, 15:15 bis 17:15 Uhr). Die Teilnehmer reflektieren die Nutzung von Sprache im Bewegungslernen und erfahren wie scheinbar auf den ersten Blick unschaffbare Bewegungsformen im Turnen so auch für ungeübte Personen ausführbar werden. In Workshop 3 befassen sich die Teilnehmer mit Hilfestellung im Gerätturnen (3. September, 9:00 bis 10:30 Uhr). Hierbei geht es um die Diskussion, welcher Helfergriff in Abhängigkeit welcher Zielgruppe (Schule versus Verein) zum Einsatz kommt. Die Teilnahme an den Hauptvorträgen ist kostenfrei. Die Teilnahme an den Arbeitskreisen und Praxisworkshops ist kostenpflichtig. Eine Anmeldung erfolgt per E-mail an thomas.heine@uni-hildesheim.de oder vor Ort im Tagungsbüro (Sportgebäude der Stiftung Universität Hildesheim). Die Workshops finden am Hauptcampus der Universität Hildesheim statt (Marienburger Platz 22).

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Pressemeldungen Sportwissenschaft Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8778 Wed, 27 Aug 2014 09:00:00 +0200 Rot-Grün wertet Lehrerstudium auf. Angehende Pädagogen für die Grundschule studieren zwei Semester länger / Mehr Ausbildung in der Praxis https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/rot-gruen-wer/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG über die Reform der Lehrerausbildung: Mehr Praxisnähe, mehr Verzahnung von Theorie und Schulpraxis. Die Universität Hildesheim kann auf ihrem Netzwerk aus Partnerschulen aufbauen. Angehende Grund-, Haupt- und Realschullehrer studieren künftig insgesamt zehn Semester. „Wer Grundschüler unterrichten will, studiert in Niedersachsen in Zukunft genauso lang wie angehende Gymnasiallehrer. [...] An der Universität Hildesheim, an der momentan 2600 künftige Grund-, Haupt- und Realschullehrer ausgebildet werden, trifft die Reform auf offene Ohren", beobachtet Kristian Teetz in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG. „Der Schritt der Landesregierung ist klug und an der Zeit. Die Uni Hildesheim wird für das Land rund ein Drittel der künftigen Lehrer ausbilden. [...] Wir stellen uns dieser Herausforderung gern, denn die Reform ist ein sehr wichtiger Schritt hin zu mehr Praxisnähe", sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich der HAZ. Das Masterstudium umfasst ab dem Wintersemester 2014/15 vier Semester und beinhaltet als neue Studienelemente eine Praxisphase und ein Projektband.

„Rot-Grün wertet Lehrerstudium auf. Angehende Pädagogen für die Grundschule studieren zwei Semester länger / Mehr Ausbildung in der Praxis", Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 27.08.2014 (print und online)

Kontakt zur Lehramtsstudierenden und Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Präsident Pressespiegel überregional
news-8634 Tue, 22 Jul 2014 11:47:00 +0200 Fremdsprache lernen: „Inhalte und Sprache verbinden“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/fremdsprach/ Wie Grundschulkinder eine Fremdsprache erlernen, untersuchen die Professoren Kristin Kersten und Werner Greve. Ab Herbst dokumentieren sie an niedersächsischen Schulen Unterricht, erfassen die Haltung der Lehrkräfte und in den Lehrerkollegien und befragen Schüler. Dabei haben es junge motivierte Lehrkräfte, die an ihrer Schule Methoden der bilingualen Sprachvermittlung anwenden möchten, manchmal schwer. Wann beginnt man wie mit dem Erlernen einer Fremdsprache? Am effektivsten sind intensive Formen von bilingualem Lernen. Ergebnisse aus Kanada zeigen, dass sie nicht nur die Fremdsprachenkompetenz, sondern auch die Muttersprache, das Sachfachlernen und die allgemeine Kognition fördern. „Inhaltslernen und Sprachlernen werden dabei miteinander verknüpft. Man lernt Sachinhalte in einer Fremdsprache", sagt Professorin Kristin Kersten. Die Sprachwissenschaftlerin untersucht an der Universität Hildesheim, unter welchen Bedingungen der Erwerb einer zweiten Sprache erfolgt. Dabei geht sie der Frage nach, wie Fremdsprachenlernen früh und erfolgreich beginnen kann, etwa in bilingualen Kindergärten und Grundschulen (mehr dazu im Uni-Journal „Kinder sind in der Lage, mehrsprachig aufzuwachsen"). „Praxisbeispiele in Göttingen und Tübingen zeigen: Die Sprachkompetenz der Kinder am Ende dieser intensiven Grundschulprogramme ist so hoch, dass sich die Kinder oft fließend, wenn auch nicht fehlerfrei, ausdrücken können. An der Umsetzung hapert es in Deutschland", sagt Kristin Kersten. Weder werden intensive Programme des Sprachenlernens flächendeckend in Grundschulen angewandt, noch sind sie Teil der Lehrerausbildung.

Für junge motivierte Lehrkräfte, die die Methoden der bilingualen Sprachvermittlung anwenden möchten, wird es deswegen manchmal schwer. „Sie stehen vor großen persönlichen Herausforderungen. Im schulischen Umfeld sind nicht alle auf innovative Ansätze vorbereitet, und vielleicht auch nicht alle dafür offen", sagt Psychologieprofessor Werner Greve. Welche Schwierigkeiten Lehrer hier besonders belasten und welche Ressourcen dabei hilfreich sind, soll im psychologischen Teil eines neuen Forschungsprojektes untersucht werden, das im Herbst 2014 startet.

Die beiden Forscher der Uni Hildesheim untersuchen die Lage in Niedersachsen. Dabei kombinieren sie sprachwissenschaftliche, fachdidaktische und entwicklungspsychologische Ansätze. Bisher liegen wenige Forschungsergebnisse vor, wie das Erlernen einer Fremdsprache in nur einigen Stunden und wenigen Fächern im Schulalltag erfolgt. In dem neuen Forschungsprojekt erheben Kristin Kersten und Werner Greve die regionale Verbreitung von „Content and Language Integrated Learning“ (CLIL) an niedersächsischen Schulen und dokumentieren, wie Fremdsprachenlernen an der jeweiligen Schule umgesetzt wird. Sie erfassen die Haltung und Motivation bei den Lehrkräften und in den Lehrerkollegien. Dabei befragt die Forschergruppe ab Oktober 2014 Schüler und Lehrkräfte an niedersächsischen Schulen mit Fragebögen. Außerdem begleiten sie einige von ihnen drei Jahre wissenschaftlich. Parallel zur Studie werden die Lehrkräfte fortgebildet.

Das Land Niedersachsen fördert das Forschungsprojekt „Die Implementierung von CLIL (Content and Language Integrated Learning) in Niedersachsen: Entwicklungsperspektiven" mit 200.000 Euro. In dem Landesprogramm „Pro Niedersachsen“ werden drei Hildesheimer Forschergruppen gefördert, sie haben sich gegen insgesamt 64 eingegangene Bewerbungen erfolgreich durchgesetzt. Damit unterstreiche das Land „die Bedeutung der Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften für die kulturelle und soziale Entwicklung unserer Gesellschaft“, so Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić.

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Pressemeldungen Psychologie Fachbereich 3 Englische Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-8624 Wed, 09 Jul 2014 14:15:00 +0200 "Helfer werden erst gerufen, wenn´s schon brennt" https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/helfer-werd/ Uni-Professorin Melanie Fabla-Lamla im HAZ-Interview über Vertrauen und Teamarbeit in Schulen Pressespiegel regional Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Inklusion Lehrerbildung Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Sozial- und Organisationspädagogik news-8413 Wed, 11 Jun 2014 10:50:00 +0200 Teilhabe durch Sport: „Der Lehrer und Trainer muss kompetent sein" https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/teilhabe-durch-sport-der-lehrer-und-trainer-muss-kompetent-sein/ Lara Bartel studiert seit einem Jahr Sport und Englisch und möchte später in der Grundschule arbeiten. Im Sport könne man Kinder oder Erwachsene mit Behinderungen zu einem Teil des Teams machen. Dazu müsse man aber als Lehrer und Trainer wissen, wie man Menschen einbezieht, sagt sie. Isa Lange sprach mit der Sportstudentin der Universität Hildesheim über Teilhabe und wie man im Studium lernt, mit Vielfalt umzugehen. Lara, du führst in dieser Woche mit Sportstudierenden ein Sportereignis durch. Läuft das ab wie immer?

Wir organisieren einen Sport-Spiel-Tag für geistig behinderte Menschen. Leider hatte ich noch nicht all zu viele Erfahrungen, Sportevents zu organisieren und deshalb freue ich mich umso mehr auf diesen Tag. Gemeinsam mit sechs weiteren Kommilitonen erwarten wir einen bunten Mix von etwa 30 Teilnehmern im Alter von 10 bis 50 Jahren. In der Uni-Turnhalle erleben sie einen schönen, sportlichen Tag. Die Teilnehmer sind Bewohner des Röderhofs und des Haus Gertrudenbergs und sind beim Minerva-Lauf erfolgreich mitgelaufen. Wir haben die Bewohner zunächst besucht und dann unterschiedliche Stationen für die Teilnehmer aufgebaut, die sie noch näher an den Sport bringen und vom Alltag etwas ablenken sollen.

Worauf müsst ihr besonders achten, wie geht man mit den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der Kinder und Jugendlichen und Älteren um?

