Universität Hildesheim - Meldungen - Forschung https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Forschung de-de Stiftung Universität Hildesheim Thu, 15 Apr 2021 06:35:01 +0200 Thu, 15 Apr 2021 06:35:01 +0200 TYPO3 EXT:news news-20621 Sun, 11 Apr 2021 18:23:00 +0200 Forschungsdatenmanagement: Umgang mit Forschungsdaten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/forschungsdatenmanagement-umgang-mit-forschungsdaten/ Der Umgang mit Forschungsdaten ist essentiell für die wissenschaftliche Tätigkeit. Die Universität Hildesheim informiert in einer neuen Veranstaltungsreihe im Sommersemester 2021 über das Forschungsdatenmanagement. Der Umgang mit Forschungsdaten ist essentiell für die wissenschaftliche Tätigkeit, und ganz unterschiedliche Open Science-Themen werden in den kommenden Veranstaltungen behandelt, erläutert Annette Strauch-Davey, die an der Universität Hildesheim für das Forschungsdatenmanagement zuständig ist.

Workflows, Standards und Fallbeispiele des Forschungsdatenmanagements

Offene Wissenschaft sei in Zeiten des globalen, digitalen Wandels eine wichtige Gewährleistung der verfassungsmäßig garantierten Freiheit der Wissenschaft, so Annette Strauch-Davey. Sie funktioniert immer dann, wenn Strategien und Verfahren gebündelt werden, sodass alle Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses offen zugänglich, nachvollziehbar und nachnutzbar gemacht werden.

Um sich über Workflows, Standards und Fallbeispiele des Forschungsdatenmanagements auszutauschen, bietet die Universität Hildesheim „Coffee Lectures“ und Workshops an, in denen Studierende und Forscher*innen mit Expert*innen aus der Fachcommunity und externen Fachleuten zusammenkommen.

Dabei hat Annette Strauch-Davey vor allem das praxisbezogene, fächerübergreifende, fachspezifische und auch generische Forschungsdatenmanagement im Blick. Also all das, was den größten Nutzen und Mehrwert für Forscher*innen bringt. Hilfreiche Beispiele für Forscher*innen veranschaulichen, wie bereits andere Wissenschaftler*innen ihr Datenmanagement organisiert haben und was sich dabei bewährt hat und was nicht.

Die Veranstaltungen finden mehrmals im Semester statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und auch externe Gäste können teilnehmen. Alle Veranstaltungen werden aufgrund der aktuellen Corona-Infektionslage DIGITAL über das Konferenztool BBB übertragen (Kontakt bei Fragen: fdm@uni-hildesheim.de).

Dies sind die Termine im Sommersemester 2021:

Coffee Lectures Forschungsdatenmanagement: NFDI - Nationale Forschungsdateninfrastruktur: Daten, Kekse ... und mehr

  • Mittwoch, 21. April 2021 um 12:30 Uhr
  • Referent: Prof. Dr. York Sure-Vetter
  • Wo? Die Veranstaltung wird mit dem Webkonferenzsystem auf Basis von BigBlueButton (BBB) hier bereitgestellt.

Coffee Lectures: Interoperability and Reusability for Cross Domain Data - the next challenge for FAIR

  • Mittwoch, 05. Mai 2021 um 12:30 Uhr
  • Referent: Dr. Simon Hodson (Executive Director of CODATA, Paris)
  • Wo? Die Veranstaltung wird mit dem Webkonferenzsystem auf Basis von BigBlueButton (BBB) hier bereitgestellt.

Coffee Lectures: Das Konsortium NFDI4Ing als Teil der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur

  • Mittwoch, 19. Mai 2021 um 12:30 Uhr
  • Referent: Dr. rer. nat. Évariste Demandt (IT Center, RWTH Aachen University)
  • Wo? Die Veranstaltung wird mit dem Webkonferenzsystem auf Basis von BigBlueButton (BBB) hier bereitgestellt.

Coffee Lectures: Dataverse. Datensätze publizieren und dauerhaft sichern

  • Mittwoch, 16. Juni 2021 um 12:30 Uhr
  • Referentin: Annette Strauch-Davey, M.A. (FDM, UB Hildesheim)
  • Wo? Die Veranstaltung wird mit dem Webkonferenzsystem auf Basis von BigBlueButton (BBB) hier bereitgestellt.

Workshops: Rechtliche Aspekte im Forschungsdatenmanagement und RDMO für Promovierende:

In den jeweils 2-stündigen Workshops werden rechtliche Aspekte behandelt: Vor allem bei urheberrechtlichen, datenschutzrechtlichen, dienstlichen und haftungsrechtlichen Fragen im Rahmen des Verwaltens, Teilens und Veröffentlichens von Forschungsdaten herrschen im wissenschaftlichen Alltag viele Unsicherheiten. Die Workshops zu den rechtlichen Aspekten zeigen Lösungsbeispiele wie Datenschutz und Urheberrechte.

Wo? Die Veranstaltung wird mit dem Webkonferenzsystem auf Basis von BigBlueButton (BBB) bereitgestellt: bbb.uni-hildesheim.de/b/ann-ryk-ojy-yb2 (Anmeldefrist: 31.03.2021)

Wann?

  • 19.04.2021, 16:00 bis 18:00 Uhr
  • 28.04.2021, 16:00 bis 18:00 Uhr

RDMO ist ein Werkzeug, das das Erfassen aller relevanten Planungsinformationen in Datenmanagementplänen und die Verwaltung aller Datenmanagementaufgaben erlaubt. Ein Datenmanagementplan (DMP) strukturiert den Umgang mit Forschungsdaten eines wissenschaftlichen Projekts. Viele Drittmittelgeber (DFG, EU Horizon 2020) erwarten für die Vergabe von Mitteln aus bestimmten Förderlinien einen DMP als Teil eines Förderantrags. In einem Datenmanagementplan sollte stehen, wie Sie mit Ihren Forschungsdaten umgehen werden und wie Sie sich die Speicherung, Verzeichnung, Pflege und Verarbeitung Ihrer Daten vorstellen. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Graduiertenzentrums der Universität Hildesheim.

Die Kurse des Graduiertenzentrums richten sich an Promovierende und Post-Docs der Stiftung Universität Hildesheim, aber es gibt noch freie Plätze bei den RDMO-Veranstaltungen, sodass auch externe Interessierte teilnehmen können.

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news-20607 Tue, 06 Apr 2021 07:44:00 +0200 Studie: Denken wir, dass wir uns strikter an die COVID-19-Regeln halten als andere Menschen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studie-denken-wir-dass-wir-uns-strikter-an-die-covid-19-regeln-halten-als-andere-menschen/ Hände waschen, Abstand halten – Eine experimentelle Studie der Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Universität Hildesheim mit 1.102 Proband*innen zeigt: Bürger*innen sind der Auffassung, dass sie sich in ihrem Verhalten - zum Beispiel in der Handhygiene, im Abstand halten oder in Bezug auf die Selbstquarantäne bei Krankheitssymptomen – strikter an die COVID-19-Regeln halten als ihre Freunde oder andere Bürger*innen. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Andreas Mojzisch, Professor für Sozialpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim, hat in einer experimentellen Studie untersucht, wie Menschen ihr eigenes Verhalten während der COVID-19-Pandemie im Vergleich zum Verhalten anderer Menschen einschätzen.

Online-Studie mit 1.102 Personen aus Großbritannien, USA, Schweden und Deutschland

Professor Mojzisch und die wissenschaftlichen Mitarbeiter Christian Elster and Markus Germar haben in einer Stichprobe 1.102 Personen aus vier verschiedenen Ländern (Großbritannien, USA, Schweden, Deutschland) befragt. Die Studie wurde kürzlich in der Zeitschrift „Psychology, Health & Medicine" (People perceive themselves to adhere more strictly to COVID-19 guidelines than others) publiziert.

Die vier verschiedenen Länder wurden ausgewählt, weil die Regierungen in diesen Ländern sehr unterschiedlich auf die Pandemie reagierten und somit untersucht werden konnte, wie robust die Befunde hinsichtlich unterschiedlicher Kontextfaktoren sind.

Das Forschungsteam hat die Studienteilnehmer*innen in einer Online-Studie befragt, wie streng sie sich an neun verschiedene COVID-19-Regeln halten (von „überhaupt nicht streng“ bis „sehr streng“). So gaben die Teilnehmer*innen an, wie streng sie regelmäßig und gründlich ihre Hände für mindestens 20-30 Sekunden reinigen; wie strikt sie selbst einen Mindestabstands von ein bis zwei Metern zu anderen Personen einhalten; wie strikt sie sich so oft wie möglich zu Hause aufhielten; ob sie das Berühren von Nase, Mund und Augen vermeiden, ob sie „soziale Distanzierung“ (social distancing) betreiben und hierzu überfüllte Bereiche vermeiden und anderes mehr.

Die eine Hälfte der Studienteilnehmer*innen sollte zudem das Verhalten ihrer engen Freunde in Bezug auf die COVID-19-Regeln einschätzen, während die andere Hälfte der Studienteilnehmer*innen das Verhalten der durchschnittlicher Bürger*innen einschätzen sollte.

Um Reihenfolge-Effekte statistisch zu kontrollieren, sollte die eine Hälfte der Studienteilnehmer*innen zuerst ihr eigenes Verhalten und erst danach das Verhalten der anderen einschätzen, während bei der anderen Hälfte der Studienteilnehmer*innen die Reihenfolge genau anders herum war.

Studienteilnehmer*innen schätzen sich in ihrem Verhalten während der COVID-19-Pandemie als „besser als der Durchschnitt“ ein

Die Studienergebnisse zeigen, dass die befragten Studienteilnehmer*innen sich selbst in ihrem Verhalten während der COVID-19-Pandemie als „besser als der Durchschnitt“ („better-than-average“) einschätzen. Dabei waren sie nicht nur der Meinung, dass sie die COVID-19-Regeln stärker befolgten als andere Bürger*innen ihres Landes, sondern auch, dass sie die Regeln stärker befolgten als ihre Freunde. Es spielte dabei keine Rolle, ob die Studienteilnehmer*innen zuerst ihr eigenes Verhalten und erst danach das Verhalten der anderen Menschen einschätzen sollten oder umgekehrt. Die Ergebnisse waren außerdem in allen vier Ländern nahezu identisch. Dies spricht dafür, dass es sich um einen sehr stabilen Befund handelt, der nicht von Kontextfaktoren abhängig ist, erläutert Professor Mojzisch.  

Die Forschung wurde durch eine Anschubfinanzierung des Präsidiums der Universität Hildesheim unterstützt.

Die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Universität Hildesheim befasst sich in der Forschung unter anderem mit sozialer Konformität, Gruppenentscheidungen und Gruppenurteilen, Arbeit und Gesundheit sowie sozialer Identität.

Arbeitsgruppe Sozialpsychologie

Weitere Informationen:

Nachgefragt bei Prof. Dr. Andreas Mojzisch, Professor für Sozialpsychologie

Herr Professor Mojzisch, was ist das Besondere an Ihrer Untersuchung? Knüpfen Sie an ähnliche Studien an?

Mojzisch: Die Studie knüpft an den klassischen „better than average“-Effekt an. Die meisten Menschen (natürlich nicht alle) halten sich in vielen Bereichen des täglichen Lebens für besser als der Durchschnitt – obwohl dies rein mathematisch unmöglich ist. Wir haben untersucht, ob sich dieses Phänomen auch auf das Verhalten in der gegenwärtigen Pandemie übertragen lässt. Denken Menschen, dass sie sich selbst strikter an die COVID-19-Regeln halten als andere Menschen?

Sie schreiben in Ihrer Studie: “In conclusion, our study provides a robust demonstration of how a long-standing psychological effect perseveres, even during a once-in-a-lifetime health crisis." Was ist damit genau gemeint?

Mojzisch: Viele psychologische Effekte sind nicht sonderlich stabil. Kaum ändert sich ein Kontextfaktor und schon schaut das Ergebnis der Studie ganz anders aus. Die Ergebnisse unserer Studie weisen dagegen darauf hin, dass der „better than average“-Effekt extrem robust ist. Menschen denken nicht nur, dass sie sich strenger an die COVID-19-Regeln halten als der Durchschnitt der Mitbürger*innen, sondern auch strenger als ihre Freunde. Und dieses Befundmuster zeigt sich nahezu identisch in allen vier Ländern.   

Sie haben sich in Ihrer Untersuchung mit der Frage befasst, wie Bürger*innen ihr Verhalten mit jenem anderer in dieser Gesundheitskrise vergleichen. Warum befassen Sie sich mit dieser Fragestellung? Welche Impulse gibt Ihre Untersuchung?

Mojzisch: Wir Menschen sind Herdentiere. Das bedeutet, dass unser Verhalten stark davon beeinflusst wird, wie wir das Verhalten anderer Menschen wahrnehmen. Wenn ich nun aber dem „better than average“-Effekt unterliege und der Meinung bin, dass sich die anderen Menschen weniger strikt an die COVID-19-Regeln halten als ich selbst, dann kann das die gefährliche Konsequenz haben, dass langfristig meine Motivation sinkt, mich ebenfalls an die Regeln zu halten.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-20563 Wed, 31 Mar 2021 11:27:18 +0200 Bildung im Verborgenen – Interdisziplinäre Workshop-Reihe zu kulturellen Praktiken im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/bildung-im-verborgenen-interdisziplinaere-workshop-reihe-zu-kulturellen-praktiken-im-frauenkonzentr/ „Paradoxe Bildung – Widerstand – Überleben“ heißt ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt der Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Meike S. Baader und Dr. Wiebke Hiemesch. Die Wissenschaftlerinnen arbeiten mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und der Universitätsbibliothek Lund zusammen. Mit einer nun angelaufenen Workshop-Reihe zu diesem Projekt soll der interdisziplinäre Austausch von Wissenschaftler*innen und Expert*innen gefördert werden. Das Projekt mit dem Titelzusatz „Der geheime Unterricht und Kinderzeichnungen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“ widmet sich einem versteckt organisierten Unterrichtsangebot sowie den kulturellen Praktiken von Kindern. Quellengrundlage sind im Lager hergestellte erhaltene Unterrichtshefte sowie Zeichnungen der in Polen geborenen Krystyna Zaorska. Die damals 14-Jährige wurde im Zuge der Straßenrazzien im Warschauer Aufstand 1944 verhaftet und gemeinsam mit ihrer Mutter in das Frauenlager Ravensbrück verschleppt.

 „Einige der Zeichnungen von Krystyna Zaorska entstanden in Gruppengesprächen von Kindern und jungen Mädchen im Lager“, sagt Dr. Wiebke Hiemesch, Post-Doc in dem Projekt. „Sie zeigen Szenen von Verfolgung und des Lagers, aber auch andere Motive wie Tänzer*innen, religiöse Motive und Portraits. Gezeichnet wurde im Verborgenen, denn jede kulturelle Aktivität war strengstens verboten und die Bedingungen lebensbedrohlich. Die Zeichnungen sind wertvolle Quellen, wenn Forschung sich der Situation der Kinder und ihrem Erleben nähern möchte. Als ästhetische und bildliche Produkte stellen sie Wissenschaftler*innen aber vor besondere Herausforderungen und es gibt bisher kaum entwickelte Methoden zur Auswertung von Kinderzeichnungen als historische Quelle.“

Der erziehungswissenschaftliche Zugang von Prof. Dr. Meike S. Baader und Dr. Wiebke Hiemesch nimmt die Quellenbestände unter dem Aspekt der Kinderkultur, der Bildungsprozesse und der Transgenerationalität in den Blick. Damit wird das Wissen über widerständige Praktiken unter den Extrembedingungen erweitert und für eine Kindheits- und Bildungsgeschichte analysiert. Methodisch arbeiten die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen mit praxistheoretischen Zugängen der historischen Kultur- und Sozialwissenschaften.

Dem Projekt liegt eine dezidiert erziehungswissenschaftliche, bildungshistorische Frage zugrunde, zugleich hat es klare interdisziplinäre Bezüge zur Geschichtswissenschaft, Kindheitssoziologie, Kunstwissenschaft sowie zur Traumaforschung. Zudem zielt es darauf, die Methoden zur Auswertung von Kulturproduktionen im Allgemeinen und von (Kinder-)Zeichnungen im Besonderen weiterzuentwickeln.

„Mit dem Auftakt-Workshop haben wir Wissenschaftler*innen miteinander bekannt gemacht, die in den nächsten Monaten gemeinsam arbeiten“, sagt Prof. Dr. Meike S. Baader, Leiterin des Projektes. „Zudem haben wir Einblicke in die Fragestellungen des Projektes gegeben und die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück hat ihre Forschungen vorgestellt. Ein zweiter Workshop wird in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück stattfinden, wo wir auch die Zeichnungen im Original sichten. Gemeinsam treten wir in den nächsten Monaten in einen interdisziplinären Austausch darüber, wie die Zeichnungen von Krystyna Zaorska unter bildungshistorischer Perspektive ausgewertet werden können. Mit dabei ist auch die Hildesheimer Kollegin Prof. Dr. Bettina Uhlig, die die Professur für Kunstpädagogik und Didaktik der Bildenden Kunst inne hat. Wir freuen uns auf die spannende Zusammenarbeit.“

Eingeladen zu der Workshop-Reihe mit weiteren geplanten Terminen im Juli und September sind Expert*innen aus dem Feld der Wissenschaft, der Gedenkstätten und Archive sowie der Traumatherapie. Die vertretenen Fachdisziplinen reichen von Kunstgeschichte und Kunstdidaktik über Historische Bildungsforschung, Holocaust Studies, Literaturwissenschaften und Gender Studies, Traumaforschung und Geschichtswissenschaften. Zudem sollen auch Nachwuchswissenschaftler*innen im Rahmen der projektspezifischen Workshops an das Thema herangeführt werden.

Lesen Sie hier mehr über das Projekt „Paradoxe Bildung – Widerstand – Überleben“

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news-20529 Tue, 23 Mar 2021 06:34:00 +0100 Jugendliche fühlen sich durch die COVID-19-Pandemie stark belastet https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/jugendliche-2/ Junge Menschen sind in der COVID-19-Pandemie von psychischen Problemen, Vereinsamung und Zukunftsängsten betroffen. Das gilt besonders für diejenigen mit finanziellen Sorgen. Dies geht aus einer vertieften Auswertung der Studien JuCo I und II zu den Erfahrungen junger Menschen während der Corona-Maßnahmen hervor. Ein Forschungsteam der Universitäten Hildesheim und Frankfurt/Main hat die beiden Befragungen „Jugend und Corona“ (JuCo) in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung vertiefend ausgewertet.

Befragte Jugendliche berichten von Einsamkeit und psychischer Belastung

Die JuCo-Studien zeigen, dass die Corona-Pandemie junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren in Deutschland vor große Probleme stellt. 60,7 Prozent von ihnen geben an, sich teilweise oder dauerhaft einsam zu fühlen und 64 Prozent stimmen zum Teil oder voll zu, psychisch belastet zu sein. 68 Prozent geben an, von Zukunftsängsten betroffen zu sein.

Zudem gibt mehr als ein Drittel der Jugendlichen (33,8 Prozent) an, finanzielle Sorgen zu haben. Vor der Corona-Pandemie lag ihr Anteil noch bei etwa einem Viertel. Unter den jungen Menschen mit Geldsorgen äußern deutlich mehr, dass sie Zukunftsängste haben. Auch fühlen sie sich häufiger psychisch belastet und einsam als andere junge Menschen.

Sorgen werden eher nicht oder gar nicht gehört, geben 65% der befragten Jugendlichen an

65 Prozent der befragten jungen Menschen gaben während des zweiten Lockdowns im November 2020 an, dass ihre Sorgen eher nicht oder gar nicht gehört werden. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Befragung vom April und Mai 2020, bei der 45 Prozent diesen Eindruck äußerten.

58 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Situation Jugendlicher und junger Erwachsener den Politiker*innen nicht wichtig sei. 57,5 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass junge Menschen ihre Ideen in die Politik nicht einbringen können. Dabei sind junge Menschen gerade jetzt besonders auf politische Entscheidungen angewiesen, die ihren Bedarfslagen während der Pandemie Rechnung tragen:

„Es ist davon auszugehen, dass die Jugend- und die Kommunalpolitik noch nie so unmittelbar und direkt auf den Jugendalltag eingewirkt hat wie jetzt. So macht es einen großen, direkt spürbaren Unterschied für das Wohlbefinden der jungen Menschen, ob neben der Schule  Infrastrukturen in Kommunen verlässlich unter den vereinbarten Pandemie-Bedingungen geöffnet sind und weiterhin Angebote für junge Menschen vorgehalten werden oder nicht. Die Entwicklungs- und Bewältigungsaufgaben von jungen Menschen können während der Pandemie nicht einfach ins Private verlagert werden. Die Rechte junger Menschen auf Beteiligung gelten auch in Krisenzeiten und lassen sich nicht aussetzen", so Dr. Severine Thomas, Jugendforscherin der Universität Hildesheim.

Forschungsteam des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim hat gemeinsam mit der Universität Frankfurt am Main bundesweit Jugendliche und junge Erwachsene während der COVID-19-Pandemie befragt

Die beiden Jugendbefragungen „Jugend und Corona“ (JuCo I und JuCo II) wurden durch den Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim und des Instituts für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Universität Frankfurt durchgeführt, JuCo I in Teilen mit der Universität Bielefeld ausgewertet.

Gegenstand der Studien sind die Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der COVID-19-Pandemie.

An JuCo I (15.04.-03.05.2020) nahmen 5.520 Jugendliche teil, an JuCo II (09.-22.11.2020) beteiligten sich mehr als 7.000 junge Menschen.

Die Ergebnisse wurden zusammen mit Jugendlichen eines Expert*innen-Teams in mehreren Online-Workshops von September 2020 bis Januar 2021 diskutiert und reflektiert. Die Jugendlichen haben ihre Erfahrungen und Forderungen in einer eigenen Broschüre festgehalten.

Die für die JuCo-Studien zusammengetragenen Erkenntnisse basieren auf jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit der Kindheits- und Jugendforscher*innen zur Lebenswirklichkeit von jungen Menschen in Deutschland. Einzelne Daten aus beiden Befragungen sind bereits veröffentlicht worden.

Aktuell gehören zum Forschungsteam Lea Heyer, Anna Lips, Tanja Rusack, Wolfgang Schröer und Severine Thomas von der Universität Hildesheim sowie Sabine Andresen und Johanna Wilmes von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Kontakt zum Forschungsteam:

Dr. Tanja Rusack
Fon: 05121 883 11718, E-Mail: rusack@uni-hildesheim.de

Dr. Severine Thomas
Fon: 05121 883 11728, E-Mail: severine.thomas@uni-hildesheim.de

Medienkontakt:

Isa Lange
Pressesprecherin Universität Hildesheim
Fon: 05121 883 90100, E-Mail: presse@uni-hildesheim.de

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news-20514 Wed, 17 Mar 2021 11:27:00 +0100 Bedrohte Lemuren: „Unser Verhalten entscheidet, welche Arten überleben werden – und welche nicht“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/bedrohte-lem/ Ein madagassisch-deutsches Forschungsteam untersucht Lemuren in den Regenwäldern Madagaskars. Das Fingertier oder Aye-aye gilt als Unheilsbringer. Der Biologe Dr. Torsten Richter von der Universität Hildesheim und der Hildesheimer Doktorand Dominik Schüßler zeigen in einer Untersuchung am Beispiel des Aye-aye hingegen, wie Bildungsarbeit dazubeitragen kann, bedrohte Tierarten zu schützen. Das Überleben vieler Tierarten – gerade auch solcher, die als problematisch wahrgenommen werden – hängt ab vom Umgang und von der Akzeptanz der Menschen, die mit den Tieren zusammenleben. Zusammen mit einem madagassischen Forschungsteam untersuchen Dr. Torsten Richter, Biologe der Universität Hildesheim, und der Hildesheimer Doktorand Dominik Schüßler das Zusammenleben von Mensch und Tieren in geteilten Lebensräumen am Beispiel des Aye-ayes (Daubentonia madagascariensis). Das Aye-aye, auch als Fingertier bekannt, ist eine Primatenart aus der Gruppe der Lemuren.

Die aktuellen Erkenntnisse hat das internationale Forschungsteam in dem interdisziplinären Journal der Britisch Ecological Society „People and Nature“ veröffentlicht.

„Durch Bildungsarbeit zum Überleben der geheimnisvollen Art beitragen“

Dr. Torsten Richter konzentriert sich in seiner Forschung auf Lebensräume, die sich bedrohte Tierarten und Menschen teilen. Bedeutsam sind in diesem Zusammenwirken die Kultur und Traditionen, der Umgang und die Akzeptanz.

„Uns haben die positiven Einstellungen zum Aye-aye sehr überrascht. Vorher kannte man nur die vielen schrecklichen Erzählungen über das Aye-aye als Unheilsbringer und Todesboten, die oft genug zum Tod der Aye-ayes führten und das Überleben der Art gefährden. Mit den neuen Erkenntnissen ergeben sich auch neue Chancen, durch Bildungsarbeit zum Überleben dieser immer noch sehr geheimnisvollen Art beizutragen. Mit unseren madagassischen Partnern arbeiten wir bereits an ersten Konzepten“, fasst Dr. Torsten Richter, Senior Researcher an der Universität Hildesheim, die Forschungserkenntnisse zusammen.

Bedrohte Tierarten – geteilte Lebensräume: Dr. Torsten Richter untersucht das Zusammenwirken von Menschen, ihrer Kultur und Traditionen

„Das Aye-aye ist eine der geheimnisvollsten Lemurenarten und durch sein bizzares Aussehen auch in der westlichen Welt durchaus bekannt. Das Aye-aye gilt auf Madagaskar vielerorts als Unglücksbote und wird deshalb getötet, wenn man es antrifft, um großen Schaden vom Dorf abzuhalten. Das ist eine der Haupttodesursachen des Aye-ayes und bedroht dessen Überleben. Unsere Forschungsergebnisse aus dem Nordosten Madagaskars haben aber ein differenzierteres Bild ergeben: In einigen Dörfern haben die Menschen eine neutrale, zuweilen sogar positive Einstellung zum Aye-aye“, erläutert der Biologe Dr. Torsten Richter.

Eine positive Einstellung zum Aye-aye existiert vor allem dort, wo die Menschen beobachtet haben, dass das Aye-aye als Insektenfresser auf Nelkenbäumen Schädlinge frisst und somit eine Ökosystemleistung für die Menschen erbringt. Der Nelkenanbau ist eine wichtige Einnahmequelle in der Region, so Richter.

„Letztlich entscheiden unsere Einstellungen und unser Verhalten, welche Arten überleben werden und welche nicht“, sagt Dr. Torsten Richter. „Wir verstehen inzwischen, dass das Überleben vieler Tierarten, gerade auch solche, die als problematisch wahrgenommenen werden, vom Umgang und von der Akzeptanz der Menschen, die mit den Tieren zusammenleben, abhängt. Also letztlich von psychologischen und sozialen Faktoren und weniger von der Biologie der Tiere.“

Torsten Richter forscht seit vielen Jahren zur Akzeptanz von Tierarten. Am Beispiel der Rückkehr der Wölfe in der deutschen und niedersächsischen Kulturlandschaft untersucht der Biologe den von Menschen und Wildtieren geteilten Lebensraum und die soziale Tragfähigkeit. Eine Forschungsfrage ist, „wie viele Wölfe wir Menschen mit uns zusammen in unserem Lebensraum leben lassen und ob diese Zahl an Tieren und der Platz, den wir Menschen ihnen zugestehen, ausreicht, um ihr Überleben zu sichern“.

Interdisziplinäre Forschung

„Wir kombinieren in unserer Forschung die Expertise aus verschiedenen Bereichen. Der Erstautor des aktuellen Papers, Doménico Randimbiharinirina, ist ein Experte für die Ökologie des Aye-ayes und hat die Datenaufnahme im Feld geplant und die Interviews durchgeführt. Ich habe mich mit der Datenanalyse und dem Zusammenfügen der einzelnen Disziplinen befasst, die Interviews übersetzt und die Datenaufnahme mit Torsten Richter geplant“, erläutert Dominik Schüßler, Doktorand in der Abteilung Biologie der Universität Hildesheim.

Das Forschungsteam wurde ergänzt durch die Expertise von Dr. Brigitte Raharivololona, eine Expertin für Aye-ayes und Fachfrau für Primatologie in Madagaskar, sowie Dr. Jonah Ratsimbazafy, ein Experte für Primatologie und den Schutz von Lemuren, der als externer Dozent bereits an der Universität Hildesheim gelehrt hat.

Der Artikel ist abrufbar unter dem folgenden Link:

  • To tell a different story: Unexpected diversity in local attitudes towards Endangered Aye‐ayes Daubentonia madagascariensis offers new opportunities for conservation“
  • Autor*innen: Roger Doménico Randimbiharinirina, Torsten Richter, Brigitte M. Raharivololona, Jonah H. Ratsimbazafy, Dominik Schüßler
  • DOI: 10.1002/pan3.10192
  • URL: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/pan3.10192
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news-20373 Fri, 05 Mar 2021 06:11:00 +0100 Wirtschaftsinformatikerin Kristin Kutzner: Wie Museen ihr kulturelles Gut online zur Verfügung stellen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wirtschaftsinformatikerin-kristin-kutzner-wie-museen-ihr-kulturelles-gut-online-zur-verfuegung-stell/ Wie kann durch die Digitalisierung kulturelle Teilhabe ermöglicht werden? Durch den Einsatz von Online-Plattformen wie Museums-Webseiten, Social Media oder Blogs ermöglichen Museen den kulturellen Zugang und damit kulturelle Teilhabe für die Gesellschaft. Welche Eigenschaften auf diesen Plattformen zur Verfügung gestellt werden, untersucht und klassifiziert ein interdisziplinäres Forschungsteam der Wirtschaftsinformatik und Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Auf der internationalen Konferenz der Wirtschaftsinformatik wird Kristin Kutzner im März 2021 Erkenntnisse aus der Forschung im Track „Digitisation and Society – Even in Times of Corona“ veröffentlichen.

In ihrer Forschung befasst sich die Wirtschaftsinformatikerin der Universität Hildesheim mit der Frage, wie Einzelne auch unabhängig von jeglichen Einschränkungen Zugang zu Museen und Ausstellungsstücken erhalten können, insbesondere auch in Zeiten der COVID-19-Pandemie.

Den Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Claudia Roßkopf aus dem Institut für Kulturpolitik und Prof. Dr. Ralf Knackstedt und Dr. Thorsten Schoormann aus dem Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik entstanden.

Kristin Kutzner ist seit 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung „Informationssysteme und Unternehmensmodellierung“ am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik der Universität Hildesheim. Die Wirtschaftsinformatikerin promoviert bei Prof. Dr. Ralf Knackstedt im Bereich der digitalen Transformation.

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news-20387 Thu, 25 Feb 2021 11:51:00 +0100 Die Geruchsproben kommen per Post: Wie Olfaktorik-Forschung in der Pandemie gelingen kann https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/die-geruchsproben-kommen-per-post-wie-olfaktorik-forschung-in-der-pandemie-gelingen-kann/ Teil 7 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie": Seit Anfang 2020 habe er nicht mehr im Labor gestanden, sagt PhD Ryan Patrick M. Hackländer aus der Abteilung Allgemeine Psychologie an der Universität Hildesheim. Die Corona-Pandemie hat die Geruchsforschung, ein Schwerpunktthema der Abteilung, deutlich komplizierter werden lassen. Aber dennoch nicht unmöglich, sagt der Wissenschaftler. „Am Anfang haben wir uns schon gefragt, wie Geruchsforschung unter solchen Umständen überhaupt funktionieren soll“, sagt Ryan Hackländer, Mitarbeiter in der Abteilung Allgemeine Psychologie. Er und Prof. Dr. Christina Bermeitinger haben Anfang 2020 ein drittmittelfinanziertes Projekt gestartet, für das Präsenz-Experimente mit je etwa 30 Proband*innen und mehreren Labor-Terminen vorgesehen war. Anna Brörken wirkt seit Mai 2020 als Doktorandin in diesem Projekt mit. Doch noch in der Vorbereitungsphase kam die Pandemie dazwischen.

Ursprünglich war für die Arbeit im Labor der Einsatz eines sogenannten Olfaktometers vorgesehen. Mit solch einem Gerät, von dem es weltweit nur wenige Exemplare gibt, lässt sich exakt steuern, welcher Geruch zu welchem Zeitpunkt und für wie lange bei einer Versuchsperson ankommt. Im Hildesheimer Labor der Allgemeinen Psychologie stehen gleich zwei Geräte davon, die nun seit fast einem Jahr nicht in Betrieb waren – das eine davon ist sogar noch immer nagelneu und wurde seit 2019 für die Anforderungen in Hildesheim konfiguriert, gebaut und nur kurz vor dem ersten Lockdown aus Italien geliefert.

Nachdem klar geworden war, dass die Zeit der Abstandsregeln und Kontakt-Beschränkungen so schnell nicht wieder vorüber sein würde, musste ein ganz neues Konzept her. Ungefähr ein halbes Jahr habe es gedauert, das Projekt entsprechend umzuplanen und auf die neuen Gegebenheiten abzustimmen.

Denn anders als Bilder, Texte oder Videos, lassen sich Duftmoleküle noch immer schlecht in Bits und Bytes speichern und wiedergeben. Aber: in Briefumschlägen versenden. Und das ist genau die Lösung, die für das Projekt nun umgesetzt wird. „Ich weiß nicht, wie andere Geruchsforscher*innen arbeiten“, sagt Hackländer, der viele seiner Olfaktorikexperimente bis auf Weiteres auf Eis gelegt hat und sich vorläufig anderen Themen widmet. Doch das Drittmittelprojekt, an dem auch die Dissertation von Anna Brörken hängt, lässt sich nicht so ohne Weiteres auf unbestimmte Zeit verschieben. Also kamen Hackländer und Bermeitinger auf die Idee, Geruchsproben per Post zu verschicken.

Nicht nur bei der methodischen, sondern auch bei der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts musste nochmal nachjustiert werden, da sich mit Gerüchen in Briefumschlägen nicht dieselben Fragestellungen untersuchen lassen wie im Labor. Während das ursprüngliche Projekt sich auch dem Zusammenhang von Geruch und Aufmerksamkeit widmen sollte, liegt der jetzige Fokus darauf herauszufinden, welche Assoziationen und Emotionen bestimmte Gerüche bei den Proband*innen wecken. „Dafür haben wir zunächst Gerüche ausgewählt, die jeder kennt“, erläutert Hackländer. Den Geruch von frisch gebackenem Brot zum Beispiel, von Erdbeeren, von Weichspüler, aber auch von Teer. Gerüche, erläutert der Wissenschaftler, lösen insgesamt seltener Erinnerungen aus, aber wenn doch, seien diese häufig sehr emotional. So jedenfalls die in der Literatur verbreitete Hypothese, der in diesem Projekt nachgegangen wird.

Insgesamt 20 Geruchsproben erhalten die Proband*innen auf dem Postweg – dazu einen Fragebogen, in dem sie angeben sollen, welche Erinnerungen der jeweilige Duft bei ihnen auslöst und wie intensiv und lebhaft diese Erinnerungen sind. Während mit dem Olfaktometer der Geruch per Schlauch direkt unter die Nase geführt werden kann, riechen die Testpersonen nun zu Hause an kleinen Glasröhrchen. Dass die Testreihen nicht unter Laborbedingungen durchgeführt werden können, sei nicht optimal, sagt Hackländer. „Wir wissen nicht, wie sehr wir den Ergebnissen vertrauen können.“ Gerade Gerüche vermischen sich außerhalb des Labors mit zahlreichen anderen Gerüchen, die die Umgebung gerade bietet.

Aber neben solchen Einschränkungen sieht der Wissenschaftler durchaus auch positive Effekte der Arbeit unter Pandemie-Bedingungen. So bleibe momentan viel mehr Zeit für internationalen Austausch und Kooperationen. „Und im Bereich der Software-Entwicklungen hat sich sehr viel getan. Es gibt inzwischen viel mehr Möglichkeiten, Experimente online durchzuführen, als noch vor einem Jahr denkbar gewesen wäre.“ Leider sind diese Möglichkeiten bisher noch kaum für Olfaktorik-Forschung einsetzbar, wobei auch für die digitale Geruchsforschung erste Entwicklungen zu beobachten sind.

„Forschung zu Olfaktorik und zu ihren vielfältigen Verbindungen zu unserem Denken, Fühlen und Handeln ist jedoch in jedem Fall immer noch Pionierarbeit“, sagt Prof. Bermeitinger, „so dass jegliche Studie einen Beitrag leistet, um wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen.“

Text: Sara Reinke

Die Personen:

PhD Ryan Patrick M. Hackländer, ist seit 2014 an der Universität Hildesheim beschäftigt. Er ist Mitarbeiter in der Abteilung Allgemeine Psychologie am Institut für Psychologie.

Prof. Dr. Christina Bermeitinger leitet seit 2009 die Abteilung Allgemeine Psychologie an der Universität Hildesheim. Die Allgemeine Psychologie erforscht die dem Denken, Fühlen und Handeln im Allgemeinen zugrunde liegenden Prozesse. In Hildesheim sind die beiden großen Schwerpunkte der Abteilung Allgemeine Psychologie der Bereich „Action, motion, spatial cognition“ sowie der Bereich Olfaktorik.

Anna Brörken ist seit Mai 2020 als Promotionsstipendiatin in dem Olfaktorik-Projekt beteiligt.

 

 

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news-20382 Mon, 22 Feb 2021 12:34:00 +0100 Geschichtskultureller Wandel, historisches Lernen und Erinnerung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geschichtskultureller-wandel-historisches-lernen-und-erinnerung/ Die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Viola Georgi stellt gemeinsam mit weiteren Expert*innen Forschungserkenntnisse zu geschichtskulturellem Wandel, historischem Lernen und Erinnerung vor. Seit 2018 erforscht ein interdisziplinäres Team im Verbundprojekt „Geschichten in Bewegung“ Erinnerungspraktiken, Geschichtskulturen und historisches Lernen in der deutschen Migrationsgesellschaft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt.

Die Erkenntnisse des Forschungsprojekts werden vom 1. bis 2. März 2021 im Rahmen der digitalen Abschlusstagung „Geschichtskultureller Wandel, historisches Lernen und Erinnerung“ vorgestellt. Über 200 Personen werden an der Online-Konferenz teilnehmen.

Das Forschungsteam des Zentrums für Bildungsintegration der Universität Hildesheim, der Freien Universität Berlin, des Georg-Eckert-Instituts in Braunschweig und der Universität Paderborn hat im Rahmen einer empirischen Studie Interviews zur Geschichtskultur im Wandel geführt.

Interviewt wurden Akteur*innen aus Schule und schulischem Lernen, Gedenkstätten und Museen, Bildungsmedien und Bildungsverlagen sowie aus der non-formalen Bildung (NGOs).

Das empirische Material ermöglicht Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Wie reagieren Angebote historischer Bildung im pädagogischen Alltag auf die Pluralisierung historischer Sinnbildung angesichts von Migration und Vielfalt ?

  • Welchen Herausforderungen und welchen veränderten Bedarfen begegnen Akteur*innen der historischen Bildung derzeit?

  • Wie kann historisches Lernen die Auseinandersetzung mit kontroversen Erzählungen der Vergangenheit anregen und den Umgang mit geschichtskulturellem Wandel selbst thematisieren?

„In der Auseinandersetzung mit Geschichte in der deutschen Einwanderungsgesellschaft spielt Diversität eine immer größere Rolle. Es fehlt aber vielerorts noch an geeigneten Konzepten“, sagt Prof. Dr. Viola Georgi.

Forschungsteam der Universität Hildesheim interviewt Lehrkräfte zu Geschichtskultur im Wandel

Das Forschungsteam der Universität Hildesheim legte einen Fokus auf die Schule und den Unterricht und interviewte Lehrkräfte. „Wir haben zum Beispiel untersucht, wie es dazu kommt, dass ausgerechnet die inklusiv inszenierte Thematisierung von Migrationsgeschichte(n) im Unterricht häufig dazu beiträgt, Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien als Andere, Nicht-Zugehörige zu markieren und auszugrenzen“, so Georgi.

Nähere Informationen über das Forschungsprojekt „Geschichten in Bewegung“ finden Sie hier.

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news-20349 Mon, 22 Feb 2021 10:22:00 +0100 Covid 19: Wie solidarisch kann eine Gesellschaft handeln? - Interview mit Politikwissenschaftlerin Prof. Marianne Kneuer https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/covid-19-wie-solidarisch-kann-eine-gesellschaft-handeln-interview-mit-politikwissenschaftlerin-p/ Selbst zurückzustehen, um andere zu schützen – dazu ist in der aktuellen Pandemie nicht jeder gleichermaßen bereit. Wie gesellschaftliche Solidarität entsteht – und welche Rolle dabei entsprechende Appelle aus der Politik spielen – erforscht ein Team von Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim. Politikwissenschaftlerin Prof. Marianne Kneuer gibt im Interview Einblick in die multidisziplinäre Arbeit und Ausblicke über das Projekt hinaus. Sie forschen zu der Frage, inwieweit Menschen in der aktuellen Pandemiesituation bereit sind, eigene Interessen zurückzustellen, um andere zu schützen. Wie kam es zu diesem Forschungsprojekt?  

Wir haben bei uns am Institut bereits seit zwei Jahren einen Schwerpunkt zur Solidaritätsforschung in der Migrationskrise. Im Rahmen des Forschungsverbunds mit Politikwissenschaftler*innen, Soziolog*innen und Informationswissenschaftlern aus Fachbereich 3, sind wir sehr vielfältig vernetzt. Aus diesem Netzwerk heraus entstand zu Beginn der Corona-Krise die Idee, unsere Forschung in diese Richtung auszuweiten. Mit Kolleg*innen des Leibniz Instituts GESIS konnte 2020 ein Verbund eingeworben werden im Rahmen der Covid-19 Förderung des BMBF. Da wir alle transdisziplinär zum Solidaritätsverhalten in Krisensituationen forschen, war es naheliegend, diese bisher völlig präzedenzlose Krise aufzugreifen.

Wie untersuchen Sie die Solidarität während der Corona-Pandemie?

Zum einen führen wir Meinungsumfragen durch und zwar in drei Wellen. Zum anderen untersuchen wir die Diskurse, die 2020 zu Covid-19 auf Twitter stattgefunden haben. Beide Datenquellen werden uns zu einem Bild verhelfen, wie Bürger*innen über Solidarität in dieser Krise denken, was sie antreibt, solidarisch oder nicht solidarisch zu sein.

Haben Sie bereits erste Ergebnisse in Ihrem Projekt gewonnen?

Die erste Meinungsumfrage, die wir im Ende November/Anfang Dezember 2020 durchgeführt haben, hat durchaus einige interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. So etwa in Bezug auf das Vertrauen der Bürger*innen in unterschiedliche Institutionen oder Personen. Das höchste Vertrauen wird der Gruppe der Wissenschaftler*innen und dem Robert-Koch-Institut entgegengebracht. Sehr hoch ist auch das Vertrauen in staatliche Institutionen wie die Kommunen, die Gesundheitsämter, der Bundestag und die Bundesregierung. Das niedrigste Vertrauen genießen dagegen die Religionsgemeinschaften.

Unterscheidet sich solidarisches Verhalten gegenüber schwächeren oder schlechter gestellten Gruppen in einer Krisensituation vom Alltagsverhalten außerhalb von Krisenzeiten?

Ja, das ist auf jeden Fall so. Krisen werden sowohl von Politiker*innen und von Vertreter*innen sozialer Institutionen als auch von den Bürger*innen in Bezug auf solidarisches Verhalten anders wahrgenommen als normale Alltagssituationen. Wir haben in diesem Zusammenhang untersucht, welches Framing die Kanzlerin insbesondere zu Beginn der Corona-Krise benutzt hat, wie sie ihre Kommunikation ausgerichtet hat. Der Appell an die Solidarität und den Zusammenhalt in der Gesellschaft – verbunden mit dem Thema Gesundheitsschutz – hat dabei einen ganz hohen Stellenwert eingenommen.

Das Besondere an der Corona-Krise ist sicherlich, dass ihre Implikationen und ihr Fortgang völlig offen und von großen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten geprägt sind. Da dient der Appell an die Solidarität nicht nur als kommunikatives Element, sondern es geht wirklich darum, das Gemeinwohl vor die individuellen Interessen zu stellen, etwa um die Kapazitäten des Gesundheitswesens nicht überzustrapazieren.

Zudem ist auch interessant, dass über zwei Drittel der Befragten in unserem survey angaben, Solidarität sei zu Anfang und zum Befragungszeitpunkt, also Ende November, ebenso wichtig. Das heißt, es lässt sich keine Solidaritätsmüdigkeit feststellen.

In der Migrationskrise hat Merkel mit dem Satz „Wir schaffen das“, der ja auch als Appell an die Solidarität zu verstehen ist, aber auch viel Gegenwind geerntet.

Der Unterschied zur Migrationskrise ist, dass wir es in der Pandemie wir es mit einer Situation zu tun haben, die die Gesellschaft als Ganzes unmittelbar bedroht. Es gab anfangs eine große Unsicherheit und Unberechenbarkeit, wie viele Menschen schwer erkranken und auch sterben würden. Das hat eine ganz andere Qualität als im September 2015, als die Kanzlerin verfügt hat, die Grenzen für eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen zu öffnen und dann den Satz „Wir schaffen das“ formuliert hat. Das geschah auch aus einer Notsituation heraus, aber eine unmittelbare Bedrohung für die Gesellschaft hat sich daraus nicht abgeleitet. Das war zu Beginn der Corona-Pandemie anders.

Was ist von Seiten der Bundesregierung während der Pandemie kommunikativ gut gelaufen, was hätte besser laufen können?

Was die Kommunikation angeht, hat sich die politische Führung in Deutschland von Beginn an sehr stark auf Expertenwissen gestützt – und damit auch ihre Maßnahmen begründet. Dass auch die Experten nicht immer richtig lagen und zum Beispiel anfangs das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sogar von der WHO als nicht notwendig erachtet wurde, kann man nicht der Bundesregierung anlasten. Das wurde auch in der Bevölkerung nicht so gesehen: Das Vertrauen in die Bundesregierung ist im Laufe der Pandemie und der Krisenbewältigung signifikant gestiegen. Auch unsere Daten bestätigen dieses hohe Vertrauen. Was man ebenfalls beobachten konnte, war, dass die politisch Handelnden durchaus ihre eigenen Maßnahmen hinterfragt und nachjustiert hat. Zudem hat die Bundesregierung sehr früh auch viel in die Forschung investiert, und zwar nicht nur in die epidemiologische, sondern auch in die sozialwissenschaftliche, um die Folgen der Corona-Krise besser einordnen zu können. Darüber hinaus war es aber auch interessant, dass Kanzlerin Merkel neben wissenschaftsbasierten Entscheidungen und dem Appell an die Solidarität in ihrer Kommunikation mehr als man das von ihr zuvor gewohnt war auf das Element der Empathie gesetzt hat. Das war im internationalen Vergleich nicht überall gegeben.

Haben Sie Beispiele für die Krisenkommunikation in anderen Ländern und ihre Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander?

Geradezu konträr zum deutschen Vorgehen stand das Kommunikationsverhalten des kürzlich aus dem Amt geschiedenen US-Präsidenten Donald Trump. Er hat sich nicht nur überhaupt nicht für die Position der Wissenschaft interessiert, sondern deren Erkenntnisse sogar noch geleugnet und damit die compliance, die Bereitschaft zum Mitwirken an den von der Wissenschaft empfohlenen Maßnahmen, in der Bevölkerung heruntergesetzt. Seine Kommunikation war fatal für die gesellschaftliche Solidarität.

Andere Länder haben eher auf Kriegsrhetorik und aus dem Militärischen entlehnte Begrifflichkeiten im „Kampf gegen das Virus“ gesetzt, so etwa in Frankreich. In stärker autoritätsorientierten Kulturen werden politische Vorgaben zum Teil generell viel stärker respektiert. Eine Besonderheit in Japan ist es, dass der Staat rechtlich gesehen beispielsweise gar keine Maskenpflicht verordnen kann. Dennoch halten sich fast 100 Prozent der Bevölkerung an die diesbezügliche „Empfehlung“ der staatlichen Autorität. Ein anderer Aspekt bei der Kommunikation und Umsetzung von Maßnahmen ist das Ausmaß der Digitalisierung in einem Land. In Südkorea beispielsweise ist die Infektionsnachverfolgung über die stärkere digitale Vernetzung sehr viel einfacher. Hier ist die Nutzung dieser digitalen tools – etwa für das tracing der Kontakte - im Übrigen verpflichtend.

Blicken wir nochmal auf Deutschland: Würden Sie der Beobachtung zustimmen, dass das solidarische Bewusstsein in Teilen der Bevölkerung in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen hat, in anderen Teilen zugleich aber vermehrt egoistische Tendenzen in den Vordergrund getreten sind? Welche dieser Gruppen hat aus Ihrer Sicht den größeren gesellschaftlichen Einfluss?

Ob sich Einzelne solidarischer oder weniger solidarisch verhalten, als sie es sonst getan hätten, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber ganz allgemein kann man sagen, dass es durchgehend seit Beginn der Krise allen Umfragen zufolge eine klare mehrheitliche Unterstützung für die Maßnahmen des Gesundheitsschutzes gibt. Rund 75 Prozent der Bürger*innen stehen hinter den Maßnahmen, nur 15, maximal 20 Prozent sprechen sich dagegen aus. Dass sich das in der öffentlichen Wahrnehmung nicht unbedingt widerspiegelt, hat damit zu tun, dass diejenigen, die die Maßnahmen unterstützen, schlichtweg weniger sichtbar sind und weniger mediale Aufmerksamkeit bekommen, als die sehr viel kleinere Gruppe derjenigen, die sich den Maßnahmen verweigern, bewusst keine Masken tragen oder sich als Corona-Leugner*innen oder Querdenker*innen bei Demonstrationen zeigen.  Wir sehen also eine laute Minderheit, die viel mediale Aufmerksamkeit bekommt, aber daneben steht eine leise Mehrheit, die die Vorgaben der Regierung mitträgt und, so kann man wohl unterstellen, auch selbst solidarisch handelt oder anderen hilft.

Unsere Befragung hat dies bestätigt: Die große Mehrheit der Befragten zeigt eine große Bereitschaft, Einschränkungen hinzunehmen, wenn diese der Eindämmung der Corona-Pandemie dienen. Und dies bezieht sich auf die Einschränkung persönlicher und politischer Freiheiten wie Reisen, persönliche Kontakte oder beschränkte Teilnehmerzahlen bei Demonstrationen ebenso wie auf die Tatsache, dass Steuermittel für Corona-Hilfen genutzt werden oder zur Ankurbelung der Konjunktur. Es zeigt sich zugleich auch, wo die empfindlichen Themen liegen: Einzelhandel, Schließung von Restaurants und Gastronomie. Sogar bei der Schließung von Kitas und Schulen waren es rund 50 Prozent, die erklärt haben, sie würden diese Maßnahmen mittragen.  

Zu Beginn der Corona-Zeit wurde das Einhalten von Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen vor allem als Solidaritätsleistung gegenüber sogenannten vulnerablen Gruppen propagiert, damit waren vor allem Ältere gemeint. Im Verlauf der Pandemie wurde deutlich, dass auch jüngere Personen schwer erkranken können, und dass das Maskentragen durchaus auch dem Eigenschutz dient. Fällt Solidarität leichter, wenn das entsprechende Verhalten auch eigene Vorteile bringt?

Solidarität, das konnten wir in unseren Untersuchungen zeigen, steht durchaus im Verhältnis zur Risikowahrnehmung. Wenn ich von einer Krise einen großen kollektiven Schaden erwarte für die Gesellschaft, für die Wirtschaft oder auch für mich selbst, richte ich meine Einstellung darauf aus. Und dann ist es durchaus so, dass die Allgemeinwohlorientierung die individuelle Autonomieerwartung übersteigt, dass man also eher bereit ist, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, um diesen Schaden abzuwenden.

Auch hier hat unsere Befragung interessante Ergebnisse hervorgebracht. Nimmt man etwa die Motivation, eine Maske zu tragen, so ist der Selbstschutz dabei zwar erwartet wichtig (65 Prozent), noch wichtiger aber ist die Motivation, andere zu schützen (75 Prozent) und die Verbreitung des Virus zu verlangsamen (74 Prozent) – vor allem letzteres also ein Signal für eine starke Gemeinwohlorientierung.

Ist denn ein gemeinwohlorientiertes Verhalten, dass zugleich eigennützigen Motiven dient, überhaupt als Solidarität zu verstehen?

Wir definieren Solidarität in unserem Projekt als eine Bereitschaft, einen Beitrag zur Überwindung einer Widrigkeit zu leisten. Ob das uneigennützig geschieht (ich verhalte mich in jedem Fall so, egal, ob ich etwas zurückbekomme oder einen Mehrwert davon habe) oder ob dafür eine Gegenleistung erwartet wird (zum Beispiel: ich verhalte mich solidarisch, aber ich erwarte oder erhoffe mir, dass die anderen das dann auch tun, um mich zu schützen), ist dabei zunächst unerheblich. Grundsätzlich wäre das aber auch nicht verwerflich.

Kann man Solidarität erzwingen? Wie verhält es sich zum Beispiel mit der aus Steuermitteln finanzierten Unterstützung für Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie wirtschaftliche Nachteile erleiden?

Wenn Sie unser wohlfahrtsstaatlich orientiertes Sozialsystem anschauen, von der Krankenkasse bis zur Arbeitslosenversicherung, dann beruht dieses System vom Grund her auf staatlich regulierter Solidarität. Steuern sind ein elementarer Bestandteil dieses Solidarsystems, deshalb weiß ich nicht, ob man von „erzwingen“ sprechen sollte. 

Man müsste vielleicht eher fragen: Inwieweit konkurriert solidarisches Verhalten mit anderen Zielen oder Werten wie demokratischen Freiheiten oder Wirtschaftswachstum? Anders gesagt: Wieviel Bereitschaft habe ich in der aktuellen Krise, meine diesbezüglichen Erwartungen an wirtschaftliches Wohlergehen und demokratische Rechte zurückzustellen zugunsten des Gesundheitsschutzes? Hier liegt ein klarer Zielkonflikt vor und ob das von den Bürger*innen auch wirklich so gesehen wird, und wie sie sich dazu verhalten, untersuchen wir in unserem Projekt.

Interview: Sara Reinke

Zum Hintergrund

Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer und ihr Team (Greta Jasser und Matthias Roche) erforschen seit Juli 2020 in dem BMBF-geförderten Projekt „Safe-19 – Solidarität in der Covid-19-Krise“  wie politische Entscheidungsträger und soziale Akteure über die Zielkonflikte zwischen Solidarität für den Gesundheitsschutz, Einschränkungen der Wirtschaft und der demokratischen Rechte kommunizieren und wie die Bürger*innen zu diesen schwierigen Güterabwägungen stehen. In der Analyse kommt ein multidisziplinärer Ansatz zum Tragen – unter anderem durch Umfragen und die Auswertung von Twitter-Beiträgen in Bezug auf Verhaltens- und Einstellungsänderungen über den Verlauf der Krise hinweg. Das Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften läuft noch bis Dezember 2021.

 

 

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news-20381 Sun, 21 Feb 2021 12:05:00 +0100 Gefühle besser verstehen und regulieren: Training emotionaler Kompetenzen für Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/gefuehle-besser-verstehen-und-regulieren-training-emotionaler-kompetenzen-fuer-jugendliche/ Ein Forschungsteam der Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche der Universität Hildesheim startet im März 2021 ein neues Studienprojekt. Jugendliche, die sich über einen längeren Zeitraum von Ängstlichkeit oder Depressivität belastet fühlen, sollen mit einem Training unterstützt werden. Jugendliche im Alter zwischen 14 bis 18 Jahren und ihre Eltern können sich ab sofort bei dem Forschungsteam zur Teilnahme anmelden. Gerade die aktuelle Lage des Lockdowns in der COVID-19-Pandemie zeigt uns, wie herausfordernd es sein kann, mit unseren eigenen Gefühlen gut umzugehen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine ungünstige Emotionsregulation Grundlage vieler psychischer Erkrankungen ist. Darauf weist ein Forschungsteam des Instituts für Psychologie hin.

Vor allem im Jugendalter gibt es so viele Herausforderungen zu bewältigen, dass zum Beispiel Ängstlichkeit und Depressivität als Folge entstehen können. Jugendliche müssen sich in der Gruppe behaupten, mit den neuen Medien mithalten, erste Partnerschaften eingehen und ihren eigenen Weg finden. Dabei gibt es effektive Möglichkeiten, einen besseren Umgang mit ihren Gefühlen zu lernen.

Die Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche (KiM - Kind im Mittelpunkt) des Instituts für Psychologie der Universität Hildesheim bietet ein neues Training für Jugendliche mit psychischen Belastungen an.

Training für Jugendliche mit psychischen Belastungen

Das Training Emotionaler Kompetenzen für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren haben Studierende der Psychologie unter der Leitung von Dr. Ann-Katrin Bockmann, Kasra Mirzaie und Prof. Dr. Claudia Mähler ausgearbeitet.

Die Grundlage für dieses Training bildet das wissenschaftlich bewährte Training Emotionaler Kompetenzen (TEK) für Erwachsene von Matthias Berking. Ab März 2021 beginnen die ersten Termine zum Kennenlernen und Vorbereiten des Trainings. Die Trainingstage selbst finden an vier Samstagen vom 08.05. bis 19.06.2021 in Kleingruppen von maximal sechs Jugendlichen in ausreichend großen Räumen an der Universität Hildesheim statt. Für interessierte Eltern gibt es kurze Informationsveranstaltungen zu Beginn und am Ende des Trainings. Die Teilnahme hieran ist freiwillig.

Teilnahme und Kontakt zur  Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche / KiM - Kind im Mittelpunkt

Jugendliche, die sich über einen längeren Zeitraum von Ängstlichkeit oder Depressivität belastet fühlen und Interesse haben, beim Training mitzumachen, sind herzlich eingeladen, sich umgehend persönlich oder über ihre Eltern beim Team der Hochschulambulanz „Kind im Mittelpunkt“ der Universität Hildesheim zu melden (Tel. KiM 05121 883 11012, montags bis donnerstags, 13 bis 14 Uhr, oder per E-Mail an kim@uni-hildesheim.de). Durch die Teilnahme entstehen den Jugendlichen und Familien keine Kosten.

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news-20292 Mon, 08 Feb 2021 16:25:00 +0100 Uni Hildesheim lädt zur Online-Fachtagung für Sportwissenschaftler https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uni-hildesheim-laedt-zur-online-fachtagung-fuer-sportwissenschaftler/ Mit der 55. Atmungs- und Leistungsphysiologischen Arbeitstagung (ALAT) richtet das Institut für Sportwissenschaften der Universität Hildesheim am 12. Februar eine hochkarätige Fachtagung für Sportwissenschaftler aus der ganzen Welt aus. Erstmals findet die Tagung in diesem Jahr online statt. Organisiert haben sie Sportwissenschaftler Prof. Dr. Sebastian Gehlert und Mitarbeiterin Käthe Bersiner. Auf dem Programm stehen unter anderem Vorträge zur Trainingsanpassung bei Atemwegserkrankungen wie COPD und anderen (Dr. Inga Jarosch, Schönau), zum Einfluss der körperlichen Fitness auf die muskuläre und hämatologische Response bei akutem Ausdauertraing älterer Probanden (Dr. Daniel Bizjak, Ulm) oder zum Einfluss genetischer Faktoren auf die Variabilität lokaler Prozesse im Skelettmuskel unter Belastung (Prof. Dr. Martin Flück, Zürich). Besondere Aufmerksamkeit dürfte in diesem Jahr aber auch den Vorträgen zu den Langzeitfolgen von Covid-19-Erkrankungen (Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Köln) und dem Post-Covid-Syndrom (Prof. Dr. Jürgen Steinacker, Ulm) zuteil werden.

Eingeladen zu der Tagung sind rund 200 sportwissenschaftliche und (präventions-)medizinische Experten, aber auch Interessierte anderer Fachbereiche sind willkommen. Ein Teil der Vorträge läuft in englischer Sprache, Fragen können im Chat gestellt werden. Im Anschluss ist jeweils eine kurze Diskussion vorgesehen.  

Aufgrund der COVID-19 Pandemie, wird die 55. Atmungs- und Leistungsphysiologische Arbeitstagung als komprimierte Online-Tagung über das Tool „Zoom“ stattfinden. Das Meeting wird kompakt am 12.2.2021 im Zeitraum zwischen 16 und 19 Uhr von der Abteilung „Biowissenschaften des Sports“ (Institut für Sportwissenschaft) der Universität Hildesheim ausgerichtet.

Hier geht’s zur Anmeldung

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news-20277 Fri, 05 Feb 2021 09:36:00 +0100 Wie Kitas über sich selbst hinauswachsen – Forscherinnen legen Abschlussbericht zu Organisationsentwicklung vor https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-kitas-ueber-sich-selbst-hinauswachsen-forscherinnen-legen-abschlussbericht-zu-organisationsentw/ Insgesamt gut sechs Jahre lang haben Expertinnen der Universitäten Hildesheim und Heidelberg erforscht, wie Kindertagesstätten sich strukturell so aufstellen können, dass sie nicht nur den Anforderungen der Gegenwart, sondern auch jenen der Zukunft gewachsen sind. In der von der Robert-Bosch-Stiftung als Projektträger veröffentlichten Online-Abschlusspublikation „Viel Bewegung in den Kitas – Erkenntnisse aus einem Projekt zur Organisationsentwicklung“, fassen die Wissenschaftlerinnen die zentralen Erkenntnisse und Lernerfahrungen aus allen Projektphasen zusammen und geben ganz konkrete Handlungsempfehlungen für all jene, die in Praxis oder Wissenschaft mit Organisationstrukturen von Kindertagesstätten befasst sind. Wachsende gesellschaftliche Anforderungen an die frühkindliche Bildung, gesetzlicher Betreuungsanspruch, Digitalisierungsanforderungen und multinationale Gruppenzusammensetzungen auf der einen Seite. Fachkräftemangel, geringe Wertschätzung seitens der Politik und fehlende Konzepte zur strukturellen Weiterentwicklung auf der anderen Seite. Das war die Ausgangslage für mehrere aufeinanderfolgende von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Forschungsprojekte der Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerinnen Professorin Carola Iller und Cindy Mieth gemeinsam mit Heidelberger Kolleginnen. „Die öffentliche Bedeutung der Kindertagesstätten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, sagt Prof. Carola Iller. „Es ist heute eine große Selbstverständlichkeit geworden, sich in der Familienplanung auf die Betreuungsmöglichkeiten von Krippe und Kita zu verlassen.“ Iller verweist auch auf die zuletzt in der Corona-Krise immer wieder betonte „Systemrelevanz“ der Einrichtungen. Doch zugleich fehle in Politik und Gesellschaft häufig das Bewusstsein für die vielfältigen Aufgaben und Anforderungen im Fachfeld der frühkindlichen Erziehung. Längst gehe es nicht mehr allein um gute pädagogische Arbeit, vielmehr ähnelten die Kindertagesstätten heute häufig eher kleinen Unternehmen, die professionelle Führung und strategische Weiterentwicklung erfordern. „Die hohe Erwartungshaltung der Eltern spiegelt sich nicht im Budget und in der personellen Ausstattung der Einrichtungen wider“, fasst Iller zusammen.

Bereits 2018 hatten die am Projekt beteiligten Wissenschaftlerinnen das Handbuch „Organisationsentwicklung in Kitas – Beispiele gelungener Praxis“ (pdf) veröffentlicht, in dem sie anhand von elf Fallstudien die organisatorische und strukturelle Bandbreite darstellen: von regionalen Unterschieden – insbesondere zwischen Ost und West – über verschiedene inhaltliche Konzepte bis hin zu Trägerschafts-Modellen in kommunaler, kirchlicher, privater oder freigemeinnütziger Hand. Nun legen die Expertinnen mit ihrem Abschlussbericht noch einmal nach und geben auf gut 80 sehr ansprechend aufbereiteten Seiten Fach- und Leitungskräften, sowie all jenen, die mit der Aus- und Weiterbildung im frühpädagogischen Bereich befasst sind, ganz konkrete Handreichungen mit auf den Weg.

Abschlussbericht: Viel Bewegung in den Kitas (pdf)

Bisher seien es oftmals pädagogische Fachkräfte, die mit einer begrenzten Stundenzahl für Leitungsaufgaben freigestellt würden, konstatiert Iller, doch seien diese nicht unbedingt auch für Personal- und Betriebsführung, Verwaltungsaufgaben oder Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit ausgebildet. „Ich könnte mir vorstellen, dass für diesen Bereich künftig ein ganz eigenes Berufsprofil entsteht.“

Zum Hintergrund der Studie

Die Idee, die Organisationsstrukturen von Kindertagesstätten systematisch zu erforschen, kam Carola Iller, Professorin für Weiterbildung an der Universität in Hildesheim, als sie im Jahr 2012 gebeten wurde, ein Weiterbildungsangebot für die Mitarbeiter*innen einer Kita in kommunaler Trägerschaft auf seine Wirksamkeit hin zu prüfen. „Ich stellte fest, dass das Angebot an sich gut ist, aber die Beschäftigten das Erlernte kaum würden umsetzen können, weil dafür die organisationalen Rahmenbedingungen fehlten.“ Daraus entwickelte sich die Fragestellung, inwieweit überhaupt systematische Organisationsentwicklung in diesem Bereich umgesetzt wird – ein bis dato kaum wissenschaftlich untersuchter Bereich.

Zunächst in einer Pilotstudie ab 2014 und später in weiterführenden, jeweils von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Forschungsprojekten ging Prof. Iller gemeinsam mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Diplom-Pädagogin Cindy Mieth und Kolleginnen aus Heidelberg dem Thema nach. Der Abschlussbericht wurde vor Beginn der Corona-Pandemie erstellt, so dass die daraus entstandenen neuerlichen Herausforderungen nicht mit einfließen konnten. Doch habe die Krise neben den Hürden der Hygienekonzepte und anderer Auflagen den Kitas auch viel gesellschaftliche Anerkennung gebracht, so Illers Einschätzung, und vielerorts ganz neue Zugänge eröffnet. „Ich höre von vielen kreativen Angeboten und Lösungen, die weit über eine reine Notbetreuung hinausgehen.“  

Kontakt:

Für Rückfragen zum Projekt ist Prof. Dr. Carola Iller per E-Mail zu erreichen unter: carola.iller(at)uni-hildesheim.de. Oder telefonisch unter der Nummer 05121/883-10108

 

Text: Sara Reinke

 

 

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news-20257 Thu, 04 Feb 2021 12:00:00 +0100 Interview mit dem Historiker Prof. Dr. Michael Gehler https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/interview-mit-dem-historiker-prof-dr-michael-gehler/ „Der Dreiklang aus Forschung, Studium und Lehre führt zu einer Synthese. Ohne das eine ist auch das andere nicht vorstellbar“, sagt der Historiker Prof. Dr. Michael Gehler im Interview. Die Universität zeichnet den Leiter des Instituts für Geschichte mit dem Preis für hervorragende Forschung aus. Prof. Dr. Michael Gehler forscht und lehrt seit 2006 an der Stiftung Universität Hildesheim. Der Historiker leitet das Institut für Geschichte (IfG) und ist Inhaber des „Jean Monnet Chair“ für Vergleichende Zeitgeschichte Europas und europäische Integration. Zuvor war er von 1999 bis 2006 ao. Professor am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck. Gehler ist Senior Fellow am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) in Bonn und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.

Für seine herausragenden Leistungen in der Forschung wird Professor Michael Gehler mit dem Preis für hervorragende Forschung der Universität Hildesheim ausgezeichnet.

Interview mit Prof. Dr. Michael Gehler: „Der Dreiklang aus Forschung, Studium und Lehre führt zu einer Synthese. Ohne das eine ist auch das andere nicht vorstellbar“

Herr Professor Gehler, Sie forschen und lehren seit 15 Jahren an der Stiftung Universität Hildesheim. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit dem diesjährigen Preis für herausragende Forschung?

Sie bedeutet für mich Anerkennung und Wertschätzung für die gesamte Forschungsarbeit am IfG, an dem es keine „One-Man-Show“ gibt. Unser Mini-Institut, das vorwiegend der Lehramtsausbildung dient, erlebte in dieser Zeit drei Habilitationen (Freiburg, Salzburg und Siegen haben sich die Kandidaten schon geangelt), über 15 Promotionen, die Europagespräche mit knapp 300 Vorträgen online, zahlreiche Konferenzen und drei Buchreihen. Ohne Teamarbeit und unser Hochaktiv-Sekretariat Eva Löw wäre das alles unmöglich gewesen. Vorgesehen ist nun eine neue Reihe mit herausragenden Masterarbeiten.

Wie erleben Sie die Gemeinschaft der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim? Sie haben fachdisziplinübergreifend zum Beispiel mit Kollegen der Theologischen Ethik in einem Projekt über „Europa als Verantwortungsgemeinschaft“ geforscht.

Interdisziplinäre Kooperationen gab es mit Reiner Arntz und Silvio Vietta, Vorzeige-Kollegen und Top-Leute, in der Vergangenheit. Mit dem dynamischen Kollegen Jörg Bölling von der Katholischen Theologie läuft seit Jahren ein fruchtbringendes gemeinsames Forschungskolloquium für den akademischen Nachwuchs. Für die Erlangung des DFG-Status der Universität müssen meinem Empfinden nach Kooperation und Vernetzung stärker werden, wenn die Kapazitäten es zulassen.

Sie haben eine Reihe an neuen Publikationen veröffentlicht. Das gleicht einem Marathon. Worin liegt Ihre Motivation?

Ich verstehe die Professur als Berufung und nicht als Job. Familiärer Rückhalt ist absolut gegeben. Ich bin kein Solist, sondern Teamworker. Mit Freude arbeite ich mit jüngeren Kollegen wie Alexander Merkl, Juniorprofessor für Theologische Ethik, zusammen. Mit Frau Löw haben wir ein grandioses Sekretariat, mit dem die Arbeit richtig Freude macht. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Lehre aus eigener Forschung für unsere 130 bis 150 Studierenden sind mir sehr wichtig. Mit Professorin Juliane Brauer ist es gelungen, eine profilierte Geschichtsdidaktikerin und Fachwissenschaftlerin zu gewinnen, womit das Ein-Professor-Institut endlich Geschichte ist.

Wie konnten Sie als Historiker Ihr Forschungssemester nutzen?

Es war mehr als das, nämlich ein Forschungsjahr. Ein Forschungssemester bringt erfahrungsgemäß nur sehr, sehr wenig. Man ist am Ende dort angelangt, wo man am Anfang sein wollte. Das Forschungsjahr bekam ich genehmigt, weil ich zuvor einmal auf ein Forschungssemester verzichtet habe. Ich würde das auch allen raten. Ein Jahr eröffnet ganz andere Möglichkeiten, zahlreiche offen gebliebene Projekte abzuschließen und neue Veröffentlichungen voranzubringen.

„Corona ist eine Zäsur. Die COVID-19-Pandemie beförderte das Nachdenken über das Krisenmanagement der EU.“

Ihr Forschungsjahr fällt in die Zeit der COVID-19-Pandemie. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf Ihre Forschungstätigkeit?

Das Home Office hat zwar die Realisierung von Publikationsvorhaben befördert, die Pandemie aber die Mobilität stark eingeschränkt, etwa den Zugang zu Archiven oder die Durchführung von Konferenzen. Die Folgen des Coronavirus sind ambivalent. Die Online-Lehre kann den direkten Austausch in der Universität nicht ersetzen. Forschungsreisen wurden abgesagt, etwa eine Buchvorstellung in Washington, aber dadurch entstanden neue Freiräume. Das Home Office führte zur Besinnung und Kontemplation. Die COVID-19-Pandemie verstärkte bei mir das Nachdenken über das Krisenmanagement der EU. Ein Ergebnis ist eine Publikation gemeinsam mit dem Wiener Kollegen Manfried Rauchensteiner über „Corona und die Welt von gestern“, und zwar inwieweit es sich aus der Sicht verschiedener Disziplinen um eine Zäsur handelt. Wie das Imperium EU mit der Krise umgeht, ist eine der Fragen, die mich weiter bewegen.

Mit welcher Forschungsfrage haben Sie sich während Ihres Forschungsjahres intensiv befasst?

Es waren mehrere, zum Beispiel der Weg eines Kleinstaats wie Österreich nach Europa und in die EU 1919-2009 im großen Überblick einer Monographie auf Englisch. In einem Forscherteam fragten wir uns, wie der nicht geringe Widerstand gegen den Kommunismus hinter dem Eisernen Vorhang nach 1945 ausgeprägt war. Mit einer Kollegin aus Szombathely, Ibolya Murber, begann ich an einer Quellenedition zu arbeiten, in der es um die Vorgeschichte ab 1949 und die Gründe für den Ungarnaufstand von 1956 geht.

Mit meinem Freund, dem Innsbrucker Althistoriker Robert Rollinger haben wir einen Band über Sternschnuppen-Imperien („Shortterm Empires“) abgeschlossen und uns gefragt, was solche Kurzzeit-Imperien ausmacht und woran sie zugrundegehen. Ein weiterer Band über Erosion und Implosion von Imperien folgt gemeinsam mit Philipp Strobl.

Eine Neuauflage meines Deutschlandbuchs von 2010 wurde um das letzte Jahrzehnt neugeschrieben, praktisch was von der angeblich geeinten Nation 1990 zur tatsächlich gespaltenen Gesellschaft von 2020 führte. Das Gleiche ist mit einem Reader „Der Weg Europas. Von der Utopie zur Gegenwart der EU“ geschehen, der bis zur COVID-19-Krise aktualisiert wurde. Mit dem Essener Europa-Historiker Wilfried Loth haben wir Hildesheimer Konferenzergebnisse von 2019 veröffentlicht, die sich mit Fragen des Neuanlaufs in der europäischen Integrationspolitik von 1985 bis 1989 beschäftigten, und mit dem erwähnten Kollegen von der katholischen Theologie des Fachbereich I, Alexander Merkl und dem Nachwuchsmann Kai Schinke, haben wir einen interdisziplinären Zukunftsdiskurs über die „EU als Verantwortungsgemeinschaft“ mit der Bürgergesellschaft organisiert, der publiziert werden konnte. Mit dem ehemaligen IfG-Promoventen Dr. Marcus Gonschor war ein Gemeinschaftswerk zur Biographie und zum Wirken des Europaparlamentariers aus Niedersachsen, Hans-Gert Pöttering, zu erarbeiten, dessen Initiative zu dem 2017 eröffneten Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel geführt hat.

Eine umfassende Edition mit über 50 Zeitzeugen aus Ost und West zu „30 Jahre deutsche Einheit“ konnte mit Oliver Dürkop abgeschlossen werden, die im Mai erscheinen kann. Ein Europagespräche-Band „Geschichte schreiben – Geschichte vermitteln“ ist gemeinsam mit Andrea Brait und Philipp Strobl bei Olms erschienen. Zuguterletzt ist die Heimat meiner Frau Angelika nicht zu vergessen: Südtirol. Eine Aktenedition zum Ersten Autonomiestatut 1948, an der auch Deborah Cuccia mitgewirkt hat, wird jetzt herauskommen.

Diese unfassbare Vielzahl der Werke erklärt sich durch jahrelang angestaute Projekte, was die Immanenz eines Strukturproblems in Permanenz aufzeigt. Im „Normalfall“ kommt man an der Universität kaum mehr zu kontinuierlicher und nachhaltiger Forschung. Es fehlt die Zeit, die man sich anderweitig nehmen muss.

Werden Ihre Forschungserkenntnisse Einfluss auf Ihre Lehre haben? Können Sie ein Beispiel nennen?

Das war immer so und ist nun mehr denn je bei den meisten Forschungsthemen so. Am IfG hat trotz aller Hemmnisse Forschung Priorität, dann folgt das Studium des Erforschten und sodann kommt forschungsbasierte Lehre zu ihrem Recht. Nur in dieser Reihenfolge ergibt das Sinn. Der Dreiklang führt zur Synthese. Ohne das eine ist auch das andere nicht vorstellbar. Jetzt geht es um eine zweite Videovorlesung in Corona-Zeiten zur Geschichte Europas vom Mittelalter bis in die Neuzeit sowie ein Online-Seminar zur deutschen und europäischen Geschichte 1914-1991. Mit historischen Imperien haben wir uns im epochenübergreifenden Überblick in den vergangenen Semestern intensiv auseinandersetzt und die Vergleichsfolie EU herangezogen, was Studierende z. B. animiert hat, BA- und MA-Arbeiten über Japan in der Tokugawa-Zeit, das Osmanische Reich und die Habsburgermonarchie zu schreiben.

Das Interview führte Isa Lange.

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news-20246 Mon, 01 Feb 2021 08:09:00 +0100 „Kommunikation im Netz braucht klare Regeln“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kommunikation-im-netz-braucht-klare-regeln/ Das Thema „Hate Speech“ steht im Zentrum einer interdisziplinären Tagung der Universität Hildesheim am 8. Februar. Bevor künstliche Intelligenz helfen kann, solche Hassbotschaften herauszufiltern, muss menschliche Intelligenz sich erstmal darauf verständigen, welches Kommunikationsverhalten im Netz angemessen ist – und welches nicht. Ein Interview mit Informationswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Mandl über den sozialen Frieden im Netz und wie man ihn erreichen kann. Warum gibt es überhaupt soviel Hass im Netz - wer profitiert davon?

Das sind zum einen politische Randgruppen, die in der parlamentarischen Demokratie kein Gehör finden und sich im Netz Aufmerksamkeit und eine Gruppenidentität verschaffen. Zum anderen Einzelpersonen, die ihre negativen Emotionen und Aggressionen einfach mal loswerden wollen, und aus den Reaktionen darauf Selbstbestätigung ziehen. Sie müssen sich nicht groß mit einem Thema auseinandersetzen, es reicht, einfach „draufzuhauen“ und dann abzuwarten, wie andere entweder zustimmen oder sich davon provozieren lassen. Als drittes gibt es noch wirtschaftliche Aspekte der gezielten Fehlinformation und Hassrede – denn über die damit verbundenen Klicks lässt sich viel Geld verdienen. Für den vorletzten US-Wahlkampf beispielsweise ist sehr gut dokumentiert, wie viele politisch Unbeteiligte auf diese Weise Profit gemacht haben.

In Deutschland sind sehr viele auch abwertende Äußerungen durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Lässt sich pauschal sagen, an welcher Stelle die Grenze zur Illegitimität überschritten ist?

Letztlich regeln die Strafgesetze, wann eine solche Grenze überschritten ist. In einigen Bereichen ist das relativ klar geregelt, in anderen, wie beim Thema Beleidigung gibt es viel Interpretationsspielraum und man könnte sicherlich oft auch anders entscheiden. Ich denke da zum Beispiel an den Fall Renate Künast. [Die Grünen-Politikerin war 2019 auf Facebook als unter anderem als „Drecks Schwein" und „Schlampe" betitelt und mit weiteren sexistischen Äußerungen angegriffen worden. Das Berliner Landgericht hatte zunächst entschieden, dass diese Kommentare keine Beleidigungen seien, das Kammergericht widersprach dieser Entscheidung später, die Verfasser gingen dennoch straffrei aus. Anm. d. Red.]

Wollen Sie in erster Linie rechtswidrige Äußerungen durch KI erfassen und herausfiltern oder geht es generell darum, das Kommunikationsverhalten im Netz auszuwerten?

Für unsere Erfassung liegt die Schwelle da, wo man als Plattformbetreiber einschreiten würde. Das müssen nicht immer illegale Äußerungen sein, sondern auch solche, die in einer Diskussion unangemessen erscheinen, zum Beispiel, weil sie aggressiv formuliert sind. Es geht darum, ein System zu entwickeln, das solche Beiträge vorfiltert, damit dann nochmal ein Mensch gezielt draufschauen kann. Das Level der Strafwürdigkeit wäre noch eine Stufe höher anzusiedeln. Man könnte theoretisch sogar einen Filter programmieren, der solche Fälle direkt an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

Was kulturell akzeptiert, aber auch, was rechtlich relevant ist, ist in jedem Land anders. Braucht jeder Kulturkreis – unabhängig von der reinen Übersetzungsleistung – für solche KI-Filter eine eigene Programmierung?

Die Systeme sind natürlich in sich sprachabhängig – wobei es sogar auch schon Verfahren gibt, die sprachübergreifend funktionieren. Aber in der Regel liegt der Fokus auf einem Sprachraum. Im Deutschen haben wir bei der Programmierung den großen Vorteil, dass viele auswertbare Ressourcen für die Computerlinguistik zur Verfügung stehen, viele Lexika, viele Modelle, viele Algorithmen. Zwar weniger als im Englischen, aber auf jeden Fall deutlich mehr als beispielsweise für Hindi. Neben der Sprache müssen natürlich auch der jeweilige Rechtsraum berücksichtigt werden, ebenso wie kulturelle Unterschiede im Kommunikationsverhalten – sowohl bezogen auf die Form, als auch bezogen auf die Inhalte. In der konservativen indischen Gesellschaft liegt zum Beispiel die Schwelle deutlich niedriger, was Anzüglichkeiten bis hin zu pornographischen Inhalten angeht. Das ist dort sehr verpönt und würde sehr viel eher als in Deutschland restringiert oder zensiert werden. In den USA dagegen wird die Meinungsfreiheit extrem hoch angesetzt, da wird auch online wenig reglementiert.

Mit welchem Ziel sollen Hassbotschaften im Netz gefunden werden? Und wer soll diese Technologien später einsetzen?

Das Ziel ist zum einen, die entsprechende Technologie erstmal überhaupt zu entwickeln. Zum  anderen geht es uns darum, die Diskussion darüber, wie gut bestimmte Algorithmen greifen, in der Wissenschaft voranzubringen. Am Ende muss die Gesellschaft erkennen können, ob ein Plattform-Betreiber Filterfunktionen sinnvoll einsetzt, oder ob er viel zu viel rausfiltert oder viel zu wenig.  

Ist der Hass tatsächlich im Netz größer – oder ist es nicht viel eher so, dass sich die Menschen unter dem Deckmantel der Anonymität oder wegen der fehlenden persönlichen Begegnung dort freier äußern, ihre Meinungen und Überzeugungen aber auch im realen Leben nicht anders sind?

Es gibt im zwischenmenschlichen Umgang erlernte soziale Verhaltensregeln, die aber im Netz nicht in gleicher Weise zum Tragen kommen. Im direkten, persönlichen Kontakt würde man wohl kaum gleich alles sagen, wie es einem in den Kopf kommt. Man agiert man kontrollierter und differenzierter, auch weil man sein Gegenüber vielleicht kennt oder auch in Zukunft nochmal treffen wird, möglicherweise auch in irgendeiner Hinsicht auf diese Person angewiesen sein wird. Wenn man Kritik äußern möchte, überlegt man sich daher sehr genau, wie man diese angemessen rüberbringt.  Aber im Netz kennt man sein Gegenüber häufig nicht und wird ihm möglicherweise auch nie begegnen, zudem ist kein erlerntes Verhaltensmuster für diese Form der Kommunikation abrufbar. Im Gegenteil: Wenn man viel im Netz unterwegs ist und viele abwertende, womöglich beleidigende Beiträge und Kommentare liest, stellt sich der Eindruck ein, das sei die übliche Art und Weise wie man im Internet kommuniziert. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, muss ein von Grund auf anderes Kommunikationsmuster erlernt werden.

Das Löschen von Beiträgen führt schnell zum Vorwurf der Zensur, vor allem, wenn die Inhalte aus rechtlicher Sicht nicht zu beanstanden sind oder sich zumindest noch in einem Graubereich bewegen. Eine ähnliche Debatte sieht man häufig in Bezug auf das Verbot umstrittener politischer Gruppierungen. Deren Anhänger verlieren ja auch  durch ein Verbot nicht ihre grundlegenden Überzeugung, sondern sind schlimmstenfalls nur schwerer zu erfassen und zu kontrollieren. Besteht im Internet nicht auch die Gefahr, dass bestimmte Meinungen zwar aus der öffentlichen Debatte verdrängt werden, dann aber in anderen Kontexten sehr viel größeren Zuspruch erfahren?

Ich glaube, in vielen Fällen fehlt den Menschen, die Hassbotschaften absetzen, das Bewusstsein dafür, dass das auch im Netz nicht nur unangemessen, sondern möglicherweise auch strafbar ist. Es braucht klare Regeln – und eben auch Verbote – um deutlich zu machen, dass man sich auch im Internet nicht einfach verbal austoben kann, sondern es auch dort ein geregeltes Kommunikationsverhalten gibt. Wenn bestimmte Meinungen lange im Netz stehen bleiben und dort lesbar sind, entsteht daraus der Eindruck, dass sie normal und akzeptiert sind. Deshalb ist es wichtig, solche Kommentare zu entfernen. Der soziale Frieden einer Gesellschaft muss auch auf den sozialen Plattformen durchgesetzt und erhalten werden.

Wessen Aufgabe ist es, beispielsweise hetzerische oder gewaltverherrlichende Inhalte herauszufiltern (bzw. von vornherein nicht zuzulassen)? Die des Staates? Oder die der Plattform-Betreiber?

Grundsätzlich kann diese Aufgabe nur der Staat haben. Der kann allerdings Teile der Umsetzung an die Plattformbetreiber delegieren, die ja immerhin auch Geld mit den  Inhalten verdienen. Es kann nicht sein, dass die Gesellschaft für die daraus entstehenden Probleme die Kosten trägt. Aber über die grundlegenden Regeln, was gelöscht werden muss, in welcher Zeitspanne usw., muss der Staat entscheiden.

Wären Sie für eine Klarnamen-Pflicht im Netz?

Nein. Die gibt es in China – aber wir sollten das aus guten Gründen nicht einführen. Für die Strafverfolgung muss natürlich eine Identifikation möglich sein, aber dafür reicht auch die IP-Adresse. Um eine Klarnamenpflicht durchzusetzen, müsste man seine Ausweispapiere kopieren und einem privaten, meist im Ausland ansässigen Unternehmen zur Verfügung stellen, um überhaupt einen Account zu kriegen. Das ist aus datenschutzrechtlicher Sicht sehr bedenklich.

Kurz vor dem Präsidentschaftswechsel in den USA hat Twitter den Account des noch-amtierenden Präsidenten Donald Trump gesperrt. War das aus Ihrer Sicht ein richtiger Schritt?

Ich finde es ein bisschen wohlfeil, das ganz zum Ende der Präsidentschaft zu tun, nach das Unternehmen Twitter mit Trump schon sehr viel Geld verdient hatte. Um wirklich ein Zeichen zu setzen, hätte schon viel früher passieren müssen und nicht zum Schluss, um dann als Unternehmen nochmal richtig Aufmerksamkeit zu bekommen. Generell finde ich es richtig, dass Twitter eingegriffen hat, aber der bessere Weg wäre aus meiner Sicht das Löschen einzelner Posts gewesen. Auf der anderen Seite hat Twitter natürlich an sich kein Zensurrecht und die Meinungsfreiheit ist in den USA ein sehr hoher Wert. Man sieht also auch an diesem Punkt sehr deutlich, wie wichtig es ist, die gesellschaftliche Diskussion zu führen und für die Kommunikation im Netz zu klaren Regeln zu finden.

              

Interview: Sara Reinke

 

Die Tagung

Die öffentliche Online-Tagung "Interdisziplinäre Perspektiven auf Hate Speech und ihre Erkennung (IPHSE)"  am Montag, den 08. Februar 2021, wird ausgerichtet vom Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie, dem Institus für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation und dem Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim.

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news-20210 Wed, 27 Jan 2021 08:07:00 +0100 Diversity-Monitoring: Studierende können ab sofort teilnehmen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/diversity-monitoring-studierende-koennen-ab-sofort-teilnehmen/ Zweites Diversity-Monitoring startet: Das Gleichstellungsbüro und das Zentrum für Bildungsintegration rufen alle Studierenden der Universität Hildesheim zur Teilnahme am „Diversity Monitoring“ auf. Das Forschungsteam erfasst, welche Erfahrungen Studierende an der Universität machen und welche Bedarfe Sie haben. Aus den Ergebnissen sollen Angebote und Maßnahmen hergeleitet werden. Die Daten werden vertraulich bearbeitet. Die Universität Hildesheim hat sich zum Ziel gesetzt, die Vielfalt der Studierenden und ihrer Lebenssituationen bei der Gestaltung von Lehre und Studium stärker zu berücksichtigen. Um Angebote verbessern und Maßnahmen entwickeln zu können, benötigt die Universität Informationen über Studierende und ihre Erfahrungen im Studium.

Universität Hildesheim startet Befragung zur Chancengleichheit der Studierenden

Alle Studierenden der Universität Hildesheim sind herzlich eingeladen, bis zum 5. Februar 2021 am „Diversity Monitoring“ teilzunehmen. Die Einladung zur Befragung und weitere Informationen erhalten Studierende per E-Mail an ihren Uni-Account. Sämtliche Daten werden vertraulich bearbeitet und anonymisiert in die Untersuchung eingehen.

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration sowie Dr. Silvia Lange und Fanny Petermann vom Gleichstellungsbüro startet in das dreijährige Projekt „Diversity und Chancengleichheit in Studium und Lehre“ mit einer Bestandsaufnahme, dem „Diversity-Monitoring“. Das Projekt läuft von 2020 bis 2023 und wird aus Studienqualitätsmitteln finanziert.

Die Forscherinnen wollen herausfinden, in welchen Lebenssituationen sich Studierende befinden, welche Bedarfe sie haben und welche Erfahrungen Studierende mit Diskriminierung gemacht haben. Fragen sind etwa: „In Bezug auf welche Themen wünschen Sie sich grundsätzlich Angebote und Unterstützung?“ und „Haben Sie im Verlauf Ihres Studiums an der Universität Hildesheim persönlich Diskriminierung erfahren?“

Mithilfe dieser Datengrundlage soll ein Konzept zur Chancengleichheit in Studium und Lehre entwickelt und umgesetzt werden.

Das Projektteam hofft auf möglichst große Beteiligung vieler Studierender an dem Diversity-Monitoring. Bei Fragen zur Erhebung wenden Sie sich bitte an die Projektkoordinatorin Fanny Petermann (petermann[at]uni-hildesheim.de). Die Erhebung knüpft an das erste „Diversity Monitoring“ der Universität Hildesheim aus dem Jahr 2013 an.

Mehr Informationen zum Diversity-Monitoring

Short information in English

Start of the survey on equal opportunities for students (diversity monitoring)

The University of Hildesheim has set itself the goal of being more strongly guided by the diversity of its students and their situations in life when designing teaching and learning activities. To be able to improve its offerings and develop measures with this in mind, the university needs information about students and their experiences of studying.

All students are warmly invited to take part in the diversity monitoring survey by 5 February 2021! The invitation to the survey and further information are sent to you by e-mail to your uni account.

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news-20156 Mon, 25 Jan 2021 11:50:00 +0100 Die Krise in Weiß: Die COVID-19-Pandemie und ihre Folgen für Pflegekräfte und Ärzt*innen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/die-krise-in-weiss-die-covid-19-pandemie-und-ihre-folgen-fuer-pflegekraefte-und-aerztinnen/ Während der COVID-19-Pandemie sind Ärzt*innen und Pflegekräfte erhöhten psychischen Belastungen ausgesetzt, die kurzfristige, aber auch anhaltende Folgen haben können. Dr. Nora Lessing und Prof. Christoph Kröger vom Institut für Psychologie an der Stiftung Universität Hildesheim haben dargelegt, welche Konsequenzen die Erschütterung der sozialen Identität sowie die Verletzung von medizinischen und ethischen Normen verursachen können – und ganz konkrete Handreichungen formuliert, wie sich negativen Auswirkungen intensivmedizinischer Behandlungen begegnen lässt. Der Umgang mit Tod und Sterben gehört zum beruflichen Alltag von Pflegekräften und Ärzt*innen. Sie sind es auch, die im Todesfall Hinterbliebene informieren und mit deren Trauer konfrontiert werden. Dies ist jedoch nur eine von zahlreichen Extremsituationen, mit welcher Ärzt*innen und Pflegekräfte konfrontiert werden und die zum Alltag einer Intensivstation gehört.

Mitarbeitende im intensivmedizinischen Bereich sind in ihrer täglichen Arbeit einem deutlich höheren Ansteckungsrisiko mit dem SARS-CoV-2-Virus und deren Mutanten ausgesetzt als die Allgemeinbevölkerung im Alltag. Fehler, fehlende oder falsche Informationen, aber auch fehlendes Material oder eine zu geringe Personalstärke können fatale Folgen haben. Wenn die eigenen Kollegen erkranken oder sterben – wie es im Verlauf der Pandemie in verschiedenen europäischen Ländern etliche Vertreter*innen der Gesundheitsberufe erleben mussten, belastet dies auch die übrige Belegschaft in besonderem Maße.

Auch die berufliche Identität des medizinischen Personals ist in der aktuellen Situation besonderen Herausforderungen ausgesetzt – wenn beispielsweise die Grenzen der eigenen, fachlichen Kompetenz erreicht werden oder auch berufsbezogene Werte und Normen der erlebten Wirklichkeit nicht standhalten können. Ethische Konflikte und die eigene Unfähigkeit, Tod oder Leiden zu verhindern, sind laut dem Hildesheimer Wissenschaftlerteam hauptursächlich für moralische Verletzungen, die psychische Folgen wie depressive Episoden und posttraumatische Belastungsstörungen auslösen können.  

Um dem vorzubeugen, leiten Dr. Nora Lessing und Prof. Christoph Kröger ganz konkrete Handlungsempfehlungen ab: So sollten kritische, möglicherweise belastende Entscheidungen möglichst von mehreren Personen im Team gemeinsam und gegebenenfalls auch unter Einbeziehung von externen Unterstützer*innen wie Mitarbeitenden der Krankenhaus- oder Notfallseelsorge oder Mitarbeitenden anderer Stationen als Moderator*innen getroffen werden. Wichtig sei es demnach, in solchen Teamgesprächen zu thematisieren, ob und welche Erlebnisse die Mitarbeiter*innen erfahren haben und inwiefern sie dabei an ihre fachlichen oder emotionalen Grenzen gestoßen sind. Auch die Fragen danach, wie sich andere im Team verhalten haben, ob ausreichend Personal anwesend war und ob geeignete Handlungsanweisungen für die konkrete Situation vorlagen, und welche Normen ggf. verletzt wurden, sollten dabei zur Sprache kommen. So kann im Gespräch auch darauf eingegangen werden, ob die beteiligten Personen ihrer Arbeit angemessen nachkommen können oder was dies verhindert beziehungsweise welche Konsequenzen daraus mittel- und langfristig entstehen.

Besonders nach belastenden beruflichen Situationen empfehlen Lessing und Kröger, solche analytischen Nachbesprechung im Team. Dabei sollte ein besonderer Fokus auf die möglichenBewältigungsstrategien im kollegialen Umfeld aber auch im privaten Bereich gelegt werden, damit jeder einzelne den eigenen Handlungsrahmen durch geeignete Aktivitäten erweitern kann. Im beruflichen Kontext kann dies durch eine geeignete, wertschätzende Gesprächskultur und ein gutes Klima innerhalb des Teams unterstützt werden. In der Freizeit können sportliche Aktivitäten oder ein positives privates Umfeld, ebenso wie regelmäßige Schlafroutinen zur Erholung nach psychisch fordernden Situationen beitragen.

 

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news-20133 Wed, 20 Jan 2021 13:18:00 +0100 „The pandemic has been a stumbling block for my research“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/the-pandemi/ Teil 6 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie": The Corona pandemic, says Susan Binwie Tanwie, has affected her scientific research in both: positive and negative ways. The 30 year old woman from Cameroon is a PhD scholarship holder in the interdisciplinary Graduate School “Performing Sustainability. Cultures and Development in West Africa“ at the Centre for the Study and Promotion of Cultural Sustainability, University of Maiduguri, Nigeria. The Graduate School is implemented in collaboration with the UNESCO Chair “Cultural Policy for the Arts in Development” and the Center for World Music at the University of Hildesheim. She has been on the PhD programme for about one year now. Susan Binwie Tanwie studies cultural practices for peacebuilding by taking the example of interaction of children from different ethnical backgrounds in a camp for internally displaced persons in North East Nigeria. The Madinatu community in Borno State, Nigeria, has been suffering from Boko Haram insurgents for over a decade. The crisis has forced many families to abandon their homes in search of safety. They now live in camps as so-called Internally Displaced Persons (IDPs). Susan Binwie Tanwie‘s research aims on promoting peaceful coexistence among children from different ethnical backgrounds in these camps where humanitarian organizations have set up Child Friendly Spaces (CFS). Children with IDP-background and children in the host community alike go there to access play and recreational activities some of which include local and traditional games, music and dance.

The research will make use of the „video for development“ approach which is, according to Susan Binwie Tanwie, a democratic way of video production with, by and for the people, to record cultural performances (music and dance) of children within the CFS in a bid to sustain these performances and contribute to the peace building process that is ongoing within the region. 

„The pandemic has been a stumbling block for my research so far“ says the young female researcher „as I’ve not been able to access the safe spaces where the children are.“ Initial contacts with the community were made and one single visit to the CFS was possible before the pandemic started but plans for further interactions could not be realized so far. „The ban on movement and gatherings also slowed or restricted my engagement with the community as a whole.“ The humanitarian actors in charge of the safe space kept holding up the restrictions even after the official ban was uplifted in order to protect the already vulnerable community. Visitors and researchers could not access the CFS-area. 

„My worry now is about the methodology I intend to make use of: ethnography“ says Susan Binwie Tanwie. This approach entails living with the community and having a lot of contact and interactions. „Some will say we do so virtually - but come on! This is a community that depends on humanitarian assistance for almost every aspect of their lives. Most of the people here don’t even own a cell phone nor have the resources to maintain one if they do.“  

The 30 year old woman also stresses the effects the situation has on the researchers themselves: „Let’s talk about the psychological trauma this pandemic has brought to us: mixed feelings and fear of not meeting up deadlines, fear of being infected, and concern for our families. All these delay the research process.“ Susan Binwie Tanwie has a six year old daughter who stays with the rest of her family in Cameroon. „I am not even there to watch over her and tell her to wash her hands and to be careful.“

Further on, she regrets the inability to travel to workshops and to keep up the personal academic exchange. „But still, there is also a positive side to this situation: I think the pandemic has opened up new approaches to research (as virtual data collection). I’ve now more than ever created networks for myself during this period to help build my academic career as physical outings are no longer in vogue.“ Susan Binwie Tanwie states that she has been able to participate in online colloquiums and conferences which might not have been affordable to her in terms of travelling to the gatherings.

