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Inhaltliche Neuausrichtung der Forschungsstelle: Konsumkulturen in der Krise

Vera Klocke wird im Rahmen ihrer Forschung an der Forschungsstelle Konsumkultur den Fokus auf Konsumpraktiken in Zeiten multipler Krisen legen.

Ihr neues, kulturethnographisch angelegtes Projekt untersucht, wie Menschen konsumieren, die in sozialer, finanzieller und existenzieller Unsicherheit leben. Ziel ist es, bestehende kulturtheoretische Ansätze zum Konsum, die häufig aus einer finanziell privilegierten Perspektive heraus entwickelt wurden, um Erfahrungen des Prekariats und der Krise zu erweitern und zu hinterfragen.

Bei der Forschung handelt es sich um eine vertiefte Perspektive zu Klockes Forschung im Bereich der Wohnungs- und Obdachlosigkeit, die sie im Rahmen des DFG-Projekts „Marginal Publics/Privacy in Motion: Homelessness in Times of Mobile Media“, unter der Leitung von Prof. Dr. Maren Hartmann an der Universität der Künste Berlin durchgeführt hat. In diesem Kontext hat Klocke eine Gruppe von obdach- und wohnungslosen Personen über einen Zeitraum von einem Jahr in Berlin begleitet, um die Aneignungsprozesse von Medientechnologien wie Smartphones zu untersuchen. Die Forschung hat gezeigt, dass Besitzverhältnisse unter prekären Bedingungen oft von Instabilität und wiederkehrendem Verlust geprägt sind. Die Aneignung, Wiederaneignung und Aufrechterhaltung materieller Güter wird zu einer zentralen, oft krisenhaften Alltagsoperation, die umfangreiche soziale, zeitliche und emotionale Ressourcen beansprucht.

Klockes neues Projekt baut auf diesen Erkenntnissen auf und untersucht die soziale und kulturelle Bedeutung von Konsum in Zusammenhängen, die durch unfreiwillige Formen des „Anti-Consumerism“ gekennzeichnet sind. Die Forschung verfolgt das Ziel, die symbolischen, identitätsbezogenen und relationalen Dimensionen von Konsumpraktiken unter prekären Bedingungen in den Blick zu nehmen. Dabei werden auch alternative Formen des Konsumierens – etwa Praktiken des Teilens, Tauschens oder Schenkens – sowie alltägliche Strategien des ökonomischen Navigierens unter Bedingungen des Mangels systematisch analysiert.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Frage, wie sich Praktiken des Sparens und Verzichtens – insbesondere unter den Bedingungen der aktuellen ökonomischen Krisen („Recession Core“) – digital manifestieren. Dabei geht es um Formen der Selbstinszenierung und des Community-Building in den sozialen Medien, in denen kreative Formen der Haushaltsführung oder auch kollektive Bewältigungsstrategien sichtbar werden.

Im methodologischen Rahmen des Projekts ist die Entwicklung und Anwendung innovativer qualitativer Zugänge zentral. Zum Einsatz kommen sollen etwa Verfahren der digitalen Ethnographie sowie partizipativ-kollaborative Forschungsansätze, die Forschungsteilnehmende als Mitgestaltende des Forschungsprozesses adressieren.