Es klingt relativ simpel und war doch zugleich schwierig. Die Kinder und auch die Erwachsenen sind auf dem Leistungsstand einer ersten Klasse. Wir haben also versucht, möglichst einfache, wenig reglementierte, aber trotzdem „spaßbringende“ Spiele und Stationen für sie zu gestalten. Dabei achten wir darauf, dass fast jede Station eine gute Polsterung hat, wie Weichbodenmatten, da sie vor Verletzungen schützen. Hilfestellungen werden mehr gebraucht, auch die Betreuer der Teilnehmer stehen uns zur Unterstützung bereit. Unserem Sporttag haben wir das Thema „Dschungel“ zugeordet. Somit können die Teilnehmer zum Beispiel auf dem Trampolin hüpfen wie Kängurus, Klettern wie Affen oder sich mit Lianen über den Fluss der Krokodile schwingen.

Warum ist das Thema relevant für euch in der Ausbildung im Fach Sport im Lehramtsstudium? Was kann Sport denn leisten mit Blick auf mehr Teilhabe? Sport kann doch auch ausgrenzend wirken, oder?

Sich mit behinderten Menschen zu beschäftigen und sich vor allem mit ihnen auseinanderzusetzen ist definitiv relevant für uns Studenten – nicht nur im Fach Sport. Aber vielleicht kann man gerade im Sport den Kontakt zu geistig oder körperlich behinderten Menschen einfacher aufbauen, etwa durch Vertrauensspiele. Seitdem die inklusiven Schulen in Deutschland eingeführt werden, kommen wir gar nicht drum rum, uns mit Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Und das soll nicht negativ klingen, sondern ich finde es gut, dass beide Seiten einen Schritt aufeinander zu gehen. Im Sport können nämlich genauso gut zum Beispiel Menschen im Rollstuhl glänzen, wie der Rollstuhlbasketball zeigt. Aber auch bei anderen Spielen kann man Kinder oder Erwachsene mit einbeziehen und zu einem Teil des Teams machen. Der Lehrer und Trainer muss nur kompetent genug sein, um ihn nicht auszugrenzen oder denjenigen einfach auf die Bank zu setzen, da es vielleicht so einfacher erscheint. Daher bin ich froh, auch im Studium einen Einblick in die Thematik zu bekommen, so dass ich später im Beruf nicht ins „kalte Wasser geschmissen werde“.

Wo geht es beruflich für dich hin?

Ich möchte später in der Grundschule als Lehrerin arbeiten. Gerade dort werde ich mit dem Thema Inklusion in Berührung treten, da in den Klassen Kinder mit Behinderungen keine Ausnahme sind. Die Praxiserfahrungen im Studium ermöglichen mir Einblicke, wie ich Aufgaben und Unterricht gestalten kann, damit alle Kinder Spaß am Sport haben.

Du besuchst das Seminar „Sport in inklusiven Lerngruppen" von Sportprofessorin Vera Volkmann. Die Gestaltung des Sporttags für den Röderhof, die Vor- und Nachbereitung findet im Rahmen des Seminars statt, ihr erbringt damit einen Teil eurer Studienleistung. Mit welchen Fragen befasst ihr euch zum Beispiel im Seminar?

Wir fragen uns zum Beispiel, wie man behinderte Menschen im Sportunterricht mit einschließen kann, sodass sie sich nicht als Außenseiter sehen. Wie können wir den Unterricht für alle interessant und anspruchsvoll gestalten, ohne dass jemand ausgegrenzt wird?  Dabei haben wir versucht, uns in die Lage der Betroffenen hinein zu versetzen, „normale" Spiele zu spielen und wir haben Sportspiele so geändert, dass alle beteiligt wurden, ohne, dass jemand ausgegrenzt wird. Denn das verstehe ich unter Inklusion. Neben den Chancen des gemeinsamen Sportunterrichts diskutieren wir durchaus auch die damit verbundenen Grenzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sportwissenschaft Inklusion Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8164 Mon, 05 May 2014 12:55:00 +0200 Zusammen statt allein: Wie „Professionelle“ in Schulen zunehmend zusammenarbeiten https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/zusammen-statt-allein-wie-professionelle-in-schulen-zunehmend-zusammenarbeiten/ Ob in Ganztagsschulen, bei der Gestaltung von Übergängen – von der Kita in die Grundschule, von der Schule in die Ausbildung – oder auf dem Weg zu inklusiven Schulen: Lehrerinnen und Lehrer arbeiten zunehmend mit anderen „Professionen“ in der Schule zusammen. Wie die Zusammenarbeit gelingen kann und wo Herausforderungen liegen, damit befasst sich Melanie Fabel-Lamla. Die Professorin für Schulpädagogik stellt sich am Mittwoch, 7. Mai 2014, in ihrer öffentlichen Antrittsvorlesung an der Universität Hildesheim vor. In ihrem Vortrag „Interprofessionelle Kooperation im Kontext schulischer Inklusion: Herausforderungen und Potentiale“ geht die Erziehungswissenschaftlerin auf die Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrer mit anderen Professionellen in der Schule ein, also etwa Erzieherinnen und Erzieher, Fachkräfte aus den Bereichen Sozialpädagogik und Sonderpädagogik. „In den letzten Jahren kann man eine Zunahme an interprofessionellen Kooperationen in Schulen beobachten, zum Beispiel im Rahmen von Ganztagsschulangeboten, bei der Gestaltung von Übergängen im Bildungssystem, bei der Öffnung von Schule und der Vernetzung mit außerschulischen Einrichtungen und nicht zuletzt auch bei der Gestaltung inklusiver Schulen“, sagt Prof. Dr. Melanie Fabel-Lamla, die sich in Forschung und Lehre mit Professionalisierung und Kooperationen in der Schule befasst.

Diese zunehmende Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen wird für Lehrkräfte zu einer neuen Herausforderung. „Viele Lehrkräfte sind darauf bisher kaum vorbereitet. Auch in der Lehrerbildung werden Kenntnisse und Fähigkeiten zu Teamarbeit und zur Gestaltung interprofessioneller Zusammenarbeit an Schulen bisher kaum systematisch vermittelt“, sagt Melanie Fabel-Lamla, die in diesem Themenfeld weiter forschen und Konsequenzen für die Lehrerbildung aufzeigen möchte. Derzeit liegen vor allem Forschungsergebnisse vor, die auf die Schwierigkeiten und Entwicklungsbedarfe verweisen. Im Vortrag erläutert die Professorin an einem Fallbeispiel die Zusammenarbeit zwischen einer Grundschullehrerin und einer Sonderpädagogin exemplarisch – und zeigt die Potentiale dieser Kooperationsbeziehung auf. So bieten sich etwa der Grundschullehrerin eine Reihe von Lerngelegenheiten in der Zusammenarbeit und sie kann ihr pädagogisches Handlungsrepertoire erweitern.

Die Forschungsschwerpunkte spiegeln sich auch in ihren Lehrveranstaltungen wider. Lehramtsstudierende befassen sich etwa mit der Frage, über welche Kompetenzen Lehrkräfte verfügen sollten, wie Professionalisierungs- und Lernprozesse im Lehrerberuf verlaufen, wie Lehrkräfte sich auf das Unterrichten in inklusiven Schulen, auf Teamarbeit und Kooperation vorbereiten und welcher Zusammenhang zwischen professionellem Lehrerhandeln, Unterrichtsqualität und Schülerleistung besteht. Die Studierenden gehen in den Seminaren der Frage nach, wie Lehrkräfte mit anderen pädagogischen Berufsgruppen zusammenarbeiten, ob Schulpsychologen, Sonderpädagogen oder Sozialarbeitern, vor welchen Konflikten sie stehen und wie Arbeitsprozesse ablaufen können – schließlich werden sie selber einmal vor dieser Aufgabe stehen. In einem Seminar haben die Lehramtsstudierenden in Forscherteams zu zweit oder zu dritt Interviews mit Akteuren in interprofessionellen Teams an Schulen geführt, diese ausgewertet und ihre Ergebnisse in Projektberichten verschriftlicht. Überraschend für die Studierenden war, dass Lehrkräfte bereits vielfach mit anderen Berufsgruppen an Schulen zusammenarbeiten und sich hierbei höchst unterschiedliche Kooperationsformen zeigen.

Am Institut für Erziehungswissenschaft hat Melanie Fabel-Lamla seit Herbst 2012 die Professur für Schulpädagogik inne. Sie erforscht Biographien von Lehrerinnen und Lehrern, untersucht die Bedeutung von Vertrauen in pädagogischen Beziehungen und Kooperationen und befasst sich in Forschung und Lehre mit Fragen der Schulentwicklung und der Zusammenarbeit von Lehrkräften mit anderen Professionen.

Nach ihrem Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik und Geschichte an der Universität Marburg absolvierte sie das Referendariat in Berlin. Von 1998 bis 2004 war sie Doktorandin und Post-Doktorandin im Promotionskolleg „Biographische Risiken und neue professionelle Herausforderungen" an den Universitäten Halle-Wittenberg und Magdeburg. 2002 promovierte sie mit dem Prädikat „summa cum laude" zum Thema „Ostdeutsche LehrerInnen im doppelten Modernisierungs-prozess. Berufsbiographische Pfadverläufe und Professionalisierungspotentiale" . An der Universität Kassel spezialisierte sie sich im Bereich Sekundarstufe I und beschäftigte sich unter anderem mit Risikogruppen und Risikofaktoren. Dort übernahm sie 2011 die Professur für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Schul- und Unterrichtsentwicklung. Anschließend wurde sie als Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Pädagogische Professionalität und Professionsforschung an die Universität Duisburg-Essen berufen.

