Teilhabe durch Sport: „Der Lehrer und Trainer muss kompetent sein"

Wednesday, 11. June 2014 um 10:50 Uhr

Lara Bartel studiert seit einem Jahr Sport und Englisch und möchte später in der Grundschule arbeiten. Im Sport könne man Kinder oder Erwachsene mit Behinderungen zu einem Teil des Teams machen. Dazu müsse man aber als Lehrer und Trainer wissen, wie man Menschen einbezieht, sagt sie. Isa Lange sprach mit der Sportstudentin der Universität Hildesheim über Teilhabe und wie man im Studium lernt, mit Vielfalt umzugehen.

Lara, du führst in dieser Woche mit Sportstudierenden ein Sportereignis durch. Läuft das ab wie immer?

Wir organisieren einen Sport-Spiel-Tag für geistig behinderte Menschen. Leider hatte ich noch nicht all zu viele Erfahrungen, Sportevents zu organisieren und deshalb freue ich mich umso mehr auf diesen Tag. Gemeinsam mit sechs weiteren Kommilitonen erwarten wir einen bunten Mix von etwa 30 Teilnehmern im Alter von 10 bis 50 Jahren. In der Uni-Turnhalle erleben sie einen schönen, sportlichen Tag. Die Teilnehmer sind Bewohner des Röderhofs und des Haus Gertrudenbergs und sind beim Minerva-Lauf erfolgreich mitgelaufen. Wir haben die Bewohner zunächst besucht und dann unterschiedliche Stationen für die Teilnehmer aufgebaut, die sie noch näher an den Sport bringen und vom Alltag etwas ablenken sollen.

Worauf müsst ihr besonders achten, wie geht man mit den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der Kinder und Jugendlichen und Älteren um?

Es klingt relativ simpel und war doch zugleich schwierig. Die Kinder und auch die Erwachsenen sind auf dem Leistungsstand einer ersten Klasse. Wir haben also versucht, möglichst einfache, wenig reglementierte, aber trotzdem „spaßbringende“ Spiele und Stationen für sie zu gestalten. Dabei achten wir darauf, dass fast jede Station eine gute Polsterung hat, wie Weichbodenmatten, da sie vor Verletzungen schützen. Hilfestellungen werden mehr gebraucht, auch die Betreuer der Teilnehmer stehen uns zur Unterstützung bereit. Unserem Sporttag haben wir das Thema „Dschungel“ zugeordet. Somit können die Teilnehmer zum Beispiel auf dem Trampolin hüpfen wie Kängurus, Klettern wie Affen oder sich mit Lianen über den Fluss der Krokodile schwingen.

Warum ist das Thema relevant für euch in der Ausbildung im Fach Sport im Lehramtsstudium? Was kann Sport denn leisten mit Blick auf mehr Teilhabe? Sport kann doch auch ausgrenzend wirken, oder?

Sich mit behinderten Menschen zu beschäftigen und sich vor allem mit ihnen auseinanderzusetzen ist definitiv relevant für uns Studenten – nicht nur im Fach Sport. Aber vielleicht kann man gerade im Sport den Kontakt zu geistig oder körperlich behinderten Menschen einfacher aufbauen, etwa durch Vertrauensspiele. Seitdem die inklusiven Schulen in Deutschland eingeführt werden, kommen wir gar nicht drum rum, uns mit Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Und das soll nicht negativ klingen, sondern ich finde es gut, dass beide Seiten einen Schritt aufeinander zu gehen. Im Sport können nämlich genauso gut zum Beispiel Menschen im Rollstuhl glänzen, wie der Rollstuhlbasketball zeigt. Aber auch bei anderen Spielen kann man Kinder oder Erwachsene mit einbeziehen und zu einem Teil des Teams machen. Der Lehrer und Trainer muss nur kompetent genug sein, um ihn nicht auszugrenzen oder denjenigen einfach auf die Bank zu setzen, da es vielleicht so einfacher erscheint. Daher bin ich froh, auch im Studium einen Einblick in die Thematik zu bekommen, so dass ich später im Beruf nicht ins „kalte Wasser geschmissen werde“.

Wo geht es beruflich für dich hin?

Ich möchte später in der Grundschule als Lehrerin arbeiten. Gerade dort werde ich mit dem Thema Inklusion in Berührung treten, da in den Klassen Kinder mit Behinderungen keine Ausnahme sind. Die Praxiserfahrungen im Studium ermöglichen mir Einblicke, wie ich Aufgaben und Unterricht gestalten kann, damit alle Kinder Spaß am Sport haben.

Du besuchst das Seminar „Sport in inklusiven Lerngruppen" von Sportprofessorin Vera Volkmann. Die Gestaltung des Sporttags für den Röderhof, die Vor- und Nachbereitung findet im Rahmen des Seminars statt, ihr erbringt damit einen Teil eurer Studienleistung. Mit welchen Fragen befasst ihr euch zum Beispiel im Seminar?

Wir fragen uns zum Beispiel, wie man behinderte Menschen im Sportunterricht mit einschließen kann, sodass sie sich nicht als Außenseiter sehen. Wie können wir den Unterricht für alle interessant und anspruchsvoll gestalten, ohne dass jemand ausgegrenzt wird?  Dabei haben wir versucht, uns in die Lage der Betroffenen hinein zu versetzen, „normale" Spiele zu spielen und wir haben Sportspiele so geändert, dass alle beteiligt wurden, ohne, dass jemand ausgegrenzt wird. Denn das verstehe ich unter Inklusion. Neben den Chancen des gemeinsamen Sportunterrichts diskutieren wir durchaus auch die damit verbundenen Grenzen.

Vielen Dank für das Gespräch!


Wie können Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht für alle interessant und anspruchsvoll gestalten, ohne dass jemand ausgegrenzt wird? Mit diesen Fragen befassen sich Sportstudierende der Uni Hildesheim in Seminaren wie „Sport in inklusiven Lerngruppen" bei Professorin Vera Volkmann. Etwa Lara Bartel (links) und Alexander Pohl (links im Bild), der in der Studienvariante „Sport, Gesundheit, Leistung" studiert. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim