Universität Hildesheim - Meldungen - Forschung https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Forschung de-de Stiftung Universität Hildesheim Wed, 11 Dec 2019 12:03:47 +0100 Wed, 11 Dec 2019 12:03:47 +0100 TYPO3 EXT:news news-17999 Tue, 10 Dec 2019 13:46:07 +0100 Sozialpsychologie: Psychologieprofessor Andreas Mojzisch in DFG-Fachkollegium gewählt https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/sozialpsychologie-psychologieprofessor-andreas-mojzisch-in-dfg-fachkollegium-gewaehlt/ Professor Andreas Mojzisch vom Institut für Psychologie wurde in das DFG-Fachkollegium Psychologie, Fach „Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie“, gewählt. In dem Gremium der Deutschen Forschungsgemeinschaft wird der Hildesheimer Professor von 2020 bis 2023 mitwirken. Die insgesamt 49 Fachkollegien der DFG bestehen aus Forscherinnen und Forschern aus dem deutschen Wissenschaftssystem, die ihre Arbeit entweder in Sitzungen oder in einem schriftlichen Verfahren wahrnehmen. Die Fachkollegien bewerten die Anträge auf finanzielle Förderung von Forschungsvorhaben. An der diesjährigen DFG-Fachkollegienwahl konnten rund 150 000 wahlberechtigte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler online über die Besetzung von 632 Plätzen in insgesamt 49 Fachkollegien für die Amtsperiode von 2020 bis 2023 entscheiden. Insgesamt haben rund 53 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Wahl teilgenommen und ihre bis zu sechs Stimmen elektronisch auf 1659 Kandidierende verteilt. 

Durch ihr Urteil gewährleisten die DFG-Fachkollegien die Qualität des Begutachtungswesens und tragen wesentlich zu Akzeptanz der Förderentscheidungen der DFG bei. Andreas Mojzisch ist der einzige Wissenschaftler aus Hildesheim, der in dieser Periode im DFG-Fachkollegium mitwirkt.

Sozialpsychologie in Hildesheim

Andreas Mojzisch forscht und lehrt seit 2011 als Professor für Sozialpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. Seine Froschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gruppenentscheidungen und Gruppenurteile, Arbeit und Gesundheit, soziale Identität und Stress sowie Social Neuroscience.

In der Hildesheimer Arbeitsgruppe „Sozialpsychologie“ erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem die sozialen Aspekte von Urteils- und Entscheidungsprozessen und wie Menschen unter verschiedenen sozialen Rahmenbedingungen in Gruppen diskutieren und gemeinsam Entscheidungen treffen. Darüber hinaus untersucht die Arbeitsgruppe zum Beispiel, wie ein Gemeinschaftsgefühl in belastenden Situationen als Stresspuffer helfen kann.

Derzeit leitet Mojzisch unter anderem das DFG-Forschungsprojekt „Sozialer Einfluss und perzeptuelle Entscheidungen“, gemeinsam mit Markus Germar, sowie das vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium geförderte Projekt „Die Bedeutung einer geteilten sozialen Identität in Selbsthilfegruppen für die Rückfallprophylaxe bei Alkoholismus“.

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news-17862 Fri, 06 Dec 2019 09:10:00 +0100 Erstmals Master Lehramt Informatik für Haupt-, Real- und Oberschulen in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/erstmals-master-lehramt-informatik-fuer-haupt-real-und-oberschulen-in-niedersachsen/ Das Team der Lehrenden in der Informatikdidaktik wächst: Dr. Bernadette Spieler forscht und lehrt seit November 2019 an der Universität Hildesheim. Im Interview gibt die Informatikerin Einblicke in ihre Arbeit. Die Universität Hildesheim bildet als eine der wenigen Hochschulen in Niedersachsen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer für Haupt-, Real- und Oberschulen aus. Informatik durchdringt alle Lebensbereiche. Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim weist darauf hin, dass es unsere Aufgabe als Gesellschaft ist, Schülerinnen und Schülern eine  informatische Grundkompetenz zu vermitteln. Sie können lernen, algorithmische Denkweisen zu verstehen und kritisch damit umzugehen. Nicht jedes Kind muss Programmierer oder Programmiererin werden, aber alle Heranwachsenden sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie Algorithmen funktionieren und welche Auswirkungen Technik haben kann. Ansonsten sind sie der Technik machtlos ausgeliefert.

Im Interview gibt Dr. Bernadette Spieler Einblicke in die Ausbildung von Informatiklehrerinnen und Informatiklehrern. Die Informatikerin forscht und lehrt seit November 2019 am Institut für Mathematik und Angewandte Informatik,  leitet dort die neu gegründete Abteilung für Didaktik der Informatik und erfüllt alle Aufgaben der Professur für Didaktik der Informatik an der Universität Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hat zuvor an der Technischen Universität Graz am Institut für Softwaretechnologie in Österreich gearbeitet.

Interview mit Dr. Bernadette Spieler

„Wir können Kindern spielerisch und kreativ informatische Grundkonzepte, wie zum Beispiel Binärcodes oder Algorithmen, vermitteln“

Frau Dr. Spieler, Sie sind selbst Informatikerin, kommen aus der Softwareentwicklung. Was fasziniert Sie am Fach Informatik?

Die Informatik erlaubt es, eigene Ideen zu entwickeln, diese kreativ umzusetzen und sich dabei vielseitiger Technologien zu bedienen. Sie bietet laufend spannende  Herausforderungen, daher gibt es in diesem Bereich immer wieder Neues zu erforschen, auszuprobieren und zu lernen. In der Informatik verschwimmen die Grenzen verschiedener Fachbereiche miteinander und neben digitalen Kompetenzen sind Unternehmen auf diverse Teams angewiesen, welche kreative Ideen und die Innovationen der Zukunft steuern. Die Jobs von morgen werden nicht nur weitreichend digital und vernetzt sein, sondern erfordern das Entwickeln von Problemlösungskompetenzen und die Fähigkeit kritisch zu hinterfragen, zu deuten und bewerten zu können. Dies bildet die Basis des Informatikunterrichts und vor allem viele Anreize für Begeisterung.

Und wie bringt man diese Begeisterung Kindern bei?

In erster Linie möchte ich meine eigene Begeisterung weitergeben und vor allem aufzeigen, wie einfach es sein kann selbst etwas zu entwickeln und seine eigenen Ideen zu verwirklichen und dass Programmieren und die Informatik nicht schwierig sein müssen. Ich möchte Jugendliche bestärken, sich mehr mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen und ihnen neue Wege durch die Informatik eröffnen, sowie einen spielerischen Ansatz in die Welt der Programmierung vermitteln. Jugendliche und vor allem Mädchen bekommen meist nicht die Chance für die Informatik interessiert oder motiviert zu werden. Vor allem der Informatikunterricht variiert sehr von Schule zu Schule und Programmieren nimmt im Vergleich zu anderen Inhalten oft wenig Platz ein. Junge Erwachsene wissen oft nicht, was eigentlich hinter der Technik, die sie tagtäglich wie selbstverständlich nutzen, steckt. Hier ist es mir wichtig, ein umfassendes Bild der Informatik zu vermitteln und diesen Weg als ein mögliches und vor allem zukunftsträchtiges Berufsbild zu präsentieren.

Sie haben zuvor an der Technischen Universität Graz gearbeitet, sind nun von Österreich nach Hildesheim gezogen, um hier zu forschen und zu lehren. Warum haben Sie diese Entscheidung getroffen – warum Hildesheim?

Mein Ziel ist es, meine Erfahrungen und Erkenntnisse im Bereich der Informatikdidaktik und Gender&Diversität sinnvoll einsetzen zu können, um allen Jugendlichen die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten am Arbeitsmarkt zu nutzen und sich weiterbilden zu können. Durch die Erforschung neuer Konzepte und Standards im Bereich der Informatischen Bildung, möchte ich meinen Teil zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen beitragen. Die Universität Hildesheim bietet mir hier nicht nur ein spannendes Berufsfeld, sondern gibt mir auch die Möglichkeit, die Informatikdidaktik an Schulen zu stärken und zu Verbesserungen im Bildungswesen beizutragen. Die Universität Hildesheim hat frühzeitig erkannt, wie wichtig es ist die zukünftigen Informatikleherinnen und Informatiklehrer bestmöglich auszubilden.

Womit befassen Sie sich Ihrer Forschung und Lehre? Sie haben in Projekten zu den Themen „Computer Science for all“, „Girls Coding Week“ und „Women & Technology“ gearbeitet.

Ich sehe es als meine Aufgabe, Jugendliche und vor allem junge Mädchen für die Technik zu begeistern und vorzubereiten. Ich selbst hatte das Glück, dass ich nicht nur den Rückhalt aus meiner Familie erhalten, sondern auch eine motivierte Informatiklehrerin gehabt hatte. Ich glaube, dass vor allem junge Frauen oft sehr unsicher sind, ob sie in diesen, doch noch sehr männerdominierten, Bereich passen. Wenn Frauen aber in diesem Berufsfeld nicht einbezogen werden, haben sie keine Chance eine tragende Entscheidungsrolle in der Umsetzung von Innovationen, Projekten und Forschungen einzunehmen und daher werden diese Entwicklungen weitestgehend ohne ihre Beteiligung durchgeführt. Es geht darum, Angebote öffentlich sichtbarer zu machen und ihnen die Chance zu geben, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft zu leisten. Aus diesem Grund möchte ich auch gerne neue Angebote und Anreize für Frauen und Mädchen an der Universität Hildesheim eröffnen. Im Sommersemester 2020 biete ich im Master für alle Informatik- und Informatik-Lehramtsstudierenden auch ein Seminar zum Thema „Gender und Diversity-Aspekte der Informatik und Informatik-Didaktik" an.

Lehrerinnen und Lehrer für das Schulfach Informatik fehlen. Die Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen aus. Neben Programmieren und Datenbanken gehören zum Beispiel Algorithmen, Datenstrukturen und Medieninformatik zum Bachelorstudium. Nun starten im Wintersemester 2019/20 die ersten Masterstudierenden in das Lehramt Informatik in Hildesheim. Was steht im ersten Masterjahr zum Beispiel auf dem Stundenplan der Studierenden?

Ich unterrichte vor allem Fächer zur Vermittlung der Informatik – vertiefende Elemente der informatischen Bildung. Neben Vorlesungen stehen auch Seminare und Übungen auf dem Lehrplan. Auf der einen Seite ist es wichtig, selbst auszuprobieren und zu experimentieren, um unterschiedliche Fähigkeiten und Talente von Schülern und Schülerinnen zu aktivieren. Auf der anderen Seite sollen die fundamentalen Ideen der Informatik vermittelt sowie die oftmals genannten „Computational Thinking Skills” angeregt werden. Folglich möchte ich unterschiedliche Tools in meine Lehre integrieren, wie die am Institut für Softwaretechnologie der TU Graz entstandene Lernapp Pocket Code (https://catrob.at/pc), aber auch kleine leistungsfähige Microcontroller wie BBC Micro:Bit, Arduino oder Raspberry Pi. Diese bieten umfangreiche Funktionen und sorgen für Spaß und Unterstützung bei der Aneignung von Programmierkenntnissen. In erster Linie steht aber nicht das Tool selbst im Vordergrund, sondern wie und welche Konzepte damit vermittelt werden sollen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es,  die Vielfalt zu präsentieren, damit die zukünftigen Lehrenden ein umfassendes Verständnis und Repertoire erhalten, aus dem sie wählen können. Daneben stehen auch „unplugged“-Aufgaben am Lehrplan – das sind Informatik-Aktivitäten, welche ohne die tatsächliche Verwendung eines Computers auskommen. Diese vermitteln spielerisch und kreativ informatische Grundkonzepte, wie zum Beispiel Binärcodes oder Algorithmen und stellen Konzepte so greifbarer für Kinder dar.

Eine Praxisphase gehört zum Studium. Wie kombinieren die Informatikstudierenden Theorie und Praxis, wie arbeitet die Universität im Lehramtsfach Informatik mit regionalen Schulen zusammen?

Die Praxisphase der Studierenden im Master wird sich über drei Semester erstrecken: ein Vorbereitungsseminar, ein Praxisblock an den Schulen mit einem Begleitseminar an der Universität und ein Nachbearbeitungsseminar. Im jetzigen Wintersemester starte ich das Vorbereitungsseminar gemeinsam mit Herrn Stephan Kreuzkam. Er ist Informatiklehrer  an der Oberschule Bockenem und begleitet die Studierenden in der Rolle des „Lehrerbeauftragten in der Praxisphase“ kurz LiP. Wir werden auch gemeinsam das Vorbereitungsseminar an der Universität Hildesheim leiten. Hier können die Studierenden Lehrpläne und Unterrichtseinheiten entwickeln und deren Umsetzung praktisch erproben.

Sie arbeiten im Arbeitskreis Informatik. Wer ist daran beteiligt, was ist das Ziel?

Der Arbeitskreis „Schulen im Digitalen Wandel“ umfasst die Projektgruppe Medienbildung des Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) an der Universität Hildesheim und setzt sich zusammen aus Nicole Ude, Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme, Dr. Candy Walter und Dr. Hartmut Schröder. Ziel dieses Arbeitskreises ist es, Schulen in den Anforderungen, welche der digitale Wandel mit sich bringt, bestmöglich zu unterstützen. Dafür soll der Arbeitskreis ein Forum bieten, um gemeinsam über Bedarfe, Anforderungen, bildungspolitische Vorgaben, Kompetenzmodelle, Materialien, Medien und vieles mehr zu informieren, auszutauschen und zu diskutieren. Direkt an den Schulen oder an der Universität Hildesheim werden dafür monatlich Veranstaltungen durchgeführt, welche Good-practice Beispiele, Erfahrungen und auch Fortbildungen bereitstellen. Gerade habe ich Einblicke in „Spielerische Aktivitäten mit Smartphones im Schulkontext“ gegeben.

Woher kommen denn die gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer für Informatik an Schulen? Wie wird das Thema an den Universitäten bearbeitet?

Ich habe speziell in Österreich die Erfahrungen gemacht, dass leider zu wenige gut ausgebildete Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer an den Schulen vorhanden sind. Informatik wird zwar an vielen Neuen Mittelschulen (ehem. Hauptschulen) schulautonom unterrichtet, es fehlt aber an einer fundierten flächendeckenden Aus- oder Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer. Was dies für die Qualität des Unterrichts bedeutet kann man sich leicht vorstellen. Viele Informatiklehrende haben in Österreich keine grundlegende Informatikausbildung durchlebt, sondern ihre Kenntnisse durch Weiterbildungsangeboten in ihrem eigenen Ermessen erworben. Leider sind viele Lehrkräfte mit der Thematik „Neue Medien“ und deren Auswirkungen überfordert. Es fehlt ihnen in diesem sich rasant entwickelnden Gebiet an allgemeinem, technischem und rechtlichtem Wissen. Daher müssen attraktive Fortbildungsmaßnahmen für bestehende Lehrerinnen und Lehrer entwickelt und angeboten, sowie zukünftige Informatiklehrende bestmöglich vorbereitet werden.

Die Digitalisierung dringt in alle Lebensbereiche ein, in Politik, Wirtschaft, Kultur. Gesellschaftlich wird viel über den Einsatz von Technologie, über soziale Netzwerke, die den Nährboden für Hasskommentare bilden, diskutiert. Wie gehen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer mit den Auswirkungen der Technologie auf die Gesellschaft um? Sind auch ethische Fragen Teil des Studiums?

Der kompetente und aufgeklärte Umgang mit Medien ist eine grundlegende Voraussetzung, um erfolgreich an der Wissensgesellschaft teilnehmen zu können. Die Digitalisierung ist ein nicht aufzuhaltender Prozess. Für Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer ist es daher wichtig, junge Menschen mit dem Grundwerkzeug auszustatten, sich in einer immer vernetzen und digitale Welt zurecht zu finden. Im Masterstudium finden die angehenden Informatiklehrer und Informatiklehrerinnen daher auch das Fach „Informatik und Gesellschaft“, in welchem ethische, gesellschaftspolitische und rechtliche Implikationen verschiedener Bereiche und Anwendungen der Informatik analysiert werden, insbesondere im Hinblick auf ihre berufliche Verantwortung als zukünftige Lehrenden.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt:

Lehramtsfach Informatik in Hildesheim: Programmieren, Datenstrukturen und Robotik auf dem Stundenplan

Die Niedersächsische Landesregierung hat 2015 beschlossen, das Fach Informatik künftig auch an Hauptschulen und Realschulen einzuführen und seit dem Studienjahr 2016/17 die Universitäten Hildesheim und Oldenburg beauftragt, das Lehramt Informatik an Haupt- und Realschulen in Niedersachsen einzurichten. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik seit 2016 nicht nur für Studienanfängerinnen und Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrkräfte. 

Die ersten Bachelorstudierenden haben ihr Studium im Sommersemester 2019 abgeschlossen, die ersten Masterstudierenden im Lehramt Informatik bildet die Universität Hildesheim seit dem Wintersemester 2019/20 aus.

Insgesamt 42 Lehramtsstudierende im Fach Informatik bildet die Universität Hildesheim im Bachelor und Masterstudium im Wintersemester 2019/20 aus. „Wir wünschen uns, dass sich noch mehre junge Menschen für das Lehramtsfach Informatik entscheiden“, sagt Professor Klaus-Jürgen Förster.

Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium in Hildesheim. Die Lehramtsstudierenden wählen Schwerpunkte wie Maschinelles Lernen, Softwareentwicklung, Robotik oder Wirtschaftsinformatik. Sie kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

Die Lehramtsstudierenden besuchen Vorlesungen und Seminare zum Teil gemeinsam mit den etwa 800 IT-Studierenden aus den IT-Studiengängen „Angewandten Informatik“, „Informationsmanagement und Informationstechnologie“, „Wirtschaftsinformatik“ und „Data Analytics“ und sind damit nah dran an den aktuellen fachwissenschaftlichen Themen. Hinzu kommen Lehrveranstaltungen in den Bereichen Didaktik, Erziehungswissenschaft und Psychologie sowie Schulpraktika.

Die Studierenden befassen sich im Studium mit Grundlagen der Informatik: Wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen? Wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

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news-17945 Thu, 05 Dec 2019 08:31:00 +0100 Geographie: Hildesheimer Bodenkonferenz https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geographie-hildesheimer-bodenkonferenz/ Ein Forschungsteam um Professor Martin Sauerwein vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim hat sich auf Bodenkunde spezialisiert und befasst sich mit dem Schutz der Böden und dem Umgang mit Böden bei Planungs- und Baumaßnahmen. Während der 5. Hildesheimer Bodenkonferenz am Tag des Bodens widmen sich Fachleute der Flächeninanspruchnahme und der Beeinträchtigung der Böden in der Region Hildesheim. Bericht der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung

„Die dünne Haut unserer Erde“
Mehr über die Forschung von Prof. Dr. Martin Sauwerwein
lesen Sie im Interview im Universitätsjournal DIE RELATION (Seite 12)

„Wir möchten mit unseren Bodenkonferenzen dazu beitragen, ein Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren, welchen Wert die Böden haben und was sie leisten“, so Professor Martin Sauerwein vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim. Die Hildesheimer Bodenkonferenz am Tag des Bodens widmet sich der Flächeninanspruchnahme und der Beeinträchtigung der Böden in der Region Hildesheim. In den beiden ersten Teilen der Veranstaltung sollen die Sachstände der beiden Energieleitungsvorhaben SuedLink und Wahle-Mecklar und ihre Auswirkungen auf die Böden als auch Belange betroffener Eigentümer und Landwirte dargestellt und auch weiter gehende Aspekte in Form einer Podiumsdiskussion erörtert werden.

Im dritten Teil der Veranstaltung stellen sich regionale Engagements und Initiativen zum Bodenbewusstsein vor.
Da sich zum Zeitpunkt der Konferenz diverse die Region tangierende Projekte in wichtigen Phasen befinden, bieten die offenen Situationen Chancen für Überlegungen für ein Bodenbewusstsein in der Region.

Die Bodenkonferenz wird veranstaltet vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim, vom Bundesverband Boden e.V. und vom Landkreis Hildesheim. Die Veranstaltung ist öffentlich. Mehr Informationen finden Sie unter: www.uni-hildesheim.de/bodenbuendnis-hildesheim

Die 5. Hildesheimer Bodenkonferenz findet am Donnerstag, 5. Dezember 2019, von 09:30 bis 16:30 Uhr im Hohen Haus am Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim statt.

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Fachbereich 4 Geographie Forschung Pressemeldungen Startseite
news-17969 Tue, 03 Dec 2019 21:37:00 +0100 Leseforscherin Prof. Irene Pieper im DLF-Interview zur PISA-Studie https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/leseforscherin-prof-irene-pieper-im-dlf-interview-zur-pisa-studie/ Die Lese- und Medienkompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler ist bei der PISA-Studie schlecht weggekommen, in einem Interview mit dem DEUTSCHLANDFUNK spricht Professorin Irene Pieper über die Lesekompetenz. Die Leseforscherin des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim hat sich auf Leseforschung und Lesedidaktik spezialisiert. Deutschlandfunk
Interview mit Prof. Dr. Irene Pieper
3. Dezember 2019

Die repräsentative PISA-Studie untersucht alle drei Jahre, wie gut Jugendliche zum Ende ihrer Pflichtschulzeit grundlegende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften in alltäglichen Situationen anwenden können. Dieses Mal lag der Schwerpunkt auf der Lesekompetenz.

Den Befund, dass jeder fünfte Jugendliche nicht einmal auf Grundschulniveau lesen kann, kommentiert Professorin Irene Pieper vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim im Interview mit dem DEUTSCHLANDFUNK: „Was sich hier verdichtet, ist ein Problem, das wir seit Längerem intensiv bearbeiten, aber noch nicht wirklich gelöst haben. Ich würde sagen, was insbesondere bedenklich stimmen muss, ist, dass der Anteil der sehr schwachen Leser so hoch ist, und da müssen wir einfach weiter arbeiten. Da gehen die Scheren auseinander.“

Im DLF-Interview macht Irene Pieper deutlich, dass das Wissen darüber, wie man Lesen fördern kann durch die Schullaufbahn hinweg, von der Primarstufe angefangen über die Sekundarstufe eins bis möglicherweise dann zum Abitur, in großem Umfang vorhanden ist. „Es gibt aber Situationen in Schulen, wo man merkt, dass es trotz dieses Wissens an anderen Dingen fehlt.  Unter anderem fehlt es schlicht an den Lehrkräften, die kontinuierlich dafür sorgen können, dass im Deutschunterricht – und der ist  insbesondere gefordert, wenn auch nicht alleine – die Angelegenheiten vorangebracht werden können", so Pieper.

Prof. Dr. Irene Pieper forscht seit vielen Jahren in den Bereichen Literarische Kompetenz und ihr Erwerb, Kommunikation im Literaturunterricht, Leseforschung und Lesedidaktik, Profession und Deutschunterricht und Lese- und Literarische Sozialisation.

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum Forschung Pressemeldungen Startseite
news-17927 Sun, 01 Dec 2019 09:35:00 +0100 Eröffnung des Graduiertenzentrums und Promotionsfeier https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/eroeffnung-des-graduiertenzentrums-und-promotionsfeier/ In dieser Woche hat die Universität Hildesheim das neue Graduiertenzentrum eröffnet. Das Graduiertenzentrum unterstützt die Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren der Universität Hildesheim durch ein breites Spektrum an Angeboten zu Qualifizierung, Finanzierung und Beratung. Zudem wurden während der Promotionsfeier 60 Personen, die ihre Promotion seit Herbst 2018 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben, feierlich gewürdigt. Die Angebote des Graduiertenzentrums zu Qualifizierung, Finanzierung und Beratung sind überfachlich ausgerichtet und orientieren sich an den Bedarfen der Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren.

Die fächerübergreifende Serviceeinrichtung stellt unter anderem Informationen bereit, fördert den Austausch und macht Qualifizierungsangebote zu Themen wie zum Beispiel „Publikationsstrategien“, „Forschungsdatenmanagement“ oder „Forschungsethik und Forschungs-verantwortung“.

„Das Graduiertenzentrum ist Teil der Minerva-Entwicklungsplanung der Universität. Wir freuen uns, dass wir mit dem Festakt unsere Arbeit aufnehmen können. Die Geschäftstelle des Zentrums wird Dr. Svea Korff inne haben. Das Zentrum sollte zum Ort und zur Plattform für die verschiedenen Gruppen des wissenschaftlichen Nachwuchses werden. Mit dem Thema des Eröffnungsvortrages, der die vielfältigen Wege in die Wissenschaft fokussiert, wird auch an das Leithema „Diversität“ der Universität angeknüpft“, sagt Professorin Meike Sophia Baader, Vizepräsidenten für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.

Anlässlich der Eröffnung des Graduiertenzentrums dankt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich der Vizepräsidentin für ihren Einsatz. „Professorin Baader hat die Frage, wie wir mit der Graduiertenförderung umgehen, früh auf die Agenda ihrer Vizepräsidentschaft gesetzt. Das Graduiertenzentrum ist ein Bestandteil unserer Entwicklungsplanung. Diejenigen, die Doktorandinnen und Doktoranden betreuen, möchte ich ermuntern, an diesem Projekt der Universität teilzunehmen.“

Den Festvortrag während der Feierstunde hielt Dr. Anja Franz vom Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg zum Thema „Viele Wege führen zum Ziel: Qualifizierung in und für die Wissenschaft“. Der Doktortitel ist beliebt in Deutschland, nirgendwo sonst außer in den USA werden mehr Doktortitel vergeben. Die Wissenschaftlerin sprach unter anderem über kritische Ereignisse in der Promotionszeit. Man muss nicht glauben, dass das alles reibungslos verläuft, die Schwierigkeiten reichen von Bearbeitungsproblemen über die Strukturierung – wie schaffe ich es, die Promotion in meinen Arbeitsprozess zu integrieren? – bis zu Betreuungsproblemen, so Franz. Sie machte zudem deutlich, dass auf dem Weg zur Professur „der Flaschenhals dünner wird“.

Der Erziehungswissenschaftler Jonas Ringler  sprach über die „Perspektive der Promovierenden“ und die spezifischen Herausforderungen in der Promotionsphase. Er ist Mitglied der Konferenz der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein Beirat aus externen und internen Mitgliedern begleitet die Arbeit des Graduiertenzentrums. Nach zwei Jahren erfolgt eine Evaluation.

Ihre Ansprechpartnerin in der Geschäftsstelle des Graduiertenzentrums: Dr. Svea Korff 

Wer Fragen zum Graduiertenzentrum hat, erreicht Dr. Svea Korff (korffs@uni-hildesheim.de) in der Geschäftsstelle des Graduiertenzentrums. Dr. Svea Korff hat sich in Ihrer Doktorarbeit mit „Abbruchgedanken von strukturiert Promovierenden“ befasst, sie ist zudem Sprecherin des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim.

Broschüre „Perspektive Promotion“ enthält Informationen zum Promovieren an der Universität Hildesheim

Zur Eröffnung des Zentrums erschien auch eine Broschüre „Perspektive Promotion“, die Informationen zum Promovieren an der Universität Hildesheim enthält und bei Dr. Svea Korff (korffs@uni-hildesheim.de) oder Markus Weißhaupt (markus.weisshaupt@uni-hildesheim.de) zu erhalten ist.

Weitere Informationen über das Graduiertenzentrum

Promotionsfeier: 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im vergangenen Jahr ihre Promotion erfolgreich abgeschlossen haben, wurden gewürdigt

Am gleichen Tag kamen etwa 110 Ehrengäste und Gäste während der Promotionsfeier der Universität Hildesheim  zusammen. 60 Personen, die ihre Promotion zwischen Oktober 2018 und Oktober 2019 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben, wurden gewürdigt. Gleichzeitig geht ein herzlicher Dank an die Professorinnen und Professoren, die die Promotionen mit viel Engagement begleitet haben.

In diesem Jahr richtete das Dekanat des Fachbereichs 1 „Erziehungs- und Sozialwissenschaften“ die fachbereichsübergreifednde Promotionsfeier aus. Den Festvortrag hielt der renommierte Kognitionswissenschaftler und Leibniz-Preisträger Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Prinz, der bis zu seiner Emeritierung Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig war. Er sprach zum Thema „Bewusstsein erklären – wie geht das?“.

„Eine Promotion ist immer ein Highlight an einer Universität. Im Rahmen von Promotionen leisten die jungen Kolleginnen und Kollegen maßgebliche Beiträge zur Forschung in ihrem Fach. Eine Promotion stellt die Grundlage für eine wissenschaftliche Karriere dar. Auch außerhalb der Wissenschaft demonstriert ein Doktortitel, dass sich die betroffene Person intensiv mit einem Forschungsgegenstand auseinandergesetzt hat und hervorragend qualifiziert ist. Wir freuen uns über jeden, der die Phase der Promotion erfolgreich zu Ende gebracht hat und gratulieren im Namen der Universität“, sagt Professor Christina Bermeitinger, Dekan des Fachbereichs 1.

„An dieser Stelle danke ich allen sehr herzlich, die unsere jetzt Promovierten begleitet haben, die sie wissenschaftlich inspiriert,motiviert, unterstützt und betreut haben; Dank geht auch an diejenigen, die mit den Prozessen der Promotionen hier an der Universität zu tun hatten und von dieser Seite aus – in den Dekanaten, den Promotionsausschüssen und eventuell an weiteren Stellen – Begleitung waren; und Dank geht an diejenigen, die Rückhalt gegeben haben, in welcher Form auch immer, und Forschung dadurch ermöglicht wurde“, so Prof. Christina Bermeitinger.

Ein breites Spektrum unterschiedlicher Themen wurde in den Doktorarbeiten bearbeitet zum Beispiel:

  • „Konstruktion, Normierung und Validierung eines allgemeinen Entwicklungstests für Kinder unter 3 Jahren“
  • „Eine empirische Untersuchung zur Planung und Durchführung statistischer Untersuchungen von Lernenden aus 9ten und 10ten Schuljahrgängen
  • „Gott und die Welt in Szene gesetzt. Idiote de mente und De visione Dei als zwei der philosophischen Inszenierungen des Nikolaus von Kues“
  • „Prozessorientierte Visualisierung im Patent-Retrieval“
  • „Case-Factories: Maintenance Cockpit for distributed Case-baised Reasoning Systems“
  • „Developing Suastainability-Oriented Business Models – Foundations, Modeling Apporaches and Software Support“
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news-17897 Mon, 25 Nov 2019 09:22:00 +0100 Experiment in Hildesheim – Woyzeck auf der Bühne in drei Sprachen: Inklusives Theater https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/experiment-in-hildesheim-woyzeck-auf-der-buehne-in-drei-sprachen-inklusives-theater/ Das Theaterhaus Hildesheim und die Universität Hildesheim erstellen momentan die Theaterinszenierung „WOY“. Das Stück in Hildesheim wird in drei Sprachen aufgeführt: in Deutscher Gebärdensprache, in Schriftsprache und Lautsprache. Die Erstaufführung des Theaterstücks ist am Samstag, 30. November 2019. Das Theaterhaus Hildesheim und die Universität Hildesheim erstellen momentan die Theaterinszenierung „WOY“, einer inklusiven Interpretation des „Woyzeck“ von Georg Büchner. Das Drama „Woyzeck“ ist ein literarisches Fragment, eine unvollständige Erzählung über einen Mann namens Franz Woyzeck. Er wird von einem Arzt für Experimente ausgenutzt, wird mit der Zeit wahnsinnig und bringt schließlich seine Freundin Marie, Mutter eines Säuglings, um, wofür er am Ende geköpft wird. Auf der Metaebene geht es darum, wie sehr ein Mensch die Kontrolle über sein Leben besitzt oder von seiner „Natur“ gelenkt wird. Verantwortlich für die Fassung und das Konzept sind die Regisseurin Manuela Hörr sowie die Dramaturgin und Co-Regisseurin Nicola Bongard.

Das Stück in Hildesheim wird in drei Sprachen aufgeführt: in Deutscher Gebärdensprache, in Schriftsprache und Lautsprache. Damit können Menschen mit und ohne Hörschädigung das Stück gleichermaßen verfolgen. Aber auch auf der Bühne ist mit dem gehörlosen Jörg Apel als einem der zwei Schauspieler des Woyzeck und hörenden Schauspieler*innen ein diverses Ensemble vertreten.

Nicht nur die Aufführungen, auch die Kommunikation während der Proben findet mit Gebärdensprachdolmetscherinnen statt.

Studentinnen und Studenten aus dem Bereich Medienübersetzen produzieren Übertitel

Der schriftliche Teil bei „WOY“ wird von Studentinnen und Studenten des Masterstudiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ in Form von Übertiteln umgesetzt, die Textfassung in Teilen auf die Bühne holen. Diese Übertitel erstellen die Studierenden parallel zu den Proben im Seminar „Inklusives Theater“, das Nathalie Mälzer, Professorin an der Universität Hildesheim, gemeinsam mit Jeffrey Döring leitet.

Die Übertitel sind ebenso wie die Gebärden und der gesprochene Text gleichwertiger Bestandteil der Inszenierung. Das Team um Professorin Mälzer arbeitet seit mehreren Jahren daran, Übertitel im theatralen Bühnenraum ästhetisch, lesbar und verständlich zu platzieren.

Ins Bühnenbild integrierte und stets bewegliche Übertitel sichern das Verständnis

„Die ins Bühnenbild integrierten, stets beweglichen Übertitel sind der gemeinsame Nenner für alle Zuschauer*innen des Stücks: sie sichern das Verständnis für hörende, schwerhörige und gehörlose Menschen, indem sie abwechselnd aus der Lautsprache und aus der Gebärdensprache übersetzen. Damit die Übertitel im Bühnenbild stets gut wahrnehmbar bleiben, muss in jeder Szene auf das genaue Timing, den Ort der Projektion und die Lichtverhältnisse geachtet werden. Während etwa die Gebärden gut ausgeleuchtet sein müssen, verblassen Übertitel bei zu viel Licht. Hier ist höchste Präzisionsarbeit bei der Einrichtung und beim Fahren der Übertitel gefordert: von den Übertitler*innen, aber auch von der Lichttechnik und von den Schauspieler*innen, die mit den Übertiteln interagieren“, sagt Professorin Nathalie Mälzer.

Die Erstaufführung findet am Samstag, 30. November 2019, um 20 Uhr statt. Weitere Aufführungen sind am 1., 2. und 3. Dezember 2019, jeweils um 19 Uhr. Außerdem wird WOY im März 2020 im LOT in Braunschweig gezeigt. Die Stiftung Niedersachsen fördert die Kooperation von Theaterhaus und Universität Hildesheim zur Erstellung und Durchführung des inklusiven Theaterstücks WOY.

Kurz erklärt:

Inklusives Theater: Forschung zu Übertiteln in Theaterhäusern

Ein Team um Professorin Nathalie Mälzer entwickelt seit 2015 Übertitel für Theaterstücke. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim produzieren Hildesheimer Studentinnen und Studenten des Studiengangs „Medientext und Medienübersetzen“ Texte für den Bühnenraum. Die Ergebnisse der Hildesheimer Forschung sind für Theaterhäuser in Deutschland relevant.

In Deutschland gibt es zwar einige Theater- und Opernhäuser, die bei fremdsprachlichen Inszenierungen Übertitel in anderen Sprachen anbieten. Oben über der Bühne befindet sich dann oft eine dezente LED-Leiste, über die Texte dargestellt werden. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft findet man so gut wie keine Übertitel für Menschen mit Hörbehinderung, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Die Professorin für Übersetzungswissenschaft entwickelte bereits in der Vergangenheit mit Studentinnen und Studenten und Kooperationspartnern Übertitel für Theaterstücke, die sich an Gehörlose, Schwerhörige und Hörende richten.

In den Projekten kommt als kommunikatives Element der „Übertitel“ zum Einsatz: Worte werden im gesamten Bühnenraum projiziert. Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes. Die Hildesheimer Übertitel sind auf den Bühnen keine Fremdkörper, sie sind Teil des Bühnenbildes, manche Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus. Die ganze Theaterbühne wird zu einer Projektionsfläche, die Übertitel haben nicht bloß die Funktion, dass die Zuschauer mit einer Hörbehinderung den Inhalt verstehen. Sondern die Übertitel sind auch als ästhetisches Element in den Bühnenraum eingebunden.

Professorin Nathalie Mälzer untersucht in Rezeptionsstudien, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Inwiefern stoßen die Hildesheimer Übertitelungskonzepte bei Jugendlichen und Erwachsenen auf Akzeptanz, verstehen gehörlose Jugendliche und Erwachsene das Theaterstück besser?

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news-17896 Wed, 20 Nov 2019 07:42:00 +0100 App zur Stärkung der Rechte von jungen Menschen in Pflegefamilien https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/app-zur-staerkung-der-rechte-von-jungen-menschen-in-pflegefamilien/ Eine neu entwickelte App für junge Menschen in Pflegefamilien soll dabei helfen, die Beteiligungs-, Schutz- und Beschwerderechte von jungen Menschen in Pflegefamilien zu stärken. Entwickelt wurde die App im Verbundprojekt FosterCare am Universitätsklinikum Ulm, der Hochschule Landshut und der Universität Hildesheim. Zum 30-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention veröffentlicht das Verbundprojekt FosterCare eine App zur Stärkung der Rechte von jungen Menschen in Pflegefamilien.

Zum 30-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 2019 setzt eine neue App die Stärkung der Kinder- und Jugendrechte im Bereich der Pflegekinderhilfe ganz oben auf die Agenda. Die schwerwiegenden Fälle von Kindesmissbrauch in einer Pflegestelle auf einem Campingplatz in Lügde machen offenkundig, dass die App des Verbundprojekts FosterCare genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Die App ist eine Möglichkeit junge Menschen in Pflegefamilien zu informieren und ihnen ein Kontaktangebot zu machen. Erfahrungen in anderen Projekten zeigen, dass es hierbei neuer Wege bedarf, um die jungen Menschen vor allem in möglichen belastenden Situationen zu erreichen. Mithilfe der App können sie Infos erhalten und über eine Messenger-Funktion mit den Projektmitarbeiter*innen in Kontakt treten und über ihre Erfahrungen berichten. Bei Bedarf werden die Betroffenen an Beratungsstellen vermittelt. Das Verbundprojekt läuft noch bis Ende 2020 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie „Forschung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten“ gefördert.

Die App ergänzt das bereits vom Projekt bereitgestellte niederschwellige Angebot der bundesweiten FosterCare-Hotline unter der Nummer 0800 98 00 200. Hier können junge Menschen in Pflegefamilien bereits kostenfrei ihre Erfahrungen und Vorstellungen mitteilen, was eine gute Pflegefamilie ausmacht und was ihre Schutz-, Beteiligungs- und Beschwerderechte stärken kann. Mithilfe der verschiedenen Zugänge will der Forschungsverbund Erfahrungen, Sichtweisen und Wünsche der jungen Menschen sammeln und auswerten, um anschließend herauszuarbeiten, welche Schutzkonzepte im Bereich des Pflegekinderhilfe benötigt werden.

Bislang sind mögliche Risiken für junge Menschen in Pflegefamilien wenig erforscht. In der Praxis finden sich bislang nur Einzelmaßnahmen für einen besseren Schutz, aber keine aufeinander abgestimmten Konzepte oder Verfahren für alle Akteur*innen in der Infrastruktur der Pflegekinderhilfe. Mit dem Verbundprojekt FosterCare soll dazu beigetragen werden diese Lücken zu schließen. Auf Basis der Erfahrungen junger Menschen sowie von Pflege- und Herkunftsfamilien und Fachkräften werden feldspezifische Schutzkonzepte für die Pflegekinderhilfe entwickelt. Am Universitätsklinikum Ulm, der Universität Hildesheim und der Hochschule Landshut werden darum auch Praxisrecherchen und Gruppendiskussionen mit allen Akteur*innen durchgeführt. Vor dem Hintergrund aller Ergebnisse werden schließlich mit fachpolitisch relevanten Schlüsselpersonen Handlungsempfehlungen erarbeitet. 

Im Jubiläumsjahr der UN-Kinderrechtskonvention leistet das Verbundprojekt FosterCare einen notwendigen Beitrag zur Stärkung persönlicher Rechte junger Menschen in der Pflegekinderhilfe durch Schutzkonzepte. Die UN-Kinderrechtskonvention stattet alle jungen Menschen mit Rechten zur Aufklärung, Information und Transparenz in allen Angelegenheiten aus, die sie betreffen. Ihnen werden auch Möglichkeiten zur Beschwerde sowie Mitsprache bei behördlichen Vorgängen garantiert. Die Stärkung dieser Kinderrechten in der Pflegekinderhilfe gehört darum endlich auf die Agenda.

Die App ist im App Store und im Google Play Store verfügbar.

Durch unterschiedliche Forschungsprojekte im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe liegt im Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim, seit Jahren, ein Fokus auf der Entwicklung und Etablierung von Schutzkonzepten und der Stärkung der höchstpersönlichen Rechte von jungen Menschen.

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news-17859 Wed, 13 Nov 2019 17:36:23 +0100 Ein neuer Menschaffenfund aus dem Allgäu wirft Licht auf die Entstehung des aufrechten Ganges https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/ein-neuer-menschaffenfund-aus-dem-allgaeu-wirft-licht-auf-die-entstehung-des-aufrechten-ganges/ Zahlreiche Medien berichteten dieser Tage über den Fund eines fossilen Menschenaffen (Danuvius guggenmosi) aus dem Allgäu. Das Teilskelett sowie Einzelknochen von weiteren Individuen sind etwa 11,6 Millionen Jahre alt. Da die Entwicklung des aufrechten Ganges zu den ungelösten Problemen der Paläoanthropologie zählt, ist der neue Fund von erheblicher wissenschaftlicher Bedeutung. Eine differenzierte Betrachtung ist notwendig. Ein Gastbeitrag von Dr. Stefan Flohr. Gastbeitrag von Dr. Stefan Flohr, Anthropologe, Institut für Biologie und Chemie, Universität Hildesheim. Seit 2007 forscht und lehrt Dr. Stefan Flohr an der Universität Hildesheim und gibt sein Wissen in der Anthropologie, Anatomie, Humanbiologie und Paläoanthropologie sowie Bioarchäologie an Studentinnen und Studenten weiter. Er war mehrere Jahre als Landesanthropologe in Thüringen tätig.

Zahlreiche Medien berichteten dieser Tage über den Fund eines fossilen Menschenaffen (Danuvius guggenmosi) aus dem Allgäu. Das Teilskelett sowie Einzelknochen von weiteren Individuen sind etwa 11,6 Millionen Jahre alt. Sie entstammen einer Epoche der Erdgeschichte, dem Miozän, in der Menschenaffen in einer viel größeren Vielfalt gelebt haben als heute. Das Brisante hierbei ist, dass sich aus einem bisher unbekannten Vertreter jener miozänen Menschenaffen die zum heutigen Menschen führende Stammeslinie entwickelt hat.

Die Diskussion über dieses Thema wird daher oft eher emotional als sachlich geführt. Der Mainzer Paläoanthropologe Winfried Henke schrieb das Phänomen der „Subjekt-Objekt-Identität“ zu, nach welchem der Mensch Beobachter und beobachtetes Objekt zugleich ist, was eine neutrale Bewertung der Befunde erschwert. Genau dieses Dilemma wird in der aktuellen medialen Berichterstattung zu den Funden aus dem Allgäu spürbar. Da ist reißerisch die Rede davon, dass aktuell geltende Vorstellungen zur Evolution auf den Kopf gestellt werden müssten und Ähnliches mehr.

Die Diskussion wird oft eher emotional als sachlich geführt

In der Tat ist der Fund eindrucksvoll und ohne Zweifel bedeutsam. Die Bewertung durch die Autoren Madelaine Böhme und Mitarbeiter im Fachjournal „Nature“ ist sehr viel differenzierter als in den Populärmedien. Nach den Autoren weist Danuvius ein einzigartiges Mosaik an Merkmalen auf, das sowohl Anpassungen an die zweibeinige als auch die kletternde Fortbewegungsweise widerspiegelt. Insbesondere sei bei Danuvius eine Streckung des Knie- und Hüftgelenkes nachweisbar, wie sie auch für die menschliche Bipedie typisch ist. Da die Entwicklung des aufrechten Ganges zu den ungelösten Problemen der Paläoanthropologie zählt, ist der neue Fund von erheblicher wissenschaftlicher Bedeutung und könnte nach Ansicht der Erstbeschreiber als Modell für die Entwicklung der Bidepie beim Menschen dienen.

Durch den Fund ergeben sich interessante Fragen und Diskussionsansätze. Schon früher wurde miozänen Menschenaffen aus dem europäischen Raum eine zweibeinige Fortbewegungsweise zugesprochen. Allerdings fand keine dieser Interpretationen bisher eine breite Zustimmung in der Fachwelt. Ob dies im Fall von Danuvius anders ist, wird sich erst in der Zukunft zeigen, wenn auch andere Experten die Funde analysiert haben.

Dieser Prozess wird sich sicher über viele Jahre, womöglich Jahrzehnte hinziehen. Sollte die Interpretation der Erstbeschreiber bestätigt werden, so wäre belegt, dass sich der aufrechte Gang bei Menschenaffen mehrmals und auf womöglich unterschiedliche Weise unabhängig voneinander entwickelt hat. Mehrmals deshalb, weil die Vorfahren des heutigen Menschen diesen Schritt vollzogen haben und Danuvius sicherlich nicht zu diesen Vorfahren zählt. Ansonsten müsste Danuvius aufgrund seines geologischen Alters auch der Urahn der heutigen Gorillas und Schimpansen sein. Erstere spalteten sich vor rund neun Millionen Jahren von der zum Menschen führenden Stammeslinie ab, letztere vor rund sechs Millionen Jahren. Beide hätten also wie auch die Menschen die Bipedie von Danuvius „geerbt“ und hätten beide unabhängig voneinander die zweibeinige Fortbewegungsweise wieder aufgegeben. Eine solche Entwicklung ist fossil nicht belegt und evolutionsbiologisch extrem unwahrscheinlich.

Was ist also die eigentliche Bedeutung des Fundes?

Was ist also die eigentliche Bedeutung des Fundes? Es ist die Erkenntnis, dass die Diversität der Menschenaffen im Miozän offenbar noch größer war als zuvor angenommen. Weiterhin – sollte sich die Interpretation der Erstbeschreiber bestätigen – die Erkenntnis, dass es mehrere „Anläufe“ zur Etablierung des aufrechten Ganges gegeben hat. Außerdem fanden diese offenbar schon sehr viel früher statt als bisher angenommen wurde und waren nicht auf Afrika beschränkt, wo sie durch ein paar jünger datierende Funde als gut belegt gelten.

Fakt ist, dass sich von diesen Anläufen nur einer über die Zeit gerettet hat, nämlich derjenige, der zum heutigen Menschen führte. Danuvius und seine Nachkommen haben es offenbar nicht geschafft. Aber die große Familie der rezenten und fossilen Menschenaffen ist um ein hochinteressantes Mitglied reicher.

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news-17795 Thu, 07 Nov 2019 09:27:42 +0100 Eine Diktatur und ihr Nachleben: Uni Hildesheim forscht über Erziehung und Bildung in der DDR https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/eine-diktatur-und-ihr-nachleben-uni-hildesheim-forscht-ueber-erziehung-und-bildung-in-der-ddr/ Aufarbeiten der Geschichte: Forschungsteams der Universität Hildesheim untersuchen anhand der vollständigen Bestände der Kinder- und Jugendliteratur und der Schulbücher der DDR sowie von Interviews mit Zeitzeug*innen die darin erzählten Mythen über Erziehung und Bildung. Dabei kooperiert die Arbeitsgruppe um Professorin Meike Sophia Baader und Professor Michael Corsten mit Universitäten und Bibliotheken in Berlin und Rostock. Ein Ziel des gesamten Verbundprojekts ist es, die Erkenntnisse für Forschung und Lehre, für die politische Bildung als auch für Museen und Schulen aufzubereiten und das Wissen digital verfügbar zu machen. Darstellung des gesamten Verbundprojekts

„30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Aufarbeitung nicht abgeschlossen, die damit verbundenen Themen müssen bearbeitet werden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Die Geschichte der DDR wirke auch 30 Jahre nach dem Mauerfall zum Beispiel in Biografien fort.

Im Verbundprojekt „Bildungs-Mythen über die DDR – eine Diktatur und ihr Nachleben“ arbeitet die Erziehungswissenschaftlerin der Universität Hildesheim  mit einem Team um Soziologieprofessor Michael Corsten, der Humboldt Universität zu Berlin, der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin und der Universität Rostock zusammen.

„Diese Forschung kann dazu beitragen, die unterschiedlichen Entwicklungspfade in den Bundesländern in Ost und West zu verstehen“, so Baader. Bisher liegen wenig vergleichende und vertiefende Untersuchungen zu den Inhalten der Kinder- und Jugendliteratur und den Schulbücher der DDR sowie den Mythen über das Bildungssystem der Diktatur vor.

Kindheit in der DDR: Bundesforschungsministerium unterstützt den Forschungsverbund zur DDR-Geschichte

Die Universität Hildesheim gehört zu jenen Hochschulen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgewählt wurden, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR und dem SED-Unrecht auszubauen. Insgesamt fördert das Ministerium 14 Forschungsverbünde in Deutschland. Viele der geförderten Hochschulen arbeiten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Gedenkstätten, Archiven und Einrichtungen der politischen Bildung zusammen. So sollen Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gebaut und die Forschungsergebnisse breiter in die Bevölkerung vermittelt werden. Der Förderzeitraum beträgt vier Jahre, von 2019 bis 2022.

„Dass wir zu den geförderten Universitäten gehören, die neue Perspektiven einnehmen, um die Geschichte der DDR zu erforschen, freut uns sehr. Wir arbeiten eng mit unseren Kooperationspartnern und –partnerinnen in Berlin und Rostock zusammen“, so Baader. Die Erziehungswissenschaftlerin hat sich auf die historische Bildungsforschung und Familien- sowie Kindheitsforschung spezialisert. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises „Historische Familienforschung“ in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.

In dem Forschungsverbund arbeiten gleich zwei Hildesheimer Forschungsteams des Instituts für Erziehungswissenschaft und des Instituts für Soziologie in einem gemeinsamen Teilprojekt mit dem übergreifenden Titel „Konstruktionen von Kindheit in der DDR“ zusammen. Das Hildesheimer Teilprojekt gliedert sich wiederum in zwei Fallstudien.

Forschung in der Fallstudie: „Bilderwelten in Kinder- und Jugendliteratur und Schulbüchern der DDR“

Ein Forschungsteam um Professorin Meike Sophia Baader untersucht die Bilderwelten in der Kinder- und Jugendliteratur und in Schulbüchern der DDR, deren vollständige Bestände in der Staatsbibliothek Berlin und in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung vorhanden sind.

Je weiter der Mauerfall zurückliege, desto intensiver würden sich die Mythen über das Bildungssystem in der DDR verfestigen, so die Feststellung ihrer Arbeitsgruppe. „Ein Mythos ist zum Beispiel die Annahme, das Schulsystem sei in der DDR weniger selektiv und damit chancengerechter gewesen, oder die Vorstellung, es herrschte Gleichberechtigung in Bezug auf Herkunft, Geschlecht und Generationen“, sagt Meike Sophia Baader. Erstaunlicherweise hätten sich diese Sichtweisen mit wachsendem Abstand zur Wende tendenziell eher verschärft. Dass diejenigen, die nicht systemkonform waren, im Bildungssystem mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert waren, wird bei dieser Mythenbildung übergangen.

Während das gesamte Verbundprojekt bislang nicht erschlossene Bild-, Text-, Ton-und Filmquellen auf emotional wirkmächtige mentale Bilder und Narrative über Bildung, Erziehung und Schule der DDR untersucht, analysiert Meike Baader zusammen mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sandra Koch und Friederike Kroschel die Bilder und Texte in Kinder- und Jugendliteratur sowie in Schulbüchern der DDR. Von besonderem Interesse sind Familien- und Kindheitskonzepte, Generationen- und Geschlechterverhälnisse sowie Vorstellungen von Autorität und Agency.

Literatur und Lesepädagogik und damit Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher hatten in der DDR einen hohen Stellenwert, da sie für die Herausbildung der „sozialistischen Persönlichkeit“ herangezogen wurden. Das Lesen von Kinder und Jugendliche wurde dabei besonders gefördert und honoriert. Die DDR hatte seit Ende der 1950er Jahre ein einheitliches Bildungssystem von der Krippe bis zur Hochschule. Oberstes Ziel der Bildung von Kindern war die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“. „Es gehörte zur Politik des Regimes, dass jedes Kind einen Bibliotheksausweis erhält, das Lesen wurde gefördert und die Buchbestände dokumentieren, welche Inhalte kommuniziert wurden“, so Koch. 14 Kinderbuchverlage publizierten in der DDR, mehr als 150 Autorinnen und Autoren schrieben Kinderliteratur, über 100 Illustratorinnen und Illustratoren produzierten Darstellungen. Etwa 80 % der Kinder hatte einen Bibliotheksausweis, im Schnitt haben Kinder 23 Bücher im Jahr ausgeliehen.

Welches Wissen wurde in den Büchern von Generation zu Generation weitergegeben? „Wir interessieren uns dafür, welches Wissen über das Aufwachsen in der DDR in den Büchern hervorgebracht wird und wie dieses im kommunikativen Gedächtnis tradiert wird.“  

Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher sind Medien für Kinder – was darin an Inhalten transportiert wird mit denen Kinder aufwachsen, das untersucht diese  Hildesheimer Arbeitsgruppe in ihrer Fallstudie. Es handele sich um „Medien für Kinder, von Erwachsenen geschaffen, die mit Vorstellungen geschrieben wurden, was Kinder wie verstehen sollen“, so Sandra Koch. Der Zugang zu den vollständigen Sammlungsbeständen der Kinder- und Schulbücher der DDR sei eine hervorragende Grundlage für die Forschung. „Die gesamte Schulbuch- und Kinderliteratur steht uns zur Verfügung, von der Frühphase bis 1989, das sind enorme Bestände.“ Der gesamte Bestand der neueren deutschsprachigen Kinder- und Jugendbücher nach 1945 umfasst in der Staatsbibliothek Berlin etwa 69.000 Titel, darunter die Titel der DDR-Verlage vollständig. Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung enthält über 5000 Schulbücher seit 1945, die vom staatseigenen Verlag „Volk und Wissen“ verlegt wurden. Alle mussten vom Kultus- oder Bildungsministerium der DDR vor der Veröffentlichung abgesegnet werden.

Sowohl für die Analyse der Kinder- und Jugendbüchern als auch für die Analyse der Schulbücher müssen die Quellen zunächst systematisiert und kategorisiert werden, um dann eine begründete Auswahl für ihre Text- und Bilduntersuchung treffen zu können. „Gerade weil die Bücher in der DDR zur Herausbildung einer „sozialistischen Persönlichkeit“ beitragen sollten, haben diese eine hohe politische Bedeutung. Historisch interessant ist aber, welche Spielräume es möglicherweise doch gab, jedenfalls in der Kinderliteratur, obwohl die Inhalte staatlich gesteuert wurden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Beim Schulbuch hingegen stelle sich dies anders dar.  

Friederike Kroschel als Historikerin und Sandra Koch als Erziehungswissenschaftlerin ergänzen sich in ihren wissenschaftlichen Perspektiven und fokussieren sich vor diesem Hintergrund in besonderer Weise auf die visuellen Darstellungen in den Büchern. „Bilder und Illustrationen wirken unmittelbar als ein eigenes Genre und sie verraten möglicherweise einiges, was im Text nicht steht. So wird in einem Bild zum Beispiel offenbar, dass nicht alles gleichberechtigt zuging, etwa wenn Jungen mit Technik gezeigt werden und Mädchen am Rand des Bildes stehen“, sagt Kroschel.

Die Kinder- und Jugendliteratur sowie die Schulbücher sind eine gute Quelle, um etwas über die Herkunft bestimmter Narrative und Mythen zu erfahren. „Insgesamt gibt es an der Universität Hildesheim einige Projekte, die sich mit Kinder- und Jugendliteratur befassen, so dass sich daraus über die Fachbereiche hinweg ein interessanter Forschungsschwerpunkt ergeben könnte“, so Baader.

Forschung in der Fallstudie: „Mythen in erzählten Bildungs- und Kindheitserfahrungen in der DDR“

Es wird vielfach unterstellt, dass Geschichtsbewusstsein zur (Allgemein-)Bildung dazu gehört. Allerdings ist das Wissen über die Vergangenheit unserer Gesellschaft, gerade mit Blick auf die Entwicklungen der ehemaligen DDR, in der heutigen Gesellschaft recht heterogen. Doch woran liegt das?

Die Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ geht von der Annahme aus, dass Geschichtswissen Teil des individuellen und kollektiven Gedächtnisses von Menschen in einer Gesellschaft ist. Die damit einhergehenden Formen des Erinnerns sind schwierig; sie unterliegen je besonderen Perspektiven und Standorten. Nicht zuletzt werden sie zudem von biographischen Brüchen geprägt. Dies gilt insbesondere für Zeitzeug*innen, welche selbst in der DDR gelebt und das dortige Bildungssystem auf ihren eigenen Bildungswegen erfahren haben: „Was wird heute eigentlich noch erinnert an Bildungs- und Erziehungspraktiken? Was können Zeitzeug*innen berichten, wie erinnern sie sich an das Bildungswesen der DDR?“, fragt Professor Michael Corsten.

Das Wissen über Bildung und Kindheit in der DDR ist also unter anderem davon abhängig, ob jemand selbst in der DDR gelebt hat oder nicht, in welchem Alter und welchen geschichtlichen Phasen sie oder er dort mit den Institutionen des Bildungssystems, sei es Schule, Studium, Berufsausbildung oder Weiterbildung, in Berührung gekommen ist. Und sicher spielt es ebenfalls eine Rolle, welche (politische) Position ein Mensch in der DDR eingenommen hat, ob er zur Arbeiterschicht, zur sogenannten „Intelligenz“, zu den Kadern in Betrieben oder den Parteien zählte.

Im Rahmen der Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ untersuchen der Soziologe Prof. Dr. Corsten sowie die Sozial- und Organisationspädagogin Larissa Jafke biographische Interviews mit Zeitzeug*innen aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive. Hierbei kann im Kern auf einen Datensatz von 50 Personen zurückgegriffen werden, die zwischen 2001 und 2010 dreimal biographisch interviewt wurden. Darüber hinaus werden über Kooperationen mit weiteren Forschenden sowie mit dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ zusätzliche Interviewmaterialien ausgewertet. „So wird u.a. die interessante Möglichkeit eröffnet, auf Interviews zurückzugreifen, welche Ende der 1980er Jahre und somit noch während des Bestehens der DDR mit Zeitzeug*innen  geführt wurden“, so Jafke. Denn für das individuelle und kollektive Erinnern ist es ebenso wichtig, zu welchem Zeitpunkt sich Personen erinnern sowie, ob sich das Erinnern der Person im Laufe des eigenen Lebens verändert.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens ist jedoch zu berücksichtigen, dass Änderungen des Erinnerns noch nicht die Form des Mythos annehmen müssen. Das, was geschah, kann später in einem neuen Licht, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen neu eingeschätzt und gewichtet werden. „Mythen sind daher aus unserer Sicht eher primäre Bilder der Geschichte, die sich individuell und kollektiv als selbstverständliches Wissen um die eigene Vergangenheit als Bedeutungen durchgesetzt haben und an die Menschen mehr oder weniger vorbewusst anknüpfen“, so Corsten.

Mythen können demnach ebenfalls eine Funktion für den eigenen Selbstentwurf einnehmen – ganz im Sinne des britischen Sozialhistorikers Paul Thompson: „The myths we live by“. Solche Mythen anhand der Erzählungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit dem Fokus auf Erfahrungen von Bildung und Kindheit herauszuarbeiten, stellt folglich die wesentliche Aufgabe der Fallstudie dar.

Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre und Unterricht zugänglich gemacht werden

Aktuell befindet sich das Team noch in der anfänglichen Forschungsphase und befasst sich bisher primär mit den Interviewanfängen, bzw. mit den anfänglichen Selbsteinführungen der Interviewten. „Im Zuge dessen analysieren wir unter anderem, inwiefern und auf welche Weise sich hier bereits zu dem sozial historischen Kontext der DDR positioniert wird und was dies wiederum für die eigene Subjektivierung bedeutet“, fügt Jafke ergänzend hinzu.  

Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre, Unterricht sowie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dazu gehören zum Beispiel eine Online-Plattform sowie interaktive Formate wie virtuelle Ausstellungen oder Handapparate, angereichert mit didaktischen Konzepten für den Unterricht.

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news-17794 Thu, 07 Nov 2019 08:59:05 +0100 Professor für Systematische Theologie: René Dausner https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professor-fuer-systematische-theologie-rene-dausner/ Der Theologe Professor René Dausner forscht und lehrt am Institut für Katholische Theologie. Das Arbeitsgebiet des Professors umfasst Dogmatik und Fundamentaltheologie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie sowie Theologie und Literatur. Prof. Dr. René Dausner forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim.

Das Arbeitsgebiet des Professors umfasst Dogmatik und Fundamentaltheologie, dazu zählen unter anderem die Gottesfrage, die Frage der Offenbarung, die theologische Anthropologie sowie die Lehre von der Kirche und den Sakramenten. Zu den Forschungsschwerpunkten des 43-Jährigen zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie sowie Theologie und Literatur.

Nach dem Studium der katholischen Theologie und Germanistik in Bonn und Jerusalem, folgten die Promotion zum Dr. theol. mit einer dogmatischen Arbeit zum Thema „Schreiben wie ein Toter. Poetologisch-theologische Analysen zum deutschsprachigen Werk des jüdisch-israelischen Dichters Elazar Benyoëtz“. In seiner Dissertation untersuchte der Theologe das Werk des zeitgenössischen deutschsprachigen israelischen Dichters. Anschließend unterrichtete Dausner vier Jahre als Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg.

2015 folgte die Habilitation zum Dr. theol. habil. an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in Fundamentaltheologie mit der Arbeit „Christologie in messianischer Perspektive. Zur Bedeutung Jesu im Diskurs mit Emmanuel Levinas und Giorgio Agamben“.

In der Lehrerausbildung befasst sich Professor René Dausner mit seinen Studierenden derzeit zum Beispiel mit dogmatischen Kernthemen, etwa mit Fragen nach Gott und dem Menschen, nach Jesus Christus und der Offenbarung, nach der Kirche und den Sakramenten sowie nach Tod und Auferstehung.

„Die Universität Hildesheim ist eine junge und dynamische Universität mit großem Zukunftspotential, insbesondere auch für die Theologie“

Warum er sich für Hildesheim entschieden hat, begründet der Professor so: „Die Universität Hildesheim ist eine junge und dynamische Universität mit großem Zukunftspotential, insbesondere auch für die Theologie. Als Dogmatiker und Fundamentaltheologe bin ich in entscheidender Weise für das Studium der künftigen katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Bistum Hildesheim mitverantwortlich. In einer Zeit, in der das Interesse an Religion in ihrer Diversität wächst, kommt der Theologie auch eine zentrale gesellschaftspolitische Relevanz zu, weil sie Impulse zu Toleranz und einem neuen Humanismus geben kann.“

Als „eine Stadt der Ökumene und der Kultur“ biete Hildesheim zudem Möglichkeiten, um den Dialog mit dem Judentum und dem Islam zu pflegen, was für seine theologische Arbeit von zentraler Bedeutung sei.

Professor René Dausner hofft nun, dass pünktlich zu seiner Antrittsvorlesung das neue Buch vorliegen wird, das er im Herder-Verlag unter dem Titel „Revisionen des Heiligen. Streitgespräche zur Gottesfrage“ im Deutschen herausgibt. Es handelt sich dabei um Gespräche, die der Religionsphilosoph Richard Kearney, der am Boston College Philosophie lehrt, u.a. mit Charles Taylor, Jean-Luc Marion, Catherine Keller und Julia Kristeva geführt hat.  

Antrittsvorlesung „In God we trust – how dare you? Die Gottesfrage als Sinnressource eines neuen Humanismus“

Am Mittwoch, 13. November 2019, gibt der Theologe Einblicke in seine Forschung. Die öffentliche Antrittsvorlesung „In God we trust – how dare you? Die Gottesfrage als Sinnressource eines neuen Humanismus“ beginnt um 18:00 Uhr in der Aula im Hohen Haus am Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim. „Die Gottesfrage wird auch heute sehr intensiv gestellt; man denke etwa an so unterschiedliche, wenn auch nicht immer unumstrittene Autorinnen und Autoren wie Peter Handke, Sibylle Lewitscharoff oder auch an Hanns-Josef Ortheil und Daniel Kehlmann“, sagt René Dausner. „Was hier zur Sprache kommt, lässt sich mit Max Horkheimer als Sehnsucht nach dem ‚anderen‘, nach Transzendenz beschreiben – eine Sehnsucht, die für unser Bild vom Menschen neu zu denken gibt.“

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news-17778 Tue, 05 Nov 2019 11:15:31 +0100 Philosophiegeschichten: Arabische Philosophinnen der Gegenwart https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/philosophiegeschichten-arabische-philosophinnen-der-gegenwart/ Das Institut für Philosophie lädt zu 13 öffentlichen Vorträgen an der Universität Hildesheim ein. Bis Februar 2019 geben Philosophinnen und Philosophen unter anderem aus Beirut, Tunis, Rabat, Alexandria, Doha und Kairo einen Einblick in ihre gegenwärtige Arbeit. Die Vortragsreihe ist Teil des DFG-Forschungsprojekts „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“. „Die Zusammenstellung der arabischen Philosophinnen, die nach Hildesheim kommen und Einblicke in ihre Arbeit geben, ist ziemlich einmalig“, sagt Professor Rolf Elberfeld.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Sarhan Dhouib organisiert die Veranstaltungsreihe. „Das Kolloquium zur arabischen Philosophie versteht sich als ein philosophischer Beitrag zu der internationalen Debatte um die Philosophie in der nahöstlichen Moderne sowie zur Aktualität der Philosophiegeschichtsschreibung in globaler Perspektive“, sagt Sarhan Dhouib.

Die Vortragsreihe mit insgesamt 13 Veranstaltungen besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil sprechen bis Ende Dezember 2019 acht prominente Philosophinnen aus Algerien, Ägypten, Libanon, Marokko, Qatar und Tunesien über ihr philosophisches Profil. „Anstatt über arabische Philosophinnen zu sprechen, zielt das Kolloquium vor allem darauf, einen Raum zu schaffen, in dem arabische Philosophinnen zu Wort kommen und mit einem deutschen Fachpublikum in Austausch treten“, so Sarhan Dhouib.

Im zweiten Teil reflektieren im Januar und Februar 2020 Fachgäste über die Reichweite der arabischsprachigen Philosophiegeschichtsschreibung in globaler Perspektive. Dabei liegen die Schwerpunkte sowohl auf philosophiehistorischen als auch systematischen Themen.

Die Vorträge finden bis Februar 2019 jeweils am Donnerstagabend statt. Die Veranstaltung beginnt jeweils um 18:00 Uhr im Haus 50/202 auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim. Am 7. November 2019 spricht Prof. Dr. Pascale Lahoud (Antoine Universität, Beirut) über zeitgenössische Philosophie in Libanon. Französisch- und arabischsprachige Vorträge werden ins Deutsch übersetzt.

Programm der Vortragsreihe (PDF)
Arabische Philosophinnen der Gegenwart

DFG-Forschungsprojekt:

Die Vortragsreihe am Institut für Philosophie ist Teil des Forschungsprojekts „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“. In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt erarbeitet ein siebenköpfiges Forschungsteam um Projektleiter Professor Rolf Elberfeld von 2019 bis 2024 die globalen Geschichten der Philosophie. Sie dokumentieren die philosophische Weltgeschichte als Verflechtungsgeschichte.

„In der Philosophie und ihrer Geschichtsschreibung besteht ein erheblicher Forschungs- und Innovationsbedarf. Es gilt daher heute, ein neues Bild von der Geschichte der Philosophie zu entwerfen, das zugleich auch zukünftige Formen des Philosophierens in globaler Perspektive ergebnisoffen vorbereitet“, sagt Rolf Elberfeld.

Das Forschungsteam analysiert unter anderem die bis heute fortwirkenden Ausschlussmechanismen, durch die die Philosophie in Europa Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr zu einem rein europäischen Projekt stilisiert wurde.

DFG-Forschungsprojekt
Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive

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news-17728 Tue, 29 Oct 2019 15:38:00 +0100 Studienergebnisse Sozialpsychologie: Macht Hunger egoistisch? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studienergebnisse-sozialpsychologie-macht-hunger-egoistisch/ Hunger ist ein unangenehmer Zustand. Man wird garstig und gereizt, und je länger man nichts isst, desto tiefer sinkt die Laune. Da liegt es doch auf der Hand, dass Hunger auch egoistisch macht – oder nicht? In einer aufwendigen Studienreihe ist ein internationales Team von Psychologen und Psychologinnen aus Gießen, Hildesheim, Bamberg, Amsterdam und Oxford dieser Frage systematisch nachgegangen. Zum Forschungsteam gehört Andreas Mojzisch, Professor für Sozialpsychologie der Universität Hildesheim. Lesen Sie hier einen Artikel zur Studie: 
Does Hunger Make You Selfish?

Hunger ist ein unangenehmer Zustand. Man wird garstig und gereizt, und je länger man nichts isst, desto tiefer sinkt die Laune.  Da liegt es doch auf der Hand, dass Hunger auch egoistisch macht – oder nicht? Ist jemand, der hungrig ist, wirklich so sehr auf seine eigenen Interessen bedacht, wie einige psychologische Studien und Befunde nahelegen?

In einer aufwendigen Studienreihe ist ein internationales Team von Psychologen und Psychologinnen aus Gießen, Hildesheim, Bamberg, Amsterdam und Oxford dieser Frage systematisch nachgegangen. In zwei experimentellen Studien im Labor wurden die Versuchsteilnehmer angewiesen, mindestens 12 Stunden vor Beginn der Studie nichts zu essen, d.h. die Versuchsteilnehmer kamen sehr hungrig und mit einem niedrigen Blutzuckerspiegel in das Labor. Dort erhielt die eine Hälfte der Versuchsteilnehmer – die Kontrollgruppe – etwas zu essen um eine schnelle Sättigung und einen hohen Blutzuckerspiegel zu erzeugen (zum Beispiel zwei Becher Schokopudding). Die andere Hälfte der Versuchsteilnehmer – die Experimentalgruppe – blieb für den weiteren Versuch hungrig.

Im Folgenden erhielten die Teilnehmer verschiedene Aufgaben. Deren Ziel: herauszufinden, ob die Teilnehmer sich dabei egoistisch verhielten. Bei einigen dieser Aufgaben bekamen sie beispielsweise einen Geldbetrag (zum Beispiel 10€) und konnten diesen zwischen sich und anderen Versuchsteilnehmern aufteilen. Bei anderen Aufgaben ging es darum, sich kooperativ zu verhalten, um dann gemeinsam einen höheren Gewinn zu erzielen. Bei einigen Aufgaben gab es zudem die Möglichkeit, egoistisches Verhalten der anderen Versuchsteilnehmer zu bestrafen.

Die Erwartung des Forscherteams war, dass Hunger egoistisches Verhalten begünstigt. Das Forscherteam fand allerdings keine belastbaren Belege für egoistischeres Verhalten von hungrigen im Vergleich zu satten Versuchsteilnehmern: Hunger führte nicht zu gesteigertem Egoismus.

In einer weiteren Studie wollte das Forscherteam herausfinden, ob sich die egoistischen Tendenzen eher finden lassen, wenn nicht Geld, sondern Essen aufgeteilt werden sollte. Hierfür bauten die Forscher einen Stand vor der Mensa der Uni Gießen auf und ließen Studierende, die entweder gerade in die Mensa gingen (also hungrig waren) und Studierende, die aus der Mensa kamen (also satt waren), Geld oder Essen (kleine Päckchen mit Studentenfutter) aufteilen. Wie in den anderen Studien fanden sich keine Belege dafür, dass Hunger egoistischer macht und zwar unabhängig davon, ob Geld oder Essen aufgeteilt wurde.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass, obwohl akuter Hunger möglicherweise egoistische Impulse verstärkt, diese sich oft nicht im Verhalten niederschlagen. Wir gehen davon aus, dass die sozialen Rahmenbedingungen, zum Beispiel mögliche Sanktionen oder der drohende Verlust von sozialem Ansehen so stark sind, dass solche egoistischen Impulse ausgebremst werden.“ fasst Jan Häusser, Professor für Sozialpsychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, die Studienreihe zusammen.  

Dass der Glaube an das egoistische Verhalten hungriger Menschen trotzdem weit verbreitet ist, zeigen die Autoren in einer weiteren Studie. Da dieser aber offensichtlich unzutreffend ist, stellt sich die Frage woher diese Überzeugung kommt. Ein weiterer Autor der Studie, Paul van Lange, Professor für Psychologie an der VU Amsterdam, meint hierzu: „Grundsätzlich neigen Menschen dazu, egoistisches Verhalten und egoistische Motive zu überschätzen. Offenbar gehen Menschen davon aus, dass insbesondere bei knappen Ressourcen das ‚wahre ich‘ gezeigt und egoistischer gehandelt wird. Unsere Studien zeigen, dass dies zumindest für akuten Hunger nichtzutreffend ist.“

Mehr Informationen zur Studie: 

Hunger Does not always Undermine Prosociality. 
In: Nature Communications 
Authors: Jan Häusser (Justus-Liebig University Giessen), Christina Stahlecker (Justus-Liebig University Giessen), Andreas Mojzisch (University of Hildesheim), Johannes Leder (University of Bamberg), Paul A. M. Van Lange (VU Amsterdam), Nadira Faber (Universities of Exeter and Oxford)

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news-17614 Thu, 17 Oct 2019 12:53:30 +0200 Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz: Antrittsvorlesung von Johannes Metz https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/juniorprofessor-fuer-vegetationsoekologie-und-naturschutz-antrittsvorlesung-von-johannes-metz/ Pflanzen sind die lebende Grundlage der Ökosysteme der Erde. Der Ökologe Johannes Metz erforscht die Artenvielfalt. Er forscht und lehrt als Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz an der Universität Hildesheim Lesetipp: Ein Interview mit Johannes Metz
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„Wir verlieren auf der Erde Arten – und zwar rasant“

Als Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz forscht und lehrt Johannes Metz seit November 2018 am Institut für Biologie und Chemie der Universität Hildesheim. Metz befasst sich mit Artenvielfalt, mit Veränderungen in der Gemeinschaftsstruktur und dem Vorkommen von Arten.

Pflanzen sind die lebende Grundlage der Ökosysteme der Erde. Warum eigentlich? Und was geschieht, wenn diese Grundlage unter veränderte Bedingungen gerät? In seiner Antrittsvorlesung schlägt Johannes Metz einen Bogen von der Bedeutung der Pflanzen allgemein hin zu zwei speziellen Aspekten seiner eigenen Forschung. Der erste Fokus wird dabei auf Ökosystemen des Nahen Ostens liegen. Dort bietet ein starker, natürlicher Klimagradient außergewöhnlich gute Bedingungen, um das Anpassungspotential von Pflanzen an verschiedene Klimate zu untersuchen – aber auch dessen Grenzen. Der zweite Fokus behandelt Auswirkungen von Umweltveränderungen auf regionale Vegetation. Am Beispiel heimischer Orchideen wird Johannes Metz erläutern, dass in Zeiten des Klimawandels der großflächige Schutz naturnaher Habitate unverzichtbar für den Erhalt von Biodiversität ist.

Wie Pflanzen zu einem funktionierenden Ökosystem beitragen

Der Ökologe untersucht in seiner Forschung zum Beispiel, wie Pflanzen zu einem funktionierenden Ökosystem beitragen und wie unverzichtbar deren Vielfalt ist.

„Wir haben auf der Erde noch nicht alle Arten beschrieben. Aber das ist ein gesichertes Faktum: Leider verlieren wir Arten auf der Erde, und zwar rasant. Es gibt verschiedene Einflussfaktoren, die es zusammen schwieriger für die Arten machen, zu überleben: Habitate werden zerstört. Die Landwirtschaft nimmt etwa zwei Drittel der Fläche Deutschlands ein und wird immer stärker intensiviert. Das heißt, wir haben nur noch ein Drittel mehr oder weniger naturnahe Flächen. Darüber hinaus werden diese Habitate sehr stark verändert, es werden Schadstoffe eingetragen, Pestizide aus der Landwirtschaft, Abgase und Mikroplastik. Durch Eutrophierung verändern wir die Nährstoffbedingungen. Dies verändert das feine, dynamische Gleichgewicht, in dem Arten bisher in ihrem Ökosystem koexistierten. Viele Arten sind nicht angepasst an so hohe Nährstoffkonzentrationen, weil sie in den letzten Millionen von Jahren keine Stickstoff- und Phosphatdüngung erlebt haben. Und die wenigen Arten, die mit solchen hohen Konzentrationen klarkommen, dominieren diese Ökosysteme. So wachsen dann eben mehr Knaulgras und Scharfer Hahnenfuß aber kaum noch Orchideen oder Schlüsselblumen“, sagt Metz.

Johannes Metz hat Biologie und Geographie an den Universitäten Freiburg und Leipzig studiert. Er unterrichtete als Referendar die Fächer Geographie und Biologie am Carl-von-Bach Gymnasium bei Chemnitz. Seine Doktorarbeit zum Thema „The sensitivity of Eastern Mediterranean plant communities to variations in rainfall and their vulnerability to global climate change“ führte ihn an die Universitäten in Tübingen und Jerusalem. Johannes Metz war danach wissenschaftlicher Mitarbeiter für Plant Ecology & Nature Conservation in Tübingen und später in Potsdam, wo er 2018 bis zu seinem Ruf nach Hildesheim auch die Professur für Spezielle Botanik und Biodiversitätsforschug vertrat.

Antrittsvorlesung

Am Mittwoch, 23. Oktober 2019, gibt der Ökologe Einblicke in seine Forschung. Die öffentliche Antrittsvorlesung „Ökologie der Pflanzen: Die Grundlage des Lebens in der veränderten Welt“ beginnt um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 am Hauptcampus der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim).

Kurz erklärt:

Umweltwissenschaft und Naturschutz in Hildesheim

Ein Team aus Geographie und Biologie bildet an der Universität Hildesheim Umwelt-Fachleute in den Studiengängen „Umwelt, Naturschutz und Nachhaltigkeitsbildung“ (Master of Science) sowie „Umweltsicherung“ (Bachelor of Science) aus. Den Bachelor haben seit 2007 rund 450 Studierende studiert, den Master seit 2014 etwa 100 Studierende. Die Studentinnen und Studenten befassen sich mit der Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten.

Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel in den Bereichen Umweltsicherung und Umweltkommunikation, im Natur- und Umweltschutz bei Behörden, Verbänden oder Nichtregierungsorganisationen, in Planungsbüros und in der Umweltbildung bei staatlichen und freien Trägern.

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news-17123 Wed, 02 Oct 2019 10:00:00 +0200 Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann treffen Sebastian Thrun im Silicon Valley https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/maren-stadtlaender-und-thorsten-schoormann-treffen-sebastian-thrun-im-silicon-valley/ Mit dem Sebastian-Thrun-Preis für besonders herrausragende Leistungen im Studium und in der Forschung auf dem Gebiet der Informatik werden Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann ausgezeichnet. Nun sind beide in den USA bei Sebastian Thrun, dem Erfinder der selbstfahrenden Autos und einem der einflussreichsten Denker in der Welt der künstlichen Intelligenz. Thrun hat in den 1980er Jahren an der Universität Hildesheim Informatik studiert. „Als Wirtschaftsinformatikerin sitze ich an einer Schnittstelle, rede mit den Informatikern wie mit den BWLern, mit den Experten aus der Data Analytics und Künstlichen Intelligenz wie mit den Fachleuten für Umweltsicherung. Das ist in Hildesheim ein inspirierendes Umfeld, wo man so viele Nischen betreten kann“, sagt Maren Stadtländer über ihre Arbeit an der Universität Hildesheim.

Und nun trifft sie auf Sebastian Thrun, den weltweit hoch geschätzten Informatiker. „Es ist spannend, in wie vielen verschiedenen Projekten Sebastian Thrun involviert war, ob in die Entstehung von Google Glasses oder die Kartographie für Google Maps oder eine neue Lehrplattform für die Informatik“, sagt Stadtländer.

„Sebastian Thrun ist mit seinem Lebenslauf ein Vorbild für uns Studentinnen und Studenten, eine große Inspiration“

Bis Mitte Oktober 2019 ist die Informatikerin gemeinsam mit ihrem Kollegen Thorsten Schoormann in den USA bei Sebastian Thrun. Die Forschungsreise ist Teil des „Sebastian-Thrun-Preises“ der Universität Hildesheim. Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann forschen in der Arbeitsgruppe des Wirtschaftsinformatikers Professor Ralf Knackstedt und befassen sich mit nachhaltigen Geschäftsmodellen.

„Ich hoffe, von seinen Erfahrungen mit Start-Ups zu lernen. Es ist spannend, dass jemand wie Sebastian Thrun aus Hildesheim kommt, hier an der Universität Informatik studiert hat – er ist mit seinem Lebenslauf ein Vorbild für uns Studentinnen und Studenten, eine große Inspiration. Ich hoffe, dass ich mit vielen Impulsen aus dem Silicon Valley nach Hildesheim zurückkehren werde“, sagt Thorsten Schoormann.

Nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln

Maren Stadtländer und Thorsten Schoormann haben beide in Hildesheim ihr Bachelor- und Masterstudium „Wirtschaftsinformatik“ absolviert und wollen mit ihrer Forschung am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik nun die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle vorantreiben.

Die 27-jährige Maren Stadtländer ist seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Ich untersuche, wie Nachhaltigkeit in Geschäftsmodellen berücksichtigt und in der Lehre an die nächste Generation der Studierenden oder in Schulen weitergegeben werden kann.“

In den Unternehmen seien ökologische Aspekte, wie Ressourcen- und Energieeinsparung, aber auch soziale Aspekte, wie ein positiver Einfluss auf die Gesellschaft, immer stärker in den Fokus gerückt, auch weil es den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. „Geschäftsmodelle, die stark im Kommen sind, sind beispielsweise Sharing-Modelle, bei denen die Ressourcen nicht mehr einer Person privat gehören, sondern geteilt werden, etwa ein Auto oder Wohnraum“, so Stadtländer. Erste Forschungsergebnisse für die Umsetzung nachhaltiger Geschäftsmodelle konnte sie bereits im Frühjahr auf der gößten deutschsprachigen Konferenz der Wirtschaftsinformatik in Siegen vorstellen.

Der 32-jährige Thorsten Schoormann arbeit seit 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität, derzeit im „Innovationsverbund SmartHybrid“. Er befasst sich in der Forschung mit der Analyse von ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit in Geschäftsmodellen und wie dieses softwarebasiert umgesetzt werden können. „Wie kann ein Softwarewerkzeug aussehen, das Leute dabei unterstützt, während des Erstellens eines Geschäftsmodells über die ökologischen und sozialen, und nicht nur die ökonomischen, Fragen nachzudenken? Daran baue ich“, sagt der Wirtschaftsinformatiker.

„Man kann groß denken und versuchen, neue Geschäftsmodelle zu bauen, aber man kann auch in bestehenden nachsteuern. Wer ein Geschäftsmodell weiterentwickeln möchte, steht zunächst beispielsweise vor der Frage: Was sind die Kernressourcen, die es braucht, damit das Geschäftsmodell funktioniert? Sind etwa erneuerbare Rohstoffe vorhanden? Während man das Geschäftsmodell visualisiert, kann man Denkprozesse in Gang setzen wie zum Beispiel: ‚Denk‘ doch einmal nach, das sind deine derzeit verwendeten Rohstoffe – aber es gibt hier eine Liste mit nachhaltigen Alternativen.‘ Checklisten machen auf ökologische Aspekte aufmerksam“, so Schoormann.

Das Softwaretool, an dem er derzeit arbeitet, soll Unternehmen unterstützen, solche Fragen nach Nachhaltigkeit zu stellen, „damit man sich Gedanken macht, was verbessert werden muss“. Das Werkzeug ist ein Forschungsprototyp, den Thorsten Schoormann in der IT-Lehre bereits einsetzt. „Studierende modellieren damit Geschäftsmodelle“, so der Wirtschaftsinformatiker. Auch wenn es kein Geschäftsmodell gibt, das die komplexen und multikriteriellen Anforderungen der Nachhaltigkeit vollumfänglich erfüllt, ist die gezielte Reflektion elementarer Aspekte auf Kunden- und Anbieterseite wertvoll.

„Es gibt viele Pioniere, die darüber nachdenken, wie man die Welt ein Stück weit besser machen kann, etwa die Schülerbewegungen und Demonstrationen wie ‚Fridays for Future‘, die wir gerade erleben. Die Leute haben ein Bewusstsein dafür, dass etwas geändert werden muss, dass wir nicht auf Kosten des Planeten so weiterleben können wie bisher. Mit unserer Arbeit möchten wir ihnen ein paar Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie über bestimmte Dinge nachdenken können. Der erste Schritt ist häufig, zu visualisieren und dadurch zu sensibilisieren: Hier ist etwas schlecht – okay, wie funktioniert es besser?“ Impulse für die weitere Arbeit erhoffen sie sich nun von der Forschungsreise ins Silicon Valley.

Zentrum für Digitalen Wandel in Hildesheim ist „ein wichtiger Schritt, um deutlich zu machen, was im Bereich der Digitalisierung an der Universität Hildesheim bereits alles geleistet wird“

Dass die Universität Hildesheim ein Zentrum für Digitalen Wandel/Center for Digital Change aufgebaut hat, hält Thorsten Schoormann für einen wichtigen Schritt, um deutlich zu machen, was im Bereich der Digitalisierung an der Universität bereits alles geleistet wird.

„Wir haben viele Felder und extrem spannende Lehrstühle in Hildesheim, ob Data Analytics oder Software Engineering, Computerlinguistik oder Sprachanalyse. Als Wirtschaftsinformatiker arbeite ich disziplinübergreifend, deshalb ist es genau richtig, dass Politikwissenschaft, Kultur- und Erziehungswissenschaft in dem Zentrum für Digitalen Wandel gemeinsam mit den naturwissenschaftlich-technischen Fächern zusammenarbeiten. Es gibt viele, die sich bereiterklären, und an diesem gemeinsamen Prozess, Digitalisierung zu erforschen, mitwirken“, sagt Thorsten Schoormann.

Maren Stadtländer ergänzt: „Digitalisierung bricht überall in die Gesellschaft ein, es ist wichtig, dass an der Universität geisteswissenschaftliche und technische Fächer zusammenarbeiten und zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer die Kompetenzen vermittelt bekommen. Wir sind eine der ersten Universitäten, die Informatik-lehrerinnen und Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen gezielt ausbildet. Und ich finde es wirklich positiv, welche Entwicklungen im Bereich der Internatio-nalisierung an der Universität zu beobachten sind. Data Analytics ist etwa inzwischen eine Anlaufstelle für Leute aus der ganzen Welt geworden, ein unglaublich diverser Studiengang. Hildesheim ist nicht die größte Stadt – aber es ist wichtig, sich zu positionieren und zu zeigen, was hier bereits geleistet wird.“

Kurz erklärt:

Sebastian Thrun

Sebastian Thrun hat an der Universität Hildesheim von 1986 bis 1988 als einer der ersten Studenten Informatik studiert, in Bonn promoviert und wechselte dann in die Vereinigten Staaten. Er war Assistenzprofessor für Informatik an der Carnegie Mellon University und leitete als Research Professor an der Stanford University den Bereich Künstliche Intelligenz.

Thrun erforscht lernfähige Robotiksysteme, die sich selbstständig bewegen können. Er ist Erfinder des selbstfahrenden Autos und leitete verschiedene Projekte im geheimen Forschungslabor „Google X“, darunter „Google Glass“, und schuf die technischen Grundlagen für „Google StreetView“. Parallel dazu gründete Thrun die Internet-Universität „Udacity“ und hat seitdem sein Ziel auf die Demokratisierung von weiterführender Bildung ausgerichtet. Die Kurse über Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinelles Lernen erreichen derzeit neun Millionen Menschen.