An der Universität Hildesheim baut die Erziehungswissenschaftlerin derzeit gemeinsam mit einem fachbereichsübergreifenden Team das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZLB) auf [Artikel im Uni-Journal, pdf]. Das Zentrum fußt auf drei Abteilungen: die Professorinnen Melanie Fabel-Lamla, Kristin Kersten und Barbara Schmidt-Thieme bilden den Vorstand und sind für Lehre und Studium, Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs sowie für Fort- und Weiterbildung zuständig. „Im ZLB bündeln wir Fragen der Lehrerbildung und beziehen Ausbildung, Forschung und Weiterbildung stärker aufeinander“, sagt Fabel-Lamla. Mehr als fünfzehn Fächer sind in die Lehrerbildung involviert. Mit etwa 250 Partnerschulen arbeitet die Hochschule zusammen, angehende Lehrerinnen und Lehrern sammeln ab dem ersten Studienjahr schulpraktische Erfahrungen. Niedersachsen ist mitten in einer Reform der Lehrerausbildung („GHR 300“). So wird der Masterstudiengang ab dem Wintersemester 2014/15 von zwei auf vier Semester verlängert, eine Praxisphase integriert und Forschendes Lernen intensiviert. „Die drei an der Lehrerausbildung beteiligten Institutionen Uni, Studienseminare und Schulen werden enger zusammenarbeiten und daran arbeiten wird derzeit“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Melanie Fabel-Lamla.

Öffentliche Antrittsvorlesung

Der Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim lädt am Mittwoch, 7. Mai 2014, um 18:15 Uhr ein zur öffentlichen Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Melanie Fabel-Lamla. Sie spricht über „Interprofessionelle Kooperation im Kontext schulischer Inklusion: Herausforderungen und Potentiale“ (Hörsaal 2, Hauptcampus Marienburger Platz 22).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Lehrerbildung MEd (Lehramt) Polyv. 2-Fäch.BA Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8290 Sun, 04 May 2014 08:00:00 +0200 Museum zeigt Schulalltag in aller Welt https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/museum-zeigt/ DPA über Schulalltag weltweit und ein Ausstellungsprojekt von angehenden Lehrern und Erziehungswissenschaftlern der Uni Hildesheim „Dem Schulalltag in fremden Ländern ist eine Ausstellung im Schulmuseum der Universität Hildesheim gewidmet. [...] Dazu befragten Studenten insgesamt 17 Menschen unter anderem aus Holland, Südafrika, dem Iran, der Türkei, Finnland und Nicaragua zu ihren Erinnerungen an die Schulzeit", so die DEUTSCHE PRESSE-AGENTUR DPA. Die Lehramtsstudierenden zeigen nun nach der Recherche Ausschnitte aus den Interviews, Bildmaterial sowie Lernmittel aus den verschiedenen Ländern, auch Schulklassen besuchen die Ausstellung, die bis Oktober 2014 läuft.

„Museum zeigt Schulalltag aus aller Welt", DPA, 04.05.2014 (print)

Kontakt zu den Forschern und Lehramtsstudierenden über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Pressespiegel überregional Lehrerbildung Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8211 Thu, 01 May 2014 07:09:00 +0200 Ende der Kreidezeit https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/ende-der-kreidezeit/ Kreidetafel oder Technik – wie verändert sich der Lehrerberuf technisch? In Bad Salzdetfurth sieht die Lösung so aus: Das Lehrerkollegium nutzt die Technik unterschiedlich stark – einige sind neugierig, andere skeptisch. In jedem Klassenraum steht eine mit Stiften beschreibbare weiße Tafel sowie eine interaktive Tafel mit allen technischen Möglichkeiten. Lehramtsstudierende erproben die Technik, Siebtklässler helfen ihnen dabei. Die Studierenden der Uni Hildesheim sind im ersten Studienjahr jeden Freitag im Klassenzimmer und beobachten Unterricht. Nun stehen die ersten Unterrichtsstunden an. Früher gab es grüne Klapptafeln, beginnt Johannes Kozinowski und wird stutzig: „Ich rede ja, als wäre das hundert Jahre her.“ Der Lehramtsstudent der Uni Hildesheim ist gerade mal 20 Jahre jung, die Schulzeit liegt noch nicht weit zurück. Und nun sitzt er wieder im Klassenzimmer, jeden Freitag, seit sechs Monaten und erfährt den technischen Wandel hautnah. In einigen Wochen steht seine erste Unterrichtsstunde an, statt Kreide und Schwamm kommen dann elektronische Tafeln zum Einsatz. Wischen, klicken, tippen – das Klassenzimmer betritt Neuland. Und Johannes Kozinowski ebenfalls, er möchte einmal Deutsch, Wirtschaft und Sachunterricht unterrichten. „Die schulpraktischen Erfahrungen ab dem ersten Semester helfen, die Berufswahl zu überprüfen. Bisher ist es ungewohnt, keine Kreide zu verwenden. Die Technik ist nur ein Aspekt, den ich hier kennenlerne, ich kann einmal in der Woche beobachten, wie Lehrer den Unterricht organisieren, mit Jugendlichen sprechen, wie eine Unterrichtsstunde überhaupt strukturiert ist.“

Mit „hier“ meint der Lehramtsstudent die Gesamtschule in Bad Salzdetfurth. Die Schule mit etwa 30 Schulklassen und 800 Schülern, südlich von Hannover gelegen, ist mittlerweile mit der neuesten Technik ausgestattet. Seit drei Jahren sind nach zunächst drei digitalen Tafeln („Boards“) nun 60 % der Klassenräume mit dieser Technik versehen. Martin Knospe – er war lange Zeit als medienpädagogischer Berater in Niedersachsen tätig – hat für die Schule ein Medienkonzept entwickelt. Dazu gehören neben den interaktiven Tafeln auch Schulserver mit Sicherheitsschutz sowie eine Medientechnik-AG. Dabei werden Fünft- bis Neuntklässler als Technikdienst ausgebildet, die nun auch Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim in kleinen Fortbildungen die ungewohnten Tafeln nahebringen.

Ein Freitagmorgen, Ende April: ein Klick, ein Button gedrückt und die Tafel ist an. Die ein dutzend Schüler – darunter Gian und Paul – sind fit im Umgang mit den technischen Geräten und stellen an diesem Vormittag fast 40 Studierenden in Kleingruppen die Technik vor, beurteilen sie und arbeiten an Praxisübungen. Es geht um Funktionen und Grenzen des Boards, um die Einbettung von Text- und Bilddateien und um den Motivations- und Aufforderungscharakter durch gezielten Medieneinsatz.

Wenn benötigt, kann man etwa Tafelbilder speichern und mit einem Klick in der nächsten Unterrichtsstunde wieder aufrufen, erklärt der 13-Jährige Paul den Lehramtsstudentinnen Louisa Brand und Lisa Grunau. „Wir können Filme und mathematische Zeichengeräte einbauen“, so der Siebtklässler. „Manchmal sind wir fitter als unsere Lehrer“, schmunzelt Paul. Kreide vermisse man nicht, die Hände sind nicht mehr rau, das Tafelwischen fällt weg, sagt die 14-jährige Nele. Gian und Thessa finden es „gut, dass die Lehramtsstudenten auch noch lernen und am Anfang der Ausbildung stehen“. Sie seien noch nicht so professionell, können eben nicht alles perfekt und das mache sie sympathisch, meint Thessa. „Heute bringen wir ihnen etwas bei“, sagt Gian stolz und wechselt zum Tisch von Robert Rathke und Kevin Schröder, der heute seine erste Unterrichtsstunde hielt, es ging um Kausalketten und das Erfassen von Folgen. Auch die Technik kam zum Einsatz, wenngleich er zu Beginn Zeit verloren habe. „Ich muss mich als Lehrer darauf verlassen können und die Technik gut kennen. Die Boards bieten extrem viele Möglichkeiten – aber man muss wissen, welcher Einsatz sinnvoll ist“, sagt der Geschichtsstudent.

Wie verändert sich der Lehrerberuf technisch? Verdrängen Bildschirme die klassische grüne Tafel? In Bad Salzdetfurth sieht die Lösung so aus: Da das Lehrerkollegium die Technik unterschiedlich stark nutzt – einige mit Neugier, andere mit Skepsis – stehen in jedem Klassenraum eine weiße Tafel, die mit Stiften beschrieben werden kann, und eine interaktive Tafel mit allen technischen Raffinessen und Möglichkeiten. Die Schule ist beinahe kreidefrei, denn „Computer und Kreide verstehen sich nicht“. „Aber die Klasse ist nicht ohne Tafel – sie ist mittlerweile einfach weiß. Wir können auch bei Stromausfall flexibel reagieren“, sagt Martin Knospe.

Für die Studienanfänger der Hildesheimer Uni ist die Fortbildung an diesem Vormittag auch eine technische Vorbereitung auf die ersten eigenen Unterrichtsversuche, die von Mai bis August anstehen. Sie sollen Berührungsängste abbauen und die zahlreichen medialen Möglichkeiten kennenlernen, um passend zu den gewählten Stundenzielen angemessene Medienentscheidungen treffen zu können. In den Seminarsitzungen seit Oktober 2013 haben sich die Studierenden bereits mit Methoden- und Medienentscheidungen im Unterricht sowie „traditionellen" Medien befasst.

Klassenzimmer in der IGS Bad Salzdetfurth mit interaktiver Tafel. Studierende beobachten hier Freitags Unterricht. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Mittwochs im Hörsaal, freitags im Klassenzimmer – bundesweit besonders

Im ersten Studienjahr verbringen die insgesamt 2600 Lehramtsstudierenden der Universität Hildesheim jeden Freitag in einer Kleingruppe im Klassenzimmer. Sie arbeiten sich schrittweise in methodische und didaktische Grundlagen ein, hospitieren und führen erste eigenständige Unterrichtsversuche durch, die begleitet werden. Das „Hildesheimer Modell" bietet den Studierenden die Möglichkeit, die eigene Berufswahl zu überprüfen. Etwa 500 Erstsemester starten so jeden Oktober in ihr erstes Studienjahr – und erhalten früh echte Einblicke in die Schulrealität. Seit etwa 30 Jahren setzt die Universität auf die enge Zusammenarbeit mit derzeit etwa 250 Partnerschulen aus Hannover und der Region Hildesheim in allen Praxisphasen, das ist bundesweit besonders.