A three-month-stay at the University of Hildesheim that should have taken place this year was delayed to 2022. Susan Binwie Tanwie is already looking forward to it – and she is hopeful that the situation will come back to normal soon enough for her to be able to complete her PhD within the stipulated time.

Text: Sara Reinke

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The Graduate School ‘Performing Sustainability’

The interdisciplinary DAAD Graduate School ‘Performing Sustainability’  is a collaborative training network for graduate students by the University of Hildesheim (Germany), the University of Maiduguri (Nigeria) and the University of Cape Coast (Ghana).

The initiative focuses on innovative research that brings together approaches from performance, arts and culture to bear on sustainable development as defined in the UN Sustainable Development Goals (SDGs). A specific focus lies on issues of peace and conflict resolution.

 

 

 

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Ihr Forschungsprojekt ist ebenfalls durch die Corona-Pandemie in besonderer Weise beeinträchtigt und Sie möchten davon berichten? Nehmen Sie gern Kontakt auf unter: wissendigital(at)uni-hildesheim.de

Lesen Sie in der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie" auch:

Prof. Dr. Martin Sauerwein berichtet aus dem Fachbereich Geographie

Post-Doktorandin Wiebke Hiemesch untersucht historische Quellen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück zunächst digital

Jugendforschung unter völlig neuen Voraussetzungen - Dr. Severine Thomas im Gespräch

Neuer Anlauf 2021: Sportstudien in der Corona-Zeit

Erstellt von Sara Reinke

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news-20135 Wed, 20 Jan 2021 11:30:00 +0100 „Migration bietet Chancen“: Fachkommission legt Bericht vor https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/migration-bietet-chancen-fachkommission-legt-bericht-vor/ Prof. Dr. Viola Georgi ist in der Forschung zur Bildungsintegration national und international sehr gut vernetzt und leistet zugleich Basisarbeit in der Region. Die Erziehungswissenschaftlerin der Universität Hildesheim legt als Mitglied der „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ der Bundesregierung einen Bericht vor, der am 20. Januar 2021 der Bundeskanzlerin übergeben wurde. Der Bericht wird anschließend dem Deutschen Bundestag vorgelegt. „Gemeinsam die Einwanderungsgesellschaft gestalten“,
Bericht der Fachkommission Integrationsfähigkeit (20.01.2021) (PDF)

Seit 2019 wirkt die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Viola Georgi in der „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ der Bundesregierung mit. Die Kommission hat Empfehlungen für Bund, Länder, Kommunen und Zivilgesellschaft erarbeitet.

Am Mittwoch, 20. Januar 2021, hat die „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ den finalen Bericht vorgelegt und an die Bundesregierung überreicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, Staatssekretär Markus Kerber und Bundesminister Hubertus Heil nahmen den Bericht entgegen.

Die Bundesregierung legt den Bericht der Fachkommission im nächsten Schritt dem Deutschen Bundestag vor.

Die Kommission beschreibt in ihrem Bericht die wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen für Integration und erarbeitet Vorschläge für Standards, wie diese verbessert werden können. Die Kommission befasst sich sowohl mit der Neu-Zuwanderung – etwa von Geflüchteten und EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern – als auch mit den bereits länger in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund.

Interview mit Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim

Frau Professorin Georgi, das Bundeskabinett hat Sie vor zwei Jahren in die „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ berufen. Nun legen Sie den Abschlussbericht vor. Was ist ein zentrales Ergebnis?

Viola Georgi: Zentral ist für mich die Botschaft, dass Integration eine Daueraufgabe und eine Investition in die Zukunft ist. Denn Migration bietet enorme Chancen, wenn Integration in den Bildungs- und Arbeitsmarkt gelingt. Hieraus können sich erhebliche wirtschaftliche Gewinne und auch fiskalische Erträge für den Sozialstaat ergeben, gerade angesichts des demografischen Wandels. Offene Gesellschaften können überdies von wachsender kultureller und sozialer Diversität profitieren.

Es ist Zeit anzuerkennen, dass Einwanderung und Diversität Deutschland historisch geprägt haben und auch in Zukunft prägen werden. Deutschsein im 21. Jahrhundert wird nicht mehr von deutschen Vorfahren oder einem deutschen Namen oder einem bestimmten als deutsch imgaginierten äußerlichen Erscheinungsbild abhängig sein. Es wird vielmehr bedeuten, in einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft zu leben, sich in dieser zurechtzufinden und sie im alltäglichen Zusammenleben aktiv mitzugestalten.

Sie haben den Bericht mitverfasst. Ein zentrales Handlungsfeld ist die Bildungsintegration, dies ist Ihr Fachgebiet. Was sind hier die Botschaften?

Viola Georgi: Bildung ist für Integration von zentraler Bedeutung. Das ist eine Binsenweisheit. Die von uns erarbeiteten Empfehlungen sind sehr umfangreich und umfassen verschiedene Bereiche, wie Kita, Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung mit einem Fokus auf Sprach- und Integrationskursen.

Festhalten lässt sich, dass Menschen – mit oder ohne Migrationsgeschichte – am besten lernen können, wenn die Bildungsinstitutionen ihre sozialen Lebenslagen und ihre sprachliche, kulturelle und religiöse Vielfalt anerkennen und berücksichtigen. Es bedarf angesichts der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen einer differenzierten Förderung und Unterstützung der Bildungseinrichtungen. Ziel muss der Abbau  von Benachteiligungen sein, die mit der familiären Herkunft, insbesondere der sozialen Ungleichheit, und mit unterschiedlichen sprachlichen Lernvoraussetzungen verbunden sind.

Mit dem Blick auf die Schule betonen wir, dass diese Lehr- und Lernangebote von hoher Qualität bereitstellen muss, die sich am individuellen Potenzial und am Entwicklungsstand der Lernenden orientieren. Außerdem empfehlen wir Bildungswege länger offen zu halten, damit Kinder und Jugendliche ihr Leistungspotential auch dann ausschöpfen können, wenn sie schlechtere Startchancen haben. Die Qualität von Bildung ist überhaupt das buzzword im Bildungsteil des Berichtes. Für die Fachkommission steht der Staat hier in der Pflicht, eine qualitativ hochwertige und chancengerechte Bildung für die deutsche Einwanderungsgesellschaft zu gewährleisten.

Was erhoffen Sie sich von dem Dokument, was kann der Bericht bewirken, anstoßen?

Viola Georgi: Der Bericht wird dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt. Damit liegt der Ball erst Mal wieder im Feld der Politik, die letzlich in ihre Gremien beraten und entscheiden muss, ob und welche Empfehlungen umgesetzt werden sollen. Zugleich ist der Bericht natürlich auch öffentlich zugänglich und wird in mehrere Sprachen übersetzt. Ich sehe ihn auch als ein Instrument zur Versachlichung und zur Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Debatte über Deutschland als Einwanderungsland.

Die Kommission ist interdisziplinär zusammengesetzt. Am Zentrum für Bildungsintegration vereinen Sie ebenfalls Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachdisziplinen, von der Musikwissenschaft über die Erziehungs- bis zur Sprachwissenschaft und Politikwissenschaft. Welche Chance bietet die Forsshung und Transferarbeit in interdisziplinären Teams?

Viola Georgi: Sie bietet große Chancen, weil man in allen Phasen der Betrachtung eines Forschungsgegenstandes oder eines gesellschaftlichen Phänomens mulitperspektivisch unterwegs ist. Man lernt ständig dazu. Das ist auf- und anregend und befördert Innovation. Man muss sich die Welt wechselseitig erklären. Was einem aus der Perspektive der eigenen fachwissenschaftlichen Sozialisation ganz klar erscheint, muss für die Kollegen und Kolleginnen erst mal plausibel gemacht werden. Das bereichert den Erkenntnisprozeß und die Reflexion darüber, wie man zu den Erkenntissen gekommen ist ungemein. Oft kann man dann die Positionen wie Puzzelteile zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Ich erlebe das gerade in einem BMBF-geförderten Verbund-Projekt zu historischer Bildung in der Migrationsgesellschaft (Informationen über das Forschungsprojekt HilMig: www.uni-hildesheim.de/zbi/forschungsprojekte/geschichten-in-bewegung-erinnerungspraktiken-geschichtskulturen-und-historisches-lernen-in-der-deutschen-migrationsgesellschaft/). Ich will aber nicht unter den Tisch kehren, dass das Arbeiten in interdisziplinären Teams nicht unbedingt immer harmonisch ist. Man muss schon Spaß am Diskurs und an der Kontroverse haben.

Die Fragen stellte Isa Lange.

„Zentrum für Bildungsintegration
– Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“

Über die Fachkommission Integrationsfähigkeit

Die Bundesregierung hat 2019 eine Fachkommission zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit einberufen.

Das Bundesinnenministerium, das Bundesarbeitsministerium sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration haben dem Bundeskabinett die Mitglieder vorgeschlagen. Zu den Mitgliedern der Fachkommission wurde 2019 Prof. Dr. Viola Georgi berufen. Die Erziehungswissenschaftlerin ist Expertin für Fragen der Bildung in der Einwanderungsgesellschaft und leitet an der Universität Hildesheim das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“. Professorin Georgi befasst sich in der Forschung unter anderem mit Heterogenität in der Schule, Bildungsmedien, historisch-politischer Bildung in der Migrationsgesellschaft und Demokratiepädagogik.

Auf der Website www.fachkommission-integrationsfähigkeit.de sind neben Informationen zur Fachkommission und ihren Mitgliedern auch Informationen zum Bericht, Kurzfilme und Dokumente zum Download bereitgestellt (unter anderem der Bericht, die Kernbotschaften in verschiedenen Sprachen sowie die von der Fachkommission beauftragten Expertisen).

Über das Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim

Am „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“ der Universität Hildesheim forschen und lehren seit 2014 Expertinnen und Experten zu Schlüsselfragen der Einwanderungsgesellschaft.
www.uni-hildesheim.de/zbi

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Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Forschung Zentrum für Bildungsintegration Pressemeldungen
news-20122 Mon, 18 Jan 2021 12:12:00 +0100 Internationale Konferenz zum Informationsverhalten in Krisenzeiten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/internationale-konferenz-zum-informationsverhalten-in-krisenzeiten/ Informationskompetenz ist wichtiger denn je, sagt Prof. Dr. Joachim Griesbaum. „Es wird immer deutlicher, dass das alltagsbezogene Informationsverhalten von hoher Bedeutung zum Beispiel für unsere individuelle Gesundheit als auch für das Gemeinwesen ist.“ Ein Forschungsteam der Informationswissenschaft lädt am 30. Januar 2021 ein zur Online-Konferenz „Intercultural perspectives on information literacy“. Die internationale Konferenz „Intercultural perspectives on information literacy“ beginnt am Samstag, 30. Januar 2021, um 9:00 Uhr und findet vollständig digital statt. Das Forschungsteam der Universität Hildesheim erwartet etwa 25 Teilnehmer*innen aus Indien und 50 Teilnehmer*innen aus Deutschland sowie ca. 20 weitere Gäste aus den USA und weiteren Ländern.

Die Tagung ist Teil des Projekts „Intercultural perspectives on information literacy“ der Universität Hildesheim und der Symbiosis International University Pune in Indien. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt. Die Universitäten arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Mit einem transnationalen Lernangebot soll die Informationskompetenz von Studierenden gefördert und zugleich ein gemeinsamer Lernraum geschaffen werden.

Theresia Woltermann ist in diesem Projekt als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt. Prof. Dr. Joachim Griesbaum erforscht am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim unser Informationsverhalten in Online-Medien. Griesbaum gehört zum Vorstand des Zentrums für Digitalen Wandel. Der Informationswissenschaftler untersucht, wie wir Informationen suchen und bewerten.

Interview mit Informationswissenschaftlerin Theresia Woltermann und Prof. Dr. Joachim Griesbaum

Frau Woltermann, Herr Professor Griesbaum, Sie richten Ende Januar 2021 die internationale Tagung „Intercultural perspectives on information literacy“ aus. Bevor wir über Ihre Forschung sprechen, möchte ich gerne wissen, wie schwierig es ist, in Zeiten der ernst zu nehmenden Entwicklung der Coronavirus-Pandemie eine internationale Konferenz zu organisieren?

Joachim Griesbaum: Die Organisation virtuell stattfindender Veranstaltungen ist mittlerweile fast Routine, außerdem ist die Konferenz eher klein. Diese Art der Internationalisierung der Lehre ist vielleicht auch eine Chance, die jetzt entsteht.

Warum befassen Sie sich in Ihrer Forschung mit dem Informationsverhalten in Zeiten der Coronavirus-Pandemie? Welcher Aspekt interessiert Sie aus Sicht der Informationswissenschaft besonders?

Joachim Griesbaum: Informationskompetenz ist wichtiger denn je. Es wird immer deutlicher, dass das alltagsbezogene Informationsverhalten von hoher Bedeutung zum Beispiel für unsere individuelle Gesundheit als auch das Gemeinwesen ist.

Theresia Woltermann: Im dazugehörigen Projekt erforschen wir eher die Frage, wie gute Umgebungen für transnationales Lernen zusammen mit Interkulturalität und Informationskompetenz gefördert werden kann.

„What I believe is surely true.“ – „Was ich glaube, stimmt sicher und ist wahr“ – warum interessiert sich die Informationswissenschaft für diese Aussage?

Joachim Griesbaum: Das ist eine sehr problematische Verzerrung, die maßgeblich das Informationsverhalten und das daraus resultierende Handeln beeinflusst. Der Bestätigungsfehler (confirmation bias) oder die Tendenz dazu ist eine Verhaltensdisposition, die uns allen zu eigen ist.

Welcher Gedanke steckt hinter dem Konferenztitel „Interkulturelle Perspektiven zur Informationskompetenz“?

Joachim Griesbaum: Die Idee ist, Lernende aus unterschiedlichen Kulturen zum Austausch zusammenbringen und Studierenden die Chance zu geben, von und mit anderen Studierenden zu lernen – das sogenannte peer learning.

Theresia Woltermann: Zudem soll das Thema Informationskompetenz bewusst gemacht und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.

In dem Konferenzprogramm wird deutlich, dass auch Studierende beteiligt sind. Wie ist hier Ihr Ansatz, Studierende in die Forschung einzubinden? Sie wollen für Forschung begeistern.

Joachim Griesbaum: Ja, das ist der Grundgedanke. Studierenden soll die Möglichkeit gegeben werden, mit anderen Studierenden in Austausch zu treten, gemeinsam zu arbeiten und sich mit einer Thematik auseinanderzusetzen.

Theresia Woltermann: Die teilnehmenden Studierendengruppen kommen aus anderen Kulturräumen (Deutschland und Indien), was für die Studierenden eine ganz besondere Erfahrung ist. Wir wünschen uns, dass der Teilnehmer*innenkreis noch erweitert werden kann und noch internationaler wird.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Über die Konferenz:

Die internationale Online-Konferenz „Intercultural perspectives on information literacy“ erspectives on information literacy" beschäftigt sich mit unterschiedlichen Aspekten von Informationskompetenz und Interkulturalität. Deutsch-indische Studierendengruppen werden ihre Ergebnisse zu folgenden Themen präsentieren: Informationsverhalten (Information behaviour in Corona Times; How to correct cognitive errors to promote an open mind) und Bildung (Impact of pandemic on education sector, How to cultivate information literacy in rural environments). Die Universität Hildesheim und das Symbiosis College of Arts and Commerce in Pune kooperieren. Weitere Informationen und das Programm sind online abrufbar: ipil.blog.uni-hildesheim.de.

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Bis auf eine funktionierende Internetverbindung gibt es keine Voraussetzungen, sagt Theresia Woltermnan. Wenn Sie an der Konferenz teilnehmen möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail bis zum 23. Januar 2021 an theresia.woltermann(at)uni-hildesheim.de.

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news-20126 Mon, 18 Jan 2021 12:04:21 +0100 Online-Podiumsgespräch: Forschungsprojekte zur COVID-19-Pandemie an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/online-podiumsgespraech-forschungsprojekte-zur-covid-19-pandemie-an-der-universitaet-hildesheim-1/ Am 20. Januar 2021 um 18:00 Uhr stellen mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim ihre Forschung am virtuellen Konferenztisch vor. Die Forscher*innen geben zum Beispiel Einblicke zur Lage von Jugendlichen und Familien in der Corona-Krise, sprechen über Solidarität, über Pflege und Versorgung sowie das Informationsverhalten in Zeiten der Pandemie. Zugangsdaten ZOOM-Meeting
„Forschungsprojekte zur COVID-19-Pandemie an der Universität Hildesheim“ am 20.01.2021 um 18:00 Uhr
https://zoom.us/j/91947665945?pwd=YWNiU1FTUHdHaUpoeS9FVFhRd0Y3UT09

Meeting-ID: 919 4766 5945
Kenncode: 861512

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim setzen sich mit der COVID-19-Pandemie in ihrer Forschung auseinander. Entstanden sind – begünstigt durch universitätsinterne Forschungsförderung – eine Reihe von Forschungsprojekten.

Am 20. Januar 2021 um 18:00 Uhr stellen mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler  unterschiedlicher Fachdisziplinen ihre Forschung am virtuellen Konferenztisch vor. Interessierte Mitglieder sowie Freundinnen und Freunde der Universität und Ehemalige können an diesem digitalen Austausch teilnehmen. Die Begrüßung erfolgt durch den Vizepräsidenten für Stiftungsentwicklung, Transfer und Kooperationen, Prof. Dr. Martin Schreiner, der gemeinsam mit Markus F. Langer, Leiter Friend- & Fundraising, auch durch die Veranstaltung führen wird. Die Online-Podiumsdiskussion ist Teil der Reihe „Bildung stiften online“.

Folgende Projekte werden im Rahmen des Podiumsgesprächs vorgestellt:

  • Fachbereich 1, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik: Stu.diCo – Studieren digital in Zeiten von Corona (vertreten durch Dr. Severine Thomas)

  • Fachbereich 1, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Uni-versität Bielefeld: JuCo 1+2 – Wie erleben Jugendliche die Corona-Krise? (vertreten durch Dr. Severine Thomas)

  • Fachbereich 1, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik: Pflege und Versorgung in Zeiten von COVID 19 (vertreten durch Prof. Dr. Anne Meißner)

  • Fachbereich 1, Institut für Sozialwissenschaften: Generation Corona? Biographische Zukunftsperspektiven und Distant Socializing in der ersten vollen Social-Web-Generation (vertreten durch Dr. Sascha Oswald)

  • Fachbereich 1, Institut für Sozialwissenschaften in Zusammenarbeit mit dem GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften: SAFE-19 – Solidarität in der COVID-19-Krise (vertreten durch Prof. Dr. Marianne Kneuer)

  • Fachbereich 3, Institut für Informationswissenschaften und Sprachtechnologie: Informationsverhalten während der Corona-Krise: Mediennutzung, Zufriedenheit mit Information, Umgang mit Fake News (vertreten durch Prof. Dr. Thomas Mandl)

  • Fachbereich 3, Institut für Übersetzungswissenschaften und Fachkommunikation: Barrierefreie Kommunikation und Corona (vertreten durch Prof. Dr. Christiane Maaß)

Im Anschluss an die Präsentationen besteht die Gelegenheit, mit den Referentinnen und Referenten ins Gespräch zu kommen.

Das Podiumsgespräch findet online mittels Zoom statt, die Zugangsdaten finden Sie hier:
https://zoom.us/j/91947665945?pwd=YWNiU1FTUHdHaUpoeS9FVFhRd0Y3UT09
Meeting-ID: 919 4766 5945, Kenncode: 861512

Die Referentinnen und Referenten sowie Moderatoren sind mit Bild zugeschaltet. Das Publikum nimmt ohne Bild teil. Eine Freischaltung für Wortbeiträge mit Bild erfolgt durch die Moderation während der Diskussion. Außerdem können Beiträge/Fragen über die Chatfunktion beigesteuert werden.

Ansprechpartner für die Veranstaltung:

Markus F. Langer, Leiter Friend- & Fundraising (05121 883 90130, markus.langer@uni-hildesheim.de

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news-20132 Mon, 18 Jan 2021 06:26:00 +0100 Livestream: „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ überreicht der Bundesregierung ihren Abschlussbericht https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/livestream-fachkommission-integrationsfaehigkeit-ueberreicht-der-bundesregierung-ihren-abschlussber/ Prof. Dr. Viola Georgi, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Hildesheim und Leiterin des Zentrums für Bildungsintegration, ist Mitglied der „Fachkommission Integrationsfähigkeit“. Die Fachkommission überreicht der Bundesregierung am 20. Januar 2021 ihren Abschlussbericht. Die Übergabe und Vorstellung des Berichts kann im Livestream um 11:30 Uhr verfolgt werden. Im Koalitionsvertrag einigten sich Union und SPD darauf, eine „Fachkommission zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit“ einzurichten. Sie sollte untersuchen, wie sich die wirtschaftliche Lage, der demographische Wandel oder Einstellungen in der Bevölkerung auf die „Integrationsfähigkeit“ in Deutschland auswirken. Die Kommission, die aus 25 Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und Praxis besteht, tagte erstmals im Februar 2019.

Prof. Dr. Viola Georgi, Erziehungswissenschaftlerin der Universität Hildesheim, wirkt in der „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ der Bundesregierung mit.

Am Mittwoch, 20. Januar 2021, legt die „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ ihren finalen Bericht vor und übergibt diesen um 11:30 Uhr an die Bundesregierung. Der Bericht enthällt Empfehlungen für die langfristige Integrationspolitik.

Dazu findet um 11:30 Uhr eine Pressekonferenz im Bundeskanzleramt statt, die im Livestream übertragen wird.

Anschließend findet von 14:00 bis 16:00 Uhr eine virtuelle Fachveranstaltung statt. Zentrale Inhalte des Berichts werden im Rahmen einer moderierten Podiumsdiskussion vorgestellt und diskutiert. Alle events des Tages können auf der Website LIVE verfolgt werden:

Liveübertragung im Internet unter: www.fachkommission-integrationsfähigkeit.de sowie über www.bundesregierung.de.

Die Kommission beschreibt in ihrem Bericht die wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen für Integration und erarbeitet Vorschläge für Standards, wie diese verbessert werden können.

Über das Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim

Am „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“ der Universität Hildesheim forschen und lehren seit 2014 Expertinnen und Experten zu Schlüsselfragen der Einwanderungsgesellschaft.

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Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Forschung Zentrum für Bildungsintegration Pressemeldungen Startseite
news-20099 Fri, 08 Jan 2021 20:02:00 +0100 Im Kita-Alltag Sprache lernen – wie Fachkräfte dabei helfen können https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/im-kita-alltag-sprache-lernen-wie-fachkraefte-dabei-helfen-koennen/ In einem Vortrag am 12. Januar stellen Dr. Tanja Salem und Barbara Graßer am Beispiel von zwei Sprachbildungsprofis ihre Analysen zu den situationsspezifischen Fähigkeiten und zur Interaktionsqualität in mehrsprachigen Kitas vor. Prof. Elke Montanari und Prof. Drorit Lengyel (Universität Hamburg) leiten gemeinsam dieses Verbundprojekt. Bei der kindlichen Aneignung von Sprache(n) spielen Interaktionen mit Bezugspersonen – zum Beispiel in den Kindertagesstätten – eine wichtige Rolle. In Kita-Gruppen mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, so zeigen es vorangegangene Studien, gelingt es den pädagogischen Fachkräften jedoch vielfach nicht, eine hohe Interaktionsqualität vorzuhalten. Zu diesem Thema forschen Prof. Elke Montanari und Barbara Graßer im Verbund mit den Hamburger Kolleginnen Prof. Drorit Lengyel und Dr. Tanja Salem – einen ersten Zwischenbericht stellen die Wissenschaftlerinnen am 12. Januar  ab 18.05 Uhr per Videokonferenz im Forschungskolloquium des Fachbereichs 3 vor. 

„Das Besondere an diesem Projekt ist aus meiner Sicht, dass hier detaillierte Aufnahmen von Interaktionen in Kindertagesstätten gemacht wurden und dass diese interdisziplinär sowohl aus linguistischer als auch aus pädagogischer Sicht analysiert werden“, sagt Montanari. „Die Hauptergebnisse sind, dass es eine große Bandbreite sprachförderlicher Interaktionsformen gibt.  Es gibt also nicht das eine Mittel, zum Beispiel die offene Frage, die immer sinnvoll einzusetzen wäre. Vielmehr gibt erst das kindgerichtete, differenzierte Agieren mit vielfältigen spracherwerbsorientierten und verstehenssichernden Mitteln den Kindern den Raum, ihre Sprache in der Interaktion zu entwickeln.“

Es gebe nicht die eine Situation, die per se und immer sprachförderlich sei, erläutert Sprachwissenschaftlerin Montanari. Viele alltägliche Gelegenheiten könnten Raum für Gespräche geben, beispielsweise kann das Tischdecken eine intensive kommunikative Erfahrung sein, daneben gibt es aber auch Aufnahmen der gleichen Aktivität, die wenig Interaktion ermöglicht. „Kindliche Sprachentwicklung ist also immer von der Möglichkeit geprägt, in sinnvolle sprachliche Handlungen einzutreten.“

Ziel des BMBF-Verbundprojekts "Sprachbildungsprofis in mehrsprachigen Kitas (SprabiPiKs)" der Universität Hamburg und der Stiftung Universität Hildesheim ist es, aus interkulturell-erziehungswissenschaftlicher und linguistischer Perspektive zu untersuchen, wie die situationsspezifischen Fähigkeiten (Wahrnehmung, Interpretation und Handlungsplanung) von frühpädagogischen Fachkräften und die Bedingungen in den Einrichtungen bzw. ihrem Umfeld mit der Qualität der Fachkraft-Kind-Interaktionen zusammenhängen. An dem Projekt sind sechs Hamburger Kitas beteiligt, in denen (mindestens) eine Fachkraft ein Sprachbildungsprofi ist: also eine Person, die über ein hohes sprachförderbezogenes Wissen, gemessen mit dem Instrument SprachKoPF, verfügt. Alle Kitas liegen in Stadtteilen mit einem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund von über 40 Prozent. Der empirische Teil der Studie konnte vor den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie abgeschlossen werden.

 

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news-20073 Thu, 07 Jan 2021 18:16:00 +0100 Inspired by the learning mechanism of the human brain https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/inspired-by-the-learning-mechanism-of-the-human-brain/ Chanjong Im is a researcher at the Department for Information Science and Natural Language Processing at the University of Hildesheim. Currently he is a Ph.D. candidate and associate researcher taking part in the project »Distant Viewing«. After his bachelor‘s degree in International Business and East Asian culture in South Korea he completed his master‘s degree in Information Science and Telecommunication Engineering in South Korea and Germany at the program »Global Studies on Management and Information Science« (GLOMIS) in Hildesheim. His research interests are deep learning, computer vision, information retrieval and image retrieval. "It is very important to work in international research projects. The data and information differs from country to country which means different problems are being seen. Understanding and analyzing the phenomenon and seeking new ideas to solve problems with a different perspective are extremely valuable."

Chanjong Im, PH.D. candidate

Mr. Im, what is deep learning?

Chanjong Im: I just talked to my colleague Sophie März, a doctoral candidate in our department, about this topic. Deep learning is a specific form of information science and a subfield of machine learning. Inspired by the learning mechanism of the human brain, diverse information is learned by the neural networks from a huge amount of data. This enables a complex analysis and building of patterns which are continously improved by new results and solutions.

What is your main research topic?

The title of my Ph.D. proposal is »Image search analysis tool with deep neural networks generated metadata from illustrations depicted on 19th century children and youth literature«. I am building an image information system that utilizes computer vision techniques on the illustrations depicted in the 19th century children and youth literature. The system is aimed to provide support and enrich the studies in the humanities. The scholars can view, explore, and analyze the historical illustrations using the system and get the information generated by artificial intelligence in addition to metadata created by librarians. Much complex information can be retrieved by utilizing various Computer Vision deep models such as printing techniques that were used for imprinting illustrations in the 19th century, finding similar illustrations to detect reuse cases, locating objects depicted in the old days. Ultimately, I will try to find out through several expert interviews whether the system does benefit and enhance their research.

Why is this research important?

The system provides information that is very time consuming, expensive, and requires domain expertise to obtain if they were to be processed and annotated by the experts. Of course, human experts will be able to get complex information in a very detailed and accurate way. However, it is often better to utilize the technologies that are recently advancing rapidly and let the experts worry about further/advanced topics with the information given by the machines.

How does Covid-19 affect your work as a researcher?

It is not convenient nor pleasant. I am not able to meet friends nor colleagues as frequently as before which makes me a bit depressed. It was really difficult for me to accept the fact that I won’t be able to see some close Indian researchers who canceled their trips to visit Hildesheim University. Also, I wasn’t able to attend conferences nor meetings as they got postponed due to the situation. However, many of the things are now happening online which is working out quite well. I could have been more steps further in the research if it weren’t the pandemic. Nevertheless, I am using the time to improve the system and writing the thesis.

Together with Professor Thomas Mandl you are cooperating with Pai Chai University, Daejeon, and Chungbuk National University, Cheongju, in South Korea. Why did you choose the University of Hildesheim to work here?

It is very important to work in international research projects. The data and information differs from country to country which means different problems are being seen. Understanding and analyzing the phenomenon and seeking new ideas to solve problems with a different perspective are extremely valuable. It is important to know the people when it comes to deciding the workplace. I was very lucky as I spent one year earlier here in Hildesheim during my master’s degree as part of a joint degree program »GLOMIS« and got to know some people who already were in the department. I have an excellent time during my stay here. Many people I met are very supportive and comforting. I especially enjoy working together with Professor Thomas Mandl and Professor Christa Womser-Hacker which was one of the biggest reasons that made me start working here as a researcher and pursue the Ph.D since 2017. They have been providing me a ton of support not only on research but also for small problems from life in Germany. The people I met here in Hildesheim all made me feel very comfortable and I thought it would be okay for me to give a shot on my new Ph.D. journey.

Hildesheim is not Berlin or Hamburg. Hildesheim is much smaller...

...Hildesheim is a perfect city for studying. We have here a rather quiet and relaxed atmosphere with great nature around. At the same time, it is not very small that I feel isolated or inconvenient.

Interview by Isa Lange.

Dieses Interview ist erschienen im aktuellen
Universitätsjournal DIE RELATION, Ausgabe 7, Wintersemester 2020/21.

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news-20024 Fri, 18 Dec 2020 12:24:00 +0100 Neuer Anlauf 2021: Sportstudien in der Corona-Zeit https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/neuer-anlauf-2021-sportstudien-in-der-corona-zeit/ Teil 4 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie": Der Startzeitpunkt war denkbar ungünstig: Im März 2020 wollte Prof. Sebastian Gehlert eine sportwissenschaftliche Studie mit knapp 50 Proband*innen beginnen. Nun hat er das Projekt verschoben – der empirische Teil soll nach dem aktuellen Lockdown losgehen. Wer viel und abwechslungsreich trainiert und die Belastung kontinuierlich steigert, wird immer leistungsfähiger – ganz so einfach könnte es laut Sportwissenschaftler Sebastian Gehlert vielleicht doch nicht sein. In einer vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BIS) geförderten Studie geht der 44-Jährige der Frage nach, ob im leistungssportlichen Training ein Punkt erreicht wird, an dem eine hohe Trainingsbelastung keinen zusätzlichen Benefit mehr bringt, beziehungsweise umgekehrt eine Trainingsreduktion keine Verschlechterung der (Kraft-)Leistung.

Im März 2020 hätte die Studie anlaufen sollen, insgesamt 48 Proband*innen sollen dabei über einen Zeitraum von gut vier Monaten unter vorgegebenen und engmaschig begleiteten Bedingungen trainieren. „Das können Individual- oder Mannschaftssportler*innen sein, die Ausgangssportart ist grundsätzlich egal, solange generell regelmäßig trainiert wird“, erläutert Gehlert. Im Rahmen der Studie steht für die Teilnehmenden eine Mischung aus Kraft- und Konditionstraining, sowie zu einem kleinen Anteil Schnelligkeitstraining auf dem Programm. Trainiert werden soll in Fitnessstudios oder Krafträumen – und genau das wurde im Frühjahr zum Problem. „Im Grunde ist es zwar organisatorisch machbar, die Zeitfenster so zu legen, dass in den Trainingsräumen oder auch beim Blutabnehmen Abstände und Hygienevorkehrungen eingehalten werden“, sagt Gehlert. „Doch zu Beginn des ersten Lockdowns war ja noch völlig unklar, wie sich die Pandemie weiter entwickeln würde.“ Neben der Frage, wie der empirische Teil der Studie unter diesen Umständen umgesetzt werden könnte, ergaben sich weitere Verzögerungen dadurch, dass die für das Projekt georderten Fitness-Geräte aufgrund der Pandemie nicht zum vereinbarten Zeitpunkt geliefert werden konnten.

Deshalb vereinbarte der Wissenschaftler mit dem Geldgeber BIS eine kostenneutrale Laufzeitverlängerung mit neuem Starttermin im Oktober. „Nur leider ging genau zu diesem Zeitpunkt bundesweit die Zahl der Infizierten ja wieder nach oben.“ Dennoch ist das Projekt nun angelaufen und in der Vorbereitungsphase. Die neuen Geräte müssen installiert und getestet und die am Projekt beteiligten Hilfskräfte für ihren Einsatz geschult werden. Anfang des kommenden Jahres sollen die ersten Proband*innen mit ihrem speziell abgestimmten Training starten. „Zunächst mit einer vierwöchigen progressiven Belastungssteigerung, im späteren Verlauf modulieren wir die Trainingsbelastung über mehrere Monate.“ Mit Krafttests sowie Blutuntersuchungen sollen die Effekte der verschiedenen Phasen messbar gemacht werden. Die Frage der Raumnutzung und das Hygienekonzept will Gehlert vor dem Starttermin mit der Hochschulleitung noch im Detail abstimmen, an den Blutabnahmen, für die ohnehin besondere Schutzmaßnahmen nötig sind, ist der Mediziner Dr. Johannes Willers eingebunden.

Dass lange Trainingspausen der Proband*innen im Corona-Jahr 2020 die Ausgangswerte beeinflussen könnten, glaubt Gehlert, selbst ehemaliger Leistungssportler, nicht. „Auch wenn nicht im Team trainiert wurde, so haben die meisten Sportler*innen dennoch Wege und Möglichkeiten gefunden, ein strukturiertes Training auch in diesem Jahr aufrecht zu erhalten – in vielen Fällen sogar intensiver als sonst.“

 

Text: Sara Reinke

 

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Zur Person:

Prof. Dr. Sebastian Gehlert ist Sportwissenschaftler an der Universität Hildesheim und der Deutschen Sporthochschule Köln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Trainingsoptimierung durch biologische und physiologische Einflussfaktoren. Der 44-Jährige ist selbst als aktiver Sportler in diversen Disziplinen zuhause – von der Leichtathletik bis zum Fallschirmsprung.

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Ihr Forschungsprojekt ist ebenfalls durch die Corona-Pandemie in besonderer Weise beeinträchtigt und Sie möchten davon berichten? Nehmen Sie gern Kontakt auf unter: wissendigital(at)uni-hildesheim.de

Teil 1 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie": Prof. Dr. Martin Sauerwein berichtet aus dem Fachbereich Geographie

Teil 2 der Serie: Post-Doktorandin Wiebke Hiemesch untersucht historische Quellen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück zunächst digital

Teil 3 der Serie: Jugendforschung unter völlig neuen Voraussetzungen - Dr. Severine Thomas im Gespräch

Erstellt von Sara Reinke

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news-19987 Mon, 14 Dec 2020 15:13:00 +0100 Jugendforschung: "Die Corona-Projekte kamen on top dazu" https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/jugendforschung-die-corona-projekte-kamen-on-top-dazu/ Teil 3 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie": Mit den bundesweiten JuCo- und KiCo-Studien haben Dr. Severine Thomas und ihr Team das Forschungsjahr 2020 zu großen Teilen einem Thema gewidmet, das vor 12 Monaten noch gar nicht absehbar war: den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf junge Menschen. Inzwischen liegen bereits Ergebnisse des zweiten JuCo-Umfragedurchlaufs vor. Trotz der zusätzlichen Aufgaben mussten dafür keine anderen Projekte zurückgestellt werden, sagt die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin im Interview. Wann ist Ihnen klar geworden, dass Corona – anfangs ja noch gar nicht offiziell als Pandemie eingestuft – als gesellschaftliches Thema so groß werden würde, dass Sie ein spezifisches Forschungsprojekt dazu auf den Weg bringen wollten?

Spätestens mit dem ersten Lockdown, als auch die Schulen geschlossen wurden, ist sehr offenkundig geworden, dass die Corona-Pandemie mit Blick auf unsere Forschungs-Themenfelder Kinder, Jugend und Familie eine große gesellschaftliche Tragweite bekommen würde.

Was hat das für Ihre Jahresplanung vor allem mit Blick auf andere Forschungsprojekte bedeutet?

Im Grunde haben wir die Studien JuCo und KiCo aus unserem Forschungsverbund heraus zusätzlich zu den bestehenden Projekten gestartet. Zusätzliche Personalressourcen, vor allem für die Auswertung, haben wir aus Institutsmitteln abgedeckt, das meiste haben wir aber on top gemacht. Die Arbeit in anderen Projekten war davon jedoch nicht beeinflusst – die liefen weiter – wenn auch mit Anpassungen in der Durchführung z. b. durch die Verlagerung von Datenerhebungen oder Veranstaltungen ins Digitale.

Für die JuCo Studie sind wir eine Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung eingegangen, wodurch zusätzliche Auswertungsschritte möglich wurden. Weiterhin haben wir in dieser Kooperation Workshops mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt, in denen wir über die Ergebnisse diskutiert haben. Aus dieser gemeinsamen Arbeit heraus wird noch Ende 2020 eine Publikation entstehen, die die jungen Menschen erarbeitet haben.

Ein weiteres großes Projekt, das zu Beginn der Corona-Krise neu und ad hoc dazugekommen ist, ist das Vorhaben Forum Transfer, eine Austauschplattform für den Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe, die insgesamt rund 20 Millionen Menschen in Deutschland (inklusive Bereitstellung der Kindertagesbetreuung) adressiert. Ziel des durch das Bundesfamilienministeriums geförderten Projekts war es, die Arbeitsfähigkeit der unterschiedlichen sozialen Dienste in Zeiten von Corona aufrechtzuerhalten. Insbesondere der Kinderschutz und die Bereitstellung von Beratung und Freizeitangeboten auch während der Pandemie waren hier wichtige Themen. Diese wurden auch im Rahmen von Online-Expert*innengesprächen bearbeitet und viele Materialien (Dokumente aus der Praxis, Podcasts mit Expert*innen und Erklärvideos) für alle Interessierten zur Verfügung gestellt. In diesem Projekt haben wir mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung in Mainz, der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen in Frankfurt sowie dem Deutschen Institut für Jugendhilfe- und Familienrecht in Heidelberg zusammen.

Es ist schwer zu sagen, aber ich würde schätzen, dass die Forschung zum Thema Corona-Auswirkungen im Verlauf des vergangenen Sommersemesters zeitweilig etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit in Anspruch genommen hat.

Gab es so etwas wie eine Ausgangsthese in Bezug auf die Situation speziell von Jugendlichen in der Krise? Wie lautete diese?

Wir sind in dem Forschungsverbund Kindheit-Jugend-Familie in der Corona Zeit sehr ergebnisoffen gestartet, waren uns aber schnell einig, dass junge Menschen in der Öffentlichkeit in Bezug auf ihr Verhalten in der Pandemie generell in einem eher schlechten Licht dargestellt wurden. Da war viel von Missachtung der Abstandsregeln die Rede und von Corona-Partys. Dazu war unsere Vermutung, dass wir dieses Bild so nicht bestätigt finden, wenn wir die Jugendlichen selbst befragen. Und das hat sich auch bestätigt. Junge Menschen setzen sich, so die Ergebnisse unserer Studie, sehr ernst und differenziert mit den Lebensbedingungen während der Pandemie auseinander. Ebenso zeigte sich, dass sich junge Menschen bei politischen Entscheidungen zu wenig einbezogen fühlen. Auf die Frage „Fühlst du dich gehört?“ haben wir sehr differenzierte Antworten bekommen.  

Welche der bisherigen Ergebnisse haben Sie besonders überrascht?

Überrascht hat mich, welche hohe psychische Belastung die Pandemie für viele junge Menschen mit sich bringt. Viele haben das gar nicht nur auf sich selbst bezogen, sondern ihre Ängste und Sorgen im Kontext ihrer familiären Situation beschrieben. Jugendliche stehen eben nicht als Solitär für sich, sondern sind in soziale Strukturen eingebunden. Sie machen sich Sorgen um Angehörige – um deren Gesundheit, in manchen Fällen auch um den Verlust des Arbeitsplatzes ihrer Eltern. Auch die gesellschaftlichen Auswirkungen insgesamt, nicht nur ihre eigenen Lebenswelten, haben die jungen Menschen im Kopf.

Sie haben mit Freitext-Passagen gearbeitet – einige Zitate daraus sind in Ihren beiden Kurzberichten zu JuCo1 und JuCo2 nachzulesen. Gab es eine Äußerung, die Sie ganz persönlich besonders berührt hat?

Es gab mehrere, die mich beschäftigt haben. Einige der Studienteilnehmer*innen haben zum Beispiel sehr gravierende psychische Probleme benannt. Eine Antwort lautete sinngemäß: „Ich bin froh, dass wir jetzt den Lockdown haben, denn ich habe eine Sozialphobie und fühle mich besser, weil es nun gesellschaftlich akzeptierter ist, nicht vor die Tür zu gehen.“ Es gab weitere Beispiele, die ähnlich lauteten. Es gibt auch junge Menschen mit einer Depression, für die nun der Kontakt zum Therapeuten oder zur Therapeutin erschwert ist. Oder Jugendliche, die sich sehr einsam fühlen, aber gleichzeitig auch sagen, ihren Eltern bestimmte Dinge nicht anvertrauen zu können.  In den Freitext-Antworten haben wir eine sehr dankbare Resonanz bekommen, sich über diesen Fragebogen überhaupt zu der eigenen Situation äußern zu können. Insofern sind die JuCo-Studien auch als politisches Instrument zu sehen, jungen Menschen in der derzeitigen Krise eine Stimme zu verleihen.

Auf welchen Kanälen haben Sie die Studien-Teilnehmer angesprochen?

Wir haben unsere eigenen Fachverteiler genutzt, dazu in kleinem Umfang Instagram und Facebook, aber auch private Kontakte – im Grunde hat sich das wie ein Schneeballsystem fortgesetzt. Etwa ein Drittel der Umfrageteilnehmer*innen stammte aus Niedersachsen, auch Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg waren stark vertreten, aber wir haben tatsächlich Menschen in allen 16 Bundesländern erreicht.

Sie haben ein Durchschnittsalter von 19 Jahren und einen Frauenanteil von zwei Dritteln ermittelt. Die in den Kurzberichten zitierten Freitext-Formulierungen legen eher ein höheres Bildungsniveau nahe. Können Sie sagen, inwieweit das Teilnehmerfeld repräsentativ für die Gesamtheit der Altersgruppe ist?

Eine repräsentative Studie sind die JuCo-Studien nicht, dafür hätten wir ein ganz gezieltes Sampling machen müssen. Wir haben viele junge Menschen erreicht, die auf Gymnasien gingen – so deuten es zumindest die Freitexte an. Hier wurde oft auf die Befürchtung Bezug genommen, das Abitur vielleicht nicht zu schaffen.  Und natürlich haben wir über unsere eigenen fachlichen Kontexte auch zahlreiche Studierende erreicht. Wir hatten der JuCo 1 Studie einen sehr geringen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, da haben wir in JuCo2 durch andere Strategien der Verteilung noch einmal nachgesteuert. Wir haben auch entschieden, den Fragebogen zusätzlich in leichter Sprache anzubieten. Davon haben etwa neun Prozent der Befragten Gebrauch gemacht. Aber ein echter Querschnitt durch die Altersgruppe ist das Datensample dennoch nicht.

Obwohl Sie ausdrücklich eine schnelle Herausgabe erster Ergebnisse der ausführlichen Analyse vorangestellt haben, leiten Sie daraus schon die klare Empfehlung ab, nicht von einer „Generation Corona“ zu sprechen. Weil Sie eine self-fulfilling prophecy befürchten?

Nach einem Dreivierteljahr Pandemiezeit finde ich es verfrüht, einer ganzen Generation auch mit Blick auf deren zukünftige Erfahrungen schon diesen Stempel aufzudrücken. Damit nimmt man den jungen Menschen die Selbstwirksamkeit, die Option, Prozesse in ihrem Leben selbst zu gestalten, und unterstellt der aktuellen Situation eine Bedeutung, die sie vielleicht gar nicht haben wird.  Zudem ist die Gruppe der jungen Menschen auch sehr heterogen und sie insgesamt als „Generation Corona“ anzusprechen, finde ich schon fast fahrlässig verkürzt. Ich finde es fast wichtiger, mit jungen Menschen über ihr aktuelles Lebensgefühl im Gespräch zu bleiben.

Ist nicht zwangsläufig ein Zeitraum von mittlerweile neun Monaten „Pandemiezeit“ prägend für jemanden in der ja doch recht sensiblen Zeit des Übergangs zum Erwachsensein?

Die Erfahrungen machen sich nicht generational fest, sondern treffen alle Menschen, von Kindergartenkindern bis zu Senior*innen. Die Jugendlichen trifft es in einer besonderen Phase, aber die Spuren dieser Zeit, von der wir noch gar nicht wissen, wie lange sie dauern wird, tragen wir alle.

Lesen Sie auch Hinweise darauf heraus, dass die momentane Situation positive Effekte auf junge Menschen haben könnte? Wenn ja, in welcher Hinsicht?

Was wir in den Fragebögen sehen, ist eine hohe soziale Sensibilität unter den Jugendlichen. Ob das ein neuer Effekt ist, kann man natürlich schwer beurteilen. Aber sehr viele machen sich Gedanken, wie es anderen gerade geht, Menschen die finanziell schlechter gestellt sind beispielsweise. Auffallend ist auch der Respekt gegenüber anderen Wahrnehmungen und Einstellungen zu den Gegebenheiten dieser Krise, da können wir von den Jugendlichen noch einiges lernen.

Gibt es weitere Schlussfolgerungen, die Sie aktuell schon absehen können?

Für die verschiedenen Formen von Jugendbeteiligung muss gewährleistet sein, dass diese auch in Krisenzeiten funktionieren. Auch in einer Situation wie der jetzigen dürfen junge Menschen nicht einfach auf die Plätze verwiesen werden, unter dem Motto „Das lasst mal lieber die Erwachsenen entscheiden“. Im Moment zeigt sich jedoch sehr stark, wie fragil die Jugendrechte da tatsächlich sind.

Und als zweite Schlussfolgerung: Es muss eine Erreichbarkeit der für Kinder und Jugendlichen wichtigen Organisationen, von der Kita über die Schulen bis hin zu den Jugendzentren und Sozialarbeiter*innen, auch und gerade in solchen Ausnahmesituationen sichergestellt werden. Zusammen mit den Partner*innen aus Forum Transfer wollen wir dazu ein Projekt auf den Weg bringen, welches sich intensiv mit der Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe befassen würde. In diesem Projekt soll es darum gehen, wie bestimmte Angebote niedrigschwelliger zugänglich gemacht und die entsprechenden Infrastrukturen für Familien verbessert werden können. Digitale Formen von Beratung, Hilfe und auch Jugendarbeit wird dabei zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Wie werden Sie jetzt wissenschaftlich bei der Auswertung der Fragebögen weiterarbeiten? Was sind die nächsten Schritte?

Eine ausführliche Auswertung für JuCo1 liegt vor, ist aber noch nicht veröffentlicht. Im neuen Jahr werden wir auch JuCo2 noch detaillierter auswerten, auch über deskriptive statistische Aussagen hinaus. Zum Beispiel können wir über Gruppenvergleiche ggf. noch Auswirkungen für einzelnen Teilgruppen besser sichtbar machen. Dazu wird es sicher noch weitere Veröffentlichungen geben. Auch das Interesse an Fachveranstaltungen über die Ergebnisse der Studien im kleinen wie im großen Rahmen ist groß, das wird im kommenden Jahr sicherlich auch weiterhin so bleiben. In der Öffentlichkeitsarbeit erreichen wir außerdem ein Publikum weit über die wissenschaftliche Community hinaus.

Nun scheint ein Ende der Pandemie aktuell noch nicht in Sicht. Ist eine Fortsetzung der Studie, eine JuCo3-Folge, geplant? Falls ja, in welchen Punkten würden Sie die Befragung  nach den jetzt vorliegenden Erkenntnissen erneut anpassen?

Ich könnte mir für eine dritte Erhebung nach dem Ende der Pandemie einen Rückblick auf den gesamten Zeitraum vorstellen. Aber noch wissen wir ja nicht, wann dieses Ende erreicht sein wird – oder ob die Situation vorher vielleicht nochmal dramatisch schlechter wird. Die weitere Entwicklung ist entscheidend dafür, wie eine mögliche dritte Erhebung angelegt sein sollte. Die Befragung in gleichem Stil immer wieder neu aufzulegen, scheint mir auf Dauer nicht ausreichend zu sein. Da werden wir im Team des Forschungsverbundes aber weiter gemeinsam dranbleiben.

Letzte Frage: Wenn Sie einen ganz konkreten Wunsch frei hätten, um die Situation der Jugendlichen in der momentanen Lage zu verbessern, an wen würden Sie diesen adressieren – und wie lautet er?

Der naheliegendste Wunsch wäre es, dass die jungen Menschen wieder in einen Alltag zurückfinden, der natürlich nicht wieder der alte Alltag sein wird, sondern ein neuer, mit neuen Erfahrungen, ohne Corona. Institutionen von der Musikschule über Kunstprojekte bis zum Sportverein, müssen sich unter dem Eindruck der jüngsten Erfahrungen neu aufstellen, und künftig dazu beizutragen, das Erlebte aufzuarbeiten, sei es nun therapeutisch, künstlerisch, sprachlich oder in anderer Form. Das findet meiner Ansicht nach bisher noch viel zu wenig statt. Aber es ist sehr wichtig, dass die Jugendlichen Orte finden, wo sie mit ihren Themen auch über die Krise hinaus ernstgenommen werden und sich mitteilen können.

 

Interview: Sara Reinke

 

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Zum Hintergrund

Dr. Severine Thomas ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik und forscht zu den Themen „Care Leaver“, Kinder- und Jugendhilfe, Übergangsforschung, Beteiligung, Familienbildung. Sie ist Mutter von fünf Kindern im Alter zwischen acht und 18 Jahren.

Die in diesem Jahr durchgeführten Studien JuCo1, JuCo2 und KiCo beleuchten die Situation und gesellschaftliche Einbindung von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie. Die Studien sind entstanden im Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“, an dem auch die Universitäten Frankfurt und Bielefeld beteiligt sind.

Eine weitere Studie, die bundesweit Aufmerksamkeit erzielt hat, ist die Studie Stu.diCo – Studieren digital in Zeiten von Corona. Diese Studie hat Frau Dr. Thomas gemeinsam mit einem Team im Rahmen des Projekts Fachstelle CareHOPe – Care Leaver an die Hochschulen in Niedersachsen. Online-Peerberatung im Juli 2020 durchgeführt.

 

Weiterführende Links:

Die Studien im Überblick

Politisches Papier JuCo/KiCo

Aktuelle Pressemitteilung zu JuCo2

 

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Ihr Forschungsprojekt ist ebenfalls durch die Corona-Pandemie in besonderer Weise beeinträchtigt und Sie möchten davon berichten? Nehmen Sie gern Kontakt auf unter: wissendigital(at)uni-hildesheim.de

Teil 1 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie": Prof. Dr. Martin Sauerwein berichtet aus dem Fachbereich Geographie

Teil 2 der Serie: Post-Doktorandin Wiebke Hiemesch untersucht historische Quellen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück zunächst digital

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Presse Fachbereich 1 Forschung Pressemeldungen Startseite
news-19971 Thu, 10 Dec 2020 10:34:52 +0100 Angst vor der Zukunft – Jugendalltag 2020: Erste Ergebnisse der bundesweiten Studie „JuCo 2“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/angst-vor-der-zukunft-jugendalltag-2020-erste-ergebnisse-der-bundesweiten-studie-juco-2/ Wie erleben Jugendliche die Corona-Krise? Ein Forschungsteam der Universitäten Hildesheim und Frankfurt gibt erste Ergebnisse der zweiten bundesweiten Befragung von Jugendlichen in der Corona-Zeit bekannt. Über 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene haben an der Befragung teilgenommen. Fast die Hälfte der befragten jungen Menschen gibt an, Angst vor der Zukunft zu haben.
  • Erste Ergebnisse der zweiten bundesweiten Befragung von Jugendlichen in der Corona-Zeit sind veröffentlicht. Über 7.000 junge Menschen haben teilgenommen.

  • Junge Menschen erfahren in Bildung und Freizeit sehr starke Einschränkungen. Viele Jugendliche erleben in Zeiten der Pandemie eine große psychische Belastung – Ausgleichsmöglichkeiten fehlen hingegen.

  • Fast die Hälfte der befragten jungen Menschen gibt an, Angst vor der Zukunft zu haben.

  • Auch weiterhin fühlen sich viele junge Menschen mit ihren Sorgen nicht gehört. Sie geben an, so gut wie gar nicht an den Aushandlungs- und Entscheidungsprozessen über die Gestaltung der Infektionsschutzmaßnahmen und ihrer zeitweiligen Lockerungen beteiligt worden zu sein.

  • Erwachsene stehen in der Verantwortung den jungen Menschen Räume zu schaffen und mit ihnen in den Dialog zu treten. Die Rechte und Bedarfslagen müssen anerkannt werden – auch in Krisenzeiten.

  • Jugendforscher:innen des Forschungsverbunds „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ der Universitäten Hildesheim und Frankfurt haben erste Ergebnisse der zweiten bundesweiten Befragung von Jugendlichen in der Corona-Zeit veröffentlicht. Über 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene haben an der Befragung teilgenommen. Die ersten Ergebnisse der Online-Befragung „JuCo 2“ zeigen eindrücklich, wie sehr sich der Lebensalltag der jungen Menschen in den unterschiedlichen Lebensbereichen durch die Corona Pandemie verändert hat und wie sehr sich dies auf ihr Empfinden und Erleben auswirkt.

    So blicken viele der Befragten angesichts ihrer Erfahrungen aus dem Jahr 2020 sorgenvoll in die Zukunft. Viele leiden unter Einsamkeit, sie vermissen ihre sozialen Kontakte und Freizeitaktivitäten. Der psycho-soziale Ausgleich zum Lernen und den sozialen Einschränkungen während der Pandemie fehlt. „An der zweiten Befragung haben im Vergleich zur ersten Erhebung im Frühjahr 2020 mehr junge Menschen teilgenommen, die nicht mehr zur Schule gehen. Besonders junge Menschen in biografischen Übergangsphasen blicken besorgt in die Zukunft, so konnte bereits in der „JuCo 1“-Studie gezeigt werden. Einsamkeit, finanzielle Sorgen und andere Nöte stellen für viele eine große Belastung dar“, so Dr. Tanja Rusack, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim.

    An den über 1.500 Freitextantworten und Kommentaren zeigt sich ein hoher Mitteilungsbedarf der jungen Menschen. Sie haben den Eindruck, dass ihre Bedarfe von der Politik nicht wahrgenommen werden. Johanna Willmes, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Frankfurt, verdeutlicht: „Jugendliche wollen mitbestimmen – auch in der Corona-Zeit. Sie haben wichtige Ideen zur Umsetzung unterschiedlicher Maßnahmen in ihrem Alltag. Doch diese Stimme wird kaum gehört.“ Noch haben wir es jugendpolitisch in der Hand, ob junge Menschen die Zeit der Corona-Pandemie als verlorene Zeit ansehen werden.

    Entscheidungsträger:innen sind jetzt gefordert zu handeln, damit der Jugendalltag 2021 den Rechten und Bedarfen junger Menschen – auch in Krisenzeiten – gerecht wird – so ein wesentliches Plädoyer der Forscher:innen in dem ersten zu den Ergebnissen aus „JuCo 2“ veröffentlichten Papier.

    Die ersten Ergebnisse der Studie „JuCo 2“ sind ab 10.12.2020 online unter dem folgenden Link abrufbar:

    https://dx.doi.org/10.18442/163

    Über den Forschungsverbund:

    Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld. Entstanden sind darin bisher die bundesweiten Studie „JuCo 1“ und „JuCo 2“ zu den Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen sowie die bundesweite Studie „KiCo“ zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern während der Corona-Maßnahmen.

    Berichte:

    DPA, 10.12.2020, „Junge Leute und Corona: Viele haben Angst vor der Zukunft"

    Der Tagesspiegel, Dr. Amory Burchard, 10.12.2020, „Jugendliche finden Inkonsequenz der Erwachsenen 'emotional ermüdend'"

    NDR Fernsehen, 10.12.2020, 18:00 Uhr Nachrichten und Hallo Niedersachsen

    Medienkontakt:

    Isa Lange, Pressesprecherin, Universität Hildesheim  
    presse@uni-hildesheim.de
    05121 883 90100 und 0177 8605905

    Kontakt zum Forschungsteam:

    Dr. Tanja Rusack (rusack@uni-hildesheim.de)
    Dr. Severine Thomas (severine.thomas@uni-hildesheim.de)
    Prof. Dr. Sabine Andresen (S.Andresen@em.uni-frankfurt.de)

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    news-19949 Thu, 03 Dec 2020 13:00:00 +0100 Postdoktorandin Wiebke Hiemesch: "Wir wollen die Quellen im Original erforschen" https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/postdoktorandin-wiebke-hiemesch-wir-wollen-die-quellen-im-original-erforschen/ Teil 2 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie": Um Kinderzeichnungen und heimlich von Hand geschriebene Schulbücher aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück geht es im Projekt "Paradoxe Bildung – Widerstand – Überleben". Doch die Originalquellen befinden sich in Schweden. Ravensbrück im Norden Brandenburgs: In einem ab 1938/39 von der SS errichteten Frauenkonzentrationslager leisteten hier die Inhaftierten Zwangsarbeit. Bis 1945 wurden in Ravensbrück und seinen Außenlagern etwa 120.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.200 weibliche Jugendliche aus 30 Nationen als Häftlinge registriert. Zehntausende starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente – oder wurden in dem ab 1941 zur Hinrichtungsstätte umgebauten Lager gezielt ermordet.

    Von einem heimlichen Alltag unter Bedingungen extremer Gewalt zeugen handschriftlich angefertigte Schulbücher, die bei der Evakuierung und späteren Räumung des Lagers erhalten blieben, und sich heute im schwedischen Lund befinden. Ebenfalls die Zeit überdauert haben rund 50 Zeichenblätter der 1944 im Alter von 14 Jahren inhaftierten Polin Krystyna Zaorska. Ihre detailgenauen Bilder, vielfach Frauenporträts, Alltagsszenen oder Darstellungen polnischer Traditionen, befinden sich in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

    Diese Zeitdokumente mit Blick auf ihre besondere Entstehungsgeschichte zu erschließen, zu analysieren und zugleich auch dazu beizutragen, die methodischen Ansätze zur Interpretation solcher Quellen voranzubringen, das ist das Ziel des Projekts „ Paradoxe Bildung – Widerstand – Überleben. Der geheime Unterricht und Kinderzeichnungen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“ von Prof. Dr. Meike Baader und Dr. Wiebke Hiemesch (Institut für Erziehungswissenschaften). Doch die Corona-Pandemie erschwert momentan sowohl den Zugang zum Untersuchungsmaterial als auch den angestrebten interdisziplinären Austausch.

    „Geplant waren eigentlich drei große Präsenz-Workshops mit Expert*innen aus den Bereichen Kunstgeschichte, Traumatherapie, Kunstdidaktik, Bildungsgeschichte und Literaturwissenschaft“, sagt Wiebke Hiemesch. „Der erste Workshop mit polnischer und schwedischer Beteiligung sollte ursprünglich bereits in diesem Jahr laufen, stattdessen planen wir nun für März/April 2021 eine digitale Veranstaltung.“ Vielleicht, so hofft die Nachwuchswissenschaftlerin, kann dann zumindest die Folgeveranstaltung im kommenden Sommer in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück wieder in Präsenz laufen.

    Im Rahmen ihrer Doktorarbeit hatte Hiemesch Interviews mit Überlebenden des Lagers Ravensbrück geführt beziehungsweise bereits vorhandene Interviews ausgewertet, darunter auch eines mit der Polin Krystyna Zaorska. „Darüber bin ich auf ihre Zeichnungen gestoßen, und später auch auf die Unterrichtsmaterialien.“ Schnell war klar, dass sich daraus über das Promotionsthema hinaus Forschungsansätze ergeben würden, an denen sie gemeinsam mit Meike Baader weiter forschen wollte. Obwohl das aktuelle, von der DFG geförderte Projekt – bedingt durch eine Teilzeit-Arbeitsregelung – immerhin auf vier Jahre angelegt ist, gerät der Zeitplan durch die eingeschränkten Reisemöglichkeiten schon im jetzt laufenden ersten Jahr unter Druck. „Eine Arbeit am Original ist im Moment nicht möglich“, bedauert Hiemesch, „aber positiv ist immerhin, dass man in Schweden sehr weit ist mit der Digitalisierung, und ich die Möglichkeit habe, mit hochaufgelösten Scans zu arbeiten.“ Dies ist allerdings kein Ersatz für die weiterhin ausstehende Begutachtung der Materialien vor Ort, ihrer Herstellungsart und der Gebrauchsspuren. Aber immerhin eine Möglichkeit, diese Quellenarbeit gut vorzubereiten. „Ich mache mir Notizen, was ich mir dann an den Originalen genauer ansehen möchte.“

    Wann unter den derzeitigen Bedingungen ein Forschungsaufenthalt in Schweden überhaupt wieder möglich sein wird, ist momentan noch ungewiss. Innerhalb Deutschlands stehen die Chancen dagegen besser. Im Februar möchte Wiebke Hiemesch im Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück an den Zeichnungen von Krystyna Zaorska arbeiten. Wenn nichts dazwischenkommt.

    Text: Sara Reinke

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    Ihr Forschungsprojekt ist ebenfalls durch die Corona-Pandemie in besonderer Weise beeinträchtigt und Sie möchten davon berichten? Nehmen Sie gern Kontakt auf unter: wissendigital(at)uni-hildesheim.de

    In Teil 1 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie" berichtet Prof. Dr. Martin Sauerwein aus dem Fachbereich Geographie

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    news-19927 Wed, 02 Dec 2020 09:46:00 +0100 Digital - auch über die Vermittlung digitaler Inhalte hinaus: Welche Kompetenzen in der Lehrerbildung wichtig sind https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/digital-auch-ueber-die-vermittlung-digitaler-inhalte-hinaus-welche-kompetenzen-in-der-lehrerbildun/ Fernunterricht, Lehrvideos und die Frage, ob es "Digital Natives" überhaupt gibt: Interview mit Prof. Dr. Christof Wecker im Vorfeld der CeLeB-Tagung „Bildung in der digitalen Welt“ am 4. und 5. Dezember 2020. Im Projekt Cu2RVE, das Sie gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Menthe und Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme leiten, geht es darum, wie digitale Kompetenzen im Lehramtsstudium verankert werden können. Was ist das Wichtigste, das angehende Lehrer mit Blick auf die Digitalisierung aus ihrem Studium mitnehmen sollten?

    Da ist sicher mehr als eine Sache sehr wichtig. Zum einen müssen Lehrkräfte in der Lage sein, digitale Medien zu nutzen, um ihren Schülerinnen und Schülern Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln. Das hat die Pandemie deutlich vor Augen geführt. Die angesprochenen Lernergebnisse müssen dabei gar nichts mit Digitalisierung zu tun haben, wenn etwa Verständnis für naturwissenschaftliche Gesetze beim Lernen mit Simulationen oder mathematische Fähigkeiten mit Hilfe von Erklärvideos gefördert werden. Zum anderen müssen Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern Fähigkeiten vermitteln können, die wir anknüpfend an die Strategie der Kultusministerkonferenz als „Kompetenzen in der digitalen Welt“ bezeichnen, also etwa im kritischen Umgang mit Informationen, in der Nutzung digitaler Technologien zur Präsentation von Inhalten oder zur Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen, oder auch im Nachdenken über die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen der Gesellschaft. Und natürlich müssen angehende Lehrkräfte über diese Kompetenzen in der digitalen Welt zuerst einmal selbst verfügen, bevor sie diese anderen vermitteln können.

     

    Wenn ich so an meine eigenen Lehrer zurückdenke, da gab es einige, die man daran erinnern musste, beim Dia-Projektor den Spiegel hochzuklappen und die Videokassette erst zurückzuspulen. Inzwischen sind wir zwei oder drei Generationen weiter. Heutige Studienanfänger sind um die Jahrtausendwende geboren und gelten ohnehin als Digital Natives – wie erleben Sie denn deren Basisqualifikation zu Beginn des Studiums? Woran fehlt es noch?

    Die weit verbreitete Auffassung, dass es inzwischen eine Generation von „digital natives“ gebe, die in der digitalen Welt aufgewachsen ist und sich in digitalen Medien daher wie ein Fisch im Wasser bewegt, wird durch wissenschaftliche Untersuchungen massiv in Frage gestellt und etwa von Paul Kirschner, einem internationalen führenden Lehr-Lern-Forscher, als „urbaner Mythos“ bezeichnet. Es gibt in Bezug auf die Kompetenzen in der digitalen Welt zwischen den Mitgliedern dieser Generation große Unterschiede, und selbst bei fitteren Personen ist das Kompetenzniveau nicht zwangsläufig über alle Kompetenzbereiche hinweg gleichmäßig hoch. Viele Mitglieder dieser Generation sind in der Kommunikation in sozialen Netzwerken sehr bewandert. Das schließt aber teilweise eklatante Lücken in so profanen, aber für das Studium und das spätere Berufsleben in der Regel viel wichtigeren Bereichen wie etwa in der Handhabung von Dateiformaten oder von Tabellenkalkulationssoftware nicht aus. Selbst beim Thema Video sehen wir häufig Defizite. Obwohl sich die vermeintlichen „digital natives“ laut den in vielen Medien verbreiteten Klischees angeblich ständig selbst filmen, müssen wir Themen wie Komprimierung oder Schnitt bei der Erstellung von Lernvideos eigens behandeln.

     

    Die Corona-Pandemie bringt in Sachen Digitalisierung aktuell an den Schulen einiges in Bewegung.  Vielleicht bringen ja schon die nächsten Schulabsolventen-Jahrgänge ganz andere Voraussetzungen im Digitalen mit?

    Die Erfahrungen der Studierenden aus der eigenen Schulzeit sind für uns häufig Segen und Fluch zugleich. Natürlich ist es hilfreich, wenn zukünftige Studierende manche Formen des Lernens mit digitalen Medien in der aktuellen Pandemie bereits kennengelernt haben. Gleichzeitig haben wir als Universität sehr damit zu kämpfen, dass Studierende etwa in den Schulpraktika die selbst erlebten Unterrichtsmuster häufig einfach nur reproduzieren. So ist Fortschritt nur schwer möglich.

    Ein Teilprojekt von Cu2RVE befasst sich übrigens damit, die bereits vorhandenen Kompetenzen in der digitalen Welt der Studienanfängerinnen und -anfänger zu erfassen: Wir arbeiten an einer Eingangsdiagnostik, die im Rahmen eines zweiten Teilprojekts ermöglicht, am Anfang des Studiums im Sinne einer Basisqualifizierung passgenaue Angebote auf unterschiedlichen Niveaus für die verschiedenen Kompetenzbereiche zu machen. Das ist im Prinzip gar nicht lehramtsspezifisch, sondern ließe sich auch für andere Studiengänge nutzen. Die spezifischen pädagogischen und fachdidaktischen digitalisierungsbezogenen Kompetenzen, die Lehrkräfte benötigen, vermitteln wir dann später im Verlauf des Bachelor- und Master-Studiengangs.

     

    Blicken wir mal auf die Lehrerinnen und Lehrer, die aktuell im Schuldienst tätig sind: Abgesehen von der technischen Ausstattung, woran fehlt es in der aktuellen Corona-Situation am meisten bei der Realisierung des Fern-Unterrichts?

    Es war ja in den letzten Monaten häufig zu lesen, dass die Digitalisierung in den Schulen verschlafen worden sei. Dabei wird verkannt, dass die meisten Formen des Lernens mit digitalen Medien in Präsenzsituationen – und kaum jemand konnte sich bis vergangenen März Unterricht anders vorstellen – nicht ohne Weiteres funktionieren, wenn die Schülerinnen und Schüler zuhause bleiben müssen. Wer in Zweiergruppen im Klassenzimmer das Recherchieren im Internet übt, benutzt dafür zwar vielleicht ein Tablet, aber keine Videokonferenz.

    Schulschließungen oder Wechselbetrieb, deren Ausmaß sich derzeit ja in Grenzen hält, stellen ganz andere Anforderungen. Woran es dabei wirklich mangelt, sind gute Ideen dafür, Schülerinnen und Schülern etwas Neues beizubringen, auch wenn sie zuhause sitzen. Erklärvideos können dabei eine wichtige Rolle spielen, vor allem wenn es gelingt, sie mit Anwendungs- und Übungsaufgaben zu verbinden, bei denen die Schülerinnen und Schüler hilfreiche Unterstützung und Rückmeldungen erhalten. Genau daran haben wir im letzten Durchgang des Allgemeinen Schulpraktikums mit denjenigen Studierenden gearbeitet, die das Praktikum nicht in Präsenz an einer Schule absolvieren konnten.

    Viel zu lange war dagegen zu hören und zu lesen, dass man die Situation zur Wiederholung und Festigung des bereits Gelernten nutzen könne. So wichtig die Konsolidierung von Wissen und Fähigkeiten ist und so sehr diese sonst oft vernachlässigt wird – nach Wochen und Monaten ist es damit auch mal genug. Wenn die nächste PISA-Erhebung nicht drastische Lernrückstände aufzeigen soll, muss auch im Fall von Schulschließungen und Wechselbetrieb Neues gelernt werden können.

     

    Eigentlich ist Fern-Unterricht ja alles andere als neu. In Australien gab es schon in den 80er-Jahren für die Kinder aus weit abgelegenen Regionen Unterricht über den Fernseher. Warum tut sich ein hochentwickeltes Land wie Deutschland mit diesem Thema generell so schwer?

    Weil diese Form des Unterrichts vor der Pandemie nicht nötig war. Deshalb dominiert ein bestimmtes Bild davon, wie Unterricht auszusehen hat. Und das sieht eben vor, dass er in einem Klassenzimmer stattfindet. Das ist aber ein reines Oberflächenmerkmal. Betrachtet man dagegen die Tiefenebene, also die Frage, was aus lernpsychologischer Sicht in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler passieren muss, damit erfolgreich gelernt wird, gibt es zwischen den verschiedenen Settings gar keinen Unterschied. Die Grundprinzipien des Erwerbs von Wissen und Fähigkeiten bleiben gleich, unabhängig von Situationen und Technologien.

    Dieser Punkt ist übrigens für das Thema Digitalisierung in der Lehrerausbildung absolut zentral: Die „Neuen Medien“ von heute sind die alten Medien von morgen. Nur wenn es uns gelingt, anhand der jeweils aktuellen Technologien zu vermitteln, worauf es beim Lernen wirklich ankommt, haben Lehrkräfte in ihrem hoffentlich langen Berufsleben eine Chance, die jeweils nächsten „Neuen Medien“ lernförderlich einzusetzen. Dieses Thema greifen wir auch im Rahmen der Tagung auf.

     

    Eignen sich digitale Unterrichtsformate grundsätzlich für alle Altersstufen und alle Fächer?

    Ich sehe einen größeren Unterschied zwischen den Fächern als zwischen den Altersgruppen. Die gerade erwähnten lernpsychologischen Grundprinzipien sind nicht so sehr altersabhängig, sie bleiben relativ konstant. Unterschiedliche Arten von Inhalten dagegen erfordern zumeist andere Herangehensweisen. Deshalb setzen wir in Cu2RVE auch auf fachspezifische Unterrichtskonzepte – und loten dennoch aus, was sich zwischen Fächern übertragen lässt.

     

    Meine letzte Frage ist ein bisschen ketzerisch: Was glauben Sie, wie lange es noch dauern wird, bis Grundschüler gar nicht mehr lernen, mit der Hand zu schreiben?

    Das weiß ich natürlich nicht, aber ich hoffe, dass es erst dann der Fall sein wird, wenn wir so weit sind, dass die Schülerinnen und Schüler über andere Möglichkeiten verfügen, sich Dinge zu notieren. Wenn Schülerinnen und Schüler lernen, so schnell zu tippen, wie sie mit der Hand schreiben, könnte man zumindest darüber nachdenken – wobei Forschungsergebnisse die darauf hindeuten, dass man beim Aufschreiben mit der Hand mehr lernt als beim Tippen auf dem Rechner. Und Lösungen wie die Eingabe per Spracherkennung sind in einem Klassenzimmer ja eher schlecht vorstellbar, weil dabei fünfundzwanzig Schülerinnen und Schüler durcheinandersprechen würden. Auch das reine Abspeichern von Tafelbildern als fertige Dateien ist kein brauchbarer Ersatz dafür, etwas selbst aufzuschreiben. Diese Form von „Habenwollen“ wird schon im Faust karikiert: „Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Die meisten Lerninhalte müssen trotz Google und immer billigerem Speicherplatz in den Kopf, nicht auf die Festplatte.

    Interview: Sara Reinke

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    Prof. Dr. Christof Wecker lehrt und forscht unter anderem zu Unterrichtsmethoden unter Einbeziehung digitaler Medien. Zusammen mit Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme und Prof. Dr. Jürgen Menthe leitet er das Projekt „Cumulativer und curricular vernetzter Aufbau digitalisierungsbezogener Kompetenzen zukünftiger Lehrkräfte“ (Cu2RVE).

    Informationen zur digitalen CeLeB-Tagung „Bildung in der digitalen Welt“ am 4. und 5. Dezember 2020 gibt es hier.

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    news-19935 Tue, 01 Dec 2020 10:28:00 +0100 Geographie-Professor Dr. Martin Sauerwein: „Das Reiseverbot war erstmal ein Schock“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geographie-p/ Geographische Forschung lebt von der räumlichen Erkundung. Normalerweise. Doch jetzt ist alles anders. Teil 1 der Serie "Forschung in Zeiten der Pandemie". Die Geographie beschäftigt sich mit dem Wirkungsgefüge physischer, biotischer und anthropogener Sachverhalte, die sich auf die Struktur und Entwicklung der dreidimensionalen Landschaftshülle der Erde auswirken. So lässt sich die aus einem geographischen Wörterbuch entnommene Definition des früher Erdkunde genannten Fachgebiets zusammenfassen. Geradezu zwangsläufig ergibt sich daraus, dass, wer die Erde erkunden will, diese auch bereisen muss. Doch das ist in Zeiten einer weltweiten Pandemie nur noch sehr eingeschränkt möglich, berichtet Prof. Dr. Martin Sauerwein, geschäftsführender Direktor des Instituts für Geographie an der Uni Hildesheim: „Als die Universitätsleitung uns im ersten Lock-Down Ende März ein Reiseverbot ausgesprochen hat, war das erstmal ein Schock.“ Selbstverständlich habe er Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahme gehabt, fügt Sauerwein hinzu, doch stellte sie die gesamte Planung der kommenden Monate auf den Kopf. „Genau zu der Zeit, Anfang April, hatten wir einen Geländeaufenthalt im ligurischen Nationalpark Cinque Terre geplant. Mit dem dortigen Projekt ist auch eine Dissertation verbunden.“

    Doktorand Moritz Sandner erforscht in Italien den Landnutzungswandel der historischen Weinbauterrassen. Die früher kleinbäuerlichen Strukturen befinden sich seit mehr als 50 Jahren in Auflösung, und die nicht mehr für den Anbau genutzten Terrassen verfallen zusehends. Die Folge: Verlust der historischen Kulturlandschaft und Erdrutsche, die auch eine Gefahr für die bei Touristen beliebten namensgebenden fünf Küstendörfer darstellen. Doch wie will man die Vegetation kartieren und theoretische Überlegungen validieren, ohne selbst vor Ort zu sein? „Zum Glück waren wir bereits vor Corona dort und haben Daten gesammelt, auf die wir nun zurückgreifen können“, sagt Sauerwein. „Und es gibt durchaus auch Möglichkeiten der Fernerkundung.“ Dennoch habe der Ausfall der diesjährigen Arbeiten Sandner ein halbes Jahr gekostet, das er nun an seine Promotionszeit anhängen muss.

    Was aus weiteren Geländeerkundungen in Cinque Terre wird, steht derweil noch immer in den Sternen – ebenso wie bei einem weiteren, ursprünglich für das Jahr 2021 gemeinsam mit der Uni Bozen geplanten Forschungsprojekt im Nationalpark Parco della Maremma Toskana). „Diese Reise haben wir inzwischen ganz abgesagt, beziehungsweise auf 2022 verschoben“, sagt Sauerwein. Und auch die Planung einer für März angedachten Exkursion nach Salzburg liegt auf Eis: zu hoch das finanzielle Risiko, falls kurzfristig storniert werden müsste. „Für den Sommer 2021 brauchen wir für alles einen Plan B“, sagt Sauerwein, „aber wir hoffen, dass wir vieles im Jahr 2022 nachholen können.“

    Statt großer Auslandsexkursionen – für Geographie-Studierende in der Regel ein absolutes Highlight ihres Studiums – setzt man am Institut für Geographie nun erstmal vermehrt auf kleinere Tagesexkursionen und Geländeübungen. Denn die können mit entsprechendem Hygienekonzept meist noch ganz gut umgesetzt werden. „Aber auch da haben wir durch die begrenzte Teilnehmerzahl einen deutlich höheren Aufwand“, macht Sauerwein deutlich. „Wo ich früher mit 20 Studierenden losgefahren bin, müssen jetzt zwei Gruppen mit je zehn Leuten starten. Und bei Anreise mit dem Auto dürfen nur noch zwei Personen pro Fahrzeug mitfahren.“ Statt wie bei manchen digitalen Formaten mit weniger Lehrpersonal auszukommen, benötigt die Arbeit im Gelände nun doppelt so viel.

    Dankbar ist Sauerwein der Universitätsleitung dafür, dass sie solche Ausflüge im Namen der Wissenschaft innerhalb Deutschlands weiterhin zulässt, denn so können zumindest Inlandsforschungen wie das Projekt zur Revitalisierung von Mooren in Brandenburg relativ problemlos fortgesetzt werden. Und eine Geographie ganz ohne Erkundungsfahrten wäre wohl auch fast undenkbar.

    Text: Sara Reinke

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    Ihr Forschungsprojekt ist ebenfalls durch die Corona-Pandemie in besonderer Weise beeinträchtigt und Sie möchten davon berichten? Nehmen Sie gern Kontakt auf unter: wissendigital(at)uni-hildesheim.de

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    Presse Fachbereich 4 Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-19881 Fri, 20 Nov 2020 08:54:00 +0100 Prof. Meike Baader: "Wissenschaft muss sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst sein" https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/prof-meike-baader-wissenschaft-muss-sich-ihrer-ethischen-verantwortung-bewusst-sein-1/ Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen gewinnt in der Wissenschaft ein immer größeres Gewicht. Der Tag der Forschung nimmt das Thema in den Blick - und soll den fachlichen Austausch über Forschungsthemen fördern. Was ist die Idee des Tags der Forschung?

    Der Tag der Forschung mit der Überschrift „Forschungsethik – ohne sie keine gute wissenschaftliche Praxis“ soll den Auftakt bilden zu einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe, die künftig einmal im Jahr oder vielleicht sogar einmal im Semester laufen kann. Die Idee ist es, Forschung über die Fachbereiche hinweg sichtbar zu machen. Die Initiative für das Thema Forschungsethik kam von der Senatskommission für Ethik, der Prof. Dr. Peter Cloos vorsitzt. 

    An wen richtet sich die Veranstaltung?

    Wir freuen uns natürlich auch über eine interessierte Öffentlichkeit, aber vor allem wollen wir eine Uni-interne Zielgruppe ansprechen. Gerade jetzt in der Corona-Zeit haben wir uns viel darüber ausgetauscht, wie Lehre unter diesen Bedingungen organisiert werden kann und was alles beachtet werden muss. Aber die Forschung läuft ja auch weiter – unter deutlich erschwerten Bedingungen. Mit dem Tag der Forschung wollen wir wieder vermehrt den Fokus darauf richten, und die Kommunikation und den gemeinsamen Austausch über Forschung wieder intensivieren. 

    Gab es einen bestimmten Anlass, diesmal das Thema „Forschungsethik – ohne sie keine gute wissenschaftliche Praxis“ in den Vordergrund zu stellen?

    Ethische Fragen geraten in der Forschung immer stärker in den Blick. Unlängst erst hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft ihren Ethik-Kodex, den die Universitäten jetzt umsetzen müssen, überarbeitet – und dabei deutlich ausgeweitet. Das Thema wird in der Wissenschaft immer bedeutsamer. Es gibt eine gewachsene Sensibilität gegenüber dem Schutz vulnerabler Gruppen, beispielsweise von Kindern. Auch im Forschungsdatenmanagement geht man heute viel bewusster und nachhaltiger mit Daten um. Noch bis vor kurzem war es die vorherrschende Einstellung, dass Daten der Person gehören, die sie erhoben hat. Inzwischen werden Wissenschaftler*innen angehalten, ihre Daten – deren Erhebung ja in der Regel mit öffentlichen Geldern finanziert wird – nach einer gewissen Wartezeit auch anderen in der wissenschaftlichen Community zu Verfügung zu stellen. Das ist sinnvoll und nachhaltig, aber es wirft auch neue Fragen auf, was die Aufbewahrung, Sicherung und Pflege der Daten betrifft. Fragen des Datenschutzes, ethische Fragen sowie solche des Datenmanagements werden auf dem Tag der Forschung diskutiert.

    Bei Ethik in der Forschung denkt man schnell an medizinische Themen – ganz aktuell zum Beispiel die Triage-Debatte oder die Frage, wie Impfstoffe verteilt werden sollen, wenn sie nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Wie kann Wissenschaft da helfen?

    Zu allererst kann Wissenschaft aufzeigen, welche Probleme durch solche Fragen überhaupt hervorgerufen werden. Was bedeutet beispielsweise die Triage-Entscheidung für diejenigen, die sie treffen müssen, also für die Ärzte und Ärztinnen? Auch darüber wird meines Wissens an der Universität Hildesheim, in der Psychologie, geforscht. Eine Befragung nach wissenschaftlichen Kriterien kann beispielsweise die psychische Belastung ermitteln. Ethische Aspekte kommen aber bei weitem nicht nur im medizinischen Umfeld vor, sondern in allen wissenschaftlichen Bereichen, von der Pandemie bis zum Klimawandel.

    Sie selbst sind Erziehungswissenschaftlerin – in welchen Bereichen haben Sie mit ethischen Fragestellungen zu tun?  

    Wir haben zum Beispiel gemeinsam mit einem Team aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik Forschungen zu sexualisierter Gewalt durchgeführt. Befragungen zu diesem Thema können eine Belastung für die Betroffenen darstellen, die auch das Risiko von Retraumatisierungen mit sich bringen kann. Das, was eine solche Befragung auslösen kann, können wir als Wissenschaftler*innen im Zweifelsfall gar nicht auffangen, wir können dann nur zum Beispiel an Beratungsstellen verweisen. Deshalb ist es sehr wichtig, sich der Verantwortung für die eigene Forschung bewusst zu sein und mögliche Folgen zu reflektieren – und dies auch bereits im Forschungsantrag mit zu berücksichtigen. Solche Forschungsanträge müssen dann auch durch die Ethikkommissionen der Universität genehmigt werden.   

    Aktuell gibt es den Fall einer Auftragsforschung zur sexualisierten Gewalt, die eigentlich abgeschlossen ist. Das Projekt ist beendet, die Finanzierung ausgelaufen. Aber uns erreichen immer weiter Anfragen und Hinweise. Die können wir ja jetzt nicht einfach ignorieren. Die beantworten wir jetzt also, so gut es geht, obwohl dafür eigentlich gar kein Geld mehr vorgesehen ist. Dass wir nicht einfach aufhören, hat auch mit forschungsethischen Überlegungen und Haltungen zu tun.  

    Haben Sie noch andere Beispiele, wo an der Uni Hildesheim Forschungsethik eine besondere Rolle spielt?

    Mir fallen natürlich zuerst Beispiele aus meiner eigenen Disziplin ein: Eine Mitarbeiterin aus meinem Arbeitsbereich hat für Ihre Forschungen Holocaust-Überlebende befragt. Auch das erfordert eine sensible Interviewführung und eine Reflexion darüber, was die Befragung möglicherweise beim Gegenüber auslöst.

    Noch einen Schritt weitergedacht, macht solche Forschung aber auch etwas mit den Wissenschaftler*innen: Sie müssen sich über einen langen Zeitraum mit einem belastenden Thema auseinandersetzen. Auch dafür vorauszudenken und beispielsweise eine Möglichkeit der Supervision und damit entsprechende Ressourcen einzuplanen, ist ein Aspekt einer ethisch verantwortungsbewussten Forschung.

    Forschung kann auch selbst neue ethische Dilemmata hervorbringen. Ich hatte vor einiger Zeit ein Gespräch mit Sebastian Thrun, in dem es auch um die Frage ging, wie selbstfahrende Autos für Situationen programmiert werden sollen, in denen ein Unfall unvermeidlich ist. Nehmen wir an, ein Kind läuft vor das Auto. Es wäre ein Ausweichmanöver möglich, aber dann würde das Auto eine Seniorin auf dem Bürgersteig überfahren. Von dieser Problemstellung kann man sich natürlich noch diverse Variante überlegen. Ich will jetzt gar keine Lösung von Ihnen präsentiert bekommen, aber vielleicht können Sie mal erklären, wie man sich so einem Thema aus forschungsethischer Sicht nähern kann?

    Das ist ein Beispiel für die sogenannte Technikfolgenabschätzung. Auch da gilt, dass sich die beteiligten Wissenschaftler*innen erstmal darüber bewusst sein müssen, dass ihre Forschung nicht nur das gewünschte Ergebnis hervorbringt, sondern auch nicht-intendierte Nebenwirkungen erzeugt. Das sind vermutlich Fragen, die in multi-perspektivisch ausgerichteten Teams erörtert werden müssen.

    Was wäre aus Ihrer Sicht eine wichtige Erkenntnis, die ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin am Tag der Forschung abends mit nach Hause nehmen sollte?

    Die Auseinandersetzung mit forschungsethischen Fragen kann schon in einer Bachelor- oder Masterarbeit wichtig sein. Wenn zum Beispiel mit anonymisierten Daten gearbeitet wird, muss ein Verständnis dafür gegeben sein, warum das wichtig ist, und wie man das am besten macht. Deshalb muss die Sensibilisierung für solche Fragen früh ansetzen, am besten schon im Studium. Bei diesem Thema gibt es also auch eine Verbindung zwischen Forschung und Lehre. Außerdem sollten Fragen von Datenmanagement, Datenschutz und Forschungsethik, die sich unterscheiden, aber auch zusammenhängen, früh in die Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses einbezogen werden. Das wäre eine Botschaft, von der ich mir wünschen würde, dass sie bei den Teilnehmer*innen ankommt.

     

    Interview: Sara Reinke

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    Prof. Dr. Meike Baader ist Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs und Mit-Initiatorin des  Tags der Forschung. Die Veranstaltung mit dem Thema „Forschungsethik ohne sie keine gute wissenschaftliche Praxis“ ist entstanden in Kooperation mit dem Vorsitzenden der Senatskommission für Ethik, Prof. Dr. Cloos sowie  Prof. Dr. Gunther Graßhoff (Vorsitzender der Ethikkommission des FB1), dem Graduiertenzentrum (Svea Korff), dem Datenschutzbeauftragten der Universität, Prof. Dr. Mandl, dem Forschungsdatenmanagement (Annette Strauch), dem Ombudsmann für gute wissenschaftliche Praxis, Prof. Dr. Martin Sauerwein, sowie der Stabsstelle Forschungsförderung und Forschungsmanagement (Markus Weißhaupt) .

     

    Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch 25. November 2020 um 14.15 Uhr und wird über das Webkonferenzsystem Zoom übertragen.

    Weitere Informationen zum Programm und den Referent*innen gibt es hier.

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    news-19860 Wed, 18 Nov 2020 08:42:22 +0100 Maike Gunsilius: „Theater ist Bildung, Partizipation und demokratische Praxis“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/maike-gunsilius-theater-ist-bildung-partizipation-und-demokratische-praxis/ Seit dem 1. Oktober ist Prof. Dr. Maike Gunsilius Professorin für Ästhetik des Kinder- und Jugendtheaters am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur an der Stiftung Universität Hildesheim. Die 44-Jährige befasst sich mit theatertheoretischen und -praktischen Fragen rund um das Theater für ein junges Publikum sowie der Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind experimentelle und performancebasierte zeitgenössische Formen des Kinder- und Jugendtheaters, relationale Dramaturgien sowie Theater als Forschung mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Partizipative Formen der künstlerischen Forschung mit Kindern und Erwachsenen

    „Die künstlerische Forschung als Begriff hat Konjunktur und ist auch im Kinder- und Jugendtheater in den letzten Jahren zu einem „Zauberwort“ geworden. “, sagt sie. In der Vielzahl ganz unterschiedlicher Ansätze und Praktiken der künstlerischen Forschung beschäftigt sich die 44-Jährige vor allem mit partizipativen Ansätzen, denen es darum geht, Forschungsprozesse zu (er)öffnen und nicht als etwas zu betrachten, das nur Wissenschaftler*innen vorbehalten ist. Dabei geht sie der Frage nach, wie Mittel, Verfahren und Formate des Theaters so eingesetzt werden, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam an gesellschaftlichen Fragestellungen forschen können. Ähnlich wie in Ansätzen der Aktionsforschung geht es darum, Settings und Prozesse zu entwickeln, in denen auch Menschen an Forschungsprozessen beteiligt sein können, die keinen akademischen Hintergrund haben.

    Studiert in Hildesheim

    „Hildesheim hat meinen beruflichen Weg geprägt“, bekennt die Kulturwissenschaftlerin, Dramaturgin und Performancemacherin. Studiert hat sie Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis an der Stiftung Universität Hildesheim und Theater am Dartington College of Arts in England. Besonders die wechselseitige Bezugnahme zwischen Theorie und Praxis, die die kulturwissenschaftlichen Studiengänge in Hildesheim prägt, hat sie seit Studienzeiten immer begleitet.

    Praxisschwerpunkte

    „Nach dem Studium hatte ich zunächst den großen Wunsch, in die Praxis zu gehen“, erinnert sich Maike Gunsilius. Sie arbeitete zunächst als Dramaturgin an Stadttheatern und in freien Projekten. Dabei interessierte sie zunehmend eine „kollaborative Zusammenarbeit mit Menschen, die keine künstlerischen Berufe oder Erfahrungen haben, also mit Expert*innen des Alltags“. In solchen Formen der Zusammenarbeit, zum Beispiel in theatralen Stadtprojekten, zeige sich immer wieder, welche unwahrscheinlichen neuen Räume der Begegnung und Kommunikation Theater- und Performance macher*innen durch ihre Expertise in der Organisation partizipativer Prozesse eröffnen können. Zugleich werde dabei aber auch immer wieder deutlich, dass der Kulturbetrieb „ein exklusiver Raum mit hoher Zugangsbeschränkung“ sei, auch im Kinder- und Jugendtheater.

    Deshalb ging sie wissenschaftlich der Frage nach: Wie kann es gelingen, dass Theaterarbeit sich weiter öffnet? Wie können Kinder und Jugendliche als junge Bürger*innen Theater als einen Raum und eine Praxis erleben, in der sie ihre Fragen und Wünsche künstlerisch bearbeiten können? Gemeinsam mit Mädchen und Frauen untersuchte sie in künstlerischen Forschungsprojekten, wie Mädchen und Frauen sich heute als Bürgerinnen in unsere postmigrantische Gesellschaft einschalten und wie sie Theater- und Performance dafür nutzen können und wollen. Dabei zeigte sich, dass etablierte Formen, die stark auf die frontale Performance und das öffentliche Sichtbarwerden des Subjekts setzen, nicht nur selbstermächtigendes Potenzial bieten, sondern auch problematisch sein können - insbesondere für marginalisierte Stimmen.

    „Kinder und Jugendliche sind stark aufgefordert, zu performen – und zwar erfolgreich“

    Eine Herausforderung der Theaterpraxis mit Kindern und Jugendlichen sei es, so die Kulturwissenschaftlerin, dass „Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit stark aufgefordert sind, zu performen – und zwar erfolgreich zu performen“, beispielsweise durch Self-Performances in sozialen Medien oder vor Erwachsenen in der Schule. „Theater(pädagogische) Arbeit hat den Anspruch, einen solchen gesellschaftlichen Imperativ zur erfolgreichen Performance des Subjektes kritisch zu bearbeiten. Zugleich befinde sie sich jedoch in dem Dilemma, ihn oft – unfreiwillig – zu bedienen und dabei auch noch gesellschaftliche Stigmatisierungen zu reproduzieren“, betont Maike Gunsilius. Sie hat in diesem Zusammenhang eine relationale dramaturgische Praxis als Stellschraube dafür herausgearbeitet, Theater- und Performancesettings so zu bauen, dass darin Verhältnisse künstlerisch bearbeitet und ausgehandelt werden können: Verhältnisse zwischen Kindern und Erwachsenen und weitere gesellschaftliche (Macht-)Verhältnisse, die das Leben von Kindern und Jugendlichen bestimmen.

    Stationen in Wissenschaft und Praxis

    In den Jahren 2015 bis 2017 hat Maike Gunsilius als Stipendiatin des Graduiertenkollegs „Performing Citizenship“ in Hamburg zum Thema „Dramaturgien postmigrantischer Performance – Citizenship in kultureller Bildung und künstlerischer Forschung“ promoviert. Von 2019 bis 2020 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Participatory Art-based Research“, das Formate partizipativer künstlerischen Forschung untersucht.

    Davor hat sie als Dramaturgin und Performancemacherin an Stadttheatern unter anderem in Basel, Frankfurt, Hamburg sowie in freien Theater- und Performanceprojekten und in Schulen gearbeitet. An der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, der Universität Hamburg sowie der Fachhochschule Dortmund und weiteren Hochschulen hat sie Dramaturgie, partizipative Theaterformen und Theater als Forschung gelehrt.

    Die Leidenschaft entstand im Schultheater

    Ihr Interesse für Theater wurde „ganz klassisch“ in der schulischen Theatergruppe geweckt. Schule ist für sie „die Öffentlichkeit für Kinder und Jugendliche, und zwar für alle“. Sie sei ein zentraler Raum, in dem Kinder und Jugendliche – neben ihrem Elternhaus – die Welt entdecken, sich darin erfahren und als Bürger*innen sozialisiert werden. Ein Anliegen ist ihr deshalb, die Rolle der künstlerischen Fächer darin zu stärken. „Theater, Kunst und Musik sind den so genannten Kernfächern nach wie vor stark nachgeordnet“, meint sie. Dabei könne ihrer Ansicht nach Theater durchaus mit Deutsch-, Geschichts- und Gesellschafts-Unterricht und auch mit naturwissenschaftlichen Fächern verknüpft werden. Theater ist für sie Bildung, Partizipation und demokratische Praxis.

    „Theater ist sowohl Bildung als auch Arbeit“

    Umso betroffener machen sie die Einschränkungen des zweiten Lockdowns in der Corona-Pandemie (im November 2020) und die Auswirkungen auf die Kulturszene, die sich zum Teil bereits seit März ununterbrochen im Lockdown befinde. „Kulturschaffende wollen die Gesundheit der Menschen schützen und haben mit viel Mühe, Arbeit und Kreativität monatelang pandemie-gerechte Konzepte entwickelt. Dass sie nun weiter in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt bleiben, ist schwer zu verkraften“, sagt sie. Die Kulturwissenschaftlerin sieht die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen als auch von (ihren) Theatermacher*innen in den letzten Monaten zu wenig berücksichtigt. Kinder und Jugendliche hätten, auch und gerade in Krisenzeiten, ein Recht auf Zugang zu und Teilhabe an Kunst und Kultur. Das Kinder- und Jugendtheater sei ein wichtiger Raum des transgenerationellen Dialogs über aktuelle Herausforderungen des Zusammenlebens in der Welt – auch während und nach der Pandemie. Doch die Begründung der aktuellen Maßnahmen, man habe sich für Bildung und Arbeit entschieden, stelle die Relevanz von Kunst und Kultur in Frage, sagt sie. „Dabei wurde vergessen: Theater ist sowohl Bildung als auch Arbeit.“

    Prof. Dr. Maike Gunsilius bietet im Wintersemester 2020/21 immer dienstags von 14 bis 15 Uhr eine Online-Sprechstunde an. Anmeldungen dazu sind möglich bei Frau Alsleben unter E-Mail: alsleben(at)uni-hildesheim.de

    Text: Gabriele Gerner (Pressestelle), Foto: Thomas Krätzig

     

     

     

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    news-19845 Mon, 16 Nov 2020 16:10:26 +0100 Juliane Brauer: "Geschichte ist nicht die Vergangenheit, sondern das, was wir über die Vergangenheit erzählen" https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/juliane-brauer-geschichte-ist-nicht-die-vergangenheit-sondern-das-was-wir-ueber-die-vergangenheit/ Professorin Dr. phil. habil. Juliane Brauer forscht und lehrt seit September 2020 am Institut für Geschichte der Universität Hildesheim. Nach Lehraufträgen in Erfurt und Wuppertal sowie einer Gastprofessur in Jerusalem habilitierte sie im Sommer 2019 im Bereich Neuere und Neueste Geschichte. Davor forschte sie zehn Jahre am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Bereich „Geschichte der Gefühle“. Derzeit untersucht sie Vorstellungsbilder von Geschichte und die Bedeutung von Imagination im Kontext des historischen Lernens. Außerdem befasst sie sich als Historikerin und Musikwissenschaftlerin mit Themen an der Schnittstelle zwischen Geschichte und Musik und plant die Entwicklung eines digitalen History Labs, mithilfe dessen Studierende und Schüler*innen sich einen eigenen Sinn aus Geschichte bilden können. Professorin Brauer, womit beschäftigt sich die Disziplin der Geschichtsdidaktik?