IT-Studium an der Universität Hildesheim

Insgesamt studieren an der Universität Hildesheim derzeit über 850 IT-Studentinnen und IT-Studenten (Stand Sommersemester 2019). Die Universität bildet im Bachelorstudium und im Masterstudium Informatikerinnen und Informatiker unter anderem in den Studienprogrammen „Wirtschaftsinformatik“, „Angewandte Informatik“ und „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ sowie im „Lehramt Informatik“ aus.

Eine überwältigende Nachfrage verzeichnet seit 2016 „Data Analytics“. Für dieses erste vollständig englischsprachige Studienprogramm der Universität Hildesheim haben sich zum Wintersemester über 2000 Studieninteressierte aus der ganzen Welt beworben. Hildesheim hat dabei das bundesweit größte Programm für Data Analytics mit derzeit 165 Studentinnen und Studenten aus mehr als 25 Ländern.

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news-17460 Tue, 24 Sep 2019 14:21:06 +0200 Uni Hildesheim erfolgreich bei KI-Innovationswettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uni-hildesheim-erfolgreich-bei-ki-innovationswettbewerb-des-bundeswirtschaftsministeriums/ Informatiker der Universität Hildesheim entwickeln gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft ein neuartiges Ökosystem um den rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz im Bereich der Produktionstechnik nutzbar zu machen. Davon profitieren vor allem mittelständische Unternehmen. Für die intelligente Produktion (Industrie 4.0) gilt künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie, um die Produktivität zu steigern. Besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlen für den KI-Einsatz allerdings die technischen Voraussetzungen, das Know-how und die passenden Geschäftsmodelle. Die Forschung hierzu treiben die Hildesheimer Professoren Klaus Schmid und Lars Schmidt-Thieme in dem Forschungsprojekt nun mit voran. Die Universität Hildesheim ist Partner des Konsortiums „IIP-Ecosphere“, das nun den Innovationswettbewerb „Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gewonnen hat. Staatsekretär Dr. Ulrich Nussbaum überreichte dem Direktor des Forschungszentrums L3S, Professor Dr. Wolfgang Nejdl, stellvertretend für alle Projektpartner die Urkunde für den erfolgreichen Projektvorschlag „IIP-Ecosphere: Next Level Ecosphere for Intelligent Industrial Production“ in Berlin. Insgesamt wurden 16 Plattformprojekte ausgezeichnet. Die Gewinner erhalten nun die Chance, ihr Vorhaben im Rahmen einer geförderten, dreijährigen Umsetzungsphase zu realisieren.

Das Konsortium unter Leitung der Leibniz Universität Hannover besteht aus 19 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft – darunter die Universität Hildesheim, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Volkswagen, Siemens, DMK Mori und Sennheiser. Das Forschungsteam hat ein überzeugendes Konzept für den Ausbau der intelligenten Produktion erarbeitet.

Das Ziel ist es, ein neuartiges Ökosystem aufzubauen, um den rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz (KI) im Bereich der Produktionstechnik insbesondere für mittelständische Unternehmen nutzbar zu machen und das Potential von Industrie 4.0 auszuschöpfen.

Mit dabei: Die Hildesheimer Forschungsteams von Professor Klaus Schmid (Software Systems Engineering) und Professor Lars Schmidt-Thieme (Information Systems and Machine Learning Lab)

Software Systems Engineering

Information Systems and Machine Learning Lab

Für die Universität Hildesheim nehmen die Arbeitsgruppen Software Systems Engineering um Professor Dr. Klaus Schmid und Information Systems and Machine Learning Lab um Professor Dr. Dr. Lars Schmidt-Thieme an der Umsetzungsphase von „IIP-Ecosphere“ teil. Das Gesamtvolumen des Projekts liegt bei 12 Millionen Euro, davon fließen rund 1,1 Millionen Euro Fördermittel an die Universität Hildesheim.

Für die intelligente Produktion (Industrie 4.0) gilt künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Studien prognostizieren durch den Einsatz von KI eine Steigerung der Produktivität um bis zu 50 Prozent. KI-Methoden sollen nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums daher noch stärker Treiber für innovative Wertschöpfungsnetze und die Schaffung neuer Produkte und Geschäftsmodelle werden.

Künstliche Intelligenz ist kein Schlagwort, sondern die Schlüsseltechnologie im globalen Wettbewerb

In 65 Prozent der deutschen Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern kommen bislang allerdings noch keine KI-Methoden zum Einsatz. Besonders KMU fehlen für den Einsatz nicht nur die technischen Voraussetzungen und das Know-how, sondern auch die passenden Geschäftsmodelle.

Weiterhin gibt es zurzeit sehr uneinheitliche technische Schnittstellen zwischen Prozessen und Maschinen im Produktionsbereich sowie Bedenken bezüglich Monopolisierung, Datenhoheit und Geheimhaltung bei aktuellen Industrie 4.0 Software-Plattformen. Sowohl moderne und flexible Plattformkonzepte als auch die einfache Anwendung und Integration von KI in die industrielle Produktion sind Schlüsselthemen für die beteiligten Arbeitsgruppen der Universität Hildesheim.

„Mit diesem Konsortium, dem offenen Konzept von IIP-Ecosphere, das auch externen Parteien die Mitarbeit ermöglicht, sowie durch neuartige Integration bzw. Erweiterung standardisierter Komponenten werden wir hier einen großen Schritt vorankommen“ sagt der Hildesheimer Informatiker Dr. Holger Eichelberger, designierter Leiter zweier Arbeitspakete in „IIP-Ecosphere“.

Mit der Forschung  trägt die Universität Hildesheim dazu bei, die Anwendbarkeit von KI-Methoden in der Produktion zu erleichtern, diese in realen Anwendungsszenarien zu demonstrieren sowie Hemmnisse zu beseitigen und die nachhaltige Einbeziehung neuer Stakeholder zu fördern. Insbesondere sollen KMU und Startups befähigt werden, KI-Methoden zur intelligenten Produktion selbst erfolgreich anzuwenden und weiterzuentwickeln.

Nähere Informationen unter www.iip-ecosphere.eu

Liste der Konsortialpartner:

  • Leibniz Universität Hannover

  • Universität Hildesheim

  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

  • Universität Koblenz-Landau

  • Fraunhofer ISST

  • Artis Marposs Monitoring Solutions GmbH

  • Bitmotec GmbH

  • Deutsche Messe Technology Academy GmbH

  • Gildemeister Drehmaschinen GmbH (DMG Mori)

  • KIProtect GmbH

  • Lenze-Gruppe

  • RapidMiner GmbH

  • Salt & Pepper Software GmbH & Co. KG

  • Sennheiser electronic GmbH & Co. KG

  • Siemens AG

  • Verein Deutscher Werkzeugmaschinen e.V.

  • Volkswagen AG

Kontakt (Gesamtprojekt):

Dr. Claudia Niederée
Forschungszentrum L3S
0511 762 17796
Niederee@L3S.de 

Kontakt (Uni Hildesheim):

Prof. Dr. Klaus Schmid
Arbeitsgruppe Software Systems Engineering
Universität Hildesheim
05121 883 40332
schmid@sse.uni-hildesheim.de

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news-17426 Mon, 23 Sep 2019 15:05:00 +0200 Universität Hildesheim im Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-25/ Die Universität Hildesheim hat sich erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Fünf dieser Professuren können an der Universität Hildesheim etabliert werden, und zwar in den Bereichen Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter sowie Informatikdidaktik. Die Tenure-Track-Professuren sind Teil des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Universität Hildesheim hat sich im Rahmen des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz am 12. September 2019 bekannt gab, können nun fünf dieser Professuren an der Universität Hildesheim etabliert werden. Insgesamt wurden in der zweiten Bewilligungsrunde 532 Tenure-Track-Professuren an 57 Hochschulen zur Förderung ausgewählt. Nach der Vergabe von 468 Professuren in der ersten Bewilligungsrunde 2017 erhalten damit insgesamt 75 Hochschulen eine Förderung. 

Die Tenure-Track-Professur sieht nach einer erfolgreichen Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor, sodass die beruflichen Chancen des herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchses erhöht und die Planbarkeit einer Karriere in der Wissenschaft verbessert werden. An der Universität Hildesheim bestehen damit künftig neben der Habilitation als „klassischem“ Weg, der Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe und der Tenure-Track-Professur im Wesentlichen drei Wege zur Professur. Die auf diese Stellen berufenen Professorinnen und Professoren nehmen ihre Aufgaben in Forschung und Lehre selbständig wahr.

Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter, Informatikdidaktik

Thematisch sollen die Professuren im Bereich der Digitalisierung angesiedelt werden. Wie in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim „MINERVA 2025“ festgehalten, stellt Digitalisierung neben Bildung, Kultur und Diversität ein fachbereichsübergreifendes Leitthema dar. In innovativer Weise werden zwei Bereiche miteinander verknüpft: zum einen technische Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Data Analytics, Computerlinguistik) und zum anderen gesellschaftliche Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Verwaltung und Demokratieentwicklung, soziale Dienste). Der Bereich Digitalisierung dient damit zur weiteren Profilschärfung der Universität Hildesheim. Gleichzeitig werden Forschung, Lehre und Transfer in einem für die Zukunft äußerst relevanten Themenfeld strategisch gestärkt. 

Im Einzelnen beantragte die Universität Hildesheim die folgenden Tenure-Track-Professuren in dem Bund-Länder-Programm: 

  • Professur für Digitales Lehren und Lernen im Unterricht

  • Professur für Ethnomusicology

  • Professur für Digitale Geisteswissenschaften

  • Professur für Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter

  • Professur für Informatikdidaktik

Die Professuren sollen noch in diesem Jahr ausgeschrieben und im Sommersemester 2020 besetzt werden. Die Universität Hildesheim erhält für die Einrichtung der fünf Tenure-Track-Professuren rund 3,5 Millionen Euro. 

Das Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses läuft von 2017 bis 2032. Dafür stellt der Bund bis zu eine Milliarde Euro bereit. Zugleich sagten die Länder zu, die Zahl der unbefristet beschäftigten Professorinnen und Professoren an den antragsberechtigten Hochschulen dauerhaft um 1.000 zu erhöhen. Mit der Etablierung der Tenure-Track-Professur als international bekanntem und akzeptiertem Karriereweg soll nicht zuletzt die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems insgesamt erhöht werden.

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news-17405 Thu, 05 Sep 2019 15:06:59 +0200 Geographen geben Einblicke in die Erdgeschichte: Bodengeographische Exkursion https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geographen-geben-einblicke-in-die-erdgeschichte-bodengeographische-exkursion/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim teilen ihr Wissen. Diesmal laden sie am Sonntag, 15. September 2019, zu einer bodengeographischen Exkursion an die Giesener Teiche ein. Dabei gehen die Forscher auch auf die Folgen der menschlichen Eingriffe seit dem Neolithikum ein. Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenfrei. Die Exkursionsroute der Hildesheimer Geographen führt am 15. September 2019 – dem bundesweiten „Tag des Geotops“ – zu den Giesener Teichen und auf die Fläche des ehemaligen Standortübungsplatzes.

Dort erläutert der promovierte Geograph Nico Herrmann anhand der Profilschürfe des neuen bodengeographischen Lehrpfades („Bodenblick Giesener Teiche“) die geologische, geomorphologische und bodengeographische Lage und analysiert Kalksteinböden, Lössprofile und geschichtete Böden auf Tonstein.

Exkursion gibt Einblicke in die Bodenbildung und frühere ackerbauliche Nutzung

„Neben dem tieferen geologischen Untergrund können dabei periglaziale Prozesse der letzten Kaltzeit, holozäne Bodenbildung und frühere ackerbauliche Nutzung im Bodeninventar identifiziert werden. Die sehr kleinräumig differenzierten Standortpotentiale haben bereits lange vor der Nutzung als militärischer Übungsplatz zu sehr unterschiedlicher Landnutzung und Übernutzung geführt“, so Herrmann.

Die Realisierung des bodengeographischen Lehrpfads wurde von der Bingo-Umweltstiftung finanziell und von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hildesheim sowie der Paul-Feindt-Stiftung durch entsprechende Genehmigungen unterstützt.

Trotz der deutlichen Spuren aus der Zeit der Truppenübungen wird die ausgeprägte Differenzierung dieses Naturschutzgebietes in Feuchtbiotope, Kalkmagerrasen und mesophiles Grünland als Ergebnis der geologischen, periglazialen und holozänen Landschaftsgenese lange vor dem wirkenden Menschen fassbar, sagt Nico Herrmann.

Der Geograph der Universität Hildesheim wird auch die Dimensionen der menschlichen Eingriffe seit dem Neolithikum während der Exkursion erläutern.

Kostenfreie Teilnahme an der Exkursion

Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenfrei, festes Schuhwerk wird empfohlen. Treffpunkt ist am 15. September 2019 um 13:30 Uhr der Parkplatz am Sportplatz des TSV Giesen (Am Waldstadion 1, 31180 Giesen; Koordinaten: 52°11'31.1"N, 9°53'40.4"E). Die Exkursion endet um 16:00 Uhr und findet bei jedem Wetter statt.

Wer Fragen zur Exkursion hat, erreicht Dr. Nico Herrmann vom Institut für Geographie unter nico.herrmann@uni-hildesheim.de.

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news-17338 Wed, 21 Aug 2019 14:38:41 +0200 Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-in-hildesheim-studieren/ Marie Leusder gehört zur ersten Generation, die sich an der Universität Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Der Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ ist bundesweit einmalig. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Das Studium beginnt im Oktober 2019. Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“

Bewerben Sie sich bis zum 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]
Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Insgesamt gibt es 20 Studienplätze, das Studium beginnt im Oktober 2019.

Bundesweit einmalig sei dieser Masterstudiengang, sagt Isabel Rink von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim. „Wir bilden Textexpertinnen und Textexperten aus, die angemessene mündliche und schriftliche Texte für Personen mit Kommunikationseinschränkungen erstellen können. Von der Arbeit in Hildesheim profitieren Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Behinderung, mit divergierenden Bildungschancen oder einschneidenden Lebensereignisse wie zum Beispiel einer Flucht“, so Rink.

„Oft rücken bauliche Maßnahmen ins Bewusstsein, Inklusion bedeutet aber auch, sprachliche Barrieren abzubauen“

Interview mit der Studentin Marie Leusder

Marie Leusder, 23 Jahre, hat im Bachelorstudium an der Universität zu Köln Sonderpädagogik auf Lehramt mit den Fächern mathematische und sprachliche Grundbildung studiert und ihre Bachelorarbeit über Leichte Sprache geschrieben. Über die Recherche für ihre Abschlussarbeit wurde sie auf die Forschung an der Universität Hildesheim aufmerksam und hat sich entschieden, den Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim zu studieren.

Frau Leusder, Sie gehören zur ersten Generation des Masterstudiengangs „Barrierefreie Kommunikation“. Was ist Ihr Antrieb, warum haben Sie dieses Studium gewählt?

Ich habe mich in Köln, wo ich im Bachelor studiert habe, sehr wohl gefühlt, ich war am hin- und herüberlegen, ob ich nach Hildesheim zum Masterstudium gehen soll. Je mehr ich mich informiert habe und mit der Studienberatung in Nordrhein-Westfalen sprach, desto klarer wurde mir: Ich möchte mich spezialisieren und barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren. Inklusion ist ein großes gesellschaftliches Thema, oft – aber auch noch nicht genug – rücken die baulichen Maßnahmen in das Bewusstsein der Bevölkerung, aber dass viele Texte und Sprache viele Leute ausschließen, das ist vielen nicht bewusst.

Warum ist die barrierefreie Kommunikation bedeutsam?

Nehmen wir die Leichte Sprache als Beispiel, eine vereinfachte Variante des Deutschen. Die Leichte Sprache kann sehr vielen Menschen helfen, etwa Menschen mit kognitiven Einschränkungen, aber auch gehörlosen Menschen und Menschen, die aus anderen Ländern kommen und nun in Deutschland leben. Ich habe in Köln in einem inklusiven Café gearbeitet, die Kuchenrezepte wurden in Leichte Sprache übersetzt, das war für die Beschäftigten richtig gut, weil sie eigenständig anhand der übersetzten Rezepte den Kuchen backen konnten.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen im Masterstudium – verbinden Sie Theorie und Praxis?

Im ersten Semester hatten wir viel Theorie, etwa eine Vorlesung zur Verständlichkeitsforschung, in der wir uns damit auseinandergesetzt haben, was Texte eigentlich verständlich macht. Im zweiten Semester kombinieren wir die Theorie mit der Praxis, haben Projektseminare. Ich habe zum Beispiele Seminare zu Fachkommunikation und Verständlichkeitsoptimierung, in denen ich mich damit befasse, wie Bedienungsanleitungen verständlich formuliert werden können und an welchen Stellen es hapert und ich habe für das Roemer- und Pelizaeus-Museum für eine Fachtagung zu Kultur und Inklusion Abstracts übersetzt in Leichte Sprache. Wir befassen uns in Zusammenarbeit mit der Diakonie mit unterstützter Kommunikation und assistiven Technologien , wie können Texte über möglichst unterschiedliche Sinne zugänglich gemacht werden – fast wie ein Theaterstück. Bei der Übersetzung muss man viele Seiten mitdenken, die Nutzer, aber auch den Text und Inhalt selber und wo denn die Texte erscheinen.

Wem würden Sie diesen Masterstudiengang empfehlen?

Jedem, der Interesse an Sprache in der Gesellschaft hat. Wie kann Sprache ausschließen und was kann man dafür tun, dass diese Ausgrenzung reduziert und Teilhabe möglich wird? Dafür wollen wir Antworten entwickeln.

Der Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in der Gesellschaft mit Ihrer Arbeit im künftigen Berufsleben bewirken?

Ich möchte die Gesellschaft dafür sensibilisieren, Barrieren abzubauen. Es ist ein starker Ausschluss, wenn man sprachlich Barrieren aufbaut. Das Studium an der Universität Hildesheim ermöglicht mir, dazu beizutragen, diese Barrieren abzubauen. Übrigens ist der kleine Studienort kein Schock mehr für mich, im Gegenteil: Dadurch, dass ich vorher an einer riesigen Uni in Köln studiert habe, ist es jetzt voll der Luxus, in einer kleinen Studierendengruppe in Hildesheim zu lernen, die Dozentinnen und Dozenten fordern uns sehr, lassen uns aber nicht fallen. Das ist ein guter Antrieb, um weiterzukommen. Ich fühle mich sehr wohl in Hildesheim und rate jedem: „Geh lieber an eine kleine Uni, da ist die Lehre besser.“

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-17317 Mon, 12 Aug 2019 08:11:00 +0200 Sprachförderung in Schulen: Professorin Elke Montanari über das Recht auf Bildung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/sprachfoerderung-in-schulen-professorin-elke-montanari-ueber-das-recht-auf-bildung/ Zur aktuellen Debatte um Sprachförderung in der Grundschule äußert sich Professorin Elke Montanari. Die Sprachwissenschaftlerin verweist auf das Recht auf Bildung und die Bedeutung qualifizierter Lehrerinnen und Lehrer. „Die Studierenden, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen“, so Montanari über die Hildesheimer Lehrerausbildung. Lehramtstudentinnen und Lehramtstudenten der Universität Hildesheim befassen sich im Studium mit Diversität, Deutsch als Zweitsprache und Bildungsintegration. Montanari erforscht, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Mehr erfahren:
Das Zentrum für Bildungsintegration
an der Uni Hildesheim

Zur aktuellen Debatte um Zweitspracherwerb, Sprachdiagnostik und Sprachförderung äußert sich Professorin Elke Montanari. „Deutschland hat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen mit verabschiedet. Darin ist in Artikel 28 das Recht auf den Schulbesuch verankert. In Deutschland wird dieses Recht durch die Schulpflicht gesichert“, sagt Montanari.

„Die Studierenden an der Stiftung Unviersität Hildesheim, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Das sehen sie als eine der wichtigsten Aufgaben. Und wenn ein Kind bei der Einschulung etwas noch nicht gut kann – die deutsche Sprache, Zählen, Sport oder was auch immer, dann lernt es dieses Kind eben in der Schule. Dafür bilden wir ja die Lehrkräfte aus, und dafür studieren angehende Lehrkräfte an einer Universität, die Diversität wertschätzt.“ 

Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt als Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, wo mit etwa 2600 Lehramtsstudierenden etwa ein Drittel der Grund-, Haupt- und Realschullehrer für Niedersachsen ausgebildet werden. In Hildesheim kann das Lehramtsstudium im Fach Deutsch mit einem Doppelstudium zum Master Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache kombiniert werden. Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder, die ohne oder mit unterschiedlich umfangreichen deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen. Die Wissenschaftlerin bildet Lehrerinnen und Lehrer aus, die im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifiziert sind.

Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache
Studium an der Uni Hildesheim

Kurz erklärt: Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen und in Verlagen, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. 

Die beruflichen Aussichten seien sehr gut, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache. „Uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben“, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Die Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim forscht und lehrt zu der Frage, wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen.

„Unsere Absolventinnen und Absolventen finden zum Beispiel zahlreiche internationale Berufsperspektiven in Goethe-Instituten, deutschen Auslandsschulen und an internationalen Universitäten. Vorbereitend können hierzu bereits im Studium Praktika absolviert werden, die frühzeitig zur beruflichen Vernetzung beitragen“,  sagt Montanari. 

Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen die Hildesheimer Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig und sehr gefragt als Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen.

Die nächsten Masterstudierenden starten im Oktober 2019 in ihr Studium. Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, die Universität bietet Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an.

Die Universität Hildesheim arbeitet in dem Studiengang mit internationalen Partnern zusammen und kooperiert zum Beispiel mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten.

Zur Person

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“.

Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen, mit Mehrsprachigkeit und Spracherwerb. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen. Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus.

Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Die Wissenschaftlerin hat sich im vom Land Niedersachsen geförderten Projekt „Umbrüche gestalten” für die Integration der Sprachenförderung und Sprachenbildung in die Lehrerausbildung in Niedersachsen eingesetzt.

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news-17308 Wed, 07 Aug 2019 11:22:00 +0200 Umgang mit Forschungsdaten: Kultur der wissenschaftlichen Integrität https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/umgang-mit-forschungsdaten-kultur-der-wissenschaftlichen-integritaet/ Annette Strauch ist an der Universität Hildesheim für das Forschungsdatenmanagement zuständig. Im Interview gibt die Wissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit und spricht über das Management von Forschungsdaten in der Wissenschaft. Forscherinnen und Forscher sollten „den kompletten Forschungsprozess dokumentieren“, sagt Strauch. Wer kann sich an Sie wenden?

Alle, die hier forschen, können sich an mich wenden. Jede Professorin, jeder Doktorand, jede Studentin kann mich in der Universitätsbibliothek kontaktieren und Beratung zum Management von Forschungsdaten in Anspruch nehmen und Fragen rund um das Datenleben stellen. Die Erstsemester im Bachelor können mich übrigens genauso anrufen – der wissenschaftliche Nachwuchs ist die Zukunft. Wenn Studienanfängerinnen und Studienanfänger früh mit dem Forschungsdatenmanagement in Berührung kommen, ist das eine wichtige Grundlage für ihren weiteren Werdegang in der Universität. Ich biete Kurse und Workshops an. [weitere Informationen finden Sie hier und im Veranstaltungskalender]

Wie wird diese Beratung angenommen?

Das Angebot wird sehr gut angenommen, täglich nutzen in meinem Büro Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch Studierende die Beratung rund um das fachspezifische Forschungsdatenmanagement. Es entstehen Synergien, wenn ich eine Mustereinwilligung in der Psychologie vorliegen habe und ich dann am kulturwissenschaftlichen Fachbereich ein ähnliches Gespräch führe, können wir für alle Fachbereiche neue Lösungen für das Forschungsdatenmanagement schaffen und voneinander profitieren. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Forschungsteams zusammenarbeiten und ihre Daten gemeinsam managen, etwa im Forschungsprojekt „revamp2“ aus dem Bereich „Software Systems Engineering“. Mit dem Team um Professor Klaus Schmid stehe ich im Austausch rund um das Thema „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ für seine Projekte.

„Umgang mit Forschungsdaten und Forschungssoftware innerhalb einer Kultur der wissenschaftlichen Integrität an der Universität Hildesheim“

Welche Bedeutung hat das Forschungsdatenmanagement für die Universität Hildesheim?

Es gibt kaum einen Fachbereich oder ein Institut, das heute nicht Forschungsdatenmanagement betreibt. Gutes, vertrauenswürdiges Datenmanagement ist von strategischer Bedeutung für die Universität Hildesheim insgesamt und für die Weiterentwicklung der Universitätsbibliothek im Bereich forschungsnaher Serviceleistungen. Die Universitätsbibliothek hat sich deshalb frühzeitig positioniert und entwickelt ihre Dienste für die Wissenschaft, Lehre und Forschung kontinuierlich weiter. Es gibt einen engen Austausch mit den Forscherinnen und Forschern. Die Publikation von Forschungsdaten ist Teil der Forschung. Wir betreiben nachhaltiges Forschungsdatenmanagement und haben Servicestrukturen entwickelt. Man kann Forschungsdaten heute im Zuge der Digitalisierung mehr und mehr teilen. Forschungsdaten, die an der Universität Hildesheim entstehen, sind sehr wichtig auch für andere Universitäten in Deutschland sowie global. Man sollte die Nachhaltigkeit und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten im Blick haben, damit Forschungsdaten in Suchmaschinen national und international verknüpft und aufgefunden werden können. Die Forschung aus Hildesheim soll nachhaltig für alle, national und international, sichtbar werden. Selbst dort, wo sensible Daten anfallen, werden zwar nicht die Daten geteilt, aber die Erkenntnisse und Forschungspublikationen.

Inzwischen ist ein Jahr vergangen seitdem Sie an der Universität Hildesheim die Stelle im Forschungsdatenmanagement angetreten haben. Der Umgang mit Daten in der Forschung erfordert viel Sorgsamkeit. Was leistet die Stelle „Forschungsdatenmanagement“, was vorher die Fachbereiche alleine organisieren mussten? Was für eine Hilfestellung bieten Sie?

Es gibt Fragen, die immer wieder auftauchen, etwa zur Speicherung und Archivierung, zu rechtlichen Aspekten, zu Datenmanagementplänen und zur Datensicherheit. Früher hat jedes Institut, wenn überhaupt, das Forschungsdatenmanagement mehr oder weniger alleine gemacht. Nehmen wir als Beispiel die Mustereinwilligungen, jedes Institut hat von vorne angefangen und eigene Dokumente erstellt. Ich möchte die Mustereinwilligungen künftig auf der Website zum Download anbieten, daran kann man sich orientieren, das spart Zeit.

Sie unterstützten Forscherinnen und Forschern auch bei Projektanträgen.

Gemeinsam mit dem Team der Forschungsförderung und unserem Datenschutzbeauftragten Professor Thomas Mandl unterstützen wir zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Antragsverfahren etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es ist wichtig, einem Forschungsantrag einen Datenmanagementplan beizufügen, in dem Angaben zur Speicherung und zu den Kosten für das Management gemacht werden; die DFG etwa bewilligt auch Mittel dafür. So können Daten zum Beispiel in der Politikwissenschaft in Fachrepositorien gespeichert und gefunden werden. Hier gibt es einen sehr hohen Informationsbedarf. Das Software-Werkzeug RDMO hat die Universität Hildesheim 2018 reibungslos installiert, um Datenmanagementpläne gut und einfach schreiben zu können. Jetzt wird das Werkzeug weiter an das institutionelle und fachspezifische Umfeld in den Instituten angepasst. Was in einen Datenmanagementplan gehört, ist sehr häufig die Frage von Forscherinnen und Forschern, wenn es um das Schreiben von Projektanträgen geht. Welche Daten fallen überhaupt an? Wie werden sie dann erhoben und dokumentiert? Werden Metadaten und ethische sowie rechtliche Aspekte berücksichtigt und wie werden die Daten gespeichert? Das sind einige Fragen, die ein Datenmanagementplan beinhalten kann.

Sie beschäftigen sich auch mit Fragen zur Speicherung von Forschungsdaten und mit Repositorien, also den Orten zur Aufbewahrung der Daten. Warum ist das wichtig?

Seit dem Frühjahr 2019 ermittele ich die Speicherbedarfe. Ich konnte mir einen ersten Überblick über den gegenwärtig praktizierten Umgang mit Forschungsdaten verschaffen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben den Wunsch nach Beratung zum Organisieren, Strukturieren, aber besonders die Anforderung nach verlässlichem Speicher deutlich gemacht. Um für diese Anforderungen passende Infrastrukturen finden und entwickeln zu können, bin ich derzeit im Austausch mit allen Fachbereichen und Instituten. Ich befasse mich mit dem Umfang der Forschungsdaten, das heißt, was fällt an? Ich möchte dabei wissen welche Datentypen und welche Datenformate in den einzelnen Projekten anfallen sowie das geschätzte Volumen der Forschungsdaten (ungefähre Größenordnung, das heißt weniger als 100 GB, 1 TB, 10 TB, 100 TB). Außerdem sind Aussagen zur Datenqualität sehr wichtig und ob die Daten schutzwürdig oder öffentlich sind. Antworten auf die Frage nach dem Speicherbedarf und Volumen zu erhalten, wird dabei helfen, technische Lösungsansätze für ein generisches, fächerübergreifendes und fachspezifisches Forschungsdatenmanagement zu schaffen und unter Berücksichtigung der lokalen Anforderungen und Bedarfe, den sicheren Betrieb von Datenspeichern und Infrastruktur zu gewährleisten und zu erweitern. Den Regeln der Guten Wissenschaftlichen Praxis folgend sollen Forschungsdaten in der eigenen Einrichtung oder in einer fachlich einschlägigen, überregionalen Infrastruktur für mindestens 10 Jahre archiviert werden. Am 1. August 2019 trat der Kodex der DFG in Kraft [PDF]. Der Kodex betont die Sicherung von Forschungsergebnissen in Repositorien mit Beachtung der fachspezifischen Standards.
Eine Definition von Forschungsdatenrepositorien ist, dass sie Dokumentenserver sind, auf denen Forschungsdaten archiviert sind. Als Forscherin und Forscher bin ich durch Datenzitation meine DOI für das Forschungsdatum sichtbar. In vielen Gesprächen in allen Fachbereichen wurde der Wunsch geäußert, dass die Forscherinnen und Forscher der Universität Hildesheim zum längerfristigen Aufbewahren und Publizieren, neben externen Repositorien ihre Daten lokal speichern möchten, beispielsweise wenn es sich um sensible Daten handelt oder um Daten von Social-Media-Plattformen, an denen die Rechte fehlen. Die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, mit denen ich sprach und was ein Ergebnis einer hochschulweiten Umfrage war, haben allerdings noch nie Daten in einem Repositorium abgelegt, wobei zu bemerken ist, dass viele hier beabsichtigen, in Zukunft ein Repositorium zu nutzen, entweder ein lokales, wenn angemessen oder ein institutionelles. Die Kooperationen mit GESIS und Qualiservice in den Sozialwissenschaften zur längerfristigen Speicherung und Archivlösung werden als ein Beispiel in diesem Zusammenhang ausgebaut.

Der Umgang mit Forschungsdaten ist essentiell für die wissenschaftliche Tätigkeit. In „coffee lectures“ kommen Sie mit Studierenden und Forscherinnen und Forschern zusammen.

Ich lade mehrmals im Semester zu den „coffee lectures“ ein, man kommt bei einem Tee oder Kaffee eine dreiviertel bis eine Stunde zusammen, es beginnt immer um 12:30 Uhr. Die meisten haben nicht viel Zeit. Da ist das Angebot in der Mittagspause genau das richtige. Wir tauschen uns im Wintersemester 2019/20 aus über das „Organisieren und Arbeiten: Workflows im Forschungsdatenmanagement“ (23. Oktober 2019), die Kulturwissenschaftlerin Kristina Petzold gibt Einblicke in ihre Arbeit mit Datenmengen im Projekt „Rez@Kultur“ und mit welchen Werkzeugen sie arbeitet. Dann geht es am 8. November 2019 weiter mit einem Gespräch über „Syncing und Sharing (Academic Cloud)“, am 20. November 2019 sprechen wir über den „Zugang zu Forschungsergebnissen: Open Access“ und am 4. Dezember 2019 tauschen wir uns über das „Aufbereiten und Veröffentlichen“ und die Metadaten aus. Ob Student oder Professorin – alle Mitglieder der Universität Hildesheim sind herzlich eingeladen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Sie kommen von einer internationalen Konferenz in Astana in Kasachstan, wo Sie eine „Keynote-Rede“ zum Forschungsdatenmanagement gehalten haben. Was war dort Ihre Botschaft auf der internationalen Fachebene?

Ich konnte zeigen, dass die Universität Hildesheim eine feste Stelle für das Forschungsdatenmanagement eingerichtet hat und diese Aufgabe ernst nimmt. Bei vielen Kolleginnen und Kollegen in der internationalen Forschungsdaten-Community aus den wissenschaftlichen Bibliotheken und den Rechenzentren kam das sehr gut an. Wir sind in Hildesheim vorne mit dabei, es ist besonders. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung des Rechenzentrums, der Universitätsbibliothek, des Arbeitskreises Datenschutz und der Hochschulleitung. Viele Externe bewundern das, an manchen anderen Universitätsstandorten gibt es solche Stellen immer noch nicht.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt zum Forschungsdatenmanagement

Mit allen Fragen rund um das Forschungsdatenmanagement können Sie sich jederzeit an fdm@uni-hildesheim.de oder direkt an Annette Strauch (E-Mail annette.strauch@uni-hildesheim.de) wenden.

Aufruf: Bitte um Beteiligung an der Ermittlung des Bedarfs an Speicherung (falls noch nicht geschehen)

Forschungsdatenmanagement beschränkt sich nicht auf die technische Speicherung und Archivierung, dennoch ist es im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis und für die Universitätsbibliothek und das Rechenzentrum essentiell, die Speicherbedarfe der jeweils laufenden Projekte zu kennen, um technisch für alle Forscherinnen und Forscher eines Projektes die besten infrastrukturellen Dienste zur Verfügung stellen zu können und um bestehende Basisdienste weiterzuentwickeln.

Annette Strauch bittet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim, sich an einer Umfrage über den Umfang der Forschungsdaten in aktuellen Forschungsprojekten zu beteiligen. Wenn Sie sich an der Umfrage beteiligen möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail an annette.strauch@uni-hildesheim.de. Einen Link mit Informationen finden Sie hier.

Das nachhaltige Forschungsdatenmanagement betrifft jede Hochschule, auch im Hinblick auf eine Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

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news-17304 Fri, 02 Aug 2019 15:32:00 +0200 „Das Denken macht weder vor nationalen noch sprachlichen Grenzen Halt“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/das-denken-macht-weder-vor-nationalen-noch-sprachlichen-grenzen-halt/ Wie das Unendliche im Endlichen erscheinen kann, untersuchen Philosophen und Theologen in einem internationalen Forschungsnetzwerk. Die Zusammenarbeit über Sprach- und Ländergrenzen hinweg ist von essentieller Notwendigkeit. Eine Begegnung mit den Professoren René Dausner und Jakub Sirovátka in Hildesheim. „Philosophie und Theologie sind eine Reflexion des Lebens. Sie kommen auf das Leben zurück“, sagt Professor Jakub Sirovátka, Associate Professor für Philosophie an der Südböhmischen Universität in Budweis, im Süden Tschechiens.

Der tschechische Philosoph war als Gastwissenschaftler im Rahmen eines ERASMUS+-Austauschs am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim, um die gemeinsamen Forschungsbeziehungen zu pflegen. Mit dem Hildesheimer Theologen Professor René Dausner verbindet den Philosophen zum Beispiel die Forschung über den französisch-litauischen Philosophen Emmanuel Levinas, der sich auch zu religionsphilosophischen Fragen geäußert hat.

„Man man liest die Tradition anders mit Hilfe des zeitgenössischen Denkens“

Beide wirken in einem internationalen theologisch-philosophischen Forschungsnetzwerk mit, befassen sich etwa mit der Grundfrage, wie das Unendliche im Endlichen erscheinen kann, „ohne dass das Unendliche mit dem Endlichen einfach identisch wird und ohne dass das Unendliche keine Bedeutung mehr für das Endliche hätte“, so René Dausner.

Ein philosophisch-theologisches Gespräch zu führen, das auf der Höhe der Zeit und denkerisch anschlussfähig ist, sei eine der großen Herausforderungen. Hier könne die Phänomenologie sehr viel beitragen.

„Was uns verbindet, ist, dass wir beide im Grenzbereich zwischen Philosophie und Theologie arbeiten. Man kann sich gegenseitig bereichern, weil man an einer gemeinsamen Sache arbeitet und trotzdem aus einem etwas anderen Blickwinkel“, so Jakub Sirovátka. „Wir möchten das Gespräch über das Göttliche, das Heilige, das Metaphysische mit dem heutigen Denken führen. Das bedeutet nicht, dass man die alte Lektüre zur Seite schiebt, aber man liest die Tradition neu oder anders mit Hilfe des zeitgenössischen Denkens.“ So kommen neue Perspektiven auf, sagt der Philosoph.

„Jeder von uns hat Erfahrungen, die einen über sich hinaustragen, etwa Liebe oder Freundschaft“

Was meinen die beiden Forscher mit dem Gedanken, dass das Unendliche im Endlichen erscheinen kann? Es sei alltäglich und banal zu sehen, dass „jeder von uns Sachen hat, die für einen heilig sind. Da muss man nicht gläubig sein, das kann alles mögliche sein. Jeder von uns – so würde ich behaupten – hat auch Erfahrungen, die einen über sich hinaustragen, ob das Liebe ist, oder Freundschaft. Es sind Erfahrungen des Selbstüberschreitens“, so Jakub Sirovátka. Diese Erfahrungen, die jeder Mensch hat, seien besondere Erfahrungen. Sirovátka spricht von „Erfahrungen der Selbsttranszendenz“.

„Unsere Alltagserfahrungen, mögen sie noch so säkular sein, zeigen Spuren des Transzendenten oder Heiligen“, sagt René Dausner. Ein Beispiel sei die Bewegung „Fridays for Future“, wo Greta Thunberg, eine Sechszehnjährige, auftritt, und sagt: Wir müssen etwas tun für unsere Zukunft. „Sie elektrisiert im Grunde eine ganze Jugendbewegung, die ja lange als unpolitisch galt, und hat es mit anderen zusammen geschafft, die Jugend dazu zu bringen, sich die Frage zu stellen: Was für Zukunftsmöglichkeiten haben wir denn? Und – dass es überhaupt Zukunft geben soll, dass wir nicht nur jetzt leben und uns auf unser Leben beschränken, sondern dass wir vielleicht auch uns einschränken müssen, um der Zukunft willen. Es sind ethische und theologische Grundsatzfragen, die in die unmittelbare Erfahrungswelt von uns Menschen hineingehören“, so Dausner.

Ein weiteres Beispiel für praktische Konsequenzen eines theoretischen Denkens führt Sirovátka an: „Mit Hans Joas könnte man sagen, eine jede Person ist heilig, aber nicht im religiösen Sinne. Deshalb empören wir uns, wenn Menschen gequält werden, wenn gegen Menschenrechte gehandelt wird.“

Internationale Zusammenarbeit ist für Forschung von essentieller Notwendigkeit

„Die internationale Zusammenarbeit ist für unsere Fragestellungen von essentieller Notwendigkeit“, sagt René Dausner. „Es geht nicht um eine nationale Idee oder nationales Denken, das Denken ist länderübergreifend. Und die Sprache spielt insofern eine große Rolle, als das Denken sich nicht auf eine Sprache begrenzen lässt, in unserem Forschungsnetzwerk lesen wir gemeinsam französische Philosophen, sind permannet mit anderen Sprachen konfrontiert. Das Denken macht weder vor nationalen noch sprachlichen Grenzen Halt.“

„Unsere Stärke ist die Pluralität der Sprachen und Kulturen – nicht, in dem Sinne, dass man eine andere Kultur schlecht macht, sondern, indem man sich von ihr bereichern lässt“, sagt Jakub Sirovátka.

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news-17300 Tue, 30 Jul 2019 14:16:00 +0200 Multilingualism and Diversity Education: Tagung am Bühler-Campus https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/multilingualism-and-diversity-education-tagung-am-buehler-campus/ 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Ländern diskutierten in Hildesheim über „Multilingualism and Diversity Education“. Die Summer School bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie fortgeschrittene Masterstudierende.

25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Spanien, Iran, Kamerun, Kanada, Schweden und Norwegen nahmen an der Summer School „Multilingualism and Diversity Education“ teil. Am Bühler-Campus der Universität Hildesheim diskutierten sie in der fünftägigen Veranstaltung über Forschungserkenntnisse im Themenfeld der Mehrsprachigkeit.

„Die Summer School Multilingualism and Diversity Education bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftler*innen, Promovenden und fortgeschrittene Masterstudierende, um auf hohem Niveau intensiv über aktuelle Forschungsfragen der Mehrsprachigkeit und der Vielfalt zu diskutieren. Im Vordergrund steht die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Studierende und Promovenden sollen ihre Fragen stellen dürfen und international profilierte Wissenschaftler*innen kennen lernen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache.

In der fünftägigen Sommerschule stellten unter anderem Professorin Elena Nicoladis von der University of Edmonton (Alberta, Canada), Professorin Tanja Kupisch von der Universität Konstanz/UiT Tromsø The Arctic University of Norway (Deutschland/Norwegen) und Professor Henrik Gyllstad von der Lund University (Schweden) zentrale Forschungsergebnisse vor, etwa zum Thema „Investigating the multilingual mental lexicon – single words and multiword units“. Sie tauschten sich mit Forschungsteams der Universität Hildesheim aus, unter anderem mit Professorin Bettina Kluge, Professorin Kristin Kersten, Professor Joachim Griesbaum sowie Dr. Timo Ahlers, Dr. Kathrin Schweiger und Dr. Anna-Lena Scherger.

Die Summer School findet im Umfeld des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ in englischer und deutscher Sprache statt. Die Veranstaltung wurde vom Zentrum für Bildungsintegration ermöglicht sowie vom Institut für deutsche Sprache und Literatur gefördert.

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news-17130 Fri, 12 Jul 2019 11:41:00 +0200 Ohne Leidenschaft geht gar nichts: Kulturpolitikprofessor Wolfgang Schneider https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/ohne-leidenschaft-geht-gar-nichts-kulturpolitikprofessor-wolfgang-schneider/ Professor Wolfgang Schneider, Gründungsdirektor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und seit 1997 Deutschlands erster und bisher einziger ordentlicher Universitätsprofessor für Kulturpolitik, hat die kulturpolitische Forschung in der Bundesrepublik geprägt. Nun wurde der Wissenschaftler feierlich verabschiedet. Zur Verabschiedung sprachen auf dem Kulturcampus Forschungskolleginnen und Forschungskollegen unter anderem aus Beirut, Sōka, Maiduguri, Cape Coast und Casablanca. Hier lesen Sie ein ausführliches Interview mit dem Professor. Lesen Sie hier die Rede des Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich
anlässlich der Verabschiedung von Prof. Dr. Wolfgang Schneider (PDF)

Lesetipp: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 12.07.2019, Interview von Martina Prante, „Ohne Leidenschaft geht gar nichts / Deutschlands Mann für die Kulturpolitik: Wolfgang Schneider verlässt nach 22 Jahren die Domäne Marienburg / Ein Sensibelchen mit Durchsetzungsvermögen“

Lesetipp: Wochenzeitung Kehrwieder, 13.07.2019, Interview von Björn Stöckemann, „Die Kultur lebt auch auf dem Lande“ (Artikel online lesen, Seite 5, www.e-pages.dk/kehrwieder/195/)

 

„Wolfgang Schneider verbindet theoretisches Wissen mit kultureller Praxis, wissenschaftliche Kompetenz mit Politikberatung und kulturpolitischem Kommentar. Zu den 22 außerordentlich ertragreichen Jahren in Forschung und Lehre, Transfer und Kooperation und nicht zuletzt im Bereich der Internationalisierung zählte auch eine sehr erfolgreiche Teambildung. Die Schaffung der Professur für Kulturpolitik und die Einrichtung des Instituts für Kulturpolitik zählt zu den wichtigen Strukturentscheidungen der Universität Hildesheim. Beides gilt es auch in Zukunft zu bewahren.“

Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim

„It is beautiful to see so many colleagues from around the world today in Hildesheim. Wolfgang Schneider is a travelling salesman in culture, er ist ein Handelsreisender in Sachen Kultur. Er bringt etwas mit – seine Neugier und Menschenfreundlichkeit und den Willen, zusammenzuarbeiten und ist ein leidenschaftlicher Forscher.“ 

Prof. Dr. Stefan Krankenhagen, Dekan des Fachbereichs „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“

„Professor Wolfgang Schneider is opening invisible doors. I remember the moment I received a letter from Germany, he accepted me as a research candidate. Since then, many doors opened for me. I learned from him to encourage my students: Think how you can make your plans possible!“ 

Dr. Yuki Akino, Dokkyo University, Sōka, Japan

„Wir danken Ihnen für Ihre Zugewandtheit, den Respekt und die Wertschätzung.“ 

Dr. Katharina Schröck, Doktorandin

„We have worked together since 2008. The list of projects is long. We started with an exchange on theatre and media, then we designed a master program in Casablanca. We want to continue working together!“ 

Prof. Dr. Abdelkader Gonegai, Université Hassan II, Casablanca, Marokko

„He is moving forward – never standing still! Wolfgang Schneider is active in the academic sphere, but he has always tried to build bridges between theory and practice. He has always rolled up his sleeves and got actively involved.“

Prof. Dr. Susanne Keuchel, Präsidentin des Deutschen Kulturrats

„I witnessed him bringing people together – he is always home, wherever he is in the world. “

Dr. Helena Nassif, Al Mawred al Thaqafy, Beirut, Libanon

 

„Es braucht Leute, die mit Kenntnis immer wieder darauf beharren, dass Kultur nicht ‚nice to have‘ ist. Professor Wolfgang Schneider gelingt in Hildesheim eine anwendungsbezogene Betrachtung von Kultur, er bringt sein Wissen ein in die Stadt. In Hildesheim erkennen wir die positiven Effekte von kultureller Teilhabe und Bildung für unsere Gesellschaft an. Seine Erkenntnisse hat der regional und international geschätzte Wissenschaftler kontinuierlich in die Gesellschaft eingebracht. Hildesheim ist eine Stadt der Bildung und Kultur. Wolfgang Schneider macht darauf aufmerksam: Unsere Stadt möge das kreative Potential der Studierenden stärker nutzen. Im Namen der Stadt Hildesheim möchte ich ganz herzlich danken.“

Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim

„Wir danken Ihnen für die grandiose Betreuung mit Herz.“ 

Dr. Aron Weigl, Doktorand

„Auf Wiedersehen. Hamba Kakuhle. Farewell. We wish you all the best in your journey. And remember, Wolfgang, you are loved.“

Doktorandinnen und Doktoranden der University of Maiduguri, Nigeria, und University of Cape Coast, Ghana, in einem Abschiedslied

Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Schneider

Ein Gespräch mit Professor Wolfgang Schneider, Gründungsdirektor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und seit 1997 Deutschlands erster und bisher einziger ordentlicher Universitätsprofessor für Kulturpolitik.

Herr Professor Schneider, ich erwische Sie gerade mitten bei der Arbeit.

Wir haben diese Woche unsere „Summer School“ des Masterstudiengangs „Cultural Policy and Cultural Management“ angesiedelt an der Université Hassan II in Casablanca in Marokko, da sind wir die Partneruniversität, zusammen mit der zivilgesellschaftlichen Organisation „Al Mawred Al Thaqafy“, die in Beirut sitzt und ein Netzwerk der Kulturpolitik in der arabischen Region ist. Professorin Birgit Mandel und ich sind Mitglieder des „steering committee“, das heißt wir haben uns um das Curriculum gekümmert und waren auch schon dort und haben unterrichtet. Die Studentinnen  und Studenten kommen aus verschiedenen arabischen Ländern.

Es ist der erste Masterstudiengang dieser Art in dieser Weltregion. Der Master in Casablanca ist eine Art Schwesterstudiengang der Hildesheimer Kulturwissenschaften?

Es geht darum, in der arabischen Region „capacity building“ im Bereich Kulturpolitik und Kulturmanagement zu entwickeln, damit wir nicht vom globalen Norden aus mit Workshops im globalen Süden aufschlagen, sondern dass hier das Feld der Kulturlandschaft von den Menschen vor Ort selbst organisiert wird und dass insbesondere in der Wissenschaft, also der Kulturpolitikforschung, eine neu Generation von Kulturpolitikakteuren heranwächst.

Herr Professor Schneider, Sie haben die kulturpolitische Forschung in der Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt. Am 12. Juli 2019 wurden Sie im Hohen Haus auf dem Kulturcampus feierlich verabschiedet. Mit welchem Gefühl verlassen Sie den Campus?

Naja, es ist nicht ganz leicht, loszulassen. Aber andererseits gehört es zur Verantwortung dazu, nicht nur das Wissen zu generieren, Erfahrungen auszutauschen und Diskurse zu führen, sondern es ist auch meine Verantwortung, zur richtigen Zeit Platz zu machen, damit auch in diesem Wissenschaftsbereich nicht nur ein Wechsel, sondern auch ein Wandel möglich ist.

Welche Bedeutung hat die kulturpolitische Forschung für die Gesellschaft?

Als ich 1997 anfing, gab es natürlich auch schon Kulturpolitik und das Wort wurde nicht in Hildesheim erfunden, aber erfunden haben wir tatsächlich ein Curriculum, erfunden haben wir tatsächlich Lehrmethoden, die in diesem Bereich einerseits die Theorie aus der Politikwissenschaft berücksichtigt und andererseits auf unserem Ansatz fußt, in den Künsten zu lernen, – das ist ja die Idee der Hildesheimer Kulturwissenschaften, die Theorie und Praxis miteinander zu kombinieren. Wir haben für die Kulturpolitikforschung in Deutschland dadurch einen Akzent gesetzt. Wir stellen fest, dass insbesondere in den letzten Jahren Literatur an vielen Stellen in diesem kleinen Fach veröffentlicht wurde und Thema im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist, das es die Kulturpolitikforschung braucht.

Sie haben in den 22 Jahren an der Universität Hildesheim 50 Doktorandinnen und Doktoranden promoviert, Sie haben über 50 verschiedene Seminare gegeben, über 500 Diplomarbeiten, Bachelorarbeiten und Masterarbeiten betreut, 50 Bücher geschrieben und herausgegeben – all diese Arbeit, und das gehe ich auf das Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis ein, ist etwas, was nicht nur für den Bücherschrank gedacht ist, sondern wirksam wird. Was haben Sie mit Ihrem Team und den Studierenden und Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern angestoßen?

Eine der Referenzquellen für Kulturpolitik in Deutschland ist der Bericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages, wo hier in Hildesheim viele Texte, ich möchte fast behaupten ein Fünftel der 500 Seiten, entstanden ist. Ich war als sachverständiges Mitglied Berichterstatter für Theaterpolitik, Kulturelle Bildung und Soziokultur. Das ist eine Form von Politikberatung gewesen, die sehr konkret eingewirkt hat in die Diskurse. Wir haben dafür gesorgt, dass es diese kulturpolitische Referenzquelle gibt, die in Deutschland auch nach zehn Jahren noch Bestand hat. Wir bemühen uns am Institut für Kulturpolitik stets darum, Desiderate aufzuspüren, es ist kein Zufall, dass ich eine Studienreihe  zur Auswärtigen Kulturpolitik angeboten bekommen habe beim renommierten Springer-Verlag in Wiesbaden. Da gab es hier und da Selbstdarstellungen, aber eine kritische Reflexion dessen, was in dem Feld der Kulturdiplomatie und des Kulturaustausches geschieht, das fehlte bislang. Ein drittes Beispiel: Wir bemühen uns, nicht nur die klassische Kulturpolitik der Kulturinstitutionen im urbanen Raum zu beforschen, sondern untersuchen gleichberechtigt Kultur im ländlichen Raum, das „Weißbuch für Breitenkultur“ ist ein Standardwerk, das darauf hinweist, dass es eine Kultur gibt zwischen Rathaus, Schule und Kirche in den kleinen Dörfern und dort Tausende von Gruppierungen selbstorganisiert, meistens ehrenamtlich, ihr kulturelles Leben gestalten.

Ihr Interesse galt in all diesen Jahren auch der Umgebung, Sie blicken in die Welt, aber haben Hildesheim und den Landkreis stets im Blick.

Naja, mein Einstieg hier in der Stadt war das „Kulturhandbuch Hildesheim“, in dem ich mit Studentinnen und Studenten 228 Einrichtungen, Institutionen und Vereine identifiziert habe, die hier in der Region aktiv Kulturarbeit betreiben. Das war der Ausgangspunkt darüber nachzudenken, welche Kulturpolitik braucht die Region. Wir mischen uns ein mit öffentlichen Vorträgen in der Stadt, haben während des 1200jährigen Jubiläums der Stadt diskutiert und begleiten den Bewerbungsprozess für die Kulturhauptstadt Europas 2025 wissenschaftlich. Da sind wir natürlich einerseits Lokalpatrioten, aber andererseits den anderen sieben Mitbewerbern verpflichtet und das ist ein Format, welches generell die Frage aufwirft: Braucht es so etwas wie eine Kulturentwicklungsplanung und wie viel Perspektive ist in diesem Feld in der Kommunalpolitik vorhanden?

Im Mittelpunkt der Hildesheimer Kulturwissenschaften, ob in Musik, Theater, Medien oder Philosophie und Literatur, stehen seit 40 Jahren die Künste und die Vernetzung von theoretischer und praktischer Arbeit. Prägt diese Nähe, dieser wuchs der Forschung aus den Künsten heraus auch die kulturpolitische Forschung?

Dass es überhaupt einen Lehrstuhl für Kulturpolitik gibt hier in Hildesheim, war eine konzertierte Aktion der künstlerischen Fächer. Es war Konsens, dass es etwas zwischen diesen Instituten geben muss: Kulturpolitik, Kulturmanegement und Kulturelle Bildung wurden als Gegenstandsbereiche konstituiert. Wir hätten nie und nimmer diese erfolgreiche Arbeit machen können, wenn wir das nicht immer auch in der Auseinandersetzung mit den Künsten und in den Kulturwissenschaften betrieben hätten. Kulturpolitik ist zwar ein eigenes Fach, so kann ich doch nach 22 Jahren selbstbewusst behaupten, aber es ist integriert in einen Kontext und das sind die Gesellschaftspolitik und die Künste. Wir sind breit aufgestellt, mischen uns immer auch ein in die Debatten um die Theaterkunst, Museumspolitik oder in die Debatten über „Kultur für alle“.

Zur Verabschiedung sprechen in Hildesheim auch Forschungskolleginnen und Kollegen unter anderem aus Beirut, Libanon; Sōka, Japan; Casablanca, Marokko; Maiduguri, Nigeria and Cape Coast, Ghana. Sie haben stets die internationalen Kooperationen gepflegt und mit Ihrem Team am Institut für Kulturpolitik ausgebaut. Welche Bedeutung hat diese internationale Zusammenarbeit, gerade in der heutigen Zeit?

Naja, wir leben in einer Welt. Und das muss man in Deutschland hie und da noch lernen, wir sind nicht die Insel der Glückseligen sondern haben im globalen Kontext eine historische Rolle, die man nie vergessen darf. Das ist gerade jetzt wieder in der postkolonialen Debatte relevant – wem gehören die Artefakte, die in Museen ausgestellt werden, und die aus Zusammenhängen nach Deutschland gekommen sind, die keineswegs legal waren und aus Zeiten rühren, in denen der Ruf Deutschlands außerordentlich problematisch ist? Wir haben es in internationalen Kontexten immer damit zu tun, dass wir als sogenannte Exportnation wirtschaftliche Interessen haben, die begleitet werden müssen durch den kulturellen Austausch. Wir haben es als Vertreter einer Demokratie auch damit zu tun, uns um Menschenrechte zu kümmern, insbesondere um das Recht auf Kunst und Kultur, auf Teilnahme und Teilhabe. Das führt zwangsläufig dazu, dass wir das mit unseren Kolleginnen und Kollegen in der Welt diskutieren. Dass die UNESCO dies honoriert hat mit der zweimaligen Verleihung des UNESCO-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“ ist eine große Ehre und war auch immer ein Auftrag – und den nehmen wir wahr an der Universität Hildesheim. Ich schätze die Weltgewandtheit des Präsidenten Professor Wolfgang-Uwe Friedrich sehr. Ich hinterlasse am Institut ein gut bestelltes Feld von internationalen Beziehungen und Austausch, da wünsche ich mir zukünftig mehr. Ich wünsche mir, dass wir auf dem Campus noch internationaler werden, dass wir auch mehrere Sprachen sprechen. Aber immerhin haben wir einen bilateralen Masterstudiengang in Kulturvermittlung mit Marseille, den Masterstudiengang mit Casablanca, die DAAD-Graduate School mit Maiduguri und Cape Coast in Westafrika und hundert Beziehungen über Erasmus. Ich hoffe, das zukünftig noch mehr Studentinnen und Studenten aus der Welt nach Hildesheim kommen. 

In Ihrer Forschung beschäftigen Sie sich zum Beispiel mit der Frage, wie Künstlerinnen und Künstler politische Umbrüche prägen. Sie sagten einmal, während des Weltkongresses der Kulturpolitikforschung in Hildesheim, als 450 Fachleute aus 70 Ländern auf dem Kulturcampus tagten: Künstlerinnen und Künstler können Seismografen von Krisen sein, andererseits auch Sprachrohr. Was meinen Sie damit, was zeigen Ihre Forschungsergebnisse zur Analyse von Kunst und Kultur in Krisenzeiten?

Wir haben es erlebt im „Arabischen Frühling“ , dass Künstlerinnen und Künstler das Wort ergriffen haben für die Gesellschaft, dass sie Musik gemacht, getanzt, und Theater gespielt haben, dass Filme produziert und Graffitis gesprayt wurden, die dazu beigetragen haben, zu thematisieren, was in der Gesellschaft nicht richtig läuft. Wir wissen, das „freedom of expression“ ein großes Gut ist, bei uns Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes: Die Kunst ist frei. Das heißt diesen Freiraum muss Politik gewähren, damit nicht nur in Krisenzeiten Künstlerinnen und Künstler ihren Beitrag leisten, um in die Gesellschaft zu wirken und aufmerksam zu machen auf das, was schief läuft, und durchaus Visionen eines friedlichen Zusammenlebens zu entwickeln. Künstlerinnen und Künstler sind ein wesentlicher Bestandteil von gesellschaftlicher Entwicklung. 

Sie haben mit Ihrem Team um Dr. Daniel Gad das Netzwerk „Arts Rights Justice“ etabliert, arbeiten mit Künstlern, Kulturmanagerinnen, Menschenrechtlerinnen und Rechtsanwälten unter anderem aus Tadschikistan, Nigeria, Argentinien, Libyen, Simbabwe, Iran, Türkei, Ägypten, Indien, Japan, Schweden, Syrien, Brasilien, Afghanistan, Jemen und Bangladesch zusammen, und haben eine umfassende online zugängliche auf Kunstfreiheit und Künstlerschutz ausgerichtete Bibliothek (www.arj-library.de).  

Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass es Länder gibt, in denen keineswegs diese Freiheit gewährt wird. Im Gegenteil: Wir wissen von Journalistinnen und Journalisten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Künstlerinnen und Künstlern, dass sie verfolgt und inhaftiert werden, dass es Zensur gibt, dass man ihnen mit dem Tode droht, dass sie flüchten müssen. Es ist zunächst eine humanitäre Notsituation, aber auch eine Frage an die Kulturpolitik: Was kann zum Beispiel eine Künstlerresidenz leisten, als Schutzraum? Und was braucht es an nationalen und internationalen Instrumenten, um da einzugreifen, zu helfen und dies zukünftig zu vermeiden und Mechanismen zu entwickeln, die tatsächlich so etwas sind wie seismografische Erkenntnisse, die zum Handeln führen müssen. Wissenschaft hat eine Verantwortung, die Gefährdung der Freiheitsrechte zu beforschen und ihre Außerkraftsetzung anzuprangern.

Sie sind in Mainz geboren. Verraten Sie uns, warum haben Sie sich vor 22 Jahren für Hildesheim als Ort Ihrer Forschung und Lehre entschieden? Und waren Sie hier, in Hildesheim, zufrieden?

Also, ich sage immer: Ich war beruflicher Niedersachse und bin bekennender Hesse, tatsächlich in Mainz geboren. Das macht es mir hier nicht so einfach, weil der dortige Humor doch schon auch gewöhnungsbedürftig ist für die Mitmenschen rund um Hildesheim. Ich wurde berufen und ich bin nach wie vor dankbar denen, die mich hier hergeholt haben, besonders Hajo Kurzenberger. Ich muss zugeben, ich hatte vorher noch nicht viel von Hildesheim gehört. Ich werde Hildesheim als einfacher Professor für Kulturpolitik auch in Zukunft als wesentlichen Ort meiner Biografie sehen, weil ich hier mit Menschen zusammen kommen durfte, die mich immer wieder angeregt haben und die permanente Beschäftigung mit jungen Menschen hat mich glaube ich auch dahingehend geprägt, dass ich immer wieder versuche, neu zu denken und mit einer kritischen Distanz in unserer Welt Fragen zu stellen, statt nur einfache Antworten zu geben. 

Und wie geht es nun weiter? Was wünschen Sie den Kolleginnen und Kollegen in Hildesheim? Werden Sie den Kontakt nach Hildesheim halten?

Naja sicher! Ich habe den UNESCO-Lehrstuhl noch bis zum Jahr 2020, ich werde noch drei Forschungsprojekte zu Ende bringen und habe bis Ende des Jahres noch zwölf Masterarbeiten zu betreuen und ich nehme 20 Doktorandinnen und Doktoranden mit, die alle in den nächsten Jahren erfolgreich promoviert werden wollen. Das ist doch völlig klar! Ich wünsche mir, dass der Präsident und das Präsidiums und der kulturwissenschaftliche Fachbereich, so wie sie bisher mich unterstützt haben, auch meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin und die Zukunft des Instituts für Kulturpolitik auf dem Weg zur Internationalisierung unterstützen, aber auch die Arbeitsbedingungen, die nicht immer nur durch Befristungen sich ausdrücken – da darf gerne mehr investiert werden. Ich werde mich weiterhin mit der internationalen Kulturpolitik beschäftigen und mit dem anderen Pendant, der Kulturarbeit auf dem Lande, insbesondere mit den Transformationsprozessen von Heimatmuseen, mit der Rolle von Büchereien in kleineren Kommunen in Zeiten der Digitalisierung und mit der Rolle der Akteure, die vor Ort Kultur gestalten jenseits der institutionalisierten Hochkultur.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person:

Fortwährender Einsatz für den Erhalt der kulturellen Vielfalt und für kulturelle Bildung: Prof. Dr. Wolfgang Schneider

Mit seiner Arbeit leistet der Hildesheimer Professor Wolfgang Schneider seit 1997 einen fortwährenden Beitrag zum Erhalt der kulturellen Vielfalt, für kulturelle Bildung sowie für die Wertschätzung von Künstlerinnen und Künstlern. Schneider forscht und lehrt seit über 20 Jahren als Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim unter anderem in den Bereichen Kulturpolitik, Kulturförderung, Kulturelle Bildung, Kommunale Kulturpolitik, Auswärtige Kulturpolitik sowie Kulturpolitik für Kinder und Theaterpolitik. Er wird am 12. Juli 2019 in einer Feierstunde am Kulturcampus in Hildesheim verabschiedet. 

Für seine besonderen Verdienste wurde der Kulturwissenschaftler Professor Wolfgang Schneider mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. Mit der Ehrung wurden die besonderen Verdienste des Hildesheimer Kulturpolitikforschers für die Gesellschaft gewürdigt, hierzu zählen sein herausragender Einsatz für kulturelle Bildung und kulturelle Vielfalt, für das Kinderrecht auf Teilhabe an Kunst und Kultur, für die Wertschätzung und Förderung der Künstlerinnen und Künstler in Deutschland und für den internationalen Austausch. 

Wolfgang Schneider wurde am 12. Juli 1954 in Mainz geboren. Nach dem Studium und der Promotion am Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt gründete er 1989 das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland, entwickelte den Deutschen Kindertheaterpreis und den Deutschen Jugendtheaterpreis. 1997 gründete er das Institut für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim. In Hildesheim setzte sich Schneider für die Schaffung der deutschlandweit einzigen Professur für Ästhetik des Kinder- und Jugendtheaters (seit 2011) ein. Seit zwei Jahrzehnten ist Wolfgang Schneider Vorsitzender des Netzwerks der Kinder- und Jugendtheater. Von 2003 bis 2007 wirkte er in der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“ mit. Seit 2012 ist er Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“. In seiner Forschung befasst sich der Wissenschaftler unter anderem mit der Frage, wie Künstlerinnen und Künstler politische Umbrüche prägen und analysiert Kunst und Kultur in Krisenzeiten.

Mit der Universität in Aix und Marseille wurde 2003 das Doppeldiplom in „Kulturvermittlung/Médiation Culturelle de l’Art“ eingerichtet. Der internationale Studiengang wird seit 2011 als Doppelmaster angeboten. Parallel dazu erfolgte der Aufbau einer internationalen Bachelor-Studienvariante „Kulturpolitik im internationalen Vergleich“. Zusammen mit Daniel Gad und Birgit Mandel beriet Schneider die marokkanische Universität Hassan II in Casablanca beim Aufbau des ersten panarabischen Masterstudiengangs „Cultural Policy and Management“.

Als  Dekan des kulturwissenschaftlichen Fachbereichs war Wolfgang Schneider unter anderem verantwortlich für die Gestaltung des Kulturcampus und die Gestaltung des Bologna-Prozesses – von Diplom auf Bachelor und Master. Der Kern ist, dass im Mittelpunkt der Kulturwissenschaften die Künste stehen, die Vernetzung von Theorie und Praxis, und dass es ein Spinnen in einem Netzwerk ist, das die Studierenden befähigt, im Arbeitsmarkt anzukommen.

Die Einrichtung einer eigenen Universitätsprofessur mit der Denomination „Kulturpolitik“ geht zurück auf Diskussionen in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Zu den Initiatoren zählten die Theaterwissenschaftler Hajo Kurzenberger und Hartwin Gromes. Im Jahr 1994 wurde die Professur ausgeschrieben. Mit Wirkung zum 1. März 1997 wurde die erste Universitätsprofessur für Kulturpolitik in Deutschland besetzt.

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Pressemeldungen Präsident Forschung Personalportal Startseite
news-17124 Tue, 09 Jul 2019 16:11:16 +0200 „Uns interessiert die türkische Sprache in Europa als Thema in der Wissenschaft“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uns-interessiert-die-tuerkische-sprache-in-europa-als-thema-in-der-wissenschaft/ In dieser Woche tagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Norwegen, Großbritannien, der Türkei und Deutschland an der Universität Hildesheim. Die Fachleute befassen sich mit der türkischen Sprache in Europa. Auf dem internationalen Workshop „Turkish in Europe“ an der Universität Hildesheim vernetzen sich die Fachleute aus Sprachwissenschaft, Psychologie und Pädagogik, um ihre Forschung zu diskutieren.

Guelsen Yilmaz stellt zum Beispiel die Frage: „How much variation disqualifies the heritage speaker’s nativeness?“, Christoph Schroeder und Kateryna Iefremenko referieren zum Thema „The post-verbal position in Turkish in two contact settings: Turkish-German bilinguals in Germany and Turkish-Kurdish bilinguals in Turkey“ und Işıl Erduyan spricht über „Turkish heritage speakers in Germany“. Zudem findet ein Austausch mit Professorin Irene Pieper, Vizepräsidentin für Internationalisierung, statt.

„Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen“

Interview mit Prof. Dr. Elke Montanari
Professorin für Deutsch als Zweitsprache 

Frau Professorin Montanari, in Hildesheim kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum internationalen Workshop „Turkish in Europe“ zusammen. Was ist das Ziel der Tagung?

Wir wollen uns in Europa vernetzen mit Forscherinnen und Forschern, die sich mit der Entwicklung der türkischen Sprache beschäftigen. Wichtige Forschungsfragen sind zum Beispiel: Wie verändert sich das Türkische bei den Türkischsprecherinnen und Türkischsprechern, die nicht in der Türkei wohnen? Wir stellen fest, dass sie einen anderen sprachlichen Input haben, als Menschen, die in Istanbul, Antalya oder Ankara leben und arbeiten. Guelsen Yilmaz, Sprachwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin, beobachtet diese Variationen im Türkischen von Personen, die außerhalb der Türkei leben.

Eine andere, viel diskutierte Frage ist: Wie gehen wir mit den Herkunftssprachen um? Die Sprache von jemandem, der in Berlin oder Paris lebt, kann sich durchaus in einigen Bereichen unterscheiden von der Sprache, die jemand spricht, der in der Türkei zur Schule gegangen ist, dort lebt und arbeitet. Dabei ist eine Herkunftssprache, wobei schon dieses Wort umstritten ist, ebenso eine Muttersprache, eine Erstsprache für das Kind, das damit aufwächst, wie für jedes andere Kind auch die Sprache in den ersten Lebensjahren, die Sprache der engsten Bezugspersonen.

Ein Beitrag befasst sich mit der Frage, welchen Wert die Gesellschaft der Sprache entgegenbringt.

Was ist Sprachprestige, und wie gehen wir in Deutschland mit dem Prestige der Sprache Türkisch um? Mit diesem Thema befasst sich Dr. Yasemin Dayıoğlu-Yücel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hildesheim. Welche Wertigkeit wird der türkischen Sprache in Bildungsinstitutionen, in der Umgebung, in der Familie entgegengebracht? Wie gut ist unser Umgang mit der Vielfältigkeit von Sprachen? Das sind Fragen, die uns sehr beschäftigen.

An der Konferenz nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher linguistischer Disziplinen teil wie Soziolinguistik, Zweisprachigkeit, Spracherwerb, Psycholinguistik und Pädagogik. Warum ist diese interdisziplinäre Forschung wichtig?

Wir brauchen die unterschiedlichen Blickrichtungen. Wir sehen darin einen Mehrwert, zu untersuchen, wie zum Beispiel der Sprachgebrauch mit mentalen Dimensionen, mit der Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses und der Intelligenz, mit der sich die Psycholinguistik befasst, zusammenhängt. Und was sind Schlussfolgerungen für die Pädagogik? Für die Gesellschaft? Das geht nur interdisziplinär.

Sie erforschen seit vielen Jahren, wie Kinder und Erwachsene das Deutsche als zweite Sprache lernen und wie sie mehrsprachig aufwachsen und mit vielen Sprachen leben. Sie befragen etwa in Schulen mehrsprachig aufwachsende Kinder, untersuchen den Wortschatz und das mentale Lexikon. Welche Rolle spielt dabei die türkische Sprache in Ihrer Forschung?

Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Wir haben sehr viele Sprecherinnen und Sprecher in Deutschland, in Frankreich und in anderen Ländern mit türkischem Hintergrund. In Deutschland ist es die nach wie vor größte Community, mit sehr engagierter Elternarbeit. Menschen mit türkischen Wurzeln sind in der Studierendenschaft und in der Dozentenschaft präsent, gerade auch in der Stiftung Universität Hildesheim. Es hat eine zentrale Bedeutung, dass wir gemeinsam Fragestellungen in der Forschung und in der Lehre entwickeln, wie es zum Beispiel im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ und in vielen weiteren Studiengängen dieser Universität geschieht. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Studium

Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

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news-17105 Thu, 04 Jul 2019 07:50:00 +0200 90. Geburtstag: Politikwissenschaftler Professor Gottfried Leder https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/90-geburtstag-politikwissenschaftler-professor-gottfried-leder/ Professor Dr. em. Gottfried Leder, ein geistreicher Beobachter des politischen Zeitgeschehens und Begründer der Politischen Wissenschaft in Hildesheim, wird 90 Jahre alt. Der Hildesheimer Politikwissenschaftler hat am 4. Juli 2019 Geburtstag. LESETIPP: Einen weiteren Artikel über Professor Gottfried Leder lesen Sie auch in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 2019.

Gottfried Leder wurde am 4. Juli 1929 in Berlin geboren. Nach Evakuierung und der Flucht aus Oberschlesien gelangte er im Frühjahr 1945 nach Niedersachsen und legte 1948 das Abitur in Peine ab. Anschließend studierte er von 1949 bis 1955 an der Georg-August-Universität in Göttingen Rechts- und Staatswissenschaften.

1955 promovierte er bei Rudolf Smend, einem der bedeutenden Staatsrechtslehrer der Weimarer Jahre und der Nachkriegszeit, zum Doctor juris. Mit seiner Dissertation „Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen“ betrat Leder zu diesem Zeitpunkt juristisches und politisches Neuland. In das Jahr der Promotion fiel der Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und das Wehrpflichtgesetz wurde erst im Folgejahr vom Bundestag beschlossen. Gewissen und Widerspruch haben den Wissenschaftler fortan immer sehr beschäftigt. 1960 bis 1961 war er im Bundespräsidialamt in Bonn im Referententeam des Persönlichen Büros des Bundespräsidenten.

Wegbereiter der Politischen Wissenschaft in Hildesheim

Leder war der Wegbereiter der Politischen Wissenschaft in Hildesheim. Er begründete als erster Lehrstuhlinhaber im Oktober 1961 das Fach Politische Wissenschaft an der damaligen Pädagogischen Hochschule Alfeld.

1970 kam Leder mit 20 Kollegen aus Alfeld nach Hildesheim, wo er die Politikwissenschaft an der Hochschule und später Universität Hildesheim prägte. Leder gehörte mit der Berufung 1961 als der Jüngste zum Kreis der Hochschullehrer, die das Fach in Niedersachsen als Grundwissenschaft aufgebaut und in die Lehramtsausbildung integriert haben. In zahlreichen Funktionen, unter anderem als Mitglied des Senats, hat er tatkräftig an der Weiterentwicklung von der Pädagogischen Hochschule zur selbstständigen Wissenschaftlichen Hochschule und schließlich zur Universität beigetragen.

Forschung zu Gewissen und Widerspruch

Als Hochschullehrer bemühte sich Leder bis zu seiner Pension 1991 stets um Fairness und Gerechtigkeit und förderte die Einübung präzisen Denkens und die Fähigkeit zur Begründung von Positionen.

Neben der Forschung und Lehre hat Gottfried Leder vielfältige gesellschaftspolitische Aufgaben wahrgenommen, etwa im Niedersächsischen Landesausschuss für Erwachsenenbildung und im Beirat des Niedersächsischen Landesinstituts für Lehrerfortbildung und Lehrerweiterbildung und war Mitglied des Beirats für Fragen der Inneren Führung beim Bundesministerium für Verteidigung.

Er engagierte sich zudem in zahlreichen kirchlichen Gremien. Über 30 Jahre gehörte er dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an, wo er Mitglied mehrerer Arbeitsgruppen und Kommissionen war. 1999 wurde der Politologe mit der Bistumsmedaille, der höchsten Auszeichnung des Bistums, geehrt. Anfang der 1970er Jahre hat er an der Würzburger Synode, der gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer, teilgenommen.

2019 ist jüngst im LIT-Verlag das Buch „Bei Unrecht: Widerspruch!“ von Gottfried Leder erschienen.

Im Gespräch

Interview mit Professor Dr. em. Gottfried Leder

Herr Professor Leder, Sie sind Begründer der Wissenschaft der Politik in Hildesheim. Was bedeutet es, die Politikwissenschaft als eine Grundwissenschaft aufzubauen?

Die Politische Wissenschaft als Fach gab es damals an den Pädagogischen Hochschulen überhaupt noch nicht. Die Kultusministerkonferenz entschied damals Ende der 1950er Jahre, an jeder der acht Pädagogischen Hochschulen in Niedersachsen einen Lehrstuhl zu errichten, weil das erste Mal die NPD als Partei einen gewaltigen Schub bei den Landtagswahlen gemacht hat. Da wurde beschlossen: Wir müssen die Gegenwehr gegen diese Rechtsbewegung bei der Jugend anfangen – das wiederholt sich alles in der Geschichte. Und wenn man bei der Jugend anfangen möchte, muss man bei den Lehrerinnen und Lehrern anfangen. Und auf diese Weise wurde in allen pädagogischen Hochschulen in Niedersachsen das Fach der politischen Wissenschaft eingerichtet, in den vier größeren 1960, und in den kleineren 1961. Es gab aber nicht genug Leute für diese Lehrstühle, die habilitiert waren. Den Hochschulen wurde gesagt: Schaut euch um, wenn ihr jemanden kennt, der promoviert und geeignet ist, dann ladet ihn in die Hochschulen ein und macht Check-Seminare.

Sie waren 32. Das trauten Sie sich zu?

Ich war damals noch im Bundespräsidialamt in Bonn. Ich war 32 Jahre jung und stellte mich in Alfeld vor. So ist es gewesen. Ich stand in zwei anderen Hochschulen auch noch auf der Dreier-Liste der möglichen Kandidaten. Ich wurde dann ernannt und war zunächst allein, als Assistent bot sich ein Lehrer an. Ich begann bei Null. Was ich als Bestand in Alfeld vorfand war eine Weimarer Verfassung und das Grundgesetz und 3000 D-Mark als Startkapital für den Aufbau einer Abteilung Politikwissenschaft in der kleinen Hochschulbibliothek. Ich traf auf eine wahnsinnig freundliche Kollegenschaft, die sich halb umbrachte, um mir zu helfen und zwischendurch fragte, was das eigentlich ist, was ich in der Politikwissenschaft mache. Wir waren 20 Dozenten in Alfeld.

Was haben Sie Ihren Alfelder Kollegen und Ihrer Kollegin denn geantwortet, was ist Politikwissenschaft?

Ich habe verdeutlicht, dass und warum die Politische Wissenschaft eine Wissenschaft ist und dass ich nicht hierher geschickt worden bin, Politik zu machen. Es ist die Wissenschaft, die den Gegenstand der Politik hat und alles, was politisch ist, ist ihr Objekt. Politische Wissenschaft treibt also keine Politik, sondern analysiert sie. Was nicht ausschließt, erstens, dass auch der Politikwissenschaftler eine politische Überzeugung hat und was die Frage aufwirft, ob Politikwissenschaft eine wertfreie Wissenschaft sein könnte. Das war in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre eine große Debatte. Der Soziologe Max Weber hat die These von der Wertfreiheit der Politikwissenschaft einerseits glühend verteidigt und andererseits gibt es in seinen Schriften Passagen, in denen er darlegt, Politik ist natürlich auch eine wertende Wissenschaft. Wenn wir von „guter" oder „schlechter" Politik reden, fangen wir schon an mit dem Urteil. Ich kann das, was andere sagen, nicht sofort mit einer Haube der politischen Überzeugung beurteilen. Zunächst einmal muss die Analyse kommen.

Herr Professor Leder, seit 28 Jahren sind Sie im Ruhestand. Ihr Interesse an Politik, an Philosophie und Zeitgeschichte ist ungebremst, auch im hohen Alter haben Sie noch einen Aufsatz über Gewissen und Gehorsam geschrieben. Nun feiern Sie Ihren 90. Geburtstag. Verraten Sie uns Ihre Lebensphilosophie, wie bleibt man so wach im Geiste und so aufmerksam?

Seien Sie mir nicht böse, aber das kann ich nicht beantworten. Wie bleibt man so wach und aufmerksam? Ich danke jeden Tag dafür, das ich's bin. Wie man dazu kommt, merkt man ja nicht. Wenn man das Glück hat, merkt man es gelegentlich, weil jemand sagt: „Der ist noch ganz fit."

Ich weiß natürlich, dass ich ein wunderbares Elternhaus, aufgeschlossen und interessiert an allem, gehabt habe und sehr jung erfahren habe, dass es auf der Welt sehr schlimme Dinge gibt. Meine Eltern waren beide absolut unbeleckt von jeder Sympathie für die Nazis. Ich bin 1929 geboren, ich war gerade vier Jahre alt, als sich die Nationalsozialisten in Deutschland 1933 mit der Machtergreifung durchsetzten. Ich erzähle Ihnen eine verbürgtes Geschehen: Wie ich fünf Jahre alt war, 1934, war ich für ein Viertel Jahr bei meinen Großeltern in Breslau. An einem Abend, ich war von meiner Patentante schon ins Bett gebracht, fingen auf einmal die Glocken an zu läuten. Ich konnte nicht schlafen, bin in das Wohnzimmer der großen bürgerlichen Wohnung und habe mich beklagt, warum die Glocken so laut läuten. Mein Großvater sagte mir: „Weißt du, der Herr von Hindenburg, der Herr Reichspräsident ist gestorben." Ich reagierte, es war eine kindliche Reaktion: „Was denn, haben Sie jetzt den alten Mann auch noch umgebracht?“ Das war am 2. August 1934. Einige Monate zuvor, im Juni, hatte Hitler einen Putsch von SA-Leuten, seiner eigenen Truppe, niedergeschlagen, indem er seinen Freund Ernst Röhm, der Chef der SA, einer der obersten Nazis, hat erschießen lassen. Meine Eltern waren sehr intensiv katholisch und aufgeschlossen, sie wussten, 1935, 1936, 1937: Das gibt Krieg und es wird furchtbar. Sie wussten von Judenverfolgungen, ihre Freunde sind noch nach England entkommen. Als Fünfjähriger und in den folgenden Jahren habe ich eine schlimme Zeit erlebt. Ich konnte damals noch nicht Zeitung lesen, nur einzelne Worte. Das prägt mein ganzes Denken. Politik ist wahnsinnig spannend, aufregend und wichtig für uns alle, Politik kann schlecht sein und gut sein.

Eine andere Situation: Ich war 30 und Referent im persönlichen Büro des Bundespräsidenten in Bonn, ich war einer von zwei Assistenten und hatte wie ich angekommen war, am ersten Tag einen Auftrag erhalten, eine Tischrede zu entwerfen für die Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts. Vorgabe 8 Minuten. Das war ein Glücksfall. Verfassungsrecht hat mich in meinem Studium so intensiv beschäftigt. Als ich in das Arbeitszimmer des Bundespräsidenten das erste Mal hinein kam, saßen wir uns direkt gegenüber, er hatte mein Redemanuskript vor sich liegen, nahm einen grünen Stift und fing an zu lesen. Auf einmal knurrte er, und wieder knurrte er: „So kann man das doch nicht sagen." Reflexartig bat ich um Entschuldigung. Der Bundespräsident legt seinen Stift hin, guckt mich an und sagt: „Herr Leder, warum entschuldigen Sie sich denn dauernd? Sie sind hier dazu da, mir zu widersprechen. Und wenn ich es dann anders mache, ist das nicht mehr Ihre Verantwortung." Ich habe manchmal in Fällen von Meinungsverschiedenheiten mit Räten und Assistenten später zu mir innerlich gesagt: „Du weißt, die sind hier da, um dir zu widersprechen. Und wenn du es anders machst, musst du es alleine verantworten." Ich habe daher nie einen ernsten Konflikt mit einem Mitarbeiter an der Universität gehabt.

Was bedeutet Wissenschaft für Ihr Leben? Wie hat die Politikwissenschaft Ihr Leben geprägt?

Wenn ich Politik lehren will und Wissenschaft betreiben will, muss ich objektive Sachverhalte erzählen. Gewissen und Widerspruch hat mich immer sehr beschäftigt. Ich habe sehr gerne in Arbeitsgruppen gearbeitet, die aus anderen Wissenschaften stammen. Zwölf Jahre war ich Mitglied eines Gesprächskreises für wissenschaftliche Pädagogik, nahm an den Symposien teil, sprach in Münster über politische Bildung. Wie sieht ein Politikwissenschaftler politische Bildung und hält sie für notwendig? Politische Bildung hat mich immer interessiert, ich habe sie mit vielen Referaten im Jahr in Bildungsinstitutionen von Stuttgart bis Fulda betrieben. Abends hatte ich meinen Vortrag in Oldenburg mit Diskussion bis zehn Uhr, am Morgen war ich zurück in Hildesheim, um um 8:00 Uhr mein Seminar zu halten. Von zwei Operationen abgesehen war ich 7 Vorlesungstage im Laufe der 30 Jahre an der Universität krank.

Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht. Mich hat die Leidenschaft für politische Bildung und das innere Engagement mein Leben lang angetrieben. Demokratie ist ein Wert und die Parteien haben politische Funktionen in die Bevölkerung hinein. Wenn die Parteien heute wieder in einer Schwächephase stehen – was ganz ohne Frage ist und überhaupt noch nicht überwunden –, macht man sich seine Sorgen. Man kann Mitleid oder wenigstens Sympathie für Leute empfinden, die sich bestimmte Dinge zutrauen, dazu gewählt werden und dann von der eigenen Partei Stückchen um Stückchen in die Pfanne gehauen werden.

Meine Studentinnen und Studenten haben mir gesagt, dass ich anspruchsvoll sei, aber immer fair in Prüfungen. Wenn die Studierenden zur Prüfung kamen, habe ich mich gekümmert, es war erstaunlich, wie viele so stark unter Prüfungsangst gelitten haben. Den Dank erfahre ich noch heute in Hildesheim manchmal auf der Straße, das sind wundervolle Tage.

Wie haben Sie die Universität als Student erlebt?

Ich erinnere mich an mein Studium 1949 in Göttingen, ich habe die Lehrangebote gesucht, die hingen nämlich nur in der Universität an großen Brettern. Fernsehen gab es noch nicht, im Radio wurden Lehrveranstaltungen natürlich auch nicht verkündet.Und dann musste ich erst einmal einen Kommilitonen ansprechen, der von einer Vorlesung kam. Aber die jungen Leute waren alle so eilig, ganz eigentümlich – freundlich, aber sie hatten nie Zeit. Warum? Eine große Zahl der jungen Männer hatte eine Gefangenschaft hinter sich nach dem Zweiten Weltkrieg, entweder bei den Franzosen oder bei den Amerikanern, aber kaum einer war aus Russland. Ich bin dabei gewesen, wie 1955 – zehn Jahre nach Kriegsende – im Grenzdurchgangslanger in Friedland einer der ersten Transporte von deutschen Kriegsgefangenen ankam in Bussen, in die sie in ihren Gefangenenlagern verladen worden waren, als Konrad Adenauer in Russland gewesen war und sie freigehandelt hatte. Ich habe mit anderen Studenten geholfen. Es hieß: „Die Gefangenen kommen. Wir brauchen dringend Hilfskräfte.“ Ich errinere mich, wie sie aus den Bussen aussteigen – blass, blank, abgemagert, manche mit einem Stock, manche mit einer selbstgebastelten Krücke unter dem Arm. Ich habe bis heute im Sinn, wie sie am Ende anstimmen: „Nun danket alle Gott.“ So etwas vergisst man nicht, das Schreckliche wie das Schöne.

Wenn ich Ihnen noch eine Story erzählen soll: Ich saß im Seminar „Theorie des öffentlichen Rechts“ in Göttingen bei Professor Rudolf Smend, einer der bedeutendsten Verfassungsrechtler der Weimarer und der neuen Bonner Zeit. Da saßen mit mir im Raum zwei spätere Bundesminister, ein Dritter, der später in den Bundestag ging, zwei spätere Bundesverfassunsrichter, eine spätere Richterin. Ich saß auf dem letzten Platz, Mittwochabend, 20 Uhr bis 22 Uhr. Da passierte Folgendes: Rudolf Smend hatte einen Aufsatz geschrieben über den Kernbereich seiner eigenen Theorie, die Integrationslehre, der Staat ist Integration, für das große Handbuch der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Er sagte, er wolle den Aufsatz zur Diskussion stellen: Die Integrationslehre und ihre Schwächen. Es war ein nachträgliches rücksichtsloses Urteil über sein zentrales wissenschaftliches Produkt, uns kamen die Tränen. Er saß und schwieg. Einer seiner Studenten, Wilhelm Hennis, später renommierter Professor, sagte: „Herr Professor, so schlecht, wie Sie Ihre eigene Theorie gemacht haben, ist sie ja nun wirklich nicht." Herr Smend sagte ganz ernst: „Ich bedanke mich für diesen Trost." Ich habe dauernd das große Glück gehabt, Leute dieser Kragenweite kennen zu lernen.

Dieses Interview lesen auch viele Studentinnen und Studenten. Welche Entwicklungschancen bietet eine Universität jungen Menschen?

