Interkulturelle Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation

Unter interkultureller Kommunikation ist ein Phänomenbereich zu verstehen, der dadurch charakterisiert ist, dass Mitglieder verschiedener Kulturen in einem bestimmten Diskursbereich miteinander agieren, wobei sie in der Wahrnehmung der Situation und in ihrem Interagieren durch ihre je verschiedenen, sozial geprägten Handlungsselbstverständlichkeiten, Konzeptualisierungen und Werte geleitet werden. Die Erforschung von interkultureller Kommunikation beinhaltet einerseits die Fokussierung der jeweiligen sozialen Geprägtheit von Handlungsmustern und ihren Vergleich; andererseits geht es um den Prozess der Herstellung diskursiver Interkultur.

Kulturell geprägte interaktive Prozesse werden besonders in verschiedenen Institutionen relevant, die von Internationalisierung geprägt sind, z. B. in Bildungs- und Dienstleistungseinrichtungen, Medien und Wirtschaftsunternehmen oder Behörden.

In diesem Zusammenhang kann an die etablierte Forschung zu den sogenannten Kulturdimensionen angeschlossen werden. Ein ausgeprägtes Forschungsdesiderat besteht jedoch insbesondere im Hinblick auf empirische Mikroanalysen von authentischer Kommunikation. Durch derartige Analysen kann einerseits die kommunikative Relevanz der Kulturdimensionen aufgezeigt bzw. weiter präzisiert oder auch relativiert werden; andererseits geraten weitere interaktive Phänomene in den Blickpunkt, die bislang in der Forschung kaum systematisiert wurden. Methodisch bietet sich z. B. der Einsatz diskursanalytischer und konversations­analytischer Verfahren an. Hiermit wird es möglich, exemplarisch kulturspezifische sprachliche Handlungs- und Kategorisierungsmuster zu rekonstruieren, die von Sprechern oft unbewusst als universal gültig präsupponiert werden, was zu erheblichen Problemen interkultureller Kommunikation führen kann.

Die kulturell geprägten Unterschiede im sprachlichen Handeln zeigen sich auch in der Konstitution von Text- und Diskurstypen und den Mustern ihrer inneren Strukturierung. Sie werden beispielsweise auch im Zusammenhang sprachlicher Formeln und der in ihnen geronnenen Handlungsselbstverständlichkeiten, kognitiven Mustern und Wertorientierungen deutlich. Insofern liegen im Sprach- und Kulturvergleich weitere erhebliche Erkenntnispotentiale.

Einen dezidiert anwendungsorientierten Charakter erhalten Forschungen dieser Art, wenn allgemeine und spezifisch institutionelle sprachliche Handlungsmuster zum Gegenstand gemacht werden.

 

Exemplarische Themenfelder

  • Nationale, transnationale und Gruppen-Identität als diskursive Phänomene (Untersuchungsfelder: internationale Konferenzen, Nachrichtensendungen, Parlamentsdebatten, Lehrer-Schüler-Interaktion)
  • Interkulturelle Kommunikation in Bildungskontexten
  • Einflussfaktoren auf das Gelingen und Misslingen interkultureller Verständigung
  • Kommunikative Routinen und Routineformeln im sprachkulturellen Vergleich: Empirische Untersuchungen in bestimmten Diskursbereichen
  • Das (Sprach-)Bild vom Anderen: sprachliche Ethnostereotype und textlinguistische Analyse ihrer Verwendung
  • Kulturdimensionen und interkulturelle Kommunikation
  • Das Verhältnis institutioneller, kultureller und interkultureller Faktoren in empirischer Kommunikation
  • Strategien der Popularisierung im sprachkulturellen Vergleich
  • Komplexe sprachliche Handlungsmuster: Text- und Diskurstypen im Kulturkontakt und/ oder Kulturvergleich
  • Texte und Diskurse in Institutionen (in ausgewählten Institutionen, z.B. der Wissenschaft, Wirtschaft, Medien in interkulturellen Kontexten und/oder im Kulturvergleich)
  • Sprachliche Standardisierungsprozesse als Form transnationaler Praxis

 

Dieser Text ist auch als pdf zum Download verfügbar!

