Profilfeld 2: Ästhetische Praxis

Ansprechperson (inkl. Kontaktdaten)

Prof. Dr. Rolf Elberfeld (rolf.elberfeld[at]uni-hildesheim.de)

Kurzbeschreibung

Das Profilfeld Ästhetische Praxis adressiert die Künste und geht doch weit über diese hinaus. Dabei setzt sich das deutschlandweit einzigartige Theorie-Praxis-Modell an der Universität Hildesheim sowohl von der universitären geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschung als auch von der künstlerischen Forschung („artistic research“) an Kunsthochschulen ab. Sämtliche kultur- und geisteswissenschaftlichen Fächer der Universität Hildesheim knüpfen an dieses Modell mit ihren je individuellen disziplinären Forschungsschwerpunkten an und bilden so einen zentralen Beitrag zur Erforschung der Vielschichtigkeit und Heterogenität von Ästhetischer Praxis und praxeologischer Forschung. Gebündelt werden die Themen und Perspektiven des Profilfelds, das mehrere fachbereichsübergreifende Anschlüsse bereithält, durch das Herder-Kolleg. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung am Fachbereich 2.

Das Profilfeld Ästhetische Praxis hat sich durch die kontinuierliche interdisziplinäre Zusammenarbeit der Schwerpunkte Bildende Kunst, Literatur, Film und Bewegtbild, Musik, Populärer Kultur und Theater sowie durch die Einbindung der Institute für Philosophie und Kulturpolitik zu einem trag- und anschlussfähigen Cluster entwickelt, das durch die erfolgreiche Beantragung des gleichnamigen DFG-Graduiertenkollegs (2019-2028) die UHi als forschungsstarke Hochschule im Bereich der Kulturwissenschaften und der Künste bestätigt hat. Das Graduiertenkolleg bietet zudem Anschlüsse an die Forschungsgruppe Transformationen der Wissensordnungen, die sich um das DFG-Reinhard-Koselleck-Projekt „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“ gruppiert. Mit diesem Schnittpunktthema blicken wir auf sich verändernden Wissensdispositive, die durch dekoloniale und globale Perspektiven auf die Geistes- und Kulturwissenschaften einwirken. Neben der Zusammenarbeit mit dem Center for World Music, dessen Sammlung und der gemeinsam mit dem UNESCO-Lehrstuhl Kulturpolitik durchgeführten Graduate School „Performing Sustainability“, eine Kooperation mit Universitäten in Ghana und Nigeria, bieten sich hier Anknüpfungspunkte an das übergreifende Profilfeld Bildung und gesellschaftliche Teilhabe, wobei an bestehende Forschungskooperationen etwa mit dem Institut für Erziehungswissenschaft, dem Institut für Sozialwissenschaften oder dem Zentrum für Bildungsintegration angeknüpft wird.

Aber auch die zentrale Stellung, die der Erforschung von Kulturvermittlung in den Hildesheimer Kulturwissenschaften zukommt, bedeutet, dass kulturpolitische, kulturpädagogische und kulturmanageriale Perspektiven mit sozial- und bildungswissenschaftlichen Methoden und Theorien zu aktuell relevanten Forschungsthemen und Third-Mission-Projekten verknüpft werden. Jene beschäftigen sich – wie etwa das DFG-Teilprojekt „Chancengerechte Teilhabe an öffentlich geförderten Theatern“– mit Diversität, Teilhabegerechtigkeit und dekolonialer Vermittlungs- und Bildungsarbeit, oder sie beforschen die ästhetische Praxis von Kindern und Jugendlichen in ihren Schreibpraktiken, in künstlerischen und performativen Settings.

Da die aktuellen Transformationsprozesse in der Wissensproduktion nicht zuletzt durch alte wie neue Digitalisierungsprozesse ausgelöst werden, überschneidet sich das Profilfeld Ästhetische Praxis an dieser Stelle auch mit dem übergreifenden Profilfeld KI im Alltag und den Interessen der dort beteiligten Instituten und Forschungszentren. Dabei wird Digitalität von einer rein anwendungsbezogenen Perspektive gelöst, indem danach gefragt wird, welche ästhetischen Praktiken der Digitalität sich beschreiben und analysieren lassen: Welche Fragen stellt Künstliche Intelligenz an die Wissensdispositive der Kreativität, an etablierte Sozialfiguren wie die Künstlerin, den Autor, die Regisseurin? Fachbereichsübergreifende Forschungsprojekte wie „Rez@Kultur: Digitalisierung kultureller Rezensionsprozesse“, die sich an der Schnittstelle von quantitativer und qualitativer Forschung befinden, haben erste wichtige Ergebnisse in diesen Feldern erarbeitet. Diese werden mit theorieorientierten wie praxeologisch geleiteten Arbeiten fortgesetzt, durch die erstens eine kritische Reflexion digitaler Kulturen vorgenommen wird, und die jene Reflexion zweitens auch dadurch vornehmen, dass sie innovative digital geprägte Produktionsformate auf dem Theater, in der Musik, in den Bildmedien; kurz: in der ästhetischen Praxis erproben.