Eine Hochschullehrerin beziehungsweise ein Hochschullehrer sollte zum Nebenberuf haben, seinen Studentinnen und Studenten immer wieder klar zu machen: Erstens, Sie müssen hier gewaltig Gas geben, sonst kann es sein, dass Sie das Studium nicht schaffen. Ich kenne nur ganz wenige Leute, die es ohne solches Gasgeben mit Lockerheit geschafft haben. Zweitens, man muss sich selber darum kümmern, das man lernt, wie man lernt und wie man zum Denken kommt – mit der Folge, dass an zwei, drei Abenden in der Woche Bude und Arbeit angesagt ist. Weil es später auch so sein wird. Ohne knallharte Arbeitsbereitschaft geht nichts. Drittens: Man muss lernen, sich in die Position des anderen hineinzuversetzen. Das hilft übrigens auch, wenn man sich auf eine Prüfung vorbereitet und vorher versucht herauszufinden, wie der Prüfer oder die Prüferin tickt, dann können einen Fragen nicht erschrecken.

Welche Aufgaben hat Wissenschaft in der Gesellschaft, wie kann die Region von der hier ansässigen Hochschule profitieren?

Ich schätze die Bemühungen um den Wissenstransfer der heutigen Hildesheimer Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren, dazu zählen etwa die öffentlichen Europagespräche von Professor Michael Gehler und Ringvorlesungen der Universität Hildesheim. Da wird etwas Reizvolles geboten. Ich habe einige Referate von Professorin Marianne Kneuer gehört, sie kann für jeden der anfängt, als Wissenschaftler zu arbeiten, nur Vorbild sein, ich bewundere das. Man muss sehen, dass die Bürger hier herkommen auf den Campus, man muss sie einladen. Und dann kommen sie ja offenbar.

Die Hochschule, der akademische Bereich, ist nicht außerhalb dieser Welt, sondern ein Teil und muss sich selber integrieren. Eine Universität, die sich abkapselt, wird nie richtig in der Mitte dieser Stadt ankommen. Das Wachstum der Universität Hildesheim ist nicht unwesentlich in den letzten Jahren von Professor Wolfgang-Uwe Friedrich bewirkt worden und hat ohne Fragen in Hinblick auf kulturelle und wirtschaftliche Aspekte Bedeutung für Hildesheim. Etwa 11 % von Hildesheims gut 100.000 Einwohnern sind heute Studentinnen und Studenten, 1970 waren es 400 Studierende, 2019 sind es allein an der Universität etwa 8500. Und wenn Hildesheim sich nun darum bewirbt, Europäische Kulturhauptstadt zu werden, dann wird alles das, was vom gegenwärtigen Präsidenten geschaffen wurde dazu beitragen, dass Hildesheim sicher mit dem hervorragenden Ruf der Universität gestiegene Chancen hat.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-17107 Thu, 04 Jul 2019 07:46:00 +0200 Vorstand des Zentrums für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/vorstand-des-zentrums-fuer-digitalen-wandel/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Im Juli kam der Vorstand des „Zentrums für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“  der Universität Hildesheim zur konstituierenden Sitzung zusammen.

Dem Vorstand gehören der Wirschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt (Sprecher), die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, der Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum, die Mathematikdidaktikerin Professorin Barbara Schmidt-Thieme, der Leiter der Universitätsbibliothek Dr. Ewald Brahms und der Literaturwissenschaftler Dr. Guido Graf an.

„Mit dem Zentrum für Digitalen Wandel wollen wir bestehende Forschungs-, Lehr- und Transferinitiativen bündeln, um diesen eine größere Wirksamkeit zu verleihen und um disziplinübergreifende Erklärungs- und Gestaltungsansätze zu ermöglichen, die dem digitalen Wandel in seiner Komplexität gerecht werden“, so Professor Ralf Knackstedt.  

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype die Debatten über den digitalen Wandel prägen. Die Digitalisierung ist eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim.

Weitere Informationen über das ZFDW finden Sie online.

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news-17086 Mon, 01 Jul 2019 08:39:00 +0200 Herausragende akademische Leistungen: Torben Windler, Candy Walter und Carolin Funke https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/herausragende-akademische-leistungen-torben-windler-candy-walter-und-carolin-funke/ Die Universitätsgesellschaft Hildesheim verleiht drei Preise für herausragende akademische Leistungen. Geehrt werden der Informatiker Torben Windler, die Kulturwissenschaftlerin Carolin Funke und der Mathematiker Candy Walter für ihre Bachelorarbeit, Masterarbeit und Promotion. Die Förderpreise sind mit jeweils 500 Euro dotiert „Die Preise sind eine besondere Auszeichnung der Universität für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Sie sollen zudem Studierende und wissenschaftlichen Nachwuchs motivieren“, sagt Heinz-Werner Ernst, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Hildesheim, anlässlich der Preisverleihung im Forum am Hauptcampus. Die Qualität begeisterte ihn, und erstaunt habe ihn die Nähe der Forschungsarbeiten zur realen Welt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

  • Bachelor: Torben Windler | Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ |  Bachelorarbeit „Electricity Price Forecasting in the Context of Production Planning“ | Gutachter: Jan Busse

  • Master: Carolin Funke | Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ | Masterarbeit „Narrative Zwischenräume. Die Bedeutung der Bild-Text-Interdependenz in Bilderbuchgesprächen am Beispiel des Bilderbuches „Garmans Straße“ von Stian Hole. Eine qualitativ-empirische Studie.“ | Gutachterin Prof. Dr. Bettina Uhlig, Gutachter Jan Schönfelder

  • Dissertation: Candy Walter | Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ | Dissertation „Statistische Untersuchungen Planen – Eine empirische Untersuchung zur Planung und Durchführung statistischer Untersuchungen von Lernenden aus 9ten und 10ten Schuljahrgängen“ | Gutachterin: Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme

Nähe der Forschungsarbeiten zur realen Welt

Der Informatiker Torben Windler hat seine Arbeit im Rahmen eines Projektes umgesetzt, in dem einem Produktionsbetrieb mit hohem Energieverbrauch geholfen werden soll, die Niedrigpreisphasen des Stromlieferanten auszunutzen und das vorausschauend Wochen vorher zu planen.

Carolin Funke, gelernte Grafikerin, hat in ihrer Masterarbeit ein liebevoll gestaltetes Werk vorgelegt, das Lehrerinnen und Lehrern Hilfen gibt für das Erschließen von Bilderbüchern. Auch der Mathematiker Candy Walter wendet sich mit seiner Arbeit an Lehrerinnen und Lehrer. Mit Hilfe der Ergebnisse seiner Dissertation sollen Schülerinnen und Schüler eigene Projekte besser durchführen und auswerten können.

Nominiert waren herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aller Fachbereiche

Unter den insgesamt 14 Nominierten mit herausragenden Forschungsarbeiten waren junge Forscherinnen und Forscher aus allen Fachbereichen der Universität Hildesheim. Die Preis werden einmal im Jahr verliehen.

Die vier Fachbereiche hatten die Arbeiten bei der paritätisch besetzten Förderkommission des Senats eingereicht. Die ermittelte in einem aufwendigen Verfahren drei Vorschläge, die sie dem Vorstand der Universitätsgesellschaft zur Entscheidung vorlegte. Die zum Teil sehr umfangreichen Arbeiten wurden mitgereicht, um den Kommissionsvorschlag nachvollziehen zu können.

Die Universitätsgesellschaft fördert Studierende, studentische Projekte und Leistungen und unterstützt Forschung und Lehre. Die gemeinnützige Gesellschaft vereint Freunde, Ehemalige, Förderer und Angehörige der Uni und versteht sich als Bindeglied zwischen Universität und den Bürgerinnen und Bürgern der Region.

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news-17224 Sat, 29 Jun 2019 08:00:00 +0200 Universität Hildesheim kooperiert mit Universität Maiduguri in Nigeria / Friedrich: „Dieses Miteinander zeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-kooperiert-mit-universitaet-maiduguri-in-nigeria-friedrich-dieses-miteinan/ Die Universität Hildesheim baut die internationale Zusammenarbeit aus. Die Universität Maiduguri in Nigeria und die Universität Hildesheim haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die Universitäten arbeiten seit mehreren Jahren in einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderten Graduiertenschule zusammen und befassen sich mit Friedens- und Konfliktforschung. „Wir sind dankbar und stolz auf die Zusammenarbeit mit der Universität Maiduguri. Dieses Miteinander zeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert“, so Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Lesen Sie hier den vollständigen Artikel (PDF)

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Pressespiegel regional Center for World Music Forschung Präsident
news-17039 Wed, 19 Jun 2019 14:33:00 +0200 Experte für Biowissenschaften des Sports: Professor Sebastian Gehlert https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/experte-fuer-biowissenschaften-des-sports-professor-sebastian-gehlert/ Der Sportwissenschaftler Sebastian Gehlert erforscht in Hildesheim unter anderem die muskuläre Anpassung im Kraft- und Ausdauertraining, den Proteinabbau im humanen Skelettmuskel und das Training und die Ernährung im Leistungssport. Eine effiziente Reizabfolge durch Training ist sowohl im Gesundheitsbereich, wie zum Beispiel im Rehabilitationssport, aber besonders auch im Leistungssport von hoher Bedeutung, sagt der Professor. Sebastian Gehlert hat an der Universität Hildesheim die Professur für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften des Sports am Institut für Sportwissenschaft des Fachbereichs „Erziehungs- und Sozialwissenschaften“ inne. 

Professor Sebastian Gehlert befasst sich unter anderem mit der Entwicklung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Training. „Es geht in meiner Forschung darum, mit biowissenschaftlichen und sportwissenschaftlichen Methoden, zu untersuchen, wie die Intensität, Zeitdauer und Abfolge von Kraft- und Ausdauertrainingseinheiten eine optimale und effiziente Reizabfolge generieren kann, die einen maximalen Leistungszuwachs in kurzer Zeit gewährleistet.“ Besonders interessant, sagt Gehlert, sei, dass die Entstehung dieser Vorgänge bereits auf Zellebene des Skelettmuskels beginnt und über spezifische Signalprozesse initiiert wird. „Diese Signalgebung lässt sich mit biowissenschaftlichen Methoden messen. Dies können Metabolite, Mikrovesikel oder RNA Fragmente sein, die als Folge des Gewebeumbaus in das Blut übertreten und uns Abbau- oder Aufbauprozesse indirekt anzeigen können. So können wir messen, ohne Muskelbiopsien vornehmen zu müssen.“

Eine effiziente Reizabfolge durch Training ist sowohl im Gesundheitsbereich, wie zum Beispiel im Rehabilitationssport, aber besonders auch im Leistungssport von hoher Bedeutung, sagt der Sportwissenschaftler. „Hier versucht man ja in kurzer Zeit – beispielsweise in ambulanten und zeitlich limitierten Rehaprogrammen oder aber auch in wettkampfnahen Vorbereitungsperioden – Trainingsreize so zu bündeln, dass zum Wettkampf die größtmögliche Schnelligkeits-, Kraft oder Ausdauerleistungsfähigkeit erzielt wird. Wenn es im Leistungssport überwiegend um Medaillen geht, äußert sich ein höheres Leistungsvermögen im Gesundheitssport mit verbesserter allgemeiner Belastbarkeit, Mobilität und Gesundheit.“

Sebastian Gehlert arbeitete nach seinem Studium der Sportwissenschaften im Bereich Training und Leistung in Forschungsprojekten an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Gehlert erhielt ein Graduiertenstipendium im Bereich Lebenswissenschaften der DSHS Köln. Er promovierte zum Thema  „Akute  und chronische Anpassung des humanen Skelettmuskels auf Kraft und Ausdauerbeanspruchung“ und arbeitete in der Abteilung molekulare und zelluläre Sportmedizin der DSHS Köln.

Antrittsvorlesung von Professor Sebastian Gehlert

Am Mittwoch, 19. Juni 2019, gibt der Sportwissenschaftler Professor Dr. Sebastian Gehlert Einblicke in seine Forschung. In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung im Forum am Hauptcampus spricht er über den „Einfluss der molekularen Interaktion von Training und Ernährung auf die physiologische Leistungsanpassung“.

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news-16952 Sat, 08 Jun 2019 11:28:00 +0200 Friedens- und Konfliktforschung über Musik und Kultur https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/friedens-un/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Maiduguri, Nigeria, und Cape Coast, Ghana, sind derzeit zum Forschungsaufenthalt an der Universität Hildesheim. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Maiduguri in Nigeria und Cape Coast in Ghana befassen sich im Rahmen einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Graduiertenschule mit der Frage, wie mit Kunst und Kultur in und nach Konflikten Gemeinschaften aufgebaut werden können.

Seit Anfang Mai bis Ende Juli 2019 sind 10 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nigeria und Ghana zum Forschungsaufenthalt am Center for World Music in Hildesheim.

Welche Rolle spielen Kultur und Künste bei der Konfliktlösung und in Friedensprozessen?

In Hildesheim arbeiten Zainab Musa Shallangwa, Alasambom Nyingchuo, Umar Lawal Yusuf, Lydia Amoah, Sabina Appiah-Boateng und Amos Asare Darkwa an ihren Doktorarbeiten im Center for World Music und am Institut für Kulturpolitik, recherchieren in der Universitätsbibliothek und treffen Hildesheimer Professorinnen und Professoren. Begleitet werden sie von den Koordinatoren der Graduiertenschule Dr. Christopher Mtaku, Eyram E. K. Fiagbedzi, Dr. Nepomuk Riva und Meike Lettau.

Außerdem finden interdisziplinäre Austauschformate statt, unter anderem mit der Erziehungswissenschaftlerin Professorin Viola Georgi, die in Hildesheim das Zentrum für Bildungsintegration leitet, und im Seminar „Time and History: What ‚history‘ do we want to talk about in the future“ mit dem Philosophen Professor Rolf Elberfeld, der zu Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive forscht, oder auch mit Professor Tiago de Oliveira Pinto vom UNESCO-Lehrstuhl „Transcultural Music Studies” an der Universität Weimar.

Insgesamt 21 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Nigeria, Ghana, Kamerun, Niger und Deutschland, darunter 12 Doktorandinnen und Doktoranden, erforschen in der Graduiertenschule „Performing Sustainability – Cultures and Development in West-Africa“ von 2016 bis 2020 die Rolle von Kultur und Kunst bei der Konfliktlösung, in Friedensprozessen und in der nachhaltigen Entwicklung in Westafrika. Zum Beispiel untersuchen sie die Rolle von Theater und Film in Flüchtlingsgemeinschaften, die Auswirkungen von Migration und Vertreibung auf das materielle und immaterielle kulturelle Erbe und entwickeln lokale, gemeinschaftsbildende Kultur- und Bildungsprojekte. Teil des Programms sind mehrmonatige Forschungs- und Lehraufenthalte am Center for World Music der Universität Hildesheim.

„Dieser Austausch zwischen Maiduguri, Cape Coast und Hildesheim ist eine Bereicherung“

„Wir sind eine offene und internationale Universität, zu unserem Leitbild gehört Diversität. Dieser Austausch zwischen Maiduguri, Cape Coast und Hildesheim ist eine Bereicherung“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler werden Anfang Juli 2019 an einer Kooperationstagung zum Thema „The Role of the Artist in Processes of Transformation. Conference on Cultural Policy and Sustainable Development“ in der Bundesakademie Wolfenbüttel teilnehmen [Informationen zur Konferenz]. Forschungsfragen sind unter anderem: Was bedeutet eine auf Kunst und Kultur basierende nachhaltige Entwicklung? Auf welche Weise können Künstlerinnen und Künstler Lösungen für Gesellschaften in Umbrüchen und fragilen Kontexten anbieten? Welche neuen Mechanismen der internationalen Kulturbeziehungen und Kulturpolitik sind für eine Veränderung der europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit erforderlich?

Digitalisierte Musikarchive sollen in Nigeria helfen, um vor Ort Lösungsansätze für gesellschaftlichen Konfliktezu entwickeln

„Die Forschungen der Studierenden stehen im engen Zusammenhang mit den Sammlungen, über die wir am Center for World Music verfügen, wie etwa das Borno Music Documentation Project. Die Doktoranden und Doktorandinnen nutzen damit unsere Archive, die sie erschließen und digitalisiert wieder mit nach Nigeria nehmen, um vor Ort Lösungsansätze für gesellschaftlichen Konflikte suchen“, sagt Professor Raimund Vogels.

Die Hildesheimer Graduiertenschule „Performing Sustainability – Cultures and Development in West-Africa“ ist die einzige kulturwissenschaftliche Graduiertenschule und die einzige aus Niedersachsen, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen einer Fördermaßnahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Förderung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN bewilligt wurde.

Das Graduiertenkolleg ist an der Universität Hildesheim am Center for World Music angesiedelt. Das Team um Professor Raimund Vogels, Direktor des Forschungsinstituts, arbeitet mit Professor Wolfgang Schneider zusammen, dessen Team am UNESCO-Lehrstuhl des Instituts für Kulturpolitik die Rolle der Künste in Konflikten und Transformationsprozessen untersucht.

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news-16971 Fri, 07 Jun 2019 08:52:00 +0200 Internationaler Doktorandenworkshop der Musikethnologie https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/internationaler-doktorandenworkshop-der-musikethnologie-1/ Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Haifa, Cape Coast, Lissabon, Helsinki und Maiduguri nach Hildesheim: Während des elften Internationalen Doktorandenworkshops am Center for World Music der Universität Hildesheim tauschen sie sich über Forschungsmethoden und Forschungsfragen aus. Um aus ihrer Forschung zu berichten, reisen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel, Portugal, Ghana, den USA, Finnland und Nigeria nicht nach Berlin oder Köln, sondern nach Hildesheim in Norddeutschland.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim unterstützt den Forschungsnachwuchs. Etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tagen vom 18. Juni bis 22. Juni 2019 an der Universität. Das fünftägige Programm bietet Raum für Vorträge und Diskussionen. In Arbeitsgruppen können sich die Doktorandinnen und Doktoranden über Forschungsmethoden und musikethnologische Forschungsfragen austauschen.

Seit elf Jahren bauen die Hildesheimer Wissenschaftler ein Doktorandennetzwerk in der Musikethnologie aus. Die Universität Hildesheim arbeitet dabei eng mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sowie Professor Philip Bohlman von der University of Chicago/USA zusammen. Bisher nahmen über 200 junge Fachleute an den Workshops teil. Einmal im Jahr tagen sie eine Woche am Center for World Music in Hildesheim. Das Forschungszentrum hat sich im Ausland als wichtige Institution der Nachwuchsförderung etablieren können.

Programm des elften internationalen Doktorandenworkshops

Die Doktorandinnen und Doktoranden befassen sich zum Beispiel mit diesen Themen:

  • Amos Darkwa Asare (University of Cape Coast, Ghana): "The Evaluation of Cultural Policy towards the Performing Arts in Ghana: A case of the ‘Appietus’ project"

  • Dikshant Uprety (Indiana University Bloomington, USA): "Practices of Social Entrepreneurship and Development in Rap and Rock Music Scenes in Kathmandu Valley"

  • Xinjie Chen (University of Helsinki, Finland): "Rooted Cosmopolitanism in Sámi CD productions"

  • Pablo Infante-Amate (University of Oxford, England): "Playing with the State: Popular Music, Oil, and Political Economy in Equatorial Guinea"

  • Olga Zaitseva-Herz (University of Alberta, Canada): "Singing Between Continents: images of homeland and pluralism in the hybrid songs of Habsburg Empire emigrants to Canada"

  • Loab Hammoud (University of Haifa, Israel): "Between Mandate and Diaspora: Palestinian Composers of Arab Art Music Between 1917-1998"

Short information in English

Eleventh International Doctoral Workshop in Ethnomusicology

From 18th of June until 22nd of June 2019 the Center for World Music of University of Hildesheim will once more be the venue for the international doctoral workshop in ethnomusicology. In collaboration with Hanover University of Music, Drama and Media, the program of paper presentations, discussion and working groups will support doctoral students at their writing stage and engage them in international dialogue and exchange. In a keynote lecture Ronald Radano from the University of Wisconsin–Madison, USA, and the American Academy Berlin, will talk about the "African Sound Object and the Colonial Past".

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news-16849 Mon, 27 May 2019 15:31:39 +0200 Hochschulforschung – Hohe Relevanz für die Hochschulpraxis https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/hochschulforschung-hohe-relevanz-fuer-die-hochschulpraxis/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“ arbeiten an Forschungsprojekten, die eine hohe gesellschafts- wie hochschulpolitische Relevanz aufweisen. Um sich gemeinsam mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus der Hochschulforschung sowie aus dem Hochschulmanagement bundesweit auszutauschen, trafen sie sich im Rahmen der „3. Hildesheimer Dialoge“ an der Universität Hildesheim. Ein Gastbeitrag des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“

Zu den aktuellen Themen an Hochschulen zählen zum Beispiel, wie die Betreuung von Promovierenden stetig verbessert werden kann, wie die Hochschulen angesichts der gestiegenen Studierendenzahlen und nach wie vor hohen Abbruchquoten eine qualitativ gute und ansprechende Lehre leisten können, aber auch, wie sukzessive der Anteil an Professorinnen und Frauen in den Spitzen- und Leitungspositionen im Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb erhöht werden kann, und welche Maßnahmen und Strategien Hochschulen ergreifen, um ihre Beschäftigten sowie die Studierenden vor sexualisierter Gewalt und Belästigung zu schützen.

Grund genug für das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ einige empirische Forschungsprojekte zu den oben genannten aktuellen Themen beim 3. Hildesheimer Dialog vorzustellen und Inhalte, Methoden, Vorgehensweisen, Ergebnisse und die Praxisrelevanz mit den Gästen intensiv zu diskutieren.

Empirische Forschungsprojekte, Methoden, Inhalte und Vorgehensweisen wurden auf der Tagung vorgestellt

Die meisten – mit einer Ausnahme – dort vorgestellten Projekte stehen am Beginn ihrer Forschungsphase. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andrea Bührmann. Sie ist Professorin für Soziologie und Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Chancengleichheit an der Universität Göttingen und war mit großem Interesse nach Hildesheim gereist, um sich einen Einblick in aktuelle Forschungsthemen rund um die Hochschule zu verschaffen.

Den Auftakt der Diskussionsrunde machte Prof. Dr. Tanja Paulitz von der TU Darmstadt. Sie gab einen spannenden Einblick in ein in Deutschland wenig untersuchtes Forschungsfeld: In dem BMBF-Projekt „Jenseits der Gläsernen Decke“ untersucht sie gemeinsam mit Leonie Wagner, Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) und einem Team, welche Marginalisierungserfahrungen Professorinnen an Universitäten wie Fachhochschulen machen. Im Kern ihres Projektes geht es darum, die sehr feinen und zum Teil wenig bewussten Mechanismen des Unsichtbarmachens, des Übersehens und Wegdrängens von Spitzenfrauen im Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb aufzuzeigen und daraus Gegenstrategien für eine Sensibilisierung und für inklusive Anerkennungspraktiken zu entwickeln.

Noch in der ersten Phase der Förderung ist das Forschungsprojekt „Thematisierung von sexualisierter Gewalt an Hochschulen in der Lehre und der Organisation“, das Prof. Dr. Meike Sophia Baader, vom Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim, zusammen mit Dr. Christin Sager, ebenfalls vom Institut für Erziehungswissenschaft, leitet: „Unser Projekt geht der Frage nach, wie Hochschulen als Organisation mit dem Thema „sexualisierte Gewalt“ umgehen, welche Richtlinien und Beratungsangebote institutionalisiert und welche Formen von Best Practice identifiziert werden können“, erklärte Meike Baader, Professorin für Erziehungswissenschaft und Vize-Präsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Hildesheim.

„Zudem fragen wir danach, ob das Thema in pädagogischen Studiengängen in der Lehre angekommen und verankert ist, gibt es doch seit 2010 eine erhöhte Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt in pädagogischen Kontexten, so dass ein professioneller Umgang damit Teil der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften sein sollte. Zusammen mit Akteuren und Akteurinnen aus der Region werden wir Handlungsempfehlungen erarbeiten“. Ihr Projekt wird bis Ende 2021 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert, ebenso wie das Forschungsprojekt „Bewertungspraktiken in Lehr-/Lernsettings der Promotionsbetreuung“ von Dr. Daniela Böhringer und Prof. Kai-Olaf Maiwald, beide von der Universität Osnabrück, und Dr. Svea Korff vom Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim. Das Forschungsteam an den beiden Standorten untersucht unterschiedliche Settings der Betreuung, in denen die Promotion sowohl als Arbeits- und Lernprozess wie auch als materiales schriftliches Objekt Thema ist. Diese Perspektive erhellt die Frage, wie in der Wissenschaft dem Nachwuchs Leistung interaktiv zugeschrieben wird. Dazu werden Videoaufnahmen gemacht und konversationsanalytisch ausgewertet.

Die Promotionsphase und der anschließende Übergang in den akademischen und außerakademischen Arbeitsmarkt stehen im Mittelpunkt eines weiteren Forschungsprojektes, dessen Eckpunkte ebenfalls bei den Hildesheimer Dialogen vorgestellt wurden: Dr. Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) gab einen Überblick über die großangelegte Studie „NACAPS – National Academics Panel Study“. Im Rahmen dieser Längsschnittstudie, die er mit seinem Team durchführt, werden regelmäßig Promovierende und Promotivierte in Deutschland zu den Bedingungen des Promovierens, ihren Karriereabsichten, Karriereverläufen und allgemeinen Lebensbedingungen gefragt. Auch die Universität Hildesheim beteiligt sich an dieser Befragung.

Den thematischen Abschluss bildete ein aktuelles Forschungsprojekt, das die akademische Lehre und vor allem die Hochschullehrenden in den wissenschaftlichen Blick nimmt: Wie reagieren Lehrende auf neue Anforderungen, die an eine zeitgemäße Lehre gestellt werden? Gehen Lehrende darauf ein, digitale Medien vermehrt in ihre Lehre zu integrieren? Setzen sie Aspekte einer gender- und diversityorientierten Lehre um? Diesen Fragen geht Dr. Marion Kamphans vom Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ in ihrem von der Universität Hildesheim geförderten Habilitationsprojekt nach, das sie den Anwesenden vorstellte.

Hildesheimer Dialoge initiieren Austausch über Hochschulforschung und Hochschulentwicklung

Bereits zum dritten Mal veranstaltete das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Institute für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft und für Sozial- und Organisationspädagogik (Prof. Dr. Meike Baader; Prof. Dr. Wolfgang Schröer; Dr. Svea Korff; Dr. Marion Kamphans) der Universität Hildesheim die „Hildesheimer Dialoge“. Von besonderem Interesse ist es, einen Austausch mit anderen an Themen der Hochschulforschung und Hochschulentwicklung Interessierten zu initiieren.

Zentrales Ziel ist es, sich auf Landes- und Bundesebene zu vernetzen. Ein dritter Grund für dieses Format ist, die hochschulpolitische wie praktische Relevanz der empirischen Studien und Projekte – die im Forschungscluster bearbeitet werden in ihrer Anschlussfähigkeit für Veränderungsprozesse an Hochschulen, etwa für das Hochschulmanagement oder die akademische Personalentwicklung zu diskutieren.

Kontakt bei Fragen zu den Hildesheimer Dialogen: Dr. Marion Kamphans, Universität Hildesheim, Institut für Erziehungswissenschaft, Abt. Allg. Erziehungswissenschaft (E-Mail: kamphans@uni-hildesheim.de)

Kontakt bei Fragen zum Forschungscluster „Hochschule und Bildung“: Dr. Svea Korff, Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik (E-Mail: korffs@uni-hildesheim.de)

Auf dem Gruppenfoto von links nach rechts:

Prof. Dr. Andrea Bührmann, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Chancengleichheit an der Universität Göttingen; Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Hildesheim; Dr. Daniela Böhringer, Universität Osnabrück; Dr. Svea Korff, Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim; Dr. Mark Bajohrs, Universität Mainz; Carolin Bätge, Universität Hildesheim; Prof. Dr. Kai-Olaf Maiwald, Universität Osnabrück; Dr. Marion Kamphans, Forschungscluster „Hochschule und Bildung“; Dr. Christin Sager, Universität Hildesheim; Dr. Silvia Lange, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hildesheim; Dr. Kolja Briedis, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover; Prof. Dr. Tanja Paulitz, TU Darmstadt.

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news-16486 Tue, 21 May 2019 20:39:00 +0200 Erste große Untertitel-Studie mit Kindern im deutschsprachigen Raum https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/erste-grosse-untertitel-studie-mit-kindern-im-deutschsprachigen-raum/ Wissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim haben erstmals in Deutschland umfassend untersucht, wie Kinder Untertitel in Kindermedien verstehen und wie sich Untertitel verbessern lassen. An der zweijährigen Studie haben 250 Kinder teilgenommen. Der Kinderkanal von ARD und ZDF, der MDR und der NDR waren Kooperationspartner und der Deutsche Gehörlosenbund hat das Projekt unterstützt. Nun liegen die Ergebnisse vor. Seit einigen Jahren bauen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihr barrierefreies Angebot immer weiter aus. Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind Untertitel ein wichtiges Hilfsmittel, um Filme, Serien und Sendungen zu verstehen. Inzwischen gibt es auch zahlreiche untertitelte Kinderangebote. Da sich Kinder im Leselernprozess befinden, deshalb meist langsamer lesen als Erwachsene und da auch ihre Konzentrationsfähigkeit noch nicht so stark ausgeprägt ist, müssen Untertitel für sie anders gestaltet werden als für Erwachsene.

Auf Anregung des Norddeutschen Rundfunks, der in der ARD das Thema „Barrierefreier Rundfunk“ federführend betreut, haben die Übersetzungswissenschaftlerinnen Professorin Nathalie Mälzer und Maria Wünsche untertitelte Sendungen genauer unter die Lupe genommen. Ziel war es, die Untertitel für Kinder zu optimieren und wissenschaftlich überprüfte Richtlinien für die Erstellung von Untertiteln für Kindersendungen zu entwickeln.

In einer Pilotstudie mit 50 teilnehmenden gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Kindern und in einer Hauptstudie mit 200 teilnehmenden Kindern aus Deutschland wurden Ausschnitte aus Sendungen mit verschiedenen Formen der Untertitelung gezeigt und Fragen zu Akzeptanz und Verständnis gestellt.

Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder sie gut lesen können?

Nun liegen Ergebnisse des Projekts „TV-Untertitel für gehörlose und schwerhörige Kinder – Empirische Studie zur Erarbeitung von Standards für die Gehörlosenuntertitelung von Kindersendungen“ vor. Die Studie liefert erstmals in Deutschland eine wissenschaftliche Grundlage, um verbesserte und zielgruppengerechte Untertitel für Kindersendungen zu erarbeiten.

Die Studie der Universität Hildesheim liefert Antworten auf die Frage: Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder zwischen acht und zwölf Jahren die Untertitel gut lesen, der Sendung inhaltlich folgen können und die Untertitel akzeptieren? Welche Änderungen wirken sich positiv auf die Lesbarkeit, Akzeptanz und Verständlichkeit der untertitelten Serien aus?

Die Forscherinnen befragten 250 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren

Viele der 250 befragten Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren aus Berlin, Brandenburg, Bremen,  Hamburg, Niedersachsen und NRW haben bisher wenig Erfahrung mit Untertiteln. Elternhäuser, auch hörende Eltern, sollten die Untertitel im Fernsehen einschalten, wenn ihre Kinder gehörlos oder schwerhörig sind, so die Wissenschaftlerinnen.

Die Akzeptanz der Untertitel spielt dabei eine große Rolle, sagt die Studienleiterin Professorin Nathalie Mälzer. Wie bekommt man Eltern und Kinder dazu, die Untertitel überhaupt zu nutzen? Die Wissenschaftlerinnen haben die teilnehmenden Kinder befragt, welche Untertitel ihnen gefallen, was sie stört und welchen Einfluss unterschiedliche Standzeiten oder typografische Hervorhebungen auf das Leseverständnis haben. „Für die Kinder ist es wichtig, dass sie die Untertitel den Sprecherinnen und Sprechern richtig zuordnen können. Trägt eine Figur eine grüne Mütze, kann der Text auch in grün gesetzt werden“, erklärt Maria Wünsche.

Weitere Ergebnisse der Hildesheimer Untersuchung sind:

  • Alter: Die Lesekompetenz der acht- und neunjährigen Studienteilnehmer*innen war insgesamt nicht ausreichend für das Lesen von Untertiteln. „Kinder ab zehn Jahren können den Untertiteln aber bereits gut folgen und daher ein besseres Verständnis der untertitelten TV-Sendungen entwickeln“, so Nathalie Mälzer. 

  • Untertitelnutzung: Die Hypothese, je häufiger Kinder Fernsehen mit Untertiteln ansehen, desto besser verstehen sie untertitelte Sendungen, kann nicht bestätigt werden. 

  • Untertitelgeschwindigkeit: Sowohl kurze als auch längere Standzeiten der Untertitel können das Verständnis beeinträchtigen: Sei es durch starke Textkürzung oder durch zu viel Textumfang. Längere Standzeiten werden aber bevorzugt, da auf diese Weise mehr Zeit zum Lesen bleibt. Die Studie zeigt, dass Untertitel mit längeren Standzeiten signifikant besser bewertet werden als Untertitel mit kürzeren Standzeiten. „Die Akzeptanz der Untertitel mit längeren Standzeiten ist viel stärker, weil Kinder sonst in Stress geraten und aussteigen, wenn der Text so rast“, sagt Mälzer.

  • Typografische Hervorhebungen: Typografische Hervorhebungen verbessern die Verständlichkeit nicht signifikant. Typografische Hervorhebungen erhielten im Gesamtergebnis zwar positive Rückmeldungen. Die Teilgruppe, die am häufigsten Untertitel nutzt und daher an sie gewöhnt ist, schätzt die Hervorhebungen aber signifikant schlechter ein als jene Teilgruppen, die kaum Untertitelerfahrung haben. 

Die Wissenschaftlerinnen tragen die Ergebnisse der Studie nun detailliert zusammen, leiten Handlungsempfehlungen für die Praxis ab und stellen sie den kooperierenden Rundfunkanstalten zur Verfügung. Die wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse folgt im Laufe des Jahres.

Professorin Nathalie Mälzer sagt: „Die Studie ist nicht nur für die Forschung relevant, sondern hat direkten Einfluss auf die Arbeitsweise unserer Kooperationspartner NDR, MDR und dem Kinderkanal von ARD und ZDF. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen in den Richtlinien der ARD Berücksichtigung finden. Die Schulen und die Rundfunkanstalten wünschen sich von uns nun Vorträge und Schulungen sowie Info-Broschüren: Vor allem Eltern sollten für das Thema Untertitel sensibilisiert werden und ihren Kindern ermöglichen, Sendungen mit Untertiteln zu sehen, um das Verständnis der Sendungen zu verbessern und den Schriftspracherwerb der Kinder zu unterstützen.“

Aus der Zusammenarbeit mit Kindern wissen die Wissenschaftlerinnen: „Kinder sind dankbar, wenn die Wissenschaft sie ernstnimmt, wenn sie gehört werden.“

Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen für die Untertitelproduktion:

  • Die Arbeit mit Farben bei der Untertitelung für die Verbesserung der Figurenzuordnung sollte fortgesetzt werden.

  • Es sollten Untertitel mit längeren Standzeiten verwendet werden, weil die Kinder dann nicht „frustriert“ sind und im Vergleich zu Untertiteln mit kurzen Standzeiten kaum Unterschiede beim Verständnis festzumachen sind. 

  • Es sollten möglichst keine Paraphrasen in Untertiteln formuliert werden.

Die Europäische Union hat die Studie im „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) von März 2017 bis Februar 2019 gefördert. Die Wissenschaftlerinnen danken allen beteiligten Schulen für die engagierte Mitarbeit.

Wer mehr über Untertitel in Medien erfahren möchte, erreicht Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim unter maelzers@uni-hildesheim.de. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen sind Fachleute für den Bereich Medientext und Medienübersetzung.

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news-16814 Tue, 21 May 2019 14:00:00 +0200 Schutz der künstlerischen Freiheit: Start der „Arts Rights Justice Library“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/schutz-der-kuenstlerischen-freiheit-start-der-arts-rights-justice-library/ Die politischen und gesellschaftlichen Situationen in vielen Ländern weltweit zeigen, dass es aktuell um freie Meinungsäußerung und Kunstfreiheit schlecht bestellt ist. Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim veröffentlicht heute, am 21. Mai 2019, dem internationalen Tag für Dialog und kulturelle Vielfalt, die „Arts Rights Justice Library“ sowie die ersten drei Studien des „Arts Rights Justice Observatory“. Weder in Deutschland noch sonst auf der Welt gibt es derzeit eine so umfassende auf das Thema Kunstfreiheit und Künstlerschutz ausgerichtete Bibliothek. Die „Arts Rights Justice Library“ ist eine digitale Online-Plattform mit Open-Access, die eine so bisher nicht existierende Auswahl der relevantesten Publikationen zu den Schnittstellen von Kunst, Kunstfreiheit, Menschenrechten und globaler Gerechtigkeit sichert und zur Verfügung stellt.

Die Zahl der Publikationen soll kontinuierlich erhöht werden. Die Dokumente sollen der breiteren globalen Gesellschaft, vor allem aber Künstlern, Kulturmanagern, Menschenrechtsaktivisten, Rechtsanwälten und Forschern zugänglich gemacht werden. Ziel ist es, nach und nach alle Dokumente in der Datenbank der Universität Hildesheim zu lagern und diese über die Webseite www.arj-library.de weltweit zugänglich zu machen. So soll das bisherige Wissen gebündelt, bereitgestellt und langfristig für Forschungszwecke und praktische Zwecke gesichert werden.

Bibliothek enthält eine Auswahl der wichtigsten Publikationen über Kunstfreiheit, Menschenrechte und globale Gerechtigkeit

Über die wissenschaftliche Serie „Arts Rights Justice Studies“ sollen auch eigene Forschungen zum Thema Künste und Gerechtigkeit unternommen und veröffentlicht werden. In einem ersten Schritt erforschen Sara Whyatt, Ole Reitov, Laurence Cuny und Miriam Hübner das Thema aus den Blickwinkeln von „Arts“, von „Rights“ und von „Justice“. Eine vierte Studie wird derzeit erstellt.

Die online-Biblothek und die Forschungsstudien sind Teil des „Arts Rights Justice Obeservatory“ und gehören zum „Arts Rights Justice“-Programm (www.arts-rights-justice.de), welches die Forschungsgruppe der Universität Hildesheim in Zusammenarbeit mit 30 internationalen Experten mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und des International Cities of Refuge Network (ICORN) entwickelt hat. Es ist angesiedelt am UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ am Institut für Kulturpolitik.

Strukturen zum Schutz der künstlerischen Freiheit stärken und ausbauen

„Inhaltlich geht es weitläufig um die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, die Fähigkeiten der Kunst Transformationsprozesse positiv zu beeinflussen und letztlich darum, wie Kunstfreiheit sowie bedrohte Künstlerinnen und Künstler geschützt und gefördert werden können und müssen“, so Professor Dr. Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Mit dem ARJ-Programm sollen Fähigkeiten vermittelt und professionalisiert, der Austausch von Wissen gewährleistet und Fachwissen zu diesem Thema aufgebaut werden. Ziel des kollaborativ strukturierten und in einem globalen Netzwerk agierenden Programms ist es, Strukturen zur Förderung und zum Schutz der künstlerischen Freiheit zu stärken und auszubauen.

Neben der Online-Bibliothek und der Studienreihe umfasst das ARJ-Programm eine Akademie auf dem Kulturcampus in Hildesheim begleitet durch Workshops in variierenden Teilen der Welt. Beide ermöglichen Diskursräume mit angehenden und erfahrenen Expertinnen und Experten.

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„Arts Rights Justice Library“

Interview mit Dr. Daniel Gad

„Regierungen werden in der Art und Weise, wie sie Freiheiten kontrollieren und begrenzen, immer ausgefeilter. Insofern besteht der große Bedarf, Wissen zum Schutz der Freiheit zugänglich zu machen“

Der Kulturwissenschaftler Dr. Daniel Gad spricht im Interview über den Schutz der künstlerischen Freiheit. Er ist Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“ am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.

Warum braucht es eine Bibliothek wie die „ARTS RIGHTS JUSTICE Library“?

Daniel Gad: Die politischen und gesellschaftlichen Situationen in vielen Ländern weltweit zeigen, dass es aktuell um freie Meinungsäußerung und Kunstfreiheit schlecht bestellt ist – auch innerhalb Europas. Nicht ohne Grund haben die Vereinten Nationen 2012 mit Farida Shaheed eine Sonderberichterstatterin beauftragt, das Verständnis und die Rechtsgrundlagen für die Freiheit sich künstlerisch auszudrücken zusammenzutragen. Anlass zuvor gab auch der Fall des britisch-indischen Schriftstellers Salman Rushdie, der aufgrund eines seiner Bücher Ende der 1980er Jahre unter Polizeischutz gestellt werden musste und damit den Grundstein für ein globales Netzwerk von Zufluchtsresidenzen für Künstlerinnen und Künstler gelegt hat. Diverse, vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen widmen sich heute der Aufgabe, Künstlerinnen und Künstler sowie Kunstfreiheit zu schützen und zu fördern. Nach vierjähriger Beratung mit rund 30 Expertinnen und Experten startete damit auch 2017 unser UNESCO-Lehrstuhl mit dem ARTS RIGHTS JUSTICE Programm, gefördert durch das Auswärtige Amt. Im Kern stehen dabei eine einwöchige Academy und eben eine Online-Bibliothek, mit dem Ziel, Wissen zusammenzutragen und den Diskurs über den Schutz und die Förderung in diesem Feld mit einer Vielzahl von Akteuren aus Konzeption und Praxis zu führen.
Regierungen werden in der Art und Weise, wie sie Freiheiten kontrollieren und begrenzen, immer ausgefeilter. Insofern besteht der große Bedarf, Wissen zum Schutz der Freiheit zugänglich zu machen. Da der Teilnehmendenkreis der Academy in Hildesheim aufgrund der begrenzten Ressourcen nur beschränkt bleiben kann, stellt die ARTS RIGHTS JUSTICE Library eine zentral wichtige und global zugängliche, nebenbei auch kostenlos nutzbare Wissensressource da.      

Gibt es so ein Angebot in Deutschland bereits? Was ist das neue, innovative an der Bibliothek?

Daniel Gad: Weder in Deutschland noch sonst auf der Welt gibt es derzeit eine so umfassende auf das Thema Kunstfreiheit und Künstlerschutz ausgerichtet Bibliothek. Wir nutzen unsere Aufgabe als unabhängige Institution der Wissenschaftsfreiheit, nach Möglichkeit alle – oder zumindest die relevantesten Dokumente – zugänglich zu machen. Dabei ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen unsere Bewertungsgrundlage, um zu bestimmen, ob ein Dokument in den Bestand aufgenommen wird oder nicht.
Die ARTS RIGHTS JUSTICE Library sichert und bündelt vorhandene Analysen, Konzepte und Leitfäden an einer Stelle. Sie ist insofern innovativ, weil sie sich durch ihr Vermittlungsformat auf die Nutzerinnen und Nutzer ganz unterschiedlicher Expertisen und Hintergründe zubewegt. Weil sie im Sinne des Open Access online und global unter www.arj-library.de frei zugänglich ist, muss man mit Ausnahme eines Computers und eines Internetzugangs keinen physischen Ort fern des eigenen Standortes besuchen noch muss man eine Registrierung vorlegen, um Zugang zum Bestand und der das Stöbern ermöglichenden Menüführung der Website zu erhalten.

Was erhoffen Sie sich damit, wen möchten Sie erreichen?

Daniel Gad: Auf Grundlage unserer umfangreichen Befragung diverser Akteure und Akteurinnen zur Frage, welches Wissen in diesem Sektor fehlt und wie Wissen zusammengetragen, geteilt und gemehrt werden muss. In Anlehnung an das daraus resultierende Konzept der ARJ Academy sehen wir im Wesentlichen KünstlerInnen, MenschenrechtsaktivistInnen, KulturmanagerInnen und JuristInnen sowie ForscherInnen und sicherlich auch MitarbeiterInnen aus der politische Ebene als Nutzerinnen und Nutzer der ARTS RIGHTS JUSTICE Library. Diese sind die wesentlichen Akteure, die sich für Schutz und Förderung von Kunstfreiheit einsetzen. Wohl wissend, dass nur ein Teil dieser NutzerInnen gewohnt ist mit akademischen Analysen zu arbeiten, nehmen wir bewusst auch die wachsende Anzahl an Leitfäden und kleinen Fortbildungsdokumenten mit in den Bestand auf. Darüber hinaus gilt es aber auch, Wissen für dieses Thema zu sichern. Gerade, weil viele, nicht aber automatisch langfristig existierende Nichtregierungsorganisationen wertvolle Analysen und Leitfäden erstellen, aber auch, weil Regierungswechsel häufig zu veränderten politischen Konzepten führen, droht hier erfahrungsgemäß ein Informationsverlust. Die ARTS RIGHTS JUSTICE Library will somit auch Erkenntnisse aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft gesichert zugänglich halten.

Was enthält die Bibliothek zum Beispiel, was in einer normalen Stadtbibliothek oder Universitätsbibliothek nicht zugänglich ist?

Daniel Gad: Nur ein Teil des Wissens zum Künstlerschutz und zur Kunstfreiheit wird in regulären Büchern veröffentlicht. Der Weg zu einem im Buchhandel vertriebenen Buch passt einfach nicht zu den begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen des Sektors. Zudem sind weder der Buchhandel, noch die Vertriebswege, noch Budget zum Bucherwerb, noch die Infrastrukturen von Bibliotheken in den meisten Ländern der Welt und gerade in solchen Ländern, in denen repressive gesellschaftliche und politische Systeme vorherrschen, so ausdifferenziert, dass das Wissen die wissbegierige Leserschaft erreicht.
Zudem ist die Vielzahl an Orten, an denen digitale Dokumente im Internet abgespeichert und zugänglich gemacht werden so komplex, dass es selbst versierten WissenschaftlerInnen schwer fällt, den Bestand zu erfassen. Insofern ist es das klare Anliegen der ARTS RIGHTS JUSTICE Library, Wissen zu bündeln und Zugänge im Sinne des globalen Rechts auf Wissensfreiheit zu ermöglichen und dadurch beizutragen, Infrastrukturen zu Schutz und Förderung von Kunstfreiheit auszuweiten.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt:

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Dr. Daniel Gad, Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls (E-Mail: gad@uni-hildesheim.de, Telefon: 05121 883 20107). Weitere Informationen finden Sie online: www.arts-rights-justice.de.

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news-16767 Wed, 15 May 2019 10:52:00 +0200 „Das Leben mit geringer Lese- und Schreibkompetenz ist eine erhebliche Einschränkung“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/das-leben-mit-geringer-lese-und-schreibkompetenz-ist-eine-erhebliche-einschraenkung/ Professorin Carola Iller über Konsequenzen aus der LEO-Studie, in der die Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18 bis 64 Jahre) untersucht wurden. In der Studie „LEO – Leben mit geringer Literalität“ hat ein Team um Professorin Anke Grotlüschen die Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18 bis 64 Jahre) erfasst. Etwa  6,2 Millionen Deutsche haben große Schwierigkeiten, einen zusammenhängenden Text in deutscher Sprache zu lesen und zu schreiben.

Geringe  Literalität  bedeutet,  dass  eine  Person allenfalls bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben kann

Die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Carolo Iller von der Universität Hildesheim gehört zum wissenschaftlichen Beirat der LEO-Studie. Sie befasst sich in der Forschung mit der Frage, wie Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen besser unterstützt und beraten werden können.

„Inklusive Bildung hat den Anspruch, allen Menschen – mit und ohne Einschränkungen – die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen und das Leben mit geringer Lese- und Schreibkompetenz ist eine erhebliche Einschränkung. Vor allem ist damit auch der Zugang zu qualifizierter Arbeit, die Teilhabe am politischen Leben und eine eigenständiger Lebensweise eingeschränkt. Selbst zum Ausfüllen von Formularen und Anträgen, zum Unterschreiben von Kaufverträgen und zur Auswahl des richtigen Handy-Tarifs wird Hilfe benötigt“, so Carola Iller.

Die Hildesheimer Professorin für Weiterbildung hat sich auf Erwachsenenbildung spezialisiert. „Ich beschäftige mich mit den didaktischen Konzepten und den Möglichkeiten einer zielgruppengerechten Ansprache der Erwachsenen – zum Beispiel durch Beratung oder die Einbindung von Familienangehörigen.“

Eine Möglichkeit, sprachliche Barrieren abzubauen, sei zum Beispiel die Leichte Sprache. Die LEO-Studie hat gezeigt, dass etwa 30 % der Erwachsenen mit geringer Lesekompetenz den Schriftverkehr im Haushalt an andere delegieren und seltener ihren Kindern vorlesen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Wichtig seien vor allem verständliche Informationen zu Gesundheit, Familienleistungen, aber auch zur Teilhabe an Politik und Arbeit, sagt Carola Iller. Eine geringe Lesekompetenz könne von den Erwachsenen an ihre Kinder „sozial vererbt“ werden, wenn nicht Maßnahmen ergriffen werden, sagt Iller. Denn das Vorlesen im Kindesalter hat wiederum Einfluss auf das Lesen und Schreiben sowie den Schulerfolg der Kinder.

Menschen mit geringer Literalität benötigen Unterstützung im Alltag – zum Beispiel beim Ausfüllen von Fomularen oder beim Lesen eines Busfahrplans

Die Professorin schlägt vor, geringe Literalität bei Erwachsenen zu enttabuisieren und in der Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Menschen mit geringer Literalität Unterstützung benötigen – zum Beispiel beim Ausfüllen von Fomularen oder beim Lesen eines Busfahrplans. Geringe  Literalität  bedeutet,  dass  eine  Person allenfalls bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben kann.

„Die Lernberatung zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz sollte ausgebaut werden und stärker mit anderen Beratungsangeboten wie Gesundheitsberatung, Erziehungsberatung und Schuldnerberatung verknüpft werden. Es braucht außerdem eine bessere vertikale Vernetzung zwischen den Bildungsbereichen: Wir gehen davon aus, dass Kindergarten, Schule und Hochschule jeweils zu abgeschlossenen Kompetenzen führen, das ist aber im richtigen Leben nicht so. Und deshalb brauchen wir immer wieder Gelegenheiten, das Gelernte aufzufrischen oder etwas nachzuholen, was vorher vielleicht nicht vermittelt wurde oder nicht gelernt werden konnte“, sagt Carola Iller.

Interviews mit Erwachsenen mit geringen Lese- und  Schreibkompetenzen 

Die Professorin hat Erwachsene mit geringen Lese- und  Schreibkompetenzen interviewt, die zum Beispiel während der Grundschulzeit aufgrund einer Erkrankung nicht regelmäßig am Unterricht teilgenommen haben und dann nie richtig Lesen und Schreiben gelernt haben. „Sie haben sich ihr weiteres Schulleben durchgehangelt und versucht, nicht aufzufallen und danach Gelegenheiten gemieden, in denen ihre geringe Lese- und Schreibkompetenz hätte auffallen können. Wenn es dann im Erwachsenenalter durch eine persönliche Krise oder ein anderen einschneidendes Erlebnis doch noch zu dem Wunsch kommt, von Grund auf Lesen und Schreiben zu lernen, ist das ein großer Aufwand.“

Die Wissenschaftlerin verweist auf ein Vorzeigeprojekt in Israel Dort können Erwachsene am Unterricht in Schulen teilnehmen. „Das hat bei allen Beteiligten – Kindern, Lehrerinnen und Lehrern sowie lernende Erwachsene – eine sehr positive Resonanz erhalten. Solche Projekte brauchen wir hier auch.“

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news-16768 Mon, 13 May 2019 08:17:43 +0200 Migrationslinguistik: Interview mit Professorin Marta Estévez Grossi https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/migrationslinguistik-interview-mit-professorin-marta-estevez-grossi/ Der Bereich „Community Interpreting“ und die barrierefreie Kommunikation ist von hoher soziopolitischer Relevanz. Mit ihrer Forschung und Lehre wollen Übersetzungswissenschaftlerinnen aus Hildesheim und dem mexikanischen Toluca und Oaxaca zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen. Während der Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania" („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“) stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim, Hannover, Mainz-Germersheim, Universidad Autónoma del Estado de México (UAEM/Toluca) und Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca (UABJO/Oaxaca) aktuelle Forschungserkenntnisse zur barrierefreien Kommunikation und Migrationslinguistik in Mexiko und Deutschland vor. Die Konferenz fand am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation statt.

 

„Uns alle verbindet die Faszination für komplexe mehrsprachige Situationen, aber vor allem der Wunsch, zu einer größeren gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen beitragen zu können, egal in welcher Sprache sie sich ausdrücken“, sagt Institutsdirektorin Professorin Bettina Kluge über die Zusammenarbeit mit den mexikanischen Forscherinnen und Forschern aus Übersetzungswissenschaft und Sprachwissenschaft.

„Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen“

Professorin Dr. Marta Estévez Grossi arbeitet als Vertretungsprofessorin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit dem Schwerpunkt Community Interpreting an der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsinteressen gehören unter anderem das Community Interpreting, die Migrationslinguistik, Soziolinguistik und Barrierefreie Kommunikation. Im Interview gibt die Übersetzungswissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit.

Frau Estévez, mit welcher Forschungsfrage befassen Sie sich derzeit?

Die Idee der Translation als Schlüssel für die Integration und Inklusion von sozial benachteiligten Personen beschäftigt mich seit langem und hat schon immer meine Forschung begleitet. Mein Dissertationsprojekt widmete ich der sprachlichen Lage bei spanischen GastarbeiterInnen der ersten Generation in Hannover und wie und von wem ihr Sprachmittlungsbedarf gedeckt wurde (oder eben nicht). Derzeit forsche ich zu den Strategien der Adaptation und intralingualen Übersetzung von juristisch-administrativen Texten in „einfache Sprache“ als eine Form der Barrierefreien Kommunikation im Spanischen und Französischen. Gerade um diese zwei komplementären sprach- und dolmetschwissenschaftlichen Themenbereiche, und wie die Praxis und der Forschungsstand in Mexiko und Deutschland ist, geht es in unserer Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania“ („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“).

Warum ist diese Forschung wichtig, was möchten Sie damit bewegen?

In jedem Land der Welt befinden sich Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen der jeweiligen Mehrheitssprache nicht (vollständig) mächtig sind und deswegen sich in ihren Rechten und Pflichten beeinträchtigt sehen. Sie können unter anderem Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge, Sprecherinnen und Sprecher von Regional- oder indigenen Sprachen, Menschen mit Behinderungen oder Lernbeeinträchtigungen aber auch Touristinnen und Touristen, Messebesucher, Geschäftsmänner oder Geschäftsfrauen oder Konferenzteilnehmerinnen und Konferenzteilnehmer sein. Die Forschung im Bereich Community Interpreting und in den weiteren Formen der Barrierefreien Kommunikation ist daher von hoher soziopolitischen Relevanz, denn sie hat sich als übergeordnetes Ziel gesetzt, die Erkenntnisse der Forschung in die Praxis umzusetzen und einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Überwindung von Sprachbarrieren zu leisten. Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen. In diesem Sinne beteiligt sich das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in verschiedenen Projekten, die oft als innovativ nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit gelten. Im Bereich Community Interpreting ist das von meiner Kollegin Dr. Conchita Otero Moreno geleitete Zertifizierungsprogramm der Stadt Braunschweig für die Ausbildung von interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern nennenswert, indem ich seit fünf Jahren mitwirken darf. Das Programm, das in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert, wurde von Dr. Otero mitkonzipiert und vom Start wissenschaftlich begleitet. Ferner ist im Bereich Barrierefreie Kommunikation, im weitesten Sinne die von Prof. Dr. Christiane Maaß gegründeten Forschungsstelle Leichte Sprache, und der daraus entstandene Masterstudiengang Barrierefreie Kommunikation, der im vergangenen Wintersemester startete, hervorzuheben.

Bei einer Tagung am Bühler-Campus kamen Fachleute in der letzten Woche in Hildesheim zusammen. Was ist das Ziel dieser Konferenz?

In unserer Tagung kamen wir mit drei Gastwissenschaftlerinnen aus der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca in Mexiko (Edith Matías Juan, María del Sagrario Velasco García und Mariana Vásquez Jiménez) und mit zwei Kolleginnen aus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki und Christiane Wegener) zusammen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki wurde an dieser Universität in Oaxaca ein Masterstudiengang für das Übersetzen und Dolmetschen indigener Sprachen aufgebaut. Dieser Masterstudiengang, der in diesem Jahr startet, gilt als erster seiner Art in ganz Mexiko oder sogar in Lateinamerika und soll einen ersten wissenschaftlich fundierten Schritt in Richtung einer Professionalisierung von Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen für Sprecherinnen und Sprecher indigener Sprachen darstellen. Die drei mexikanischen Gastwissenschaftlerinnen sollen ab August im Masterstudiengang unterrichten und interessieren sich sehr für die Erfahrungen, die wir über die Jahre hinweg im universitären und außeruniversitären Kontext gesammelt haben. Auch für uns ist der Austausch hochinteressant und sehr bereichernd, um die Lage des Community Interpreting in Mexiko kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Praxis, Forschung und Lehre herauszuarbeiten. Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz plant in diesem Zusammenhang weitere Forschungsprojekte. Neben der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca und weiteren Universitäten im In- und Ausland soll nun die Universität Hildesheim auch als Partner fungieren. Diese Tagung hat uns erlaubt, uns zum erstem Mal mit den Kolleginnen aus Oaxaca zu treffen und persönlich auszutauschen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Ein Projektbeispiel: Dolmetschen fürs Amt in Braunschweig

In Braunschweig leben Menschen aus über 170 Ländern. 2009 hat die Stadt im Büro für Migrationsfragen eine Servicestelle für Interkulturelles Dolmetschen und Übersetzen eingerichtet, um Verständigung im Arbeitsalltag von Institutionen, kommunalen Dienststellen und in Bildungseinrichtungen zu ermöglichen und Missverständnisse und Konflikte im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich zu vermeiden. Die Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Conchita Otero Moreno von der Uni Hildesheim begleitet diesen Prozess seit dem Start und ist für die Schulung der bisher insgesamt 201 Dolmetscher zuständig. Als Dolmetscher sind Migrantinnen und Migranten aus unterschiedlichen Ländern tätig.

„Die Einsätze der geschulten interkulturellen Dolmetscher ermöglichen eine gelungene Kommunikation zwischen dem Fachpersonal und Migrantinnen und Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die bisher Freunde oder Verwandte zu Gesprächen mitnahmen. Die zum Teil hochqualifizierten Menschen leben seit Jahren in Deutschland, beherrschen die eigene und die deutsche Sprache sehr gut und wollen und können gerne als Dolmetscher tätig werden“, sagt die Wissenschaftlerin.

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news-16750 Thu, 09 May 2019 17:20:26 +0200 Kunsthistorikerin Fiona McGovern: Juniorprofessorin für Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kunsthistorikerin-fiona-mcgovern-juniorprofessorin-fuer-kuratorische-praxis-und-kunstvermittlung/ Ausstellungen gelten als das zentrale Format des öffentlichen Zeigens und Rezipierens von Kunst. Die Kunsthistorikerin Fiona McGovern forscht zu Ausstellungsgeschichte und Ausstellungstheorie. Sie arbeitet als Juniorprofessorin für Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung im kulturwissenschaftlichen Fachbereich. Fiona McGovern hat seit dem Sommersemester 2018 an der Universität Hildesheim die Juniorprofessur für Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft des Fachbereichs „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ inne.

Ausstellungen gelten als das zentrale Format des öffentlichen Zeigens und Rezipierens von Kunst und sie bedingen die Art und Weise, wie über Kunst gesprochen wird, sagt die Wissenschaftlerin. Fiona McGovern lehrt und forscht zu Themen der (künstlerischen) Ausstellungsgeschichte und Ausstellungstheorie, zu Ethiken des Kuratierens und befasst sich mit interdisziplinären Ansätzen in den Künsten seit den 1960er Jahren sowie feministischer und queerer Theorie. Ein aktueller Arbeitsschwerpunkt in ihrer Forschung liegt im Bereich der (Re-)Präsentation von gesellschaftlichen Minderheiten durch Ausstellungen und ihrer Vermittlung. In der Lehre bietet sie derzeit etwa Seminare wie „Das (ideale) Kunstmuseum“ und „Theorie der Inszenierung – Intermedialität“ gemeinsam mit der Medienwissenschaftlerin Professorin Stefanie Diekmann an. Die Seminare von Fiona McGovern sind sowohl theoretisch als auch praktisch, es gibt Seminare, die sich mit der Geschichte des Kuratierens befassen und auch Seminare, die in Museen stattfinden und in welchen Studentinnen und Studenten mit den jeweiligen Verantwortlichen hinter die Kulissen schauen.

„Die Kombination von kuratorischer Praxis und Kunstvermittlung innerhalb eines Lehrstuhls ist sehr reizvoll und absolut zeitgemäß, da beide oftmals als getrennte Bereiche betrachtet werden. Dabei ist Kuratieren per se schon eine vermittelnde Arbeit“, sagt Fiona McGovern. Das Kuratieren wie auch die Kunstvermittlung sind beides praktische Tätigkeiten, die die Juniorprofessorin in ihrer Lehre mit Theorie kombiniert. In Hildesheim möchte sie diesen doppelten Brückenschlag auch durch einen engen Austausch mit den Kunstinstitutionen und Museen vor Ort weiterführen, wie zuletzt etwa in Form der Moderation eines Künstlerinnengesprächs im Kunstverein zum Thema „The Artist and/as Curator“ oder auch durch ein gemeinsam mit Prof. Dr. Claudia Höhl vom Dommuseum geplantes Seminar zum Thema „Migration der Dinge“.

„Gerade die an der Domäne zentrale Verbindung von Theorie und Praxis ist innerhalb der deutschen Unilandschaft nach wie vor ziemlich einmalig. Es ist nicht wirklich mit einer Kunsthochschule vergleichbar, entspricht aber auch nicht der üblichen akademischen Herangehensweise an Kulturwissenschaften. Das macht diesen Ort wirklich besonders“, sagt Fiona McGovern über das kulturwissenschaftliche Studium, das in diesem Jahr im Oktober 2019 das 40jährige Jubiläum feiern wird.

Fiona McGovern hat Kunstgeschichte, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Anglistik studiert und zuvor an der Freien Universität Berlin gearbeitet. Ihre Doktorarbeit trägt den Titel „Die Kunst zu zeigen. Künstlerische Ausstellungsdisplays bei Joseph Beuys, Martin Kippenberger, Mike Kelley und Manfred Pernice“, darin untersucht sie vor allem von diesen Künstlern kuratierte Ausstellungen und deren spezifische Rhetorik.

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Fiona McGovern

Am Mittwoch, 15. Mai 2019, gibt die Kunsthistorikerin und Kuratorin Fiona McGovern Einblicke in ihre Forschung. Die öffentliche Antrittsvorlesung „Ethiken des Kuratierens. Eine Annäherung“ beginnt um 18:00 Uhr in der Aula im Hohen Haus auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg.

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news-16733 Tue, 07 May 2019 14:07:00 +0200 Übergang von der Heimerziehung in ein eigenverantwortliches Leben https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/uebergang-von-der-heimerziehung-in-ein-eigenverantwortliches-leben/ Wissenschaftlerinnen am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik entwickeln eine vernetzte Infrastruktur für die Begleitung von jungen Menschen aus Wohngruppen und Pflegefamilien in ein eigenständiges Leben. Ministerin Birgit Honé informierte sich über das EU-geförderte Projekt. EU-Pojekt - Soziale Innovationen
Übergänge aus Heimerziehung und Vollzeitpflege

Birgit Honé, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, hat auf ihrer europapolitischen Tour durch Niedersachsen das Forschungsteam am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim besucht. Im Mittelpunkt des Besuchs stand das EU-geförderte Projekt „Trans-Fair“.

Das EU-geförderte Projekt hat das Ziel, jungen Menschen den Übergang aus der Heimerziehung und Vollzeitpflege in ein eigenverantwortliches Leben zu erleichtern. Die Wissenschaftlerinnen stellten der Ministerin das Projekt, welches sich im letzten Drittel des zweijährigen Förderzeitraums befindet, vor. Mit dem Projekt wollen die Wissenschaftlerinnen Britta Karner, Jessica Feyer, Maria Schube und Severine Thomas vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik erstmals für die Region Hildesheim - auch mit Signalwirkung für Landes- und Bundesebene, eine rechtskreisübergreifende, vernetzte Infrastruktur für die Begleitung von jungen Menschen aus Wohngruppen und Pflegefamilien in ein eigenständiges Leben (sogenannte Care Leaver) entwickeln.

Hierzu bindet das Forschungsteam möglichst viele Akteuere unterschiedlicher sozialer Dienste in den Prozess ein. Außerdem erarbeiten die Wissenschaftlerinnen Informationsmaterialien über die eigenen Rechte im Übergang für Care Leaver und entwickeln gemeinsam mit freien Trägern und unter Mitwirkung von betroffenen jungen Menschen Konzepte zu einer besseren informellen Begleitung (unter anderem Paten, peer-to-peer-Angebote).

„Ziel ist es, die Risiken des Übergangs von Care Leavern in ein eigenverantwortliches Leben abzumildern. Diese zeigen sich zum Beispiel in einer zum Teil fehlenden Existenzsicherung oder auch drohender Wohnungslosigkeit, aber auch in der Gefährdung von Bildungszielen aufgrund der belastenden Lebenssituation an der Schwelle zwischen stationärer Jugendhilfe und einem eigenständigen Leben“, sagt Dr. Severine Thomas.

„Das Projekt Trans Fair beeindruckt mich sehr, denn Care Leaver verdienen unser besonderes Augenmerk. Und die eng verzahnte Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Jobcenter und Universität zeigt, dass auf diesem Weg nicht nur die Situation junger Menschen verbessert wird, sondern auch die der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kooperationspartner“, sagt Ministerin Birgit Honé.

Kontakt bei Fragen zum Forschungsprojekt Dr. Severine Thomas, Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik (E-Mail: severine.thomas@uni-hildesheim.de).

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news-15915 Mon, 06 May 2019 08:00:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Die Verständlichkeit geht vor https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-die-verstaendlichkeit-geht-vor/ Sie wollen Kommunikationsbarrieren in der Gesellschaft abbauen: Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido haben ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ abgeschlossen und arbeiten in der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität in Hildesheim. Im Interview berichten sie, warum und wie sie Texte übersetzen. Als einziger Universitätsstandort bundesweit hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden.

Die Medienlinguistinnen und Medienlinguisten übersetzen in Hildesheim zum Beispiel juristische Fachtexte, Nachrichten und Märchen in Leichte Sprache.

Die Universität Hildesheim bildet in einem zweijährigen Masterstudiengang Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation“ aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache.

„Leichte Sprache ist die maximale Reduktionsstufe der deutschen Sprache. Wenn man sich ein Spektrum an Komplexität vorstellt, steht sie ganz am Anfang. Ihr gegenüber befindet sich die Fachsprache und dazwischen unsere Stan-dardsprache. Es geht also darum, Inhalte so einfach wie möglich zu konzipieren, um Menschen mit Kommunikationseinschrän-kungen das Verständnis zu erleichtern“, sagt Loraine Keller.

Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido berichten im Interview über ihre Forschung im Bereich der barrierefreien Kommunikation. Das Interview lesen Sie ab Seite 36 im Universitätsjournal DIE RELATION [Ausgabe #04, hier gelangen Sie zur PDF-Datei]. Gedruckt liegt das Universitätsjournal an allen Campusstandorten aus, zum Beispiel vor der Universitätsbibliothek.

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news-16687 Mon, 29 Apr 2019 17:19:33 +0200 Theologieprofessor René Dausner: Privataudienz beim Papst https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/theologieprofessor-rene-dausner-privataudienz-beim-papst/ Im Frühjahr hat der Papst den Theologen Professor René Dausner zur Privataudienz empfangen. Der Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik überreichte dem Kirchenoberhaupt aktuelle theologische Publikationen. Im Interview spricht Dausner über die Begegnung mit dem Papst. Prof. Dr. René Dausner forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie an der Universität Hildesheim. Zu den Forschungsschwerpunkten des 42-Jährigen zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie, Theologie und Literatur.

Herr Professor Dausner, warum hat der Papst Sie zur Privataudienz empfangen?

Im November 2018 habe ich am Cardinal Bea Centre for Judaic Studies der Universität Gregoriana einen Vortrag über die „Zukunft von Nostra aetate“ gehalten. Durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) vor etwas mehr als fünfzig Jahren erhielt der jüdisch-christliche Dialog entscheidende Impulse. „Nostra aetate" gilt zu Recht als einer der weltweit am intensivsten rezipierten Texte des Konzils. Der jüdisch-christliche Dialog zählt seit Jahren zu einem meiner zentralen Forschungsschwerpunkte. In diesem Kontext führte ich auch ein Interview mit Vatican News. Der Vortrag selbst fand statt im Rahmen der jährlichen Brenninkmeijer-Werhahn-Lectures, die in diesem Jahr dem Promotor des jüdisch-christlichen Dialogs August Kardinal Bea gewidmet ist. Kardinal Bea, der das Zweite Vatikanische Konzil und insbesondere die Erklärung „Nostra aetate" über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen, allen voran das Judentum, maßgeblich geprägt hat, starb im November 1968. Anlässlich seines 50. Todestages finden und fanden Veranstaltungen in Rom statt. Ende Februar 2019 nahm ich an der dritten Vortragsreihe zum 50. Todestag von Kardinal Bea teil und wurde im Anschluss gemeinsam mit dem Cardinal Bea Centre for Judaic Studies zu einer Audienz eingeladen. Papst Franziskus hat eine Rede gehalten und das Wirken von Kardinal Bea charakterisiert (Rede des Papstes zum Nachhören).

Wie haben Sie die Privataudienz beim Papst erlebt?

Papst Franziskus betonte die Bedeutung Kardinal Beas für ein positives Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum. Entscheidend sei neben dem, was Kardinal Bea tat, auch, wie er es tat. In seiner Ansprache hob Papst Franziskus drei Grundhaltungen hervor, mit denen Kardinal Bea einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung der Menschen geleistet habe:

  • ein Verständnis mit Blick auf die Anderen / la comprensione verso gli altri;

  • Güte und Humanität / la bontà e l’umanità, d.h. die Fähigkeit, Freundschaft zu stiften; und

  • Mut bzw. ein Temperament der Entschlossenheit / un temperamento coraggioso.

Die Rede war eine Ermutigung für all diejenigen, die sich um eine Verbesserung des jüdisch-christlichen Dialogs bemühen. Die Audienz, die übrigens im selben Raum stattfand, in dem Papst Benedikt XVI. seinen Amtsverzicht bekanntgegeben hat, dauerte insgesamt 45 Minuten. Bei der Audienz waren unter anderem auch der Direktor des Cardinal Bea Centre for Judaic Studies in Rom, Pater Prof. Dr. Etienne Vetö, der Direktor des Center for the Study of Christianity an der Hebrew University Jerusalem, Prof. Dr. Oded Irshai sowie Frau Aldegonde Brenninkmeijer-Werhahn, die gemeinsam mit ihrem Mann die beiden Centren gegründet und aufgebaut hat.

Sie haben dem Papst Publikationen überreicht. Sie forschen und lehren am Institut für Katholische Theologie in Hildesheim, mit welchen Themen befassen Sie sich gerade die katholische Kirche und den Papst betreffend?

Nach den offiziellen Reden habe ich Papst Franziskus zwei Bücher überreichen können: Zum einen den Stadtführer meiner Geburtsstadt Boppard – aus zwei Gründen: einerseits hat Papst Franziskus in Boppard im Goethe-Institut deutsch gelernt und daher einen Bezug zu meiner Heimatstadt, andererseits ist der Stadtführer in unserem familieneigenen Verlag (Dausner Verlag) erschienen, in den ich mich in meiner Studienzeit aktiv eingebracht habe, übrigens auch im Rahmen eines Buches mit dem Titel „Achthundert Jahre Juden in Boppard“. Und zum anderen habe ich dem Papst meine Habilitationsschrift mit dem Titel „Christologie in messianischer Perspektive“ überreicht. Mir geht es in dem Buch darum, die christliche Interpretation Jesu mit jüdischem Denken ins Gespräch zu bringen. Bezeichnenderweise wurde die Philosophie des 20. Jahrhunderts wesentlich durch Denkerinnen und Denker jüdischer Provenienz geprägt. Ich nenne nur einige Namen: Edmund Husserl, Franz Rosenzweig, Martin Buber, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, die in der Tradition des deutschen Judentums stehen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommen bedeutende Denker aus anderen Sprachräumen hinzu, etwa Emmanuel Levinas oder Jacques Derrida. Aus christlicher Perspektive eine Deutung der Person Jesu geben zu wollen, gelingt überzeugend nur dann, wenn dieser jüdische Denkhorizont konstruktiv und produktiv einbezogen wird. Und ein weiterer Aspekt kommt hinzu: in jüngerer Zeit haben jüdische Forscherinnen und Forscher weltweit sich aus jüdischer Perspektive mit Jesus von Nazareth auseinandergesetzt. An diesem Austausch bin ich interessiert und daran beteilige ich mich aktiv.

Welche Forschungsfrage steht momentan im Fokus Ihrer Arbeit?

Ich forsche unter anderem über das Verständnis des Messianischen; gemeinhin ist der aramäisch-hebräische Begriff „Messias“ eher bekannt in der latinisierten Form des griechischen Terminus „Christus". Es geht also um ein Grundverständnis des Christentums und des Christlichen angesichts insbesondere des heutigen jüdischen Denkens. Der Begriff des Messianischen betrifft zum einen die Frage nach dem Subjekt. Mit Blick auf Jesus heißt die Frage, der ich in meinem Buch nachgehe: Wer ist dieser Jesus? Eine Frage, die übrigens schon von den Jüngern Jesu überliefert ist; um zu verstehen, wer Jesus ist, erzählt beispielsweise das Markus-Evangelium die Geschichte, in der Jesus mit seinen Jüngern auf dem See ist. Plötzlich kommt ein Sturm auf, die Jünger haben Angst und fürchten, mit dem Schiff zu kentern. Als Jesus dem Sturm gebietet, still zu sein und zu schweigen, kehrt Ruhe ein. Die Jünger sind erstaunt und stellen dann die Frage: Wer ist dieser? Was mich an dieser Geschichte immer wieder fasziniert, ist das Narrativ: Um das Erstaunen über die Person Jesu bildhaft darzustellen, wird die Wirkmächtigkeit seines Wortes erzählt. Es geht dabei also nicht um meterologische Fragen, sondern darum, dass hier jemand auftritt, der sein Wort gibt und mit diesem Wort Realität verändern kann. Die Person Jesus von Nazareth wird also als schöpferisch dargestellt, gleichsam als das Schöpferwort Gottes in Person. Neues entsteht, wenn er spricht und handelt. Diese Erfahrungen stehen im Hintergrund, wenn die Frage, wer dieser Jesus sei, gestellt wird. Und diese Frage betrifft auch jeden von uns: Wer bin ich? Oder allgemeiner: Wer ist der Mensch? Mich interessiert diese subjektive Wendung, die nicht nach dem Was des Menschen, sondern nach dem Wer fragt. Daher lautet auch meine theologische Frage: Wer ist Gott? Es geht um konkrete Beziehungsdimensionen. Und diese Fragen treiben mich um.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16607 Tue, 16 Apr 2019 08:51:50 +0200 Wirtschaftsinformatiker Julien Hofer: „Wir wollen Wissen besser verfügbar machen“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wirtschaftsinformatiker-julien-hofer-wir-wollen-wissen-besser-verfuegbar-machen/ Der Wirtschaftsinformatiker Julian Hofer entwickelt Online-Portale, in denen zum Beispiel Forschung dargestellt und Wissen vernetzt wird. Der Doktorand hat sich auf Wissensmanagement, Data Mining und Process Mining spezialisiert. Im Interview spricht er über seine Forschung in Hildesheim. Der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt und die Sozialpädagogin Professorin Inga Truschkat haben das bundesweite Forschungsprojekt „InDeKo.Navi“ von Hildesheim aus koordiniert. Wie verändert sich Arbeit? In 31 Teilprojekten wurde bundesweit untersucht, wie Betriebe mit den Folgen des demografischen Wandels und der modernen digitalisierten Arbeitswelt, mit Nachwuchssorgen und Personalentwicklung umgehen. Nach vierjähriger Forschung liegen Ergebnisse vor.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die wissenschaftliche Begleitforschung  „InDeKo.Navi – Vernetzung und Zukunftsorientierung in der Erforschung des betrieblichen Kompetenzmanagements im demografischen Wandel“ mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Das Hildesheimer Team hat ein Portal entwickelt, in dem alle Forschungsprojekte und Ansprechpartner dargestellt werden.

Interview mit dem Wirtschaftsinformatiker Julien Hofer

„Unser Forschungsportal bietet eine interaktive Orientierung über das betriebliche Kompetenzmanagement im demografischen Wandel“

Julien Hofer gehört zu der Hildesheimer Arbeitsgruppe. Der Doktorand hat sich auf Wissensmanagement, Data Mining und Process Mining spezialisiert. Er entwickelt Wissenskarten und hat die interaktive Forschungslandkarte zum Projekt „InDeKo.Navi“ entwickelt. Im Interview spricht der Wirtschaftsinformatiker über seine Forschung.

Herr Hofer, Sie befassen sich in Ihrer Arbeit am  Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik mit Forschungsportalen. Ergebnisse aus dem vom Bund geförderten Forschungsprojekt „InDeKo.Navi“ haben Sie etwa gemeinsam mit Professor Ralf Knackstedt auf einer Arbeitsforschungstagung des Bundesforschungsministeriums zum Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ im Haus der Wirtschaft in Stuttgart vorgestellt.

Ich beschäftige mich mit der Frage, wie Forschungsportale die Vernetzung von Forschenden vorantreiben können, um Synergien zu schaffen. Innerhalb unseres Forschungsprojekts, in welchem wir den Förderschwerpunkt „Betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel“ wissenschaftlich begleitet und analysiert haben, gibt es viele Projekte die sich mit der Digitalisierung der Arbeit beschäftigen. Daher macht es Sinn, solche Projekte miteinander zu vernetzen und ihnen Informationen über andere (ähnliche) Projekte zur Verfügung zu stellen. Dies wird durch unser entwickeltes InDeKo.Navi-Portal gewährleistet und deshalb haben wir das Portal auf dieser Tagung, die vom BMBF veranstaltet wurde, an einem eigenen Stand ausgestellt.  

Sie möchten mit Ihrer Arbeit Wissen auffindbar und zugänglicher machen und haben in dem BMBF-Projekt ein Forschungsportal für den Förderschwerpunkt „Betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel“ entwickelt. Sie entwickeln interaktive Forschungslandkarten, die zeigen, wo Wissen „liegt“ und schaffen so einen Überblick. Was kann man denn mit dem Forschungsportal machen?

Ich stelle unter anderem eine Funktion zur Verfügung, mit der Grafiken interaktiv gemacht werden können. Dadurch können sich dann zum Beispiel Beteiligte aus Forschung und Praxis schnell über ein Thema informieren und auch vernetzen. Wir wollen Wissen besser verfügbar machen und Forschungserkenntnisse in die Breite tragen. Das Portal stellt diverse Forschungsergebnisse und Forschungsprojekte dar, die sich mit dem betrieblichen Kompetenzmanagement im demografischen Wandel beschäftigen. Es gibt zum Beispiel Projekte, die versuchen mit Hilfe der Digitalisierung die Resilienz von Arbeitnehmern zu unterstützen oder das eigene Stressmanagement mit Hilfe einer App neu gestalten. Neben der Darstellung, wo diese Projekte verortet sind und wer dort der Ansprechpartner ist, bietet es weitere Analysemöglichkeiten, wie beispielsweise quantitative Analysen über den Datenbestand, welche dann in Form von verschiedenen Diagrammarten visualisiert werden. Das Portal bietet unterschiedliche Informationen. Dies geht von den Ansprechpartnern einzelner Projekte über die Kontaktinformationen der Transferpartner bis hin zu verlinkten Publikationen.

Und wie haben Sie als Wirtschaftsinformatiker dieses Forschungsportal entwickelt, wie wurde es „gebaut“, was ist die Kernidee dahinter?

Das Forschungsportal wurde als Open Source-Projekt entwickelt und auf dem Content-Management-System „Drupal“ aufgebaut. An der Entwicklung waren unter anderem mehrere Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim im Rahmen von IT-Studienprojekten, welche von der Abteilung „Informationssysteme und Unternehmensmodellierung“ geleitet wurden, beteiligt. Des Weiteren habe ich auf einen intensiven Austausch mit der Entwickler-Community geachtet, welches sich zuletzt in der Einladung als Speaker zur Konferenz „DrupalEurope“ wiederspiegelte. Die Kernidee des Portals ist die modularisierte Infrastruktur, die für weitere Portale genutzt werden kann, ohne über viel technisches Know-how zu verfügen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16522 Thu, 11 Apr 2019 11:42:37 +0200 Fachkommunikation: Kooperation mit Hochschulen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/fachkommunikation-kooperation-mit-hochschulen/ Die Universität Hildesheim ist bundesweit einer der wenigen Standorte, die diese wissenschaftliche und berufliche Qualifikation anbieten. Zugleich ist die Universität der wichtigste Anlaufpunkt für Promotionen in diesem Bereich. Dr. Franziska Heidrich und Professor Dr. Klaus Schubert von der Kooperationsstelle Fachkommunikation fördern mit Unterstützung der Universitätsleitung kooperative Promotionen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Die technische Fachkommunikation ist ein zukunftsträchtiges Berufsfeld. Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim bildet Expertinnen und Experten für fachliche Kommunikation aus.

Im Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ lernen Studentinnen und Studenten fachliche Inhalte für Experten und Laien aufzubereiten, rechtskonforme und anwenderorientierte Dokumente zu erstellen und diese zweck- und situationsangemessen zu übersetzen, sagt Dr. Franziska Heidrich.

Ein besonderer Schwerpunkt am Institut liegt im Erwerb technischer Fachkenntnisse, etwa in den Bereichen Automatisierungstechnik, Mechanik, Energietechnik, Elektrotechnik, technische Werkstoffe sowie Maschinenelemente, ohne die eine fachlich korrekte Gestaltung von Fachtexten und Fachdokumenten unmöglich wäre.

Die Nachfrage nach solchen Fachleuten ist riesig, sagt Professor Klaus Schubert. Alle Absolventinnen und Absolventen des Hildesheimer Masterstudiengangs finden gute Arbeitsstellen, ehe sie auch nur das Zeugnis der Universität in der Hand halten.

Kooperationsstelle Fachkommunikation bahnt Forschungskooperationen mit Hochschulen an

Die Universität Hildesheim ist in der technischen Fachkommunikation die einzige deutsche Universität, die eine solche berufliche und zugleich auch die höhere wissenschaftliche Qualifikation anbietet. „Das wiederum macht den Fachbereich für Sprach- und Informationswissenschaften deutschlandweit zur einzigen Anlaufstelle für weiterführende Qualifikationen (Promotion und Habilitation) im Rahmen der technischen Fachkommunikation“, so Schubert.

„Anders als Hessen und neuerdings auch Nordrhein-Westfalen setzt Niedersachsen auf kooperative Promotionen von Universitäten und Fachhochschulen. Ich halte die Zusammenarbeit in der Forschung für ein Gebot der Vernunft. Dabei muss aus vielen Gründen das Promotionsrecht bei den Fakultäten bleiben“, sagt Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

Mit Unterstützung der Hochschulleitung haben Klaus Schubert und Franziska Heidrich die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ aufgebaut. Zweck der Kooperationsstelle ist die Anbahnung von Forschungskooperationen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und von kooperativen Promotionen, erläutert Klaus Schubert. „Dabei möchten wir nicht nur Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen auf ihrem Weg in die Wissenschaft fördern, sondern vor allem auch, Hochschulprofessorinnen und Hochschulprofessoren an der Betreuung und Begutachtung dieser Qualifikationen beteiligen. Dies geschieht in Übereinstimmung mit den Positionen der Landeshochschulkonferenz und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die solche kooperativen Promotionen ausdrücklich begrüßen.“

Doktorandenveranstaltungen in Deutschland und der Schweiz

Zur Anbahnung dieser kooperativen Qualifikationsvorhaben haben Franziska Heidrich und Klaus Schubert bereits einige einschlägige Hochschulen in Deutschland und der Schweiz erreichen können, mit denen gemeinsam im letzten Jahr für Promotionsinteressierte vor Ort Informationsveranstaltungen zum Thema „kooperative Promotion“ durchgeführt worden sind. Weitere Hochschulen in ganz Deutschland werden im Jahr 2019 folgen.

Das Angebot erhält großen Zuspruch durch Masterstudierende und Absolventen, von denen zahlreiche bereits zur näheren Abstimmung und weiteren Planung an Professor Klaus Schubert herangetreten sind.

„Die thematische Bandbreite ist dabei groß. Die Fachkommunikationswissenschaft ist interdisziplinär ausgerichtet und hat damit zahlreiche Schnittstellen zu anderen Wissenschaftsgebieten. Zudem ist die Fachkommunikationswissenschaft als eigenständige Disziplin eine noch sehr junge Disziplin, die sich am Schnittpunkt zwischen angewandter Sprachwissenschaft, Übersetzungswissenschaft, Kommunikationswissenschaft und den technischen Fachwissenschaften verortet – auch dies bedingt eine große Bandbreite an Forschungsinteressen, die häufig der konkreten Berufspraxis entspringen“, so Schubert.

Erfolgreiche Forschungstagung zum dritten Mal in Hildesheim

Die Kooperationsstelle Fachkommunikation hat 40 junge und auch etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Konferenz nach Hildesheim eingeladen. Ende März 2019 tauschten sich die Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz am Bühler-Campus auf der dritten Forschungstagung „Fachkommunikation – die wissenschaftliche Sicht“ über die Forschung aus.

„Ziel unserer Tagungen ist nicht nur der fachliche Austausch. Wir wollen für die jungen Wissenschaftler der Fachkommunikation auch fachliche Kontakte, eine berufliche Vernetzung und Denkanstöße für die eigene Arbeit geben“, so Franziska Heidrich.

Masterstudiengang
„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

Kooperationsstelle Fachkommunikation

Kurz erklärt

Übersetzungswissenschaft in Hildesheim

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation bildet Sprach- und Übersetzungsprofis aus: Im Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ lernen Studierende die Grundlagen, um Texte, Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher zu übersetzen. Nach einem Studienjahr geht der gesamte Jahrgang ins Ausland – etwa nach Mexiko, Spanien, Frankreich, Indien oder in die Türkei.

Im Master-Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" spezialisieren sich Studentinnen und Studenten auf Kommunikationsformen in und für die Medien und transmediale sowie inter- und intralinguale Übersetzung. Sie untertiteln zum Beispiel Filme, übertiteln Theaterstücke und übersetzen Nachrichten und Rechtstexte in Leichte Sprache.

Im neu eingerichteten Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ lernen die Studierenden, wie mit kommunikativen Barrieren umgegangen wird und erschließen so ebenfalls einen hochspezialisierten Bereich der angewandten Sprachwissenschaft.

Hildesheimer Absolventinnen und Absolventen sind zum Beispiel als Technische Redakteure und Fachübersetzerinnen in der Industrie oder bei Dienstleistern angestellt, sind bei einem der größten Übersetzungsdienste der Welt – der EU-Kommission in Brüssel – tätig oder arbeiten für das Bundesjustizministerium und beim Norddeutschen Rundfunk.

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news-16490 Mon, 08 Apr 2019 15:45:58 +0200 Learning how the younger generation is preparing to face new challenges https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/learning-how-the-younger-generation-is-preparing-to-face-new-challenges/ Der Gastwissenschaftler Lenin Martell berichtet im Interview, mit welchen Impressionen er aus Deutschland nach Mexiko zurückkehrt. Der Politikwissenschaftler gehört zu einem Team, dass die Kooperation zwischen den Universitäten Toluca und Hildesheim ausbaut und pflegt. Er befasst sich mit Entwicklungen im Journalismus und der Rolle öffentlicher Medien im politischen System Mexikos. Die Universität Hildesheim und die Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) in Toluca kooperieren seit 2010 unter anderem in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen. Bisher haben mehr als 50 Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Toluca an dem Austausch teilgenommen. Außerdem beinhaltet die Zusammenarbeit den Austausch von Dozentinnen und Dozenten sowie gemeinsame Veröffentlichungen, so entstand zum Beispiel ein Sammelband zur Fremdsprachenvermittlung.