Die IGS Bad Salzdetfurth ist eine dieser Partnerschulen. „Hin und wieder kommt es vor, dass die Studienanfänger merken: Der Lehrerberuf ist nichts für mich, das kann ich nicht. Dass die Universität Hildesheim ihre Lehramtsstudenten so früh in die Schulpraxis einbindet, ist ein richtiger Schritt. Denn wenn man fertig ausgebildeter Lehrer ist, und dann erst vor einem Schüler steht – ist das zu spät", sagt die stellvertretende Schulleiterin Corinna Ostmann. Auch sie öffnet ihr Klassenzimmer für die Lehrerausbildung. Derzeit besuchen fünf Kleingruppen, insgesamt fast 40 Lehramtsstudierende aus dem zweiten Fachsemester, die Schule ein Jahr lang an jedem Freitag von 7:30 Uhr bis 11:00 Uhr. Dr. Anne-Elisabeth Roßa und Elisabeth Rasche begleiten die Studentinnen und Studenten in den „Schulpraktischen Studien" seitens der Uni, die Unterrichtsbeobachtungen werden im Seminar vor- und nachbereitet und gemeinsam mit dem jeweiligen Lehrer besprochen. Dabei geht es etwa um die Lehrerrolle und den Lehrerberuf, um Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler, um Sprache im Unterricht, um methodische Entscheidungen und Medieneinsatz. Darauf aufbauend stehen nun die Planung, Durchführung und Analyse der ersten eigenen Unterrichtsversuche im Vordergrund, die gemeinsam vor- und nachbereitet werden.

Die Gesamtschule kooperiert mit der Universität auch in den Bereichen Musik und Wirtschaft. „Für die Kollegen ist die Zusammenarbeit mit der Hildesheimer Universität seit etwa fünf Jahren ein Schatz. Sie können in den eigenen Klassen hospitieren, wenn Studierende unterrichten. Und für den eigenen Unterricht erhalten sie einmal wöchentlich Feedback von den angehenden Lehrkräften“, sagt der Schulleiter Leonhard Soppa.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Fachbereich 4 Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8189 Mon, 28 Apr 2014 09:58:00 +0200 Schulgeschichten aus aller Welt https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/schulgeschichten-aus-aller-welt/ Wie läuft Schule an anderen Orten der Welt ab? An was erinnern sich Menschen, die heute in Deutschland leben, aber ihre Schulzeit in der Türkei, Kasachstan, Afghanistan, Finnland oder Namibia verbracht haben? Eine neue Ausstellung zeigt Schulvergangenheiten, die in Interviews mit Personen aus 14 Herkunftsländern erhoben wurden. Die VGH-Stiftung verleiht dafür den Preis für Museumspädagogik. Der Fundus des Schulmuseums der Universität Hildesheim beinhaltet Schulbänke, Fibeln, Rechenmaschinen und ein digitales Archiv mit rund 60.000 Bilddokumenten seit 1450. Unter dem Titel „1001 Schulgeschichten – Schulvergangenheiten aus verschiedenen Ländern“ widmet sich das Schulmuseum der Universität Hildesheim dem Schulalltag anderer Länder. Kinder und deren Familien sollen einen Einblick in schulische Lebenswelten anderer Länder und Kulturen erhalten. Pausenspiele, Schuluniformen, Disziplin und Strafe sind nur einige der vielfältigen Themen, die in Stationen vorgestellt werden. Im Anschluss an den Rundgang können Besucher ihre Eindrücke in einem „Erzählcafé“ teilen. Mit diesem Format möchte die Universität den Dialog zwischen den Generationen fördern, unterschiedliche kulturelle Bräuche thematisieren sowie deren Akzeptanz stärken. Die neue Ausstellung kann ab Mai 2014 bis Oktober kostenfrei besucht werden.

Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim haben bei den Erziehungswissenschaftlern Dr. Sabine Kirk und Dr. Hartmut Schröder in den Seminaren „Schulvergangenheiten im Ländervergleich“ und „Lehren und Lernen im Schulmuseum“ die neue Ausstellung vorbereitet. Die Studierenden führten insgesamt 17 Interviews mit Personen, die in den Niederlanden, in Südafrika, Kasachstan, Iran, Türkei, England, Finnland, Usbekistan, Afghanistan, Peru, Sri Lanka, Namibia, Nicaragua und Deutschland zur Schule gegangen sind. Viele Interviewteilnehmer sind Mitwirkende der Hildesheimer Initiative „Brücke der Kulturen". In der Ausstellung werden die unterschiedlichen Schulvergangenheiten nun durch Interviewausschnitte, Bildmaterial und Lernmittel veranschaulicht.

„Gefragt wurde zum Beispiel nach den Erinnerungen an die Einschulung, an den Klassenraum, an den Ablauf eines Schultages, an Disziplin und Strafmaßnahmen, an Zeugnisse und die Notenvergabe“, berichtet Sabine Kirk. „Die eigenen Schulerfahrungen bieten besondere Anknüpfungspunkte, um miteinander ins Gespräch zu kommen über Schule damals und heute sowie über Schulalltag in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern.“

Schulmuseum an der Universität Hildesheim

Eintritt in eine andere Zeit – Malte Ewert auf dem Weg zu einem seiner Lieblingsstücke: Eine Fingerrechenmaschine mit rötlichen Lederstreifen, die die Form einer Hand einnehmen. „Von 1929, mit Begleitbuch, wie man die Maschine bedient. Eine Neuauflage.“ Der 75-jährige ehemalige Realschullehrer – sein letzter Standort war die Realschule Gronau, wo er Sozialkunde und Englisch unterrichtete – ist seit Gründung des Schulmuseums dabei. Er ist einer von etwa 30 Ehrenamtlichen, ohne die die regelmäßigen Öffnungszeiten und Führungen nicht möglich wären. „Viele Besucher interessieren sich für die alte Schrift, Sütterlin. Wir wecken ihre Erinnerungen an die eigene Schulzeit, ob bei alt oder jung“, sagt Ewert, der sich mit Schulchroniken befasst und wöchentlich Schulklassen, Rentnergruppen und Klassen-Ehemaligentreffen durch das Museum führt. Er wechselt in einen zweiten Raum – darin Schulbänke von Schulen aus Niedersachsen. „Sie wurden von Schreinern im jeweiligen Dorf gebaut, daher die unterschiedliche Bauart“, kommentiert er. Lehramtsstudent Max Engelking, der an diesem Tag im April mit auf Entdeckungsreise geht, sitzt Probe auf einer alten Bank. Dann entdeckt er eine Weltkugel. Der angehende Realschullehrer für Geographie schreibt seine Abschlussarbeit über Globen. Sein Lieblingsstück in der Sammlung? Engelking zeigt auf etwa 30 handgroße transparente Gläser in einem Holzkasten. „Anschauungsmaterial Chemie: Die Milch“ steht dort. „Butter, Milch, Käse – wir sehen die Bestandteile. Die Glasröhren mit Pulver im Innern hat seit Jahrzehnten niemand geöffnet.“

Entdecken – im Schulmuseum der Universität Hildesheim erhalten Kinder, Jugendliche und ihre Familien Einblicke in die schulische Lebenswelt in verschiedenen Ländern und im Wandel der Zeit. Uni, Volkshochschule und Schulen kooperieren miteinander. „In der Begegnung mit Geschichte erfährt man, welche Veränderung Schule erlebt. Die Modernität ist in unserem Museum zu greifen, jede Zeit hat ihre Schule“, sagt der emeritierte Hildesheimer Universitätsprofessor Dr. Rudolf Keck, der das Museum 2003 gründete und bis Ende 2013 leitete. Seine Nachfolge treten Dr. Hartmut Schröder und Dr. Sabine Kirk in der Museumsleitung und Hartwig Kemmerer in der Leitung des Förderkreises an. „Wir alle haben etwas gemeinsam, darüber wollen wir ins Gespräch kommen“, so Kemmerer. Etwa 100 Schulmuseen gebe es in Deutschland, in Niedersachsen zum Beispiel in Steinhorst, Zetel und Folmhusen. Im Herbst waren Leiter der Schulmuseen aus Süd- und Norddeutschland zu Gast in Hildesheim.

In Hildesheim ergriff Rudolf Keck die Chance, eine Sammlung aufzubauen und mit Theorie und Forschung zu verknüpfen, als massenhaft Dorfschulen aufgelöst wurden. So gehört zum Museum neben den Gegenständen und Textdokumenten auch ein Bildarchiv, das im Rahmen eines DFG-Projekts erforscht wurde. Etwa 60.000 Bilder sind enthalten, die früheste Abbildung stammt von 1450 und zeigt eine Klosterschule. Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler der Hildesheimer Universität haben sie in Zusammenarbeit mit der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung digital erschlossen und eine Online-Plattform aufgebaut (Datenbank online: Bildarchiv zur Bildungsgeschichte).

„Forschungsanfragen aus ganz Deutschland erreichen uns“, sagt Hartmut Schröder. Zahlreiche Doktorarbeiten und Abschlussarbeiten von Lehramtsstudierenden sind entstanden. Auch Schule im Ländervergleich und Migrationsgeschichten werden untersucht. „Auf den Bildern dargestellt sind Szenen aus dem Schulalltag, aus dem Privat- und Rechenunterricht, Titelblätter von Schulbüchern. Wir planen, Schulen aus anderen Städten den Zugang besser zu ermöglichen, etwa über eine Art ‚virtuelles Klassenzimmer‘“, sagt Schröder. Für 2015 plant das Schulmuseum die Schulgeschichte der Stadt Hildesheim gestern und heute für die Öffentlichkeit aufzubereiten.