    Auf theoretischer Ebene befasst sie sich damit, was in unserer Gegenwart mit der Vergangenheit passiert. Es werden Fragestellungen betrachtet wie: Was ist Geschichtsbewusstsein? Was ist Geschichtskultur? Beispielsweise ist das, was in einem Erklärfilm auf YouTube über die Geschichte des Nationalsozialismus gezeigt wird, Geschichtskultur – genauso wie das, was auf Twitter über Gedenkstättenbesuche getwittert wird. Zum anderen steht die Forschung über historisches Lernen im Fokus. Es wird untersucht, wie Kinder und Jugendliche Sinn aus Geschichte bilden, beispielsweise, wenn sie sich mit einem Schulbuchtext, einer Quelle, einem Bild oder einer Karikatur auseinandersetzen. Zusätzlich geht es in der Geschichtsdidaktik um Methoden für einen guten Geschichtsunterricht und die Frage, wie die Vermittlung von Geschichte an Gedenkstätten, an Erinnerungsorten, in Museen oder anderen Orten der Geschichtskultur gut gelingen kann.  

    Was bringen Sie Studierenden in Ihren Lehrveranstaltungen zuerst näher?

    In der Einführungsvorlesung zur Geschichtsdidaktik geht es zunächst darum, ein Verständnis für den Unterschied zwischen Geschichte und Vergangenheit zu schaffen. So ist Vergangenheit das, was in den Quellen zu finden ist. Geschichte dagegen ist der Sinn, den wir daraus machen. Geschichte verändert sich so immer wieder, weil immer wieder andere Geschichten über Vergangenheit erzählt werden.

    Warum haben Sie sich für Hildesheim als Ort Ihrer zukünftigen Forschung und Lehre entschieden?

    Hildesheim bietet viele Möglichkeiten für Koorperationsprojekte, die ich jeden Tag nach und nach regelrecht zu fühlen bekomme. Ich interessiere mich für das Thema Heimat, die Aneignung von Heimat und die Inklusion in neue Heimaten. Das lässt sich mit dem Thema des diversen Lernens gut verbinden, was an der Universität unter anderem am Zentrum für Bildungsintegration vertreten ist. Als Historikerin und Musikwissenschaftlerin bin ich in Hildesheim mit dem Center für World Music ebenfalls sehr gut aufgehoben, denn ich arbeite daran, wie man Lieder und Musik als historische Quelle nutzen kann. Zudem möchte ich mich mit dem digitalen historischen Lernen befassen. Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir diesbezüglich einen großen Schub gemacht, aber dies hatte ich bereits vorher überlegt. Ich plane digitale sowie digitalisierte historische Quellen in einem sogenannten History Lab, also einem historischen Labor, digital zusammenführen. In Hildesheim bin ich mit diesem Zugang zum digitalen Lernen besonders gut aufgehoben, weil wir an der Uni das Zentrum für Digitalen Wandel haben und auch in anderen Arbeitsbereichen stark über digitales Lernen nachgedacht wird.

    „Historisches Lernen findet zunehmend im digitalen Raum statt.“

    Warum möchten Sie gerne ein solches History Lab entwickeln? Was bietet es für Möglichkeiten?

    Es ist schon lange nicht mehr so, dass Schüler*innen ausschließlich in der Schule über Geschichte lernen. Historisches Lernen findet zunehmend im digitalen Raum statt. Auf YouTube oder anderen Plattformen gibt es Zeitzeugeninterviews, es gibt Apps auf dem Handy und Einträge auf Wikipedia. Gerade zu der Geschichte des 20. Jahrhunderts existieren viele sogenannte Open Educational Resources im Internet: Zum Nationalsozialismus, zum Holocaust und zur Geschichte des geteilten Deutschlands – also über die großen Themen, die im Unterricht prominent sind. Es gibt alte Filmausschnitte von den Briten oder den Amerikanern als sie die Konzentrationslager in Deutschland befreit haben. Aus den 50er Jahren existieren Fotos und aufgenommene Erinnerungsberichte von Überlebenden, die ebenfalls digitalisiert wurden. Ich möchte Formate ausprobieren, mit denen zuerst Studierende und später auch Schüler*innen Geschichte selbst digital erzählen können, in dem sie die verschiedenen Quellen des History Labs nutzen. So kann ein*e Schüler*in die Überlebendenberichte zusammennehmen, die von Gewalt, Tod und Demütigung handeln und so die Geschichte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen als Gewaltgeschichte erzählen. Ein*e andere*r hat vielleicht mehr Interesse daran, die Geschichte der Befreiung zu beschreiben und wählt Quellen aus, die sich damit befassen, was mit den Menschen nach 1945 passierte.

    „Die Angst im Mittelalter war eine andere Angst als die, die wir heute haben.“

    Sie haben lange im Bereich „Geschichte der Gefühle“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung gearbeitet. Wozu haben Sie dort geforscht?

    Wir sind unter anderem der Frage nachgegangen, wie Geschichte der Gefühle geschrieben werden kann und warum dies überhaupt wichtig ist. Es wird zwar immer gedacht, dass Gefühle uns alle verbindet – und es stimmt, dass wir alle fühlen – aber Gefühle verändern sich. Die Angst im Mittelalter war eine andere Angst als die, die wir heute haben. Auch Heimweh war im 17. Jahrhunderts gar kein Gefühl, sondern eine tödliche Krankheit. Schweizer Söldner, die außerhalb der Schweiz in anderen Armeen dienten, erkrankten und starben dort auch an Heimweh. Erst im Laufe der Jahrhunderte wurde aus dieser Krankheit im gesellschaftlichen Diskurs ein Gefühl für Heranwachsende, die lernen müssen, auch außerhalb ihres geschützten Umfeldes klarzukommen. Auf der Suche nach Arbeit zogen die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Pferdekarren vom Land in die Städte. Sie verreisten mit Zügen oder fuhren auf Schiffen nach Amerika. In einer globalisierten Welt ist Heimweh kontraproduktiv. Also durften die Menschen damals keins haben, das hätte ihren Lebensentwurf zerstört. Erst nach 1945 durfte und sollte es wiederum Heimweh geben. Es war in der Bundesrepublik Deutschland gesellschaftlich akzeptiert, weil es die Sehnsucht nach einer verlorenen heilen Welt war. So etwas zeigt, dass Gefühle sich im Laufe der Geschichte verändern – was auch eine Schwierigkeit ist, gerade wenn im Geschichtsunterricht über Gefühle gelernt werden soll.

    „Wir sind nicht in der Lage, uns in Menschen hineinzuversetzen, die im KZ waren.“

    Was sind da die Schwierigkeiten beim historischen Lernen?

    In Geschichtsbüchern oder anderen historischen Lernformaten ist häufig die Aufgabe zu finden, dass man sich in die Personen hineinversetzen soll. Viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass sie mit der Schulklasse NS-Gedenkstätten besucht haben und dort Betroffenheit oder Mitleid von ihnen erwartet wurde. Emotionen wird beim historischen Lernen ein Königsweg zugeschrieben. Ich warne sehr oft davor. Wir sind nicht in der Lage, uns in Menschen hineinzuversetzen, die im KZ leiden mussten oder die gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert sind. Wir können uns dem vielleicht annähern, aber wir können nicht das Gleiche fühlen. Heranwachsende und Lernende reagieren an dieser Stelle auch häufig mit Ablehnung, weil sie genau fühlen, dass sie da etwas fühlen sollen was ihnen eigentlich fern ist – was ihr gutes Recht ist. Sie dürfen selbst entscheiden, ob sie diesem Ort vielleicht nur mit rationaler Neugierde begegnen oder auch mit Ablehnung. Natürlich dürfen sie auch mit den Menschen fühlen, die in den Konzentrationslagern gelitten haben. Es hilft aber nicht, sich mit ihrem Leid zu identifizieren, denn Weinen bildet nicht, wie es so treffend heißt. Unsere Geschichte ist, wie wir mit der historischen Verantwortung umgehen.

    Was ist ein bemerkenswertes historisches Detail, von denen die meisten Menschen vermutlich noch nicht gehört haben?

    Im KZ Sachsenhausen gab es Sonntagskonzerte mit der klassischen Konzertliteratur. Auch in Auschwitz und in anderen Konzentrationslagern gab es Orchester. Das sind so Dinge, bei denen man sich fragt: Warum? Die Antwort darauf ist sehr komplex und lang.

    Wie sind Sie zur Geschichte und zur Musikwissenschaft gekommen?

    Mitte der 90er Jahre habe ich in der Oberstufe ein Zeitzeugengespräch mit einem Überlebenden aus Auschwitz geführt. Er hat im KZ Geige gespielt und sich selbst als „der Geiger von Auschwitz“ bezeichnet. Ich habe viel Kontakt mit ihm gehalten, bis er in hohem Alter verstorben ist. Seine Geschichte hat mich sehr fasziniert – und auch, dass Musik in solchen Situationen dafür sorgen kann, dass jemand geistig überlebt. Musik und Geschichte habe ich im Laufe des Studiums immer mehr zusammengebracht und auch heute ist es eins meiner größten Anliegen die beiden Disziplinen stärker miteinander ins Gespräch zu bringen. Musik eignet sich nämlich nicht nur für das historische Lernen, sondern auch dazu, Geschichte oder Geschichte der Gefühle zu schreiben. Ein Beispiel ist das Lied „My Generation“ von „The Who“, was DAS Lied der 60er-Revolte in England war.

    Text: Mara Schrey (Pressestelle), Foto: Gabriele Gerner (Pressestelle)

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    news-19814 Fri, 13 Nov 2020 11:21:00 +0100 Und der Mundschutz hilft doch! - Göttinger Forscher präsentieren eindeutige Ergebnisse https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/und-der-mundschutz-hilft-doch-goettinger-forscher-praesentieren-eindeutige-ergebnisse/ Wie ef­fek­tiv sind All­tags­mas­ken? Das haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt untersucht. Ein Blick über den Tellerrand, der auch für die Hildesheimer Uni lohnt. Alltagsmasken stellen eine wichtige Komponente in der Bekämpfung der Corona-Pandemie dar. Neueste Erkenntnisse zeigen, wie beim Tragen einer Maske die Atemluft umgelenkt wird und wohin sich die darin befindlichen Aerosole verteilen.

    In einem interdisziplinären Gemeinschaftsprojekt haben mehrere Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Funktionsweise und Wirksamkeit von Alltagsmasken aus Stoff untersucht. Die Experimente zeigen deutlich den Einfluss von Alltagsmasken auf die Verteilung ausgeatmeter Aerosole und Partikel sowie ihren positiven Beitrag zum Schutz vor Infektionen.

    Filterwirkung und aerodynamischer Effekt

    Bereits die erste Auswertung der Versuchsdaten zeichnet ein deutliches Bild über den Wirkungsmechanismus von Masken:

    "Die Versuche zeigen deutlich den positiven Effekt von Alltagsmasken und das obwohl kleine Aerosole den Stoff durchdringen können.", sagt Versuchsleiter Prof. Andreas Schröder vom DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik. Ausgeatmete Bioaerosole sind zu einem wesentlichen Anteil kleiner als 5 µm, die Maschenweite von Stoffmasken liegt deutlich darüber. Die Aerosole passieren fast ungehindert die Maschen der Versuchsmasken und folgen im weiteren Verlauf dem Strömungsfeld im Raum. - Stoffmasken schützen aber dennoch! - Der Wirkungsmechanismus liegt im Verlangsamen und Umlenken der Atemluft. Die Laborversuche zeigen, dass die Mund-Nasen-Masken den ausgeatmeten Luftstrom mit den Aerosolen effektiv abbremsen.

     

    Die Thermik, hervorgerufen durch die Körperwärme, lässt mögliche infektiöse Partikel, die durch die Maskenwirkung bei ruhiger Raumluft in Körpernähe bleiben, in Richtung Raumdecke schweben, wo sie der Luftströmung folgen und sich langsam im Raum verteilen. Bei längeren Wegen durch den Raum und durch die begleitende turbulente Durchmischung mit der Raumluft werden die Aerosole weiter verdünnt. Die lokale Konzentration der möglichen infektiösen Aerosole im Raum sinkt durch die Masken insbesondere gegenüber Personen, die sich in der Nähe aufhalten. Auf regelmäßige Lüftung muss dennoch geachtet werden, um Anreicherungen möglicher Bioaerosole im Raum zu vermeiden. Aus physikalischer Sicht vergrößert sich das Volumen mit der dritten Potenz des Abstands (vgl. die Angabe Kubikmeter, m³), wodurch die Konzentration von Bioaerosolen sinkt. Deshalb ist es auch beim Tragen einer Maske ratsam, die Abstandsregeln zu beachten. 

    Methodik

    Die bildgebenden Messverfahren des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik werden im DLR üblicherweise für die Untersuchung von Strömungen in der Luft- und Raumfahrt genutzt. Im Projekt Aeromask wird eine im DLR entwickelte "3D Particle Tracking-Technologie" eingesetzt, um an der Verbreitung infektiöser Sars-CoV-2-Viren zu forschen. Die Technik ermöglicht es, den Luftstrom des Atmens, seine Ablenkung durch Masken und den damit einhergehenden Transport von Aerosolen in einem mehrere Kubikmeter großen abgeschlossenen Raum bis zu einer Scala von einigen Millimetern genau zu verfolgen. Eine Visualisierung veranschaulicht die dynamische Verteilung der potentiell infektiösen Aerosole und Partikel im Raum.

    In der ersten Phase wurden die Strömungsmechanik der Atem- und Raumluft und der Einfluss unterschiedlicher Alltagsmasken untersucht. Dazu wurde ein 12 m³ großer Experimentierraum mit Seifenblasen geflutet, die so klein sind wie Zuckerkörner (Ø ~ 350 µm). Durch ihre Helium-Luft-Füllung schweben sie längere Zeit in der Luft und folgen dem komplexen Strömungsfeld des Raumes.

    Im Testraum atmet eine sitzende Testpuppe. Ihre künstliche Lunge erzeugt eine zyklische Luftströmung, die der eines Menschen gleicht. Eine eingebaute Heizung gibt die Wärmeleistung eines Menschen ab und bildet die zugehörige Thermik in der umgebenden Luft.

    Hochauflösende Kameratechnik

    Mehrere hochauflösende Streaming-Kameras mit jeweils 50 MPixel Auflösung halten die Bewegung der Seifenblasen fest, die mit pulsierendem Licht aus einem großen Aufbau von LED-Leuchten angestrahlt werden.

    Um die Bewegungslinien (Trajektorien) der Millionen von einzelnen Seifenblasen zu verfolgen und das Strömungsfeld im gesamten Raumvolumen in seiner zeitlichen Abfolge zu vermessen, entwickelten die Strömungsforscher ausgefeilte volumetrische Auswertungs- und Datenassimilationsverfahren für ihre Analyse. Das DLR eigene "Shake-The-Box" (STB) Particle Tracking Verfahren erlaubt es auf Basis von zeitaufgelösten Abbildungen dieser kleinen Seifenblasen mittels weniger Kameras, eine sehr große Anzahl ihrer 3D Bahnlinien in der Strömung zu rekonstruieren.  Bei der STB Technik wird die in den Partikelbildern enthaltene Zeitinformation bei der 3D Rekonstruktion optimal genutzt, wodurch etwa zehn Mal mehr Partikel-Bahnlinien im Messvolumen vermessen werden können als bei bisherigen Particle Tracking Verfahren.   

    Weitere Projektphasen

    Auf die erste Laborphase des Projektes folgen nun zwei weitere Phasen, um die Aussagen über die Infektiosität und Bewegung der sich im Raum verteilenden Aerosole zu vertiefen. Am Institut für Softwaretechnologie des DLR wird im nächsten Schritt auf Basis der Messdaten eine Simulation und Visualisierung zur Bewegung von Aerosolen und Partikeln im Raum erstellt. Die Eigenschaften von simulierten Bioaerosolen (definierte Mischungen verschiedener Mikroorganismen) und deren Interaktion mit Masken werden vom DLR-Institut für Raumfahrtmedizin in der Arbeitsgruppe Luft- und Raumfahrtmikrobiologie untersucht.

    Die Resultate der nächsten Forschungsphasen des Projekts Aeromask sollen im Frühjahr 2021 vorliegen.

     

     Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Göttingen - Meldung vom 26.Oktober 2020 / Bearbeitung: Sara Reinke

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    news-19759 Tue, 10 Nov 2020 08:38:00 +0100 Jugendliche in der Pandemie: Bundesweite JuCo-Studie geht in die zweite Runde https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/jugendliche-in-der-pandemie-bundesweite-juco-studie-geht-in-die-zweite-runde/ Wie beeinflusst die Corona-Zeit junge Menschen ab 15 Jahren? Mit einer zweiten Befragungsreihe setzen Wissenschaftler*innen der Universitäten Hildesheim und Frankfurt ihre Studie fort. Den Fragebogen gibt es jetzt auch in leichter Sprache. Junge Menschen ab 15 Jahren sind gefragt

    Über 8.000 Menschen hatten sich während des Corona-bedingten Lockdowns im Frühjahr 2020 an der bundesweiten Studie JuCo der Universitäten Frankfurt und Hildesheim beteiligt, um von ihren Erfahrungen und Perspektiven während der Corona-Krise zu berichten. Nun startet der Forschungsverbund eine zweite Erhebung. Im Fokus stehen die Veränderungen des Lebens junger Menschen durch sich ebenfalls verändernde Corona-Maßnahmen.

    Die Online-Befragung richtet sich an junge Menschen ab 15 Jahren. Es geht darum, mehr über den Lebensalltag, die Herausforderungen und Perspektiven der jungen Menschen zu erfahren. „Jugendliche wollen gehört werden und sind mehr als Homeschooler:innen. Das hatte die erste Befragung deutlich gezeigt.“, so Anna Lips aus dem Forschungsteam. Johanna Wilmes aus dem Forschungsverbund ergänzt: „Die erste Befragung hat gezeigt, dass die Beteiligungsformate von jungen Menschen nicht krisenfest zu sein scheinen. Von einer großen Teilnahme an der Studie erhoffen wir uns deshalb Erkenntnisse darüber, wie sich junge Menschen ihre Mitsprache in der Corona-Krise vorstellen und was ihre Bedarfe sind.“ Die Studie bietet Jugendlichen eine Möglichkeit, ihre Anliegen zum Ausdruck zu bringen.

    Deutschlandweit sind junge Menschen ab 15 Jahren eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. Dazu Tanja Rusack: „Wir wollen möglichst viele junge Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erreichen. Der Fragebogen ist dieses Mal deshalb auch in einfacher Sprache formuliert“.

    Die Teilnahme dauert ca. 20 Minuten. Unter den Teilnehmer:innen werden 20 Gutscheine im Wert von je 20 Euro verlost. Hier geht's zum Fragebogen.

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    Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Stiftung Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt. Entstanden sind darin bisher die bundesweite Studie JuCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen sowie die bundesweite Studie KiCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern während der Corona-Maßnahmen. Aktuell gehören zum Team Sabine Andresen, Lea Heyer, Anna Lips, Tanja Rusack, Wolfgang Schröer, Severine Thomas, Johanna Wilmes. Weitere Informationen zum Forschungsverbund und den bisherigen Veröffentlichungen.

    Text: Dr. Severine Thomas / Bearbeitung: Sara Reinke

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    news-19553 Fri, 16 Oct 2020 16:30:00 +0200 Uni und VW Financial Services verlängern Kooperationsvertrag https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uni-und-vw-financial-services-verlaengern-kooperationsvertrag/ Volkswagen Financial Services (VWFS) setzt die Zusammenarbeit mit dem Institut für Informatik der Universität Hildesheim fort Maschinelles Lernen für die Zukunft

    Die Stiftung Universität Hildesheim und Volkswagen Financial Services (VWFS) setzen ihre seit Februar 2018 bestehende Kooperation im Bereich „Maschinelles Lernen“ fort und unterzeichneten einen für zwei weitere Jahre angelegten Kooperationsvertrag. Mit rund 500.000 Euro finanziert VWFS die Forschung im Projekt „Data-driven Mobility Services“ am Institut für Informatik. Prof. Dr. Lars Schmidt-Thieme, Projektleiter des Information Systems and Machine Learning Lab (ISMLL) des Institute of Computer Science zeigte sich hocherfreut über die Fortentwicklung der Partnerschaft.

    Das Projekt, bei dem auch Studierende aus dem Bereich „Data Analytics“ einbezogen werden, dient der komplexen Datenanalyse aus dem städtischen Verkehr und soll beispielsweise dazu dienen, Autofahrer bei der Parkplatzsuche zu unterstützen. "Wir profitieren von Ihnen sehr", sagte Stefan Imme, Chief Digital Officer von VWFS. "Unsere Forschung funktioniert nur mit Partnern, die unsere Erkenntnisse anwenden", bekräftigte Prof. Dr. Lars Schmidt-Thieme.

    Text und Fotos (2): Gabriele Gerner

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    news-19508 Tue, 29 Sep 2020 13:07:00 +0200 Corona-Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche: Wissenschaftler fordern ad-hoc-Kommission mit jungen Menschen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/corona-auswirkungen-auf-kinder-und-jugendliche-wissenschaftler-fordern-ad-hoc-kommission-mit-jungen/ Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ hatte im Mai 2020 die beiden bundesweiten Studien JuCo („Wie erleben Jugendliche die Corona-Krise?“) und KiCo („Wie ist der Familienalltag in Zeiten der Coronavirus-Pandemie?“) veröffentlicht. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studien publiziert der Forschungsverbund nun seine politischen Handlungsempfehlungen und seine Forderung nach einem Nachteilsausgleich für Kinder, Jugendliche und Familien. Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ besteht aus Forscher_innen der Universität Hildesheim und der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld. Ergebnisse der JuCo- und KiCo-Studie sind veröffentlicht unter t1p.de/studien-corona.

    Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erlebten und erleben erhebliche Einschränkungen durch die Pandemie und darauf bezogene Maßnahmen. Sie waren in ihren Rechten auf Schutz, Beteiligung und Förderung zeitweise eingeschränkt worden und fühlten sich in der Öffentlichkeit und bei Entscheidungsträger_innen nicht wahrgenommen, beziehungsweise auf die Rolle als „Homeschooler_innen“ oder „Regelbrecher_innen“ reduziert. Ihre Ängste,
    Unsicherheiten und Zukunftssorgen, Ihre Einschränkungen im sozialen Bereich und die massiven Änderungen im Bildungsbereich, denen sie mit großer Flexibilität begegnen mussten, fanden in ihren Augen wenig Beachtung.

    „Ein Jahr im Alltag von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat starkes Gewicht“

    „Im Vergleich zu älteren Erwachsenen hat ein Jahr im Alltag von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen stärkeres Gewicht in Hinblick auf die soziale, qualifikatorische, körperliche und persönliche Entwicklung“, sagt Anna Lips, Forscherin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. „Deshalb sind junge Menschen von den Maßnahmen zum Pandemieschutz und deren Folgen besonders betroffen.“

    Um die Nachteile abzufedern, die die Pandemie und ihre Schutzmaßnahmen der jungen Generation beschert haben und weiterhin bescheren, und um den unterschiedlichen Problemen der sehr heterogenen Situationen in den Familien zu begegnen, empfehlen die Forscher_innen die Einrichtung einer ad-hoc-Sachverständigen-Kommission
    unter Beteiligung von jungen Menschen, eingesetzt von der Bundesregierung.

    Diese soll noch in diesem Jahr einen Maßnahmenkatalog für den Nachteilsausgleich in Bezug auf Kindheit, Jugend und das junge Erwachsenenalter erarbeiten und im Zuge einer Bedarfserhebung einen Bericht zu den Folgen der Pandemie für junge Menschen erstellen. Die Kommission sollte durch das Bundesjugendkuratorium beraten und von einer Forschungseinrichtung unterstützt werden.

    Wohlwissend, dass die Lebenskonstellationen, Ressourcen und familiären Situationen hochgradig unterschiedlich sind, definieren die Forscher_innen folgende Kernbereiche, in denen sie kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen für notwendig halten, um die Situation für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu verbessern:

    -    Umsetzung der Schutz-, Beteiligungs- und Förderrechte von jungen Menschen auch in Zeiten einer Pandemie (Prüfung, wie krisenfest die aktuellen Formate sind)

    -    Weiterentwicklung der Digitalisierung und der Infrastrukturen, um die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu verbessern

    -    Verbesserung der Absicherung von jungen Menschen in prekären Lebenslagen (Sicherstellen, dass beispielsweise junge Wohnungslose, junge Menschen in Einrichtungen stationärer Erziehungshilfen, Ein-Eltern-Familien und junge Geflüchtete durch die Pandemie nicht weiter sozial benachteiligt werden)

    -    Beratung und soziale sowie materielle Unterstützung junger Menschen (beispielsweise technische Geräte, finanzielle Unterstützung)

    -    Nachhaltige Bildungsplanung und -förderung (Unterstützung beim Nachholen von Qualifikationen, Auslandserfahrungen, Praktika oder dem Übergang ins Arbeitsleben)

    -    Sicherstellung von Information und Beratung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und Abbau bürokratischer Hürden

    -    Sicherstellung des professionellen sozialen Kontakts zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor Ort

    -    Sicherstellung, dass Hygiene- und Quarantäne-Maßnahmen mit Kinderschutz korrespondieren

     

    Link zum Papier der Forscher_innen

    Das komplette Papier ist zu finden unter https://doi.org/10.18442/151


    „Insgesamt ist davon auszugehen, dass die nachhaltige Bearbeitung der Folgen der Pandemie in Kindheit, Jugend und dem jungen Erwachsenenalter erst noch beginnen muss und dafür eine Struktur geschaffen werden muss, die auch über die Krise hinaus die Folgen sozial ausgleicht“, sagt Tanja Rusack vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim.

    Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“

    Der Forschungsverbund setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld. Zum Forscher_innen-Team gehören aktuell Sabine Andresen, Anna Lips, Renate Möller, Tanja Rusack, Wolfgang Schröer, Severine Thomas, Johanna Wilmes.

    Kontakt zum Forscher_innen-Team der Universität Hildesheim

    Dr. Tanja Rusack, E-Mail: tanja.rusack@uni-hildesheim.de
    Dr. Severine Thomas, E-Mail: severine.thomas@uni-hildesheim.de 

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    news-19513 Mon, 28 Sep 2020 17:35:36 +0200 Studieren in der Pandemie: Wie erlebten Studierende das digitale Semester? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studieren-in-der-pandemie-wie-erlebten-studierende-das-digitale-semester/ Online-Vorlesungen und Video-Chat statt Präsenzveranstaltungen, geschlossene Mensen, Sport- und Kulturzentren, leere Bibliotheken und Studentenwohnheime. Die Pandemie hatte diverse Auswirkungen auf die Gesamtsituation der Studierenden. Wie haben Studierende in Deutschland das digitale Sommer-Semester 2020 bewältigt und wie haben sie den durch die Pandemie veränderten Studienalltag erlebt? Dies untersuchte ein Forschungsteam der Universität Hildesheim in der bundesweiten qualitativen Online-Befragung Stu.diCo., an der über 3.000 Studierende teilnahmen. Die Forscher_innen analysierten die Daten von 2.350 Studierenden.


    Die Studie Stu.diCo.


    Für die Studierenden in Deutschland beginnt schon bald das Wintersemester 2020/21 und damit das zweite Semester unter Pandemie-Bedingungen. Dies bedeutet vielerorts, dass für die Studierenden ein weiteres digitales Semester stattfinden wird.

    Der veröffentliche Bericht der Online-Befragung Stu.diCo. präsentiert erste Ergebnisse und deskriptive Befunde, welche für die weitere digitale Ausgestaltung der Hochschulstudiengänge genutzt werden können. Darüber hinaus haben die Forscher_innen die zahlreichen offenen Antworten der Teilnehmenden analysiert. Ziel war es, möglichst schnell erste Befunde noch vor dem Start des Wintersemesters zu veröffentlichen, um diese in die Gestaltung des Studiums im Wintersemester 2020/21 einfließen zu lassen. Anschließend gilt es, die Ergebnmisse in den Forschungsstand der Hochschulforschung einzuordnen.


    Wohlbefinden, Sorgen, Ängste und Motivation

    Stu.diCo. setzt sich von Untersuchungen ab, die vor allem auf die Evaluation der digitalen Lehre und die technische Ausstattung sowie die damit zusammenhängenden Problemlagen der Studierenden fokussieren. Dahingegen sollen mit dieser Studie auch das Wohlbefinden, die Sorgen und Ängste, die Studienmotivation und die mentale Verfassung der Studierenden betrachtet werden.


    Die Teilnehmenden

    Der Altersdurchschnitt der Befragten lag bei rund 24 Jahren. Nur 5,5 Prozent der Befragten gaben an, über 30 Jahre alt zu sein. Somit ist Stu.diCo. eine der wenigen Studien in Deutschland, die sich explizit auf das junge Erwachsenenalter beziehen. Von den Befragten waren 70,7 Prozent Bachelor-Studierende und 24,4 Prozent Master-Studierende. Am stärksten vertreten waren Studierende aus Niedersachsen (56,7 Prozent) und Bayern (16,6 Prozent).


    Die prägnantesten Ergebnisse

    „Es gibt nicht die typische Studentin oder den typischen Studenten – entsprechend unterschiedlich fallen die Bewertungen zum digitalen Studieren und zur Änderung des Lebensalltags aus“, sagt Dr. Severine Thomas, Teil der fünfköpfigen Forschungsgruppe von Stud.diCo am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim.

    Höhere Arbeitsbelastung durch digitales Studieren
    Allgemein beurteilten 72,4 Prozent der befragten Studierenden die Arbeitsbelastung im digitalen Semester als höher im Vergleich zum Präsenzsemester.

    Noch ein weiteres digitales Semester?  Bitte nicht!
    Die Vorstellung, noch ein weiteres Semester digital zu studieren, beurteilten 59,4 Prozent der Befragten als schlecht. Die Frage, ob sie ihr Studium um ein Semester verlängern würden, wenn dies kostenneutral wäre, beantworteten knapp über 50 Prozent mit „Ja“.

    Herausforderungen in der Home-Learning-Situation
    Als belastende Faktoren nannten die Studierenden unter anderem die fehlende Infrastruktur der Hochschule (Mensa, Bibliothek etc.), der fehlende persönliche Kontakt zu anderen Studierenden, die Notwendigkeit, sich um andere Familienmitglieder kümmern zu müssen und/oder den fehlenden Platz zum ungestörten Arbeiten. Auch Einsamkeit, Ablenkung, technische Einschränkungen sowie die fehlende persönliche Betreuung durch die Lehrenden wurden als Hürden des digitalen Lernens aufgeführt.

    Chancen des Digitalen Lernens
    Als positiv bewerteten die Befragten die Zeitersparnis durch wegfallende lange Anfahrtswege zum Studienort, mehr Flexibilität in der Arbeitsgestaltung und das Kennenlernen neuer digitaler Angebote.

    Finanzielle Situation
    Bei mehr als der Hälfte der Befragten (52 Prozent) wirkte sich die Pandemie finanziell nicht aus. 37 Prozent der Befragten gab an, weniger Geld als vorher zur Verfügung zu haben. Knapp 44 Prozent der Studierenden gaben jedoch an, dass sie sich um die Finanzierung ihres Studiums insgesamt sorgen.

    Sozial entleerter Studienalltag
    Fast alle Studierende beklagten den Stillstand des sozialen und kulturellen Austauschs. 79 Prozent der Befragten vermissen das Campusleben. 85,4 Prozent fehlt der Kontakt zu anderen Studierenden. Die Hälfte der Teilnehmenden vermisste sehr die Möglichkeit, Lehrende anzusprechen.

    Doch nicht alle Studierenden litten gleichermaßen unter diesen Einschränkungen. Die Bewertungen rangierten von Aussagen wie „Das digitale Semester ist eines der besten, das ich je hatte, in Bezug auf meinen Lernfortschritt und das Vorankommen im Studium.“ bis zu „Ich habe durch die online Lehre meinen Spaß an meinem Studium verloren.“


    Das Ergebnispapier

    Das Paper „Stu.diCo. – Studieren digital in Zeiten von Corona – Erste Ergebnisse der bundesweiten Studie Stu.diCo.“ von Anna Traus, Katharina Höffken, Severine Thomas, Wolfgang Schröer und Katharina Mangold finden Sie unter https://dx.doi.org/10.18442/150


    Kontakt zum Forschungsteam der Studie Stu.diCo.

    Dr. Severine Thomas und Anna Traus
    Universität Hildesheim
    Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
    E-Mail: severine.thomas@uni-hildesheim.de / anna.traus@uni-hildesheim.de

    Projektteam CareHOPe:
    Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Dr. Severine Thomas, Dr. Katharina Mangold, Anna Traus und Katharina Höffken

     

     

     

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    news-19441 Thu, 17 Sep 2020 11:28:09 +0200 Dritter Band des Jahrbuchs für Kinder- und Jugendtheologie erschienen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/dritter-band-des-jahrbuchs-fuer-kinder-und-jugendtheologie-erschienen/ „Eigentlich sind wir alle Geschenke – Religiöse Bildung im Elementarbereich“, so lautet der Titel des Jahrbuchs für Kinder- und Jugendtheologie, das die Religionspädagogen Christina Kalloch und Martin Schreiner jüngst im Calwer Verlag Stuttgart herausgegeben haben. Das 240 Seiten starke Buch ist der dritte Band des Jahrbuchs für Kinder- und Jugendtheologie und widmet sich der religiösen Bildung im Elementarbereich. Es enthält fundierte Einführungen und Überblicke, aktuelle empirische Studien und wertvolle Praxisanregungen. Der Band wendet sich an alle Erzieherinnen und Erzieher, Aus-, Fort- und Weiterbildungslehrkräfte sowie Trägervertreterinnen und -vertreter. Themen sind unter anderem das Theologisieren mit Kindergartenkindern, die inklusive religiöse Bildung, religiöse Vielfalt, differenzsensible Bildung, alltagsintegrierte religiöse Bildung, frühkindliche Gotteskonzepte, religiöse Elementarbildung und das christliche Profil in der Erzieher_innenfortbildung

    Entstehung des Buches
    Das Buch entstand als inhaltliche Standortbestimmung der Kindertheologie im Vorschulbereich und präsentiert Ergebnisse, die auf der internationalen ökumenischen Tagung „Kindertheologie im Elementarbereich“ im September 2018 in Hildesheim vorgestellt wurden.

    Die Beiträge
    Den Band eröffnet Gerhard Büttner mit Beobachtungen zur religiösen Situation im Vorschulalter unter pädagogischer und theologischer Perspektive. Angela Kunze-Beiküfner liefert einen Überblick zum Theologisieren mit Kindergartenkindern im Kontext alltagsintegrierter religiöser Fortbildung. Einflussfaktoren und Merkmale frühkindlicher Gotteskonzepte stellt Anna-Katharina Szagun in ihrem Beitrag über Kinder als Konstrukteure vor. Helena Stockinger berichtet über ein empirisches Projekt zum Umgang mit religiöser Differenz im Kindergarten. Henning Schluß und Christian Andersen präsentieren zentrale Ergebnisse ihrer Studie zur Pluralität in Wiener Kindertageseinrichtungen. Die beiden Studien von Christina Kalloch zum Theologisieren mit Kindern zum Thema „Tod“ und Martin Schreiner zum Thema „Dankbarkeit“ beschließen den ersten Teil des Bandes „Theoretische Grundlagen und empirische Einblicke“.
    Den zweiten Teil des Bandes „Pädagogische Berichte und Anregungen“ eröffnen Ulrich Walter mit einem Beitrag über das bibeldidaktische Arbeiten mit dem Friedenskreuz und Martina Steinkühler mit Erzählimpulsen für die pluralitätssensible religiöse Elementarerziehung. Die religiöse Bildung in niederländischen Kitas beschreibt Henk Kuindersma, während Bianca Kobel über religionssensible Bildung in Kindertageseinrichtungen des CJD berichtet. Den evangelischen Kindergottesdienst im Spannungsfeld zwischen empirischer Bildungsberichterstattung und riskantem Resonanzraum stellt Dirk Schliphake vor. Gerhard Büttner rundet den Band mit einer Rezension zu vier Neuerscheinungen zu „Gott im Spiel – Godly Play“ ab.

    ISBN 978-3-7668-4521-4
    Calwer Verlag
    28,95 Euro

    Christina Kalloch ist Professorin für Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Religionspädagogik an der Universität Hildesheim. Außerdem ist sie Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Katholische Theologie und Mitglied in der Ständigen Kommission für das Qualitätsmanagement für Lehre und Studium im Fachbereich 1.

    Martin Schreiner ist Professor für Evangelische Religionspädagogik am Institut für Evangelische Theologie der Universität Hildesheim. Darüber hinaus ist er Vizepräsident für Stiftungsentwicklung, Transfer und Kooperationen, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Evangelische Theologie.

     

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    news-19396 Tue, 25 Aug 2020 13:50:00 +0200 Schnelle Evolution unter Klimawandel https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/schnelle-evolution-unter-klimawandel/ Forschungsteam zeigt, wie sich bestimmte Pflanzen schnell an geringere Niederschläge anpassen Bestimmte Pflanzenarten können unter Dürrebedingungen sehr schnell evolvieren. Das zeigt eine neue Studie mit Beteiligung von Johannes Metz, Professor für Vegetationsökologie und Naturschutz an der Universität Hildesheim, und geleitet von Katja Tielbörger, Professorin an der Universität Tübingen. Das bedeutet, dass die Pflanzen veränderte Eigenschaften entwickeln und in ihren Genen festschreiben und sich so an die neuen Bedingungen anpassen können. Diese schnellen evolutiven Anpassungen können die Gefährdung von Pflanzenarten durch den Klimawandel reduzieren.

    Allerdings waren die Pflanzen im Experiment nicht in der Lage, alle wichtigen Merkmale schnell und dauerhaft an den Wassermangel anzupassen. Die Studie erscheint in der Fachzeitschrift Ecology Letters.

    Trockenheit im Langzeitexperiment

    Für die Untersuchung nutzte das Forschungsteam ein außergewöhnliches Langzeitexperiment in Israel, das von Tielbörger geleitet wurde. Über zehn Jahre wurden dort auf 40 großen Versuchsflächen mit natürlichen Pflanzengemeinschaften im Freiland die Niederschläge manipuliert, also entweder zusätzlich bewässert oder der Regen mit Hilfe von speziellen Dächern reduziert. „Solche großen Langzeitexperimente sind weltweit etwas Besonderes, denn sie sind schwer zu finanzieren und dauerhaft durchzuführen. Sie sind aber wichtig, um Evolution von Pflanzen unter naturnahen Bedingungen erforschen zu können“, sagt Metz. Er hat viele Jahre in dem Projekt mitgearbeitet und ist Erstautor der neuen Studie. Eine zusätzliche Stärke des Langzeitexperiments war, dass es in verschiedenen Klimaregionen Israels durchgeführt wurde. „So konnten wir die Reaktion der Pflanzen auf die Regenmanipulationen im Experiment mit Anpassungen an ihr natürliches Klima vergleichen“.

    Zunehmende Trockenheit aufgrund des vorangetriebenen Klimawandels ist ein wichtiges Thema im Nahen Osten. Während die Region bereits heute durch Wasserknappheit geprägt ist, sagen Klimamodelle für die kommenden Jahrzehnte noch weniger Niederschlag vorher – bei steigenden Temperaturen. Viele Trockengebiete der Erde erwarten ähnliche Szenarien.

    Im Fokus der neuen Studie steht das Brillenschötchen (Biscutella didyma), eine für die Region typische, kurzlebige Art, die von mediterranen Gebieten bis hin zu Wüsten vorkommt. „Wir haben hier eine große Zahl von Eigenschaften betrachtet, deren genetische Informationen gut erforscht sind und die großen Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Pflanze haben“, erklärt der Wissenschaftler. Beobachtet wurde, dass ursprünglich an feuchtere Bedingungen gewöhnte Pflanzen unter künstlicher Dürre innerhalb von nur zehn Jahren einen früheren Blühzeitpunkt entwickelten und mehr Ressourcen in die Samenproduktion steckten. „Das sind typische Anpassungen an trockene Bedingungen, wie wir sie z.B. bei Wüstenpflanzen finden“, erklärt er. „Das Experiment liefert uns so einen starken Hinweis darauf, dass die Evolution dieser Eigenschaften tatsächlich eine Anpassung an den reduzierten Regen darstellte.“

    Interessanterweise gab es aber auch mehrere überlebenswichtige Eigenschaften, die im Experiment nicht evolvierten, wie zum Beispiel die Effizienz der Wassernutzung oder die Länge der Samenruhe. „Die Botschaft unserer Studie ist daher nur bedingt optimistisch“, erläutert Metz. „Zwar konnten wir belegen, dass eine schnelle Evolution bei wichtigen Pflanzeneigenschaften möglich ist; daneben gibt es aber auch Eigenschaften, bei denen die Anpassungsprozesse womöglich zu langsam ablaufen, um mit dem Klimawandel Schritt zu halten.“

    Publikation:

    Johannes Metz, Christian Lampei, Laura Bäumler, Herve Bocherens, Hannes Dittberner, Lorenz Henneberg, Juliette de Meaux, and Katja Tielbörger (2020). Rapid adaptive evolution to drought in a subset of plant traits in a large-scale climate change experiment. Ecology Letters, doi: 10.1111/ele.13596

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    Fachbereich 4 Biologie & Chemie Biologie Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-19326 Tue, 18 Aug 2020 10:20:00 +0200 Das HAISEM-Lab Projekt entwickelt Engineering-Kurse für KI-Anwendungen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/das-haisem-lab-projekt-entwickelt-engineering-kurse-fuer-ki-anwendungen/ Die vielfältige Nutzung und die ständige Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz verändert IT-Systeme und deren Entwicklung. Um in der Praxis nützlich zu sein, müssen sowohl KI-Methoden als auch die spezialisierte Hardware in übliche Software-Systeme integriert werden. Um von den modernen Techniken zu profitieren ist insbesondere wichtig, dass Fachkräfte der Industrie diese Techniken verstehen und anwenden können. Aus diesem Grunde wurden im Rahmen des Projekts HAISEM-Lab nun spezielle Online-Kurse wie Software Engineering von KI-Anwendungen, FPGA-Hardwarearchitekturen für KI oder Best Practices zur KI Optimierung ins Leben gerufen. Die vielfältige Nutzung und die ständige Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz verändert IT-Systeme und deren Entwicklung. Dabei beanspruchen die immer komplexeren KI-Modelle so viel Rechenleistung und Energie, dass konventionelle Computersysteme an ihre Grenzen stoßen. Deshalb wird vermehrt am Einsatz spezialisierter Hardware (z.B. GPUs, FPGAs, ASICs und TPUs) gearbeitet, die bereits an verschiedenen Stellen im industriellen Umfeld eingesetzt werden. Um in der Praxis nützlich zu sein, müssen sowohl KI-Methoden als auch die spezialisierte Hardware in übliche Software-Systeme integriert werden. Beispielsweise werden dabei Daten von Sensoren gelesen oder Aktoren wie Roboter angesteuert. Zur Planung und Realisierung solcher Systeme sind entsprechende Ansätze aus dem Software Engineering erforderlich.

    In diesem Grenzgebiet arbeitet das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte HAISEM-Lab Projekt (http://haisem-lab.de/), in dem das Forschungszentrum L3S an der Leibniz Universität Hannover, das Institut für Mikroelektronische Systeme der Universität Hannover und die Arbeitsgruppe Software Systems Engineering (SSE) der Universität Hildesheim zusammenarbeiten. „HAISEM steht übrigens für Hardware-optimierte AI Applications using modern Software Engineering Methods“ erläutert Lena Fette, Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe SSE. „Um von den modernen Techniken zu profitieren ist es aber auch wichtig, dass Fachkräfte der Industrie diese Techniken verstehen und anwenden können.“, fährt Lena Fette fort. Genau das ist ein Kernziel von HAISEM-Lab, d.h., diese Techniken zu erproben, zu evaluieren und in Form von Kursen Interessierten zugänglich zu machen.

     „Ursprünglich waren hierfür Präsenzkurse vorgesehen, aber in Zeiten der Corona-Pandemie bieten wir die Kurse auch online an“ sagt Leonhard Faubel, ebenfalls Mitarbeiter der Arbeitsgruppe SSE. Die nächsten drei Kurse des Projekts finden als Webinare im September statt: Dazu zählt ein Kurs zum Software Engineering von KI-Anwendungen, ein Kurs über FPGA-Hardwarearchitekturen für KI und ein Kurs mit Best Practices zur KI Optimierung. Mehr Informationen zu den Kursen sowie die Möglichkeit zur kostenfreien Anmeldung gibt es auf der Projektwebseite http://haisem-lab.de/. „Um etwas Appetit zu bekommen, stellen wir in den nächsten Wochen kleine Videos zu einzelnen Themen auf Youtube bereit“, merkt Leonhard Faubel an. „Wer sich davor noch über Grundlagen im Software Engineering informieren möchte, kann sich gerne bei unserem Schwesterprojekt UpgradeIT (https://www.upgrade-it-wissen.de/) in einen Kurs einschreiben, der im August stattfinden wird“, betont Dr. Holger Eichelberger, Projektleiter für HAISEM-Lab in der Arbeitsgruppe SSE und merkt an: „Ein größeres Event zu KI und Spezialhardware ist für Ende Oktober geplant, das wir dann hoffentlich persönlich vor Ort durchführen können.“

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    Fachbereich 4 Maschinelles Lernen Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-19307 Wed, 05 Aug 2020 15:21:16 +0200 Studie: Vertrauen in Medien in Zeiten der Corona-Pandemie. Welchen Medien vertrauen Menschen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studie-vertrauen-in-medien-in-zeiten-der-corona-pandemie-welchen-medien-vertrauen-menschen/ Studie der Entwicklungspsychologie startet: Dr. Petra Sandhagen untersucht das Vertrauen in Medien in Zeiten der Corona-Pandemie. An der bundesweiten Online-Studie ist eine Teilnahme ab 18 Jahren ab sofort möglich. Vertrauen in Medien in Zeiten der Corona-Pandemie
    Jetzt an der Studie teilnehmen!

    Die Wissenschaftlerin Dr. Petra Sandhagen vom Institut für Psychologie der Universität Hildesheim untersucht in einer bundesweiten Online-Studie das Vertrauen in Medien in Zeiten der Corona-Pandemie.

    „Abstandsregeln und Maskenpflicht, Lockerungen und Hotspots: Die Auswirkungen des Coronavirus betreffen seit Monaten die Menschen in Deutschland und weltweit. Wir möchten untersuchen, wie sich Menschen informieren, welche Medien sie nutzen, wie sich der neue Alltag gestaltet und wie Personen die aktuelle Situation wahrnehmen“, erläutert die Entwicklungs- und Medienpsychologin Dr. Petra Sandhagen.

    Nachrichtenportale von öffentlich-rechtlichen Sendern, Nachrichtenmagazinen und Zeitungen erhalten hohe Klickzahlen. Der Bedarf an Informationen sei einerseits hoch, andererseits scheinen manche Menschen des Themas überdrüssig zu sein, so Sandhagen. In der Studie wird nun untersucht: Welchen Medien vertrauen Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie? Welche psychologischen Einflussfaktoren wie zum Beispiel Optimismus oder auch persönliche gesundheitliche oder wirtschaftliche Betroffenheit gibt es?

    In der Online-Fragebogenstudie befasst sich die Wissenschaftlerin mit dem Vertrauen der Menschen in Medien und mögliche Einflussfaktoren dazu. Die Mitarbeiterin der Universität Hildesheim möchte unter anderem herausfinden, welche Einflussfaktoren dazu führen, welchen Medien Menschen vertrauen und welche unterschiedlichen Nutzer_innengruppen mit welchen Informationsbedürfnissen es gibt. Die zweite Erhebungswelle der Studie hat begonnen.

    Die Forscherin sucht von sofort an Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer. An der Online-Fragebogenstudien können Erwachsene ab 18 Jahren teilnehmen. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert etwa 30 Minuten. Der Fragebogen ist über folgenden Link erreichbar:

    ww3.unipark.de/uc/vertrauen_in_medien_2/

    Weitere Erhebungen sind Ende des Jahres 2020 und im nächsten Frühjahr 2021 vorgesehen. Teilnehmer_innen können zu einem oder zu mehreren Zeitpunkten mitmachen.

    Die Arbeitsgruppe „Entwicklungspsychologie“ am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim wird von Professor Werner Greve geleitet.

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    news-19293 Wed, 05 Aug 2020 09:41:00 +0200 Anerkennung ausländischer Abschlüsse: Online-Portal startet https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/anerkennung-auslaendischer-abschluesse-online-portal-startet/ Wie gelangen Fachkräfte aus dem Ausland in den deutschen Arbeitsmarkt, um zum Beispiel als Lehrerin oder Erzieher zu arbeiten? Ein forschungsteam um Professorin Carola Iller hat mit Partnern in der Region ein digitales Wissensmanagement für Ratsuchende und Beratende entwickelt, das Portal ist ab sofort online verfügbar: https://anerkennung-hildesheim.de. Damit sollen Personen, die Studienleistungen im Ausland erbracht haben, schneller und zielgerichteter zu einem in Deutschland anerkannten Hochschulabschluss gelangen. Wie gelangen Fachkräfte aus dem Ausland in den deutschen Arbeitsmarkt, um zum Beispiel als Lehrerin oder Erzieher zu arbeiten? Zwei Jahre lang hat das Projekt „VerAn – Vernetzung der Anerkennungsberatung für ein Hochschulstudium“ die Aufbau- und Entwicklungsarbeit geleistet, um die vielfältigen Beratungsangebote zur Anerkennung ausländischer Studienleistungen institutionenübergreifend miteinander zu vernetzen. Ziel des Projektteams war es, Menschen mit im Ausland erworbenen Studienleistungen schneller und zielgerichteter zu einem in Deutschland anerkannten Hochschulabschluss zu führen. Die Wissenschaftlerinnen konzentrierten sich auf pädagogische Berufsfelder.

    Der Fachkräftebedarf insbesondere bei Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern ist hoch. Das IQ Netzwerk in Niedersachsen berät Menschen, die im Ausland einen Beruf erlernt haben, und begleitet sie auf dem Weg zur Anerkennung ihrer Abschlüsse und Leistungen in Deutschland: Von den etwa 1400 Personen mit ausländischen Abschlüssen, die sich seit 2016 für den Lehrerberuf in Niedersachsen interessieren und hier Beratung suchen, kommt nur ein äußerst geringer Teil in den Hochschulen an. Die Hürden für diese Personengruppen sind hoch. Dies sei nicht nur sprachlich begründet, sondern auch durch eine bürokratische Anerkennungspraxis, die zu wenig das Können der Personen berücksichtigt, sondern nach formalen Abschlüssen entscheidet, so die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen.

    Um die diversen Beratungsangebote zur Integration in den Arbeitsmarkt zu verbessern, haben die Erziehungswissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim in den letzten zwei Jahren mit der Volkshochschule sowie mit dem IQ Netzwerk Niedersachsen, mit der Agentur für Arbeit, mit dem Jobcenter und der Hochschule HAWK zusammengearbeitet. Dabei wurden bestehende Beratungsangebote in der Region vernetzt, der Austausch zwischen den Beratungseinrichtungen gefördert und das Beratungspersonal sowohl extern als auch hochschulintern fortgebildet.

    Die Wissenschaftlerinnen haben mit den Partnern ein digitales Wissensmanagement für Ratsuchende und Beratende entwickelt, das Überblick und Transparenz im Anerkennungsverfahren ausländischer Hochschulabschlüsse leisten soll. Das Portal führt Ratsuchende und Beratende zusammen und vernetzt Beratungsinsitutionen.  Es liefert einen detaillierten Überblick über den gesamten Anerkennungsprozess und die weiteren Schritte bis zur Integration in den Arbeitsmarkt, weiterführende Informationen und Ansprechpersonen zu konkreten Fachfragen, ein Forum zur Vernetzung und zum Austausch. Akademiker_innen mit ausländischen Abschlüssen oder Studienleistungen können über das Portal einen Selbstcheck durchführen und erhalten Hinweise auf dem Weg in den Arbeitsmarkt bzw. in ein Hochschulstudium, Informationen zu Ansprechpersonen in der Region Hildesheim für konkrete Fragen sowie weiterführende Informationen. Das Portal  ist online abrufbar unter: anerkennung-hildesheim.de

    Ein weiteres Ergebnis des Teams um Professorin Carola Iller sind Handlungsempfehlungen für Ministerien, Landesschulbehörde und Beratungsagenturen. Die Eingliederung von Menschen mit im Ausland erworbenen Studienleistungen in den Arbeitsmarkt über eine Anerkennung ihres Abschlusses, ggf. mittels Nachqualifizierung sollte nicht an finanziellen Möglichkeiten scheitern. Der Weg zur beruflichen Anerkennung ist lang und nicht selten von Umwegen gekennzeichnet. Die Frustration seitens der Ratsuchenden ist hoch, umso mehr, wenn sie keinen Überblick haben, welche Schritte insgesamt bis zur Anerkennung erforderlich sind. Die personellen Rahmenbedingungen in den Institutionen im Arbeitsfeld der Anerkennungsberatung sind nicht immer optimal. In den anerkennenden Stellen gibt es häufig personelle Engpässe, was u.a. zu einem Mangel an Serviceorientierung führt. Nicht immer liegt ausreichendes Wissen über Ausbildungsinhalte in anderen Staaten vor. Um Ratsuchende schneller und zielgerichteter zu einem in Deutschland anerkannten Hochschulabschluss zu führen, sollte es in den anerkennenden Behörden ausreichend qualfiziertes Personal geben.

    Das zweijährige Projekt wurde im Rahmen der „Offenen Hochschule Niedersachsen“ durch den Europäischen Sozialfond und das Land Niedersachsen gefördert.

    Wer Fragen zu den Projektergebnissen und Handlungsempfehlungen hat, erreicht die wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Carola Iller unter carola.iller@uni-hildesheim.de, Julietta Adorno via E-Mail unter adorno@uni-hildesheim.de.

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    news-19278 Mon, 03 Aug 2020 17:38:00 +0200 Kulturelle Teilhabe in der DDR: Tagung und Publikation von Professorin Birgit Mandel https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kulturelle-teilhabe-in-der-ddr-tagung-und-publikation-von-professorin-birgit-mandel/ Professorin Birgit Mandel hat in einem Forschungsprojekt Ziele, Strukturen und Wirkungen von Maßnahmen kultureller Teilhabe in der DDR erstmalig aufgearbeitet. Dabei hat die Forscherin des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim unter anderem Originaldokumente der SED-Kulturpolitik, Praxisanleitungen für Kulturfunktionäre und Studien von DDR-Kultursoziologen analysiert sowie 65 Interviews mit Zeitzeugen geführt. Die Forschungserkenntnisse werden auf einer Tagung und in einer Publikation im Oktober 2020 vorgestellt. In einem Forschungsprojekt der Universität Hildesheim unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Mandel, in das auch Studierende der Hildesheimer Kulturwissenschaften eingebunden waren, wurden Fragen zu Zielen, Strukturen und Wirkungen von Maßnahmen kultureller Teilhabe in der DDR erstmalig aufgearbeitet. Dabei hat das Forschungsteam Originaldokumente der SED-Kulturpolitik, Praxisanleitungen für Kulturfunktionäre, Studien von DDR-Kultursoziologen sowie rückblickende Analysen zur Kulturpolitik analysiert. Zentrale Erkenntnisse konnten zudem aus 65 Interviews mit Zeitzeug_innen und aus 33 Interviews mit Expert_innen aus Kulturwissenschaft, Kulturvermittlung, Kulturpolitik und Kunstschaffenden gewonnen werden.

    Tagung im Oktober 2020: Vorstellung der Forschungspublikation „Staatsauftrag: ‚Kultur für alle‘ – Ziele, Programme und Wirkungen kultureller Teilhabe und Kulturvermittlung in der DDR“

    Professorin Birgit Mandel stellt gemeinsam mit Birgit Wolf die Forschungserkenntnisse in der Forschungspublikation „Staatsauftrag: ‚Kultur für alle‘ – Ziele, Programme und Wirkungen kultureller Teilhabe und Kulturvermittlung in der DDR“ (Birgit Mandel/Birgit Wolf, transcript Bielefeld 2020, Publikation erscheint im Oktober 2020) vor. Die Vorstellung der Publikation ist Teil einer Tagung am Donnerstag, 29. Oktober 2020, von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr in der Stadtbibliothek Berlin Mitte.

    Durch den staatlichen Auftrag, „Kultur für alle“ als Teil sozialistischer Persönlichkeitsentwicklung zu garantieren, wurden in der DDR in einem engmaschigen System niedrigschwellige und sozialräumlich verankerte Aktivitäten der Kulturvermittlung etabliert, vom Kindergarten über die Betriebe bis in die staatlichen Wohnanlagen und die Kulturhäuser auf den Dörfern. Vor allem über die betriebliche Kulturarbeit sollten alle Menschen in ihrem Alltag erreicht werden. Das „künstlerische Volksschaffen“ wurde als Massenbewegung ausgebaut, anfänglich sogar mit der Perspektive, die Grenzen zwischen Laienkunstschaffen und professionellem Kunstschaffen zunehmend aufzulösen.

    „Die Förderung der Künste, der künstlerischen Interessen und Fähigkeiten aller Werktätigen und die Verbreitung künstlerischer Werke und Leistungen sind Obliegenheiten des Staates und aller gesellschaftlichen Kräfte. Das künstlerische Schaffen beruht auf einer engen Verbindung der Kulturschaffenden mit dem Leben des Volkes“, so formulierte die Verfassung der DDR den staatlichen Auftrag einer „Kultur für und von allen“.

    Auf welche Weise mit welchen Strukturen, Formaten und welchem Verständnis von Kulturvermittlung und kultureller Bildung wurde in der DDR versucht, Kunst und Kultur der breiten Bevölkerung und vor allem den Arbeitern und Bauern einer „klassenlosen Gesellschaft“ zugänglich zu machen? Wurden Ziele einer „Kultur für alle und von allen“ erreicht? Gelang es auch nicht kunstaffine Werktätige aus wenig bildungsorientierten Schichten zum einen für sogenannte Hochkulturformen zu interessieren, zum anderen sie zum eigenen künstlerisch-kreativen Schaffen zu motivieren?

    Inwieweit verhinderte die ideologische Funktionalisierung kultureller Arbeit als sozialistische Persönlichkeitsbildung kulturelle Selbstbildungsprozesse? Welche Freiräume gab es in den Künsten und der kulturellen Arbeit? Und welche Impulse lassen sich aus den Erfahrungen der DDR Kulturarbeit für aktuelle Diskurse zur kulturellen Teilhabe und kulturellen Bildung gewinnen?

    Auf der Tagung werden Ergebnisse des Forschungsprojekts der Universität Hildesheim präsentiert und mit Expertinnen und Experten, die in der DDR in den Bereichen Kulturvermittlung, Kulturwissenschaft, Kulturpolitik und Kunst aktiv waren, reflektiert, darunter Wolfgang Thierse, Gerd Dietrich, Susanne Binas-Preisendörfer. Mit Expertinnen und Experten aus aktuellen Kontexten Kultureller Bildung und Kulturpolitik – unter anderem Kerstin Hübner, Tobias Knoblich, Manja Schüle – wird darüber diskutiert, welche Erfahrungen für die Ausgestaltung von Kulturpolitik für kulturelle Teilhabe der Gegenwart produktiv sein könnten.

    Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Landesbibliothek Berlin und der Kulturpolitischen Gesellschaft statt. Eine Anmeldung ist möglich per E-Mail an Forum.kbz@fes.de.

    Die Veranstalter bitten um Ihr Verständnis, dass sich mit Blick auf die weiteren Entwicklungen in der Corona-Pandemie auch die Veranstaltungsplanung ändern könnte. Alle angemeldeten Teilnehmer*innen werden die Veranstalter darüber bis Mitte Oktober 2020 informieren.

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    news-19294 Thu, 30 Jul 2020 15:39:05 +0200 Neue Primatenart im Regenwald Madagaskars entdeckt: „Jonah‘s Mausmaki“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/neue-primatenart-im-regenwald-madagaskars-entdeckt-jonahs-mausmaki/ Ein Forschungsteam aus sechs Ländern hat unter der maßgeblichen Mitwirkung von Dominik Schüßler, Doktorand am Institut für Biologie und Chemie der Universität Hildesheim, Lemuren in den Regenwäldern Nordost-Madagaskars untersucht. Mit Hilfe moderner genetischer Methoden und der Vermessung der Körpermaße wurde eine bisher unbekannte Art von Mausmakis entdeckt. Die neue Art, der „Jonah‘s Mausmaki“ (Microcebus jonahi), ist mit einer Länge von der Nasen- bis zur Schwanzspitze von rund 26 cm und einem Körpergewicht von etwa 60 g ein echtes Fliegengewicht. Diese kleinen nachaktiven Primaten leben in einer begrenzten Region in den Tieflandregenwäldern Nordost-Madagaskars und ernähren sich von Insekten und Früchten. Obwohl Microcebus jonahi gerade erst wissenschaftlich beschrieben wurde, ist die Art bereits vom Aussterben bedroht. Ein Forschungsteam aus sechs Ländern hat unter der maßgeblichen Mitwirkung von Dominik Schüßler, Doktorand der Universität Hildesheim, und Apl. Prof. Dr. Ute Radespiel von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover Lemuren in den Regenwäldern Nordost-Madagaskars untersucht. Mit Hilfe moderner genetischer Methoden und der Vermessung der Körpermaße wurde eine bisher unbekannte Art von Mausmakis entdeckt.

    Die neue Art, der „Jonah‘s Mausmaki“ (Microcebus jonahi), ist mit einer Länge von der Nasen- bis zur Schwanzspitze von rund 26 cm und einem Körpergewicht von etwa 60 g ein echtes Fliegengewicht. Diese kleinen nachaktiven Primaten leben nur in einer begrenzten Region in den Tieflandregenwäldern Nordost-Madagaskars und ernähren sich von Insekten und Früchten.

    Obwohl „Jonah’s Mausmaki“ gerade erst wissenschaftlich beschrieben wurde, ist er bereits vom Aussterben bedroht. Der Verlust des natürlichen Lebensraums und der stete Landnutzungswandel führen zur Isolation von Populationen, was schnell zu ihrem Verschwinden führen kann. Doch es gibt Hoffnung: Eine ganze Generation von Naturschützerinnen und Naturschützern aus Madagaskar und anderen Teilen der Welt setzt sich intensiv für den Erhalt von Arten und ihrer Lebensräume ein. Eine Symbolfigur hierfür ist Professor Jonah Ratsimbazafy geworden. Sein langjähriger und unermüdlicher Einsatz für den Schutz der natürlichen Ressourcen des Landes haben ihn zum Vorbild einer ganzen Generation gemacht. Ihm zu Ehren trägt die neuentdeckte Art seinen Namen.

    „Die gerade in zwei Forschungsartikeln veröffentlichten Ergebnisse sind nicht nur für die Beschreibung der biologischen Vielfalt Madagaskars ein wichtiger Beitrag, sondern sind auch ein Zeichen für die zunehmende Kooperation internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Forschungsgebiet: Um wissenschaftlichen Artenschutz zu betreiben, müssen wir zusammenarbeiten“, sagt Dominik Schßler. So waren an diesen aktuellen Arbeiten insgesamt 29 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Portugal, Australien, Madagaskar und den USA beteiligt.

    Weitere kooperative Projekte sind bereits in Bearbeitung mit dem Ziel, die Vielfalt der Mausmakis zu verstehen, ihre Entstehungsgeschichte zu entschlüsseln und so zu ihrem Fortbestehen beizutragen.

    Die wissenschaftliche Beschreibung von Jonah’s Mausmaki ist unter folgendem Link abrufbar:
    https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/ajp.23180

    Informationen zur Person: Doktorand Dominik Schüßler

    Im Rahmen seiner Promotion untersucht Dominik Schüßler die Verbreitung, Entstehungsgeschichte und Anpassungsfähigkeit von Lemuren im Nordosten Madagaskars. Dieses Projekt ist das Resultat einer Kooperation zwischen Apl. Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras vom Institut für Biologie und Chemie der Universität Hildesheim (unter Leitung von Prof. Dr. Horst Kierdorf) und Apl. Prof. Dr. Ute Radespiel vom Institut für Zoologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie dem Institut für Geographie der Universität Hildesheim unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Sauerwein.

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    news-19084 Mon, 13 Jul 2020 12:52:00 +0200 Studie: Studieren digital in Zeiten von Corona / Wie erleben Studierende das digitale Sommersemester? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studie-studieren-digital-in-zeiten-von-corona-wie-erleben-studierende-das-digitale-sommersemester/ Wie erleben Studierende das digitale Sommersemester und den neuen Studienalltag während der Corona-Pandemie? Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim untersucht in einer bundesweiten Studie, wie die Studierenden das digitale Semester bewältigen und wie es ihnen damit geht. Studieren digital in Zeiten von Corona
    Jetzt teilnehmen an der Studie „Stu.diCo“

    Die weltweite Corona-Pandemie beeinflusst auch den Alltag an deutschen Hochschulen und hat massive Auswirkungen auf die Studierenden. Die Maßnahmen und die Durchführung des Semesters als digitales Semester haben einen völlig neuen Studienalltag entstehen lassen, welcher an vielen Hochschulen auch im Wintersemester fortgesetzt wird. Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim möchte nun herausfinden, wie die Studierenden diese andere und neue Form des Studiums bewältigen und wie es ihnen damit geht.

    Die Teilnahme an der Studie ist ab sofort (3. Juli 2020) bis 24. Juli 2020 online möglich. Teilnehmen können alle Studierenden, die an einer deutschen Universität immatrikuliert sind. Die Anonymität der Teilnehmenden ist gewährleistet. Die Befragung dauert etwa 20 Minuten. Unter den Teilnehmenden werden 20 Gutscheine je 20€ verlost.

    Dies ist der Link zur Online-Befragung: www.soscisurvey.de/stuDiCo/

    Die Studierenden werden dazu befragt, wie es ihnen im digitalen Sommersemester geht und wie sie den Studienalltag unter diesen Bedingungen gestalten. Herausgefunden werden soll auch, was gut läuft an den Hochschulen und was die Studierenden als hilfreich erleben, aber auch wo es hakt und wo sie sich weitere Unterstützung wünschen. Ebenso soll abgefragt werden, auf welche Unterstützungsnetzwerke die Studierenden zurückgreifen können und welche Unterstützung sie sich noch wünschen würden.

    Diese Ergebnisse sollen noch im Sommersemester ausgewertet werden und in die Planung der digitalen Formate des Wintersemesters einbezogen werden, um den Studierenden auch unter diesen erschwerten Bedingungen eine möglichst hohe Qualität der Hochschullehre zu bieten und nachhaltige Informationen über die Umsetzung digitaler Lehrformate zu erhalten.

    Zum Forschungsteam gehören Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Dr. Severine Thomas, Dr. Katharina Mangold, Anna Traus sowie Katharina Höffken vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Prof. Dr. Schröer und Dr. Severine Thomas erforschen seit vielen Jahren die Lebenslagen junger Menschen und haben bereits eine Umfrage von Kindern und Jugendlichen zum Umgang mit der Corona Pandemie durchgeführt (Studie „JuCo“ und Studie „KiCo“). Dr. Katharina Mangold und Anna Traus forschen zur Lebenslage von Studierenden und haben dabei einen besonderen Fokus auf nicht-traditionelle Studierende und Care Leaver an Hochschulen.

    Kontakt zum Forschungsteam der Studie „Stu.diCo“:

    Dr. Severine Thomas und Anna Traus
    Universität Hildesheim
    Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
    E-Mail: severine.thomas@uni-hildesheim.de / anna.traus@uni-hildesheim.de

    Projektteam CareHOPe:

    Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Dr. Severine Thomas, Dr. Katharina Mangold, Anna Traus und Katharina Höffken

    Medienkontakt:

    Isa Lange
    Pressesprecherin, Universität Hildesheim
    E-Mail: presse@uni-hildesheim.de
    Telefon: 05121 88390100 und 0177 8605905

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    news-19052 Tue, 30 Jun 2020 11:30:00 +0200 Zwei Welten? Integrationspolitik in Stadt und Land https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/zwei-welten-integrationspolitik-in-stadt-und-land/ Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim und Erlangen-Nürnberg legen Studie zu den Auswirkungen der Fluchtmigration 2015/2016 auf die kommunale Integrationspolitik vor. Während das lokale Integrationsmanagement vielerorts professionalisiert und ausgebaut wurde, ist die Finanzierung bis heute oft nicht gesichert. Die Wissenschaftler empfehlen Bund und Ländern zu prüfen, Integration zur kommunalen Pflichtaufgabe zu machen. Entscheidend für gute Integrationspolitik ist weniger die Größe einer Kommune als das persönliche Engagement von Schlüsselpersonen. Die Fluchtmigration der Jahre 2015/2016 hat die Integrationspolitik in deutschen Städten, Landkreisen und Gemeinden nachhaltig verändert: In vielen Kommunen wurde in der Folge ein lokales Integrationsmanagement auf- oder bestehende Strukturen ausgebaut. Gleichzeitig ist die Finanzierung integrationspolitischer Maßnahmen oft nicht gesichert, Kommunen sind bis heute stark von befristeten Projektgeldern, Bundes- oder Landesförderung abhängig. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Zwei Welten? Integrationspolitik in Stadt und Land“, die Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim und Erlangen-Nürnberg vorgelegt haben. Unter anderem empfehlen sie Bund und Ländern zu prüfen, Integration zur kommunalen Pflichtaufgabe zu machen. Gefördert wurde die bislang größte qualitative Studie zum kommunalen Integrationsmanagement von der Robert Bosch Stiftung GmbH.

    Für die Studie untersuchte ein Forscherteam um den Hildesheimer Professor Hannes Schammann und Professorin Petra Bendel von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg die Strukturen lokaler Integrationspolitik von deutschlandweit 92 Kommunen. 68 Prozent der analysierten Kommunen haben demnach ihren integrationspolitischen Ansatz als Reaktion auf die Zuwanderung 2015/2016 systematisch überarbeitet, jede dritte Kommune verfügt inzwischen über ein Integrationskonzept.

    Zuwanderung 2015/2016 als Katalysator für Integrationspolitik
    Kommunen treten in der Integrationspolitik inzwischen selbstbewusst auf. So gaben vier von fünf Befragten (85,9 Prozent) an, auf der jeweiligen Landesebene Einfluss auf die Integrationspolitik nehmen zu wollen, mehr als die Hälfte zielte sogar auf die Bundesebene ab. „In vielen Kommunen hat der ‘lange Sommer der Migration‘ als Katalysator für das Integrationsmanagement gewirkt“, so Hannes Schammann. „Dass Integration gelingt, hängt wesentlich davon ab, ob es für die jeweiligen Gegebenheiten die passenden Strukturen gibt – und kann vom informellen Integrationsmanagement durch den Bürgermeister selbst bis hin zu professionalisierten Einheiten, etwa in Form eines Migrationsamtes, reichen.“ Insgesamt identifizieren die Wissenschaftler sieben Typen des kommunalen Integrationsmanagements. Um auf schwankende Bedarfslagen reagieren zu können, empfehlen sie den Kommunen den Aufbau flexibler Strukturen.

    Größe der Kommune nicht für Integrationserfolge entscheidend
    Das Gegensatzpaar „Stadt“ und „Land“ taugt laut den Autoren der Studie kaum dazu, Unterschiede in der kommunalen Integrationspolitik zu erklären. So sei die Größe der Kommune nicht entscheidend für Integrationserfolge, wie oft angenommen. Auch die sozioökonomische Situation und parteipolitische Mehrheiten einer Kommune scheinen weniger wichtig zu sein. Vielmehr spielen lokale Narrative und das persönliche Engagement von Schüsselpersonen eine zentrale Rolle. „Erfolgreiche Integrationsarbeit darf nicht vom Engagement Einzelner abhängen“, sagt Dr. Maja Pflüger, verantwortlich für das Thema Einwanderungsgesellschaft in der Robert Bosch Stiftung. „Viele Kommunen haben erst in den vergangenen Jahren begonnen, ihr Integrationsmanagement zu professionalisieren. Diese Strukturen gilt es weiter zu stärken und nachhaltig auszubauen.“ So gaben fast 95 Prozent der befragten Kommunen an, dass sie bereits vor 2015 über intensive Erfahrung mit Migration verfügten. Dennoch betonten sowohl kleine Gemeinden wie größere Städte, dass sie sich auf die Zuwanderung der Jahre 2015/16 nicht gut vorbereitet sahen.

    Zur Methode
    Die Studie „Zwei Welten? Integrationspolitik in Stadt und Land“ untersucht die kommunale Integrationspolitik in 92 ausgewählten Kommunen in zwölf deutschen Bundesländern (23 kreisfreie Städte, 24 Landkreise und 45 kreisangehörige Kommunen; Liste aller Kommunen auf Anfrage). Dazu wurden in den vergangenen zwei Jahren 182 Interviews mit Vertretern von Verwaltung und Zivilgesellschaft geführt und ausgewertet.

    Die vollständige Studie finden Sie zum Download unter www.bosch-stiftung.de/studie-zwei-welten.

    Über die Robert Bosch Stiftung
    Die Robert Bosch Stiftung GmbH gehört zu den großen, unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. In ihrer gemeinnützigen Arbeit greift sie gesellschaftliche Themen frühzeitig auf und erarbeitet exemplarische Lösungen. Dazu entwickelt sie eigene Projekte und führt sie durch. Außerdem fördert sie Initiativen Dritter, die zu ihren Zielen passen.

    Die Robert Bosch Stiftung ist auf den Gebieten Gesundheit, Wissenschaft, Bildung, Bürgergesellschaft sowie Internationale Verständigung und Kooperation tätig.

    Die Robert Bosch Stiftung bekennt sich zu den Werten und dem Vorbild ihres Stifters, Robert Bosch, und setzt dessen philanthropisches Wirken fort. Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung verfügt sie in ihren Fördergebieten über ein breites Wissen, die Qualifikation zur Entwicklung von Lösungen und ein umfangreiches Netzwerk von Partnern, Experten und Praktikern.

    Die Robert Bosch Stiftung ist alleinige Trägerin des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart und der zugehörigen Forschungseinrichtungen, Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP), Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) und Institut für Geschichte der Medizin (IGM). Sie ist außerdem Gesellschafterin des UWC Robert Bosch Colleges in Freiburg, der Deutschen Schulakademie in Berlin und des International Alumni Center (iac) in Berlin. Die Robert Bosch Stiftung hält rund 92 Prozent der Geschäftsanteile an der Robert Bosch GmbH und finanziert sich aus den Dividenden, die sie aus dieser Beteiligung erhält. Seit ihrer Gründung 1964 hat die Robert Bosch Stiftung rund 1,8 Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit ausgegeben.

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    news-19033 Fri, 26 Jun 2020 11:49:16 +0200 Generation Corona? Studie untersucht die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Zukunftsperspektiven von jungen Menschen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/generation-corona-studie-untersucht-die-auswirkungen-der-coronavirus-pandemie-auf-die-zukunftspersp/ Die nächsten Schritte der Lebensplanung in Bildung, Beruf und Familie sind durch die Coronavirus-Pandemie schwerer absehbar. Soziologen der Universität Hildesheim untersuchen in einer Studie, wie junge Menschen auf die Unsicherheit in Übergangsprozessen in Familie, Beruf und Ausbildung reagieren. Das Forschungsteam sucht bundesweit Teilnehmer im Alter von 18 bis 30 Jahren. Jetzt teilnehmen an der Studie
    „Biographische Zukunftsperspektiven und Distant Socializing in der Social-Web-Generation“

    Die Krise der COVID-19-Pandemie gehört zu den schärfsten zeitgeschichtlichen Zäsuren seit dem 2. Weltkrieg. Weltweit führte sie in kürzester Zeit zu erheblichen Veränderungen des Alltags und der Lebenssituation durch den „Lockdown“ und die Verhaltensnormen des „Social Distancing“, also des räumlichen Abstands voneinander. Angesichts der Folgen, die der Lockdown besonders für junge Menschen hat, ist in der Presse und von manchen Wissenschaftlern auch schon eine „Generation Lockdown“ beziehungsweise eine „Generation Corona“ ausgerufen worden.

    Auswirkungen auf die Zukunftsperspektiven von jungen Menschen

    Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Michael Corsten, Dr. Sascha Oswald und Tobias Wittchen vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim untersucht im Forschungsprojekt „Biographische Zukunftsperspektiven und Distant Socializing in der Social-Web-Generation“ aus generationssoziologischer Perspektive, die COVID-19-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Zukunftsperspektiven von jungen Menschen. Wie reagieren junge Menschen auf die Unsicherheit in Übergangsprozessen?

    „Es ist nicht mehr sicher, wovon in nächster Zeit auszugehen ist. Werde ich das Abitur machen können? Werden das nächste Schuljahr oder das Semester wieder in Präsenz stattfinden können? Wird Urlaub im Ausland wieder möglich sein so wie früher? Oder gibt es eine zweite Welle und die Grenzen werden doch wieder geschlossen? Werden die gerade geöffneten Kitas dann wieder bald geschlossen werden müssen? Die nächsten Schritte der mittelfristigen Lebensplanung in Bildung, Beruf und Familie sind also schwerer absehbar“, sagt der Soziologe Professor Michael Corsten. Die Folgen des Lockdowns betreffen die junge Generation besonders, weil die Weichenstellungen im Bildungsprozess, in der Berufskarriere oder der Paar- und Familienentwicklung gerade im Alter von 18 bis 30 vorgenommen werden, aber gerade hier die nahen Zukunftsperspektiven besonders schwer einzuschätzen sind. Wie führt die Krise zu einer neuen Lebensperspektive, und wie kompensieren junge Menschen die Einschränkungen? Professor Michael Corsten nennt ein Beispiel aus dem Sport, etwa wenn sich junge Menschen digital fit halten, indem sie von gemeinsamen Zumba-Kursen im Club auf Youtube-Fitnesstutorials umsteigen. Ein Beispiel, das zeigt, das nicht alle Folgen Ausstieg und Stillstand bedeuten so Corsten. Aber lässt sich das, was im Freizeitbereich möglich scheint, so einfach auf Berufswelt, Bildung und Familiengründung übertragen?

    Können 18- bis 30-Jährige, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, die Einschränkungen der sozialen Kontakte durch den Einsatz digitaler Medien besser als andere kompensieren?

    Eine weitere Auswirkung des Lockdowns besteht darin, dass digitale Medien verstärkt genutzt werden, um physische Kontakte und die Kommunikation unter Anwesenden zu ersetzen. Hier sind es nun gerade wiederum die 18- bis 30-Jährigen, die von Kindesbeinen an mit den neuen digitalen Medien aufgewachsen sind und die Möglichkeiten der Kommunikation im Social Web zu nutzen verstehen, so das Forschungsteam. Dies könnte sie befähigen, die Einschränkungen der sozialen Kontakte und der Kommunikation in den Kontexten von Bildung, Beruf oder Familie besser als andere zu kompensieren.

    Das Hildesheimer Forschungsteam untersucht, wie die Krise sich auf die Wahrnehmung der nahen Zukunft in der Generation der heute jungen Erwachsenen auswirkt. Die eigenen Lebensentwürfe lassen sich im Rahmen der Krise unterschiedlich „leicht“ beziehungsweise „schwer“ verwirklichen. Von welchen Bedingungen und Gegebenheiten sind die Perspektiven der Menschen in unserer Gesellschaft abhängig? Spielt hierbei die Lebensphase eine besonders wichtige Rolle? Fällt es jungen Erwachsenen, die mit Digitalen Medien und dem Social Web aufgewachsen leichter, auf die Veränderungen der Kontaktpflege zu reagieren, etwa in Form eines „Distant Socializings“?

    Um dies herauszufinden, befragen die Soziologen ab Ende Juni 2020 in dem Forschungsprojekt möglichst viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Gruppen in einem offenen Gespräch online oder telefonisch. An der Studie teilnehmen können alle Personen im Alter zwischen 18 und 30.

    Mehr zum Forschungsprojekt und zur Teilnahme an der Studie finden Sie online unter „Biographische Zukunftsperspektiven und Distant Socializing in der Social-Web-Generation“:
    https://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=22799

    In dem Forschungsprojekt wirken auch Studierende aus dem Methodenbüro für sozialwissenschaftliche Forschung mit. Das Forschungsprojekt wird mit einer Anschubfinanzierung aus dem Fonds zu Erforschung der COVID-19-Pandemie gefördert, den die Hochschulleitung der Universität Hildesheim eingerichtet hat.
     

    Medienkontakt:
    Pressesprecherin der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100 und 0177 8605905)

    Foto: © Fly_dragonfly, iStock

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    news-18923 Mon, 08 Jun 2020 10:18:00 +0200 Wie 100 Fahrzeuge den optimalen Weg einschlagen: Forschungsteam optimiert die Routenplanung für Fahrzeugflotten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-100-fahrzeuge-den-optimalen-weg-einschlagen-forschungsteam-optimiert-die-routenplanung-fuer-fahr/ Wie können Logistik-Unternehmen oder mobile Pflegedienste ihre großen Fahrzeugflotten optimal einsetzen? Wie reagieren sie auf veränderte Bedingungen auf der Strecke – etwa wenn neue Kunden eingeplant oder Baustellen umschifft werden müssen? Mit diesen Forschungsfragen befassen sich die Betriebswirtschaftlerin Professorin Julia Rieck und der Informatiker Professor Lars Schmidt-Thieme. Sie kombinieren in einem Forschungsprojekt bis 2022 betriebswirtschaftliche Methoden der Tourenplanung mit Techniken der Künstlichen Intelligenz. Das Forschungsteam der Universität Hildesheim hat das Bundesforschungsministerium überzeugt, das die Forschung mit 700.000 Euro fördert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Forschungsprojekt „Learning to Optimize: Dynamische Komplexe Routenoptimierung für Fahrzeugflotten“ am Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ der Universität Hildesheim. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt mit einer Fördersumme in Höhe von 713.000 Euro von Mai 2020 bis April 2022.

    Die Betriebswirtschaftlerin Prof. Dr. Julia Rieck, Expertin für Tourenplanung und Logistik am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik, und der Informatiker Prof. Dr. Lars Schmidt-Thieme, Experte für Maschinelles Lernen und Big Data am Institut für Informatik, koordinieren das zweijährige Forschungsprojekt.

    Das Forschungsteam arbeitet dabei mit der Spediton Hahne in Goslar/Vienenburg und der Firma Spedifix Logistiksoftware in Langelsheim zusammen. Durch die Zusammenarbeit können die entwickelten Methoden an echten Daten aus zwei realen Use-Cases zur Tourenplanung und Tourenreplanung evaluiert werden.

    Um die Touren von mehr als mehr als 100 Fahrzeugen gleichzeitig optimal zu planen, nutzt das Forschungsteam Techniken der Künstlichen Intelligenz

    „Während die Tourenplanung für kleinere bis mittlere Anzahlen an Fahrzeugen mit Methoden des klassischen ‚Operations Research‘ seit langem zuverlässig gelöst werden kann, stellen Probleme mit mehr als 100 Fahrzeugen sowie komplexen Nebenbedingungen Herausforderungen dar, die im Normalfall sehr lange Rechenzeit in Anspruch nehmen und häufig nur noch näherungsweise gelöst werden können. Unsere Forschung ist zum Beispiel relevant für Logistik-Unternehmen und Flotten großer mobiler Pflegedienste“, erläutert Professorin Julia Rieck.

    Um eine Vielzahl von Aufträgen und Touren optimal zu koordinieren, müssen zum Beispiel Logistik-Unternehmen und mobile Pflegedienste ihre großen Fahrzeugflotten sehr gut planen und die Prozesse aufeinander abstimmen, damit Waren on time befördert werden können oder das Pflegepersonal die Pflegebedürftigen in der ambulanten Pflege täglich versorgen kann.

    Außerdem müssen Organisationen mit großen Fahrzeugflotten im Alltag auf veränderte Bedingungen reagieren, etwa wenn neue Kunden in einen Tourenplan einbezogen werden müssen, wenn sich längere Streckenfahrzeiten wegen erhöhten Verkehrsaufkommens ergeben oder wenn unbekannte Baustellen oder Unfälle den geplanten Weg blockieren. In solchen Situationen können die Unternehmen oft nur im Einzelfall nach Bedarf reagieren und müssen umplanen. Oftmals entstehen dann  nur Tourenpläne, die weit von der Optimalität entfernt liegen und daher ein großes Verbesserungspotential aufweisen, erläutert Professorin Julia Rieck.

    „Wir kombinieren klassische Optimierungsmethoden und Techniken der Künstlichen Intelligenz“, ergänzt Professor Lars Schmidt-Thieme. Dabei nutzt das Forschungsteam vorhandene Daten, die maschinellen Systeme lernen aus Erfahrungen, um die Qualität der künftigen Routenplanung zu erhöhen. So sollen Korrekturen an der ursprünglichen Routenplanung „in nahezu Echtzeit durchgeführt werden können“.

    Das Hildesheimer Forschungsteam analysiert zunächst Planungsdaten der Partnerunternehmen aus der Logistik, um anschließend auf dieser Basis geeignete Lösungsmethoden entwickeln und verbessern zu können.

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    news-18881 Wed, 27 May 2020 10:03:59 +0200 Die Familien als Seismograph der Krise: Erste Ergebnisse der Studie „KiCO“ zum Familienalltag in Zeiten der Coronavirus-Pandemie https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/die-familien-als-seismograph-der-krise-erste-ergebnisse-der-studie-kico-zum-familienalltag-in-zei/ Ein Forschungsteam des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt hat in einer bundesweiten Studie Familien befragt. Mehr als 25.000 Eltern haben an der Befragung „KiCO“ zum Familienalltag in Zeiten der Coronavirus-Pandemie teilgenommen, um von ihren Erfahrungen und Perspektiven während der Corona-Krise zu berichten. Pressemitteilung zur Veröffentlichung erster Ergebnisse aus der Studie „KiCO“
    27.5.2020

    Mehr als 25.000 Eltern haben an einer Befragung zum Familienalltag in Zeiten der Pandemie teilgenommen. Nach der Veröffentlichung der Studie „JuCo“ zu den Erfahrungen junger Menschen zu den Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor zwei Wochen stellt der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ nun erste Ergebnisse der bundesweiten Studie „KiCo“ zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern während der Corona-Maßnahmen vor.

    Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben den Alltag vieler Familien in erheblichem Umfang verändert. Wie es Eltern und ihren Kindern damit geht, wie ihr aktuelles Wohlbefinden ist, was ihren Alltag kennzeichnet, wie die Passung zu den Regelungen der Kitabetreuung, Schulöffnung und auch der Arbeitgeber*innen ist – dies sind die Kernfragen der Onlinebefragung „KiCo“, welche im Zeitraum vom 24.04.2020 bis 03.05.2020 durchgeführt wurde.

    Über 25.000 Personen haben in dieser kurzen Zeit mindestens 95 Prozent des Fragebogens beantwortet und sich damit viel Zeit genommen. „Die umfangreiche Beteiligung an der Befragung verstehen wir als einen Indikator dafür, dass es unter Müttern und Vätern einen hohen Mitteilungsbedarf gibt“, so die Wissenschaftlerin Dr. Severine Thomas vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik. Aufgabe von Wissenschaft ist es aus Sicht des Forschungsverbundes „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“, Informationen der Befragten möglichst zügig aufzubereiten und die Ergebnisse zu kommunizieren. In diesem Grundverständnis werden erste Einblicke in die Auswertung des Datenmaterials gegeben.

    Vor allem haben sich erwerbstätige Mütter beteiligt. Sie berichten von Schuldgefühlen gegenüber ihren Kindern und dem Arbeitgeber, weil sie alles gleichzeitig managen müssen. Die befragten Eltern versuchen ihren Kindern Rückzugsmöglichkeiten zu Hause zu ermöglichen, für sich selbst haben sie diese häufig nicht. „Doch es gibt auch Mütter und Väter, die durch ihre Erfahrungen eine neue Perspektive gewonnen haben und den Alltag vor der Pandemie zwischen Erwerbsarbeit, Schule, Freizeit, Fürsorge nun als äußerst aufreibend beschreiben“, so Johanna Wilmes aus dem Forschungsteam.

    Die ersten Einblicke in die Ergebnisse der Befragung KiCo werden heute open access über den Universitätsverlag Hildesheim veröffentlicht. Abgerufen werden kann das Papier unter:

    https://doi.org/10.18442/121

    Weitere Informationen zu beiden Studien sind auf der Seite des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim zu finden unter

    https://t1p.de/studien-corona

    Weitere Auswertungen werden folgen.

    Über den Forschungsverbund  „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“

    Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Stiftung Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld. Entstanden sind darin bisher die bundesweite Studie JuCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen sowie die bundesweite Studie KiCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern während der Corona-Maßnahmen. Aktuell gehören zum Team Sabine Andresen, Anna Lips, Renate Möller, Tanja Rusack, Wolfgang Schröer, Severine Thomas, Johanna Wilmes.

    Medienkontakt:

    Isa Lange, Pressesprecherin, Universität Hildesheim
    presse@uni-hildesheim.de, 05121 88390100 und 0177 8605905

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    Universität Hildesheim Sozial- und Organisationspädagogik Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-18849 Wed, 20 May 2020 20:30:00 +0200 EU-Förderung für länderübergreifende Initiative gegen Hate Speech im Netz https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/eu-foerderung-fuer-laenderuebergreifende-initiative-gegen-hate-speech-im-netz/ Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Hildesheim entwickelt in einem internationalen Forschungsprojekt Strategien, Hasskommentaren europaweit entgegenzutreten. Um Hate Speech im Netz zu beobachten und Kampagnen zu schaffen, die eine positive Antwort auf Hasskommentare darstellen, kombiniert die Forschungsgruppe menschliches Handeln mit Techniken der Künstlichen Intelligenz. Ein internationales Forschungsteam, an dem die Universität Hildesheim mitwirkt, leistet mit einem Forschungsprojekt einen Beitrag, Hasskommentare weltweit zu bekämpfen.

    Internationales Projekt „Detect Then ACT (DeTACT) / Taking Direct Action against Online Hate Speech by Turning Bystanders into Upstanders”

    Im internationalen Projekt „Detect Then ACT (DeTACT) / Taking Direct Action against Online Hate Speech by Turning Bystanders into Upstanders” kooperieren Universitäten, Tech-Unternehmen, NGOs und Bürger*innen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden unter Beratung von Expert*innen aus den Bereichen Sicherheit, Recht und Ethik, um Hate Speech im Netz zu kontern. Die Initiative wird durch das Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ (REC) der Europäischen Union gefördert.

    Die Zahl der Hasskommentare im Internet ist deutlich angestiegen, insbesondere als Antwort auf die Flucht- und Migrationsbewegungen der letzten Jahre. Sozialen Netzwerken wird häufig vorgeworfen, als Echokammern zu fungieren, die dazu verleiten, radikalere Ansichten zu äußeren, als dies bei Face-to-face-Gesprächen der Fall ist. Als Konsequenz prägen Hasskommentare heute den öffentlichen Diskurs online in Bezug auf verschiedene Themen. Gerade in Deutschland hat zum Beispiel extremistische Propaganda in den sozialen Medien, die offen zur Gewalt gegen Geflüchtete aufruft, stark zugenommen. Auch Europol berichtet, dass sich gewalttätiger Extremismus verbreitet, der „zum Teil von der Angst vor einer wahrgenommenen Islamisierung der Gesellschaft und der Angst vor Migration genährt wird“.

    Das Forschungsteam verfolgt mit dem Projekt „DeTACT“ (detact.net) das Ziel, menschliche Bemühungen mit Künstlicher Intelligenz zu kombinieren, um Hate Speech im Netz zu beobachten und Kampagnen zu schaffen, die eine positive Antwort auf Hasskommentare darstellen. In diesen Kampagnen werden User_innen, die Hasskommentare im Netz beobachten, ermuntert, selbst Stellung zu beziehen. Es geht darum, Bürger_innen mit dem richtigen Rüstzeug auszustatten, das ihnen ermöglicht, sich gegen Meinungsverschiedenheiten, Falschinformationen, Konflikte, Mobbing, Rassismus und Sexismus in den sozialen Netzwerken einzusetzen, erläutert Dr. Sylvia Jaki. Die Hildesheimer Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation gehört zu dem internationalen Forschungsteam. Die Wissenschaftlerin arbeitet derzeit an ihrer Habilitation am Fachbereich „Sprach- und Informationswissenschaften“ der Universität Hildesheim.

    Mit Hilfe von Technologien, die in der Lage sind, toxische Kommentare automatisiert zu identifizieren, können engagierte User_innen mithelfen, stark polarisierende Diskussionen selbstregulierend zu entschärfen. Gleichzeitig wird das Projekt gemäß den Vorgaben der EU für soziale Medien und Tech-Unternehmen auch illegale Fälle von Extremismus und Radikalisierung melden.

    Während das belgische Tech-Unternehmen Textgain und die Universität Hildesheim an neuen sprachtechnologischen Verfahren arbeiten, um illegale Inhalte in verschiedenen europäischen Ländern identifizieren zu können, wird die NGO Media Diversity Institute hunderte von User_innen trainieren, die sich gegen Hass im Netz einsetzen möchten. Hierbei geht es darum, zu vermitteln, wie Kommentare konstruktiv gekontert werden können, sowie um den Aufbau von kritischem Denken und Widerstandsfähigkeit. Beraten wird das Media Diversity Institute dabei von Forscher_innen der Universität Antwerpen und der niederländischen Forschungs- und Beratungsagentur EMMA. Gleichzeitig schult die belgische Karel de Grote Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Kunst Dutzende von Kunststudierenden europaweit darin, Memes zu entwerfen, die verwendet werden können, um entmenschlichende Propaganda in den sozialen Medien auf nicht-beleidigende Art zu kontern.

    Ziel der Initiative ist es, der Bevölkerung zu zeigen, welche Möglichkeiten sie besitzt, um sich gegen die Polarisierung im Netz einzusetzen.

    Die Projektlaufzeit beträgt 24 Monate von September 2019 bis August 2021. Mehr Informationen über das EU-Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ (REC) können Sie der Horizon-2020-Webseite entnehmen: https://ec.europa.eu/justice/grants1/programmes-2014-2020/rec/index_en.htm.

    Medienkontakt:

    Wenn Sie mehr zum Projekt erfahren wollen, kontaktieren Sie gerne die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100 und 0177 8605905),  die Kontakt zu dem Projektkoordinator Gijs van Beek oder alternativ zu der zuständigen Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim, Dr. Sylvia Jaki, herstellen kann.

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    news-18825 Thu, 14 May 2020 09:01:31 +0200 Wie erleben Jugendliche die Corona-Krise? Ergebnisse der bundesweiten Studie „JuCo“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-erleben-jugendliche-die-corona-krise-ergebnisse-der-bundesweiten-studie-juco/ Wie erleben Jugendliche die Corona-Krise? Ein Forschungsteam des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt hat in einer bundesweiten Studie Jugendliche ab 15 Jahren befragt. Es haben sich etwa 6000 Jugendliche in sehr kurzer Zeit an der bundesweiten Studie „JuCo“ beteiligt, um von ihren Erfahrungen und Perspektiven während der Corona-Krise zu berichten.
  • Jugendliche wollen gehört werden! Sie sind mehr als Homeschooler*innen
  • Erste Ergebnisse der bundesweiten Studie „JuCo“ veröffentlicht: Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen.
  • Studienergebnisse / Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen.
    Erste Ergebnisse der bundesweiten Studie JuCo (PDF, open access)

    Bericht des ZDF Fernsehen, Nachrichten vom 14.05.2020

    Bericht des NDR Fernsehens vom 14.05.2020
    [zeitlich begrenzt online abrufbar]

    Es haben sich viele Jugendliche – ca. 6000 – in sehr kurzer Zeit an der bundesweiten Studie „JuCo“ der Universität Frankfurt und der Universität Hildesheim beteiligt, um von ihren Erfahrungen und Perspektiven während der Corona-Krise zu berichten. Das Forschungsteam sieht darin ein Signal und einen Auftrag, die Ergebnisse der Studie möglichst schnell der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

    Zwei Ergebnisse stechen heraus: „Jugendliche wollen nicht nur auf die Rolle als Homeschooler*in reduziert werden“, so Tanja Rusack aus dem Hildesheimer Forschungsteam. Ihr veränderter Lebensalltag und ihre Sorge werden kaum wahrgenommen. Zudem, ergänzt Johanna Wilmes, die ebenfalls in dem Verbund mitarbeitet: „Die Jugendlichen sehen nicht, dass sie mit ihren Anliegen Gehör finden, die Beteiligungsformate von jungen Menschen scheinen nicht krisenfest“. Die jungen Menschen hätten den Eindruck, dass gegenwärtig die Erwachsenen allein entscheiden, wie sie in der Corona-Krise ihren Alltag zu gestalten haben.

    Die Jugendlichen haben die Befragung genutzt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Dies sehen wir auch daran, wie viele Jugendliche die Freitextfelder ausgefüllt haben, die es auch im Fragebogen gibt“, berichtet Anna Lips aus der Auswertungsarbeit. „Schon daran kann abgelesen werden, wie groß das Bedürfnis ist, gehört zu werden.“

    Die ersten Ergebnisse können open access ab 14.05.2020 hier heruntergeladen werden

    Über den Forschungsverbund  „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt

    Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Stiftung Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld.

    Entstanden sind darin bisher die bundesweite Studie „JuCo“ zu den Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen sowie die bundesweite Studie „KiCo“ zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern während der Corona-Maßnahmen. Aktuell gehören zum Forschungsteam Sabine Andresen, Anna Lips, Renate Möller, Tanja Rusack, Wolfgang Schröer, Severine Thomas, Johanna Wilmes.

    Medienkontakt:

    Isa Lange, Pressesprecherin, Universität Hildesheim
    presse@uni-hildesheim.de, 05121 88390100 und 0177 8605905

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    news-18664 Tue, 12 May 2020 10:35:00 +0200 Parteikommunikation im Zeitalter von Social Media https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/parteikommunikation-im-zeitalter-von-social-media/ Dr. Mario Datts, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politikwissenschaft der Universität Hildesheim, erforscht die Parteikommunikation im Zeitalter von Social Media. In Hildesheim forscht und lehrt der Politikwissenschaftler in der Arbeitsgruppe Politik und Internet. Er hat jüngst in einer empirischen Untersuchung die Facebooknutzung durch die Kreisverbände der deutschen Parteien erforscht. Was bewegt Politiker und Parteien dazu, soziale Medien als Kommunikationskanal zu nutzen, welche Erwartungen und Konsequenzen sind damit verbunden?

    Der Politikwissenschaftler Dr. Mario Datts von der Forschungsgruppe Politik und Internet am Institut für Sozialwissesnchaften der Universität Hildesheim spricht im Interview über die Parteikommunikation im Zeitalter von Social Media und liefert wichtige Erkenntnisse.

    Herr Dr. Datts, in Ihrer Dissertation „Parteikommunikation im Zeitalter von Social Media“ untersuchen Sie die Präsenz kommunaler Parteiverbände im Social Web und identifizieren zentrale Nutzungsgründe. Können Sie uns diese nennen? Was veranlasst Parteien dazu, die sozialen Medien für ihre Kommunikation einzusetzen?