Es gibt zahlreiche Kooperationsabkommen zwischen deutschen und mexikanischen Hochschuleinrichtungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und der Universidad Autónoma del Estado de México ist allerdings besonders: das Verbindungsbüro der mexikanischen Universität in Hildesheim ist die erste und einzige ständige Vertretung einer mexikanischen Hochschuleinrichtung in Deutschland.

Studierende und Dozentinnen und Dozenten, die Fragen zum internationalen Austausch haben, können das Team des International Office der Universität Hildesheim kontaktieren.

Interview with Lenin Martell

“I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor”

Prof. Dr. Lenin Martell is a Professor at the School of Political and Social Sciences in the Autonomous University of the State of Mexico in Toluca. As a guest lecturer he worked at University of Hildesheim. In an interview he talks about his experiences in Hildesheim.

You have worked, researched and taught in Hildesheim as a visiting scholar, now you are back in Mexico. What was exciting?

I would say three things: Learning about what the younger generation thinks about global issues – such as poverty – also, how they learn, how they behave, how they are preparing to face new challenges in the professional arena. I had many international students in my classes at University of Hildesheim – from Rumanians to Indians or Mexicans, among others.

Students tend to have more information about global issues, such as gender equality and environment, though having more information does not make them more sensitive to these issues. They seem to show take on a more intellectual posture as opposed to a broad understanding on global issues.

With which impressions are you going back home?

I returned to Mexico with many new professional and life experiences. The concept of higher education is changing very dramatically around the world, and it is difficult for the policy makers, administrators, and scholars to adapt to new educational realities. For example, we want to teach in a more active-participatory way, but I perceive that many colleagues do not exactly know how to develop those skills in the classroom. There is a growing need to work one-on-one with students, but it seems to be hard for both students and professors to learn these dynamics. Also, let’s face it: Students are not reading at the same pace as previous generations used to. This is a big problem. Students feel more empowered and freer to be opinionated rather than providing strong arguments in class. Also, despite students being quiet young, they struggle to learn new methods or dynamic approaches within the class. We live in a global world, but it doesn’t mean students are able to adapt to new environments.

In addition to this, universities need to develop media literacy. International students seem very well informed on current worldwide events. But it is difficult for them to decode concepts such as poverty or injustice – even identifying them. Their academic and personal formation would benefit from these skills. 

On the other hand, I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor. I learned them first-hand from a German educator, and I think she experienced the same thing. That means exchanging good pedagogical practices. For example, what to expect academically from students; how to tackle a specific problem in class; which approach to give a theoretical class. This is very rewarding, because one rarely has the opportunity to receive feedback from another professor.

How do you want to strengthen the cooperation between Toluca and Hildesheim?

Since being home I have been able to strengthen our ties with Hildesheim. Dr. Felix Koltermann from the Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur just spent two weeks at the Autonomous University of the State of Mexico (UAEM) as a visiting scholar. He taught two workshops on Visual “Storytelling and Photojournalistic Imaginary” and “Visualizing Conflict in Contemporary News”. He also gave a keynote presentation on “Photojournalism in the era of Post-Truth”. Both students and academics welcomed Koltermann’s work in Toluca with gratitude. For example, students at the graduate program on Peace and Development studies were able to experience practical knowledge and were very happy to learn about photojournalism. According to these students, Koltermann made them think about knowledge and skills they had never considered before. Some were even motivated to include the study of photos in their research.

I will also continue to promote student and scholar exchanges with Hildesheim, and I will continue collaborating with other professors at Hildesheim.

Questions: Isa Lange

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news-16276 Thu, 21 Mar 2019 10:36:00 +0100 Digital Humanities: Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/digital-humanities-forschung-in-den-digitalen-geisteswissenschaften/ Am Zentrum für Digitalen Wandel in Hildesheim bauen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften aus. Mithilfe computerlinguistischer Methoden können sie große Datenmengen analysieren. Aktuelle Ergebnisse stellten sie beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ vor, einer Kooperation zwischen den Universitäten Hildesheim und Göttingen. Ulrich Heid forscht und lehrt als Professor für Sprachtechnologie und Computerlinguistik am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Professorin Caroline Sporleder, Direktorin des Göttingen Centre for Digital Humanities , lädt der Computerlnguist regelmäßig zu Arbeitstagungen ein.

Alle sechs Monate kommen Forscherinnen und Forscher beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ zusammen, im Frühjahr in Göttingen, im Herbst in Hildesheim. Ende Februar 2019 fand die Arbeitstagung zum Thema „Digital Methods in Political Science“ in Göttingen statt.

Die Workshops dienen dazu, dass beide Standorte einander über laufende Projekte, Methoden und Verfahren informiert halten. Regelmäßig werden europäische oder nationale Gäste eingeladen.

Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoribildung und computerlinguistischer Textanalyse

„Einige der prominenteren Vertreter computerlinguistisch arbeitender Politikwissenschaft Deutschlands kamen diesmal zusammen“, sagt Ulrich Heid. „Wir wollen gemeinsam verstehen, wie die Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoriebildung und computerlinguistischer Textanalyse aussehen kann. Zwar ist der Einsatz von Werkzeugen zur Extraktion von Wörtern und Wortsequenzen und von Zählverfahren und statistischen Tools sehr ‚en vogue‘ in der Politikwissenschaft, aber das eigentliche Ziel sollte es sein, klarer zu verstehen, welche Arten von Werkzeugen welche Arten von theoriegeleiteten Fragenstellungen gut unterstützen.“

Ein thematischer Schwerpunkt ist das vieldiskutierte Problem „Hate Speech“. „Wir bringen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sich Gedanken dazu machen, was eigentlich alles als Hate Speech gelten soll, aber auch solche, die Werkzeuge oder Daten für Training und Test von Werkzeugen entwickeln.“

Computerlinguistische Techniken in den Geisteswissenschaften

Die Verwendung und die Menge verschiedener computerlinguistischer Techniken hat für die textbasierten Geisteswissenschaften in der letzten Zeit enorm zugenommen, sagt Heid. Mit den Nachbarn in Göttingen hat er die idealen Kooperationspartner gefunden. Beide Universitäten haben eine geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Ausrichtung, forschen sowohl grundlagen- als auch anwendungsorientiert. In Göttingen wurde Caroline Sporleder als Professorin für digitale Geisteswissenschaften im Fachbereich Informatik berufen. „Wir halten uns auf dem Laufenden, wie die Geisteswissenschaften auf die Digitalisierung reagieren“, sagt Ulrich Heid, der in Hildesheim gemeinsam mit dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt und der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer seit Ende 2018 am „Zentrum für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ mitarbeitet.

Program of the 7th. Göttingen/Hildesheim-Workshop
on Computer Linguistic and Digital Humanities

Im Folgenden geben einige der am Workshop beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hildesheim Einblicke in ihre Forschung:

Analyse von Diskursen über Solidarität

Computerlinguist Prof. Dr. Ulrich Heid

Prof. Dr. Ulrich Heid ist ordentlicher Professor für Sprachtechnologie / Computerlinguistik in Hildesheim und Mitbegründer der Workshop-Serie „Computational Linguistics and Digital Humanities“. Ulrich Heid ist selbst Geisteswissenschaftler, hat Sprachwissenschaft und Geschichte studiert und sich dann auf Computerlinguistik und Sprachtechnologie spezialisiert.

Herr Professor Heid, an welchem Forschungsthema arbeiten Sie zurzeit?

Zusammen mit Prof. Dr. Marianne Kneuer präsentiere ich Pläne für das neue, vom Land Niedersachsen finanzierte Projekt SOLDISK, also erst einmal nur Ziele und angestrebte Methoden, noch keine Ergebnisse. Professorin Marianne Kneuer koordiniert das Projekt, das am 1. März 2019 beginnt und Politologen und Computerlinguisten zusammenbringt. Wir analysieren Diskurse über Solidarität, wie sie in online-Quellen vorliegen. Beispiele sind offizielle Texte der Regierung, aber auch Statements auf Internetseiten zivilgesellschaftlicher Akteure (Kirchen, Vereine, Bürgerinitiativen usw.) oder von Individuen. Wir wollen für den Zeitraum 2012 bis 2016 und die beiden Einwanderungsereignisse in Deutschland (Rumänen und Bulgaren, 2012 bis 2014; sogenannte „Flüchtlingskrise“ 2014 bis 2016) ein Textkorpus sammeln, analysieren und im Hinblick darauf untersuchen, wie über Solidarität (zum Beispiel mit den Flüchtlingen) geschrieben wird.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Es heißt, Solidarität sei in der Krise; speziell in Zeiten, die als Krisenzeiten wahrgenommen werden, wie etwa den von Migrationsereignissen gekennzeichneten Jahren 2012 - 2016. Solidarisches Handeln in großem Stil zu erfassen ist sehr schwer; aber Diskurse über Solidarität das heißt das, was Akteure im Gemeinwesen darüber schreiben oder sagen, lässt sich sammeln, über die Zeit hinweg analysieren und interpretieren. Uns interessiert, ob und wie sich die oben genannten drei Gruppen in ihren Solidaritätsdiskursen unterschieden, ob generell oder gruppenweise Soldidarisierungs- bzw. Desolidarisierungsentwicklungen feststellbar sind, und ob Diskurse einer Akteursgruppe auf die anderen Gruppen "abfärben". Schließlich auch, wie argumentiert wird: mit wirtschaftlichen Argumenten, mit Fremdheit, oder mit Sicherheitsargumenten? Die Ergebnisse sind langfristig auch für die Politikberatung relevant.

„Practices of Commenting in Digital Public Spheres”

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten

Prof. Dr. Michael Corsten ist Professor für Soziologie und Dekan des Fachbereichs Erziehungs- und Sozialwissenschaften in Hildesheim. Im Rahmen des DFG-Projekts „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“ hat Corsten mehrere Doktorarbeiten und eine Habilitation begleitet.

Herr Professor Corsten, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Es geht um ein Ergebnis aus dem DFG-Projekt „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“, die exemplarische Auswertung der 432 Beiträge im Zeit-Online-Kommentarbeich zum Artikel „schlecht, schlechter, Geschlecht“ von Harald Martenstein.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Bemerkenswert ist oberflächlich betrachtet zunächst der Befund, dass auch in dem Online-Forum eines anerkannten Mediums des Qualitätsjournalismus eine Vielzahl von Beiträgen zu finden sind, in denen Personen und/oder Positionen in abwertender bis diskriminierender Form behandelt werden. Trotzdem zeigt sich an dem untersuchten Beispiel, dass sich innerhalb solcher Online-Leser-Kommentarforen Debatten zwischen kleineren Gruppen von Leserinnen und Lesern entfalten können. Wichtig ist die Untersuchung speziell dieser Bereiche nicht zuletzt deshalb, weil sich daran eine Kombination von One-To-Many- und Many-To-Many-Kommunikation zeigt.

„Who polluted the debate in the German federal election campaign 2017? Analysis and automatic detection of hate speech on social media”

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann

Prof. Dr. Wolf J. Schünemann forscht und lehrt als Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet in Hildesheim.

Herr Professor Schünemann, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Wir stellen zentrale Ergebnisse aus dem Projekt „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) vor und zwar aus dem Teilprojekt 1, in dem wir einen großen Datensatz digitaler Kommunikationsdaten (insgesamt 2,9 Mio. Facebook-Beiträge) automatisiert ausgewertet haben. Wichtige Ergebnisse sind bislang, dass wir die viel beschworenen Echokammern, insbesondere im Hinblick auf die populistische Rechte, im deutschen Facebook-Wahlkampf nicht nachweisen können, zumindest nicht, wenn wir uns anschauen, auf welche Medieninhalte in den Posts und Kommentaren verwiesen wird. Hier zeigen alle Parteien einschließlich der AfD große Überschneidungen. Dennoch finden wir Muster thematischer und formaler Polarisierung, auf die wir eingehen. Zudem wird der Datensatz auch für die Forschung zu offensiver Sprache oder Hate Speech im Facebook-Wahlkampf verwendet. Hier leistet die Sylvia Jaki die wesentliche Forschungsarbeit und wird auch erste Ergebnisse präsentieren. 

Warum ist diese Forschung wichtig?

Die Bundestagswahl 2017 war einschneidend, sowohl im Hinblick auf das Ergebnis der Wahl (insbesondere der Erfolg der Rechtspopulisten) als auch den Online-Wahlkampf. Es gilt gerade im Vorfeld weiterer Wahlkämpfe (Länder/Europa) Lehren daraus zu ziehen und viel diskutierte Tendenzen der politischen Kommunikation und angenommene Gefahren für die Demokratie an der Realität zu überprüfen.

„Echo chambers and polarisation in the German federal election 2017”

Fritz Kliche, Stefan Steiger und Prof. Dr. Wolf Schünemann forschen zu Echokammern in sozialen Medien. Der Computerlinguist Fritz Kliche forscht in der Arbeitsgruppe von Professor Ulrich Heid.

Mich interessieren besonders die „Digital Humanities“ – also die Zusammenarbeit von Informatikern oder in unserem Fall Computerlinguisten mit Forscherinnen und Forschern aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften, sagt Fritz Kliche. Mit seiner Arbeit möchte er dazu beitragen, dass Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften in Hildesheim ausgebaut werden und in der interdisziplinären Zusammenarbeit weitere wichtige Forschungserkenntnisse erarbeitet werden können.

Automatic detection of hate speech on social media

Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki

Dr. Sylvia Jaki ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in Hildesheim und forscht im Bereich der Medienlinguistik. Mit Kollegen der Universität Antwerpen hat sie ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombination in Tweets aufzuspüren. Sie befasst sich mit sprachlichen Charakteristika der Medien und arbeitet an ihrer Habilitation.

Frau Dr. Jaki, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Für die Facebook-Daten des Projekts „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) von Wolf Schünemann konnten wir zeigen, dass die Facebook-Profile von Parteien und Politikerinnen und Politikern an den politischen Rändern während der letzten Bundestagswahl tendenziell mehr Hate Speech aufwiesen als bei den Parteien der politischen Mitte. Dies heißt aber nicht unbedingt, dass sich die Hate Speech GEGEN die Partei beziehungsweise den Politiker oder die Politikerin richtet. Unsere Analysemethode demonstriert überdies, dass lexikonbasierte Ansätze zu transparenteren Systemen bei der Erkennung von Hate Speech beitragen können.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Hate Speech hat sich zu einem omnipräsenten Phänomen in den Medien entwickelt. Wie aber wollen wir damit umgehen – automatisiert entfernen, akzeptieren oder dagegen andiskutieren? Dies ist eine Frage, die vielerorts diskutiert wird und auch unbedingt diskutiert werden sollte. Aufgrund der Schwächen, die Detektionssoftware derzeit noch aufweist, ist es wichtig, Detektionssysteme zu schaffen, die einen Einblick in die Klassifikationsmechanismen geben, um die oftmals als Black Box bezeichnete Künstliche Intelligenz transparenter zu machen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16344 Thu, 21 Mar 2019 08:07:00 +0100 Konferenz: Kunst der Beratung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/konferenz-kunst-der-beratung/ Beratungskünste sind überall gefragt. Eine kulturwissenschaftliche Tagung in Hildesheim befasst sich mit der Kunst der Beratung. Eine Medienphilosphin spricht zum Beispiel über Techniken der wissenschaftlichen Politikberatung von 1950 bis 1970. Die Tagung ist öffentlich. Beratungskünste sind überall gefragt: Politische Entscheidungen erfordern Strategiepapiere von policy advisern, Empfehlungen des Ethikrats oder Gedankenspiele von Think Tanks. Investitionen und Rationalisierungsmaßnahmen in Unternehmen werden von Consultingfirmen begleitet. Und kaum ein Aspekt individueller Lebensführung entgeht einer zunehmend ausdifferenzierten Coachingindustrie; angefangen bei der Erziehungsberatung der Eltern über Studien- und Berufsberatung, Karrierecoaching, Paartherapie, Achtsamkeitsseminare, Ernährungsratgeber und kuratierte Kulturprogramme bis hin zur Trauerbegleitung der Nachkommen.

„So unterschiedlich die Funktion dieser Beratungen im Detail sein mag ist doch ein Grundmuster erkennbar: Berater, Coaches und Consultants überprüfen Ressourcen, treffen Vorhersagen über die möglichen Folgen einer Entscheidung oder stellen normative Maximen für Handlungsweisen auf und leiten daraus Forderungen an das Subjeagtkt ab“, sagt der Hildesheimer Literaturwissenschaftler Simon Roloff.

Die Tagung „Kunst der Beratung“ am Kulturcampus der Universität Hildesheim fragt vom 4. April bis 6. April 2019 nach den Praktiken, Techniken und Formen der Kunst der Beratung. Besondere Beachtung soll dabei der Funktion ästhetischer Formen und Praktiken, etwa im Kreativitätscoaching oder im Ratgeber als literarischer Gattung zukommen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren auf der Tagung unter anderem über visuelle oder literarische Gattungen der Beratung. Neben neuen Untersuchungen zur Ratgeberliteratur kommen dabei auch Formen wie der Lehrfilm oder das Youtube-Tutorial, Momente der Performanz in der Herstellung charismatischer Beratungssituationen oder die Narrativierung von Biografien durch storytelling zur Sprache. Die Kulturwissenschaftlerin Professorin Christina Wessely halt den Vortrag zum Thema „Der Chefideologe. Zur Geschichte einer Figur politischer Beratung“. Die Medienphilosphin Eva Schauerte spricht über „Techniken der wissenschaftlichen Politikberatung von 1950 bis 1970“.

Die Ergebnisse der kulturwissenschaftlichen Tagung werden in einem Sammelband veröffentlicht.

Kontakt

Bei Fragen zur Konferenz wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Simon Roloff vom Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim (simon.roloff[at]uni-hildesheim.de).

Teilnahme

Die Veranstaltung ist kostenfrei und öffentlich, alle Vorträge können besucht werden, man muss sich nicht registrieren.

Zum Forscher

Simon Roloff organisiert die Konferenz. Er studierte Philosophie, Literatur- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Nach seiner Promotion in Weimar ist Roloff seit 2014 Juniorprofessor für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim. Er interessiert sich für Poetik, für das Verhältnis von Literatur und Wissen, für Formen der Recherche und die Theorie und Geschichte der Kulturtechniken, für Notieren, Streichen, Kopieren, Entwerfen und sich Verzetteln.

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news-16183 Thu, 07 Mar 2019 20:02:00 +0100 Bundesregierung beruft Professorin Viola Georgi in Fachkommission Integrationsfähigkeit https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/bundesregierung-beruft-professorin-viola-georgi-in-fachkommission-integrationsfaehigkeit/ Die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin Professorin Viola Georgi wurde vom Bundeskabinett in die „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ berufen. Die Kommission erarbeitet Empfehlungen für Bund, Länder, Kommunen und Zivilgesellschaft. Den ersten Bericht legt die Kommission 2020 vor. Professorin Georgi ist in der Forschung zur Bildungsintegration international sehr gut vernetzt und leistet zugleich Basisarbeit in der Kommune, so Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich. Die Bundesregierung hat die Berufung einer Fachkommission zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit beschlossen. Das Bundesinnenministerium, das Bundesarbeitsministerium sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration haben dem Bundeskabinett die Mitglieder vorgeschlagen.

Zu den Mitgliedern der Fachkommission wurde Professorin Viola Georgi berufen. Die Erziehungswissenschaftlerin ist Expertin für Fragen der Bildung in der Einwanderungsgesellschaft und leitet an der Universität Hildesheim das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“. Georgi befasst sich in der Forschung unter anderem mit Heterogenität in der Schule, Bildungsmedien, historisch-politischer Bildung in der Migrationsgesellschaft und Demokratiepädagogik.

Den ersten Bericht mit Empfehlungen legt die Kommission 2020 dem Deutschen Bundestag vor

Professorin Viola Georgi wird einen Bericht mit Empfehlungen mitverfassen, den die Fachkommission 2020 vorstellt. Diesen Bericht legt die Bundesregierung dann dem Deutschen Bundestag vor. Die konstituierende Sitzung der Fachkommisssion war am 20. Februar 2019 in Berlin. Die Fachkommission soll die Standards für gelingende Integration erarbeiten. Dazu gehören Strukturen, wie die ausreichende Versorgung mit Kitas, Schulen und Wohnraum und der Zugang zum Arbeitsmarkt. Es geht aber auch um politische Bildung, um Werte, Respekt und Regeln, die ein friedliches Miteinander bestimmen, so die Staatsministerin Annette Widmann-Mauz anlässlich der ersten Sitzung in Berlin.

„Ich freue mich sehr auf die interdisziplinäre Kommissionsarbeit. Ich bin vor allem gespannt, auf die Entwicklung von innovativen Empfehlungen für das Handlungsfeld Bildungsintegration“, sagt Professorin Viola Georgi.

„Die Fachkommission ist zu beglückwünschen, denn mit Professorin Georgi gewinnt sie eine Wissenschaftlerin, die international sehr gut vernetzt ist und zugleich Basisarbeit in der Kommune leistet – eine seltene Kombination“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Professorin Viola Georgi erarbeitet Empfehlungen für den Bereich Bildungsintegration

Die Kommission wird die wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen für Integration beschreiben und erarbeitet Vorschläge für Standards, wie diese verbessert werden können. Die Kommission befasst sich sowohl mit der Neu-Zuwanderung – etwa von Geflüchteten und EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern – als auch mit den bereits länger in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Empfehlungen können sich an die Bundesressorts, aber auch an Länder, Kommunen sowie die Zivilgesellschaft richten.

Der unabhängigen Fachkommission gehören renommierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Praxis an. Den Vorsitz übernehmen Derya Çağlar, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, und Ashok-Alexander Sridharan, Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn.

Zu den Mitgliedern der Fachkommission der Bundesregierung gehören neben Professorin Viola Georgi unter anderem die Politikwissenschaftlerin Professorin Petra Bendel, die Sprachwissenschaftlerin Professorin Havva Engin und der Rechtswissenschaftler Professor Daniel Thym.

Weitere Informationen

Gemeinsame Pressemitteilung der
Integrationsbeauftragten der Bundesregierung,
des Bundesministeriums des Innern und
des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim

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news-16300 Thu, 07 Mar 2019 18:25:00 +0100 Informatik an Schulen: Uni Hildesheim bildet Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/informatik-an-schulen-uni-hildesheim-bildet-informatiklehrerinnen-und-informatiklehrer-aus/ Die Debatte um die Fortschritte bei der Digitalisierung in Deutschland betrifft im Kern auch die Schulen – hier wird die nächste Generation ausgebildet. Doch Lehrerinnen und Lehrer für das Schulfach Informatik fehlen. Die Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus. Neben Programmieren und Datenbanken gehören Algorithmen und Datenstrukturen und Medieninformatik zum Studium in Hildesheim. Informatik gehört an alle Schulformen – ab der Grundschulzeit, sagt Dr. Jörg Cassens. „Informatik durchdringt alle Lebensbereiche. Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es,  Schülerinnen und Schülern eine  informatische Grundkompetenz zu vermitteln. Sie können lernen, algorithmische Denkweisen zu verstehen und kritisch damit umzugehen. Nicht jedes Kind muss Programmierer werden, aber  alle Heranwachsenden sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie Algorithmen funktionieren und welche Auswirkungen Technik haben kann.  Ansonsten sind sie der Technik machtlos  ausgeliefert anstatt den Digitalen Wandel aktiv gestalten zu können. Die Einführung eines neuen Faches ist im Schulalltag sicher nicht einfach, aber Schule ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität. Schule ist nicht etwas Statisches. Inhalte, die gelehrt werden, verändern sich – und Informatik sollte in unserer heutigen digitalen Welt ein Pflichtfach sein“, sagt Cassens.

Der Wissenschaftler gehört zu einem Team der Universität Hildesheim, das seit 2016 die künftige Generation der niedersächsischen Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer für Realschulen und Hauptschulen ausbildet. Sein Spezialgebiet ist die Medieninformatik, er hat Themen wie künstliche Intelligenz und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sowie ethische Fragen im Blick.

Der Informatiker Jörg Cassens ist Mitglied des Expertengremiums „Digitalisierung in der Lehrerbildung“ des niedersächsischen Verbundes zur Lehrerbildung und Mitautor der „Empfehlungen zur Digitalisierung in der niedersächsischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ (PDF, Februar 2019).

„Jugendliche sollten IT-Systeme nicht nur bedienen, sondern auch beherrschen“

Zum Hildesheimer Team, dass die Informatikausbildung vorantreibt, gehört auch Professor Klaus-Jürgen Förster. „Unser Ziel sollte es sein, dass in Zukunft alle niedersächsischen Schülerinnen und Schüler IT-Systeme nicht nur bedienen sondern auch beherrschen können.“

„Informatik sollte spätestens ab Beginn der Grundschule in Niedersachsen als Pflichtfach in jeder Klassenstufe unterrichtet werden“, sagt Förster.

Das Institut für Mathematik und Angewandte Informatik, an dem Jörg Cassens und Klaus-Jürgen Förster forschen und lehren, sowie der Fachbereich „Mathemematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ der Universität Hildesheim streben dies seit mehreren Jahren an, etwa mit dem Bezugsfach Informatik im Sachunterricht. „Wir können dies im Fall einer Genehmigung durch Hannover mit Unterstüzung unseres Präsidiums an der Uni Hildesheim mit entsprechendem Personal schon ab dem kommenden Wintersemester 2019/20 einführen.“ Im Rahmen der Akkreditierung für das Lehramt Informatik an der Haupt- und Realschule an der Uni Hildesheim wurde dieses Konzept bereits 2015  positiv mitbegutachtet.

Universität Hildesheim bildet seit 2016 Informatiklehrerinnen und Informatiklehrer aus

„Wir brauchen in Deutschland eine große Anzahl von grundständig ausgebildeten Informatik-Lehrerinnen und Informatik-Lehrern, die ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln, wie man erfolgreich auch zukünftig die sich immer schneller ausdehnende digitale Welt professionell nutzt und beherrscht“, sagt der Hildesheimer Informatikprofessor Klaus-Jürgen Förster.

Die Niedersächsische Landesregierung hat 2015 beschlossen, das Fach Informatik künftig auch an Hauptschulen und Realschulen einzuführen und seit dem Studienjahr 2016/17 die Universitäten Hildesheim und Oldenburg beauftragt, das Lehramt Informatik an Haupt- und Realschulen in Niedersachsen einzurichten. Die Universität Hildesheim bietet das Lehramtsfach Informatik seit 2016 nicht nur für Studienanfängerinnen und Studienanfänger an, sondern auch als vollwertiges Drittfach für ausgebildete Lehrkräfte.

Programmieren, Datenstrukturen und Robotik auf dem Stundenplan

Neben Programmieren und Datenbanken gehören auch Algorithmen und Datenstrukturen, Medieninformatik und Systemadministration zum Studium in Hildesheim. Die Lehramtsstudierenden wählen Schwerpunkte wie Maschinelles Lernen, Softwareentwicklung, Robotik oder Wirtschaftsinformatik. Sie kombinieren die Theorie mit der Praxis und sind schon im ersten Studienjahr an Partnerschulen. Weitere fachdidaktische Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums.

Die Lehramtsstudierenden besuchen Vorlesungen und Seminare gemeinsam mit den etwa 800 IT-Studierenden aus den IT-Studiengängen „Angewandten Informatik“, „Informationsmanagement und Informationstechnologie“, „Wirtschaftsinformatik“ und „Data Analytics“ und sind nah dran an den aktuellen fachwissenschaftlichen Themen. Hinzu kommen Lehrveranstaltungen in den Bereichen Didaktik, Erziehungswissenschaft und Psychologie sowie Schulpraktika.

Die Studierenden befassen sich im Studium mit Grundlagen der Informatik: Wie werden Informationen als Daten repräsentiert und verarbeitet, wie steuern Algorithmen Prozesse? Welche Programmierbefehle braucht ein Roboter, um sich im Raum zu bewegen? Wie funktionieren Programmiersprachen? Wie geht man verantwortungsvoll mit Daten um? Welche Auswirkungen haben Informations- und Kommunikationssysteme auf den Alltag und die Gesellschaft?

„Wir werben massiv um Studierende für das Schulfach Informatik“

„Es ist mehr als überfällig das Lehramt Informatik auszubauen und massiv um Studierende für dieses Schulfach zu werben. Dies darf sich nicht nur auf das Lehramt an Gymnasien beziehen und somit etwa die Hälfte unserer Jugendlichen vernachlässigen“, sagt Klaus-Jürgen Förster.

Ohne durchgehende informatische Ausbildung werde sich die berufliche und persönliche Zukunftsperspektive erheblich verschlechtern, dennoch sei in Deutschland der rechtzeitige Aufbruch bisher versäumt worden. In europäischen Nachbarländern, etwa in Großbritannien und in skandinavischen Ländern, gehören Informatik-Inhalte längst durchgehend zur schulischen Ausbildung. Programmieren (Coding) ist dort meist schon in der ersten Klasse verpflichtend vorgesehen.

Kurz erklärt

Informatik an Schulen: Bewerbung um einen Studienplatz

Die Hildesheimer Universität bildet seit Herbst 2016 Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Informatik an Haupt- und Realschulen aus. Studieninteressierte können sich um einen Informatik-Studienplatz für das Lehramt an Hauptschulen oder Realschulen bewerben. Um dem großen Bedarf gerecht zu werden ist eine Einschreibung für Erstsemester sowohl im Wintersemester wie auch im Sommersemester möglich.

Bisher haben in Niedersachsen nur die Universitäten in Göttingen, Oldenburg und Osnabrück Informatiklehrer für den Unterricht an Gymnasien ausgebildet. Eine Ausbildung zur Informatiklehrerin oder zum Informatiklehrer für Haupt- und Realschulen war in Niedersachsen im Gegensatz zu verschiedenen anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bisher nicht möglich.

Die Hildesheimer Studierenden werden zur ersten Generation der Lehrerinnen und Lehrer gehören, die das Fach Informatik an Hauptschulen und Realschulen sowie Oberschulen und Gesamtschulen in Niedersachsen aufbauen. „Das ist eine große berufliche Chance und eine spannende, lebenslange Aufgabe“, sagt Professor Klaus-Jürgen Förster.

Wer sich für das Lehramtsfach Informatik interessiert, kann sich ab sofort bei Prof. Dr. Klaus-Jürgen Förster vom Institut für Mathematik und Angewandte Informatik melden (E-Mail foerster@cs.uni-hildesheim.de). Studierende wählen neben dem Fach Informatik ein zweites Fach.

Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

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news-16290 Mon, 04 Mar 2019 17:23:20 +0100 Hildesheimer Studierende gründen die Junge Kulturpolitische Gesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/hildesheimer-studierende-gruenden-die-junge-kulturpolitische-gesellschaft/ Eine junge Generation von Kulturschaffenden hat die „Junge Kulturpolitische Gesellschaft“ gegründet. Die „Junge Kupoge“ ist eine Arbeitsgemeinschaft der Kulturpolitischen Gesellschaft und soll den unter 35 Jährigen eine eigene Plattform und Gestaltungsraum ermöglichen. In einem Gastbeitrag gibt Professorin Birgit Mandel Einblicke in eine mit Studierenden konzipierte kulturpolitische Tagung. Mandel forscht und lehrt am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und ist Expertin für Kulturmanagement und Kulturvermittlung. Hildesheimer Studierende haben die Gründung der Jungen Kulturpolitischen Gesellschaft auf der kulturpolitischen Tagung unter inhaltlicher Leitung der Hildesheimer Professorin Birgit Mandel in Loccum im Februar 2019 initiiert. Die Konferenz wurde erstmalig unter aktiver Beteiligung von Studierenden konzipiert und durchgeführt. Sie setzten sich auf der Tagung mit Generationwechsel und der Rolle der Kulturpolitik in institutionellen Veränderungsprozessen auseinander.

Gastbeitrag von Prof. Dr. Birgit Mandel

Generationen-Clash oder alles so weiter wie bisher im öffentlich geförderten Kulturbetrieb? Welche Ansprüche haben jüngere Generationen von Kulturschaffenden an Kultureinrichtungen und Kulturpolitik?

Ziel des diesjährigen kulturpolitischen Kolloquiums war es, in einem intergenerationellen und interaktiven Workshop Möglichkeiten der Neu-Aufstellung von Kulturinstitutionen sowie des Verhältnis der öffentlich geförderten Einrichtungen zu Kulturpolitik und Kulturverwaltung zu reflektieren und Ideen zu erarbeiten, die es den Einrichtungen ermöglichen, auf veränderte kulturelle Interessen neuer Generationen zu reagieren.

Generationen-Tandems, soziometrische Aufstellungen und digitale Meinungsabfragen, Generationen-Quartett auf Instagram Lab-Loc und Design Thinking Workshop „Kultopia“, wo gemischte Teams aus den Generationen 1968er, Babyboomer, X und Y ihre ideale Kultureinrichtung gestalten konnten: Das Organisationsteam mit Studierenden aus Hildesheim, Hamburg und Ludwigsburg unter Leitung von Birgit Mandel, Annette Jagla und Patrick Glogner in Kooperation mit der Akademie Loccum (Albert Drews) und der Kupoge (Barbara Neundlinger) entwickelte diverse interaktive Formate, um die 120 Teilnehmenden aktiv zu beteiligen und in Austauchbeziehungen zu bringen.

Welche Unterschiede gibt es in der Wahrnehmung der Aufgaben (öffentlich geförderter) Kultureinrichtungen und zentraler kulturpolitischer Herausforderungen und Lösungsansätze zwischen älteren Kulturschaffenden, die schon langjährige Erfahrungen im Kulturbetrieb haben und zukünftigen „Cultural Leadern“?

Deutlich veränderte Ansprüche gäbe es an die Arbeitsbedingungen: hohe Wechselbereitschaft, gutes Arbeitsklima, angenehme Vorgesetze und ausgewogene Work Life Balance seien „Generation Y“ wichtiger als Macht und Einfluss (Scheytt/Weck); für „Selbstausbeutungspositionen“ seien nur noch schwer Nachwuchskräfte zu finden. Jüngere Führungskräfte  würden ihre Einrichtung deutlich selbstkritischer sehen, Veränderungen im Sinne höherer Diversität und gesellschaftlicher Relevanz anstreben und sich als Führungskraft eher in moderierender Funktion denn als direktiver Chef begreifen (Mandel).

Die kulturellen Interessen jüngerer Generationen würden beeinflusst durch Megatrends wie Digitalisierung, Migration und Klimawandel: Ausstieg aus der Wachstumslogik, Nachhaltigkeit, Beteiligung der Prosumenten; Selber Machen, Selbstverwirklichung dominierten vor dem Interesse an klassischem künstlerisch-kulturellen Erbe (Glogner) und das Bedürfnis nach Resonanz und Selbstwirksamkeit in kreativen Räumen für Selbstbetätigung trete an die Stellte von Geniekult (Lätzel, Vogel).

Digitalisierung zwinge Einrichtungen, ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit neu zu definieren und sei deswegen Katalysator für Veränderung (Holst). Migration forciere Diversität in der Mitarbeiterschaft, neue Kooperationsbeziehungen, neue Programme und eine erweiterte Perspektive auf klassisches kulturelles Erbe (Aksen).

Statt Angebotsqualität stehe zunehmend die Aufenthalts-und Beziehungsqualität von Kultureinrichtungen als „dritte Orte“ im Vordergrund (Wolfram).

Kultureinrichtungen müssten sich künftig an ihrer Relevanz für die Bevölkerung und ihrer Interaktionsfähigkeit messen lassen, weg von der Produkt- hin zur Dienstleistungsorientierung, und Plattform werden für diverse Communities. Strukturell müssten verlässliche Strukturen einerseits und Flexibilität /Agilität andererseits zusammen wirken (Heller). Mit rein rationalem Change Management seien Institutionen nicht zu verändern: „Culture eats strategy for breakfast“; auch die Unternehmenskultur müsste in prozessorientierten Double Loop Learning transformiert werden (Jagla).

Kulturpolitik müsse in diesen Prozessen Planungssicherheit und verlässliche Unterstützung bieten (Heller).

Dass Kulturförderung deutlich konzeptbasierter vorgehe als noch vor ca. 15 Jahren und ihre Einflussmöglichkeiten stärker nutze durch Berufungspolitik, Zielvereinbarungen, Evaluationen, spezifische Förderprogramme für strategische Veränderungen und Weiterbildungsangebote wird in den Tandems von jüngeren und älteren Akteuren aus Kulturpolitik und Kulturverwaltung beobachtet (u.a. Landmann, Rehders).

Deutlich wurde, dass sich alte und junge Kulturakteure weniger in der Benennung inhaltlicher Herausforderungen unterscheiden als viel mehr in der Art und Weise wie sie diese bewältigen wollen. Wechselseitige Vorurteile zwischen den Generationen wurden ebenso bestätigt wie verworfen.

Zum Ende der Tagung wurde die „Junge Kupoge“ gegründet als Arbeitsgemeinschaft der Kulturpolitischen Gesellschaft, die den unter 35 Jährigen eine eigene Plattform und Gestaltungsraum ermöglichen soll. Dabei machten auch die Initiatoren deutlich, dass es weniger andere Themen sind, die sie unterscheiden als viel mehr andere Ansprüche an Kommunikationsweisen und Formate des Diskurses.

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news-16267 Fri, 22 Feb 2019 14:04:00 +0100 Internationales Promotionskolleg Kulturvermittlung in Marseille und Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/internationales-promotionskolleg-kulturvermittlung-in-marseille-und-hildesheim/ In Hildesheim und Marseille untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in gesellschaftlichen Umbrüchen, Konzepte für Kulturelle Bildung und die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Nun startet das internationale Promotionskolleg „Kulturvermittlung / Médiation Culturelle de l’Art“ in eine zweite Runde, eine Bewerbung ist bis Ende März 2019 möglich. Seit 18 Jahren arbeiten die Universitäten in Hildesheim und Marseille in den Kulturwissenschaften zusammen, zunächst im Studium, seit 2013 auch in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Nun wird das internationale Promotionskolleg „Kulturvermittlung / Médiation Culturelle de l’Art“ der Université Aix-Marseille und der Universität Hildesheim fortgesetzt.

Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler  können sich mit einem zweisprachigen Exposé bewerben. Das Promotionsthema sollte Kulturvermittlung in Frankreich, in Deutschland, im deutsch-französischen Vergleich oder im Kontext des Mittelmeerraumes angesiedelt sein. Eine Bewerbung ist bis zum 31. März 2019 möglich. Die Sprachen des Promotionskollegs sind Deutsch und Französisch. Die Deutsch-Französische Hochschule fördert das Promotionskolleg.

Promotionsprojekte können zum Beispiel die Rolle des Künstlers in gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozessen, Konzepte für Kulturelle Bildung und die Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen untersuchen.

Mögliche Forschungsfragen sind zum Beispiel:

  • Wie lässt sich der Einfluss, den Künstler_innen und Kulturvermittler_nnen durch ihr künstlerisches Schaffen auf gesellschaftlichen Wandel haben, analysieren und beschreiben?

  • Inwiefern wirken Künstler als Change Agents der Gesellschaft? Inwiefern schaffen Kunst und Kultur einen Freiraum der Gestaltung von Zukunft?

  • Inwiefern kann der Erwerb einer kulturellen Bildung, auch verstanden als artistic literacy, breitere Teile einer Gesellschaft in den Diskurs des gesellschaftlichen Wandels einbeziehen?

  • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kultureller Bildung und Armutsminderung?

  • Inwiefern ermöglichen kulturpolitische Konzepte auf kommunaler Ebene pluralistische öffentliche Kulturräume und kulturelle Teilhabe?

  • Wie gelingt gesellschaftliche Integration durch kulturelle Partizipation?

Die Doktorandinnen und Doktoranden erhalten ein Stipendium als Mobilitätsbeihilfe, um bis zu 18 Monate im Ausland zu forschen (600 Euro monatlich) und nehmen an Forschungsateliers und kulturpolitischen Debatten des UNESCO-Lehrstuhls teil. Im Rahmen eine Cotutelle-de-thèse bietet die Deutsch-Französische Hochschule in Saarland weitere finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten an.

Wer Fragen zum Promotionskolleg hat, kann sich an das Team um Professor Wolfgang Schneider vom UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ (Kulturpolitik für die Künste innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse) am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim wenden. Detailfragen beantworten Dr. Daniel Gad (gad[at]uni-hildesheim.de) und Michèle Brand (brandmi[at]uni-hildesheim.de).

Internationales Promotionskolleg
Link zur Ausschreibung

Studieren in der zweitgrößten Stadt Frankreichs: pendeln zwischen Hildesheim und Marseille

Die Universität Hildesheim in Norddeutschland und die Université Aix-Marseille in Südfrankreich bieten bereits seit 2001 auch gemeinsam einen deutsch-französischen Doppelmasterstudiengang im Bereich Kulturvermittlung an. Absolventinnen und Absolventen sind in Konzerthäusern, Museen, Tonstudios, in der Politik und viele im deutsch-französischen Kulturaustausch tätig.

Im Studium „Kulturvermittlung/ Médiation Culturelle de l'Art" verbringen die Studentinnen und Studenten je ein Jahr in Frankreich/Marseille und in Deutschland/Hildesheim und erwerben wissenschaftliche, künstlerisch-gestaltende und organisatorische Kenntnisse. Sie entwickeln neue Konzepte der Kulturvermittlung und realisieren ein eigenes Forschungsprojekt, befassen sich mit Kulturpolitik in Frankreich und Europa und setzen ein Kulturvermittlungsprojekt um.

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news-16192 Mon, 18 Feb 2019 12:08:00 +0100 Hildesheimer Forschungserkenntnisse zu frühkindlicher Bildung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/hildesheimer-forschungserkenntnisse-zu-fruehkindlicher-bildung/ Die Wissenschaftlerinnen Professorin Meike Baader und Professorin Claudia Mähler diskutieren bei der Veranstaltung „Forschung made in Niedersachsen“ über frühkindliche Bildung. Das Wissenschaftsministerium möchte mit der Veranstaltungsreihe zeigen, wie Erkenntnisse der Forschung unseren Alltag beeinflussen und wie an niedersächsischen Hochschulen innovative und zukunftsweisende Lösungen für aktuelle Fragestellungen erarbeitet werden. Die Erwartungen der Gesellschaft an die frühkindliche Bildung und die vorschulischen Einrichtungen sind vielfältig: bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, frühzeitiges Fördern der Kompetenzentwicklung und der Chancengleichheit. Ebenso wird die Forschung zur frühkindlichen Bildung an niedersächsischen Hochschulen ausgebaut.

Gleich zwei Hildesheimer Expertinnen stellen Forschungserkenntnisse zu frühkindlicher Bildung bei der Reihe „Forschung made in Niedersachsen“ vor. Die des Veranstaltungsreihe des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur zum Thema „Was brauchen unsere Kinder? Frühkindliche Bildung in der Forschung“ findet am Donnerstag, 21. Februar 2019, in der Universität in Osnabrück statt.

Psychologin Claudia Mähler: Während einige Kinder für den Schulstart sehr gut gerüstet sind, zeigen andere Kinder noch Entwicklungsrückstände

„Eine besondere Herausforderung für die frühkindliche Bildung stellt die große Heterogenität der kognitiven Kompetenzen und der für den gelungenen Schulstart wichtigen Vorläuferfertigkeiten der Kinder da. Während einige Kinder sehr gut gerüstet sind, zeigen andere Kinder noch Entwicklungsrückstände zum Beispiel in Bezug auf die sprachliche Entwicklung, auf die phonologische Bewusstheit oder auch auf mathematische Basisfertigkeiten. Eine frühe Förderung macht also Sinn, um die Chancengleichheit für alle Kinder zu erhöhen. Eine besondere Rolle spielen dabei alle Formen der alltagsintegrierten Förderung, die im Kita-Alltag und wenn möglich in spielerischer Weise zur frühkindlichen Bildung beitragen. Aber auch zusätzliche Interventionsprogramme für einzelne benachteiligte Kinder können von Bedeutung sein", sagt Professorin Claudia Mähler.

Claudia Mähler forscht und lehrt als Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Hildesheim und hat die Forschungsambulanz „Kind im Mittelpunkt“ aufgebaut. Sie wird Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten „Differentielle Entwicklungsverläufe kognitiver Kompetenzen (KOKO)“, „Spielorientierte Förderung schulischer Vorläuferfertigkeiten im Kindergarten (ZIKZAK)“ und „Professionalisierung alltagsintegrierter sprachlicher Bildung bei ein- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern – Fühlen Denken Sprechen“ vorstellen, in denen sie sich mit Heterogenität und alltagsintegrierter Förderung befasst.

In der Langzeitstudie „KoKo“ hat ein Forschungsteam um Claudia Mähler sieben Jahre lang erfasst, wie Kinder sich entwickeln – von der Kita über die Grundschulzeit bis in die weiterführende Schule. Die Untersuchung gibt Auskunft über Entwicklungsstadien, Entwicklungstempi und über individuelle Entwicklungsvorsprünge und Entwicklungsrückstände. Forschungsfragen sind unter anderem: In welchem Ausmaß bringen Kinder bei der Einschulung die nötigen Kompetenzen mit, um den Anforderungen der schulischen Bildungsmaßnahmen gewachsen zu sein? Wie entwickeln sich diese Kompetenzen im Vorschulalter? Inwieweit lässt sich die Schulfähigkeit voraussagen? Lassen sich Vorläuferfertigkeiten schulischer Kompetenzen beeinflussen?

Die Studie zeigt, dass die „schulischen Vorläuferfertigkeiten“ eine wichtige Rolle spielen bei der Vorhersage von Schulleistungen. Dazu gehören zum Beispiel die phonologische Bewusstheit und numerische Kompetenzen wie Mengenverständnis oder Zählfertigkeiten: Kann ein Kind zum Beispiel hören, dass im Wort „Auto“ kein „i“ enthalten ist, erkennt es Laute und Reime, entwickelt es ein Verständnis für Mengen und Zahlen, etwa für „mehr“ oder „weniger“.

Erziehungswissenschaftlerin Meike Baader spricht über den Wandel von Kindheit: Was brauchen Kinder? Was brauchen Familien?

Die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Meike Baader wurde vom Ministerium  insbesondere darum gebeten, über den Wandel von Kindheit zu sprechen und wie sich dieser beschreiben lässt. Sie wird auch die Frage beantworten: Was brauchen Familien?

„Kinder gehen heute immer früher in Einrichtungen der Kinderbetreuung, sie tun dies immer länger und immer mehr Kinder besuchen frühpädagogische Einrichtungen. Kinder gehen heute unter Umständen länger in die KiTa als in die Grundschule. Was dies für Kinder und ihre Familien heißt, ist Thema meines Beitrages, bei dem es auch um die Frage geht, ob die Beschreibung einer ‚Pädagogisierung der Kindheit‘, wie sie in der Fachliteratur vorgenommen wird, den Wandel angemessen erfasst. Ich bezweifle dies, denn die Veränderungen sind meines Erachtens weitreichender, wenn man auch die Eltern einbezieht, denn schließlich wachsen Kinder heute zunehmend in pluralisierten Familien auf, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind. Auch Alleinerziehende sind zumeist erwebstätig. Eltern betrachten KiTas aber nicht nur als Dienstleister, sondern leisten auch selbst  Beiträge zur öffentlichen frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung“, so Baader.

In einem vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanzierten Forschungsprojekt befasst sich die Professorin aktuell zusammen mit der Wissenschaftlerin Katharina Riechers mit Elterninitiativen in Niedersachsen, die dort 10,5% aller KiTas stellen.

„Eltern sind nicht nur die Adressaten von Appellen zur Verantwortungsübernahme für ihre Kinder, etwa im Rahmen von Erziehungspartnerschaften, sondern leisten selbst Beiträge zum öffentlichen KiTa-System und damit zur Wohlfahrtserbringung. Die Frage der Veranstaltung – was brauchen Kinder – werde ich in meinem Beitrag erweitern und fragen: Was brauchen Familien?“, so Professorin Meike Baader. Zu den Fachgebieten der Hildesheimer Wissenschaftlerin gehören unterem anderem die Kindheits- und Familienforschung, die Forschung zu Übergängen im Bildungssystem und die historische Bildungsforschung.

Bei „Forschung made in Niedersachsen“ geben Expertinnen und Experten aus der Forschung Einblicke in dieses interdisziplinäre Forschungsfeld und diskutieren mit Bürgerinnen und Bürgern. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler wird die Veranstaltung eröffnen. Die Moderation übernimmt der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda.

Forschung mad in Niedersachsen: Es diskutieren am 21. Februar 2019 an der Universität Osnabrück:

  • Professorin Dr. Meike Sophia Baader, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs und Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim 

  • Professor Dr. Jan Erhorn, Professor am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück und Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Institutes für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe)

  • Professorin Dr. Hedwig Gasteiger, Professorin für Didaktik der Mathematik an der Universität Osnabrück und Direktorin des Forschungszentrums CEDER (Center for Early Childhood Development and Education Research) 

  • Professorin Dr. Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie und Diagnostik am Institut für Psychologie an der Stiftung Universität Hildesheim

Wissenschaftsministerium: Forschung made in Niedersachsen

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news-16164 Wed, 13 Feb 2019 17:32:23 +0100 Studie: „Empfehlungen für eine neue Schlüsselrolle der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik der EU“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studie-empfehlungen-fuer-eine-neue-schluesselrolle-der-kommunen-in-der-fluechtlings-und-asylpolitik/ Die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union ist in einer tiefen Krise. Während Mitgliedsstaaten ergebnislos streiten und Schutzsuchende im Mittelmeer ertrinken oder auf Rettungsschiffen festsitzen, bieten immer mehr Städte und Gemeinden ihre Hilfe an. Sie vernetzten sich europaweit und wollen handeln statt zu reden. Liegt auf kommunaler Ebene die Lösung für eine faire Verteilung von Geflüchteten in der EU? Die Studie „Der Weg über die Kommunen“ der Universitäten Hildesheim und Erlangen-Nürnberg im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung hat dies untersucht und legt konkrete Empfehlungen vor, wie das Potenzial von Städten und Gemeinden in der EU-Flüchtlingspolitik besser genutzt werden kann.

Das rund 40-seitige Papier analysiert die finanziellen und strukturellen Defizite der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik und entwickelt daraus umsetzbare Ideen. Kommunen sollen unter anderem einen verbesserten Zugang zu EU-Fonds und mehr Kompetenzen bei der Ausgestaltung von EU-Programmen erhalten. Kern der Vorschläge ist ein Mechanismus zur Umverteilung von Schutzsuchenden, bei dem sowohl die Geflüchteten selbst als auch die Kommunen ein Mitspracherecht haben. Beteiligte Kommunen stellen Informationen über die örtlichen Gegebenheiten und Unterstützungsangebote in ein Online-System, Schutzsuchende geben ihre individuellen Voraussetzungen an. Ein Matching-Verfahren, das besondere Schutzbedarfe berücksichtigt, bringt dann beide zusammen.

Petra Bendel, Mitautorin der Studie, betont: „Die Zuwanderung in die Kommune läuft auf diese Weise nicht nur geregelter ab. Die Erfahrung lokaler Mitsprache kann das Vertrauen der Bevölkerung in die kommunale Politik, aber auch in die darüber liegenden Ebenen stärken. Eine Beteiligung der Schutzsuchenden an der Zielortwahl beugt zudem wirkungsvoll Sekundärmigration vor – also der Weiterwanderung Geflüchteter nach Anerkennung.“

Hannes Schammann, ebenfalls Autor des Papiers und Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, ergänzt: „Die Empfehlungen können helfen, die EU migrationspolitisch neu zu denken. Es ist an der Zeit, Kommunen ernsthaft in die nationale und die EU-Asyl- und Flüchtlingspolitik einzubeziehen. Sie sind bereit dazu! Diese Chance darf die Europäische Union nicht verstreichen lassen.“

Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, würdigt die Empfehlungen der Studie: „Mehr Mitsprache der Kommunen bei der Aufnahme von Schutzsuchenden kann das Vertrauen in die lokale Selbstbestimmung und in das politische System als Ganzes stärken, zu einer Versachlichung der Debatte beitragen und damit überall in Europa Bewegung in die Diskussion über Flucht und Asyl bringen.“

Download des Policy Paper:

Studie „Der Weg über die Kommunen.
Empfehlungen für eine neue Schlüsselrolle der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik der EU“

Die Empfehlungen im Überblick:

A. Finanzielle Stärkung der Kommunen durch hürdenfreien Zugang zu EU-Fonds

A.1 Bestehende EU-Fonds werden besser aufeinander abgestimmt. Kommunen können einen einzigen Antrag mit einem kohärenten Maßnahmenpaket stellen, das dann ggf. aus verschiedenen Fonds finanziert wird.

A.2 Die Ko-Finanzierung von EU-Projekten wird vereinfacht. Kommunen können EU-Fonds mit anderen Zuschüssen, wie etwa der Europäischen Investitionsbank, kombinieren. Damit werden Städte und Gemeinden mit geringen Eigenmitteln besser angesprochen.

A.3 Der Zugang zu Fördermitteln wird vereinfacht. Nationale One-Stop Shops begleiten Kommunen bei Antragstellung und Abwicklung. Ansprechpartner*innen sind klar benannt, Fristen werden transparent kommuniziert. Damit können auch kleinere Gemeinden ohne spezifische EU-Expertise besser von den EU-Mitteln profitieren.

A4 Kommunen können sich ohne Umweg über die Nationalstaaten direkt auf flexible Soforthilfe der EU bewerben, insbesondere auf die Notfallunterstützung des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds. Bedarfe werden so endlich schnell und unkompliziert gedeckt.

B. Stärkung der Mitspracherechte der Kommunen

B.1 Zur Stärkung kommunaler Mitspracherechte und besseren Abstimmung zwischen den Ebenen wird das vorhandene Partnerschaftsprinzip gestärkt. Dieses bietet Kommunen und anderen „Partner*innen“ jetzt schon Mitsprachemöglichkeiten bei EU-Fonds. Bislang aber werden diese nicht oder nicht vollständig umgesetzt. Die Entwicklung neuer Standards soll dies verbessern.

B.2 Die Europäische Kommission kümmert sich mittels einer Schlichtungsstelle um Streitfälle zwischen Kommunen und nationalen Behörden bzgl. der nationalen Ausgestaltung migrationspolitischer Förderprogramme.

C. Einführung eines kommunalen Relocation Mechanismus

C.1 Ein neuer, kommunaler Relocation Mechanismus nimmt die Bedürfnisse von Kommunen und Schutzsuchenden ernst. Dazu wird ein Matching-Verfahren vorgeschlagen, das menschenrechtliche Standards garantiert und individuelle Präferenzen einbezieht. Auf diese Weise werden lokale Integrationsprozesse befördert und Sekundärmigration reduziert

Bei Fragen ist unter anderem Prof. Dr. Hannes Schammann, Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, erreichbar unter hannes.schammann@uni-hildesheim.de.

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news-16160 Wed, 13 Feb 2019 14:21:48 +0100 Wie kann ein gutes Klassenklima entstehen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-kann-ein-gutes-klassenklima-entstehen/ Seit über 20 Jahren bietet die Universität Hildesheim in Kooperation mit der Landesschulbehörde Fortbildungen für Klassenlehrkräfte aller Schulformen an. „Die wissenschaftliche Evaluation zeigt, dass das Klassenklima durch unsere Fortbildung nachhaltig verbessert und die Lehrerzufriedenheit erhöht werden konnte“, sagt Professorin Claudia Mähler. Ihr Team setzt die Arbeit fort: Derzeit nehmen rund 80 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen an der eineinhalbjährigen Fortbildung teil. Schulpsychologische Fachdezernentinnen und Fachdezernenten der Landesschulbehörde bilden unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Psychologie der Universität Hildesheim Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer aller Schulformen fort. Seit mehr als 20 Jahren wird die KIK-Fortbildung zu Klassenführung und Klassenklima unter dem Motto „Kompetent soziales Miteinander gestalten“ im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums in Kooperation mit der niedersächsischen Landesschulbehörde als schulpsychologische Fortbildung angeboten. KIK steht für „Kommunikation – Interaktion – Kooperation“.

Fortbildung im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums ist eine Mischung aus Theorie, praktischer Erprobung und Hospitation

Wie kann ein gutes Klassenklima entstehen? „Jährlich beginnen rund 40 Lehrkräfte eine eineinhalbjährige Fortbildung zur Kompetenzerweiterung hinsichtlich psychologischer Klassenführung“, berichtet Professorin Claudia Mähler.

Themen sind hierbei unter anderem die Entwicklung von Gruppen, die Evaluation des Klassenklimas und der Umgang mit Konflikten. Schule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche lernen können, wie sie mit anderen umgehen und wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können.

Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer befassen sich während der Fortbildung etwa mit der Entwicklung von Gruppen und dem Umgang mit Konflikten

In einer Mischung aus Theorie, praktischer Erprobung und gegenseitiger Hospitation tauschen sich die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer in Gruppen von etwa 12 Personen unter der Leitung von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen an 21 Fortbildungstagen und drei Halbwochenkursen aus und erweitern ihre Kompetenzen im Bereich der Klassenführung. „Die stetige wissenschaftliche Evaluation der Fortbildung konnte zeigen, dass das Klassenklima durch unsere Fortbildung nachhaltig verbessert und die Lehrerzufriedenheit erhöht werden konnte“, sagt Mähler.

Jährlich richtet das Institut für Psychologie der Universität Hildesheim auch einen „KIK-Kongress“ aus, an dem Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen teilnehmen. In diesem Jahr (8. Februar 2019) nahmen an der Konferenz rund 140 Lehrkräfte, die an der schulpsychologischen Fortbildung für Klassenlehrkräfte bereits seit einem Jahr teilnehmen, diese gerade begonnen oder schon vor längerem abgeschlossen haben, teil. In seinem Grußwort hob David Haschke, der als Referent für Schulpsychologie und Gender im Niedersächsischen Kultusministerium arbeitet, die Bedeutung einer gelungenen Klassenführung in Zeiten zunehmender Diversität hervor.

Professorin Mähler: „Klassenlehrkräfte können dazu beitragen, Ausgrenzung zu vermeiden “

„Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Lernstörungen stehen vor Schwierigkeiten und Herausforderungen“, sagt Professorin Claudia Mähler, wissenschaftliche Leiterin der Fortbildung. „Da Kinder und Jugendliche mit dieser Symptomatik häufig unter einem niedrigen Selbstkonzept eigener Fähigkeiten leiden und in erhöhtem Maße Gewalterfahrungen durch die eigene Peer-Group ausgesetzt sind, stellen diese Schülerinnen und Schülern eine Gruppe dar, der besondere Beachtung bei der Bildung der Klassengemeinschaft geschenkt werden sollte. Klassenlehrkräfte könnten einer Ausgrenzung vermeiden, indem sie positives Feedback einsetzen und die ein kooperatives Lernklima schaffen, in dem alle voneinander lernen und am Unterricht teilhaben können.“ Auch die Aufklärung über die Problematik von Kindern mit Lernschwierigkeiten in Form von Psychoedukation spiele hierbei eine entscheidende Rolle, so Mähler.

Lehrkräfte, die bereits seit einem Jahr an der Fortbildung teilnehmen, haben im Vorfeld der Konferenz Themen zur Verbesserung des Klassenklimas erarbeitet und in ihren jeweiligen Klassen erprobt. Für die Neuankömmlinge bot sich die Gelegenheit, die Themen, die sie in den nächsten eineinhalb Jahren in der KIK-Fortbildung begleiten werden, kennenzulernen und einen Eindruck von der praktischen Umsetzung der Inhalte zu bekommen. Auch rund 20 Lehrkräfte, die die pädagogisch-psychologische Fortbildung bereits abgeschlossen haben, konnten sich in den insgesamt 23 Workshops über ihre Arbeit als Klassenlehrkraft austauschen und erhielten eine thematische Vertiefung, so Claudia Mähler.

Wer Fragen zu der Forschung und Fortbildung hat, erreicht Prof. Dr. Claudia Mähler vom Institut für Psychologie der Universität Hildesheim unter maehler@uni-hildesheim.de.

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news-16095 Mon, 04 Feb 2019 12:29:50 +0100 Zehn Jahre Litradio: Querverbindungen zwischen digitalen und analogen Formen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/zehn-jahre-litradio-querverbindungen-zwischen-digitalen-und-analogen-formen/ Seit zehn Jahren verbindet der Literaturwissenschaftler Guido Graf gemeinsam mit einer studentischen Redaktion Radio und Literatur. Das Online-Portal Litradio sendet nicht linear, der Nutzer kann sich sein eigenes „Radio“ zusammenstellen. Ab dem 5. Februar gibt es jede Woche zwei neue Folgen aus mehreren Podcast-Reihen, außerdem arbeitet die Redaktion an einem Hörspiel. Guido Graf baut seit zehn Jahren mit Studierenden das Online-Portal „Litradio“ aus. Im Gespräch äußert sich der Literaturwissenschaftler über Chancen der Literaturvermittlung im digitalen Raum und Zugänge zu Literatur.

Interview mit Kulturjournalist Dr. Guido Graf

Seit zehn Jahren verbinden Sie gemeinsam mit einer studentischen Redaktion Radio und Literatur. Entstanden ist das Portal Litradio. Sie senden nicht linear, der Nutzer kann sich sein eigenes „Radio" zusammenstellen. Was fasziniert Sie an diesem Literaturprojekt, worin liegt Ihre Motivation, weiterzumachen?

Als wir 2009 zuerst online gegangen sind, war vom Medium Radio angesichts des digitalen Wandels nicht viel zu erwarten. Daraus wuchs die Motivation, etwas anderes auszuprobieren: in ganz kleinem Rahmen, auf einem begrenzten, dem kulturellen, dem literarischen Feld. Hanns-Josef Ortheil hat Litradio mal ein kulturjournalistisches Labor genannt. Das und noch viel mehr gilt nach wie vor. Mittlerweile hat sich viel getan, Podcasts etwa sind inzwischen ein großes Thema, also etwas, das wir von Anfang an schon anbieten. Die Dynamik der medialen Entwicklung ist nach wie vor groß und entsprechend sind permanent mehr als genug Herausforderungen gegeben, mit denen Litradio sich auseinandersetzen kann und wird. Nicht zuletzt sind es unsere Studierenden, die für Motivation sorgen. Wenn 2020 das nächste Mal das Literaturfestival Prosanova stattfindet, wird Litradio daran auch wieder Anteil nehmen, kann dafür auf reichlich Erfahrungen zurückgreifen, aber muss und wird sich mit den neuen Studierenden, die dann dabei sind, auch wieder neu erfinden müssen.

Wie hat sich die Arbeit bei Litradio in den letzten zehn Jahren verändert?

Litradio ist professioneller geworden, organisierter. Wir haben mehr Mittel zur Verfügung, um  – zwar in kleinem Maßstab, aber immerhin – zu produzieren und einen guten Auftritt im Web zu haben. Vor allem aber: wir haben sehr viel mehr Hörer dazu gewonnen.

Welchen Platz hat Literatur im digitalen Raum? Welche Chancen sehen Sie?

Sie hat einen Platz und das ist einer neben anderen. Wenn wir lernen, die Kreuz- und Querverbindungen zwischen digitalen und analogen Formen und Praktiken besser zu erkennen und zu nutzen, werden wir in der Rezeption und Vermittlung von Literatur mehr Raum erobern, neue Zugänge zu Literatur schaffen, wo sie zuvor mit Hürden versehen waren  – etwa für Menschen mit Beeinträchtigungen –, und wir werden auch in der Produktion von Literatur mehr Neues sehen, ohne dass dadurch anderes verschwindet oder verdrängt wird.

Machen Sie sich Sorgen?

Nein, ganz und gar nicht. Ich könnte mir natürlich noch eine ganz anders geartete Finanzierung von Litradio vorstellen, die zum Beispiel auch Reisen erlaubt, ein vollausgestattetes Studio, bessere Serverkapazitäten. Aber die Relation von Budget und dem, was wir daraus machen, kann sich sehr sehen lassen.

Und wie geht es weiter? Was haben Sie und die Studentinnen und Studenten vor?

Wir starten jetzt nach mehrmonatiger Vorbereitung eine ganze Reihe von neuen Podcasts zu vielen verschiedenen Themen. Ab dem 5. Februar 2019 gibt es jede Woche zwei neue Folgen aus mehreren Podcast-Reihen. Die Litradio-Redaktion arbeitet derzeit auch einem Hörspiel und plant überdies eine kleine Tournee.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Seit 2008 forscht und lehrt Dr. Guido Graf als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim, seit 2018 ist er Senior Researcher auf dem Kulturcampus.

Er hat Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft in Braunschweig studiert und seine Dissertation über den Briefwechsel zwischen den Schriftstellern Arno Schmidt und Hans Wollschläger (Lehrer-/Schülerverhältnis) geschrieben. Bevor er nach Hildesheim kam, arbeitete er als freier Journalist für Zeitungen und den Rundfunk.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Literaturvermittlung, Sound-Poetik, Social Reading, Radio, Medientheorie, Gegenwartslyrik und Übersetzung. Guido Graf baut seit zehn Jahren mit Studierenden das Online-Portal „Litradio.net“ aus. Für seine hervorragenden Leistungen in der Lehre wurde Guido Graf mit dem Lehr-Preis der Universität Hildesheim ausgezeichnet.

In einem Forschungsverbund im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften untersucht Graf derzeit, wie sich das Lesen im digitalen Raum verändert. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt „Rez@Kultur“ über drei Jahre. Acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Computerlinguistik, Kulturjournalismus, Wirtschaftsinformatik und Kulturpolitik analysieren Lesevorgänge und Online-Gespräche über Werke der Kunst und Literatur.

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news-16089 Fri, 01 Feb 2019 10:54:30 +0100 Professor Wolfgang Schröer ist Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professor-wolfgang-schroeer-ist-vorsitzender-des-bundesjugendkuratoriums/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim haben sich auf die Kinder- und Jugendpolitik und Kinder- und Jugendhilfe spezialisiert. Professor Wolfgang Schröer wurde nun zum Mitglied des Bundesjugendkuratoriums berufen. Der Hildesheimer Sozialpädagoge übernimmt zugleich den Vorsitz des Gremiums. Der Hildesheimer Sozialpädagoge Professor Wolfgang Schröer wurde zum Vorsitzenden des Bundesjugendkuratoriums berufen. Das Bundesjugendkuratorium berät die Bundesregierung in zentralen Fragen der Kinder- und Jugendpolitik, das Gremium ist eine unverzichtbare Stimme aus Wissenschaft und Praxis für die Belange von Kindern und Jugendlichen. Bundesjugendministerin Franziska Giffey hat die 15 Mitglieder des Sachverständigengremiums für die 19. Legislaturperiode in dieser Woche berufen.

Über Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft diskutieren

Kindheit und Jugend ermöglichen! ist ein zentraler Anspruch der Kinder- und Jugendpolitik. An diesem Anspruch ist auch jede Bildungs-, Sozial- und Familienpolitik zu messen“, sagt Professor Wolfgang Schröer.

Mit seiner Arbeit als Wissenschaftler möchte Wolfgang Schröer dazu beitragen, dass grundlegend über die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft diskutiert wird und Kinder- und Jugendpolitik auch für Kinder und Jugendliche erfahrbar wird. So unterstützt das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim auch die Veranstaltung „#letstalkabout“ am 22. Februar 2019 von 17:00 bis 20:00 Uhr im Rathaus Hildesheim, die von jungen Menschen in Hildesheim vorbereitet wird, damit Jugendliche mit Politikerinnen und Politiker ins Gespräch kommen.

Seit 2004 forscht und lehrt Wolfgang Schröer als Professor für Sozialpädagogik am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik in Hildesheim, in dieser Zeit hat er beispielsweise mit seinen Kolleginnen und Kollegen auf die Situation von „Care Leavern“ aufmerksam gemacht, Fortbildungsmodule zur Entwicklung von Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt in pädagogischen Organisationen mitgestaltet und regional einige Praxisforschungsprojekte zur Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt.

Politik ist angewiesen auf die Kompetenz der Sachverständigen, um das Kinder- und Jugendhilferecht weiter zu entwickeln

Die Ministerin hebt hervor: Die Politik sei angewiesen auf die „Kompetenz der Sachverständigen, um den Kinder- und Jugendmedienschutz auf die Höhe der Zeit zu bringen und das Kinder- und Jugendhilferecht weiter zu entwickeln. Auch beim Thema Kinderrechte ins Grundgesetz ist das Bundesjugendkuratorium gefragt- damit Deutschland spürbar kinderfreundlicher wird und letztlich auch die Rechte von Familien gestärkt werden.“

Bei Fragen zur Forschung von Prof. Dr. Wolfgang Schröer erreichen Sie den Wissenschaftler unter schroeer[at]uni-hildesheim.de.

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news-16075 Wed, 30 Jan 2019 12:28:00 +0100 Rechtspsychologie: Kriminalpsychologe Professor Klaus-Peter Dahle https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/rechtspsycho-3/ Der Hildesheimer Professor für Rechtspsychologie Klaus-Peter Dahle forscht und lehrt am Institut für Psychologie. Seit 2017 bildet die Universität Hildesheim Studentinnen und Studenten im Bereich Rechtspsychologie aus. Seit 2017 bildet das Institut für Psychologie der Universität Hildesheim Studentinnen und Studenten im Bereich Rechtspsychologie aus. Erstmals in der Bundesrepublik wurde an einer staatlichen Universität eine Professur für Rechtspsychologie eingerichtet. Professor Klaus-Peter Dahle arbeitet seit 20 Jahren im Bereich der Kriminalpsychologie und wechselte von der Charité Universitätsmedizin in Berlin nach Hildesheim.

Professor Dahles Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Kriminalpsychologie als ein Teilgebiet der Rechtspsychologie, das sich mit Rechtsbrechern und Straftätern beschäftigt. Klaus-Peter Dahle befasst sich in seiner Forschung mit Fragen der Wirksamkeit therapeutischer Interventionen im Justizvollzug und entwickelt Methoden zur Verbesserung von Kriminalprognosen. Er forscht in den Bereichen kriminelle Entwicklung, Sexual- und Gewaltdelinquenz, Straftäterbehandlung, Methoden der Kriminalprognose und Jugendkriminalität.

Die Rechtspsychologie beschäftigt sich mit der Anwendung psychologischer Theorien und Erkenntnisse auf Probleme des Rechtswesens. Dabei greift sie auf Wissensbestände aus verschiedenen Bereichen der Psychologie zurück, aber auch auf die Nachbardisziplinen Kriminologie und Kriminalistik. Die Schwerpunkte des Lehrstuhls liegen im Bereich der Kriminalpsychologie, also der Psychologie von Straftäter und Straftaten. Die Forschung umfasst insbesondere die Evaluation von Straftäterbehandlung und Rückfallprävention, die Methoden der Rückfallprognose sowie die Verläufe und Bedingungen krimineller Fehlentwicklungen im Lebenslauf.

Professor Dahle teilt wissenschaftliche Erkenntnisse und richtete in Hildesheim zum Beispiel die öffentliche Tagung „Neue Herausforderungen an Prognosegutachten im Strafrecht“ aus.

Antrittsvorlesung

Der Hildesheimer Professor für Rechtspsychologie Klaus-Peter Dahle spricht in seiner Antrittsvorlesung über „Evidenz, Prognostik und Nebenwirkungen: Die Vollzugsanstalt als Entwicklungsraum“. Die Vorlesung beginnt am Mittwoch, 30. Januar 2019 um 18:15 Uhr in Hörsaal 4 und ist öffentlich.

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news-15964 Mon, 14 Jan 2019 08:21:00 +0100 Professor für Empirische Unterrichtsforschung: Christof Wecker https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professor-fuer-empirische-unterrichtsforschung-christof-wecker/ Professor Christof Wecker untersucht, wie Lehrerinnen und Lehrer guten Unterricht gestalten können. Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich sieht in der Berufung von Professor Wecker einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Lehrerbildung: „Wir haben einen exzellenten Wissenschaftler aus Bayern gewinnen können.“ Christof Wecker hat den Ruf aufgrund des hohen Stellenwerts der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim angenommen. „Beispielsweise sind die praktischen Studienanteile stark ausgeprägt und mit den forschungsbasierten Lehrveranstaltungen verzahnt.“ Prof. Dr. Christof Wecker forscht und lehrt am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Er wurde zum Sommersemester 2018 auf die Professur für Empirische Unterrichtsforschung berufen.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unterrichtsmethodische Handlungsformen, fächerübergreifende Kompetenzen und evidenzbasierte Praxis im Bildungsbereich. In seine Arbeit bezieht er den digitalen Wandel mit ein. Beispielsweise befasst er sich mit der Frage, wie digitale Medien im Unterricht lernförderlich eingesetzt werden können.

Christof Wecker bildet Lehrerinnen und Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen aus. In seinen Vorlesungen und Seminaren lehrt er Unterrichtsmethodik und pädagogische Diagnostik und thematisiert die Arbeitsweisen und Ergebnisse der Lehr-Lern-Forschung und der Unterrichtsforschung. „An meine eigene Lehre stelle ich den Anspruch, dass sie höchst anwendungsrelevant und zugleich forschungsbasiert sein sollte. Ich möchte, dass zukünftige Lehrkräfte daraus Wissen ziehen können, wie sie Unterricht lernwirksam gestalten können, und dass dieses Wissen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Auch eigene Forschungsergebnisse fließen direkt in Lehrveranstaltungen ein“, so Wecker.

Um das Unterrichtsgeschehen zu erforschen, führt der Wissenschaftler Experimente im Unterrichtslabor und in Schulen durch, in denen Unterrichtsmethoden hinsichtlich ihrer Wirkungen auf Lernergebnisse verglichen werden. „Beispielsweise untersuche ich, ob Schülerinnen und Schüler Lerninhalte besser verstehen, wenn sie sich diese angeleitet durch geschickte Fragen ihrer Lehrkraft selbst erschließen“, so Wecker. „Um belastbare Antworten auf derartige Fragen zu erhalten, ist Forschung im Unterricht unabdingbar.“ Die traditionell enge Zusammenarbeit der Universität Hildesheim mit Schulen in Hildesheim und der Region im Bereich der Lehrerbildung will er daher auch im Bereich der Forschung vertiefen.

Christof Wecker hat den Ruf nach Hildesheim aufgrund des hohen Stellenwerts der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim angenommen. „Beispielsweise sind die praktischen Studienanteile stark ausgeprägt und curricular gut in das Studium integriert, das heißt stark mit den wissenschaftlich orientierten und forschungsbasierten Lehrveranstaltungen verzahnt.“ Die breit vertretenen Fachdidaktiken bieten ihm für seine Forschung ein anregendes Umfeld und vielfältige Kooperationsmöglichkeiten.

Präsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich sieht in der Berufung von Professor Wecker einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Lehrerbildung: „Wir haben einen exzellenten Wissenschaftler aus Bayern gewinnen können, der mit der empirischen Unterrichtsforschung einen zentralen Bestandteil des Lehramtsstudiums abdeckt.“

Christof Wecker ist 41 Jahre alt, geboren in Fürstenfeldbruck, und hat Erziehungswissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in München, Tübingen und Oxford studiert. Es folgten Promotion und Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der venia legendi für Pädagogik und Pädagogische Psychologie. Vor seinem Wechsel nach Hildesheim hatte er den Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Passau inne. Seit 1. April 2018 ist er Professor für Empirische Unterrichtsforschung an der Universität Hildesheim.

Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Unterrichtsforschung hat, erreicht Prof. Dr. Christof Wecker unter empirische-unterrichtsforschung@uni-hildesheim.de.

Lesetipp:

Interview: Was passiert im Unterricht?
Der Unterrichtsforscher Christof Wecker erklärt,
welche Rolle Zeit, Störungen, Medien, das Üben
und Sitznachbarn im Unterrichtsverlauf spielen.
Universitätsjournal DIE RELATION, Ausgabe #4, S. 32

Antrittsvorlesung

In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung stellt sich der Unterrichtsforscher am Mittwoch, 16. Januar 2019, den Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in seine Forschung. Die Veranstaltung mit dem Titel „Wozu taugt eine fachunabhängige Unterrichtsforschung?“ beginnt am Mittwoch, 16. Januar 2019, um 18:00 Uhr im Forum am Hauptcampus der Universität Hildesheim.

In seinem Vortrag erläutert Wecker exemplarische Grundformen unterrichtsmethodischen Handelns, deren Beitrag zum Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern und das Zusammenspiel zwischen Fachdidaktiken und empirischer Unterrichtsforschung bei ihrer Erforschung.

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Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Personalportal Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Pressemeldungen Forschung Startseite
news-15976 Fri, 11 Jan 2019 13:31:00 +0100 Universität als Ort für zukunftsorientierte Debatten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-als-ort-fuer-zukunftsorientierte-debatten/ Entscheidung für Hildesheim: Das Wissenschaftsministerium fördert die Projekte „Informationskompetenz und Demokratie“ sowie „Die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim zeigen, welche Relevanz und Aktualität ihre Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften hat. Im Programm „Zukunftsdiskurse“ fördert das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur zwei Projekte der Universität Hildesheim. Die Hildesheimer Forschung zeigt, wie relevant und aktuell die Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist. Für jedes Projekt stehen maximal 100.000 Euro bei einer Laufzeit von maximal 15 Monaten zur Verfügung. Die Förderung stammt aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung.

„Demokratie und Wissenschaft sind ohneeinander nicht zu denken. Mit dem Förderprogramm ‚Zukunftsdiskurse‘ wollen wir den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stärken und verdeutlichen, dass unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen zentrale Orte für zukunftsorientierte Debatten sind“, so der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler.

Das sind die geförderten Projekte in Hildesheim:

„Informationskompetenz und Demokratie: Bürger, Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung“

Das Projekt haben Prof. Dr. Joachim Griesbaum und Prof. Dr. Thomas Mandl vom Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie sowie Prof. Dr. Elke Montanari vom Institut für deutsche Sprache und Literatur entwickelt.

Demokratie lebt vom Diskurs und der Bereitschaft, die Perspektiven Anderer wahrzunehmen und als mögliche Standpunkte anzuerkennen. Voraussetzung für einen sachlich-zielführenden Diskurs ist eine fundierte Wissensbasis. Hierfür ist gelebte Informationskompetenz unverzichtbar, sagt das Forschungsteam.

„Informationen zu suchen, zu finden und zu verarbeiten fällt heute sehr leicht, aber ein müheloser Informationszugriff ist nicht gleichzusetzen mit einem selbstbestimmten und fundierten Umgang mit Wissen“, so Joachim Griesbaum. Die Problematik sei nicht nur „abstrakter Natur“, sondern betrifft „unmittelbar die Lebenswelt jedes Netznutzers“.

Algorithmengesteuerte Informationsbeschaffung und Informationsbbereitstellung ist für Nutzerinnen und Nutzer heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz weisen auf erhebliche Defizite hin.

Das Projekt „Informationskompetenz und Demokratie“ will das Problem für Niedersachsen stärker bewusst machen, es in der Öffentlichkeit diskutieren und dabei Lösungsansätze suchen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen in dem Projekt unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, um ein möglichst umfassendes Bild zum Themenbereich, den wahrgenommenen Problemfeldern und Lösungsperspektiven, insbesondere für den Bildungsbereich, zu erschließen. Dabei soll auch die internationale Perspektive einbezogen werden.

Das Projekt besteht aus drei Teilen: Nach einer Tagung in Niedersachsen wird der Diskurs auf einem Blog weitergeführt und ein Aufruf für Beiträge zu einer Abschlusstagung im gleichen Bundesland verbreitet. Auf dieser Plattform wird die Diskussion durch Beiträge von Experten, Studierenden und sonstigen Interessierten weitergeführt. Abschließend werden die Projektergebnisse vorgestellt und diskutiert.

„Die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft – gestern, heute und morgen“

Das Projekt entstand auf Initiative des Juniorprofessors für Theologische Ethik, Prof. Dr. Alexander Merkl, des Instituts für Katholische Theologie in Kooperation mit dem Direktor des Instituts für Geschichte, Prof. Dr. Michael Gehler.

„Wir werden einen Zukunftsdiskurs über die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft führen“, sagt Professor Alexander Merkl. Aktuelle Anlässe dafür bieten die Bewerbung der Stadt Hildesheim als europäische Kulturhauptstadt 2025 und die bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament vom 23. bis 26. Mai 2019. Das Interesse an der Thematik insbesondere im Vorfeld zu den Wahlen sowie der gesellschaftliche Diskussionsbedarf seien hoch, so Merkl. „Der Wissenstransfer aus der Universität in die Bürgergesellschaft ist unser zentrales Anliegen.“

Das Projekt startet mit einer Podiumsdiskussion am 5. April 2019 und einem zweitägigen Bürgerforum am 26. und 27. April 2019 an der Volkshochschule in Hildesheim. Abschließend  findet am 27. Juni 2019 an der Universität Hildesheim eine Veranstaltung für Bürger, Studierende und Schülerinnen und Schüler statt, in der die historischen Fundamente europäischer Verantwortung sowie gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen der Europäischen Union in Bereichen wie Sicherheit, Frieden, Erweiterung und Zuwanderung besprochen werden.

Der Theologe Alexander Merkl und der Historiker Michael Gehler führen historische und ethische Fragestellungen zusammen.

„Eine fundierte wissenschaftliche Aufbereitung, gelingender Wissenstransfer in die Bürgergesellschaft und die Gelegenheit zur aktiven, dialogischen Diskursteilnahme bilden die Säulen dieses Vorhabens“, so Merkl.

Das Projekt beinhaltet eine Mitarbeiterstelle für fünfzehn Monate und schließt an jüngere Projekte und Forschungsvorhaben der Antragsteller an. Professor Alexander Merkl publizierte jüngst den Sammelband „Die EU als ethisches Projekt im Spiegel ihrer Außen- und Sicherheitspolitik". Professor Michael Gehler führt seit Jahren die öffentlichen Europagespräche in Hildesheim durch, die ebenfalls mit dem bewilligten Projekt verzahnt werden.

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news-15962 Wed, 09 Jan 2019 16:45:32 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung, Service und Nachhaltigkeit https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-service-und-nachhaltigkeit/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, den Biologen Dr. Stefan Flohr und das Team des Sachgebiets „Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel“ des Dezernats für Finanzen für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und Service aus. Zudem verleiht das Green Office den Nachhaltigkeitspreis an die Umweltstudentin Jenny Dreblow und den IMIT-Absolventen Sebastian Pape.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich gab im Rahmen des Neujahrsempfangs aktuelle Zahlen bekannt: 91 Professorinnen und Professoren, 447 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 265 Personen in Technik und Verwaltung sind derzeit an der Stiftungsuniversität Hildesheim tätig. 8333 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim.

Professorinnen und Professoren, die 2018 ihr Amt in Hildesheim antraten, bearbeiten zum Beispiel die Bereiche Transmediale Übersetzung, Kirchengeschichte, Mathematikdidaktik, Empirische Unterrichtsforschung, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, Migrationspolitik, Biowissenschaften des Sports, Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung, Musiksoziologie und Popular Music Studies, Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie, Gender und Bildungskulturen, Vegetationsökologie und Naturschutz sowie Bildungssoziologie.

Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

  • Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer
  • Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr
  • Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen
  • Nachhaltigkeitspreis für Umweltstudentin Jenny Dreblow und Informatikstudent Sebastian Pape

Im Folgenden stellen wir die Preisträgerinnen und Preisträger ausführlich vor.

Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer

Auf Vorschlag der Dekane und des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung zeichnet die Universität Hildesheim Prof. Dr. Marianne Kneuer für ihre hervorragende Forschung aus.

Seit 2011 forscht und lehrt die Wissenschaftlerin am Institut für Sozialwissenschaften. Die Forschungsschwerpunkte von Marianne Kneuer liegen im Bereich der vergleichenden Politikforschung, der Demokratieforschung und der Forschungen zur Rolle digitaler Medien für die Politik.

Die Politikwissenschaftlerin hat an der Universität Hildesheim seit 2012 den bundesweit viel beachteten Forschungsbereich „Internet und Politik“ aufgebaut. Sie untersucht zusammen mit ihrem Team die Auswirkungen der Digitalisierung auf politische Strukturen, Prozesse und Akteure sowie staatliches Handeln in Demokratien und Autokratien. Sie erforscht Themen wie Politik im Netz, e-governement und e-participation intensiv und publiziert international. Seit 2018 ist sie eine Gründungsdirektorin des neu gegründeten „Zentrums für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ an der Universität Hildesheim.

„Welche Bedeutung der Digitalisierung für gesellschaftliche Transformationsprozesse und die Politik zukommt, hat Marianne Kneuer früh wissenschaftlich in den Blick genommen, lange bevor die Digitalisierung in aller Munde war. Ebenfalls früh hat sie sich der Erforschung von Autokratien und totalitären Systemen zugewandt und danach gefragt, welche Rolle digitale Medien sowohl für Demokratisierungsprozesse in autokratischen Systemen als auch für die Kontrolle der Bürger durch den Staat einnehmen“, so Vizepräsidentin Prof. Dr. Meike Baader in ihrer Laudatio. „Sie forscht international, ist teamorientiert und äußerst kollegial. Sie arbeitet zu gesellschaftlich höchst relevanten Themen, die uns alle angehen und für unser Zusammenleben von Bedeutung sind“, unterstreicht Meike Baader. Zudem kommuniziere die Wissesnchaftlerin ihre Forschungsergebnisse in die Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit.

Vor ihrer Tätigkeit in Hildesheim war Marianne Kneuer Lehrstuhlvertreterin an den Universitäten Darmstadt, Hagen und Erfurt. 2005 hat sie an der Universität Eichstätt habilitiert mit einer Arbeit zur „Europäischen Union als externer Akteur bei Demokratisierungsprozessen“, nachdem sie Forschungsstipendiatin der DFG war. Promoviert wurde sie 1991 an der Universität Bonn. Marianne Kneuer war Referentin im Planungsstab des Bundespräsidenten Roman Herzog von 1994 bis 1999 in Bonn. Seit 2018 ist sie Präsidentin der International Political Science Association (IPSA), der sie seit 2016 als erste Vizepräsidentin vorsaß.

Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr

Auf Vorschlag einer Jury unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten für Lehre und Studium wird der Preis für hervorragende Lehre an den Biologen Dr. Stefan Flohr vom Institut für Biologie und Chemie vergeben.

Für den Preis für hervorragende Lehre wurden insgesamt 78 Vorschläge eingereicht, Studentinnen und Studenten nominierten insgesamt 51 Lehrende für den Preis. „Studierende reichen die Vorschläge für den Lehrpreis ein“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander.

Seit 2007 forscht und lehrt Dr. Stefan Flohr an der Universität Hildesheim und gibt sein Wissen in der Anthropologie, Anatomie, Humanbiologie und Paläoanthropologie sowie Bioarchäologie an Studentinnen und Studenten weiter. Er war mehrere Jahr als Landesanthropologe in Thüringen tätig.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter wird für seine hervorragende Lehre in den Seminaren „Bioarchäologie und Paläoökologie II“ und „Funktionelle Anatomie des Bewegungsapparates“ ausgezeichnet. In seiner Lehre fördert er forschendes und problemorientiertes Lernen und wendet innovative Prüfungsmethoden an.

Die Lehre sei „immer anspruchsvoll, interessant und geprägt von einer angenehm lockeren Atmosphäre“, so die Lehramtsstudentin Xenia Dalke in ihrer Laudatio. „Die Lehrveranstaltung Bioarchäologie war unterteilt in fachlichen Input und ein eigenes Projekt. Es ist einfach viel interessanter, wenn man sich selbst durch die vielen Skelette hier im Keller der Universität wühlen darf und eigenständig seine Forschung betreibt, als wenn man nur Wissen trocken vorgetragen bekommt. Dazu kommen noch die geballte fachliche Expertise und Erfahrung, die uns geboten wurde. Man vergisst als Studierender manchmal, wie viel Forschung und Arbeit unsere Dozierenden neben der Lehre leisten. Somit wurden wir Studierenden, die am Anfang gerade einmal einen Schädel von einem Oberschenkelknochen unterscheiden konnten, zu Experten in unserem Thema.“

Die Studentin Xenia Dalke befasste sich in ihrem Projekt mit X- und O-Beinen mittelalterlicher Skelette. „Dann durfte ich die Erkenntnisse auf einer wissenschaftlichen Tagung in Konstanz vorstellen. Diese Chance, ein Uniprojekt auf diese Weise weiterzuführen und im offiziellen Rahmen vorstellen zu dürfen, ist einfach unglaublich und nicht selbstverständlich. Aber hier endet unsere Reise noch nicht – der nächste Schritt ist die gemeinsame Publikation unserer Forschungsergebnisse“, sagt die Studentin.

