Was auf TikTok als Beauty-Tutorial erscheint, hat seinen Ursprung in Incel-Foren: „Looksmaxxing“ bezeichnet die Optimierung von Gesicht und Körper anhand vermeintlich wissenschaftlicher Kriterien wie Symmetriewerten und Winkelgraden. Das Spektrum der Praktiken reicht von „Bonesmashing“ bis „Softmaxxing“ und erreicht inzwischen Millionen junger Menschen. Der Algorithmus begünstigt dabei besonders eine Darstellungsform: das Vorher-Nachher-Bild, die sichtbare Transformation, den messbaren Fortschritt.
In der aktuellen Folge des Uni-Podcasts ordnet Vera Klocke das Thema konsumkritisch ein: Sie zeigt, wie aus einer randständigen Subkultur eine massentaugliche, hochprofitable Konsumpraxis wurde. Skincare-Routinen mit klinischem Anspruch, Gesichtsanalyse-Apps, Symmetrie-Rankings. Was als Selbstermächtigung verkauft wird, folgt einer Logik permanenter Unzulänglichkeit: Der Körper wird zum Projekt erklärt, das nie fertig ist, und damit zur unerschöpflichen Konsumressource.
Mit dem Phänomen beschäftigt hat sich Vera Klocke bereits zuvor gemeinsam mit Freya Herrmann und Hengameh Yaghoobifarah im Rahmen des TIKTOK KOLLOQUIUMS an der Volksbühne Berlin. In dem Live-Podcast „GLOW-UP FASCISM. Looksmaxxing und die Inszenierung des perfekten Körpers“ analysieren sie Looksmaxxing nicht nur als Ästhetik-Trend, sondern als Symptom: Die drei fragen, welche neofaschistischen Ideologien sich hinter der algorithmischen Vermessung des Gesichts verbergen, wie die Rückkehr zu pseudowissenschaftlichen Schönheitsidealen funktioniert – und woher die nostalgische Sehnsucht nach einem vermeintlich „natürlichen“, unverstellten Körper eigentlich stammt.