Das Panel zu der Rolle von sozialen Medien im Kontext von Sichtbarkeit und Kontrolle stellte eine Frage, die in der gegenwärtigen Konsumforschung zunehmend an Bedeutung gewinnt: Inwieweit sind Social-Media-Plattformen nicht nur Orte der Kommunikation und Selbstdarstellung, sondern auch als Überwachungsinfrastrukturen organisiert – und was bedeutet das für die Handlungsspielräume ihrer Nutzer*innen?
Das Panel war Teil der begehbaren Installation „Hammerschlag“ in der der Künstler Simon Schultz die Verflechtung von queerer Identität, Aktivismus und Zeitgeschichte verflochten hat: Ein polizeiliches Überwachungssystem sammelte bis 1980 Namen für sogenannte »Rosa Listen« – bis queerer Widerstand den Überwachungsspiegel buchstäblich zerschlug. Die performative Ausstellung spürt dem Skandal der »Hamburger Spiegelaffäre« nach und spannt den Bogen zu Themen wie Aktivismus, Überwachung und Social Media.
Das Panel diskutierte, ob im Kontext der Plattformökonomie, die auf systematischen Erfassung, Auswertung und Verwertung von Verhaltensdaten setzt, selbstbestimmte Sichtbarkeit möglich ist, oder ob dieses Versprechen von Autonomie selbst Teil einer Konsumkultur ist, die Unabhängigkeit simuliert, während sie Abhängigkeit vertieft.
Für Vera Klocke und die Forschungsstelle Konsumkultur sind diese Fragen relevant, weil sie Konsum unter Bedingungen sozialer Prekarität und gesellschaftlicher Krise in den Blick nehmen und diskutieren, inwiefern Algorithmen mit darüber entscheiden, wer als zahlungsfähiges Subjekt adressiert wird und wer unsichtbar bleibt.