Die Kommodifizierung von Wohnraum: Tischgespräche am HAU Hebbel am Ufer
Im Rahmen des Festivals „Berlin bleibt! #5“ lud das HAU Hebbel am Ufer am 4. Juli zu Tischgesprächen unter dem Titel „Recht auf Wohnen – Wohnungslosigkeit verstehen“ ein. Angesichts steigender Zahlen wohnungs- und obdachloser Menschen in Berlin – der Senat rechnet bis 2030 mit über 100.000 Betroffenen – brachte die Veranstaltung Publikum, Erfahrungsexpert*innen und Engagierte aus zivilgesellschaftlichen Initiativen und sozialen Trägern in direkten Austausch.
An sechs Tischen wurde über öffentlich geförderte Hilfsangebote, die Ambivalenzen ehrenamtlichen Engagements, die besondere Situation queerer wohnungsloser Menschen, digitale Teilhabe, bürokratische Hürden sowie widerständige Praktiken der Sichtbarmachung diskutiert.
Moderiert wurden die Tischgespräche von Vera Klocke von der Forschungsstelle, die am Projekt beteiligt war. Die Gespräche knüpften an ihr Forschungsprojekt zu Konsum in der Krise an, das sich mit Teilhabe, Ausschluss und gesellschaftlichem Wandel unter Druck befasst – insbesondere im Kontext urbanen Autoritarismus, verstanden als zunehmend ordnungspolitisch geprägte Stadtgestaltung, die auf Kontrolle, Verdrängung und den Ausschluss marginalisierter Gruppen aus dem öffentlichen Raum zielt. Aus dieser Perspektive lässt sich auch Wohnraum als eine Form von Konsumgut lesen, dessen Zugang zunehmend über Kaufkraft statt über Bedarf geregelt wird.
Die Veranstaltung war Teil des fünften „Berlin bleibt!“-Festivals, das 2026 unter dem Titel „Nachbarschaften in Bewegung“ eine Stadt im Wandel in den Blick nahm: Verdrängung, Verschiebungen im Stadtraum sowie die Frage, welche Begegnungen in Berliner Nachbarschaften möglich sind – und welche verhindert werden. Das interdisziplinäre Programm begriff künstlerische Aneignung des öffentlichen Raums als gemeinschaftlichen Akt der Begegnung und des Widerstands und bezog damit politisch Position: Wohnen ist Menschenrecht.