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Konsum im Ausnahmezustand: „Doppelhaushälfte“ erzählt Krise als Zukunftsdiagnose

Die fünfte Staffel der Comedyserie „Doppelhaushälfte“ (ZDFneo/ Netflix) ist gestartet – mit der Folge „Zurück in die Gegenwart“ (Staffel 5, Episode 4), die gemeinsam von Freya Herrmann und Vera Klocke geschrieben wurde. Darin dringt eine gealterte Zukunfts-Zoe (Kim Riedle) in die Gegenwart der Familie Sawadi-Kröger ein und berichtet aus einer Gesellschaft nach der Machtübernahme durch die extreme Rechte.
Aus Sicht der Krisenkonsumforschung liegt die Relevanz der Episode weniger in dem, was sie explizit verhandelt, als in dem, was sie unwillkürlich mitverhandelt: Autoritäre Zukunftsentwürfe sind stets auch Entwürfe veränderter Konsumordnungen. Dazu zählen Verknappung, Rationierung, informelle Tauschökonomien, die Politisierung des Alltäglichen. Wo demokratische Institutionen erodieren, verschiebt sich die Frage, wer unter welchen Bedingungen versorgt wird und wer nicht.
Die fiktionale Zuspitzung liefert Anschauungsmaterial für Fragen, die Klocke bereits in ihrer TikTok-Ethnografie verfolgt: wie neofaschistische Ästhetiken und Erzählungen von Krisenkonsum über Vorratshaltung, Selbstversorgung, bis hin zu Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen inszeniert und normalisiert werden.
Wo die Ethnografie beschreibt, wie sich solche Inszenierungen verbreiten, versuchen Klocke und Herrmann ihre mögliche gesellschaftliche Konsequenz auf künstlerische Weise in der Folge erzählbar zu machen. Für die Forschungsstelle stellt sich daran die grundsätzliche Frage nach künstlerischer Forschung und einem Theorie-Praxis-Transfer in der Konsumforschung, insbesondere an der Schnittstelle zur Imagination dystopischer Zukünfte.
Die Folge ist in der ZDFmediathek abrufbar.