Beteiligte Institute

  • Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft
  • Institut für Kulturpolitik
  • Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft
  • Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur
  • Institut für Musik und Musikwissenschaft
  • Institut für Philosophie
  • Institut für Sozialwissenschaften

Interdisziplinäre Einrichtungen

  • Center for World Music
  • Bilddidaktisches Forschungszentrum
  • Forschungsstelle Konsumkultur
  • Herder-Kolleg. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung
  • Zentrum für Bildungsintegration
  • Zentrum für Digitalen Wandel

Kooperationspartner (Auswahl)

  • Haus der Kulturen der Welt (Berlin)
  • Dommuseum Hildesheim
  • Staatstheater Hannover
  • Sprengel Museum Hannover
  • Van Abbemuseum Eindhoven (Niederlande)
  • Humboldt-Forum Berlin
  • Hildesheimer Kunstverein
  • Wenhua University (Chinese Culture University) (Taipeh/Taiwan)
  • Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
  • Université Aix-Marseille
  • FUNDUS THEATER/Theatre of Research Hamburg
  • Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel
  • UNESCO-Chair Universität Belgrad (Serbien)
  • Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim
  • Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung
  • Cape Coast University (Ghana)
  • University Maiduguri (Nigeria)

Drittmittelprojekte (Auswahl)

  • DFG Graduiertenkolleg „2477 Ästhetische Praxis“ (2019-2028)
  • „Kulturelle Selbstversorgung. Das Recht junger Menschen auf kulturelle (Selbst)bildung“. Prof. Julius Heinicke, Prof. Wolfgang Schröer, BMBF (Laufzeit 01.2024-12.2026)
  • "dialoguing@rts – Advancing Cultural Literacy for Social Inclusion through Dialogical Arts Education”. Prof. Julius Heinicke (Konsortialpartner), HorizonEurope Programme (Laufzeit 01.2024-05.2027)
  • „IN SITU: Place-based innovation of cultural and creative industries in non-urban areas” Teilprojektleitung Prof. Julius Heinicke, EU HorizonEurope Programme (Laufzeit 2022-2026)
  • DFG-Koselleck-Projekt „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“. Leitung Prof. Rolf Elberfeld (Laufzeit 2018-2023)
  • DFG Projekt „Krisengefüge der Darstellenden Künste“, Prof. Birgit Mandel, Prof. Jens Roselt, Teilprojektleitung, gemeinsam mit LMU München, Universität Hannover, Universität Münster, Universität Gießen und Universität Bayreuth (Laufzeit 2018-2021)
  • „Rez@Kultur: Digitalisierung kultureller Rezensionsprozesse“. Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft gemeinsam mit dem Institut für Kulturpolitik, dem Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie und dem Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik der Universität Hildesheim; gefördert durch das BMBF (Laufzeit 2017-2020)
  • „Chancengerechte Teilhabe an öffentlich geförderten Theatern – Theater Governance und Audience Development im Vergleich Deutschland, Frankreich und England“; im Rahmen einer Forschungsgruppe unter Federführung der LMU München, Teilprojektleitung Prof. Dr. Birgit Mandel, gefördert von der DFG (Laufzeit 2021-2024)
  • „Implementierung und wissenschaftliche Begleitung einer zertifizierten Weiterbildung für Künstler/innen in der kulturellen Bildung“, Leitung Prof. Dr. Birgit Mandel, gefördert von der Mercator Stiftung (Laufzeit 2020-2022)

Publikationen (Auswahl)

  • Corsten, Michael (2021) (Hg.): Praxis. Ausüben. Begreifen. Weilerswist, Velbrück.
  • Hetzel, Andreas/Guidi, Lucia/McGovern, Fiona/Lange, Thomas (2021ff.) (Reihenhg.): Ästhetische Praxis. Transdisziplinäre Perspektiven. Fink/Brill: Paderborn.
  • Elberfeld, Rolf/Krankenhagen, Stefan (2017) (Hg.): Ästhetische Praxis als Gegenstand und Methode kulturwissenschaftlicher Forschung, Paderborn: Fink.
  • Elberfeld, Rolf (2021): Dekoloniales Philosophieren. Versuch über philosophische Verantwortung und Kritik im Horizont der europäischen Expansion, Hildesheim: Olms.
  • Diekmann, Stefanie (2021) (Hg. mit Esther Ruelfs): Artist Meets Archive: künstlerische Interventionen im fotografischen Archiv. Marburg: Jonas Verlag.
  • Graf, Guido/Knackstedt, Ralf/Petzold, Kristina (Hg.) (2021): Rezensiv – Online-Rezensionen und Kulturelle Bildung. Bielefeld: transcript.
  • Ismaiel-Wendt, Johannes (2022) (Hg. mit Andi Schoon): Postcolonial Repercussions. On Sound Ontologies and Decolonised Listening. Bielefeld: transcript.
  • Krankenhagen, Stefan/Roselt, Jens (2018) (Hg.): De-/Professionalisierung in den Künsten und Medien. Formen, Figuren und Verfahren einer Kultur des Selbermachens, Berlin: Kadmos.
  • Mandel, Birgit (Hg.) (2022): Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung - Inhalte, Methoden und Reflexionen eines Curriculums für Künstler:innen. Universität Hildesheim doi.org/10.18442/218.
  • Reinwand-Weiß, Vanessa (2018) (Hrsg. et al.): Handbuch Kulturelle Bildung. München; seit 2018 übergeführt in digitales Format: kubi-online.de.
  • Uhlig, Bettina/Metzger, Roland Karl (Hg.) (2021): Vermittlung historischer Kunst und Kultur im Elementarbereich. Grundlagen, Dimensionen, Praxis. München: kopaed.