    Es ist interessant, dass auch die untersten Parteigliederungen neue Informations- und Kommunikationskanäle, wie Facebook, Twitter und WhatsApp nutzen. Dies zeigen die Ergebnisse meiner Untersuchung. Hierzu gab es bislang ja keine Erkenntnisse. Generell weiß man nur sehr wenig über die Parteiaktivitäten in den Kommunen – und das obwohl die Kommune gemeinhin als Trainingsfeld der Demokratie gilt und ihr dementsprechend eine immens wichtige Rolle für unsere Gesellschaft beigemessen wird. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail gehen zu wollen, deuten meine Ergebnisse darauf hin, dass Parteien soziale Medien dafür nutzen, um ganz verschiedene Ziele zu erreichen. Das eine, alles überlagernde Ziel, dass durch die Nutzung von Facebook und Co. erreicht werden soll, gibt es meines Erachtens nach nicht. Einerseits kann ich für die Kreisverbände der deutschen Parteien zeigen, dass die wahrgenommenen Erwartungshaltungen vonseiten der eigenen Mitglieder von Bedeutung für die Entscheidung sind Social Media zu nutzen. Dies belegt, dass die Parteien in Deutschland noch immer eine starke Mitgliederorientierung aufweisen und das Parteien sehr genau beobachten, welche Erwartungen an sie herangetragen werden. Richtigerweise müsste man hier wohl von vermuteten Erwartungshaltungen sprechen, denn die Parteien können genau genommen gar nicht wissen, ob diese Erwartungen tatsächlich existieren. Darüber hinaus geht es aber auch um die Beeinflussung der Wählerinnen und Wählern und für einige Kreisverbände wohl nicht zuletzt auch darum, die als unfair berichtend wahrgenommenen klassischen Massenmedien zu umgehen. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Parteien in urbanen und von vielen jungen Menschen bewohnten Gegenden aktiver kommunizieren, als Parteien in eher ländlichen Gebieten. Dies mag damit zusammenhängen, dass Parteien in städtisch geprägten Regionen mehr Feedback auf ihre Aktivitäten erhalten und dadurch ein zusätzlicher Nutzungsanreiz entsteht – das Gefühl, dass die eigenen Botschaften auf Resonanz stoßen scheint also nicht ganz unwichtig zu sein.

    Welche Erfolge können dadurch erzielt werden?

    Gerade die AfD erhält extrem viel Resonanz auf ihre Social Media Aktivitäten. Dies kann ich in meiner Studie zweifelsohne belegen. Dadurch kann sie ihre Botschaften, vorbei an den klassischen Massenmedien, als den traditionellen „Gatekeepern“, an ihre Mitglieder, Wähler und Sympathisanten transportieren – und das ohne eine kritische Einordnungen durch Dritte. Die Möglichkeit der direkten Kommunikation mit den Zielgruppen ist für Parteien wie die AfD sicherlich sehr wichtig und sie glaubt sicherlich auch an den Erfolg ihrer Strategie, wie einige andere Parteien auch. Ich hatte eben ja davon gesprochen, dass die Parteien offenbar viele Vermutungen darüber anstellen, was von ihnen erwartet wird. Ganz ähnlich dürfte es sich mit allen Zielen verhalten: es geht meines Erachtens nach nicht so sehr um harte Fakten, sondern darum ob eine Partei glaubt ihre Ziele mit Social Media erreichen zu können – oder ob sie das eben nicht glaubt. Denn generell ist es sehr schwer zu messen, welche Erfolge Parteien durch die Nutzung sozialer Medien tatsächlich erzielen können, da man beispielsweise für die Messung ob nun das Ziel der Wählerbeeinflussung erreicht wurde, umfangreiche Daten ebenjener Wähler bräuchte, die man überdies noch sinnvoll mit den Kommunikationsaktivitäten der Parteien im Social Web in Verbindung bringen müsste und zahlreiche andere Einflussfaktoren, wie den Einfluss der Berichterstattung der klassischen Massemedien, herausrechnen müsste. Ein, gerade für Deutschland, schwieriges Unterfangen – schließlich dürfen Forscher hier aus guten Gründen nicht auf Wählerdaten zugreifen. Die jüngsten Wahlerfolge von Akteuren, die ganz gezielt soziale Medien nutzen, wie beispielsweise Donald Trump in den USA und die AfD in Deutschland, deuten allerdings darauf hin, dass soziale Medien durchaus einen Unterschied machen können. Jedoch muss die Nutzung von Facebook, Twitter, Instagram und Co. in eine übergreifende Kommunikationsstrategie eingebettet werden, um zu funktionieren. Das haben die schlechten Wahlergebnisse von Michael Bloomberg im Verlaufe des Vorwahlkampfes der Demokraten gezeigt, dem es trotz der Investitionen von hunderten Millionen US-Dollar in Facebook-Werbung nicht gelungen ist einen signifikanten Anteil der Wähler von sich zu überzeugen.

    Wie schätzen Sie die Zukunft einer Partei ein, die sich sozialen Medien gegenüber verschließt?

    Ich denke, dass es tatsächlich darauf ankommt, wie die übergreifende Kommunikationsstrategie eines politischen Akteurs ausgestaltet ist. Das Beispiel des Grünen-Vorsitzenden Rober Habeck, der trotz seines Rückzugs aus dem Social Web zu den beliebtesten deutschen Politikern gehört, zeigt, dass politische Akteure auch ohne soziale Medien erfolgreich sein können. Auf der anderen Seite wissen wir, dass soziale Medien gerade für die jüngere Generation zentraler Bestandteil ihrer Routinekommunikation ist und das viele Personen ihre politischen Informationen inzwischen nicht zuletzt über Facebook und Co. beziehen. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass Parteien, die ganz gezielt auf Social Media setzen, wie die AfD, extrem hohe Resonanzwerte auf ihre Botschaften erzielen, kann man durchaus die Frage stellen, ob es sich eine komplette Partei leisten kann sich den sozialen Medien gänzlich zu verschließen. Man kann die Auswirkungen eines kompletten Rückzugs einer Partei ja an einem fiktiven Beispiel einmal durchspielen: wenn ein junger Mensch Mitglied in einer Partei werden will, ist es sehr wahrscheinlich, dass er sich zunächst einmal im Social Web über deren Aktivitäten informieren will. Er erwartet Fotos und Videos von Veranstaltungen sowie prägnante Botschaften der politischen Ziele jener Partei. Findet er diese Partei weder auf YouTube, noch auf Facebook oder Instagram so wird dies, gelinge gesagt, wohl erstmal für Irritationen bei ihm sorgen. Ob sich dieser junge Mensch anschließend noch die Mühe macht gezielt nach einer Parteiwebsite zu suchen oder zum Telefonhörer greift, um sich beim Ortsvorsitzenden über Mitmachmöglichkeiten zu informieren, würde ich stark bezweifeln. Überdies sollte man auch bedenken, dass gerade jene Akteure stark auf die sozialen Medien setzen, die gängige Überzeugungen und Werte kritisch sehen und diese ganz offen angreifen. Man könnte daher die These vertreten, dass jene Parteien, die den Aktivitäten von AfD, Pegida und Co. kritisch gegenüberstehen diesen in einem Resonanzraum, der für viele Menschen von immenser Bedeutung ist, engagiert entgegentreten müssten. Dies geschieht meines Erachtens nach nicht – zumindest nicht auf der kommunalen Ebene, wie ich in meiner Untersuchung zeigen kann.

    Lesen Sie das ganze Interview hier [Nomos-Verlag].

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    news-18680 Mon, 06 Apr 2020 15:27:04 +0200 Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von Corona: Plattform für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe online https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kinder-und-jugendhilfe-in-zeiten-von-corona-plattform-fuer-fachkraefte-der-kinder-und-jugendhilfe-o/ Die neue Kommunikations- und Transferplattform für Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe www.forum-transfer.de kann ab sofort genutzt werden. Junge Menschen und Familien sollen gerade in Zeiten von Corona in ihren Lebenslagen unterstützt und in Krisen interveniert werden. Die Online-Plattform enthält aktuelle Hinweise und Empfehlungen sowie Beispiele „guter Praxis“. An dem Projekt ist das Forschungsteam um Tanja Rusack, Wolfgang Schröer und Severine Thomas vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim beteiligt. Das Bundesfamilienministerium unterstütz die Plattform. www.forum-transfer.de für die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe jetzt online / „Trotz der massiven Einschränkungen im öffentlichen Leben muss die Kinder- und Jugendhilfe arbeits- und handlungsfähig bleiben“, sagt Professor Wolfgang Schröer

    „Diese Plattform soll die Kinder- und Jugendhilfe unterstützen, gute Modelle möglichst schnell in die Breite zu bringen“, sagt Matthias Röder, Jugendamtsleiter.

    Ein zentrales Kennzeichen der Kinder- und Jugendhilfe ist, dass sie in all ihren Handlungsfeldern auf sozialen Kontakten und Interaktionen aufbaut. Von den Frühen Hilfen über die Kindertagesbetreuung, die Hilfen zur Erziehung, die Kinder- und Jugendarbeit und die Jugendsozialarbeit bis hin zum Kinderschutz erfolgt Erziehung, Beziehung, Beratung, Bildung, Hilfe und Schutz zumeist in unmittelbarem Kontakt mit Menschen. In der aktuellen Situation ist allerdings die Veränderung der Sozialkontakte der einzige wirksame Weg zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

    „Überall in der Republik suchen öffentliche und freie Träger nach neuen Möglichkeiten, um Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien bestmöglich weiter zu unterstützen. Trotz der massiven Einschränkungen im öffentlichen Leben muss die Kinder- und Jugendhilfe arbeits- und handlungsfähig bleiben“, betont Wolfgang Schröer, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hildesheim und Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums.

    Junge Menschen und Familien – gerade in Zeiten von Corona – in ihren Lebenslagen unterstützen und in Krisen intervenieren

    Die Kinder- und Jugendhilfe erfindet sich gerade neu. Sie eröffnet viele Wege, um junge Menschen und Familien weiter – gerade jetzt in der Corona-Zeit – in den ganz unterschiedlichen Lebenslagen zu unterstützen und in Krisen zu intervenieren. Dabei entstehen an vielen Orten neue Ansätze und wertvolle Methoden, Verfahren und auch Richtlinien – vielfach digital, aber nicht nur. Darum bedarf es des Austausches und einer Plattform, in der die Fachkräfte ihre Ansätze vorstellen und präsentieren können. Nicht an jedem Ort muss alles neu erfunden werden.

    Die Plattform www.forum-transfer.de enthält aktuelle Hinweise und Empfehlungen sowie fachlich systematisierte Beispiele „guter Praxis“, wie die Arbeitsfähigkeit der Kinder- und Jugendhilfe unter den Bedingungen der „Corona“ Pandemie und für die Zeit bis zu einer wiederkehrenden Routine gesichert und weiterentwickelt werden kann.

    Mit der neuen Online-Plattform sollen unkompliziert Praxistipps für die Kinder- und Jugendhilfe veröffentlicht, ausgetauscht und erprobt werden

    „Gemeinsam können wir die aktuelle Situation besser meistern“, so Heinz Müller vom Institut für Sozialpädagogische Forschung (ism) in Mainz. Er hat die Plattform zusammen mit seinen Kolleg*innen und weiteren Expert*innen der Kinder- und Jugendhilfe von der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH), dem Deutschen Institut für Jugendhilfe- und Familienrecht (DIJuF) und der Universität Hildesheim aufgebaut. Heinz Müller sagt: „Wir müssen jetzt miteinander nach Wegen suchen, wie die Kinder- und Jugendhilfe nicht nur in Kontakt mit jungen Menschen und Familien bleibt, sondern ihnen gerade jetzt reelle Unterstützung anbieten kann.“

    Mit der neuen Online-Plattform sollen unkompliziert Praxistipps für öffentliche und freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe veröffentlicht, ausgetauscht und erprobt werden.

    „Dabei kommt es nicht darauf an, wer die beste Idee hat, sondern wie gute Ideen schnell dazu führen, dass den Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien geholfen wird“, ergänzt Matthias Röder, Jugendamtsleiter in Hessen, der die Plattform ebenfalls mitentwickelt hat. „Dafür braucht es vor allem Information, Austausch und Vernetzung. Recht sollte für gute Ideen keine Hürde, sondern eine Stütze sein. Das wollen wir auf der Plattform mit einer breiten Verlinkung zu den DIJuF-FAQ zeigen“, sagt Katharina Lohse, fachliche Leiterin des DIJuF.

    „Letztlich wird die Plattform nur dann ihren Dienst erfüllen, wenn sie von Fachkräften angenommen und mitgestaltet wird. Darum sind ihre Hinweise und Tipps so wichtig“, so Tanja Rusack von der Universität Hildesheim. „Wir wollen zeigen, dass junge Menschen, die zum Beispiel in Wohngruppen oder Pflegefamilien leben, weiterhin in der Kinder- und Jugendhilfe sehr gut begleitet werden und auch junge Menschen in sehr kritischen Situationen, wie junge Menschen auf der Flucht oder im Wohnungsnotstand, Angebote finden können“, unterstreicht Josef Koch von der IGfH.

    Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat den Vorschlag für die Plattform sofort unterstützt und unkompliziert eine Projektförderung zugesagt.

    Alle Initiatior*innen und beteiligten Organisationen sind seit Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe praktisch, beratend oder wissenschaftlich tätig. Ihnen ist es wichtig, dass die Menschen gerade jetzt merken, dass die Kinder- und Jugendhilfe für die jungen Menschen und Familien da ist.

    Die Beteiligten rufen Fachkräfte dazu auf, die Plattform zu nutzen und mitzugestalten, um gemeinsam für die jungen Menschen und Familien eine krisenfeste Kinder- und Jugendhilfe zu schaffen.

    Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH (ism)
    Kontaktpersonen: Eva Dittmann, Heinz Müller, Elisabeth Schmutz
    Flachsmarktstraße 9, D-55116 Mainz, 06131-24041-0
    info@ism-mz.de
    www.ism-mz.de

    Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V. (IGfH)
    Kontaktpersonen: Josef Koch, Stefan Wedermann
    Galvanistraße 30, D-60486 Frankfurt am Main, 069-633 986-0
    Mail: igfh(at)igfh(.)de
    Web: www.igfh.de

    Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim
    Kontaktpersonen: Tanja Rusack, Wolfgang Schröer, Severine Thomas
    Universitätsplatz 1, D-31141 Hildesheim
    www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozial-und-organisationspaedagogik/

    Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DIJuF)
    Kontaktpersonen: Katharina Lohse, Matthias Röder
    Poststr. 17, D-69115 Heidelberg, 062 21-98 18-0
    E-Mail: institut@dijuf.de
    www.dijuf.de

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    news-18671 Fri, 03 Apr 2020 10:08:00 +0200 Psychologie: Wie sich das soziale Leben und Emotionen durch das Coronavirus verändern https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/psychologie-wie-sich-das-soziale-leben-und-emotionen-durch-das-coronavirus-veraendern/ Professor Andreas Mojzisch (Sozialpsychologie) und Professor Christina Bermeitinger (Allgemeine Psychologie) untersuchen den Einfluss des Coronavirus auf das soziale Leben sowie Verhaltensänderungen und Veränderungen von Emotionen in der Corona-Pandemie. Studie der Sozialpychologie

    Internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Andreas Mojzisch untersucht: Welchen Einfluss hat der Ausbruch des Coronavirus auf das soziale Leben? Hilft ein Wir-Gefühl in Gruppen als Stresspuffer, um mit Bedrohungen besser umzugehen?

    Prof. Dr. Andreas Mojzisch, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hildesheim, führt derzeit in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen aus China, Italien, Südafrika, Australien, USA, UK und Kanada eine Online-Studie zum Einfluss des Coronavirus auf das soziale Leben durch. Mittlerweile haben bereits über 4.000 Probanden an der Studie teilgenommen.

    Der Ausbruch des Coronavirus betrifft derzeit die weltweite Bevölkerung. Das internationale Forschungsteam möchte untersuchen, wie Menschen dieses Ereignis wahrnehmen und welchen Einfluss dieses auf ihr soziales Leben hat. Das Forschungsteam untersucht dabei insbesondere, wie sich die Bedrohung durch das neue Corona-Virus auf unsere Sozialbeziehungen auswirkt und welche Rolle es dabei spielt, wie sehr wir uns mit bestimmten Gruppen, zum Beispiel unseren Freunden oder unseren Nachbarn, identifizieren.

    Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass ein Wir-Gefühl als Stresspuffer wirkt, das heißt uns dabei hilft, mit Bedrohungen besser umzugehen. Aber gilt dies auch für die Bedrohung durch das Corona-Virus und gilt dies auch für alle Kulturen? Und könnte ein hohes Wir-Gefühl unter Umständen sogar negative Effekt haben, weil man sich infolge eines hohen Wir-Gefühls weniger bedroht fühlt und die aktuelle Lage auf die leichte Schulter nimmt?

    „Unsere Studie steht unter dem Motto: ‘Physically apart but socially together’. Wir sind davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Eindämmung der Ausbreitung des neuen Corona-Virus voraussetzt, dass wir besser verstehen, wie sich die zwischenmenschlichen Beziehungen in Reaktion auf die Bedrohung durch das Virus verändern“, sagt Professor Andreas Mojzisch.

    An der Studie können aktuell noch Personen teilnehmen, dies ist der Link zur Online-Befragung für das deutsche Sample:
    https://ww3.unipark.de/uc/so_corona_german/

    Studie der Allgemeinen Psychologie

    Wie äußert sich Angst emotional, verändert sich das Verhalten im Zuge der Ausbreitung des neuen Coronavirus? Internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Christina Bermeitinger erforscht Veränderungen von Emotionen in der Corona-Pandemie

    Prof. Dr. Christina Bermeitinger von der Forschungsgruppe Allgemeine Psychologie der Universität Hildesheim hat in Kooperation mit ihrem chinesischen Kollegen Professor Jin Zheng sowie Partnern aus den U.S.A. eine Längsschnittstudie zu Beginn der Corona-Pandemie im Zeitraum von Februar bis März 2020 durchgeführt.

    „Es geht um die Frage, inwiefern Pandemie-bedingte Verhaltensänderungen und Änderungen emotionaler Reaktionen mit der Bewertung des Krisenmanagements des jeweiligen Landes zusammenhängen“, so Professor Bermeitinger. Inwieweit verändern sich das Verhalten und affektive Reaktionen im Zuge der Ausbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 und der Beurteilung des Krisenmanagements? Wie äußert sich Angst emotional, verändert sich das Verhalten?

    Das Forschungsteam verbreitete die Online-Befragung mit einem Katalog von knapp 70 Fragen über soziale Medien und Messenger Apps an die lokale Bevölkerung in der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei in der Volksrepublik China sowie in Deutschland und den U.S.A. Von den 846 Teilnehmenden haben 318 Personen die Fragen beider Befragungszeitpunkte vollständig beantwortet. Fast alle Teilnehmenden waren nicht an COVID-19 erkrankt. Sie wurden zum Beispiel gefragt, ob sie sich nervöser und ängstlicher fühlen als sonst, ob sie ihren Mund in den letzten drei Tagen mit einer Atemschutzmaske bedeckt haben und ob sie  vorbeugende Maßnahmen ergriffen haben, etwa wenn sie befürchteten, dass Türgriffe und Knöpfe in den Aufzügen die neuartigen Coronaviren übertragen könnten. Außerdem wollte das Forschungsteam wissen, ob die jeweils befragte Person die Informationen durch die Gesundheitsbehörden an die Öffentlichkeit in ihrem Land als vertrauenswürdig einstufen.

    „Personen aus allen drei Ländern haben über die wenigen Wochen der Erhebung ihr Verhalten bedeutsam verändert – die Personen gaben an, dass sie präventives Verhalten gesteigert haben. Eine bedeutsame Veränderung der generellen Angst konnten wir bei den teilnehmenden Personen nicht feststellen. Das Krisenmanagement in den Ländern wurde für beide Messzeitpunkte und in allen Ländern gleich gut bewertet. Es gab zudem keinerlei Zusammenhänge zwischen der Bewertung des Krisenmanagements auf der einen Seite und den Emotionen oder dem Verhalten auf der anderen Seite. Während jedoch in China über den Februar hinweg die eigene Anfälligkeit, die Emotionen anderer zu übernehmen (insbesondere bei öffentlichen Notfällen), abnahm,  zeigten die Personen aus Deutschland und den U.S.A. eine erhöhte Anfälligkeit beim zweiten Erhebungszeitpunkt. Anfang Februar bestand noch keinerlei Unterschied zwischen den Ländern“, fasst Professor Bermeitinger die Ergebnisse zusammen.

    Eine Teilnahme an dieser Studie ist nicht mehr möglich. Die Forschungsunterlagen sind „open access“ im Internet unter dem folgenden Link frei abrufbar: https://osf.io/mcn6z/#!

    Medienkontakt:

    Universität Hildesheim
    Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften
    Institut Psychologie

    Prof. Dr. Christina Bermeitinger
    E-Mail: bermeitinger@uni-hildesheim.de

    Prof. Dr. Andreas Mojzisch
    E-Mail: mojzisch@uni-hildesheim.de

    oder

    Universität Hildesheim
    Pressesprecherin
    Isa Lange
    Tel: 05121 883 90100
    Mobil: 0177 860 5905
    E-Mail: presse@uni-hildesheim.de

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    Fachbereich 1 Psychologie Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-18634 Wed, 01 Apr 2020 09:32:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation in der Corona-Krise: Informationen in Einfacher Sprache https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-in-der-corona-krise-informationen-in-einfacher-sprache/ Ein Forschungsteam aus den Übersetzungswissenschaften der Universität Hildesheim macht aktuelle Informationen über das Coronavirus SARS-CoV-2 in Einfacher Sprache zugänglich. „Barrierefreie Kommunikation ist gegenwärtig zunehmend Teil des Krisenmanagements in der deutschen Gesundheitskommunikation. Die Forschungsstelle Leichte Sprache ist hier sehr aktiv und in wichtige gesundheitspolitische Aufgaben involviert“, sagt Professorin Christiane Maaß, Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim.

    Das Forschungsteam übersetzt derzeit aktuelle Informationen zum Corona-Virus in Einfache Sprache und macht diese in Zusammenarbeit mit dem Wort- und Bildverlag auf der Website https://www.apotheken-umschau.de/Coronavirus/coronavirus-einfache-sprache-557641.html verfügbar.

    Jeder Zweite hat Probleme damit, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen und zu bewerten

    „Aus verschiedenen Studien (unter anderem Schaeffer 2016) wissen wir, dass mehr als 54% der deutschen Bevölkerung gesundheitsrelevante Informationen nicht versteht“, so Christiane Maaß. Jeder Zweite habe Probleme damit, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, richtig einzuordnen, zu bewerten und zu nutzen.

    Die Forschungsstelle macht darüber hinaus auf ihrer Webseite ebenfalls evidenzbasierte Informationen über das Corona-Virus in Leichter Sprache zugänglich: www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/forschung/corona-virus/.

    Mit der Initiative „Barrierefreie Kommunikation und Corona“ setzen sich die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen in Kooperation mit weiteren Aktivisten dafür ein, dass Personen mit Kommunikationseinschränkung Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen ohne die Hilfe Dritter haben. Die Initiative wurde von Laura M. Schwengber ins Leben gerufen, die in Hildesheim den Master „Barrierefreie Kommunikation“ in Teilzeit studiert und die Taskforce leitet. Dieses Team aus Fachleuten aus Forschung und Praxis arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, sich an die Krankenhäuser und das Pflegepersonal sowie die Politik in Deutschland zu wenden, um diese zum Teil lebensnotwendige Information zu streuen, denn leicht verständliche Gesundheitskommunikation ist Krisenkommunikation, sagt Professorin Christiane Maaß.

    Informationen zum Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“

    Interview mit der Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Isabel Rink
    von der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim

    Frau Dr. Rink, die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim übersetzt Informationen über das Coronavirus SARS-CoV-2 in Einfache Sprache und Leichte Sprache. Was haben Sie in den letzten Tagen erarbeitet?

    Mein Team und ich haben in den letzten Tagen verschiedene Basisinformationen über das Corona-Virus und den Diskurs dahinter in Einfache und Leichte Sprache übersetzt. Es ging dabei zum Beispiel um die Fragen: Was ist das neue Coronavirus? Woher kommt das neue Coronavirus? Wie kann ich die Symptome der Krankheit erkennen? Was kann ich tun, um mich und andere Personen zu schützen? Welche Personen sind besonders gefährdet?  
    Wir haben aber auch verschiedene Hashtags in Leichte Sprache übersetzt, damit alle Menschen Zugang zum Diskurs haben:
    https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/forschung/corona-virus/
    Diese machen wir natürlich über unsere Social Media-Kanäle zugänglich.
    Zudem erarbeiten wir gerade in Kooperation mit verschiedenen Praktiker_innen (Gebärdensprachdolmetschern, Leichte-Sprache-Dolmetschern, Schriftdolmetschern, Verstehensassistenzen) Anleitungen zur Bedienung von Skype, FaceTime, Zoom etc. in Leichter Sprache, damit mögliche Bedarfsträger mit Kommunikations- oder Verstehenseinschränkung im Ernstfall diese Dienste für die Live-Verdolmetschung im Krankenhaus oder beim Arzt nutzen können.

    Was ist dabei eine Herausforderung? Die Übersetzungstätigkeit erfordert tagesaktuelle Reaktionen.

    Eine Herausforderung ist die aktuelle Reaktionszeit. Die Informationen zur Verbreitung des Virus oder zu den Gegenmaßnahmen durch die Bundesregierung und die Länder ändern sich schnell, dann müssen wir unmittelbar reagieren: Die neue Information muss entsprechend übersetzt und zudem durch das medizinische Fachpersonal auf Seiten des Auftraggebers geprüft werden, erst dann kann es auf der Homepage aktualisiert werden. Hier unterscheiden sich Standardversion, Leichte-Sprache-Fassung oder Einfache-Sprache-Fassung darin, dass es bei der Übersetzung eine weitere Korrekturschleife gibt.

    Manche Informationen ändern sich sehr schnell, wie geht man damit als Übersetzungsteam um?

    Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Auftraggeber und telefonieren mehrmals täglich. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem umsichtiges Handeln: Was ist für den Moment wichtiger, die neueste Änderung der Bundesregierung oder die Zugänglichmachung der Information über richtige Handhygiene? Diese konkrete Anwendung der Theorie in der Praxis ist eine sehr wertvolle Erfahrung, die wir dann wiederum in die Lehre einspielen können.

    Sie übersetzen in dem Kooperationsprojekt mit der Apotheken-Umschau (www.apotheken-umschau.de/Coronavirus/coronavirus-einfache-sprache-557641.html) Informationen zum neuen Corona-Virus in Einfache Sprache. Welche gesundheitspolitische Bedeutung hat die Arbeit der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim in der derzeitigen Corona-Krise, wozu möchten Sie beitragen?

    Es hagelte viel Kritik, insbesondere von Vertretern der Gruppen mit Kommunikationseinschränkung, die zum Teil den vulnerablen Gruppen zugehören: Sie hatten sehr lange Zeit kaum Zugriff auf die Informationen über das Corona-Virus und die Debatte dahinter, sodass sie sich nicht eigenständig informieren und die Maßnahmen entsprechend umsetzen konnten. Barrierefreie Gesundheitskommunikation ist aktuell Teil des Krisenmanagements und alle Personen in diesem Land müssen mitgenommen werden. So hoffen wir, dass durch die Bereitstellung von barrierefreien Informationen über das Corona-Virus und damit verbundene Maßnahmen wie die richtige Handhygiene auch die Gesundheitskompetenz in einer diversen Gesellschaft gestärkt und gefördert wird. Nur so haben alle die Möglichkeit, einen Beitrag zur Abflachung der Kurve zu leisten.

    Stimmen Sie sich mit Gesundheitsbehörden und Fachkreisen ab, wie sichern Sie als Übersetzungsteam die Qualität und Richtigkeit der Informationen?

    Die Texte werden dreifach geprüft: Die Informationen werden von der Forschungsstelle Leichte Sprache übersetzt (mindestens 4-Augen-Prinzip) und von einem zweiköpfigen Team des Auftraggebers fachlich geprüft. Auf diesen Texten liegt also eine deutlich größere Ressource, als das üblicherweise der Fall ist.

    Sie bilden an der Universität Hildesheim Profis für barrierefreie Kommunikation aus. Wer ist an dem Übersetzungsprojekt beteiligt und wie geht es weiter, wird das Projekt noch fortgeführt in der aktuellen Corona-Krise?

    Das Übersetzungsprojekt leite ich, mein Team besteht unter anderem aus Studierenden des Masterstudiengangs „Barrierefreie Kommunikation“. Ein Teil der Studentinnen und Studenten übersetzt die Texte im Rahmen von studentischen Hilfskraftverträgen. So hat zum Beispiel Lena-Sophie König, die jetzt erst in das Masterstudium startet, verschiedene Hashtags in Leichte Sprache übersetzt, denn auch der Zugriff auf Diskurswissen bedeutet gesellschaftliche Teilhabe. Das Engagement unserer Studierenden geht aber darüber hinaus, so dass auch Studierende, die nicht beschäftigt sind, Initiative ergreifen und ihren Beitrag dazu leisten, Information zugänglich zu machen, sich vernetzten und kleinere Projekte in Zeiten dieser Krise auf die Beine stellen.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Medienkontakt:

    Universität Hildesheim
    Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften
    Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
    Forschungsstelle Leichte Sprache

    Dr. Isabel Rink
    E-Mail: rinkisa@uni-hildesheim.de

    Prof. Dr. Christiane Maaß
    E-Mail: christiane.maass@uni-hildesheim.de

    oder

    Universität Hildesheim
    Pressesprecherin
    Isa Lange
    Tel: 05121.883-90100
    Mobil: 0177.860.5905
    E-Mail: presse@uni-hildesheim.de

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    news-18615 Tue, 24 Mar 2020 15:31:27 +0100 Unterstützung von jungen Menschen in Zeiten von Corona gestalten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/unterstuetzung-von-jungen-menschen-in-zeiten-von-corona-gestalten/ Der Hildesheimer Sozialpädagoge Prof. Dr. Wolfgang Schröer hat als Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums eine aktuelle Stellungnahme zur Unterstützung von jungen Menschen in Zeiten von Corona mit erarbeitet. Es sei eine der größten Herausforderungen für die kommunale Kinder- und Jugendpolitik, die Bildungspolitik in den Ländern sowie die Bundespolitik jetzt innovative Wege zu finden, um junge Menschen und Familien zu unterstützen, so Schröer. Die Lage derzeit sei eine Ausnahmesituation: Der Alltag von jungen Menschen und Familien werde durch die vorübergehenden Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen sowie Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit grundsätzlich umstrukturiert. Es sei notwendig, so Schöer, die Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe zu erhalten, gerade wenn Organisationen in dieser Krise innovative Wege mit jungen Menschen suchen. Das Bundesjugendkuratorium berät die Bundesregierung in zentralen Fragen der Kinder- und Jugendpolitik, das Gremium ist eine unverzichtbare Stimme aus Wissenschaft und Praxis für die Belange von Kindern und Jugendlichen. Der Hildesheimer Sozialpädagoge Professor Wolfgang Schröer ist seit 2019 Mitglied des Bundesjugendkuratoriums und Vorsitzender dieses Gremiums.

    Seit 2004 forscht und lehrt Wolfgang Schröer als Professor für Sozialpädagogik am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik haben sich auf die Kinder- und Jugendpolitik und Kinder- und Jugendhilfe spezialisiert.

    Im Folgenden lesen Sie einen Auszug aus der Stellungnahme, die Prof. Dr. Wolfgang Schröer als Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums mit erarbeitet hat.

    Zwischenruf des Bundesjugendkuratoriums

    Unterstützung von jungen Menschen in Zeiten von Corona gestalten / Kinder- und Jugendpolitik ist gefordert

    Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation: Der Alltag von jungen Menschen und Familien wird schon allein durch die vorübergehenden Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen, öffentlichen Räumen sowie Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit grundsätzlich umstrukturiert. Aus Sicht des Bundesjugendkuratoriums ist es jetzt unbedingt wichtig, dass die Schließung der öffentlichen Einrichtungen von jungen Menschen und Familien nicht als Rückzug der Kinder- und Jugend- sowie Bildungspolitik aus der Unterstützung der Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien erlebt wird. Dafür ist es dringend notwendig, dass die Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe erhalten bleibt und freie Träger finanziell gesichert bleiben. Freie Träger sollten gerade jetzt – wenn sie in dieser Krise innovative Wege mit jungen Menschen suchen – schnell und unkompliziert finanziell unterstützt werden.

    Notwendig sind auch finanzielle Unterstützungen für junge Menschen und Familien, die angesichts von Kurzarbeit etc. oder fehlendem Einkommen in Notlagen geraten. Es müssen auch Übergangslösungen für diejenigen jungen Menschen gefunden werden, die nicht auf verlässliche private und soziale Netzwerke zurückgreifen können.

    Es ist jetzt eine aktive Kinder- und Jugendpolitik notwendig, die in dieser Krise für junge Menschen und mit ihnen sowie ihren Familien einen kinder- und jugendgerechten Alltag ermöglicht und organisiert.

    Der gesamte Zwischenruf steht auf www.bundesjugendkuratorium.de/stellungnahmen zum Download bereit.

    Das Bundesjugendkuratorium (BJK) ist ein von der Bundesregierung eingesetztes Sachverständigengremium. Es berät die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe und in Querschnittsfragen der Kinder- und Jugendpolitik. Dem BJK gehören bis zu 15 Sachverständige aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft an. Die Mitglieder wurden durch die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die Dauer der laufenden Legislaturperiode berufen.

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    news-18451 Wed, 12 Feb 2020 09:24:00 +0100 Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten an der Stiftung Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/leitlinien-zum-umgang-mit-forschungsdaten-an-der-stiftung-universitaet-hildesheim/ Die “Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten an der Stiftung Universität Hildesheim” wurden am 05.02.2020 von der Erweiterten Hochschulleitung verabschiedet und bieten den Forschenden der SUH einen Orientierungsrahmen, der Transparenz, Klarheit und Unterstützung im Umgang mit Forschungsdaten schafft. Anlass für diese Leitlinien sind insbesondere die Anforderungen von Forschungsförderern wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung oder die Europäische Union zum Umgang mit Forschungsdaten.

    Im Sinne von Open Science und Open Access fördern die neuen Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten die Transparenz von Wissenschaft und Forschung ebenso, wie die Leitlinien der Stiftung Universität Hildesheim zum Open Access-Publizieren. Zudem tragen sie dazu bei, die jüngst von 160 internationalen Universitäten unterzeichnete Sorbonne-Erklärung zum Zugang zu Forschungsdaten nach dem Prinzip FAIR (findable, accessible, interoperable, reusable) auch an der SUH zu realisieren.

    Download "Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten an der Stiftung Universität Hildesheim in der Fassung vom 05.02.2020" (PDF)

     

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    news-18059 Thu, 23 Jan 2020 09:24:00 +0100 Informatiker Sebastian Thrun: „Die Ausbildung hier an der Universität war weltklasse“ / Ehrendoktorwürde der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/informatiker-sebastian-thrun-die-ausbildung-hier-an-der-universitaet-war-weltklasse-ehrendoktorw/ Professor Sebastian Thrun ist ein Pionier der selbstfahrenden Fahrzeuge und einer der weltweit anerkanntesten Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Nun kehrte der Informatiker in seine Studienstadt an die Universität Hildesheim zurück. Der Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ der Universität Hildesheim verleiht Prof. Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Sebastian Thrun die Ehrendoktorwürde. Sebastian Thrun sprach vor etwa 700 Studierenden, Lehrenden und Bürgerinnen und Bürger im bis auf den letzten Platz gefüllten Audimax. „Ich habe hier in der Informatik in Hildesheim eine extrem solide Ausbildung bekommen“, erinnert sich Sebastian Thrun an seine akademischen Anfänge in den 1980er Jahren an der Uni Hildesheim. „Die Ausbildung hier an der Universität war weltklasse“, so Thrun. Hier finden Sie die Reden der akademischen Feierstunde zum Nachlesen:

    Dekan Prof. Dr. Klaus Schmid, Grußwort (PDF)

    Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Grußwort (PDF) [folgt in Kürze]

    Niedersächsischer Wissenschaftminister Björn Thümler, Grußwort (PDF)

    Prof. Dr. Dr. Lars Schmidt-Thieme, Laudatio (PDF)

    DIE REDE ZUM NACHHÖREN:
    NDR Norddeutscher Rundfunk
    Rede von Prof. Sebastian Thrun an der Universität Hildesheim
    Video, 38 Minuten  (Video dauerhaft abrufbar)

    NDR Norddeutscher Rundfunk
    Nachrichtenmagazin "Hallo Niedersachsen"
    Filmbeitrag, 3 Minuten, 22.01.2020
    Ehrendoktorwürde für Mobilitäts-Visionär Thrun
    Thrun: „Die Ausbildung hier war weltklasse"

    NDR Norddeutscher Rundfunk
    Nachrichten "Niedersachsen 18:00", 22.01.2020
    Filmbeitrag (ab Minute 08:20) (verfügbar bis 29.01.2020)

    Der Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ der Universität Hildesheim verleiht Professor Sebastian Thrun die Ehrendoktorwürde.

    „Mit ihrem ehemaligen Studenten Professor Sebastian Thrun ehrt die Universität Hildesheim einen Visionär, der in den Bereichen Mobilität der Zukunft, Robotik und digitale Hochschulbildung seit mehr als 20 Jahren herausragende Entwicklungsimpulse setzt. Seine wissenschaftliche Arbeit ist geprägt von seiner Begeisterung für menschliches Lernen und dem Ziel, zukunftsträchtige Ideen und Technologien aus der Forschung in Wirtschaft und Gesellschaft umzusetzen“, sagt Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur.

    „Die Informatikkarriere von Herrn Thrun begann an der Universität Hildesheim. Daher ist der Fachbereich 4 besonders stolz mit dieser Ehrenpromotion Prof. Dr. mult. Thrun als einen der heute international bekanntesten und renommiertesten Informatiker zu ehren“, sagt Professor Klaus Schmid, Dekan des Fachbereichs „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“.

    Zur Person:

    Prof. Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Sebastian Thrun

    Sebastian Thrun ist der Pionier der selbstfahrenden Autos, Mitbegründer des selbstfahrenden Autos von Google (Waymo) und einer der einflussreichsten Denker in der Welt der künstlichen Intelligenz. Er ist einer der weltweit anerkanntesten Wissenschaftler in der Informatik. Durch seine Arbeiten hat er die moderne KI und den Bereich der Robotik wesentlich mitgeprägt.

    Die Ehrendoktorwürde der Universität Hildesheim wird Sebastian Thrun verliehen für die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen im Fach Informatik, insbesondere in den Bereichen der Künstlichen Intelligenz und der Robotik. In diesen Gebieten zählt Sebastian Thrun zu den herausragendsten Forschern.

    Seine wissenschaftlichen Arbeiten waren Grundlage einer exzellenten wissenschaftlichen Karriere, die ihn von Hildesheim über Bonn zum Massachusetts Institute of Technology (MIT) und von dort zur Leitung des renommierten Stanford AI Labs (SAIL) führten.

    Sebastian Thrun hat von 1986 bis 1988 als einer der ersten Studenten Informatik an der Universität Hildesheim studiert. Mit 36 wurde er Professor für Künstliche Intelligenz an der Stanford University und entwickelte später bei Google die Technologie für selbstfahrende Autos. Der Professor leitete das Forschungslabor „Google X“, wo er die technischen Grundlagen für „Google Glass“ und „Street View“ schuf.

    Thrun führt heute zwei eigene Firmen: die globale Internet-Universität „Udacity“, ein Pionier im Bereich des E-Learning, und „Kitty Hawk“, ein Start-up für autonome Flugtaxis.

    Videobotschaft für Hildesheim
    Interview mit Sebastian Thrun über Künstliche Intelligenz
    und das Studium an der Universität Hildesheim

    Lesetipp: Interview mit Sebastian Thrun
    und den Hildesheimer Informatikern Maren Stadtländer
    und Dr. Thorsten Schoormann
    (Universitätsjournal DIE RELATION, #06, Seite 64)

    Öffentlicher Festvortrag „Inventing the Future in Silicon Valley“

    Akademische Feierstunde
    am Mittwoch, 22. Januar 2020

    Zur akademischen Feierstunde am Mittwoch, 22. Januar 2020, um 11:00 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim lädt der Fachbereich 4 herzlich ein. Sebastian Thrun hält dann den öffentlichen Festvortrag „Inventing the Future in Silicon Valley“ (Vortrag in deutscher Sprache). Studierende, Lehrende und Bürger sind herzlich eingeladen. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

    Grußworte während der Feierstunde sprechen Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich und Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur. Die Laudatio hält Prof. Dr. Dr. Lars Schmidt-Thieme vom Institut für Informatik der Universität Hildesheim.

    Zuvor wird sich Professor Sebastian Thrun am Mittwochmorgen um 9:00 Uhr in das Goldene Buch der Stadt Hildesheim eintragen.

    Informationsseite zur Veranstaltung am 22. Januar 2020

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    news-18359 Thu, 23 Jan 2020 07:23:00 +0100 Onlinebefragung im Rahmen einer geplanten Masterarbeit zum Thema „Vergebung in Paarbeziehungen“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/onlinebefragung-im-rahmen-einer-geplanten-masterarbeit-zum-thema-vergebung-in-paarbeziehungen/ Für eine Onlinebefragung zum Thema „Vergebung in Paarbeziehungen“ sucht die Universität Hildesheim Studienteilnehmer. Die Psychologiestudentin Stefania Klaudia Janczyk untersucht in ihrer Masterarbeit, warum Menschen in einer Paarbeziehung ihrer Partnerin beziehungsweise ihrem Partner nach einer erlebten Verletzung vergeben. [den Link zur Onlinebefragung finden Sie untenstehend.]

    „In einer Paarbeziehung werden im Idealfall grundlegende menschliche Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Selbstwertgefühl erfüllt. Jedoch kommt es in einer romantischen Paarbeziehung nicht selten auch zu Verletzungen durch die Partnerin beziehungsweise den Partner, welche die Qualität und die Existenz dieser engen Beziehung gefährden können“, sagt Psychologiestudentin Stefania Klaudia Janczyk. Um eine erlebte Verletzung zu überwinden und die Partnerschaft aufrechtzuerhalten, scheint Vergebung seitens der verletzten Person eine entscheidende Rolle zu spielen, sagt Janczyk.

    Die Psychologiestudentin Stefania Klaudia Janczyk untersucht in ihrer Masterarbeit, warum Menschen in einer Paarbeziehung ihrer Partnerin beziehungsweise ihrem Partner nach einer erlebten Verletzung vergeben.

    Im Rahmen ihres Masterstudiums in Psychologie an der Universität Hildesheim hat Stefania Klaudia Janczyk das Seminar „Paartherapie“ bei Prof. Dr. Christoph Kröger, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, besucht und ist so auf das Thema „Vergebung im Kontext von romantischen Paarbeziehungen“ gestoßen. In vielen Forschungsarbeiten zeigt sich, dass Vergebung im Kontext von Paarbeziehungen diverse positive Auswirkungen hat, sagt Janczyk.

    Die Masterstudentin startet nun eine Onlinebefragung, um Antworten auf die folgenden Fragen zu finden: Aus welchen Gründen vergeben Menschen in Paarbeziehungen? Und was folgt daraus aus psychologischer Sicht für die vergebende Person? Dabei versteht die Studentin in ihrer Onlinebefragung „Vergebung“ als „einen intrapersonalen Prozess, das heißt, ein Prozess, der innerhalb der vergebenden Person stattfindet, der die Transformation von Gedanken, Emotionen und Verhalten gegenüber der Partnerin beziehungsweise dem Partner von negativen zu positiveren Formen beinhaltet“.

    Teilnahme und Einschlusskriterien, um an der Onlinebefragung teilnehmen zu können:

    Es können alle Personen an der Onlinebefragung teilnehmen, die:

    • mindestens 18 Jahre alt sind UND
    • sich aktuell in einer festen romantischen Partnerschaft befinden und schon länger als 6 Monate mit ihrer Partnerin beziehungsweise ihrem Partner zusammen sind UND
    • in den letzten 6 Monaten eine persönliche, unfaire und tiefgreifende Verletzung durch ihre Partnerin beziehungsweise ihren Partner erlitten haben (zum Beispiel hat die Partnerin bzw. der Partner etwas verheimlicht oder gelogen; ein Versprechen nicht eingehalten; sich respektlos verhalten; keine oder zu wenig Unterstützung geleistet; vor anderen Personen abwertend über die andere bzw. den anderen gesprochen; ist fremdgegangen; und vieles mehr …) UND
    • ihrer Partnerin bzw. ihrem Partner bereits vergeben haben UND
    • die Einwilligungserklärung der Onlinebefragung verstanden haben und dieser zustimmen UND
    • die Datenschutzerklärung der Onlinebefragung gelesen haben und sich mit dieser einverstanden erklären.

    Hier gelangen Sie direkt zur Onlinebefragung.

    Weitere Hinweise zur Teilnahme:

    Um an der Onlinebefragung teilnehmen zu können, müssen zwingend alle der genannten Teilnahmevoraussetzungen erfüllt sein. Damit es sich um eine möglichst repräsentative Onlinebefragung handelt, können sehr gerne auch Personen teilnehmen, die nicht studieren.

    Die Teilnahme an der Onlinebefragung nimmt etwa 30 Minuten Zeit in Anspruch. Eine Teilnahme ist so lange möglich, bis insgesamt etwa 150 Personen an der Onlinebefragung teilgenommen haben.

    Hier gelangen Sie direkt zur Onlinebefragung.

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    news-18056 Mon, 30 Dec 2019 16:26:00 +0100 „Das Besondere am Zentrum für Digitalen Wandel ist die Interdisziplinarität“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/das-besondere-am-zentrum-fuer-digitalen-wandel-ist-die-interdisziplinaritaet/ Als Geschäftsführerin des Zentrums für Digitalen Wandel hat Dr. Bianca Burgfeld-Meise ihre Arbeit aufgenommen. Im Gespräch gibt die Medienwissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit. Das Zentrum erarbeitet aktuell verschiedene Aktivitäten, um den Austausch und die Vernetzung an der Universität und in der Region Hildesheim im Kontext des Digitalen Wandels zu unterstützen. Im Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive.

    Kontakt bei Fragen:
    Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change
    Geschäftsführerin Dr. Bianca Burgfeld-Meise
    burgfeldmeise@uni-hildesheim.de

    Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change

    Interview mit Dr. Bianca Burgfeld-Meise

    Frau Dr. Burgfeld-Meise, Sie sind neu an der Universität Hildesheim und arbeiten als Geschäftsführerin des Zentrums für Digitalen Wandel / Center for Digital Change. Worauf freuen Sie sich?

    Themen der Digitalisierung beschäftigen mich schon seit Beginn meiner wissenschaftlichen Karriere. So zum Beispiel in meiner Dissertation zur Konstruktion von Sozialität in Social Network Sites, dann im vom BMBF geförderten Digital Humanities-Projekt „Zentrum Musik – Edition – Medien“ und zuletzt im BMBF-Projekt „DigHomE Digital Home Learning Environment“. Auch in der Lehre im Arbeitsbereich Medienpädagogik und empirische Medienforschung habe ich mit den Studierenden viele Digitalisierungsphänomene besprochen, zuletzt das Verhältnis von Medien, Digitalisierung und Bildung.

    Das Zentrum bietet dementsprechend für mich die Möglichkeit meine bisherigen wissenschaftlichen Erfahrungen und Expertisen einzubringen und in Abstimmung mit dem Vorstand sowie den unterschiedlichen Fachbereichen, Instituten und Einrichtungen der Universität ein Zentrum aufzubauen, welches auf Dauer Themen der Digitalisierung an der Universität verankert. Die Universität Hildesheim hat mit der Gründung des Zentrums erkannt, wie wichtig der interdisziplinäre Austausch in Digitalisierungskontexten ist. Viele Ausschreibungen aus der Forschungsförderung sehen mittlerweile fächerübergreifende Forschungskonsortien vor. Diese können sich natürlich für jede Ausschreibung ad hoc zusammenfinden, jedoch finde ich es sehr bereichernd grundsätzlich interdisziplinär verbunden zu sein und die Diskussion mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Fachbereiche zu suchen und zu pflegen, um neue Sichtweisen und Blickwinkel auf Phänomene einnehmen zu können. Das hat auch enorme Vorteile bei der Identifizierung und Ausarbeitung neuer Forschungsbereiche und Forschungsförderungen. Ich habe in den ersten Tagen an der Universität durch Besuche in Instituten, Fachbereichen und Ringvorlesungen schon einige Einblicke über die facettenreiche Diskussion von Digitalisierungsthemen aus den unterschiedlichsten Disziplinen gewinnen dürfen. Ich freue mich schon sehr darauf, diese Einblicke zu vertiefen und die jeweiligen Perspektiven auf Digitalisierungsthemen näher kennenzulernen. Darüber hinaus ist es eine wunderbare Herausforderung, dieses Zentrum mit den unterschiedlichen Akteuren gemeinsam aufzubauen und weiterzuentwickeln.

    Als Medienwissenschaftlerin haben Sie sich mit sozialen Netzwerken befasst. Im Zentrum arbeiten technische und Geisteswissenschaften zusammen. Was ist besonders am Zentrum für Digitalen Wandel?

    Das Besondere ist die Interdisziplinarität. Sehr beeindruckend ist daher für mich auch die interdisziplinäre Zusammensetzung des Vorstands und die gemeinsame, sehr produktive  Arbeit, die bislang geleistet wurde. Dabei möchte ich die Vorstandsmitglieder unterstützen und denke, da gute Anknüpfungsangebote anbieten zu können: Mein medienwissenschaftliches Studium war mit Anteilen aus der Ökonomie, Informatik und Medien- sowie Kulturwissenschaft bereits interdisziplinär ausgerichtet. Diese Interdisziplinarität hat mich auch in Projekten mit Wissenschaftlerinnen aus der Informatik, aus den Ingenieurswissenschaften, der Architektur, der Ökonomie, der Philosophie, der Psychologie und auch der Musik- und Medienwissenschaft begleitet.

    Interdisziplinarität ist m. E. sehr bereichernd, aber auch kein Selbstläufer und gestaltet sich hier und da als Herausforderung. Daher soll das Zentrum mit einer Brückenfunktion diese Interdisziplinarität im Kontext des Digitalen Wandels an der Universität verankern. Dies betrifft aber nicht nur die vier verschiedenen Fachbereiche und die Institute, sondern ebenso die zentralen Einrichtungen wie die unterschiedlichen Zentren der Universität, die zentrale Wissenschaftsadministration bis hin zu den Unternehmen in der Region und ihre Bürgerinnen und Bürger. Phänomene der Digitalisierung werden in all diesen Bereichen ihre ganz besonderen Potenziale aber auch Herausforderungen mit sich bringen. Hier sind stetige Austauschprozesse, Expertisen und Strategien gefordert, um den vielfältigen Veränderungsprozesse nicht nur ausgesetzt zu sein, sondern um diese auch mitgestalten und ihnen selbstbewusst begegnen zu können.

    Was gehört zum Beispiel zu Ihren Tätigkeiten in dem Forschungszentrum?

    Ich denke die Schwerpunkte meiner Arbeit werden sich mit der Entwicklung des Zentrums immer mal wieder etwas verändern. Derzeit geht es erst einmal darum, den wissenschaftlichen Austausch auch digital zu unterstützen. Dazu entwickeln wir gerade mit dem Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik ein interaktives Internetportal.

    Darüber hinaus erarbeiten wir gemeinsam mit dem Dezernat für Studienangelegenheiten ein Dachzertifikat mit dem Titel „Kompetenzen für den Digitalen Wandel“. Da so viele Fachbereiche und Institute spannende Lehrangebote in diesem Bereich anbieten, entwickeln wir eine Zertifikatsordnung, die die einzelnen Fachbereiche und Institute dann für Ihre Schwerpunkthemen nutzen können.

    Aber auch Veranstaltungskoordination gehört mit zu meinen Tätigkeiten: der interdisziplinäre Austausch soll auch durch den persönlichen Austausch unterstützt werden: Dazu ist eine interne Tagung zum Digitalen Wandel an der Universität Hildesheim, eine Präsentations-/Leseveranstaltung sowie eine Ringvorlesung in Planung. Zudem forsche ich persönlich auch weiterhin an Digitalisierungsthemen. Derzeit bereite ich einen Aufsatz zur interdisziplinären Softwareentwicklung in den Digital Humanities und einen Vortrag zu Selbstoptimierungstechnologien im Spannungsgefüge von Kontrolle und Selbstermächtigung vor.

    Welche Rolle spielt der Transfer?

    Der Transfer spielt eine wichtige Rolle. Dies betrifft nicht nur die Vernetzung mit den Unternehmen in der Region, sondern ebenso zur Stadt und zum Kreis Hildesheim sowie der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern. Die Universität bietet durch Forschung, Verwaltung und Lehre der Stadtgesellschaft sicherlich neue Perspektiven durch Forschungsergebnisse, neue Verfahren oder Diskussionsangebote. Ebenso ist es aber gerade im Zuge des Digitalen Wandels wichtig wie Digitalisierung sich auf Arbeit, Wohnen und das gesamte soziale Leben auswirkt. Daher ist eine enge Kooperation von Universität und Stadtgesellschaft für alle Beteiligten ein großer Gewinn.

     Die Fragen stellte Isa Lange.

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    news-18051 Wed, 18 Dec 2019 09:38:17 +0100 Universität Hildesheim erhält Millionenförderung für Gründungsunterstützung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-erhaelt-millionenfoerderung-fuer-gruendungsunterstuetzung/ Ab 2020 erhält die Universität Hildesheim die Summe von fast 2 Mio. Euro verteilt auf vier Jahre für den Aufbau und die Etablierung einer eigenen Gründungsförderung. Eine neue „Kompetenzwerkstatt für Entrepreneurship und Transfer (KET)“ soll in Hildesheim zukünftig Professorinnen und Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Studierende in ihren Gründungsvorhaben professionell beraten und unterstützen. Die Entscheidung in Berlin ist gefallen – Bei einem großen Festakt in der Hauptstadt wurde Anfang Dezember 2019 bekannt gegeben, welche Projektanträge beim bundesweiten Wettbewerb EXIST-Potentiale zur Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium ausgewählt wurden.

    Eine Rekordzahl von 220 Universitäten und Hochschulen hatte sich mit ihren Konzepten für Gründungsförderung beworben. Die Besten in den Schwerpunkten „Potentiale heben“, „Regional vernetzen“ und „International überzeugen“ wurden von Expertenjurys für eine Förderung aus dem mit 150 Mio. Euro dotierten Unterstützungsprogramm des Ministeriums ausgewählt.

    Hinter dem Antrag steckt eine in Sachen Gründungen enorm engagierte Gruppe um  Dr. Astrid Lange, die Gründungsbeauftragte der Universität Hildesheim und Kopf des Antragsteams, der Hildesheimer Wirtschaftswissenschaftler und Projektleiter Professor Athanassios Pitsoulis sowie die Stabsstellenleiter Dr. Johanna Jobst und Markus Weißhaupt.

    Das KET-Gründungslabor berät ab Frühjahr 2020 Professorinnen und Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Studierende bei ihren Gründungsvorhaben

    Ab Projektbeginn 2020 erhält die Universität Hildesheim verteilt auf vier Jahre die Summe von fast 2 Mio. Euro für Maßnahmen, um unternehmerisches Potential zu erschließen und Gründungsnetzwerke weiterzuentwickeln. Eine neue „Kompetenzwerkstatt für Entrepreneurship und Transfer (KET)“ soll zukünftig Gründungsvorhaben von Professorinnen und Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vor allem Studierenden professionell beraten und unterstützen.

    „Wir wollen die Potentiale, die hier in Hildesheim sind, heben. Mit der KET-Werkstatt bauen wir eine Infrastruktur für Gründungsteams auf. Ein Labor entsteht, in dem sich Gründungsteams aller Fachbereiche treffen und austauschen können und Beratung erhalten“, sagt die preisgekrönte Entrepreneurship-Forscherin Dr. Astrid Lange.

    Gründungsteam der Universität Hildesheim arbeitet eng mit Partnern in der Region zusammen

    Die KET wird dabei eng mit dem erfolgreichen Gründer-Ökosystem der Region Hildesheim zusammenarbeiten. Unterstützung für das Antragsteam gab es nicht nur von Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich und der gesamten Hochschulleitung, sondern auch vom Land. Niedersachsen übernimmt den nicht unerheblichen Eigenanteil, den die Bewerber erbringen müssen. „Ich gratuliere den Hochschulen zu ihren gelungenen Anträgen“, so Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler. „Wir brauchen innovative Startups in Niedersachsen. Sie tragen wesentlich zum wirtschaftlichen Wachstum bei und helfen uns mit ihren Innovationen, die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels zu meistern.“

    Von der Förderung profitieren nun an der Universität Hildesheim die Professorinnen und Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Studierende in allen Fachbereichen, denn sie können zukünftig bei Gründungsvorhaben mit professioneller Unterstützung rechnen.

    Das Labor soll im Frühjahr 2020 starten. „Die Gründungsberatung muss vor Ort an der Universität sichtbar sein. Das können wir nun mit der KET realisieren. Wer die Idee hat, zu gründen, etwa als Studierender oder aus einem Forschungsprojekt, einer Dissertation oder Masterarbeit heraus – von Fachübersetzen über Bildungswissenschaften, Sozialpädagogik, Kultur und Philosophie bis zu Wirtschaft und Informatik –, kann sich an uns wenden. Wir nehmen die Gründungsideen ernst“, sagt Professor Athanassios Pitsoulis. Es gebe bereits Gründungsteams, „die in den Startlöchern stehen“.

    „Wir wollen Mut machen und dabei unterstützen, Gründungsprojekte nachhaltiger und überlebensfähiger zu gestalten“, sagt Forschungsreferent Markus Weißhaupt. So können sich Gründungsinteressierte beispielsweise auf die begehrten EXIST-Gründungsstipendien bewerben.

    „Wenn die Gründungsberatung vor Ort fehlt, dann wandern potentielle Gründerinnen und Gründer in andere Regionen ab. Ich habe das selbst erlebt, ich studiere in Hildesheim und habe in Hannover an drei Start-Ups mitgewirkt, weil in Hildesheim die Strukturen fehlten. Nun entwickelt sich in Hildesheim die Gründerszene und ich kann hier in der Arbeitsgruppe Entrepreneurship der Universität mitwirken“, sagt Lukas Sontheimer. Er studiert „Internationales Informationsmanagement“ und hat mit der Psychologiestudentin Rebecca Neugebauer an dem Projektantrag für die KET mitgewirkt.

    Kontakt: Wer Fragen zu dem Projekt hat, erreicht Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis unter der Telefonnummer 05121 883 40642.

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    news-17978 Mon, 16 Dec 2019 10:06:00 +0100 Professorin für Gender und Bildungskulturen: Britta Hoffarth https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professorin-fuer-gender-und-bildungskulturen-britta-hoffarth/ Professorin Britta Hoffarth leitet das Zentrum für Geschlechterforschung. Während einer internationalen Tagung im Januar 2020 debattieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Stockholm, Sydney und Northampton, Massachusetts über das Zusammenwirken von Technologie, Medialität und Geschlechterordnungen. Die Erziehungswissenschaftlerin Britta Hoffarth forscht und lehrt als Professorin für Gender und Bildungskulturen am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Internationale Tagung zu Technologie, Medialität und Geschlechterordnungen

    Im Januar 2020 lädt Professorin Britta Hoffarth zur dritten, diesmal internationalen Jahrestagung des Zentrums für Geschlechterforschung nach Hildesheim ein. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Stockholm, Sydney und Northampton, Massachusetts, debattieren über das Zusammenwirken von Technologie, Medialität und Geschlechterordnungen.

    Die Vorträge befassen sich zum Beispiel mit den Themen „Eine gute Mutter sollst du sein! Zur Vergeschlechtlichung von Handlungsanweisungen in Gesundheitsratgebern“, „Gender und sexuelle Identität im Spannungsfeld extrem rechter und rechtspopulistischer Ideologien“, „Aufführungen von Geschlechtlichkeit in (post-)digitalen Jugendkulturen“ und „Jungenliteratur als Medium einer ge-schlechtsspezifischen Sozialisation“. Die Konferenz „Feministische Perspektiven auf Medien“ ist öffentlich, eine Anmeldung ist erforderlich.

    Program und Anmeldung zur Konferenz

    Universitätsprofessorin für Gender und Bildungskulturen: Prof. Dr. Britta Hoffarth

    Prof. Dr. Britta Hoffarth forscht und lehrt als Universitätsprofessorin für Gender und Bildungskulturen am Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft, der Universität Hildesheim. Zu den Arbeitsschwerpunkten der Professorin  gehören Geschlecht, Medien und Körper. Aktuell stehen die Untersuchung von Hate Speech in digitalen Medien im Mittelpunkt ihres Forschungsinteresses. Britta Hoffarth leitet das Zentrum für Geschlechterforschung an der Universität Hildesheim, in dem Inhalte der Geschlechterforschung (ZfG) der Universität gebündelt und national und international vernetzt werden.

    Britta Hoffarth wurde 1975 im sauerländischen Arnsberg geboren und studierte Pädagogik an der Universität Bielefeld. Sie promovierte mit einer Arbeit über „Performativität als medienpädagogische Perspektive“. Hoffarth arbeitete als Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld mit den Schwerpunkten Kulturarbeit und Soziale Arbeit, war Gastdozentin der School of Education der University of Sheffield in Großbritannien, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs „Bildungstheorie und kulturwissenschaftliche Bildungsforschung“ der Universität Halle/Wittenberg und Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Frankfurt. Sie vertrat die Professur für Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Migrationspädagogik und Kulturarbeit der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld.

    2017 folgte die Habilitation an der Universität Frankfurt mit der Arbeit „Profane Praktiken. Dekorative Körpertechniken in der weiblichen Adoleszenz unter bildungstheoretischer Perspektive“.

    Warum sie sich für Hildesheim entschieden hat, begründet die Professorin so: „Hildesheim bietet einen gut vernetzten Schwerpunkt transdisziplinärer Geschlechterforschung, in dem Forschung zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen geleistet wird.“

    Im Wintersemester lehrt Professorin Britta Hoffarth zum Beispiel zentrale Begriffe und Problemstellungen der Erziehungswissenschaft in der Vorlesung „Einführung in die Erziehungswissenschaft“. Außerdem veranstaltet sie gemeinsam mit dem Gleichstellungsbüro sowie Kolleginnen aus dem Institut Erziehungswissenschaft und dem Institut Sozial- und Organisationspädagogik die öffentliche Ringvorlesung „Digitalität, Geschlecht und Macht“. Digitale Technologien und neue Medien durchdringen zunehmend den gesamten Alltag – mit weitreichenden Veränderungsprozessen in allen Lebensbereichen. Geschlecht wird dabei kaum als ein wichtiger Faktor in der Erforschung von Digitalisierungsprozessen berücksichtigt. In der Ringvorlesung „Digitalität, Gender und Macht“ werden Fragen diskutiert wie zum Beispiel: Warum  werden Dienstleistungs- und Pflegeroboter mit weiblichen und Sicherheitsroboter mit männlichen Attributen ausgestattet? Welche sozialen Konsequenzen hat die Digitalisierung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen? Welche Verschiebungen ergeben sich für das Verständnis von Öffentlichkeit?

    Antrittsvorlesung

    Die Erziehungswissenschaftlerin Britta Hoffarth hält am Mittwoch, 11. Dezember 2019, ihre Antrittsvorlesung. Die Professorin für Gender und Bildungskulturen spricht über das „Anders Werden“ und gibt Einblicke in ihre Forschung an der Universität Hildesheim. Die öffentliche Antrittsvorlesung „Anders Werden“ beginnt um 18:00 Uhr im Musiksaal (Gebäude K) am Hauptcampus der Universität Hildesheim.

    „Die Vorlesung widmet sich einem Nachdenken über das ‚Anders Werden‘. Damit sind zwei grundlegende erziehungswissenschaftliche Problemstellungen angedeutet: Erstens die des Werdens als individuelle wie auch gesellschaftliche Facette des Heranwachsens, des sozialen Wandels, der Veränderung und zweitens die Facette von Andersheit als Differenz, die für die Annahme von Transformationen bedeutsam ist und ebenso ein Moment sozialer Machtverhältnisse kennzeichnet“, sagt Britta Hoffarth.

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    news-17862 Mon, 16 Dec 2019 09:10:00 +0100 Erstmals Master Lehramt Informatik für Haupt-, Real- und Oberschulen in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/erstmals-master-lehramt-informatik-fuer-haupt-real-und-oberschulen-in-niedersachsen/ Das Team der Lehrenden in der Informatikdidaktik wächst: Dr. Bernadette Spieler forscht und lehrt seit November 2019 an der Universität Hildesheim. Im Interview gibt die Informatikerin Einblicke in ihre Arbeit. Die Universität Hildesheim bildet als eine der wenigen Hochschulen in Niedersachsen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer für Haupt-, Real- und Oberschulen aus. Informatik durchdringt alle Lebensbereiche. Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim weist darauf hin, dass es unsere Aufgabe als Gesellschaft ist, Schülerinnen und Schülern eine  informatische Grundkompetenz zu vermitteln. Sie können lernen, algorithmische Denkweisen zu verstehen und kritisch damit umzugehen. Nicht jedes Kind muss Programmierer oder Programmiererin werden, aber alle Heranwachsenden sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie Algorithmen funktionieren und welche Auswirkungen Technik haben kann. Ansonsten sind sie der Technik machtlos ausgeliefert.

    Im Interview gibt Dr. Bernadette Spieler Einblicke in die Ausbildung von Informatiklehrerinnen und Informatiklehrern. Die Informatikerin forscht und lehrt seit November 2019 am Institut für Mathematik und Angewandte Informatik,  leitet dort die neu gegründete Abteilung für Didaktik der Informatik und erfüllt alle Aufgaben der Professur für Didaktik der Informatik an der Universität Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hat zuvor an der Technischen Universität Graz am Institut für Softwaretechnologie in Österreich gearbeitet.

    Interview mit Dr. Bernadette Spieler

    „Wir können Kindern spielerisch und kreativ informatische Grundkonzepte, wie zum Beispiel Binärcodes oder Algorithmen, vermitteln“

    Frau Dr. Spieler, Sie sind selbst Informatikerin, kommen aus der Softwareentwicklung. Was fasziniert Sie am Fach Informatik?

    Die Informatik erlaubt es, eigene Ideen zu entwickeln, diese kreativ umzusetzen und sich dabei vielseitiger Technologien zu bedienen. Sie bietet laufend spannende  Herausforderungen, daher gibt es in diesem Bereich immer wieder Neues zu erforschen, auszuprobieren und zu lernen. In der Informatik verschwimmen die Grenzen verschiedener Fachbereiche miteinander und neben digitalen Kompetenzen sind Unternehmen auf diverse Teams angewiesen, welche kreative Ideen und die Innovationen der Zukunft steuern. Die Jobs von morgen werden nicht nur weitreichend digital und vernetzt sein, sondern erfordern das Entwickeln von Problemlösungskompetenzen und die Fähigkeit kritisch zu hinterfragen, zu deuten und bewerten zu können. Dies bildet die Basis des Informatikunterrichts und vor allem viele Anreize für Begeisterung.

    Und wie bringt man diese Begeisterung Kindern bei?

    In erster Linie möchte ich meine eigene Begeisterung weitergeben und vor allem aufzeigen, wie einfach es sein kann selbst etwas zu entwickeln und seine eigenen Ideen zu verwirklichen und dass Programmieren und die Informatik nicht schwierig sein müssen. Ich möchte Jugendliche bestärken, sich mehr mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen und ihnen neue Wege durch die Informatik eröffnen, sowie einen spielerischen Ansatz in die Welt der Programmierung vermitteln. Jugendliche und vor allem Mädchen bekommen meist nicht die Chance für die Informatik interessiert oder motiviert zu werden. Vor allem der Informatikunterricht variiert sehr von Schule zu Schule und Programmieren nimmt im Vergleich zu anderen Inhalten oft wenig Platz ein. Junge Erwachsene wissen oft nicht, was eigentlich hinter der Technik, die sie tagtäglich wie selbstverständlich nutzen, steckt. Hier ist es mir wichtig, ein umfassendes Bild der Informatik zu vermitteln und diesen Weg als ein mögliches und vor allem zukunftsträchtiges Berufsbild zu präsentieren.

    Sie haben zuvor an der Technischen Universität Graz gearbeitet, sind nun von Österreich nach Hildesheim gezogen, um hier zu forschen und zu lehren. Warum haben Sie diese Entscheidung getroffen – warum Hildesheim?

    Mein Ziel ist es, meine Erfahrungen und Erkenntnisse im Bereich der Informatikdidaktik und Gender&Diversität sinnvoll einsetzen zu können, um allen Jugendlichen die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten am Arbeitsmarkt zu nutzen und sich weiterbilden zu können. Durch die Erforschung neuer Konzepte und Standards im Bereich der Informatischen Bildung, möchte ich meinen Teil zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen beitragen. Die Universität Hildesheim bietet mir hier nicht nur ein spannendes Berufsfeld, sondern gibt mir auch die Möglichkeit, die Informatikdidaktik an Schulen zu stärken und zu Verbesserungen im Bildungswesen beizutragen. Die Universität Hildesheim hat frühzeitig erkannt, wie wichtig es ist die zukünftigen Informatikleherinnen und Informatiklehrer bestmöglich auszubilden.

    Womit befassen Sie sich Ihrer Forschung und Lehre? Sie haben in Projekten zu den Themen „Computer Science for all“, „Girls Coding Week“ und „Women & Technology“ gearbeitet.

    Ich sehe es als meine Aufgabe, Jugendliche und vor allem junge Mädchen für die Technik zu begeistern und vorzubereiten. Ich selbst hatte das Glück, dass ich nicht nur den Rückhalt aus meiner Familie erhalten, sondern auch eine motivierte Informatiklehrerin gehabt hatte. Ich glaube, dass vor allem junge Frauen oft sehr unsicher sind, ob sie in diesen, doch noch sehr männerdominierten, Bereich passen. Wenn Frauen aber in diesem Berufsfeld nicht einbezogen werden, haben sie keine Chance eine tragende Entscheidungsrolle in der Umsetzung von Innovationen, Projekten und Forschungen einzunehmen und daher werden diese Entwicklungen weitestgehend ohne ihre Beteiligung durchgeführt. Es geht darum, Angebote öffentlich sichtbarer zu machen und ihnen die Chance zu geben, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft zu leisten. Aus diesem Grund möchte ich auch gerne neue Angebote und Anreize für Frauen und Mädchen an der Universität Hildesheim eröffnen. Im Sommersemester 2020 biete ich im Master für alle Informatik- und Informatik-Lehramtsstudierenden auch ein Seminar zum Thema „Gender und Diversity-Aspekte der Informatik und Informatik-Didaktik" an.

    Lehrerinnen und Lehrer für das Schulfach Informatik fehlen. Die Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen aus. Neben Programmieren und Datenbanken gehören zum Beispiel Algorithmen, Datenstrukturen und Medieninformatik zum Bachelorstudium. Nun starten im Wintersemester 2019/20 die ersten Masterstudierenden in das Lehramt Informatik in Hildesheim. Was steht im ersten Masterjahr zum Beispiel auf dem Stundenplan der Studierenden?

    Ich unterrichte vor allem Fächer zur Vermittlung der Informatik – vertiefende Elemente der informatischen Bildung. Neben Vorlesungen stehen auch Seminare und Übungen auf dem Lehrplan. Auf der einen Seite ist es wichtig, selbst auszuprobieren und zu experimentieren, um unterschiedliche Fähigkeiten und Talente von Schülern und Schülerinnen zu aktivieren. Auf der anderen Seite sollen die fundamentalen Ideen der Informatik vermittelt sowie die oftmals genannten „Computational Thinking Skills” angeregt werden. Folglich möchte ich unterschiedliche Tools in meine Lehre integrieren, wie die am Institut für Softwaretechnologie der TU Graz entstandene Lernapp Pocket Code (https://catrob.at/pc), aber auch kleine leistungsfähige Microcontroller wie BBC Micro:Bit, Arduino oder Raspberry Pi. Diese bieten umfangreiche Funktionen und sorgen für Spaß und Unterstützung bei der Aneignung von Programmierkenntnissen. In erster Linie steht aber nicht das Tool selbst im Vordergrund, sondern wie und welche Konzepte damit vermittelt werden sollen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es,  die Vielfalt zu präsentieren, damit die zukünftigen Lehrenden ein umfassendes Verständnis und Repertoire erhalten, aus dem sie wählen können. Daneben stehen auch „unplugged“-Aufgaben am Lehrplan – das sind Informatik-Aktivitäten, welche ohne die tatsächliche Verwendung eines Computers auskommen. Diese vermitteln spielerisch und kreativ informatische Grundkonzepte, wie zum Beispiel Binärcodes oder Algorithmen und stellen Konzepte so greifbarer für Kinder dar.

    Eine Praxisphase gehört zum Studium. Wie kombinieren die Informatikstudierenden Theorie und Praxis, wie arbeitet die Universität im Lehramtsfach Informatik mit regionalen Schulen zusammen?

    Die Praxisphase der Studierenden im Master wird sich über drei Semester erstrecken: ein Vorbereitungsseminar, ein Praxisblock an den Schulen mit einem Begleitseminar an der Universität und ein Nachbearbeitungsseminar. Im jetzigen Wintersemester starte ich das Vorbereitungsseminar gemeinsam mit Herrn Stephan Kreuzkam. Er ist Informatiklehrer  an der Oberschule Bockenem und begleitet die Studierenden in der Rolle des „Lehrerbeauftragten in der Praxisphase“ kurz LiP. Wir werden auch gemeinsam das Vorbereitungsseminar an der Universität Hildesheim leiten. Hier können die Studierenden Lehrpläne und Unterrichtseinheiten entwickeln und deren Umsetzung praktisch erproben.

    Sie arbeiten im Arbeitskreis Informatik. Wer ist daran beteiligt, was ist das Ziel?

    Der Arbeitskreis „Schulen im Digitalen Wandel“ umfasst die Projektgruppe Medienbildung des Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) an der Universität Hildesheim und setzt sich zusammen aus Nicole Ude, Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme, Dr. Candy Walter und Dr. Hartmut Schröder. Ziel dieses Arbeitskreises ist es, Schulen in den Anforderungen, welche der digitale Wandel mit sich bringt, bestmöglich zu unterstützen. Dafür soll der Arbeitskreis ein Forum bieten, um gemeinsam über Bedarfe, Anforderungen, bildungspolitische Vorgaben, Kompetenzmodelle, Materialien, Medien und vieles mehr zu informieren, auszutauschen und zu diskutieren. Direkt an den Schulen oder an der Universität Hildesheim werden dafür monatlich Veranstaltungen durchgeführt, welche Good-practice Beispiele, Erfahrungen und auch Fortbildungen bereitstellen. Gerade habe ich Einblicke in „Spielerische Aktivitäten mit Smartphones im Schulkontext“ gegeben.

    Woher kommen denn die gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer für Informatik an Schulen? Wie wird das Thema an den Universitäten bearbeitet?

    Ich habe speziell in Österreich die Erfahrungen gemacht, dass leider zu wenige gut ausgebildete Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer an den Schulen vorhanden sind. Informatik wird zwar an vielen Neuen Mittelschulen (ehem. Hauptschulen) schulautonom unterrichtet, es fehlt aber an einer fundierten flächendeckenden Aus- oder Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer. Was dies für die Qualität des Unterrichts bedeutet kann man sich leicht vorstellen. Viele Informatiklehrende haben in Österreich keine grundlegende Informatikausbildung durchlebt, sondern ihre Kenntnisse durch Weiterbildungsangeboten in ihrem eigenen Ermessen erworben. Leider sind viele Lehrkräfte mit der Thematik „Neue Medien“ und deren Auswirkungen überfordert. Es fehlt ihnen in diesem sich rasant entwickelnden Gebiet an allgemeinem, technischem und rechtlichtem Wissen. Daher müssen attraktive Fortbildungsmaßnahmen für bestehende Lehrerinnen und Lehrer entwickelt und angeboten, sowie zukünftige Informatiklehrende bestmöglich vorbereitet werden.

    Die Digitalisierung dringt in alle Lebensbereiche ein, in Politik, Wirtschaft, Kultur. Gesellschaftlich wird viel über den Einsatz von Technologie, über soziale Netzwerke, die den Nährboden für Hasskommentare bilden, diskutiert. Wie gehen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer mit den Auswirkungen der Technologie auf die Gesellschaft um? Sind auch ethische Fragen Teil des Studiums?

    Der kompetente und aufgeklärte Umgang mit Medien ist eine grundlegende Voraussetzung, um erfolgreich an der Wissensgesellschaft teilnehmen zu können. Die Digitalisierung ist ein nicht aufzuhaltender Prozess. Für Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer ist es daher wichtig, junge Menschen mit dem Grundwerkzeug auszustatten, sich in einer immer vernetzen und digitale Welt zurecht zu finden. Im Masterstudium finden die angehenden Informatiklehrer und Informatiklehrerinnen daher auch das Fach „Informatik und Gesellschaft“, in welchem ethische, gesellschaftspolitische und rechtliche Implikationen verschiedener Bereiche und Anwendungen der Informatik analysiert werden, insbesondere im Hinblick auf ihre berufliche Verantwortung als zukünftige Lehrenden.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Kurz erklärt:

    Lehramtsfach Informatik in Hildesheim: Programmieren, Datenstrukturen und Robotik auf dem Stundenplan

    Die Niedersächsische Landesregierung hat 2015 beschlossen, das Fach Informatik künftig auch an Hauptschulen und Realschulen einzuführen und seit dem Studienjahr 2016/17 die Universitäten Hildesheim und Oldenburg beauftragt, das Lehramt Informatik an Haupt- und Realschulen in Niedersachsen einzurichten. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik seit 2016 nicht nur für Studienanfängerinnen und Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrkräfte. 

    Die ersten Bachelorstudierenden haben ihr Studium im Sommersemester 2019 abgeschlossen, die ersten Masterstudierenden im Lehramt Informatik bildet die Universität Hildesheim seit dem Wintersemester 2019/20 aus.

    Insgesamt 42 Lehramtsstudierende im Fach Informatik bildet die Universität Hildesheim im Bachelor und Masterstudium im Wintersemester 2019/20 aus. „Wir wünschen uns, dass sich noch mehre junge Menschen für das Lehramtsfach Informatik entscheiden“, sagt Professor Klaus-Jürgen Förster.

    Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium in Hildesheim. Die Lehramtsstudierenden wählen Schwerpunkte wie Maschinelles Lernen, Softwareentwicklung, Robotik oder Wirtschaftsinformatik. Sie kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

    Die Lehramtsstudierenden besuchen Vorlesungen und Seminare zum Teil gemeinsam mit den etwa 800 IT-Studierenden aus den IT-Studiengängen „Angewandten Informatik“, „Informationsmanagement und Informationstechnologie“, „Wirtschaftsinformatik“ und „Data Analytics“ und sind damit nah dran an den aktuellen fachwissenschaftlichen Themen. Hinzu kommen Lehrveranstaltungen in den Bereichen Didaktik, Erziehungswissenschaft und Psychologie sowie Schulpraktika.

    Die Studierenden befassen sich im Studium mit Grundlagen der Informatik: Wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen? Wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

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    Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-18007 Fri, 13 Dec 2019 09:47:00 +0100 Nach neun Monaten Professor: Fachkommunikationswissenschaftler Thorsten Dick https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/nach-neun-monaten-professor-fachkommunikationswissenschaftler-thorsten-dick/ Während der universitätsweiten Promotionsfeier wurden 60 Doktorandinnen und Doktoranden aller Fachbereiche geehrt. Unter den Promovierenden ist auch Thorsten Dick, der gerade einen rasanten Karrieresprung als Wissenschaftler macht. Der Fachkommunikationswissenschaftler hat Ende Januar 2019 seine Doktorarbeit an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen. Gerade einmal neun Monate später erhielt sein Doktorvater Professor Klaus Schubert die erfreuliche Nachricht, dass sein ehemaliger Doktorand zum November 2019 auf eine Professur an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen berufen wurde. Im Interview verrät Thorsten Dick, was ihn in der Forschung antreibt. Interview mit Prof. Dr. Thorsten Dick

    Herr Professor Dick, Sie haben Anfang des Jahres Ihre Doktorarbeit in der Disputation an der Universität Hildesheim verteidigt. Nach nur neun Monaten sind Sie auf eine Professur berufen worden. Haben Sie schon durchatmen können, sind Sie erstaunt, wie rasant der Karrieresprung verläuft?

    Tatsächlich ging alles sehr schnell. Nachdem ich 2014 meine Stelle in der freien Wirtschaft aufgegeben hatte, betrat ich die akademische Welt durchaus mit dem Ziel einer Professur. Solch ein Vorhaben kann in der Praxis jedoch mit Tücken behaftet sein. Hier konnte ich sehr von der akademischen wie persönlichen Begleitung durch meine Doktoreltern Prof. Dr. Klaus Schubert und Prof. Dr. Bettina Kluge profitieren, die neben dem Großprojekt Promotion stets auch meinen weiteren Weg im Blick hatten. Intensiv in Erinnerung geblieben ist mir der Dezember 2018: Die Ausschreibung für die Professur war gerade veröffentlicht und nun galt es, parallel zur Vorbereitung auf die Disputation Bewerbungsunterlagen in der erforderlichen Güte zu erstellen. Nach der erfolgreichen Disputation Ende Januar 2019 stand neben der Vorbereitung der Probevorlesung dann die Aufbereitung meiner Dissertation zum Manuskript für die Publikation an. Neun Monate später scheinen die damaligen Mühen in weiter Ferne und ich freue mich auf die Herausforderungen, die meine neue Position mit sich bringt.

    In ihrer Dissertation am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation setzen Sie sich mit dem Thema „Fachlich kommunizieren mit sich selbst“ auseinander. Sie untersuchen Notizen, die technische Redakteure bei ihrer Recherche anfertigen und dann später selbst benutzen. Eine Erkenntnis, zu der Sie kamen?

    Eine Erkenntnis, zu der ich in meiner Dissertation kam, lautet, dass der Prozess der Notizenerstellung lange vor der eigentlichen Notizennahme beginnt und nicht mit der vollständig abgearbeiteten Notiz endet. Eine Recherchenotiz verhält sich anders als eine Einkaufsliste, die en passant erstellt, im nächsten Schritt rezipiert und anschließend entsorgt wird. Recherchenotizen als Form der schriftlichen Kommunikation mit sich selbst bieten Möglichkeiten der Kommunikationsoptimierung, die in der interpersonalen schriftlichen Kommunikation nicht gegeben sind.

    Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist es wichtig, in diesem Bereich zu forschen?

    Gerade in der aktuellen Übergangsphase, in der sich die papiergebundene technische Dokumentation im Rückzug befindet und digitale Informationsprodukte in den Vordergrund treten, ist eine wissenschaftliche Begleitung notwendig. Hier ist einerseits der Blick auf die technische Redaktion und ihre sich im Wandel befindenden Prozesse möglich, und andererseits jener auf die Rezipient/inn/en mit ihren dynamischen Anforderungen bei der Verwendung digitaler Informationsprodukte. Damit einher geht, dass praktische Fachkommunikation wechselseitig wird: Produktnutzer/innen können heute Rückmeldungen zu Verstehensschwierigkeiten bei der Rezeption anleitender Texte und der Bedienung von Produkten geben. Diese Rückmeldungen sollten in Redaktionsprozessen berücksichtigt werden, und es ist Aufgabe der Fachkommunikationswissenschaft, zu untersuchen, inwiefern und inwieweit solche Rückmeldungen zur Kommunikationsoptimierung genutzt werden können.

    Wie verlief Ihr Weg zur Promotion? Was hat Sie bestärkt? Wie haben Sie die Unterstützung im Institut und Fachbereich der Universität Hildesheim erlebt?

    Von 2007 bis 2014 war ich als praktischer Fachkommunikator tätig, größtenteils in leitender Position. In dieser Zeit erhielt ich einen tiefen Einblick ins Berufsfeld, der natürlich von meinem vorherigen akademischen Weg geprägt war: Ich verfüge sowohl über ein (naturwissenschaftliches) Diplom (FH) in Elektrotechnik, als auch über einen (geisteswissenschaftlichen) Abschluss als Master of Arts in Technical Communication. Mein Promotionsthema entstand durch die Beobachtung, dass erfahrene Fachkommunikator/inn/en eine über die Jahre optimierte Notizennahme praktizierten, während Berufseinsteiger/innen diese Kompetenz erst im Berufsfeld und durch die Begleitung von erfahrenen Fachkommunikator/inn/en entwickeln mussten. Ich fragte mich, auch bei der Betrachtung meiner eigenen Recherchenotizen, was eigentlich eine gut verständliche und für Anschlusshandlungen geeignete Notiz ausmacht. Lange Zeit trug ich diese Frage und den Wunsch, sie aus wissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten, in mir, ohne jedoch die Zeit zu finden, ihr nachzugehen. Als sich die Chance bot, in die akademische Welt zurückzukehren, ergriff ich sie. Das Einfinden in die neue Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Vollzeit in einem Studiengang, der sich damals im Umbruch befand, führte zunächst dazu, dass mir die erhofften zeitlichen Freiräume für mein Promotionsvorhaben nicht zur Verfügung standen. Von der ersten Kontaktaufnahme mit meinen Doktorvater Prof. Dr. Klaus Schubert bis zur Einreichung meines ersten Exposéentwurfs vergingen weitere zwei Jahre. In der eigentlichen Erstellungsphase (Februar 2016 bis Oktober 2018) fühlte ich mich, und hier greife ich eine Aussage aus meiner Antwort auf Ihre erste Frage wieder auf, akademisch wie persönlich sehr gut von meinen Doktoreltern begleitet. Ein wesentliches Element waren hierbei die regelmäßig stattfindenden und von Prof. Dr. Schubert mit Dr. Franziska Heidrich organisierten Doktorand/inn/enseminare, die von Prof. Dr. Nathalie Mälzer gemeinsam mit Prof. Dr. Schubert initiierten Promotionswerkstätten und die Forschungstagung „Fachkommunikation – die wissenschaftliche Sicht“. Mit Letzterer bieten Prof. Dr. Klaus Schubert und Dr. Franziska Heidrich Doktorand/inn/en die Möglichkeit, im Wechsel mit erfahrenen Wissenschaftler/inne/n vorzutragen. Damit eröffnet sich einerseits die Möglichkeit, das eigene Forschungsprojekt in einem geschützten Rahmen einem ersten akademischen Härtetest zu unterziehen. Andererseits erfahren angehende Wissenschaftler/innen, mit welchen Themen sich etablierte(re) Kolleg/inn/en beschäftigen und können erste Kontakte knüpfen.  

    Hier sollte ich vielleicht ergänzen, dass ich zum Kreis der externen Doktorand/inn/en gehöre. Ich lebe und arbeite im Rhein-Main-Gebiet. Meine Dissertation habe ich, und das spiegelt wohl die Situation vieler Externer wider, neben einer Vollzeitstelle erstellt. Für mich hatten die zuvor genannten Veranstaltungen damit eine weitere, wichtige Funktion: die Möglichkeit, mich mit Menschen auszutauschen und zu vernetzen, die in Deutschland und darüber hinaus an Promotionsvorhaben aus dem Bereich der Fachkommunikationswissenschaft arbeiten. Viele von ihnen befanden sich in ähnlichen Lebenssituationen. Dies zu wissen und zu erleben, dass sie vor vergleichbaren Herausforderungen stehen, ist hilfreich, wenn die eigene Motivation einmal weniger stark ausgeprägt ist.

    Was raten Sie anderen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die promovieren möchten?

    Selbstverständlich hat jedes Promotionsvorhaben und damit verbunden die Kommunikation zwischen Doktorand/in und Doktoreltern individuelle Züge. Aus meiner Perspektive kann ich angehenden Wissenschaftler/inne/n nur raten, regelmäßig den Austausch mit den Doktoreltern und anderen Doktorand/inn/en zu suchen. Hierzu gehört im Fach Internationale Fachkommunikation an der Universität Hildesheim eine Bestandsaufnahme und häufig auch Präsentation des eigenen Forschungsprojektes in seiner aktuellen Entwicklungsphase. Jener Austausch zwingt zum Einnehmen einer Metaperspektive, die im Schreibprozess teils abhandenkommen kann. Ich persönlich habe mich anschließend stets gestärkt und (erneut) motiviert gefühlt.

    Was macht Ihnen an der Wissenschaft Freude, was treibt Sie an?

    Einerseits ist es das eigene wissenschaftliche Arbeiten. Jenes ist geprägt vom Blick auf das Dahinterliegende, von dem Drang, etwas über das Wesen der Dinge der Wirklichkeit zu erfahren. Andererseits ist es das Bewusstsein, Teil einer recht jungen Disziplin zu sein, von deren bisherigem Erkenntnisgewinn ich profitiere und zu dem ich selbst beitragen möchte. Last but not least sind es die Student/inn/en im Masterstudiengang Technische Redaktion und multimediale Dokumentation (trmd) an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, die mich antreiben. Sie auf ihrem akademischen Weg und bei ihrer späteren Entwicklung in der praktischen Fachkommunikation zu begleiten, bereitet mir große Freude. Gerade in der letzten Woche hatte ich Gelegenheit zum Austausch mit Alumnae und Alumni des Studiengangs auf der Jahrestagung des Fachverbandes tekom e. V. in Stuttgart. Es ist schön, zu sehen, dass sie sich ihrer Alma Mater weiterhin verbunden sehen.

    Ein Blick auf die Arbeit als Professor: Was haben Sie als Nächstes in der Forschung vor?

    Ich forsche in der Disziplin Fachkommunikationswissenschaft. Meine Forschungsinteressen liegen im Bereich der sprachlichen und über das Sprachliche hinausgehenden Kommunikationsoptimierung. In meinen Hochschulveranstaltungen betrachte ich das Berufsfeld der praktischen Fachkommunikation aus der Perspektive der Fachkommunikationswissenschaft. Thematischer Schwerpunkt ist hierbei die Aufbereitung und Gestaltung von Text-, Bild- und Toninformationen. Letztere unterliegt seit längerem einem Wandel hin zu digitalen multimodalen Informationsprodukten. Aktuell gilt es, mich zunächst in meiner neuen Position einzufinden, Veranstaltungen vor- und nachzubereiten und Student/inn/en in ihren Masterarbeiten zu begleiten. Sobald es meine Zeit erlaubt, möchte ich mich näher mit den Themen Sprachsynthese und Sprachassistenzsysteme auseinandersetzen. 

    In Ihrer Forschung befassen Sie sich mit der Arbeit von technischen Redakteurinnen und technischen Redakteuren. An der Universität Hildesheim können sich Studentinnen und Studenten im Masterstudium „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ auf das Übersetzen und Erstellen technischer Texte im internationalen Kontext spezialisieren. Für alle, die das Interview gerade lesen und das Berufsbild nicht kennen: Welche Herausforderungen bewältigen technische Redakteure?

    Im Studiengang Technische Redaktion und multimediale Dokumentation an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen behandeln wir primär die einsprachige Fachkommunikation. In ihrer praktischen Realisierung besteht die Herausforderung für technische Redakteur/inn/e/n darin, zielgruppengerechte und medienadäquate Informationsprodukte zu erstellen, die sachlich, informativ und oft instruktiv sind. Hierbei muss es ihnen gelingen, Ausgangsdokumente (beispielsweise Dokumente aus Entwicklungsabteilungen) mit einem hohen Fachsprachlichkeitsgrad und einer starken Produktorientierung in Zieldokumente mit einem angemessenen Fachsprachlichkeitsniveau und einer Benutzer/innen/orientierung zu transformieren.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Zur Person:

    Prof. Dr. phil Thorsten Dick, geboren in Koblenz, wurde in seiner Forschungsarbeit „Fachlich kommunizieren mit sich selbst. Verständlichkeit und Optimierung von Recherchenotizen“ betreut durch Prof. Dr. Klaus Schubert (Erstprüfer) und Prof. Dr. Bettina Kluge (Zweitprüferin) vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim.

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    Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-17945 Thu, 05 Dec 2019 08:31:00 +0100 Geographie: Hildesheimer Bodenkonferenz https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geographie-hildesheimer-bodenkonferenz/ Ein Forschungsteam um Professor Martin Sauerwein vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim hat sich auf Bodenkunde spezialisiert und befasst sich mit dem Schutz der Böden und dem Umgang mit Böden bei Planungs- und Baumaßnahmen. Während der 5. Hildesheimer Bodenkonferenz am Tag des Bodens widmen sich Fachleute der Flächeninanspruchnahme und der Beeinträchtigung der Böden in der Region Hildesheim. Bericht der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung

    „Die dünne Haut unserer Erde“
    Mehr über die Forschung von Prof. Dr. Martin Sauwerwein
    lesen Sie im Interview im Universitätsjournal DIE RELATION (Seite 12)

    „Wir möchten mit unseren Bodenkonferenzen dazu beitragen, ein Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren, welchen Wert die Böden haben und was sie leisten“, so Professor Martin Sauerwein vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim. Die Hildesheimer Bodenkonferenz am Tag des Bodens widmet sich der Flächeninanspruchnahme und der Beeinträchtigung der Böden in der Region Hildesheim. In den beiden ersten Teilen der Veranstaltung sollen die Sachstände der beiden Energieleitungsvorhaben SuedLink und Wahle-Mecklar und ihre Auswirkungen auf die Böden als auch Belange betroffener Eigentümer und Landwirte dargestellt und auch weiter gehende Aspekte in Form einer Podiumsdiskussion erörtert werden.

    Im dritten Teil der Veranstaltung stellen sich regionale Engagements und Initiativen zum Bodenbewusstsein vor.
    Da sich zum Zeitpunkt der Konferenz diverse die Region tangierende Projekte in wichtigen Phasen befinden, bieten die offenen Situationen Chancen für Überlegungen für ein Bodenbewusstsein in der Region.

    Die Bodenkonferenz wird veranstaltet vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim, vom Bundesverband Boden e.V. und vom Landkreis Hildesheim. Die Veranstaltung ist öffentlich. Mehr Informationen finden Sie unter: www.uni-hildesheim.de/bodenbuendnis-hildesheim

    Die 5. Hildesheimer Bodenkonferenz findet am Donnerstag, 5. Dezember 2019, von 09:30 bis 16:30 Uhr im Hohen Haus am Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim statt.

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    Fachbereich 4 Geographie Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-17969 Tue, 03 Dec 2019 21:37:00 +0100 Leseforscherin Prof. Irene Pieper im DLF-Interview zur PISA-Studie https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/leseforscherin-prof-irene-pieper-im-dlf-interview-zur-pisa-studie/ Die Lese- und Medienkompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler ist bei der PISA-Studie schlecht weggekommen, in einem Interview mit dem DEUTSCHLANDFUNK spricht Professorin Irene Pieper über die Lesekompetenz. Die Leseforscherin des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim hat sich auf Leseforschung und Lesedidaktik spezialisiert. Deutschlandfunk
    Interview mit Prof. Dr. Irene Pieper
    3. Dezember 2019

    Die repräsentative PISA-Studie untersucht alle drei Jahre, wie gut Jugendliche zum Ende ihrer Pflichtschulzeit grundlegende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften in alltäglichen Situationen anwenden können. Dieses Mal lag der Schwerpunkt auf der Lesekompetenz.

    Den Befund, dass jeder fünfte Jugendliche nicht einmal auf Grundschulniveau lesen kann, kommentiert Professorin Irene Pieper vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim im Interview mit dem DEUTSCHLANDFUNK: „Was sich hier verdichtet, ist ein Problem, das wir seit Längerem intensiv bearbeiten, aber noch nicht wirklich gelöst haben. Ich würde sagen, was insbesondere bedenklich stimmen muss, ist, dass der Anteil der sehr schwachen Leser so hoch ist, und da müssen wir einfach weiter arbeiten. Da gehen die Scheren auseinander.“

    Im DLF-Interview macht Irene Pieper deutlich, dass das Wissen darüber, wie man Lesen fördern kann durch die Schullaufbahn hinweg, von der Primarstufe angefangen über die Sekundarstufe eins bis möglicherweise dann zum Abitur, in großem Umfang vorhanden ist. „Es gibt aber Situationen in Schulen, wo man merkt, dass es trotz dieses Wissens an anderen Dingen fehlt.  Unter anderem fehlt es schlicht an den Lehrkräften, die kontinuierlich dafür sorgen können, dass im Deutschunterricht – und der ist  insbesondere gefordert, wenn auch nicht alleine – die Angelegenheiten vorangebracht werden können", so Pieper.

    Prof. Dr. Irene Pieper forscht seit vielen Jahren in den Bereichen Literarische Kompetenz und ihr Erwerb, Kommunikation im Literaturunterricht, Leseforschung und Lesedidaktik, Profession und Deutschunterricht und Lese- und Literarische Sozialisation.

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    Fachbereich 3 Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum Forschung Pressemeldungen Startseite
    news-17927 Sun, 01 Dec 2019 09:35:00 +0100 Eröffnung des Graduiertenzentrums und Promotionsfeier https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/eroeffnung-des-graduiertenzentrums-und-promotionsfeier/ In dieser Woche hat die Universität Hildesheim das neue Graduiertenzentrum eröffnet. Das Graduiertenzentrum unterstützt die Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren der Universität Hildesheim durch ein breites Spektrum an Angeboten zu Qualifizierung, Finanzierung und Beratung. Zudem wurden während der Promotionsfeier 60 Personen, die ihre Promotion seit Herbst 2018 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben, feierlich gewürdigt. Die Angebote des Graduiertenzentrums zu Qualifizierung, Finanzierung und Beratung sind überfachlich ausgerichtet und orientieren sich an den Bedarfen der Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren.

    Die fächerübergreifende Serviceeinrichtung stellt unter anderem Informationen bereit, fördert den Austausch und macht Qualifizierungsangebote zu Themen wie zum Beispiel „Publikationsstrategien“, „Forschungsdatenmanagement“ oder „Forschungsethik und Forschungs-verantwortung“.

    „Das Graduiertenzentrum ist Teil der Minerva-Entwicklungsplanung der Universität. Wir freuen uns, dass wir mit dem Festakt unsere Arbeit aufnehmen können. Die Geschäftstelle des Zentrums wird Dr. Svea Korff inne haben. Das Zentrum sollte zum Ort und zur Plattform für die verschiedenen Gruppen des wissenschaftlichen Nachwuchses werden. Mit dem Thema des Eröffnungsvortrages, der die vielfältigen Wege in die Wissenschaft fokussiert, wird auch an das Leithema „Diversität“ der Universität angeknüpft“, sagt Professorin Meike Sophia Baader, Vizepräsidenten für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.