Symbolische und subsymbolische Kommunikation

Der Mensch steht – wie andere Lebewesen auch – in ständigem Austausch mit seiner physischen und sozialen Umwelt. Bei diesem Austausch werden Informationen aufgenommen, verarbeitet und in Handlungen umgesetzt, die der Befriedigung eigener Bedürfnisse und Erreichung eigener Ziele dienen und ohne die ein Überleben nicht möglich wäre. Ein Großteil der vom Menschen aufgenommenen Information stammt von seinen Mitmenschen. Hierbei kann jeder Mensch sowohl die Rolle des Senders als auch die des Empfängers einnehmen, es findet also ein Informationsaustausch statt. Dieser Informationsaustausch wird als „Kommunikation“ bezeichnet.

Damit die Information mehr als das unmittelbar sinnlich Gegebene umfassen kann, bedient man sich eines Verschlüsselungssystems, eines sog. Code. Der Code besteht in der Regel aus Symbolen, die eine bestimmte Bedeutung haben und die sich miteinander zu einem bestimmten Symbolsystem kombinieren lassen.

Das für Menschen sicherlich wichtigste Symbolsystem ist die Sprache. Einer der augenfälligsten Unterschiede zwischen unterschiedlichen Kulturen besteht sicherlich darin, welcher Sprache die Angehörigen einer Kultur sich vorwiegend bedienen. Bezogen auf die jeweils eigene Sprache zeichnet sich eine fremde Sprache durch andere Laute und andere Lautkombinationen aus, es werden andere Wörter benutzt, und die Verkettung von Wörtern zu Äußerungen scheint sich nach anderen Organisationsregeln zu vollziehen. Gleichzeitig ist aber nicht zu übersehen, dass sich innerhalb jeder Kultur die einzelnen Individuen untereinander verständigen können und das keine Kultur ohne die Verwendung von Sprache auskommt. So kann man sich die Frage stellen, ob sich trotz der manifesten Vielfalt in allen Kulturen ähnliche Prinzipien der sprachlichen Verständigung entdecken lassen oder ob mit unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche psychische und soziale Grundstrukturen auf Seiten der jeweiligen Individuen einhergehen. Man kann sich auch fragen, ob und inwieweit die Menschen überall aus denselben Gründen sprechen, ob sie zur Erreichung ihrer Ziele die Sprache in ähnlicher Weise einsetzen und inwieweit die jeweilige Kultur Bedingungen schafft, die die Sprachverwendung oder sogar die Denkstrukturen in entscheidender Weise modifizieren.

Die Sprache ist allerdings nicht das einzige Symbolsystem, dessen sich die Menschen bei ihrer Kommunikation bedienen. Neben grafischen und tonalen Notationssystemen (z.B. Piktogramme und musikalische Noten) sowie mathematischen Formelsystemen sind hier besonders Algorithmen und Programmiersprachen hervorzuheben.

Besondere Bedeutung kommt der Mensch-Maschine-Interaktion sowie der maschinenvermittelten menschlichen Kommunikation zu.

Die Kulturzugehörigkeit von Benutzern beeinflusst deren Interaktion mit Informationstechnologie, mit Maschinen, Computern oder Artefakten aller Art. Die Kultur erfordert die Berücksichtigung von Gestaltungsaspekten in Bezug auf die Oberfläche wie länderspezifische Formate sowie die Rücksichtnahme auf die unterschiedliche Bedeutung von Farben und Symbolen. Weitere Ebenen betreffen die ästhetische Gestaltung, die Strukturierung, die Aufgabengestaltung sowie die Abfolge von Aufgaben aber auch die Gestaltung von Hardware (beispielsweise Mobiltelefone oder Verkehrsinformationssysteme).

Zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Kultur und der Benutzung von Informationssystemen wurden (quantitative) Kulturmodelle (z.B. Hofstede, Hall & Hall, Trompenaars) rezipiert. Diese Kulturmodelle beschreiben Konventionen, Werte, Einstellungen (etwa zu Zeit und Raum) und soziale Phänomene (etwa Kommunikationsstile oder die Beziehung zu Vorgesetzten oder Lehrern). Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Wahl geeigneter Methoden. Informationssysteme können als kulturelle Artefakte analysiert werden. Große Bedeutung besitzt die Beobachtung und Analyse der Interaktion von Benutzern mit Informationssystemen. Schwierig ist oft der interkulturelle Vergleich von Ergebnissen. So misslingt beispielsweise häufig das Sammeln qualitativer Daten durch ·lautes Denken· in Kulturen mit hoher Machtdistanz. Das methodologische Inventar der Mensch-Maschine Interaktion mit subjektiven und objektiven Methoden muss für die kulturübergreifende Evaluierung adaptiert werden.