Weitere Studierende von Stefan Flohr begründen die Auszeichnung wie folgt:

  • „Herr Flohr hat es geschafft ein trockenes Thema grandios zu lehren, Studenten zu motivieren und für die Anatomie anzustecken! Die wöchentlichen Testate und sein Engagement haben dazu beigetragen, dass das erworbene Wissen nicht sofort verfällt, sondern im Gegenteil anders als beispielsweise bei Klausuren nachhaltig abgespeichert wurde. Die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und Herrn Flohr war Voraussetzung und Wunsch und verlief bestens. Fragen, gerade im Bezug zur Muskulatur und deren Defekten, förderten das eigenständige Nachdenken und auch Ausprobieren von Seiten der Studenten.“

  • „In diesem Kurs wurde uns Studierenden die Möglichkeit gegeben, in einem interessanten Themengebiet eigenständig und mit ständiger Unterstützung von drei absolut kompetenten und anregenden Dozenten – Stefan Flohr, Uwe Kierdorf und Carsten Witzel – eigene Projekte zu gestalten. Man hat in der Universität selten die Möglichkeit so intensiv in ein interessantes Themengebiet einzutauchen, die Dozenten erschaffen eine freundliche, kooperative Atmosphäre und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Besonders hervorzuheben ist hier Stefan Flohr, der die Leistungen der Studierenden über das Seminar hinaus mit einer Vertiefung des Projekts würdigt und seine Freizeit und Leidenschaft dafür widmet.“

„Die Tatsache, dass ich inzwischen schon mehrfach von meinen Studierenden für den Preis nominiert wurde, ist mir im Grunde Auszeichnung genug, denn sie sind die Adressaten meiner Lehrtätigkeit. Dass nun auch die Kommission zur Vergabe des Preises dem Vorschlag der Studierenden zustimmt, ist großartig und zeigt mir, dass gute Lehre nicht immer nur eine Frage der Anwendung modernster und innovativster Methoden und Techniken sein muss, sondern dass es offenbar auch mit eher traditionellen Mitteln möglich ist, Menschen für fachwissenschaftliche Inhalte zu begeistern“, freut sich Stefan Flohr über die Auszeichnung.

Stefan Flohr wird im Sommersemester 2019 in der Weiterbildung „Hochschuldidaktik“ seine Erfahrungen teilen und mit interessierten Kolleginnen und Kollegen über exzellente Lehre sprechen.

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die sich in ganz besonderem Maße für die Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben.

Auf Vorschlag des Präsidiums wird der Preis für hervorragende Service-Leistungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen vergeben.

Zu dem Team gehören:

  • Frau Monika Sardí (Sachgebietsleiterin)
  • Frau Anja Ehlers (Studienqualitätsmittel)
  • Herr Mirco Fink (Drittmittel)
  • Frau Marika Schaper (Sondermittel)
  • Herr Marvin Freund (Drittmittel)
  • Frau Vicky-Nicoletta Erber (Drittmittel)
  • Frau Miriam Rother (Sondermittel)
  • Frau Stefanie Hankel (Drittmittel)

„Das Team hat es in herausragender Weise geschafft, die gestiegene Zahl an Projekten vorbildlich abzuarbeiten – sozusagen die Pflicht – und parallel die Unterstützung sowie Beratung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Phasen der Projektbearbeitung im Sinne des Servicegedankens auszubauen. Und das ist die Kür – dort die Flexibilitätswünsche und hier die Richtlinien!  Nur wenn wir uns gemeinsam dem Ziel der Drittmitteleinwerbung verpflichtet fühlen, können wir auch weiterhin so erfolgreich sein, wie in den letzten Jahren“, so der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

„Die Auszeichnung bedeutet für das Sachgebiet Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel eine hohe Wertschätzung. Wir bedanken und freuen uns darüber, dass unser Engagement wahrgenommen und belohnt wird. Der Preis ist eine Bestätigung unseres Tuns und gleichzeitig ein Ansporn, uns in Zukunft weiterhin so einzusetzen“, so die Sachgebietsleiterin Monika Sárdi.

Green Office verleiht Nachhaltigkeitspreis an Umweltstudentin Jenny Dreblow und an IMIT-Absolvent Sebastian Pape

Mit dem Nachhaltigkeitspreis zeichnet das Green Office Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim aus, die sich in ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit nachhaltiger Entwicklung befassen. Das Nachhaltigkeitsbüro der Uni möchte damit einen Beitrag leisten, Nachhaltigkeit in den Forschungsfokus gerade des wissenschaftlichen Nachwuchses zu bringen.

Die Studentin Jenny Dreblow wird für ihre Bachelorarbeit „Nachhaltigkeit – ein interkultureller vergleich üver zugange und perspektiven belarussischer und deutscher Studierender“ im Studiengang „Umweltsicherung“ und Sebastian Pape für seine Masterarbeit „Soziale Nachhaltigkeit in Geschäftsprozessen – Entwicklung eines Pattern-basierten Ansatzes“ im Studiengang „Informationsmangement und Informationstechnologie“ ausgezeichnet.

Jenny Dreblow leiste mit ihrer Abschlussarbeit einen Beitrag zu einer interkulturellen Verständigung über Nachhaltigkeit und gibt damit wertvolle Anregungen für eine deutsch-belarussische Zusammenarbeit im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung, so die Begründung. „Die Auszeichnung bedeutet für mich Wertschätzung. Und Mut weiterzugehen – auch beruflich“, sagt die Preisträgerin Jenny Dreblow.

Sebastian Pape sei es mithilfe von Experteninterviews gelungen, einen Musterkatalog aus sozial nachhaltigen Geschäftsprozess-Patterns zu entwickeln, dessen Anwendung eine Integration von sozialen Nachhaltigkeitsaspekten in Geschäftsprozesse von Unternehmen fördern kann, so die Jurybegründung.

„Dank der großzügigen Unterstützung der Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine und ihres Fördervereins können wir in diesem Jahr zwei Abschlussarbeiten mit dem Nachhaltigkeitspreis dotiert mit jeweils 500 Euro auszeichnen“, sagt Karina Schell, Mitarbeiterin des Green Office.

„Mit dem Nachhaltigkeitspreis möchten wir studentische Beiträge honorieren und herausragende Abschlussarbeiten universitätsweit bekannt machen. Die Auszeichnung soll Studierende motivieren, sich wissenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen“, sagt Karina Schell. Die Mitarbeiterin Julia Witter ergänzt: „Mit diesem Preis betont die Universität Hildesheim den besonderen Stellenwert des fachbereichsübergreifenden Themas „Nachhaltigkeit“ in der Ausbildung der Studierenden und den Anspruch, als Universität zur Lösung dringender gesellschaftlicher Probleme beizutragen.“

Der Preis wird auch im nächsten Jahr wieder vergeben. Die Bewerbung auf den Nachhaltigkeitspreis ist bis zum 1. Dezember 2019 möglich, detaillierte Informationen finden Sie zeitnah auf der Homepage des Green Office.

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news-15934 Wed, 02 Jan 2019 07:47:00 +0100 Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professorin-ursula-bredel-ist-mitglied-der-deutschen-akademie-fuer-sprache-und-dichtung/ Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Es ist das erste Mal, dass einer Deutschdidaktikern diese Ehre zuteil wird. Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt in Hildesheim. In der Akademie wird sie mit rund einhundertachtzig Mitgliedern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens zusammenarbeiten. Die Arbeitsschwerpunkte von Professorin Ursula Bredel liegen in den Bereichen Grammatik, Orthographie und Erzählen, jeweils unter fachlicher und didaktischer Perspektive. Die Sprachwissenschaftlerin lehrt und forscht seit 2010 am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Mit ihrer Arbeit an der Universität in Hildesheim trägt Ursula Bredel zur Professionalisierung der Lehrerbildung im Bereich des Sprachunterrichts bei.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung entstand 1949 als ein Ort des freien Gesprächs nach den Jahren der Diktatur und als eine unabhängige Instanz, die an die verfolgten und verstummten Schriftsteller erinnerte – etwa durch die Wiederentdeckung und Veröffentlichung ihrer Werke. Seit 1951 verleiht die Akademie den Georg-Büchner-Preis.

Der Akademie gehören namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Kritikerinnen und Kritiker sowie Übersetzerinnen und Übersetzer an, ebenso Fachleute aus den Sprach- und Literaturwissenschaften und Naturwissenschaften, deren Arbeit sich durch ein besonderes Interesse an der Sprache auszeichnet. Die rund einhundertachtzig Mitglieder kommen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens.

Eine Aufgabe der Akademie besteht darin, die Sprachentwicklung in der Verbindung von sprachwissenschaftlicher, literarischer und literaturkritischer Kompetenz aufmerksam zu begleiten; vergessene oder marginalisierte Literatur durch ihre Veröffentlichungen wieder ins Gespräch zu bringen und sich für den freien Austausch der Meinungen in Wort und Schrift einzusetzen und zu einer differenzierten Debattenkultur beizutragen.

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news-15914 Tue, 25 Dec 2018 19:52:00 +0100 Soziologen befragen Bürger zur geplanten Wiederinbetriebnahme der Kalimine https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/soziologen-befragen-buerger-zur-geplanten-wiederinbetriebnahme-der-kalimine/ Soziologen der Universität Hildesheim nehmen ein lokalpolitisches Streitthema unter die Lupe: Welche Einstellungen haben Bürgerinnen und Bürger in Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme der Kalimine? In einer Studie haben Professor Michael Corsten und Per Holderberg 800 Haushalte in Giesen befragt. Nun liegen die Ergebnisse der Befragung vor. Ein Düngemittelhersteller will die 1987 stillgelegte Kalimine Siegfried Giesen im Landkreis Hildesheim wieder in Betrieb nehmen.

Wissenschaftler des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim haben in einer Online-Befragung Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerks in der Region zwischen Sarstedt, Giesen und Nordstemmen und dem damit verbundenen Neubau einer Halde befragt. Insgesamt wurden 4000 Haushalte angeschrieben. 800 Haushalte haben an der Befragung teilgenommen. Die befragten Personen sind zwischen 16 bis 98 Jahre alt und wohnen in Giesen, Ahrbergen, Emmerke, Groß Förste und Hasede.

Die Soziologen Professor Michael Corsten und Per Holderberg haben im September und Oktober 2018 die Einstellungen der Giesener Bürgerinnen und Bürger zu diesem lokalpolitischen Thema sozialwissenschaftlich untersucht. Wie ist die Meinung der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Giesen?

Die Bewohnerinnen und Bewohner drückten nicht nur Sorgen, Wünsche, Zustimmung oder Befürchtungen aus, sondern äußerten fachkundige und fundierte Vorschläge, zum Beispiel für alternative Haldenkonzepte oder differenzierte Beurteilungen der zentralen Frage, dem Projekt zuzustimmen oder es eher abzulehnen.

Die bereits bestehende Althalde, welche von den Anwohnern in der Umgehung auch als „Monte Kali“ bezeichnet wird, stellt aufgrund der Wasser- und Luftbelastung für 52,9 Prozent der Befragten ein Problem für die Umwelt und Landwirtschaft der Region dar. Daher überrascht es kaum, dass auch das Vorhaben, im Rahmen der Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks eine neue Halde zu bauen, bei 55,3 Prozent der Befragten überwiegend auf Ablehnung trifft, so ein Ergebnis der Umfrage. Einige Bürger äußerten Bedenken und Kritik am mangelnden Umweltschutz; ein Großteil der Befragten hebt die Wichtigkeit der Berücksichtigungökologischer Gefahren, wie zum Beispiel durch Salzeinlassungen in das Grundwasser oder Salzstaubverwehungen in die benachbarten Ortschaften, hervor.

Aus der Sicht politikwissenschaftlicher und gemeindesoziologischer Forschung sind lokalpolitische Tagesthemen von großem Interesse, sagt Michael Corsten über das Forschungsprojekt. „Insbesondere stellt sich die Frage, ob Bürgerinnen und Bürger zu Fragen, die ihr direktes räumliches Umfeld betreffen, sensibler reagieren, sich eher engagieren und auch politisch mobilisieren.“

Der Soziologe Per Holderberg hat die Online-Umfrage im Rahmen seines thematisch ähnlich gelagerten Dissertationsprojekts konzipiert und umgesetzt. Somit konnten empirische Daten für die Gemeindemitglieder erzeugt werden. Der wissenschaftliche Bericht ist ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich. Damit entstand ein Datensatz, der für weitere Forschungsfragen aus der politikwissenschaftlichen Partizipationsforschung Verwendung finden kann.

Die Studie geht zurück auf eine Anfrage, die die Hildesheimer Soziologen im Mai 2018 von Ingmar Weitemeier, dem Ortsvorsitzenden der CDU Giesen, erhielten.

Aufgrund des regen Interesses der Bürger und Bürgerinnen an der Umfrage und der lokalpolitischen Relevanz der politischen Streitfrage, werden zentrale deskriptive Ergebnisse aus der Befragung in die Öffentlichkeit getragen. In den einzelnen Kapiteln des Ergebnisberichts werden zunächst Angaben unter anderem zur Untersuchungszeit, Befragungsdauer und Rücklaufquoten genannt. Darauf folgt eine Zusammenfassung von zentralen deskriptiven Analysen, die bereits durchgeführt worden sind. Im Anhang des Kurzberichts befindet sich neben Dokumentationsmaterial aus der Erhebung (Anschreiben, Fragebogen), zudem eine Häufigkeitsauszählung des vollständigen Fragebogenkatalogs mit Ausnahme der offenen Angaben, welche aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden.

Hier geht es zum Ergebnisbericht:

„Bürgerumfrage Giesen 2018 – Dokumentation und Ergebnisse der Onlineumfrage zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Siegfried-Giesen“

Download des Ergebnisberichts

Zitation: Holderberg, Per; Corsten, Michael (2018): Bürgerumfrage Giesen 2018 – Dokumentation        und Ergebnisse der Onlineumfrage zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Siegfried-Giesen. Methodenbüro, Stiftung Universität Hildesheim.  

Kontakt:

Wer Fragen zu der Studie hat, kann gerne die Wissenschaftler des Methodenbüros der Universität Hildesheim, Per Holderberg (per.holderberg@uni-hildesheim.de) und Professor Dr. Michael Corsten (corsten@uni-hildesheim.de), kontaktieren.

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news-15912 Tue, 18 Dec 2018 15:10:23 +0100 St. Bernward Krankenhaus fördert Stiftungsprofessur an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/st-bernward-krankenhaus-foerdert-stiftungsprofessur-an-der-universitaet-hildesheim/ Neue Berufsperspektiven für die Pflege: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik wollen gemeinsam mit dem St. Bernward Krankenhaus das Gesundheitswesen in der Region stärken. Das Krankenhaus fördert über fünf Jahre die Stiftungsprofessur im Bereich der Pflege- und Versorgungsorganisation. Welche Zukunftsstrategien gibt es für den Pflegeberuf? Wie lässt er sich weiterentwickeln und wie kann die Versorgungssituation für die Menschen in der Region verbessert werden? Mit diesen Fragen haben sich die Universität Hildesheim und das St. Bernward Krankenhaus auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik wurden unterschiedliche Initiativen im Kontext von Pflege und Versorgung vor gut einem Jahr zu einem neuen Forschungsschwerpunkt gebündelt. Das St. Bernward Krankenhaus (BK) unterstützt die dafür eigens geschaffene Stiftungsprofessur finanziell über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer sechsstelligen Summe.

„Mit der Förderung der Stiftungsprofessur möchten wir uns zum einen als Akademisches Lehrkrankenhaus im Bereich Pflege positionieren“, erläutert Stefan Fischer, Geschäftsführer des St. Bernward Krankenhauses. Zum anderen wolle das BK gemeinsam mit der Universität Hildesheim neue Wege gehen und die Zukunft der Pflege mitgestalten, das Berufsfeld breiter und vernetzter aufstellen.

„Wir denken dabei an neue Berufsbilder, die wir im Pflegesektor schaffen können, oder an engere Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung“, ergänzt Dr. Cornelia Schwenger-Fink, die als Hebamme und Pädagogin am Ausbildungszentrum des St. Bernward Krankenhauses tätig ist und die dortige Hebammenschule leitet. Vorstellbar seien zum Beispiel Gesundheitsberatungsstellen, unter anderem für Sucht- oder Adipositaspatienten, oder andere, stark patientenorientierte Angebote. Gerade vor dem Hintergrund überlasteter ärztlicher Praxen und mit Blick auf den demografischen Wandel seien dies interessante Zukunftsperspektiven für den Gesundheitssektor.

Der Schwerpunkt Pflege und Versorgung ist neben anderen Themen ein wichtiger Fokus im Bachelorstudium Sozial- und Organisationspädagogik. Es wird dort ein sozialpädagogisches Verständnis von Pflege entfaltet und es stehen vor allem ganzheitliche Konzepte im Zentrum des Curriculums, die multiprofessionelles Können erfordern. Aktuelle Herausforderungen wie Digitalisierung im Kontext der Pflege wie auch Diversität als Chance bei der Erbringung von Pflegedienstleistungen sind Querschnittsthemen.

Der Transfer von Forschungserkenntnissen in die Region im Bereich des Gesundheitswesens sei von hoher Bedeutung, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Berufsanfängern innerhalb der Pflege bietet der neu geschaffene Schwerpunkt die Möglichkeit des Übergangs in eine akademische Laufbahn und somit ein erweitertes berufliches Spektrum. „An unserem Ausbildungszentrum führen  wir in der Regel keine Studien durch. Ein wissenschaftliches Lehren und Lernen können wir daher nur bedingt selbst anbieten“, erläutert Dr. Schwenger-Fink. Aus diesem Grund sei die Kooperation mit der Universität Hildesheim eine gute Ergänzung zur Pflegeausbildung am BK und ermöglicht die Anschlussfähigkeit an den tertiären Bildungsbereich.

Aber auch Pflegekräfte, die bereits seit Jahren in ihrem Beruf arbeiten, können diese Ressourcen zur akademischen Weiterbildung im Sinne eines lebenslangen Lernkonzeptes nutzen. „Dank des modular strukturierten und zum Teil digitalen Lehr- und Lernangebotes können Seminare berufsbegleitend belegt werden“, freut sich Schwenger-Fink.

Wer sich für die Forschung und Lehre am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik im Bereich der Pflege interessiert, erreicht den Institutsleiter Professor Dr. Gunther Graßhoff sowie Birgit Oelker und Professor Dr. Herbert Asselmeyer, Leiter der Lehr- und Forschungseinheit „Pflege- und Versorgungsorganisation“.

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news-15893 Fri, 14 Dec 2018 07:45:00 +0100 Studie zur Evakuierungshilfe: Wo finden Hildesheimer Einwohner Zuflucht in Notsituationen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/studie-zur-e/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim haben vor einem Jahr während einer Bombenentschärfung in Hildesheim 445 Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 15 bis 96 Jahren befragt, wo sie Zuflucht finden. Mit der Studie dokumentiert das Forschungsteam, bei welchen privaten oder nicht-privaten Kontakten Evakuierte unterkommen. Vor einem guten Jahr wurde in der Hildesheimer Innenstadt zwischen der Marienschule und der Friedrich-List-Schule eine Bombe entschärft. Rund 20.000 Menschen mussten am 16. August 2017 aus ihren Häusern und Wohnungen evakuiert werden. Im ganzen Stadtgebiet gab es an nächsten Morgen kein anderes Gesprächsthema: „Wo hast du die Nacht verbracht?“.

Diese besondere Notsituation hat Alia Herz-Jakoby, Katharina Mangold und Andreas Herz vor einem Jahr teilweise selbst zu Evakuierten gemacht. Über eine Onlinebefragung wollten sie herausfinden, wie die Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger sich in einer solchen Situation gegenseitig unterstützen. Denn übliche Unterstützungsbeziehungen in der Nachbarschaft tragen in solchen Notsituationen nicht, weil ganze Straßenzüge und Stadtteile evakuiert werden mussten, sagt  Alia Herz-Jakoby.

Wie haben die Menschen überhaupt von der Evakuierung erfahren, wo fanden sie Unterkunft für die Nacht und wie haben sie die Evakuierung erlebt? Aus ihrer Studie können Aussagen über spontane Unterstützungsleistungen in Notsituationen abgeleitet und Anregungen für ein Notfallmanagement gegeben werden.

445 Personen im Alter zwischen 15 und 96 Jahren füllten den Onlinefragebogen aus.

Kritik am Informationsfluss: Ohne Freunde und soziale Medien hätten viele nicht von der Bombe erfahren

Viele der Betroffenen haben über Medien und Freunde erfahren, dass es zu einer Evakuierung kommt. So geben 27,9% der Befragten an, dass sie über soziale Medien (Facebook, Twitter) von der Evakuierung erfahren haben, weitere 19% nennen Freunde als Informationsquelle. Die meisten Personen wurden über persönliche Kontakte über die Evakuierung informiert, lediglich 6% waren auf die Information durch die Feuerwehr oder Polizei angewiesen. Generell wird Kritik am Informationsfluss bezüglich des Zeitpunkts der Information deutlich; die Bürgerinnen und Bürger hätten sich schnellere und breitere Informationen gewünscht.

Der Live-Ticker der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung wurde von einigen Befragten als sehr hilfreich und gut bewertet. Dem Internet kam dabei im Gegensatz zu den anderen Medien wie TV oder Radio die zentrale Rolle zu, das eingerichtete Bürgertelefon sei hingegen wenig hilfreich gewesen, weil die Nummer immer besetzt war. Die befragten Personen beschreiben die Arbeit der Einsatzkräfte und Helferinnen und Helfer in dieser Nacht als sehr engagiert.

Rund 26% geben an, dass sie bei Freunden unterkommen, während 16% bei Eltern sowie 10% bei anderen Verwandten eine Herberge finden. Insgesamt sind private Kontakte – also die Partnerin oder der Partner, das Kind, Geschwister oder Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte – höchst relevant für eine kurzfristige Unterkunft und machen insgesamt 75% aus. Dabei sind es meist die langjährigen Beziehungen (durchschnittlich kennen sich die Personen 17 Jahre) zu Personen die einem nahe stehen und mit denen man sehr regelmäßig Kontakt hat, auf die in der Notsituation zurückgegriffen wird. In Sammelunterkünften verbringen hingegen rund 7% die Nacht, wobei es sich hierbei insbesondere um ältere Menschen handelt. Einige Personen halfen sich selbst und verbrachten die Nacht im Auto (4,5%) oder harrten bis zur Entwarnung im Freien aus (1,4%). Die meisten Personen (75%) haben vier Stunden nach Bekanntgabe des Bombenfundes ein neues Quartier für die Nacht gefunden, dabei benötigen 80% der Befragten eine halbe Stunde oder weniger für den Weg zu ihrem Spontanquartier, meist in anderen Stadtteilen wie Itzum oder Himmelsthür, sowie in Derneburg, Harsum, Hannover, Sorsum oder Lengede.

Der abendliche und nächtliche Transport war für einige Personen eine zentrale Herausforderung, da der öffentliche Nahverkehr eingestellt war und die Menschen nicht mehr von A nach B kamen.

Studie dokumentiert Unterstützungssysteme in Notsituationen

Das Forschungsteam leitet aus der Studie Überlegungen für ein Katastrophenmanagement ab: Eine zentrale Informationsplattform auf der Internetpräsenz der Stadt Hildesheim könnte die notwendigen Fakten liefern und die Lage erläutern, um Bürgerinnen und Bürgern möglichst zeitnah und transparent Informationen zur Verfügung zu stellen. Hierüber wäre ein Art spontane Herbergsbörse, auf welche Privatpersonen ihre Unterstützung hätten anbieten können, wünschenswert, um die Hilfsbereitschaft der Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger zu organisieren, sagt Katharina Mangold.

Die drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim dokumentieren mit ihrer Studie beispielhaft die Unterstützungssysteme in Notsituationen. „Diese Studie war insbesondere wichtig, um diese Form der Spontan-Unterstützung besser verstehen zu können. Dies kann für kommende Einsätze hilfreiche Informationen geben, beispielsweise zur Mobilisierung von Schlafplätzen, Informationsweitergabe zum Evakuierungsstatus, Vorhandensein von privaten Unterkunftsmöglichkeiten", sagt Andreas Herz.

Medienkontakt: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik sind bei Fragen per E-Mail erreichbar (Dr. Andreas Herz, herzand[at]uni-hildesheim.de).

Weitere Informationen über die Forschung

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news-15786 Tue, 04 Dec 2018 10:32:00 +0100 Universitätsprofessor für Systematische Theologie: René Dausner https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaetsprofessor-fuer-systematische-theologie-rene-dausner/ Neu an der Uni: René Dausner forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie an der Universität Hildesheim. Zu den Forschungsschwerpunkten des 42-Jährigen zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie sowie Theologie und Literatur. Prof. Dr. René Dausner forscht und lehrt seit Herbst 2018 als Professor für Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim.

Forschung zu jüdisch-christlichem Dialog, Migration und Fremdheit

Zu den Forschungsschwerpunkten des Professors zählt der jüdisch-christliche Dialog. Gerade erst ist der Hildesheimer Theologe aus Rom zurückgekehrt, wo er an der Päpstlichen Universität Gregoriana einen Vortrag über die Zukunftsperspektiven der Erklärung „Nostra aetate“ hielt. Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat Dausner im Rahmen der Brenninkmeijer-Werhahn-Lecture in Rom zu einem intensiveren Austausch zwischen jüdischen und christlichen Gelehrten aufgerufen, um das gegenseitige Vertrauen zu vertiefen und gemeinsame und unterschiedliche Traditionen des jeweiligen Glaubens zu studieren. Anlässlich der Konferenz führte Radio Vatikan ein Interview mit René Dausner (online nachhören). 

Durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) vor etwas mehr als fünfzig Jahren erhielt der jüdisch-christliche Dialog entscheidende Impulse. „Nostra aetate" gilt als einer der weltweit am intensivsten rezipierten Texte des Konzils. „Es war ein hartes Ringen für die Konzilsväter, mit der Erklärung „Nostra aetate“ (dt. In unserer Zeit) die Grundlagen für ein neues Verhältnis zum Judentum zu bauen – nach Jahrhunderten der Abgrenzung und Ausgrenzung. Die Kirche – und allen voran Papst Johannes XXIII. sowie alle Nachfolgepäpste bis heute – hat die Konsequenzen aus der Schoa gezogen und ein positives Verhältnis zum Judentum aufgebaut. Zusammen mit dem Einsatz für Religionsfreiheit ist dieser Wendepunkt in der Theologiegeschichte ein wichtiger Schritt zu einer Erneuerung der Kirche. Aber dieser Weg ist noch keineswegs abgeschlossen. Hier bleibt noch eine Menge zu tun“, erläutert René Dausner.

Ein weiteres Forschungsfeld des Wissenschaftlers ist der aktuelle Diskurs über Migration, den Dausner als ein Grundlagenphänomen des Humanen versteht. „Als Systematischer Theologe ist für mich das Phänomen der Fremdheit von außerordentlicher Bedeutung. Was ist Fremdheit überhaupt? Bei der Gottesfrage haben wir es ebenfalls mit Phänomenen der Fremdheit zu tun. Die Nähe Gottes bedeutet doch immer auch bleibende Distanz und Abstand. In diesem Gedanken liegt die Wurzel für jede Art prophetischen Protests gegen ausgrenzende und identitäre Politik.“

„Rationale Verantwortung des Glaubens“

Das Fachgebiet des Theologen René Dausner ist die Systematische Theologie mit ihren beiden Einzeldisziplinen Dogmatik und Fundamentaltheologie. „Für Außenstehende klingt Dogmatik schnell nach strikten Vorschriften und Fundamentaltheologie wird nicht selten mit Fundamentalismus verwechselt. Aber nichts wäre falscher als diese Vermutungen. Denn in der Fundamentaltheologie geht es um eine rationale Verantwortung des Glaubens, das heißt um grundlegende Fragen des Glaubens an den einen Gott, der christlicher Überzeugung zufolge trinitarisch geoffenbart hat. Allein die Frage, wie der Gott, von dem die Bibel Zeugnis gibt, sich überhaupt offenbaren, also uns Menschen mitteilen kann, ist eine höchst spannende und zentrale Fragestellung. Diese Frage nach der Offenbarung verbindet das Christentum mit dem Judentum und dem Islam“, erläutert Dausner.

Theologie als Beruf ist für Dausner eine der „spannendsten und schönsten Aufgaben, die ich mir denken kann“. Dass er nun die Gelegenheit habe, an der Universität Hildesheim dem Ruf zu folgen, um als Theologieprofessor arbeiten zu dürfen, erfülle ihn mit Dank und Respekt vor der Verantwortung, die dieser Beruf abverlangt. Für das Selbstverständnis des Menschen sei die Gottesfrage auch im 21. Jahrhundert keineswegs obsolet – das zeige der intellektuelle Wettstreit der monotheistischen Religionen.

Hildesheim als Forschungsstandort: Wertschätzung der Theologie als wissenschaftlicher Disziplin

Warum er sich für Hildesheim entschieden hat, begründet der Professor so: „Die Universität Hildesheim ist eine junge und dynamische Universität mit großem Zukunftspotential, insbesondere auch für die Theologie. Die Verlagerung des Instituts für Katholische Theologie von der Leibniz Universität Hannover an die Universität Hildesheim ist nun mit der Besetzung meiner Professur abgeschlossen. Diese Wertschätzung der Theologie als einer wissenschaftlichen Disziplin ist ein großes Verdienst des Präsidenten sowie der gesamten Universitätsleitung, eine Wertschätzung, für die ich sehr dankbar bin.“ Hildesheim sei „eine Stadt der Ökumene“, was für seine theologische Arbeit bedeutsam sei.

„Mit dem kulturellen Schwerpunkt an der Universität Hildesheim, insbesondere im Bereich der Literatur, wird für mich ein weiteres zentrales Interessengebiet aufgerufen. Denn neben Katholischer Theologie habe ich auch – und ebenfalls mit großer Begeisterung – Germanistik studiert“, so Dausner.

Nach dem Studium der Katholischen Theologie, Germanistik und dem erziehungswissenschaftlichen Begleitstudium in Bonn und Jerusalem promovierte René Dausner an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn mit einer Arbeit zum Thema „Schreiben wie ein Toter. Poetologisch-theologische Analysen zum deutschsprachigen Werk des jüdisch-israelischen Dichters Elazar Benyoëtz“. In seiner Dissertation untersuchte der Theologe das Werk des zeitgenössischen deutschsprachigen israelischen Dichters.

Anschließend unterrichtete Dausner vier Jahre als Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg. 2015 folgte die Habilitation in Fundamentaltheologie mit der Arbeit „Christologie in messianischer Perspektive. Zur Bedeutung Jesu im Diskurs mit Emmanuel Levinas und Giorgio Agamben“. Von 2011 bis zu seiner Berufung 2018 war er Assistent am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ein wichtiger Moment in der eigenen wissenschaftlichen Laufbahn war das theologische Studienjahr an der Dormition Abbey in Jerusalem in Israel. Seit 2016 ist er Mitglied im Gesprächskreis „Juden und Christen“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Der Professor lehrt in Hildesheim Systematische Theologie, dazu zählen unter anderem die Gottesfrage, die Frage der Offenbarung, die theologische Anthropologie sowie die Lehre von der Kirche und den Sakramenten. „Das kognitive Wissen allein genügt nicht, die Studentinnen und Studenten, die die tragenden Säulen unserer kommenden Gesellschaft sein und selbst prägen werden, müssen mit diesen Inhalten auch umgehen können. Daher sind soziale, dialogische, methodische und mediale Kompetenzen ebenfalls zu fördern.“

Aus seiner Zeit als Lehrer an einem Gymnasium weiß er, „wie vielseitig der Beruf des Religionslehrers und der Religionslehrerin ist“ und dass es darauf ankommt, „Rede und Antwort stehen zu können für den Glauben und für die Glaubenserfahrungen. Theologie sei ein „konstruktiv-kritischer Sprachunterricht“. Die Studierenden sollen im Studium befähigt werden, eine Sprache zu sprechen, die zeitgemäß die Erfahrungen des Glaubens zu vermitteln und diskursiv ins Gespräch mit Anders- oder Nichtgläubigen zu bringen vermag.

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news-15817 Thu, 29 Nov 2018 14:41:19 +0100 Entscheidung für Hildesheim: Professorin Janna Teltemann https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/entscheidung-fuer-hildesheim-professorin-janna-teltemann/ Professorin Janna Teltemann hat den Ruf der TU Dortmund abgelehnt und sich für den Universitätsstandort Hildesheim entschieden. Sie forscht und lehrt als Professorin für Bildungssoziologie an der Universität Hildesheim. Die Soziologin analysiert die Entstehung von Bildungsungleichheiten. Professorin Janna Teltemann forscht und lehrt auch künftig in den Bereichen Bildungsungleichheit, Bildungspolitik, Integration und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung in Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hat einen Ruf nach Dortmund abgelehnt. Ein Forschungsinteresse der Soziologin liegt in der Analyse der Entstehung von Bildungsungleichheiten.

„Ich freue mich sehr, meine Arbeit in Hildesheim langfristig fortsetzen zu können. Ich hoffe, meine eigenen Projekte zur Veränderung von Bildungssystemen und den Wirkungen auf Bildungsungleichheit nun weiter voranbringen zu können. Außerdem freue ich mich darauf, die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Instituten, zum Beispiel der Erziehungswissenschaft und der Sozial- und Organisationspädagogik, ausbauen zu können", sagt Janna Teltemann.

Bereits seit 2016 arbeitete Teltemann als Juniorprofessorin für Bildungssoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Die 38-Jährige kommt gebürtig aus Lüchow-Dannenberg. Nach dem Studium der Soziologie in Bremen folgte 2012 die Promotion an der Universität Bremen. Teltemann hat sich in ihrer Dissertation mit dem Thema „Gleichheit oder Leistung? Wie Bildungssysteme, Wohlfahrtsstaatsregime und Integrationspolitiken die Schulleistungen junger Migranten beeinflussen“ befasst. Sie arbeitete als Gastwissenschaftlerin am Amsterdam Centre for Inequality Studies der Universiteit van Amsterdam, war Fellow des College for Interdisciplinary Educational Research und Gastwissenschaftlerin am Wissenschaftszentrum Berlin.

Wer sich für die Forschung im Bereich der Bildungssoziologie interessiert erreicht Prof. Dr. Janna Teltemann unter janna.teltemann@uni-hildesheim.de.

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news-15804 Mon, 26 Nov 2018 11:00:00 +0100 Forschung von Professorin Julia Rieck und Professor Boris Girnat https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/forschung-von-professorin-julia-rieck-und-professor-boris-girnat/ Wie lernen Menschen Mathematik? Wie werden Produktionsprozesse in der Wirtschaft gesteuert? Professorin Julia Rieck befasst sich in der Forschung mit Fertigungsabläufen und Ressourcenplanung. Professor Boris Girnat forscht und lehrt in der Mathematikdidaktik. Seit dem Sommersemester 2018 forscht und lehrt Prof. Dr. Julia Rieck am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik der Universität Hildesheim. Die Wissenschaftlerin wurde auf die Professur für Betriebswirtschaftslehre berufen. Sie forscht in den Bereichen Produktion, Logistik, Projekt- und Ressourcenplanung sowie Transportabläufe. Sie untersucht zum Beispiel, vor welchen Herausforderungen mittelständische Spediteure, große Logistikkonzerne oder Industrie- und Handelsunternehmen stehen: Im Zeitalter der Digitalisierung muss jedes Unternehmen in der Lage sein, seine internen Systeme mit denen anderer zu koppeln.

„Da sich die Universität Hildesheim durch eine hervorragende Vernetzung mit regionalen, überregionalen und internationalen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft auszeichnet, ist Hildesheim ein idealer Ort für meine Forschung und Lehre“, sagt Rieck. Julia Rieck, geboren in Göttingen, studierte Wirtschaftsmathematik in Göttingen, Bordeaux und Hamburg. Es folgte die Promotion und Habilitation an der Technischen Universität Clausthal im Fach Betriebswirtschaftslehre.

Prof. Dr. Boris Girnat lehrt und forscht seit 2018 als Professor für Mathematik in Hildesheim und bildet in Hildesheim Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrer aus. Zuvor hat er an der PH Nordwestschweiz gearbeitet. Girnat hat Mathematik, Philosophie und Politikwissenschaft für das Höhere Lehramt an der TU Braunschweig studiert.

Der Mathematikdidaktiker Boris Girnat beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen Mathematik lernen, und entwickelt auf dieser Grundlage Hilfen für den Mathematikunterricht –  etwa Lehrmaterialien, Schulbücher oder Vorschläge für die Gestaltung der Lehrpläne.

Wie viel Anwendung braucht die Mathematik? Mit mehr Bezug zur Realität soll der Mathematikunterricht die Freude am Fach wecken. Aber mittlerweile leidet der Mathematikunterricht auch unter einem Zwang zur Anwendung. Anstatt den Bezug zum Alltag zu erzwingen, sollte sich der Mathematikunterricht in Schulen auch auf die innermathematische Welt der Zahlen, Terme und Figuren einlassen, sagt Professor Boris Girnat. Denn Schülerinnen und Schülern fehlt vermehrt das innermathematische Grundwissen. Selbst Studienanfänger haben Schwierigkeiten mit einfachen mathematischen Verfahren wie der Bruch- und Prozentrechnung oder dem Dreisatz und der Termumformung. Ihnen fehlen „innermathematische Routinetechniken“.

Antrittsvorlesungen

Die Universität Hildesheim lädt zu zwei Antrittsvorlesungen ein: Professorin Julia Rieck spricht über optimale Fertigungsabläufe, Prozesse und Transporte und die „Lösungsfindung mit Methoden des Operations Research“. Thema des Vortrages von Professor Boris Girnat ist die Forschung in der Mathematikdidaktik. Der Mathematiker nimmt die Zuhörer mit auf einen Streifzug durch aktuelle Projekte. Die beiden öffentlichen Antrittsvorlesungen finden am Mittwoch, 21. November 2018, im Hörsaal 4 im Forum am Hauptcampus der Universität Hildesheim statt.

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news-15803 Mon, 26 Nov 2018 10:01:00 +0100 Universität Hildesheim gründet Zentrum für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaet-22/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Die Universität Hildesheim hat am Donnerstag, 22. November 2018, das Zentrum für Digitalen Wandel gegründet. Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive.

Im Rahmen der Gründungsfeier sprachen Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich über „Digitalisierung an der Universität Hildesheim“ und Staatssekretär Stefan Muhle aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung über „Digitalisierung in Niedersachsen“.

„Der Digitale Wandel verändert unser Leben in einer Weise, wie es ähnlich die Erfindung des Buchdrucks und die Industrielle Revolution getan haben. Die Universität Hildesheim hat sich darauf verständigt, die Digitalisierung als eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in ihre Entwicklungsplanung aufzunehmen“, sagt Universitätspräsident Friedrich. Das Zentrum ist das Ergebnis eines bottom-up-Prozesses von engagierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die seit Jahren den digitalen Wandel erforschen – von der Informatik über die Politikwissenschaft bis zur Computerlinguistik. Sie bringen diese Kompetenzen im Zentrum zusammen, sagte Friedrich.

„Im Namen der niedersächsischen Landesregierung gratuliere ich Ihnen zur Gründung des Zentrums für Digitalen Wandel. Mit viel Offenheit gehen Sie an das Thema heran. Die Universität Hildesheim hat zum Beispiel in der Informatikausbildung mit dem Master of Science 'Data Analytics' bereits heute einen Magneten. In der Politikwissenschaft beschäftigt sich das Team um Professorin Marianne Kneuer seit Jahren mit dem Thema 'Demokratie und Internet'. In der digitalen Demokratie könnten wir in Niedersachsen vorangehen und ja zum ersten Bundesland werden, in dem wir digital wählen. Frau Kneuer, darüber sollten wir sprechen. Von diesem Gründungstag des Zentrums für Digitalen Wandel geht ein mutiges Signal aus. Sie sagen nicht: Man müsste mal. Sondern: Sie machen! Ich will Sie nach Kräften unterstützen“, sagte Staatssekretär Stefan Muhle.

Anschließend stellte der Gründungsvorstand – der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt, der Computerlinguist Professor Ulrich Heid und die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer – das neue Zentrum vor. Als Zentrum wollen wir erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype unsere Debatten über den digitalen Wandel prägen, so Professorin Marianne Kneuer. 

Zahlreiche Forscher und Forscherinnen haben sich für Hildesheim als Arbeitsort entschieden und teilen hier ihr Wissen, damit sich die Gesellschaft in der digitalen Zukunft und Gegenwart zurechtfindet. Der Computerlinguist Professor Ulrich Heid etwa erhielt Rufe an mehrere Universitäten und hat sich für Hildesheim entschieden.

Die Schriftstellerin Kathrin Passig hielt den Festvortrag „Trial und sehr viel Error: Netzgemeinschaften als Politiklabor“. Über die Gesellschaft im Zeitalter der Digitalisierung debattierten der Bibliothekar Ewald Brahms, der Literaturwissenschaftler Guido Graf, der Informatiker Professor Lars Schmidt-Thieme, die Informationswissenschaftlerin Professorin Christa Womser-Hacker und die Sozialpädagogin Professorin Inga Truschkat. Steffen Gurr, Redaktionsleiter von NDR online, moderierte die Diskussion.

Im Zentrum versammeln sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen – von Computerlinguistik, Soziologie, Psychologie und Politikwissenschaft über Unterrichtsforschung und Medienkulturwissenschaft bis Informatik, Softwareentwicklung und maschinellem Lernen.

Die inhaltliche Debatte wurde während einer öffentlichen Fachtagung am Freitag, 23. November 2018,  fortgeführt. Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus regionalen Unternehmen erhielten die Chance, sich über spannende aktuelle Fragestellungen zum Digitalen Wandel vor Ort zu informieren. Die Universität Hildesheim freut sich über den Austausch mit dem lokalen Umfeld aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft und möchte diesen fortführen.

Themen der Workshops sind unter anderem:

  • Zukunftsperspektiven für die Digitale Wirtschaft (Adaptive Systeme und Datenschutz, Smart Systems, Produkt-Innovation)

  • Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter

  • Politikforschung mit digitalen Kommunikationsdaten

  • Digitalisierung an Schulen

  • Wieviel Digitalisierung braucht der Mensch?

  • Kulturrezensionen im Digitalen Wandel

  • Digitale Daten in Geographie und Umweltwissenschaften

  • Arbeiten und Lernen 4.0

  • Virtual Reality Games made in Hildesheim: Auf einer 3x3m-Spielfläche können Sie mit einer Virtual-Reality-Brille erfahren, wie man sich in der virtuellen Welt grenzenlos bewegen kann.

Programm der Gründungsfeier und Tagung

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news-15765 Tue, 13 Nov 2018 11:52:00 +0100 Ästhetische Praxis: DFG bewilligt Hildesheimer Graduiertenkolleg https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/aesthetische-praxis-dfg-bewilligt-hildesheimer-graduiertenkolleg/ Was geschieht, wenn Menschen künstlerisch tätig sind? Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert an der Universität Hildesheim das Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ mit 3,4 Millionen Euro. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Philosophie und Soziologie sowie der Kunst-, Literatur-, Theater-, Musik- und Kulturwissenschaft sind beteiligt. Mit der Untersuchung des Eigensinns ästhetischer Praxis wollen die Hildesheimer Doktorandinnen und Doktoranden ein neues Forschungsfeld auf internationaler Ebene etablieren. Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 9. November 2018 den Hildesheimer Antrag auf Einrichtung eines Graduiertenkollegs zum Thema „Ästhetische Praxis“ bewilligt.

Somit können zum nächsten Sommersemester neun Doktorandenstellen, eine Postdoc-Stelle und eine Koordinationsstelle am Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ der Universität Hildesheim eingerichtet und international renommierte Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler eingeladen werden. Das Gesamtvolumen der Förderung beträgt 3,4 Millionen Euro.

„Die Hildesheimer Kulturwissenschaften leisten einen wesentlichen Beitrag zum universitären Forschungsprofil und verbinden in besonderer Weise Theorie und Praxis“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Im Interview spricht der Sozialphilosoph Professor Andreas Hetzel über die Einrichtung des neuen Graduiertenkollegs, Forschungsfragen und Forschungsperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

„Innovative und exzellente kultur- und geisteswissenschaftliche Forschung“

Interview mit Prof. Dr. Andreas Hetzel, dem designierten Sprecher des Graduiertenkollegs

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat gerade das Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ bewilligt. Welche Bedeutung hat diese Entscheidung der DFG? Die Freude im kulturwissenschaftlichen Fachbereich ist vermutlich groß?

Ja, über die Bewilligung sind wir wirklich sehr froh! Die positive Entscheidung der DFG wird dazu beitragen, den Ruf der Universität Hildesheim als Standort einer ebenso innovativen wie exzellenten kultur- und geisteswissenschaftlichen Forschung zu festigen. Wir haben im Team mehr als zwei Jahre intensiv am Antrag gearbeitet, in dem eine lange und erfolgreiche Tradition der Zusammenführung von philosophisch-kulturwissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis an unserem Fachbereich ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Schlussendlich konnten wir uns mit unserem Konzept nach einem langen und mehrstufigen Begutachtungsverfahren vor dem Hauptausschuss der DFG gegen andere Bewerber durchsetzen. Besonders freuen wir uns nun für die Nachwuchswissen-schaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, denen wir im Rahmen des Kollegs nachhaltige Arbeits- und Forschungsperspektiven geben können.

Was werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, was verbirgt sich hinter dem Begriff der „Ästhetischen Praxis“ zum Beispiel an konkreten Forschungsfragen?

Wir suchen Antworten auf die Frage, was geschieht, wenn Menschen künstlerisch tätig sind und sich selbst als künstlerisch tätig erfahren. Damit erweitern wir den Fokus der traditionellen europäischen Ästhetiken und Kunstwissenschaften, der seit der Etablierung der Ästhetik im 18. Jahrhundert auf ästhetischen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Urteilen lag, um eine praxistheoretische Komponente. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken ästhetische Formen des Machens und Vollziehens, die in die Produktion von Kunstwerken eingehen können, aber nicht müssen. Um ein Beispiel zu nennen: Statt, wie in der traditionellen Literaturwissenschaft, vor allem das fertige Drama zu analysieren, das eine Autorin geschrieben hat und das dann vielleicht auf einer Bühne aufgeführt wird, interessieren wir uns mehr für die Schreibprozesse, Probeprozesse, Prozesse des Übens und Improvisierens, die dem fertigen Stück und seiner Aufführung vorausgehen. Diese Prozesse müssen nicht darin aufgehen, ein Werk (etwa ein Drama) vorzubereiten. Sie haben darüber hinaus einen Eigensinn, der sich etwa darin zeigt, dass wir auch im Alltag, also jenseits der klassischen Kunstinstitutionen, schreiben, üben und improvisieren. Zwischen alltäglichen und genuin künstlerischen Praktiken findet ein vielfältiger Austausch statt, den wir untersuchen wollen.

Im Zentrum der Forschungsarbeit des Kollegs stehen insgesamt drei Bereiche: Erstens, die kulturwissenschaftliche Analyse so unterschiedlicher Künste wie Theater, Performance, Bildende Kunst, Literatur und Musik als Praktiken. Zweitens, die Untersuchung außereuropäischer, insbesondere ostasiatischer ästhetischer Praktiken wie dem japanischen Nō-Theater, der Schreibkunst oder des Teeweges, die eine interkulturelle und postkoloniale Perspektive eröffnen. Drittens, das Erarbeiten einer umfassenden Theorie der Praxis, die es erlaubt, das Verhältnis von künstlerischen zu außerkünstlerischen Praktiken angemessen zu beschreiben.

Wer ist an dem Graduiertenkolleg beteiligt?

Am Graduiertenkolleg sind insgesamt neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Philosophie und Soziologie sowie der Kunst-, Literatur-, Theater-, Musik- und Kulturwissenschaft beteiligt.

Wann startet das Graduiertenkolleg?

Seine Arbeit aufnehmen wird das Graduiertenkolleg zum 1. April 2019. Bewilligt ist es zunächst für viereinhalb Jahre und könnte, nach einer positiven Zwischenbegutachtung, um weitere viereinhalb Jahre verlängert werden. Untergebracht werden wir im alten Hofmeisterhaus auf der Domäne Marienburg, das zuvor renoviert wird.

Was erhoffen Sie sich von der Arbeit der Doktorandinnen und Doktoranden in den kommenden Jahren?

Wir gehen davon aus, dass unsere Doktorandinnen und Doktoranden mit der Untersuchung einzelner ästhetischer Praktiken sowie des Eigensinns ästhetischer Praxis insgesamt ein neues Forschungsfeld auf internationaler Ebene etablieren werden. Der Innovationsgehalt der Dissertationsprojekte ergibt sich aus der Zusammenführung philosophisch-soziologischer Praxistheorien mit der empirisch-kulturwissenschaftlichen Erforschung verschiedener künstlerischer, europäischer wie außereuropäischer Praktiken im Kontext von Literatur, Theater, Performance, Musik, Bildender Kunst sowie der Populären Kultur.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-15747 Fri, 09 Nov 2018 08:37:42 +0100 Erst Doktorandin in Hildesheim, heute Professorin in Köln https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/erst-doktorandin-in-hildesheim-heute-professorin-in-koeln/ Karolina Suchowolec hat ihre Doktorarbeit „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim mit summa cum laude abgeschlossen. Nur 15 Monate später wurde sie auf eine Professur berufen. „Eine sehr selbstständige und ungewöhnlich umfassende Forschungsarbeit“, sagt Suchowolec‘ Doktorvater Professor Klaus Schubert über die wissenschaftliche Leistung der jungen Forscherin. Während der Promotionsfeier der Universität Hildesheim wurde in dieser Woche Karolina Suchowolec ihre Promotionsurkunde überreicht. Die Sprachwissenschaftlerin ist einer der 70 Doktorandinnen und Doktoranden, die ihre Promotion zwischen 2016 bis 2018 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben.

Während der Promotionsfeier, die in diesem Jahr das Team um Dekan Professor Martin Sauerwein vom Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ ausrichtete, wurden Dr. Josif Grabocka aus der Arbeitsgruppe Maschinelles Lernen von Professor Lars Schmidt-Thieme und Dr. Martin Kreh aus der Arbeitsgruppe „Algebra und Zahlentheorie“ von Professor Jürgen Sander für herausragende wissenschaftliche Arbeiten geehrt.

Vor zwanzig Jahren lag die durchschnittliche Promotionsbilanz bei unter 10 im Jahr – heute bei rund 40. Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich gratuliert allen Promovendinnen und Promovenden und dankt den Professorinnen und Professoren, die die wissenschaftlichen Arbeiten mit viel Mühe und Engagement begleitet haben. Dies sei Ausdruck für die „gewissenhafte Arbeit, die wir als Universität leisten“. „Pflegen und nutzen Sie die Kraft der Vielfalt und tragen Sie Ihren Doktortitel mit Bescheidenheit und Respekt“, so der Appell des Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Uwe Thomas.

Forschungsthemen der Doktorandinnen und Doktoranden sind zum Beispiel:

  • „Moderne Kunst in Taiwan. Diskursanalysen zum taiwanesischen Selbstverständnis im Globalisierungsprozess der Kunstwelt seit 1950“, Dr. Lisa Bauer-Zhao, betreut von Prof. Dr. Rolf Elberfeld, Philosophie

  • „Untersuchung zur Vermeidung der Blaulichtanteile bei der Hintergrundbeleuchtung von Displays unter Einsatz von LED-Clustern mit steuerbarem Farbspektrum“, Dr. Nils Habich, betreut von Prof. Dr. Jürgen Böhmer, Technik

  • „Die Mengenlehre im Anfangsunterricht – historische Darstellung einer gescheiterten Unterrichtsreform in der Bundesrepublik Deutschland“, Dr. Tanja Hamann, betreut von Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme

  • „Sozialer Einfluss und therapeutische Wirkmechanismen bei depressiven Störungen“, Dr. Christina Charlotte Hofheinz, betreut von Prof. Dr. Renate Soellner, Psychologie

  • „Analyse contrastive des verbes dans des corpus médicaux et création d’une ressource verbale de simplification de textes“, Dr. Ornella Wandji Tchami, betreut von Prof. Dr. Ulrich Heid, Informationswissenschaft und Sprachtechnologie

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Karolina Suchowolec

Im Interview spricht Karolina Suchowolec über das wissenschaftliche Arbeiten in Hildesheim und die Entstehung einer Doktorarbeit.

Frau Professorin Suchowolec, was untersuchen Sie in Ihrer Forschung?

Sprachen sind nicht statisch, sondern dynamisch und verändern sich mit der Zeit. In meiner Doktorarbeit „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ in Hildesheim habe ich untersucht, wie man den Sprachgebrauch von Menschen gezielt und systematisch verändern kann. Zwei Beispiele sind etwa die Rechtschreibreformen einer Standardsprache (wie die neuste deutsche Rechtschreibreform) oder auch Wortschatzstandardisierung für Gebrauchstexte wie Bedienungsanleitungen, damit ein „Ding“ immer mit dem gleichen Wort benannt wird.

Warum erfolgen solche Veränderungen in der Kommunikation?

Solche Maßnahmen sind ganz praktisch begründet und hängen oft, wenn auch nicht ausschließlich, mit dem Wunsch zusammen, die Kommunikation effizienter zu gestalten und zu optimieren. Bei der Wortschatzstandardisierung für technische Texte möchte man unter anderem erreichen, dass die Texte für den Endbenutzer aber auch für den Übersetzer leichter verständlich sind und dabei auch der Schreibprozess für die Textautoren und Textübersetzer einfacher und kostengünstiger ist.

Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt Ihrer Doktorarbeit?

Speziell habe ich mich in der Doktorarbeit mit der Frage befasst, welche Empfehlungen es in der Forschung gibt, wie man die Durchführung solcher Maßnahmen unterstützen kann. Diese Empfehlungen habe ich in mehreren Gebieten der Linguistik identifiziert, sie dann zusammengetragen, systematisiert und in einer leicht zugänglichen Form dargestellt. Eine allgemeine Empfehlung ist zum Beispiel, dass die späteren Benutzer von Anfang an eine aktive Rolle in der Entwicklung der Maßnahme spielen und nicht erst am Ende des Prozesses mit Resultaten konfrontiert werden sollten.

Eine Erkenntnis, zu der Sie in Ihrer Hildesheimer Doktorarbeit kamen?

Auch wenn das Thema der Sprachlenkung in der Praxis ganz wichtig ist, so ist die Frage nach konkreten Praxisempfehlung in der Linguistik noch recht unsystematisch erforscht. Es gibt viele Teildisziplinen der Linguistik, die sich zwar punktuell mit einzelnen Problemen befassen, aber es gibt zwischen ihnen kaum Austausch. Es ist sinnvoll und möglich, die Empfehlungen aus allen diesen recht unterschiedlichen Teildisziplinen gemeinsam zu betrachten.
Das Hauptergebnis meiner Arbeit sind Ablaufdiagramme, die zeigen, welche Schritte bei der Umsetzung für möglich gehalten werden. Diese Diagramme sind sowohl für Projekte in der Praxis interessant, weil man daraus einfach ablesen kann, was man konkret tun kann und welche Möglichkeit man bis jetzt vielleicht nicht berücksichtig hat. Sie können also als eine Entscheidungshilfe bei der Planung und Umsetzung von Projekten dienen. Aber auch für die Wissenschaft sind sie interessant, weil sie die Formulierung von Forschungshypothesen für empirische Untersuchungen unterstützen.

Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist es wichtig, im Bereich der Fachkommunikation zu forschen?

Das Hauptergebnis meiner Arbeit hat eine ganz praktische Anwendung. Aber auch in der angewandten Wissenschaft ist es wichtig, dass man sich einem praktischen Problem systematisch und mit nachvollziehbaren und überprüfbaren Methoden nähert. Zudem ist der Austausch über die Forschungsergebnisse wichtig. Diesen Punkten habe ich mich in meiner Doktorarbeit explizit gewidmet.

Wie viel Zeit haben Sie in Ihre Doktorarbeit investiert?

Ich habe an meinem Promotionsprojekt insgesamt sechseinhalb Jahre gearbeitet, davon habe ich die ersten drei Jahre bei einem Maschinenbauunternehmen in Würzburg verbracht, wo ich ganz praktisch einen standardisierten Wortschatz für die Technische Dokumentation von Druckmaschinen (Betriebsanleitungen) aufgebaut und eingeführt habe. In dieser Zeit habe ich zwar keine „Daten“ für  meine Doktorarbeit gesammelt, da es sich um keine empirische Arbeit im klassischen Sinne handelte, aber die Praxiserfahrungen und Beobachtungen haben mir insgesamt in meinem Promotionsprojekt geholfen. In dieser Zeit habe ich auch viel gelesen, zu linguistischen Themen aber auch darüber hinaus, was dann eine Grundlage für die Doktorarbeit legte. Nach diesen drei Jahren als externe Doktorandin wechselte ich nach Hildesheim und arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft bei Professor Dr. Klaus Schubert. Durch eine stärkere Anbindung an den universitären Betrieb konnte ich mich der Doktorarbeit fokussierter widmen. Ich habe in dieser Zeit mit dem Aufschreiben von Ideen begonnen, was in meinem Fall ein wichtiger Schritt war, weil die Arbeit eher theoretisch ist; durch das Aufschreiben entstanden neue Erkenntnisse und die Arbeit kristallisierte sich immer mehr heraus. Ich stellte kleine Ausschnitte oder Problemfälle aus meiner Arbeit immer wieder auf wissenschaftlichen Konferenzen und Workshops vor, was auch wichtig für das Fortschreiten der Arbeit war. So konnte ich auch die Analysemethode konkretisieren und verfeinern.

Welche Verantwortung tragen Sie als Forscherin?

Vor allem bei qualitativen Arbeiten stellen Nachvollziehbarkeit und Transparenz eine Herausforderung, weil man die Erkenntnisse auf eine intersubjektive Grundlage stellen muss. Deswegen war mir der Einsatz einer klar definierten Analysemethode und eine kleinschnittige Dokumentation der Zwischenschritte und -ergebnisse besonders wichtig.

Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den Doktortitel – werden Sie etwas vermissen?

Die Bibliothek in Hildesheim bietet eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und dort arbeiten sehr freundliche und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Welcher Karriereschritt folgt nach der Doktorarbeit?

Natürlich lässt sich die wissenschaftliche Karriere nur bis zu einem gewissen Grad planen und die berufliche Unsicherheit ist in der Wissenschaft schon recht groß. Aber ich habe nach der Promotion eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim erhalten. Und 2018 folgte die Berufung auf die Professur für Terminologie und mehrsprachige Fachkommunikation in Köln. Dort befasse ich mich mit mit dem Fachwortschatz, u.a. aus Standardisierungsperspektive, sowie mit Prozessen, die bei der Kommunikation über fachliche Inhalte stattfinden. Die Berufung auf eine Professur kurz nach der Promotion war dank meiner einschlägigen außeruniversitäten Berufserfahrung möglich.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person: Prof. Dr. Karolina Suchowolec

Karolina Suchowolec, geboren in Bialystok in Polen, forscht und lehrt seit 2018 an der Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften der TH Köln. Die 33-Jährige ist Expertin für Terminologie und mehrsprachige Fachkommunikation.

Die Sprachwissenschaftlerin hat zum Thema „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ bei Prof. Dr. Klaus Schubert am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim promoviert. Direkt nach ihrer Promotion 2016 ging die Wissenschaftlerin nach Mannheim an das renommierte Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und wurde 2018 auf die Professur in Köln berufen. „Karolina Suchowolec bringt eine für die Berufschancen sehr günstige Kombination aus industrieller Praxiserfahrung und wissenschaftlichem Forscherdrang mit“, sagt ihr Doktorvater Professor Klaus Schubert.

Suchowolec studierte zuvor Angewandte Linguistik und Deutsch als Fremdsprache an der TU Dresden und an der Ohio State University in den USA sowie Mathematik und Informatik an der Fernuniversität Hagen.

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news-14744 Fri, 02 Nov 2018 18:37:00 +0100 Informatiker entwickeln intelligente Digitalplattform für innovative Lehre https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/informatiker-entwickeln-intelligente-digitalplattform-fuer-innovative-lehre/ Die Informatikprofessoren Klaus Schmid, Lars Schmidt-Thieme und Ralf Knackstedt entwickeln eine Digitalplattform für die Lehre in den IT-Studiengängen. Dabei wenden die Wissenschaftler aktuelle Techniken der Künstlichen Intelligenz an, um Studentinnen und Studenten individualisiert im Lernprozess zu unterstützen. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert das Hildesheimer Projekt. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert das Hildesheimer Projekt „Problemlösungs- und Kollaborationskompetenz fördern – Entwicklung einer intelligenten Digitalplattform für innovative Lehre“ mit einer Laufzeit von drei Jahren. Entwickelt wurde das Projekt am Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ von dem Informatiker Professor Klaus Schmid, dem Informatiker Professor Lars Schmidt-Thieme und dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt.

Kern des Projekts ist die Entwicklung einer digitalen Plattform, die in besonders flexibler und intelligenter Weise eine neuartige Grundlage für zukünftige innovative Lernszenarien bieten soll. Aufbauend darauf werden verschiedene konkrete Unterstützungen umgesetzt, um so frühzeitig den Mehrwert der Plattform in der Lehre zu analysieren und die weitere Entwicklung optimal auszurichten, sagt Professor Klaus Schmid. Darüber hinaus soll das Projekt zu einer offenen, erweiterbaren Plattform führen, die es erlaubt für eine Vielzahl künftiger Anwendungen in der Lehre eine Basis zu bilden.

Digitalplattform unterstützt Studentinnen und Studenten in ihren Lernprozessen

Im Projekt wenden die Informatiker aktuelle Techniken der Künstlichen Intelligenz an, um Studentinnen und Studenten der IT-Studiengänge optimal und individualisiert im Lernprozess zu unterstützen. Studentinnen und Studenten sollen beim Lernen und Bearbeiten von Übungsaufgaben zum Beispiel schneller als bisher Feedback auf ihre eigenen Problemlösungsversuche erhalten.

So werden die zu entwickelnden Systeme in Zukunft schneller und präziseres Feedback geben, um Studierenden individuelle Fehlerquellen zeitnah aufzeigen zu können und individuell zugeschnittene Empfehlungen für den weiteren Lehr- und Lernpfad geben zu können. Außerdem sollen die Studierenden künftig automatisierte Vorschläge für die Sequenzierung und Bearbeitung von Aufgaben erhalten, um den Lernerfolg und die Lerneffizienz zu optimieren.

Schnelles und präzises Feedback beim Lernen und virtuelle Teamarbeit

Dabei greifen die Hildesheimer Informatiker nicht bloß auf vorhandene Konzepte oder auf dem Softwaremarkt angebotene Anwendungen zurück, sondern tragen mit dem Projekt zur Fortentwicklung der didaktischen und softwaretechnischen Umsetzung digitaler Hochschullehre bei.

Die Digitalisierung der Lehre, die im Rahmen des Projekts umgesetzt wird, soll außerdem zur „Virtualisierung gemeinsamen Forschens und Problemlösens“ beitragen. Gruppen von Studentinnen und Studenten sollen sich in Vorlesungen, Übungen und Seminaren flexibler bilden und zusammenarbeiten können und internationale Studentinnen und Studenten können mit Hilfe digitaler Technologien über längere Zeiträume in die Studierendengruppen eingebunden werden. Dies gilt zum Beispiel für Studierende, die ein Auslandssemester in Hildesheim absolvieren und in ihr Heimatland zurückkehren müssen oder für Hildesheimer Studierende, die sich zum Studium ein Semester im Ausland befinden und die Teamarbeit in einer Gruppe fortführen möchten.

Die Wissenschaftler erhoffen sich für die Lehre eine höhere Zufriedenheit der Studierenden mit dem Studium, eine Verringerung der Abbrecherquote, bessere Lernergebnisse sowie insbesondere eine stärkere Entwicklung der Team- und Sozialkompetenzen.

Wissenschaftsminister: „Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und hat Auswirkungen auf die Lehre an Hochschulen“

Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Hildesheimer Projekt im Rahmen des Programms „Qualität Plus – Programm zur Entwicklung des Studiums von morgen“. Mit dem Förderprogramm unterstützt das Ministerium die niedersächsischen Hochschulen bei der Weiterentwicklung von Studiengängen sowie ihrer Gesamtstrategie für Studium und Lehre. Insgesamt wurden 98 Anträge eingereicht. 48 Projekte wurden bewilligt.

„Einflüsse wie die Globalisierung oder die Digitalisierung verändern unsere Gesellschaft – das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Hochschulen. Mit ihren Vorschlägen zur Anpassung ihrer Studienangebote reagieren die niedersächsischen Universitäten und Fachhochschulen in hervorragender Weise auf diese Herausforderung. Für die Studierenden entsteht durch die Projekte ein echter Mehrwert“, so Wissenschaftsminister Björn Thümler.

Das Wissenschaftsministerium fördert zum Beispiel Maßnahmen, die die Studentinnen und Studenten auf die digitale Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten. Damit ist das Programm zugleich Bestandteil der Digitalisierungsstrategie für die niedersächsischen Hochschulen, so das Wissenschaftsministerium.

Die Hildesheimer Informatiker bauen auf langjährigen Expertisen auf. So haben die Wissenschaftler zum Beispiel in dem EU-Projekt „iTalk2Learn“ ein intelligentes Tutoring-System entwickelt, in dem Schülern anhand ihres eigenen Lernfortschritts personalisiert neue Aufgaben vorgeschlagen werden. Die Aufgaben werden dabei so gewählt, dass die individuellen Lernziele möglichst effektiv – schnell, aber auch ohne große Frustration – erreicht werden, und den Schüler andererseits nicht langweilen. Die Hildesheimer Expertise im Maschinellen Lernen, insbesondere in Empfehlungssystemen, kann in dem neuen Projekt eingesetzt werden.

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news-15623 Thu, 25 Oct 2018 06:00:00 +0200 „Forschungsdaten sind ein wertvolles Gut“: Forschungsdatenmanagement an der Universität https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/forschungsdaten-sind-ein-wertvolles-gut-forschungsdatenmanagement-an-der-universitaet/ Annette Strauch ist an der Universität Hildesheim für das Forschungsdatenmanagement zuständig. Forschungsdaten sind nicht nur ein bedeutendes Gut wissenschaftlicher Arbeit, sondern ein wichtiger Rohstoff für die Erzeugung neuen Wissens. Im Interview gibt die Wissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit und die Bedeutung des Forschungsdatenmanagements in der Wissenschaft. „Von Anfang an sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich überlegen, wie sie die Forschungsdaten aufbereiten, analysieren und ablegen“, so Strauch. Annette Strauch ist an der Universität Hildesheim seit dem Sommersemester 2018 für das Forschungsdatenmanagement zuständig. Sie hat zuvor mehrere Jahre an der National Library of Wales und am Kommunikations- und Informationszentrum der Universität Ulm im Bereich der funktionalen Langzeitarchivierung von komplexen Objekten gearbeitet. Zuletzt war Strauch im DFG-geförderten Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ am Zentrum für Informations- und Medientechnologie der Universität Siegen für das Forschungsdatenmanagement in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Siegen zuständig.

Im Interview gibt die Wissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit und die Bedeutung des Forschungsdatenmanagements für die Universität Hildesheim.

Forschungsdaten sind nicht nur ein bedeutendes Gut wissenschaftlicher Arbeit, sondern auch ein wichtiger Rohstoff für die Erzeugung neuen Wissens, sagt Annette Strauch.

Das Management von Forschungsdaten steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ und den expliziten Anforderungen von Forschungsförderern. Denn Forschungsdaten müssen sicher aufzubewahrt, zugänglich und nachnutzbar gemacht werden. „Dieser Forderung kann sich heute keine wissenschaftliche Einrichtung mehr entziehen. Dafür schaffen wir Strukturen und Verfahren auf allen Ebenen, die es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglicht, diese Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig unbelastet forschen zu können“, so Strauch.

Interview mit Annette Strauch

Wie sehen ihre ersten Monate im Forschungsdatenmanagement an der Universität Hildesheim aus?

Zunächst habe ich mir in Hildesheim einen Überblick über die einzelnen Fächer und Forschungsprojekte verschafft. Ich sprach mit vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Informatik über die Erziehungswissenschaft und Kulturwissenschaft bis zur Informationswissenschaft. Denn das Forschungsdatenmanagement stellt unterschiedliche Anforderungen an die Fachdisziplinen. Wenn ich mich zum Beispiel mit dem Forschungsteam „Rez@kultur“ aus der Literaturwissenschaft, Computerlinguistik und Wirtschaftsinformatik austausche, geht es um Rezensionen und Kommentare in Online-Plattformen sowie um rechtliche Fragen der Auswertung dieser Daten. Wir sprechen über den Datenmangementplan und den Datenschutz.

In manchen Projekten können Forschungsergebnisse im Rahmen von Open Science mit anderen geteilt werden. Bei einigen Projekten ist dies weder möglich noch gewünscht. In der Psychologie gilt für die notwendigen Prozesse und Praktiken eine besondere Sorgfaltspflicht. Hier müssen Fragen zum Thema Speicherung der Forschungsdaten und zur vertrauenswürdigen Ablage für sensible Daten in einem Datenrepositorium berücksichtigt werden. Herauszufinden, wo solche Daten am besten „gehostet“ werden können, gehört mit zu meinen Aufgaben.

Warum ist das Management von Forschungsdaten wichtig, vor welchen Herausforderungen stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Studierende?

Forschungsdaten und die Implementierung entsprechender Infrastrukturen sind eine entscheidende Bedingung guter und nachvollziehbarer Forschung. Deshalb gehört das Forschungsdatenmanagement zur Aufgabe aller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ich möchte Forscherinnen und Forscher im Umgang mit ihren Forschungsdaten unterstützen. Denn es ist für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtig, dass Forschungsergebnisse durch ein sorgfältiges Forschungsdatenmanagement überprüfbar bleiben. Die Ergebnisse können zum Beispiel durch persistente Adressierbarkeit zitierfähig gemacht werden. Die EU schreibt seit 2017 in ihrem Rahmenprogramm „Horizon 2020“ den offenen Zugang zu publikationsrelevanten Daten vor; und auch andere Forschungsförderer erwähnen die Beschäftigung mit dem Forschungsdatenmanagement auf ihre eigene Art und Weise. Benötigt wird ein gezieltes Beratungsangebot. Dazu möchten wir Schulungen zu Themen wie Datenablage, Themen der Nachnutzung, Open Access und Transparenz in der Forschung anbieten.  

Zum Beispiel ist die Nachvollziehbarkeit der Forschungsergebnisse wichtig.

Genau. Von Anfang an sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich überlegen, wie sie die Forschungsdaten aufbereiten, analysieren und ablegen. Man geht „ins Feld“, sammelt Daten, liest neue Literatur und knüpft daran an. Diese oft schwer überschaubare Menge an Forschungsdaten muss strukturiert, nachvollziehbar und wiederauffindbar abgelegt werden. Das Forschungsdatenmanagement reicht von der Generierung, Bearbeitung und Anreicherung bis zur Archivierung und Veröffentlichung von Daten. Ein Forschungsdatenmanagement sollte mit der Planungsphase eines Projektes beginnen. Gleich beim Start eines neuen Forschungsprojektes ist es deshalb empfehlenswert, einen Datenmanagementplan anzulegen.

Den Service zum Forschungsdatenmanagement an der Universität Hildesheim gibt es seit einem halben Jahr. Wer kann sich an Sie wenden?

Alle können sich mit Fragen zum Forschungsdatenemanagement an mich wenden: Professorinnen und Professoren, Promovierende und Studierende, die ihre Bachelor- oder Masterarbeit schreiben. Sinnvoll ist es, sich bereits vor Beginn eines neuen Forschungsprojektvorhabens an mich zu wenden. So können frühzeitig Fragen zum kollaborativen Arbeiten und zu bewährten Forschungswerkzeugen beantwortet werden.

Welche Aufgaben gehören zu Ihrem Arbeitsalltag?

Das Forschungsdatenmanagement gehört mit in den Bereich der Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie der Hochschulen. In enger Kooperation mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die für ihre Forschungen eigenverantwortlich sind, möchte ich das Forschungsdatenmanagement weiterentwickeln. Zu den alltäglichen Aufgaben gehören somit die Grundlagenvermittlung zum Forschungsdatenmanagement durch Workshops, Schulungen und „Coffee Lectures“ an unserer Universitätsbibliothek und natürlich viele Einzelberatungen. Dazu zählen auch die Beschäftigung mit Datenmanagementplänen, die Beteiligung am kooperativen Ausbau von Forschungsdateninfrastrukturen unter Berücksichtigung neuer Use-Cases und Workflows, der Einsatz von Werkzeugen im Forschungsdatenmanagement mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Überlegungen zu Policies. Besonders wichtig für mich ist die Ermittlung von Anforderungen und Bedarfen sowie die Analyse von Nutzergruppen. Hinzu kommt der regelmäßige Austausch mit dem Datenschutzbeauftragten der Universität, der Forschungsförderung und der Ethikkommission. Und schließlich erfordert die Verknüpfung von Forschungsdaten und Forschungspublikationen besondere Aufmerksamkeit.

Es gibt je nach Fachdisziplin unterschiedliche Forschungsdaten: von audivisuellen Daten über numerische Daten bis zu sehr sensiblen Daten in der Unterrichtsforschung. Was bedeutet diese Heterogenität für das Management der Forschungsdaten?

Der Begriff „Forschungsdaten“ umfasst zunächst alle analogen und digitalen Daten. Forschungsdaten sind nach einer Definition der „Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen“ Daten, „die im Zuge wissenschaftlicher Vorhaben zum Beispiel durch Digitalisierung, Quellenforschungen, Experimente, Messungen, Erhebungen oder Befragungen entstehen“. Es gibt auditive, audiovisuelle, binäre, dreidimensionale, numerische, stoffliche, textliche und visuelle Forschungsdaten. Forscherinnen und Forscher können sowohl existierende Daten nachnutzen oder neue Daten generieren. Die Datenvolumina, die entstehen, werden immer größer. Deshalb sind die Herausforderungen für die Speicherung groß. Noch größer allerdings sind die Herausforderungen im Umgang mit qualitativen Daten und der Zugang durch eine Archivierung von sensiblen Datenmaterialien. Wo technisch bereits sehr viel möglich ist, sind oft die Rechtsfragen nicht hinreichend geklärt. Es fehlt an den Hochschulen nach wie vor an Informationsdienstleistungseinrichtungen  und konkreten Orientierungshilfen für Forschende.

Das Rechtemanagement gehört zu den großen Themenbereichen des Forschungsdatenmanagements. Dabei geht es um Themen wie Persönlichkeitsrechte, Datenschutz, Archivierungspflichten und Urheberrechte. Ich kann keine verbindliche Rechtsberatung bieten, wohl aber Hilfe für fundierte Auskunft vermitteln.

Warum ist die Langzeitarchivierung der Daten bedeutsam?

Die Forschungsdaten müssen überprüfbar sein, denn Forschung kann nur reproduziert werden, wenn alle Schritte nachvollziehbar sind. Mit den Empfehlungen der DFG zur „guten wissenschaftlichen Praxis“ von 1998 mit Ergänzungen von 2013, die auf der Arbeit einer internationalen Expertenkommission gründen, initiierte die Wissenschaft eine Selbstkontrolle. Durch Einhaltung dieser Praxis wird wissenschaftliches Fehlverhalten vermieden. In Empfehlung 7 zur „guten wissenschaftlichen Praxis“ heißt es, dass Primärdaten als Grundlage für Veröffentlichungen auf haltbaren und gesicherten Trägern in dem Institut, wo sie entstanden sind, zehn Jahre lang aufbewahrt werden sollen. Oft können Forschungsdaten bedingt durch die Kurzlebigkeit der verschiedenen Formate, Software und Ablageorte nicht mehr benutzt werden. Es kommt bei der Bewahrung der Daten auf die Substanzerhaltung an. Migration und Emulation sind Strategien, um digitale Objekte langfristig zu erhalten. Dies wäre ein Thema für ein weiteres Interview, auch zusammen mit dem Rechenzentrum.

Wie arbeiten Sie mit Kooperationspartnern zusammen?

Im Arbeitsalltag spielen Kooperationen auf allen Ebenen eine sehr wichtige Rolle. So bietet die Universitätsbibliothek umfängliche Services zur Forschungsunterstützung, zum Beispiel mit dem Universitätsverlag. Der Support für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Veröffentlichung ihrer Arbeiten gehört zum Lebenszyklus des Forschungsdatenmanagements („Data Life Cycle“) und in den Orientierungsrahmen für das Forschungsdatenemanagement („Data Continuum“). Daneben spielen Kooperationen mit dem Rechenzentrum eine wichtige Rolle. Wir finden gemeinsam Lösungen zur langfristigen Speicherung und vertrauenswürdigen Archivierung. Auch der Umgang mit digitalen Werkzeugen und Schnittstellen zu technischen Infrastrukturen und Prozessen spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

In meinem Arbeitsalltag kooperiere ich mit nationalen und internationalen Partnern, Verbünden zum Forschungsdatenmanagement, zum Teil auch mit Softwaredienstleistern und Repositorien. Bei der Umsetzung von Datenmanagementkonzepten besteht in Großbritannien ein großer Erfahrungsvorsprung, mit dem ich mich in der Vergangenheit vertraut machte. Wir können bereits auf gute Ergebnisse aus Infrastrukturkonzepten und vorhandenen Dienstleistungen zurückgreifen und sie synergetisch nutzen. Dabei werden die standortspezifischen Elemente der Universität Hildesheim für das Forschungsdatenmanagement herausgearbeitet. In Hildesheim können in absehbarer Zeit generische und fachspezifische Dienste mit Hilfe der bestehenden technischen und infrastrukturellen Schnittstellen angeboten werden, um diese für die Zukunft zu verstetigen und weiterzuentwickeln, denn „Cooperation is everything!“

Noch eine abschließende Frage: Ihre Stelle ist der Universitätsbibliothek zugeordnet – warum?

Die Universitätsbibliothek Hildesheim hat vor geraumer Zeit die Entwicklungen im Bereich E-Science aufgenommen und ihr Angebot an digitalen Informationsressourcen kontinuierlich ausgebaut. Sie erweiterte die Möglichkeiten zum elektronischen Publizieren im Universitätsverlag und richtete gemeinsam mit dem Rechenzentrum ein Repositorium zur Datenspeicherung ein („HilData“). Zudem administriert die Universitätsbibliothek das Learnweb („Moodle“) und erreicht auch auf diesem Wege viele Lehrende und Forschende an unserer Universität. Deshalb machte es Sinn, die neue Stelle in der Universitätsbibliothek zu verorten. Die bereits vorhandenen Services und Dienste in der werden weiterentwickelt und um neue ergänzt. So bieten wir auch Werkzeuge zum Erstellen von Datenmanagementplänen an wie zum Beispiel DMPTY und das „Research Data Management Organiser-Tool“ (RDMO). Letzteres haben wir für die Universität Hildesheim zunächst als Testinstanz installiert. Außerdem geben wir Support bei allen Fragen zu Datenpublikationen, persistenten Identifikatoren oder Datenzitationen. Zudem ergeben sich Verknüpfungen zu Open Access-Publikationen mit persistenten Identifikatoren (sogenannte DOIs: Digital Object Identifiers) und zur Verwendung von Autorenidentifikationen wie zum Beispiel ORCID (Open Researcher Contributor Identification Initiative). Solche Dienste sind eng mit dem Forschungsdatenmanagement verknüpft und werden von Universitätsbibliothek technisch unterstützt. Bibliothekarinnen und Bibliothekare sind auch Spezialisten für Metadaten, die für das Forschungsdatenmanagement ebenfalls von großer Bedeutung sind. Aus diesen Gründen passt die Stelle bestens in die Universitätsbibliothek. Die Universitätsbibliothek in Hildesheim als zentrale Einrichtung an der Universität Hildesheim kann somit die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen während der Forschung bestmöglich unterstützen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt zum Forschungsdatenmanagement

Wer Fragen zur Organisation von Forschungsdaten hat, an einem Workshop oder einer Schulgung teilnehmen möchte, erreicht Annette Strauch unter straucha@uni-hildesheim.de. Studierende und Lehrende aus allen Fachbereichen können sich an die Wissenschaftlerin wenden. Aktuelle Informationen finden Sie hier.

Tipp: „Academic Cloud“ nutzen

Die „Academic Cloud Niedersachsen“ bietet für alle Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter an niedersächsischen Hochschulen die Möglichkeit, unentgeltlich Daten im Umfang von 50 GB in einer eigenständigen Hochschul-Cloud abzulegen. Die Daten können mit anderen Nutzern, Gruppen und Projekt-Gemeinschaften geteilt werden. Dateien können auch offline bearbeitet und beim nächsten Internetzugriff synchronisiert werden. Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Hier finden Sie Informationen zur Nutzung der Academic Cloud als Mitglied der Universität Hildesheim.

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news-15615 Mon, 15 Oct 2018 07:44:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Interview mit Sergio Andrés Hernández Garrido https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/barrierefrei/ Sergio Andrés Hernández Garrido befasst sich in seiner Forschung mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren. Dafür erhält der junge Medienlinguist den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab. Zum Semesterstart wurde der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verliehen. Den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis erhält der Hildesheimer Übersetzungswissenschaftler Sergio Andrés Hernández Garrido. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab.

Der diesjährige DAAD-Preisträger Sergio Andrés Hernández Garrido gehört zu einem Team um Professorin Christiane Maaß, die sich am Bühler-Campus der Universität Hildesheim mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren befassen. Die Medienlinguisten und Medienlinguistinnen übersetzen zum Beispiel Nachrichten, juristische Texte oder sogar Märchen in Leichte Sprache.

Die Forschung und Lehre im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ an der Universität Hildesheim wächst, dies ist eine der aktuellen Entwicklungen:

Abbau von Kommunikationsbarrieren als gesellschaftliche Aufgabe

Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ startet

Erstmals starten im Oktober 2018 Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim im viersemestrigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache. Studieninteressierte können sich um einen Masterstudienplatz bewerben, die nächste Gelegenheit zur Einschreibung ist zum Sommersemester 2019.

Interview mit dem Übersetzungswissenschaftler und Medienlinguisten Sergio Andrés Hernández Garrido

Herr Hernández Garrido, Sie studieren in Hildesheim Medientext und Medienübersetzung.

Das Hildesheimer Masterstudium ist einzigartig in Deutschland. Ich habe mir vor meiner Bewerbung die Stadt und Universität in Hildesheim angesehen – da dachte ich, dieser Ort ist ein guter Ort für mich.

Medientext und Medienübersetzung, das klingt etwas abstrakt – was steckt dahinter?

Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der audiovisuellen Übersetzung von Texten, wir untertiteln zum Beispiel Filme. Ich spezialisiere mich in Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation, beschäftige mich mit Audiodeskription – Bilder übersetze ich in Wörter, damit Personen mit einer Sehbehinderung auch audiovisuelle Medien konsumieren können –, Untertitelung und Leichter Sprache. Das hat mich vom ersten Moment an interessiert. Ich kann mit meiner Arbeit einen Beitrag in der Gesellschaft leisten.

Sie schreiben gerade ihre Masterarbeit.

Mein Ziel ist es, die Leichte Sprache aus einer internationalen Perspektive zu untersuchen. In Deutschland ist schon vieles geschafft worden im Bereich der Inklusion, auch wenn der Weg weiter lang ist. Wenn ich in mein Heimatland Kolumbien blicke, dann wurde praktisch noch nichts gemacht, um Kommunikationsbarrieren abzubauen. Ich möchte die Leichte Sprache nach Kolumbien bringen, wo es bislang kaum Bemühungen in der barrierefreien Kommunikation gibt. In Kolumbien möchte ich die Leichte Sprache aufbauen, um die Partizipation von Menschen mit Leseeinschränkungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu ermöglichen. Gemeinsam mit kolumbianischen Forschungseinrichtungen möchte ich ein Regelwerk für die Übersetzung von juristisch-administrativer Kommunikation in Leichtes Spanisch entwickeln. Die Grundlagen hierfür erarbeite ich in meiner Masterarbeit und ich plane ein Promotionsprojekt an der Universität Hildesheim. Ich habe erste Kontakte zu Universitäten in Barranquilla geknüpft.

Sie übersetzen in der Forschungsstelle Fachtexte in einfach geschriebene Texte. Was ist die Leichte Sprache?

Die Leichte Sprache ist eine Reduktionsvarietät des Deutschen. Die Sprache wendet sich vor allem an Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch an andere Menschen mit Leseeinschränkung. Also: Die Texte werden so reduziert, dass sie verständlicher sind, so dass die Menschen eigenständig die Texte verstehen können, was ihnen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit ermöglicht. Wir nehmen die Originaltexte und formulieren sie in Hauptsätze um, auch vermeiden wir zum Beispiel die Verwendung von Pronomina. Wir versuchen alles so simpel und klar darzustellen, so dass sich alle alleine informieren können. Die Texte in Leichter Sprache sind ein Zusatzangebot und eine Hilfe zum Originaltext, sie ersetzen das Original nicht. Die Studien von Professorin Christiane Maaß zeigen, dass nicht nur Menschen mit geistiger Behinderung davon profitieren, sondern auch Sprachlerner oder Menschen mit Leseschwierigkeiten.

Wie arbeiten Sie in der Forschungsstelle?

Ich übersetze Fachtexte, wir arbeiten mit Kultureinrichtungen, Medien wie dem NDR und WDR und Behörden zusammen. Ich bin auch in der Planung von Tagungen und Projekten beteiligt.

Was macht Ihnen Freude in der barrierefreien Kommunikation? Was ist Ihr Antrieb?

Meine Motivation steigt ganz ehrlich jeden Tag durch meine Erfahrungen in der Forschungsstelle. Gerade habe ich wieder mit einer Prüfgruppe aus Braunschweig unsere Texte unter die Lupe genommen. Die Menschen mit Behinderung geben mir Rückmeldungen zur Verständlichkeit unserer Übersetzungen und machen Verbesserungsvorschläge, sie sind sehr dankbar für die Arbeit, die wir in Hildesheim leisten. Wenn man sieht, dass die Arbeit, die man leistet, einen Sinn hat, ist man motiviert, weiterzumachen.

Sie erhalten den DAAD-Preis.

Die Auszeichnung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst ist eine riesige Motivation für mich, mich weiter zu bemühen. Der DAAD war schon für meinen Vater als junger Wissenschaftler sehr wichtig, er konnte promovieren – heute ist er Mathematikprofessor in Kolumbien. Meine Familie und ich haben Deutschland vieles zu verdanken. Ich habe die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht und hatte Chancen, mich zu bilden. Ich möchte durch meine Arbeit in der barrierefreien Kommunikation der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich möchte mit dieser Kraft auch zeigen, was in den Menschen in Kolumbien steckt, all jenen, die sich jeden Tag bemühen, das Land zu einem besseren Land zu machen. Mein Traum ist es, all die Kompetenzen, die ich in Deutschland, in Hildesheim, erworben habe, in Kolumbien umsetzen zu können, um dort Kommunikationsbarrieren abzubauen und Teilhabe von Menschen an der Gesellschaft zu fördern. Ich habe das Gefühl, dass das was ich lerne, einen Sinn hat.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Sergio Andrés Hernández Garrido, 24 Jahre, geboren in Baranquilla in Kolumbien. Als kleines Kind hat er fünf Jahre mit seiner Familie in Deutschland gelebt, da sein Vater als DAAD-Stipendiat in Deutschland geforscht hat. Die Familie kehrte nach Kolumbien zurück, wo Sergio Andrés Hernández Garrido sein Abitur absolvierte. Es folgte ein Bachelorstudium der Übersetzungswissenschaft in Mainz.

Seit 2016 studiert er im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ in Hildesheim und hat sich dort auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Er arbeitet als studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle Leichte Sprache, nachdem er dort zunächst ein sechsmonatiges Praktikum absolviert hat. Im Masterstudium hat der junge Wissenschaftler bereits die Übung zur Vorlesung „Übersetzungswissenschaft“ unterrichtet. Spanisch ist seine Muttersprache.

Seit Oktober ist er für die Forschungsstelle Leichte Sprache auch im Projekt „Easy Access for Social Inclusion Training“ (EASIT) tätig, einem europäischen Forschungsprojekt unter Leitung der Universität Barcelona, an dem neben der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim weitere Forschungseinrichtungen aus Spanien, Italien, Slowenien, Schweden und Deutschland mitwirken. Die internationale Arbeitsgruppe untersucht die Möglichkeiten, wie audiovisuelle Medien in Leichter Sprache aufbereitet werden können und wie dieses Wissen in die Ausbildung von Medienübersetzern eingebracht werden kann.