    Anlässlich der Eröffnung des Graduiertenzentrums dankt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich der Vizepräsidentin für ihren Einsatz. „Professorin Baader hat die Frage, wie wir mit der Graduiertenförderung umgehen, früh auf die Agenda ihrer Vizepräsidentschaft gesetzt. Das Graduiertenzentrum ist ein Bestandteil unserer Entwicklungsplanung. Diejenigen, die Doktorandinnen und Doktoranden betreuen, möchte ich ermuntern, an diesem Projekt der Universität teilzunehmen.“

    Den Festvortrag während der Feierstunde hielt Dr. Anja Franz vom Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg zum Thema „Viele Wege führen zum Ziel: Qualifizierung in und für die Wissenschaft“. Der Doktortitel ist beliebt in Deutschland, nirgendwo sonst außer in den USA werden mehr Doktortitel vergeben. Die Wissenschaftlerin sprach unter anderem über kritische Ereignisse in der Promotionszeit. Man muss nicht glauben, dass das alles reibungslos verläuft, die Schwierigkeiten reichen von Bearbeitungsproblemen über die Strukturierung – wie schaffe ich es, die Promotion in meinen Arbeitsprozess zu integrieren? – bis zu Betreuungsproblemen, so Franz. Sie machte zudem deutlich, dass auf dem Weg zur Professur „der Flaschenhals dünner wird“.

    Der Erziehungswissenschaftler Jonas Ringler  sprach über die „Perspektive der Promovierenden“ und die spezifischen Herausforderungen in der Promotionsphase. Er ist Mitglied der Konferenz der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

    Ein Beirat aus externen und internen Mitgliedern begleitet die Arbeit des Graduiertenzentrums. Nach zwei Jahren erfolgt eine Evaluation.

    Ihre Ansprechpartnerin in der Geschäftsstelle des Graduiertenzentrums: Dr. Svea Korff 

    Wer Fragen zum Graduiertenzentrum hat, erreicht Dr. Svea Korff (korffs@uni-hildesheim.de) in der Geschäftsstelle des Graduiertenzentrums. Dr. Svea Korff hat sich in Ihrer Doktorarbeit mit „Abbruchgedanken von strukturiert Promovierenden“ befasst, sie ist zudem Sprecherin des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim.

    Broschüre „Perspektive Promotion“ enthält Informationen zum Promovieren an der Universität Hildesheim

    Zur Eröffnung des Zentrums erschien auch eine Broschüre „Perspektive Promotion“, die Informationen zum Promovieren an der Universität Hildesheim enthält und bei Dr. Svea Korff (korffs@uni-hildesheim.de) oder Markus Weißhaupt (markus.weisshaupt@uni-hildesheim.de) zu erhalten ist.

    Weitere Informationen über das Graduiertenzentrum

    Promotionsfeier: 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im vergangenen Jahr ihre Promotion erfolgreich abgeschlossen haben, wurden gewürdigt

    Am gleichen Tag kamen etwa 110 Ehrengäste und Gäste während der Promotionsfeier der Universität Hildesheim  zusammen. 60 Personen, die ihre Promotion zwischen Oktober 2018 und Oktober 2019 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben, wurden gewürdigt. Gleichzeitig geht ein herzlicher Dank an die Professorinnen und Professoren, die die Promotionen mit viel Engagement begleitet haben.

    In diesem Jahr richtete das Dekanat des Fachbereichs 1 „Erziehungs- und Sozialwissenschaften“ die fachbereichsübergreifednde Promotionsfeier aus. Den Festvortrag hielt der renommierte Kognitionswissenschaftler und Leibniz-Preisträger Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Prinz, der bis zu seiner Emeritierung Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig war. Er sprach zum Thema „Bewusstsein erklären – wie geht das?“.

    „Eine Promotion ist immer ein Highlight an einer Universität. Im Rahmen von Promotionen leisten die jungen Kolleginnen und Kollegen maßgebliche Beiträge zur Forschung in ihrem Fach. Eine Promotion stellt die Grundlage für eine wissenschaftliche Karriere dar. Auch außerhalb der Wissenschaft demonstriert ein Doktortitel, dass sich die betroffene Person intensiv mit einem Forschungsgegenstand auseinandergesetzt hat und hervorragend qualifiziert ist. Wir freuen uns über jeden, der die Phase der Promotion erfolgreich zu Ende gebracht hat und gratulieren im Namen der Universität“, sagt Professor Christina Bermeitinger, Dekan des Fachbereichs 1.

    „An dieser Stelle danke ich allen sehr herzlich, die unsere jetzt Promovierten begleitet haben, die sie wissenschaftlich inspiriert,motiviert, unterstützt und betreut haben; Dank geht auch an diejenigen, die mit den Prozessen der Promotionen hier an der Universität zu tun hatten und von dieser Seite aus – in den Dekanaten, den Promotionsausschüssen und eventuell an weiteren Stellen – Begleitung waren; und Dank geht an diejenigen, die Rückhalt gegeben haben, in welcher Form auch immer, und Forschung dadurch ermöglicht wurde“, so Prof. Christina Bermeitinger.

    Ein breites Spektrum unterschiedlicher Themen wurde in den Doktorarbeiten bearbeitet zum Beispiel:

    • „Konstruktion, Normierung und Validierung eines allgemeinen Entwicklungstests für Kinder unter 3 Jahren“
    • „Eine empirische Untersuchung zur Planung und Durchführung statistischer Untersuchungen von Lernenden aus 9ten und 10ten Schuljahrgängen
    • „Gott und die Welt in Szene gesetzt. Idiote de mente und De visione Dei als zwei der philosophischen Inszenierungen des Nikolaus von Kues“
    • „Prozessorientierte Visualisierung im Patent-Retrieval“
    • „Case-Factories: Maintenance Cockpit for distributed Case-baised Reasoning Systems“
    • „Developing Suastainability-Oriented Business Models – Foundations, Modeling Apporaches and Software Support“
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    news-17897 Mon, 25 Nov 2019 09:22:00 +0100 Experiment in Hildesheim – Woyzeck auf der Bühne in drei Sprachen: Inklusives Theater https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/experiment-in-hildesheim-woyzeck-auf-der-buehne-in-drei-sprachen-inklusives-theater/ Das Theaterhaus Hildesheim und die Universität Hildesheim erstellen momentan die Theaterinszenierung „WOY“. Das Stück in Hildesheim wird in drei Sprachen aufgeführt: in Deutscher Gebärdensprache, in Schriftsprache und Lautsprache. Die Erstaufführung des Theaterstücks ist am Samstag, 30. November 2019. Das Theaterhaus Hildesheim und die Universität Hildesheim erstellen momentan die Theaterinszenierung „WOY“, einer inklusiven Interpretation des „Woyzeck“ von Georg Büchner. Das Drama „Woyzeck“ ist ein literarisches Fragment, eine unvollständige Erzählung über einen Mann namens Franz Woyzeck. Er wird von einem Arzt für Experimente ausgenutzt, wird mit der Zeit wahnsinnig und bringt schließlich seine Freundin Marie, Mutter eines Säuglings, um, wofür er am Ende geköpft wird. Auf der Metaebene geht es darum, wie sehr ein Mensch die Kontrolle über sein Leben besitzt oder von seiner „Natur“ gelenkt wird. Verantwortlich für die Fassung und das Konzept sind die Regisseurin Manuela Hörr sowie die Dramaturgin und Co-Regisseurin Nicola Bongard.

    Das Stück in Hildesheim wird in drei Sprachen aufgeführt: in Deutscher Gebärdensprache, in Schriftsprache und Lautsprache. Damit können Menschen mit und ohne Hörschädigung das Stück gleichermaßen verfolgen. Aber auch auf der Bühne ist mit dem gehörlosen Jörg Apel als einem der zwei Schauspieler des Woyzeck und hörenden Schauspieler*innen ein diverses Ensemble vertreten.

    Nicht nur die Aufführungen, auch die Kommunikation während der Proben findet mit Gebärdensprachdolmetscherinnen statt.

    Studentinnen und Studenten aus dem Bereich Medienübersetzen produzieren Übertitel

    Der schriftliche Teil bei „WOY“ wird von Studentinnen und Studenten des Masterstudiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ in Form von Übertiteln umgesetzt, die Textfassung in Teilen auf die Bühne holen. Diese Übertitel erstellen die Studierenden parallel zu den Proben im Seminar „Inklusives Theater“, das Nathalie Mälzer, Professorin an der Universität Hildesheim, gemeinsam mit Jeffrey Döring leitet.

    Die Übertitel sind ebenso wie die Gebärden und der gesprochene Text gleichwertiger Bestandteil der Inszenierung. Das Team um Professorin Mälzer arbeitet seit mehreren Jahren daran, Übertitel im theatralen Bühnenraum ästhetisch, lesbar und verständlich zu platzieren.

    Ins Bühnenbild integrierte und stets bewegliche Übertitel sichern das Verständnis

    „Die ins Bühnenbild integrierten, stets beweglichen Übertitel sind der gemeinsame Nenner für alle Zuschauer*innen des Stücks: sie sichern das Verständnis für hörende, schwerhörige und gehörlose Menschen, indem sie abwechselnd aus der Lautsprache und aus der Gebärdensprache übersetzen. Damit die Übertitel im Bühnenbild stets gut wahrnehmbar bleiben, muss in jeder Szene auf das genaue Timing, den Ort der Projektion und die Lichtverhältnisse geachtet werden. Während etwa die Gebärden gut ausgeleuchtet sein müssen, verblassen Übertitel bei zu viel Licht. Hier ist höchste Präzisionsarbeit bei der Einrichtung und beim Fahren der Übertitel gefordert: von den Übertitler*innen, aber auch von der Lichttechnik und von den Schauspieler*innen, die mit den Übertiteln interagieren“, sagt Professorin Nathalie Mälzer.

    Die Erstaufführung findet am Samstag, 30. November 2019, um 20 Uhr statt. Weitere Aufführungen sind am 1., 2. und 3. Dezember 2019, jeweils um 19 Uhr. Außerdem wird WOY im März 2020 im LOT in Braunschweig gezeigt. Die Stiftung Niedersachsen fördert die Kooperation von Theaterhaus und Universität Hildesheim zur Erstellung und Durchführung des inklusiven Theaterstücks WOY.

    Kurz erklärt:

    Inklusives Theater: Forschung zu Übertiteln in Theaterhäusern

    Ein Team um Professorin Nathalie Mälzer entwickelt seit 2015 Übertitel für Theaterstücke. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim produzieren Hildesheimer Studentinnen und Studenten des Studiengangs „Medientext und Medienübersetzen“ Texte für den Bühnenraum. Die Ergebnisse der Hildesheimer Forschung sind für Theaterhäuser in Deutschland relevant.

    In Deutschland gibt es zwar einige Theater- und Opernhäuser, die bei fremdsprachlichen Inszenierungen Übertitel in anderen Sprachen anbieten. Oben über der Bühne befindet sich dann oft eine dezente LED-Leiste, über die Texte dargestellt werden. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft findet man so gut wie keine Übertitel für Menschen mit Hörbehinderung, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Die Professorin für Übersetzungswissenschaft entwickelte bereits in der Vergangenheit mit Studentinnen und Studenten und Kooperationspartnern Übertitel für Theaterstücke, die sich an Gehörlose, Schwerhörige und Hörende richten.

    In den Projekten kommt als kommunikatives Element der „Übertitel“ zum Einsatz: Worte werden im gesamten Bühnenraum projiziert. Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes. Die Hildesheimer Übertitel sind auf den Bühnen keine Fremdkörper, sie sind Teil des Bühnenbildes, manche Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus. Die ganze Theaterbühne wird zu einer Projektionsfläche, die Übertitel haben nicht bloß die Funktion, dass die Zuschauer mit einer Hörbehinderung den Inhalt verstehen. Sondern die Übertitel sind auch als ästhetisches Element in den Bühnenraum eingebunden.

    Professorin Nathalie Mälzer untersucht in Rezeptionsstudien, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Inwiefern stoßen die Hildesheimer Übertitelungskonzepte bei Jugendlichen und Erwachsenen auf Akzeptanz, verstehen gehörlose Jugendliche und Erwachsene das Theaterstück besser?

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    news-17896 Wed, 20 Nov 2019 07:42:00 +0100 App zur Stärkung der Rechte von jungen Menschen in Pflegefamilien https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/app-zur-staerkung-der-rechte-von-jungen-menschen-in-pflegefamilien/ Eine neu entwickelte App für junge Menschen in Pflegefamilien soll dabei helfen, die Beteiligungs-, Schutz- und Beschwerderechte von jungen Menschen in Pflegefamilien zu stärken. Entwickelt wurde die App im Verbundprojekt FosterCare am Universitätsklinikum Ulm, der Hochschule Landshut und der Universität Hildesheim. Zum 30-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention veröffentlicht das Verbundprojekt FosterCare eine App zur Stärkung der Rechte von jungen Menschen in Pflegefamilien.

    Zum 30-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 2019 setzt eine neue App die Stärkung der Kinder- und Jugendrechte im Bereich der Pflegekinderhilfe ganz oben auf die Agenda. Die schwerwiegenden Fälle von Kindesmissbrauch in einer Pflegestelle auf einem Campingplatz in Lügde machen offenkundig, dass die App des Verbundprojekts FosterCare genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Die App ist eine Möglichkeit junge Menschen in Pflegefamilien zu informieren und ihnen ein Kontaktangebot zu machen. Erfahrungen in anderen Projekten zeigen, dass es hierbei neuer Wege bedarf, um die jungen Menschen vor allem in möglichen belastenden Situationen zu erreichen. Mithilfe der App können sie Infos erhalten und über eine Messenger-Funktion mit den Projektmitarbeiter*innen in Kontakt treten und über ihre Erfahrungen berichten. Bei Bedarf werden die Betroffenen an Beratungsstellen vermittelt. Das Verbundprojekt läuft noch bis Ende 2020 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie „Forschung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten“ gefördert.

    Die App ergänzt das bereits vom Projekt bereitgestellte niederschwellige Angebot der bundesweiten FosterCare-Hotline unter der Nummer 0800 98 00 200. Hier können junge Menschen in Pflegefamilien bereits kostenfrei ihre Erfahrungen und Vorstellungen mitteilen, was eine gute Pflegefamilie ausmacht und was ihre Schutz-, Beteiligungs- und Beschwerderechte stärken kann. Mithilfe der verschiedenen Zugänge will der Forschungsverbund Erfahrungen, Sichtweisen und Wünsche der jungen Menschen sammeln und auswerten, um anschließend herauszuarbeiten, welche Schutzkonzepte im Bereich des Pflegekinderhilfe benötigt werden.

    Bislang sind mögliche Risiken für junge Menschen in Pflegefamilien wenig erforscht. In der Praxis finden sich bislang nur Einzelmaßnahmen für einen besseren Schutz, aber keine aufeinander abgestimmten Konzepte oder Verfahren für alle Akteur*innen in der Infrastruktur der Pflegekinderhilfe. Mit dem Verbundprojekt FosterCare soll dazu beigetragen werden diese Lücken zu schließen. Auf Basis der Erfahrungen junger Menschen sowie von Pflege- und Herkunftsfamilien und Fachkräften werden feldspezifische Schutzkonzepte für die Pflegekinderhilfe entwickelt. Am Universitätsklinikum Ulm, der Universität Hildesheim und der Hochschule Landshut werden darum auch Praxisrecherchen und Gruppendiskussionen mit allen Akteur*innen durchgeführt. Vor dem Hintergrund aller Ergebnisse werden schließlich mit fachpolitisch relevanten Schlüsselpersonen Handlungsempfehlungen erarbeitet. 

    Im Jubiläumsjahr der UN-Kinderrechtskonvention leistet das Verbundprojekt FosterCare einen notwendigen Beitrag zur Stärkung persönlicher Rechte junger Menschen in der Pflegekinderhilfe durch Schutzkonzepte. Die UN-Kinderrechtskonvention stattet alle jungen Menschen mit Rechten zur Aufklärung, Information und Transparenz in allen Angelegenheiten aus, die sie betreffen. Ihnen werden auch Möglichkeiten zur Beschwerde sowie Mitsprache bei behördlichen Vorgängen garantiert. Die Stärkung dieser Kinderrechten in der Pflegekinderhilfe gehört darum endlich auf die Agenda.

    Die App ist im App Store und im Google Play Store verfügbar.

    Durch unterschiedliche Forschungsprojekte im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe liegt im Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim, seit Jahren, ein Fokus auf der Entwicklung und Etablierung von Schutzkonzepten und der Stärkung der höchstpersönlichen Rechte von jungen Menschen.

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    news-17859 Wed, 13 Nov 2019 17:36:23 +0100 Ein neuer Menschaffenfund aus dem Allgäu wirft Licht auf die Entstehung des aufrechten Ganges https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/ein-neuer-menschaffenfund-aus-dem-allgaeu-wirft-licht-auf-die-entstehung-des-aufrechten-ganges/ Zahlreiche Medien berichteten dieser Tage über den Fund eines fossilen Menschenaffen (Danuvius guggenmosi) aus dem Allgäu. Das Teilskelett sowie Einzelknochen von weiteren Individuen sind etwa 11,6 Millionen Jahre alt. Da die Entwicklung des aufrechten Ganges zu den ungelösten Problemen der Paläoanthropologie zählt, ist der neue Fund von erheblicher wissenschaftlicher Bedeutung. Eine differenzierte Betrachtung ist notwendig. Ein Gastbeitrag von Dr. Stefan Flohr. Gastbeitrag von Dr. Stefan Flohr, Anthropologe, Institut für Biologie und Chemie, Universität Hildesheim. Seit 2007 forscht und lehrt Dr. Stefan Flohr an der Universität Hildesheim und gibt sein Wissen in der Anthropologie, Anatomie, Humanbiologie und Paläoanthropologie sowie Bioarchäologie an Studentinnen und Studenten weiter. Er war mehrere Jahre als Landesanthropologe in Thüringen tätig.

    Zahlreiche Medien berichteten dieser Tage über den Fund eines fossilen Menschenaffen (Danuvius guggenmosi) aus dem Allgäu. Das Teilskelett sowie Einzelknochen von weiteren Individuen sind etwa 11,6 Millionen Jahre alt. Sie entstammen einer Epoche der Erdgeschichte, dem Miozän, in der Menschenaffen in einer viel größeren Vielfalt gelebt haben als heute. Das Brisante hierbei ist, dass sich aus einem bisher unbekannten Vertreter jener miozänen Menschenaffen die zum heutigen Menschen führende Stammeslinie entwickelt hat.

    Die Diskussion über dieses Thema wird daher oft eher emotional als sachlich geführt. Der Mainzer Paläoanthropologe Winfried Henke schrieb das Phänomen der „Subjekt-Objekt-Identität“ zu, nach welchem der Mensch Beobachter und beobachtetes Objekt zugleich ist, was eine neutrale Bewertung der Befunde erschwert. Genau dieses Dilemma wird in der aktuellen medialen Berichterstattung zu den Funden aus dem Allgäu spürbar. Da ist reißerisch die Rede davon, dass aktuell geltende Vorstellungen zur Evolution auf den Kopf gestellt werden müssten und Ähnliches mehr.

    Die Diskussion wird oft eher emotional als sachlich geführt

    In der Tat ist der Fund eindrucksvoll und ohne Zweifel bedeutsam. Die Bewertung durch die Autoren Madelaine Böhme und Mitarbeiter im Fachjournal „Nature“ ist sehr viel differenzierter als in den Populärmedien. Nach den Autoren weist Danuvius ein einzigartiges Mosaik an Merkmalen auf, das sowohl Anpassungen an die zweibeinige als auch die kletternde Fortbewegungsweise widerspiegelt. Insbesondere sei bei Danuvius eine Streckung des Knie- und Hüftgelenkes nachweisbar, wie sie auch für die menschliche Bipedie typisch ist. Da die Entwicklung des aufrechten Ganges zu den ungelösten Problemen der Paläoanthropologie zählt, ist der neue Fund von erheblicher wissenschaftlicher Bedeutung und könnte nach Ansicht der Erstbeschreiber als Modell für die Entwicklung der Bidepie beim Menschen dienen.

    Durch den Fund ergeben sich interessante Fragen und Diskussionsansätze. Schon früher wurde miozänen Menschenaffen aus dem europäischen Raum eine zweibeinige Fortbewegungsweise zugesprochen. Allerdings fand keine dieser Interpretationen bisher eine breite Zustimmung in der Fachwelt. Ob dies im Fall von Danuvius anders ist, wird sich erst in der Zukunft zeigen, wenn auch andere Experten die Funde analysiert haben.

    Dieser Prozess wird sich sicher über viele Jahre, womöglich Jahrzehnte hinziehen. Sollte die Interpretation der Erstbeschreiber bestätigt werden, so wäre belegt, dass sich der aufrechte Gang bei Menschenaffen mehrmals und auf womöglich unterschiedliche Weise unabhängig voneinander entwickelt hat. Mehrmals deshalb, weil die Vorfahren des heutigen Menschen diesen Schritt vollzogen haben und Danuvius sicherlich nicht zu diesen Vorfahren zählt. Ansonsten müsste Danuvius aufgrund seines geologischen Alters auch der Urahn der heutigen Gorillas und Schimpansen sein. Erstere spalteten sich vor rund neun Millionen Jahren von der zum Menschen führenden Stammeslinie ab, letztere vor rund sechs Millionen Jahren. Beide hätten also wie auch die Menschen die Bipedie von Danuvius „geerbt“ und hätten beide unabhängig voneinander die zweibeinige Fortbewegungsweise wieder aufgegeben. Eine solche Entwicklung ist fossil nicht belegt und evolutionsbiologisch extrem unwahrscheinlich.

    Was ist also die eigentliche Bedeutung des Fundes?

    Was ist also die eigentliche Bedeutung des Fundes? Es ist die Erkenntnis, dass die Diversität der Menschenaffen im Miozän offenbar noch größer war als zuvor angenommen. Weiterhin – sollte sich die Interpretation der Erstbeschreiber bestätigen – die Erkenntnis, dass es mehrere „Anläufe“ zur Etablierung des aufrechten Ganges gegeben hat. Außerdem fanden diese offenbar schon sehr viel früher statt als bisher angenommen wurde und waren nicht auf Afrika beschränkt, wo sie durch ein paar jünger datierende Funde als gut belegt gelten.

    Fakt ist, dass sich von diesen Anläufen nur einer über die Zeit gerettet hat, nämlich derjenige, der zum heutigen Menschen führte. Danuvius und seine Nachkommen haben es offenbar nicht geschafft. Aber die große Familie der rezenten und fossilen Menschenaffen ist um ein hochinteressantes Mitglied reicher.

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    news-17795 Thu, 07 Nov 2019 09:27:42 +0100 Eine Diktatur und ihr Nachleben: Uni Hildesheim forscht über Erziehung und Bildung in der DDR https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/eine-diktatur-und-ihr-nachleben-uni-hildesheim-forscht-ueber-erziehung-und-bildung-in-der-ddr/ Aufarbeiten der Geschichte: Forschungsteams der Universität Hildesheim untersuchen anhand der vollständigen Bestände der Kinder- und Jugendliteratur und der Schulbücher der DDR sowie von Interviews mit Zeitzeug*innen die darin erzählten Mythen über Erziehung und Bildung. Dabei kooperiert die Arbeitsgruppe um Professorin Meike Sophia Baader und Professor Michael Corsten mit Universitäten und Bibliotheken in Berlin und Rostock. Ein Ziel des gesamten Verbundprojekts ist es, die Erkenntnisse für Forschung und Lehre, für die politische Bildung als auch für Museen und Schulen aufzubereiten und das Wissen digital verfügbar zu machen. Darstellung des gesamten Verbundprojekts

    „30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Aufarbeitung nicht abgeschlossen, die damit verbundenen Themen müssen bearbeitet werden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Die Geschichte der DDR wirke auch 30 Jahre nach dem Mauerfall zum Beispiel in Biografien fort.

    Im Verbundprojekt „Bildungs-Mythen über die DDR – eine Diktatur und ihr Nachleben“ arbeitet die Erziehungswissenschaftlerin der Universität Hildesheim  mit einem Team um Soziologieprofessor Michael Corsten, der Humboldt Universität zu Berlin, der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin und der Universität Rostock zusammen.

    „Diese Forschung kann dazu beitragen, die unterschiedlichen Entwicklungspfade in den Bundesländern in Ost und West zu verstehen“, so Baader. Bisher liegen wenig vergleichende und vertiefende Untersuchungen zu den Inhalten der Kinder- und Jugendliteratur und den Schulbücher der DDR sowie den Mythen über das Bildungssystem der Diktatur vor.

    Kindheit in der DDR: Bundesforschungsministerium unterstützt den Forschungsverbund zur DDR-Geschichte

    Die Universität Hildesheim gehört zu jenen Hochschulen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgewählt wurden, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR und dem SED-Unrecht auszubauen. Insgesamt fördert das Ministerium 14 Forschungsverbünde in Deutschland. Viele der geförderten Hochschulen arbeiten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Gedenkstätten, Archiven und Einrichtungen der politischen Bildung zusammen. So sollen Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gebaut und die Forschungsergebnisse breiter in die Bevölkerung vermittelt werden. Der Förderzeitraum beträgt vier Jahre, von 2019 bis 2022.

    „Dass wir zu den geförderten Universitäten gehören, die neue Perspektiven einnehmen, um die Geschichte der DDR zu erforschen, freut uns sehr. Wir arbeiten eng mit unseren Kooperationspartnern und –partnerinnen in Berlin und Rostock zusammen“, so Baader. Die Erziehungswissenschaftlerin hat sich auf die historische Bildungsforschung und Familien- sowie Kindheitsforschung spezialisert. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises „Historische Familienforschung“ in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.

    In dem Forschungsverbund arbeiten gleich zwei Hildesheimer Forschungsteams des Instituts für Erziehungswissenschaft und des Instituts für Soziologie in einem gemeinsamen Teilprojekt mit dem übergreifenden Titel „Konstruktionen von Kindheit in der DDR“ zusammen. Das Hildesheimer Teilprojekt gliedert sich wiederum in zwei Fallstudien.

    Forschung in der Fallstudie: „Bilderwelten in Kinder- und Jugendliteratur und Schulbüchern der DDR“

    Ein Forschungsteam um Professorin Meike Sophia Baader untersucht die Bilderwelten in der Kinder- und Jugendliteratur und in Schulbüchern der DDR, deren vollständige Bestände in der Staatsbibliothek Berlin und in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung vorhanden sind.

    Je weiter der Mauerfall zurückliege, desto intensiver würden sich die Mythen über das Bildungssystem in der DDR verfestigen, so die Feststellung ihrer Arbeitsgruppe. „Ein Mythos ist zum Beispiel die Annahme, das Schulsystem sei in der DDR weniger selektiv und damit chancengerechter gewesen, oder die Vorstellung, es herrschte Gleichberechtigung in Bezug auf Herkunft, Geschlecht und Generationen“, sagt Meike Sophia Baader. Erstaunlicherweise hätten sich diese Sichtweisen mit wachsendem Abstand zur Wende tendenziell eher verschärft. Dass diejenigen, die nicht systemkonform waren, im Bildungssystem mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert waren, wird bei dieser Mythenbildung übergangen.

    Während das gesamte Verbundprojekt bislang nicht erschlossene Bild-, Text-, Ton-und Filmquellen auf emotional wirkmächtige mentale Bilder und Narrative über Bildung, Erziehung und Schule der DDR untersucht, analysiert Meike Baader zusammen mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sandra Koch und Friederike Kroschel die Bilder und Texte in Kinder- und Jugendliteratur sowie in Schulbüchern der DDR. Von besonderem Interesse sind Familien- und Kindheitskonzepte, Generationen- und Geschlechterverhälnisse sowie Vorstellungen von Autorität und Agency.

    Literatur und Lesepädagogik und damit Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher hatten in der DDR einen hohen Stellenwert, da sie für die Herausbildung der „sozialistischen Persönlichkeit“ herangezogen wurden. Das Lesen von Kinder und Jugendliche wurde dabei besonders gefördert und honoriert. Die DDR hatte seit Ende der 1950er Jahre ein einheitliches Bildungssystem von der Krippe bis zur Hochschule. Oberstes Ziel der Bildung von Kindern war die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“. „Es gehörte zur Politik des Regimes, dass jedes Kind einen Bibliotheksausweis erhält, das Lesen wurde gefördert und die Buchbestände dokumentieren, welche Inhalte kommuniziert wurden“, so Koch. 14 Kinderbuchverlage publizierten in der DDR, mehr als 150 Autorinnen und Autoren schrieben Kinderliteratur, über 100 Illustratorinnen und Illustratoren produzierten Darstellungen. Etwa 80 % der Kinder hatte einen Bibliotheksausweis, im Schnitt haben Kinder 23 Bücher im Jahr ausgeliehen.

    Welches Wissen wurde in den Büchern von Generation zu Generation weitergegeben? „Wir interessieren uns dafür, welches Wissen über das Aufwachsen in der DDR in den Büchern hervorgebracht wird und wie dieses im kommunikativen Gedächtnis tradiert wird.“  

    Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher sind Medien für Kinder – was darin an Inhalten transportiert wird mit denen Kinder aufwachsen, das untersucht diese  Hildesheimer Arbeitsgruppe in ihrer Fallstudie. Es handele sich um „Medien für Kinder, von Erwachsenen geschaffen, die mit Vorstellungen geschrieben wurden, was Kinder wie verstehen sollen“, so Sandra Koch. Der Zugang zu den vollständigen Sammlungsbeständen der Kinder- und Schulbücher der DDR sei eine hervorragende Grundlage für die Forschung. „Die gesamte Schulbuch- und Kinderliteratur steht uns zur Verfügung, von der Frühphase bis 1989, das sind enorme Bestände.“ Der gesamte Bestand der neueren deutschsprachigen Kinder- und Jugendbücher nach 1945 umfasst in der Staatsbibliothek Berlin etwa 69.000 Titel, darunter die Titel der DDR-Verlage vollständig. Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung enthält über 5000 Schulbücher seit 1945, die vom staatseigenen Verlag „Volk und Wissen“ verlegt wurden. Alle mussten vom Kultus- oder Bildungsministerium der DDR vor der Veröffentlichung abgesegnet werden.

    Sowohl für die Analyse der Kinder- und Jugendbüchern als auch für die Analyse der Schulbücher müssen die Quellen zunächst systematisiert und kategorisiert werden, um dann eine begründete Auswahl für ihre Text- und Bilduntersuchung treffen zu können. „Gerade weil die Bücher in der DDR zur Herausbildung einer „sozialistischen Persönlichkeit“ beitragen sollten, haben diese eine hohe politische Bedeutung. Historisch interessant ist aber, welche Spielräume es möglicherweise doch gab, jedenfalls in der Kinderliteratur, obwohl die Inhalte staatlich gesteuert wurden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Beim Schulbuch hingegen stelle sich dies anders dar.  

    Friederike Kroschel als Historikerin und Sandra Koch als Erziehungswissenschaftlerin ergänzen sich in ihren wissenschaftlichen Perspektiven und fokussieren sich vor diesem Hintergrund in besonderer Weise auf die visuellen Darstellungen in den Büchern. „Bilder und Illustrationen wirken unmittelbar als ein eigenes Genre und sie verraten möglicherweise einiges, was im Text nicht steht. So wird in einem Bild zum Beispiel offenbar, dass nicht alles gleichberechtigt zuging, etwa wenn Jungen mit Technik gezeigt werden und Mädchen am Rand des Bildes stehen“, sagt Kroschel.

    Die Kinder- und Jugendliteratur sowie die Schulbücher sind eine gute Quelle, um etwas über die Herkunft bestimmter Narrative und Mythen zu erfahren. „Insgesamt gibt es an der Universität Hildesheim einige Projekte, die sich mit Kinder- und Jugendliteratur befassen, so dass sich daraus über die Fachbereiche hinweg ein interessanter Forschungsschwerpunkt ergeben könnte“, so Baader.

    Forschung in der Fallstudie: „Mythen in erzählten Bildungs- und Kindheitserfahrungen in der DDR“

    Es wird vielfach unterstellt, dass Geschichtsbewusstsein zur (Allgemein-)Bildung dazu gehört. Allerdings ist das Wissen über die Vergangenheit unserer Gesellschaft, gerade mit Blick auf die Entwicklungen der ehemaligen DDR, in der heutigen Gesellschaft recht heterogen. Doch woran liegt das?

    Die Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ geht von der Annahme aus, dass Geschichtswissen Teil des individuellen und kollektiven Gedächtnisses von Menschen in einer Gesellschaft ist. Die damit einhergehenden Formen des Erinnerns sind schwierig; sie unterliegen je besonderen Perspektiven und Standorten. Nicht zuletzt werden sie zudem von biographischen Brüchen geprägt. Dies gilt insbesondere für Zeitzeug*innen, welche selbst in der DDR gelebt und das dortige Bildungssystem auf ihren eigenen Bildungswegen erfahren haben: „Was wird heute eigentlich noch erinnert an Bildungs- und Erziehungspraktiken? Was können Zeitzeug*innen berichten, wie erinnern sie sich an das Bildungswesen der DDR?“, fragt Professor Michael Corsten.

    Das Wissen über Bildung und Kindheit in der DDR ist also unter anderem davon abhängig, ob jemand selbst in der DDR gelebt hat oder nicht, in welchem Alter und welchen geschichtlichen Phasen sie oder er dort mit den Institutionen des Bildungssystems, sei es Schule, Studium, Berufsausbildung oder Weiterbildung, in Berührung gekommen ist. Und sicher spielt es ebenfalls eine Rolle, welche (politische) Position ein Mensch in der DDR eingenommen hat, ob er zur Arbeiterschicht, zur sogenannten „Intelligenz“, zu den Kadern in Betrieben oder den Parteien zählte.

    Im Rahmen der Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ untersuchen der Soziologe Prof. Dr. Corsten sowie die Sozial- und Organisationspädagogin Larissa Jafke biographische Interviews mit Zeitzeug*innen aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive. Hierbei kann im Kern auf einen Datensatz von 50 Personen zurückgegriffen werden, die zwischen 2001 und 2010 dreimal biographisch interviewt wurden. Darüber hinaus werden über Kooperationen mit weiteren Forschenden sowie mit dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ zusätzliche Interviewmaterialien ausgewertet. „So wird u.a. die interessante Möglichkeit eröffnet, auf Interviews zurückzugreifen, welche Ende der 1980er Jahre und somit noch während des Bestehens der DDR mit Zeitzeug*innen  geführt wurden“, so Jafke. Denn für das individuelle und kollektive Erinnern ist es ebenso wichtig, zu welchem Zeitpunkt sich Personen erinnern sowie, ob sich das Erinnern der Person im Laufe des eigenen Lebens verändert.

    Im Rahmen des Forschungsvorhabens ist jedoch zu berücksichtigen, dass Änderungen des Erinnerns noch nicht die Form des Mythos annehmen müssen. Das, was geschah, kann später in einem neuen Licht, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen neu eingeschätzt und gewichtet werden. „Mythen sind daher aus unserer Sicht eher primäre Bilder der Geschichte, die sich individuell und kollektiv als selbstverständliches Wissen um die eigene Vergangenheit als Bedeutungen durchgesetzt haben und an die Menschen mehr oder weniger vorbewusst anknüpfen“, so Corsten.

    Mythen können demnach ebenfalls eine Funktion für den eigenen Selbstentwurf einnehmen – ganz im Sinne des britischen Sozialhistorikers Paul Thompson: „The myths we live by“. Solche Mythen anhand der Erzählungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit dem Fokus auf Erfahrungen von Bildung und Kindheit herauszuarbeiten, stellt folglich die wesentliche Aufgabe der Fallstudie dar.

    Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre und Unterricht zugänglich gemacht werden

    Aktuell befindet sich das Team noch in der anfänglichen Forschungsphase und befasst sich bisher primär mit den Interviewanfängen, bzw. mit den anfänglichen Selbsteinführungen der Interviewten. „Im Zuge dessen analysieren wir unter anderem, inwiefern und auf welche Weise sich hier bereits zu dem sozial historischen Kontext der DDR positioniert wird und was dies wiederum für die eigene Subjektivierung bedeutet“, fügt Jafke ergänzend hinzu.  

    Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre, Unterricht sowie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dazu gehören zum Beispiel eine Online-Plattform sowie interaktive Formate wie virtuelle Ausstellungen oder Handapparate, angereichert mit didaktischen Konzepten für den Unterricht.

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    news-17794 Thu, 07 Nov 2019 08:59:05 +0100 Professor für Systematische Theologie: René Dausner https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professor-fuer-systematische-theologie-rene-dausner/ Der Theologe Professor René Dausner forscht und lehrt am Institut für Katholische Theologie. Das Arbeitsgebiet des Professors umfasst Dogmatik und Fundamentaltheologie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie sowie Theologie und Literatur. Prof. Dr. René Dausner forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim.

    Das Arbeitsgebiet des Professors umfasst Dogmatik und Fundamentaltheologie, dazu zählen unter anderem die Gottesfrage, die Frage der Offenbarung, die theologische Anthropologie sowie die Lehre von der Kirche und den Sakramenten. Zu den Forschungsschwerpunkten des 43-Jährigen zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie sowie Theologie und Literatur.

    Nach dem Studium der katholischen Theologie und Germanistik in Bonn und Jerusalem, folgten die Promotion zum Dr. theol. mit einer dogmatischen Arbeit zum Thema „Schreiben wie ein Toter. Poetologisch-theologische Analysen zum deutschsprachigen Werk des jüdisch-israelischen Dichters Elazar Benyoëtz“. In seiner Dissertation untersuchte der Theologe das Werk des zeitgenössischen deutschsprachigen israelischen Dichters. Anschließend unterrichtete Dausner vier Jahre als Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg.

    2015 folgte die Habilitation zum Dr. theol. habil. an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in Fundamentaltheologie mit der Arbeit „Christologie in messianischer Perspektive. Zur Bedeutung Jesu im Diskurs mit Emmanuel Levinas und Giorgio Agamben“.

    In der Lehrerausbildung befasst sich Professor René Dausner mit seinen Studierenden derzeit zum Beispiel mit dogmatischen Kernthemen, etwa mit Fragen nach Gott und dem Menschen, nach Jesus Christus und der Offenbarung, nach der Kirche und den Sakramenten sowie nach Tod und Auferstehung.

    „Die Universität Hildesheim ist eine junge und dynamische Universität mit großem Zukunftspotential, insbesondere auch für die Theologie“

    Warum er sich für Hildesheim entschieden hat, begründet der Professor so: „Die Universität Hildesheim ist eine junge und dynamische Universität mit großem Zukunftspotential, insbesondere auch für die Theologie. Als Dogmatiker und Fundamentaltheologe bin ich in entscheidender Weise für das Studium der künftigen katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Bistum Hildesheim mitverantwortlich. In einer Zeit, in der das Interesse an Religion in ihrer Diversität wächst, kommt der Theologie auch eine zentrale gesellschaftspolitische Relevanz zu, weil sie Impulse zu Toleranz und einem neuen Humanismus geben kann.“

    Als „eine Stadt der Ökumene und der Kultur“ biete Hildesheim zudem Möglichkeiten, um den Dialog mit dem Judentum und dem Islam zu pflegen, was für seine theologische Arbeit von zentraler Bedeutung sei.

    Professor René Dausner hofft nun, dass pünktlich zu seiner Antrittsvorlesung das neue Buch vorliegen wird, das er im Herder-Verlag unter dem Titel „Revisionen des Heiligen. Streitgespräche zur Gottesfrage“ im Deutschen herausgibt. Es handelt sich dabei um Gespräche, die der Religionsphilosoph Richard Kearney, der am Boston College Philosophie lehrt, u.a. mit Charles Taylor, Jean-Luc Marion, Catherine Keller und Julia Kristeva geführt hat.  

    Antrittsvorlesung „In God we trust – how dare you? Die Gottesfrage als Sinnressource eines neuen Humanismus“

    Am Mittwoch, 13. November 2019, gibt der Theologe Einblicke in seine Forschung. Die öffentliche Antrittsvorlesung „In God we trust – how dare you? Die Gottesfrage als Sinnressource eines neuen Humanismus“ beginnt um 18:00 Uhr in der Aula im Hohen Haus am Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim. „Die Gottesfrage wird auch heute sehr intensiv gestellt; man denke etwa an so unterschiedliche, wenn auch nicht immer unumstrittene Autorinnen und Autoren wie Peter Handke, Sibylle Lewitscharoff oder auch an Hanns-Josef Ortheil und Daniel Kehlmann“, sagt René Dausner. „Was hier zur Sprache kommt, lässt sich mit Max Horkheimer als Sehnsucht nach dem ‚anderen‘, nach Transzendenz beschreiben – eine Sehnsucht, die für unser Bild vom Menschen neu zu denken gibt.“

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    news-17778 Tue, 05 Nov 2019 11:15:31 +0100 Philosophiegeschichten: Arabische Philosophinnen der Gegenwart https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/philosophiegeschichten-arabische-philosophinnen-der-gegenwart/ Das Institut für Philosophie lädt zu 13 öffentlichen Vorträgen an der Universität Hildesheim ein. Bis Februar 2019 geben Philosophinnen und Philosophen unter anderem aus Beirut, Tunis, Rabat, Alexandria, Doha und Kairo einen Einblick in ihre gegenwärtige Arbeit. Die Vortragsreihe ist Teil des DFG-Forschungsprojekts „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“. „Die Zusammenstellung der arabischen Philosophinnen, die nach Hildesheim kommen und Einblicke in ihre Arbeit geben, ist ziemlich einmalig“, sagt Professor Rolf Elberfeld.

    Der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Sarhan Dhouib organisiert die Veranstaltungsreihe. „Das Kolloquium zur arabischen Philosophie versteht sich als ein philosophischer Beitrag zu der internationalen Debatte um die Philosophie in der nahöstlichen Moderne sowie zur Aktualität der Philosophiegeschichtsschreibung in globaler Perspektive“, sagt Sarhan Dhouib.

    Die Vortragsreihe mit insgesamt 13 Veranstaltungen besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil sprechen bis Ende Dezember 2019 acht prominente Philosophinnen aus Algerien, Ägypten, Libanon, Marokko, Qatar und Tunesien über ihr philosophisches Profil. „Anstatt über arabische Philosophinnen zu sprechen, zielt das Kolloquium vor allem darauf, einen Raum zu schaffen, in dem arabische Philosophinnen zu Wort kommen und mit einem deutschen Fachpublikum in Austausch treten“, so Sarhan Dhouib.

    Im zweiten Teil reflektieren im Januar und Februar 2020 Fachgäste über die Reichweite der arabischsprachigen Philosophiegeschichtsschreibung in globaler Perspektive. Dabei liegen die Schwerpunkte sowohl auf philosophiehistorischen als auch systematischen Themen.

    Die Vorträge finden bis Februar 2019 jeweils am Donnerstagabend statt. Die Veranstaltung beginnt jeweils um 18:00 Uhr im Haus 50/202 auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim. Am 7. November 2019 spricht Prof. Dr. Pascale Lahoud (Antoine Universität, Beirut) über zeitgenössische Philosophie in Libanon. Französisch- und arabischsprachige Vorträge werden ins Deutsch übersetzt.

    Programm der Vortragsreihe (PDF)
    Arabische Philosophinnen der Gegenwart

    DFG-Forschungsprojekt:

    Die Vortragsreihe am Institut für Philosophie ist Teil des Forschungsprojekts „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“. In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt erarbeitet ein siebenköpfiges Forschungsteam um Projektleiter Professor Rolf Elberfeld von 2019 bis 2024 die globalen Geschichten der Philosophie. Sie dokumentieren die philosophische Weltgeschichte als Verflechtungsgeschichte.

    „In der Philosophie und ihrer Geschichtsschreibung besteht ein erheblicher Forschungs- und Innovationsbedarf. Es gilt daher heute, ein neues Bild von der Geschichte der Philosophie zu entwerfen, das zugleich auch zukünftige Formen des Philosophierens in globaler Perspektive ergebnisoffen vorbereitet“, sagt Rolf Elberfeld.

    Das Forschungsteam analysiert unter anderem die bis heute fortwirkenden Ausschlussmechanismen, durch die die Philosophie in Europa Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr zu einem rein europäischen Projekt stilisiert wurde.

    DFG-Forschungsprojekt
    Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive

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    news-17728 Tue, 29 Oct 2019 15:38:00 +0100 Studienergebnisse Sozialpsychologie: Macht Hunger egoistisch? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studienergebnisse-sozialpsychologie-macht-hunger-egoistisch/ Hunger ist ein unangenehmer Zustand. Man wird garstig und gereizt, und je länger man nichts isst, desto tiefer sinkt die Laune. Da liegt es doch auf der Hand, dass Hunger auch egoistisch macht – oder nicht? In einer aufwendigen Studienreihe ist ein internationales Team von Psychologen und Psychologinnen aus Gießen, Hildesheim, Bamberg, Amsterdam und Oxford dieser Frage systematisch nachgegangen. Zum Forschungsteam gehört Andreas Mojzisch, Professor für Sozialpsychologie der Universität Hildesheim. Lesen Sie hier einen Artikel zur Studie: 
    Does Hunger Make You Selfish?

    Hunger ist ein unangenehmer Zustand. Man wird garstig und gereizt, und je länger man nichts isst, desto tiefer sinkt die Laune.  Da liegt es doch auf der Hand, dass Hunger auch egoistisch macht – oder nicht? Ist jemand, der hungrig ist, wirklich so sehr auf seine eigenen Interessen bedacht, wie einige psychologische Studien und Befunde nahelegen?

    In einer aufwendigen Studienreihe ist ein internationales Team von Psychologen und Psychologinnen aus Gießen, Hildesheim, Bamberg, Amsterdam und Oxford dieser Frage systematisch nachgegangen. In zwei experimentellen Studien im Labor wurden die Versuchsteilnehmer angewiesen, mindestens 12 Stunden vor Beginn der Studie nichts zu essen, d.h. die Versuchsteilnehmer kamen sehr hungrig und mit einem niedrigen Blutzuckerspiegel in das Labor. Dort erhielt die eine Hälfte der Versuchsteilnehmer – die Kontrollgruppe – etwas zu essen um eine schnelle Sättigung und einen hohen Blutzuckerspiegel zu erzeugen (zum Beispiel zwei Becher Schokopudding). Die andere Hälfte der Versuchsteilnehmer – die Experimentalgruppe – blieb für den weiteren Versuch hungrig.

    Im Folgenden erhielten die Teilnehmer verschiedene Aufgaben. Deren Ziel: herauszufinden, ob die Teilnehmer sich dabei egoistisch verhielten. Bei einigen dieser Aufgaben bekamen sie beispielsweise einen Geldbetrag (zum Beispiel 10€) und konnten diesen zwischen sich und anderen Versuchsteilnehmern aufteilen. Bei anderen Aufgaben ging es darum, sich kooperativ zu verhalten, um dann gemeinsam einen höheren Gewinn zu erzielen. Bei einigen Aufgaben gab es zudem die Möglichkeit, egoistisches Verhalten der anderen Versuchsteilnehmer zu bestrafen.

    Die Erwartung des Forscherteams war, dass Hunger egoistisches Verhalten begünstigt. Das Forscherteam fand allerdings keine belastbaren Belege für egoistischeres Verhalten von hungrigen im Vergleich zu satten Versuchsteilnehmern: Hunger führte nicht zu gesteigertem Egoismus.

    In einer weiteren Studie wollte das Forscherteam herausfinden, ob sich die egoistischen Tendenzen eher finden lassen, wenn nicht Geld, sondern Essen aufgeteilt werden sollte. Hierfür bauten die Forscher einen Stand vor der Mensa der Uni Gießen auf und ließen Studierende, die entweder gerade in die Mensa gingen (also hungrig waren) und Studierende, die aus der Mensa kamen (also satt waren), Geld oder Essen (kleine Päckchen mit Studentenfutter) aufteilen. Wie in den anderen Studien fanden sich keine Belege dafür, dass Hunger egoistischer macht und zwar unabhängig davon, ob Geld oder Essen aufgeteilt wurde.

    „Unsere Ergebnisse zeigen, dass, obwohl akuter Hunger möglicherweise egoistische Impulse verstärkt, diese sich oft nicht im Verhalten niederschlagen. Wir gehen davon aus, dass die sozialen Rahmenbedingungen, zum Beispiel mögliche Sanktionen oder der drohende Verlust von sozialem Ansehen so stark sind, dass solche egoistischen Impulse ausgebremst werden.“ fasst Jan Häusser, Professor für Sozialpsychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, die Studienreihe zusammen.  

    Dass der Glaube an das egoistische Verhalten hungriger Menschen trotzdem weit verbreitet ist, zeigen die Autoren in einer weiteren Studie. Da dieser aber offensichtlich unzutreffend ist, stellt sich die Frage woher diese Überzeugung kommt. Ein weiterer Autor der Studie, Paul van Lange, Professor für Psychologie an der VU Amsterdam, meint hierzu: „Grundsätzlich neigen Menschen dazu, egoistisches Verhalten und egoistische Motive zu überschätzen. Offenbar gehen Menschen davon aus, dass insbesondere bei knappen Ressourcen das ‚wahre ich‘ gezeigt und egoistischer gehandelt wird. Unsere Studien zeigen, dass dies zumindest für akuten Hunger nichtzutreffend ist.“

    Mehr Informationen zur Studie: 

    Hunger Does not always Undermine Prosociality. 
    In: Nature Communications 
    Authors: Jan Häusser (Justus-Liebig University Giessen), Christina Stahlecker (Justus-Liebig University Giessen), Andreas Mojzisch (University of Hildesheim), Johannes Leder (University of Bamberg), Paul A. M. Van Lange (VU Amsterdam), Nadira Faber (Universities of Exeter and Oxford)

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    news-17614 Thu, 17 Oct 2019 12:53:30 +0200 Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz: Antrittsvorlesung von Johannes Metz https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/juniorprofessor-fuer-vegetationsoekologie-und-naturschutz-antrittsvorlesung-von-johannes-metz/ Pflanzen sind die lebende Grundlage der Ökosysteme der Erde. Der Ökologe Johannes Metz erforscht die Artenvielfalt. Er forscht und lehrt als Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz an der Universität Hildesheim Lesetipp: Ein Interview mit Johannes Metz
    lesen Sie im Universitätsjournal DIE RELATION
    „Wir verlieren auf der Erde Arten – und zwar rasant“

    Als Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz forscht und lehrt Johannes Metz seit November 2018 am Institut für Biologie und Chemie der Universität Hildesheim. Metz befasst sich mit Artenvielfalt, mit Veränderungen in der Gemeinschaftsstruktur und dem Vorkommen von Arten.

    Pflanzen sind die lebende Grundlage der Ökosysteme der Erde. Warum eigentlich? Und was geschieht, wenn diese Grundlage unter veränderte Bedingungen gerät? In seiner Antrittsvorlesung schlägt Johannes Metz einen Bogen von der Bedeutung der Pflanzen allgemein hin zu zwei speziellen Aspekten seiner eigenen Forschung. Der erste Fokus wird dabei auf Ökosystemen des Nahen Ostens liegen. Dort bietet ein starker, natürlicher Klimagradient außergewöhnlich gute Bedingungen, um das Anpassungspotential von Pflanzen an verschiedene Klimate zu untersuchen – aber auch dessen Grenzen. Der zweite Fokus behandelt Auswirkungen von Umweltveränderungen auf regionale Vegetation. Am Beispiel heimischer Orchideen wird Johannes Metz erläutern, dass in Zeiten des Klimawandels der großflächige Schutz naturnaher Habitate unverzichtbar für den Erhalt von Biodiversität ist.

    Wie Pflanzen zu einem funktionierenden Ökosystem beitragen

    Der Ökologe untersucht in seiner Forschung zum Beispiel, wie Pflanzen zu einem funktionierenden Ökosystem beitragen und wie unverzichtbar deren Vielfalt ist.

    „Wir haben auf der Erde noch nicht alle Arten beschrieben. Aber das ist ein gesichertes Faktum: Leider verlieren wir Arten auf der Erde, und zwar rasant. Es gibt verschiedene Einflussfaktoren, die es zusammen schwieriger für die Arten machen, zu überleben: Habitate werden zerstört. Die Landwirtschaft nimmt etwa zwei Drittel der Fläche Deutschlands ein und wird immer stärker intensiviert. Das heißt, wir haben nur noch ein Drittel mehr oder weniger naturnahe Flächen. Darüber hinaus werden diese Habitate sehr stark verändert, es werden Schadstoffe eingetragen, Pestizide aus der Landwirtschaft, Abgase und Mikroplastik. Durch Eutrophierung verändern wir die Nährstoffbedingungen. Dies verändert das feine, dynamische Gleichgewicht, in dem Arten bisher in ihrem Ökosystem koexistierten. Viele Arten sind nicht angepasst an so hohe Nährstoffkonzentrationen, weil sie in den letzten Millionen von Jahren keine Stickstoff- und Phosphatdüngung erlebt haben. Und die wenigen Arten, die mit solchen hohen Konzentrationen klarkommen, dominieren diese Ökosysteme. So wachsen dann eben mehr Knaulgras und Scharfer Hahnenfuß aber kaum noch Orchideen oder Schlüsselblumen“, sagt Metz.

    Johannes Metz hat Biologie und Geographie an den Universitäten Freiburg und Leipzig studiert. Er unterrichtete als Referendar die Fächer Geographie und Biologie am Carl-von-Bach Gymnasium bei Chemnitz. Seine Doktorarbeit zum Thema „The sensitivity of Eastern Mediterranean plant communities to variations in rainfall and their vulnerability to global climate change“ führte ihn an die Universitäten in Tübingen und Jerusalem. Johannes Metz war danach wissenschaftlicher Mitarbeiter für Plant Ecology & Nature Conservation in Tübingen und später in Potsdam, wo er 2018 bis zu seinem Ruf nach Hildesheim auch die Professur für Spezielle Botanik und Biodiversitätsforschug vertrat.

    Antrittsvorlesung

    Am Mittwoch, 23. Oktober 2019, gibt der Ökologe Einblicke in seine Forschung. Die öffentliche Antrittsvorlesung „Ökologie der Pflanzen: Die Grundlage des Lebens in der veränderten Welt“ beginnt um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 am Hauptcampus der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim).

    Kurz erklärt:

    Umweltwissenschaft und Naturschutz in Hildesheim

    Ein Team aus Geographie und Biologie bildet an der Universität Hildesheim Umwelt-Fachleute in den Studiengängen „Umwelt, Naturschutz und Nachhaltigkeitsbildung“ (Master of Science) sowie „Umweltsicherung“ (Bachelor of Science) aus. Den Bachelor haben seit 2007 rund 450 Studierende studiert, den Master seit 2014 etwa 100 Studierende. Die Studentinnen und Studenten befassen sich mit der Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten.

    Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel in den Bereichen Umweltsicherung und Umweltkommunikation, im Natur- und Umweltschutz bei Behörden, Verbänden oder Nichtregierungsorganisationen, in Planungsbüros und in der Umweltbildung bei staatlichen und freien Trägern.

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    news-17123 Wed, 02 Oct 2019 10:00:00 +0200 Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann treffen Sebastian Thrun im Silicon Valley https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/maren-stadtlaender-und-thorsten-schoormann-treffen-sebastian-thrun-im-silicon-valley/ Mit dem Sebastian-Thrun-Preis für besonders herrausragende Leistungen im Studium und in der Forschung auf dem Gebiet der Informatik werden Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann ausgezeichnet. Nun sind beide in den USA bei Sebastian Thrun, dem Erfinder der selbstfahrenden Autos und einem der einflussreichsten Denker in der Welt der künstlichen Intelligenz. Thrun hat in den 1980er Jahren an der Universität Hildesheim Informatik studiert. „Als Wirtschaftsinformatikerin sitze ich an einer Schnittstelle, rede mit den Informatikern wie mit den BWLern, mit den Experten aus der Data Analytics und Künstlichen Intelligenz wie mit den Fachleuten für Umweltsicherung. Das ist in Hildesheim ein inspirierendes Umfeld, wo man so viele Nischen betreten kann“, sagt Maren Stadtländer über ihre Arbeit an der Universität Hildesheim.

    Und nun trifft sie auf Sebastian Thrun, den weltweit hoch geschätzten Informatiker. „Es ist spannend, in wie vielen verschiedenen Projekten Sebastian Thrun involviert war, ob in die Entstehung von Google Glasses oder die Kartographie für Google Maps oder eine neue Lehrplattform für die Informatik“, sagt Stadtländer.

    „Sebastian Thrun ist mit seinem Lebenslauf ein Vorbild für uns Studentinnen und Studenten, eine große Inspiration“

    Bis Mitte Oktober 2019 ist die Informatikerin gemeinsam mit ihrem Kollegen Thorsten Schoormann in den USA bei Sebastian Thrun. Die Forschungsreise ist Teil des „Sebastian-Thrun-Preises“ der Universität Hildesheim. Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann forschen in der Arbeitsgruppe des Wirtschaftsinformatikers Professor Ralf Knackstedt und befassen sich mit nachhaltigen Geschäftsmodellen.

    „Ich hoffe, von seinen Erfahrungen mit Start-Ups zu lernen. Es ist spannend, dass jemand wie Sebastian Thrun aus Hildesheim kommt, hier an der Universität Informatik studiert hat – er ist mit seinem Lebenslauf ein Vorbild für uns Studentinnen und Studenten, eine große Inspiration. Ich hoffe, dass ich mit vielen Impulsen aus dem Silicon Valley nach Hildesheim zurückkehren werde“, sagt Thorsten Schoormann.

    Nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln

    Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann haben beide in Hildesheim ihr Bachelor- und Masterstudium „Wirtschaftsinformatik“ absolviert und wollen mit ihrer Forschung am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik nun die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle vorantreiben.

    Die 27-jährige Maren Stadtländer ist seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Ich untersuche, wie Nachhaltigkeit in Geschäftsmodellen berücksichtigt und in der Lehre an die nächste Generation der Studierenden oder in Schulen weitergegeben werden kann.“

    In den Unternehmen seien ökologische Aspekte, wie Ressourcen- und Energieeinsparung, aber auch soziale Aspekte, wie ein positiver Einfluss auf die Gesellschaft, immer stärker in den Fokus gerückt, auch weil es den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. „Geschäftsmodelle, die stark im Kommen sind, sind beispielsweise Sharing-Modelle, bei denen die Ressourcen nicht mehr einer Person privat gehören, sondern geteilt werden, etwa ein Auto oder Wohnraum“, so Stadtländer. Erste Forschungsergebnisse für die Umsetzung nachhaltiger Geschäftsmodelle konnte sie bereits im Frühjahr auf der gößten deutschsprachigen Konferenz der Wirtschaftsinformatik in Siegen vorstellen.

    Der 32-jährige Thorsten Schoormann arbeit seit 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität, derzeit im „Innovationsverbund SmartHybrid“. Er befasst sich in der Forschung mit der Analyse von ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit in Geschäftsmodellen und wie dieses softwarebasiert umgesetzt werden können. „Wie kann ein Softwarewerkzeug aussehen, das Leute dabei unterstützt, während des Erstellens eines Geschäftsmodells über die ökologischen und sozialen, und nicht nur die ökonomischen, Fragen nachzudenken? Daran baue ich“, sagt der Wirtschaftsinformatiker.

    „Man kann groß denken und versuchen, neue Geschäftsmodelle zu bauen, aber man kann auch in bestehenden nachsteuern. Wer ein Geschäftsmodell weiterentwickeln möchte, steht zunächst beispielsweise vor der Frage: Was sind die Kernressourcen, die es braucht, damit das Geschäftsmodell funktioniert? Sind etwa erneuerbare Rohstoffe vorhanden? Während man das Geschäftsmodell visualisiert, kann man Denkprozesse in Gang setzen wie zum Beispiel: ‚Denk‘ doch einmal nach, das sind deine derzeit verwendeten Rohstoffe – aber es gibt hier eine Liste mit nachhaltigen Alternativen.‘ Checklisten machen auf ökologische Aspekte aufmerksam“, so Schoormann.

    Das Softwaretool, an dem er derzeit arbeitet, soll Unternehmen unterstützen, solche Fragen nach Nachhaltigkeit zu stellen, „damit man sich Gedanken macht, was verbessert werden muss“. Das Werkzeug ist ein Forschungsprototyp, den Thorsten Schoormann in der IT-Lehre bereits einsetzt. „Studierende modellieren damit Geschäftsmodelle“, so der Wirtschaftsinformatiker. Auch wenn es kein Geschäftsmodell gibt, das die komplexen und multikriteriellen Anforderungen der Nachhaltigkeit vollumfänglich erfüllt, ist die gezielte Reflektion elementarer Aspekte auf Kunden- und Anbieterseite wertvoll.

    „Es gibt viele Pioniere, die darüber nachdenken, wie man die Welt ein Stück weit besser machen kann, etwa die Schülerbewegungen und Demonstrationen wie ‚Fridays for Future‘, die wir gerade erleben. Die Leute haben ein Bewusstsein dafür, dass etwas geändert werden muss, dass wir nicht auf Kosten des Planeten so weiterleben können wie bisher. Mit unserer Arbeit möchten wir ihnen ein paar Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie über bestimmte Dinge nachdenken können. Der erste Schritt ist häufig, zu visualisieren und dadurch zu sensibilisieren: Hier ist etwas schlecht – okay, wie funktioniert es besser?“ Impulse für die weitere Arbeit erhoffen sie sich nun von der Forschungsreise ins Silicon Valley.

    Zentrum für Digitalen Wandel in Hildesheim ist „ein wichtiger Schritt, um deutlich zu machen, was im Bereich der Digitalisierung an der Universität Hildesheim bereits alles geleistet wird“

    Dass die Universität Hildesheim ein Zentrum für Digitalen Wandel/Center for Digital Change aufgebaut hat, hält Thorsten Schoormann für einen wichtigen Schritt, um deutlich zu machen, was im Bereich der Digitalisierung an der Universität bereits alles geleistet wird.

    „Wir haben viele Felder und extrem spannende Lehrstühle in Hildesheim, ob Data Analytics oder Software Engineering, Computerlinguistik oder Sprachanalyse. Als Wirtschaftsinformatiker arbeite ich disziplinübergreifend, deshalb ist es genau richtig, dass Politikwissenschaft, Kultur- und Erziehungswissenschaft in dem Zentrum für Digitalen Wandel gemeinsam mit den naturwissenschaftlich-technischen Fächern zusammenarbeiten. Es gibt viele, die sich bereiterklären, und an diesem gemeinsamen Prozess, Digitalisierung zu erforschen, mitwirken“, sagt Thorsten Schoormann.

    Maren Stadtländer ergänzt: „Digitalisierung bricht überall in die Gesellschaft ein, es ist wichtig, dass an der Universität geisteswissenschaftliche und technische Fächer zusammenarbeiten und zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer die Kompetenzen vermittelt bekommen. Wir sind eine der ersten Universitäten, die Informatik-lehrerinnen und Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen gezielt ausbildet. Und ich finde es wirklich positiv, welche Entwicklungen im Bereich der Internatio-nalisierung an der Universität zu beobachten sind. Data Analytics ist etwa inzwischen eine Anlaufstelle für Leute aus der ganzen Welt geworden, ein unglaublich diverser Studiengang. Hildesheim ist nicht die größte Stadt – aber es ist wichtig, sich zu positionieren und zu zeigen, was hier bereits geleistet wird.“

    Kurz erklärt:

    Sebastian Thrun

    Sebastian Thrun hat an der Universität Hildesheim von 1986 bis 1988 als einer der ersten Studenten Informatik studiert, in Bonn promoviert und wechselte dann in die Vereinigten Staaten. Er war Assistenzprofessor für Informatik an der Carnegie Mellon University und leitete als Research Professor an der Stanford University den Bereich Künstliche Intelligenz.

    Thrun erforscht lernfähige Robotiksysteme, die sich selbstständig bewegen können. Er ist Erfinder des selbstfahrenden Autos und leitete verschiedene Projekte im geheimen Forschungslabor „Google X“, darunter „Google Glass“, und schuf die technischen Grundlagen für „Google StreetView“. Parallel dazu gründete Thrun die Internet-Universität „Udacity“ und hat seitdem sein Ziel auf die Demokratisierung von weiterführender Bildung ausgerichtet. Die Kurse über Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinelles Lernen erreichen derzeit neun Millionen Menschen.

    IT-Studium an der Universität Hildesheim

    Insgesamt studieren an der Universität Hildesheim derzeit über 850 IT-Studentinnen und IT-Studenten (Stand Sommersemester 2019). Die Universität bildet im Bachelorstudium und im Masterstudium Informatikerinnen und Informatiker unter anderem in den Studienprogrammen „Wirtschaftsinformatik“, „Angewandte Informatik“ und „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ sowie im „Lehramt Informatik“ aus.

    Eine überwältigende Nachfrage verzeichnet seit 2016 „Data Analytics“. Für dieses erste vollständig englischsprachige Studienprogramm der Universität Hildesheim haben sich zum Wintersemester über 2000 Studieninteressierte aus der ganzen Welt beworben. Hildesheim hat dabei das bundesweit größte Programm für Data Analytics mit derzeit 165 Studentinnen und Studenten aus mehr als 25 Ländern.

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    news-17460 Tue, 24 Sep 2019 14:21:06 +0200 Uni Hildesheim erfolgreich bei KI-Innovationswettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uni-hildesheim-erfolgreich-bei-ki-innovationswettbewerb-des-bundeswirtschaftsministeriums/ Informatiker der Universität Hildesheim entwickeln gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft ein neuartiges Ökosystem um den rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz im Bereich der Produktionstechnik nutzbar zu machen. Davon profitieren vor allem mittelständische Unternehmen. Für die intelligente Produktion (Industrie 4.0) gilt künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie, um die Produktivität zu steigern. Besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlen für den KI-Einsatz allerdings die technischen Voraussetzungen, das Know-how und die passenden Geschäftsmodelle. Die Forschung hierzu treiben die Hildesheimer Professoren Klaus Schmid und Lars Schmidt-Thieme in dem Forschungsprojekt nun mit voran. Die Universität Hildesheim ist Partner des Konsortiums „IIP-Ecosphere“, das nun den Innovationswettbewerb „Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gewonnen hat. Staatsekretär Dr. Ulrich Nussbaum überreichte dem Direktor des Forschungszentrums L3S, Professor Dr. Wolfgang Nejdl, stellvertretend für alle Projektpartner die Urkunde für den erfolgreichen Projektvorschlag „IIP-Ecosphere: Next Level Ecosphere for Intelligent Industrial Production“ in Berlin. Insgesamt wurden 16 Plattformprojekte ausgezeichnet. Die Gewinner erhalten nun die Chance, ihr Vorhaben im Rahmen einer geförderten, dreijährigen Umsetzungsphase zu realisieren.

    Das Konsortium unter Leitung der Leibniz Universität Hannover besteht aus 19 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft – darunter die Universität Hildesheim, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Volkswagen, Siemens, DMK Mori und Sennheiser. Das Forschungsteam hat ein überzeugendes Konzept für den Ausbau der intelligenten Produktion erarbeitet.

    Das Ziel ist es, ein neuartiges Ökosystem aufzubauen, um den rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz (KI) im Bereich der Produktionstechnik insbesondere für mittelständische Unternehmen nutzbar zu machen und das Potential von Industrie 4.0 auszuschöpfen.

    Mit dabei: Die Hildesheimer Forschungsteams von Professor Klaus Schmid (Software Systems Engineering) und Professor Lars Schmidt-Thieme (Information Systems and Machine Learning Lab)

    Software Systems Engineering

    Information Systems and Machine Learning Lab

    Für die Universität Hildesheim nehmen die Arbeitsgruppen Software Systems Engineering um Professor Dr. Klaus Schmid und Information Systems and Machine Learning Lab um Professor Dr. Dr. Lars Schmidt-Thieme an der Umsetzungsphase von „IIP-Ecosphere“ teil. Das Gesamtvolumen des Projekts liegt bei 12 Millionen Euro, davon fließen rund 1,1 Millionen Euro Fördermittel an die Universität Hildesheim.

    Für die intelligente Produktion (Industrie 4.0) gilt künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Studien prognostizieren durch den Einsatz von KI eine Steigerung der Produktivität um bis zu 50 Prozent. KI-Methoden sollen nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums daher noch stärker Treiber für innovative Wertschöpfungsnetze und die Schaffung neuer Produkte und Geschäftsmodelle werden.

    Künstliche Intelligenz ist kein Schlagwort, sondern die Schlüsseltechnologie im globalen Wettbewerb

    In 65 Prozent der deutschen Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern kommen bislang allerdings noch keine KI-Methoden zum Einsatz. Besonders KMU fehlen für den Einsatz nicht nur die technischen Voraussetzungen und das Know-how, sondern auch die passenden Geschäftsmodelle.

    Weiterhin gibt es zurzeit sehr uneinheitliche technische Schnittstellen zwischen Prozessen und Maschinen im Produktionsbereich sowie Bedenken bezüglich Monopolisierung, Datenhoheit und Geheimhaltung bei aktuellen Industrie 4.0 Software-Plattformen. Sowohl moderne und flexible Plattformkonzepte als auch die einfache Anwendung und Integration von KI in die industrielle Produktion sind Schlüsselthemen für die beteiligten Arbeitsgruppen der Universität Hildesheim.

    „Mit diesem Konsortium, dem offenen Konzept von IIP-Ecosphere, das auch externen Parteien die Mitarbeit ermöglicht, sowie durch neuartige Integration bzw. Erweiterung standardisierter Komponenten werden wir hier einen großen Schritt vorankommen“ sagt der Hildesheimer Informatiker Dr. Holger Eichelberger, designierter Leiter zweier Arbeitspakete in „IIP-Ecosphere“.

    Mit der Forschung  trägt die Universität Hildesheim dazu bei, die Anwendbarkeit von KI-Methoden in der Produktion zu erleichtern, diese in realen Anwendungsszenarien zu demonstrieren sowie Hemmnisse zu beseitigen und die nachhaltige Einbeziehung neuer Stakeholder zu fördern. Insbesondere sollen KMU und Startups befähigt werden, KI-Methoden zur intelligenten Produktion selbst erfolgreich anzuwenden und weiterzuentwickeln.

    Nähere Informationen unter www.iip-ecosphere.eu

    Liste der Konsortialpartner:

    • Leibniz Universität Hannover

    • Universität Hildesheim

    • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    • Universität Koblenz-Landau

    • Fraunhofer ISST

    • Artis Marposs Monitoring Solutions GmbH

    • Bitmotec GmbH

    • Deutsche Messe Technology Academy GmbH

    • Gildemeister Drehmaschinen GmbH (DMG Mori)

    • KIProtect GmbH

    • Lenze-Gruppe

    • RapidMiner GmbH

    • Salt & Pepper Software GmbH & Co. KG

    • Sennheiser electronic GmbH & Co. KG

    • Siemens AG

    • Verein Deutscher Werkzeugmaschinen e.V.

    • Volkswagen AG

    Kontakt (Gesamtprojekt):

    Dr. Claudia Niederée
    Forschungszentrum L3S
    0511 762 17796
    Niederee@L3S.de 

    Kontakt (Uni Hildesheim):

    Prof. Dr. Klaus Schmid
    Arbeitsgruppe Software Systems Engineering
    Universität Hildesheim
    05121 883 40332
    schmid@sse.uni-hildesheim.de

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    news-17426 Mon, 23 Sep 2019 15:05:00 +0200 Universität Hildesheim im Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-25/ Die Universität Hildesheim hat sich erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Fünf dieser Professuren können an der Universität Hildesheim etabliert werden, und zwar in den Bereichen Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter sowie Informatikdidaktik. Die Tenure-Track-Professuren sind Teil des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Universität Hildesheim hat sich im Rahmen des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz am 12. September 2019 bekannt gab, können nun fünf dieser Professuren an der Universität Hildesheim etabliert werden. Insgesamt wurden in der zweiten Bewilligungsrunde 532 Tenure-Track-Professuren an 57 Hochschulen zur Förderung ausgewählt. Nach der Vergabe von 468 Professuren in der ersten Bewilligungsrunde 2017 erhalten damit insgesamt 75 Hochschulen eine Förderung. 

    Die Tenure-Track-Professur sieht nach einer erfolgreichen Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor, sodass die beruflichen Chancen des herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchses erhöht und die Planbarkeit einer Karriere in der Wissenschaft verbessert werden. An der Universität Hildesheim bestehen damit künftig neben der Habilitation als „klassischem“ Weg, der Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe und der Tenure-Track-Professur im Wesentlichen drei Wege zur Professur. Die auf diese Stellen berufenen Professorinnen und Professoren nehmen ihre Aufgaben in Forschung und Lehre selbständig wahr.

    Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter, Informatikdidaktik

    Thematisch sollen die Professuren im Bereich der Digitalisierung angesiedelt werden. Wie in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim „MINERVA 2025“ festgehalten, stellt Digitalisierung neben Bildung, Kultur und Diversität ein fachbereichsübergreifendes Leitthema dar. In innovativer Weise werden zwei Bereiche miteinander verknüpft: zum einen technische Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Data Analytics, Computerlinguistik) und zum anderen gesellschaftliche Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Verwaltung und Demokratieentwicklung, soziale Dienste). Der Bereich Digitalisierung dient damit zur weiteren Profilschärfung der Universität Hildesheim. Gleichzeitig werden Forschung, Lehre und Transfer in einem für die Zukunft äußerst relevanten Themenfeld strategisch gestärkt. 

    Im Einzelnen beantragte die Universität Hildesheim die folgenden Tenure-Track-Professuren in dem Bund-Länder-Programm: 

    • Professur für Digitales Lehren und Lernen im Unterricht

    • Professur für Ethnomusicology

    • Professur für Digitale Geisteswissenschaften

    • Professur für Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter

    • Professur für Informatikdidaktik

    Die Professuren sollen noch in diesem Jahr ausgeschrieben und im Sommersemester 2020 besetzt werden. Die Universität Hildesheim erhält für die Einrichtung der fünf Tenure-Track-Professuren rund 3,5 Millionen Euro. 

    Das Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses läuft von 2017 bis 2032. Dafür stellt der Bund bis zu eine Milliarde Euro bereit. Zugleich sagten die Länder zu, die Zahl der unbefristet beschäftigten Professorinnen und Professoren an den antragsberechtigten Hochschulen dauerhaft um 1.000 zu erhöhen. Mit der Etablierung der Tenure-Track-Professur als international bekanntem und akzeptiertem Karriereweg soll nicht zuletzt die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems insgesamt erhöht werden.

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    news-17405 Thu, 05 Sep 2019 15:06:59 +0200 Geographen geben Einblicke in die Erdgeschichte: Bodengeographische Exkursion https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geographen-geben-einblicke-in-die-erdgeschichte-bodengeographische-exkursion/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim teilen ihr Wissen. Diesmal laden sie am Sonntag, 15. September 2019, zu einer bodengeographischen Exkursion an die Giesener Teiche ein. Dabei gehen die Forscher auch auf die Folgen der menschlichen Eingriffe seit dem Neolithikum ein. Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenfrei. Die Exkursionsroute der Hildesheimer Geographen führt am 15. September 2019 – dem bundesweiten „Tag des Geotops“ – zu den Giesener Teichen und auf die Fläche des ehemaligen Standortübungsplatzes.

    Dort erläutert der promovierte Geograph Nico Herrmann anhand der Profilschürfe des neuen bodengeographischen Lehrpfades („Bodenblick Giesener Teiche“) die geologische, geomorphologische und bodengeographische Lage und analysiert Kalksteinböden, Lössprofile und geschichtete Böden auf Tonstein.

    Exkursion gibt Einblicke in die Bodenbildung und frühere ackerbauliche Nutzung

    „Neben dem tieferen geologischen Untergrund können dabei periglaziale Prozesse der letzten Kaltzeit, holozäne Bodenbildung und frühere ackerbauliche Nutzung im Bodeninventar identifiziert werden. Die sehr kleinräumig differenzierten Standortpotentiale haben bereits lange vor der Nutzung als militärischer Übungsplatz zu sehr unterschiedlicher Landnutzung und Übernutzung geführt“, so Herrmann.

    Die Realisierung des bodengeographischen Lehrpfads wurde von der Bingo-Umweltstiftung finanziell und von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hildesheim sowie der Paul-Feindt-Stiftung durch entsprechende Genehmigungen unterstützt.

    Trotz der deutlichen Spuren aus der Zeit der Truppenübungen wird die ausgeprägte Differenzierung dieses Naturschutzgebietes in Feuchtbiotope, Kalkmagerrasen und mesophiles Grünland als Ergebnis der geologischen, periglazialen und holozänen Landschaftsgenese lange vor dem wirkenden Menschen fassbar, sagt Nico Herrmann.

    Der Geograph der Universität Hildesheim wird auch die Dimensionen der menschlichen Eingriffe seit dem Neolithikum während der Exkursion erläutern.

    Kostenfreie Teilnahme an der Exkursion

    Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenfrei, festes Schuhwerk wird empfohlen. Treffpunkt ist am 15. September 2019 um 13:30 Uhr der Parkplatz am Sportplatz des TSV Giesen (Am Waldstadion 1, 31180 Giesen; Koordinaten: 52°11'31.1"N, 9°53'40.4"E). Die Exkursion endet um 16:00 Uhr und findet bei jedem Wetter statt.

    Wer Fragen zur Exkursion hat, erreicht Dr. Nico Herrmann vom Institut für Geographie unter nico.herrmann@uni-hildesheim.de.

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    news-17338 Wed, 21 Aug 2019 14:38:41 +0200 Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-in-hildesheim-studieren/ Marie Leusder gehört zur ersten Generation, die sich an der Universität Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Der Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ ist bundesweit einmalig. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Das Studium beginnt im Oktober 2019. Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“

    Bewerben Sie sich bis zum 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]
    Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

    Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Insgesamt gibt es 20 Studienplätze, das Studium beginnt im Oktober 2019.

    Bundesweit einmalig sei dieser Masterstudiengang, sagt Isabel Rink von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim. „Wir bilden Textexpertinnen und Textexperten aus, die angemessene mündliche und schriftliche Texte für Personen mit Kommunikationseinschränkungen erstellen können. Von der Arbeit in Hildesheim profitieren Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Behinderung, mit divergierenden Bildungschancen oder einschneidenden Lebensereignisse wie zum Beispiel einer Flucht“, so Rink.

    „Oft rücken bauliche Maßnahmen ins Bewusstsein, Inklusion bedeutet aber auch, sprachliche Barrieren abzubauen“

    Interview mit der Studentin Marie Leusder

    Marie Leusder, 23 Jahre, hat im Bachelorstudium an der Universität zu Köln Sonderpädagogik auf Lehramt mit den Fächern mathematische und sprachliche Grundbildung studiert und ihre Bachelorarbeit über Leichte Sprache geschrieben. Über die Recherche für ihre Abschlussarbeit wurde sie auf die Forschung an der Universität Hildesheim aufmerksam und hat sich entschieden, den Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim zu studieren.

    Frau Leusder, Sie gehören zur ersten Generation des Masterstudiengangs „Barrierefreie Kommunikation“. Was ist Ihr Antrieb, warum haben Sie dieses Studium gewählt?

    Ich habe mich in Köln, wo ich im Bachelor studiert habe, sehr wohl gefühlt, ich war am hin- und herüberlegen, ob ich nach Hildesheim zum Masterstudium gehen soll. Je mehr ich mich informiert habe und mit der Studienberatung in Nordrhein-Westfalen sprach, desto klarer wurde mir: Ich möchte mich spezialisieren und barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren. Inklusion ist ein großes gesellschaftliches Thema, oft – aber auch noch nicht genug – rücken die baulichen Maßnahmen in das Bewusstsein der Bevölkerung, aber dass viele Texte und Sprache viele Leute ausschließen, das ist vielen nicht bewusst.

    Warum ist die barrierefreie Kommunikation bedeutsam?

    Nehmen wir die Leichte Sprache als Beispiel, eine vereinfachte Variante des Deutschen. Die Leichte Sprache kann sehr vielen Menschen helfen, etwa Menschen mit kognitiven Einschränkungen, aber auch gehörlosen Menschen und Menschen, die aus anderen Ländern kommen und nun in Deutschland leben. Ich habe in Köln in einem inklusiven Café gearbeitet, die Kuchenrezepte wurden in Leichte Sprache übersetzt, das war für die Beschäftigten richtig gut, weil sie eigenständig anhand der übersetzten Rezepte den Kuchen backen konnten.

    Wie sind die bisherigen Erfahrungen im Masterstudium – verbinden Sie Theorie und Praxis?

    Im ersten Semester hatten wir viel Theorie, etwa eine Vorlesung zur Verständlichkeitsforschung, in der wir uns damit auseinandergesetzt haben, was Texte eigentlich verständlich macht. Im zweiten Semester kombinieren wir die Theorie mit der Praxis, haben Projektseminare. Ich habe zum Beispiele Seminare zu Fachkommunikation und Verständlichkeitsoptimierung, in denen ich mich damit befasse, wie Bedienungsanleitungen verständlich formuliert werden können und an welchen Stellen es hapert und ich habe für das Roemer- und Pelizaeus-Museum für eine Fachtagung zu Kultur und Inklusion Abstracts übersetzt in Leichte Sprache. Wir befassen uns in Zusammenarbeit mit der Diakonie mit unterstützter Kommunikation und assistiven Technologien , wie können Texte über möglichst unterschiedliche Sinne zugänglich gemacht werden – fast wie ein Theaterstück. Bei der Übersetzung muss man viele Seiten mitdenken, die Nutzer, aber auch den Text und Inhalt selber und wo denn die Texte erscheinen.

    Wem würden Sie diesen Masterstudiengang empfehlen?

    Jedem, der Interesse an Sprache in der Gesellschaft hat. Wie kann Sprache ausschließen und was kann man dafür tun, dass diese Ausgrenzung reduziert und Teilhabe möglich wird? Dafür wollen wir Antworten entwickeln.

    Der Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in der Gesellschaft mit Ihrer Arbeit im künftigen Berufsleben bewirken?

    Ich möchte die Gesellschaft dafür sensibilisieren, Barrieren abzubauen. Es ist ein starker Ausschluss, wenn man sprachlich Barrieren aufbaut. Das Studium an der Universität Hildesheim ermöglicht mir, dazu beizutragen, diese Barrieren abzubauen. Übrigens ist der kleine Studienort kein Schock mehr für mich, im Gegenteil: Dadurch, dass ich vorher an einer riesigen Uni in Köln studiert habe, ist es jetzt voll der Luxus, in einer kleinen Studierendengruppe in Hildesheim zu lernen, die Dozentinnen und Dozenten fordern uns sehr, lassen uns aber nicht fallen. Das ist ein guter Antrieb, um weiterzukommen. Ich fühle mich sehr wohl in Hildesheim und rate jedem: „Geh lieber an eine kleine Uni, da ist die Lehre besser.“

    Die Fragen stellte Isa Lange.

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    news-17317 Mon, 12 Aug 2019 08:11:00 +0200 Sprachförderung in Schulen: Professorin Elke Montanari über das Recht auf Bildung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/sprachfoerderung-in-schulen-professorin-elke-montanari-ueber-das-recht-auf-bildung/ Zur aktuellen Debatte um Sprachförderung in der Grundschule äußert sich Professorin Elke Montanari. Die Sprachwissenschaftlerin verweist auf das Recht auf Bildung und die Bedeutung qualifizierter Lehrerinnen und Lehrer. „Die Studierenden, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen“, so Montanari über die Hildesheimer Lehrerausbildung. Lehramtstudentinnen und Lehramtstudenten der Universität Hildesheim befassen sich im Studium mit Diversität, Deutsch als Zweitsprache und Bildungsintegration. Montanari erforscht, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Mehr erfahren:
    Das Zentrum für Bildungsintegration
    an der Uni Hildesheim

    Zur aktuellen Debatte um Zweitspracherwerb, Sprachdiagnostik und Sprachförderung äußert sich Professorin Elke Montanari. „Deutschland hat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen mit verabschiedet. Darin ist in Artikel 28 das Recht auf den Schulbesuch verankert. In Deutschland wird dieses Recht durch die Schulpflicht gesichert“, sagt Montanari.

    „Die Studierenden an der Stiftung Unviersität Hildesheim, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Das sehen sie als eine der wichtigsten Aufgaben. Und wenn ein Kind bei der Einschulung etwas noch nicht gut kann – die deutsche Sprache, Zählen, Sport oder was auch immer, dann lernt es dieses Kind eben in der Schule. Dafür bilden wir ja die Lehrkräfte aus, und dafür studieren angehende Lehrkräfte an einer Universität, die Diversität wertschätzt.“ 

    Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt als Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, wo mit etwa 2600 Lehramtsstudierenden etwa ein Drittel der Grund-, Haupt- und Realschullehrer für Niedersachsen ausgebildet werden. In Hildesheim kann das Lehramtsstudium im Fach Deutsch mit einem Doppelstudium zum Master Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache kombiniert werden. Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder, die ohne oder mit unterschiedlich umfangreichen deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen. Die Wissenschaftlerin bildet Lehrerinnen und Lehrer aus, die im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifiziert sind.

    Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache
    Studium an der Uni Hildesheim

    Kurz erklärt: Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

    Die Universität Hildesheim bildet Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen und in Verlagen, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. 

    Die beruflichen Aussichten seien sehr gut, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache. „Uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben“, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Die Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim forscht und lehrt zu der Frage, wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen.

    „Unsere Absolventinnen und Absolventen finden zum Beispiel zahlreiche internationale Berufsperspektiven in Goethe-Instituten, deutschen Auslandsschulen und an internationalen Universitäten. Vorbereitend können hierzu bereits im Studium Praktika absolviert werden, die frühzeitig zur beruflichen Vernetzung beitragen“,  sagt Montanari. 

    Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen die Hildesheimer Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig und sehr gefragt als Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen.

    Die nächsten Masterstudierenden starten im Oktober 2019 in ihr Studium. Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, die Universität bietet Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an.

    Die Universität Hildesheim arbeitet in dem Studiengang mit internationalen Partnern zusammen und kooperiert zum Beispiel mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten.

    Zur Person

    Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“.

    Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen, mit Mehrsprachigkeit und Spracherwerb. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen. Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus.

    Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Die Wissenschaftlerin hat sich im vom Land Niedersachsen geförderten Projekt „Umbrüche gestalten” für die Integration der Sprachenförderung und Sprachenbildung in die Lehrerausbildung in Niedersachsen eingesetzt.

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    news-17308 Wed, 07 Aug 2019 11:22:00 +0200 Umgang mit Forschungsdaten: Kultur der wissenschaftlichen Integrität https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/umgang-mit-forschungsdaten-kultur-der-wissenschaftlichen-integritaet/ Annette Strauch ist an der Universität Hildesheim für das Forschungsdatenmanagement zuständig. Im Interview gibt die Wissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit und spricht über das Management von Forschungsdaten in der Wissenschaft. Forscherinnen und Forscher sollten „den kompletten Forschungsprozess dokumentieren“, sagt Strauch. Wer kann sich an Sie wenden?

    Alle, die hier forschen, können sich an mich wenden. Jede Professorin, jeder Doktorand, jede Studentin kann mich in der Universitätsbibliothek kontaktieren und Beratung zum Management von Forschungsdaten in Anspruch nehmen und Fragen rund um das Datenleben stellen. Die Erstsemester im Bachelor können mich übrigens genauso anrufen – der wissenschaftliche Nachwuchs ist die Zukunft. Wenn Studienanfängerinnen und Studienanfänger früh mit dem Forschungsdatenmanagement in Berührung kommen, ist das eine wichtige Grundlage für ihren weiteren Werdegang in der Universität. Ich biete Kurse und Workshops an. [weitere Informationen finden Sie hier und im Veranstaltungskalender]

    Wie wird diese Beratung angenommen?

    Das Angebot wird sehr gut angenommen, täglich nutzen in meinem Büro Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch Studierende die Beratung rund um das fachspezifische Forschungsdatenmanagement. Es entstehen Synergien, wenn ich eine Mustereinwilligung in der Psychologie vorliegen habe und ich dann am kulturwissenschaftlichen Fachbereich ein ähnliches Gespräch führe, können wir für alle Fachbereiche neue Lösungen für das Forschungsdatenmanagement schaffen und voneinander profitieren. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Forschungsteams zusammenarbeiten und ihre Daten gemeinsam managen, etwa im Forschungsprojekt „revamp2“ aus dem Bereich „Software Systems Engineering“. Mit dem Team um Professor Klaus Schmid stehe ich im Austausch rund um das Thema „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ für seine Projekte.

    „Umgang mit Forschungsdaten und Forschungssoftware innerhalb einer Kultur der wissenschaftlichen Integrität an der Universität Hildesheim“

    Welche Bedeutung hat das Forschungsdatenmanagement für die Universität Hildesheim?

    Es gibt kaum einen Fachbereich oder ein Institut, das heute nicht Forschungsdatenmanagement betreibt. Gutes, vertrauenswürdiges Datenmanagement ist von strategischer Bedeutung für die Universität Hildesheim insgesamt und für die Weiterentwicklung der Universitätsbibliothek im Bereich forschungsnaher Serviceleistungen. Die Universitätsbibliothek hat sich deshalb frühzeitig positioniert und entwickelt ihre Dienste für die Wissenschaft, Lehre und Forschung kontinuierlich weiter. Es gibt einen engen Austausch mit den Forscherinnen und Forschern. Die Publikation von Forschungsdaten ist Teil der Forschung. Wir betreiben nachhaltiges Forschungsdatenmanagement und haben Servicestrukturen entwickelt. Man kann Forschungsdaten heute im Zuge der Digitalisierung mehr und mehr teilen. Forschungsdaten, die an der Universität Hildesheim entstehen, sind sehr wichtig auch für andere Universitäten in Deutschland sowie global. Man sollte die Nachhaltigkeit und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten im Blick haben, damit Forschungsdaten in Suchmaschinen national und international verknüpft und aufgefunden werden können. Die Forschung aus Hildesheim soll nachhaltig für alle, national und international, sichtbar werden. Selbst dort, wo sensible Daten anfallen, werden zwar nicht die Daten geteilt, aber die Erkenntnisse und Forschungspublikationen.

    Inzwischen ist ein Jahr vergangen seitdem Sie an der Universität Hildesheim die Stelle im Forschungsdatenmanagement angetreten haben. Der Umgang mit Daten in der Forschung erfordert viel Sorgsamkeit. Was leistet die Stelle „Forschungsdatenmanagement“, was vorher die Fachbereiche alleine organisieren mussten? Was für eine Hilfestellung bieten Sie?

    Es gibt Fragen, die immer wieder auftauchen, etwa zur Speicherung und Archivierung, zu rechtlichen Aspekten, zu Datenmanagementplänen und zur Datensicherheit. Früher hat jedes Institut, wenn überhaupt, das Forschungsdatenmanagement mehr oder weniger alleine gemacht. Nehmen wir als Beispiel die Mustereinwilligungen, jedes Institut hat von vorne angefangen und eigene Dokumente erstellt. Ich möchte die Mustereinwilligungen künftig auf der Website zum Download anbieten, daran kann man sich orientieren, das spart Zeit.

    Sie unterstützten Forscherinnen und Forschern auch bei Projektanträgen.

    Gemeinsam mit dem Team der Forschungsförderung und unserem Datenschutzbeauftragten Professor Thomas Mandl unterstützen wir zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Antragsverfahren etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es ist wichtig, einem Forschungsantrag einen Datenmanagementplan beizufügen, in dem Angaben zur Speicherung und zu den Kosten für das Management gemacht werden; die DFG etwa bewilligt auch Mittel dafür. So können Daten zum Beispiel in der Politikwissenschaft in Fachrepositorien gespeichert und gefunden werden. Hier gibt es einen sehr hohen Informationsbedarf. Das Software-Werkzeug RDMO hat die Universität Hildesheim 2018 reibungslos installiert, um Datenmanagementpläne gut und einfach schreiben zu können. Jetzt wird das Werkzeug weiter an das institutionelle und fachspezifische Umfeld in den Instituten angepasst. Was in einen Datenmanagementplan gehört, ist sehr häufig die Frage von Forscherinnen und Forschern, wenn es um das Schreiben von Projektanträgen geht. Welche Daten fallen überhaupt an? Wie werden sie dann erhoben und dokumentiert? Werden Metadaten und ethische sowie rechtliche Aspekte berücksichtigt und wie werden die Daten gespeichert? Das sind einige Fragen, die ein Datenmanagementplan beinhalten kann.

    Sie beschäftigen sich auch mit Fragen zur Speicherung von Forschungsdaten und mit Repositorien, also den Orten zur Aufbewahrung der Daten. Warum ist das wichtig?

    Seit dem Frühjahr 2019 ermittele ich die Speicherbedarfe. Ich konnte mir einen ersten Überblick über den gegenwärtig praktizierten Umgang mit Forschungsdaten verschaffen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben den Wunsch nach Beratung zum Organisieren, Strukturieren, aber besonders die Anforderung nach verlässlichem Speicher deutlich gemacht. Um für diese Anforderungen passende Infrastrukturen finden und entwickeln zu können, bin ich derzeit im Austausch mit allen Fachbereichen und Instituten. Ich befasse mich mit dem Umfang der Forschungsdaten, das heißt, was fällt an? Ich möchte dabei wissen welche Datentypen und welche Datenformate in den einzelnen Projekten anfallen sowie das geschätzte Volumen der Forschungsdaten (ungefähre Größenordnung, das heißt weniger als 100 GB, 1 TB, 10 TB, 100 TB). Außerdem sind Aussagen zur Datenqualität sehr wichtig und ob die Daten schutzwürdig oder öffentlich sind. Antworten auf die Frage nach dem Speicherbedarf und Volumen zu erhalten, wird dabei helfen, technische Lösungsansätze für ein generisches, fächerübergreifendes und fachspezifisches Forschungsdatenmanagement zu schaffen und unter Berücksichtigung der lokalen Anforderungen und Bedarfe, den sicheren Betrieb von Datenspeichern und Infrastruktur zu gewährleisten und zu erweitern. Den Regeln der Guten Wissenschaftlichen Praxis folgend sollen Forschungsdaten in der eigenen Einrichtung oder in einer fachlich einschlägigen, überregionalen Infrastruktur für mindestens 10 Jahre archiviert werden. Am 1. August 2019 trat der Kodex der DFG in Kraft [PDF]. Der Kodex betont die Sicherung von Forschungsergebnissen in Repositorien mit Beachtung der fachspezifischen Standards.
    Eine Definition von Forschungsdatenrepositorien ist, dass sie Dokumentenserver sind, auf denen Forschungsdaten archiviert sind. Als Forscherin und Forscher bin ich durch Datenzitation meine DOI für das Forschungsdatum sichtbar. In vielen Gesprächen in allen Fachbereichen wurde der Wunsch geäußert, dass die Forscherinnen und Forscher der Universität Hildesheim zum längerfristigen Aufbewahren und Publizieren, neben externen Repositorien ihre Daten lokal speichern möchten, beispielsweise wenn es sich um sensible Daten handelt oder um Daten von Social-Media-Plattformen, an denen die Rechte fehlen. Die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, mit denen ich sprach und was ein Ergebnis einer hochschulweiten Umfrage war, haben allerdings noch nie Daten in einem Repositorium abgelegt, wobei zu bemerken ist, dass viele hier beabsichtigen, in Zukunft ein Repositorium zu nutzen, entweder ein lokales, wenn angemessen oder ein institutionelles. Die Kooperationen mit GESIS und Qualiservice in den Sozialwissenschaften zur längerfristigen Speicherung und Archivlösung werden als ein Beispiel in diesem Zusammenhang ausgebaut.

    Der Umgang mit Forschungsdaten ist essentiell für die wissenschaftliche Tätigkeit. In „coffee lectures“ kommen Sie mit Studierenden und Forscherinnen und Forschern zusammen.

    Ich lade mehrmals im Semester zu den „coffee lectures“ ein, man kommt bei einem Tee oder Kaffee eine dreiviertel bis eine Stunde zusammen, es beginnt immer um 12:30 Uhr. Die meisten haben nicht viel Zeit. Da ist das Angebot in der Mittagspause genau das richtige. Wir tauschen uns im Wintersemester 2019/20 aus über das „Organisieren und Arbeiten: Workflows im Forschungsdatenmanagement“ (23. Oktober 2019), die Kulturwissenschaftlerin Kristina Petzold gibt Einblicke in ihre Arbeit mit Datenmengen im Projekt „Rez@Kultur“ und mit welchen Werkzeugen sie arbeitet. Dann geht es am 8. November 2019 weiter mit einem Gespräch über „Syncing und Sharing (Academic Cloud)“, am 20. November 2019 sprechen wir über den „Zugang zu Forschungsergebnissen: Open Access“ und am 4. Dezember 2019 tauschen wir uns über das „Aufbereiten und Veröffentlichen“ und die Metadaten aus. Ob Student oder Professorin – alle Mitglieder der Universität Hildesheim sind herzlich eingeladen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

    Sie kommen von einer internationalen Konferenz in Astana in Kasachstan, wo Sie eine „Keynote-Rede“ zum Forschungsdatenmanagement gehalten haben. Was war dort Ihre Botschaft auf der internationalen Fachebene?

    Ich konnte zeigen, dass die Universität Hildesheim eine feste Stelle für das Forschungsdatenmanagement eingerichtet hat und diese Aufgabe ernst nimmt. Bei vielen Kolleginnen und Kollegen in der internationalen Forschungsdaten-Community aus den wissenschaftlichen Bibliotheken und den Rechenzentren kam das sehr gut an. Wir sind in Hildesheim vorne mit dabei, es ist besonders. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung des Rechenzentrums, der Universitätsbibliothek, des Arbeitskreises Datenschutz und der Hochschulleitung. Viele Externe bewundern das, an manchen anderen Universitätsstandorten gibt es solche Stellen immer noch nicht.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Kontakt zum Forschungsdatenmanagement

    Mit allen Fragen rund um das Forschungsdatenmanagement können Sie sich jederzeit an fdm@uni-hildesheim.de oder direkt an Annette Strauch (E-Mail annette.strauch@uni-hildesheim.de) wenden.

    Aufruf: Bitte um Beteiligung an der Ermittlung des Bedarfs an Speicherung (falls noch nicht geschehen)

    Forschungsdatenmanagement beschränkt sich nicht auf die technische Speicherung und Archivierung, dennoch ist es im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis und für die Universitätsbibliothek und das Rechenzentrum essentiell, die Speicherbedarfe der jeweils laufenden Projekte zu kennen, um technisch für alle Forscherinnen und Forscher eines Projektes die besten infrastrukturellen Dienste zur Verfügung stellen zu können und um bestehende Basisdienste weiterzuentwickeln.

    Annette Strauch bittet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim, sich an einer Umfrage über den Umfang der Forschungsdaten in aktuellen Forschungsprojekten zu beteiligen. Wenn Sie sich an der Umfrage beteiligen möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail an annette.strauch@uni-hildesheim.de. Einen Link mit Informationen finden Sie hier.