Förderpreis Museumspädagogik der VGH-Stiftung

Das Schulmuseum der Stiftung Universität Hildesheim erhält als eine von sechs Einrichtungen den Förderpreis Museumspädagogik der VGH-Stiftung (Begründung der Jury als PDF). Er ist mit 3.500 Euro dotiert und dient zur Umsetzung des Vorhabens „1001 Schulgeschichten - Schulvergangenheiten aus verschiedenen Ländern". Der Preis wird am 28. April 2014 um 15:00 Uhr in den Räumen des Schulmuseums auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim verliehen (Domänenstraße, 31141 Hildesheim).

Interessierte Familien, Schulen, Bürgerinnen und Bürger können sich an das Schulmuseum wenden (E-Mail: ssm[at]uni-hildesheim.de). Öffnungszeiten: Dienstags sind die Räume von 09.00 bis 12.00 Uhr, Mittwochs von 15.00 bis 18.00 Uhr und am 1. Sonntag der Monate Mai bis Oktober von 15.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Schulklassen können sich für Führungen anmelden (jeweils Dienstag und Donnerstag).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Geographie Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-8089 Fri, 11 Apr 2014 08:34:00 +0200 Inklusion in Schulen: Uni begleitet Lehrkräfte über zwei Jahre https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/inklusion-in-schulen-uni-begleitet-lehrkraefte-ueber-zwei-jahre/ Auf Unsicherheit folgt Aufbruchsstimmung in manchen Lehrerzimmern: Die Universität Hildesheim setzt auf langfristige Begleitung von Schulen. Mittlerweile wurden knapp 80 Lehrkräfte in einem zweijährigen berufsbegleitenden Studiengang weitergebildet. Derzeit arbeitet die Universität an Strukturen, damit Inklusion fester Bestandteil der Lehrerausbildung wird. Seit 2009 gilt eine UN-Konvention, seit 2013 ein Rechtsanspruch in Niedersachsen: Alle Kinder sollen gemeinsam die Schule besuchen können. Die Universität unterstützt Schulen auf dem Weg zur Inklusion und bildet Lehrkräfte aller Schulformen in einem zweijährigen berufsbegleitenden Studiengang „Inklusive Pädagogik“ fort. In Niedersachsen gibt es somit einen der ersten Weiterbildungsstudiengänge für Inklusive Pädagogik: Das zieht Lehrkräfte etwa aus Bayern, Hessen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein an.

In zwei Jahren lernen sie an der Universität Hildesheim, wie sie mit der Vielfalt im Unterricht umgehen, im Team und mit Fachleuten zusammenarbeiten können. Die Lehrer setzen Studieninhalte schrittweise in den Schulalltag um und werden dabei begleitet, erklärt Erziehungswissenschaftlerin Britta Ostermann. „Die Begleitung wird sehr stark nachgefragt.“ Die meisten Studierenden finanzieren das Studium derzeit selbst, andere erhalten finanzielle Unterstützung über das Schulbudget. Darüber hinaus wurden Stiftungsgelder eingeworben, um Stipendien zu vergeben. „Die Qualität der Fortbildungen ist entscheidend für das Gelingen der Reform“, sagt Ostermann. Es gehe neben didaktischen Fragen um eine Haltungsänderung im Lehrerzimmer, die nicht in kurzfristigen Fortbildungen zu erzielen sei.

Etwa einmal im Monat, zwei Jahre lang, kommen die Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen – im Alter von 25 bis 60 Jahren – in Hildesheim zusammen. Zwischendurch stehen Beratungstermine und Unterrichtsbesuche an. Sie lernen, wie eine Schule zur inklusiven Schule wird: Von der Zusammenarbeit mit Eltern und Fachleuten bis zu Diagnostik und Umgang mit Konflikten. Unterrichtsbesuche und Lerntandems mit Lehrkräften aus der Schweiz und Italien gehören zum Studienprogramm. Manche Oberschulen bilden ein Vierer-Team fort, die Lehrer geben ihr Wissen an das Kollegium weiter und sollen als Multiplikatoren wirken. Einen anderen Weg gehen mehrere Oberschulen im Landkreis Hildesheim: Die Universität erfasst, wie sich die Bedingungen für inklusives Lernen an den Schulen verändern, und entwickelt darauf aufbauend eine passgenaue Weiterbildungsreihe über eineinhalb Jahre, etwa in Söhlde und Nordstemmen. Die gesamten Kollegien werden an der Uni in Hildesheim fortgebildet.

Auch der Bedarf nach einschlägig ausgebildetem Personal an Universitäten ist gestiegen, so existieren an vielen Hochschulen, die bisher Regelschullehrer ausbilden, keine Professuren für inklusive Pädagogik. Diese werden aber gebraucht, um die Lehramtsstudierenden auf die neuen Tätigkeiten vorzubereiten. Eine fächerübergreifende Arbeitsgruppe bestehend aus einer Professur für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Inklusion und wissenschaftlichen Mitarbeitern erarbeitet derzeit in Hildesheim, wo mit 2600 Studierenden ein Großteil der niedersächsischen Grund- Haupt- und Realschullehrer ausgebildet wird, Konzepte und Inhalte, um inklusive Pädagogik in der Lehrerausbildung zu verankern. Dabei setzt die Universität auch auf die enge Zusammenarbeit mit Partnerschulen in allen Praxisphasen. In den „Schulpraktischen Studien" beobachten die angehenden Lehrkräfte in einer studentischen Kleingruppe bereits im ersten Studienjahr jeden Freitag Unterricht und sprechen darüber mit dem Lehrer und einem Erziehungswissenschaftler. Etwa 500 Erstsemester starten so jeden Oktober in ihr erstes Studienjahr – und erhalten früh echte Einblicke in die Schulrealität.

Auch die Fächer setzen sich mit „Inklusion“ in Forschung und Lehre auseinander:  So lernen angehende Sportlehrer wie sie mit der Vielfalt im Unterricht umgehen können – bei einer Sportprofessorin, die selbst mehrere Jahre an einer Schule unterrichtet hat, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. In einer Studie erfassen die Professoren Kathrin Hauenschild und Werner Greve von der Universität Hildesheim, welche Rolle Lehrer bei der Umsetzung von Inklusion spielen. Dabei hat das Forscherteam 120 niedersächsische Grundschullehrer befragt, welche Erwartungen ihr Handeln bestimmen. Mit welchen Einstellungen Lehrer den Wandel begleiten, dürfe nicht unterschätzt werden. In einem weiteren Forschungsprojekt untersuchen Psychologen, wie Eltern von behinderten Kindern mit Belastungen umgehen und welche Schulform sie sich für ihre Kinder wünschen.

Kontakt für Schulen

Informationen zu dem Weiterbildungsstudiengang und weiteren Angeboten zu Inklusion an Schulen erhalten Schulen und Lehrkräfte bei der Abteilung „Fort- und Weiterbildung“ des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Hildesheim (Geschäftsführerin Britta Ostermann, 05121.883-92302, osterma@uni-hildesheim.de).

Informationsabend für Lehrkräfte

Am Donnerstag, 12. Juni 2014, 18:30 Uhr, informiert die Universität Hildesheim über das Studium „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“. Der Informationsabend richtet sich an Lehrkräfte aller Schulformen. Dabei werden Inhalte, Methoden und Organisationsformen erläutert. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Im Oktober 2014 startet der vierte Jahrgang, eine Bewerbung ist bis August 2014 möglich.

Lesetipp: Vorstellung des Zentrums für Lehrerbildung im aktuellen Uni-Journal (pdf)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Inklusion Lehrerbildung MA IPK
news-9177 Sun, 09 Mar 2014 15:45:00 +0100 Exoten im Lehrerzimmer. Sie werden händeringend gesucht und dann doch diskriminiert: Lehrer mit Migrationshintergrund https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/exoten-im-le/ DEUTSCHE WELLE berichtet über eine der ersten bundesweiten Studie zum Thema „Vielfalt im Lehrerzimmer”. „In einer ersten bundesweiten Studie zum Thema "Vielfalt im Lehrerzimmer" haben sich die Wissenschaftlerinnen Viola B. Georgi, Lisanne Ackermann und Nurten Karakaş bereits vor vier Jahren mit der Diskriminierung von Lehrern mit Migrationshintergrund auseinandergesetzt. Die Forscherinnen werteten dazu 200 Fragebögen aus und führten 60 biografische Interviews. Das Ergebnis: Mehr als 22 Prozent der Pädagogen erlebten Diskriminierung und Rassismus im Schullalltag” so die DEUTSCHE WELLE.

"Die Diskriminierung findet dabei auf verschiedenen Ebenen statt”, so würden die Lehrer zum Beispiel auf ihren Akzent angesprochen oder müssten Anspielungen auf ihre Religion hinnehmen, sagt die Leiterin des Hildesheimer Zentrums für Bildungsintegration, Viola B. Georgi.

DEUTSCHE WELLE, „Exoten im Lehrerzimmer. Sie werden händeringend gesucht und dann doch diskriminiert: Lehrer mit Migrationshintergrund”, 09.03.2014 (online) (www.dw.de)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

 

 

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Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-7933 Tue, 04 Mar 2014 12:04:00 +0100 Uni-Lehrerfortbildung in Niedersachsen gefragt https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/uni-lehrerfortbildung-in-niedersachsen-gefragt/ Seit zwei Jahren werden Lehrkräfte in neun Kompetenzzentren fortgebildet, landesweit angedockt an Universitäten. Eine erste Zwischenbilanz zeigt: Etwa 250 Veranstaltungen finden jährlich statt, rund 2000 Lehrkräfte kann die Uni so erreichen. Doch vor allem werden jene erreicht, die ohnehin fortbildungsaffin sind. Daher setzt die Universität verstärkt auf die direkte Abfrage der Fortbildungsbedarfe in den Schulen. Seit zwei Jahren werden Lehrkräfte in neun Kompetenzzentren fortgebildet, landesweit angedockt an Universitäten – in Hildesheim an die Abteilung Fort- und Weiterbildung des neu gegründeten Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Die Universität Hildesheim zieht nun eine erste Zwischenbilanz: Derzeit werden verstärkt Fortbildungen zu Deutsch als Zweitsprache und Inklusion nachgefragt. Dass die Uni passgenaue Weiterbildungen für die jeweilige Schule strickt, kommt an – doch vor allem bei jenen, die ohnehin fortbildungsaffin sind. Rund 300 Schulen aus der Region Peine, Hameln-Pyrmont, Holzminden und Hildesheim sowie aus dem Südkreis Hannovers nehmen die Fortbildungen wahr.