Kontakt

Wer sich für den Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ interessiert erreicht Prof. Dr. Christiane Maaß, die Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache, unter christiane.maass@uni-hildesheim.de.

Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“

Die Universität Hildesheim richtet die Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“ vom 18. bis 20. Oktober 2018 in Hildesheim aus. Es werden Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft anwesend sein, unter anderem die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, sowie renommierte Fachkolleginnen und Fachkollegen aus dem In- und Ausland. Die Tagung ist barrierefrei und die Beiträge werden unter anderem in Gebärdensprache verdolmetscht. Auch Schriftdolmetscher sind im Einsatz, um Menschen mit Hörschädigung die Teilnahme zu ermöglichen . Das Team um Professorin Christiane Maaß stellt auf der Tagung das neue 800-seitige Handbuch „Barrierefreie Kommunikation“ vor. Insgesamt werden etwa 70 Konferenzteilnehmer aus dem In- und Ausland in Hildesheim erwartet.

Programm der Konferenz: Barrierefreie Kommunikation

Duden-Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache

Die „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim hat zusammen mit der Duden-Redaktion den Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache ausgeschrieben. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert und wird im Oktober 2018 erstmals auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim übergeben. Preisträger ist Mark Harenberg vom NDR. Anwesend sind Vertreterinnen und Vertreter der Duden-Redaktion und von der Lebenshilfe Braunschweig, die neben der Forschungsstelle Leichte Sprache zur Jury gehören.

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news-15624 Mon, 15 Oct 2018 07:41:00 +0200 Reinhart Koselleck-Projekt für Professor Rolf Elberfeld von der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/reinhart-koselleck-projekt-fuer-professor-rolf-elberfeld-von-der-universitaet-hildesheim/ Professor Rolf Elberfeld baut seit zehn Jahren einen Forschungsschwerpunkt zur interkulturellen Philosophie an der Universität Hildesheim auf. Die Deutsche Forschungs-Gemeinschaft hat den Antrag des Philosophieprofessors auf ein Reinhart Koselleck-Projekt mit dem Thema „Geschichte der Philosophie in globaler Perspektive“ bewilligt. Für das Projekt stehen insgesamt 1,25 Millionen Euro zur Verfügung. Nach Aussagen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stehen „Reinhart Koselleck“-Projekte für besonders innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Forschung. Die Projekte werden an durch besondere wissenschaftliche Leistung ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vergeben, um die Möglichkeit zu eröffnen, größere Forschungsbereiche im Rahmen internationaler Kooperationen in Angriff zu nehmen.

Anfang Oktober wurde der Antrag auf ein Reinhart Koselleck-Projekt mit dem Thema „Geschichte der Philosophie in globaler Perspektive“ von Prof. Dr. Rolf Elberfeld vom Institut für Philosophie der Universität Hildesheim durch den Hauptausschuss der DFG bewilligt. Für das Projekt stehen für den Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 1,25 Millionen Euro zur Verfügung. Die Projektarbeit soll 2019 beginnen. Nach Aussagen der DFG ist dies das erste Reinhart Koselleck-Projekt, das im Fach Philosophie bewilligt worden ist.

Professor Rolf Elberfeld baut seit zehn Jahren einen Forschungsschwerpunkt zur interkulturellen Philosophie an der Universität Hildesheim auf. Mit dem bewilligten Projekt kann er seine Forschungen thematisch ausweiten und international in hohem Umfang vernetzen. Mit den Geldern werden Stellen eingerichtet, durch die die thematisch weit aufgefächerten Forschungen kooperativ durchgeführt werden sollen.

Inhaltlich wird das Projekt folgende Fragen erforschen:

  1. Durch welche Ausschlussmechanismen wurde die Geschichte der Philosophie in Europa seit Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr zu einem rein europäischen Projekt stilisiert?

  2. Welche Entwürfe zur Geschichte der Philosophie lassen sich in verschiedenen Philologien finden, die seit dem 19. Jahrhundert in Europa beispielsweise in der Indologie, Sinologie, Japanologie, Arabistik und Judaistik entstanden sind?
  3.  

    Welche Veränderungen ergeben sich für die Geschichte der Philosophie, wenn in großem Umfang verflechtungsgeschichtliche Perspektiven einbezogen werden, so dass Übersetzungs- und Rezeptionsprozesse nicht nur zwischen Asien und Europa eine größere Aufmerksamkeit erfahren?

  4. Wie sind die Geschichten der Philosophie konzipiert, die seit dem 20. Jahrhundert beispielsweise in japanischer und chinesischer Sprache entstanden sind?

  5. Welche Folgen hatte bzw. hat die globale Institutionalisierung und die „Nationalisierung“ von Philosophie seit dem 20. Jahrhundert?
  6. Wie sind die bisherigen Entwürfe zu einer globalen Philosophiegeschichtsschreibung einzuschätzen und welche Hinweise geben diese für die Suche nach einem neuen Bild von der Geschichte der Philosophie in globaler Perspektive?

  7. Welche Veränderungen ergeben sich für den Begriff der Philosophie angesichts der globalen Entwicklungen der Philosophie?

Ziel des Projektes ist, den Kanon und die Reichweite von Philosophie in globaler Perspektive neu zu befragen und zukunftsorientiert zu konzipieren. Ein Ergebnis soll sein, eine „Geschichte der Philosophie in globaler Perspektive“ zu schreiben, die auch im Einführungsbereich zum Einsatz kommen kann. Insgesamt soll durch das Projekt der Dialog der Kulturen gestärkt und rassistischen Tendenzen der Gegenwart entgegengewirkt werden.

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news-14296 Mon, 15 Oct 2018 07:34:00 +0200 Mehrsprachigkeit in der Unterrichtsforschung: Kooperation mit der Ain Shams Universität Kairo https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/mehrsprachigkeit-in-der-unterrichtsforschung-kooperation-mit-der-ain-shams-universitaet-kairo/ Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Frage, die die Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler verbindet ist die Mehrsprachigkeit in Schulen und in der Gesellschaft. Mehrsprachigkeit im Unterricht als ein Thema, das über die Kontinente hinausreicht – das ist die Grundidee der Forschungskooperation zwischen dem Zentrum für Bildungsintegration, dem Institut für deutsche Sprache und Literatur und dem Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität Hildesheim mit der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität in Kairo, Ägypten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert über zwei Jahre den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und dem wissenschaftlichen Nachwuchs, der von der Universität Hildesheim aus von den Professorinnen Elke Montanari und Beatrix Kreß betreut wird.

Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Woche lang (vom 8. bis 12. Oktober 2018) tauschen sich die Wissenschaftlerinnen Dr. Heba Ahmed Mahmoud Emam und Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim sowie die Wissenschaftler Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Dr. Basem Schoaib, Dr. Abdelrahman Nagi und von der Ain Shams Universität mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Hildesheim aus.

Ziel der Gespräche ist es, Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Lehre zu diskutieren und den wissenschaftlichen internationalen Austausch in der Lehrerbildung zu befördern. Wie lässt sich zum Beispiel das Studium institutionell verknüpfen? Vorbilder können die gemeinsamen Studienprogramme der Universität Hildesheim mit der Pai Chai University in Daejeon und der Chungbuk National University in Chungbuk in Südkorea in den Informationswissenschaften, mit der Staatlichen Universität Nowgorod in Russland in den Sprachwissenschaften und mit der Université de Provence in Marseille in Frankreich in den Kulturwissenschaften sein. Ein Teil des Studiums absolvieren die Studierenden in Hildesheim und einen Teil an der jeweiligen Partneruniversität.

Eine Frage, die an den Universitäten in Kairo und Hildesheim diskutiert wird, betrifft die Rolle der Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht. Sollte Mehrsprachigkeit einbezogen werden, weil es das Sprachenlernen befördert, wenn Erst- und neue Sprachen verknüpft werden? Oder sollte möglichst viel Zeit mit der neu zu lernenden, deutschen Sprache zur Verfügung stehen? Welche Rolle darf und soll Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht einnehmen?

In diesem Jahr war als erster Gaststudent bereits Hassan Reyad aus Kairo für ein Semester in Hildesheim, um seine Masterarbeit zu beenden, er kehrte mit einem fertigen Dokument und vielen neuen Kontakten zurück nach Kairo, so Elke Montanari. „Wir arbeiten auch im Bereich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zusammen und betreuen gemeinsam eine Doktorandin. Wir haben in Kairo und Hildesheim gemeinsame wissenschaftliche Biografien – die Funktionale Pragmatik verbindet uns.“

Die beiden Universitäten in Kairo und Hildesheim unterzeichnen im Oktober 2018 ein „Memorandum of Understanding“, darin heißt es:

„Ain Shams University and the University of Hildesheim believe that mutual benefit can be derived from scholarly interaction, cultural interchange, co-operative research, and other forms of academic collaboration. Therefore, both parties agreed on the following: The Parties see advantages in the development of strong academic links and relationships and agree in principle to enter into discussions to establish ties of friendship and cooperation for the purpose of promoting mutual understanding and academic, cultural and personal exchange in various sectors and disciplines. […]”

Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Kairo

El Sayed Selmy Madbouly ist Professor an der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Zuvor hat der Sprachwissenschaftler in Hamburg und Siegen promoviert. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Grammatik als kontrastive Linguistik. Zwei Jahre hat er am Landesspracheninstitut Bochum und acht Jahre an einer Sprachen- und Übersetzungsfakultät in Saudi-Arabien gearbeitet. Er sagt:

„Mit Professorin Montanari habe ich das Kooperationsprojekt zwischen Hildesheim und Kairo beantragt. Gemeinsam möchten wir die Lehrerausbildung im mehrsprachigen Kontext ausbauen. Der Zwecke der Reisen ist, sich eng abzusprechen, was wir in der Zukunft gemeinsam in Forschung und Lehre machen können.

Mehrsprachigkeit ist ganz klar da – schauen Sie in die Klassenzimmer in deutschen Schulen, es ist wichtig, dass man den sprachlichen und kulturellen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler kennt, bevor man unterrichtet. Bei uns in Ägypten ist der deutsche Arbeitsmarkt auch eine Berufschance für Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer, viele Ägypter sind jetzt in Deutschland und unterrichten geflohene Syrer. In Ägypten ist die deutsche Sprache sehr verbreitet, es gibt siebzehn deutsche Abteilungen an den staatlichen Universitäten, die privaten nicht eingerechnet. Wir versuchen, unsere Studentinnen und Studenten durch die Literatur zum Sprechen zu bringen. Unser Ziel ist, dass auch die deutschsprachige Literatur zur Förderung der Sprachfähigkeit führt.

Kairo ist eine riesige Stadt – wir freuen uns auf Hildesheim als kleine Stadt. Man kann die Stadt zu Fuß einfach besichtigen und Natur erleben – das ist wirklich anders als in Kairo. Ich genieße die Ruhe hier in Hildesheim.“

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim, Kairo

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim arbeitet als Oberassistentin der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Ihre Doktorarbeit möchte sie an den Universitäten Hildesheim und Kairo schreiben. Sie sagt:

„Ich habe meine Abschlussarbeit über das alltägliche Erzählen in arabischer und deutscher Sprache geschrieben. Jetzt arbeite ich an meiner Doktorarbeit. Das Thema meiner Arbeit ist ‚Präsuppositionmarker im Deutschen und Arabischen‘. Der kontrastive Vergleich zweier Sprachen ist immer interessant. Das finde ich toll, in der Forschung gelangt man zu Perspektiven und Erkenntnissen in beiden Sprachen. Die Forschungserkenntnisse sollen beim Deutschunterricht helfen. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die Sprachen verstehen, ist es einfacher zu unterrichten.

Die Kooperation zwischen der Ain Shams Universität in Kairo und der Universität in Hildesheim ist eine Chance. Unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst können wir unsere gemeinsame Arbeit im Bereich der Mehrsprachigkeit stärken – auf verschiedenen Ebenenen, es entstehen gemeinsame Publikationen. Wir sprechen über die Zusammenarbeit in Studiengängen oder in der Forschung. Heutzutage sind die Begegnungen wichtig.

Meine Hoffnung ist, dass diese Kooperation fortbesteht und dass wir gegenseitig profitieren – auf der kulturellen und wissenschaftlichen Seite. Wir möchten auch ein Vorbild für andere Universitäten sein, internationale Kooperationen zu pflegen. Ich bin das erste Mal in Hildesheim und freue mich sehr, dass ich in Hildesheim sein kann. Es ist eine große Chance, ich lerne von den Kollegen vieles und hoffe, im Laufe der Zeit kann ich etwas zurückgeben.“

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-15645 Tue, 09 Oct 2018 08:00:00 +0200 Ästhetische Praxis und kulturwissenschaftliche Forschung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/aesthetische-praxis-und-kulturwissenschaftliche-forschung/ Etwa 120 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus Frankreich, Belgien und Tunesien tagen in dieser Woche auf dem Kulturcampus in Hildesheim. Professor Stefan Krankenhagen spricht im Interview über die ästhetische Praxis. „An der ästhetischen Praxis können wir beobachten und erkunden, wie nicht-notwendiges Handeln – etwa auf den Bühnen des Theaters, der Kunst oder der Populären Kultur – zu einem notwendigen Teil der Gesellschaft wird“, sagt der Hildesheimer Kulturwissenschaftler. Am Donnerstag, 11. Oktober 2018, wird am Kulturcampus Domäne Marienburg die 4. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft eröffnet. Von 21 bis 24 Uhr können sich Besucherinnen und Besucher jeweils zur vollen Stunde von einer zwanzigminütigen Lichtinstallation des Künstlers Kurt Laurenz Theinert in den Bann ziehen lassen. Alle interessierten Hildesheimerinnen und Hildesheimer sind herzlich eingeladen.

Die Hauptvorträge halten die Kunsthistorikerin Beatrice von Bismarck aus Leipzig (am Donnerstag, 11. Oktober 2018) zum Thema „Das Kuratorische: Konstellation, Forschung und ästhetische Praxis“ und Dieter Mersch aus Zürich (am Freitag, 12. Oktober 2018). Der Professor für Ästhetik und Theorie spricht über die Erkenntnispraxis des Ästhetischen. Während eines Praxisrundgangs am Freitag, 12. Oktober, zeigen Studentinnen und Studenten eine Auswahl der Hildesheimer ästhetischen Praxis. Während einer öffentlichen Paneldiskussion am Samstag, 13. Oktober 2018, im Theater für Niedersachsen diskutieren die Fachleute über die Re-Politisierung der Kunst.

Über ästhetische Praxis und kulturwissenschaftliche Forschung spricht Professor Stefan Krankenhagen vom Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur im Interview.

Programm der Konferenz

Interview mit dem Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Krankenhagen

Herr Professor Krankenhagen, Sie organisieren die Jahrestagung der kulturwissenschaftlichen Gesellschaft. Die Konferenz findet vom 11. bis 13. Oktober auf dem Kulturcampus in Hildesheim statt. Warum in Hildesheim?

Weil Kollegen aus Hildesheim zu den Gründungsmitgliedern der 2013 ins Leben gerufenen Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft gehören und weil unsere kulturwissenschaftliche Studiengänge sowie unsere hiesigen Forschungsleistungen relevante Positionen im deutschsprachigen Raum vertreten. Die prosaische Antwort lautet allerdings: einer muss es ja machen.

Das Thema der Konferenz lautet „Ästhetische Praxis und kulturwissenschaftliche Forschung“. Mit der Wendung „ästhetische Praxis“ rücken Sie das Handeln in den Vordergrund. Warum ist die Beschäftigung mit diesem Thema notwendig?

Wir rücken ja eine spezifische Form des Handelns in den Mittelpunkt unserer Beschäftigung, nämlich die ästhetische Praxis. An einer solchen Praxis kann, zum Beispiel, beobachtet und erkundet werden, wie nicht-notwendiges Handeln (auf den Bühnen des Theaters, der Kunst oder der Populären Kultur) zu einem notwendigen Teil der Gesellschaft wird.

Und welche Kriterien machen eine „ästhetische Praxis“ zu einer solchen? Können Sie da einmal ein Beispiel erläutern?

Unsere Annahme ist, dass sich ästhetische Praxis immer nur im Moment der Praxis als solche beschreiben lässt. Es gibt also keine eindeutigen Kriterienkatalog, gerade weil jener Begriff als ein Motor der Entgrenzung auftritt. Alltagshandlungen – ein Videospiel spielen – können also zu Momenten ästhetischer Praxis werden. Nicht nur dann, wenn das Videospielen immer häufiger auf Theaterbühnen stattfinden, sondern auch dann, wenn das eigene Spielen ästhetisch in eine Form gebracht wird. Etwa, indem es aufgenommen, auf soziale Plattformen hochgeladen und damit der öffentlichen Bewertung und Kommentierung ausgesetzt wird. Gleichzeitig kann das Videospielen immer eine Alltagshandlung bleiben.

„Die Kunst ist eine Form der Wissenserzeugung“

Ein Merkmal der Hildesheimer kulturwissenschaftlichen Studiengänge ist die Verbindung von Theorie und Praxis. Was bedeutet das für die Forschung? Wie verändert sich der Forschungsprozess und die Wissensproduktion unter Einbeziehung der Produktion von Kunst?

Die Kunst ist vielleicht einfach eine andere Form der Wissenserzeugung; sollte also nicht als Ersatz einer traditionellen epistemischen Praxis missverstanden werden. Wir brauchen weiterhin eine auf Begriffen, auf Quellen und auf öffentlicher Transparenz fundierende Wissenschaftspraxis. Die ästhetische Praxis, die eben nicht das selbe ist wie das institutionalisierte Feld der Kunst, stellt andere Fragen oder führt die Handelnden zu diesen anders gelagerten Fragen.

Welche Chancen und Probleme entstehen in der Wissensproduktion, wenn ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin zugleich als Künstler oder Künstlerin zum Beispiel im Theater tätig ist?

Das eher implizit erworbene Wissen einer Künstlerin und eines Künstlers braucht erstens Zeit, und muss zweitens adäquat kommuniziert werden. Deshalb sind die Herausforderungen für den Universitätsbetrieb auch so groß: wir brauchen Zeit für Erfahrungen und Zeit für ein gemeinsames Vokabular.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Öffentliche Podiumsdiskussion

Das Programm am Samstag, 13. Oktober 2018, schließt mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Die Ästhetisierung des politischen Widerstands“ an der Rachida Triki, Professorin für Ästhetik an der Universität in Tunis, Christian Demand, Herausgeber des Merkur aus Berlin, Yasser Almaamoun vom Zentrum für Politische Schönheit und Markus Schäfer vom Theaterkollektiv Markus&Markus teilnehmen. Die Podiumsdiskussion ist öffentlich und findet von 12.30 bis 14 Uhr im Foyer 1 des Theaters für Niedersachsen statt. Interessierte sind auch hierzu herzlich eingeladen.

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news-15521 Mon, 01 Oct 2018 09:45:00 +0200 Nachruf – Gedenken an den Archäologen Mohammed Reza Kamarehei https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/nachruf-gedenken-an-den-archaeologen-mohammed-reza-kamarehei/ Die Universität Hildesheim trauert um Mohammed Reza Kamarehei. Der Wissenschaftler ist plötzlich und unerwartet verstorben. Wir bitten um eine Spende als aktuelle Nothilfe für seine Familie. Mohammed Reza Kamarehei war Doktorand an der Universität Hildesheim und untersuchte anhand von Reliefs, Grabzeichnungen und Skulpturen den Zusammenhang zwischen staatlicher Machtausübung und der musikalischen Praxis. Spendenaufruf: Bitte helfen Sie der Familie des Wissenschaftlers [PDF]

Der Verleger und Archäologe Mohammed Reza Kamarehei verstarb plötzlich und unerwartet am 24. September 2018 in Hildesheim. Sein Geburtstag ist der 3. Juli 1978. Mohammed Reza war seit Januar 2017 Doktorand bei Professor Raimund Vogels am Center for Word Music der Universität Hildesheim.

Die Zusammenarbeit mit Mohammed Reza reichte zurück bis in das Jahr 2014, als er über die Kooperation zwischen dem Musik Museum Teheran und dem Center for World Music und die Sicherung des bedeutenden iranischen Klangarchivs in seinem zweiwöchentlichen Kulturjournal „Mokaab“ in Teheran berichtete. In regelmäßigem Kontakt begleitete er die Arbeit des Center for World Music in der Folgezeit. Aufgrund seiner profunden Kenntnisse der Archäologie des Irans entstand in Gesprächen die Idee, ihm an der Universität Hildesheim die Gelegenheit zur Promotion zu geben. Damit verband sich zugleich die Hoffnung, wichtige Teile der Instrumentensammlung aus archäologischer Perspektive in ihrer Entstehungsgeschichte neu bewerten zu können.

Sein eigenes Forschungsinteresse galt der vor-islamischen Archäologie. Im Rahmen seines Forschungsvorhabens beschäftigte er sich intensiv mit der Dynastie der Sassaniden. Anhand von Reliefs, Grabzeichnungen, Skulpturen und musealen Abbildungen untersucht er den Zusammenhang zwischen staatlicher Machtausübung und der musikalischen Praxis, die diese, wie auf vielen Abbildungen sichtbar, meist begleitete.

Aufgrund hervorragender Kontakte zum iranischen National Museum war er in der Lage bislang nicht publizierte Abbildungen in seiner Arbeit einzuarbeiten. Neben seinem unbestrittenen wissenschaftlichem Profil hat Mohammed Reza alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Center for World Music darin beeindruckt, wie er mit jedem Tag besseren Zugang zur deutschen Sprache gewann und bereits nach einem Jahr wissenschaftliche Diskussionen führen konnte, die sein umfangreiches Wissen und seinen großartigen Humor haben deutlich werden lassen.

Mohammed Reza lebte mit seiner Frau Bahareh Khosravan in der Region Hildesheim. Die Familie hat drei Töchter (13 Jahre, 8 Jahre, 6 Jahre), die älteste Tochter besucht ein Gymnasium in Hildesheim. Die Eltern kommen aus Teheran und unterstützen mit großem Engagement ihre Kinder auf deren Bildungswegen. Nachdem die Eltern selbst die Erfahrungen gemacht haben, sich in einem neuen Land und einer fremden Sprache zurechtfinden zu müssen, unterstützten sie als Sprachlehrer Flüchtlinge in der Region Hildesheim beim Sprachenlernen.

Die Universität Hildesheim trauert um Mohammed Reza Kamarehei. Das Center for World Music verliert einen warmherzigen, neugierigen und humorvollen Kollegen und Freund. Die wissenschaftlichen Diskussionen mit dem begabten und geistreichen Archäologen haben wir als große Bereicherung empfunden. Unser Mitgefühl gehört in diesen Stunden vor allem der Familie.

Nothilfe: Spenden für die Familie

Der plötzliche Tod des Mannes und Vaters ist für die Familie ein schwerer, unfassbarer Verlust. Die Familie war sehr eigenständig, die Eltern wollten immer unabhängig sein und mit ihrer Arbeit auf eigenen Beinen stehen. Durch den plötzlichen Tod des Ehemannes entsteht eine Notsituation. Die Frau des Wissenschaftlers, Frau Bahareh Khosravan, studiert an der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Kulturvermittlung“, sie hat in Teheran erfolgreich Kulturmanagement studiert.

Wir bitten um eine Spende als aktuelle Nothilfe für die drei Töchter und ihre Mama. Hierbei ist jede noch so kleine Spende hilfreich. Wir bitten um Unterstützung aus der Wissenschaft und Bürgergesellschaft, um die Familie in dieser Lebenslage unterstützen können. Wenn Sie sich an der Nothilfe beteiligen möchten, wenden Sie sich bitte an Isa Lange (Pressesprecherin der Universität Hildesheim, 05121 883 90100, langei@uni-hildesheim.de).

Ein Spendenkonto wurde eingerichtet:

Spendenflyer mit allen Informationen [PDF]

Ein Kondolenzschreiben liegt an der Information/Telefonzentrale aus (Hauptcampus, F-Gebäude EG, 08:00 bis 13:00 Uhr) bis zum 5.10.2018 aus. Gerne können Sie mit Ihrer Unterschrift stille Anteilnahme ausdrücken.

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Pressemeldungen Center for World Music Startseite Fachbereich 2 Kulturpolitik Forschung
news-14652 Mon, 01 Oct 2018 09:26:00 +0200 Forschungsatelier in Beirut: Institut für Kulturpolitik baut internationale Wissenschaftsbeziehungen aus https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/forschungsatelier-in-beirut-institut-fuer-kulturpolitik-baut-internationale-wissenschaftsbeziehungen/ Am UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ befasst sich ein Team um Professor Wolfgang Schneider mit der Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in Konflikten und gesellschaftlichen Umbrüchen. Dabei arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit 2010 mit Kulturschaffenden und Forschungskollegen im arabischen Raum zusammen. Im Oktober 2018 findet ein fünftägiges Forschungsatelier zu Kulturpolitik und Kulturvermittlung für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchs-wissenschaftler an der Lebanese University in Beirut statt.

Sechs Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim nehmen teil, vier weitere Doktorandinnen des Instituts für Kulturpolitik werden internationale Lehrerfahrungen sammeln und die Studierenden aus Hildesheim und Beirut unterrichten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst fördert den Austausch. Während des Forschungsateliers befassen sich die Studierenden aus Hildesheim und Beirut mit kulturwissenschaftlichen Theorien und kulturpolitischen Konzepten in Transformationsprozessen und der Rolle von Kulturvermittlung im Libanon. „Das Arbeiten in einem multinationalen Forschungsumfeld unterstützt die Internationalisierung von Lehre und Forschung sowohl der libanesischen als auch der deutschen Universität“, sagt Professor Wolfgang Schneider.

Das Forschungsatelier ist die erste Kooperation mit der Lebanese University, die auch einen Studiengang „Kulturvermittlung” aufgebaut hat – somit ein idealer Kooperationspartner für die Hildesheimer Kulturpolitiker. Ziel des Austausches ist, Studentinnen und Studenten im Bereich Kulturvermittlung und Kulturpolitik in der MENA Region („Middle East & North Africa“) weiterzubilden und ein Netzwerk von Nachwuchswissenschaftlern aufzubauen. Die Teilnehmer kommen aus Marokko, Tunesien, Irak, Ägypten, Palästina, Libanon und Deutschland.

Mit der Konferenz in Beirut setzt das Institut für Kulturpolitik die internationale Kooperation fort, bereits vor zwei Jahren hat das Institut ein tri-nationales Forschungsatelier in Tunesien ausgerichtet. Damals drehten sich die Diskussionen unter anderem um die Rolle der dramatischen Künste in der arabischen Revolution, die Debatte wird nun in Libanon mit Künstlerinnen und Künstlern fortgeführt.

Kurz erklärt

Studium am Institut für Kulturpolitik: „Kulturpolitik im internationalen Vergleich“

Das Institut für Kulturpolitik bildet Expertinnen und Experten für Kulturmanagement, Kulturpolitik, Kulturverwaltung und Kulturvermittlung in Hildesheim aus. Auf dem mittelalterlichen Kulturcampus Domäne Marienburg entwickeln über 100 Studentinnen und Studenten in einem Masterstudiengang neue Konzepte der Kulturvermittlung, ein Viertel davon studiert im deutsch-französischen Doppelstudium in Hildesheim und Marseille. Etwa 500 Studierende befassen sich mit dem Fach Kulturpolitik im Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“. Studierende können außerdem den Schwerpunkt „Kulturpolitik im internationalen Vergleich“ wählen und an Partnerhochschulen in Marseille/Frankreich, Istanbul/Türkei, Vilnius/Litauen, Pretoria/Südafrika, Casablanca/Marokko und Toluca/Mexiko studieren.

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news-15595 Mon, 01 Oct 2018 08:56:00 +0200 Verbotene Musik: Tagung im Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/verbotene-musik-tagung-im-center-for-world-music/ In jeder Gesellschaft, unabhängig davon, ob sie sich pluralistisch, freiheitlich und liberal gibt, oder ob sie auf gesellschaftliche Entwicklungen restriktiv Einfluss nimmt, existieren Musiken, die gewisse Normen überschreiten. Diejenigen, die das Geächtete dennoch singen, spielen oder tanzen, werden von Machthabern marginalisiert oder verfolgt. Eine Konferenz am Center for World Music der Universität Hildesheim beschäftigt sich mit der verbotenen Musik. Erstmals zeigt der Wissenschaftler Nepomuk Riva den Dokumentarfilm „Bedrohte Musik". Programm der Konferenz (PDF)

In dieser Woche (4. Oktober bis 6. Oktober 2018) tagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland im Rahmen der 26. Arbeitstagung der Kommission zur Erforschung musikalischer Volkskulturen in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde am Center for World Music der Universität Hildesheim.

In jeder Gesellschaft, unabhängig davon, ob sie sich pluralistisch, freiheitlich und liberal gibt, oder ob sie auf gesellschaftliche Entwicklungen – notfalls oder auch ohne Not– restriktiv Einfluss nimmt, existieren Musiken, die aus wie auch immer gearteten Gründen gewisse Normen und somit ein bestimmtes Maß an Toleranz überschreiten, sagt der Wissenschaftler Nepomuk Riva. Diejenigen, die das Geächtete dennoch singen, spielen oder tanzen, werden von den jeweiligen Mehrheiten oder Machthabern marginalisiert oder gar verfolgt, während sie bei ihren Anhängern besondere Anerkennung genießen. Musikverbote beschränken sich keineswegs auf Diktaturen oder Staaten mit totalitären Zügen. Denn auch in freiheitlichen westlichen Demokratien werden Grenzen dort überschritten, wo Melodie oder Texte bestimmte Wertegefüge verlassen, so Nepomuk Riva.

Auf der Hildesheimer Konferenz „Verbotene Musik“ diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland unter anderem über die Verhinderung von Musikpraktiken, über Untergrundmusik,  Straßenmusik und tolerierte verbotene Lieder im Fußballstadion in Iran und über Liedermacher im Visier des Staatssicherheitsdienstes in der DDR. Die Konferenz ist nicht öffentlich.

Öffentlicher Teil der Konferenz „Verbotene Musik“: Vorstellung eines Dokumentarfilms

Am Freitag, 5. Oktober 2018, findet um 19:00 Uhr die öffentliche und kostenfreie Dokumentarfilmpräsentation „Bedrohte Musik" über das „Borno Music Documentation Projekt" zwischen der Universität Hildesheim und der University of Maiduguri (Nigeria) statt.

Der Wissenschaftler Nepomuk Riva gibt Einblicke in die Lebenslagen von Musikerinnen und Musikern in Nordostnigeria. Der Dokumentarfilm wird im Center for World Music der Universität Hildesheim (Schillstraße, Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim) gezeigt

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news-15430 Mon, 10 Sep 2018 08:53:00 +0200 Internationale Konferenz zu Recht und Mutterschaft https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/internationale-konferenz-zu-recht-und-mutterschaft/ Kann ein Kind rechtlich zwei Mütter oder zwei Väter, oder mehr als zwei haben? Ein Team um Professorin Kirsten Scheiwe befasst sich mit den rechtlichen Regelungen der Mutterschaft. Fachleute aus Kanada, England, Belgien und Deutschland stellen an der Universität Hildesheim Forschungserkenntnisse vor. Professorin Kirsten Scheiwe forscht und lehrt am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik zu den Themen Familienrecht, Sozialrecht, Sozialpolitik sowie Recht und Geschlechterverhältnisse. Die Wissenschaftlerin lädt im September 2018 gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Instituts für Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung der Universität Göttingen zur internationalen Konferenz „Motherhood and the Law“ (Mutterschaft und das Recht) ein.

Fachleute unter anderem aus Oxford, Antwerpen und Vancouver befassen sich mit den rechtlichen Regelungen der Mutterschaft aus der Perspektive der Rechtswissenschaft und Gender Studies.

Sie stellen Forschungsergebnisse aus den Projekten „Mutterschaft im Zeitalter der Reproduktionsmedizin: Eizellspende, Embryoadoption und Leihmutterschaft“ (Prof. Dr. Eva Schumann, Karina Seebode, Göttingen), „Elternschaft jenseits der Geschlechternorm: Single Mothers by Choice, gleichgeschlechtliche und multiple Elternschaft“ (Prof. Dr. Friederike Wapler, Theresa Richarz, Mainz) und „Gemeinschaftliche oder Alleinausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge? Ein internationaler Vergleich der Rechtsregeln und ihr Einfluss auf Verhandlungsmacht“ (Prof. Dr. Kirsten Scheiwe) vor.

Die Konferenz findet vom 13. bis 15. September 2018 in Hildesheim statt [Programm]

Im Interview spricht Professorin Kirsten Scheiwe über die Notwendigkeit der Forschung in diesem Bereich.

„Durch Veränderungen der Lebensformen stellen sich neue Fragen an Mutterschaft“

Interview mit Prof. Dr. Kirsten Scheiwe

Sie veranstalten die internationale Konferenz „Motherhood and the Law“. Warum ist die Forschung in diesem Bereich wichtig?

Vaterschaften im Recht ist ein vieldiskutiertes Thema, während Mutterschaft als etwas „Selbstverständliches“ gilt – das ist es aber nicht. Was ist etwa, wenn mehrere Frauen beteiligt sind, etwa bei Leihmutterschaft und Eizellspende? Oder zwei Partnerinnen einer gleichgeschlechtlichen Ehe?

Einmal haben sich durch die Fortschritte der Reproduktionstechnik sehr viele neue Fragen und Herausforderungen an das Recht gestellt, von denen viele noch ungeklärt oder strittig sind, etwa im Zusammenhang mit Leihmutterschaft oder Eizellspende, die nach deutschen Recht verboten ist, während dies in anderen Rechtsordnungen erlaubt ist, etwa in Kalifornien oder der Ukraine. Bei einer Leihmutterschaft in Kalifornien, die von deutschen Wunscheltern in Auftrag gegeben wurde, kann dann das Kind nach kalifornischem Recht eine deutsche Mutter haben, die aber nach deutschem Recht nicht Mutter des Kindes ist, und im Niemandsland befindet sich das Kind.

Forschung ist auch wichtig, um Ungleichbehandlungen oder Diskriminierungen hinter dem geschlechtsneutralen Begriff von Elternteilen zu thematisieren. Denn dabei besteht die Gefahr dass aus dem Blick gerät, dass überwiegend Mütter die Betreuung und Versorgung der Kinder übernehmen und dass damit auch Nachteile (beim Einkommen, der Karriere, der Alterssicherung) verbunden sein können.

Was weiß man bisher über die rechtliche Regelung der Mutterschaft? Wo setzt ihre Forschung an, welcher Bereich ist zum Beispiel ungeklärt?

Durch Veränderungen der Lebensformen und auch durch die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen stellen sich neue Fragen an Mutterschaft und Elternschaft im Recht: Hat ein Kind dann rechtlich automatisch zwei Mütter (oder zwei Väter), oder mehr als zwei?

Wir untersuchen etwa die Frage nach dem Verhältnis von biologischen, genetischen und sozialen Kriterien bei der Zuordnung der Mutterschaft und Elternschaft. Das biologische Kriterium wird heutzutage von manchen überschätzt, während soziale Kriterien etwa bei der Adoption oder auch bei der Vaterschaftsvermutung des Ehemannes immer eine wichtige Rolle spielten. Und warum können nicht mehr als zwei Personen Eltern sein, wenn sie die faktische Verantwortung für das Kind teilen (etwa wenn Stiefmütter beteiligt sind)?

Was erforschen Sie derzeit in diesem Themenfeld in Hildesheim? Welcher Forschungsfrage gehen Sie und ihr Team nach?

Ein Teilprojekt aus unserem Forschungsverbund beschäftigt sich international vergleichend mit den Rechtsregeln über die gemeinsame elterliche Sorge nach Trennung und Scheidung, und wie Elternkonflikte rechtlich gelöst werden. Es gibt doch eine Reihe von Unterschieden, die sich auch auf die Verhandlungsmacht von Eltern in Trennungskonflikten auswirken. Wer darf was allein entscheiden, und was muss gemeinsam entschieden werden? Kann das Gericht etwa ein Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils anordnen oder nicht? Was ist, wenn ein Elternteil mit dem Kind im Inland umziehen will, und der andere ist dagegen? Während in England das Grundmodell die Alleinhandlungsmacht eines Elternteils mit Widerspruchsmöglichkeit des anderen ist – der muss dann das Gericht anrufen –, wird in Deutschland die gemeinsame Entscheidung auch nach Trennung und Scheidung stärker betont. Es gibt auch Zwischenlösungen – in Norwegen könnte das ein Elternteil dann allein entscheiden, wenn die Person das Kind überwiegend betreut. Wir fragen auch, wie sich unterschiedliche Rechtsregeln auf die Handlungsmöglichkeiten und Verhandlungsmacht getrennt lebender Eltern auswirken.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-15335 Mon, 03 Sep 2018 06:48:00 +0200 Freiheit der Künste: Künstlerinnen und Künstler sind Seismografen von Gesellschaften und Krisen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/freiheit-der-kuenste-kuenstlerinnen-und-kuenstler-sind-seismografen-von-gesellschaften-und-krisen/ Das Institut für Kulturpolitik setzt sein Fortbildungsprogramm für verfolgte Künstlerinnen und Künstler, Kulturmanager und Juristen fort. Das Auswärtige Amt unterstützt die Arbeit der Hildesheimer Forscher. Im September tagen Experten in Hildesheim und Berlin. „A vision on the protection of Freedom of Artistic Expression within International Cultural Policy”, Grußwort der Staatsministerin Michelle Müntefering (Auswärtiges Amt) anlässlich des Hildesheimer Forschungsprogramms, 07.09.2018 (englisch)

Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim setzt das Forschungsprogramm „Arts Rights Justice“ (Künste, Rechte, Gerechtigkeit) fort. Damit rücken die Forscherinnen und Forscher um Wolfgang Schneider, Universitätsprofessor für Kulturpolitik, das Schicksal verfolgter Künstlerinnen und Künstler und das Recht auf künstlerische Freiheit in den Fokus. Das Auswärtige Amt und weitere Partner unterstützen die Arbeit.

Im September 2018 tagen an der Universität Hildesheim 30 Künstler, Juristen und Kulturmanager unter anderem aus Tadschikistan, Nigeria, Argentinien, Simbabwe, Iran, Türkei, Ägypten, Indien, Japan, Schweden, Syrien, Deutschland, Brasilien, Afghanistan, Kanada, Norwegen, Jemen, Bangladesch, Irak, Belgien und Libyen.

Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Musiker, Dichter, Theaterregisseure, Menschenrechtsanwälte, Schriftsteller, Kulturmanager, Übersetzer und Journalisten, die Verfolgung und Repressionen erlebt haben und sich für künstlerische Freiheit einsetzen; etwa eine Malerin aus Tripoli, eine Menschenrechtsaktivistin aus Bangladesh, ein Journalist aus Äthiopien, eine Anwältin aus Indien, ein Soziologe aus São Paulo, ein Anwalt aus Iran, ein Musiker aus Pakistan und im Exil lebende Künstler und Juristen aus Mosul und Damaskus.

Acht Gastdozenten begleiten die „young professionals“ während der Fortbildung. Die mehrtägige englischsprachige Akademie ist nicht öffentlich und bietet Raum für Austausch und Wissenstransfer. Die Fortbildungsreihe soll 2019 fortgesetzt werden.

Künstlerinnen und Künstler begleiten politische Krisen mit künstlerischen Mitteln, oftmals unter Bedrohung

Die Fortbildung endet mit einer Tagung im Auswärtigen Amt in Berlin. Eine Teilnahme am öffentlichen Teil des „Arts Rights Justice Forum“ ist am Freitag, 7. September 2018 ab 14:00 Uhr nach vorheriger Anmeldung möglich (Details und Programm). Unter anderem spricht Staatsministerin Michelle Müntefering, zuständig für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt.

Künstlerinnen und Künstler sind „Seismografen von Gesellschaften“, sagt Professor Wolfgang Schneider. Sie begleiten politische Krisen und Transformationsprozesse mit künstlerischen Mitteln, oftmals unter Bedrohung und Repression. Wissenschaftler haben eine Verantwortung, die Gefährdung der Freiheitsrechte zu beforschen und ihre Außerkraftsetzung anzuprangern, begründet Schneider die Notwendigkeit des Hildesheimer Forschungsprogramms.

„Bedrohung kann unterschiedlich ausfallen und reicht von Selbstzensur bis zu Verfolgung, Inhaftierung und Ermordung“, sagt der Hildesheimer Kulturwissenschaftler Daniel Gad. „Wie es um die Akzeptanz von Freiheit und Vielfalt steht, ist regional sehr unterschiedlich“, so Gad.

Hildesheimer Online-Archiv soll künftig Einschränkungen künstlerischer Freiheit weltweit dokumentieren

Die Hildesheimer Forscher und Forscherinnen bauen aktuell eine Online-Bibliothek auf, in der die vielfältigen Einschränkungen künstlerischer Freiheit weltweit dokumentiert werden sollen („Arts Rights Justice Library“). Zudem entstehen derzeit Fallstudien in einzelnen Regionen, etwa zu der Frage, wie Vorfälle der Einschränkung künstlerischer Freiheit konkret gemanaged werden und welche Schutzmechanismen in den einzelnen Ländern erfolgen. In einem Atlas soll anhand juristischer Rahmenbedingungen dargestellt werden, wie die jeweiligen Verfassungen unserer Welt die Freiheit schützen oder einschränken. Die Forschung ist auf mehrere Jahre ausgelegt.

Themen der Fortbildung sind unter anderem:

  • Fundamentals of freedom of expression within human rights
  • Legal frameworks – freedom and threat
  • Advocacy and campaigning
  • Networking & funding
  • Working with artists: needs, protection, visas, relocation, dealing with psychological impacts

Das Team hinter dem Projekt „Arts Rights Justice“

Zunächst von 2017 bis 2018 wird das Pilotprojekt „Arts Rights Justice“ vom Auswärtigen Amt und der in Norwegen ansässigen Organisation „International Cities of Refuge Network“ unterstützt. Die Förderung ermöglicht es dem Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl rund um Professor Dr. Wolfgang Schneider, Dr. Daniel Gad und Michèle Brand, Forschung und Lehre in diesem Gebiet auszuweiten.

Kurz erklärt:

UNESCO-Lehrstuhl am Institut für Kulturpolitik

In Hildesheim ist ein Zentrum für kulturpolitische Forschung in Deutschland entstanden: Hier lehrt und forscht der erste und bisher einzige Universitätsprofessor für Kulturpolitik. Die UNESCO hat 2012 die Arbeit von Professor Wolfgang Schneider mit einem UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ (Kulturpolitik für die Künste innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse) ausgezeichnet.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim untersuchen mit Partnern aus dem Mittelmeerraum, afrikanischen und arabischen Ländern die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in politischen Umbrüchen. Sie befassen sich in Forschung und Lehre mit der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, mit dem Schutz und der Förderung von künstlerischen Ausdrucksformen, mit künstlerischen Freiheitsrechten und Menschenrechten sowie kulturpolitischen Rahmenstrukturen für kulturelle Bildung. Die Zielsetzungen der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt stellen hier einen wesentlichen Bezugspunkt dar.

Das Institut für Kulturpolitik bildet den Nachwuchs in den Studiengängen „Kulturvermittlung“ und „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ aus. Studentinnen und Studenten können den Schwerpunkt „Kulturpolitik im internationalen Vergleich“ wählen und innerhalb des vierjährigen Bachelor Plus-Studiums für ein Jahr an Partnerhochschulen in Marseille/Frankreich, Istanbul/Türkei, Vilnius/Litauen, Pretoria/Südafrika oder Casablanca/Marokko gehen. Die Forschungsprojekte der Studentinnen und Studenten im Masterstudium „Kulturvermittlung“ führen die Studierenden regelmäßig in alle Weltregionen.

Kontakt bei Fragen zur Tagung: Nele Tast, Pressestelle des Arts Rights Justice Programms (E-Mail: assistance.arj@gmail.com, Telefon: 0174 1943639).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, E-Mail:presse@uni-hildesheim.de, Telefon: 05121 883 90100)

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news-15336 Thu, 16 Aug 2018 12:53:00 +0200 „Ohne die Frauencharaktere würde der Roman nicht funktionieren“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/ohne-die-frauencharaktere-wuerde-der-roman-nicht-funktionieren/ Nach drei Jahren Forschung schließen acht Doktorandinnen und Doktoranden derzeit ihre Doktorarbeit im Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ ab. Im Interview geben die Doktorandin Alexandra Mieth und der Doktorand Jöran Klatt Einblicke in ihre Forschungsarbeit. Im Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ haben sich die Doktorandinnen und Doktoranden zum Beispiel mit Geschlecht in der Literatur, in Raptexten, in der bildenden Kunst und im Computerspiel auseinandergesetzt.

Im Kolleg fördert die Universität Hildesheim Promotionsprojekte aus den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften. Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden an der Universität Hildesheim, zu ihnen gehören die Erziehungswissenschaftlerinnen Professorin Kathrin Audehm und Professorin Meike Sophia Baader, die Sprachwissenschaftlerinnen Professorin Stefanie Brusberg-Kiermeier und Professorin Beatrix Kreß, der Soziologe Professor Michael Corsten, die Theaterwissenschaftlerin Professorin Annemarie Matzke und der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen.

Das Kolleg ist interdisziplinär, also fachübergreifend, ausgerichtet. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten tauschen regelmäßig Erkenntnisse aus – auf Tagungen, in Vorlesungsreihen, Workshops und in Arbeitssitzungen.

Während des dreijährigen Graduiertenkollegs haben die Doktorandinnen und Doktoranden an Angeboten der Karriereförderung teilgenommen und  sprachen zum Beispiel mit Professorin Meike Baader anlässlich ihres Vortrages über „Karrierewege in der Wissenschaft" und mit Markus  Weißhaupt über „Fördermöglichkeiten gegen Ende der Promotion“.

Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ wurde aus Mitteln des Professorinnenprogramms II finanziert, dass im Juni 2019 ausläuft. Insgesamt wurden acht Promotionsstipendien (monatlich 1250 Euro Unterstützung) vergeben.

„Wenn die Universität mit Ihrer Bewerbung im Professorinnenprogramm III ebenso erfolgreich ist wie im Professorinnenprogramm II, stehen die Chancen für die Fortsetzung des Graduiertenkollegs Gender und Bildung gut“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Silvia Lange.

„Ohne die Frauencharaktere würde der Roman nicht funktionieren“
Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Alexandra Mieth

Die Literaturwissenschaftlerin Alexandra Mieth schließt derzeit ihre Doktorarbeit zum Thema „Selbstbildungsprozesse und Gender in Graham Greenes Romanen“ ab. In ihrer Forschung befasst sich Mieth mit der Literatur der Postmoderne und Klassischen Moderne und mit Bildungsromanen.

Was untersuchen Sie in Ihrer Promotion?

Ich untersuche Romane des britischen Autors Graham Greene, dessen Werk in Hollywood mit renommierten Schauspielerinnen und Schauspielern wie Elizabeth Taylor, Richard Burton, Richard Attenborough und Helen Mirren verfilmt wurde. Ich fokussiere unter anderem die weiblichen Charaktere in den Romanen „Brighton Rock“, „A Gun for Sale“ und „Travels with My Aunt“.

Warum ist das wichtig?

Greenes literarisches Werk wurde bisher in der Genderforschung kaum beachtet. Der Schriftsteller gilt als katholischer Autor, seine Romane wurden theologisch erforscht, seine männlichen Figuren wurden traditionell untersucht. Auch auf humanistische Aspekte der Romane ist bereits eingegangen worden. Die weiblichen Charaktere wurden bisher kaum betrachtet, ebenso wenig wie die Krise der Männlichkeit in Greenes Werken eingehend erforscht wurde. Als Bildungsromane wurden die Erzählungen noch nicht angemessen gewürdigt. Dabei ist Greene als humanistisch geprägter Autor zu betrachten, der von der Bildungs- und Selbstbildungsfähigkeit des Menschen überzeugt war. Dieser These gehe ich in meiner Doktorarbeit auf den Grund.

Was sind erste zentrale Erkenntnisse Ihrer Forschung?

Graham Greene wird vorgeworfen, in sämtlichen Romanen keinen einzigen starken weiblichen Charakter erschaffen zu haben – dem widerspreche ich. Greene zeichnet sehr imposante Frauen, die nicht dem traditionellen Muster als Mutter folgen. Es gibt Frauen, die diesem Muster völlig widersprechen. Ohne die Frauencharaktere in den drei Romanen, die ich untersucht habe, würde der Roman nicht funktionieren. Im Thriller „Brighton Rock“ übernimmt Ida Arnold die Rolle der Detektivin, sie sorgt für Moral und Ordnung und Gerechtigkeit – das macht sie zu einer sehr starken Persönlichkeit.
Greenes Werke sind eine neue Interpretation des Bildungsromans. Mit den in den Romanen dargestellten Schicksalen können sich Leserinnen und Leser identifizieren, das beginnt bei den gängigen Namen der Hauptfiguren im Roman „The Comedians“: Mr Jones, Mr Brown, Mr und Mrs Smith. Der Autor ermöglicht, dass die Schicksale seiner Figuren auf die Schicksale realer Menschen übertragbar sind. In Greenes Romanen durchlaufen die Handelnden unterschiedlichen Geschlechts und verschiedener Altersstufen Bildungsprozesse, die sie zum Teil auch gegen die Widerstände der Gesellschaft verfolgen.

Welche Bedeutung spielt das Graduiertenkolleg Gender und Bildung in Ihrem wissenschaftlichen Werdegang?

Ich habe Lehramt mit den Fächern Anglistik und Germanistik studiert. Professorin Brusberg-Kiermeier und Professor Tholen haben mich während meiner Doktorarbeit sehr unterstützt. Das Graduiertenkolleg bietet darüber hinaus die Chance, hilfreiche Hinweise von den anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erhalten – die Einflüsse aus anderen Forschungsfeldern sind sehr anregend. Ein Graduiertenkolleg ist vor allem inhaltlich wertvoll, weit mehr als eine finanzielle Unterstützung. Ich schließe meine Doktorarbeit ab. Nun beginne ich meinen Vorbereitungsdienst an einer Grundschule in Niedersachsen – mit der Forschung werde ich am Nachmittag verbunden bleiben.

Die Fragen stellte Isa Lange.

„Im Netz versammeln sich unterschiedliche Menschen und formen Bündnisse“
Interview mit dem Politik- und Kommunikationswissenschaftler Jöran Klatt

Jöran Klatt hat an der Universität Göttingen Geschichte und Germanistik studiert. Seine Doktorarbeit im Rahmen des Hildesheimer Graduiertenkollegs „Gender und Bildung“ trägt den Titel: „Die #GamerGate-Kontroverse – Schmelztiegel der Gamer-Identität?“.

Mit welchem Thema befassen Sie sich in Ihrer Promotion?

Ich habe in meiner Doktorarbeit das Phänomen „#Gamer Gate“ untersucht, ein Streit, der im Internet in sozialen Netzwerken stattgefunden hat. Computerspielerinnen und Computerspieler haben sich seit 2014 organisiert, in der Debatte „#GamerGate“ ging es um Sexismus im Computerspiel, die vermeintliche Verstrickung von Spielejournalismus und Industrie aber auch um den Status des Computerspiels als entweder Kulturgut oder reinem Unterhaltungsprodukt. Die Auseinandersetzung zeigt die fragile Identität dieses jungen Milieus.

Ich forsche online-ethnografisch, ich bin sehr viel im Internet unterwegs, bewege mich in den sozialen Netzwerken, in denen die Kontroverse stattgefunden hat, und untersuche die Argumentationen. Sprachwissenschaftlich analysiere ich die Argumentationslinien.

Warum ist das wichtig?

Das Computerspielen bedeutet für die Computerspielerinnen und Computerspieler Identität. Ich möchte am Beispiel des Computerspiels herausfinden: Wo werden Identitäten verteidigt, herausgefordert, bestätigt, hinterfragt und kreiert?

Was sind erste zentrale Erkenntnisse Ihrer Forschung?

Der „#GamerGate“-Streit ist ein prototypisches Phänomen für viele Entwicklungen, die wir aktuell im Netz beobachten. Unterschiedliche Menschen versammeln sich und setzen sich zu Bündnissen zusammen, ein Interesse eint sie. Dieser Fall im Bereich der Computerspiele ist prototypisch für viele Phänomene des Politischen, das Netz befeuert die Auseinandersetzung – physische Räume werden leicht überwunden, das World Wide Web beflügelt die Bildung von neuen Bündnisketten. 

Welche Bedeutung spielt das Graduiertenkolleg Gender und Bildung in Ihrem wissenschaftlichen Werdegang?

Ich befinde mich derzeit mitten in der Niederschrift meiner Promotion. Mein Doktorvater ist Professor Corsten und meine Doktormutter Professorin Brusberg-Kiermeier, die Gespräche mit Professor Tholen sind äußerst wertvoll – er ist eine Koriphäe auf dem Gebiet der Männlichkeitsforschung. Obwohl das Kolleg inzwischen offiziell vorbei ist, stehen wir Stipendiatinnen und Stipendiaten noch in engem Austausch. Die Gemeinschaft war und ist eine große Hilfe.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-15186 Mon, 06 Aug 2018 17:54:00 +0200 „Wer mehrsprachig lebt, stellt vielfältige Querbezüge zwischen Sprachen her“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wer-mehrsprachig-lebt-stellt-vielfaeltige-querbezuege-zwischen-sprachen-her/ An der Universität Hildesheim bildet die Sprachwissenschaftlerin Professorin Elke Montanari Experten für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind an Schulen und in Verlagen tätig, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Jetzt bewerben bis zum 1. September 2018.

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“. Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus. und ist die stellvertretende Studiengangsleiterin des Studiengangs „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“, der von Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur entwickelt wurde.

Im Interview spricht Professorin Elke Montanari über die Inhalte des Studiengangs und Sprachforschung.

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Montanari

Die Universität bildet Experten für den Bereich Deutsch als Zweitsprache aus. Warum haben Sie das Studienangebot gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Interkulturelle Kommunikation und vom Institut für deutsche Sprache und Literatur entwickelt?

Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs – es reicht nicht, nur eine Sprache zu erlernen. Wir untersuchen: Wie werden die sprachlichen Mittel eingesetzt, um etwas zu erreichen – etwa in der Schule, in der Kindertagesstätte, in einem Unternehmen oder im Fremdsprachenunterricht.

Was ist besonders an dem Masterstudiengang in Hildesheim?

Wir haben unter anderem einen Alphabetisierungsschwerpunkt. In diesem Studienschwerpunkt beschäftigen wir uns damit, wie Kinder und Erwachsene schnell lernen, in deutscher Sprache zu schreiben; von der ersten Alphabetisierung – wie lernen sie die Buchstaben? – bis zur Textebene. Wenn ein Kind in der Schule in der 8. Klasse ist, reicht es nicht, die Buchstaben zu können, das Kind muss die Aufgabe bewältigen, die Klassenarbeit oder den Aufsatz schreiben können. Wie kommt man da hin? Die Absolventinnen und Absolventen unseres Studiengangs erwerben auch die Quailifikation, in Sprachkursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu unterrichten, das heißt sie dürfen ohne weitere Zusatzqualifikation in Alphabetisierungskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehren.

„Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs“

Aus welchen Bereichen kommen die Studentinnen und Studenten? Gibt es unterschiedliche Wege in das Studium?

Wir nehmen pro Jahr nur 25 Studentinnen und Studenten auf, es ist eine Gruppe, die sich gut kennt.. Wir sind interessiert an den vielfältigen Erfahrungen und Kenntnissen unserer internationalen Studentinnen und Studenten. Wir bemühen uns sehr, am Bühler-Campus ein Studium in persönlicher Atmposphäre zu ermöglichen. Wir haben Studierende aus aller Welt, aus Asien, aus Südamerika, die Deutsch als Fremdsprache zum Beispiel in China studiert haben und auf ihrem Studium mit dem Master in Deutschland aufbauen. Dann haben wir Studierende im Lehramt, die den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache“ zusätzlich zum Lehramtsstudium „Master of Education“ im Fach Deutsch studieren und sich damit besser vorbereitet fühlen auf ihre zukünftige Arbeit an Schulen. Es ist möglich, die beiden Masterstudiengänge Lehramt und DAZ zu kombinieren, wir haben einen Kombinationsplan mit umfangreichen Anrechnungsmöglichkeiten ausgearbeitet. Außerdem lernen hier Studierende, die zum Beispiel Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen oder andere sprachnahe Studiengänge im Bachelor studiert haben und die sich stärker und qualifiziert mit dem Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf gesellschaftliche Fragestellungen rund um Sprachen vorbereiten wollen.

Mit welchen Themen beschäftigen sich die Studentinnen und Studenten in den zwei Jahren zum Beispiel?

Wir befassen uns im Orientierungssemester mit der Sprachbeschreibung – wie kann man eigentlich die deutsche Sprache beschreiben, wie viele Fälle hat die Sprache, flektiert sie oder nicht? Ab dem ersten Semester setzen wir uns mit dem Unterricht in mehrsprachigen Lerngruppen auseinander. Neben dem didaktischen Schwerpunkt, dem Unterricht in ganz unterschiedlichen Lernkonstellationen in Deutschland und in aller Welt, geht es um die Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit und interkultureller Kommunikation, wir verzahnen Praxis und Theorie. Im Aufbausemester wird die Kommunikationsanalyse eingeführt, die Studierenden beobachten authentische Diskurse und analysieren diese. Sie setzen sich darüber hinaus mit Lehrmitteln und Medien für den Unterricht auseinander und befassen sich mit der Diagnose und Überprüfung von Sprachständen: Wie wird eigentlich festgestellt, wie gut jemand Deutsch kann, welche unterschiedlichen Verfahrensweisen gibt es und welche Vor- und Nachteile haben diese? Daran schließt sich ein Praxissemester an. Eine Studentin geht zum Praktikum nach Zypern, ein Student geht nach Vietnam, die Studentinnen und Studenten absolvieren ihre Praktika an Sprachschulen, im Goethe-Institut oder bei Verlagen, das ist ganz unterschiedlich und orientiert sich an den Interessen der Studierenden.

Wie arbeiten Sie international mit Kooperationspartnern zusammen?

Wir pflegen viele internationale Kontakte, ich greife einmal ein Beispiel heraus. Wir kooperieren mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten. Die Universität mit 220.000 Studierenden ist sehr groß, an der deutschen Abteilung in Kairo gibt es einen wissenschaftlichen Schwerpunkt, den es in Hildesheim so auch gibt. Wir beschäftigen uns in der Kooperation zum Beispiel mit Handlungsmustern in Bewerbungsgesprächen, im Unterricht, wie wird die Sprache angewendet? Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt unser Forschungsprojekt, wir setzen uns mit Mehrsprachigkeit in der Lehrerbildung in Deutschland und Ägypten auseinander. Eine Delegation aus Hildesheim war im Frühjahr in Ägypten, eine Delegation aus Kairo wird uns im Oktober in Hildesheim besuchen.

„Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt“

Die Studierenden befassen sich auch mit dem Thema Multikompetenz. Wie können denn Mehrsprachige besondere Fähigkeiten einsetzen, ob im Beruf, in der Ausbildung und Schulzeit oder im Alltag?

Das ist ein Begriff von Vivian Cook. Ein sehr einfaches Verständnis von Mehrsprachigkeit ist das additive Konzept: Man lernt eine Sprache, dann kommt noch eine Sprache hinzu, oder vielleicht nur eine halbe Sprache – als würden Sprachen nebeneinander stehen. Dem ist natürlich nicht so. Multikompetenz bedeutet, dass Menschen, die in mehreren Sprachen leben, vielfältige Querbezüge herstellen. Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt. Wir beobachten Wirkungen der Sprachen untereinander. Aus dem sprachlichen Wissen werden diejenigen Begriffe und sprachlichen Mittel herausgesucht, die in dem Moment für die sprachliche Handlung besonders wertvoll sind. In der wissenschaftlichen Kommunikation ist das üblich, dass italienischsprachige und spanischsprachige Personen in einer Diskussion miteinander alle sprachlichen Mittel einsetzen, ohne dass jemand sagt: „Halt, das Wort darf man nicht verwenden.“ Kann man das für die Schule nutzbar machen? Wir haben gerade in Deutschland die Situation, dass ältere Jugendliche in die Schule kommen, und noch während sie in die Schule kommen, schon Fachlernen bewältigen müssen. Da stellt sich die Frage: Wie kann ich fachlich anspruchsvoll unterrichten, wenn die sprachlichen Mittel zwar schon erworben sind, aber noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um komplexe Themen in der Sekundarstufe I zu bearbeiten. Es geht mir darum, die spezifische Kompetenz mehrsprachiger Kinder und Erwachsener zu begreifen. Ich beschäftige mich zum Beispiel mit der Frage, wie man die Sprachenvielfalt in den Unterricht einbinden kann, welchen Sinn das hat und wo es vielleicht nicht funktioniert.

Einige Absolventen gehen ins Ausland, um die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten

Wie sind die bisherigen Erfahrungen, welche beruflichen Perspektiven stehen den Absolventinnen und Absolventen Ihres Studiengangs offen? Welche Wegen können nach dem Studium folgen?

Die Aussichten sind sehr gut – uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben. Die Berufsfelder, in denen unsere Absolventen tätig sind, sind vielfältig – einige gehen im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ ins Ausland, um dort die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten. Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen unsere Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig. Unsere Lehramtsstudierenden sind sehr gefragt als Lehrkräfte an öffentlichen Schulen. Und einige lehren und forschen an Universitäten, gerade habe ich eine Promotionsstelle ausgeschrieben.

Bis wann ist eine Bewerbung möglich? Wann beginnt das Studium? Und können Berufstätige das Masterstudium mit dem Beruf kombinieren?

Eine Bewerbung um einen Masterstudienplatz ist bis zum 1. September 2018 möglich. Bewerbungen sind willkommen! Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, wir bieten Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an. Zudem können Lehramtsstudierende des „Master of Education“ den Master „Deutsch als Zweitsprache“ auch im Parallelstudium studieren, es gibt umfangreiche Möglichkeiten der Anrechnung, das Schulpraktikum wird zum Beispiel angerechnet.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte: Weitere Informationen.

Kontakt bei Fragen

Wer Fragen zum Masterstudiengang hat, kann Prof. Dr. Elke Montanari kontaktieren via elke.montanari@uni-hildesheim.de.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Studierendenportal Startseite Forschung
news-15171 Mon, 06 Aug 2018 07:15:00 +0200 Zahlentheorie: Interview mit Mathematikprofessor Jürgen Sander https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/zahlentheorie-interview-mit-mathematikprofessor-juergen-sander/ Aus der Forschung: Mit den Eigenschaften der ganzen Zahlen befasst sich eine Arbeitsgruppe um Professor Jürgen Sander. Die Zahlentheorie sei faszinierend, da sie „Methoden aus fast allen anderen mathematischen Disziplinen verwendet und innerhalb der Mathematik extrem gut vernetzt ist“. Im Interview verrät der Hildesheimer Mathematiker, wie Forscher zu mathematischen Entdeckungen gelangen. Prof. Dr. Jürgen Sander forscht und lehrt seit 2009 am Institut für Mathematik und Angewandte Informatik der Universität Hildesheim. Dort leitet er die Abteilung Algebra und Zahlentheorie. Seit 2013 ist Jürgen Sander auch Vizepräsident für Lehre und Studium, was seine Zeit zur Forschung merklich einschränkt.

Zu seinen Forschungsgebieten zählen seit seinem Studium die Elementare und Analytische Zahlentheorie mit Arbeiten zu diversen Fragestellungen aus diesen und verwandten Disziplinen. Einen langjährigen Schwerpunkt bildete dabei das Problem der Primfaktorisierung von Binomialkoeffizienten. In den letzten 15 Jahren hat er sich intensiv der Algebraischen Graphentheorie gewidmet, die ein Bindeglied zwischen Graphentheorie, Algebra und Zahlentheorie bildet.

Im Interview spricht Jürgen Sander über bedeutende mathematische Künstler wie den Bonner Professor Peter Scholze, der in diesem Jahr für seine tiefliegenden Einsichten in der arithmetischen Geometrie mit der Fields-Medaille, dem Nobelpreis für Mathematik, ausgezeichnet wurde. Zudem spricht Sander über seit vielen Jahrhunderten ungelöste Probleme der Zahlentheorie, über die Unterstützung des akademischen Nachwuchs und die Bedeutung von Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrern.

Interview mit dem Mathematiker Prof. Dr. Jürgen Sander

Der Bonner Professor Peter Scholze wurde aktuell für herausragende Entdeckungen in der Mathematik mit der Fields-Medaille, dem „Nobelpreis für Mathematik“, ausgezeichnet. Er arbeitet in der arithmetischen Geometrie. Sie sind Zahlentheoretiker – freut es Sie, dass ein Kollege aus einer Teildisziplin der Zahlentheorie diese hohe Anerkennung erhält?

Jürgen Sander: Es freut mich insofern, als es mein langjähriges Forschungsgebiet für einen Moment in den Fokus einer interessierten Öffentlichkeit rückt – wie es in den 1980ern geschah, als Gerd Faltings nach bedeutenden Fortschritten auf dem Weg zum Beweis der Großen Fermat’schen Vermutung als erster und bislang einziger Deutscher mit der Fields-Medaille ausgezeichnet wurde, oder ein weiteres Mal um die Jahrtausendwende, als Andrew Wiles die über 300 Jahre offene Fragestellung von Fermat schließlich vollständig klären konnte.

Unerfreulich – wie häufig bei Presseberichten über herausragende mathematische Ereignisse – ist jedoch die Art der Berichterstattung über Peter Scholze. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung titelte in einem Artikel auf der ersten Seite: „Der Superrechner“. Das ist despektierlich und vor allem völlig unangemessen. Dem Preisträger in erster Linie bemerkenswerte Rechenfähigkeiten zu attestieren wäre vergleichbar damit, den Pianisten Lang Lang als „Supertonleiternspieler“ zu loben. So wie einfache Fingerübungen selbstverständlich die Basis virtuosen Klavierspiels sind, so ist eine gewisse Rechenfähigkeit Grundlage jeglicher Beschäftigung mit Mathematik, aber Scholze hat die Fields-Medaille für seine grandiosen Einsichten in tiefliegende mathematische Zusammenhänge, die auf seinem ungewöhnlichen Ideenreichtum und bemerkenswerter Kreativität fußen, erhalten. Eine Überschrift wie etwa „Ein bedeutender mathematischer Künstler“ hätte mir gut gefallen.

Weil auch viele Nichtmathematiker dieses Interview lesen – können Sie einmal beschreiben, was Sie an der Welt der Zahlen fasziniert?

Zahlentheorie ist eine der (wenigen) mathematischen Disziplinen, in denen einfach zu formulierende, auch mathematischen Laien zugängliche Fragen schwer oder bislang gar nicht zu beantworten sind. Zwei solche Beispiele aus der Welt der Primzahlen 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, …  sind die Goldbach-Vermutung, wonach sich jede der geraden Zahlen 6,8,10,12,14,16, …  als Summe von zwei ungeraden Primzahlen ergibt (6 = 3+3, 8 = 5+3, 10 = 5+5 =7+3, 12= 7+5, …), und die Primzahlzwillingsvermutung, gemäß der es unendlich viele Primzahlzwillinge, also Primzahlen mit Differenz 2 (wie zum Beispiel die Paare 3,5 oder 5,7 oder 11,13), gibt. Beide Probleme sind viele Jahrhunderte alt und bisher ungelöst. Weiterhin fasziniert mich an der Zahlentheorie, dass sie Methoden aus fast allen anderen mathematischen Disziplinen verwendet, also innerhalb der Mathematik extrem gut vernetzt ist. Dies belegen schon die Namen von Teildisziplinen wie algebraische Zahlentheorie, analytische Zahlentheorie oder probabilistische Zahlentheorie, Geometrie der Zahlen oder auch die arithmetische Geometrie, das Hauptforschungsgebiet von Peter Scholze.

„Mathematik erfordert eine hohe Frustrationstoleranz – das Erfolgskriterium ist ein korrekter Beweis“

Sie befassen sich in der Forschung mit den Eigenschaften der ganzen Zahlen. Wie sind Sie denn zur Zahlentheorie gekommen?

Das geschah eher zufällig, oder besser gesagt aufgrund der Persönlichkeit meines ersten Zahlentheorie-Professors. Die bereits oben genannte enge Verzahnung der Zahlentheorie innerhalb der Mathematik hat dann wesentlich zu einer dauerhaften Faszination beigetragen.

Wie läuft Ihr Alltag in der Forschung als Zahlentheoretiker ab, wie gelangen Sie zu Erkenntnissen und Entdeckungen? Arbeiten Sie mit Stift und Papier, mit Berechnungen am Computer oder Beobachtungen des Alltags?

Es gibt verschiedene Arten von Entdeckungen. Einerseits existieren in der mathematischen Fachliteratur unfassbar viele offene, teilweise jahrzehnte- oder gar jahrhundertealte Fragestellungen, von denen manche aufgrund ihrer Konsequenzen von der Fachwelt als besonders wichtig erachtet werden. Meist gibt es dazu numerisches – heutzutage natürlich computerbasiertes – Datenmaterial, was gewisse Vermutungen nahelegt. Am Beweis solcher Vermutungen versuchen sich oft – und leider meist vergeblich – viele Mathematikerinnen und Mathematiker. Unter solchen Problemen finden sich auch manche, die in  Anwendungsgebieten wie zum Beispiel Physik oder Wirtschaftswissenschaften ihren Ursprung hatten. Während die Jahrtausende zurückliegenden Anfänge der Mathematik nahezu ausschließlich auf Alltagsbeobachtungen basierten, spielen solche heute eine eher geringe Rolle.

Andererseits werfen selbst erarbeitete Antworten auf mathematische Fragen in aller Regel Folgeprobleme auf, denen ich mich dann so lange widme, bis sie geklärt sind oder bis ich es leid bin – Mathematik erfordert eine hohe Frustrationstoleranz, und das Erfolgskriterium ist gnadenlos und ausschließlich ein korrekter Beweis. Es interessiert in der Regel niemanden, was man dafür alles vergeblich versucht hat.

Wie die meisten Mathematikerinnen und Mathematiker arbeite ich mit Stift und Papier, wobei das Notierte in erster Linie als Gedankenstütze für die im Kopf entstandenen Argumentationslinien dient. Exemplarische Beispielberechnungen, um den Phänomenen und Strukturen auf die Spur zu kommen, müssen wir heute nicht mehr von Hand durchführen. Die durch die Verwendung von Computern und Algebra-Systemen gesparte Zeit verbringen wir damit, uns darüber zu ärgern, dass die Rechenmaschine nicht tut was wir möchten. Im Ernst: Der seit einigen Jahrzehnten mögliche Einsatz von extrem effizienten Rechenhilfen hat die Entwicklung der Mathematik und insbesondere die mancher Gebiete wie zum Beispiel der Graphentheorie enorm beflügelt.

„Mathematik ist auch eine Geisteswissenschaft“

Unternehmen Zahlentheoretiker vor allem geistige Ausflüge? Wie greifbar sind die Phänomene, mit denen Sie sich beschäftigen?

Mathematik gilt vielen als Naturwissenschaft insofern, als sie immer schon Phänomene unserer physikalischen Welt zu beschreiben und die dahinter stehenden Gesetzmäßigkeiten zu entdecken versucht hat. Andererseits ist die wesentliche Tätigkeit von Mathematikerinnen und Mathematikern das Beweisen. Wir können aber um Beispiel die Kepler’schen Gesetze der Himmelsmechanik nicht beweisen, da wir die Axiome unseres Universums nicht kennen. Die Mathematik behilft sich damit, dass sie ihre Axiome eigenmächtig festsetzt (und hofft, dass diese die Grundprinzipien des Universums widerspiegeln, aber anderenfalls hätten die Mathematikerinnen und Mathematiker auch kein Problem!). Insofern ist Mathematik definitiv (auch) eine Geisteswissenschaft – seelenverwandt mit der Philosophie. Mein Philosophie-Professor aus Studententagen resümierte einmal: „Philosophie und Mathematik sind eng verwandt. Der Unterschied ist: Philosophie beschäftigt sich mit höchst bedeutsamen Fragen des Lebens, kann aber nichts beweisen. Die Mathematik beweist all ihre Erkenntnisse, aber niemanden interessieren die bewiesenen Aussagen.“

Ich sehe mich eher als Vertreter der geisteswissenschaftlichen Fraktion. Gleichwohl sind die Phänomene für mich greifbar, allerdings auf einem höheren Abstraktionsniveau. Unabhängig davon ist Mathematik seit Jahrtausenden extrem erfolgreich als Zulieferer für diverse andere Wissenschaften, also Hilfswissenschaft auch zum effizienten Lösen von „Alltagsproblemen“.

Die mathematische Theoriebildung sollte also nicht an der unmittelbaren Anwendbarkeit gemessen werden?

Ich halte es für unklug, Wissenschaft zu sehr anhand der kurzfristigen Anwendbarkeit und damit meist mit wirtschaftlichen Maßstäben zu messen. Dass Mathematikerinnen und Mathematiker dies können, haben sie immer wieder nachgewiesen. Ein antikes Beispiel ist Thales, dem nachgesagt wird, die Nutzlosigkeit der Philosophie, zu der nach damaliger Ansicht auch Mathematik und Astronomie zählten, folgendermaßen widerlegt zu haben:  Seine Sternenbeobachtung versprach eine reiche Olivenernte.  Noch im Winter mietete er ohne Konkurrenz für geringes Geld alle Ölpressen in Milet und Chios. Als dann  ein hoher Bedarf an Ölpressen entstand, vermietete er sie zu seinen Bedingungen und erwarb großen Reichtum. Jüngere Beispiele für zunächst „nutzlos“ erscheinende mathematische Erkenntnisse sind solche der Gruppentheorie in der Algebra oder der Primzahltheorie. Beide erwiesen sich erst nach langer Zeit als „anwendbar“, sogenannte Quantengruppen zum Beispiel als Instrument der Quantentheorie und Primzahlen als effektive Bausteine in der modernen Krytographie. Anwendbarkeit ist also ein relativer Begriff.

Der mit der Fields-Medaille ausgezeichnete Bonner Professor ist erst 30 Jahre alt. Wie erleben Sie in Hildesheim den akademischen mathematischen Nachwuchs?

Natürlich lassen sich unsere Lehramtsstudierenden für das Schulfach Mathematik an Grund-, Haupt- und Realschulen hinsichtlich ihrer fachmathematischen Fähigkeiten nicht mit einem Mathematiker messen, dessen Ausbildung ausschließlich dazu diente, ihn zumindest in einigen Gebieten an die aktuelle Forschung der Fachwissenschaft heranzuführen. Wir vom Institut für Mathematik und angewandte Informatik – und zwar unabhängig davon, ob wir stärker fachdidaktisch oder fachmathematisch sozialisiert wurden – sind uns gleichwohl darin einig, dass gutes Unterrichten von Mathematik schon ab der 1. Klasse einer Grundschule eine solide fachmathematische Grundausbildung voraussetzt, die in ihrem Verständnis (auch des Grundrechnens) erheblich mehr Tiefe aufweist, als in der Schule vermittelt werden kann. Es ist zu fragen, warum viele Schülerinnen und Schüler Mathematikunterricht als uninteressant, formelhaft und unverständlich erleben, was bei vielen Erwachsenen eine mulmige, angstbesetzte bis komplett negative Erinnerung zurücklässt. Die Persönlichkeit von Lehrkräften, die erwiesenermaßen der größte Einflussfaktor auf den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern ist, kann sich sicherlich nur dann vorteilhaft entfalten, wenn die Lehrperson eine große fachliche Souveränität ausstrahlt. Fraglos kommen noch viele weitere Eigenschaften und Qualitäten hinzu. Leider haben viele unserer Mathematik-Studierenden in ihrer Schulzeit selbst negative Erfahrungen mit Mathematik gemacht. Sie davon zu überzeugen, dass Mathematik interessant, kreativ und nützlich ist, ist manchmal nicht so einfach.

Was untersuchen Sie und Ihre Doktorandinnen und Doktoranden zum Beispiel aktuell in Hildesheim – welchem Problem sind Sie auf der Spur?

Meine beiden letzten Doktoranden haben 2016 bzw. 2017 mit fachmathematischen Themen promoviert, die sich auf wenigen Zeilen ohne mathematische Fachterminologie (inkl. Formeln) nicht adäquat darstellen lassen (siehe das Interview mit dem Zahlentheoretiker Jan-Hendrik de Wiljes). Vor wenigen Wochen hat meine aktuelle Doktorandin Melissa Windler eine Dissertation beim Fachbereich 4 eingereicht, die der Frage nachgeht, ob andere als die aktuell gemäß niedersächsischem Kerncurriculum an Grundschulen vermittelte Mathematik (konkret: Graphentheorie) vielleicht besser geeignet sein könnte, Kindern mathematisches Denken – und nicht nur Rechnen – zu vermitteln und ihre diesbezügliche Motivation zu erhalten oder gar zu erhöhen. Der Fragestellung entsprechend hat die Arbeit starke Bezüge zur pädagogischen Psychologie unter Verwendung quantitativ empirischer Methoden, was für einen „reinen“ Mathematiker, der im Grunde nur eine Methode (Beweisen!) kennt, durchaus eine Herausforderung darstellt. Nach meiner Einschätzung ist allgemein die Frage, ob diejenigen mathematischen Gebiete, die in unterschiedlichen Klassenstufen oder auch zu Beginn eines jeden Mathematikstudiums traditionell im Vordergrund stehen, tatsächlich jeweils die geeignetsten zum Lernen mathematischer Denk- und Arbeitsweisen sind.

Ich weiß nicht, wie leicht es die Fachdisziplin Mathematik hat – aber die Konkurrenz in den Anwendungsbereichen ist groß. Wie unterstützen Sie junge Mathematikerinnen und Mathematiker, damit diese am Ball bleiben und der Mathematik nicht eines Tages den Rücken kehren?

In Zeiten, in denen ein immer höherer Prozentanteil an Schulabsolventinnen und Schulabsolventen wie auch Berufstätigen an die Hochschulen strömt, können bei weitem nicht alle als Forscherinnen oder Forscher tätig bleiben. Es ist richtig, dass heute Universitäten weniger „Bildungstempel“ und deutlich mehr Wirtschaftsunternehmen als früher sind. Das hängt mit einer ständigen Steigerung der Qualifikationsansprüche an Arbeitskräfte in allen Berufsfeldern und somit einer Akademisierung vieler ehemaliger Lehrberufe zusammen. Unter diesem Gesichtspunkt sehe ich Anwendungsbereiche in keinster Weise als Konkurrenz zur Mathematik, sondern als Tätigkeitsfelder, in denen systematisches Denken und Analysieren helfen, die dort auftretenden Herausforderungen zu meistern. Dies bedeutet also keineswegs eine Abkehr von der Mathematik. Es ist für mich auch überhaupt nicht verwunderlich, dass Mathematikerinnen und Mathematiker in fast allen Berufsfeldern begehrte Arbeitskräfte sind, ein Blick in die Bildungslebensläufe der Vorstände führender DAX-Unternehmen wird vielleicht manche(n) überraschen.

„Mathematikerinnen und Mathematiker sollten sich an der Diskussion über guten Unterricht aus fachlicher Perspektive beteiligen“

Das Institut für Mathematik und Angewandte Informatik bildet Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen aus. Welche Bedeutung hat für Sie als Mathematiker die Lehrerausbildung?

Die Zeiten, in denen die (Gymnasial-)Lehrerbildung an vielen – insbesondere technischen – Universitäten als lästige Pflicht betrachtet wurde, liegt in Deutschland noch nicht lange zurück. Unter zahlreichen meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Mathematik war die Klage über die ständig sinkenden mathematischen Kompetenzen von Erstsemestern laut, aber mein Einwand, dass wir Fachmathematikerinnen und Fachmathematiker uns dann vielleicht stärker um die zukünftigen Lehrkräfte kümmern sollten, verhallte meist wirkungslos. Die traditionell außerordentlich hohen Abbrecherquoten wurden wie eine Naturkonstante hingenommen.

Ich habe stets versucht, an den Universitäten, an denen ich gearbeitet habe, auch spezielle Vorlesungen für Lehramtsstudierende anzubieten – und dies aus reinem Egoismus in der Hoffnung auf bessere Lehrkräfte und letztlich bessere Mathematikstudierende. Meine Aufforderung an meine Fachkolleginnen und Fachkollegen, das Feld der Schulmathematik nicht allein der Didaktik zu überlassen, sondern sich an der Diskussion über guten Unterricht auch aus fachlicher Perspektive zu beteiligen, war nur in Einzelfällen erfolgreich.

Inzwischen sind wir auf einem besseren Weg, viele Didaktikerinnen und Didaktiker teilen mittlerweile die Einschätzung, dass solide fachmathematische Basiskenntnisse einer gewissen Breite und hinreichenden Tiefe die Voraussetzung für guten Mathematikunterricht sind. Erst damit ist es möglich, sich sinnvoll Gedanken über Lehren und Lernen zu machen, was angesichts der jüngeren vielfältigen Entwicklungen der Bildungswissenschaften wie der Kognitionswissenschaften enorme zusätzliche Qualifizierung erfordert.

Kurz gesagt: Lehrer ist der wichtigste Beruf einer Gesellschaft.  Na gut, Ärztinnen und Ärzte finde ich manchmal auch ganz nützlich.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Startseite Forschung Personalportal
news-15121 Tue, 31 Jul 2018 08:46:25 +0200 Professorin Marianne Kneuer leitet politikwissenschaftlichen Weltverband https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professorin-marianne-kneuer-leitet-politikwissenschaftlichen-weltverband/ Professorin Marianne Kneuer wurde einstimmig zur Präsidentin der „International Political Science Association“ gewählt. Die internationale politikwissenschaftliche Fachvereinigung fördert den Austausch zwischen Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern weltweit und wurde vor knapp 70 Jahren auf Initiative der UNESCO gegründet. Eine Aufgabe sieht Marianne Kneuer im Einsatz für die Wissenschaftsfreiheit. Professorin Marianne Kneuer wurde am 24. Juli 2018 einstimmig zur Präsidentin der „International Political Science Association“ (IPSA) gewählt. Die Politikwissenschaftlerin der Universität Hildesheim wird vom 24.7.2018 bis 26.7.2020 den politikwissenschaftlichen Weltverband leiten und folgt auf Professor İlter Turan von der Bilgi Universität in Istanbul. Im politikwissenschaftlichen Weltverband arbeitet Kneuer mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem aus Argentinien, Kanada und Indien, aus Italien, Japan und Mexiko sowie Polen, Südafrika und der Türkei zusammen.

„Die besondere Mission von IPSA ist es, das globale Miteinander in unserer Disziplin zu fördern. Das bedeutet aber auch, alle Regionen anzusprechen und einzubeziehen – auch den globalen Süden. Dies mache ich mir zu einer zentralen Aufgabe während meiner Präsidentschaft“, sagt Professorin Marianne Kneuer.

Eine weitere Aufgabe sieht Marianne Kneuer im Einsatz für die Wissenschaftsfreiheit. „Die Herausforderung für unsere Gemeinschaft – gerade die Politikwissenschaft – hat in den letzten Jahren zugenommen, und zwar nicht nur bei autoritären üblichen Verdächtigen, sondern auch in demokratischen Ländern. Die Methoden zur Einschränkung der akademischen Freiheiten und der Redefreiheit sind subtiler geworden. Wir brauchen ein besseres Verständnis von der Bandbreite der Verstöße, aber auch von Lösungsansätzen. Daher sollten wir mit anderen internationalen und regionalen Organisationen, die mit den gleichen Problemen konfrontiert sind, Netzwerke aufbauen, um gemeinsam effizienter zu sein“, so die Wissenschaftlerin.

Marianne Kneuer forscht und lehrt seit 2011 als Professorin für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Von 1994 bis 1998 gehörte Kneuer dem Planungsstab von Bundespräsident Herzog an. Davor war sie als Journalistin, unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, tätig. Sie ist Mitherausgeberin der „Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft“. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Demokratie-, Europa- und Autokratieforschung und vergleichenden Regimeforschung. Regionale Schwerpunkte sind Süd- und Osteuropa sowie Lateinamerika. In Hildesheim ist Marianne Kneuer zudem Ombudsfrau für gute wissenschaftliche Praxis und befasst sich mit ethischem Fehlverhalten in der Wissenschaft.

Kneuer ist bereits seit Jahren in dem internationalen Verband tätig, unter anderem als Vizepräsidentin. Im vergangenen Jahr tagte der politikwissenschaftliche Weltverband in Niedersachsen. Die Konferenz „Political Science in the Digital Age: Mapping Opportunities, Perils and Uncertainties“ wurde von Professorin Marianne Kneuer und ihrem Hildesheimer Team organisiert. 200 Expertinnen und Experten haben sich mit Cyberkriminalität, mit der digitalen Kommunikation in autoritären Staaten und mit digitalen Medien im Wahlkampf befasst.

Die internationale politikwissenschaftliche Fachvereinigung hat derzeit rund 3.600 Mitglieder und fördert den Austausch zwischen Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern weltweit. Die „International Political Science Association“ wurde 1949 auf Initiative der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) in Paris gegründet und feiert 2019 ihr 70-jähriges Bestehen.

Politikwissenschaft in Hildesheim

Marianne Kneuer hat an der Universität Hildesheim den bundesweit viel beachteten Forschungsbereich „Politik und Internet“ aufgebaut. Sie befasst sich mit den Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft, mit digitaler Vernetzung und den Wechselwirkungen zwischen Digitalisierung, politischen Prozessen und Akteuren. Die Beschäftigung mit digitalen Medien verknüpft die Professorin mit ihrem anderen Forschungsschwerpunkt, der Analyse von Demokratien und Autokratien.

Weitere Informationen: Presseinformation der IPSA (Englisch)

Prof. Marianne Kneuer Elected as New President of IPSA

Medienkontakt: Kontakt zur Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100 und 0177 8605905).

Süddeutsche Zeitung und Deutschlandfunk: Interviews mit Professorin Marianne Kneuer

Deutschlandfunk, Sendung „Kulturfragen“, Interview mit Professorin Marianne Kneuer, „Feststehende Gewissheiten sind ins Wanken gekommen / Nach 1989 schien die Welt vereint im Streben nach Demokratie. Der andauernde Vormarsch von Hass und Autokratien führe nun zu einigen Umwälzungen in den Köpfen von Politologen, sagte die Präsidentin des politikwissenschaftlichen Weltverbandes Marianne Kneuer im Dlf. Sie sieht auch die Wissenschaftsfreiheit bedroht", 18.08.2018, Radiobeitrag, ~30 Min., [Interview online nachhören, Audio-Datei zeitlich begrenzt online abrufbar auf dlf.de]

Süddeutsche Zeitung, Interview mit Professorin Marianne Kneuer, „'Eine Art von Selbstzensur' / Die Hildesheimer Professorin Marianne Kneuer wurde soeben an die Spitze des Weltverbandes der Politikwissenschaftler gewählt", 06.08.2018 (print) [Interview online lesen auf sueddeutsche.de]

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Startseite Forschung
news-15024 Fri, 13 Jul 2018 10:19:00 +0200 Universitätsprofessor für Kirchengeschichte: Jörg Bölling https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaetsprofessor-fuer-kirchengeschichte-joerg-boelling/ Jörg Bölling forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Kirchengeschichte an der Universität Hildesheim. Zu den Forschungsgebieten des promovierten Historikers und Theologen zählen unter anderem die Ökumene in Mittelalter und Früher Neuzeit, das Papsttum und die Kirchenreformen. Seit Januar 2018 forscht und lehrt Prof. Dr. Dr. Jörg Bölling am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim. In der Forschung befasst sich Jörg Bölling mit dem Papsttum, den Heiligen und den Kirchenreformen.

Aktuell erforscht der Theologe und Historiker unter anderem die Ökumene in Mittelalter und Früher Neuzeit. „Im Verbund mit anderen Expertinnen und Experten möchte ich Reformversuche aufspüren, die für gegenwärtige Fragen im Dialog von evangelischer, orthodoxer und katholischer Theologie wieder von Relevanz werden könnten.“ Daneben laufen Projekte zum Papsttum, zu einzelnen Heiligen und zur Hildesheimer Bistumsgeschichte.