    Das nachhaltige Forschungsdatenmanagement betrifft jede Hochschule, auch im Hinblick auf eine Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

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    news-17304 Fri, 02 Aug 2019 15:32:00 +0200 „Das Denken macht weder vor nationalen noch sprachlichen Grenzen Halt“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/das-denken-macht-weder-vor-nationalen-noch-sprachlichen-grenzen-halt/ Wie das Unendliche im Endlichen erscheinen kann, untersuchen Philosophen und Theologen in einem internationalen Forschungsnetzwerk. Die Zusammenarbeit über Sprach- und Ländergrenzen hinweg ist von essentieller Notwendigkeit. Eine Begegnung mit den Professoren René Dausner und Jakub Sirovátka in Hildesheim. „Philosophie und Theologie sind eine Reflexion des Lebens. Sie kommen auf das Leben zurück“, sagt Professor Jakub Sirovátka, Associate Professor für Philosophie an der Südböhmischen Universität in Budweis, im Süden Tschechiens.

    Der tschechische Philosoph war als Gastwissenschaftler im Rahmen eines ERASMUS+-Austauschs am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim, um die gemeinsamen Forschungsbeziehungen zu pflegen. Mit dem Hildesheimer Theologen Professor René Dausner verbindet den Philosophen zum Beispiel die Forschung über den französisch-litauischen Philosophen Emmanuel Levinas, der sich auch zu religionsphilosophischen Fragen geäußert hat.

    „Man man liest die Tradition anders mit Hilfe des zeitgenössischen Denkens“

    Beide wirken in einem internationalen theologisch-philosophischen Forschungsnetzwerk mit, befassen sich etwa mit der Grundfrage, wie das Unendliche im Endlichen erscheinen kann, „ohne dass das Unendliche mit dem Endlichen einfach identisch wird und ohne dass das Unendliche keine Bedeutung mehr für das Endliche hätte“, so René Dausner.

    Ein philosophisch-theologisches Gespräch zu führen, das auf der Höhe der Zeit und denkerisch anschlussfähig ist, sei eine der großen Herausforderungen. Hier könne die Phänomenologie sehr viel beitragen.

    „Was uns verbindet, ist, dass wir beide im Grenzbereich zwischen Philosophie und Theologie arbeiten. Man kann sich gegenseitig bereichern, weil man an einer gemeinsamen Sache arbeitet und trotzdem aus einem etwas anderen Blickwinkel“, so Jakub Sirovátka. „Wir möchten das Gespräch über das Göttliche, das Heilige, das Metaphysische mit dem heutigen Denken führen. Das bedeutet nicht, dass man die alte Lektüre zur Seite schiebt, aber man liest die Tradition neu oder anders mit Hilfe des zeitgenössischen Denkens.“ So kommen neue Perspektiven auf, sagt der Philosoph.

    „Jeder von uns hat Erfahrungen, die einen über sich hinaustragen, etwa Liebe oder Freundschaft“

    Was meinen die beiden Forscher mit dem Gedanken, dass das Unendliche im Endlichen erscheinen kann? Es sei alltäglich und banal zu sehen, dass „jeder von uns Sachen hat, die für einen heilig sind. Da muss man nicht gläubig sein, das kann alles mögliche sein. Jeder von uns – so würde ich behaupten – hat auch Erfahrungen, die einen über sich hinaustragen, ob das Liebe ist, oder Freundschaft. Es sind Erfahrungen des Selbstüberschreitens“, so Jakub Sirovátka. Diese Erfahrungen, die jeder Mensch hat, seien besondere Erfahrungen. Sirovátka spricht von „Erfahrungen der Selbsttranszendenz“.

    „Unsere Alltagserfahrungen, mögen sie noch so säkular sein, zeigen Spuren des Transzendenten oder Heiligen“, sagt René Dausner. Ein Beispiel sei die Bewegung „Fridays for Future“, wo Greta Thunberg, eine Sechszehnjährige, auftritt, und sagt: Wir müssen etwas tun für unsere Zukunft. „Sie elektrisiert im Grunde eine ganze Jugendbewegung, die ja lange als unpolitisch galt, und hat es mit anderen zusammen geschafft, die Jugend dazu zu bringen, sich die Frage zu stellen: Was für Zukunftsmöglichkeiten haben wir denn? Und – dass es überhaupt Zukunft geben soll, dass wir nicht nur jetzt leben und uns auf unser Leben beschränken, sondern dass wir vielleicht auch uns einschränken müssen, um der Zukunft willen. Es sind ethische und theologische Grundsatzfragen, die in die unmittelbare Erfahrungswelt von uns Menschen hineingehören“, so Dausner.

    Ein weiteres Beispiel für praktische Konsequenzen eines theoretischen Denkens führt Sirovátka an: „Mit Hans Joas könnte man sagen, eine jede Person ist heilig, aber nicht im religiösen Sinne. Deshalb empören wir uns, wenn Menschen gequält werden, wenn gegen Menschenrechte gehandelt wird.“

    Internationale Zusammenarbeit ist für Forschung von essentieller Notwendigkeit

    „Die internationale Zusammenarbeit ist für unsere Fragestellungen von essentieller Notwendigkeit“, sagt René Dausner. „Es geht nicht um eine nationale Idee oder nationales Denken, das Denken ist länderübergreifend. Und die Sprache spielt insofern eine große Rolle, als das Denken sich nicht auf eine Sprache begrenzen lässt, in unserem Forschungsnetzwerk lesen wir gemeinsam französische Philosophen, sind permannet mit anderen Sprachen konfrontiert. Das Denken macht weder vor nationalen noch sprachlichen Grenzen Halt.“

    „Unsere Stärke ist die Pluralität der Sprachen und Kulturen – nicht, in dem Sinne, dass man eine andere Kultur schlecht macht, sondern, indem man sich von ihr bereichern lässt“, sagt Jakub Sirovátka.

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    news-17300 Tue, 30 Jul 2019 14:16:00 +0200 Multilingualism and Diversity Education: Tagung am Bühler-Campus https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/multilingualism-and-diversity-education-tagung-am-buehler-campus/ 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Ländern diskutierten in Hildesheim über „Multilingualism and Diversity Education“. Die Summer School bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie fortgeschrittene Masterstudierende.

    25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Spanien, Iran, Kamerun, Kanada, Schweden und Norwegen nahmen an der Summer School „Multilingualism and Diversity Education“ teil. Am Bühler-Campus der Universität Hildesheim diskutierten sie in der fünftägigen Veranstaltung über Forschungserkenntnisse im Themenfeld der Mehrsprachigkeit.

    „Die Summer School Multilingualism and Diversity Education bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftler*innen, Promovenden und fortgeschrittene Masterstudierende, um auf hohem Niveau intensiv über aktuelle Forschungsfragen der Mehrsprachigkeit und der Vielfalt zu diskutieren. Im Vordergrund steht die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Studierende und Promovenden sollen ihre Fragen stellen dürfen und international profilierte Wissenschaftler*innen kennen lernen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache.

    In der fünftägigen Sommerschule stellten unter anderem Professorin Elena Nicoladis von der University of Edmonton (Alberta, Canada), Professorin Tanja Kupisch von der Universität Konstanz/UiT Tromsø The Arctic University of Norway (Deutschland/Norwegen) und Professor Henrik Gyllstad von der Lund University (Schweden) zentrale Forschungsergebnisse vor, etwa zum Thema „Investigating the multilingual mental lexicon – single words and multiword units“. Sie tauschten sich mit Forschungsteams der Universität Hildesheim aus, unter anderem mit Professorin Bettina Kluge, Professorin Kristin Kersten, Professor Joachim Griesbaum sowie Dr. Timo Ahlers, Dr. Kathrin Schweiger und Dr. Anna-Lena Scherger.

    Die Summer School findet im Umfeld des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ in englischer und deutscher Sprache statt. Die Veranstaltung wurde vom Zentrum für Bildungsintegration ermöglicht sowie vom Institut für deutsche Sprache und Literatur gefördert.

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    news-17130 Fri, 12 Jul 2019 11:41:00 +0200 Ohne Leidenschaft geht gar nichts: Kulturpolitikprofessor Wolfgang Schneider https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/ohne-leidenschaft-geht-gar-nichts-kulturpolitikprofessor-wolfgang-schneider/ Professor Wolfgang Schneider, Gründungsdirektor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und seit 1997 Deutschlands erster und bisher einziger ordentlicher Universitätsprofessor für Kulturpolitik, hat die kulturpolitische Forschung in der Bundesrepublik geprägt. Nun wurde der Wissenschaftler feierlich verabschiedet. Zur Verabschiedung sprachen auf dem Kulturcampus Forschungskolleginnen und Forschungskollegen unter anderem aus Beirut, Sōka, Maiduguri, Cape Coast und Casablanca. Hier lesen Sie ein ausführliches Interview mit dem Professor. Lesen Sie hier die Rede des Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich
    anlässlich der Verabschiedung von Prof. Dr. Wolfgang Schneider (PDF)

    Lesetipp: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 12.07.2019, Interview von Martina Prante, „Ohne Leidenschaft geht gar nichts / Deutschlands Mann für die Kulturpolitik: Wolfgang Schneider verlässt nach 22 Jahren die Domäne Marienburg / Ein Sensibelchen mit Durchsetzungsvermögen“

    Lesetipp: Wochenzeitung Kehrwieder, 13.07.2019, Interview von Björn Stöckemann, „Die Kultur lebt auch auf dem Lande“ (Artikel online lesen, Seite 5, www.e-pages.dk/kehrwieder/195/)

     

    „Wolfgang Schneider verbindet theoretisches Wissen mit kultureller Praxis, wissenschaftliche Kompetenz mit Politikberatung und kulturpolitischem Kommentar. Zu den 22 außerordentlich ertragreichen Jahren in Forschung und Lehre, Transfer und Kooperation und nicht zuletzt im Bereich der Internationalisierung zählte auch eine sehr erfolgreiche Teambildung. Die Schaffung der Professur für Kulturpolitik und die Einrichtung des Instituts für Kulturpolitik zählt zu den wichtigen Strukturentscheidungen der Universität Hildesheim. Beides gilt es auch in Zukunft zu bewahren.“

    Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim

    „It is beautiful to see so many colleagues from around the world today in Hildesheim. Wolfgang Schneider is a travelling salesman in culture, er ist ein Handelsreisender in Sachen Kultur. Er bringt etwas mit – seine Neugier und Menschenfreundlichkeit und den Willen, zusammenzuarbeiten und ist ein leidenschaftlicher Forscher.“ 

    Prof. Dr. Stefan Krankenhagen, Dekan des Fachbereichs „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“

    „Professor Wolfgang Schneider is opening invisible doors. I remember the moment I received a letter from Germany, he accepted me as a research candidate. Since then, many doors opened for me. I learned from him to encourage my students: Think how you can make your plans possible!“ 

    Dr. Yuki Akino, Dokkyo University, Sōka, Japan

    „Wir danken Ihnen für Ihre Zugewandtheit, den Respekt und die Wertschätzung.“ 

    Dr. Katharina Schröck, Doktorandin

    „We have worked together since 2008. The list of projects is long. We started with an exchange on theatre and media, then we designed a master program in Casablanca. We want to continue working together!“ 

    Prof. Dr. Abdelkader Gonegai, Université Hassan II, Casablanca, Marokko

    „He is moving forward – never standing still! Wolfgang Schneider is active in the academic sphere, but he has always tried to build bridges between theory and practice. He has always rolled up his sleeves and got actively involved.“

    Prof. Dr. Susanne Keuchel, Präsidentin des Deutschen Kulturrats

    „I witnessed him bringing people together – he is always home, wherever he is in the world. “

    Dr. Helena Nassif, Al Mawred al Thaqafy, Beirut, Libanon

     

    „Es braucht Leute, die mit Kenntnis immer wieder darauf beharren, dass Kultur nicht ‚nice to have‘ ist. Professor Wolfgang Schneider gelingt in Hildesheim eine anwendungsbezogene Betrachtung von Kultur, er bringt sein Wissen ein in die Stadt. In Hildesheim erkennen wir die positiven Effekte von kultureller Teilhabe und Bildung für unsere Gesellschaft an. Seine Erkenntnisse hat der regional und international geschätzte Wissenschaftler kontinuierlich in die Gesellschaft eingebracht. Hildesheim ist eine Stadt der Bildung und Kultur. Wolfgang Schneider macht darauf aufmerksam: Unsere Stadt möge das kreative Potential der Studierenden stärker nutzen. Im Namen der Stadt Hildesheim möchte ich ganz herzlich danken.“

    Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim

    „Wir danken Ihnen für die grandiose Betreuung mit Herz.“ 

    Dr. Aron Weigl, Doktorand

    „Auf Wiedersehen. Hamba Kakuhle. Farewell. We wish you all the best in your journey. And remember, Wolfgang, you are loved.“

    Doktorandinnen und Doktoranden der University of Maiduguri, Nigeria, und University of Cape Coast, Ghana, in einem Abschiedslied

    Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Schneider

    Ein Gespräch mit Professor Wolfgang Schneider, Gründungsdirektor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und seit 1997 Deutschlands erster und bisher einziger ordentlicher Universitätsprofessor für Kulturpolitik.

    Herr Professor Schneider, ich erwische Sie gerade mitten bei der Arbeit.

    Wir haben diese Woche unsere „Summer School“ des Masterstudiengangs „Cultural Policy and Cultural Management“ angesiedelt an der Université Hassan II in Casablanca in Marokko, da sind wir die Partneruniversität, zusammen mit der zivilgesellschaftlichen Organisation „Al Mawred Al Thaqafy“, die in Beirut sitzt und ein Netzwerk der Kulturpolitik in der arabischen Region ist. Professorin Birgit Mandel und ich sind Mitglieder des „steering committee“, das heißt wir haben uns um das Curriculum gekümmert und waren auch schon dort und haben unterrichtet. Die Studentinnen  und Studenten kommen aus verschiedenen arabischen Ländern.

    Es ist der erste Masterstudiengang dieser Art in dieser Weltregion. Der Master in Casablanca ist eine Art Schwesterstudiengang der Hildesheimer Kulturwissenschaften?

    Es geht darum, in der arabischen Region „capacity building“ im Bereich Kulturpolitik und Kulturmanagement zu entwickeln, damit wir nicht vom globalen Norden aus mit Workshops im globalen Süden aufschlagen, sondern dass hier das Feld der Kulturlandschaft von den Menschen vor Ort selbst organisiert wird und dass insbesondere in der Wissenschaft, also der Kulturpolitikforschung, eine neu Generation von Kulturpolitikakteuren heranwächst.

    Herr Professor Schneider, Sie haben die kulturpolitische Forschung in der Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt. Am 12. Juli 2019 wurden Sie im Hohen Haus auf dem Kulturcampus feierlich verabschiedet. Mit welchem Gefühl verlassen Sie den Campus?

    Naja, es ist nicht ganz leicht, loszulassen. Aber andererseits gehört es zur Verantwortung dazu, nicht nur das Wissen zu generieren, Erfahrungen auszutauschen und Diskurse zu führen, sondern es ist auch meine Verantwortung, zur richtigen Zeit Platz zu machen, damit auch in diesem Wissenschaftsbereich nicht nur ein Wechsel, sondern auch ein Wandel möglich ist.

    Welche Bedeutung hat die kulturpolitische Forschung für die Gesellschaft?

    Als ich 1997 anfing, gab es natürlich auch schon Kulturpolitik und das Wort wurde nicht in Hildesheim erfunden, aber erfunden haben wir tatsächlich ein Curriculum, erfunden haben wir tatsächlich Lehrmethoden, die in diesem Bereich einerseits die Theorie aus der Politikwissenschaft berücksichtigt und andererseits auf unserem Ansatz fußt, in den Künsten zu lernen, – das ist ja die Idee der Hildesheimer Kulturwissenschaften, die Theorie und Praxis miteinander zu kombinieren. Wir haben für die Kulturpolitikforschung in Deutschland dadurch einen Akzent gesetzt. Wir stellen fest, dass insbesondere in den letzten Jahren Literatur an vielen Stellen in diesem kleinen Fach veröffentlicht wurde und Thema im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist, das es die Kulturpolitikforschung braucht.

    Sie haben in den 22 Jahren an der Universität Hildesheim 50 Doktorandinnen und Doktoranden promoviert, Sie haben über 50 verschiedene Seminare gegeben, über 500 Diplomarbeiten, Bachelorarbeiten und Masterarbeiten betreut, 50 Bücher geschrieben und herausgegeben – all diese Arbeit, und das gehe ich auf das Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis ein, ist etwas, was nicht nur für den Bücherschrank gedacht ist, sondern wirksam wird. Was haben Sie mit Ihrem Team und den Studierenden und Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern angestoßen?

    Eine der Referenzquellen für Kulturpolitik in Deutschland ist der Bericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages, wo hier in Hildesheim viele Texte, ich möchte fast behaupten ein Fünftel der 500 Seiten, entstanden ist. Ich war als sachverständiges Mitglied Berichterstatter für Theaterpolitik, Kulturelle Bildung und Soziokultur. Das ist eine Form von Politikberatung gewesen, die sehr konkret eingewirkt hat in die Diskurse. Wir haben dafür gesorgt, dass es diese kulturpolitische Referenzquelle gibt, die in Deutschland auch nach zehn Jahren noch Bestand hat. Wir bemühen uns am Institut für Kulturpolitik stets darum, Desiderate aufzuspüren, es ist kein Zufall, dass ich eine Studienreihe  zur Auswärtigen Kulturpolitik angeboten bekommen habe beim renommierten Springer-Verlag in Wiesbaden. Da gab es hier und da Selbstdarstellungen, aber eine kritische Reflexion dessen, was in dem Feld der Kulturdiplomatie und des Kulturaustausches geschieht, das fehlte bislang. Ein drittes Beispiel: Wir bemühen uns, nicht nur die klassische Kulturpolitik der Kulturinstitutionen im urbanen Raum zu beforschen, sondern untersuchen gleichberechtigt Kultur im ländlichen Raum, das „Weißbuch für Breitenkultur“ ist ein Standardwerk, das darauf hinweist, dass es eine Kultur gibt zwischen Rathaus, Schule und Kirche in den kleinen Dörfern und dort Tausende von Gruppierungen selbstorganisiert, meistens ehrenamtlich, ihr kulturelles Leben gestalten.

    Ihr Interesse galt in all diesen Jahren auch der Umgebung, Sie blicken in die Welt, aber haben Hildesheim und den Landkreis stets im Blick.

    Naja, mein Einstieg hier in der Stadt war das „Kulturhandbuch Hildesheim“, in dem ich mit Studentinnen und Studenten 228 Einrichtungen, Institutionen und Vereine identifiziert habe, die hier in der Region aktiv Kulturarbeit betreiben. Das war der Ausgangspunkt darüber nachzudenken, welche Kulturpolitik braucht die Region. Wir mischen uns ein mit öffentlichen Vorträgen in der Stadt, haben während des 1200jährigen Jubiläums der Stadt diskutiert und begleiten den Bewerbungsprozess für die Kulturhauptstadt Europas 2025 wissenschaftlich. Da sind wir natürlich einerseits Lokalpatrioten, aber andererseits den anderen sieben Mitbewerbern verpflichtet und das ist ein Format, welches generell die Frage aufwirft: Braucht es so etwas wie eine Kulturentwicklungsplanung und wie viel Perspektive ist in diesem Feld in der Kommunalpolitik vorhanden?

    Im Mittelpunkt der Hildesheimer Kulturwissenschaften, ob in Musik, Theater, Medien oder Philosophie und Literatur, stehen seit 40 Jahren die Künste und die Vernetzung von theoretischer und praktischer Arbeit. Prägt diese Nähe, dieser wuchs der Forschung aus den Künsten heraus auch die kulturpolitische Forschung?

    Dass es überhaupt einen Lehrstuhl für Kulturpolitik gibt hier in Hildesheim, war eine konzertierte Aktion der künstlerischen Fächer. Es war Konsens, dass es etwas zwischen diesen Instituten geben muss: Kulturpolitik, Kulturmanegement und Kulturelle Bildung wurden als Gegenstandsbereiche konstituiert. Wir hätten nie und nimmer diese erfolgreiche Arbeit machen können, wenn wir das nicht immer auch in der Auseinandersetzung mit den Künsten und in den Kulturwissenschaften betrieben hätten. Kulturpolitik ist zwar ein eigenes Fach, so kann ich doch nach 22 Jahren selbstbewusst behaupten, aber es ist integriert in einen Kontext und das sind die Gesellschaftspolitik und die Künste. Wir sind breit aufgestellt, mischen uns immer auch ein in die Debatten um die Theaterkunst, Museumspolitik oder in die Debatten über „Kultur für alle“.

    Zur Verabschiedung sprechen in Hildesheim auch Forschungskolleginnen und Kollegen unter anderem aus Beirut, Libanon; Sōka, Japan; Casablanca, Marokko; Maiduguri, Nigeria and Cape Coast, Ghana. Sie haben stets die internationalen Kooperationen gepflegt und mit Ihrem Team am Institut für Kulturpolitik ausgebaut. Welche Bedeutung hat diese internationale Zusammenarbeit, gerade in der heutigen Zeit?

    Naja, wir leben in einer Welt. Und das muss man in Deutschland hie und da noch lernen, wir sind nicht die Insel der Glückseligen sondern haben im globalen Kontext eine historische Rolle, die man nie vergessen darf. Das ist gerade jetzt wieder in der postkolonialen Debatte relevant – wem gehören die Artefakte, die in Museen ausgestellt werden, und die aus Zusammenhängen nach Deutschland gekommen sind, die keineswegs legal waren und aus Zeiten rühren, in denen der Ruf Deutschlands außerordentlich problematisch ist? Wir haben es in internationalen Kontexten immer damit zu tun, dass wir als sogenannte Exportnation wirtschaftliche Interessen haben, die begleitet werden müssen durch den kulturellen Austausch. Wir haben es als Vertreter einer Demokratie auch damit zu tun, uns um Menschenrechte zu kümmern, insbesondere um das Recht auf Kunst und Kultur, auf Teilnahme und Teilhabe. Das führt zwangsläufig dazu, dass wir das mit unseren Kolleginnen und Kollegen in der Welt diskutieren. Dass die UNESCO dies honoriert hat mit der zweimaligen Verleihung des UNESCO-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“ ist eine große Ehre und war auch immer ein Auftrag – und den nehmen wir wahr an der Universität Hildesheim. Ich schätze die Weltgewandtheit des Präsidenten Professor Wolfgang-Uwe Friedrich sehr. Ich hinterlasse am Institut ein gut bestelltes Feld von internationalen Beziehungen und Austausch, da wünsche ich mir zukünftig mehr. Ich wünsche mir, dass wir auf dem Campus noch internationaler werden, dass wir auch mehrere Sprachen sprechen. Aber immerhin haben wir einen bilateralen Masterstudiengang in Kulturvermittlung mit Marseille, den Masterstudiengang mit Casablanca, die DAAD-Graduate School mit Maiduguri und Cape Coast in Westafrika und hundert Beziehungen über Erasmus. Ich hoffe, das zukünftig noch mehr Studentinnen und Studenten aus der Welt nach Hildesheim kommen. 

    In Ihrer Forschung beschäftigen Sie sich zum Beispiel mit der Frage, wie Künstlerinnen und Künstler politische Umbrüche prägen. Sie sagten einmal, während des Weltkongresses der Kulturpolitikforschung in Hildesheim, als 450 Fachleute aus 70 Ländern auf dem Kulturcampus tagten: Künstlerinnen und Künstler können Seismografen von Krisen sein, andererseits auch Sprachrohr. Was meinen Sie damit, was zeigen Ihre Forschungsergebnisse zur Analyse von Kunst und Kultur in Krisenzeiten?

    Wir haben es erlebt im „Arabischen Frühling“ , dass Künstlerinnen und Künstler das Wort ergriffen haben für die Gesellschaft, dass sie Musik gemacht, getanzt, und Theater gespielt haben, dass Filme produziert und Graffitis gesprayt wurden, die dazu beigetragen haben, zu thematisieren, was in der Gesellschaft nicht richtig läuft. Wir wissen, das „freedom of expression“ ein großes Gut ist, bei uns Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes: Die Kunst ist frei. Das heißt diesen Freiraum muss Politik gewähren, damit nicht nur in Krisenzeiten Künstlerinnen und Künstler ihren Beitrag leisten, um in die Gesellschaft zu wirken und aufmerksam zu machen auf das, was schief läuft, und durchaus Visionen eines friedlichen Zusammenlebens zu entwickeln. Künstlerinnen und Künstler sind ein wesentlicher Bestandteil von gesellschaftlicher Entwicklung. 

    Sie haben mit Ihrem Team um Dr. Daniel Gad das Netzwerk „Arts Rights Justice“ etabliert, arbeiten mit Künstlern, Kulturmanagerinnen, Menschenrechtlerinnen und Rechtsanwälten unter anderem aus Tadschikistan, Nigeria, Argentinien, Libyen, Simbabwe, Iran, Türkei, Ägypten, Indien, Japan, Schweden, Syrien, Brasilien, Afghanistan, Jemen und Bangladesch zusammen, und haben eine umfassende online zugängliche auf Kunstfreiheit und Künstlerschutz ausgerichtete Bibliothek (www.arj-library.de).  

    Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass es Länder gibt, in denen keineswegs diese Freiheit gewährt wird. Im Gegenteil: Wir wissen von Journalistinnen und Journalisten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Künstlerinnen und Künstlern, dass sie verfolgt und inhaftiert werden, dass es Zensur gibt, dass man ihnen mit dem Tode droht, dass sie flüchten müssen. Es ist zunächst eine humanitäre Notsituation, aber auch eine Frage an die Kulturpolitik: Was kann zum Beispiel eine Künstlerresidenz leisten, als Schutzraum? Und was braucht es an nationalen und internationalen Instrumenten, um da einzugreifen, zu helfen und dies zukünftig zu vermeiden und Mechanismen zu entwickeln, die tatsächlich so etwas sind wie seismografische Erkenntnisse, die zum Handeln führen müssen. Wissenschaft hat eine Verantwortung, die Gefährdung der Freiheitsrechte zu beforschen und ihre Außerkraftsetzung anzuprangern.

    Sie sind in Mainz geboren. Verraten Sie uns, warum haben Sie sich vor 22 Jahren für Hildesheim als Ort Ihrer Forschung und Lehre entschieden? Und waren Sie hier, in Hildesheim, zufrieden?

    Also, ich sage immer: Ich war beruflicher Niedersachse und bin bekennender Hesse, tatsächlich in Mainz geboren. Das macht es mir hier nicht so einfach, weil der dortige Humor doch schon auch gewöhnungsbedürftig ist für die Mitmenschen rund um Hildesheim. Ich wurde berufen und ich bin nach wie vor dankbar denen, die mich hier hergeholt haben, besonders Hajo Kurzenberger. Ich muss zugeben, ich hatte vorher noch nicht viel von Hildesheim gehört. Ich werde Hildesheim als einfacher Professor für Kulturpolitik auch in Zukunft als wesentlichen Ort meiner Biografie sehen, weil ich hier mit Menschen zusammen kommen durfte, die mich immer wieder angeregt haben und die permanente Beschäftigung mit jungen Menschen hat mich glaube ich auch dahingehend geprägt, dass ich immer wieder versuche, neu zu denken und mit einer kritischen Distanz in unserer Welt Fragen zu stellen, statt nur einfache Antworten zu geben. 

    Und wie geht es nun weiter? Was wünschen Sie den Kolleginnen und Kollegen in Hildesheim? Werden Sie den Kontakt nach Hildesheim halten?

    Naja sicher! Ich habe den UNESCO-Lehrstuhl noch bis zum Jahr 2020, ich werde noch drei Forschungsprojekte zu Ende bringen und habe bis Ende des Jahres noch zwölf Masterarbeiten zu betreuen und ich nehme 20 Doktorandinnen und Doktoranden mit, die alle in den nächsten Jahren erfolgreich promoviert werden wollen. Das ist doch völlig klar! Ich wünsche mir, dass der Präsident und das Präsidiums und der kulturwissenschaftliche Fachbereich, so wie sie bisher mich unterstützt haben, auch meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin und die Zukunft des Instituts für Kulturpolitik auf dem Weg zur Internationalisierung unterstützen, aber auch die Arbeitsbedingungen, die nicht immer nur durch Befristungen sich ausdrücken – da darf gerne mehr investiert werden. Ich werde mich weiterhin mit der internationalen Kulturpolitik beschäftigen und mit dem anderen Pendant, der Kulturarbeit auf dem Lande, insbesondere mit den Transformationsprozessen von Heimatmuseen, mit der Rolle von Büchereien in kleineren Kommunen in Zeiten der Digitalisierung und mit der Rolle der Akteure, die vor Ort Kultur gestalten jenseits der institutionalisierten Hochkultur.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Zur Person:

    Fortwährender Einsatz für den Erhalt der kulturellen Vielfalt und für kulturelle Bildung: Prof. Dr. Wolfgang Schneider

    Mit seiner Arbeit leistet der Hildesheimer Professor Wolfgang Schneider seit 1997 einen fortwährenden Beitrag zum Erhalt der kulturellen Vielfalt, für kulturelle Bildung sowie für die Wertschätzung von Künstlerinnen und Künstlern. Schneider forscht und lehrt seit über 20 Jahren als Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim unter anderem in den Bereichen Kulturpolitik, Kulturförderung, Kulturelle Bildung, Kommunale Kulturpolitik, Auswärtige Kulturpolitik sowie Kulturpolitik für Kinder und Theaterpolitik. Er wird am 12. Juli 2019 in einer Feierstunde am Kulturcampus in Hildesheim verabschiedet. 

    Für seine besonderen Verdienste wurde der Kulturwissenschaftler Professor Wolfgang Schneider mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. Mit der Ehrung wurden die besonderen Verdienste des Hildesheimer Kulturpolitikforschers für die Gesellschaft gewürdigt, hierzu zählen sein herausragender Einsatz für kulturelle Bildung und kulturelle Vielfalt, für das Kinderrecht auf Teilhabe an Kunst und Kultur, für die Wertschätzung und Förderung der Künstlerinnen und Künstler in Deutschland und für den internationalen Austausch. 

    Wolfgang Schneider wurde am 12. Juli 1954 in Mainz geboren. Nach dem Studium und der Promotion am Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt gründete er 1989 das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland, entwickelte den Deutschen Kindertheaterpreis und den Deutschen Jugendtheaterpreis. 1997 gründete er das Institut für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim. In Hildesheim setzte sich Schneider für die Schaffung der deutschlandweit einzigen Professur für Ästhetik des Kinder- und Jugendtheaters (seit 2011) ein. Seit zwei Jahrzehnten ist Wolfgang Schneider Vorsitzender des Netzwerks der Kinder- und Jugendtheater. Von 2003 bis 2007 wirkte er in der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“ mit. Seit 2012 ist er Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“. In seiner Forschung befasst sich der Wissenschaftler unter anderem mit der Frage, wie Künstlerinnen und Künstler politische Umbrüche prägen und analysiert Kunst und Kultur in Krisenzeiten.

    Mit der Universität in Aix und Marseille wurde 2003 das Doppeldiplom in „Kulturvermittlung/Médiation Culturelle de l’Art“ eingerichtet. Der internationale Studiengang wird seit 2011 als Doppelmaster angeboten. Parallel dazu erfolgte der Aufbau einer internationalen Bachelor-Studienvariante „Kulturpolitik im internationalen Vergleich“. Zusammen mit Daniel Gad und Birgit Mandel beriet Schneider die marokkanische Universität Hassan II in Casablanca beim Aufbau des ersten panarabischen Masterstudiengangs „Cultural Policy and Management“.

    Als  Dekan des kulturwissenschaftlichen Fachbereichs war Wolfgang Schneider unter anderem verantwortlich für die Gestaltung des Kulturcampus und die Gestaltung des Bologna-Prozesses – von Diplom auf Bachelor und Master. Der Kern ist, dass im Mittelpunkt der Kulturwissenschaften die Künste stehen, die Vernetzung von Theorie und Praxis, und dass es ein Spinnen in einem Netzwerk ist, das die Studierenden befähigt, im Arbeitsmarkt anzukommen.

    Die Einrichtung einer eigenen Universitätsprofessur mit der Denomination „Kulturpolitik“ geht zurück auf Diskussionen in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Zu den Initiatoren zählten die Theaterwissenschaftler Hajo Kurzenberger und Hartwin Gromes. Im Jahr 1994 wurde die Professur ausgeschrieben. Mit Wirkung zum 1. März 1997 wurde die erste Universitätsprofessur für Kulturpolitik in Deutschland besetzt.

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    news-17124 Tue, 09 Jul 2019 16:11:16 +0200 „Uns interessiert die türkische Sprache in Europa als Thema in der Wissenschaft“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uns-interessiert-die-tuerkische-sprache-in-europa-als-thema-in-der-wissenschaft/ In dieser Woche tagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Norwegen, Großbritannien, der Türkei und Deutschland an der Universität Hildesheim. Die Fachleute befassen sich mit der türkischen Sprache in Europa. Auf dem internationalen Workshop „Turkish in Europe“ an der Universität Hildesheim vernetzen sich die Fachleute aus Sprachwissenschaft, Psychologie und Pädagogik, um ihre Forschung zu diskutieren.

    Guelsen Yilmaz stellt zum Beispiel die Frage: „How much variation disqualifies the heritage speaker’s nativeness?“, Christoph Schroeder und Kateryna Iefremenko referieren zum Thema „The post-verbal position in Turkish in two contact settings: Turkish-German bilinguals in Germany and Turkish-Kurdish bilinguals in Turkey“ und Işıl Erduyan spricht über „Turkish heritage speakers in Germany“. Zudem findet ein Austausch mit Professorin Irene Pieper, Vizepräsidentin für Internationalisierung, statt.

    „Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen“

    Interview mit Prof. Dr. Elke Montanari
    Professorin für Deutsch als Zweitsprache 

    Frau Professorin Montanari, in Hildesheim kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum internationalen Workshop „Turkish in Europe“ zusammen. Was ist das Ziel der Tagung?

    Wir wollen uns in Europa vernetzen mit Forscherinnen und Forschern, die sich mit der Entwicklung der türkischen Sprache beschäftigen. Wichtige Forschungsfragen sind zum Beispiel: Wie verändert sich das Türkische bei den Türkischsprecherinnen und Türkischsprechern, die nicht in der Türkei wohnen? Wir stellen fest, dass sie einen anderen sprachlichen Input haben, als Menschen, die in Istanbul, Antalya oder Ankara leben und arbeiten. Guelsen Yilmaz, Sprachwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin, beobachtet diese Variationen im Türkischen von Personen, die außerhalb der Türkei leben.

    Eine andere, viel diskutierte Frage ist: Wie gehen wir mit den Herkunftssprachen um? Die Sprache von jemandem, der in Berlin oder Paris lebt, kann sich durchaus in einigen Bereichen unterscheiden von der Sprache, die jemand spricht, der in der Türkei zur Schule gegangen ist, dort lebt und arbeitet. Dabei ist eine Herkunftssprache, wobei schon dieses Wort umstritten ist, ebenso eine Muttersprache, eine Erstsprache für das Kind, das damit aufwächst, wie für jedes andere Kind auch die Sprache in den ersten Lebensjahren, die Sprache der engsten Bezugspersonen.

    Ein Beitrag befasst sich mit der Frage, welchen Wert die Gesellschaft der Sprache entgegenbringt.

    Was ist Sprachprestige, und wie gehen wir in Deutschland mit dem Prestige der Sprache Türkisch um? Mit diesem Thema befasst sich Dr. Yasemin Dayıoğlu-Yücel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hildesheim. Welche Wertigkeit wird der türkischen Sprache in Bildungsinstitutionen, in der Umgebung, in der Familie entgegengebracht? Wie gut ist unser Umgang mit der Vielfältigkeit von Sprachen? Das sind Fragen, die uns sehr beschäftigen.

    An der Konferenz nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher linguistischer Disziplinen teil wie Soziolinguistik, Zweisprachigkeit, Spracherwerb, Psycholinguistik und Pädagogik. Warum ist diese interdisziplinäre Forschung wichtig?

    Wir brauchen die unterschiedlichen Blickrichtungen. Wir sehen darin einen Mehrwert, zu untersuchen, wie zum Beispiel der Sprachgebrauch mit mentalen Dimensionen, mit der Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses und der Intelligenz, mit der sich die Psycholinguistik befasst, zusammenhängt. Und was sind Schlussfolgerungen für die Pädagogik? Für die Gesellschaft? Das geht nur interdisziplinär.

    Sie erforschen seit vielen Jahren, wie Kinder und Erwachsene das Deutsche als zweite Sprache lernen und wie sie mehrsprachig aufwachsen und mit vielen Sprachen leben. Sie befragen etwa in Schulen mehrsprachig aufwachsende Kinder, untersuchen den Wortschatz und das mentale Lexikon. Welche Rolle spielt dabei die türkische Sprache in Ihrer Forschung?

    Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Wir haben sehr viele Sprecherinnen und Sprecher in Deutschland, in Frankreich und in anderen Ländern mit türkischem Hintergrund. In Deutschland ist es die nach wie vor größte Community, mit sehr engagierter Elternarbeit. Menschen mit türkischen Wurzeln sind in der Studierendenschaft und in der Dozentenschaft präsent, gerade auch in der Stiftung Universität Hildesheim. Es hat eine zentrale Bedeutung, dass wir gemeinsam Fragestellungen in der Forschung und in der Lehre entwickeln, wie es zum Beispiel im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ und in vielen weiteren Studiengängen dieser Universität geschieht. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Studium

    Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

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    news-17105 Thu, 04 Jul 2019 07:50:00 +0200 90. Geburtstag: Politikwissenschaftler Professor Gottfried Leder https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/90-geburtstag-politikwissenschaftler-professor-gottfried-leder/ Professor Dr. em. Gottfried Leder, ein geistreicher Beobachter des politischen Zeitgeschehens und Begründer der Politischen Wissenschaft in Hildesheim, wird 90 Jahre alt. Der Hildesheimer Politikwissenschaftler hat am 4. Juli 2019 Geburtstag. LESETIPP: Einen weiteren Artikel über Professor Gottfried Leder lesen Sie auch in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 2019.

    Gottfried Leder wurde am 4. Juli 1929 in Berlin geboren. Nach Evakuierung und der Flucht aus Oberschlesien gelangte er im Frühjahr 1945 nach Niedersachsen und legte 1948 das Abitur in Peine ab. Anschließend studierte er von 1949 bis 1955 an der Georg-August-Universität in Göttingen Rechts- und Staatswissenschaften.

    1955 promovierte er bei Rudolf Smend, einem der bedeutenden Staatsrechtslehrer der Weimarer Jahre und der Nachkriegszeit, zum Doctor juris. Mit seiner Dissertation „Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen“ betrat Leder zu diesem Zeitpunkt juristisches und politisches Neuland. In das Jahr der Promotion fiel der Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und das Wehrpflichtgesetz wurde erst im Folgejahr vom Bundestag beschlossen. Gewissen und Widerspruch haben den Wissenschaftler fortan immer sehr beschäftigt. 1960 bis 1961 war er im Bundespräsidialamt in Bonn im Referententeam des Persönlichen Büros des Bundespräsidenten.

    Wegbereiter der Politischen Wissenschaft in Hildesheim

    Leder war der Wegbereiter der Politischen Wissenschaft in Hildesheim. Er begründete als erster Lehrstuhlinhaber im Oktober 1961 das Fach Politische Wissenschaft an der damaligen Pädagogischen Hochschule Alfeld.

    1970 kam Leder mit 20 Kollegen aus Alfeld nach Hildesheim, wo er die Politikwissenschaft an der Hochschule und später Universität Hildesheim prägte. Leder gehörte mit der Berufung 1961 als der Jüngste zum Kreis der Hochschullehrer, die das Fach in Niedersachsen als Grundwissenschaft aufgebaut und in die Lehramtsausbildung integriert haben. In zahlreichen Funktionen, unter anderem als Mitglied des Senats, hat er tatkräftig an der Weiterentwicklung von der Pädagogischen Hochschule zur selbstständigen Wissenschaftlichen Hochschule und schließlich zur Universität beigetragen.

    Forschung zu Gewissen und Widerspruch

    Als Hochschullehrer bemühte sich Leder bis zu seiner Pension 1991 stets um Fairness und Gerechtigkeit und förderte die Einübung präzisen Denkens und die Fähigkeit zur Begründung von Positionen.

    Neben der Forschung und Lehre hat Gottfried Leder vielfältige gesellschaftspolitische Aufgaben wahrgenommen, etwa im Niedersächsischen Landesausschuss für Erwachsenenbildung und im Beirat des Niedersächsischen Landesinstituts für Lehrerfortbildung und Lehrerweiterbildung und war Mitglied des Beirats für Fragen der Inneren Führung beim Bundesministerium für Verteidigung.

    Er engagierte sich zudem in zahlreichen kirchlichen Gremien. Über 30 Jahre gehörte er dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an, wo er Mitglied mehrerer Arbeitsgruppen und Kommissionen war. 1999 wurde der Politologe mit der Bistumsmedaille, der höchsten Auszeichnung des Bistums, geehrt. Anfang der 1970er Jahre hat er an der Würzburger Synode, der gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer, teilgenommen.

    2019 ist jüngst im LIT-Verlag das Buch „Bei Unrecht: Widerspruch!“ von Gottfried Leder erschienen.

    Im Gespräch

    Interview mit Professor Dr. em. Gottfried Leder

    Herr Professor Leder, Sie sind Begründer der Wissenschaft der Politik in Hildesheim. Was bedeutet es, die Politikwissenschaft als eine Grundwissenschaft aufzubauen?

    Die Politische Wissenschaft als Fach gab es damals an den Pädagogischen Hochschulen überhaupt noch nicht. Die Kultusministerkonferenz entschied damals Ende der 1950er Jahre, an jeder der acht Pädagogischen Hochschulen in Niedersachsen einen Lehrstuhl zu errichten, weil das erste Mal die NPD als Partei einen gewaltigen Schub bei den Landtagswahlen gemacht hat. Da wurde beschlossen: Wir müssen die Gegenwehr gegen diese Rechtsbewegung bei der Jugend anfangen – das wiederholt sich alles in der Geschichte. Und wenn man bei der Jugend anfangen möchte, muss man bei den Lehrerinnen und Lehrern anfangen. Und auf diese Weise wurde in allen pädagogischen Hochschulen in Niedersachsen das Fach der politischen Wissenschaft eingerichtet, in den vier größeren 1960, und in den kleineren 1961. Es gab aber nicht genug Leute für diese Lehrstühle, die habilitiert waren. Den Hochschulen wurde gesagt: Schaut euch um, wenn ihr jemanden kennt, der promoviert und geeignet ist, dann ladet ihn in die Hochschulen ein und macht Check-Seminare.

    Sie waren 32. Das trauten Sie sich zu?

    Ich war damals noch im Bundespräsidialamt in Bonn. Ich war 32 Jahre jung und stellte mich in Alfeld vor. So ist es gewesen. Ich stand in zwei anderen Hochschulen auch noch auf der Dreier-Liste der möglichen Kandidaten. Ich wurde dann ernannt und war zunächst allein, als Assistent bot sich ein Lehrer an. Ich begann bei Null. Was ich als Bestand in Alfeld vorfand war eine Weimarer Verfassung und das Grundgesetz und 3000 D-Mark als Startkapital für den Aufbau einer Abteilung Politikwissenschaft in der kleinen Hochschulbibliothek. Ich traf auf eine wahnsinnig freundliche Kollegenschaft, die sich halb umbrachte, um mir zu helfen und zwischendurch fragte, was das eigentlich ist, was ich in der Politikwissenschaft mache. Wir waren 20 Dozenten in Alfeld.

    Was haben Sie Ihren Alfelder Kollegen und Ihrer Kollegin denn geantwortet, was ist Politikwissenschaft?

    Ich habe verdeutlicht, dass und warum die Politische Wissenschaft eine Wissenschaft ist und dass ich nicht hierher geschickt worden bin, Politik zu machen. Es ist die Wissenschaft, die den Gegenstand der Politik hat und alles, was politisch ist, ist ihr Objekt. Politische Wissenschaft treibt also keine Politik, sondern analysiert sie. Was nicht ausschließt, erstens, dass auch der Politikwissenschaftler eine politische Überzeugung hat und was die Frage aufwirft, ob Politikwissenschaft eine wertfreie Wissenschaft sein könnte. Das war in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre eine große Debatte. Der Soziologe Max Weber hat die These von der Wertfreiheit der Politikwissenschaft einerseits glühend verteidigt und andererseits gibt es in seinen Schriften Passagen, in denen er darlegt, Politik ist natürlich auch eine wertende Wissenschaft. Wenn wir von „guter" oder „schlechter" Politik reden, fangen wir schon an mit dem Urteil. Ich kann das, was andere sagen, nicht sofort mit einer Haube der politischen Überzeugung beurteilen. Zunächst einmal muss die Analyse kommen.

    Herr Professor Leder, seit 28 Jahren sind Sie im Ruhestand. Ihr Interesse an Politik, an Philosophie und Zeitgeschichte ist ungebremst, auch im hohen Alter haben Sie noch einen Aufsatz über Gewissen und Gehorsam geschrieben. Nun feiern Sie Ihren 90. Geburtstag. Verraten Sie uns Ihre Lebensphilosophie, wie bleibt man so wach im Geiste und so aufmerksam?

    Seien Sie mir nicht böse, aber das kann ich nicht beantworten. Wie bleibt man so wach und aufmerksam? Ich danke jeden Tag dafür, das ich's bin. Wie man dazu kommt, merkt man ja nicht. Wenn man das Glück hat, merkt man es gelegentlich, weil jemand sagt: „Der ist noch ganz fit."

    Ich weiß natürlich, dass ich ein wunderbares Elternhaus, aufgeschlossen und interessiert an allem, gehabt habe und sehr jung erfahren habe, dass es auf der Welt sehr schlimme Dinge gibt. Meine Eltern waren beide absolut unbeleckt von jeder Sympathie für die Nazis. Ich bin 1929 geboren, ich war gerade vier Jahre alt, als sich die Nationalsozialisten in Deutschland 1933 mit der Machtergreifung durchsetzten. Ich erzähle Ihnen eine verbürgtes Geschehen: Wie ich fünf Jahre alt war, 1934, war ich für ein Viertel Jahr bei meinen Großeltern in Breslau. An einem Abend, ich war von meiner Patentante schon ins Bett gebracht, fingen auf einmal die Glocken an zu läuten. Ich konnte nicht schlafen, bin in das Wohnzimmer der großen bürgerlichen Wohnung und habe mich beklagt, warum die Glocken so laut läuten. Mein Großvater sagte mir: „Weißt du, der Herr von Hindenburg, der Herr Reichspräsident ist gestorben." Ich reagierte, es war eine kindliche Reaktion: „Was denn, haben Sie jetzt den alten Mann auch noch umgebracht?“ Das war am 2. August 1934. Einige Monate zuvor, im Juni, hatte Hitler einen Putsch von SA-Leuten, seiner eigenen Truppe, niedergeschlagen, indem er seinen Freund Ernst Röhm, der Chef der SA, einer der obersten Nazis, hat erschießen lassen. Meine Eltern waren sehr intensiv katholisch und aufgeschlossen, sie wussten, 1935, 1936, 1937: Das gibt Krieg und es wird furchtbar. Sie wussten von Judenverfolgungen, ihre Freunde sind noch nach England entkommen. Als Fünfjähriger und in den folgenden Jahren habe ich eine schlimme Zeit erlebt. Ich konnte damals noch nicht Zeitung lesen, nur einzelne Worte. Das prägt mein ganzes Denken. Politik ist wahnsinnig spannend, aufregend und wichtig für uns alle, Politik kann schlecht sein und gut sein.

    Eine andere Situation: Ich war 30 und Referent im persönlichen Büro des Bundespräsidenten in Bonn, ich war einer von zwei Assistenten und hatte wie ich angekommen war, am ersten Tag einen Auftrag erhalten, eine Tischrede zu entwerfen für die Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts. Vorgabe 8 Minuten. Das war ein Glücksfall. Verfassungsrecht hat mich in meinem Studium so intensiv beschäftigt. Als ich in das Arbeitszimmer des Bundespräsidenten das erste Mal hinein kam, saßen wir uns direkt gegenüber, er hatte mein Redemanuskript vor sich liegen, nahm einen grünen Stift und fing an zu lesen. Auf einmal knurrte er, und wieder knurrte er: „So kann man das doch nicht sagen." Reflexartig bat ich um Entschuldigung. Der Bundespräsident legt seinen Stift hin, guckt mich an und sagt: „Herr Leder, warum entschuldigen Sie sich denn dauernd? Sie sind hier dazu da, mir zu widersprechen. Und wenn ich es dann anders mache, ist das nicht mehr Ihre Verantwortung." Ich habe manchmal in Fällen von Meinungsverschiedenheiten mit Räten und Assistenten später zu mir innerlich gesagt: „Du weißt, die sind hier da, um dir zu widersprechen. Und wenn du es anders machst, musst du es alleine verantworten." Ich habe daher nie einen ernsten Konflikt mit einem Mitarbeiter an der Universität gehabt.

    Was bedeutet Wissenschaft für Ihr Leben? Wie hat die Politikwissenschaft Ihr Leben geprägt?

    Wenn ich Politik lehren will und Wissenschaft betreiben will, muss ich objektive Sachverhalte erzählen. Gewissen und Widerspruch hat mich immer sehr beschäftigt. Ich habe sehr gerne in Arbeitsgruppen gearbeitet, die aus anderen Wissenschaften stammen. Zwölf Jahre war ich Mitglied eines Gesprächskreises für wissenschaftliche Pädagogik, nahm an den Symposien teil, sprach in Münster über politische Bildung. Wie sieht ein Politikwissenschaftler politische Bildung und hält sie für notwendig? Politische Bildung hat mich immer interessiert, ich habe sie mit vielen Referaten im Jahr in Bildungsinstitutionen von Stuttgart bis Fulda betrieben. Abends hatte ich meinen Vortrag in Oldenburg mit Diskussion bis zehn Uhr, am Morgen war ich zurück in Hildesheim, um um 8:00 Uhr mein Seminar zu halten. Von zwei Operationen abgesehen war ich 7 Vorlesungstage im Laufe der 30 Jahre an der Universität krank.

    Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht. Mich hat die Leidenschaft für politische Bildung und das innere Engagement mein Leben lang angetrieben. Demokratie ist ein Wert und die Parteien haben politische Funktionen in die Bevölkerung hinein. Wenn die Parteien heute wieder in einer Schwächephase stehen – was ganz ohne Frage ist und überhaupt noch nicht überwunden –, macht man sich seine Sorgen. Man kann Mitleid oder wenigstens Sympathie für Leute empfinden, die sich bestimmte Dinge zutrauen, dazu gewählt werden und dann von der eigenen Partei Stückchen um Stückchen in die Pfanne gehauen werden.

    Meine Studentinnen und Studenten haben mir gesagt, dass ich anspruchsvoll sei, aber immer fair in Prüfungen. Wenn die Studierenden zur Prüfung kamen, habe ich mich gekümmert, es war erstaunlich, wie viele so stark unter Prüfungsangst gelitten haben. Den Dank erfahre ich noch heute in Hildesheim manchmal auf der Straße, das sind wundervolle Tage.

    Wie haben Sie die Universität als Student erlebt?

    Ich erinnere mich an mein Studium 1949 in Göttingen, ich habe die Lehrangebote gesucht, die hingen nämlich nur in der Universität an großen Brettern. Fernsehen gab es noch nicht, im Radio wurden Lehrveranstaltungen natürlich auch nicht verkündet.Und dann musste ich erst einmal einen Kommilitonen ansprechen, der von einer Vorlesung kam. Aber die jungen Leute waren alle so eilig, ganz eigentümlich – freundlich, aber sie hatten nie Zeit. Warum? Eine große Zahl der jungen Männer hatte eine Gefangenschaft hinter sich nach dem Zweiten Weltkrieg, entweder bei den Franzosen oder bei den Amerikanern, aber kaum einer war aus Russland. Ich bin dabei gewesen, wie 1955 – zehn Jahre nach Kriegsende – im Grenzdurchgangslanger in Friedland einer der ersten Transporte von deutschen Kriegsgefangenen ankam in Bussen, in die sie in ihren Gefangenenlagern verladen worden waren, als Konrad Adenauer in Russland gewesen war und sie freigehandelt hatte. Ich habe mit anderen Studenten geholfen. Es hieß: „Die Gefangenen kommen. Wir brauchen dringend Hilfskräfte.“ Ich errinere mich, wie sie aus den Bussen aussteigen – blass, blank, abgemagert, manche mit einem Stock, manche mit einer selbstgebastelten Krücke unter dem Arm. Ich habe bis heute im Sinn, wie sie am Ende anstimmen: „Nun danket alle Gott.“ So etwas vergisst man nicht, das Schreckliche wie das Schöne.

    Wenn ich Ihnen noch eine Story erzählen soll: Ich saß im Seminar „Theorie des öffentlichen Rechts“ in Göttingen bei Professor Rudolf Smend, einer der bedeutendsten Verfassungsrechtler der Weimarer und der neuen Bonner Zeit. Da saßen mit mir im Raum zwei spätere Bundesminister, ein Dritter, der später in den Bundestag ging, zwei spätere Bundesverfassunsrichter, eine spätere Richterin. Ich saß auf dem letzten Platz, Mittwochabend, 20 Uhr bis 22 Uhr. Da passierte Folgendes: Rudolf Smend hatte einen Aufsatz geschrieben über den Kernbereich seiner eigenen Theorie, die Integrationslehre, der Staat ist Integration, für das große Handbuch der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Er sagte, er wolle den Aufsatz zur Diskussion stellen: Die Integrationslehre und ihre Schwächen. Es war ein nachträgliches rücksichtsloses Urteil über sein zentrales wissenschaftliches Produkt, uns kamen die Tränen. Er saß und schwieg. Einer seiner Studenten, Wilhelm Hennis, später renommierter Professor, sagte: „Herr Professor, so schlecht, wie Sie Ihre eigene Theorie gemacht haben, ist sie ja nun wirklich nicht." Herr Smend sagte ganz ernst: „Ich bedanke mich für diesen Trost." Ich habe dauernd das große Glück gehabt, Leute dieser Kragenweite kennen zu lernen.

    Dieses Interview lesen auch viele Studentinnen und Studenten. Welche Entwicklungschancen bietet eine Universität jungen Menschen?

    Eine Hochschullehrerin beziehungsweise ein Hochschullehrer sollte zum Nebenberuf haben, seinen Studentinnen und Studenten immer wieder klar zu machen: Erstens, Sie müssen hier gewaltig Gas geben, sonst kann es sein, dass Sie das Studium nicht schaffen. Ich kenne nur ganz wenige Leute, die es ohne solches Gasgeben mit Lockerheit geschafft haben. Zweitens, man muss sich selber darum kümmern, das man lernt, wie man lernt und wie man zum Denken kommt – mit der Folge, dass an zwei, drei Abenden in der Woche Bude und Arbeit angesagt ist. Weil es später auch so sein wird. Ohne knallharte Arbeitsbereitschaft geht nichts. Drittens: Man muss lernen, sich in die Position des anderen hineinzuversetzen. Das hilft übrigens auch, wenn man sich auf eine Prüfung vorbereitet und vorher versucht herauszufinden, wie der Prüfer oder die Prüferin tickt, dann können einen Fragen nicht erschrecken.

    Welche Aufgaben hat Wissenschaft in der Gesellschaft, wie kann die Region von der hier ansässigen Hochschule profitieren?

    Ich schätze die Bemühungen um den Wissenstransfer der heutigen Hildesheimer Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren, dazu zählen etwa die öffentlichen Europagespräche von Professor Michael Gehler und Ringvorlesungen der Universität Hildesheim. Da wird etwas Reizvolles geboten. Ich habe einige Referate von Professorin Marianne Kneuer gehört, sie kann für jeden der anfängt, als Wissenschaftler zu arbeiten, nur Vorbild sein, ich bewundere das. Man muss sehen, dass die Bürger hier herkommen auf den Campus, man muss sie einladen. Und dann kommen sie ja offenbar.

    Die Hochschule, der akademische Bereich, ist nicht außerhalb dieser Welt, sondern ein Teil und muss sich selber integrieren. Eine Universität, die sich abkapselt, wird nie richtig in der Mitte dieser Stadt ankommen. Das Wachstum der Universität Hildesheim ist nicht unwesentlich in den letzten Jahren von Professor Wolfgang-Uwe Friedrich bewirkt worden und hat ohne Fragen in Hinblick auf kulturelle und wirtschaftliche Aspekte Bedeutung für Hildesheim. Etwa 11 % von Hildesheims gut 100.000 Einwohnern sind heute Studentinnen und Studenten, 1970 waren es 400 Studierende, 2019 sind es allein an der Universität etwa 8500. Und wenn Hildesheim sich nun darum bewirbt, Europäische Kulturhauptstadt zu werden, dann wird alles das, was vom gegenwärtigen Präsidenten geschaffen wurde dazu beitragen, dass Hildesheim sicher mit dem hervorragenden Ruf der Universität gestiegene Chancen hat.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

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    news-17086 Mon, 01 Jul 2019 08:39:00 +0200 Herausragende akademische Leistungen: Torben Windler, Candy Walter und Carolin Funke https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/herausragende-akademische-leistungen-torben-windler-candy-walter-und-carolin-funke/ Die Universitätsgesellschaft Hildesheim verleiht drei Preise für herausragende akademische Leistungen. Geehrt werden der Informatiker Torben Windler, die Kulturwissenschaftlerin Carolin Funke und der Mathematiker Candy Walter für ihre Bachelorarbeit, Masterarbeit und Promotion. Die Förderpreise sind mit jeweils 500 Euro dotiert „Die Preise sind eine besondere Auszeichnung der Universität für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Sie sollen zudem Studierende und wissenschaftlichen Nachwuchs motivieren“, sagt Heinz-Werner Ernst, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Hildesheim, anlässlich der Preisverleihung im Forum am Hauptcampus. Die Qualität begeisterte ihn, und erstaunt habe ihn die Nähe der Forschungsarbeiten zur realen Welt.

    Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

    • Bachelor: Torben Windler | Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ |  Bachelorarbeit „Electricity Price Forecasting in the Context of Production Planning“ | Gutachter: Jan Busse

    • Master: Carolin Funke | Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ | Masterarbeit „Narrative Zwischenräume. Die Bedeutung der Bild-Text-Interdependenz in Bilderbuchgesprächen am Beispiel des Bilderbuches „Garmans Straße“ von Stian Hole. Eine qualitativ-empirische Studie.“ | Gutachterin Prof. Dr. Bettina Uhlig, Gutachter Jan Schönfelder

    • Dissertation: Candy Walter | Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ | Dissertation „Statistische Untersuchungen Planen – Eine empirische Untersuchung zur Planung und Durchführung statistischer Untersuchungen von Lernenden aus 9ten und 10ten Schuljahrgängen“ | Gutachterin: Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme

    Nähe der Forschungsarbeiten zur realen Welt

    Der Informatiker Torben Windler hat seine Arbeit im Rahmen eines Projektes umgesetzt, in dem einem Produktionsbetrieb mit hohem Energieverbrauch geholfen werden soll, die Niedrigpreisphasen des Stromlieferanten auszunutzen und das vorausschauend Wochen vorher zu planen.

    Carolin Funke, gelernte Grafikerin, hat in ihrer Masterarbeit ein liebevoll gestaltetes Werk vorgelegt, das Lehrerinnen und Lehrern Hilfen gibt für das Erschließen von Bilderbüchern. Auch der Mathematiker Candy Walter wendet sich mit seiner Arbeit an Lehrerinnen und Lehrer. Mit Hilfe der Ergebnisse seiner Dissertation sollen Schülerinnen und Schüler eigene Projekte besser durchführen und auswerten können.

    Nominiert waren herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aller Fachbereiche

    Unter den insgesamt 14 Nominierten mit herausragenden Forschungsarbeiten waren junge Forscherinnen und Forscher aus allen Fachbereichen der Universität Hildesheim. Die Preis werden einmal im Jahr verliehen.

    Die vier Fachbereiche hatten die Arbeiten bei der paritätisch besetzten Förderkommission des Senats eingereicht. Die ermittelte in einem aufwendigen Verfahren drei Vorschläge, die sie dem Vorstand der Universitätsgesellschaft zur Entscheidung vorlegte. Die zum Teil sehr umfangreichen Arbeiten wurden mitgereicht, um den Kommissionsvorschlag nachvollziehen zu können.

    Die Universitätsgesellschaft fördert Studierende, studentische Projekte und Leistungen und unterstützt Forschung und Lehre. Die gemeinnützige Gesellschaft vereint Freunde, Ehemalige, Förderer und Angehörige der Uni und versteht sich als Bindeglied zwischen Universität und den Bürgerinnen und Bürgern der Region.

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    news-17224 Sat, 29 Jun 2019 08:00:00 +0200 Universität Hildesheim kooperiert mit Universität Maiduguri in Nigeria / Friedrich: „Dieses Miteinander zeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-kooperiert-mit-universitaet-maiduguri-in-nigeria-friedrich-dieses-miteinan/ Die Universität Hildesheim baut die internationale Zusammenarbeit aus. Die Universität Maiduguri in Nigeria und die Universität Hildesheim haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die Universitäten arbeiten seit mehreren Jahren in einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderten Graduiertenschule zusammen und befassen sich mit Friedens- und Konfliktforschung. „Wir sind dankbar und stolz auf die Zusammenarbeit mit der Universität Maiduguri. Dieses Miteinander zeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert“, so Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Lesen Sie hier den vollständigen Artikel (PDF)

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    news-17039 Wed, 19 Jun 2019 14:33:00 +0200 Experte für Biowissenschaften des Sports: Professor Sebastian Gehlert https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/experte-fuer-biowissenschaften-des-sports-professor-sebastian-gehlert/ Der Sportwissenschaftler Sebastian Gehlert erforscht in Hildesheim unter anderem die muskuläre Anpassung im Kraft- und Ausdauertraining, den Proteinabbau im humanen Skelettmuskel und das Training und die Ernährung im Leistungssport. Eine effiziente Reizabfolge durch Training ist sowohl im Gesundheitsbereich, wie zum Beispiel im Rehabilitationssport, aber besonders auch im Leistungssport von hoher Bedeutung, sagt der Professor. Sebastian Gehlert hat an der Universität Hildesheim die Professur für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften des Sports am Institut für Sportwissenschaft des Fachbereichs „Erziehungs- und Sozialwissenschaften“ inne. 

    Professor Sebastian Gehlert befasst sich unter anderem mit der Entwicklung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Training. „Es geht in meiner Forschung darum, mit biowissenschaftlichen und sportwissenschaftlichen Methoden, zu untersuchen, wie die Intensität, Zeitdauer und Abfolge von Kraft- und Ausdauertrainingseinheiten eine optimale und effiziente Reizabfolge generieren kann, die einen maximalen Leistungszuwachs in kurzer Zeit gewährleistet.“ Besonders interessant, sagt Gehlert, sei, dass die Entstehung dieser Vorgänge bereits auf Zellebene des Skelettmuskels beginnt und über spezifische Signalprozesse initiiert wird. „Diese Signalgebung lässt sich mit biowissenschaftlichen Methoden messen. Dies können Metabolite, Mikrovesikel oder RNA Fragmente sein, die als Folge des Gewebeumbaus in das Blut übertreten und uns Abbau- oder Aufbauprozesse indirekt anzeigen können. So können wir messen, ohne Muskelbiopsien vornehmen zu müssen.“

    Eine effiziente Reizabfolge durch Training ist sowohl im Gesundheitsbereich, wie zum Beispiel im Rehabilitationssport, aber besonders auch im Leistungssport von hoher Bedeutung, sagt der Sportwissenschaftler. „Hier versucht man ja in kurzer Zeit – beispielsweise in ambulanten und zeitlich limitierten Rehaprogrammen oder aber auch in wettkampfnahen Vorbereitungsperioden – Trainingsreize so zu bündeln, dass zum Wettkampf die größtmögliche Schnelligkeits-, Kraft oder Ausdauerleistungsfähigkeit erzielt wird. Wenn es im Leistungssport überwiegend um Medaillen geht, äußert sich ein höheres Leistungsvermögen im Gesundheitssport mit verbesserter allgemeiner Belastbarkeit, Mobilität und Gesundheit.“

    Sebastian Gehlert arbeitete nach seinem Studium der Sportwissenschaften im Bereich Training und Leistung in Forschungsprojekten an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Gehlert erhielt ein Graduiertenstipendium im Bereich Lebenswissenschaften der DSHS Köln. Er promovierte zum Thema  „Akute  und chronische Anpassung des humanen Skelettmuskels auf Kraft und Ausdauerbeanspruchung“ und arbeitete in der Abteilung molekulare und zelluläre Sportmedizin der DSHS Köln.

    Antrittsvorlesung von Professor Sebastian Gehlert

    Am Mittwoch, 19. Juni 2019, gibt der Sportwissenschaftler Professor Dr. Sebastian Gehlert Einblicke in seine Forschung. In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung im Forum am Hauptcampus spricht er über den „Einfluss der molekularen Interaktion von Training und Ernährung auf die physiologische Leistungsanpassung“.

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    news-16952 Sat, 08 Jun 2019 11:28:00 +0200 Friedens- und Konfliktforschung über Musik und Kultur https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/friedens-un/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Maiduguri, Nigeria, und Cape Coast, Ghana, sind derzeit zum Forschungsaufenthalt an der Universität Hildesheim. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Maiduguri in Nigeria und Cape Coast in Ghana befassen sich im Rahmen einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Graduiertenschule mit der Frage, wie mit Kunst und Kultur in und nach Konflikten Gemeinschaften aufgebaut werden können.

    Seit Anfang Mai bis Ende Juli 2019 sind 10 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nigeria und Ghana zum Forschungsaufenthalt am Center for World Music in Hildesheim.

    Welche Rolle spielen Kultur und Künste bei der Konfliktlösung und in Friedensprozessen?

    In Hildesheim arbeiten Zainab Musa Shallangwa, Alasambom Nyingchuo, Umar Lawal Yusuf, Lydia Amoah, Sabina Appiah-Boateng und Amos Asare Darkwa an ihren Doktorarbeiten im Center for World Music und am Institut für Kulturpolitik, recherchieren in der Universitätsbibliothek und treffen Hildesheimer Professorinnen und Professoren. Begleitet werden sie von den Koordinatoren der Graduiertenschule Dr. Christopher Mtaku, Eyram E. K. Fiagbedzi, Dr. Nepomuk Riva und Meike Lettau.

    Außerdem finden interdisziplinäre Austauschformate statt, unter anderem mit der Erziehungswissenschaftlerin Professorin Viola Georgi, die in Hildesheim das Zentrum für Bildungsintegration leitet, und im Seminar „Time and History: What ‚history‘ do we want to talk about in the future“ mit dem Philosophen Professor Rolf Elberfeld, der zu Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive forscht, oder auch mit Professor Tiago de Oliveira Pinto vom UNESCO-Lehrstuhl „Transcultural Music Studies” an der Universität Weimar.

    Insgesamt 21 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Nigeria, Ghana, Kamerun, Niger und Deutschland, darunter 12 Doktorandinnen und Doktoranden, erforschen in der Graduiertenschule „Performing Sustainability – Cultures and Development in West-Africa“ von 2016 bis 2020 die Rolle von Kultur und Kunst bei der Konfliktlösung, in Friedensprozessen und in der nachhaltigen Entwicklung in Westafrika. Zum Beispiel untersuchen sie die Rolle von Theater und Film in Flüchtlingsgemeinschaften, die Auswirkungen von Migration und Vertreibung auf das materielle und immaterielle kulturelle Erbe und entwickeln lokale, gemeinschaftsbildende Kultur- und Bildungsprojekte. Teil des Programms sind mehrmonatige Forschungs- und Lehraufenthalte am Center for World Music der Universität Hildesheim.

    „Dieser Austausch zwischen Maiduguri, Cape Coast und Hildesheim ist eine Bereicherung“

    „Wir sind eine offene und internationale Universität, zu unserem Leitbild gehört Diversität. Dieser Austausch zwischen Maiduguri, Cape Coast und Hildesheim ist eine Bereicherung“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

    Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler werden Anfang Juli 2019 an einer Kooperationstagung zum Thema „The Role of the Artist in Processes of Transformation. Conference on Cultural Policy and Sustainable Development“ in der Bundesakademie Wolfenbüttel teilnehmen [Informationen zur Konferenz]. Forschungsfragen sind unter anderem: Was bedeutet eine auf Kunst und Kultur basierende nachhaltige Entwicklung? Auf welche Weise können Künstlerinnen und Künstler Lösungen für Gesellschaften in Umbrüchen und fragilen Kontexten anbieten? Welche neuen Mechanismen der internationalen Kulturbeziehungen und Kulturpolitik sind für eine Veränderung der europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit erforderlich?

    Digitalisierte Musikarchive sollen in Nigeria helfen, um vor Ort Lösungsansätze für gesellschaftlichen Konfliktezu entwickeln

    „Die Forschungen der Studierenden stehen im engen Zusammenhang mit den Sammlungen, über die wir am Center for World Music verfügen, wie etwa das Borno Music Documentation Project. Die Doktoranden und Doktorandinnen nutzen damit unsere Archive, die sie erschließen und digitalisiert wieder mit nach Nigeria nehmen, um vor Ort Lösungsansätze für gesellschaftlichen Konflikte suchen“, sagt Professor Raimund Vogels.

    Die Hildesheimer Graduiertenschule „Performing Sustainability – Cultures and Development in West-Africa“ ist die einzige kulturwissenschaftliche Graduiertenschule und die einzige aus Niedersachsen, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen einer Fördermaßnahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Förderung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN bewilligt wurde.

    Das Graduiertenkolleg ist an der Universität Hildesheim am Center for World Music angesiedelt. Das Team um Professor Raimund Vogels, Direktor des Forschungsinstituts, arbeitet mit Professor Wolfgang Schneider zusammen, dessen Team am UNESCO-Lehrstuhl des Instituts für Kulturpolitik die Rolle der Künste in Konflikten und Transformationsprozessen untersucht.

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    Präsidentin Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Kulturpolitik Center for World Music Forschung Startseite Präsident
    news-16971 Fri, 07 Jun 2019 08:52:00 +0200 Internationaler Doktorandenworkshop der Musikethnologie https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/internationaler-doktorandenworkshop-der-musikethnologie-1/ Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Haifa, Cape Coast, Lissabon, Helsinki und Maiduguri nach Hildesheim: Während des elften Internationalen Doktorandenworkshops am Center for World Music der Universität Hildesheim tauschen sie sich über Forschungsmethoden und Forschungsfragen aus. Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel, Portugal, Ghana, den USA, Finnland und Nigeria nicht nach Berlin oder Köln, sondern nach Hildesheim in Norddeutschland.

    Das Center for World Music der Universität Hildesheim unterstützt den Forschungsnachwuchs. Etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tagen vom 18. Juni bis 22. Juni 2019 an der Universität. Das fünftägige Programm bietet Raum für Vorträge und Diskussionen. In Arbeitsgruppen können sich die Doktorandinnen und Doktoranden über Forschungsmethoden und musikethnologische Forschungsfragen austauschen.

    Seit elf Jahren bauen die Hildesheimer Wissenschaftler ein Doktorandennetzwerk in der Musikethnologie aus. Die Universität Hildesheim arbeitet dabei eng mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sowie Professor Philip Bohlman von der University of Chicago/USA zusammen. Bisher nahmen über 200 junge Fachleute an den Workshops teil. Einmal im Jahr tagen sie eine Woche am Center for World Music in Hildesheim. Das Forschungszentrum hat sich im Ausland als wichtige Institution der Nachwuchsförderung etablieren können.

    Programm des elften internationalen Doktorandenworkshops

    Die Doktorandinnen und Doktoranden befassen sich zum Beispiel mit diesen Themen:

    • Amos Darkwa Asare (University of Cape Coast, Ghana): "The Evaluation of Cultural Policy towards the Performing Arts in Ghana: A case of the ‘Appietus’ project"

    • Dikshant Uprety (Indiana University Bloomington, USA): "Practices of Social Entrepreneurship and Development in Rap and Rock Music Scenes in Kathmandu Valley"

    • Xinjie Chen (University of Helsinki, Finland): "Rooted Cosmopolitanism in Sámi CD productions"

    • Pablo Infante-Amate (University of Oxford, England): "Playing with the State: Popular Music, Oil, and Political Economy in Equatorial Guinea"

    • Olga Zaitseva-Herz (University of Alberta, Canada): "Singing Between Continents: images of homeland and pluralism in the hybrid songs of Habsburg Empire emigrants to Canada"

    • Loab Hammoud (University of Haifa, Israel): "Between Mandate and Diaspora: Palestinian Composers of Arab Art Music Between 1917-1998"

    Short information in English

    Eleventh International Doctoral Workshop in Ethnomusicology

    From 18th of June until 22nd of June 2019 the Center for World Music of University of Hildesheim will once more be the venue for the international doctoral workshop in ethnomusicology. In collaboration with Hanover University of Music, Drama and Media, the program of paper presentations, discussion and working groups will support doctoral students at their writing stage and engage them in international dialogue and exchange. In a keynote lecture Ronald Radano from the University of Wisconsin–Madison, USA, and the American Academy Berlin, will talk about the "African Sound Object and the Colonial Past".

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    news-16849 Mon, 27 May 2019 15:31:39 +0200 Hochschulforschung – Hohe Relevanz für die Hochschulpraxis https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/hochschulforschung-hohe-relevanz-fuer-die-hochschulpraxis/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“ arbeiten an Forschungsprojekten, die eine hohe gesellschafts- wie hochschulpolitische Relevanz aufweisen. Um sich gemeinsam mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus der Hochschulforschung sowie aus dem Hochschulmanagement bundesweit auszutauschen, trafen sie sich im Rahmen der „3. Hildesheimer Dialoge“ an der Universität Hildesheim. Ein Gastbeitrag des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“

    Zu den aktuellen Themen an Hochschulen zählen zum Beispiel, wie die Betreuung von Promovierenden stetig verbessert werden kann, wie die Hochschulen angesichts der gestiegenen Studierendenzahlen und nach wie vor hohen Abbruchquoten eine qualitativ gute und ansprechende Lehre leisten können, aber auch, wie sukzessive der Anteil an Professorinnen und Frauen in den Spitzen- und Leitungspositionen im Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb erhöht werden kann, und welche Maßnahmen und Strategien Hochschulen ergreifen, um ihre Beschäftigten sowie die Studierenden vor sexualisierter Gewalt und Belästigung zu schützen.

    Grund genug für das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ einige empirische Forschungsprojekte zu den oben genannten aktuellen Themen beim 3. Hildesheimer Dialog vorzustellen und Inhalte, Methoden, Vorgehensweisen, Ergebnisse und die Praxisrelevanz mit den Gästen intensiv zu diskutieren.

    Empirische Forschungsprojekte, Methoden, Inhalte und Vorgehensweisen wurden auf der Tagung vorgestellt

    Die meisten – mit einer Ausnahme – dort vorgestellten Projekte stehen am Beginn ihrer Forschungsphase. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andrea Bührmann. Sie ist Professorin für Soziologie und Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Chancengleichheit an der Universität Göttingen und war mit großem Interesse nach Hildesheim gereist, um sich einen Einblick in aktuelle Forschungsthemen rund um die Hochschule zu verschaffen.

    Den Auftakt der Diskussionsrunde machte Prof. Dr. Tanja Paulitz von der TU Darmstadt. Sie gab einen spannenden Einblick in ein in Deutschland wenig untersuchtes Forschungsfeld: In dem BMBF-Projekt „Jenseits der Gläsernen Decke“ untersucht sie gemeinsam mit Leonie Wagner, Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) und einem Team, welche Marginalisierungserfahrungen Professorinnen an Universitäten wie Fachhochschulen machen. Im Kern ihres Projektes geht es darum, die sehr feinen und zum Teil wenig bewussten Mechanismen des Unsichtbarmachens, des Übersehens und Wegdrängens von Spitzenfrauen im Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb aufzuzeigen und daraus Gegenstrategien für eine Sensibilisierung und für inklusive Anerkennungspraktiken zu entwickeln.

    Noch in der ersten Phase der Förderung ist das Forschungsprojekt „Thematisierung von sexualisierter Gewalt an Hochschulen in der Lehre und der Organisation“, das Prof. Dr. Meike Sophia Baader, vom Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim, zusammen mit Dr. Christin Sager, ebenfalls vom Institut für Erziehungswissenschaft, leitet: „Unser Projekt geht der Frage nach, wie Hochschulen als Organisation mit dem Thema „sexualisierte Gewalt“ umgehen, welche Richtlinien und Beratungsangebote institutionalisiert und welche Formen von Best Practice identifiziert werden können“, erklärte Meike Baader, Professorin für Erziehungswissenschaft und Vize-Präsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Hildesheim.

    „Zudem fragen wir danach, ob das Thema in pädagogischen Studiengängen in der Lehre angekommen und verankert ist, gibt es doch seit 2010 eine erhöhte Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt in pädagogischen Kontexten, so dass ein professioneller Umgang damit Teil der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften sein sollte. Zusammen mit Akteuren und Akteurinnen aus der Region werden wir Handlungsempfehlungen erarbeiten“. Ihr Projekt wird bis Ende 2021 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert, ebenso wie das Forschungsprojekt „Bewertungspraktiken in Lehr-/Lernsettings der Promotionsbetreuung“ von Dr. Daniela Böhringer und Prof. Kai-Olaf Maiwald, beide von der Universität Osnabrück, und Dr. Svea Korff vom Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim. Das Forschungsteam an den beiden Standorten untersucht unterschiedliche Settings der Betreuung, in denen die Promotion sowohl als Arbeits- und Lernprozess wie auch als materiales schriftliches Objekt Thema ist. Diese Perspektive erhellt die Frage, wie in der Wissenschaft dem Nachwuchs Leistung interaktiv zugeschrieben wird. Dazu werden Videoaufnahmen gemacht und konversationsanalytisch ausgewertet.

    Die Promotionsphase und der anschließende Übergang in den akademischen und außerakademischen Arbeitsmarkt stehen im Mittelpunkt eines weiteren Forschungsprojektes, dessen Eckpunkte ebenfalls bei den Hildesheimer Dialogen vorgestellt wurden: Dr. Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) gab einen Überblick über die großangelegte Studie „NACAPS – National Academics Panel Study“. Im Rahmen dieser Längsschnittstudie, die er mit seinem Team durchführt, werden regelmäßig Promovierende und Promotivierte in Deutschland zu den Bedingungen des Promovierens, ihren Karriereabsichten, Karriereverläufen und allgemeinen Lebensbedingungen gefragt. Auch die Universität Hildesheim beteiligt sich an dieser Befragung.

    Den thematischen Abschluss bildete ein aktuelles Forschungsprojekt, das die akademische Lehre und vor allem die Hochschullehrenden in den wissenschaftlichen Blick nimmt: Wie reagieren Lehrende auf neue Anforderungen, die an eine zeitgemäße Lehre gestellt werden? Gehen Lehrende darauf ein, digitale Medien vermehrt in ihre Lehre zu integrieren? Setzen sie Aspekte einer gender- und diversityorientierten Lehre um? Diesen Fragen geht Dr. Marion Kamphans vom Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ in ihrem von der Universität Hildesheim geförderten Habilitationsprojekt nach, das sie den Anwesenden vorstellte.

    Hildesheimer Dialoge initiieren Austausch über Hochschulforschung und Hochschulentwicklung

    Bereits zum dritten Mal veranstaltete das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Institute für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft und für Sozial- und Organisationspädagogik (Prof. Dr. Meike Baader; Prof. Dr. Wolfgang Schröer; Dr. Svea Korff; Dr. Marion Kamphans) der Universität Hildesheim die „Hildesheimer Dialoge“. Von besonderem Interesse ist es, einen Austausch mit anderen an Themen der Hochschulforschung und Hochschulentwicklung Interessierten zu initiieren.

    Zentrales Ziel ist es, sich auf Landes- und Bundesebene zu vernetzen. Ein dritter Grund für dieses Format ist, die hochschulpolitische wie praktische Relevanz der empirischen Studien und Projekte – die im Forschungscluster bearbeitet werden in ihrer Anschlussfähigkeit für Veränderungsprozesse an Hochschulen, etwa für das Hochschulmanagement oder die akademische Personalentwicklung zu diskutieren.

    Kontakt bei Fragen zu den Hildesheimer Dialogen: Dr. Marion Kamphans, Universität Hildesheim, Institut für Erziehungswissenschaft, Abt. Allg. Erziehungswissenschaft (E-Mail: kamphans@uni-hildesheim.de)

    Kontakt bei Fragen zum Forschungscluster „Hochschule und Bildung“: Dr. Svea Korff, Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik (E-Mail: korffs@uni-hildesheim.de)

    Auf dem Gruppenfoto von links nach rechts:

    Prof. Dr. Andrea Bührmann, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Chancengleichheit an der Universität Göttingen; Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Hildesheim; Dr. Daniela Böhringer, Universität Osnabrück; Dr. Svea Korff, Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim; Dr. Mark Bajohrs, Universität Mainz; Carolin Bätge, Universität Hildesheim; Prof. Dr. Kai-Olaf Maiwald, Universität Osnabrück; Dr. Marion Kamphans, Forschungscluster „Hochschule und Bildung“; Dr. Christin Sager, Universität Hildesheim; Dr. Silvia Lange, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hildesheim; Dr. Kolja Briedis, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover; Prof. Dr. Tanja Paulitz, TU Darmstadt.

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    news-16486 Tue, 21 May 2019 20:39:00 +0200 Erste große Untertitel-Studie mit Kindern im deutschsprachigen Raum https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/erste-grosse-untertitel-studie-mit-kindern-im-deutschsprachigen-raum/ Wissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim haben erstmals in Deutschland umfassend untersucht, wie Kinder Untertitel in Kindermedien verstehen und wie sich Untertitel verbessern lassen. An der zweijährigen Studie haben 250 Kinder teilgenommen. Der Kinderkanal von ARD und ZDF, der MDR und der NDR waren Kooperationspartner und der Deutsche Gehörlosenbund hat das Projekt unterstützt. Nun liegen die Ergebnisse vor. Seit einigen Jahren bauen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihr barrierefreies Angebot immer weiter aus. Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind Untertitel ein wichtiges Hilfsmittel, um Filme, Serien und Sendungen zu verstehen. Inzwischen gibt es auch zahlreiche untertitelte Kinderangebote. Da sich Kinder im Leselernprozess befinden, deshalb meist langsamer lesen als Erwachsene und da auch ihre Konzentrationsfähigkeit noch nicht so stark ausgeprägt ist, müssen Untertitel für sie anders gestaltet werden als für Erwachsene.

    Auf Anregung des Norddeutschen Rundfunks, der in der ARD das Thema „Barrierefreier Rundfunk“ federführend betreut, haben die Übersetzungswissenschaftlerinnen Professorin Nathalie Mälzer und Maria Wünsche untertitelte Sendungen genauer unter die Lupe genommen. Ziel war es, die Untertitel für Kinder zu optimieren und wissenschaftlich überprüfte Richtlinien für die Erstellung von Untertiteln für Kindersendungen zu entwickeln.

    In einer Pilotstudie mit 50 teilnehmenden gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Kindern und in einer Hauptstudie mit 200 teilnehmenden Kindern aus Deutschland wurden Ausschnitte aus Sendungen mit verschiedenen Formen der Untertitelung gezeigt und Fragen zu Akzeptanz und Verständnis gestellt.

    Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder sie gut lesen können?

    Nun liegen Ergebnisse des Projekts „TV-Untertitel für gehörlose und schwerhörige Kinder – Empirische Studie zur Erarbeitung von Standards für die Gehörlosenuntertitelung von Kindersendungen“ vor. Die Studie liefert erstmals in Deutschland eine wissenschaftliche Grundlage, um verbesserte und zielgruppengerechte Untertitel für Kindersendungen zu erarbeiten.

    Die Studie der Universität Hildesheim liefert Antworten auf die Frage: Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder zwischen acht und zwölf Jahren die Untertitel gut lesen, der Sendung inhaltlich folgen können und die Untertitel akzeptieren? Welche Änderungen wirken sich positiv auf die Lesbarkeit, Akzeptanz und Verständlichkeit der untertitelten Serien aus?

    Die Forscherinnen befragten 250 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren

    Viele der 250 befragten Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren aus Berlin, Brandenburg, Bremen,  Hamburg, Niedersachsen und NRW haben bisher wenig Erfahrung mit Untertiteln. Elternhäuser, auch hörende Eltern, sollten die Untertitel im Fernsehen einschalten, wenn ihre Kinder gehörlos oder schwerhörig sind, so die Wissenschaftlerinnen.

    Die Akzeptanz der Untertitel spielt dabei eine große Rolle, sagt die Studienleiterin Professorin Nathalie Mälzer. Wie bekommt man Eltern und Kinder dazu, die Untertitel überhaupt zu nutzen? Die Wissenschaftlerinnen haben die teilnehmenden Kinder befragt, welche Untertitel ihnen gefallen, was sie stört und welchen Einfluss unterschiedliche Standzeiten oder typografische Hervorhebungen auf das Leseverständnis haben. „Für die Kinder ist es wichtig, dass sie die Untertitel den Sprecherinnen und Sprechern richtig zuordnen können. Trägt eine Figur eine grüne Mütze, kann der Text auch in grün gesetzt werden“, erklärt Maria Wünsche.

    Weitere Ergebnisse der Hildesheimer Untersuchung sind:

    • Alter: Die Lesekompetenz der acht- und neunjährigen Studienteilnehmer*innen war insgesamt nicht ausreichend für das Lesen von Untertiteln. „Kinder ab zehn Jahren können den Untertiteln aber bereits gut folgen und daher ein besseres Verständnis der untertitelten TV-Sendungen entwickeln“, so Nathalie Mälzer. 

    • Untertitelnutzung: Die Hypothese, je häufiger Kinder Fernsehen mit Untertiteln ansehen, desto besser verstehen sie untertitelte Sendungen, kann nicht bestätigt werden. 

    • Untertitelgeschwindigkeit: Sowohl kurze als auch längere Standzeiten der Untertitel können das Verständnis beeinträchtigen: Sei es durch starke Textkürzung oder durch zu viel Textumfang. Längere Standzeiten werden aber bevorzugt, da auf diese Weise mehr Zeit zum Lesen bleibt. Die Studie zeigt, dass Untertitel mit längeren Standzeiten signifikant besser bewertet werden als Untertitel mit kürzeren Standzeiten. „Die Akzeptanz der Untertitel mit längeren Standzeiten ist viel stärker, weil Kinder sonst in Stress geraten und aussteigen, wenn der Text so rast“, sagt Mälzer.

    • Typografische Hervorhebungen: Typografische Hervorhebungen verbessern die Verständlichkeit nicht signifikant. Typografische Hervorhebungen erhielten im Gesamtergebnis zwar positive Rückmeldungen. Die Teilgruppe, die am häufigsten Untertitel nutzt und daher an sie gewöhnt ist, schätzt die Hervorhebungen aber signifikant schlechter ein als jene Teilgruppen, die kaum Untertitelerfahrung haben. 

    Die Wissenschaftlerinnen tragen die Ergebnisse der Studie nun detailliert zusammen, leiten Handlungsempfehlungen für die Praxis ab und stellen sie den kooperierenden Rundfunkanstalten zur Verfügung. Die wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse folgt im Laufe des Jahres.

    Professorin Nathalie Mälzer sagt: „Die Studie ist nicht nur für die Forschung relevant, sondern hat direkten Einfluss auf die Arbeitsweise unserer Kooperationspartner NDR, MDR und dem Kinderkanal von ARD und ZDF. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen in den Richtlinien der ARD Berücksichtigung finden. Die Schulen und die Rundfunkanstalten wünschen sich von uns nun Vorträge und Schulungen sowie Info-Broschüren: Vor allem Eltern sollten für das Thema Untertitel sensibilisiert werden und ihren Kindern ermöglichen, Sendungen mit Untertiteln zu sehen, um das Verständnis der Sendungen zu verbessern und den Schriftspracherwerb der Kinder zu unterstützen.“

    Aus der Zusammenarbeit mit Kindern wissen die Wissenschaftlerinnen: „Kinder sind dankbar, wenn die Wissenschaft sie ernstnimmt, wenn sie gehört werden.“

    Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen für die Untertitelproduktion:

    • Die Arbeit mit Farben bei der Untertitelung für die Verbesserung der Figurenzuordnung sollte fortgesetzt werden.

    • Es sollten Untertitel mit längeren Standzeiten verwendet werden, weil die Kinder dann nicht „frustriert“ sind und im Vergleich zu Untertiteln mit kurzen Standzeiten kaum Unterschiede beim Verständnis festzumachen sind. 

    • Es sollten möglichst keine Paraphrasen in Untertiteln formuliert werden.

    Die Europäische Union hat die Studie im „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) von März 2017 bis Februar 2019 gefördert. Die Wissenschaftlerinnen danken allen beteiligten Schulen für die engagierte Mitarbeit.

    Wer mehr über Untertitel in Medien erfahren möchte, erreicht Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim unter maelzers@uni-hildesheim.de. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen sind Fachleute für den Bereich Medientext und Medienübersetzung.

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    news-16814 Tue, 21 May 2019 14:00:00 +0200 Schutz der künstlerischen Freiheit: Start der „Arts Rights Justice Library“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/schutz-der-kuenstlerischen-freiheit-start-der-arts-rights-justice-library/ Die politischen und gesellschaftlichen Situationen in vielen Ländern weltweit zeigen, dass es aktuell um freie Meinungsäußerung und Kunstfreiheit schlecht bestellt ist. Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim veröffentlicht heute, am 21. Mai 2019, dem internationalen Tag für Dialog und kulturelle Vielfalt, die „Arts Rights Justice Library“ sowie die ersten drei Studien des „Arts Rights Justice Observatory“. Weder in Deutschland noch sonst auf der Welt gibt es derzeit eine so umfassende auf das Thema Kunstfreiheit und Künstlerschutz ausgerichtete Bibliothek. Die „Arts Rights Justice Library“ ist eine digitale Online-Plattform mit Open-Access, die eine so bisher nicht existierende Auswahl der relevantesten Publikationen zu den Schnittstellen von Kunst, Kunstfreiheit, Menschenrechten und globaler Gerechtigkeit sichert und zur Verfügung stellt.

    Die Zahl der Publikationen soll kontinuierlich erhöht werden. Die Dokumente sollen der breiteren globalen Gesellschaft, vor allem aber Künstlern, Kulturmanagern, Menschenrechtsaktivisten, Rechtsanwälten und Forschern zugänglich gemacht werden. Ziel ist es, nach und nach alle Dokumente in der Datenbank der Universität Hildesheim zu lagern und diese über die Webseite www.arj-library.de weltweit zugänglich zu machen. So soll das bisherige Wissen gebündelt, bereitgestellt und langfristig für Forschungszwecke und praktische Zwecke gesichert werden.

    Bibliothek enthält eine Auswahl der wichtigsten Publikationen über Kunstfreiheit, Menschenrechte und globale Gerechtigkeit

    Über die wissenschaftliche Serie „Arts Rights Justice Studies“ sollen auch eigene Forschungen zum Thema Künste und Gerechtigkeit unternommen und veröffentlicht werden. In einem ersten Schritt erforschen Sara Whyatt, Ole Reitov, Laurence Cuny und Miriam Hübner das Thema aus den Blickwinkeln von „Arts“, von „Rights“ und von „Justice“. Eine vierte Studie wird derzeit erstellt.

    Die online-Biblothek und die Forschungsstudien sind Teil des „Arts Rights Justice Obeservatory“ und gehören zum „Arts Rights Justice“-Programm (www.arts-rights-justice.de), welches die Forschungsgruppe der Universität Hildesheim in Zusammenarbeit mit 30 internationalen Experten mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und des International Cities of Refuge Network (ICORN) entwickelt hat. Es ist angesiedelt am UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ am Institut für Kulturpolitik.

    Strukturen zum Schutz der künstlerischen Freiheit stärken und ausbauen

    „Inhaltlich geht es weitläufig um die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, die Fähigkeiten der Kunst Transformationsprozesse positiv zu beeinflussen und letztlich darum, wie Kunstfreiheit sowie bedrohte Künstlerinnen und Künstler geschützt und gefördert werden können und müssen“, so Professor Dr. Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Mit dem ARJ-Programm sollen Fähigkeiten vermittelt und professionalisiert, der Austausch von Wissen gewährleistet und Fachwissen zu diesem Thema aufgebaut werden. Ziel des kollaborativ strukturierten und in einem globalen Netzwerk agierenden Programms ist es, Strukturen zur Förderung und zum Schutz der künstlerischen Freiheit zu stärken und auszubauen.

    Neben der Online-Bibliothek und der Studienreihe umfasst das ARJ-Programm eine Akademie auf dem Kulturcampus in Hildesheim begleitet durch Workshops in variierenden Teilen der Welt. Beide ermöglichen Diskursräume mit angehenden und erfahrenen Expertinnen und Experten.

    Hier geht's direkt zur neuen
    „Arts Rights Justice Library“

    Interview mit Dr. Daniel Gad

    „Regierungen werden in der Art und Weise, wie sie Freiheiten kontrollieren und begrenzen, immer ausgefeilter. Insofern besteht der große Bedarf, Wissen zum Schutz der Freiheit zugänglich zu machen“

    Der Kulturwissenschaftler Dr. Daniel Gad spricht im Interview über den Schutz der künstlerischen Freiheit. Er ist Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“ am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.

    Warum braucht es eine Bibliothek wie die „ARTS RIGHTS JUSTICE Library“?

    Daniel Gad: Die politischen und gesellschaftlichen Situationen in vielen Ländern weltweit zeigen, dass es aktuell um freie Meinungsäußerung und Kunstfreiheit schlecht bestellt ist – auch innerhalb Europas. Nicht ohne Grund haben die Vereinten Nationen 2012 mit Farida Shaheed eine Sonderberichterstatterin beauftragt, das Verständnis und die Rechtsgrundlagen für die Freiheit sich künstlerisch auszudrücken zusammenzutragen. Anlass zuvor gab auch der Fall des britisch-indischen Schriftstellers Salman Rushdie, der aufgrund eines seiner Bücher Ende der 1980er Jahre unter Polizeischutz gestellt werden musste und damit den Grundstein für ein globales Netzwerk von Zufluchtsresidenzen für Künstlerinnen und Künstler gelegt hat. Diverse, vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen widmen sich heute der Aufgabe, Künstlerinnen und Künstler sowie Kunstfreiheit zu schützen und zu fördern. Nach vierjähriger Beratung mit rund 30 Expertinnen und Experten startete damit auch 2017 unser UNESCO-Lehrstuhl mit dem ARTS RIGHTS JUSTICE Programm, gefördert durch das Auswärtige Amt. Im Kern stehen dabei eine einwöchige Academy und eben eine Online-Bibliothek, mit dem Ziel, Wissen zusammenzutragen und den Diskurs über den Schutz und die Förderung in diesem Feld mit einer Vielzahl von Akteuren aus Konzeption und Praxis zu führen.
    Regierungen werden in der Art und Weise, wie sie Freiheiten kontrollieren und begrenzen, immer ausgefeilter. Insofern besteht der große Bedarf, Wissen zum Schutz der Freiheit zugänglich zu machen. Da der Teilnehmendenkreis der Academy in Hildesheim aufgrund der begrenzten Ressourcen nur beschränkt bleiben kann, stellt die ARTS RIGHTS JUSTICE Library eine zentral wichtige und global zugängliche, nebenbei auch kostenlos nutzbare Wissensressource da.      

    Gibt es so ein Angebot in Deutschland bereits? Was ist das neue, innovative an der Bibliothek?

    Daniel Gad: Weder in Deutschland noch sonst auf der Welt gibt es derzeit eine so umfassende auf das Thema Kunstfreiheit und Künstlerschutz ausgerichtet Bibliothek. Wir nutzen unsere Aufgabe als unabhängige Institution der Wissenschaftsfreiheit, nach Möglichkeit alle – oder zumindest die relevantesten Dokumente – zugänglich zu machen. Dabei ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen unsere Bewertungsgrundlage, um zu bestimmen, ob ein Dokument in den Bestand aufgenommen wird oder nicht.
    Die ARTS RIGHTS JUSTICE Library sichert und bündelt vorhandene Analysen, Konzepte und Leitfäden an einer Stelle. Sie ist insofern innovativ, weil sie sich durch ihr Vermittlungsformat auf die Nutzerinnen und Nutzer ganz unterschiedlicher Expertisen und Hintergründe zubewegt. Weil sie im Sinne des Open Access online und global unter www.arj-library.de frei zugänglich ist, muss man mit Ausnahme eines Computers und eines Internetzugangs keinen physischen Ort fern des eigenen Standortes besuchen noch muss man eine Registrierung vorlegen, um Zugang zum Bestand und der das Stöbern ermöglichenden Menüführung der Website zu erhalten.

    Was erhoffen Sie sich damit, wen möchten Sie erreichen?

    Daniel Gad: Auf Grundlage unserer umfangreichen Befragung diverser Akteure und Akteurinnen zur Frage, welches Wissen in diesem Sektor fehlt und wie Wissen zusammengetragen, geteilt und gemehrt werden muss. In Anlehnung an das daraus resultierende Konzept der ARJ Academy sehen wir im Wesentlichen KünstlerInnen, MenschenrechtsaktivistInnen, KulturmanagerInnen und JuristInnen sowie ForscherInnen und sicherlich auch MitarbeiterInnen aus der politische Ebene als Nutzerinnen und Nutzer der ARTS RIGHTS JUSTICE Library. Diese sind die wesentlichen Akteure, die sich für Schutz und Förderung von Kunstfreiheit einsetzen. Wohl wissend, dass nur ein Teil dieser NutzerInnen gewohnt ist mit akademischen Analysen zu arbeiten, nehmen wir bewusst auch die wachsende Anzahl an Leitfäden und kleinen Fortbildungsdokumenten mit in den Bestand auf. Darüber hinaus gilt es aber auch, Wissen für dieses Thema zu sichern. Gerade, weil viele, nicht aber automatisch langfristig existierende Nichtregierungsorganisationen wertvolle Analysen und Leitfäden erstellen, aber auch, weil Regierungswechsel häufig zu veränderten politischen Konzepten führen, droht hier erfahrungsgemäß ein Informationsverlust. Die ARTS RIGHTS JUSTICE Library will somit auch Erkenntnisse aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft gesichert zugänglich halten.

    Was enthält die Bibliothek zum Beispiel, was in einer normalen Stadtbibliothek oder Universitätsbibliothek nicht zugänglich ist?