Obwohl diese formalen Systeme in ihrem Aufbau häufig kulturübergreifend verständlich oder zumindest als kulturübergreifend konzipiert sind, sind ihr Gebrauch und ihre Wirkung auf die handelnden Individuen und Gruppen sicherlich stark von der jeweiligen Kultur beeinflusst.

Nicht alles, was an Informationen bei der zwischenmenschlichen Kommunikation übermittelt wird, wird mittels Symbolsystemen verschlüsselt. Man denke bspw. an einen Gesprächspartner, dem beim Reden die Röte ins Gesicht steigt. Dem Zuhörer wird dadurch wahrscheinlich die Information übermittelt, dass der Gesprächspartner aufgeregt ist. Im Unterschied zur sprachlichen Kommunikation stellen die hierbei übermittelten Signale (z.B. die Gesichtsröte) nicht „Symbole“ im eigentlichen Sinne dar, da die Zuordnung vom „Symbol“ zur übermittelten Bedeutung nicht durch Konventionen festgelegt wird, sondern eher als ikonische Abbildung zu verstehen ist. Die durch sie vermittelte Kommunikation kann daher als „subsymbolisch“ bezeichnet werden. In natürlichen Kommunikationssituationen ist normalerweise auch die sprachliche Kommunikation von solchen subsymbolischen Elementen durchsetzt, beispielsweise hat die Stimme, mit der etwas gesagt wird, eine bestimmte Tonlage sowie einen bestimmten Klang, und der Redefluss wird durch Pausen oder sogar Schweigeperioden unterbrochen.

Die Freude an der Kommunikation und an einem Informationsaustausch über Themen von Interesse prägt viele, wenn nicht sogar alle Menschen. In Kombination mit den Möglichkeiten der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien hat dies zu einer Vielzahl von „Informationsumschlagplätzen“ in der virtuellen Welt des Internets (Web Communities) geführt. Es gibt eine Vielzahl derartiger Communities für Austausch, Diskussion, Spiel, Spaß, Angebote, Lernen, Feedback und vieles mehr. Da in der virtuellen Welt dieser Communities der Ort transparent ist, ergibt sich auf eine natürliche Art und Weise eine Verknüpfung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Ist die symbolische Kommunikation zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen schon nicht einfach, so stellt die subsymbolische Kommunikation erst recht eine besondere Herausforderung dar. Um dem Zweck obiger Web Communities förderlich zu sein, nämlich Information und Wissen zu teilen, besteht eine sinnvolle Zielsetzung darin, implizites Wissen explizit zu machen und damit (gemeinsames) Wissen zu generieren, dass von vielen Teilnehmern (unterschiedlicher Kulturen) genutzt und z.B. zum Lösen von Problemen eingesetzt werden kann. Wissenschaftliche Fragestellungen sind u.a. die Identifikation impliziten Wissens und seine Transformation in deklarative (explizite) Beschreibungen, eine Formalisierung/Präzisierung dieses Wissens (Wissensrepräsentation), die Synthetisierung dieses Wissens in einer integrierten Wissensbasis (für Zugriff und/oder Problemlösen) sowie die kontinuierliche Verbesserung und Evaluation solchen Wissens (z.B. aus Sicht der Künstlichen Intelligenz und/oder der Kognitionswissenschaft). Von besonderem Interesse ist auch die Operationalisierung dieses Wissens mit Hilfes eines (oder mehrerer) Softwareagenten, die als integrierter Teil der jeweiligen Web-Community agieren (und kommunizieren) und dabei nützliche Hilfestellung leisten für Wissenszugriff und/oder Problemlösung.

Als Anwendungsbereiche sind insbesondere kulturübergreifend „gemeinsam“ vorhandene Problembereiche geeignet (beispielsweise Themenbereiche wie „Gesundheit“ oder Umweltschutz).

Dieser Text ist auch als pdf zum Download verfügbar!