Aufbau des „Hildesheimer Glossars lateinischer theologischer Fachbegriffe“

Soeben fertiggstellt hat der Professor das „Hildesheimer Glossar lateinischer theologischer Fachbegriffe“, das „online über die Universitätsbibliothek verfügbar gemacht werden soll. Ursprung und Erweiterungen dieses Glossars stammen unter anderem aus studentischen Protokollen zu meinen Lehrveranstaltungen“, so Bölling. Neben der Kirchengeschichte sind auch die systematische Theologie (Dr. Ulrike Wick-Alda) und die theologische Ethik (Prof. Dr. Alexander Merkl) am Glossar beteiligt.

Darin enthalten sind Wörter und Ausdrücke wie „missio canonica“ (das bedeutet „kirchliche Entsendung“, Beauftragung für den Religionsunterricht an Schulen) und „Nostra aetate“ („In unserer Zeit“, Anfangsworte eines zentralen Konzilsdokuments zum interreligiösen Dialog).

„Die Lateinkenntnisse gehen gesamtgesellschaftlich zurück. Durch die digitalen Technologien wird ein schneller, ortsunabhängiger und zuverlässiger Zugriff auf zentrale lateinische Ausdrücke eröffnet, der einen eigenständigen Umgang mit theologischen Quellen und Dokumenten ermöglicht“, sagt Jörg Bölling. Langfristig soll in Hildesheim ein Online-Wörterbuch lateinischer theologischer Grundbegriffe entstehen – mit Verknüpfungen zu weiteren digital verfügbaren Dokumenten und Hilfsmitteln.

„Die Lateinkenntnisse gehen gesamtgesellschaftlich zurück“

Die Berufung auf die Professur für Kirchengeschichte in Hildesheim sieht Jörg Bölling als Chance: „Als Stadt und Bischofssitz spielt Hildesheim seit jeher eine große Rolle. An der Universität fasziniert mich die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Personen, Fächern und Fachbereichen – eine Folge kurzer Wege, aber auch unverkennbar erprobter Kooperationen kompetenter Persönlichkeiten. Das gilt gerade auch für die beiden theologischen Institute. Noch während meiner Tätigkeit als Professur-Vertreter meinte eine auswärtige Gutachterin zu mir, Hildesheim sei die aufstrebende junge Universität Niedersachsens. Ohne zu zögern habe ich daher ein Alternativangebot abgelehnt und den Ruf an die Innerste angenommen“, so Bölling.

Jörg Bölling bildet Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Katholische Theologie für Grund-, Haupt- und Realschulen in Hildesheim aus und für das Gymnasium in Hannover.

„Als Stadt und Bischofssitz spielt Hildesheim seit jeher eine große Rolle“

Jörg Bölling ist 1974 in Coesfeld im westlichen Münsterland geboren. In Münster wurde er zum Kirchenmusiker ausgebildet. Auf sein Studium der Fächer katholische Theologie, Geschichte, Latein und Pädagogik (Lehramt für Sekundarstufe I und II, Staatsexamen 1999), im zweiten Studiengang auch Musikwissenschaft und historische Hilfswissenschaften, in Münster und Venedig, folgten Stipendien in Münster, Trient, Mailand und Rom, 2004 dann die Promotion in Geschichte (Dr. phil., Universität Münster), 2010 in Kirchengeschichte (Dr. theol., Universität Bochum) und 2013 die Habilitation für Mittlere und Neuere Geschichte sowie Historische Hilfswissenschaften (Universität Göttingen).

Anschließend vertrat Bölling Professuren an den Universitäten Wuppertal, Göttingen und Hildesheim, hier auch mit Lehre in Hannover für die Lehramtsausbildung sowie für das Fach Religionswissenschaft. Wegweisend für die Forschung waren unter anderem  ein Forschungsstipendium am Deutschen Historischen Institut in Rom und der regelmäßige Aufenthalt am Römischen Institut der Görres-Gesellschaft von 2000 bis 2017, wo er unter anderem als Organist und Kantor der deutschen Kirche am Vatikan tätig sein durfte.

Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Kirchengeschichte hat, erreicht Prof. Dr. Dr. Jörg Bölling unter boelling[at]uni-hildesheim.de.

Antrittsvorlesung

Am Mittwoch, 4. Juli 2018, hält Professor Jörg Bölling seine öffentliche Antrittsvorlesung und gibt Einblicke in seine Forschung. Der Vortrag mit dem Titel „Brannte uns nicht das Herz? Kirchengeschichte als historische und theologische Disziplin“ beginnt um 18:15 Uhr im Hörsaal 4 (Forum am Uni-Hauptcampus, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). In der Antrittsvorlesung stellt sich der Wissenschaftler den Hildesheimer Universitätsangehörigen und Bürgern vor. Dabei erläutert er unter anderem, welche Bedeutung der Kirchengeschichte in dreierlei Hinsicht zukommt: in der allgemeinen Geschichte, in der Theologie und in der interdisziplinären Forschung und Lehre.

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news-14924 Mon, 09 Jul 2018 09:01:00 +0200 Fakten und Fiktionen in den Künsten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/fakten-und-fiktionen-in-den-kuensten/ Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland auseinander. Im Interview spricht der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen über Fakten und Fiktionen in den Künsten und über die „Kultur der Wahrheit und Verlässlichkeit“ in der Gesellschaft. Professor Toni Tholen lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. In Hildesheim kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Hildesheim, Madrid (Complutense) und Salamanca zusammen und stellen Forschungserkenntnisse zu Fakten und Fiktionen in den Künsten vor. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Fachleute aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Interview mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Toni Tholen

Herr Professor Tholen, wir leben in einer Zeit, in der gesellschaftlich stark über Fiktion und Fakten etwa in Zusammenhang mit politisch-gesellschaftlichen Ereignissen debattiert wird. Die Literaturwissenschaft kennt Fakten und Fiktionen seit jeher. Wie blickt ein Literaturwissenschaftler denn auf gesellschaftliche Debatten rund um Fake News?

Im Rahmen literaturwissenschaftlicher Analyse ästhetischer Phänomene blicke ich neugierig auf Fact-Fictions, das heißt auf bisweilen uneindeutige, kaum entwirrbare Mischungen von Fakten und Fiktionen in der Literatur und in anderen künstlerischen Medien. Natürlich kann es sich dabei auch um als Fakten ausgegebene Fiktionen handeln. Diese sind übrigens längst nicht immer als Fake News im gegenwärtig in der Öffentlichkeit intensiv diskutierten Sinne zu verstehen, denn sie haben in den allermeisten Fällen keine schädigende Wirkung. Das ist bei Fake News, die durch die sozialen Medien verbreitet werden, in Bezug auf Personen oder Institutionen anders. Ihre sich offenbar rasant vermehrende Verbreitung zu manipulativen Zwecken, zur Denunziation oder zur Steuerung politischer Ziele ist hochgefährlich und macht mich sehr besorgt. Sie trägt zu einer umfassenden Vertrauenskrise in der Öffentlichkeit bei. Nicht umsonst gehen viele Medien nun in die Offensive und ergreifen Maßnahmen, die die Unterscheidbarkeit von Fakten und Fiktionen (im Sinne von Unwahrheit und bloßer Erfindung) sichern, auch dadurch, dass sie sich mithilfe von Anzeigen und Kampagnen gegen die massenhafte Verbreitung falscher Informationen und Nachrichten wenden und im Gegenzug etwa für einen seriösen Journalismus eintreten. Das ist dringend nötig. Es geht hier, kurz gesagt, um eine ernsthafte Verteidigung einer Kultur der Wahrheit und Verlässlichkeit, völlig unabhängig davon, was in den Künsten ausprobiert wird.

Sie veranstalten erneut eine spanisch-deutsche Tagung zum Thema „Fakten und Fiktionen im Zwischenraum. Autoästhetische Praktiken im 21. Jahrhundert“. Wen möchten Sie erreichen?

Zunächst einmal handelt es sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Tagung mit Expertinnen und Experten, die sich in der Literatur, im Theater oder auch in Bildmedien sehr gut auskennen. Sie findet im Rahmen einer Forschungs- und Lehrkooperation deutscher und spanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern statt. Die Vorträge, die sich überwiegend mit der Literatur und dem Theater der Gegenwart auseinandersetzen, werden jeweils im Anschluss an die Präsentation von den Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmern diskutiert. Allerdings ist die Tagung offen für ein fachübergreifendes wissenschaftliches Auditorium, in erster Linie für Lehrende und Studierende der Universität.

Wie ist denn das Verhältnis zwischen Fakten und Fiktionen in der Literatur? Und: Können Sie das an einem Beispiel aus Ihrer Forschung einmal erläutern?

Komplex und kompliziert zugleich. Ich will gleich mal ein Beispiel anführen. Wie ist es zu bewerten, wenn auf dem Buchdeckel ein Roman, also eine Fiktion, angekündigt wird, aber zwischen den Buchdeckeln, also in der erzählten Geschichte ständig der Name der Romanautorin auftaucht? Normalerweise sind realer Autor und Protagonist der Erzählung sowie ihr Erzähler in Autobiographien identisch. Es handelt sich bei Autobiographien gattungstheoretisch allerdings zunächst einmal um faktuale Texte. Also fragt sich die Literaturwissenschaft, mit was für einer Mischung von Fakt und Fiktion wir es in solch einem Roman zu tun haben. Zum Beispiel annoncieren Karl Ove Knausgård und Hanns-Josef Ortheil ihre autobiographischen Bücher als Romane. Man hat für solche Mischformen den Begriff der Autofiktion zur Verfügung. Und davon gibt es in der Gegenwartsliteratur unzählig viele Beispiele, auch ein Text wie Hoppe von Felicitas Hoppe zählt dazu. Die Frage ist: Warum sind eigentlich gegenwärtig solche Autofiktionen so prominent? Durch welche kulturellen Rahmungen lassen sich solche oder andere Hybridformen erklären und einordnen?

Fakten und Fiktionen erforschen: Was ist eine zentrale Erkenntnis, zu der Sie gelangt sind?

Mit was wir rechnen müssen, ist, dass es immer schwieriger wird, Gattungen und Formen klar voneinander abgrenzen zu können. Es ist nötig, ein Sensorium und ein begriffliches Instrumentarium dafür zu entwickeln, Mischformen, Hybride, mit denen wir geradezu umstellt sind, zu erkennen, sie einordnen zu können und mit Uneindeutigkeiten, Ambiguitäten produktiv umgehen zu lernen. Vielleicht im Sinne einer gesteigerten Aufmerksamkeit für die Frage nach dem, was faktisch gegeben und was erfunden ist, was echt und was gefälscht, schließlich was wahrhaftig und was bloß vorgetäuscht ist.

Wie Sie zu Beginn bereits ausgeführt haben, ist für den Journalismus die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktionen zentral. Welche Rolle spielt hingegen das Mischverhältnis von Fakten und Fiktionen etwa auf der Bühne oder im Film, wenn Fakten und Fiktionen gemeinsam auftreten?

Keine grundsätzlich andere als in der Literatur. Neueste Filme und Theaterinszenierungen geben etwa vor, nah an der Wirklichkeit zu sein, Wirklichkeit dokumentarisch wiederzugeben. Sie verführen geradezu dazu, das, was man auf der Bühne oder im Kino sieht und hört, als wirklich aufzufassen. Gleichzeitig wird klar, dass das scheinbar Reale, Echte und wirklich Erlebte Produkt komplexer intermedialer Inszenierungen, Simulationen und Konstruktionen ist. Wir werden als Publikum somit ständig aufgefordert, situativ in Aushandlungsprozesse über das, was faktual und was fiktional ist, einzutreten. Denken Sie etwa an die theatralen Inszenierungen von Rimini Protokoll.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Internationale Konferenz

Der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen und die promovierte Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare richten in Hildesheim die binationale Konferenz „Fakten und Fiktionen im Zwischenraum. Autoästhetische Praktiken im 21. Jahrhundert“ gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Hildesheim, Madrid (Complutense) und Salamanca aus.

Die Konferenz findet vom 20. bis 22. Juni 2018 auf dem Kulturcampus in Hildesheim statt (Programm). Der Hildesheimer Theaterwissenschaftler Professor Jens Roselt spricht über Selbstinszenierungen im autobiografischen Theater, Professor Arno Gimber aus Madrid setzt sich mit fiktionalen Provokationen im postdramatischen Dokumentartheater auseinander. Professorin Maria Loreto Vilar Panella aus Barcelona hält den Vortrag „Can you describe this? Zwischen erlebter und erfundener Gulag-Realität in zwei Romanen von Susanne Schädlich und Monika Zgustova“. Professorin Miriam Llamas Ubieto aus Madrird diskutiert über „Das virtuelle Ich im postdigitalen Zeitalter“. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert die Konferenz aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

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news-14860 Thu, 14 Jun 2018 08:27:00 +0200 Juniorprofessorin für Bildungssoziologie: Janna Teltemann https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/juniorprofessorin-fuer-bildungssoziologie-janna-teltemann/ Janna Teltemann forscht und lehrt als Juniorprofessorin für Bildungssoziologie an der Universität Hildesheim. Die Soziologin analysiert die Entstehung von Bildungsungleichheiten. Janna Teltemann forscht und lehrt seit 2016 als Juniorprofessorin für Bildungssoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Ein Forschungsinteresse der Soziologin liegt in der Analyse der Entstehung von Bildungsungleichheiten.

Die Entstehung von Bildungsungleichheit erforschen

Juniorprofessorin Janna Teltemann forscht in den Bereichen Bildungsungleichheit, Bildungspolitik, Migration, Integration, empirische Stadtforschung und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung. Die 37-Jährige kommt gebürtig aus Lüchow-Dannenberg. Nach dem Studium der Soziologie in Bremen folgte 2012 die Promotion an der Universität Bremen. Teltemann hat sich in ihrer Dissertation mit dem Thema „Gleichheit oder Leistung? Wie Bildungssysteme, Wohlfahrtsstaatsregime und Integrationspolitiken die Schulleistungen junger Migranten beeinflussen“ befasst. Teltemann arbeitete als Gastwissenschaftlerin am Amsterdam Centre for Inequality Studies der Universiteit van Amsterdam, war Fellow des College for Interdisciplinary Educational Research und Gastwissenschaftlerin am Wissenschaftszentrum Berlin.

Austausch mit anderen Fachdisziplinen in Hildesheim

„Als Nachwuchswissenschaftlerin freue ich mich, in Hildesheim die Möglichkeit zum eigenständigen Forschen und Lehren zu bekommen. Besonders reizvoll finde ich den Austausch mit anderen Disziplinen, der an einer kleineren Universität wie Hildesheim viel besser möglich ist“, sagt Teltemann.

Die Soziologin arbeitet viel mit Schulleistungsstudien. Internationale Vergleichsstudien wie „PISA“ sind oft nur eine Momentaufnahme. Wie kann man diese Querschnittstudien in eine Langzeitbeobachtung überführen, um zu untersuchen, wie etwa die Gliederung der Schulsysteme mit dem Grad der Chancengleichheit in einem Land zusammenhängt? „Im Hörsaal arbeite ich mit vielen Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten zusammen. Ich möchte sie für soziologisches Denken begeistern und ihnen für ihre künftige Tätigkeit im Klassenzimmer Grundlagenwissen über die Entstehung von Ungleichheiten im Schulsystem vermitteln.“ Denn, sagt Teltemann, ein grundlegendes Prinzip unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens sei, dass „alle die gleichen Chancen haben, alle gesellschaftlichen Positionen zu erreichen“. Herkunft, Geschlecht oder sozialer Status sollten keinen Einfluss auf Teilhabemöglichkeiten haben. Ein Hauptinteresse der Bildungssoziologie liegt darin, zu zeigen, inwieweit diese Forderung erfüllt oder nicht erfüllt wird, und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind.

Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Bildungssoziologie hat, erreicht Prof. Dr. Janna Teltemann unter janna.teltemann[at]uni-hildesheim.de.

Antrittsvorlesung

Am Mittwoch, 13. Juni 2018, hält Professorin Janna Teltemann ihre öffentliche Antrittsvorlesung und gibt Einblicke in ihre Forschung. Der Vortrag mit dem Titel „Zum Verhältnis von Bildungsstandards und Bildungsgerechtigkeit“ beginnt um 18:00 Uhr im Hörsaal 4 (Forum am Uni-Hauptcampus, Universitätsplatz 1 in Hildesheim).

In der Antrittsvorlesung stellt sich die Wissenschaftlerin den Hildesheimer Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in ihr Forschungsgebiet. Dabei erläutert sie unter anderem, wie regelmäßige, landesweite Leistungskontrollen an Schulen helfen können, die Kopplung von Schulerfolg und sozialem Hintergrund abzuschwächen. Auch Leistungsunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ihne Migrationshintergrund können auf diese Weise verringert werden. Dabei kommt es jedoch auf die Art der Leistungskontrolle an, so Teltemann.

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news-5542 Fri, 08 Jun 2018 09:56:00 +0200 Universitätsprofessor für Klinische Psychologie und Psychotherapie: Christoph Kröger https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/universitaetsprofessor-fuer-klinische-psychologie-und-psychotherapie-christoph-kroeger/ Christoph Kröger forscht und lehrt als Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Hildesheim. Der Professor baut an der Universität die Hochschulambulanz für Forschung und Lehre auf und möchte die Zusammenarbeit mit Kliniken im Bereich der Psychiatrie, der Psychokardiologie und der Psychoonkologie aufbauen. Außerdem plant Kröger Kooperationen mit Betrieben in der Region.

Zum Sommersemester 2017 wurde Dr. Christoph Kröger zum Universitätsprofessor für Klinische Psychologie und Psychotherapie ernannt. An der Universität Hildesheim baut Christoph Kröger mit seinem Team seitdem die Hochschulambulanz für Forschung und Lehre auf und möchte die Zusammenarbeit mit Kliniken im Bereich der Psychiatrie sowie der Psychokardiologie und Psychoonkologie sowie Betrieben unserer Region aufbauen.

Professor Christoph Kröger forscht in den Bereichen Diagnostik und Behandlung der Traumafolgestörungen sowie der Paartherapie. Insbesondere durch die arbeitsplatzbezogene Behandlung von Erwerbstätigen mit psychischen Störungen ist er ausgewiesen. Der 48-Jährige kommt gebürtig aus Bochum. Nach dem Studium der Katholischen Theologie und Psychologie in Bochum folgte die Promotion in Bamberg und die Habilitation in Braunschweig.

„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit einem jungen, engagierten Kollegium, das gut vernetzt ist in der Region. Ich hoffe, dass wir durch die Errichtung der Hochschulambulanz einen kleinen Beitrag für eine bessere Versorgung leisten können. In die Hochschulambulanz kommen Erwachsene, denen wir diagnostisch und therapeutisch helfen. In der Lehre liegt mein Fokus auf der Prävention, Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen und Beeinträchtigungen bei körperlichen Erkankungen“, so Kröger.

In der neuen Hochschulambulanz für Forschung und Lehre am Hauptcampus der Uni entwickelt Christoph Kröger derzeit neue Versorgungsformen für Erwerbstätige und Interventionen zur Unterstützung von Paaren beim Umgang mit und der gemeinsamen Bewältigung von körperlichen Erkrankungen.

Kurz erklärt: Stiftungsprofessur am Institut für Psychologie

Prof. Dr. Christoph Kröger forscht und lehrt als Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Hildesheim. Die Professur für Klinische Psychologie wurde im Jahre 2010 als Stiftungsprofessur am Institut für Psychologie eingerichtet. Sie wurde vom AMEOS Klinikum Hildesheim und dem HELIOS Klinikum Hildesheim finanziert. Ziel dabei ist es, den Gesundheitsstandort Hildesheim zu stärken und den wissenschaftlichen Transfer zwischen Kliniken und Universität zu fördern. Im Masterstudium „Psychologie“ wählen Studentinnen und Studenten zwei von drei Schwerpunkten (Pädagogische Psychologie, Klinische Psychologie, Rechtspsychologie). Das Institut für Psychologie gehört mit acht Professorinnnen und Professoren zu einem der größten Institute der Universität Hildesheim.

Antrittsvorlesung

Am Mittwoch, 30. Mai 2018, hält Professor Christoph Kröger seine öffentliche Antrittsvorlesung und gibt Einblicke in seine Forschung. Der Vortrag mit dem Titel „Expositionsbasierte Behandlung der Agoraphobie – Wirksam auch hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeit?“ beginnt um 18:00 Uhr im Hörsaal 4 (Forum am Uni-Hauptcampus, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). In der Antrittsvorlesung stellt sich der Wissenschaftler den Hildesheimer Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in sein Forschungsgebiet. Dabei erläutert er unter anderem, wie die Behandlung der häufig vorkommenden Angststörung durchgeführt wird und welche Wirksamkeit das Vorgehen hinsichtlich Symptomatik und Arbeitsfähigkeit hat. Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen.

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news-14223 Tue, 05 Jun 2018 18:37:00 +0200 Konferenz „Sport als Heimat?“: Interview mit Professorin Vera Volkmann https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/konferenz-sport-als-heimat-interview-mit-professorin-vera-volkmann/ Die Fußball-WM läuft. Was kann Sport bewirken – nachgefragt bei Vera Volkmann. Die Professorin organisiert die Jahrestagung des Zentrums für Bildungsintegration zum Thema „Sport als Heimat?“. Die Sportwissenschaftlerin hofft auch auf die Teilnahme zahlreicher Studentinnen und Studenten, da sie „die Gestalterinnen und Gestalter unserer gesellschaftlichen Zukunft sind“. Die Jahrestagung des „Zentrums für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“ der Universität Hildesheim findet vom 29. bis 30. Juni 2018 statt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich in Vorträgen, Diskussionen und Workshops mit dem Thema „Sport als Heimat? Biographische Navigationen in gesellschaftlichen Rahmungen“. Eine Anmeldung ist bis 15. Juni 2018 möglich.

Konferenz „Sport als Heimat?“

Interview mit der Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Vera Volkmann

Frau Professorin Volkmann, Sie befassen sich in Ihrer Forschung mit der Rolle von Sport im Lebensverlauf und in der Gesellschaft. Sport ist nicht nur körperliche Leistung, sondern kann auch dazu beitragen, Zugehörigkeit zu schaffen?

Im Sport ist es möglich, sich jenseits sprachlicher Barrieren und sozialer Herkunft zu verständigen und sich für ein gemeinsames Ziel, wie zum Beispiel den Sieg beim Fußball, zu engagieren. Sport kann unter bestimmten Voraussetzungen positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und auch integrierend wirken. Dafür ist es jedoch notwendig, dass er entsprechend pädagogisch gerahmt und didaktisch aufbereitet wird. Zugehörigkeit entsteht auch dadurch, dass man sich mit einer Sportgruppe identifiziert, das heißt, dass man auf diese Weise ein Teil von ihr wird und sich diese Gruppe als Gemeinschaft versteht.

Ende Juni 2018 richten Sie in Hildesheim gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Konferenz „Sport als Heimat? Biographische Navigationen in gesellschaftlichen Rahmungen“ aus. Warum rückt die Jahrestagung des Zentrums für Bildungsintegration dieses Thema in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Auseinandersetzung?

Der historisch vorbelastete Heimatbegriff hat aktuell Hochkonjunktur und befindet sich offensichtlich im Wandel. Er gerät nicht nur durch die aktuellen Fluchtbewegungen verstärkt in den Mittelpunkt wissenschaftlicher, aber auch gesellschaftlicher und sogar politischer Diskussionen. Interessant finde ich, dass selbst Politikerinnen und Politiker entgegengesetzter Couleur den Begriff aktuell aufgreifen. Gerade hat sich der ehemalige Bundespräsident Gauck erneut zu dem Begriff geäußert, indem er in einem Interview sagte, dass für ihn Heimat das Gefühl einer ganz eigenen Sicherheit und eines Zutrauens sei. Durch dieses verstärkte Aufgreifen wird deutlich, dass das, was Heimat sein kann in einer globalisierten und entgrenzten Welt definitionsbedürftig, aber auch definitionsfähig zu sein scheint. Heimat heute ist auch als „Heimat 2.0“ im Sinne von Lebensmöglichkeiten und nicht mehr als Herkunftsnachweis zu denken. Die Heimat der Zukunft ist Patchwork und ein zentraler Bestandteil dieses Patchwork ist in vielen Biographien der Sport, der als wichtige Sozialisationsinstanz und Wertevermittler gehandelt wird. Sport kann Zugehörigkeit und Teilhabe ermöglichen. Er kann dazu beitragen, sich heimisch zu fühlen und kommt den grundsätzlichen Bedürfnissen nach Raumorientierung, Zugehörigkeit und Konstitution von Gruppenidentität entgegen.

Sport kann Zugehörigkeit und Teilhabe ermöglichen – worauf deuten Ihre Forschungserkenntnisse hin? Sie haben in den letzten Jahren etwa Kinder und Jugendliche befragt, was sie durch Sport erleben und erfahren.

Wir haben Kinder und Jugendliche befragt, die an unserem FuNah-Projekt zur Förderung von Bildungsintegration an Schulen durch eine Kombination von Sport und individueller Förderung teilnehmen. Es wird sehr deutlich, wie positiv sie die Anerkennungsprozesse und Erfolgserlebnisse innerhalb des Sports bewerten. Sehr wichtig ist ihnen der wertschätzende Umgang, den sie sonst in der Schule oftmals vermissen. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Erfahrung, dass es sich unmittelbar lohnt, sich aktiv für etwas einzusetzen, übertragen die Kinder und Jugendlichen auch auf den schulischen Bereich.

Wer kann an der Konferenz teilnehmen, wen möchten Sie erreichen?

Bei der Tagung ist jeder willkommen, der sich für das Thema interessiert und Lust auf wissenschaftliche Einblicke und weiterführende Diskussionen hat. Wir freuen uns, wenn auch viele Studierende teilnehmen, da sie ja die Gestalterinnen und Gestalter unserer gesellschaftlichen Zukunft sind und somit Teil der Diskussionen sein sollten. Wir haben uns deshalb zum Beispiel auch bemüht, die Tagungskosten, die auch das gemeinsame Abendessen beinhalten, gering zu halten. Sie sollten keine Hürde für die Teilnahme darstellen. Bis Freitag kann man sich noch anmelden.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Tagung „Sport als Heimat? Biographische Navigationen in gesellschaftlichen Rahmungen“

Die Jahrestagung des Zentrums für Bildungsintegration der Universität Hildesheim findet vom 29. bis 30. Juni 2018 statt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich in Vorträgen, Diskussionen und Workshops mit dem Thema „Sport als Heimat? Biographische Navigationen in gesellschaftlichen Rahmungen“. Eine Anmeldung ist noch bis 15. Juni 2018 möglich.

Die Hauptvorträge (Keynotes) halten renommierte Fachleute. Die Bielefelder Wissenschaftlerinnen Professorin Joanna Pfaff-Czarnecka und Professorin Christa Kleindienst-Cachay sprechen über „Sport als Heimat? Möglichkeiten biographischer Navigation in Zuwanderungsgesellschaften“. Professor Sebastian Braun von der Humboldt-Universität zu Berlin referiert zum Thema „Sportvereine als Räume zur Bildung von Sozialkapital“.

Hier geht's zum Programm und zur Anmeldung

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news-14841 Mon, 28 May 2018 07:38:00 +0200 Grundlagenforschung: Kommentieren im digitalen Raum https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/grundlagenforschung-kommentieren-im-digitalen-raum/ Ein Hildesheimer Forschungsverbund untersucht, wie sich das Lesen im digitalen Raum verändert. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt „Rez@Kultur“ über drei Jahre. Acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Computerlinguistik, Kulturjournalismus, Wirtschafts- informatik und Kulturpolitik analysieren zum Beispiel Lesevorgänge und Online-Gespräche über Werke der Kunst und Literatur.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim befassen sich mit der Frage, wie sich das Lesen und Kommentieren im digitalen Raum verändert und sich auf kulturelle Bildungsprozesse auswirkt. Die acht Forscherinnen und Forscher kommen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen – von Computerlinguistik über Kulturjournalismus und Kulturpolitik bis Wirtschaftsinformatik. Das Bundesforschungsministerium fördert den interdisziplinären  Forschungsverbund „Rez@Kultur“ über drei Jahre.

Mit Lesen verbundene soziokulturelle Praktiken in digitalen Netzwerken sind bisher kaum national oder international erforscht. Bisher wurde kaum methodisch fundiert und grundlegend die Frage beantwortet, in welcher Form sich kulturelle Bildungsprozesse im Kontext von Digitalisierung konkret verändern, da die empirische Datenbasis fehlt, um wissenschaftlich abgesichert zu Hypothesen zu gelangen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung den Kundenrezensionen etwa im Online-Handel zukommt, wurde bereits erforscht – die digitalen Bildungswirkungen von Gesprächen über Literatur und Kunst wurden bisher nicht analysiert.

Lesen und kommentieren im digitalen Raum – bisher kaum international erforscht

Das Hildesheimer Forschungsteam um Guido Graf, Ulrich Heid, Ralf Knackstedt und Vanessa Reinwand-Weiss baut bis 2020 die empirische Grundlagenforschung aus und wendet dabei Methoden aus dem Bereich „Big Data“ an: Mit computerlinguistischen Werkzeugen werten die Forscherinnen und Forscher große Datenbestände aus und analysieren Textmengen, die auf blogs und Online-Portalen (etwa in Kundenrezensionen) im Netz erzeugt werden. Der Fokus liegt auf deutschsprachigen Rezensionen zu Kunst und Literatur.

Wie sieht etwa die Diskussion auf den Internetseiten von Büchershops aus, was hat sich seit 2000 bis heute verändert? Welche Einflüsse haben die digitalen Technologien darauf, wie wir über Texte und Fotografien sprechen? Was bedeutet dies für individuelle Bildungsprozesse? Wie verlaufen Diskussionsprozesse über Literatur im „Social Reading“ – also auf Plattformen, auf denen sich Leseinteressierte treffen, Bücher bis hin  zu einzelnen Textstellen und Sätzen kommentieren und so darüber online ins Gespräch kommen? Seit April 2018 erprobt die Universität Hildesheim das „Social Reading“ in der Lehre, als erste Hochschule in der deutschen Wissenschaftslandschaft.

Digitale Geisteswissenschaften: Forschungsverbund analysiert große Datenbetände und Textmengen

„Immer wieder gerade dann, wenn es um das Lesen geht, hat jede und jeder eine Meinung dazu, wie sich die Digitalisierung darauf auswirkt, ohne eigentlich mehr als die subjektive Wahrnehmung für diese Beurteilung zur Verfügung zu haben. Wir dagegen nähern uns der Frage empirisch und analysieren Lesevorgänge und das Online-Gespräch über literarische Texte und andere künstlerische Gegenstände mit computerlinguistischen und Datenauswertungs-Methoden. Wir möchten Antworten formulieren auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auf unsere kulturelle Kommunikation auswirkt, auf die Herausbildung kritischer Kompetenz – kurz: auf die kulturelle Bildung“, sagt Guido Graf. Der promovierte Literaturwissenschaftler leitet das Forschungsprojekt.

In den ersten Monaten haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor allem an der Modellierung der Daten gearbeitet. Dazu gehört die Auswahl der Online-Plattformen aus den Bereichen Kunst und Literatur, die nun mittels Massendatenerhebung untersucht werden. „Wir erarbeiten fein abgestimmte Cluster, also Filter, mit denen diese Massendaten untersucht werden“, sagt Graf.

Die Chance in dem Projekt liegt auch in der Kombination der Forschungsdisziplinen – von Kulturwissenschaft bis Informatik arbeiten die Wissesnchaftlerinnen und Wissenschaftler von Anfang an zusammen. „Da treffen Welten aufeinander“, sagt die Wirtschaftsinformatikerin Kristin Kutzner. „Wir können als Informatikerinnen und Informatiker die kreativen Industrien und Bildungsprozesse mit einen anderen Brille analysieren. Wir helfen dabei, Daten aus Plattformen zu ziehen, mit Informationssystemen zu arbeiten sowie die Prozesse in der Datenflut zu organisieren.“

Die Literaturwissenschaftlerin Kristina Petzold interessiert sich besonders für die Frage, wo das Professionelle in der digitalen Welt verortet ist. „Heute kann jeder Laie Rezensionen veröffentlichen.“ In den vergangenen Jahren sind im Internet verschiedene Protale entstanden, die nicht nur literarische Texte und Werke der Bildenden Kunst verfügbar machen, so dass sie gelesen oder angeschaut werden können. Vielmehr ist heute auch deren Kommentierung und Bewertung sowie Weiterentwicklung (Co-Creation) möglich. Wie bilden sich auf diesen Plattformen kritische Diskurse aus? Wie unterscheiden sie sich von traditioneller Literaturkritik? Kristina Petzold weist darauf hin, dass mit dem World Wide Web neue Wertungsstrukturen entstanden seien, jenseits der Autoritätsansprüche, wie sie etwa im 20. Jahrhundert das Zeitungsfeuilleton etabliert hat. Die Froscher sprechen von einer „Deprofessionalisierung von Kritik“, der kritische Diskurs stützt sich nicht mehr allein auf Gatekeeper und Meinungsführer.

Wie kann im digitalen Raum eine kritische Praxis und Diskursfähigkeit aufgebaut werden?

Guido Graf möchte in dem Forschungsprojekt herausfinden, wie im digitalen Raum eine kritische Praxis und Diskursfähigkeit aufgebaut werden kann. Denn, so die These: Nur wer eine kritische Beurteilungskompetenz für kulturelle Artefakte – ob Bücher oder Fotografie – herausbildet, kann am Bildungsprozess teilhaben.

Das Hildesheimer Forschungsprojekt „Rez@Kultur. Digitalisierung kultureller Rezensionsprozesse: Eine multimethodische empirische Analyse“ läuft von 2017 bis 2020 im Rahmen der Förderrichtlinie „Digitalisierung in der kulturellen Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Mehr über das Forschungsprojekt Rez@Kultur

Kurz erklärt

Wer im Forschungsprojekt „Rez@Kultur“ zusammenarbeitet

Seit 2017 läuft das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Drittmittelprojekt. Um die „Digitalisierung kultureller Rezensionsprozesse“ zu erforschen, haben sich vier Institute der Universität Hildesheim zu einem Forschungsverbund zusammengeschlossen:

  • Institut für literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft (Dr. Guido Graf, Projektleitung)
  • Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie (Prof. Dr. Ulrich Heid)
  • Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik (Prof. Dr. Ralf Knackstedt)
  • Institut für Kulturpolitik (Prof. Dr. Vanessa Reinwand-Weiss)

Das Institut für literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft hat seit 2009 praktische Forschungsarbeiten zu neuen Formen literarischer Kommunikation im digitalen Raum durchgeführt. Untersucht wurde auf Tagungen und in „Social Reading“-Projekten, wie sich die zunehmende Bedeutung des mobilen Internets auf die Praxis des Lesenes, Kommentierens und Diskutierens auswirkt und der Einfluss der Digitalisierung auf den Literaturbetrieb untersucht.

Das Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie hat sich spezialisiert auf die Entwicklung computerlinguistischer Werkzeuge zur Analyse von deutschen und englischen Texten. Im vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „e-Identity“ wurden Verfahren zur computerlinguistischen Erschließung größerer Textmengen aus elektronischen  Zeitungsarchiven  entwickelt. Auch Verfahren zur Identifikation von Berichts- und Kommentarstrukturen entstanden.

Das Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik hat im vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „InDeKo.Navi“ die Kommunikation zu Forschungsprojekten analysiert, um Chancen der Zusammenarbeit von Forschungsgruppen gezielt aufzeigen zu können. Die Wirtschaftsinformatiker haben sich spezialisiert auf die Modellierung von  Prozessen.

Ein zentraler Forschungsschwerpunkt am Hildesheimer Institut für Kulturpolitik ist die kulturelle Bildung. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchs- wissenschaftler untersuchen im bundesweiten Netzwerk „Forschung Kulturelle Bildung“, wie Kinder und Jugendliche mit Kunst und Kultur aufwachsen und welche Strukturen geschaffen werden, um Teilhabe an Kultur zu ermöglichen.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-14759 Sun, 27 May 2018 10:11:00 +0200 Wie in Hildesheim Verständlichkeit erforscht wird https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-in-hildesheim-verstaendlichkeit-erforscht-wird/ Fachliche Kommunikation kann mehr oder weniger gut gelingen. Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind. Ein Gastbeitrag von Dr. Franziska Heidrich vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Fachliche Kommunikation hat ihren festen Platz im Alltag von Unternehmen. Denn Fachkommunikation findet immer dann statt, wenn Menschen über Fachliches kommunizieren – sei es in Ausübung ihrer beruflichen Aufgaben untereinander, mit Experten anderer Fachgebiete oder mit Personen, die keine Experten sind. Damit findet sich fachliche Kommunikation auch in unserem Alltag wieder – im Gespräch mit Fachleuten oder beim Lesen von Bedienungsanleitungen.

Diese fachkommunikativen Handlungen können mehr oder weniger gut gelingen. Gerade bei der Kommunikation zwischen Experten und Laien kommt es häufig vor, dass Texte – ob schriftlich oder mündlich – zu komplex sind, zu kompliziert, zu mehrdeutig, zu uneinheitlich. Diese Texte sind also für die vorgesehenen Adressaten nicht verständlich genug. Dies ist ärgerlich für den Leser, der Texte nicht oder nur sehr mühsam versteht. Dies kann aber darüber hinaus auch schwerwiegende Folgen haben. Wenn Dokumente der Fachkommunikation nicht verstanden werden, können schwere Verletzungen die Folge sein (wenn zum Beispiel der Nutzer schlichtweg nicht verstanden hat, dass er den Strom ausschalten muss, bevor er das Gerät öffnet...). Daraus folgen dann wiederum Haftungsansprüche und möglicherweise hohe Zahlungen der Unternehmen an die Geschädigten.

Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind, dass für denselben Gegenstand immer derselbe Fachbegriff verwendet wird, dass Satzstrukturen einfach und eindeutig sind und zum Beispiel auch dadurch, dass der Leser auf den ersten Blick erkennt, ob es sich bei einem Satz um eine Handlungsaufforderung oder eine bloße Hintergrundinformation handelt. Unverständlich oder schwer verständlich gerät Fachkommunikation entsprechend, wenn etwa der fachliche Inhalt für die Zielleserschaft zu komplex ist, der sprachliche Ausdruck zu kompliziert, der Text nicht angemessen strukturiert ist und die Funktionen von kommunikativen Handlungen unklar bleiben.

Die Erforschung der Verständlichkeit ist ein Kernthema der Fachkommunikationswissenschaft. Diese integrative Disziplin umfasst die traditionellen Forschungszweige der Fachsprachenforschung, der Terminologielehre und der Fachübersetzungswissenschaft. Die Fachkommunikationswissenschaft ist ein Schnittbereich aus den Wissensgebieten Sprache, Technik, Kommunikationsmedien und Arbeitsprozessorganisation.  Die Fachkommunikationswissenschaft ist am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim in Forschung und Lehre präsent – im Master-Studiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ werden die Studentinnen und Studenten zu professionellen Fachkommunikatoren, auch in Hinblick auf eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn, ausgebildet.

Fachkommunikation: Internationale und nationale Experten tauschen sich in Hildesheim aus

Regelmäßig kommen Expertinnen und Experten am Institut zusammen, um sich über ihre Disziplin auszutauschen – jüngst während einer Tagung im Frühjahr 2018. Dabei berichten erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Doktorandinnen und Doktoranden – also dem wissenschaftlichen Nachwuchs – aus ihrem Wissenschaftsalltag.  Die Referentinnen und Referenten kommen aus Universitäten und Fachhochschulen national und international. Neben Gästen aus Hildesheim, Hannover, Gießen, Köthen, Duisburg-Essen, Würzburg, Köln, München, Eichstätt-Ingolstadt, Merseburg, Mainz, Berlin, Aalen, Darmstadt, Flensburg, Heidelberg und Dillingen/Saar waren internationale Fachwissenschaftler aus Genf, Rapperswil, Winterthur (Schweiz), Krems (Österreich) und Antwerpen (Belgien) in diesem Jahr in Hildesheim zu Gast.

In seinem Grußwort zur Tagung begrüßte Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich die Zusammenarbeit des Hildesheimer Institutes für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit den einschlägigen Fachhochschulen. Die Kooperation soll in der neu gegründeten Kooperationsstelle Fachkommunikation fortgeführt und die Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den Fachhochschulen ausgebaut werden.

Zur Person: Dr. Franziska Heidrich

Dr. Franziska Heidrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Ihre Lehrtätigkeit umfasst vor allem die Bereiche Technische Redaktion, Fachübersetzen und Verständlichkeitsforschung in den Studiengängen „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ (B.A.) und „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ (M.A.) sowie ab dem Wintersemester 2018/2019 im neuen Master-Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Kommunikationsoptimierung von Fachkommunikation, hier insbesondere im Bereich der Gestalteten Sprache. Gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Schubert hat sie in diesem Jahr die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ gegründet, die vor allem der Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den fachlich einschlägigen Fachhochschulen dienen soll.

[erstveröffentlicht am 09.05.2018]

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news-14752 Mon, 30 Apr 2018 09:38:00 +0200 Sprachförderung in Kita und Grundschule https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/sprachfoerderung-in-kita-und-grundschule/ Die Hildesheimer Sprachforscherin Ann-Katrin Bockmann setzt sich dafür ein, dass Kinder früh in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert werden. Die Universität und der Landkreis Hildesheim kooperieren seit 2011 und unterstützen 160 frühpädagogische Einrichtungen in Stadt und Landkreis Hildesheim bei der Sprachbildung im Alltag. Hörtipp: Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 13.04.2018, Radiobeitrag von Hilde Weeg, Thema: Kitas und Grundschulen – Warum die Sprachförderung auf der Strecke bleibt. Radiobeitrag über die Sprachbildungsforschung von Dr. Ann-Katrin Bockmann von der Universität Hildesheim [hier geht es zum Radiobeitrag zum Nachhören]

Die Journalistin Hilde Weeg berichtet in einem Radio-Beitrag im „Länderreport“ (Deutschlandfunk Kultur) über ein Sprachbildungsprojekt der Universität Hildesheim: In der Kindertagesstätte „Graßhüpfer“ in Elze bei Hildesheim beginnt der Tag mit einem Ritual: Im Morgenkreis versammeln sich die drei- bis sechsjährigen Kinder der Drachengruppe und erzählen, was sie am Tag zuvor erlebt haben. Die Gruppe ist altersgemischt und auf unterschiedlichem Sprachstand, einige sprechen Deutsch als Muttersprache, andere Kinder erlernen die Sprache gerade als zweite Sprache. Die Elzer Kita bemüht sich sehr in der Sprachförderung und kooperiert dazu seit Jahren mit der Universität Hildesheim. Die Erzieherinnen und Erzieher besuchen spezielle Fortbildungen. Deshalb wiederholen die Erzieherinnen im Morgenkreis, was die Kinder erzählen, so können die Kinder abgleichen, wie Wörter ausgesprochen werden, die sie mitteilen möchten – sie lauschen in solchen spielerischen Lernsituationen am Sprachvorbild, wie etwas richtig klingen soll.

Informationen über das Hildesheimer Sprachbildungsprojekt „KEA“

Alltagsintegrierte Sprachbildung und Sprachförderung sind elementar wichtige pädagogische Aufgaben in Kitas und Krippen, um allen Kindern eine faire Bildungschance zu ermöglichen, sagt die promovierte Psychologin Ann-Katrin Bockmann von der Universität Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hat gemeinsam mit dem Landkreis das Kooperationsprojekt „Kea – Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache“ entwickelt. Das Projekt wird durch das Land Niedersachsen gefördert.

Bisher konnte die Universität Erzieherinnen und Erzieher aus etwa 160 frühpädagogischen Einrichtungen in Stadt und Landkreis Hildesheim erreichen „und bei dieser wertvollen Aufgabe unterstützen“, so Ann-Katrin Bockmann. Neben Studientagen, Fortbildungen, Coaching und Vor-Ort-Beratungen finden regelmäßig Fachtage an der Universität statt. „Wir wollen gemeinsam dazu beitragen, dass alle Kinder einen möglichst guten Start haben und für ihr Leben gestärkt werden. Erzieherinnen und Erzieher unterstützen Kinder ja nicht allein in der Sprachentwicklung, sondern in allen Entwicklungsbereichen und können dazu beitragen, die Persönlichkeit zu stärken.“

Uni-Projekt erreicht rund 90 % der Krippen und Kitas im Landkreis Hildesheim

Die Universität und der Landkreis erreichen mit dem Sprachförderprojekt rund 90 % der Krippen und Kitas im Landkreis Hildesheim. Ziel ist, mit vielen kleinen und großen Sprechanlässen im Alltag die Sprachbildung in der Kindheit zu fördern, etwa durch Rituale bei denen das Miteinander-Sprechen, Aufeinander-Hören und in Worte-Fassen den Tag durchziehen. Zunächst wurden seit 2011 Kindertagesstätten im Landkreis mit dem Projekt erreicht. Seit dem Kindergartenjahr 2013/2014 ist das Jugendamt des Landkreises auch für die Umsetzung der Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache in Kindertagesstätten im Stadtgebiet Hildesheim zuständig.

Durch Weiterbildung sollen pädagogische Fachkräfte sowie Kita-Leitungen sprachfördernde Situationen und Sprachauffälligkeiten erkennen und Sprache bewusst im Alltag einsetzen. Der Anteil mehrsprachiger Kinder und der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund oder Fluchthintergrund variiert stark zwischen den Einrichtungen sowie städtischem und ländlichen Einzugsgebiet, so Bockmann. Für diese Herausforderung wurden spezielle Fortbildungen entwickelt, die für den Umgang mit Kindern, die Deutsch als zweite Sprache erlernen, vorbereiten.

Aufgaben reichen von der Erfassung des Sprachstandes bis zum Elterngespräch

Die freiwilligen Angebote sind überwiegend kostenfrei oder werden mit deutlich ermäßigten Teilnehmergebühren angeboten. Die Themen reichen von Sprachbildung über Sprachstörungen bis zu vertiefenden Einheiten zu Elternarbeit sowie Umgang mit Mehrsprachigkeit und Familien mit Fluchterfahrung.

Anlass für das flächendeckende Sprachförderkonzept ist eine im Mai 2011 in Kraft getretene Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache im Elementarbereich des Landes Niedersachsen sowie eine ebenfalls vom Land Niedersachsen im Juni 2011 veröffentlichte Handlungsempfehlung zur Sprachbildung und Sprachförderung im Elementarbereich.

Forschungslage: frühe alltagsintegrierte Sprachförderung ist wichtig

In Niedersachsen soll ab 1. August 2018 die Aufgabe der vorschulischen Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr von den Grundschulen auf die Kindergärten übertragen werden. Für die damit verbundenen zusätzlichen Aufgaben wie Sprachstanderfassung, verpflichtende Entwicklungsgespräche mit den Eltern, Dokumentation sowie die individuelle und differenzierte Sprachförderung der Kinder stellt das Land Niedersachsen Finanzhilfen für Personal und Begleitstrukturen (Fachberatung und Fortbildung) in einem Verhältnis von 85% zu 15% zur Verfügung.

Auch die bisher freiwillige Sprachförderrichtlinie zur alltagsintegrierten Sprachbildung und Sprachförderung, aus der sich zum Beispiel das Hildesheimer Kea-Projekt finanziert, wird nun gesetzlich verankert. Die Forscherin Ann-Katrin Bockmann wertet dieses als sehr positives Signal. Die Verlagerung der vorschulischen Sprachförderung in die Kindertagesstätten beinhalte die Chance, dass Bildungspersonen, die die Kinder gut kennen, die sprachliche Entwicklung von Beginn an begleiten und Sprachanlässe und vertraute Umgebungen im Alltag schaffen, damit alle Kinder die Sprache erlernen können und faire Bildungschancen erhalten.

Gesetzentwurf zur Änderung des KiTaG alarmiert Akteure aus Wissenschaft und Praxis

Ann-Katrin Bockmann ist jedoch wie viele Akteure aus Wissenschaft und Praxis alarmiert – nicht zuletzt über das Tempo, in dem diese großen Neuaufgaben nun umgesetzt werden sollen und die „Starrheit der Vorgaben“. Wenn der Gesetzentwurf in der Juni-Sitzung des Plenums so verabschiedet wird, befürchtet sie, dass es eine qualitative Rückentwicklung in der Sprachbildung und Sprachförderung in Niedersachsen geben wird. Aufgrund des Fachkräftemangels wird es nicht gelingen die zusätzlichen Gelder ausreichend in personelle Ressourcen umzuwandeln. Durch die Kürzung der Gelder für die fachliche Begleitung und für die Sprachförderrichtlinie (Halbierung der Gelder) werden die Fachkräfte ohne ausreichende Unterstützung alleine gelassen – gerade in einer Zeit, in der sie dringend Begleitung brauchen.

Auch wird sich der Fokus weg von der Sprachbildung und Sprachförderung aller Kinder von 0 bis 6 Jahren verschieben hin zu den Kindern mit Sprachförderbedarf ein Jahr vor der Einschulung, so Bockmann. „Dieses ist sehr bedauerlich. Die Forschungslage hierzu ist eindeutig. Es gibt keinen guten Nachweis dafür, dass Sprachförderung zu einem so späten Zeitpunkt überhaupt noch effektiv ist. Nachgewiesen ist jedoch die hohe Effektivität von alltagintegrierter Sprachförderung gerade wenn diese früh ansetzt.“

Viel gewonnen wäre schon, wenn der Gesetzentwurf eine flexiblere Nutzung der Gelder (bezogen auf die 85:15%-Regelung) für die unterschiedlichen Regionen in Niedersachsen zuließe, so dass zeitlich angepasst an die Lage vor Ort – siehe Fachkräftemangel – individuell bestehende Strukturen genutzt und gute Lösungen für die Umsetzung gefunden werden können. Auch wäre eine Übergangsregelung für zum Beispiel ein Jahr hilfreich, damit für eine so wichtige Aufgabe, die Zeit besteht, sich gut vorzubereiten, um allen  Kindern wirklich effektiv helfen zu können.

Ende April fand im Landkreis Hildesheim ein Trägertreffen aller Kindertagesstätten von Landkreis und Stadt Hildesheim statt, zu dem auch die Landtagsabgeordneten eingeladen wurden, um gemeinsam über die Konsequenzen des Gesetzentwurfs zu sprechen und Lösungsmöglichkeiten für Hildesheim zu entwickeln.

Wer mehr über das Sprachbildungsprojekt erfahren möchte, erreicht Dr. Ann-Katrin Bockmann vom Institut für Psychologie der Universität Hildesheim unter kea@uni-hildesheim.de.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-14032 Mon, 30 Apr 2018 08:27:00 +0200 Jubiläum: 10 Jahre Lese- und Schreibzentrum an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/jubilaeum-10-jahre-lese-und-schreibzentrum-an-der-universitaet-hildesheim/ Ein Team um Professorin Irene Pieper unterstützt seit zehn Jahren Studierende aller Fachbereiche beim wissenschaftlichen Arbeiten. Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim feiert sein zehnjähriges Bestehen. Die Universität richtet eine Jubiläumstagung zu aktuellen Fragen des Lesens und Schreibens aus. Den hochschulöffentlichen Festvortrag hält der renommierte Linguist Professor Konrad Ehlich. Hier geht's zum Programm der Jubiläumstagung

In diesem Jahr feiert das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim sein zehnjähriges Bestehen. Die Universität richtet am 4. Mai 2018 eine Tagung zu aktuellen Fragen des Lesens und Schreibens in Lehre, Forschung und Beratung aus.

Den hochschulöffentlichen Festvortrag „Wissenschaftlich schreiben. Lernen durch Lesen“ hält der Linguist Professor Konrad Ehlich vom Institut für deutsche und niederländische Philologie der Freien Universität Berlin. Zum Auftakt findet am Donnerstag, 3. Mai 2018, um 18:30 Uhr eine Lesung mit der bekannten Autorin Daniela Danz im Rahmen des Literarischen Salons statt. Daniela Danz liest aus dem Roman „Lange Fluchten“, diese Veranstaltung ist öffentlich.

Die Tagung bietet Gelegenheiten zum Austausch über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven des akademischen Lesens und Schreibens, auch angesichts der tiefgreifenden Wandlungsprozesse in der gegenwärtigen Studien- und Wissenschaftskultur – etwa durch die fortschreitende Internationalisierung und Digitalisierung des Studiums sowie die zunehmende Diversität der Studentinnen und Studenten. Was bedeutet etwa die zunehmende Mehrsprachigkeit an Universitäten für eine diversitätssensible Lese- und Schreibdidaktik? Wie verändern sich Lese- und Schreibprozesse im Zeitalter der Digitalisierung und wie kann man diesen Veränderungen begegnen?

Das akademische Lesen und Schreiben stehe im Zuge der Digitalisierung vor Herausforderungen, sagt Professorin Irene Pieper. „Alltägliche Lese- und Schreibpraktiken haben neue Formen angenommen und vor allem an Tempo gewonnen“, so die Literaturwissenschaftlerin vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. „Ändern sich dadurch zum Beispiel die Lesegewohnheiten gegenüber längeren Texten? Wie steht es um Toleranz gegenüber hoch verdichteten Texten, wenn wir uns durch Informationswelten bewegen, die aus der Kürze und dem Hyperlink heraus leben? Komplexe Texte schreibend zu verarbeiten, war schon immer herausfordernd. Was sich da gegenwärtig tut, übersehen wir noch gar nicht. Es scheint jedenfalls derzeit besonders wichtig, Schreib- und Lesegelegenheiten zu suchen und zu pflegen, die auch geeignet sind, einen langen Atem zu entwickeln und zu kultivieren“, sagt Irene Pieper.

Die Hildesheimer Psychologieprofessorin Renate Soellner spricht auf der Tagung über das wissenschaftliche Arbeiten in der Psychologie. Dr. Wiebke von Bernstorff und Dr. Kerstin Böhm vom Institut für deutsche Sprache und Literatur diskutieren über das Thema „Sprecht! Lest! Schreibt! Möglichkeiten des Lesens und Schreibens in der universitären Lehre“. Über die digitale Leseszene spricht der Literaturwissenschaftler Dr. Guido Graf. Über das Problem, die Fremdsprache Theologie zu beherrschen, diskutiert Theologieprofessorin Christina Kalloch.

An der Tagung können Studierende und Lehrende aller Fachbereiche kostenfrei teilnehmen. Die Konferenz „Wissen schaffen. Lesen und Schreiben im Gespräch“ findet am 4. Mai 2018 am Bühler-Campus, dem Sprachencampus der Universität Hildesheim, statt (Lübecker Str. 1, 31141 Hildesheim).  Die Lesung mit Daniela Danz findet in der Leselounge der Universitätsbibliothek (Universitätsplatz 1) statt,

Veranstaltet wird die Konferenz von Prof. Dr. Irene Pieper, Dr. Ulrike Bohle, Denise Reimann, M.A. und dem Team des Lese- und Schreibzentrums der Universität Hildesheim.

Kurz erklärt

Lese- und Schreibzentrum

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Beratung, Workshops und Schreibgruppen. Studentische Lese- und Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Feedback und Tipps zu Lese- und Schreibtechniken. Studierende können einfach zu den Sprechzeiten kommen oder einen Termin vereinbaren. Mit dem Literarischen Salon leistet das Lese- und Schreibzentrum gemeinsam mit dem Institut für deutsche Sprache und Literatur einen Beitrag zum literarischen Leben der Universität und der Stadt.

Anmeldung: Teilnahme an der Tagung

Für Angehörige der Universität Hildesheim ist die Tagung kostenfrei. Die Veranstalter bitten um verbindliche Anmeldung bis spätestens zum 24. April 2018 (Anmeldeformular online). Bei Fragen zur Tagung ist Denise Reimann vom Institut für deutsche Sprache und Literatur erreichbar unter denise.reimann@uni-hildesheim.de.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-14638 Wed, 11 Apr 2018 09:45:59 +0200 Kinder als Forscher https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kinder-als-forscher/ Miriam Sitter und Florian Eßer forschen nicht über Kinder und Kindheit, sondern gemeinsam mit Kindern. Wie Kinder forschen, darüber sprechen die promovierte Soziologin Sitter und der promovierte Sozialpädagoge Eßer im Interview. Kinder zeigen, was für ihre Lebenswelt von Bedeutung ist. Studie „Kinder als Inklusionsakteure“

Nicht nur Eltern und pädagogische Fachkräfte, auch Kinder leisten einen Beitrag zu Inklusion: wie sie anderen Kindern begegnen, wie sie selbst handeln. Bisher liegen kaum Studien vor, die Kinder als Handelnde in „inklusiven Settings“ betrachten oder Kinder in den Forschungsprozess einbeziehen. PD Dr. Florian Eßer, Dr. Miriam Sitter und Professor Wolfgang Schröer bauen derzeit eine Forschungsgruppe mit sechs- bis zehnjährigen Kindern auf. Sie stimmen Forschungsfragen, die Erhebung und Präsentation von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit den Kindern ab: Wie erleben Kinder Zugehörigkeit und Ausgrenzung, wie nehmen sie den Alltag in Kitas wahr?

Vorurteile, dass man mit Kindern keine partizipative Forschung durchführen kann, gelten mittlerweile als widerlegt. Sie bringen junge Perspektiven in die Forschung ein, die sonst aus dem Blick geraten. Die Kinder ersetzen dabei nicht die Forscher, vielmehr eröffnen sie neue Sichtweisen.

Das Forschungsprojekt ist Teil eines Forschungsverbundes am „Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen“ der Universität Hildesheim. Das Land Niedersachsen fördert die Hildesheimer Grundlagenforschung zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung. Es gibt bisher kaum Untersuchungen darüber, wie Inklusion in der frühen Kindheit umgesetzt wird. Der Forschungsverbund erhält bis 2020 insgesamt 1,3 Millionen Euro vom Land Niedersachsen.

Interview mit Dr. Miriam Sitter und PD Dr. Florian Eßer

Dr. Miriam Sitter lehrt und forscht international zu kindlicher Trauer und zur partizipativen Forschung mit Kindern. Neben ihren Forschungstätigkeiten im „INKA“-Projektan leitet die Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim seit Januar 2018 eine Vorstudie „Zur Sozialität des Kinderwissens über Tod und Trost“, die ebenfalls einen partizipativen Forschungsansatz einschließt.
PD Dr. Florian Eßer promovierte zum historischen Zusammenhang von Sozialpädagogik und früher Kinderforschung. In seiner Habilitation setzte er sich mit dem Verhältnis von Kindheit und Agency theoretisch und empirisch auseinander. Als Akademischer Rat a.Z. und Leiter der wissenschaftlichen Nachwuchsgruppe „Kinder- und Jugendhilfe“ lehrt und forscht er am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim zur Geschichte und Theorie der Sozialpädagogik ebenso wie zu Kindheitsforschung im Kontext von Kinder- und Jugendhilfe.

Manchmal neigen Erwachsene dazu, im Gespräch mit Kindern die Inhalte zu vereinfachen. Wenn Kinder forschen, sollte man sie ernst nehmen und ihnen auch Komplexität und Tiefe der Materie zutrauen – oder? Wie gelingt Ihnen das, wie ist hier Ihr Ansatz?

Miriam Sitter: Nun, unser Ansatz ist zunächst einmal ein partizipativer. Das heißt wir forschen in erster Linie nicht über Kinder und Kindheit, sondern wir forschen mit Kindern zusammen über Themen, die ihre Kindheit betreffen. In unserem Projekt „INKA“, das für „Kinder als INKlusionsAkteure“ steht, ist dies das Thema der Zugehörigkeit in Zeiten diskutierter Inklusion. Zusammen mit Kindern erforschen wir also, wo und wann sie Zugehörigkeit herstellen, sehen und wie sie diese mit anderen Kindern und Erwachsenen erfahren und empfinden. Und höchstwahrscheinlich empfinden sie auch Ausschlüsse. In der Tat sollte ein partizipatives Forschungsprojekt so ausgerichtet sein, dass es Kinder in ihrem Wissen und ihren individuellen Kompetenzen wertschätzt und ernstnimmt. Unser Ansatz ist von einer für uns wichtigen Annahme geprägt, und zwar: dass Kinder in ihrer eigenen Lebenswelt über ein spezifisches Erfahrungswissen verfügen, über das wir Erwachsene eben nicht verfügen.

Florian Eßer: Kinder werfen eine gänzlich andere Perspektive auf Themen, die wir als erwachsene Forscherinnen und Forscher möglicherweise ausblenden würden, weil wir sie einfach anders betrachten. Deshalb ist es für uns wichtig, das Alter der Kinder natürlich zu berücksichtigen – aber das würden wir ja bei der Forschung mit Erwachsenen auch machen, nur eben implizit. Es ist uns wichtig, dass „Alter“ kein Ausschlusskriterium für eine ernsthafte Forschung sein sollte. Ihr Alter macht die Kinder schließlich zu Expertinnen und Experten einer gewissen Lebensphase, von der wir sehr viel lernen und über die wir sehr viel erfahren können.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer bisherigen Projekttätigkeit nennen?

Florian Eßer: Ja, zum Beispiel machen wir gerade die Erfahrung, wie wichtig für Kinder die gleichberechtigte Teilnahme an Forschungstätigkeiten ist, die ihnen Freude bereiten. Wenn wir Kinder als Ko-Forschende gewinnen wollen, müssen wir an ihren Interessen ansetzen und diese ernst nehmen. Das erfordert Flexibilität: So stellte sich etwa im Forschungsprozess heraus, dass das Medium „Film“ und „Video“ eine hohe Attraktivität für die Kinder hat, weil sie ja auch im Alltag viel mit Fernsehen und besonders „YouTube“ konfrontiert sind.  Wir haben also Videodrehs als Erhebungs- und Analyseinstrument in unsere Forschung mit einbezogen – das war am Anfang definitiv nicht so geplant. Auch ist uns wichtig, eine Forschungsbeziehung auf Augenhöhe zu stiften. Hierzu gehört für uns, dass nicht nur wir wissen, wo sich die Kinder so aufhalten, sondern dass die Kinder umgekehrt auch unseren Alltag kennenlernen – wir haben sie also an die Universität eingeladen.

Miriam Sitter: Wir haben gerade die wertvolle Erfahrung gemacht, was Kinder unter Forschen verstehen. Für uns erwachsene Forschende war es nahezu selbstverständlich, dass Forschen im Kinder- und Jugendhaus bedeutet, sich die vielseitigen Tätigkeiten der Kinder und Erwachsenen vor Ort, also in diesem Kinder- und Jugendhaus anzuschauen. Die Kinder haben sich jedoch eigenständig für etwas Anderes entschieden. Sie haben insofern die Video-Kamera, die als Forschungskamera dient, genommen und sind nach draußen gegangen, um Passanten zu befragen. Wenn wir dies aus unserer Perspektive nicht zugelassen hätten, weil wir diese Entscheidung beispielsweise (normativ) als unwichtig für unsere Forschungsfrage oder als nicht passend bewertet hätten, hätten wir diese Form der Erfahrung und Erkenntnis nicht machen können. Forschen für Kinder bedeutet also für sie, großes Interesse daran zu haben, Personen zu befragen, die sie nicht kennen.

Besuch beim Präsidenten – die Kinder können sich nun durchaus vorstellen, einmal Präsident zu werden.

Kinderforscherinnen und Kinderforscher waren im Wintersemester zu Gast an der Universität Hildesheim: Was haben die Kinder und beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier an der Uni gemacht?

Miriam Sitter: Dieser Besuch war als „Auftaktveranstaltung“ konzipiert und genau dieser Besuch knüpft vom Konzept her nochmals an Ihre erste Frage an. Für Auftaktveranstaltungen unter kooperierenden erwachsenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist es üblich, einen Konferenzraum zu buchen, eine Begrüßungsrede zu halten, sich gegenseitig vorzustellen und über mehrere Stunden wissenschaftlich auszutauschen, um die konkreten Vorgehensweisen der zukünftigen Forschungskooperation im Detail zu planen. Nicht selten werden solche Veranstaltungen von einer Verköstigung begleitet. Partizipativ mit Kindern zu forschen heißt also für uns, sie trotz ihres jungen Alters in genau solche Formen der Veranstaltung einzubinden, die eben kooperatives Forschen kennzeichnen. Das kann nicht genau so ablaufen, wie es unter erwachsenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geschieht. Also bedarf es einer sehr guten Planung im Vorfeld und einer Anpassung an die Interessen der Kinder. Genau deshalb haben wir im Team und zusammen mit unseren studentischen Mitarbeiterinnen Christiane Drozd und Lisa Möller überlegt, wie ein erster Universitätsbesuch, in dem die Kinder unsere Aufgaben an der Universität kennenlernen, am besten arrangiert werden kann.

Florian Eßer: Für uns war klar, dass wir mit den Kindern nicht einfach nur in die Universitätsräume gehen können, ihnen diese zeigen und abschließend noch gemeinsam etwas essen. Ebenso war klar, dass es nicht ausreicht, nur einen Konferenzraum zu buchen, in dem wir uns zwei Stunden unterhalten. Stattdessen haben wir uns eine Art „Rallye“ als einen kindgerechten attraktiven Universitätsbesuch überlegt, in der unsere bekannte Universitätskatze „Fräulein Sinner“ einen zentralen Part hatte. Fräulein Sinner hat Briefe für die Kinder hinterlegt und ihre Pfoten-Spuren hinterlassen. Diesen Spuren sind wir alle gefolgt und die Kinder haben so verschiedene Bereiche des universitären Lebens auf wunderbare Weise kennengelernt. Beispielsweise besuchten wir alle ein Seminar zum Thema „Sind Kinder (keine) Künstler?“. Dort konnten die Kinder erfahren, wie ein Seminar gestaltet wird und was Studierende dort so machen. Zusammen mit den Professorinnen Dr. Meike Baader und Dr. Bettina Uhlig sowie den Studierenden wurden sogar Bilder betrachtet und gemeinsam interpretiert. Besonders interessant fanden die Kinder natürlich den Besuch bei unserem Präsidenten in seinem Büro. Der freundliche Empfang und die Unterhaltung mit Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich hat scheinbar einen nachhaltigen positiven Eindruck hinterlassen. Denn die Kinder können sich nun durchaus vorstellen, auch einmal Präsident zu werden.

Miriam Sitter: Und wir haben gemeinsam die Bibliothek besucht, um den Kindern zu zeigen, auf wie viele verschiedene Bücher man dort als Forscherin oder Forscher zugreifen kann. Und selbstverständlich haben wir uns zum Abschluss gemütlich in einem kleinen Konferenzraum zusammengesetzt, uns an einem bestellten Buffet gemeinsam gestärkt und unterhalten.

Kinder haben schnell eine andere Lösung parat

Ich vermute, Kinder forschen anders als Erwachsene – die das ja als Profis über Jahre gelernt haben. Was sind Unterschiede, was sind Gemeinsamkeiten? 

Miriam Sitter: Ja, natürlich. Sie forschen durchaus anders. Und genau dies macht die partizipative Forschung mit ihnen so fruchtbar und erkenntnisreich. Wobei wir uns immer fragen müssen – und das haben Sie ja durch Ihre Frage schon angedeutet – ob der Unterschied tatsächlich in der generationalen Differenz zwischen Kindern und Erwachsenen besteht oder vielleicht auch darin, dass wir Wissenschaft als Beruf betreiben und die Kinder eher als Laien. Unterschiede finden sich einerseits in ihren empirischen Zugängen. Sie haben noch keine Erfahrung darin, wie man ein qualitatives Interview führt. Ebenso wissen sie auch noch nicht, wie diese Interviews ausgewertet werden können. Andererseits finden sich Unterschiede in der Aufmerksamkeitsspanne. Uns Erwachsenen fällt es einfach leichter, eine halbe Stunde auf dem Stuhl zu sitzen und sich in einem Gespräch der Forschungsfrage zu widmen. Genau solche Aspekte müssen wir nicht nur im Hinblick auf den empirischen Forschungsprozess, sondern vor allem auch hinsichtlich ethischer Aspekte berücksichtigen. Also müssen wir Kinder als Co-Forscherinnen und Co-Forscher wertschätzen und ihnen je nach ihren Anliegen und Bedürfnissen stets respektvoll begegnen.

Florian Eßer: Und es ist ja auch gar nicht nötig, dass alle am Prozess Beteiligten alles gleich gut können: Daten analysieren ist unser Job als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und wir wollen dieses Know-how natürlich auch einbringen. Zugleich haben die Kinder eine Perspektive auf bestimmte Dinge, die wir einfach nicht mehr haben und die entscheidend ist für eine Forschung, die ja auch Kindern in sozialpädagogischen Einrichtungen wieder zugutekommen soll. Gemeinsam sind uns dann die gewissen Momente des Aushandelns, in denen wir alle merken, dass das, was wir uns gerade überlegt haben, irgendwie nicht so richtig funktioniert. Und natürlich stellen genau diese Aushandlungen auch Momente der Freude und des Lachens darüber bereit, warum das Ganze gerade nicht funktioniert hat. Kinder sind in solchen Dingen sehr kreativ und sie haben schnell eine andere Idee und Lösung parat. Wir teilen also mit den Kindern die Vorfreude darüber, dass wir beim nächsten Mal einfach was Neues ausprobieren.

Wie tragen Kinder dazu bei, zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelangen?

Florian Eßer: Sie tragen dazu bei, indem sie uns forschend zeigen, was für ihre Lebenswelt von Bedeutung ist. Forschen für Kinder bedeutet, sich nach draußen zu begeben, und Passanten zu befragen, die sie nicht kennen. Wir sind der Ansicht, dass gemeinsames Forschen mit Kindern zu neuen Erkenntnissen führen kann, die in einer alleinigen Forschung unter Erwachsenen höchstwahrscheinlich nicht in der Art und Weise sichtbar geworden wären.

Miriam Sitter: Mit Kindern zu forschen trägt also dazu bei, ihre Bedürfnisse zu erkunden und daher auch die Lebenssituation von Kindern zu verbessern. Wir sind deshalb der Ansicht – und auch mit Blick auf die Kinderrechtskonvention – dass Kinder nicht nur vermehrt angehört werden müssen, sondern, im Sinne einer partizipativen Forschung, ihnen vermehrt mehr Entscheidungsräume zugeteilt werden sollten.

Zum Schluss: Ihre Botschaft an die Erwachsenen.

Florian Eßer: Mit Blick auf die Forschung können wir also nur dazu raten, mehr Partizipation zu wagen – auch wenn es natürlich mitunter anstrengend ist. Weil wir herausgefordert sind, unsere lieb gewonnen Instrumente und routinierten Praktiken noch einmal darauf hin zu befragen, inwiefern sie geeignet sind, Kinder aktiv in den Forschungsprozess mit einzubinden. Aber letztlich handelt es sich hierbei um eine Frage, die jede Forschung betrifft und die sich durch die generationale Differenz zwischen Kindern und Erwachsenen lediglich noch einmal in besonderer Weise zuspitzt: Welche Beziehung wollen wir zu denen pflegen, die von unserer Forschung betroffen sind und denen sie zugutekommen soll?

Miriam Sitter: Und hier geht der Trend – glücklicher Weise – langsam weg von der alleinigen Expertokratie der Forschung und hin zu Ansätzen, die Forschung als einen gemeinsamen Prozess begreifen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Startseite Forschung
news-15345 Wed, 04 Apr 2018 11:28:00 +0200 Hildesheim nimmt die digitale Zukunft in die Hand https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/hildesheim-n/ Die Universität will ihre Forschung zum Thema Digitaler Wandel zentrieren. Dafür gibt es das neue "Center for digital change" am Samelsonplatz. Pressespiegel regional Präsident Forschung news-14650 Mon, 02 Apr 2018 13:31:00 +0200 Künstliche Intelligenz: Interview mit Dirk Hohnsträter https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kuenstliche-intelligenz-interview-mit-dirk-hohnstraeter/ „Der digitale Wandel ist ein Kulturthema. Technologien werden von Menschen gemacht und prägen das Leben der Menschen. Sie betreffen unser Selbst- und Weltverhältnis“, sagt Dirk Hohnsträter. Der Kulturwissenschaftler spricht im April in Hannover über „Künstliche Intelligenz und Digitalisierung“. Der promovierte Hildesheimer Kulturwissenschaftler Dirk Hohnsträter diskutiert am Montag, 16. April 2018 im Rahmen der Reihe „Forschung made in Niedersachsen“ mit Kolleginnen und Kollegen aus Informatik und Maschinenbau über „Künstliche Intelligenz und Digitalisierung“ [Programm]. Die Veranstaltung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ist öffentlich. Im Gespräch verrät Hohnsträter, was der digitale Wandel mit Kultur zu tun hat.

Nachgefragt bei Dr. Dirk Hohnsträter

Welche Hildesheimer Botschaft nehmen Sie nach Hannover mit?

Ganz klar: Der digitale Wandel ist ein Kulturthema. Technologien werden von Menschen gemacht und prägen das Leben der Menschen. Sie betreffen unser Selbst- und Weltverhältnis: wie wir mit den Dingen umgehen, uns präsentieren und ausdrücken. Denken Sie beispielsweise an Smartphones, die nicht nur die Art und Weise verändert haben, wie wir uns in der Öffentlichkeit verhalten, sondern sogar unsere Körperhaltung, Gestik und Mimik bestimmen. Oder halten Sie sich vor Augen, dass wir permanent digitale Spuren hinterlassen und Computer, wie man so schön metaphorisch sagt, nicht vergessen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Erinnerungskultur.

Sie haben gemeinsam mit Stefan Krankenhagen, Professor für Kulturwissenschaft und Populäre Kultur, in Hildesheim die Forschungsstelle Konsumkultur aufgebaut und beschäftigen sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Konsumkultur. Was untersuchen Sie zum Beispiel, was möchten Sie herausfinden in Ihrer Forschung?

Die Digitalisierung hat die moderne Konsumkultur endgültig zu einem 360-Grad-Phänomen gemacht: Wir haben 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag Zugriff auf das globale Warenangebot. Dieser Zugriff erfolgt zumeist über Webshops, sei es im Browser, sei es als eigenständige App. Uns interessiert daran besonders das Interfacedesign: Welche Ästhetik haben diese digitalen Schnittstellen? Was verbindet sie mit, was unterscheidet sie von herkömmlichen Warenhäusern, Schaufenstern und Displays? Ändern Algorithmen die Art, wie wir mit käuflichen Dingen und Diensten umgehen?

Konsum und digitaler Wandel – was ist eine Erkenntnis, zu der Sie kamen?

Eine zentrale Einsicht lautet für mich, dass Code nicht neutral ist, sondern in die Algorithmen Werte einprogrammiert werden. Entsprechend „formatieren“ Interfaces durch die in ihnen angelegten Pfade des Gebrauchs das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer, beispielsweise indem sie die Preisgabe persönlicher Daten erschweren oder begünstigen. Bei der Analyse des digitalisierten Konsums müssen wir also lernen, Code und Design nicht zu trennen und die Ästhetik eines Webshops nicht nur als gleichsam draufgesetzten, schönen Schein aufzufassen.

Wenn ich an Digitalisierung und Konsum denke, fallen mir die vielen Werbeanzeigen ein, all die Portale, die zum Kauf aufrufen und Kauf-Empfehlungen, die aufploppen. Über das Smartphone erhalten Kinder und Jugendliche Zugang zu Produktwelten – der Gang durch die Fußgängerzone vorbei an Schaufenstern ist scheinbar nicht mehr erforderlich. Sie betrachten Konsum aus kultureller Sicht. Wie tiefgreifend verändert die Digitalisierung den Konsum?

Durch die Digitalisierung hat sich das große Versprechen der Konsumkultur, nämlich die umfassende und ununterbrochene Verfügbarkeit der Güter, in historisch beispielloser Weise erfüllt. Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass der analoge Konsum verschwinden wird. Nicht nur gibt es Mischformen (denken Sie etwa daran, dass jede Online-Bestellung nach wie vor vom Boten ins Haus gebracht wird), sondern auch gegenläufige Bewegungen: So werden handwerklich gefertigte Unikate oder individuelle Dienstleistungen von vielen Menschen als attraktiver Kontrast zum Digitalen erfahren.

Ein Aspekt der Digitalisierung, der aus Ihrer Sicht bisher viel zu wenig beachtet wird?

Was mich immer wieder erstaunt, ist die beinahe bedenkenlose Bereitschaft zahlreicher Menschen, vormals als privat angesehene Daten preiszugeben. Mentalitätsgeschichtlich ist diese Akzeptanz persönlicher Durchsichtigkeit ein ebenso unwahrscheinlicher wie irritierender Vorgang, der sich durch das Internet der Dinge noch vertiefen wird. Das kulturwissenschaftlich zu beobachten und auch kritisch zu begleiten, ist meines Erachtens eine wichtige Aufgabe.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person:

Dr. Dirk Hohnsträter leitet die 2017 gegründete Forschungsstelle Konsumkultur der Universität Hildesheim. Die Forschungsstelle widmet sich – durchaus einzigartig in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft – den vielfältigen Aspekten der Konsumkultur. Hohnsträter promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und lehrte an Hochschulen im In- und Ausland, darunter insgesamt sechs Jahre in Ungarn und den Vereinigen Staaten. Jüngere Veröffentlichungen umfassen Aufsätze zur Theorie, Geschichte und Ästhetik der Konsumkultur, über Handwerk, Mode, Verbraucherkompetenz, die narrative Dimension der Wirtschaft und den Konsum in den Künsten. Auf seinem seit 2013 regelmäßig bespielten Blog „INVENTUR“ wendet sich der Kulturwissenschaftler an eine breitere Öffentlichkeit und entwickelt ein E-Learning Angebot zur Konsumkultur.

Forschungsstelle Konsumkultur

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung

Dirk Hohnsträter diskutiert am Montag, 16. April 2018, in der Veranstaltungsreihe „Forschung made in Niedersachsen" des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über „Künstliche Intelligenz und Digitalisierung“. Die Diskussion beginnt um 18:00 Uhr im Conti-Foyer der Leibniz Universität Hannover (Königsworther Platz 1, 30167 Hannover).

Weitere Informationen zur Veranstaltung

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news-14434 Fri, 09 Mar 2018 19:30:00 +0100 Neue Technologie erkennt deutsche Hassbotschaften in sozialen Medien https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/neue-technologie-erkennt-deutsche-hassbotschaften-in-sozialen-medien/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Antwerpen und der Universität Hildesheim haben einen Hate Speech-Detektor für Twitter entwickelt. Die Hildesheimer Medienlinguistin Sylvia Jaki und der Antwerpener Sprachtechnologe Tom De Smedt spüren mit dem automatisierten Computerprogramm in Echtzeit hetzerische Wörter und Wortkombinationen in Tweets auf. Die EU setzt große Tech-Unternehmen wie Twitter, Facebook und Google unter Druck, verstärkt gegen Hate Speech im Netz vorzugehen. In Deutschland zwingt das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) die sozialen Medien nun, Inhalte, die als Hate Speech gelten können, innerhalb von 24 Stunden zu entfernen. So wurde beispielsweise jüngst eine AfD-Politikerin zeitweise auf Twitter blockiert. Wie eine neue Studie der Universität Warwick zeigt, besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Hassbotschaften in deutschen sozialen Medien und körperlicher Gewalt gegenüber Flüchtlingen.

Seit 2016 hat Twitter bereits hunderttausende Profile blockiert, die Hass verbreiten und zu Gewalt aufrufen. Allerdings gilt dies hauptsächlich für englischsprachige Profile, während vergleichbare deutsche, französische oder niederländische Tweets häufig unbemerkt bleiben. Jeden Tag werden über 500 Millionen neue Tweets veröffentlicht – ein schwieriges Unterfangen also. Wenn Twitter 10.000 Angestellte hätte, die die neuen Tweets überwachen, müsste jeder von ihnen täglich 50.000 Tweets lesen. Das wären ein bis zwei pro Sekunde, ohne Mittagspause gerechnet.

Im letzten Jahr haben der Sprachtechnologe Tom De Smedt von der Forschergruppe Computerlinguistik der Universität Antwerpen (BE) und die Medienlinguistin Sylvia Jaki vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim (DE) ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, in Echtzeit automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombinationen in Tweets aufzuspüren.

Das neue Computerprogramm ist Teil eines Projekts, in dem die beiden Forscher die politische Kommunikation im Kontext der Bundestagswahl 2017 untersuchen. Um herauszufinden, wie bestimmte Politiker kommunizieren und wie Menschen in den sozialen Medien auf politische Themen reagieren, analysieren sie Polit-Talkshows im deutschen Fernsehen sowie Kommentare in sozialen Medien von Politikern und politischen Parteien bzw. solche über und für sie. „Um ein besseres Verständnis zu gewinnen, wie politisch motivierte Hassbotschaften in den sozialen Medien aussehen, berücksichtigen wir auch nonverbale Elemente wie Bilder oder Emojis – Twitter-Kommentare sind schließlich nicht rein verbal“, sagt Sylvia Jaki.

Die Sprachtechnologen in Antwerpen haben bereits Erfahrung mit der Implementierung von Programmen im Bereich Cyber-Sicherheit, zum Beispiel, wenn es um die Erkennung von dschihadistischen Inhalten geht. „Die Software lernt selbstständig, Hasskommentare aufzuspüren, und kann auch mit der Tatsache umgehen, dass sich die Sprache des Hasses sehr schnell verändert“, so De Smedt. „Wir haben unser Programm bereits getestet: In 80 Prozent der Fälle liegt es richtig. Wir könnten uns gut vorstellen, mit den deutschen Behörden zusammen zu arbeiten, aber wir müssen gleichzeitig auch vorsichtig sein, wie wir als Gesellschaft solche Technologien nutzen. Die EU verfügt über keine rechtsgültige Definition, was genau unter Hate Speech zu verstehen ist.“

Der Algorithmus der beiden Linguisten zeigt, dass sich deutsche Hasskommentare häufig gegen Flüchtlinge aus Afrika (Afrikaner, Nafris), Muslime (Araber, Syrer, Salafisten, Islam Terroristen), Juden (die Juden) und einige andere Bevölkerungsgruppen (Polen und Ungarn, Gebrochen Deutsch Sprechender, Gefährder und Kriminelle, Obdachlosen, Gutmenschen, Linksextremisten, Frauen) richten. Typisch sind Ausdrücke der Gewalt (schlagen, schießen, überfallen, bekämpfen, Widerstand) und Beschimpfungen im Allgemeinen (Scheißdeutschland).

Die beiden Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Publikation ihrer Ergebnisse.

Kontakt zum Forscher aus Antwerpen und zur Forscherin aus Hildesheim:

Tom De Smedt
tom.desmedt@uantwerpen.be
www.uantwerpen.be/en/research-groups/clips/

Sylvia Jaki
jakisy@uni-hildesheim.de
jaki.hosting.uni-hildesheim.de

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 88390100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-14399 Tue, 06 Feb 2018 13:47:10 +0100 “The biggest medicine that we all have is the expression of our emotions” https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/the-biggest-medicine-that-we-all-have-is-the-expression-of-our-emotions/ In einer von Ausgrenzung und Streit gekennzeichneten Welt kann Musik Zusammenhalt schaffen, sagt Emily Achieng Akuno. Die kenianische Professorin ist Gastwissenschaftlerin am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Akuno erforscht seit 30 Jahren, wie die Künste gesellschaftlichen Wandel bewirken. Die Wissenschaftlerin ist Präsidentin des Internationalen Musikrats der UNESCO. [Please read the interview in english language below. The interview in german language was published in Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 06.02.2018.]

Emily Achieng Akuno, born 1962, is Professor of Music at Technical University of Kenya, and a Deputy Vice Chancellor in charge of Academic Affairs at the Co-operative University of Kenya, in Nairobi. She is the president of “International Music Council”, the Paris-based UNESCO-affiliated NGO umbrella organisation of worldwide music organisations. Professor Akuno works in the field of musical arts education for cultural relevance and development.

Akuno has spent over 30 years in University level teaching, research and administration. She has served in various management capacities in Kenya and abroad, including Kenyatta University, Maseno University and the Technical University of Kenya and the University of KwaZulu-Natal in Durban, South Africa.

She is currently a guest researcher at Department of Cultural Policy at the University of Hildesheim and attends the international colloquium "Cultural Policy and Arts Education – A first African-European Exchange" (February 2018, Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel) in Lower Saxony. At Kulturcampus in Hildesheim Professor Emily Achieng Akuno and her Hildesheim collegues Professor Birgit Mandel, Professor Wolfgang Schneider and Dr. Daniel Gad shared knowledge in the field of arts education together with 8 further researchers from Uganda, Tanzania, Kenya, South Africa and Nigeria and 20 doctoral students from Germany. It is a generation of engaged Professors in African countries, who develop new structures and study programs in their home countries and who share their experience and knowledge. Since four years the team of the Hildesheim UNESCO Chair in “Cultural Policy for the Arts in Development" is working with the international partners on the question of the effects of the arts for society and what frameworks the arts need to fulfil its task.

Department for Cultural Policy / Institut für Kulturpolitik

Interview with Professor Emily Achieng Akuno

“The biggest medicine that we all have is the expression of our emotions”

What is your work about?

I am looking on the training of players for creative and cultural industries. At my University we are developing academic programs, so that whoever comes through our study programs are aware of the cultural context of their practice   and are knowledgeable about the technology and business  involved in the arts.

What is your motivation for your work? What do you want to change through your work?

My motivation is twofold: The creative industry in Kenya has a lot of young people, who are not trained in the creative subjects. For most of them, their level of General education is also pretty low. So I’ll be working on ways of getting them from their basic level to get some formal skills and knowledge to improve their output and thinking. This will   allow them to be creative and to benefit from the outcome of creativity.
The second thing I am interested in doing is to ensure that arts – all the creative subjects – play an important role and are recognized in the country as equal players in the economy. That does not always happen. But the creative sector employs so many young people – they have new ideas. But they don’t have a channel through which their work can be improved or developed and packaged, so that they can live on it. In Kenya we are used to musicians and artists dying  poor. We don’t want that anymore. My focus at my University is to have opportunities to make sure that the young artist generation knows how to do their art but they also know their rights. They can put a price on their work and defend themselves against inappropriate payment for what they do.

What new ideas do the artists in Kenya develop – for example in theatre, literature, music or film?

I think one example of the innovative things and ways of the youth can be seen in a popular comedy show filmed live in various locations, but domiciled at “The Carnivore Restaurant”, aired on on Nation TV called Churchill Live. In this, young people present song, dance, comedy, short skits, a mixture of these art forms. A second is the “Kenya Music Festival” and “Kenya National Drama Festival”. These two showcase young people performing in dance, elocution, spoken word, narratives, song, instrumental music and more. These are carried out of school. Today, even smartphones are used to capture footage for short films. Similarly, students of design generate games and animation from seemingly very basic equipment.

Why are you working in this exchange with researchers at University of Hildesheim?

I am working as a professor at Technical University of Kenya in Nairobi and work together with University of Hildesheim, we want to strengthen the academic exchange about cultural policy, and my emphasis is on that policy with respect to arts education. The arts are an expression of culture. The connection is understood.

A medical doctor can heal people, an architect can build houses. When we look into socities, what role does an artist play? Is an artist nice to have – sing a song for entertainment, write some words? In every society, in Germany, in Kenya - why do artists matter, what is the power of the artists?

In my country music is so abundant, there is so much of it, that we almost take it for granted. Unfortunately we don’t realize how important music is. The medical doctor repairs people physically  – the artist does the same on multiple spheres, especially emotionally. We as humans perhaps give more value to what we can see with our naked eyes. The artist repairs people, but not necessarily physically. In a world characterised by segregation and strife, music can restore sanity and creates cohesion. That is healing that goes beyond ‘a person’. The biggest medicine that we all have is the expression of our emotions, which the arts make us do. Those who are trained in the arts are trained not to bottle in negative emotions and frustration, but to find ways of using that human energy. That is one of the significant effects of the arts which is totally underrated and downplayed.
We have not  focused sufficiently on training of artists. In terms of economic empowerment: How many young uneducated people make their living from medicine, nobody! How many young uneducated people make their living from theatre? Thousands! That is important... the qualification matters. Society  looks at how long it takes to train an artist, to train a doctor. I remember teaching in a high school once, and when the secondary schools students were  supposed to choose subjects, the ones who were not good enough for sciences were sent  to music. It was different with fine arts as one must at least be able to draw. That is not how to strengthen the arts. We need do recognize that a general training is important for the general population. To this should be added  a specialized education for  professionals in the arts. There is a need for training performers, creators and innovators in the expressive art forms, specifically music, theatre and film. There is also need to train for arts business and planning.

Interview by Isa Lange.