    Daniel Gad: Nur ein Teil des Wissens zum Künstlerschutz und zur Kunstfreiheit wird in regulären Büchern veröffentlicht. Der Weg zu einem im Buchhandel vertriebenen Buch passt einfach nicht zu den begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen des Sektors. Zudem sind weder der Buchhandel, noch die Vertriebswege, noch Budget zum Bucherwerb, noch die Infrastrukturen von Bibliotheken in den meisten Ländern der Welt und gerade in solchen Ländern, in denen repressive gesellschaftliche und politische Systeme vorherrschen, so ausdifferenziert, dass das Wissen die wissbegierige Leserschaft erreicht.
    Zudem ist die Vielzahl an Orten, an denen digitale Dokumente im Internet abgespeichert und zugänglich gemacht werden so komplex, dass es selbst versierten WissenschaftlerInnen schwer fällt, den Bestand zu erfassen. Insofern ist es das klare Anliegen der ARTS RIGHTS JUSTICE Library, Wissen zu bündeln und Zugänge im Sinne des globalen Rechts auf Wissensfreiheit zu ermöglichen und dadurch beizutragen, Infrastrukturen zu Schutz und Förderung von Kunstfreiheit auszuweiten.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Kontakt:

    Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Dr. Daniel Gad, Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls (E-Mail: gad@uni-hildesheim.de, Telefon: 05121 883 20107). Weitere Informationen finden Sie online: www.arts-rights-justice.de.

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    news-16767 Wed, 15 May 2019 10:52:00 +0200 „Das Leben mit geringer Lese- und Schreibkompetenz ist eine erhebliche Einschränkung“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/das-leben-mit-geringer-lese-und-schreibkompetenz-ist-eine-erhebliche-einschraenkung/ Professorin Carola Iller über Konsequenzen aus der LEO-Studie, in der die Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18 bis 64 Jahre) untersucht wurden. In der Studie „LEO – Leben mit geringer Literalität“ hat ein Team um Professorin Anke Grotlüschen die Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18 bis 64 Jahre) erfasst. Etwa  6,2 Millionen Deutsche haben große Schwierigkeiten, einen zusammenhängenden Text in deutscher Sprache zu lesen und zu schreiben.

    Geringe  Literalität  bedeutet,  dass  eine  Person allenfalls bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben kann

    Die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Carolo Iller von der Universität Hildesheim gehört zum wissenschaftlichen Beirat der LEO-Studie. Sie befasst sich in der Forschung mit der Frage, wie Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen besser unterstützt und beraten werden können.

    „Inklusive Bildung hat den Anspruch, allen Menschen – mit und ohne Einschränkungen – die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen und das Leben mit geringer Lese- und Schreibkompetenz ist eine erhebliche Einschränkung. Vor allem ist damit auch der Zugang zu qualifizierter Arbeit, die Teilhabe am politischen Leben und eine eigenständiger Lebensweise eingeschränkt. Selbst zum Ausfüllen von Formularen und Anträgen, zum Unterschreiben von Kaufverträgen und zur Auswahl des richtigen Handy-Tarifs wird Hilfe benötigt“, so Carola Iller.

    Die Hildesheimer Professorin für Weiterbildung hat sich auf Erwachsenenbildung spezialisiert. „Ich beschäftige mich mit den didaktischen Konzepten und den Möglichkeiten einer zielgruppengerechten Ansprache der Erwachsenen – zum Beispiel durch Beratung oder die Einbindung von Familienangehörigen.“

    Eine Möglichkeit, sprachliche Barrieren abzubauen, sei zum Beispiel die Leichte Sprache. Die LEO-Studie hat gezeigt, dass etwa 30 % der Erwachsenen mit geringer Lesekompetenz den Schriftverkehr im Haushalt an andere delegieren und seltener ihren Kindern vorlesen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Wichtig seien vor allem verständliche Informationen zu Gesundheit, Familienleistungen, aber auch zur Teilhabe an Politik und Arbeit, sagt Carola Iller. Eine geringe Lesekompetenz könne von den Erwachsenen an ihre Kinder „sozial vererbt“ werden, wenn nicht Maßnahmen ergriffen werden, sagt Iller. Denn das Vorlesen im Kindesalter hat wiederum Einfluss auf das Lesen und Schreiben sowie den Schulerfolg der Kinder.

    Menschen mit geringer Literalität benötigen Unterstützung im Alltag – zum Beispiel beim Ausfüllen von Fomularen oder beim Lesen eines Busfahrplans

    Die Professorin schlägt vor, geringe Literalität bei Erwachsenen zu enttabuisieren und in der Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Menschen mit geringer Literalität Unterstützung benötigen – zum Beispiel beim Ausfüllen von Fomularen oder beim Lesen eines Busfahrplans. Geringe  Literalität  bedeutet,  dass  eine  Person allenfalls bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben kann.

    „Die Lernberatung zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz sollte ausgebaut werden und stärker mit anderen Beratungsangeboten wie Gesundheitsberatung, Erziehungsberatung und Schuldnerberatung verknüpft werden. Es braucht außerdem eine bessere vertikale Vernetzung zwischen den Bildungsbereichen: Wir gehen davon aus, dass Kindergarten, Schule und Hochschule jeweils zu abgeschlossenen Kompetenzen führen, das ist aber im richtigen Leben nicht so. Und deshalb brauchen wir immer wieder Gelegenheiten, das Gelernte aufzufrischen oder etwas nachzuholen, was vorher vielleicht nicht vermittelt wurde oder nicht gelernt werden konnte“, sagt Carola Iller.

    Interviews mit Erwachsenen mit geringen Lese- und  Schreibkompetenzen 

    Die Professorin hat Erwachsene mit geringen Lese- und  Schreibkompetenzen interviewt, die zum Beispiel während der Grundschulzeit aufgrund einer Erkrankung nicht regelmäßig am Unterricht teilgenommen haben und dann nie richtig Lesen und Schreiben gelernt haben. „Sie haben sich ihr weiteres Schulleben durchgehangelt und versucht, nicht aufzufallen und danach Gelegenheiten gemieden, in denen ihre geringe Lese- und Schreibkompetenz hätte auffallen können. Wenn es dann im Erwachsenenalter durch eine persönliche Krise oder ein anderen einschneidendes Erlebnis doch noch zu dem Wunsch kommt, von Grund auf Lesen und Schreiben zu lernen, ist das ein großer Aufwand.“

    Die Wissenschaftlerin verweist auf ein Vorzeigeprojekt in Israel Dort können Erwachsene am Unterricht in Schulen teilnehmen. „Das hat bei allen Beteiligten – Kindern, Lehrerinnen und Lehrern sowie lernende Erwachsene – eine sehr positive Resonanz erhalten. Solche Projekte brauchen wir hier auch.“

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    news-16768 Mon, 13 May 2019 08:17:43 +0200 Migrationslinguistik: Interview mit Professorin Marta Estévez Grossi https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/migrationslinguistik-interview-mit-professorin-marta-estevez-grossi/ Der Bereich „Community Interpreting“ und die barrierefreie Kommunikation ist von hoher soziopolitischer Relevanz. Mit ihrer Forschung und Lehre wollen Übersetzungswissenschaftlerinnen aus Hildesheim und dem mexikanischen Toluca und Oaxaca zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen. Während der Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania" („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“) stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim, Hannover, Mainz-Germersheim, Universidad Autónoma del Estado de México (UAEM/Toluca) und Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca (UABJO/Oaxaca) aktuelle Forschungserkenntnisse zur barrierefreien Kommunikation und Migrationslinguistik in Mexiko und Deutschland vor. Die Konferenz fand am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation statt.

     

    „Uns alle verbindet die Faszination für komplexe mehrsprachige Situationen, aber vor allem der Wunsch, zu einer größeren gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen beitragen zu können, egal in welcher Sprache sie sich ausdrücken“, sagt Institutsdirektorin Professorin Bettina Kluge über die Zusammenarbeit mit den mexikanischen Forscherinnen und Forschern aus Übersetzungswissenschaft und Sprachwissenschaft.

    „Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen“

    Professorin Dr. Marta Estévez Grossi arbeitet als Vertretungsprofessorin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit dem Schwerpunkt Community Interpreting an der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsinteressen gehören unter anderem das Community Interpreting, die Migrationslinguistik, Soziolinguistik und Barrierefreie Kommunikation. Im Interview gibt die Übersetzungswissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit.

    Frau Estévez, mit welcher Forschungsfrage befassen Sie sich derzeit?

    Die Idee der Translation als Schlüssel für die Integration und Inklusion von sozial benachteiligten Personen beschäftigt mich seit langem und hat schon immer meine Forschung begleitet. Mein Dissertationsprojekt widmete ich der sprachlichen Lage bei spanischen GastarbeiterInnen der ersten Generation in Hannover und wie und von wem ihr Sprachmittlungsbedarf gedeckt wurde (oder eben nicht). Derzeit forsche ich zu den Strategien der Adaptation und intralingualen Übersetzung von juristisch-administrativen Texten in „einfache Sprache“ als eine Form der Barrierefreien Kommunikation im Spanischen und Französischen. Gerade um diese zwei komplementären sprach- und dolmetschwissenschaftlichen Themenbereiche, und wie die Praxis und der Forschungsstand in Mexiko und Deutschland ist, geht es in unserer Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania“ („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“).

    Warum ist diese Forschung wichtig, was möchten Sie damit bewegen?

    In jedem Land der Welt befinden sich Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen der jeweiligen Mehrheitssprache nicht (vollständig) mächtig sind und deswegen sich in ihren Rechten und Pflichten beeinträchtigt sehen. Sie können unter anderem Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge, Sprecherinnen und Sprecher von Regional- oder indigenen Sprachen, Menschen mit Behinderungen oder Lernbeeinträchtigungen aber auch Touristinnen und Touristen, Messebesucher, Geschäftsmänner oder Geschäftsfrauen oder Konferenzteilnehmerinnen und Konferenzteilnehmer sein. Die Forschung im Bereich Community Interpreting und in den weiteren Formen der Barrierefreien Kommunikation ist daher von hoher soziopolitischen Relevanz, denn sie hat sich als übergeordnetes Ziel gesetzt, die Erkenntnisse der Forschung in die Praxis umzusetzen und einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Überwindung von Sprachbarrieren zu leisten. Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen. In diesem Sinne beteiligt sich das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in verschiedenen Projekten, die oft als innovativ nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit gelten. Im Bereich Community Interpreting ist das von meiner Kollegin Dr. Conchita Otero Moreno geleitete Zertifizierungsprogramm der Stadt Braunschweig für die Ausbildung von interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern nennenswert, indem ich seit fünf Jahren mitwirken darf. Das Programm, das in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert, wurde von Dr. Otero mitkonzipiert und vom Start wissenschaftlich begleitet. Ferner ist im Bereich Barrierefreie Kommunikation, im weitesten Sinne die von Prof. Dr. Christiane Maaß gegründeten Forschungsstelle Leichte Sprache, und der daraus entstandene Masterstudiengang Barrierefreie Kommunikation, der im vergangenen Wintersemester startete, hervorzuheben.

    Bei einer Tagung am Bühler-Campus kamen Fachleute in der letzten Woche in Hildesheim zusammen. Was ist das Ziel dieser Konferenz?

    In unserer Tagung kamen wir mit drei Gastwissenschaftlerinnen aus der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca in Mexiko (Edith Matías Juan, María del Sagrario Velasco García und Mariana Vásquez Jiménez) und mit zwei Kolleginnen aus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki und Christiane Wegener) zusammen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki wurde an dieser Universität in Oaxaca ein Masterstudiengang für das Übersetzen und Dolmetschen indigener Sprachen aufgebaut. Dieser Masterstudiengang, der in diesem Jahr startet, gilt als erster seiner Art in ganz Mexiko oder sogar in Lateinamerika und soll einen ersten wissenschaftlich fundierten Schritt in Richtung einer Professionalisierung von Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen für Sprecherinnen und Sprecher indigener Sprachen darstellen. Die drei mexikanischen Gastwissenschaftlerinnen sollen ab August im Masterstudiengang unterrichten und interessieren sich sehr für die Erfahrungen, die wir über die Jahre hinweg im universitären und außeruniversitären Kontext gesammelt haben. Auch für uns ist der Austausch hochinteressant und sehr bereichernd, um die Lage des Community Interpreting in Mexiko kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Praxis, Forschung und Lehre herauszuarbeiten. Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz plant in diesem Zusammenhang weitere Forschungsprojekte. Neben der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca und weiteren Universitäten im In- und Ausland soll nun die Universität Hildesheim auch als Partner fungieren. Diese Tagung hat uns erlaubt, uns zum erstem Mal mit den Kolleginnen aus Oaxaca zu treffen und persönlich auszutauschen.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Kurz erklärt

    Ein Projektbeispiel: Dolmetschen fürs Amt in Braunschweig

    In Braunschweig leben Menschen aus über 170 Ländern. 2009 hat die Stadt im Büro für Migrationsfragen eine Servicestelle für Interkulturelles Dolmetschen und Übersetzen eingerichtet, um Verständigung im Arbeitsalltag von Institutionen, kommunalen Dienststellen und in Bildungseinrichtungen zu ermöglichen und Missverständnisse und Konflikte im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich zu vermeiden. Die Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Conchita Otero Moreno von der Uni Hildesheim begleitet diesen Prozess seit dem Start und ist für die Schulung der bisher insgesamt 201 Dolmetscher zuständig. Als Dolmetscher sind Migrantinnen und Migranten aus unterschiedlichen Ländern tätig.

    „Die Einsätze der geschulten interkulturellen Dolmetscher ermöglichen eine gelungene Kommunikation zwischen dem Fachpersonal und Migrantinnen und Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die bisher Freunde oder Verwandte zu Gesprächen mitnahmen. Die zum Teil hochqualifizierten Menschen leben seit Jahren in Deutschland, beherrschen die eigene und die deutsche Sprache sehr gut und wollen und können gerne als Dolmetscher tätig werden“, sagt die Wissenschaftlerin.

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    news-16750 Thu, 09 May 2019 17:20:26 +0200 Kunsthistorikerin Fiona McGovern: Juniorprofessorin für Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kunsthistorikerin-fiona-mcgovern-juniorprofessorin-fuer-kuratorische-praxis-und-kunstvermittlung/ Ausstellungen gelten als das zentrale Format des öffentlichen Zeigens und Rezipierens von Kunst. Die Kunsthistorikerin Fiona McGovern forscht zu Ausstellungsgeschichte und Ausstellungstheorie. Sie arbeitet als Juniorprofessorin für Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung im kulturwissenschaftlichen Fachbereich. Fiona McGovern hat seit dem Sommersemester 2018 an der Universität Hildesheim die Juniorprofessur für Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft des Fachbereichs „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ inne.

    Ausstellungen gelten als das zentrale Format des öffentlichen Zeigens und Rezipierens von Kunst und sie bedingen die Art und Weise, wie über Kunst gesprochen wird, sagt die Wissenschaftlerin. Fiona McGovern lehrt und forscht zu Themen der (künstlerischen) Ausstellungsgeschichte und Ausstellungstheorie, zu Ethiken des Kuratierens und befasst sich mit interdisziplinären Ansätzen in den Künsten seit den 1960er Jahren sowie feministischer und queerer Theorie. Ein aktueller Arbeitsschwerpunkt in ihrer Forschung liegt im Bereich der (Re-)Präsentation von gesellschaftlichen Minderheiten durch Ausstellungen und ihrer Vermittlung. In der Lehre bietet sie derzeit etwa Seminare wie „Das (ideale) Kunstmuseum“ und „Theorie der Inszenierung – Intermedialität“ gemeinsam mit der Medienwissenschaftlerin Professorin Stefanie Diekmann an. Die Seminare von Fiona McGovern sind sowohl theoretisch als auch praktisch, es gibt Seminare, die sich mit der Geschichte des Kuratierens befassen und auch Seminare, die in Museen stattfinden und in welchen Studentinnen und Studenten mit den jeweiligen Verantwortlichen hinter die Kulissen schauen.

    „Die Kombination von kuratorischer Praxis und Kunstvermittlung innerhalb eines Lehrstuhls ist sehr reizvoll und absolut zeitgemäß, da beide oftmals als getrennte Bereiche betrachtet werden. Dabei ist Kuratieren per se schon eine vermittelnde Arbeit“, sagt Fiona McGovern. Das Kuratieren wie auch die Kunstvermittlung sind beides praktische Tätigkeiten, die die Juniorprofessorin in ihrer Lehre mit Theorie kombiniert. In Hildesheim möchte sie diesen doppelten Brückenschlag auch durch einen engen Austausch mit den Kunstinstitutionen und Museen vor Ort weiterführen, wie zuletzt etwa in Form der Moderation eines Künstlerinnengesprächs im Kunstverein zum Thema „The Artist and/as Curator“ oder auch durch ein gemeinsam mit Prof. Dr. Claudia Höhl vom Dommuseum geplantes Seminar zum Thema „Migration der Dinge“.

    „Gerade die an der Domäne zentrale Verbindung von Theorie und Praxis ist innerhalb der deutschen Unilandschaft nach wie vor ziemlich einmalig. Es ist nicht wirklich mit einer Kunsthochschule vergleichbar, entspricht aber auch nicht der üblichen akademischen Herangehensweise an Kulturwissenschaften. Das macht diesen Ort wirklich besonders“, sagt Fiona McGovern über das kulturwissenschaftliche Studium, das in diesem Jahr im Oktober 2019 das 40jährige Jubiläum feiern wird.

    Fiona McGovern hat Kunstgeschichte, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Anglistik studiert und zuvor an der Freien Universität Berlin gearbeitet. Ihre Doktorarbeit trägt den Titel „Die Kunst zu zeigen. Künstlerische Ausstellungsdisplays bei Joseph Beuys, Martin Kippenberger, Mike Kelley und Manfred Pernice“, darin untersucht sie vor allem von diesen Künstlern kuratierte Ausstellungen und deren spezifische Rhetorik.

    Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Fiona McGovern

    Am Mittwoch, 15. Mai 2019, gibt die Kunsthistorikerin und Kuratorin Fiona McGovern Einblicke in ihre Forschung. Die öffentliche Antrittsvorlesung „Ethiken des Kuratierens. Eine Annäherung“ beginnt um 18:00 Uhr in der Aula im Hohen Haus auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg.

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    news-16733 Tue, 07 May 2019 14:07:00 +0200 Übergang von der Heimerziehung in ein eigenverantwortliches Leben https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uebergang-von-der-heimerziehung-in-ein-eigenverantwortliches-leben/ Wissenschaftlerinnen am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik entwickeln eine vernetzte Infrastruktur für die Begleitung von jungen Menschen aus Wohngruppen und Pflegefamilien in ein eigenständiges Leben. Ministerin Birgit Honé informierte sich über das EU-geförderte Projekt. EU-Pojekt - Soziale Innovationen
    Übergänge aus Heimerziehung und Vollzeitpflege

    Birgit Honé, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, hat auf ihrer europapolitischen Tour durch Niedersachsen das Forschungsteam am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim besucht. Im Mittelpunkt des Besuchs stand das EU-geförderte Projekt „Trans-Fair“.

    Das EU-geförderte Projekt hat das Ziel, jungen Menschen den Übergang aus der Heimerziehung und Vollzeitpflege in ein eigenverantwortliches Leben zu erleichtern. Die Wissenschaftlerinnen stellten der Ministerin das Projekt, welches sich im letzten Drittel des zweijährigen Förderzeitraums befindet, vor. Mit dem Projekt wollen die Wissenschaftlerinnen Britta Karner, Jessica Feyer, Maria Schube und Severine Thomas vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik erstmals für die Region Hildesheim - auch mit Signalwirkung für Landes- und Bundesebene, eine rechtskreisübergreifende, vernetzte Infrastruktur für die Begleitung von jungen Menschen aus Wohngruppen und Pflegefamilien in ein eigenständiges Leben (sogenannte Care Leaver) entwickeln.

    Hierzu bindet das Forschungsteam möglichst viele Akteuere unterschiedlicher sozialer Dienste in den Prozess ein. Außerdem erarbeiten die Wissenschaftlerinnen Informationsmaterialien über die eigenen Rechte im Übergang für Care Leaver und entwickeln gemeinsam mit freien Trägern und unter Mitwirkung von betroffenen jungen Menschen Konzepte zu einer besseren informellen Begleitung (unter anderem Paten, peer-to-peer-Angebote).

    „Ziel ist es, die Risiken des Übergangs von Care Leavern in ein eigenverantwortliches Leben abzumildern. Diese zeigen sich zum Beispiel in einer zum Teil fehlenden Existenzsicherung oder auch drohender Wohnungslosigkeit, aber auch in der Gefährdung von Bildungszielen aufgrund der belastenden Lebenssituation an der Schwelle zwischen stationärer Jugendhilfe und einem eigenständigen Leben“, sagt Dr. Severine Thomas.

    „Das Projekt Trans Fair beeindruckt mich sehr, denn Care Leaver verdienen unser besonderes Augenmerk. Und die eng verzahnte Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Jobcenter und Universität zeigt, dass auf diesem Weg nicht nur die Situation junger Menschen verbessert wird, sondern auch die der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kooperationspartner“, sagt Ministerin Birgit Honé.

    Kontakt bei Fragen zum Forschungsprojekt Dr. Severine Thomas, Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik (E-Mail: severine.thomas@uni-hildesheim.de).

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    news-15915 Mon, 06 May 2019 08:00:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Die Verständlichkeit geht vor https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-die-verstaendlichkeit-geht-vor/ Sie wollen Kommunikationsbarrieren in der Gesellschaft abbauen: Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido haben ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ abgeschlossen und arbeiten in der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität in Hildesheim. Im Interview berichten sie, warum und wie sie Texte übersetzen. Als einziger Universitätsstandort bundesweit hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden.

    Die Medienlinguistinnen und Medienlinguisten übersetzen in Hildesheim zum Beispiel juristische Fachtexte, Nachrichten und Märchen in Leichte Sprache.

    Die Universität Hildesheim bildet in einem zweijährigen Masterstudiengang Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation“ aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache.

    „Leichte Sprache ist die maximale Reduktionsstufe der deutschen Sprache. Wenn man sich ein Spektrum an Komplexität vorstellt, steht sie ganz am Anfang. Ihr gegenüber befindet sich die Fachsprache und dazwischen unsere Stan-dardsprache. Es geht also darum, Inhalte so einfach wie möglich zu konzipieren, um Menschen mit Kommunikationseinschrän-kungen das Verständnis zu erleichtern“, sagt Loraine Keller.

    Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido berichten im Interview über ihre Forschung im Bereich der barrierefreien Kommunikation. Das Interview lesen Sie ab Seite 36 im Universitätsjournal DIE RELATION [Ausgabe #04, hier gelangen Sie zur PDF-Datei]. Gedruckt liegt das Universitätsjournal an allen Campusstandorten aus, zum Beispiel vor der Universitätsbibliothek.

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    news-16687 Mon, 29 Apr 2019 17:19:33 +0200 Theologieprofessor René Dausner: Privataudienz beim Papst https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/theologieprofessor-rene-dausner-privataudienz-beim-papst/ Im Frühjahr hat der Papst den Theologen Professor René Dausner zur Privataudienz empfangen. Der Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik überreichte dem Kirchenoberhaupt aktuelle theologische Publikationen. Im Interview spricht Dausner über die Begegnung mit dem Papst. Prof. Dr. René Dausner forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie an der Universität Hildesheim. Zu den Forschungsschwerpunkten des 42-Jährigen zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie, Theologie und Literatur.

    Herr Professor Dausner, warum hat der Papst Sie zur Privataudienz empfangen?

    Im November 2018 habe ich am Cardinal Bea Centre for Judaic Studies der Universität Gregoriana einen Vortrag über die „Zukunft von Nostra aetate“ gehalten. Durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) vor etwas mehr als fünfzig Jahren erhielt der jüdisch-christliche Dialog entscheidende Impulse. „Nostra aetate" gilt zu Recht als einer der weltweit am intensivsten rezipierten Texte des Konzils. Der jüdisch-christliche Dialog zählt seit Jahren zu einem meiner zentralen Forschungsschwerpunkte. In diesem Kontext führte ich auch ein Interview mit Vatican News. Der Vortrag selbst fand statt im Rahmen der jährlichen Brenninkmeijer-Werhahn-Lectures, die in diesem Jahr dem Promotor des jüdisch-christlichen Dialogs August Kardinal Bea gewidmet ist. Kardinal Bea, der das Zweite Vatikanische Konzil und insbesondere die Erklärung „Nostra aetate" über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen, allen voran das Judentum, maßgeblich geprägt hat, starb im November 1968. Anlässlich seines 50. Todestages finden und fanden Veranstaltungen in Rom statt. Ende Februar 2019 nahm ich an der dritten Vortragsreihe zum 50. Todestag von Kardinal Bea teil und wurde im Anschluss gemeinsam mit dem Cardinal Bea Centre for Judaic Studies zu einer Audienz eingeladen. Papst Franziskus hat eine Rede gehalten und das Wirken von Kardinal Bea charakterisiert (Rede des Papstes zum Nachhören).

    Wie haben Sie die Privataudienz beim Papst erlebt?

    Papst Franziskus betonte die Bedeutung Kardinal Beas für ein positives Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum. Entscheidend sei neben dem, was Kardinal Bea tat, auch, wie er es tat. In seiner Ansprache hob Papst Franziskus drei Grundhaltungen hervor, mit denen Kardinal Bea einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung der Menschen geleistet habe:

    • ein Verständnis mit Blick auf die Anderen / la comprensione verso gli altri;

    • Güte und Humanität / la bontà e l’umanità, d.h. die Fähigkeit, Freundschaft zu stiften; und

    • Mut bzw. ein Temperament der Entschlossenheit / un temperamento coraggioso.

    Die Rede war eine Ermutigung für all diejenigen, die sich um eine Verbesserung des jüdisch-christlichen Dialogs bemühen. Die Audienz, die übrigens im selben Raum stattfand, in dem Papst Benedikt XVI. seinen Amtsverzicht bekanntgegeben hat, dauerte insgesamt 45 Minuten. Bei der Audienz waren unter anderem auch der Direktor des Cardinal Bea Centre for Judaic Studies in Rom, Pater Prof. Dr. Etienne Vetö, der Direktor des Center for the Study of Christianity an der Hebrew University Jerusalem, Prof. Dr. Oded Irshai sowie Frau Aldegonde Brenninkmeijer-Werhahn, die gemeinsam mit ihrem Mann die beiden Centren gegründet und aufgebaut hat.

    Sie haben dem Papst Publikationen überreicht. Sie forschen und lehren am Institut für Katholische Theologie in Hildesheim, mit welchen Themen befassen Sie sich gerade die katholische Kirche und den Papst betreffend?

    Nach den offiziellen Reden habe ich Papst Franziskus zwei Bücher überreichen können: Zum einen den Stadtführer meiner Geburtsstadt Boppard – aus zwei Gründen: einerseits hat Papst Franziskus in Boppard im Goethe-Institut deutsch gelernt und daher einen Bezug zu meiner Heimatstadt, andererseits ist der Stadtführer in unserem familieneigenen Verlag (Dausner Verlag) erschienen, in den ich mich in meiner Studienzeit aktiv eingebracht habe, übrigens auch im Rahmen eines Buches mit dem Titel „Achthundert Jahre Juden in Boppard“. Und zum anderen habe ich dem Papst meine Habilitationsschrift mit dem Titel „Christologie in messianischer Perspektive“ überreicht. Mir geht es in dem Buch darum, die christliche Interpretation Jesu mit jüdischem Denken ins Gespräch zu bringen. Bezeichnenderweise wurde die Philosophie des 20. Jahrhunderts wesentlich durch Denkerinnen und Denker jüdischer Provenienz geprägt. Ich nenne nur einige Namen: Edmund Husserl, Franz Rosenzweig, Martin Buber, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, die in der Tradition des deutschen Judentums stehen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommen bedeutende Denker aus anderen Sprachräumen hinzu, etwa Emmanuel Levinas oder Jacques Derrida. Aus christlicher Perspektive eine Deutung der Person Jesu geben zu wollen, gelingt überzeugend nur dann, wenn dieser jüdische Denkhorizont konstruktiv und produktiv einbezogen wird. Und ein weiterer Aspekt kommt hinzu: in jüngerer Zeit haben jüdische Forscherinnen und Forscher weltweit sich aus jüdischer Perspektive mit Jesus von Nazareth auseinandergesetzt. An diesem Austausch bin ich interessiert und daran beteilige ich mich aktiv.

    Welche Forschungsfrage steht momentan im Fokus Ihrer Arbeit?

    Ich forsche unter anderem über das Verständnis des Messianischen; gemeinhin ist der aramäisch-hebräische Begriff „Messias“ eher bekannt in der latinisierten Form des griechischen Terminus „Christus". Es geht also um ein Grundverständnis des Christentums und des Christlichen angesichts insbesondere des heutigen jüdischen Denkens. Der Begriff des Messianischen betrifft zum einen die Frage nach dem Subjekt. Mit Blick auf Jesus heißt die Frage, der ich in meinem Buch nachgehe: Wer ist dieser Jesus? Eine Frage, die übrigens schon von den Jüngern Jesu überliefert ist; um zu verstehen, wer Jesus ist, erzählt beispielsweise das Markus-Evangelium die Geschichte, in der Jesus mit seinen Jüngern auf dem See ist. Plötzlich kommt ein Sturm auf, die Jünger haben Angst und fürchten, mit dem Schiff zu kentern. Als Jesus dem Sturm gebietet, still zu sein und zu schweigen, kehrt Ruhe ein. Die Jünger sind erstaunt und stellen dann die Frage: Wer ist dieser? Was mich an dieser Geschichte immer wieder fasziniert, ist das Narrativ: Um das Erstaunen über die Person Jesu bildhaft darzustellen, wird die Wirkmächtigkeit seines Wortes erzählt. Es geht dabei also nicht um meterologische Fragen, sondern darum, dass hier jemand auftritt, der sein Wort gibt und mit diesem Wort Realität verändern kann. Die Person Jesus von Nazareth wird also als schöpferisch dargestellt, gleichsam als das Schöpferwort Gottes in Person. Neues entsteht, wenn er spricht und handelt. Diese Erfahrungen stehen im Hintergrund, wenn die Frage, wer dieser Jesus sei, gestellt wird. Und diese Frage betrifft auch jeden von uns: Wer bin ich? Oder allgemeiner: Wer ist der Mensch? Mich interessiert diese subjektive Wendung, die nicht nach dem Was des Menschen, sondern nach dem Wer fragt. Daher lautet auch meine theologische Frage: Wer ist Gott? Es geht um konkrete Beziehungsdimensionen. Und diese Fragen treiben mich um.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

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    news-16607 Tue, 16 Apr 2019 08:51:50 +0200 Wirtschaftsinformatiker Julien Hofer: „Wir wollen Wissen besser verfügbar machen“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wirtschaftsinformatiker-julien-hofer-wir-wollen-wissen-besser-verfuegbar-machen/ Der Wirtschaftsinformatiker Julian Hofer entwickelt Online-Portale, in denen zum Beispiel Forschung dargestellt und Wissen vernetzt wird. Der Doktorand hat sich auf Wissensmanagement, Data Mining und Process Mining spezialisiert. Im Interview spricht er über seine Forschung in Hildesheim. Der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt und die Sozialpädagogin Professorin Inga Truschkat haben das bundesweite Forschungsprojekt „InDeKo.Navi“ von Hildesheim aus koordiniert. Wie verändert sich Arbeit? In 31 Teilprojekten wurde bundesweit untersucht, wie Betriebe mit den Folgen des demografischen Wandels und der modernen digitalisierten Arbeitswelt, mit Nachwuchssorgen und Personalentwicklung umgehen. Nach vierjähriger Forschung liegen Ergebnisse vor.

    Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die wissenschaftliche Begleitforschung  „InDeKo.Navi – Vernetzung und Zukunftsorientierung in der Erforschung des betrieblichen Kompetenzmanagements im demografischen Wandel“ mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Das Hildesheimer Team hat ein Portal entwickelt, in dem alle Forschungsprojekte und Ansprechpartner dargestellt werden.

    Interview mit dem Wirtschaftsinformatiker Julien Hofer

    „Unser Forschungsportal bietet eine interaktive Orientierung über das betriebliche Kompetenzmanagement im demografischen Wandel“

    Julien Hofer gehört zu der Hildesheimer Arbeitsgruppe. Der Doktorand hat sich auf Wissensmanagement, Data Mining und Process Mining spezialisiert. Er entwickelt Wissenskarten und hat die interaktive Forschungslandkarte zum Projekt „InDeKo.Navi“ entwickelt. Im Interview spricht der Wirtschaftsinformatiker über seine Forschung.

    Herr Hofer, Sie befassen sich in Ihrer Arbeit am  Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik mit Forschungsportalen. Ergebnisse aus dem vom Bund geförderten Forschungsprojekt „InDeKo.Navi“ haben Sie etwa gemeinsam mit Professor Ralf Knackstedt auf einer Arbeitsforschungstagung des Bundesforschungsministeriums zum Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ im Haus der Wirtschaft in Stuttgart vorgestellt.

    Ich beschäftige mich mit der Frage, wie Forschungsportale die Vernetzung von Forschenden vorantreiben können, um Synergien zu schaffen. Innerhalb unseres Forschungsprojekts, in welchem wir den Förderschwerpunkt „Betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel“ wissenschaftlich begleitet und analysiert haben, gibt es viele Projekte die sich mit der Digitalisierung der Arbeit beschäftigen. Daher macht es Sinn, solche Projekte miteinander zu vernetzen und ihnen Informationen über andere (ähnliche) Projekte zur Verfügung zu stellen. Dies wird durch unser entwickeltes InDeKo.Navi-Portal gewährleistet und deshalb haben wir das Portal auf dieser Tagung, die vom BMBF veranstaltet wurde, an einem eigenen Stand ausgestellt.  

    Sie möchten mit Ihrer Arbeit Wissen auffindbar und zugänglicher machen und haben in dem BMBF-Projekt ein Forschungsportal für den Förderschwerpunkt „Betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel“ entwickelt. Sie entwickeln interaktive Forschungslandkarten, die zeigen, wo Wissen „liegt“ und schaffen so einen Überblick. Was kann man denn mit dem Forschungsportal machen?

    Ich stelle unter anderem eine Funktion zur Verfügung, mit der Grafiken interaktiv gemacht werden können. Dadurch können sich dann zum Beispiel Beteiligte aus Forschung und Praxis schnell über ein Thema informieren und auch vernetzen. Wir wollen Wissen besser verfügbar machen und Forschungserkenntnisse in die Breite tragen. Das Portal stellt diverse Forschungsergebnisse und Forschungsprojekte dar, die sich mit dem betrieblichen Kompetenzmanagement im demografischen Wandel beschäftigen. Es gibt zum Beispiel Projekte, die versuchen mit Hilfe der Digitalisierung die Resilienz von Arbeitnehmern zu unterstützen oder das eigene Stressmanagement mit Hilfe einer App neu gestalten. Neben der Darstellung, wo diese Projekte verortet sind und wer dort der Ansprechpartner ist, bietet es weitere Analysemöglichkeiten, wie beispielsweise quantitative Analysen über den Datenbestand, welche dann in Form von verschiedenen Diagrammarten visualisiert werden. Das Portal bietet unterschiedliche Informationen. Dies geht von den Ansprechpartnern einzelner Projekte über die Kontaktinformationen der Transferpartner bis hin zu verlinkten Publikationen.

    Und wie haben Sie als Wirtschaftsinformatiker dieses Forschungsportal entwickelt, wie wurde es „gebaut“, was ist die Kernidee dahinter?

    Das Forschungsportal wurde als Open Source-Projekt entwickelt und auf dem Content-Management-System „Drupal“ aufgebaut. An der Entwicklung waren unter anderem mehrere Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim im Rahmen von IT-Studienprojekten, welche von der Abteilung „Informationssysteme und Unternehmensmodellierung“ geleitet wurden, beteiligt. Des Weiteren habe ich auf einen intensiven Austausch mit der Entwickler-Community geachtet, welches sich zuletzt in der Einladung als Speaker zur Konferenz „DrupalEurope“ wiederspiegelte. Die Kernidee des Portals ist die modularisierte Infrastruktur, die für weitere Portale genutzt werden kann, ohne über viel technisches Know-how zu verfügen.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

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    news-16522 Thu, 11 Apr 2019 11:42:37 +0200 Fachkommunikation: Kooperation mit Hochschulen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/fachkommunikation-kooperation-mit-hochschulen/ Die Universität Hildesheim ist bundesweit einer der wenigen Standorte, die diese wissenschaftliche und berufliche Qualifikation anbieten. Zugleich ist die Universität der wichtigste Anlaufpunkt für Promotionen in diesem Bereich. Dr. Franziska Heidrich und Professor Dr. Klaus Schubert von der Kooperationsstelle Fachkommunikation fördern mit Unterstützung der Universitätsleitung kooperative Promotionen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Die technische Fachkommunikation ist ein zukunftsträchtiges Berufsfeld. Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim bildet Expertinnen und Experten für fachliche Kommunikation aus.

    Im Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ lernen Studentinnen und Studenten fachliche Inhalte für Experten und Laien aufzubereiten, rechtskonforme und anwenderorientierte Dokumente zu erstellen und diese zweck- und situationsangemessen zu übersetzen, sagt Dr. Franziska Heidrich.

    Ein besonderer Schwerpunkt am Institut liegt im Erwerb technischer Fachkenntnisse, etwa in den Bereichen Automatisierungstechnik, Mechanik, Energietechnik, Elektrotechnik, technische Werkstoffe sowie Maschinenelemente, ohne die eine fachlich korrekte Gestaltung von Fachtexten und Fachdokumenten unmöglich wäre.

    Die Nachfrage nach solchen Fachleuten ist riesig, sagt Professor Klaus Schubert. Alle Absolventinnen und Absolventen des Hildesheimer Masterstudiengangs finden gute Arbeitsstellen, ehe sie auch nur das Zeugnis der Universität in der Hand halten.

    Kooperationsstelle Fachkommunikation bahnt Forschungskooperationen mit Hochschulen an

    Die Universität Hildesheim ist in der technischen Fachkommunikation die einzige deutsche Universität, die eine solche berufliche und zugleich auch die höhere wissenschaftliche Qualifikation anbietet. „Das wiederum macht den Fachbereich für Sprach- und Informationswissenschaften deutschlandweit zur einzigen Anlaufstelle für weiterführende Qualifikationen (Promotion und Habilitation) im Rahmen der technischen Fachkommunikation“, so Schubert.

    „Anders als Hessen und neuerdings auch Nordrhein-Westfalen setzt Niedersachsen auf kooperative Promotionen von Universitäten und Fachhochschulen. Ich halte die Zusammenarbeit in der Forschung für ein Gebot der Vernunft. Dabei muss aus vielen Gründen das Promotionsrecht bei den Fakultäten bleiben“, sagt Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

    Mit Unterstützung der Hochschulleitung haben Klaus Schubert und Franziska Heidrich die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ aufgebaut. Zweck der Kooperationsstelle ist die Anbahnung von Forschungskooperationen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und von kooperativen Promotionen, erläutert Klaus Schubert. „Dabei möchten wir nicht nur Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen auf ihrem Weg in die Wissenschaft fördern, sondern vor allem auch, Hochschulprofessorinnen und Hochschulprofessoren an der Betreuung und Begutachtung dieser Qualifikationen beteiligen. Dies geschieht in Übereinstimmung mit den Positionen der Landeshochschulkonferenz und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die solche kooperativen Promotionen ausdrücklich begrüßen.“

    Doktorandenveranstaltungen in Deutschland und der Schweiz

    Zur Anbahnung dieser kooperativen Qualifikationsvorhaben haben Franziska Heidrich und Klaus Schubert bereits einige einschlägige Hochschulen in Deutschland und der Schweiz erreichen können, mit denen gemeinsam im letzten Jahr für Promotionsinteressierte vor Ort Informationsveranstaltungen zum Thema „kooperative Promotion“ durchgeführt worden sind. Weitere Hochschulen in ganz Deutschland werden im Jahr 2019 folgen.

    Das Angebot erhält großen Zuspruch durch Masterstudierende und Absolventen, von denen zahlreiche bereits zur näheren Abstimmung und weiteren Planung an Professor Klaus Schubert herangetreten sind.

    „Die thematische Bandbreite ist dabei groß. Die Fachkommunikationswissenschaft ist interdisziplinär ausgerichtet und hat damit zahlreiche Schnittstellen zu anderen Wissenschaftsgebieten. Zudem ist die Fachkommunikationswissenschaft als eigenständige Disziplin eine noch sehr junge Disziplin, die sich am Schnittpunkt zwischen angewandter Sprachwissenschaft, Übersetzungswissenschaft, Kommunikationswissenschaft und den technischen Fachwissenschaften verortet – auch dies bedingt eine große Bandbreite an Forschungsinteressen, die häufig der konkreten Berufspraxis entspringen“, so Schubert.

    Erfolgreiche Forschungstagung zum dritten Mal in Hildesheim

    Die Kooperationsstelle Fachkommunikation hat 40 junge und auch etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Konferenz nach Hildesheim eingeladen. Ende März 2019 tauschten sich die Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz am Bühler-Campus auf der dritten Forschungstagung „Fachkommunikation – die wissenschaftliche Sicht“ über die Forschung aus.

    „Ziel unserer Tagungen ist nicht nur der fachliche Austausch. Wir wollen für die jungen Wissenschaftler der Fachkommunikation auch fachliche Kontakte, eine berufliche Vernetzung und Denkanstöße für die eigene Arbeit geben“, so Franziska Heidrich.

    Masterstudiengang
    „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

    Kooperationsstelle Fachkommunikation

    Kurz erklärt

    Übersetzungswissenschaft in Hildesheim

    Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation bildet Sprach- und Übersetzungsprofis aus: Im Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ lernen Studierende die Grundlagen, um Texte, Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher zu übersetzen. Nach einem Studienjahr geht der gesamte Jahrgang ins Ausland – etwa nach Mexiko, Spanien, Frankreich, Indien oder in die Türkei.

    Im Master-Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" spezialisieren sich Studentinnen und Studenten auf Kommunikationsformen in und für die Medien und transmediale sowie inter- und intralinguale Übersetzung. Sie untertiteln zum Beispiel Filme, übertiteln Theaterstücke und übersetzen Nachrichten und Rechtstexte in Leichte Sprache.

    Im neu eingerichteten Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ lernen die Studierenden, wie mit kommunikativen Barrieren umgegangen wird und erschließen so ebenfalls einen hochspezialisierten Bereich der angewandten Sprachwissenschaft.

    Hildesheimer Absolventinnen und Absolventen sind zum Beispiel als Technische Redakteure und Fachübersetzerinnen in der Industrie oder bei Dienstleistern angestellt, sind bei einem der größten Übersetzungsdienste der Welt – der EU-Kommission in Brüssel – tätig oder arbeiten für das Bundesjustizministerium und beim Norddeutschen Rundfunk.

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    news-16490 Mon, 08 Apr 2019 15:45:58 +0200 Learning how the younger generation is preparing to face new challenges https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/learning-how-the-younger-generation-is-preparing-to-face-new-challenges/ Der Gastwissenschaftler Lenin Martell berichtet im Interview, mit welchen Impressionen er aus Deutschland nach Mexiko zurückkehrt. Der Politikwissenschaftler gehört zu einem Team, dass die Kooperation zwischen den Universitäten Toluca und Hildesheim ausbaut und pflegt. Er befasst sich mit Entwicklungen im Journalismus und der Rolle öffentlicher Medien im politischen System Mexikos. Die Universität Hildesheim und die Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) in Toluca kooperieren seit 2010 unter anderem in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen. Bisher haben mehr als 50 Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Toluca an dem Austausch teilgenommen. Außerdem beinhaltet die Zusammenarbeit den Austausch von Dozentinnen und Dozenten sowie gemeinsame Veröffentlichungen, so entstand zum Beispiel ein Sammelband zur Fremdsprachenvermittlung.

    Es gibt zahlreiche Kooperationsabkommen zwischen deutschen und mexikanischen Hochschuleinrichtungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und der Universidad Autónoma del Estado de México ist allerdings besonders: das Verbindungsbüro der mexikanischen Universität in Hildesheim ist die erste und einzige ständige Vertretung einer mexikanischen Hochschuleinrichtung in Deutschland.

    Studierende und Dozentinnen und Dozenten, die Fragen zum internationalen Austausch haben, können das Team des International Office der Universität Hildesheim kontaktieren.

    Interview with Lenin Martell

    “I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor”

    Prof. Dr. Lenin Martell is a Professor at the School of Political and Social Sciences in the Autonomous University of the State of Mexico in Toluca. As a guest lecturer he worked at University of Hildesheim. In an interview he talks about his experiences in Hildesheim.

    You have worked, researched and taught in Hildesheim as a visiting scholar, now you are back in Mexico. What was exciting?

    I would say three things: Learning about what the younger generation thinks about global issues – such as poverty – also, how they learn, how they behave, how they are preparing to face new challenges in the professional arena. I had many international students in my classes at University of Hildesheim – from Rumanians to Indians or Mexicans, among others.

    Students tend to have more information about global issues, such as gender equality and environment, though having more information does not make them more sensitive to these issues. They seem to show take on a more intellectual posture as opposed to a broad understanding on global issues.

    With which impressions are you going back home?

    I returned to Mexico with many new professional and life experiences. The concept of higher education is changing very dramatically around the world, and it is difficult for the policy makers, administrators, and scholars to adapt to new educational realities. For example, we want to teach in a more active-participatory way, but I perceive that many colleagues do not exactly know how to develop those skills in the classroom. There is a growing need to work one-on-one with students, but it seems to be hard for both students and professors to learn these dynamics. Also, let’s face it: Students are not reading at the same pace as previous generations used to. This is a big problem. Students feel more empowered and freer to be opinionated rather than providing strong arguments in class. Also, despite students being quiet young, they struggle to learn new methods or dynamic approaches within the class. We live in a global world, but it doesn’t mean students are able to adapt to new environments.

    In addition to this, universities need to develop media literacy. International students seem very well informed on current worldwide events. But it is difficult for them to decode concepts such as poverty or injustice – even identifying them. Their academic and personal formation would benefit from these skills. 

    On the other hand, I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor. I learned them first-hand from a German educator, and I think she experienced the same thing. That means exchanging good pedagogical practices. For example, what to expect academically from students; how to tackle a specific problem in class; which approach to give a theoretical class. This is very rewarding, because one rarely has the opportunity to receive feedback from another professor.

    How do you want to strengthen the cooperation between Toluca and Hildesheim?

    Since being home I have been able to strengthen our ties with Hildesheim. Dr. Felix Koltermann from the Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur just spent two weeks at the Autonomous University of the State of Mexico (UAEM) as a visiting scholar. He taught two workshops on Visual “Storytelling and Photojournalistic Imaginary” and “Visualizing Conflict in Contemporary News”. He also gave a keynote presentation on “Photojournalism in the era of Post-Truth”. Both students and academics welcomed Koltermann’s work in Toluca with gratitude. For example, students at the graduate program on Peace and Development studies were able to experience practical knowledge and were very happy to learn about photojournalism. According to these students, Koltermann made them think about knowledge and skills they had never considered before. Some were even motivated to include the study of photos in their research.

    I will also continue to promote student and scholar exchanges with Hildesheim, and I will continue collaborating with other professors at Hildesheim.

    Questions: Isa Lange

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    news-16276 Thu, 21 Mar 2019 10:36:00 +0100 Digital Humanities: Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/digital-humanities-forschung-in-den-digitalen-geisteswissenschaften/ Am Zentrum für Digitalen Wandel in Hildesheim bauen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften aus. Mithilfe computerlinguistischer Methoden können sie große Datenmengen analysieren. Aktuelle Ergebnisse stellten sie beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ vor, einer Kooperation zwischen den Universitäten Hildesheim und Göttingen. Ulrich Heid forscht und lehrt als Professor für Sprachtechnologie und Computerlinguistik am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Professorin Caroline Sporleder, Direktorin des Göttingen Centre for Digital Humanities , lädt der Computerlnguist regelmäßig zu Arbeitstagungen ein.

    Alle sechs Monate kommen Forscherinnen und Forscher beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ zusammen, im Frühjahr in Göttingen, im Herbst in Hildesheim. Ende Februar 2019 fand die Arbeitstagung zum Thema „Digital Methods in Political Science“ in Göttingen statt.

    Die Workshops dienen dazu, dass beide Standorte einander über laufende Projekte, Methoden und Verfahren informiert halten. Regelmäßig werden europäische oder nationale Gäste eingeladen.

    Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoribildung und computerlinguistischer Textanalyse

    „Einige der prominenteren Vertreter computerlinguistisch arbeitender Politikwissenschaft Deutschlands kamen diesmal zusammen“, sagt Ulrich Heid. „Wir wollen gemeinsam verstehen, wie die Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoriebildung und computerlinguistischer Textanalyse aussehen kann. Zwar ist der Einsatz von Werkzeugen zur Extraktion von Wörtern und Wortsequenzen und von Zählverfahren und statistischen Tools sehr ‚en vogue‘ in der Politikwissenschaft, aber das eigentliche Ziel sollte es sein, klarer zu verstehen, welche Arten von Werkzeugen welche Arten von theoriegeleiteten Fragenstellungen gut unterstützen.“

    Ein thematischer Schwerpunkt ist das vieldiskutierte Problem „Hate Speech“. „Wir bringen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sich Gedanken dazu machen, was eigentlich alles als Hate Speech gelten soll, aber auch solche, die Werkzeuge oder Daten für Training und Test von Werkzeugen entwickeln.“

    Computerlinguistische Techniken in den Geisteswissenschaften

    Die Verwendung und die Menge verschiedener computerlinguistischer Techniken hat für die textbasierten Geisteswissenschaften in der letzten Zeit enorm zugenommen, sagt Heid. Mit den Nachbarn in Göttingen hat er die idealen Kooperationspartner gefunden. Beide Universitäten haben eine geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Ausrichtung, forschen sowohl grundlagen- als auch anwendungsorientiert. In Göttingen wurde Caroline Sporleder als Professorin für digitale Geisteswissenschaften im Fachbereich Informatik berufen. „Wir halten uns auf dem Laufenden, wie die Geisteswissenschaften auf die Digitalisierung reagieren“, sagt Ulrich Heid, der in Hildesheim gemeinsam mit dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt und der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer seit Ende 2018 am „Zentrum für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ mitarbeitet.

    Program of the 7th. Göttingen/Hildesheim-Workshop
    on Computer Linguistic and Digital Humanities

    Im Folgenden geben einige der am Workshop beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hildesheim Einblicke in ihre Forschung:

    Analyse von Diskursen über Solidarität

    Computerlinguist Prof. Dr. Ulrich Heid

    Prof. Dr. Ulrich Heid ist ordentlicher Professor für Sprachtechnologie / Computerlinguistik in Hildesheim und Mitbegründer der Workshop-Serie „Computational Linguistics and Digital Humanities“. Ulrich Heid ist selbst Geisteswissenschaftler, hat Sprachwissenschaft und Geschichte studiert und sich dann auf Computerlinguistik und Sprachtechnologie spezialisiert.

    Herr Professor Heid, an welchem Forschungsthema arbeiten Sie zurzeit?

    Zusammen mit Prof. Dr. Marianne Kneuer präsentiere ich Pläne für das neue, vom Land Niedersachsen finanzierte Projekt SOLDISK, also erst einmal nur Ziele und angestrebte Methoden, noch keine Ergebnisse. Professorin Marianne Kneuer koordiniert das Projekt, das am 1. März 2019 beginnt und Politologen und Computerlinguisten zusammenbringt. Wir analysieren Diskurse über Solidarität, wie sie in online-Quellen vorliegen. Beispiele sind offizielle Texte der Regierung, aber auch Statements auf Internetseiten zivilgesellschaftlicher Akteure (Kirchen, Vereine, Bürgerinitiativen usw.) oder von Individuen. Wir wollen für den Zeitraum 2012 bis 2016 und die beiden Einwanderungsereignisse in Deutschland (Rumänen und Bulgaren, 2012 bis 2014; sogenannte „Flüchtlingskrise“ 2014 bis 2016) ein Textkorpus sammeln, analysieren und im Hinblick darauf untersuchen, wie über Solidarität (zum Beispiel mit den Flüchtlingen) geschrieben wird.

    Warum ist diese Forschung wichtig?

    Es heißt, Solidarität sei in der Krise; speziell in Zeiten, die als Krisenzeiten wahrgenommen werden, wie etwa den von Migrationsereignissen gekennzeichneten Jahren 2012 - 2016. Solidarisches Handeln in großem Stil zu erfassen ist sehr schwer; aber Diskurse über Solidarität das heißt das, was Akteure im Gemeinwesen darüber schreiben oder sagen, lässt sich sammeln, über die Zeit hinweg analysieren und interpretieren. Uns interessiert, ob und wie sich die oben genannten drei Gruppen in ihren Solidaritätsdiskursen unterschieden, ob generell oder gruppenweise Soldidarisierungs- bzw. Desolidarisierungsentwicklungen feststellbar sind, und ob Diskurse einer Akteursgruppe auf die anderen Gruppen "abfärben". Schließlich auch, wie argumentiert wird: mit wirtschaftlichen Argumenten, mit Fremdheit, oder mit Sicherheitsargumenten? Die Ergebnisse sind langfristig auch für die Politikberatung relevant.

    „Practices of Commenting in Digital Public Spheres”

    Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten

    Prof. Dr. Michael Corsten ist Professor für Soziologie und Dekan des Fachbereichs Erziehungs- und Sozialwissenschaften in Hildesheim. Im Rahmen des DFG-Projekts „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“ hat Corsten mehrere Doktorarbeiten und eine Habilitation begleitet.

    Herr Professor Corsten, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

    Es geht um ein Ergebnis aus dem DFG-Projekt „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“, die exemplarische Auswertung der 432 Beiträge im Zeit-Online-Kommentarbeich zum Artikel „schlecht, schlechter, Geschlecht“ von Harald Martenstein.

    Warum ist diese Forschung wichtig?

    Bemerkenswert ist oberflächlich betrachtet zunächst der Befund, dass auch in dem Online-Forum eines anerkannten Mediums des Qualitätsjournalismus eine Vielzahl von Beiträgen zu finden sind, in denen Personen und/oder Positionen in abwertender bis diskriminierender Form behandelt werden. Trotzdem zeigt sich an dem untersuchten Beispiel, dass sich innerhalb solcher Online-Leser-Kommentarforen Debatten zwischen kleineren Gruppen von Leserinnen und Lesern entfalten können. Wichtig ist die Untersuchung speziell dieser Bereiche nicht zuletzt deshalb, weil sich daran eine Kombination von One-To-Many- und Many-To-Many-Kommunikation zeigt.

    „Who polluted the debate in the German federal election campaign 2017? Analysis and automatic detection of hate speech on social media”

    Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann

    Prof. Dr. Wolf J. Schünemann forscht und lehrt als Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet in Hildesheim.

    Herr Professor Schünemann, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

    Wir stellen zentrale Ergebnisse aus dem Projekt „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) vor und zwar aus dem Teilprojekt 1, in dem wir einen großen Datensatz digitaler Kommunikationsdaten (insgesamt 2,9 Mio. Facebook-Beiträge) automatisiert ausgewertet haben. Wichtige Ergebnisse sind bislang, dass wir die viel beschworenen Echokammern, insbesondere im Hinblick auf die populistische Rechte, im deutschen Facebook-Wahlkampf nicht nachweisen können, zumindest nicht, wenn wir uns anschauen, auf welche Medieninhalte in den Posts und Kommentaren verwiesen wird. Hier zeigen alle Parteien einschließlich der AfD große Überschneidungen. Dennoch finden wir Muster thematischer und formaler Polarisierung, auf die wir eingehen. Zudem wird der Datensatz auch für die Forschung zu offensiver Sprache oder Hate Speech im Facebook-Wahlkampf verwendet. Hier leistet die Sylvia Jaki die wesentliche Forschungsarbeit und wird auch erste Ergebnisse präsentieren. 

    Warum ist diese Forschung wichtig?

    Die Bundestagswahl 2017 war einschneidend, sowohl im Hinblick auf das Ergebnis der Wahl (insbesondere der Erfolg der Rechtspopulisten) als auch den Online-Wahlkampf. Es gilt gerade im Vorfeld weiterer Wahlkämpfe (Länder/Europa) Lehren daraus zu ziehen und viel diskutierte Tendenzen der politischen Kommunikation und angenommene Gefahren für die Demokratie an der Realität zu überprüfen.

    „Echo chambers and polarisation in the German federal election 2017”

    Fritz Kliche, Stefan Steiger und Prof. Dr. Wolf Schünemann forschen zu Echokammern in sozialen Medien. Der Computerlinguist Fritz Kliche forscht in der Arbeitsgruppe von Professor Ulrich Heid.

    Mich interessieren besonders die „Digital Humanities“ – also die Zusammenarbeit von Informatikern oder in unserem Fall Computerlinguisten mit Forscherinnen und Forschern aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften, sagt Fritz Kliche. Mit seiner Arbeit möchte er dazu beitragen, dass Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften in Hildesheim ausgebaut werden und in der interdisziplinären Zusammenarbeit weitere wichtige Forschungserkenntnisse erarbeitet werden können.

    Automatic detection of hate speech on social media

    Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki

    Dr. Sylvia Jaki ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in Hildesheim und forscht im Bereich der Medienlinguistik. Mit Kollegen der Universität Antwerpen hat sie ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombination in Tweets aufzuspüren. Sie befasst sich mit sprachlichen Charakteristika der Medien und arbeitet an ihrer Habilitation.

    Frau Dr. Jaki, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

    Für die Facebook-Daten des Projekts „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) von Wolf Schünemann konnten wir zeigen, dass die Facebook-Profile von Parteien und Politikerinnen und Politikern an den politischen Rändern während der letzten Bundestagswahl tendenziell mehr Hate Speech aufwiesen als bei den Parteien der politischen Mitte. Dies heißt aber nicht unbedingt, dass sich die Hate Speech GEGEN die Partei beziehungsweise den Politiker oder die Politikerin richtet. Unsere Analysemethode demonstriert überdies, dass lexikonbasierte Ansätze zu transparenteren Systemen bei der Erkennung von Hate Speech beitragen können.

    Warum ist diese Forschung wichtig?

    Hate Speech hat sich zu einem omnipräsenten Phänomen in den Medien entwickelt. Wie aber wollen wir damit umgehen – automatisiert entfernen, akzeptieren oder dagegen andiskutieren? Dies ist eine Frage, die vielerorts diskutiert wird und auch unbedingt diskutiert werden sollte. Aufgrund der Schwächen, die Detektionssoftware derzeit noch aufweist, ist es wichtig, Detektionssysteme zu schaffen, die einen Einblick in die Klassifikationsmechanismen geben, um die oftmals als Black Box bezeichnete Künstliche Intelligenz transparenter zu machen.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

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    news-16344 Thu, 21 Mar 2019 08:07:00 +0100 Konferenz: Kunst der Beratung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/konferenz-kunst-der-beratung/ Beratungskünste sind überall gefragt. Eine kulturwissenschaftliche Tagung in Hildesheim befasst sich mit der Kunst der Beratung. Eine Medienphilosphin spricht zum Beispiel über Techniken der wissenschaftlichen Politikberatung von 1950 bis 1970. Die Tagung ist öffentlich. Beratungskünste sind überall gefragt: Politische Entscheidungen erfordern Strategiepapiere von policy advisern, Empfehlungen des Ethikrats oder Gedankenspiele von Think Tanks. Investitionen und Rationalisierungsmaßnahmen in Unternehmen werden von Consultingfirmen begleitet. Und kaum ein Aspekt individueller Lebensführung entgeht einer zunehmend ausdifferenzierten Coachingindustrie; angefangen bei der Erziehungsberatung der Eltern über Studien- und Berufsberatung, Karrierecoaching, Paartherapie, Achtsamkeitsseminare, Ernährungsratgeber und kuratierte Kulturprogramme bis hin zur Trauerbegleitung der Nachkommen.

    „So unterschiedlich die Funktion dieser Beratungen im Detail sein mag ist doch ein Grundmuster erkennbar: Berater, Coaches und Consultants überprüfen Ressourcen, treffen Vorhersagen über die möglichen Folgen einer Entscheidung oder stellen normative Maximen für Handlungsweisen auf und leiten daraus Forderungen an das Subjeagtkt ab“, sagt der Hildesheimer Literaturwissenschaftler Simon Roloff.

    Die Tagung „Kunst der Beratung“ am Kulturcampus der Universität Hildesheim fragt vom 4. April bis 6. April 2019 nach den Praktiken, Techniken und Formen der Kunst der Beratung. Besondere Beachtung soll dabei der Funktion ästhetischer Formen und Praktiken, etwa im Kreativitätscoaching oder im Ratgeber als literarischer Gattung zukommen.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren auf der Tagung unter anderem über visuelle oder literarische Gattungen der Beratung. Neben neuen Untersuchungen zur Ratgeberliteratur kommen dabei auch Formen wie der Lehrfilm oder das Youtube-Tutorial, Momente der Performanz in der Herstellung charismatischer Beratungssituationen oder die Narrativierung von Biografien durch storytelling zur Sprache. Die Kulturwissenschaftlerin Professorin Christina Wessely halt den Vortrag zum Thema „Der Chefideologe. Zur Geschichte einer Figur politischer Beratung“. Die Medienphilosphin Eva Schauerte spricht über „Techniken der wissenschaftlichen Politikberatung von 1950 bis 1970“.

    Die Ergebnisse der kulturwissenschaftlichen Tagung werden in einem Sammelband veröffentlicht.

    Kontakt

    Bei Fragen zur Konferenz wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Simon Roloff vom Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim (simon.roloff[at]uni-hildesheim.de).

    Teilnahme

    Die Veranstaltung ist kostenfrei und öffentlich, alle Vorträge können besucht werden, man muss sich nicht registrieren.

    Zum Forscher

    Simon Roloff organisiert die Konferenz. Er studierte Philosophie, Literatur- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Nach seiner Promotion in Weimar ist Roloff seit 2014 Juniorprofessor für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim. Er interessiert sich für Poetik, für das Verhältnis von Literatur und Wissen, für Formen der Recherche und die Theorie und Geschichte der Kulturtechniken, für Notieren, Streichen, Kopieren, Entwerfen und sich Verzetteln.

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    news-16183 Thu, 07 Mar 2019 20:02:00 +0100 Bundesregierung beruft Professorin Viola Georgi in Fachkommission Integrationsfähigkeit https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/bundesregierung-beruft-professorin-viola-georgi-in-fachkommission-integrationsfaehigkeit/ Die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin Professorin Viola Georgi wurde vom Bundeskabinett in die „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ berufen. Die Kommission erarbeitet Empfehlungen für Bund, Länder, Kommunen und Zivilgesellschaft. Den ersten Bericht legt die Kommission 2020 vor. Professorin Georgi ist in der Forschung zur Bildungsintegration international sehr gut vernetzt und leistet zugleich Basisarbeit in der Kommune, so Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich. Die Bundesregierung hat die Berufung einer Fachkommission zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit beschlossen. Das Bundesinnenministerium, das Bundesarbeitsministerium sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration haben dem Bundeskabinett die Mitglieder vorgeschlagen.

    Zu den Mitgliedern der Fachkommission wurde Professorin Viola Georgi berufen. Die Erziehungswissenschaftlerin ist Expertin für Fragen der Bildung in der Einwanderungsgesellschaft und leitet an der Universität Hildesheim das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“. Georgi befasst sich in der Forschung unter anderem mit Heterogenität in der Schule, Bildungsmedien, historisch-politischer Bildung in der Migrationsgesellschaft und Demokratiepädagogik.

    Den ersten Bericht mit Empfehlungen legt die Kommission 2020 dem Deutschen Bundestag vor

    Professorin Viola Georgi wird einen Bericht mit Empfehlungen mitverfassen, den die Fachkommission 2020 vorstellt. Diesen Bericht legt die Bundesregierung dann dem Deutschen Bundestag vor. Die konstituierende Sitzung der Fachkommisssion war am 20. Februar 2019 in Berlin. Die Fachkommission soll die Standards für gelingende Integration erarbeiten. Dazu gehören Strukturen, wie die ausreichende Versorgung mit Kitas, Schulen und Wohnraum und der Zugang zum Arbeitsmarkt. Es geht aber auch um politische Bildung, um Werte, Respekt und Regeln, die ein friedliches Miteinander bestimmen, so die Staatsministerin Annette Widmann-Mauz anlässlich der ersten Sitzung in Berlin.

    „Ich freue mich sehr auf die interdisziplinäre Kommissionsarbeit. Ich bin vor allem gespannt, auf die Entwicklung von innovativen Empfehlungen für das Handlungsfeld Bildungsintegration“, sagt Professorin Viola Georgi.

    „Die Fachkommission ist zu beglückwünschen, denn mit Professorin Georgi gewinnt sie eine Wissenschaftlerin, die international sehr gut vernetzt ist und zugleich Basisarbeit in der Kommune leistet – eine seltene Kombination“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

    Professorin Viola Georgi erarbeitet Empfehlungen für den Bereich Bildungsintegration

    Die Kommission wird die wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen für Integration beschreiben und erarbeitet Vorschläge für Standards, wie diese verbessert werden können. Die Kommission befasst sich sowohl mit der Neu-Zuwanderung – etwa von Geflüchteten und EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern – als auch mit den bereits länger in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund.

    Die Empfehlungen können sich an die Bundesressorts, aber auch an Länder, Kommunen sowie die Zivilgesellschaft richten.

    Der unabhängigen Fachkommission gehören renommierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Praxis an. Den Vorsitz übernehmen Derya Çağlar, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, und Ashok-Alexander Sridharan, Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn.

    Zu den Mitgliedern der Fachkommission der Bundesregierung gehören neben Professorin Viola Georgi unter anderem die Politikwissenschaftlerin Professorin Petra Bendel, die Sprachwissenschaftlerin Professorin Havva Engin und der Rechtswissenschaftler Professor Daniel Thym.

    Weitere Informationen

    Gemeinsame Pressemitteilung der
    Integrationsbeauftragten der Bundesregierung,
    des Bundesministeriums des Innern und
    des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

    Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim

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    news-16300 Thu, 07 Mar 2019 18:25:00 +0100 Informatik an Schulen: Uni Hildesheim bildet Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/informatik-an-schulen-uni-hildesheim-bildet-informatiklehrerinnen-und-informatiklehrer-aus/ Die Debatte um die Fortschritte bei der Digitalisierung in Deutschland betrifft im Kern auch die Schulen – hier wird die nächste Generation ausgebildet. Doch Lehrerinnen und Lehrer für das Schulfach Informatik fehlen. Die Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus. Neben Programmieren und Datenbanken gehören Algorithmen und Datenstrukturen und Medieninformatik zum Studium in Hildesheim. Informatik gehört an alle Schulformen – ab der Grundschulzeit, sagt Dr. Jörg Cassens. „Informatik durchdringt alle Lebensbereiche. Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es,  Schülerinnen und Schülern eine  informatische Grundkompetenz zu vermitteln. Sie können lernen, algorithmische Denkweisen zu verstehen und kritisch damit umzugehen. Nicht jedes Kind muss Programmierer werden, aber  alle Heranwachsenden sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie Algorithmen funktionieren und welche Auswirkungen Technik haben kann.  Ansonsten sind sie der Technik machtlos  ausgeliefert anstatt den Digitalen Wandel aktiv gestalten zu können. Die Einführung eines neuen Faches ist im Schulalltag sicher nicht einfach, aber Schule ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität. Schule ist nicht etwas Statisches. Inhalte, die gelehrt werden, verändern sich – und Informatik sollte in unserer heutigen digitalen Welt ein Pflichtfach sein“, sagt Cassens.

    Der Wissenschaftler gehört zu einem Team der Universität Hildesheim, das seit 2016 die künftige Generation der niedersächsischen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer für Realschulen und Hauptschulen ausbildet. Sein Spezialgebiet ist die Medieninformatik, er hat Themen wie künstliche Intelligenz und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sowie ethische Fragen im Blick.

    Der Informatiker Jörg Cassens ist Mitglied des Expertengremiums „Digitalisierung in der Lehrerbildung“ des niedersächsischen Verbundes zur Lehrerbildung und Mitautor der „Empfehlungen zur Digitalisierung in der niedersächsischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ (PDF, Februar 2019).

    „Jugendliche sollten IT-Systeme nicht nur bedienen, sondern auch beherrschen“

    Zum Hildesheimer Team, dass die Informatikausbildung vorantreibt, gehört auch Professor Klaus-Jürgen Förster. „Unser Ziel sollte es sein, dass in Zukunft alle niedersächsischen Schülerinnen und Schüler IT-Systeme nicht nur bedienen sondern auch beherrschen können.“

    „Informatik sollte spätestens ab Beginn der Grundschule in Niedersachsen als Pflichtfach in jeder Klassenstufe unterrichtet werden“, sagt Förster.

    Das Institut für Mathematik und Angewandte Informatik, an dem Jörg Cassens und Klaus-Jürgen Förster forschen und lehren, sowie der Fachbereich „Mathemematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ der Universität Hildesheim streben dies seit mehreren Jahren an, etwa mit dem Bezugsfach Informatik im Sachunterricht. „Wir können dies im Fall einer Genehmigung durch Hannover mit Unterstüzung unseres Präsidiums an der Uni Hildesheim mit entsprechendem Personal schon ab dem kommenden Wintersemester 2019/20 einführen.“ Im Rahmen der Akkreditierung für das Lehramt Informatik an der Haupt- und Realschule an der Uni Hildesheim wurde dieses Konzept bereits 2015  positiv mitbegutachtet.

    Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus

    „Wir brauchen in Deutschland eine große Anzahl von grundständig ausgebildeten Informatik-Lehrerinnen und Informatik-Lehrern, die ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln, wie man erfolgreich auch zukünftig die sich immer schneller ausdehnende digitale Welt professionell nutzt und beherrscht“, sagt der Hildesheimer Informatikprofessor Klaus-Jürgen Förster.

    Die Niedersächsische Landesregierung hat 2015 beschlossen, das Fach Informatik künftig auch an Hauptschulen und Realschulen einzuführen und seit dem Studienjahr 2016/17 die Universitäten Hildesheim und Oldenburg beauftragt, das Lehramt Informatik an Haupt- und Realschulen in Niedersachsen einzurichten. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik seit 2016 nicht nur für Studienanfängerinnen und Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrkräfte.

    Programmieren, Datenstrukturen und Robotik auf dem Stundenplan

    Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium in Hildesheim. Die Lehramtsstudierenden wählen Schwerpunkte wie Maschinelles Lernen, Softwareentwicklung, Robotik oder Wirtschaftsinformatik. Sie kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

    Die Lehramtsstudierenden besuchen Vorlesungen und Seminare gemeinsam mit den etwa 800 IT-Studierenden aus den IT-Studiengängen „Angewandten Informatik“, „Informationsmanagement und Informationstechnologie“, „Wirtschaftsinformatik“ und „Data Analytics“ und sind nah dran an den aktuellen fachwissenschaftlichen Themen. Hinzu kommen Lehrveranstaltungen in den Bereichen Didaktik, Erziehungswissenschaft und Psychologie sowie Schulpraktika.

    Die Studierenden befassen sich im Studium mit Grundlagen der Informatik: Wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen? Wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

    „Wir werben massiv um Studierende für das Schulfach Informatik“

    „Es ist mehr als überfällig das Lehramt Informatik auszubauen und massiv um Studierende für dieses Schulfach zu werben. Dies darf sich nicht nur auf das Lehramt an Gymnasien beziehen und somit etwa die Hälfte unserer Jugendlichen vernachlässigen“, sagt Klaus-Jürgen Förster.

    Ohne durchgehende informatische Ausbildung werde sich die berufliche und persönliche Zukunftsperspektive erheblich verschlechtern, dennoch sei in Deutschland der rechtzeitige Aufbruch bisher versäumt worden. In europäischen Nachbarländern, etwa in Großbritannien und in skandinavischen Ländern, gehören Informatik-Inhalte längst durchgehend zur schulischen Ausbildung. Programmieren (Coding) ist dort meist schon in der ersten Klasse verpflichtend vorgesehen.

    Kurz erklärt

    Informatik an Schulen: Bewerbung um einen Studienplatz

    Die Hildesheimer Universität bildet seit Herbst 2016 Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Informatik an Haupt- und Realschulen aus. Studieninteressierte können sich um einen Informatik-Studienplatz für das Lehramt an Hauptschulen oder Realschulen bewerben. Um dem großen Bedarf gerecht zu werden ist eine Einschreibung für Erstsemester sowohl im Wintersemester wie auch im Sommersemester möglich.

    Bisher haben in Niedersachsen nur die Universitäten in Göttingen, Oldenburg und Osnabrück Informatiklehrer für den Unterricht an Gymnasien ausgebildet. Eine Ausbildung zur Informatiklehrerin oder zum Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen war in Niedersachsen im Gegensatz zu verschiedenen anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bisher nicht möglich.

    Die Hildesheimer Studierenden werden zur ersten Generation der Lehrerinnen und Lehrer gehören, die das Fach Informatik an Hauptschulen und Realschulen sowie Oberschulen und Gesamtschulen in Niedersachsen aufbauen. „Das ist eine große berufliche Chance und eine spannende, lebenslange Aufgabe“, sagt Professor Klaus-Jürgen Förster.

    Wer sich für das Lehramtsfach Informatik interessiert, kann sich ab sofort bei Prof. Dr. Klaus-Jürgen Förster vom Institut für Mathematik und Angewandte Informatik melden (E-Mail foerster@cs.uni-hildesheim.de). Studierende wählen neben dem Fach Informatik ein zweites Fach.

    Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

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    news-16290 Mon, 04 Mar 2019 17:23:20 +0100 Hildesheimer Studierende gründen die Junge Kulturpolitische Gesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/hildesheimer-studierende-gruenden-die-junge-kulturpolitische-gesellschaft/ Eine junge Generation von Kulturschaffenden hat die „Junge Kulturpolitische Gesellschaft“ gegründet. Die „Junge Kupoge“ ist eine Arbeitsgemeinschaft der Kulturpolitischen Gesellschaft und soll den unter 35 Jährigen eine eigene Plattform und Gestaltungsraum ermöglichen. In einem Gastbeitrag gibt Professorin Birgit Mandel Einblicke in eine mit Studierenden konzipierte kulturpolitische Tagung. Mandel forscht und lehrt am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und ist Expertin für Kulturmanagement und Kulturvermittlung. Hildesheimer Studierende haben die Gründung der Jungen Kulturpolitischen Gesellschaft auf der kulturpolitischen Tagung unter inhaltlicher Leitung der Hildesheimer Professorin Birgit Mandel in Loccum im Februar 2019 initiiert. Die Konferenz wurde erstmalig unter aktiver Beteiligung von Studierenden konzipiert und durchgeführt. Sie setzten sich auf der Tagung mit Generationwechsel und der Rolle der Kulturpolitik in institutionellen Veränderungsprozessen auseinander.

    Gastbeitrag von Prof. Dr. Birgit Mandel

    Generationen-Clash oder alles so weiter wie bisher im öffentlich geförderten Kulturbetrieb? Welche Ansprüche haben jüngere Generationen von Kulturschaffenden an Kultureinrichtungen und Kulturpolitik?

    Ziel des diesjährigen kulturpolitischen Kolloquiums war es, in einem intergenerationellen und interaktiven Workshop Möglichkeiten der Neu-Aufstellung von Kulturinstitutionen sowie des Verhältnis der öffentlich geförderten Einrichtungen zu Kulturpolitik und Kulturverwaltung zu reflektieren und Ideen zu erarbeiten, die es den Einrichtungen ermöglichen, auf veränderte kulturelle Interessen neuer Generationen zu reagieren.

    Generationen-Tandems, soziometrische Aufstellungen und digitale Meinungsabfragen, Generationen-Quartett auf Instagram Lab-Loc und Design Thinking Workshop „Kultopia“, wo gemischte Teams aus den Generationen 1968er, Babyboomer, X und Y ihre ideale Kultureinrichtung gestalten konnten: Das Organisationsteam mit Studierenden aus Hildesheim, Hamburg und Ludwigsburg unter Leitung von Birgit Mandel, Annette Jagla und Patrick Glogner in Kooperation mit der Akademie Loccum (Albert Drews) und der Kupoge (Barbara Neundlinger) entwickelte diverse interaktive Formate, um die 120 Teilnehmenden aktiv zu beteiligen und in Austauchbeziehungen zu bringen.

    Welche Unterschiede gibt es in der Wahrnehmung der Aufgaben (öffentlich geförderter) Kultureinrichtungen und zentraler kulturpolitischer Herausforderungen und Lösungsansätze zwischen älteren Kulturschaffenden, die schon langjährige Erfahrungen im Kulturbetrieb haben und zukünftigen „Cultural Leadern“?

    Deutlich veränderte Ansprüche gäbe es an die Arbeitsbedingungen: hohe Wechselbereitschaft, gutes Arbeitsklima, angenehme Vorgesetze und ausgewogene Work Life Balance seien „Generation Y“ wichtiger als Macht und Einfluss (Scheytt/Weck); für „Selbstausbeutungspositionen“ seien nur noch schwer Nachwuchskräfte zu finden. Jüngere Führungskräfte  würden ihre Einrichtung deutlich selbstkritischer sehen, Veränderungen im Sinne höherer Diversität und gesellschaftlicher Relevanz anstreben und sich als Führungskraft eher in moderierender Funktion denn als direktiver Chef begreifen (Mandel).

    Die kulturellen Interessen jüngerer Generationen würden beeinflusst durch Megatrends wie Digitalisierung, Migration und Klimawandel: Ausstieg aus der Wachstumslogik, Nachhaltigkeit, Beteiligung der Prosumenten; Selber Machen, Selbstverwirklichung dominierten vor dem Interesse an klassischem künstlerisch-kulturellen Erbe (Glogner) und das Bedürfnis nach Resonanz und Selbstwirksamkeit in kreativen Räumen für Selbstbetätigung trete an die Stellte von Geniekult (Lätzel, Vogel).

    Digitalisierung zwinge Einrichtungen, ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit neu zu definieren und sei deswegen Katalysator für Veränderung (Holst). Migration forciere Diversität in der Mitarbeiterschaft, neue Kooperationsbeziehungen, neue Programme und eine erweiterte Perspektive auf klassisches kulturelles Erbe (Aksen).

    Statt Angebotsqualität stehe zunehmend die Aufenthalts-und Beziehungsqualität von Kultureinrichtungen als „dritte Orte“ im Vordergrund (Wolfram).

    Kultureinrichtungen müssten sich künftig an ihrer Relevanz für die Bevölkerung und ihrer Interaktionsfähigkeit messen lassen, weg von der Produkt- hin zur Dienstleistungsorientierung, und Plattform werden für diverse Communities. Strukturell müssten verlässliche Strukturen einerseits und Flexibilität /Agilität andererseits zusammen wirken (Heller). Mit rein rationalem Change Management seien Institutionen nicht zu verändern: „Culture eats strategy for breakfast“; auch die Unternehmenskultur müsste in prozessorientierten Double Loop Learning transformiert werden (Jagla).

    Kulturpolitik müsse in diesen Prozessen Planungssicherheit und verlässliche Unterstützung bieten (Heller).

    Dass Kulturförderung deutlich konzeptbasierter vorgehe als noch vor ca. 15 Jahren und ihre Einflussmöglichkeiten stärker nutze durch Berufungspolitik, Zielvereinbarungen, Evaluationen, spezifische Förderprogramme für strategische Veränderungen und Weiterbildungsangebote wird in den Tandems von jüngeren und älteren Akteuren aus Kulturpolitik und Kulturverwaltung beobachtet (u.a. Landmann, Rehders).

    Deutlich wurde, dass sich alte und junge Kulturakteure weniger in der Benennung inhaltlicher Herausforderungen unterscheiden als viel mehr in der Art und Weise wie sie diese bewältigen wollen. Wechselseitige Vorurteile zwischen den Generationen wurden ebenso bestätigt wie verworfen.

    Zum Ende der Tagung wurde die „Junge Kupoge“ gegründet als Arbeitsgemeinschaft der Kulturpolitischen Gesellschaft, die den unter 35 Jährigen eine eigene Plattform und Gestaltungsraum ermöglichen soll. Dabei machten auch die Initiatoren deutlich, dass es weniger andere Themen sind, die sie unterscheiden als viel mehr andere Ansprüche an Kommunikationsweisen und Formate des Diskurses.

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    news-16267 Fri, 22 Feb 2019 14:04:00 +0100 Internationales Promotionskolleg Kulturvermittlung in Marseille und Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/internationales-promotionskolleg-kulturvermittlung-in-marseille-und-hildesheim/ In Hildesheim und Marseille untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in gesellschaftlichen Umbrüchen, Konzepte für Kulturelle Bildung und die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Nun startet das internationale Promotionskolleg „Kulturvermittlung / Médiation Culturelle de l’Art“ in eine zweite Runde, eine Bewerbung ist bis Ende März 2019 möglich. Seit 18 Jahren arbeiten die Universitäten in Hildesheim und Marseille in den Kulturwissenschaften zusammen, zunächst im Studium, seit 2013 auch in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

    Nun wird das internationale Promotionskolleg „Kulturvermittlung / Médiation Culturelle de l’Art“ der Université Aix-Marseille und der Universität Hildesheim fortgesetzt.

    Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler  können sich mit einem zweisprachigen Exposé bewerben. Das Promotionsthema sollte Kulturvermittlung in Frankreich, in Deutschland, im deutsch-französischen Vergleich oder im Kontext des Mittelmeerraumes angesiedelt sein. Eine Bewerbung ist bis zum 31. März 2019 möglich. Die Sprachen des Promotionskollegs sind Deutsch und Französisch. Die Deutsch-Französische Hochschule fördert das Promotionskolleg.

    Promotionsprojekte können zum Beispiel die Rolle des Künstlers in gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozessen, Konzepte für Kulturelle Bildung und die Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen untersuchen.

    Mögliche Forschungsfragen sind zum Beispiel:

    • Wie lässt sich der Einfluss, den Künstler_innen und Kulturvermittler_nnen durch ihr künstlerisches Schaffen auf gesellschaftlichen Wandel haben, analysieren und beschreiben?

    • Inwiefern wirken Künstler als Change Agents der Gesellschaft? Inwiefern schaffen Kunst und Kultur einen Freiraum der Gestaltung von Zukunft?

    • Inwiefern kann der Erwerb einer kulturellen Bildung, auch verstanden als artistic literacy, breitere Teile einer Gesellschaft in den Diskurs des gesellschaftlichen Wandels einbeziehen?

    • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kultureller Bildung und Armutsminderung?

    • Inwiefern ermöglichen kulturpolitische Konzepte auf kommunaler Ebene pluralistische öffentliche Kulturräume und kulturelle Teilhabe?

    • Wie gelingt gesellschaftliche Integration durch kulturelle Partizipation?

    Die Doktorandinnen und Doktoranden erhalten ein Stipendium als Mobilitätsbeihilfe, um bis zu 18 Monate im Ausland zu forschen (600 Euro monatlich) und nehmen an Forschungsateliers und kulturpolitischen Debatten des UNESCO-Lehrstuhls teil. Im Rahmen eine Cotutelle-de-thèse bietet die Deutsch-Französische Hochschule in Saarland weitere finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten an.

    Wer Fragen zum Promotionskolleg hat, kann sich an das Team um Professor Wolfgang Schneider vom UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ (Kulturpolitik für die Künste innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse) am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim wenden. Detailfragen beantworten Dr. Daniel Gad (gad[at]uni-hildesheim.de) und Michèle Brand (brandmi[at]uni-hildesheim.de).

    Internationales Promotionskolleg
    Link zur Ausschreibung

    Studieren in der zweitgrößten Stadt Frankreichs: pendeln zwischen Hildesheim und Marseille

    Die Universität Hildesheim in Norddeutschland und die Université Aix-Marseille in Südfrankreich bieten bereits seit 2001 auch gemeinsam einen deutsch-französischen Doppelmasterstudiengang im Bereich Kulturvermittlung an. Absolventinnen und Absolventen sind in Konzerthäusern, Museen, Tonstudios, in der Politik und viele im deutsch-französischen Kulturaustausch tätig.

    Im Studium „Kulturvermittlung/ Médiation Culturelle de l'Art" verbringen die Studentinnen und Studenten je ein Jahr in Frankreich/Marseille und in Deutschland/Hildesheim und erwerben wissenschaftliche, künstlerisch-gestaltende und organisatorische Kenntnisse. Sie entwickeln neue Konzepte der Kulturvermittlung und realisieren ein eigenes Forschungsprojekt, befassen sich mit Kulturpolitik in Frankreich und Europa und setzen ein Kulturvermittlungsprojekt um.

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    news-16192 Mon, 18 Feb 2019 12:08:00 +0100 Hildesheimer Forschungserkenntnisse zu frühkindlicher Bildung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/hildesheimer-forschungserkenntnisse-zu-fruehkindlicher-bildung/ Die Wissenschaftlerinnen Professorin Meike Baader und Professorin Claudia Mähler diskutieren bei der Veranstaltung „Forschung made in Niedersachsen“ über frühkindliche Bildung. Das Wissenschaftsministerium möchte mit der Veranstaltungsreihe zeigen, wie Erkenntnisse der Forschung unseren Alltag beeinflussen und wie an niedersächsischen Hochschulen innovative und zukunftsweisende Lösungen für aktuelle Fragestellungen erarbeitet werden. Die Erwartungen der Gesellschaft an die frühkindliche Bildung und die vorschulischen Einrichtungen sind vielfältig: bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, frühzeitiges Fördern der Kompetenzentwicklung und der Chancengleichheit. Ebenso wird die Forschung zur frühkindlichen Bildung an niedersächsischen Hochschulen ausgebaut.

    Gleich zwei Hildesheimer Expertinnen stellen Forschungserkenntnisse zu frühkindlicher Bildung bei der Reihe „Forschung made in Niedersachsen“ vor. Die des Veranstaltungsreihe des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur zum Thema „Was brauchen unsere Kinder? Frühkindliche Bildung in der Forschung“ findet am Donnerstag, 21. Februar 2019, in der Universität in Osnabrück statt.

    Psychologin Claudia Mähler: Während einige Kinder für den Schulstart sehr gut gerüstet sind, zeigen andere Kinder noch Entwicklungsrückstände

    „Eine besondere Herausforderung für die frühkindliche Bildung stellt die große Heterogenität der kognitiven Kompetenzen und der für den gelungenen Schulstart wichtigen Vorläuferfertigkeiten der Kinder da. Während einige Kinder sehr gut gerüstet sind, zeigen andere Kinder noch Entwicklungsrückstände zum Beispiel in Bezug auf die sprachliche Entwicklung, auf die phonologische Bewusstheit oder auch auf mathematische Basisfertigkeiten. Eine frühe Förderung macht also Sinn, um die Chancengleichheit für alle Kinder zu erhöhen. Eine besondere Rolle spielen dabei alle Formen der alltagsintegrierten Förderung, die im Kita-Alltag und wenn möglich in spielerischer Weise zur frühkindlichen Bildung beitragen. Aber auch zusätzliche Interventionsprogramme für einzelne benachteiligte Kinder können von Bedeutung sein", sagt Professorin Claudia Mähler.

    Claudia Mähler forscht und lehrt als Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Hildesheim und hat die Forschungsambulanz „Kind im Mittelpunkt“ aufgebaut. Sie wird Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten „Differentielle Entwicklungsverläufe kognitiver Kompetenzen (KOKO)“, „Spielorientierte Förderung schulischer Vorläuferfertigkeiten im Kindergarten (ZIKZAK)“ und „Professionalisierung alltagsintegrierter sprachlicher Bildung bei ein- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern – Fühlen Denken Sprechen“ vorstellen, in denen sie sich mit Heterogenität und alltagsintegrierter Förderung befasst.

    In der Langzeitstudie „KoKo“ hat ein Forschungsteam um Claudia Mähler sieben Jahre lang erfasst, wie Kinder sich entwickeln – von der Kita über die Grundschulzeit bis in die weiterführende Schule. Die Untersuchung gibt Auskunft über Entwicklungsstadien, Entwicklungstempi und über individuelle Entwicklungsvorsprünge und Entwicklungsrückstände. Forschungsfragen sind unter anderem: In welchem Ausmaß bringen Kinder bei der Einschulung die nötigen Kompetenzen mit, um den Anforderungen der schulischen Bildungsmaßnahmen gewachsen zu sein? Wie entwickeln sich diese Kompetenzen im Vorschulalter? Inwieweit lässt sich die Schulfähigkeit voraussagen? Lassen sich Vorläuferfertigkeiten schulischer Kompetenzen beeinflussen?

    Die Studie zeigt, dass die „schulischen Vorläuferfertigkeiten“ eine wichtige Rolle spielen bei der Vorhersage von Schulleistungen. Dazu gehören zum Beispiel die phonologische Bewusstheit und numerische Kompetenzen wie Mengenverständnis oder Zählfertigkeiten: Kann ein Kind zum Beispiel hören, dass im Wort „Auto“ kein „i“ enthalten ist, erkennt es Laute und Reime, entwickelt es ein Verständnis für Mengen und Zahlen, etwa für „mehr“ oder „weniger“.

    Erziehungswissenschaftlerin Meike Baader spricht über den Wandel von Kindheit: Was brauchen Kinder? Was brauchen Familien?

    Die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Meike Baader wurde vom Ministerium  insbesondere darum gebeten, über den Wandel von Kindheit zu sprechen und wie sich dieser beschreiben lässt. Sie wird auch die Frage beantworten: Was brauchen Familien?

    „Kinder gehen heute immer früher in Einrichtungen der Kinderbetreuung, sie tun dies immer länger und immer mehr Kinder besuchen frühpädagogische Einrichtungen. Kinder gehen heute unter Umständen länger in die KiTa als in die Grundschule. Was dies für Kinder und ihre Familien heißt, ist Thema meines Beitrages, bei dem es auch um die Frage geht, ob die Beschreibung einer ‚Pädagogisierung der Kindheit‘, wie sie in der Fachliteratur vorgenommen wird, den Wandel angemessen erfasst. Ich bezweifle dies, denn die Veränderungen sind meines Erachtens weitreichender, wenn man auch die Eltern einbezieht, denn schließlich wachsen Kinder heute zunehmend in pluralisierten Familien auf, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind. Auch Alleinerziehende sind zumeist erwebstätig. Eltern betrachten KiTas aber nicht nur als Dienstleister, sondern leisten auch selbst  Beiträge zur öffentlichen frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung“, so Baader.

    In einem vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanzierten Forschungsprojekt befasst sich die Professorin aktuell zusammen mit der Wissenschaftlerin Katharina Riechers mit Elterninitiativen in Niedersachsen, die dort 10,5% aller KiTas stellen.

    „Eltern sind nicht nur die Adressaten von Appellen zur Verantwortungsübernahme für ihre Kinder, etwa im Rahmen von Erziehungspartnerschaften, sondern leisten selbst Beiträge zum öffentlichen KiTa-System und damit zur Wohlfahrtserbringung. Die Frage der Veranstaltung – was brauchen Kinder – werde ich in meinem Beitrag erweitern und fragen: Was brauchen Familien?“, so Professorin Meike Baader. Zu den Fachgebieten der Hildesheimer Wissenschaftlerin gehören unterem anderem die Kindheits- und Familienforschung, die Forschung zu Übergängen im Bildungssystem und die historische Bildungsforschung.

    Bei „Forschung made in Niedersachsen“ geben Expertinnen und Experten aus der Forschung Einblicke in dieses interdisziplinäre Forschungsfeld und diskutieren mit Bürgerinnen und Bürgern. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler wird die Veranstaltung eröffnen. Die Moderation übernimmt der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda.

    Forschung mad in Niedersachsen: Es diskutieren am 21. Februar 2019 an der Universität Osnabrück:

    • Professorin Dr. Meike Sophia Baader, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs und Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim 

    • Professor Dr. Jan Erhorn, Professor am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück und Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Institutes für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe)

    • Professorin Dr. Hedwig Gasteiger, Professorin für Didaktik der Mathematik an der Universität Osnabrück und Direktorin des Forschungszentrums CEDER (Center for Early Childhood Development and Education Research) 

    • Professorin Dr. Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie und Diagnostik am Institut für Psychologie an der Stiftung Universität Hildesheim

    Wissenschaftsministerium: Forschung made in Niedersachsen

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    news-16164 Wed, 13 Feb 2019 17:32:23 +0100 Studie: „Empfehlungen für eine neue Schlüsselrolle der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik der EU“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studie-empfehlungen-fuer-eine-neue-schluesselrolle-der-kommunen-in-der-fluechtlings-und-asylpolitik/ Die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union ist in einer tiefen Krise. Während Mitgliedsstaaten ergebnislos streiten und Schutzsuchende im Mittelmeer ertrinken oder auf Rettungsschiffen festsitzen, bieten immer mehr Städte und Gemeinden ihre Hilfe an. Sie vernetzten sich europaweit und wollen handeln statt zu reden. Liegt auf kommunaler Ebene die Lösung für eine faire Verteilung von Geflüchteten in der EU? Die Studie „Der Weg über die Kommunen“ der Universitäten Hildesheim und Erlangen-Nürnberg im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung hat dies untersucht und legt konkrete Empfehlungen vor, wie das Potenzial von Städten und Gemeinden in der EU-Flüchtlingspolitik besser genutzt werden kann.

    Das rund 40-seitige Papier analysiert die finanziellen und strukturellen Defizite der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik und entwickelt daraus umsetzbare Ideen. Kommunen sollen unter anderem einen verbesserten Zugang zu EU-Fonds und mehr Kompetenzen bei der Ausgestaltung von EU-Programmen erhalten. Kern der Vorschläge ist ein Mechanismus zur Umverteilung von Schutzsuchenden, bei dem sowohl die Geflüchteten selbst als auch die Kommunen ein Mitspracherecht haben. Beteiligte Kommunen stellen Informationen über die örtlichen Gegebenheiten und Unterstützungsangebote in ein Online-System, Schutzsuchende geben ihre individuellen Voraussetzungen an. Ein Matching-Verfahren, das besondere Schutzbedarfe berücksichtigt, bringt dann beide zusammen.

    Petra Bendel, Mitautorin der Studie, betont: „Die Zuwanderung in die Kommune läuft auf diese Weise nicht nur geregelter ab. Die Erfahrung lokaler Mitsprache kann das Vertrauen der Bevölkerung in die kommunale Politik, aber auch in die darüber liegenden Ebenen stärken. Eine Beteiligung der Schutzsuchenden an der Zielortwahl beugt zudem wirkungsvoll Sekundärmigration vor – also der Weiterwanderung Geflüchteter nach Anerkennung.“

    Hannes Schammann, ebenfalls Autor des Papiers und Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, ergänzt: „Die Empfehlungen können helfen, die EU migrationspolitisch neu zu denken. Es ist an der Zeit, Kommunen ernsthaft in die nationale und die EU-Asyl- und Flüchtlingspolitik einzubeziehen. Sie sind bereit dazu! Diese Chance darf die Europäische Union nicht verstreichen lassen.“

    Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, würdigt die Empfehlungen der Studie: „Mehr Mitsprache der Kommunen bei der Aufnahme von Schutzsuchenden kann das Vertrauen in die lokale Selbstbestimmung und in das politische System als Ganzes stärken, zu einer Versachlichung der Debatte beitragen und damit überall in Europa Bewegung in die Diskussion über Flucht und Asyl bringen.“

    Download des Policy Paper:

    Studie „Der Weg über die Kommunen.
    Empfehlungen für eine neue Schlüsselrolle der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik der EU“

    Die Empfehlungen im Überblick:

    A. Finanzielle Stärkung der Kommunen durch hürdenfreien Zugang zu EU-Fonds

    A.1 Bestehende EU-Fonds werden besser aufeinander abgestimmt. Kommunen können einen einzigen Antrag mit einem kohärenten Maßnahmenpaket stellen, das dann ggf. aus verschiedenen Fonds finanziert wird.

    A.2 Die Ko-Finanzierung von EU-Projekten wird vereinfacht. Kommunen können EU-Fonds mit anderen Zuschüssen, wie etwa der Europäischen Investitionsbank, kombinieren. Damit werden Städte und Gemeinden mit geringen Eigenmitteln besser angesprochen.

    A.3 Der Zugang zu Fördermitteln wird vereinfacht. Nationale One-Stop Shops begleiten Kommunen bei Antragstellung und Abwicklung. Ansprechpartner*innen sind klar benannt, Fristen werden transparent kommuniziert. Damit können auch kleinere Gemeinden ohne spezifische EU-Expertise besser von den EU-Mitteln profitieren.

    A4 Kommunen können sich ohne Umweg über die Nationalstaaten direkt auf flexible Soforthilfe der EU bewerben, insbesondere auf die Notfallunterstützung des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds. Bedarfe werden so endlich schnell und unkompliziert gedeckt.

    B. Stärkung der Mitspracherechte der Kommunen

    B.1 Zur Stärkung kommunaler Mitspracherechte und besseren Abstimmung zwischen den Ebenen wird das vorhandene Partnerschaftsprinzip gestärkt. Dieses bietet Kommunen und anderen „Partner*innen“ jetzt schon Mitsprachemöglichkeiten bei EU-Fonds. Bislang aber werden diese nicht oder nicht vollständig umgesetzt. Die Entwicklung neuer Standards soll dies verbessern.

    B.2 Die Europäische Kommission kümmert sich mittels einer Schlichtungsstelle um Streitfälle zwischen Kommunen und nationalen Behörden bzgl. der nationalen Ausgestaltung migrationspolitischer Förderprogramme.

    C. Einführung eines kommunalen Relocation Mechanismus

    C.1 Ein neuer, kommunaler Relocation Mechanismus nimmt die Bedürfnisse von Kommunen und Schutzsuchenden ernst. Dazu wird ein Matching-Verfahren vorgeschlagen, das menschenrechtliche Standards garantiert und individuelle Präferenzen einbezieht. Auf diese Weise werden lokale Integrationsprozesse befördert und Sekundärmigration reduziert

    Bei Fragen ist unter anderem Prof. Dr. Hannes Schammann, Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, erreichbar unter hannes.schammann@uni-hildesheim.de.

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    news-16160 Wed, 13 Feb 2019 14:21:48 +0100 Wie kann ein gutes Klassenklima entstehen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-kann-ein-gutes-klassenklima-entstehen/ Seit über 20 Jahren bietet die Universität Hildesheim in Kooperation mit der Landesschulbehörde Fortbildungen für Klassenlehrkräfte aller Schulformen an. „Die wissenschaftliche Evaluation zeigt, dass das Klassenklima durch unsere Fortbildung nachhaltig verbessert und die Lehrerzufriedenheit erhöht werden konnte“, sagt Professorin Claudia Mähler. Ihr Team setzt die Arbeit fort: Derzeit nehmen rund 80 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen an der eineinhalbjährigen Fortbildung teil. Schulpsychologische Fachdezernentinnen und Fachdezernenten der Landesschulbehörde bilden unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Psychologie der Universität Hildesheim Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer aller Schulformen fort. Seit mehr als 20 Jahren wird die KIK-Fortbildung zu Klassenführung und Klassenklima unter dem Motto „Kompetent soziales Miteinander gestalten“ im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums in Kooperation mit der niedersächsischen Landesschulbehörde als schulpsychologische Fortbildung angeboten. KIK steht für „Kommunikation – Interaktion – Kooperation“.

