Die Forschungsstelle sucht Wissenschaftler:innen verschiedener Disziplinen, die gemeinsam einen DFG-Antrag für ein Wissenschaftliches Netzwerk zum Thema Krisenkonsum – Konsum und gesellschaftliche Transformation in Zeiten der Krise einreichen möchten.
Das interdisziplinäre Netzwerk bringt Perspektiven aus unterschiedlichen Feldern zusammen – von Konsumpraktiken unter prekären Bedingungen über Plattformökonomien und Sharing Economy bis hin zu Prepping und digitaler Kulturethnographie.
Bewerbungen sind bis zum 31. Juli 2026 möglich. Ein erstes gemeinsames Treffen findet am 4. Dezember 2026 als eintägiger Workshop an der Universität Hildesheim statt.
Wir freuen uns über Bewerbungen – hier die Details:
Kurzinfos
Für wen: Wissenschaftler*innen verschiedener Fachrichtungen
Bewerbungsschluss: 31.07.2026
Ein erster gemeinsamer 1-tägiger Workshop findet am 4. Dezember 2026 an der Universität Hildesheim statt.
Inhaltliche Ausrichtung
Konsum gilt als selbstverständliche Norm – bis er es nicht mehr ist. Persönliche und gesellschaftliche Krisen entziehen Menschen den Zugang zu etablierten Konsumwegen und erzwingen Praktiken des Improvisierens, Teilens und Verzichtens. Diese Praktiken sind nicht bloß Ausdruck von Mangel, sondern konstituieren eigene Konsumlogiken mit spezifischen symbolischen, identitätsbezogenen und relationalen Dimensionen. Was bedeutet es für Selbstbild und soziale Positionierung, nicht kaufen zu können? Welche Gemeinschaften entstehen um alternative Ökonomien des Teilens und der gegenseitigen Unterstützung? Unter welchen Bedingungen erweisen sie sich als stabil oder fragil?
Ziel des Wissenschaftlichen Netzwerkes
Auf der gesellschaftlichen Ebene stellen Krisenkonstellationen wie Inflation, prekäre Arbeits- und Wohnverhältnisse, ökologische Destabilisierung und die Plattformisierung des Alltags die Grundannahmen der Konsumgesellschaft strukturell infrage. Konsum erweist sich dabei als ein Feld, in dem sich soziale Ungleichheiten, kulturelle Deutungskämpfe und politische Aushandlungsprozesse materialisieren. Die Forschungsstelle Konsumkultur verfolgt das Ziel, ein von der DFG finanziertes Wissenschaftliches Netzwerk zu etablieren, das “Krisenkonsum” als Schnittstelle individueller Lebenslagen, gesellschaftlicher Transformationsprozesse sowie ästhetischer und medialer Inszenierungspraktiken interdisziplinär erschließt.
Thematische Schwerpunkte
Der Begriff „Krisenkonsum“ soll dabei bewusst nicht vorab enggeführt werden, sondern zur Diskussion stehen. Willkommen sind Arbeiten aus unterschiedlichen thematischen Feldern: zu Konsumpraktiken unter prekären Bedingungen, etwa zu Obdach- und Wohnungslosigkeit, Günstigkonsum, Second-Hand-Ökonomien und Reparaturkulturen –, zu informellen Tauschpraktiken und Gabeverhältnissen sowie zu den Konsumlogiken digitaler Plattformökonomien. Ebenso angesprochen sind Perspektiven auf öffentlichen Raum und konsumtive Teilhabe unter Bedingungen restriktiver Stadtpolitik, Konsumtransformationen im Angesicht multipler Krisen – von Nachhaltigkeitsdiskursen über Verzichtsdebatten bis hin zu Sharing Economy und kollaborativen Konsummodellen – sowie Konsumstrategien wie Vorratshaltung und Prepping als Reaktion auf wahrgenommene Krisenszenarien. Ausdrücklich eingeladen sind darüber hinaus methodologische Beiträge zur Konsumforschung, darunter Ansätze der digitalen Kulturethnographie – etwa TikTok-Ethnographie als Zugang zu alltagsweltlichen Krisenpraktiken – sowie partizipative Forschungsdesigns im Feld.
Bewerbung
Bewerben können sich Einzelpersonen und Gruppen. Erbeten wird ein kurzes Motivationsschreiben von maximal einer Seite, in dem das eigene Forschungsinteresse oder die eigene Praxis in Bezug auf Krisenkonsum skizziert wird, sowie ein Lebenslauf oder Portfolio. Auf Basis der Bewerbungen werden Teilnehmende eingeladen, um gemeinsam – aus je eigener disziplinärer oder praktischer Perspektive – einen DFG-Antrag zu entwickeln. Den Auftakt bildet ein erster gemeinsamer Workshop am 4. Dezember 2026. Bewerbungen bitte bis zum 31.07.2026 per E-Mail an die Forschungsstelle Konsumkultur der Universität Hildesheim (klocke@uni-hildesheim.de).