Die neue wissenschaftliche Studie Disconnection divide: When rooflessness meets (digital) dis/connection, die Vera Klocke gemeinsam mit Prof. Dr. Maren Hartmann und David Lowis in dem Journal „Media, Culture & Society“ veröffentlicht hat, beleuchtet die prekären Bedingungen digitaler Teilhabe bei obdach- und wohnungslosen Menschen in Berlin. Der Artikel basiert auf dem DFG-Projekt „Marginal Publics/Privacy in Motion: Homelessness in Times of Mobile Media“, das zwischen 2019 und 2023 an der Universität der Künste Berlin angesiedelt war.
Die Untersuchung führt das konzeptionelle Framework der „Disconnection Divide“ ein und basiert u.a. auf einer zwölfmonatigen ethnographischen Feldforschung von Klocke, in der obdach- und wohnungslose Personen intensiv im Alltag begleitet wurden, um Einblicke in die Prozesse der Medienaneignung zu gewinnen.
Die Befunde verdeutlichen die strukturellen Barrieren digitaler Inklusion: Endgeräte werden entwendet, Zugang zu Stromversorgung ist limitiert, SIM-Karten gehen verloren, und mobile Datentarife bleiben unerschwinglich.
Die Untersuchung erweist sich als besonders relevant für Klockes Forschungsschwerpunkt zum Krisenkonsum, da sie exemplarisch aufzeigt, wie prekäre und widrige Lebensbedingungen die kontinuierliche Aufrechterhaltung von Besitzverhältnissen fundamental erschweren und damit konventionelle Konsumpraktiken destabilisieren.
Komplementär zu dieser empirischen Arbeit hat Klocke die Problematik der Obdach- und Wohnungslosigkeit in jüngeren Veröffentlichungen unter dem Aspekt medialer Repräsentation beleuchtet. In der Sendung ECHTZEIT des Deutschlandfunk Kultur analysierte sie die Darstellungsweisen obdach- und wohnungsloser Personen, während sie im TIKTOK KOLLOQUIUM in der Volksbühne Berlin die sozialen Implikationen fehlenden Wohnraums sowie das Phänomen des Armenhasses diskutierte. Diese Perspektive auf mediale Repräsentation erweist sich für den Krisenkonsum-Diskurs als konstitutiv, da sie offenlegt, wie symbolische Konstruktionen von Armut und Wohnungslosigkeit gesellschaftliche Wahrnehmungen prägen und dadurch sowohl die soziale Stigmatisierung als auch die strukturellen Barrieren materieller Teilhabe perpetuieren.