    Fortbildung im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums ist eine Mischung aus Theorie, praktischer Erprobung und Hospitation

    Wie kann ein gutes Klassenklima entstehen? „Jährlich beginnen rund 40 Lehrkräfte eine eineinhalbjährige Fortbildung zur Kompetenzerweiterung hinsichtlich psychologischer Klassenführung“, berichtet Professorin Claudia Mähler.

    Themen sind hierbei unter anderem die Entwicklung von Gruppen, die Evaluation des Klassenklimas und der Umgang mit Konflikten. Schule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche lernen können, wie sie mit anderen umgehen und wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können.

    Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer befassen sich während der Fortbildung etwa mit der Entwicklung von Gruppen und dem Umgang mit Konflikten

    In einer Mischung aus Theorie, praktischer Erprobung und gegenseitiger Hospitation tauschen sich die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer in Gruppen von etwa 12 Personen unter der Leitung von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen an 21 Fortbildungstagen und drei Halbwochenkursen aus und erweitern ihre Kompetenzen im Bereich der Klassenführung. „Die stetige wissenschaftliche Evaluation der Fortbildung konnte zeigen, dass das Klassenklima durch unsere Fortbildung nachhaltig verbessert und die Lehrerzufriedenheit erhöht werden konnte“, sagt Mähler.

    Jährlich richtet das Institut für Psychologie der Universität Hildesheim auch einen „KIK-Kongress“ aus, an dem Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen teilnehmen. In diesem Jahr (8. Februar 2019) nahmen an der Konferenz rund 140 Lehrkräfte, die an der schulpsychologischen Fortbildung für Klassenlehrkräfte bereits seit einem Jahr teilnehmen, diese gerade begonnen oder schon vor längerem abgeschlossen haben, teil. In seinem Grußwort hob David Haschke, der als Referent für Schulpsychologie und Gender im Niedersächsischen Kultusministerium arbeitet, die Bedeutung einer gelungenen Klassenführung in Zeiten zunehmender Diversität hervor.

    Professorin Mähler: „Klassenlehrkräfte können dazu beitragen, Ausgrenzung zu vermeiden “

    „Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Lernstörungen stehen vor Schwierigkeiten und Herausforderungen“, sagt Professorin Claudia Mähler, wissenschaftliche Leiterin der Fortbildung. „Da Kinder und Jugendliche mit dieser Symptomatik häufig unter einem niedrigen Selbstkonzept eigener Fähigkeiten leiden und in erhöhtem Maße Gewalterfahrungen durch die eigene Peer-Group ausgesetzt sind, stellen diese Schülerinnen und Schülern eine Gruppe dar, der besondere Beachtung bei der Bildung der Klassengemeinschaft geschenkt werden sollte. Klassenlehrkräfte könnten einer Ausgrenzung vermeiden, indem sie positives Feedback einsetzen und die ein kooperatives Lernklima schaffen, in dem alle voneinander lernen und am Unterricht teilhaben können.“ Auch die Aufklärung über die Problematik von Kindern mit Lernschwierigkeiten in Form von Psychoedukation spiele hierbei eine entscheidende Rolle, so Mähler.

    Lehrkräfte, die bereits seit einem Jahr an der Fortbildung teilnehmen, haben im Vorfeld der Konferenz Themen zur Verbesserung des Klassenklimas erarbeitet und in ihren jeweiligen Klassen erprobt. Für die Neuankömmlinge bot sich die Gelegenheit, die Themen, die sie in den nächsten eineinhalb Jahren in der KIK-Fortbildung begleiten werden, kennenzulernen und einen Eindruck von der praktischen Umsetzung der Inhalte zu bekommen. Auch rund 20 Lehrkräfte, die die pädagogisch-psychologische Fortbildung bereits abgeschlossen haben, konnten sich in den insgesamt 23 Workshops über ihre Arbeit als Klassenlehrkraft austauschen und erhielten eine thematische Vertiefung, so Claudia Mähler.

    Wer Fragen zu der Forschung und Fortbildung hat, erreicht Prof. Dr. Claudia Mähler vom Institut für Psychologie der Universität Hildesheim unter maehler@uni-hildesheim.de.

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    news-16095 Mon, 04 Feb 2019 12:29:50 +0100 Zehn Jahre Litradio: Querverbindungen zwischen digitalen und analogen Formen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/zehn-jahre-litradio-querverbindungen-zwischen-digitalen-und-analogen-formen/ Seit zehn Jahren verbindet der Literaturwissenschaftler Guido Graf gemeinsam mit einer studentischen Redaktion Radio und Literatur. Das Online-Portal Litradio sendet nicht linear, der Nutzer kann sich sein eigenes „Radio“ zusammenstellen. Ab dem 5. Februar gibt es jede Woche zwei neue Folgen aus mehreren Podcast-Reihen, außerdem arbeitet die Redaktion an einem Hörspiel. Guido Graf baut seit zehn Jahren mit Studierenden das Online-Portal „Litradio“ aus. Im Gespräch äußert sich der Literaturwissenschaftler über Chancen der Literaturvermittlung im digitalen Raum und Zugänge zu Literatur.

    Interview mit Kulturjournalist Dr. Guido Graf

    Seit zehn Jahren verbinden Sie gemeinsam mit einer studentischen Redaktion Radio und Literatur. Entstanden ist das Portal Litradio. Sie senden nicht linear, der Nutzer kann sich sein eigenes „Radio" zusammenstellen. Was fasziniert Sie an diesem Literaturprojekt, worin liegt Ihre Motivation, weiterzumachen?

    Als wir 2009 zuerst online gegangen sind, war vom Medium Radio angesichts des digitalen Wandels nicht viel zu erwarten. Daraus wuchs die Motivation, etwas anderes auszuprobieren: in ganz kleinem Rahmen, auf einem begrenzten, dem kulturellen, dem literarischen Feld. Hanns-Josef Ortheil hat Litradio mal ein kulturjournalistisches Labor genannt. Das und noch viel mehr gilt nach wie vor. Mittlerweile hat sich viel getan, Podcasts etwa sind inzwischen ein großes Thema, also etwas, das wir von Anfang an schon anbieten. Die Dynamik der medialen Entwicklung ist nach wie vor groß und entsprechend sind permanent mehr als genug Herausforderungen gegeben, mit denen Litradio sich auseinandersetzen kann und wird. Nicht zuletzt sind es unsere Studierenden, die für Motivation sorgen. Wenn 2020 das nächste Mal das Literaturfestival Prosanova stattfindet, wird Litradio daran auch wieder Anteil nehmen, kann dafür auf reichlich Erfahrungen zurückgreifen, aber muss und wird sich mit den neuen Studierenden, die dann dabei sind, auch wieder neu erfinden müssen.

    Wie hat sich die Arbeit bei Litradio in den letzten zehn Jahren verändert?

    Litradio ist professioneller geworden, organisierter. Wir haben mehr Mittel zur Verfügung, um  – zwar in kleinem Maßstab, aber immerhin – zu produzieren und einen guten Auftritt im Web zu haben. Vor allem aber: wir haben sehr viel mehr Hörer dazu gewonnen.

    Welchen Platz hat Literatur im digitalen Raum? Welche Chancen sehen Sie?

    Sie hat einen Platz und das ist einer neben anderen. Wenn wir lernen, die Kreuz- und Querverbindungen zwischen digitalen und analogen Formen und Praktiken besser zu erkennen und zu nutzen, werden wir in der Rezeption und Vermittlung von Literatur mehr Raum erobern, neue Zugänge zu Literatur schaffen, wo sie zuvor mit Hürden versehen waren  – etwa für Menschen mit Beeinträchtigungen –, und wir werden auch in der Produktion von Literatur mehr Neues sehen, ohne dass dadurch anderes verschwindet oder verdrängt wird.

    Machen Sie sich Sorgen?

    Nein, ganz und gar nicht. Ich könnte mir natürlich noch eine ganz anders geartete Finanzierung von Litradio vorstellen, die zum Beispiel auch Reisen erlaubt, ein vollausgestattetes Studio, bessere Serverkapazitäten. Aber die Relation von Budget und dem, was wir daraus machen, kann sich sehr sehen lassen.

    Und wie geht es weiter? Was haben Sie und die Studentinnen und Studenten vor?

    Wir starten jetzt nach mehrmonatiger Vorbereitung eine ganze Reihe von neuen Podcasts zu vielen verschiedenen Themen. Ab dem 5. Februar 2019 gibt es jede Woche zwei neue Folgen aus mehreren Podcast-Reihen. Die Litradio-Redaktion arbeitet derzeit auch einem Hörspiel und plant überdies eine kleine Tournee.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Zur Person

    Seit 2008 forscht und lehrt Dr. Guido Graf als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim, seit 2018 ist er Senior Researcher auf dem Kulturcampus.

    Er hat Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft in Braunschweig studiert und seine Dissertation über den Briefwechsel zwischen den Schriftstellern Arno Schmidt und Hans Wollschläger (Lehrer-/Schülerverhältnis) geschrieben. Bevor er nach Hildesheim kam, arbeitete er als freier Journalist für Zeitungen und den Rundfunk.

    Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Literaturvermittlung, Sound-Poetik, Social Reading, Radio, Medientheorie, Gegenwartslyrik und Übersetzung. Guido Graf baut seit zehn Jahren mit Studierenden das Online-Portal „Litradio.net“ aus. Für seine hervorragenden Leistungen in der Lehre wurde Guido Graf mit dem Lehr-Preis der Universität Hildesheim ausgezeichnet.

    In einem Forschungsverbund im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften untersucht Graf derzeit, wie sich das Lesen im digitalen Raum verändert. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt „Rez@Kultur“ über drei Jahre. Acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Computerlinguistik, Kulturjournalismus, Wirtschaftsinformatik und Kulturpolitik analysieren Lesevorgänge und Online-Gespräche über Werke der Kunst und Literatur.

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    news-16089 Fri, 01 Feb 2019 10:54:30 +0100 Professor Wolfgang Schröer ist Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professor-wolfgang-schroeer-ist-vorsitzender-des-bundesjugendkuratoriums/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim haben sich auf die Kinder- und Jugendpolitik und Kinder- und Jugendhilfe spezialisiert. Professor Wolfgang Schröer wurde nun zum Mitglied des Bundesjugendkuratoriums berufen. Der Hildesheimer Sozialpädagoge übernimmt zugleich den Vorsitz des Gremiums. Der Hildesheimer Sozialpädagoge Professor Wolfgang Schröer wurde zum Vorsitzenden des Bundesjugendkuratoriums berufen. Das Bundesjugendkuratorium berät die Bundesregierung in zentralen Fragen der Kinder- und Jugendpolitik, das Gremium ist eine unverzichtbare Stimme aus Wissenschaft und Praxis für die Belange von Kindern und Jugendlichen. Bundesjugendministerin Franziska Giffey hat die 15 Mitglieder des Sachverständigengremiums für die 19. Legislaturperiode in dieser Woche berufen.

    Über Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft diskutieren

    Kindheit und Jugend ermöglichen! ist ein zentraler Anspruch der Kinder- und Jugendpolitik. An diesem Anspruch ist auch jede Bildungs-, Sozial- und Familienpolitik zu messen“, sagt Professor Wolfgang Schröer.

    Mit seiner Arbeit als Wissenschaftler möchte Wolfgang Schröer dazu beitragen, dass grundlegend über die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft diskutiert wird und Kinder- und Jugendpolitik auch für Kinder und Jugendliche erfahrbar wird. So unterstützt das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim auch die Veranstaltung „#letstalkabout“ am 22. Februar 2019 von 17:00 bis 20:00 Uhr im Rathaus Hildesheim, die von jungen Menschen in Hildesheim vorbereitet wird, damit Jugendliche mit Politikerinnen und Politiker ins Gespräch kommen.

    Seit 2004 forscht und lehrt Wolfgang Schröer als Professor für Sozialpädagogik am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik in Hildesheim, in dieser Zeit hat er beispielsweise mit seinen Kolleginnen und Kollegen auf die Situation von „Care Leavern“ aufmerksam gemacht, Fortbildungsmodule zur Entwicklung von Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt in pädagogischen Organisationen mitgestaltet und regional einige Praxisforschungsprojekte zur Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt.

    Politik ist angewiesen auf die Kompetenz der Sachverständigen, um das Kinder- und Jugendhilferecht weiter zu entwickeln

    Die Ministerin hebt hervor: Die Politik sei angewiesen auf die „Kompetenz der Sachverständigen, um den Kinder- und Jugendmedienschutz auf die Höhe der Zeit zu bringen und das Kinder- und Jugendhilferecht weiter zu entwickeln. Auch beim Thema Kinderrechte ins Grundgesetz ist das Bundesjugendkuratorium gefragt- damit Deutschland spürbar kinderfreundlicher wird und letztlich auch die Rechte von Familien gestärkt werden.“

    Bei Fragen zur Forschung von Prof. Dr. Wolfgang Schröer erreichen Sie den Wissenschaftler unter schroeer[at]uni-hildesheim.de.

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    news-16075 Wed, 30 Jan 2019 12:28:00 +0100 Rechtspsychologie: Kriminalpsychologe Professor Klaus-Peter Dahle https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/rechtspsycho-3/ Der Hildesheimer Professor für Rechtspsychologie Klaus-Peter Dahle forscht und lehrt am Institut für Psychologie. Seit 2017 bildet die Universität Hildesheim Studentinnen und Studenten im Bereich Rechtspsychologie aus. Seit 2017 bildet das Institut für Psychologie der Universität Hildesheim Studentinnen und Studenten im Bereich Rechtspsychologie aus. Erstmals in der Bundesrepublik wurde an einer staatlichen Universität eine Professur für Rechtspsychologie eingerichtet. Professor Klaus-Peter Dahle arbeitet seit 20 Jahren im Bereich der Kriminalpsychologie und wechselte von der Charité Universitätsmedizin in Berlin nach Hildesheim.

    Professor Dahles Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Kriminalpsychologie als ein Teilgebiet der Rechtspsychologie, das sich mit Rechtsbrechern und Straftätern beschäftigt. Klaus-Peter Dahle befasst sich in seiner Forschung mit Fragen der Wirksamkeit therapeutischer Interventionen im Justizvollzug und entwickelt Methoden zur Verbesserung von Kriminalprognosen. Er forscht in den Bereichen kriminelle Entwicklung, Sexual- und Gewaltdelinquenz, Straftäterbehandlung, Methoden der Kriminalprognose und Jugendkriminalität.

    Die Rechtspsychologie beschäftigt sich mit der Anwendung psychologischer Theorien und Erkenntnisse auf Probleme des Rechtswesens. Dabei greift sie auf Wissensbestände aus verschiedenen Bereichen der Psychologie zurück, aber auch auf die Nachbardisziplinen Kriminologie und Kriminalistik. Die Schwerpunkte des Lehrstuhls liegen im Bereich der Kriminalpsychologie, also der Psychologie von Straftäter und Straftaten. Die Forschung umfasst insbesondere die Evaluation von Straftäterbehandlung und Rückfallprävention, die Methoden der Rückfallprognose sowie die Verläufe und Bedingungen krimineller Fehlentwicklungen im Lebenslauf.

    Professor Dahle teilt wissenschaftliche Erkenntnisse und richtete in Hildesheim zum Beispiel die öffentliche Tagung „Neue Herausforderungen an Prognosegutachten im Strafrecht“ aus.

    Antrittsvorlesung

    Der Hildesheimer Professor für Rechtspsychologie Klaus-Peter Dahle spricht in seiner Antrittsvorlesung über „Evidenz, Prognostik und Nebenwirkungen: Die Vollzugsanstalt als Entwicklungsraum“. Die Vorlesung beginnt am Mittwoch, 30. Januar 2019 um 18:15 Uhr in Hörsaal 4 und ist öffentlich.

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    news-15964 Mon, 14 Jan 2019 08:21:00 +0100 Professor für Empirische Unterrichtsforschung: Christof Wecker https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professor-fuer-empirische-unterrichtsforschung-christof-wecker/ Professor Christof Wecker untersucht, wie Lehrerinnen und Lehrer guten Unterricht gestalten können. Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich sieht in der Berufung von Professor Wecker einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Lehrerbildung: „Wir haben einen exzellenten Wissenschaftler aus Bayern gewinnen können.“ Christof Wecker hat den Ruf aufgrund des hohen Stellenwerts der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim angenommen. „Beispielsweise sind die praktischen Studienanteile stark ausgeprägt und mit den forschungsbasierten Lehrveranstaltungen verzahnt.“ Prof. Dr. Christof Wecker forscht und lehrt am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Er wurde zum Sommersemester 2018 auf die Professur für Empirische Unterrichtsforschung berufen.

    Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unterrichtsmethodische Handlungsformen, fächerübergreifende Kompetenzen und evidenzbasierte Praxis im Bildungsbereich. In seine Arbeit bezieht er den digitalen Wandel mit ein. Beispielsweise befasst er sich mit der Frage, wie digitale Medien im Unterricht lernförderlich eingesetzt werden können.

    Christof Wecker bildet Lehrerinnen und Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen aus. In seinen Vorlesungen und Seminaren lehrt er Unterrichtsmethodik und pädagogische Diagnostik und thematisiert die Arbeitsweisen und Ergebnisse der Lehr-Lern-Forschung und der Unterrichtsforschung. „An meine eigene Lehre stelle ich den Anspruch, dass sie höchst anwendungsrelevant und zugleich forschungsbasiert sein sollte. Ich möchte, dass zukünftige Lehrkräfte daraus Wissen ziehen können, wie sie Unterricht lernwirksam gestalten können, und dass dieses Wissen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Auch eigene Forschungsergebnisse fließen direkt in Lehrveranstaltungen ein“, so Wecker.

    Um das Unterrichtsgeschehen zu erforschen, führt der Wissenschaftler Experimente im Unterrichtslabor und in Schulen durch, in denen Unterrichtsmethoden hinsichtlich ihrer Wirkungen auf Lernergebnisse verglichen werden. „Beispielsweise untersuche ich, ob Schülerinnen und Schüler Lerninhalte besser verstehen, wenn sie sich diese angeleitet durch geschickte Fragen ihrer Lehrkraft selbst erschließen“, so Wecker. „Um belastbare Antworten auf derartige Fragen zu erhalten, ist Forschung im Unterricht unabdingbar.“ Die traditionell enge Zusammenarbeit der Universität Hildesheim mit Schulen in Hildesheim und der Region im Bereich der Lehrerbildung will er daher auch im Bereich der Forschung vertiefen.

    Christof Wecker hat den Ruf nach Hildesheim aufgrund des hohen Stellenwerts der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim angenommen. „Beispielsweise sind die praktischen Studienanteile stark ausgeprägt und curricular gut in das Studium integriert, das heißt stark mit den wissenschaftlich orientierten und forschungsbasierten Lehrveranstaltungen verzahnt.“ Die breit vertretenen Fachdidaktiken bieten ihm für seine Forschung ein anregendes Umfeld und vielfältige Kooperationsmöglichkeiten.

    Präsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich sieht in der Berufung von Professor Wecker einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Lehrerbildung: „Wir haben einen exzellenten Wissenschaftler aus Bayern gewinnen können, der mit der empirischen Unterrichtsforschung einen zentralen Bestandteil des Lehramtsstudiums abdeckt.“

    Christof Wecker ist 41 Jahre alt, geboren in Fürstenfeldbruck, und hat Erziehungswissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in München, Tübingen und Oxford studiert. Es folgten Promotion und Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der venia legendi für Pädagogik und Pädagogische Psychologie. Vor seinem Wechsel nach Hildesheim hatte er den Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Passau inne. Seit 1. April 2018 ist er Professor für Empirische Unterrichtsforschung an der Universität Hildesheim.

    Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Unterrichtsforschung hat, erreicht Prof. Dr. Christof Wecker unter empirische-unterrichtsforschung@uni-hildesheim.de.

    Lesetipp:

    Interview: Was passiert im Unterricht?
    Der Unterrichtsforscher Christof Wecker erklärt,
    welche Rolle Zeit, Störungen, Medien, das Üben
    und Sitznachbarn im Unterrichtsverlauf spielen.
    Universitätsjournal DIE RELATION, Ausgabe #4, S. 32

    Antrittsvorlesung

    In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung stellt sich der Unterrichtsforscher am Mittwoch, 16. Januar 2019, den Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in seine Forschung. Die Veranstaltung mit dem Titel „Wozu taugt eine fachunabhängige Unterrichtsforschung?“ beginnt am Mittwoch, 16. Januar 2019, um 18:00 Uhr im Forum am Hauptcampus der Universität Hildesheim.

    In seinem Vortrag erläutert Wecker exemplarische Grundformen unterrichtsmethodischen Handelns, deren Beitrag zum Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern und das Zusammenspiel zwischen Fachdidaktiken und empirischer Unterrichtsforschung bei ihrer Erforschung.

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    news-15976 Fri, 11 Jan 2019 13:31:00 +0100 Universität als Ort für zukunftsorientierte Debatten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-als-ort-fuer-zukunftsorientierte-debatten/ Entscheidung für Hildesheim: Das Wissenschaftsministerium fördert die Projekte „Informationskompetenz und Demokratie“ sowie „Die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim zeigen, welche Relevanz und Aktualität ihre Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften hat. Im Programm „Zukunftsdiskurse“ fördert das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur zwei Projekte der Universität Hildesheim. Die Hildesheimer Forschung zeigt, wie relevant und aktuell die Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist. Für jedes Projekt stehen maximal 100.000 Euro bei einer Laufzeit von maximal 15 Monaten zur Verfügung. Die Förderung stammt aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung.

    „Demokratie und Wissenschaft sind ohneeinander nicht zu denken. Mit dem Förderprogramm ‚Zukunftsdiskurse‘ wollen wir den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stärken und verdeutlichen, dass unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen zentrale Orte für zukunftsorientierte Debatten sind“, so der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler.

    Das sind die geförderten Projekte in Hildesheim:

    „Informationskompetenz und Demokratie: Bürger, Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung“

    Das Projekt haben Prof. Dr. Joachim Griesbaum und Prof. Dr. Thomas Mandl vom Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie sowie Prof. Dr. Elke Montanari vom Institut für deutsche Sprache und Literatur entwickelt.

    Demokratie lebt vom Diskurs und der Bereitschaft, die Perspektiven Anderer wahrzunehmen und als mögliche Standpunkte anzuerkennen. Voraussetzung für einen sachlich-zielführenden Diskurs ist eine fundierte Wissensbasis. Hierfür ist gelebte Informationskompetenz unverzichtbar, sagt das Forschungsteam.

    „Informationen zu suchen, zu finden und zu verarbeiten fällt heute sehr leicht, aber ein müheloser Informationszugriff ist nicht gleichzusetzen mit einem selbstbestimmten und fundierten Umgang mit Wissen“, so Joachim Griesbaum. Die Problematik sei nicht nur „abstrakter Natur“, sondern betrifft „unmittelbar die Lebenswelt jedes Netznutzers“.

    Algorithmengesteuerte Informationsbeschaffung und Informationsbbereitstellung ist für Nutzerinnen und Nutzer heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz weisen auf erhebliche Defizite hin.

    Das Projekt „Informationskompetenz und Demokratie“ will das Problem für Niedersachsen stärker bewusst machen, es in der Öffentlichkeit diskutieren und dabei Lösungsansätze suchen.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen in dem Projekt unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, um ein möglichst umfassendes Bild zum Themenbereich, den wahrgenommenen Problemfeldern und Lösungsperspektiven, insbesondere für den Bildungsbereich, zu erschließen. Dabei soll auch die internationale Perspektive einbezogen werden.

    Das Projekt besteht aus drei Teilen: Nach einer Tagung in Niedersachsen wird der Diskurs auf einem Blog weitergeführt und ein Aufruf für Beiträge zu einer Abschlusstagung im gleichen Bundesland verbreitet. Auf dieser Plattform wird die Diskussion durch Beiträge von Experten, Studierenden und sonstigen Interessierten weitergeführt. Abschließend werden die Projektergebnisse vorgestellt und diskutiert.

    „Die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft – gestern, heute und morgen“

    Das Projekt entstand auf Initiative des Juniorprofessors für Theologische Ethik, Prof. Dr. Alexander Merkl, des Instituts für Katholische Theologie in Kooperation mit dem Direktor des Instituts für Geschichte, Prof. Dr. Michael Gehler.

    „Wir werden einen Zukunftsdiskurs über die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft führen“, sagt Professor Alexander Merkl. Aktuelle Anlässe dafür bieten die Bewerbung der Stadt Hildesheim als europäische Kulturhauptstadt 2025 und die bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament vom 23. bis 26. Mai 2019. Das Interesse an der Thematik insbesondere im Vorfeld zu den Wahlen sowie der gesellschaftliche Diskussionsbedarf seien hoch, so Merkl. „Der Wissenstransfer aus der Universität in die Bürgergesellschaft ist unser zentrales Anliegen.“

    Das Projekt startet mit einer Podiumsdiskussion am 5. April 2019 und einem zweitägigen Bürgerforum am 26. und 27. April 2019 an der Volkshochschule in Hildesheim. Abschließend  findet am 27. Juni 2019 an der Universität Hildesheim eine Veranstaltung für Bürger, Studierende und Schülerinnen und Schüler statt, in der die historischen Fundamente europäischer Verantwortung sowie gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen der Europäischen Union in Bereichen wie Sicherheit, Frieden, Erweiterung und Zuwanderung besprochen werden.

    Der Theologe Alexander Merkl und der Historiker Michael Gehler führen historische und ethische Fragestellungen zusammen.

    „Eine fundierte wissenschaftliche Aufbereitung, gelingender Wissenstransfer in die Bürgergesellschaft und die Gelegenheit zur aktiven, dialogischen Diskursteilnahme bilden die Säulen dieses Vorhabens“, so Merkl.

    Das Projekt beinhaltet eine Mitarbeiterstelle für fünfzehn Monate und schließt an jüngere Projekte und Forschungsvorhaben der Antragsteller an. Professor Alexander Merkl publizierte jüngst den Sammelband „Die EU als ethisches Projekt im Spiegel ihrer Außen- und Sicherheitspolitik". Professor Michael Gehler führt seit Jahren die öffentlichen Europagespräche in Hildesheim durch, die ebenfalls mit dem bewilligten Projekt verzahnt werden.

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    news-15962 Wed, 09 Jan 2019 16:45:32 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung, Service und Nachhaltigkeit https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-service-und-nachhaltigkeit/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, den Biologen Dr. Stefan Flohr und das Team des Sachgebiets „Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel“ des Dezernats für Finanzen für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und Service aus. Zudem verleiht das Green Office den Nachhaltigkeitspreis an die Umweltstudentin Jenny Dreblow und den IMIT-Absolventen Sebastian Pape.

    Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich gab im Rahmen des Neujahrsempfangs aktuelle Zahlen bekannt: 91 Professorinnen und Professoren, 447 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 265 Personen in Technik und Verwaltung sind derzeit an der Stiftungsuniversität Hildesheim tätig. 8333 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim.

    Professorinnen und Professoren, die 2018 ihr Amt in Hildesheim antraten, bearbeiten zum Beispiel die Bereiche Transmediale Übersetzung, Kirchengeschichte, Mathematikdidaktik, Empirische Unterrichtsforschung, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, Migrationspolitik, Biowissenschaften des Sports, Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung, Musiksoziologie und Popular Music Studies, Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie, Gender und Bildungskulturen, Vegetationsökologie und Naturschutz sowie Bildungssoziologie.

    Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

    Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

    • Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer
    • Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr
    • Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen
    • Nachhaltigkeitspreis für Umweltstudentin Jenny Dreblow und Informatikstudent Sebastian Pape

    Im Folgenden stellen wir die Preisträgerinnen und Preisträger ausführlich vor.

    Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer

    Auf Vorschlag der Dekane und des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung zeichnet die Universität Hildesheim Prof. Dr. Marianne Kneuer für ihre hervorragende Forschung aus.

    Seit 2011 forscht und lehrt die Wissenschaftlerin am Institut für Sozialwissenschaften. Die Forschungsschwerpunkte von Marianne Kneuer liegen im Bereich der vergleichenden Politikforschung, der Demokratieforschung und der Forschungen zur Rolle digitaler Medien für die Politik.

    Die Politikwissenschaftlerin hat an der Universität Hildesheim seit 2012 den bundesweit viel beachteten Forschungsbereich „Internet und Politik“ aufgebaut. Sie untersucht zusammen mit ihrem Team die Auswirkungen der Digitalisierung auf politische Strukturen, Prozesse und Akteure sowie staatliches Handeln in Demokratien und Autokratien. Sie erforscht Themen wie Politik im Netz, e-governement und e-participation intensiv und publiziert international. Seit 2018 ist sie eine Gründungsdirektorin des neu gegründeten „Zentrums für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ an der Universität Hildesheim.

    „Welche Bedeutung der Digitalisierung für gesellschaftliche Transformationsprozesse und die Politik zukommt, hat Marianne Kneuer früh wissenschaftlich in den Blick genommen, lange bevor die Digitalisierung in aller Munde war. Ebenfalls früh hat sie sich der Erforschung von Autokratien und totalitären Systemen zugewandt und danach gefragt, welche Rolle digitale Medien sowohl für Demokratisierungsprozesse in autokratischen Systemen als auch für die Kontrolle der Bürger durch den Staat einnehmen“, so Vizepräsidentin Prof. Dr. Meike Baader in ihrer Laudatio. „Sie forscht international, ist teamorientiert und äußerst kollegial. Sie arbeitet zu gesellschaftlich höchst relevanten Themen, die uns alle angehen und für unser Zusammenleben von Bedeutung sind“, unterstreicht Meike Baader. Zudem kommuniziere die Wissesnchaftlerin ihre Forschungsergebnisse in die Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit.

    Vor ihrer Tätigkeit in Hildesheim war Marianne Kneuer Lehrstuhlvertreterin an den Universitäten Darmstadt, Hagen und Erfurt. 2005 hat sie an der Universität Eichstätt habilitiert mit einer Arbeit zur „Europäischen Union als externer Akteur bei Demokratisierungsprozessen“, nachdem sie Forschungsstipendiatin der DFG war. Promoviert wurde sie 1991 an der Universität Bonn. Marianne Kneuer war Referentin im Planungsstab des Bundespräsidenten Roman Herzog von 1994 bis 1999 in Bonn. Seit 2018 ist sie Präsidentin der International Political Science Association (IPSA), der sie seit 2016 als erste Vizepräsidentin vorsaß.

    Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr

    Auf Vorschlag einer Jury unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten für Lehre und Studium wird der Preis für hervorragende Lehre an den Biologen Dr. Stefan Flohr vom Institut für Biologie und Chemie vergeben.

    Für den Preis für hervorragende Lehre wurden insgesamt 78 Vorschläge eingereicht, Studentinnen und Studenten nominierten insgesamt 51 Lehrende für den Preis. „Studierende reichen die Vorschläge für den Lehrpreis ein“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander.

    Seit 2007 forscht und lehrt Dr. Stefan Flohr an der Universität Hildesheim und gibt sein Wissen in der Anthropologie, Anatomie, Humanbiologie und Paläoanthropologie sowie Bioarchäologie an Studentinnen und Studenten weiter. Er war mehrere Jahr als Landesanthropologe in Thüringen tätig.

    Der wissenschaftliche Mitarbeiter wird für seine hervorragende Lehre in den Seminaren „Bioarchäologie und Paläoökologie II“ und „Funktionelle Anatomie des Bewegungsapparates“ ausgezeichnet. In seiner Lehre fördert er forschendes und problemorientiertes Lernen und wendet innovative Prüfungsmethoden an.

    Die Lehre sei „immer anspruchsvoll, interessant und geprägt von einer angenehm lockeren Atmosphäre“, so die Lehramtsstudentin Xenia Dalke in ihrer Laudatio. „Die Lehrveranstaltung Bioarchäologie war unterteilt in fachlichen Input und ein eigenes Projekt. Es ist einfach viel interessanter, wenn man sich selbst durch die vielen Skelette hier im Keller der Universität wühlen darf und eigenständig seine Forschung betreibt, als wenn man nur Wissen trocken vorgetragen bekommt. Dazu kommen noch die geballte fachliche Expertise und Erfahrung, die uns geboten wurde. Man vergisst als Studierender manchmal, wie viel Forschung und Arbeit unsere Dozierenden neben der Lehre leisten. Somit wurden wir Studierenden, die am Anfang gerade einmal einen Schädel von einem Oberschenkelknochen unterscheiden konnten, zu Experten in unserem Thema.“

    Die Studentin Xenia Dalke befasste sich in ihrem Projekt mit X- und O-Beinen mittelalterlicher Skelette. „Dann durfte ich die Erkenntnisse auf einer wissenschaftlichen Tagung in Konstanz vorstellen. Diese Chance, ein Uniprojekt auf diese Weise weiterzuführen und im offiziellen Rahmen vorstellen zu dürfen, ist einfach unglaublich und nicht selbstverständlich. Aber hier endet unsere Reise noch nicht – der nächste Schritt ist die gemeinsame Publikation unserer Forschungsergebnisse“, sagt die Studentin.

    Weitere Studierende von Stefan Flohr begründen die Auszeichnung wie folgt:

    • „Herr Flohr hat es geschafft ein trockenes Thema grandios zu lehren, Studenten zu motivieren und für die Anatomie anzustecken! Die wöchentlichen Testate und sein Engagement haben dazu beigetragen, dass das erworbene Wissen nicht sofort verfällt, sondern im Gegenteil anders als beispielsweise bei Klausuren nachhaltig abgespeichert wurde. Die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und Herrn Flohr war Voraussetzung und Wunsch und verlief bestens. Fragen, gerade im Bezug zur Muskulatur und deren Defekten, förderten das eigenständige Nachdenken und auch Ausprobieren von Seiten der Studenten.“

    • „In diesem Kurs wurde uns Studierenden die Möglichkeit gegeben, in einem interessanten Themengebiet eigenständig und mit ständiger Unterstützung von drei absolut kompetenten und anregenden Dozenten – Stefan Flohr, Uwe Kierdorf und Carsten Witzel – eigene Projekte zu gestalten. Man hat in der Universität selten die Möglichkeit so intensiv in ein interessantes Themengebiet einzutauchen, die Dozenten erschaffen eine freundliche, kooperative Atmosphäre und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Besonders hervorzuheben ist hier Stefan Flohr, der die Leistungen der Studierenden über das Seminar hinaus mit einer Vertiefung des Projekts würdigt und seine Freizeit und Leidenschaft dafür widmet.“

    „Die Tatsache, dass ich inzwischen schon mehrfach von meinen Studierenden für den Preis nominiert wurde, ist mir im Grunde Auszeichnung genug, denn sie sind die Adressaten meiner Lehrtätigkeit. Dass nun auch die Kommission zur Vergabe des Preises dem Vorschlag der Studierenden zustimmt, ist großartig und zeigt mir, dass gute Lehre nicht immer nur eine Frage der Anwendung modernster und innovativster Methoden und Techniken sein muss, sondern dass es offenbar auch mit eher traditionellen Mitteln möglich ist, Menschen für fachwissenschaftliche Inhalte zu begeistern“, freut sich Stefan Flohr über die Auszeichnung.

    Stefan Flohr wird im Sommersemester 2019 in der Weiterbildung „Hochschuldidaktik“ seine Erfahrungen teilen und mit interessierten Kolleginnen und Kollegen über exzellente Lehre sprechen.

    Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen

    Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die sich in ganz besonderem Maße für die Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben.

    Auf Vorschlag des Präsidiums wird der Preis für hervorragende Service-Leistungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen vergeben.

    Zu dem Team gehören:

    • Frau Monika Sardí (Sachgebietsleiterin)
    • Frau Anja Ehlers (Studienqualitätsmittel)
    • Herr Mirco Fink (Drittmittel)
    • Frau Marika Schaper (Sondermittel)
    • Herr Marvin Freund (Drittmittel)
    • Frau Vicky-Nicoletta Erber (Drittmittel)
    • Frau Miriam Rother (Sondermittel)
    • Frau Stefanie Hankel (Drittmittel)

    „Das Team hat es in herausragender Weise geschafft, die gestiegene Zahl an Projekten vorbildlich abzuarbeiten – sozusagen die Pflicht – und parallel die Unterstützung sowie Beratung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Phasen der Projektbearbeitung im Sinne des Servicegedankens auszubauen. Und das ist die Kür – dort die Flexibilitätswünsche und hier die Richtlinien!  Nur wenn wir uns gemeinsam dem Ziel der Drittmitteleinwerbung verpflichtet fühlen, können wir auch weiterhin so erfolgreich sein, wie in den letzten Jahren“, so der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

    „Die Auszeichnung bedeutet für das Sachgebiet Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel eine hohe Wertschätzung. Wir bedanken und freuen uns darüber, dass unser Engagement wahrgenommen und belohnt wird. Der Preis ist eine Bestätigung unseres Tuns und gleichzeitig ein Ansporn, uns in Zukunft weiterhin so einzusetzen“, so die Sachgebietsleiterin Monika Sárdi.

    Green Office verleiht Nachhaltigkeitspreis an Umweltstudentin Jenny Dreblow und an IMIT-Absolvent Sebastian Pape

    Mit dem Nachhaltigkeitspreis zeichnet das Green Office Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim aus, die sich in ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit nachhaltiger Entwicklung befassen. Das Nachhaltigkeitsbüro der Uni möchte damit einen Beitrag leisten, Nachhaltigkeit in den Forschungsfokus gerade des wissenschaftlichen Nachwuchses zu bringen.

    Die Studentin Jenny Dreblow wird für ihre Bachelorarbeit „Nachhaltigkeit – ein interkultureller vergleich üver zugange und perspektiven belarussischer und deutscher Studierender“ im Studiengang „Umweltsicherung“ und Sebastian Pape für seine Masterarbeit „Soziale Nachhaltigkeit in Geschäftsprozessen – Entwicklung eines Pattern-basierten Ansatzes“ im Studiengang „Informationsmangement und Informationstechnologie“ ausgezeichnet.

    Jenny Dreblow leiste mit ihrer Abschlussarbeit einen Beitrag zu einer interkulturellen Verständigung über Nachhaltigkeit und gibt damit wertvolle Anregungen für eine deutsch-belarussische Zusammenarbeit im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung, so die Begründung. „Die Auszeichnung bedeutet für mich Wertschätzung. Und Mut weiterzugehen – auch beruflich“, sagt die Preisträgerin Jenny Dreblow.

    Sebastian Pape sei es mithilfe von Experteninterviews gelungen, einen Musterkatalog aus sozial nachhaltigen Geschäftsprozess-Patterns zu entwickeln, dessen Anwendung eine Integration von sozialen Nachhaltigkeitsaspekten in Geschäftsprozesse von Unternehmen fördern kann, so die Jurybegründung.

    „Dank der großzügigen Unterstützung der Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine und ihres Fördervereins können wir in diesem Jahr zwei Abschlussarbeiten mit dem Nachhaltigkeitspreis dotiert mit jeweils 500 Euro auszeichnen“, sagt Karina Schell, Mitarbeiterin des Green Office.

    „Mit dem Nachhaltigkeitspreis möchten wir studentische Beiträge honorieren und herausragende Abschlussarbeiten universitätsweit bekannt machen. Die Auszeichnung soll Studierende motivieren, sich wissenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen“, sagt Karina Schell. Die Mitarbeiterin Julia Witter ergänzt: „Mit diesem Preis betont die Universität Hildesheim den besonderen Stellenwert des fachbereichsübergreifenden Themas „Nachhaltigkeit“ in der Ausbildung der Studierenden und den Anspruch, als Universität zur Lösung dringender gesellschaftlicher Probleme beizutragen.“

    Der Preis wird auch im nächsten Jahr wieder vergeben. Die Bewerbung auf den Nachhaltigkeitspreis ist bis zum 1. Dezember 2019 möglich, detaillierte Informationen finden Sie zeitnah auf der Homepage des Green Office.

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    news-15934 Wed, 02 Jan 2019 07:47:00 +0100 Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professorin-ursula-bredel-ist-mitglied-der-deutschen-akademie-fuer-sprache-und-dichtung/ Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Es ist das erste Mal, dass einer Deutschdidaktikern diese Ehre zuteil wird. Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt in Hildesheim. In der Akademie wird sie mit rund einhundertachtzig Mitgliedern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens zusammenarbeiten. Die Arbeitsschwerpunkte von Professorin Ursula Bredel liegen in den Bereichen Grammatik, Orthographie und Erzählen, jeweils unter fachlicher und didaktischer Perspektive. Die Sprachwissenschaftlerin lehrt und forscht seit 2010 am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Mit ihrer Arbeit an der Universität in Hildesheim trägt Ursula Bredel zur Professionalisierung der Lehrerbildung im Bereich des Sprachunterrichts bei.

    Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung entstand 1949 als ein Ort des freien Gesprächs nach den Jahren der Diktatur und als eine unabhängige Instanz, die an die verfolgten und verstummten Schriftsteller erinnerte – etwa durch die Wiederentdeckung und Veröffentlichung ihrer Werke. Seit 1951 verleiht die Akademie den Georg-Büchner-Preis.

    Der Akademie gehören namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Kritikerinnen und Kritiker sowie Übersetzerinnen und Übersetzer an, ebenso Fachleute aus den Sprach- und Literaturwissenschaften und Naturwissenschaften, deren Arbeit sich durch ein besonderes Interesse an der Sprache auszeichnet. Die rund einhundertachtzig Mitglieder kommen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens.

    Eine Aufgabe der Akademie besteht darin, die Sprachentwicklung in der Verbindung von sprachwissenschaftlicher, literarischer und literaturkritischer Kompetenz aufmerksam zu begleiten; vergessene oder marginalisierte Literatur durch ihre Veröffentlichungen wieder ins Gespräch zu bringen und sich für den freien Austausch der Meinungen in Wort und Schrift einzusetzen und zu einer differenzierten Debattenkultur beizutragen.

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    news-15914 Tue, 25 Dec 2018 19:52:00 +0100 Soziologen befragen Bürger zur geplanten Wiederinbetriebnahme der Kalimine https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/soziologen-befragen-buerger-zur-geplanten-wiederinbetriebnahme-der-kalimine/ Soziologen der Universität Hildesheim nehmen ein lokalpolitisches Streitthema unter die Lupe: Welche Einstellungen haben Bürgerinnen und Bürger in Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme der Kalimine? In einer Studie haben Professor Michael Corsten und Per Holderberg 800 Haushalte in Giesen befragt. Nun liegen die Ergebnisse der Befragung vor. Ein Düngemittelhersteller will die 1987 stillgelegte Kalimine Siegfried Giesen im Landkreis Hildesheim wieder in Betrieb nehmen.

    Wissenschaftler des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim haben in einer Online-Befragung Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerks in der Region zwischen Sarstedt, Giesen und Nordstemmen und dem damit verbundenen Neubau einer Halde befragt. Insgesamt wurden 4000 Haushalte angeschrieben. 800 Haushalte haben an der Befragung teilgenommen. Die befragten Personen sind zwischen 16 bis 98 Jahre alt und wohnen in Giesen, Ahrbergen, Emmerke, Groß Förste und Hasede.

    Die Soziologen Professor Michael Corsten und Per Holderberg haben im September und Oktober 2018 die Einstellungen der Giesener Bürgerinnen und Bürger zu diesem lokalpolitischen Thema sozialwissenschaftlich untersucht. Wie ist die Meinung der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Giesen?

    Die Bewohnerinnen und Bewohner drückten nicht nur Sorgen, Wünsche, Zustimmung oder Befürchtungen aus, sondern äußerten fachkundige und fundierte Vorschläge, zum Beispiel für alternative Haldenkonzepte oder differenzierte Beurteilungen der zentralen Frage, dem Projekt zuzustimmen oder es eher abzulehnen.

    Die bereits bestehende Althalde, welche von den Anwohnern in der Umgehung auch als „Monte Kali“ bezeichnet wird, stellt aufgrund der Wasser- und Luftbelastung für 52,9 Prozent der Befragten ein Problem für die Umwelt und Landwirtschaft der Region dar. Daher überrascht es kaum, dass auch das Vorhaben, im Rahmen der Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks eine neue Halde zu bauen, bei 55,3 Prozent der Befragten überwiegend auf Ablehnung trifft, so ein Ergebnis der Umfrage. Einige Bürger äußerten Bedenken und Kritik am mangelnden Umweltschutz; ein Großteil der Befragten hebt die Wichtigkeit der Berücksichtigungökologischer Gefahren, wie zum Beispiel durch Salzeinlassungen in das Grundwasser oder Salzstaubverwehungen in die benachbarten Ortschaften, hervor.

    Aus der Sicht politikwissenschaftlicher und gemeindesoziologischer Forschung sind lokalpolitische Tagesthemen von großem Interesse, sagt Michael Corsten über das Forschungsprojekt. „Insbesondere stellt sich die Frage, ob Bürgerinnen und Bürger zu Fragen, die ihr direktes räumliches Umfeld betreffen, sensibler reagieren, sich eher engagieren und auch politisch mobilisieren.“

    Der Soziologe Per Holderberg hat die Online-Umfrage im Rahmen seines thematisch ähnlich gelagerten Dissertationsprojekts konzipiert und umgesetzt. Somit konnten empirische Daten für die Gemeindemitglieder erzeugt werden. Der wissenschaftliche Bericht ist ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich. Damit entstand ein Datensatz, der für weitere Forschungsfragen aus der politikwissenschaftlichen Partizipationsforschung Verwendung finden kann.

    Die Studie geht zurück auf eine Anfrage, die die Hildesheimer Soziologen im Mai 2018 von Ingmar Weitemeier, dem Ortsvorsitzenden der CDU Giesen, erhielten.

    Aufgrund des regen Interesses der Bürger und Bürgerinnen an der Umfrage und der lokalpolitischen Relevanz der politischen Streitfrage, werden zentrale deskriptive Ergebnisse aus der Befragung in die Öffentlichkeit getragen. In den einzelnen Kapiteln des Ergebnisberichts werden zunächst Angaben unter anderem zur Untersuchungszeit, Befragungsdauer und Rücklaufquoten genannt. Darauf folgt eine Zusammenfassung von zentralen deskriptiven Analysen, die bereits durchgeführt worden sind. Im Anhang des Kurzberichts befindet sich neben Dokumentationsmaterial aus der Erhebung (Anschreiben, Fragebogen), zudem eine Häufigkeitsauszählung des vollständigen Fragebogenkatalogs mit Ausnahme der offenen Angaben, welche aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden.

    Hier geht es zum Ergebnisbericht:

    „Bürgerumfrage Giesen 2018 – Dokumentation und Ergebnisse der Onlineumfrage zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Siegfried-Giesen“

    Download des Ergebnisberichts

    Zitation: Holderberg, Per; Corsten, Michael (2018): Bürgerumfrage Giesen 2018 – Dokumentation        und Ergebnisse der Onlineumfrage zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Siegfried-Giesen. Methodenbüro, Stiftung Universität Hildesheim.  

    Kontakt:

    Wer Fragen zu der Studie hat, kann gerne die Wissenschaftler des Methodenbüros der Universität Hildesheim, Per Holderberg (per.holderberg@uni-hildesheim.de) und Professor Dr. Michael Corsten (corsten@uni-hildesheim.de), kontaktieren.

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    news-15912 Tue, 18 Dec 2018 15:10:23 +0100 St. Bernward Krankenhaus fördert Stiftungsprofessur an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/st-bernward-krankenhaus-foerdert-stiftungsprofessur-an-der-universitaet-hildesheim/ Neue Berufsperspektiven für die Pflege: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik wollen gemeinsam mit dem St. Bernward Krankenhaus das Gesundheitswesen in der Region stärken. Das Krankenhaus fördert über fünf Jahre die Stiftungsprofessur im Bereich der Pflege- und Versorgungsorganisation. Welche Zukunftsstrategien gibt es für den Pflegeberuf? Wie lässt er sich weiterentwickeln und wie kann die Versorgungssituation für die Menschen in der Region verbessert werden? Mit diesen Fragen haben sich die Universität Hildesheim und das St. Bernward Krankenhaus auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik wurden unterschiedliche Initiativen im Kontext von Pflege und Versorgung vor gut einem Jahr zu einem neuen Forschungsschwerpunkt gebündelt. Das St. Bernward Krankenhaus (BK) unterstützt die dafür eigens geschaffene Stiftungsprofessur finanziell über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer sechsstelligen Summe.

    „Mit der Förderung der Stiftungsprofessur möchten wir uns zum einen als Akademisches Lehrkrankenhaus im Bereich Pflege positionieren“, erläutert Stefan Fischer, Geschäftsführer des St. Bernward Krankenhauses. Zum anderen wolle das BK gemeinsam mit der Universität Hildesheim neue Wege gehen und die Zukunft der Pflege mitgestalten, das Berufsfeld breiter und vernetzter aufstellen.

    „Wir denken dabei an neue Berufsbilder, die wir im Pflegesektor schaffen können, oder an engere Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung“, ergänzt Dr. Cornelia Schwenger-Fink, die als Hebamme und Pädagogin am Ausbildungszentrum des St. Bernward Krankenhauses tätig ist und die dortige Hebammenschule leitet. Vorstellbar seien zum Beispiel Gesundheitsberatungsstellen, unter anderem für Sucht- oder Adipositaspatienten, oder andere, stark patientenorientierte Angebote. Gerade vor dem Hintergrund überlasteter ärztlicher Praxen und mit Blick auf den demografischen Wandel seien dies interessante Zukunftsperspektiven für den Gesundheitssektor.

    Der Schwerpunkt Pflege und Versorgung ist neben anderen Themen ein wichtiger Fokus im Bachelorstudium Sozial- und Organisationspädagogik. Es wird dort ein sozialpädagogisches Verständnis von Pflege entfaltet und es stehen vor allem ganzheitliche Konzepte im Zentrum des Curriculums, die multiprofessionelles Können erfordern. Aktuelle Herausforderungen wie Digitalisierung im Kontext der Pflege wie auch Diversität als Chance bei der Erbringung von Pflegedienstleistungen sind Querschnittsthemen.

    Der Transfer von Forschungserkenntnissen in die Region im Bereich des Gesundheitswesens sei von hoher Bedeutung, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

    Berufsanfängern innerhalb der Pflege bietet der neu geschaffene Schwerpunkt die Möglichkeit des Übergangs in eine akademische Laufbahn und somit ein erweitertes berufliches Spektrum. „An unserem Ausbildungszentrum führen  wir in der Regel keine Studien durch. Ein wissenschaftliches Lehren und Lernen können wir daher nur bedingt selbst anbieten“, erläutert Dr. Schwenger-Fink. Aus diesem Grund sei die Kooperation mit der Universität Hildesheim eine gute Ergänzung zur Pflegeausbildung am BK und ermöglicht die Anschlussfähigkeit an den tertiären Bildungsbereich.

    Aber auch Pflegekräfte, die bereits seit Jahren in ihrem Beruf arbeiten, können diese Ressourcen zur akademischen Weiterbildung im Sinne eines lebenslangen Lernkonzeptes nutzen. „Dank des modular strukturierten und zum Teil digitalen Lehr- und Lernangebotes können Seminare berufsbegleitend belegt werden“, freut sich Schwenger-Fink.

    Wer sich für die Forschung und Lehre am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik im Bereich der Pflege interessiert, erreicht den Institutsleiter Professor Dr. Gunther Graßhoff sowie Birgit Oelker und Professor Dr. Herbert Asselmeyer, Leiter der Lehr- und Forschungseinheit „Pflege- und Versorgungsorganisation“.

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    news-15893 Fri, 14 Dec 2018 07:45:00 +0100 Studie zur Evakuierungshilfe: Wo finden Hildesheimer Einwohner Zuflucht in Notsituationen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studie-zur-e/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim haben vor einem Jahr während einer Bombenentschärfung in Hildesheim 445 Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 15 bis 96 Jahren befragt, wo sie Zuflucht finden. Mit der Studie dokumentiert das Forschungsteam, bei welchen privaten oder nicht-privaten Kontakten Evakuierte unterkommen. Vor einem guten Jahr wurde in der Hildesheimer Innenstadt zwischen der Marienschule und der Friedrich-List-Schule eine Bombe entschärft. Rund 20.000 Menschen mussten am 16. August 2017 aus ihren Häusern und Wohnungen evakuiert werden. Im ganzen Stadtgebiet gab es an nächsten Morgen kein anderes Gesprächsthema: „Wo hast du die Nacht verbracht?“.

    Diese besondere Notsituation hat Alia Herz-Jakoby, Katharina Mangold und Andreas Herz vor einem Jahr teilweise selbst zu Evakuierten gemacht. Über eine Onlinebefragung wollten sie herausfinden, wie die Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger sich in einer solchen Situation gegenseitig unterstützen. Denn übliche Unterstützungsbeziehungen in der Nachbarschaft tragen in solchen Notsituationen nicht, weil ganze Straßenzüge und Stadtteile evakuiert werden mussten, sagt  Alia Herz-Jakoby.

    Wie haben die Menschen überhaupt von der Evakuierung erfahren, wo fanden sie Unterkunft für die Nacht und wie haben sie die Evakuierung erlebt? Aus ihrer Studie können Aussagen über spontane Unterstützungsleistungen in Notsituationen abgeleitet und Anregungen für ein Notfallmanagement gegeben werden.

    445 Personen im Alter zwischen 15 und 96 Jahren füllten den Onlinefragebogen aus.

    Kritik am Informationsfluss: Ohne Freunde und soziale Medien hätten viele nicht von der Bombe erfahren

    Viele der Betroffenen haben über Medien und Freunde erfahren, dass es zu einer Evakuierung kommt. So geben 27,9% der Befragten an, dass sie über soziale Medien (Facebook, Twitter) von der Evakuierung erfahren haben, weitere 19% nennen Freunde als Informationsquelle. Die meisten Personen wurden über persönliche Kontakte über die Evakuierung informiert, lediglich 6% waren auf die Information durch die Feuerwehr oder Polizei angewiesen. Generell wird Kritik am Informationsfluss bezüglich des Zeitpunkts der Information deutlich; die Bürgerinnen und Bürger hätten sich schnellere und breitere Informationen gewünscht.

    Der Live-Ticker der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung wurde von einigen Befragten als sehr hilfreich und gut bewertet. Dem Internet kam dabei im Gegensatz zu den anderen Medien wie TV oder Radio die zentrale Rolle zu, das eingerichtete Bürgertelefon sei hingegen wenig hilfreich gewesen, weil die Nummer immer besetzt war. Die befragten Personen beschreiben die Arbeit der Einsatzkräfte und Helferinnen und Helfer in dieser Nacht als sehr engagiert.

    Rund 26% geben an, dass sie bei Freunden unterkommen, während 16% bei Eltern sowie 10% bei anderen Verwandten eine Herberge finden. Insgesamt sind private Kontakte – also die Partnerin oder der Partner, das Kind, Geschwister oder Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte – höchst relevant für eine kurzfristige Unterkunft und machen insgesamt 75% aus. Dabei sind es meist die langjährigen Beziehungen (durchschnittlich kennen sich die Personen 17 Jahre) zu Personen die einem nahe stehen und mit denen man sehr regelmäßig Kontakt hat, auf die in der Notsituation zurückgegriffen wird. In Sammelunterkünften verbringen hingegen rund 7% die Nacht, wobei es sich hierbei insbesondere um ältere Menschen handelt. Einige Personen halfen sich selbst und verbrachten die Nacht im Auto (4,5%) oder harrten bis zur Entwarnung im Freien aus (1,4%). Die meisten Personen (75%) haben vier Stunden nach Bekanntgabe des Bombenfundes ein neues Quartier für die Nacht gefunden, dabei benötigen 80% der Befragten eine halbe Stunde oder weniger für den Weg zu ihrem Spontanquartier, meist in anderen Stadtteilen wie Itzum oder Himmelsthür, sowie in Derneburg, Harsum, Hannover, Sorsum oder Lengede.

    Der abendliche und nächtliche Transport war für einige Personen eine zentrale Herausforderung, da der öffentliche Nahverkehr eingestellt war und die Menschen nicht mehr von A nach B kamen.

    Studie dokumentiert Unterstützungssysteme in Notsituationen

    Das Forschungsteam leitet aus der Studie Überlegungen für ein Katastrophenmanagement ab: Eine zentrale Informationsplattform auf der Internetpräsenz der Stadt Hildesheim könnte die notwendigen Fakten liefern und die Lage erläutern, um Bürgerinnen und Bürgern möglichst zeitnah und transparent Informationen zur Verfügung zu stellen. Hierüber wäre ein Art spontane Herbergsbörse, auf welche Privatpersonen ihre Unterstützung hätten anbieten können, wünschenswert, um die Hilfsbereitschaft der Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger zu organisieren, sagt Katharina Mangold.

    Die drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim dokumentieren mit ihrer Studie beispielhaft die Unterstützungssysteme in Notsituationen. „Diese Studie war insbesondere wichtig, um diese Form der Spontan-Unterstützung besser verstehen zu können. Dies kann für kommende Einsätze hilfreiche Informationen geben, beispielsweise zur Mobilisierung von Schlafplätzen, Informationsweitergabe zum Evakuierungsstatus, Vorhandensein von privaten Unterkunftsmöglichkeiten", sagt Andreas Herz.

    Medienkontakt: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik sind bei Fragen per E-Mail erreichbar (Dr. Andreas Herz, herzand[at]uni-hildesheim.de).

    Weitere Informationen über die Forschung

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    news-15786 Tue, 04 Dec 2018 10:32:00 +0100 Universitätsprofessor für Systematische Theologie: René Dausner https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaetsprofessor-fuer-systematische-theologie-rene-dausner/ Neu an der Uni: René Dausner forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie an der Universität Hildesheim. Zu den Forschungsschwerpunkten des 42-Jährigen zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie sowie Theologie und Literatur. Prof. Dr. René Dausner forscht und lehrt seit Herbst 2018 als Professor für Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim.

    Forschung zu jüdisch-christlichem Dialog, Migration und Fremdheit

    Zu den Forschungsschwerpunkten des Professors zählt der jüdisch-christliche Dialog. Gerade erst ist der Hildesheimer Theologe aus Rom zurückgekehrt, wo er an der Päpstlichen Universität Gregoriana einen Vortrag über die Zukunftsperspektiven der Erklärung „Nostra aetate“ hielt. Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat Dausner im Rahmen der Brenninkmeijer-Werhahn-Lecture in Rom zu einem intensiveren Austausch zwischen jüdischen und christlichen Gelehrten aufgerufen, um das gegenseitige Vertrauen zu vertiefen und gemeinsame und unterschiedliche Traditionen des jeweiligen Glaubens zu studieren. Anlässlich der Konferenz führte Radio Vatikan ein Interview mit René Dausner (online nachhören). 

    Durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) vor etwas mehr als fünfzig Jahren erhielt der jüdisch-christliche Dialog entscheidende Impulse. „Nostra aetate" gilt als einer der weltweit am intensivsten rezipierten Texte des Konzils. „Es war ein hartes Ringen für die Konzilsväter, mit der Erklärung „Nostra aetate“ (dt. In unserer Zeit) die Grundlagen für ein neues Verhältnis zum Judentum zu bauen – nach Jahrhunderten der Abgrenzung und Ausgrenzung. Die Kirche – und allen voran Papst Johannes XXIII. sowie alle Nachfolgepäpste bis heute – hat die Konsequenzen aus der Schoa gezogen und ein positives Verhältnis zum Judentum aufgebaut. Zusammen mit dem Einsatz für Religionsfreiheit ist dieser Wendepunkt in der Theologiegeschichte ein wichtiger Schritt zu einer Erneuerung der Kirche. Aber dieser Weg ist noch keineswegs abgeschlossen. Hier bleibt noch eine Menge zu tun“, erläutert René Dausner.

    Ein weiteres Forschungsfeld des Wissenschaftlers ist der aktuelle Diskurs über Migration, den Dausner als ein Grundlagenphänomen des Humanen versteht. „Als Systematischer Theologe ist für mich das Phänomen der Fremdheit von außerordentlicher Bedeutung. Was ist Fremdheit überhaupt? Bei der Gottesfrage haben wir es ebenfalls mit Phänomenen der Fremdheit zu tun. Die Nähe Gottes bedeutet doch immer auch bleibende Distanz und Abstand. In diesem Gedanken liegt die Wurzel für jede Art prophetischen Protests gegen ausgrenzende und identitäre Politik.“

    „Rationale Verantwortung des Glaubens“

    Das Fachgebiet des Theologen René Dausner ist die Systematische Theologie mit ihren beiden Einzeldisziplinen Dogmatik und Fundamentaltheologie. „Für Außenstehende klingt Dogmatik schnell nach strikten Vorschriften und Fundamentaltheologie wird nicht selten mit Fundamentalismus verwechselt. Aber nichts wäre falscher als diese Vermutungen. Denn in der Fundamentaltheologie geht es um eine rationale Verantwortung des Glaubens, das heißt um grundlegende Fragen des Glaubens an den einen Gott, der christlicher Überzeugung zufolge trinitarisch geoffenbart hat. Allein die Frage, wie der Gott, von dem die Bibel Zeugnis gibt, sich überhaupt offenbaren, also uns Menschen mitteilen kann, ist eine höchst spannende und zentrale Fragestellung. Diese Frage nach der Offenbarung verbindet das Christentum mit dem Judentum und dem Islam“, erläutert Dausner.

    Theologie als Beruf ist für Dausner eine der „spannendsten und schönsten Aufgaben, die ich mir denken kann“. Dass er nun die Gelegenheit habe, an der Universität Hildesheim dem Ruf zu folgen, um als Theologieprofessor arbeiten zu dürfen, erfülle ihn mit Dank und Respekt vor der Verantwortung, die dieser Beruf abverlangt. Für das Selbstverständnis des Menschen sei die Gottesfrage auch im 21. Jahrhundert keineswegs obsolet – das zeige der intellektuelle Wettstreit der monotheistischen Religionen.

    Hildesheim als Forschungsstandort: Wertschätzung der Theologie als wissenschaftlicher Disziplin

    Warum er sich für Hildesheim entschieden hat, begründet der Professor so: „Die Universität Hildesheim ist eine junge und dynamische Universität mit großem Zukunftspotential, insbesondere auch für die Theologie. Die Verlagerung des Instituts für Katholische Theologie von der Leibniz Universität Hannover an die Universität Hildesheim ist nun mit der Besetzung meiner Professur abgeschlossen. Diese Wertschätzung der Theologie als einer wissenschaftlichen Disziplin ist ein großes Verdienst des Präsidenten sowie der gesamten Universitätsleitung, eine Wertschätzung, für die ich sehr dankbar bin.“ Hildesheim sei „eine Stadt der Ökumene“, was für seine theologische Arbeit bedeutsam sei.

    „Mit dem kulturellen Schwerpunkt an der Universität Hildesheim, insbesondere im Bereich der Literatur, wird für mich ein weiteres zentrales Interessengebiet aufgerufen. Denn neben Katholischer Theologie habe ich auch – und ebenfalls mit großer Begeisterung – Germanistik studiert“, so Dausner.

    Nach dem Studium der Katholischen Theologie, Germanistik und dem erziehungswissenschaftlichen Begleitstudium in Bonn und Jerusalem promovierte René Dausner an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn mit einer Arbeit zum Thema „Schreiben wie ein Toter. Poetologisch-theologische Analysen zum deutschsprachigen Werk des jüdisch-israelischen Dichters Elazar Benyoëtz“. In seiner Dissertation untersuchte der Theologe das Werk des zeitgenössischen deutschsprachigen israelischen Dichters.

    Anschließend unterrichtete Dausner vier Jahre als Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg. 2015 folgte die Habilitation in Fundamentaltheologie mit der Arbeit „Christologie in messianischer Perspektive. Zur Bedeutung Jesu im Diskurs mit Emmanuel Levinas und Giorgio Agamben“. Von 2011 bis zu seiner Berufung 2018 war er Assistent am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ein wichtiger Moment in der eigenen wissenschaftlichen Laufbahn war das theologische Studienjahr an der Dormition Abbey in Jerusalem in Israel. Seit 2016 ist er Mitglied im Gesprächskreis „Juden und Christen“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

    Der Professor lehrt in Hildesheim Systematische Theologie, dazu zählen unter anderem die Gottesfrage, die Frage der Offenbarung, die theologische Anthropologie sowie die Lehre von der Kirche und den Sakramenten. „Das kognitive Wissen allein genügt nicht, die Studentinnen und Studenten, die die tragenden Säulen unserer kommenden Gesellschaft sein und selbst prägen werden, müssen mit diesen Inhalten auch umgehen können. Daher sind soziale, dialogische, methodische und mediale Kompetenzen ebenfalls zu fördern.“

    Aus seiner Zeit als Lehrer an einem Gymnasium weiß er, „wie vielseitig der Beruf des Religionslehrers und der Religionslehrerin ist“ und dass es darauf ankommt, „Rede und Antwort stehen zu können für den Glauben und für die Glaubenserfahrungen. Theologie sei ein „konstruktiv-kritischer Sprachunterricht“. Die Studierenden sollen im Studium befähigt werden, eine Sprache zu sprechen, die zeitgemäß die Erfahrungen des Glaubens zu vermitteln und diskursiv ins Gespräch mit Anders- oder Nichtgläubigen zu bringen vermag.

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    news-15817 Thu, 29 Nov 2018 14:41:19 +0100 Entscheidung für Hildesheim: Professorin Janna Teltemann https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/entscheidung-fuer-hildesheim-professorin-janna-teltemann/ Professorin Janna Teltemann hat den Ruf der TU Dortmund abgelehnt und sich für den Universitätsstandort Hildesheim entschieden. Sie forscht und lehrt als Professorin für Bildungssoziologie an der Universität Hildesheim. Die Soziologin analysiert die Entstehung von Bildungsungleichheiten. Professorin Janna Teltemann forscht und lehrt auch künftig in den Bereichen Bildungsungleichheit, Bildungspolitik, Integration und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung in Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hat einen Ruf nach Dortmund abgelehnt. Ein Forschungsinteresse der Soziologin liegt in der Analyse der Entstehung von Bildungsungleichheiten.

    „Ich freue mich sehr, meine Arbeit in Hildesheim langfristig fortsetzen zu können. Ich hoffe, meine eigenen Projekte zur Veränderung von Bildungssystemen und den Wirkungen auf Bildungsungleichheit nun weiter voranbringen zu können. Außerdem freue ich mich darauf, die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Instituten, zum Beispiel der Erziehungswissenschaft und der Sozial- und Organisationspädagogik, ausbauen zu können", sagt Janna Teltemann.

    Bereits seit 2016 arbeitete Teltemann als Juniorprofessorin für Bildungssoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Die 38-Jährige kommt gebürtig aus Lüchow-Dannenberg. Nach dem Studium der Soziologie in Bremen folgte 2012 die Promotion an der Universität Bremen. Teltemann hat sich in ihrer Dissertation mit dem Thema „Gleichheit oder Leistung? Wie Bildungssysteme, Wohlfahrtsstaatsregime und Integrationspolitiken die Schulleistungen junger Migranten beeinflussen“ befasst. Sie arbeitete als Gastwissenschaftlerin am Amsterdam Centre for Inequality Studies der Universiteit van Amsterdam, war Fellow des College for Interdisciplinary Educational Research und Gastwissenschaftlerin am Wissenschaftszentrum Berlin.

    Wer sich für die Forschung im Bereich der Bildungssoziologie interessiert erreicht Prof. Dr. Janna Teltemann unter janna.teltemann@uni-hildesheim.de.

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    news-15804 Mon, 26 Nov 2018 11:00:00 +0100 Forschung von Professorin Julia Rieck und Professor Boris Girnat https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/forschung-von-professorin-julia-rieck-und-professor-boris-girnat/ Wie lernen Menschen Mathematik? Wie werden Produktionsprozesse in der Wirtschaft gesteuert? Professorin Julia Rieck befasst sich in der Forschung mit Fertigungsabläufen und Ressourcenplanung. Professor Boris Girnat forscht und lehrt in der Mathematikdidaktik. Seit dem Sommersemester 2018 forscht und lehrt Prof. Dr. Julia Rieck am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik der Universität Hildesheim. Die Wissenschaftlerin wurde auf die Professur für Betriebswirtschaftslehre berufen. Sie forscht in den Bereichen Produktion, Logistik, Projekt- und Ressourcenplanung sowie Transportabläufe. Sie untersucht zum Beispiel, vor welchen Herausforderungen mittelständische Spediteure, große Logistikkonzerne oder Industrie- und Handelsunternehmen stehen: Im Zeitalter der Digitalisierung muss jedes Unternehmen in der Lage sein, seine internen Systeme mit denen anderer zu koppeln.

    „Da sich die Universität Hildesheim durch eine hervorragende Vernetzung mit regionalen, überregionalen und internationalen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft auszeichnet, ist Hildesheim ein idealer Ort für meine Forschung und Lehre“, sagt Rieck. Julia Rieck, geboren in Göttingen, studierte Wirtschaftsmathematik in Göttingen, Bordeaux und Hamburg. Es folgte die Promotion und Habilitation an der Technischen Universität Clausthal im Fach Betriebswirtschaftslehre.

    Prof. Dr. Boris Girnat lehrt und forscht seit 2018 als Professor für Mathematik in Hildesheim und bildet in Hildesheim Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrer aus. Zuvor hat er an der PH Nordwestschweiz gearbeitet. Girnat hat Mathematik, Philosophie und Politikwissenschaft für das Höhere Lehramt an der TU Braunschweig studiert.

    Der Mathematikdidaktiker Boris Girnat beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen Mathematik lernen, und entwickelt auf dieser Grundlage Hilfen für den Mathematikunterricht –  etwa Lehrmaterialien, Schulbücher oder Vorschläge für die Gestaltung der Lehrpläne.

    Wie viel Anwendung braucht die Mathematik? Mit mehr Bezug zur Realität soll der Mathematikunterricht die Freude am Fach wecken. Aber mittlerweile leidet der Mathematikunterricht auch unter einem Zwang zur Anwendung. Anstatt den Bezug zum Alltag zu erzwingen, sollte sich der Mathematikunterricht in Schulen auch auf die innermathematische Welt der Zahlen, Terme und Figuren einlassen, sagt Professor Boris Girnat. Denn Schülerinnen und Schülern fehlt vermehrt das innermathematische Grundwissen. Selbst Studienanfänger haben Schwierigkeiten mit einfachen mathematischen Verfahren wie der Bruch- und Prozentrechnung oder dem Dreisatz und der Termumformung. Ihnen fehlen „innermathematische Routinetechniken“.

    Antrittsvorlesungen

    Die Universität Hildesheim lädt zu zwei Antrittsvorlesungen ein: Professorin Julia Rieck spricht über optimale Fertigungsabläufe, Prozesse und Transporte und die „Lösungsfindung mit Methoden des Operations Research“. Thema des Vortrages von Professor Boris Girnat ist die Forschung in der Mathematikdidaktik. Der Mathematiker nimmt die Zuhörer mit auf einen Streifzug durch aktuelle Projekte. Die beiden öffentlichen Antrittsvorlesungen finden am Mittwoch, 21. November 2018, im Hörsaal 4 im Forum am Hauptcampus der Universität Hildesheim statt.

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    news-15803 Mon, 26 Nov 2018 10:01:00 +0100 Universität Hildesheim gründet Zentrum für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-22/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Die Universität Hildesheim hat am Donnerstag, 22. November 2018, das Zentrum für Digitalen Wandel gegründet. Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive.

    Im Rahmen der Gründungsfeier sprachen Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich über „Digitalisierung an der Universität Hildesheim“ und Staatssekretär Stefan Muhle aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung über „Digitalisierung in Niedersachsen“.

    „Der Digitale Wandel verändert unser Leben in einer Weise, wie es ähnlich die Erfindung des Buchdrucks und die Industrielle Revolution getan haben. Die Universität Hildesheim hat sich darauf verständigt, die Digitalisierung als eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in ihre Entwicklungsplanung aufzunehmen“, sagt Universitätspräsident Friedrich. Das Zentrum ist das Ergebnis eines bottom-up-Prozesses von engagierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die seit Jahren den digitalen Wandel erforschen – von der Informatik über die Politikwissenschaft bis zur Computerlinguistik. Sie bringen diese Kompetenzen im Zentrum zusammen, sagte Friedrich.

    „Im Namen der niedersächsischen Landesregierung gratuliere ich Ihnen zur Gründung des Zentrums für Digitalen Wandel. Mit viel Offenheit gehen Sie an das Thema heran. Die Universität Hildesheim hat zum Beispiel in der Informatikausbildung mit dem Master of Science 'Data Analytics' bereits heute einen Magneten. In der Politikwissenschaft beschäftigt sich das Team um Professorin Marianne Kneuer seit Jahren mit dem Thema 'Demokratie und Internet'. In der digitalen Demokratie könnten wir in Niedersachsen vorangehen und ja zum ersten Bundesland werden, in dem wir digital wählen. Frau Kneuer, darüber sollten wir sprechen. Von diesem Gründungstag des Zentrums für Digitalen Wandel geht ein mutiges Signal aus. Sie sagen nicht: Man müsste mal. Sondern: Sie machen! Ich will Sie nach Kräften unterstützen“, sagte Staatssekretär Stefan Muhle.

    Anschließend stellte der Gründungsvorstand – der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt, der Computerlinguist Professor Ulrich Heid und die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer – das neue Zentrum vor. Als Zentrum wollen wir erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype unsere Debatten über den digitalen Wandel prägen, so Professorin Marianne Kneuer. 

    Zahlreiche Forscher und Forscherinnen haben sich für Hildesheim als Arbeitsort entschieden und teilen hier ihr Wissen, damit sich die Gesellschaft in der digitalen Zukunft und Gegenwart zurechtfindet. Der Computerlinguist Professor Ulrich Heid etwa erhielt Rufe an mehrere Universitäten und hat sich für Hildesheim entschieden.

    Die Schriftstellerin Kathrin Passig hielt den Festvortrag „Trial und sehr viel Error: Netzgemeinschaften als Politiklabor“. Über die Gesellschaft im Zeitalter der Digitalisierung debattierten der Bibliothekar Ewald Brahms, der Literaturwissenschaftler Guido Graf, der Informatiker Professor Lars Schmidt-Thieme, die Informationswissenschaftlerin Professorin Christa Womser-Hacker und die Sozialpädagogin Professorin Inga Truschkat. Steffen Gurr, Redaktionsleiter von NDR online, moderierte die Diskussion.

    Im Zentrum versammeln sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen – von Computerlinguistik, Soziologie, Psychologie und Politikwissenschaft über Unterrichtsforschung und Medienkulturwissenschaft bis Informatik, Softwareentwicklung und maschinellem Lernen.

    Die inhaltliche Debatte wurde während einer öffentlichen Fachtagung am Freitag, 23. November 2018,  fortgeführt. Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus regionalen Unternehmen erhielten die Chance, sich über spannende aktuelle Fragestellungen zum Digitalen Wandel vor Ort zu informieren. Die Universität Hildesheim freut sich über den Austausch mit dem lokalen Umfeld aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft und möchte diesen fortführen.

    Themen der Workshops sind unter anderem:

    • Zukunftsperspektiven für die Digitale Wirtschaft (Adaptive Systeme und Datenschutz, Smart Systems, Produkt-Innovation)

    • Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter

    • Politikforschung mit digitalen Kommunikationsdaten

    • Digitalisierung an Schulen

    • Wieviel Digitalisierung braucht der Mensch?

    • Kulturrezensionen im Digitalen Wandel

    • Digitale Daten in Geographie und Umweltwissenschaften

    • Arbeiten und Lernen 4.0

    • Virtual Reality Games made in Hildesheim: Auf einer 3x3m-Spielfläche können Sie mit einer Virtual-Reality-Brille erfahren, wie man sich in der virtuellen Welt grenzenlos bewegen kann.

    Programm der Gründungsfeier und Tagung

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    news-15765 Tue, 13 Nov 2018 11:52:00 +0100 Ästhetische Praxis: DFG bewilligt Hildesheimer Graduiertenkolleg https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/aesthetische-praxis-dfg-bewilligt-hildesheimer-graduiertenkolleg/ Was geschieht, wenn Menschen künstlerisch tätig sind? Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert an der Universität Hildesheim das Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ mit 3,4 Millionen Euro. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Philosophie und Soziologie sowie der Kunst-, Literatur-, Theater-, Musik- und Kulturwissenschaft sind beteiligt. Mit der Untersuchung des Eigensinns ästhetischer Praxis wollen die Hildesheimer Doktorandinnen und Doktoranden ein neues Forschungsfeld auf internationaler Ebene etablieren. Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 9. November 2018 den Hildesheimer Antrag auf Einrichtung eines Graduiertenkollegs zum Thema „Ästhetische Praxis“ bewilligt.

    Somit können zum nächsten Sommersemester neun Doktorandenstellen, eine Postdoc-Stelle und eine Koordinationsstelle am Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ der Universität Hildesheim eingerichtet und international renommierte Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler eingeladen werden. Das Gesamtvolumen der Förderung beträgt 3,4 Millionen Euro.

    „Die Hildesheimer Kulturwissenschaften leisten einen wesentlichen Beitrag zum universitären Forschungsprofil und verbinden in besonderer Weise Theorie und Praxis“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

    Im Interview spricht der Sozialphilosoph Professor Andreas Hetzel über die Einrichtung des neuen Graduiertenkollegs, Forschungsfragen und Forschungsperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

    „Innovative und exzellente kultur- und geisteswissenschaftliche Forschung“

    Interview mit Prof. Dr. Andreas Hetzel, dem designierten Sprecher des Graduiertenkollegs

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat gerade das Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ bewilligt. Welche Bedeutung hat diese Entscheidung der DFG? Die Freude im kulturwissenschaftlichen Fachbereich ist vermutlich groß?

    Ja, über die Bewilligung sind wir wirklich sehr froh! Die positive Entscheidung der DFG wird dazu beitragen, den Ruf der Universität Hildesheim als Standort einer ebenso innovativen wie exzellenten kultur- und geisteswissenschaftlichen Forschung zu festigen. Wir haben im Team mehr als zwei Jahre intensiv am Antrag gearbeitet, in dem eine lange und erfolgreiche Tradition der Zusammenführung von philosophisch-kulturwissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis an unserem Fachbereich ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Schlussendlich konnten wir uns mit unserem Konzept nach einem langen und mehrstufigen Begutachtungsverfahren vor dem Hauptausschuss der DFG gegen andere Bewerber durchsetzen. Besonders freuen wir uns nun für die Nachwuchswissen-schaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, denen wir im Rahmen des Kollegs nachhaltige Arbeits- und Forschungsperspektiven geben können.

    Was werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, was verbirgt sich hinter dem Begriff der „Ästhetischen Praxis“ zum Beispiel an konkreten Forschungsfragen?

    Wir suchen Antworten auf die Frage, was geschieht, wenn Menschen künstlerisch tätig sind und sich selbst als künstlerisch tätig erfahren. Damit erweitern wir den Fokus der traditionellen europäischen Ästhetiken und Kunstwissenschaften, der seit der Etablierung der Ästhetik im 18. Jahrhundert auf ästhetischen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Urteilen lag, um eine praxistheoretische Komponente. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken ästhetische Formen des Machens und Vollziehens, die in die Produktion von Kunstwerken eingehen können, aber nicht müssen. Um ein Beispiel zu nennen: Statt, wie in der traditionellen Literaturwissenschaft, vor allem das fertige Drama zu analysieren, das eine Autorin geschrieben hat und das dann vielleicht auf einer Bühne aufgeführt wird, interessieren wir uns mehr für die Schreibprozesse, Probeprozesse, Prozesse des Übens und Improvisierens, die dem fertigen Stück und seiner Aufführung vorausgehen. Diese Prozesse müssen nicht darin aufgehen, ein Werk (etwa ein Drama) vorzubereiten. Sie haben darüber hinaus einen Eigensinn, der sich etwa darin zeigt, dass wir auch im Alltag, also jenseits der klassischen Kunstinstitutionen, schreiben, üben und improvisieren. Zwischen alltäglichen und genuin künstlerischen Praktiken findet ein vielfältiger Austausch statt, den wir untersuchen wollen.

    Im Zentrum der Forschungsarbeit des Kollegs stehen insgesamt drei Bereiche: Erstens, die kulturwissenschaftliche Analyse so unterschiedlicher Künste wie Theater, Performance, Bildende Kunst, Literatur und Musik als Praktiken. Zweitens, die Untersuchung außereuropäischer, insbesondere ostasiatischer ästhetischer Praktiken wie dem japanischen Nō-Theater, der Schreibkunst oder des Teeweges, die eine interkulturelle und postkoloniale Perspektive eröffnen. Drittens, das Erarbeiten einer umfassenden Theorie der Praxis, die es erlaubt, das Verhältnis von künstlerischen zu außerkünstlerischen Praktiken angemessen zu beschreiben.

    Wer ist an dem Graduiertenkolleg beteiligt?

    Am Graduiertenkolleg sind insgesamt neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Philosophie und Soziologie sowie der Kunst-, Literatur-, Theater-, Musik- und Kulturwissenschaft beteiligt.

    Wann startet das Graduiertenkolleg?

    Seine Arbeit aufnehmen wird das Graduiertenkolleg zum 1. April 2019. Bewilligt ist es zunächst für viereinhalb Jahre und könnte, nach einer positiven Zwischenbegutachtung, um weitere viereinhalb Jahre verlängert werden. Untergebracht werden wir im alten Hofmeisterhaus auf der Domäne Marienburg, das zuvor renoviert wird.

    Was erhoffen Sie sich von der Arbeit der Doktorandinnen und Doktoranden in den kommenden Jahren?

    Wir gehen davon aus, dass unsere Doktorandinnen und Doktoranden mit der Untersuchung einzelner ästhetischer Praktiken sowie des Eigensinns ästhetischer Praxis insgesamt ein neues Forschungsfeld auf internationaler Ebene etablieren werden. Der Innovationsgehalt der Dissertationsprojekte ergibt sich aus der Zusammenführung philosophisch-soziologischer Praxistheorien mit der empirisch-kulturwissenschaftlichen Erforschung verschiedener künstlerischer, europäischer wie außereuropäischer Praktiken im Kontext von Literatur, Theater, Performance, Musik, Bildender Kunst sowie der Populären Kultur.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

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    news-15747 Fri, 09 Nov 2018 08:37:42 +0100 Erst Doktorandin in Hildesheim, heute Professorin in Köln https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/erst-doktorandin-in-hildesheim-heute-professorin-in-koeln/ Karolina Suchowolec hat ihre Doktorarbeit „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim mit summa cum laude abgeschlossen. Nur 15 Monate später wurde sie auf eine Professur berufen. „Eine sehr selbstständige und ungewöhnlich umfassende Forschungsarbeit“, sagt Suchowolec‘ Doktorvater Professor Klaus Schubert über die wissenschaftliche Leistung der jungen Forscherin. Während der Promotionsfeier der Universität Hildesheim wurde in dieser Woche Karolina Suchowolec ihre Promotionsurkunde überreicht. Die Sprachwissenschaftlerin ist einer der 70 Doktorandinnen und Doktoranden, die ihre Promotion zwischen 2016 bis 2018 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben.

    Während der Promotionsfeier, die in diesem Jahr das Team um Dekan Professor Martin Sauerwein vom Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ ausrichtete, wurden Dr. Josif Grabocka aus der Arbeitsgruppe Maschinelles Lernen von Professor Lars Schmidt-Thieme und Dr. Martin Kreh aus der Arbeitsgruppe „Algebra und Zahlentheorie“ von Professor Jürgen Sander für herausragende wissenschaftliche Arbeiten geehrt.

    Vor zwanzig Jahren lag die durchschnittliche Promotionsbilanz bei unter 10 im Jahr – heute bei rund 40. Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich gratuliert allen Promovendinnen und Promovenden und dankt den Professorinnen und Professoren, die die wissenschaftlichen Arbeiten mit viel Mühe und Engagement begleitet haben. Dies sei Ausdruck für die „gewissenhafte Arbeit, die wir als Universität leisten“. „Pflegen und nutzen Sie die Kraft der Vielfalt und tragen Sie Ihren Doktortitel mit Bescheidenheit und Respekt“, so der Appell des Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Uwe Thomas.

    Forschungsthemen der Doktorandinnen und Doktoranden sind zum Beispiel:

    • „Moderne Kunst in Taiwan. Diskursanalysen zum taiwanesischen Selbstverständnis im Globalisierungsprozess der Kunstwelt seit 1950“, Dr. Lisa Bauer-Zhao, betreut von Prof. Dr. Rolf Elberfeld, Philosophie

    • „Untersuchung zur Vermeidung der Blaulichtanteile bei der Hintergrundbeleuchtung von Displays unter Einsatz von LED-Clustern mit steuerbarem Farbspektrum“, Dr. Nils Habich, betreut von Prof. Dr. Jürgen Böhmer, Technik

    • „Die Mengenlehre im Anfangsunterricht – historische Darstellung einer gescheiterten Unterrichtsreform in der Bundesrepublik Deutschland“, Dr. Tanja Hamann, betreut von Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme

    • „Sozialer Einfluss und therapeutische Wirkmechanismen bei depressiven Störungen“, Dr. Christina Charlotte Hofheinz, betreut von Prof. Dr. Renate Soellner, Psychologie

    • „Analyse contrastive des verbes dans des corpus médicaux et création d’une ressource verbale de simplification de textes“, Dr. Ornella Wandji Tchami, betreut von Prof. Dr. Ulrich Heid, Informationswissenschaft und Sprachtechnologie

    Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Karolina Suchowolec

    Im Interview spricht Karolina Suchowolec über das wissenschaftliche Arbeiten in Hildesheim und die Entstehung einer Doktorarbeit.

    Frau Professorin Suchowolec, was untersuchen Sie in Ihrer Forschung?

    Sprachen sind nicht statisch, sondern dynamisch und verändern sich mit der Zeit. In meiner Doktorarbeit „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ in Hildesheim habe ich untersucht, wie man den Sprachgebrauch von Menschen gezielt und systematisch verändern kann. Zwei Beispiele sind etwa die Rechtschreibreformen einer Standardsprache (wie die neuste deutsche Rechtschreibreform) oder auch Wortschatzstandardisierung für Gebrauchstexte wie Bedienungsanleitungen, damit ein „Ding“ immer mit dem gleichen Wort benannt wird.

    Warum erfolgen solche Veränderungen in der Kommunikation?

    Solche Maßnahmen sind ganz praktisch begründet und hängen oft, wenn auch nicht ausschließlich, mit dem Wunsch zusammen, die Kommunikation effizienter zu gestalten und zu optimieren. Bei der Wortschatzstandardisierung für technische Texte möchte man unter anderem erreichen, dass die Texte für den Endbenutzer aber auch für den Übersetzer leichter verständlich sind und dabei auch der Schreibprozess für die Textautoren und Textübersetzer einfacher und kostengünstiger ist.

    Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt Ihrer Doktorarbeit?

    Speziell habe ich mich in der Doktorarbeit mit der Frage befasst, welche Empfehlungen es in der Forschung gibt, wie man die Durchführung solcher Maßnahmen unterstützen kann. Diese Empfehlungen habe ich in mehreren Gebieten der Linguistik identifiziert, sie dann zusammengetragen, systematisiert und in einer leicht zugänglichen Form dargestellt. Eine allgemeine Empfehlung ist zum Beispiel, dass die späteren Benutzer von Anfang an eine aktive Rolle in der Entwicklung der Maßnahme spielen und nicht erst am Ende des Prozesses mit Resultaten konfrontiert werden sollten.

    Eine Erkenntnis, zu der Sie in Ihrer Hildesheimer Doktorarbeit kamen?

    Auch wenn das Thema der Sprachlenkung in der Praxis ganz wichtig ist, so ist die Frage nach konkreten Praxisempfehlung in der Linguistik noch recht unsystematisch erforscht. Es gibt viele Teildisziplinen der Linguistik, die sich zwar punktuell mit einzelnen Problemen befassen, aber es gibt zwischen ihnen kaum Austausch. Es ist sinnvoll und möglich, die Empfehlungen aus allen diesen recht unterschiedlichen Teildisziplinen gemeinsam zu betrachten.
    Das Hauptergebnis meiner Arbeit sind Ablaufdiagramme, die zeigen, welche Schritte bei der Umsetzung für möglich gehalten werden. Diese Diagramme sind sowohl für Projekte in der Praxis interessant, weil man daraus einfach ablesen kann, was man konkret tun kann und welche Möglichkeit man bis jetzt vielleicht nicht berücksichtig hat. Sie können also als eine Entscheidungshilfe bei der Planung und Umsetzung von Projekten dienen. Aber auch für die Wissenschaft sind sie interessant, weil sie die Formulierung von Forschungshypothesen für empirische Untersuchungen unterstützen.

    Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist es wichtig, im Bereich der Fachkommunikation zu forschen?

    Das Hauptergebnis meiner Arbeit hat eine ganz praktische Anwendung. Aber auch in der angewandten Wissenschaft ist es wichtig, dass man sich einem praktischen Problem systematisch und mit nachvollziehbaren und überprüfbaren Methoden nähert. Zudem ist der Austausch über die Forschungsergebnisse wichtig. Diesen Punkten habe ich mich in meiner Doktorarbeit explizit gewidmet.

    Wie viel Zeit haben Sie in Ihre Doktorarbeit investiert?

    Ich habe an meinem Promotionsprojekt insgesamt sechseinhalb Jahre gearbeitet, davon habe ich die ersten drei Jahre bei einem Maschinenbauunternehmen in Würzburg verbracht, wo ich ganz praktisch einen standardisierten Wortschatz für die Technische Dokumentation von Druckmaschinen (Betriebsanleitungen) aufgebaut und eingeführt habe. In dieser Zeit habe ich zwar keine „Daten“ für  meine Doktorarbeit gesammelt, da es sich um keine empirische Arbeit im klassischen Sinne handelte, aber die Praxiserfahrungen und Beobachtungen haben mir insgesamt in meinem Promotionsprojekt geholfen. In dieser Zeit habe ich auch viel gelesen, zu linguistischen Themen aber auch darüber hinaus, was dann eine Grundlage für die Doktorarbeit legte. Nach diesen drei Jahren als externe Doktorandin wechselte ich nach Hildesheim und arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft bei Professor Dr. Klaus Schubert. Durch eine stärkere Anbindung an den universitären Betrieb konnte ich mich der Doktorarbeit fokussierter widmen. Ich habe in dieser Zeit mit dem Aufschreiben von Ideen begonnen, was in meinem Fall ein wichtiger Schritt war, weil die Arbeit eher theoretisch ist; durch das Aufschreiben entstanden neue Erkenntnisse und die Arbeit kristallisierte sich immer mehr heraus. Ich stellte kleine Ausschnitte oder Problemfälle aus meiner Arbeit immer wieder auf wissenschaftlichen Konferenzen und Workshops vor, was auch wichtig für das Fortschreiten der Arbeit war. So konnte ich auch die Analysemethode konkretisieren und verfeinern.

    Welche Verantwortung tragen Sie als Forscherin?

    Vor allem bei qualitativen Arbeiten stellen Nachvollziehbarkeit und Transparenz eine Herausforderung, weil man die Erkenntnisse auf eine intersubjektive Grundlage stellen muss. Deswegen war mir der Einsatz einer klar definierten Analysemethode und eine kleinschnittige Dokumentation der Zwischenschritte und -ergebnisse besonders wichtig.

    Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den Doktortitel – werden Sie etwas vermissen?

    Die Bibliothek in Hildesheim bietet eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und dort arbeiten sehr freundliche und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

    Welcher Karriereschritt folgt nach der Doktorarbeit?

    Natürlich lässt sich die wissenschaftliche Karriere nur bis zu einem gewissen Grad planen und die berufliche Unsicherheit ist in der Wissenschaft schon recht groß. Aber ich habe nach der Promotion eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim erhalten. Und 2018 folgte die Berufung auf die Professur für Terminologie und mehrsprachige Fachkommunikation in Köln. Dort befasse ich mich mit mit dem Fachwortschatz, u.a. aus Standardisierungsperspektive, sowie mit Prozessen, die bei der Kommunikation über fachliche Inhalte stattfinden. Die Berufung auf eine Professur kurz nach der Promotion war dank meiner einschlägigen außeruniversitäten Berufserfahrung möglich.

    Die Fragen stellte Isa Lange.

    Zur Person: Prof. Dr. Karolina Suchowolec

    Karolina Suchowolec, geboren in Bialystok in Polen, forscht und lehrt seit 2018 an der Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften der TH Köln. Die 33-Jährige ist Expertin für Terminologie und mehrsprachige Fachkommunikation.

    Die Sprachwissenschaftlerin hat zum Thema „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ bei Prof. Dr. Klaus Schubert am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim promoviert. Direkt nach ihrer Promotion 2016 ging die Wissenschaftlerin nach Mannheim an das renommierte Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und wurde 2018 auf die Professur in Köln berufen. „Karolina Suchowolec bringt eine für die Berufschancen sehr günstige Kombination aus industrieller Praxiserfahrung und wissenschaftlichem Forscherdrang mit“, sagt ihr Doktorvater Professor Klaus Schubert.

    Suchowolec studierte zuvor Angewandte Linguistik und Deutsch als Fremdsprache an der TU Dresden und an der Ohio State University in den USA sowie Mathematik und Informatik an der Fernuniversität Hagen.

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    news-14744 Fri, 02 Nov 2018 18:37:00 +0100 Informatiker entwickeln intelligente Digitalplattform für innovative Lehre https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/informatiker-entwickeln-intelligente-digitalplattform-fuer-innovative-lehre/ Die Informatikprofessoren Klaus Schmid, Lars Schmidt-Thieme und Ralf Knackstedt entwickeln eine Digitalplattform für die Lehre in den IT-Studiengängen. Dabei wenden die Wissenschaftler aktuelle Techniken der Künstlichen Intelligenz an, um Studentinnen und Studenten individualisiert im Lernprozess zu unterstützen. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert das Hildesheimer Projekt. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert das Hildesheimer Projekt „Problemlösungs- und Kollaborationskompetenz fördern – Entwicklung einer intelligenten Digitalplattform für innovative Lehre“ mit einer Laufzeit von drei Jahren. Entwickelt wurde das Projekt am Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ von dem Informatiker Professor Klaus Schmid, dem Informatiker Professor Lars Schmidt-Thieme und dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt.

    Kern des Projekts ist die Entwicklung einer digitalen Plattform, die in besonders flexibler und intelligenter Weise eine neuartige Grundlage für zukünftige innovative Lernszenarien bieten soll. Aufbauend darauf werden verschiedene konkrete Unterstützungen umgesetzt, um so frühzeitig den Mehrwert der Plattform in der Lehre zu analysieren und die weitere Entwicklung optimal auszurichten, sagt Professor Klaus Schmid. Darüber hinaus soll das Projekt zu einer offenen, erweiterbaren Plattform führen, die es erlaubt für eine Vielzahl künftiger Anwendungen in der Lehre eine Basis zu bilden.

    Digitalplattform unterstützt Studentinnen und Studenten in ihren Lernprozessen

    Im Projekt wenden die Informatiker aktuelle Techniken der Künstlichen Intelligenz an, um Studentinnen und Studenten der IT-Studiengänge optimal und individualisiert im Lernprozess zu unterstützen. Studentinnen und Studenten sollen beim Lernen und Bearbeiten von Übungsaufgaben zum Beispiel schneller als bisher Feedback auf ihre eigenen Problemlösungsversuche erhalten.

    So werden die zu entwickelnden Systeme in Zukunft schneller und präziseres Feedback geben, um Studierenden individuelle Fehlerquellen zeitnah aufzeigen zu können und individuell zugeschnittene Empfehlungen für den weiteren Lehr- und Lernpfad geben zu können. Außerdem sollen die Studierenden künftig automatisierte Vorschläge für die Sequenzierung und Bearbeitung von Aufgaben erhalten, um den Lernerfolg und die Lerneffizienz zu optimieren.

    Schnelles und präzises Feedback beim Lernen und virtuelle Teamarbeit

    Dabei greifen die Hildesheimer Informatiker nicht bloß auf vorhandene Konzepte oder auf dem Softwaremarkt angebotene Anwendungen zurück, sondern tragen mit dem Projekt zur Fortentwicklung der didaktischen und softwaretechnischen Umsetzung digitaler Hochschullehre bei.

    Die Digitalisierung der Lehre, die im Rahmen des Projekts umgesetzt wird, soll außerdem zur „Virtualisierung gemeinsamen Forschens und Problemlösens“ beitragen. Gruppen von Studentinnen und Studenten sollen sich in Vorlesungen, Übungen und Seminaren flexibler bilden und zusammenarbeiten können und internationale Studentinnen und Studenten können mit Hilfe digitaler Technologien über längere Zeiträume in die Studierendengruppen eingebunden werden. Dies gilt zum Beispiel für Studierende, die ein Auslandssemester in Hildesheim absolvieren und in ihr Heimatland zurückkehren müssen oder für Hildesheimer Studierende, die sich zum Studium ein Semester im Ausland befinden und die Teamarbeit in einer Gruppe fortführen möchten.

    Die Wissenschaftler erhoffen sich für die Lehre eine höhere Zufriedenheit der Studierenden mit dem Studium, eine Verringerung der Abbrecherquote, bessere Lernergebnisse sowie insbesondere eine stärkere Entwicklung der Team- und Sozialkompetenzen.

    Wissenschaftsminister: „Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und hat Auswirkungen auf die Lehre an Hochschulen“

    Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Hildesheimer Projekt im Rahmen des Programms „Qualität Plus – Programm zur Entwicklung des Studiums von morgen“. Mit dem Förderprogramm unterstützt das Ministerium die niedersächsischen Hochschulen bei der Weiterentwicklung von Studiengängen sowie ihrer Gesamtstrategie für Studium und Lehre. Insgesamt wurden 98 Anträge eingereicht. 48 Projekte wurden bewilligt.

    „Einflüsse wie die Globalisierung oder die Digitalisierung verändern unsere Gesellschaft – das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Hochschulen. Mit ihren Vorschlägen zur Anpassung ihrer Studienangebote reagieren die niedersächsischen Universitäten und Fachhochschulen in hervorragender Weise auf diese Herausforderung. Für die Studierenden entsteht durch die Projekte ein echter Mehrwert“, so Wissenschaftsminister Björn Thümler.

    Das Wissenschaftsministerium fördert zum Beispiel Maßnahmen, die die Studentinnen und Studenten auf die digitale Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten. Damit ist das Programm zugleich Bestandteil der Digitalisierungsstrategie für die niedersächsischen Hochschulen, so das Wissenschaftsministerium.

    Die Hildesheimer Informatiker bauen auf langjährigen Expertisen auf. So haben die Wissenschaftler zum Beispiel in dem EU-Projekt „iTalk2Learn“ ein intelligentes Tutoring-System entwickelt, in dem Schülern anhand ihres eigenen Lernfortschritts personalisiert neue Aufgaben vorgeschlagen werden. Die Aufgaben werden dabei so gewählt, dass die individuellen Lernziele möglichst effektiv – schnell, aber auch ohne große Frustration – erreicht werden, und den Schüler andererseits nicht langweilen. Die Hildesheimer Expertise im Maschinellen Lernen, insbesondere in Empfehlungssystemen, kann in dem neuen Projekt eingesetzt werden.

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