„Es gibt immer einige, die man nicht erreicht. Denn viele Fortbildungen – außer Pflichtteile wie Erste Hilfe und Auffrischen der Rettungsfähigkeit – sind freiwillig“, weiß Vicky-Nicoletta Erber. Sie koordiniert die Fortbildungen des Hildesheimer Kompetenzzentrums. „Wir wenden uns sowohl an gestandene Lehrer, die vor einem Viertel Jahrhundert in den Staatsdienst übernommen wurden, wie an Lehrkräfte in der Berufseingangsphase“, sagt Erber. Dabei reichen die Angebote von Stimmtraining über Burnout-Prophylaxe bis zur Arbeit mit den Kerncurricula. Allein in den nächsten drei Monaten stehen etwa 70 weitere Fortbildungen in Hildesheim an. Dann geht es zum Beispiel um Körpersprache im Klassenraum, Choreografien in Sport und Musik, Streitschlichtung und die Förderung von Lernprozessen in inklusiven Schulen.

Die „frisch gebackenen Lehrer“ greifen vor allem auf Angebote wie Selbstmanagement, Stimmübungen und Eltern-Gespräche zurück. Etwa 250 Veranstaltungen finden jährlich statt, rund 2000 Lehrkräfte kann die Uni so erreichen. „Fortbildungen gehören zum Schulalltag. Wir möchten mehr Lehrkräfte erreichen – auch jene, die bisher fernblieben – und wir arbeiten an mehr Kontinuität im Fortbildungsverhalten“, so Erber. Daher setzt das Zentrum verstärkt auf die direkte Abfrage der Fortbildungsbedarfe in den Schulen und auf die persönliche Weiterempfehlung durch bereits fortgebildete Kolleginnen und Kollegen. Schließlich bewirke eine Schulung alle drei Jahre wenig.

Jedes Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung ist für eine Region Niedersachsens zuständig und für die Entwicklung, Durchführung und Evaluation der Fortbildung für öffentliche Schulen verantwortlich. Mit den Zentren sollen Fortbildungsangebote des Landes und der Hochschulen enger verzahnt werden. Ziel ist es, auf Erkenntnisse aus der Forschung zu reagieren und „passgenaue fachspezifische und methodisch-didaktische Angebote“ für die Schulen zu entwickeln. So bietet die Universität Hildesheim viele Fortbildungen zum gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern an, darunter etwa einjährige Weiterbildungsreihen für Oberschulen. Und die Uni kann aus Erfahrungen aus dem Weiterbildungsstudiengang „Inklusive Pädagogik“ schöpfen – an dem seit drei Jahren Lehrkräfte aller Schulformen teilnehmen. Ab Mai werden für alle Schulen in der Bildungsregion Fortbildungsmodule angeboten, um den Weg zur inklusiven Schule zu begleiten.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt in Hildesheim ist der Umgang mit Sprache: Dabei arbeitet die Universität mit Schulen mit mehrsprachiger Schülerschaft zusammen, die im Netzwerk DaZNet aktiv sind. So werden an fünfzehn Schulen Sprachlernkoordinatoren ausgebildet, die Förder- und Forderbedarfe feststellen – und an ihren Schulen auf die Erwerbsbedingungen der deutschen Sprache als zweite Sprache aufmerksam machen. In Fortbildungen lernen sie, wie sie mit zugewanderten Eltern besser kooperieren und Sprachbildung in der Schulentwicklung verankern können.

Hildesheimer Pädagogische Tage

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und das Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung der Universität Hildesheim laden zu den „Hildesheimer Pädagogischen Tagen 2014“ ein. Dies ist eine der jährlichen Großveranstaltungen. Rund 200 Lehrkräfte befassen sich in dieser Woche  auf der zweitägigen Fortbildung mit Leistungsbeurteilung und Urteilen im pädagogischen Alltag. In Fortbildungen für Lehrkräfte, pädagogisches Personal, Leitungen von Schulen und Studierende geht es um Lernstanderhebung im Englisch- und Musikunterricht und in der Grundschule, um Beurteilen und Benoten im Kunstunterricht und Leistungsbeurteilung im Fach Deutsch.

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Pressemeldungen Ang. Erziehungswissenschaft Inklusion Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-7925 Sat, 22 Feb 2014 13:08:00 +0100 Teilhabe statt Ausgrenzung https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/teilhabe-sta/ Neues Zentrum für Bildungsintegration an der Universität gegründet Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft news-7899 Mon, 17 Feb 2014 16:29:00 +0100 Schule mit großem Änderungsbedarf https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/schule-mit-g/ Erziehungswissenschaftlerin Viola Georgi will Lernprobleme nicht auf Migration und Inklusion reduzieren Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration news-7579 Mon, 03 Feb 2014 14:30:00 +0100 Analphabetismus Leseförderung in der Grundschule. In Hildesheim arbeiten Universität, Grundschulen und das Jugendamt gemeinsam an einer Lösung https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/analphabetis/ DEUTSCHLANDFUNK über Lernförderung in Grundschulen statt Nachhilfe am Nachmittag Universität, Jugendamt und neun Grundschulen aus der Region bieten eine besondere Art der Lernförderung an: Statt diese auszulagern in den Nachmittag und an außerschulische Einrichtungen, gehört der Unterricht im Lesen und Schreiben zum Schulalltag. Zwei Jahre lang lernen die Dritt- und Viertklässler in Kleingruppen, die Grundschule Barnten setzt das Programm nun fort. 

„Hinter der Idee steckt die Uni Hildesheim. Die Wissenschaftler haben knapp 500 Kinder aus der Umgebung untersucht. Das Ergebnis: jeder dritte Drittklässler hat Probleme mit dem Lesen, Schreiben und Verstehen", notiert der DEUTSCHLANDFUNK. In einer Hörfunk-Reportage berichten die Grundschüler Levin und Inga, wie der Schulalltag abläuft.

Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie, sagt im DEUTSCHLANDFUNK: „Diese Risiko-Kinder muss das Bildungssystem mehr in den Blick nehmen. Wenn diese Kinder nicht diese Förderung bekommen in der Grundschulzeit, dann ist die Gefahr groß, dass sie später den Schritt in richtiges, flüssiges Lesen nicht schaffen." 

„Analphabetismus. Leseförderung in der Grundschule notwendig", Deutschlandfunk, Campus und Karriere, 03.02.2014 (Hörfunk-Beitrag 5 Min, Text)

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Psychologie Pressespiegel überregional Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-7709 Wed, 08 Jan 2014 16:47:00 +0100 Lehrer fortbilden, die im Beruf stehen https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/lehrer-fortbilden-die-im-beruf-stehen/ Viele Jugendliche sprechen mehrere Sprachen. An der Universität Hildesheim lernen Lehrkräfte, die Sprachenvielfalt aufzugreifen und erfahren, wie unterschiedlich Kinder Deutsch als zweite Sprache erwerben. Noch bis zum 15. Januar ist eine Bewerbung möglich: Die Universität bildet in einem Masterstudiengang Fachleute für Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache aus. „Mehrsprachigkeit gehört zum Alltag in Schulen. Lehrerinnen und Lehrer wollen sich auf die mehrsprachige Realität vorbereiten. Sie wollen lernen, wie sie die Sprachenvielfalt in der Klasse einbeziehen können und mit welchem Wortwissen sie bei ihren Schülerinnen und Schülern rechnen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. So fällt ihre erste Bilanz nach dem Start des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ zum Wintersemester 2013/14 aus.

Studieninteressierte wählen einen Schwerpunkt – entweder Deutsch als Zweitsprache. Hier werden zum Beispiel Lehrkräfte für die Sprachförderung in Schulen und Fachkräfte für den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen und für die Bildungsplanung ausgebildet. Zu den Studieninhalten gehören Seminare in den Bereichen Zweitspracherwerb, deutschsprachiger Unterricht in mehrsprachigen Gruppen, Diagnostik und Lehrwerksanalyse. Ein Auslandsaufenthalt wird empfohlen, ein Unterrichtspraktikum gehört zum Studium.

Oder Studieninteressierte wählen den Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache. Sie arbeiten nach dem Studium an Schulen und Universitäten im Ausland als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur. Auch die Kommunikationsberatung ist ein mögliches Berufsfeld, etwa in international agierenden Unternehmen mit Bezug zu deutschsprachigen Ländern oder in inländischen Unternehmen, die im Ausland aktiv sind. Ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt gehört zum Studium.

Ein Studienbeginn ist zum Sommersemester 2014 möglich. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Noch bis zum 15. Januar 2014 können sich Studieninteressierte bewerben. Dabei wenden sich die Hildesheimer Sprachwissenschaftler auch an Lehrerinnen und Lehrer, die „mitten im Beruf stehen“, so Elke Montanari. Untersuchungen zeigen, dass manche Lehrkräfte die Sprachen ihrer Schüler kaum kennen. „Ein erster Schritt ist, die Sprachenvielfalt wahrzunehmen – und dann, etwa beim Grammatiklernen, darauf einzugehen. Zum Beispiel auf die Frage, warum manche Sprachen keinen Artikel brauchen.“

Um die Sprachenförderung in die Lehrerausbildung aller Fächer – ob Politik, Mathematik, Sachunterricht oder Religion – aufzunehmen, starteten neun niedersächsische Hochschulen 2013 die Initiative „Umbrüche gestalten“. Auch die Schullandschaft ist in Bewegung. In Niedersachsen haben sich im Netzwerk „DaZnet“ über 70 Schulen mit mehrsprachigen Schülern zusammengeschlossen.

Studieninteressierte können sich mit Fragen zu Studieninhalten gerne an Prof. Dr. Elke Montanari wenden (05121.883-30108, elke.montanari[at]uni-hildesheim.de). Der Studiengang wurde von Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation, Stephan Schlickau und Beatrix Kreß, und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur, Hildegard Gornik und Elke Montari, entwickelt.

Zur Online-Bewerbung

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-7487 Sat, 28 Dec 2013 09:00:00 +0100 Männer an Grundschulen: Herr Lehrerin https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/maenner-an-gr/ FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG über männliche Grundschullehrer, wie die Universität Hildesheim mit einem Netzwerk den niedrigen Anteil (10 %) erhöhen möchte und Aufklärungsarbeit leistet 90 Prozent der Grundschullehrer in Niedersachsen sind weiblich. „Doch das Klischee von den Basteltanten ist hartnäckig. Viele wissen nicht, wie der Alltag eines Lehrers in der Primarstufe aussieht. [...] Dabei ist es nach Ansicht vieler, die ihn ausüben, ein anspruchsvoller, verantwortungsvoller und abwechslungsreicher Beruf", kommentiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG und stellt den Lehramtsabsolventen Martin Preisigke von der Universität Hildesheim vor. Der Referendar berichtet, wie der Englischunterricht in der Grundschule „ausschließlich einsprachig" auf Englisch stattfinde, das erlebe mancher nicht einmal in der Oberstufe. Sein zweites Fach, Sachunterricht, sei ein „Universalfach. An den weiterführenden Schulen werde es später unterteilt in Fächer wie Biologie, Physik und Geographie", so Preisigke in der FAZ. 

„Um Jugendlichen das Berufsbild näherzubringen und mit den Klischees aufzuräumen, leisten verschiedene Universitäten 'Aufklärungsarbeit'. Allen voran bemüht sich die Universität Hildesheim darum, mehr Männer für das Grundschullehramt zu begeistern", beobachtet die FAZ. Die Uni kooperiert mit Schulen, der Arbeitsagentur und gründet ein Netzwerk mit Ministerien, Behörden und weiteren Hochschulen.

„Männer an Grundschulen: Herr Lehrerin", Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28./29.12.2013 (print und online)

Kontakt zu den Forschern und zum Netzwerk über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Pressespiegel überregional Lehrerbildung Männer und Grundschullehramt
news-6980 Sun, 08 Sep 2013 12:10:00 +0200 Sprachlernwege von Kindern https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/sprachlernwe/ „Wir fördern den Austausch zwischen Erziehern, Lehrern und Wissenschaftlern aus der Region Hildesheim und beziehen Forschungsergebnisse auf den Alltag in Bildungseinrichtungen", sagt Prof. Dr. Irene Pieper. Weiterbildungen der Universität, die eine Brücke in die Praxis schlagen, kommen gut an. Allein der Fachtag „Sprachlernwege" vom Forum Bildung U10 lockte 150 Teilnehmer an und bot Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse. Der Andrang ist groß – 150 Fachkräfte aus Kitas und Schulen besuchten in dieser Woche den Fachtag „Sprachlernwege". Darunter Christine Krawinkel-Oehlschlägel von der Grundschule Hohnsen und Birgit Backwinkel von der Städtischen Kita Villa Weinhagen. „Die Wissenschaftler geben ihr Wissen an uns weiter. Statt zu trennen, wendet sich die Uni Hildesheim an Erzieher und Lehrer in einer gemeinsamen Veranstaltung", sagt die Grundschullehrerin.

Die Anfragen von Fachkräften, die Rat benötigen sind gestiegen, seitdem ein Erlass zur Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr gilt. „Wir treffen uns wöchentlich mit den Lehrern der anliegenden Grundschule und geben unser Wissen über die Kinder und die Zusammenarbeit mit Eltern an die nächste Einrichtung weiter. Dieser Austausch ist wichtig", ergänzt Backwinkel. Beide sind in der Fachberatung „Übergang Kita und Grundschule" vom Kultusministerium tätig und zuständig für Stadt und Landkreis Hildesheim. Zukünftig wollen sie Wissenschaftler einladen und „weiterhin Rat holen, es ist toll, dass die Uni vor Ort ist, die Wege sind kurz".

Rund 20 Psychologen, Erziehungs- und Sprachwissenschaftler, Fachdidaktiker aus den Bereichen Deutsch, Englisch und Kunst sowie zahlreiche Studierende wollen mit dem Fachtag eine Brücke in die Praxis schlagen. „Wir fördern den Austausch zwischen Erziehern, Lehrern und Wissenschaftlern aus der Region Hildesheim und beziehen Forschungsergebnisse auf den Alltag in Bildungseinrichtungen. Wir stellen neue Erkenntnisse vor, wie man Sprachfähigkeiten von Kindern erkennen, Sprachwissen erkunden und Sprache in Interaktion fördern kann", skizziert Prof. Dr. Irene Pieper die Grundidee der Initiative. Dabei spiele reicher Input eine Schlüsselrolle.

Wie würdest du handeln? – Über Bilder und Geschichten sprechen

Die Literaturwissenschaftlerin forscht zum Umgang mit Literatur in der Schule. Mit ihren Masterstudierenden hat sie aktuelle Bilderbücher untersucht und solche ausgesucht, die für Vorlesegespräche geeignet sind: Das richtige Medium soll sich mit dem richtigen Format treffen. Im Vorlesegespräch können Kinder in eine Geschichte hineingeholt werden und entwickeln fast beiläufig ihre sprachlichen und literarischen Fähigkeiten weiter. „Kita und Schule können Kinder unterstützen, sich in die Welt der Geschichten hineinzubegeben", so Pieper. Auch im Elternhaus finden Gespräche über Gelesenes statt. Durch Gespräche – Stellt euch mal vor, was dann passiert? Wie würdest du handeln? – kann ein intensiver Kontakt zum behandelten Thema entstehen. Zum Beispiel über Gewalt in der Schule. Der Autor Bart Moeyaert hat eine kleine Geschichte dazu geschrieben, Mona und das Biest: Drei Erstklässler werden täglich von einer Zehnjährigen auf dem Schulhof getreten und geschlagen – ohne jeden Grund. Die gepeinigten Kinder trauen sich nicht, zu den Lehrern zu rennen. Dabei bleibt die Erzählung durchgängig bei ihrer Erzählerin, einem Mädchen, das eine Lösung finden muss. „Liest eine Schulklasse eine Geschichte über das aggressive Mädchen Mona, das friedlich sein soll, und spricht darüber, ist dies eine völlig andere Form, als wenn ein Lehrer vor der Klasse steht und über Konfliktlösung referiert", sagt Irene Pieper.

Daran knüpft Prof. Dr. Bettina Uhlig an: „Bilderbücher bieten Gesprächsanlässe. Man sieht ein Bild. Alles ist unmittelbar präsent und dennoch ist nicht alles sofort sichtbar. Ein Bild wirklich zu betrachten braucht Zeit und Ausdauer." Im Bilddidaktischen Forschungsstudio auf der Domäne Marienburg entwickelt sie in Zusammenarbeit mit Hildesheimer Kindergärten und Grundschulen Formate für Bild-Gespräche. „Erzieher und Lehrer sollten Kindern die Möglichkeit geben, sich in Bilder hineinzusehen, über Bilder nachzudenken und darüber gemeinsam ins Gespräch zu kommen", sagt Uhlig.

Lehrer wollen sich weiterhin Rat holen, die Wege zur Uni sind kurz

Erzieher und Grundschullehrer tragen viel Verantwortung. „Man muss wissen, was man tut und kompetent sein im Bereich Spracherwerb, gerade weil in der Grundschule teils fachfremd unterrichtet wird und wir zunehmend mit Kindern umgehen müssen, die Deutsch als zweite Sprache lernen. Wir legen doch die Grundlagen", meint die Grundschullehrerin Ortrun Werner, bevor sie in den Seminarraum geht.

Dort warten schon Studierende. Sie tragen knallblaue Brillen und zeigen gemeinsam mit Prof. Dr. Ursula Bredel, was Kleinkinder über Laute, Wörter und Grammatik wissen. „Wir Erwachsenen schauen aus der Schrift heraus auf den Spracherwerb und nicht wie ein Kind, das von den Lauten her kommt. Wir sollten die Brille der Schrift abnehmen. Dann versteht man, warum ein Kind statt 'Maler' 'Mala' schreibt und wie man dem Kind beim Schreiben lernen helfen kann", sagt Hubertus von Hoeren. Sophie Stiller ergänzt: „Es ist eine Herausforderung, Wissen aufzubereiten, Theorie nicht runterzurattern, sondern den Bezug zur Praxis herzustellen. Die Erzieher und Grundschullehrer in unserem Workshop bringen viel Alltagserfahrung mit, an der wir anknüpfen."

Zum Auftakt des Fachtags gab Prof. Dr. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim einen Einblick in linguistische Grundlagen zur Förderung sprachlicher Kompetenzen; am Abend folgte ein Konzert von Dota Kehr. Mehrere Forschungszentren der Uni Hildesheim veranstalteten den Fachtag im Rahmen der Initiative Forum Bildung U10 gemeinsam: das Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung, das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen, das Forum Fachdidaktische Forschung sowie das Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung.

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Pressemeldungen Psychologie Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Fachbereich 1 Deutsche Sprache Englische Sprache Fachbereich 3 Forum Bildung U10 Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-6925 Mon, 19 Aug 2013 08:38:00 +0200 Ministerin: „Wegweisend in der Lehramtsausbildung" https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/ministerin-wegweisend-in-der-lehramtsausbildung/ „Die Uni Hildesheim ist zwar nicht groß, aber wegweisend in der Lehramtsausbildung. Die Kulturwissenschaften sind einmalig in Deutschland. Exzellenz lässt sich auch ohne Masse produzieren", sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur beim Rundgang über den Kulturcampus Domäne Marienburg. Persien, Südamerika, Tibet, Afrika - die Instrumente kommen aus allen Erdteilen. „Mir gefällt besonders, dass die Sammlung zugänglich ist, dass man die Instrumente anfassen kann", sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić über das Center for World Music. Beim Antrittsbesuch Mitte August an der Universität Hildesheim stellten Musikethnologen das Forschungszentrum mit seinen mehr als 6000 Instrumenten und 50.000 Tonträgern vor. „Wir digitalisieren Musikarchive weltweit mit Partnern in Ghana, Ägypten, Malawi. Aktuell erfassen wir in Zusammenarbeit mit dem Musikmuseum in Teheran seltene Aufnahmen aus einhundert Jahren iranischer Musiktradition", so Prof. Dr. Raimund Vogels. Einen Überblick über Forschungsprojekte in Afrika, Zentralasien, Südamerika und Nordeuropa gaben Dr. Julio Mendívil und Kerstin Klenke. Hildesheim sei unter Musikethnologen ein zunehmend gefragter Standort, erst im Juni kamen Nachwuchswissenschaftler in Hildesheim zusammen. Der Sammler Rolf Irle (Film-Portrait) erläuterte der Ministerin lebhaft, wie er in 50 Jahren 3000 Objekte zusammengetragen hat. „Mit Universitäten hatte ich zuvor keine guten Erfahrungen, viele wollten die Instrumente nicht zugänglich machen. Dann bin ich auf Hildesheim aufmerksam geworden, der richtige Standort für meine Sammlung, da sie hier für die Öffentlichkeit zugänglich ist", so Irle.

„Musik und Sport sind wichtige Felder für Teilhabe. Wir beziehen sie in unseren Forschungs- und Lehrschwerpunkt Bildungsintegration ein", sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Das Modellvorhaben beschäftigt sich mit Fragen von Migration, Zuwanderung und Chancengerechtigkeit zum Beispiel an Hochschulen und Schulen. Es wird mit 2,85 Millionen Euro im „Niedersächsischen Vorab" gefördert. 

„Die Uni Hildesheim ist zwar nicht groß, aber wegweisend in der Lehramtsausbildung, in der Bildungsintegration voll im Trend, und die Kulturwissenschaften sind einmalig in Deutschland. Exzellenz lässt sich auch ohne Masse produzieren", sagte die Wissenschaftsministerin beim Rundgang über den Kulturcampus. Baudezernent Thomas Hanold und Dekan Prof. Dr. Jens Roselt gaben einen Einblick in die umgebaute und sanierte Domäne Marienburg, darunter die im 14. Jahrhundert errichtete Kernburg mit dem „Hohen Haus". 1000 Studierende der Kulturwissenschaften lernen und experimentieren auf dem mittelalterlichen Burggelände, zwei Drittel kommen aus anderen Bundesländern und dem Ausland nach Hildesheim. Der Studiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis ist der älteste Studiengang seiner Art bundesweit. 

„Dämmen muss man hier ja nicht. Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur auf Antrittsbesuch", Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 15.08.2013

„Wir müssen noch viel lernen, um neue Publikumsschichten zu gewinnen", Hildesheimer Allgemeine Zeitung, Interview mit Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić, 15.08.2013

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Präsident MEd (Lehramt) Polyv. 2-Fäch.BA BA KuÄP Lehrerbildung Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-6488 Thu, 02 May 2013 08:20:00 +0200 Professoren loben Engagement der Mathe-Lehrerinnnen und Lehrer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/professoren-loben-engagement-der-mathe-lehrerinnnen-und-lehrer/ „Man vergisst manchmal, was Lehrerinnen und Lehrer alles leisten“, sagt Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme und dankt den Eltern und Lehrkräften, die Mathematik beibringen und die Kleinen motivieren. Fast 200 Grundschulkinder nahmen an der Mathe-Olympiade in Hildesheim teil. An der Uni Hildesheim werden rund 750 angehende Mathe-Lehrkräfte ausgebildet. Ob sie später eine Mathe-Vorlesung hören oder Mathematik studieren wollen? Das wissen Keno, Jan-Ole und Robin noch nicht. Erst einmal haben sich die Grundschüler vom Moritzberg auf die Mathe-Olympiade vorbereitet. Am Donnerstag saßen sie noch zusammen, um nach der Schule logische Textaufgaben zu trainieren. „Wir wollten nicht alleine, sondern in der Gruppe lernen. Das macht mehr Spaß gemeinsam“, sagt Jan-Ole und stürmt auf die Bühne des größten Hörsaals an der Universität Hildesheim. 167 Schülerinnen und Schüler aus der Region Hildesheim nahmen in diesem Jahr an der Landesrunde der „Mathe-Olympiade“ an der Universität Hildesheim teil.

„Ich habe gehört, dass ihr euch sehr gut auf diesen Tag vorbereitet habt. Es gibt niemanden, bei dem wir sagen: Das war überhaupt nichts. Alle haben sich bemüht“, sagt Prof. Dr. Martin Sauerwein, Dekan des Fachbereichs Mathematik, Naturwissenschaft, Wirtschaft und Informatik, während der Urkundenverleihung mit Bronze-, Silber- und Gold-Medaillen. Er ist beeindruckt von der Begeisterung der Dritt- und Viertklässler, die an diesem Tag in besonderer Weise den Uni-Campus beleben. Sauerwein dankt den Eltern und Lehrkräften, „die Mathematik beibringen und motivieren, so dass ihr den Weg bis in die Endrunde der Mathematik-Olympiade an Grundschulen geschafft habt“.

Katja Löffelsand unterrichtet an der Grundschule Duingen in einer vierten Klasse Mathematik. „Es ist schwierig, neben dem normalen Stoff zwischendurch Knobelaufgaben einzubauen und für Wettbewerbe zu trainieren. Aber es ist wichtig, heute erfahren die Kleinen viel Anerkennung“, sagt die Lehrerin. Sie ist begeistert, „dass die Kinder an der Uni Hildesheim Mathestudenten und Professoren kennenlernen und diese sich viel Zeit nehmen“. Und sie hofft, dass deren Interesse an mathematischen Phänomenen anhält.

„Man vergisst manchmal, was Lehrerinnen und Lehrer alles leisten. Der Mathewettbewerb war für viele mit Extra-Arbeit verbunden“, verdeutlicht Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme, die mit ihrem Mathe-Team und Lehramtsstudierenden den Wettbewerb organisiert hat. „Die Aufgaben waren nicht einfach, umso erstaunlicher ist, wie viele Kinder gut abschnitten haben. Sie mussten auch Logik- und Textaufgaben sowie erste Bruchrechnungen lösen“, unterstreichen die Mathematik-Doktoranden Heidi Schulz und Stephan Kreuzkam, die noch am gleichen Tag die Ergebnisse auswerteten. An der Universität Hildesheim studieren rund 750 angehende Lehrkräfte das Fach Mathematik. Lehrschwerpunkte liegen in den Bereichen Sprache und Medien, Fordern und Fördern und Mathematik in Geschichte und Gegenwart.

Unter den teilnehmenden Schulen waren Grundschulen aus Lühnde im Norden bis Föhrste im Süden, Elze im Westen bis Borsum im Osten. Die achtjährige Svenja Schneider von der Grundschule Itzum hat einen zweiten Platz unter den Drittklässlern ergattert. „Ich war vorher ziemlich aufgeregt, weil es ein Landeswettbewerb ist“, sagt Svenja und berichtet, wie sie Sach- und Rechenaufgaben auch im Kopf gelöst und Pyramiden gebildet hat.

Andere sind enttäuscht – das gehört zu Wettbewerben, sagt Nadja Langfeldt von der Grundschule Moritzberg. Nicht alle 30 Teilnehmer ihrer Schule konnten eine Urkunde erhalten. „Für die Viertklässler beginnt die Zeit, in der sie sich mit anderen messen, vergleichen wo sie stehen. Das müssen sie lernen, man kann nicht immer gewinnen. Lehrer müssen das auffangen“, sagt die Mathelehrerin und ist stolz auf alle die teilgenommen haben.

Organisiert wurde der Mathe-Wettbewerb vom Institut für Mathematik und Angewandte Informatik. Matheprofessorin Schmidt-Thieme rät Eltern: „Fragen Sie Ihr Kind auch mal: Was habt ihr denn heute in Mathematik gemacht? Das bringt die Schule in den Alltag, macht Schulwissen lebendig.“

Die Preisträger auf einem Blick: 3. Klasse: Janosch Hesse (Schule an der Linde Elze-Mehle); Leonie Marie Güse (Gelbe Schule Moritzberg); Niclas Kaluza (GS Itzum); Jorin Kruppa (Schule an der Linde Elze-Mehle) / 4. Klasse: Yannick Rinne (GS Itzum); Titus Kirsch (GS Itzum); Lena Salomon (GS St.-Martinus); Julia Hertwig (Gelbe Schule Moritzberg)

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Pressemeldungen Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-6229 Sun, 17 Feb 2013 14:17:00 +0100 Von Anfang an ins Klassenzimmer https://www.uni-hildesheim.de/fr/celeb/artikel/artikel/von-anfang-a/ Martin Fröhlich will Grundschullehrer werden - in Hildesheim erlebt er vom ersten Semester an die Praxis Pressespiegel regional Fachbereich 1 Männer und Grundschullehramt MEd (Lehramt) Lehramt GHR-300 Master-Studiengänge Polyv. 2-Fäch.BA Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)