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news-14392 Mon, 05 Feb 2018 14:45:24 +0100 Neuropsychologin über Freude beim Problemlösen im Studium https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/neuropsychologin-ueber-freude-beim-problemloesen-im-studium/ Wie lernen wir beim Problemlösen? Jasmin Kizilirmak forscht im Neurolabor der Universität Hildesheim. Die Psychologin befasst sich mit der Frage, was eigentlich im Gehirn passiert, wenn Menschen lernen. Die promovierte Wissenschaftlerin arbeitet derzeit an ihrer Habilitation in der Arbeitsgruppe „Neurodidaktik“ von Professor Kristian Folta-Schoofs. Im Februar hielt sie einen akademischen Festvortrag an der Universität. Die Universitätsgesellschaft zeichnete während einer Feierstunde den wissenschaftlichen Nachwuchs für herausragende akademische Leistungen aus. 14 Bachelor- und 14 Masterarbeiten sowie 5 Dissertationen wurden nominiert. Wer die drei Preisträger sind, wurde im Februar während einer Feierstunde bekannt gegeben. Unter den Nominierten sind junge Forscherinnen und Forscher aus allen Fachbereichen. Den Festvortrag hielt Dr. Jasmin Kizilirmak zum Thema „Kein Studium ohne Probleme – Freude und Lernerfolg beim Problemlösen“.

Die Universitätsgesellschaft ehrt für hervorragende akademische Leistungen folgende drei Preisträgerinnen und Preisträger:

  • Bachelorarbeit: Maximilian Theisen, Institut für Psychologie der Universität Hildesheim

  • Masterarbeit: Annette Leyendecker, Institut für Kulturpolitk der Universität Hildesheim

  • Dissertation: Dr. Anna Kaitinnis, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim

Hier finden Sie ausführliche Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern

Interview mit der Neurowissenschaftlerin Dr. Jasmin Kizilirmak über Freude und Lernerfolg beim Problemlösen

Dr. Jasmin Kizilirmak forscht und lehrt im Neurolabor am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet derzeit an ihrer Habilitation in der Arbeitsgruppe „Neurodidaktik“ von Professor Kristian Folta-Schoofs. Die Psychologin hat über den Abruf von Informationen im Langzeitgedächtnis promoviert. Sie befasst sich mit der Frage, was eigentlich im Gehirn passiert, wenn Menschen lernen, wie das Denken funktioniert, welche Regionen im Gehirn daran beteiligt sind und wie diese unter welchen zeitlichen Abläufen miteinander interagieren. Mithilfe von Elektroenzephalografie (EEG) und Kernspintomographie sucht sie nach Antworten. Derzeit beschäftigt sie sich besonders mit dem Problemlösen und wie man durch das Lösen von besonders schwierigen Problemen lernen kann.

Sie sprechen von Freude beim Problemlösen, was steckt hinter diesem Begriff?

Der Begriff der Freude beim Problemlösen hängt mit dem „Aha-Erlebnis“ zusammen. Man kann Probleme auf ganz unterschiedliche Art und Weise lösen. Wir empfinden besonders viel Freude beim „Aha-Erlebnis“, wenn wir in eine Sackgasse beim Problemlösen geraten sind und irgendwann, wenn wir uns vielleicht schon mit etwas anderem beschäftigen, plötzlich alles verstehen und das Problem lösen können.

Lernen und sich in einer wissenschaftlichen Arbeit mit Problemen auseinandersetzen kann große Freude machen, oder?

Das Auseinandersetzen mit Problemen an sich bereitet wahrscheinlich eher Frust, solange wir keine Lösung finden. Doch das plötzliche Verstehen einer Lösung – das ist es, was einem Freude bereitet. Lernen tun wir aber sowohl aus dem Auseinandersetzen mit einem Problem als auch dem Lösen.

Geht es beim Lernen immer um das Lösen von Problemen?

Das würde ich nicht sagen. Man lernt auch ganz viel, ohne Probleme zu lösen. Aber wenn wir Probleme lösen, dann lernen wir eigentlich fast immer. Man unterscheidet zwischen Problemen und Aufgaben. Aufgaben können wir mit unseren vorhandenen Fähigkeiten bewältigen. Bei Problemen besitzen wir nicht alle Fähigkeiten, um sie zu lösen; vielleicht schon, aber wir müssen die Problemlösung erst entwickeln. Wir können nicht einfach auf Abruf eine bestimmte Formel, die wir im Mathematikunterricht gelernt haben anwenden, sondern wir müssen erst darauf kommen, was wir dort brauchen um das Problem lösen zu können.

Frau Dr. Kizilirmak, dieses Interview lesen Studentinnen und Studenten, die vielleicht gerade mitten in der Prüfungsphase sind, in der Bibliothek eine Hausarbeit schreiben oder sich auf eine mündliche Prüfung vorbereiten. Warum fällt es einigen Studierenden leichter, anderen schwerer, zu lernen?

Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Manche Menschen lernen generell schwieriger, weil sie beispielsweise Aufmerksamkeitsdefizitstörungen haben, das kommt auch im Erwachsenenalter vor und wurde lange Zeit vernachlässigt. Aber das größte Problem ist, dass wir vielleicht nicht optimale Lernstrategien verwenden, beispielsweise reine Wiederholungsstrategien, wo wir den Stoff einfach immer wieder durchlesen ohne irgendeine weitere Verarbeitung. Besser ist es, sich zu dem Thema Fragen zu stellen, sich zu überlegen: Was weiß ich noch über das Thema? Dann kommt es außerdem auf das Interesse an – wir können leichter lernen bei Themen, die uns emotional berühren, die wir interessant finden.

Was verändert sich im Gehirn, wenn wir Informationen aufnehmen und verarbeiten? Was passiert – grob erklärt – in unserem Kopf, wenn wir lernen und Probleme lösen?

Wenn wir uns mit dem Problem beschäftigen, versuchen wir, Informationen abzurufen, die wir zu den Bestandteilen des Problems schon vorliegen haben. Dann werden Problemlösestrategien abgerufen, die normalerweise funktionieren. Aber man trifft immer wieder auf Probleme, bei denen die gängigen Lösungsstrategien nicht funktionieren – dann muss man kreativ werden. Aber was dann genau im Gehirn passiert, ist relativ schwer zu beantworten. Es sind verschiedene Netzwerke aktiv, wie die Hirnregionen genau kommunizieren, können wir noch nicht erklären.

Sie führen im Hildesheimer Neurolabor eine Studie zum Problemlösen durch.

Ich analysiere in einer Eye-Tracking-Studie die Augenbewegungen von Probanden, während sie Probleme lösen. Es handelt sich um Worträtsel – drei Nomen werden präsentiert, die auf Anhieb scheinbar nichts miteinander zu tun haben, etwa: „Wäsche“, „Hälfte“ und „Erschütterung“. Der Proband muss ein viertes Wort finden, das man als Verbundwort mit all den anderen nutzen kann, vielleicht denkt man an „Wäschekorb“, oder bei „Erschütterung“ an ein Erdbeben. Viele dieser Probleme sind relativ schwer lösbar und frustrierend, weil alle naheliegenden Assoziationen, die uns auf Anhieb einfallen nicht als Lösungswort passen. Es ist eher eine weiter wegliegende Assoziation, da greifen die semantischen Netzwerktheorien: Man geht davon aus, dass unser Wissen in Netzwerken organisiert ist und Dinge, die wir gleichzeitig abrufen, stärker miteinander verknüpft sind. Wir schauen uns an, was passiert, wenn die Probanden graduell zur Lösung kommen oder mit einem plötzlichen „Aha-Erlebnis“ die Lösung schlagartig finden. Das Lösungswort ist übrigens: „Gehirn“ – „Gehirnwäsche“, „Gehirnhälfte“, „Gehirnerschütterung“.

Welche Rolle spielt der Hippocampus beim erfolgreichen Lernen und Erinnern und hat das etwas mit dem Problemlösen zu tun?

Das Problemlösen funktioniert nicht ohne das Gedächtnis. Wir nutzen das deklarative, bewusste Gedächtnis. In einem gewissen Grade ist der Hippocampus immer mit dabei, der Hippocampus ist eine Art Vermittlungszentrale, ein Archivar, der weiß, wo die Informationen gespeichert sind oder eingespeichert werden sollen. Wenn wir beim Problemlösen auf eine neue Lösung kommen, dann spielt der Hippocampus eine Rolle, da er beim Lernen immer mitwirkt und die neue Information mit abspeichert. Interessanterweise scheint dieser „normale“ Einspeicherungsweg via Hippocampus übergangen zu werden, wenn wir Problemlösungen durch eine plötzliche Erkenntnis, also ein „Aha!-Erlebnis“, lösen.

Für manche Menschen ist die Prüfungszeit eine Qual, Sorgen und Ängste begleiten das Lernen. Welche Rolle spielt Freude beim Lernen? Wie kann es gelingen, Probleme beim Lernen mit Freude zu bewältigen? Haben Sie da einen Tipp für Studentinnen und Studenten?

Ich weiß nicht, ob ich die Frage beantworten kann. Denn Freude beim Lernen hängt sehr stark von der Persönlichkeit ab. Bei manchen Menschen ist das Bedürfnis, Nachdenken und Rätseln zu wollen, stärker ausgeprägt und sie beschäftigen sich gerne mit schwierigen Problemen („need for cognition“). Generell ist die Freude beim Lernen wichtig. Wenn wir uns freuen, wird der Botenstoff Dopamin im Gehirn ausgeschüttet, der uns dabei hilft, Informationen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Auch wenn der Problemlöseprozess noch so frustrierend ist: Wenn wir es schaffen, auf die Lösung zu kommen oder wenn wir nach einem schwierigen Problemlöseprozess die Lösung gezeigt bekommen und sie dann nachvollziehen können, dann ist das Lernen sehr viel effektiver, als wenn wir die Lösung von vorherein einfach nachgeschaut hätten.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-14260 Mon, 08 Jan 2018 11:00:00 +0100 Geoarchäologische Studie: Karlsgraben blieb unvollendet https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geoarchaeologische-studie-karlsgraben-blieb-unvollendet/ Vor über 1.000 Jahren wollte Kaiser Karl der Große einen durchgehenden Schifffahrtsweg vom Rhein zur Donau schaffen. Das ambitionierte Projekt ist mit modernen Großprojekten wie dem Panama-Kanal oder dem Berliner Flughafen vergleichbar. Und wie bei diesen Projekten gab es auch damals Verzögerungen und technische Probleme wie aktuelle Forschungen eines Teams aus Leipzig, Hildesheim, Jena, Kiel, Berlin und München belegen. Vor über 1.000 Jahren wollte Kaiser Karl der Große einen durchgehenden Schifffahrtsweg vom Rhein zur Donau schaffen. 792/793 n. Chr. wurde das Verkehrsprojekt, das als eines der bedeutsamsten des Frühmittelalters in Zentraleuropa gilt in Angriff genommen. Der sogenannte Karlsgraben liegt am Fuß der Südlichen Frankenalb in Mittelfranken. Das ambitionierte Projekt ist in seinen Dimensionen mit modernen Großprojekten wie dem Panama-Kanal oder dem Berliner Flughafen vergleichbar. Und wie bei diesen Projekten gab es auch damals Verzögerungen und technische Probleme. Aktuelle Forschungen eines Teams aus Leipzig, Hildesheim, Jena, Kiel, Berlin und München belegen nun, dass das Vorhaben Karls des Großen gescheitert ist und verschiedene Teile des Kanals nicht vollendet wurden.

Seit Jahrzehnten wurde die Frage kontrovers diskutiert, ob der südliche Anschluss des Karls­grabens an die Altmühl und damit an das Donaueinzugsgebiet fertiggestellt war. Nur mit diesem Anschluss wäre eine Befahrung des Kanals möglich gewesen. Durch modernste geophysikalische, archäologische und physisch-geographische Untersuchungen ist es dem Forscherteam gelungen, mit neuen Erkenntnissen diese und weitere Fragen zu beantworten. Die im renommierten Fachmagazin „Quaternary International“ publizierten Forschungen belegen, dass sich der Flussverlauf der Altmühl seit der Karolingerzeit nur geringfügig verändert hat. Auf einer Strecke von mindestens 700 Metern zwischen den nachweisbaren Resten des Kanals im Ort Graben und der Altmühl gibt es jedoch keinerlei Spuren eines schiffbaren Kanals. Das Autorenteam um Prof. Dr. André Kirchner (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Christoph Zielhofer (Universität Leipzig) und Dr. Lukas Werther (Friedrich-Schiller-Universität Jena) kommt daher zu dem Ergebnis, dass der Bau in diesem Bereich unvollendet blieb.

Nichtsdestotrotz ist der Karlsgraben eine der bemerkenswertesten Ingenieursleistungen des Frühmittelalters. Die seit 2012 laufenden Forschungen im Rahmen eines Schwerpunktpro­gramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben gezeigt, dass Teile des Bau­werks weitgehend fertiggestellt und vermutlich funktionsfähig waren. Andere Abschnitte, wie der Kanalanschluss an die Altmühl, wurden dagegen nicht zu Ende gebaut, so dass der Kanal nie als Ganzes befahrbar war. Erst mehr als 1000 Jahre später gelang es im 19. Jahr­hundert mit dem Ludwig-Donau-Main-Kanal, die Idee Karls des Großen erfolgreich zu Ende zu bringen. 

Die Forschungen am Karlsgraben werden auch 2018 fortgesetzt, um noch offene Fragen an das außergewöhnliche Bauwerk zu beantworten.

„Die Erforschung des mittelalterlichen Bauwerks ist nur möglich, da unterschiedliche Fachdisziplinen eng kooperieren“, sagt Professor André Kirchner, der vor allem die Sedimente in der Altmühlaue untersucht. Seit 2016 arbeitet Kirchner als Juniorprofessor für Angewandte Geoökologie an der Universität in Hildesheim. In seiner Forschung untersucht der Physische Geograph und Geoarchäologe unter anderem, wie Siedlungs- und Nutzungstätigkeiten in der Vergangenheit die Umwelt beeinflusst haben.

Original-Publikation: A multidisciplinary approach in wetland geoarchaeology

Kirchner, A., Zielhofer, C., Werther, L., Schneider, M., Linzen, S., Wilken, D., Wunderlich, T., Rabbel, W., Meyer, C., Schmidt, J., Schneider, B., Berg-Hobohm, S., Ettel, P. (2017): A multidisciplinary approach in wetland geoarchaeology: Survey of the missing southern canal connection of the Fossa Carolina (SW Germany). – Quaternary International, doi.org/10.1016/j.quaint.2017.12.021

Team

Hinter der Studie steckt ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehrerer Universitäten in Deutschland. Kontakt zu den Forscherinnen und Forschern:

Prof. Dr. André Kirchner
Universität Hildesheim/ Institut für Geographie
Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim
E-Mail: andre.kirchner@uni-hildesheim.de
Tel: 05121 883 40922

Prof. Dr. Christoph Zielhofer
Universität Leipzig/ Physische Geographie
Johannisallee 19a, 04103 Leipzig
E-Mail: zielhofer@uni-leipzig.de
Tel: 0341 97 32965

Dr. Lukas Werther
Friedrich-Schiller-Universität Jena/ Seminar Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie
Löbdergraben 24a, 07743 Jena
E-Mail: lukas.werther@uni-jena.de
Tel: 03641 944 889

Dr. Stefanie Berg
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4, 80539 München
E-Mail: Stefanie.Berg-Hobohm@blfd.bayern.de
Tel: 089 2114 392

An der Studie waren des Weiteren beteiligt:

  • Michael Schneider, Dr. Sven Linzen
    (Leibniz-Institut für Photonische Technologien, Jena)
  • Dr. Dennis Wilken, Dr. Tina Wunderlich, Prof. Dr. Wolfgang Rabbel (CAU Kiel)
  • Dr. Cornelius Meyer (Eastern Atlas, Berlin)
  • Johannes Schmidt, Dr. Birgit Schneider (Universität Leipzig)
  • Prof. Dr. Peter Ettel (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Medienberichte

Die Studie fand auch in der deutschen Medienlandschaft große Beachtung und wurde u.a. bei „welt online“, ,„mdr online“ oder dem „Hamburger Abendblatt“ erwähnt. Radiobeiträge wurden im „Deutschlandfunk“ (18.01.2018 „Im Mittelalter mit dem Schiff vom Main zur Donau / Interview mit Prof. André Kirchner, Universität Hildesheim“, 8 Min, MP3) und bei „Radio Tonkuhle“ gesendet.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100)

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news-1773 Thu, 28 Dec 2017 11:22:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/digitale-lebenswelten-manipulation-und-deutungskampf-in-digitalen-medien/ Was sind sprachliche Indizien dafür, das Desinformation stattfindet? Darum geht es in der Vortragsreihe „Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“ am 9. Januar 2018 an der Uni Hildesheim. Im Interview äußert sich der Hildesheimer Politikwissenschaftler Wolf Schünemann, der die Vortragsreihe mitorganisiert, über die Diskursqualität im Netz und die demokratische Debattenkultur. Der Juniorprofessor für Politik und Internet untersucht mit weiteren Forschungskollegen in einer Studie 2,2 Millionen Online-Kommunikationsdaten aus dem Bundestagswahlkampf. Die Universität Hildesheim lädt interessierte Studierende, Lehrende und Bürgerinnen und Bürger zur Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten“ ein. Die vier Vorträge und Diskussionen stehen in diesem Wintersemester unter dem Motto „Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“.

Im ausgehenden Superwahljahr 2017 beschäftigt sich die Hildesheimer Vortragsreihe noch einmal mit dem Thema Wahlen und Wahlkampf. Nachdem sich die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Manipulationen in der politischen Online-Kommunikation deutlich erhöht hat und eine teils hysterisch wirkende Debatte über Fake News, Bots und Propaganda hervorgebracht hat, werden die wissenschaftlichen Vorträge diesen Phänomenen aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund gehen. Den Auftakt macht am 13. Dezember 2017 der Politikwissenschaftler Sebastian Stier, er befasst sich in seinem Vortrag mit der Frage, wie soziale Medien von Populisten genutzt werden. Die Linguistin Simone Burel zeigt am 9. Januar 2018, wie sich Fake News linguistisch analysieren lassen. Was sind sprachliche Indizien dafür, das Desinformation stattfindet? Wolf Schünemann gibt am 23. Januar 2018 Einblicke in eine aktuelle Studie zur politischen Online-Kommunikation im Bundestagswahlkampf. Die Reihe endet am Mittwoch, 31. Januar 2017, mit einer Bilanz des niedersächsischen Online-Wahlkampfes: An der Podiumsdiskussion nehmen Vertreterinnen und Vertreter aus den niedersächsischen Landesparteien und Medien teil. Wie bedeutend sind sozialen Medien in der politischen Online-Kommunikation? Welche Rolle spielten Fake News und Manipulation im niedersächsischen Landtagswahlkampf 2017?

Alle Vorträge sind öffentlich und kostenfrei. Nach einem 45-minütigen Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion (30 Minuten). „Bürger aus der Stadt sind herzlich eingeladen, mitzudiskutieren. Wir beobachten, dass der Zweifel an positiven Effekten digitaler Kommunikation und sozialer Medien auf den demokratischen Diskurs wächst. Mit unserer Vortragsreihe möchten wir dazu beitragen, dass sich Bürger tiefergehend und faktenbasiert mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Kommunikation, mit Regulierung und Meinungsfreiheit in der liberalen Demokratie auseinandersetzen“, sagt der Hildesheimer Juniorprofessor Wolf Schünemann. Der Politikwissenschaftler vom Institut für Sozialwissenschaften organisiert die Vortragsreihe gemeinsam mit der Sprachwissenschaftlerin Professorin Beatrix Kreß (Institut für Interkulturelle Kommunikation), der Übersetzungswissenschaftlerin Professorin Bettina Kluge (Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation) und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum (Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie).

Programm der öffentlichen Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten – Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“

Mittwoch, 13. Dezember 2017
Sebastian Stier, GESIS Köln
„Was sagt das ‚Volk‘? Populistische Kommunikation in sozialen Medien“
18:15 Uhr, Raum N 006 (Forum)
Hauptcampus der Universität Hildesheim am Universitätsplatz 1

Dienstag, 9. Januar 2018
Simone Burel, Universität Heidelberg
„Like oder Not-like? Linguistische Perspektiven auf Fake News in der digitalisierten Politik“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Dienstag, 23. Januar 2018
Wolf J. Schünemann, Universität Hildesheim
„Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken – ein Forschungsbericht“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Mittwoch, 31. Januar 2018
„Online first oder viel Lärm um nichts? Eine Bilanz des niedersächsischen Online-Wahlkampfs 2017 – Podiumsdiskussion mit Vertreterninnen und Vertretern der niedersächsischen Politik und Medien“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Programm [PDF]

Interview mit Prof. Dr. Wolf Schünemann, Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet

Wird Social Media überschätzt?

Herr Professor Schünemann, Sie untersuchen gemeinsam mit Kollegen aus Göttingen und Heidelberg die politische Online-Kommunikation im Netz und klicken sich durch Kommentare und Online-Diskussionen.

Wolf Schünemann: Wir haben in unserer Studie „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) Online-Kommunikationsdaten aus dem diesjährigen Bundestagswahlkampf gesammelt, vom 1. April 2017 bis zum 24. September 2017. Einen ersten Überblick unserer Ergebnisse haben wir online verfügbar gemacht (www.uni-hildesheim.de/wahlkampfanalyse). Wir wollen mit unseren corpuslinguistischen Verfahren herausfinden: Was passiert im Netz während des Wahlkampfs? Sind die sozialen Medien ein Tummelbecken für unzivilisierte Angriffe? Finden wir in den Daten einen Qualitätsabfall, kommt es zu einer Verschlechterung der politischen Diskursqualität – beobachten wir online mehr Kommunikation, die geprägt ist von Hass und Hetze? Wir analysieren Facebook-Posts. Eine Forschungsfrage ist, wie sehr sich die Anonymität auf das Diskurs-Verhalten auswirkt: Wie anonym bewegen sich die Kommentatoren im Netz? Gibt es einzelne User, die das Gesprächsklima „vergiften“? Im Januar 2018 beginnt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hildesheim, wir haben noch viele Daten zu analysieren. Um eine Vorstellung zu geben: Für die Aktivitäten auf den Facebook-Seiten der aussichtsreichen Bundesparteien und ihrer Spitzenkandidaten haben wir im Zeitraum von einem halben Jahr vor der Bundestagswahl 2,2 Millionen Meldungen und Kommentare gesammelt, die wir automatisiert und in Teilen qualitativ untersuchen wollen.

Mit ihrer Forschung möchten Sie herausfinden: Welchen Beitrag leistet die Internettechnologie zu einer demokratischen Debattenkultur?

Wolf Schünemann: Hervorgegangen ist die „WasN“-Studie aus einer Vorstudie zum Thema Diskursverhalten in der politischen Online-Kommunikation. Wir haben am Beispiel der baden-württembergischen Landtagswahl 2016 konkret die Frage untersucht, ob das Diskursverhalten in Online-Foren sich mit steigendem Anonymitätsgrad verschlechtert oder ob es, so denn eine Verschlechterung online zu beobachten ist, an anderen Faktoren liegt. Die jetzige „WasN“-Studie wird darüber hinaus weitere Fragen beantworten, etwa nach der Existenz von Echokammern oder Anzeichen für Social Bots, also Computerprogrammen, die eine menschliche Identität vortäuschen.

Wie geht es weiter, was untersuchen Sie speziell in den nächsten Monaten?

Wolf Schünemann: Wir werden die Daten quantitativ-automatisiert (etwa nach Worthäufigkeiten, Konkordanzen) sowie qualitativ untersuchen. Neben den natürlichen Daten haben wir auch Daten aus experimenteller Forschung, zu denen uns Hintergründe über die Probanden bekannt sind. So können wir soziale Kommunikationssituationen, wie etwa eine politische Diskussion, beobachten. Diese Daten werden dann auch statistisch ausgewertet. Interessant wird es sein, weiterhin zu beobachten: Wie verhalten sich die Parteien im Netz?

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt: Studie zur politischen Online-Kommunikation

Hinter der Studie „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken – Politische Online-Kommunikation und Diskursverhalten im Kontext des Bundestagswahlkampfs 2017“ (WasN) stecken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim, der Universität Heidelberg und vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. Der Hildesheimer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann leitet die Studie. Das Forschungsprojekt wird von der Abteilung Medienforschung des ZDF sowie von der Universität Hildesheim und vom Göttinger Institut für Demokratieforschung finanziell unterstützt.

Weitere Einzelheiten zur Studie finden Sie online: Studie analysiert Wahlkampf und Erste Analysen nach der Bundestagswahl 2017

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news-14237 Thu, 28 Dec 2017 08:01:00 +0100 Professor Michael Wrase verbindet Bildungsrecht und Sozialrecht https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/professor-michael-wrase-verbindet-bildungsrecht-und-sozialrecht/ Professor Michael Wrase ist Spezialist für Bildungsrecht und Sozialrecht. An der Universität Hildesheim forscht er in den Bereichen Verfassungsrecht, Bildungsrecht, Sozialrecht, Antidiskriminierungsrecht und Rechtssoziologie. Studentinnen und Studenten aus der Sozialpädagogik sowie dem Lehramt befassen sich in Wrases Vorlesungen mit rechtlichen Fragen des Bildungswesens und dem Zugang zu Bildungseinrichtungen, mit internationalen, menschenrechtlichen und verfassungsrechtlichen Grundlagen. Zur Person

Michael Wrase, 43, ist seit einem Jahr Professor für Öffentliches Recht mit den Schwerpunkten Sozial- und Bildungsrecht am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim und am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Es handelt sich dabei um eine fünfjährige Gastprofessur, die auf einer Kooperation zwischen der Universität und dem WZB beruht. Die Forschungsschwerpunkte von Professor Michael Wrase liegen in den Bereichen Verfassungsrecht, Bildungsrecht, Sozialrecht, Antidiskriminierungsrecht und Rechtssoziologie. Er befasst sich zum Beispiel mit dem Recht auf Bildung als Herausforderung für das deutsche Sozial- und Bildungssystem.

In der Lehre liegen die Schwerpunkte im Bildungsrecht, dem Sozialrecht und den Grundlagen des Sozialstaats. Im Wintersemester 2017/18 und im Sommersemester 2018 lehrt Michael Wrase unter anderem in der Hildesheimer Vorlesung „Einführung in das Bildungsrecht“. Die Studentinnen und Studenten, unter anderem aus der Sozialpädagogik sowie dem Lehramt, befassen sich mit rechtlichen Fragen des Bildungswesens, mit internationalen, menschenrechtlichen und verfassungsrechtlichen Grundlagen, mit dem Erziehungsrecht und staatlichen Bildungsauftrag sowie mit Schulgesetzen. Die Vorlesung trägt dazu bei, dass die Studierenden eine Grundqualifikation erhalten und sie lernen, mit Rechtstexten umzugehen.

Interview mit Prof. Dr. Michael Wrase

„Man muss sich Rechtsvorschriften und ihre Umsetzung genau anschauen“

Sie sind Professor für Öffentliches Recht mit den Schwerpunkten Sozial- und Bildungsrecht am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim und forschen auch am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Was macht man eigentlich als Professor für Bildungsrecht? Worum geht es in Ihrem Beruf?

Michael Wrase: In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Rechtsfragen in Bildungsinstitutionen, vor allem Schule und Kita. Da hat das Recht eine große Bedeutung, weil es den Handlungsrahmen für die Arbeit von Pädagog_innen setzt und auf der anderen Seite auch Rechte von Schüler_innen und Eltern definiert. Und es ist das zentrale Steuerungsmittel, um Bildungsorganisationen und Bildungsprozesse zu gestalten. 

Können Sie das an einem Beispiel erklären?

In Nordrhein-Westfalen wollte die frühere rot-grüne Landesregierung einen inklusiven Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung an den Regeschulen einführen. Dafür hat man das Schulgesetz geändert. Aber leider nicht sehr klug. Am Ende steht im Gesetz jetzt ein Vorrang für die inklusive Beschulung. Tatsächlich aber steigen, die Quoten von Kindern an Förderschulen, das ganze kostet eine Menge Geld und in der Öffentlichkeit hat die Inklusion ein sehr negatives Image bekommen – das war ein großes Thema im Wahlkampf, das Rot-Grün geschadet hat. Da ist einiges schief gelaufen. Man muss sich also die Rechtsvorschriften und ihre Umsetzung genau anschauen. Das mache ich in meiner Forschung, die auch einen Schwerpunkt in der Rechtssoziologie, das heißt der Forschung zur tatsächlichen Umsetzung und Praxis des Rechts (law in action), hat.

Was sind weitere Themen, mit denen Sie sich als Professor für Bildungsrecht beschäftigen?

In meiner Forschung geht es um menschen- und verfassungsrechtliche Fragen. Was ist, wenn Kinder unterschiedliche Chancen zum Beispiel auf den Zugang zu Bildungseinrichtungen haben? Wann liegt eine Diskriminierung im Rechtssinn vor? Welche völkerrechtlichen Vorgaben müssen für die Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen beachtet werden? Wie ist ein inklusives Schulsystem nach der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen?

Ein wichtiger Teil meiner Professur ist die Verbindung zwischen Bildungs- und Sozialrecht. Eigentlich muss das viel mehr zusammen gedacht werden. Denn Armut hat sehr viel mit dem Bildungsstand der Betroffenen zu tun. In Deutschland haben wir eine extrem hohe Bildungs- und damit auch Armutsvererbung. Wir haben ein Grundsicherungsrecht, das die Armut nur verwaltet und die Betroffenen auch noch sanktioniert. In Großstädten wie Berlin kommen über 30 Prozent aller Kinder aus solchen Familien, auch in Niedersachsen ist der Anteil hoch. Hier müsste viel mehr für die Bildung und (Weiter-)Qualifizierung getan werden. Die Bildungs- und Teilhabeleistungen für junge Menschen sind aber weitgehend ineffektiv. In meiner Forschung versuche ich, an dieser Stelle anzusetzen, die einen Schnittpunkt zum Kinder- und Jugendhilferecht hat.

Warum haben Sie sich für Hildesheim als Ort Ihrer Forschung und Lehre entschieden?

Die Universität Hildesheim hat ja ihren Schwerpunkt im Bereich Bildung und Pädagogik. Am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik gibt es schon seit langem eine Professur für Recht der sozialen Dienstleistungen von meiner Kollegin Kirsten Scheiwe. Damit hat das Recht hier einen deutlichen Stellenwert in der pädagogischen Ausbildung, aber auch in der Forschung. Das wird auch nach außen wahrgenommen. Insofern ergänzt sich das sehr gut. Meine Professur hat die Besonderheit, dass sie auf einer Kooperation mit dem WZB als außeruniversitärer Forschungseinrichtung beruht, wo ich als Research Fellow arbeite. Am WZB machen wir vor allem Forschung zu strukturellen Fragen von Bildung und Sozialpolitik. Und genau auf der Schnittstelle zwischen diesen strukturellen und den bildungsorganisatorischen Fragen liegt mein Arbeitsschwerpunkt, insofern gefällt mir das sehr gut.

Welche Forschungsfrage steht aktuell im Mittelpunkt Ihrer Arbeit, welchem Problem sind Sie auf der Spur?

Ganz konkret schreibe ich gerade einen Beitrag für die Bertelsmann-Stiftung. Darin geht es um die Regulierung kultureller Vielfalt, also zum Beispiel um die Frage, ob auch muslimische Organisationen das Recht haben, Religionsunterricht an öffentlichen Schulen anzubieten. 

Im zu Ende gehenden Jahr haben unsere Studien zur sozialen Selektivität von Privatschulen viel Zeit in Anspruch genommen. Zusammen mit einem Kollegen vom WZB und einer Kollegin von der Humboldt-Universität haben wir uns die soziale Zusammensetzung und die Entwicklung an den freien Schulen sehr genau angeschaut und analysiert. Wir haben festgestellt dass die Vorgaben des Grundgesetzes zur allgemeinen Zugänglichkeit der Privatschulen „unabhängig von den Besitzverhältnissen der Eltern“ weder ausreichend in Gesetzen konkretisiert noch von den zuständigen Behörden in der Praxis effektiv kontrolliert werden. Die Studien sind auch in der Öffentlichkeit relativ breit wahrgenommen worden. Der Landesgesetzgeber in Baden-Württemberg hat dann wesentliche Empfehlungen aus unserer Forschung in seinem Privatschulgesetz umgesetzt. Das Land Berlin plant jetzt Vorschriften, die das System der Finanzierung und Kontrolle freier Schulen auf eine neue Grundlage stellen sollen. Es geht darum, den einkommensunabhängigen Zugang und eine bessere soziale Durchmischung an den Privatschulen zu gewährleisten. Auch hier in Niedersachsen steht in der jetzigen Legislaturperiode eine Neuregelung an. Insofern wird uns das Thema zweifellos noch beschäftigen.

Zusammen mit Kolleg_innen arbeite ich gerade an Fragen der Schulaufsicht und der Steuerung von Bildungsprozessen. Und natürlich die Umsetzung der Inklusion nach der UN-Behindertenrechtskonvention. Nicht sehr geglückt sind da zum Beispiel die Regelungen zur Schulbegleitung, die auf der Schnittstelle zwischen Sozialhilfe-, Kinder- und Jugendhilferecht und Schulrecht in der Praxis zu großen Problemen führen. Das will ich mir genauer anschauen und alternative Regulierungsmodelle erarbeiten. Außerdem verfasse ich ein Rechtsgutachten, wo es um die geplante Verlagerung der beruflichen Bildung vom Kultus- an das Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein geht. Das ist bislang beispiellos und wirft eine Reihe von Rechtsfragen auf. Und ich arbeite an einem Buch zu Antidiskriminierungsrecht im internationalen Vergleich mit, das von einer Kollegin an der Universität Oxford herausgegeben wird.

Gibt es Themen, mit denen Sie zum Beispiel in der Lehre oder Forschung in die Stadt Hildesheim wirken?

Viele der genannten Themen berühren ja bildungs- und sozialpolitische Fragen, die für das Land und natürlich auch die Region von Bedeutung sind. Ganz konkret in Bezug auf Hildesheim möchte ich hier das Projektsemester erwähnen, das dieses Jahr zum ersten Mal im Studiengang Sozial- und Organisationspädagogik durchgeführt wird. Hier entwickeln Studierende in Gruppen von fünf oder sechs Personen eigenständig Projekte, die sie während des Semesters durchführen. Sie müssen dafür eine Idee entwickeln, einen Projektantrag schreiben, sich Kooperationspartner_innen in der Region suchen, das Projekt möglichst eigenständig durchführen und am Ende einen Abschlussbericht verfassen. Begleitet wird das ganze durch Basisseminare, Fortbildungen und ein Mentoriat. Ich fand die Idee gleich wunderbar, dass die Studierenden hier etwas Eigenes entwickeln und umsetzen können, statt nur im Hörsaal zu sitzen. Da betreue ich Studierende, die Sportangebote für Jugendliche in der Region oder musikalische Angebote für geflüchtete Jugendliche anbieten. Eine andere Gruppe führt eine Aktion zugunsten der Knochenmarkspende durch und eine andere will Geschichten über Menschen in Hildesheim sammeln und daraus eine Publikation machen. Das bringt  meines Erachtens für die Ausbildung eine Menge, da die Projekte wissenschaftlich reflektiert werden, und wirkt unmittelbar in die Stadt und Region.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-4716 Fri, 24 Nov 2017 11:18:00 +0100 Politik in einer vernetzten Gesellschaft: Politikwissenschaftlicher Weltverband tagt in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/politik-in-einer-vernetzten-gesellschaft-politikwissenschaftlicher-weltverband-tagt-in-niedersachse/ Professorin Marianne Kneuer hat an der Universität Hildesheim den Forschungsschwerpunkt „Internet und Politik“ aufgebaut. Sie ist stellvertretende Leiterin der „International Political Science Association“ (IPSA). Die Beschäftigung mit digitalen Medien verknüpft die Professorin mit ihrem anderen Forschungsschwerpunkt, der Analyse von Demokratien und Autokratien. Professorin Kneuer ist in diesem Jahr für die alle zehn Jahre stattfindende State-of-the-Art-Konferenz der globalen Vereinigung für Politikwissenschaft verantwortlich. 200 Experten beschäftigen sich mit Cyberkriminalität, mit der digitalen Kommunikation in autoritären Staaten und mit digitalen Medien im Wahlkampf. Digitale Medien sind das bestimmende Merkmal des 21. Jahrhunderts. Sie sind die Triebkraft der Kommunikation im neuen digitalen Zeitalter mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und das politische Spektrum. Für die Disziplin der Politikwissenschaft halten digitale Medien zwei Herausforderungen bereit: Einerseits als Untersuchungsgegenstand, etwa was nationale wie auch internationale Akteure, die Beziehungen zwischen Regierungen und gesellschaftlichen Akteuren oder zwischen Politikern und Bürgern betrifft. Andererseits beeinflussen die digitalen Medien aber auch die akademische Landschaft in Bezug auf Forschung wie auch Lehre.

Die globale Vereinigung für Politikwissenschaft – International Political Science Association (IPSA) – widmet daher die alle zehn Jahre stattfindende State-of-the-Art-Konferenz in diesem Jahr dem Thema Digitalisierung. Organisiert von Marianne Kneuer (Universität Hildesheim) und Helen Milner (University of Princeton) findet diese Konferenz auf Schloss Herrenhausen in Hannover statt (vom 4. bis zum 6. Dezember 2017). Die IPSA-Konferenz untersucht dabei die Herausforderungen der digitalen Medien an die Politikwissenschaft. Die Konferenz bietet eine Plattform zur Diskussion und Reflexion über die Bedeutung von Politikwissenschaft in einer vernetzten Gesellschaft.

Es werden rund 200 Teilnehmer aus aller Welt erwartet, die sich mit ganz unterschiedlichen Aspekten beschäftigen: Cyberkriminalität, digitale Kommunikation in autoritären Staaten, digitale Medien im Wahlkampf ebenso wie mit elektronischen Lernen, dem Einfluss auf Politikberatung oder auf Journalismus und das Verlagswesen. 

Die Konferenz auf Schloss Herrenhausen steht auch einem breiten Publikum offen. Gegen eine Gebühr von 15 Euro bzw. 5 Euro (für Studierende unter 35) ist eine Registrierung am Konferenzort (Herrenhäuserstraße, 30419 Hannover) morgens während aller drei Konferenztage möglich.

Unterstützt wird die Tagung durch die VolkswagenStiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Universität Hildesheim, die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft und die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen unter anderem aus Brasilien, Tunesien, Indien, Finnland, Türkei, Litauen, Tansania, Mexiko, Canada, China, Südafrika, Kasachstan, Japan, Bolivien, Paraguay und Südkorea. Etliche Spezialisten aus Nordamerika werden auf der Konferenz sprechen, etwa Ronald Deibert (University of Toronto, Canada), Peter Cowhey (University of California San Diego, United States of America) und Professor Jonathan Aronson (University of Southern California, USC Annenberg School for Communication and Journalism, United States of America).

Das gesamte Konferenzprogramm „Political Science in the Digital Age: Mapping Opportunities, Perils and Uncertainties“ finden Sie online.

Politikwissenschaft in Hildesheim

Professorin Marianne Kneuer forscht und lehrt am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Die Politikwissenschaftlerin hat in Hildesheim einen bundesweit viel beachteten Forschungsschwerpunkt aufgebaut. Marianne Kneuer befasst sich in der Arbeitsgruppe „Internet und Politik“ mit den Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft und den Verflechtungen zwischen World Wide Web und Politik.

Medienkontakt: Kontakt zu Prof. Dr. Marianne Kneuer und den internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100 und 0177 8605905).

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news-13919 Mon, 25 Sep 2017 08:18:00 +0200 Geographie: Wie der Mensch die Umwelt verändert https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/geographie-wie-der-mensch-die-umwelt-veraendert/ Böden und Sedimente speichern Informationen aus der Vergangenheit. Ein Team um Doktorandin Jasmin Karaschewski und Juniorprofessor André Kirchner kann sie lesen. Im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis untersuchen die Umweltexperten des Instituts für Geographie Felder, die schon seit dem frühen Neolithikum nahezu kontinuierlich besiedelt wurden. Dazu entnehmen sie Proben, die sie im Hildesheimer Uni-Labor untersuchen. Seit Frühjahr 2016 arbeitet André Kirchner als Juniorprofessor für Angewandte Geoökologie an der Universität in Hildesheim. In seiner Forschung untersucht der Geograph, wie Siedlungs- und Nutzungstätigkeiten in der Vergangenheit die Umwelt beeinflusst haben.

Derzeit sind der Professor und die Doktorandin Jasmin Karaschewski zusammen mit Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Gießen auf Feldern zwischen Seebach, Heroldishausen und Großengottern unterwegs, um Bodenprofile anzulegen und Bodenproben zu entnehmen. Zwei Meter tiefe Gruben sind entstanden. Es geht dem Team unter anderem darum herauszufinden, ob und in welchem Maße sich die Landnutzung verschiedener Kulturgruppen auf die Vegetationszusammensetzung oder Bodenerosion ausgewirkt haben – dieses Wissen steckt in Böden und Sedimenten. Sie sind quasi Langzeitarchive und verraten viel über die Vergangenheit.

Hildesheimer Geographen untersuchen Sedimente und Böden aus Thüringen

Durch Grabungen und Bohrungen in der Unstrutaue und daran angrenzenden Hänge haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zum Beispiel nachweisen können, dass die ersten neolithischen Ackerbauern – etwa vor 7000 Jahren – anders als heute sicherlich nicht in den Auen der Unstrut ackerten, da sich zu dieser Zeit dort ein großes Feuchtgebiet befand. Weiterhin „liefern die Untersuchungen eindeutige Hinweise dafür, dass es in der Neuzeit zu verstärkter Bodenerosion kam, was aus mächtigen Ablagerungen in den Auen und Unterhang­bereichen geschlussfolgert werden kann“, sagt Professor Kirchner.

Die entnommenen Bodenproben werden im bodenkundlich-sedimentologischen Labor des Instituts für Geographie und in dem gemeinsam mit dem Institut für Biologie und Chemie betriebenen umweltwissenschaftlichen Labor nun auf physikalische und chemische Eigenschaften untersucht. So werden zum Beispiel Korngrößen, Nähr- und Schadstoffe, Gesamtgehalte an Kohlenstoff und Stickstoff sowie der organische Kohlenstoffgehalt bestimmt. Im Uni-Labor können außerdem Schwermetallgehalte mittels „Atomabsorptionsspektrometrie“ und Anionen und Kationen mit Hilfe der „Ionenchromatographie“ gemessen werden. Außerdem werden Standardparameter wie pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, Kalkgehalt, Lagerungsdichte und Bodenfeuchte erfasst.

Wie arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Gelände und Labor?

Welche Laborgeräte kommen in der Forschung zum Einsatz? Hier gibt das Institut für Geographie Einblicke in die bodengeographischen Geländearbeiten und die Laborausstattung. Neben einer Grundausstattung für bodengeographische Geländearbeiten arbeitet das Uni-Institut zum Beispiel mit einem Bohrgerät zur Durchführung von „Rammkernsondierungen“.

Bodenkonferenz in Hildesheim

Das Hildesheimer Geographie-Institut hat sich auf Bodenkunde spezialisiert. Am 19. Oktober 2017 tagen etwa 50 Fachleute in Hildesheim. Der Schutz der Böden und der Umgang mit Böden bei Planungs- und Baumaßnahmen steht im Mittelpunkt der Hildesheimer Bodenkonferenz. Professor Martin Sauerwein hält den Vortrag „Über Anforderungen an ein nachhaltiges regionales Bodenschutzkonzept für eine Erdkabeltrasse im Landkreis Hildesheim und Gedanken zur Realisierung“. Der Geograph forscht und lehrt seit 2008 an der Universität Hildesheim. Die Tagung ist öffentlich (Programm online). Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei, eine Anmeldung per E-Mail ist bis 13. Oktober 2017 möglich (susanne.ohlendorf[at]uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100)

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news-13828 Mon, 28 Aug 2017 18:54:00 +0200 Zahlentheorie: „Und dann kommt die Idee ganz plötzlich“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/zahlentheorie-und-dann-kommt-die-idee-ganz-ploetzlich/ Aus der Forschung: Am Ende hilft oft Zeit, um die Dinge vollständig zu verstehen. Im Interview spricht der Mathematiker Jan-Hendrik de Wiljes über seine Doktorarbeit, die Anwendung mathematischer Theorien und die Förderung des mathematischen Denkens in Grundschulen. Wer Jan-Hendrik de Wiljes zuhört, entdeckt, wie faszinierend mathematisches Denken ist. Da sind zum Beispiel die Primzahlen, von denen der Wissenschaftler mit Begeisterung berichtet. „Primzahlen sind die Bausteine der natürlichen Zahlen". Eine Zahl ist eine Primzahl, wenn man sie nur durch sich selbst und durch 1 teilen kann. Beispielsweise die 2, die 3, die 5, die 7, die 11. Eine ungelöste Frage ist zum Beispiel das Primzahlzwillingsproblem. Gibt es unendlich viele Paare von Primzahlen, die sich nur um 2 unterscheiden, fragt de Wiljes – und nennt Paare wie 3 und 5, 11 und 13, 59 und 61.

Primzahlen sind aber nicht nur von theoretischem Interesse, sondern haben im letzten Jahrhundert in der Kryptographie unerwartet praktischen Nutzen erfahren. „Wie kann man Daten im Internet sicher übertragen? Daten müssen zum Beispiel beim Online-Banking oder beim Austausch von E-Mail-Nachrichten sicher sein. Bekannt ist das RSA-Verfahren, welches auf folgendem Prinzip basiert: Zwei Primzahlen, etwa 11 und 13, kann man leicht multiplizieren – 143. Diese 143 aber dann wieder aufzuteilen ist weitaus schwieriger, das zurückzuverfolgen dauert länger", erläutert der Mathematiker.

Stift und Papier gehören zum Alltag des Wissenschaftlers.  „Ich fange an, probiere aus, suche Prinzipien. Dann führe ich viele Gespräche, es ist wichtig in Kolloquien zusammenzukommen und Ideen unter Fachleuten zu präsentieren." De Wiljes gehört zu einem Team um Professor Jürgen Sander, das regelmäßig Expertinnen und Experten aus der Zahlentheorie an einen Tisch holt, um sich über gelöste und ungelöste mathematische Probleme auszutauschen.

Interview mit dem Zahlentheoretiker Jan-Hendrik de Wiljes

Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Meine Doktorarbeit trägt den Titel „Über maximale Mengen, die keine k+1 Zahlen mit größtem gemeinsamen Teiler ungleich 1 enthalten“.

Was untersuchen Sie in der Forschung?

Ich untersuche die Cliquenzahl in speziellen Hypergraphen – das ist eine graphentheoretische Interpretation des Themas. Man kann das Problem wie folgt verständlich machen: Unter den ersten 20 natürlichen Zahlen suche ich möglichst viele, so dass jede Primzahl höchstens zwei (das entspricht dem k) dieser Zahlen teilt, das wären etwa {1,2,3,4,5,7,9,11,13,17,19}. Jetzt kann man sich natürlich dieselbe Frage stellen, wenn nicht die ersten 20 natürlichen Zahlen, sondern die ersten n natürlichen Zahlen (wobei n eine beliebige natürliche Zahl ist) betrachtet werden. Andererseits kann man auch das k ändern (also kann man fordern, dass jede Primzahl höchstens drei oder vier – oder eben mehr – Zahlen der Menge teilt). Solche Fragen und noch viele weitere – unter anderem unter Betrachtung „verallgemeinerter natürlicher Zahlen“ – untersuche ich.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst kamen?

Ganz erstaunlich ist, dass solche maximalen Mengen ab einem genügend großen n (in Abhängigkeit von k) keine Elemente mit mehr als drei Primteilern enthalten (und im Fall von genau drei Primteilern, muss einer dieser Teiler 2 oder 3 sein).

Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist Ihre Forschung wichtig?

Das ist eine gute Frage. Erstens ist es ein sehr interessantes Problem. Es gibt viele ähnliche von dem berühmten Paul Erdös untersuchte Fragestellungen, insbesondere die graphentheoretische Interpretation enthält einen Spezialfall, über den Erdös selbst geforscht hat, den sogenannten Coprime Graph of Integers. In der Mathematik geht es nicht zwingend immer um den Nutzen für den Alltag, aber es ist ein Anliegen der Zahlentheorie, die Verteilung der Primzahlen zu verstehen.

Mit der Kryptographie gibt es ein klassisches Anwendungsgebiet, das Resultate aus der Zahlentheorie verwendet, die deutlich früher und ohne jeden Wunsch der Anwendung gefunden wurden. Insofern ist nicht auszuschließen, dass die Ergebnisse meiner Arbeit irgendwann auch eine Anwendung in der „realen Welt“ finden.

Und wie lange dauert Ihre Forschung?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal denke ich über ein Problem lange nach – häufig mit vielen Ansätzen, die dann in Sackgassen führen – und lasse es ruhen und dann kommt mir die richtige Idee ganz plötzlich, beispielsweise unter der Dusche. Andere Probleme lassen sich nur durch das Erstellen vieler Beispiele genauer verstehen und lösen, dann ist durchaus einiges an Programmieraufwand und systematischen Ausprobieren gefragt. Am Ende hilft aber oft Zeit – gelegentlich ohne direkte Beschäftigung mit den Fragestellungen –, um die Dinge vollständig zu durchdringen.

Welche Verantwortung tragen Sie als Wissenschaftler?

Um ehrlich zu sein, in meinem Gebiet nicht so furchtbar viel. Es ist lediglich wichtig, dass die Beweise korrekt sind, damit spätere Forschung auf einem sicheren Fundament betrieben werden kann. Deutlich verantwortungsvollere Aufgaben habe ich meiner Meinung nach in der Ausbildung von angehenden Lehrerinnen und Lehrern an der Universität Hildesheim. Der Einfluss auf zukünftige Generationen durch die Ausbildung von (hauptsächlich) Grundschullehrkräften kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Da denke ich natürlich auch als Vater von zwei KiTa-Kindern an mathematische Bildung.

Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den „Doktortitel“ – haben Sie Sorge, wie es nun beruflich weitergeht?

Nicht wirklich, mit Mathematik findet man (fast) immer sehr interessante Aufgaben und es gibt (fast) überall Bedarf. Es geht eher darum, den passenden Bereich zu finden, der einem Spaß macht.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Dr. Jan-Hendrik de Wiljes, 32, geboren in Hannover, Titel der Doktorarbeit „Über maximale Mengen, die keine k+1 Zahlen mit größtem gemeinsamen Teiler ungleich 1 enthalten“, betreut durch Prof. Dr. Jürgen Sander vom Institut für Mathematik und Angewandte Informatik der Universität Hildesheim. Der Mathematiker hat zuvor an Universitäten in Berlin und Hannover geforscht, seit sieben Jahren arbeitet de Wiljes in Hildesheim.

Lehrerausbildung: „Mathematisches Denken fördern“

Hier äußert sich der Mathematiker Jan-Hendrik de Wiljes über mathematische Theorien und ihre Anwendung im Alltag.

Der Wissenschaftler bildet in Hildesheim die nächste Generation der Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrer aus, etwa in Seminaren wie „Vertiefung der Graphentheorie“, „Mathematische Anwendersysteme für den Unterricht“ oder „Kryptographie – Algebraische und zahlentheoretische Methoden“. Wie bringt man Kindern und Jugendlichen mathematisches Denken bei? Die Kryptographie sei ein „dankbares Arbeitsgebiet für Lehrerinnen und Lehrer", eine mathematische Theorie, die Anwendung im Alltag erfährt, beliebt bei den Lehramtsstudierenden, sagt de Wiljes. „Man muss erst ein gewisses Zahlenverständnis aufbauen, man muss wissen, was natürliche Zahlen, Grundrechenarten und Primzahlen sind – dann kann man mit der Kryptographie im Unterricht loslegen, etwa in der sechsten Klasse. Man kann Bezüge zu Computern herstellen, über den sensiblen Umgang mit Daten sprechen. Verschlüsselung ist das Thema überhaupt – auch für Erwachsene."

Mit dieser Nähe zum Alltag, mit der Anwendung mathematischer Theorien haben die Mathematiker aber auch „sehr zu kämpfen". „Mathematik ist viel mehr als Anwendung. Eine ganze Menge an Problemen hat nichts mit der Realität zu tun. Vielen Personen erschließt sich dabei nicht der Sinn“, sagt Jan-Hendrik de Wiljes. Zudem sei die Realität komplex.

De Wiljes nennt als Beispiel das Netz der Deutschen Bahn. „Möglichst viele Züge sollen zu passenden Zeiten die richtigen Orte passieren, Menschen transportieren, Lokführer und Maschinen müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und dann kommt das Wetter, Eis und Sturm. Ich kann das Problem nicht einfach in ein mathematisches Modell übertragen, es gibt viele Ungewissheiten." In der Mathematik hingegen könne er „störende Nebenfaktoren zunächst reduzieren, Eis und Regen weglassen". Es gehe darum „auch mit Objekten Kontakt zu haben, die keinen Bezug zur Realität haben". Mathematisch zu denken mache einfach große Freude – wie auch die Verbreitung des Rätsels „Sudoku" zeige. „Es muss nicht alles auf Anwendung getrimmt sein. Kinder in der Grundschule wollen ihren Kopf benutzen, sie haben viel Wissensdurst und Spaß beim Denken. Wenn wir Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, die das gut transportieren und das mathematische Denken fördern, geht das nicht verloren", sagt der Mathematiker.

Einblicke in Forschung

Das Interview mit Dr. Jan-Hendrik de Wiljes ist Teil einer fortlaufenden Serie über Doktorandinnen und Doktoranden an der Universität Hildesheim. Wer Einblicke in seine Arbeit, Forschungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse geben möchte, kann sich gerne in der Pressestelle bei Isa Lange melden (presse@uni-hildesheim.de). So gibt zum Beispiel die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Wiebke Hiemesch Einblicke in ihre Dissertation. Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Jennifer Clare zeigt in ihrer Doktorarbeit, wie Politik und Literatur ineinandergreifen.

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news-13783 Mon, 28 Aug 2017 09:46:00 +0200 „Literatur findet mitten im Leben statt“ https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/literatur-findet-mitten-im-leben-statt/ Aus der Forschung: Wie verhält sich ein literarischer Text zu seiner zeitlichen Umgebung – reaktiviert er Wissen aus der Vergangenheit, speichert er Gegenwart, grenzt er sich ab? Im Interview spricht die Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare über ihre Doktorarbeit, die Beziehung zwischen Politik und Literatur und die Recherche in Archiven. Außerdem gibt sie Einblicke in ihre Habilitation, in der sie das gemeinsame autobiographische Schreiben im 19. Jahrhundert untersucht. Jennifer Clare lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur. An der Universität in Hildesheim hat die Literaturwissenschaftlerin bei Professor Toni Tholen promoviert und arbeitet derzeit an ihrer Habilitation.

Im Moment schaut sich die 31-Jährige deutsch- und englischsprachige Texte aus dem 19. Jahrhundert an und untersucht, wie hier literarische Zusammenarbeit funktioniert, also die Arbeit von mehr als einer schreibenden Person an einem Text. Jennifer Clare hat sich für die Wissenschaft entschieden und schätzt dabei besonders die Diskussionen mit Studentinnen und Studenten in Lehrveranstaltungen.

Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare

Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Meine Doktorarbeit trägt den Titel „Protexte. Interaktionen von literarischen Schreibprozessen und politischer Opposition um 1968“.

Was untersuchen Sie in der Forschung?

Ich habe in der Doktorarbeit literarisches Schreiben um 1968 untersucht: Welche Vorstellungen gibt es in dieser Zeit vom Schreiben und von sich selbst als schreibender Person? Wie werden Schreibende gesehen, mit welchen Erwartungen, Zuschreibungen, aber auch Vorwürfen werden sie konfrontiert? Wie sieht die oft benannte „Politisierung der Literatur“ genau aus, das heißt wie greifen Politik und Literatur ineinander, was bezieht die Literatur aus der Politik, aber auch die politische Oppositionskultur aus neuen Schreibverfahren? Wie mischt sich das Schreiben in diesem Zusammenhang mit anderen medialen und sprachlichen Formaten – mit dem, was zeitgleich zum Beispiel in Popmusik, Film oder Flugblättern passiert? Und, nicht zuletzt: Was macht all das mit den entstehenden literarischen Texten, ihrer Form, ihrer Ästhetik?

Wie sieht denn die „Politisierung der Literatur“ aus, wie greifen Politik und Literatur ineinander? Was haben Sie in Ihrer Doktorarbeit herausgefunden?

Wenn man „Politisierung der Literatur“ hört, denkt man vielleicht zuerst an das Naheliegende: Ein Text handelt entweder von politischen Themen oder er fungiert als politisches Instrument – zum Beispiel, indem er zum Widerstand aufruft, über einen gesellschaftlichen Missstand aufklärt oder einer unterdrückten Personengruppe eine öffentliche Stimme verleiht. Solche Texte gibt es um 1968 recht viele, aber die „Politisierung der Literatur“ beschränkt sich nicht darauf. Zum Beispiel konnte ich an Texten von Rolf Dieter Brinkmann zeigen, dass er, obwohl er die politische Instrumentalisierung von Literatur strikt ablehnt und Politik auch wenig explizit thematisiert, trotzdem „politisiert“ im Sinne der „68er“ schreibt: In seinen Texten geht es vor allem darum, sprachlich radikal zu sein, sich gegen literarische Autoritäten zu positionieren, formale und stilistische Hierarchien zu überwinden, als bürgerlich empfundene Räume zu verlassen (in seinem Fall zum Beispiel den Schreibtisch), auf sprachlicher Ebene Macht und sogar Gewalt auszuüben, Auslöschung zu betreiben. Alle diese Elemente und Ideen haben ihre Pendants in der politischen Szene um 1968 –  ohne dass diese Bezüge geplant oder auch nur zeitgenössisch hergestellt wurden. Das ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass Literatur und soziale Umgebung immer wechselseitig und nicht immer berechenbar interagieren.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst kamen?

Es ist ungeheuer interessant und wichtig, diesen Zeitraum mit zeitlichem Abstand und mit aktueller fachwissenschaftlicher Methodik neu anzuschauen. Seine kulturellen Produkte haben Vieles und teilweise sehr Differenziertes zu sagen über eine leider oft einseitig und klischeehaft interpretierte Zeit und ihr sehr spezielles literarisches Schreiben.

Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist Ihre Forschung wichtig?

1968 gilt bis heute als wichtige Schaltstelle der jüngeren deutschen Geschichte; Personen und Institutionen der medialen Öffentlichkeit berufen sich – positiv wie negativ – darauf. Meine Arbeit über literarische Texte aus dieser Zeit sagt viel über zeitspezifische Lebenssituationen, Konflikte, Faszinationen und Ängste. Denn ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin ist immer auch zugleich ein schreibender Mensch in einer bestimmten Lebens- und Denkumgebung. Seine oder ihre Texte sind unschätzbare Dokumente nicht nur von Fakten und Aussagen, sondern, viel wichtiger, von Konfliktsituation und Konfliktkonstellation, von Prozessen der Einsicht, des Ausprobierens, des Scheiterns, des Reflektierens. All das ist retrospektiv nur schwer greifbar, aber es ermöglicht den Ansatz eines Verständnisses, warum sich zum Beispiel bestimmte literarische Formen und Formate oder auch bestimmte politische Kommunikationsmuster genau in dieser Zeit genau so entwickelt haben.

Meine Perspektive steht dabei nicht in Konkurrenz zu der der zahlreichen noch lebenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen (denen ich viele Informationen und Materialien verdanke), sondern versucht, eine spezielle literarisch-kulturelle Konstellation aus der Gegenwart und den Texten heraus aufzurollen und reflektierbar zu machen.

Und wie lange dauert Ihre Forschung?

Die allerersten Ideen zu der Arbeit hatte ich im Frühjahr 2010, verteidigt habe ich sie dann im Frühjahr 2015. Mein Arbeitsalltag sah in den fünf Jahren sehr unterschiedlich aus: Am Anfang habe ich sehr viel Zeit in Bibliotheken verbracht, recherchiert, gelesen und notiert. Bei meinem Thema lagen die relevanten Forschungstexte nicht sofort auf der Hand, sodass ich anfangs wirklich alles aus der Zeit, das mir in die Hände kam, angeschaut habe: Ich habe Flugblattsammlungen durchgesehen, Filme geschaut, Musik gehört, mich mit Fotobänden und wichtigen literarischen Institutionen wie zum Beispiel dem „Kursbuch“ beschäftigt. Daraus hat sich allmählich ein Textkorpus herausgeschält.

Die letzten zwei Jahre habe ich hauptsächlich geschrieben. Was ich an der Forschungstätigkeit wirklich mag, ist, dass sie immer wieder produktiv mit anderen Dingen interagiert, die ich tue: Oft habe ich durch den Besuch einer Konferenz oder eine studentische Rückfrage in einer meiner Lehrveranstaltungen – manchmal in völlig anderen thematischen Zusammenhängen! – eine gute Idee für die Arbeit bekommen.

Welche Verantwortung tragen Sie als Wissenschaftlerin?

Als Literaturwissenschaftlerin mache ich in meiner Arbeit Deutungs- und Verständigungsangebote. Oft geht es um nichts Geringeres als das Leben selbst: Wie wir uns selbst verstehen, wie wir in bestimmten Zusammenhängen zusammenleben, wie wir uns zu unserer Vergangenheit, unserer Kultur, unserer Gesellschaft stellen, warum bestimmte Dinge in Alltag, Medien und Kommunikation so sind, wie sie sind – ich glaube, das ist der große Horizont, in dem Literatur etwas zu sagen hat und über Macht verfügt. Meine ganz persönliche Verantwortung ist es, diesen Zusammenhängen nachzuspüren und sie gesellschaftlich zur Diskussion zu bringen. Literatur findet mitten im Leben statt und ist unmittelbar verknüpft mit der sozialen Umgebung, aus der sie hervorgeht. Als Literaturwissenschaftlerin muss ich diese Verknüpfung ernst nehmen und eine Kommunikation darüber herstellen.

Ganz konkret bedeutet das, dass ich mich zum Beispiel bewusst um einen verständlichen, der interessierten Öffentlichkeit zugänglichen Schreibstil bemühe und dass ich mir bei jedem Thema, das ich auswähle – für ein Forschungsprojekt, einen Aufsatz, eine Lehrveranstaltung – genau überlege, worin seine gesellschaftliche Relevanz besteht.

Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den „Doktortitel“ – haben Sie Sorge, wie es nun beruflich weitergeht?

Ich habe mich dafür entschieden, die akademische Karriere weiter zu verfolgen und möchte Professorin werden. Natürlich verfolge ich den Stellenmarkt und weiß um seine Herausforderungen und Schwierigkeiten, aber ich weiß auch, dass ich gute Arbeit mache und werde in diesem Sinne versuchen, meinen Weg zu gehen.

Sie sind seit 2010 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim im Bereich Literaturwissenschaft. Seit 2016 arbeiten Sie an Ihrem Habilitationsprojekt „Zusammen leben, zusammen schreiben. Kollaboration, Geschlechtlichkeit und autobiographisches Schreiben im 19. Jahrhundert".

Ich habe mich gefragt, wie literarische Zusammenarbeit funktioniert – also die Arbeit von mehr als einer schreibenden Person an einem Text. Wer entscheidet da was, wie wird die Schreibarbeit organisiert und aufgeteilt, wovon hängt sie ab? Und was passiert, wenn wir es auch noch mit einem im weiteren Sinne autobiographischen Format (wie einem gemeinsamen Tagebuch, Briefwechsel, Notizbuch) zu tun haben? Wer biographiert dann eigentlich wen?  Und sind es marginale, atypische Einzelfälle oder sind viel mehr Schreibprozesse in Zusammenarbeit abgelaufen als wir es gemeinhin annehmen? Müssen wir auf Basis solcher Fälle Konzepte wie „autobiographisch“ und „Autorschaft“ erweitern? Im Moment schaue ich mir exemplarische deutsch- und englischsprachige Texte im 19. Jahrhundert an. Der Aspekt der Geschlechtlichkeit ist dabei besonders wichtig, weil Männer und Frauen in ihrem Schreiben und ihrer schreibenden Selbstinszenierung stark geschlechtlichen Normen ihrer Zeit unterliegen (oder auch gerade versuchen, diese in der Zusammenarbeit mit dem anderen Geschlecht zu überwinden).

Sie haben in Gastseminaren an der Sun Yat-Sen University, Guangzhou, der Universität Zürich und der Universität Warschau unterrichtet, waren zum dreimonatigen Forschungsaufenthalt als „Junior Visiting Fellow“ an der University of London. Was lernen Sie in solchen internationalen Begegnungen, wie profitiert die Forschung aus solchen internationalen Kontakten?

Meine Lehrveranstaltungen im Ausland waren sehr unterschiedlich, was zum Beispiel das literaturwissenschaftliche Vorwissen, die Sprachkenntnisse, die Gruppengröße, die thematischen Interessen und die Bildungssozialisation der Studierenden betrifft. Es macht unglaublich Spaß, sich darauf einzustellen, sich auf andere Institutionen und Lernkulturen einzulassen und darin auch die eigene Lehrpraxis in Deutschland immer wieder neu zu denken. Das Fellowship in London war wiederum eine wichtige Erfahrung dahingehend, wie anders Forschung und akademische Zusammenarbeit an einer sehr großen Universität organisiert sind. Außerdem habe ich hier Zugang zu sehr großen Literaturbeständen bekommen, zum Beispiel der British Library und der Senate House Library. Am wichtigsten war und ist mir aber in allen Fällen die persönliche Vernetzung. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen arbeite ich immer noch intensiv zusammen.

In Ihrer Forschung befassen Sie sich auch mit dem Thema „Literatur und Gedächtnis“. Worum geht es da, welche Frage ist noch offen?

Dieses Thema ist mir sehr früh begegnet, als ich mich in meiner Diplomarbeit mit der Darstellung der Roten Armee Fraktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur beschäftigt habe. Ich habe damals gezeigt, wie die verschiedenen Texte in ganz unterschiedlicher Weise vom Umgang mit Erinnerungen geprägt sind: Wird die Vergangenheit als gegenwärtig oder in Retrospektive aufgerufen? Welche Elemente werden in der Literatur wieder aufgerufen und stark gemacht, welche werden vergessen? Wie gehen Autorinnen und Autoren mit einem Thema um, das in der kollektiven Erinnerung sehr stark von einem sehr limitierten Haushalt von Bildern – Fahndungsplakate, Brandstiftungsprozesse, Verhaftungsfotos, Entführungsopfer – und medialen Erzählfragmenten geprägt ist? Kann man eigentlich noch auf „die RAF“ zugreifen oder nur auf eine bereits recht lange und intensive Geschichte der Erinnerung in Medien, öffentlichen Debatten und früheren literarischen Texten?

Offen ist eigentlich bei jedem neuen literarischen Text die Frage, wie er sich zu seiner zeitlichen Umgebung verhält – reaktiviert er Wissensbestände aus der Vergangenheit, speichert er Gegenwart, grenzt er sich ab, nimmt er eine bestimmte Perspektive des Vergangenheitsbezugs ein? Das sind Fragen, die mich auch in den Folgeprojekten begleitet haben.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Dr. Jennifer Clare, 31, geboren in Bochum, Titel der Dissertation „Protexte. Interaktionen von literarischen Schreibprozessen und politischer Opposition um 1968“, betreut durch Prof. Dr. Toni Tholen vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Die Literaturwissenschaftlerin arbeitet an der Universität in Hildesheim an ihrem Habilitationsprojekt zum Thema „Zusammen leben, zusammen schreiben. Kollaboration, Geschlechtlichkeit und autobiographisches Schreiben im 19. Jahrhundert“ (Arbeitstitel).

Einblicke in Forschung

Das Interview mit Dr. Jennifer Clare ist Teil einer fortlaufenden Serie über Doktorandinnen und Doktoranden an der Universität Hildesheim. Wer Einblicke in seine Arbeit, Forschungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse geben möchte, kann sich gerne in der Pressestelle bei Isa Lange melden (presse(at)uni-hildesheim.de).

So gibt zum Beispiel die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Wiebke Hiemesch Einblicke in ihre Dissertation. Im Interview spricht der Zahlentheoretiker Jan-Hendrik de Wiljes über seine Forschung.

Dr. Wiebke Hiemesch: Das Erinnern wachhalten

Dr. Jan-Hendrik de Wiljes: Über maximale Mengen

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Startseite Forschung
news-14279 Sat, 26 Aug 2017 16:36:00 +0200 Der Blick unter die Bettdecke https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/der-blick-un/ Christoph Kröger vom Institut für Psychologie hat mit seinem Forschungsteam im Rahmen einer Studie Menschen in Deutschland erstmals umfangreich zu ihren sexuellen Gewohnheiten befragt. Die Ergebnisse der Studie sollen Rückschlüsse auf die Übertragung von sexuellen Krankheiten ermöglichen. Pressespiegel regional Psychologie Forschung news-13520 Wed, 21 Jun 2017 17:03:00 +0200 Fremdsprache in Kindergarten und Schule erlernen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/fremdsprache-in-kindergarten-und-schule-erlernen/ Wie kann früher Fremdspracherwerb gelingen? Ein Team um Professorin Kristin Kersten und Professor Werner Greve untersucht an 1700 Grundschulen, wie Lehrerinnen und Lehrer die englische Sprache unterrichten. Wie kann früher Fremdspracherwerb gelingen? Ein Team um Professorin Kristin Kersten und Professor Werner Greve untersucht derzeit an 1700 Grundschulen, wie Lehrerinnen und Lehrer die englische Sprache unterrichten. „Langjährige Untersuchungen deuten darauf hin, dass andere Fähigkeiten eines Kindes nicht darunter leiden, wenn es eine zweite Sprache im Kindesalter erlernt. Im Gegenteil: In besonders intensiven Programmen kann sich neben kognitiven Vorteilen sogar die Erstsprache verbessern“, sagt Professorin Kersten. Erste Ergebnisse aus dem dreijährigen Forschungsprojekt „BiLLiE (Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung)“ unterstützen die Annahme, dass sowohl strukturelle Faktoren der Schule (zum Beispiel Unterstützung durch die Schulleitung) als auch individuelle Faktoren der Lehrkräfte (zum Beispiel deren persönliche Erwartungen und Bewertungen) beeinflussen, ob bilingualer Unterricht implementiert wird. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert die Forschung.

Professorin Kristin Kersten erforscht seit Jahren ein besonders intensives Programm im Fremdspracherwerb: Bei der „Immersion“ („Eintauchen“ in die Sprache) werden mindestens 50 Prozent des Curriculums in der Fremdsprache unterrichtet. „Ob Mathematik, Musik oder Sachunterricht – die Fächer werden in englischer Sprache unterrichtet, auch auf den Fluren sprechen die Kinder oft Englisch. Um das Verständnis zu sichern, setzen die Lehrerinnen und Lehrer Gestik und Mimik ein und beziehen sich intensiv auf die Umgebung und auf Anschauungsmaterial“, berichtet Kristin Kersten von Schulen in Göttingen und Hannover. Erste Vergleiche zeigen, dass sie das häufiger und intensiver tun als Lehrkräfte im regulären Englischunterricht. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass sich die Kinder am Ende der Grundschulzeit fließend – wenn auch nicht immer fehlerfrei – auf Englisch ausdrücken können. Sie übertreffen in ihrem Arbeitsgedächtnis und der phonologischen Bewusstheit (also der Bewusstheit für sprachliche Laute) ihre Altersgenossen. Besonders auffällig ist, dass der Bildungshintergrund der Familie in regulären Schulklassen einen höheren Einfluss hatte als in den Immersionsklassen.

Weitere Informationen zu den Forschungsprojekten:

Forschungsprojekt: Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung

Forschungsprojekt: Studies on Multilingualism in Language Education

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news-13001 Wed, 21 Jun 2017 16:11:00 +0200 Lesemotivation und Lesekompetenz: Warum lesen Jugendliche? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/lesemotivation-und-lesekompetenz-warum-lesen-jugendliche/ Welchen Platz hat Literatur im Leben von Jugendlichen in Niedersachsen? Wie reagieren Lehrerinnen und Lehrer auf die Leseinteressen der Jugendlichen? Professorin Irene Pieper untersucht, welche Rolle Literatur im Deutschunterricht und in der Freizeit einnimmt. Professorin Irene Pieper untersucht, welche Rolle Literatur im Deutschunterricht und in der Freizeit von Jugendlichen einnimmt, auch im Vergleich zu anderen Medien wie Filme, blogs und Social Media. „Unterrichtsnahe Forschung zu diesem Bereich fehlt im deutschsprachigen Raum weitgehend, obwohl er für die Entwicklung von Lesemotivation und Lesekompetenz eine zentrale Rolle spielt", sagt Pieper. In dem Forschungsprojekt „TAMoLi Niedersachsen: Texte, Aktivitäten und Motivationen im Literaturunterricht in der Sekundarstufe I“, das vom Land Niedersachsen gefördert wird, kombiniert die Wissenschaftlerin qualitative und quantitative Zugänge. Das Hildesheimer Forschungsteam arbeitet mit dem Partnerprojekt „TAMoLi Schweiz“ zusammen. Die beiden Teams arbeiten eng zusammen und diskutieren die Ergebnisse der Länder auch im Vergleich. Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen ist Praxispartner in dem Projekt.

In Niedersachsen werden Lehrerinnen und Lehrer von etwa 60 achten Klassen aus den Schulformen Gymnasium, Real-, Haupt- und Gesamtschule sowie deren etwa 1200 Schülerinnen und Schüler befragt. Fragen an die Jugendlichen sind zum Beispiel: Warum liest du? Welche Texte sprechen dich an? Was würdest du gerne in der Schule lesen? Bisher ist wenig untersucht, welche Erfahrungen die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Literatur machen und inwiefern Jugendliche mit ihren persönlichen Leseinteressen das Unterrichtshandeln der Lehrkräfte beeinflussen.

Mit der Studie möchte Irene Pieper gemeinsam mit beiden Teams einen Beitrag zur Leseförderung leisten. Pieper forscht und lehrt seit zehn Jahren als Professorin für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik an der Universität Hildesheim. Für ihre hervorragenden Leistungen in der Forschung wurde die Professorin 2017 mit dem Forschungspreis der Universität ausgezeichnet.

„TAMoLi Niedersachsen“ ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, Prof. Dr. Irene Pieper kooperiert mit Prof. Dr. Andrea Bertschi-Kaufmann/PH FH Nordwestschweiz, Dr. Katrin Böhme/IQB HU Berlin, Prof. Dr. Renate Soellner/Universität Hildesheim.

Forschungsprojekt: Texte, Aktivitäten und Motivationen im Literaturunterricht

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news-13306 Sun, 04 Jun 2017 08:10:00 +0200 Aus der IT-Forschung: Fehler in Software vermeiden https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/aus-der-it-forschung-fehler-in-software-vermeiden/ Informatiker forschen an der Universität Hildesheim an Techniken, wie Software effizient weiterentwickelt werden kann. Mit ihrer Forschung wollen die Wissenschaftler um Professor Klaus Schmid dazu beitragen, Fehler in Software zu vermeiden. Nun setzen sie ihre Arbeit in einem internationalen Forschungsprojekt fort. Wie Softwaresysteme effizient produziert werden können, damit befasst sich Professor Klaus Schmid auf dem IT-Campus am Samelsonplatz der Universität Hildesheim. „Unternehmen entwickeln oft eine Menge ähnlicher Systeme. Wenn hier Software-Produktlinienansätze genutzt werden, können viele Teile wiederverwendet werden. Dies führt zu enormen Kosteneinsparungen bei gleichzeitig verbesserter Qualität“, sagt der Informatiker.

Ein Team um Klaus Schmid nimmt derzeit die Arbeit im internationalen Forschungsprojekt „REVaMP²" auf. 31 Partner aus sechs Ländern kooperieren in den kommenden drei Jahren in dem Projekt. Die Hildesheimer Informatiker arbeiten dabei mit renommierten Forschungseinrichtungen wie der University Pierre and Marie Curie, der University of Gothenburg, dem Forschungszentrum Informatik und der Université Paris 1 Panthéon Sorbonne sowie großen Industriepartnern wie ABB, Bosch, Saab, Scania und Siemens zusammen.

„Wir beschäftigen uns in dem Projekt mit der automatisierten Erstellung von Software-Produktlinien, die auf bereits existierenden Produkten aufbauen“, sagt Sascha El-Sharkawy, Informatiker an der Universität Hildesheim. „Die effiziente Entwicklung von Software-Produktlinien ist ein Bereich des Software Engineerings. Dabei teilen sich die Produkte einer Produktlinie eine gemeinsame Basis, grenzen sich aber auch durch individuelle Funktionalitäten voneinander ab. Durch eine hohe Wiederverwendung der gemeinsamen Artefakte über die verschiedenen Produkte hinweg soll die Qualität erhöht, Kosten gesenkt und die Entwicklungszeit stark verkürzt werden.“

Aufgrund des Investitionsaufwands zur Planung und Erstellung einer Software-Produktlinie setzen viele Firmen im Alltag häufig noch immer auf „Clone and Own“, sagt El-Sharkawy. „Dieses Prinzip lockt mit einer ebenfalls schnellen Erstellung von ersten Produkten, führt aber in der weiteren Entwicklung zu einem immensen Wartungsaufwand, da ‚geklonte‘ Artefakte nicht systematisch und gemeinsam gewartet werden können. Im REVaMP²-Projekt wollen wir diese Situation verbessern, indem wir den Aufwand zur Migration zu einer Produktlinie reduzieren.“

Das Forschungsprojekt läuft drei Jahre. Das Gesamtprojekt „Round-trip Engineering and Variability Management Platform and Process“ („REVaMP²“) wird im Rahmen des ITEA3-Programms gefördert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Forschung in Hildesheim.

Wer Fragen zu der Forschung hat, kann sich an Prof. Dr. Klaus Schmid wenden (schmid(at)sse.uni-hildesheim.de).

Internationales Forschungsprojekt „REVaMP²“

 

Nachgefragt

„Es geht um Qualität“

Professor Klaus Schmid über die Bedeutung von Software im Alltag:

„Softwaresysteme werden immer komplexer, je größer sie werden. Wir gehen in unserer Forschung in Hildesheim der Frage nach, wie gute Software effizienter entwickelt werden kann. Es geht am Ende immer um die Qualität von Software. IT ist so fundamental in unserer Gesellschaft –  wir haben unsere Welt in den letzten Jahrzehnten so gestaltet, dass sie ohne Computer kaum noch existieren kann. Man muss sich einmal bewusst machen, an wie vielen Tausend Stellen IT-Systeme verborgen sind. Das Auto ist ein fahrendes Rechenzentrum. Computersysteme sind mitten in unserem Alltag.

Wer hier an der Universität in Hildesheim ausgebildet wird und später in der Wirtschaft Softwaresysteme baut, hat Verantwortung. Wenn eine Spiele-App abstürzt ist das nicht so schlimm. Aber wenn das Online-System der Bahn aufgrund von Fehlern abstürzen würde, dann können Sie keinen Zug mehr buchen. Oder ein Student ist plötzlich exmatrikuliert, weil ein Softwarefehler im System steckt. Es ist eine Illusion zu glauben, Menschen arbeiten fehlerfrei. Komplexe Betriebssysteme haben oft Tausende von Fehlern. Einige Softwaretechniken sind relativ fragil, ein Semikolon verändert im Extremfall, was das Programm tut.

Software ist erst einmal nicht greifbar, ist abstrakt – anders als bei klassischen Ingenieurberufen. Das macht es aber auch schwieriger, Fehler zu erkennen. Denn man sieht nicht einfach, wenn ein Trägerbalken am Haus schief ist. Wir arbeiten daher auch mit Verifikationsansätzen, dabei wird mathematisch bewiesen ob bestimmte Arten von Fehlern da sind, oder nicht. Wir stehen aber immer vor einem Dilemma: Es gibt keine absolute Sicherheit. Ich kann nie sicher sein, dass ich alle Fehler in einer Software finde. Deshalb müssen Entwickler von vornherein die Qualität sichern und nicht erst nach dem Programmieren versuchen, Fehler herauszutesten. Für die Ausbildung in der Universität hat dies folgen: Wir befassen uns ab dem ersten Semester mit der Frage: Wie entwickele ich überhaupt Software und reduziere die Fehlerwahrscheinlichkeit? Die Studentinnen und Studenten  sehen nicht nur den Programmcode auf dem Papier sondern müssen verstehen: Was tut die Maschine? Zwei Drittel unserer Studierenden haben vor dem IT-Studium noch nicht programmiert – sie lernen im Studium das Programmieren von Anfang an – und das intensiv. Da kommt man nicht drum herum.“

 

Interview

Nachgefragt bei Sascha El-Sharkawy, Informatiker an der Universität Hildesheim

Software ist mitten in unserem Alltag, oder?

Sacha El-Sharkawy: In der heutigen Zeit ist Software allgegenwärtig um Arbeitsabläufe zu automatisieren und Maschinen zu verbessern. So stecken in einem Auto 30 bis 70 kleine Computer – zur Steuerung des Motors, für Assistenzsysteme bis hin zum Multimediaautoradio mit integriertem Navigationssystem.  Weitere Beispiele sind Produktempfehlungen, mit denen Online-Versandhändler arbeiten oder die Überweisungen im Onlinebanking, die teilweise noch am selben Tag zwischen zwei Banken verarbeitet werden.

Sie beschäftigen sich in der Forschung mit der Frage, wie man Fehler in Software vermeiden kann – warum ist das wichtig? Fehler sollten also möglichst erst gar nicht entstehen, weil man sie schlecht wieder loswird?

Softwarefehler, die spät in der Entwicklung gefunden werden, lassen sich sehr schwer wieder entfernen ohne neue Fehler in das System einzubringen. So können zu Projektende gefundene Fehler rund 100 Mal teurer sein, als Fehler die gleich zu Projektanfang gefunden und beseitigt wurden.

Und wenn die Fehler während der Entwicklung nicht entdeckt werden?

Nicht alle Fehler werden während der Entwicklung gefunden. Fehler in ausgelieferten Produkten können zu immensen Schäden führen: Angefangen von einem Imageschaden, wenn Kunden einem Produkt oder Hersteller nicht mehr vertrauen, über wirtschaftliche Schäden, zum Beispiel in einer fehlerhaften Banking Software, bis hin zu Personenschäden, zum Beispiel in einer fehlerhaften Fahrzeugsteuerung oder Flugzeugsoftware.

Die Fragen stellte Isa Lange. 

Kurz erklärt: Arbeitsgruppe Softwareentwicklung

Informatiker forschen an der Universität Hildesheim an Techniken, wie Software effizient weiterentwickelt werden kann.

Seit 2005 arbeitet die Arbeitsgruppe „Software Systems Engineering“ um Professor Klaus Schmid an der Universität Hildesheim an Methoden und Techniken, wie Software effizient weiterentwickelt werden kann. Die Informatikerinnen und Informatiker wollen Fehler frühzeitig in Software erkennen und vermeiden.

Häufig fließt mehr Aufwand in die Weiterentwicklung von Software, als in die ursprüngliche Entstehung. „Weiterentwicklung ist notwendig, wenn eine Software um Funktionen erweitert oder Fehlverhalten korrigiert werden muss. Geschieht dies nicht, veralten die Systeme oder funktionieren nicht, wie vom Kunden gewünscht. Der Verlust dieser Kunden, Imageschäden, und letztendlich finanzielle Einbrüche sind die logische Konsequenz“, sagt Kröher.

Die Arbeitsgruppe ist an verschiedenen nationalen und internationalen Forschungskooperationen beteiligt. Die Forschung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.  So haben sich die Hildesheimer Informatiker mit Softwaretechnikern der Universität Bremen in den letzten Jahren in der Forschung auf Softwareproduktlinien konzentriert. Dabei handelt es sich „um eine Menge verwandter Produkte mit einer gemeinsamen Infrastruktur“, sagt der Informatiker Christian Kröher. Die Herausforderung bei deren Weiterentwicklung sei – anders als beim einzelnen Produkt – die „enge Verknüpfung der Produkte und die längere Lebensdauer der Produktlinie. Jede Änderung muss in der Gesamtheit betrachtet werden.“

Informatikerinnen und Informatiker an der Universität Hildesheim arbeiten in Themengebieten wie Software Engineering, Maschinelles Lernen und Data Analytics, intelligente Informationssysteme und „Information Retrieval“.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Informatik SSE Fachbereich 4 Startseite Forschung
news-13800 Fri, 02 Jun 2017 13:06:00 +0200 Sehen, fühlen, riechen: Wenn Schüler in der Natur lernen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/sehen-fuehle/ "Schüler müssen das Leben kennenlernen" Dr. Andreas Pudlat, stellvertretender Leiter des Instituts für Geschichte der Universität, spricht über die Vorteile von außerschulischem Lernen. Pressespiegel regional Pressespiegel Lehrerbildung Fachbereich 1 Forschung Exkursionen news-11234 Wed, 31 May 2017 16:49:00 +0200 Wissenschaftliche Beziehungen pflegen: Konferenz in Brno https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wissenschaftliche-beziehungen-pflegen-konferenz-in-brno/ Die nächste Tagung der International Academy for the Humanization and Education findet im September 2017 in der Tschechischen Republik statt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit Auswirkungen der Migrationsbewegungen auf Bildungseinrichtungen, Anmeldungen sind ab sofort möglich. Die nächste Tagung der International Academy for the Humanization and Education (IAHE) findet vom 28. bis 29. September 2017 an der Masaryk-Universität in Brno in der Tschechischen Republik statt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden sich auf der internationalen Konferenz mit dem Thema „Auswirkungen der Migrationsbewegungen auf Bildungseinrichtungen“ befassen. Die Experten kommen aus der Frühkindlichen Bildung, Schulbildung, Hochschulbildung und Erwachsenenbildung.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sich bei den Tagungsverantwortlichen ab sofort melden, Vorträge einreichen und sich zur Tagung anmelden [Konferenzseite Brno 2017: CALL FOR PAPER und ANMELDEFORMULAR].

Die Forschungsfragen können sich etwa mit der Rolle der Lehrerinnen und Lehrer, mit dem Zusammenwirken von Elternhaus und Schule, mit Flucht und ihren Folgen, mit Sprachkompetenzen bei Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften oder Herausforderungen für Schulleitungen oder mit Konzepten zur interkulturellen Öffnung von Hochschulen befassen. Weitere aktuelle Informationen finden Sie online.

Die International Academy for the Humanization and Education hat in den vergangenen Jahren immer wieder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Konferenztisch versammelt, etwa in Nowgorod, Hildesheim, Witebsk, St. Petersburg und Liepaja. Gerade in politisch angespannten Zeiten, sollte man die wissenschaftlichen Beziehungen halten. „Der wissenschaftliche Austausch über Forschungsprojekte und Forschungsergebnisse ist nur international denkbar. Diesem Zweck dienen Konferenzen wie die in Brünn“, sagt Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Programm der Konferenz [PDF]

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Forschung Highlights
news-11634 Fri, 05 May 2017 09:25:00 +0200 Wissensspeicher Musik: Vielfalt musikalischer Äußerungen erhalten https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wissensspeicher-musik-vielfalt-musikalischer-aeusserungen-erhalten/ Das Center for World Music der Universität Hildesheim und das Roemer- und Pelizaeus-Museum führen ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände in einem virtuellen und realen Klangarchiv zusammen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt. In einem lokalen Verbund führen das Center for World Music der Universität Hildesheim und das Roemer- und Pelizaeus-Museum ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände in einem virtuellen und realen Klangarchiv zusammen. Das Projekt „Wissensspeicher Musik“ leistet einen Beitrag zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes sowie einen zivilgesellschaftlichen Beitrag zu kultureller Sensibilisierung. Die beiden Einrichtungen werden in den kommenden drei Jahren ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Museumspädagogik, Sammlungsmanagement und Restaurierung ausbauen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt.

Gesellschaften leben mit einer Vielfalt musikalischer Äußerungen. Musik ist Ausdruck sozialer Diskurse, religiöser Weltsichten und individueller kreativer Ansichten. Als immaterielles Kulturerbe der Menschheit bleibt sie aber bislang im wissenschaftlichen und musealen Bereich weitgehend unterrepräsentiert.

Die Sammlungsobjekte des Center for World Music werden derzeit verstreut und unsortiert an mehreren Orten aufbewahrt. Das Projekt steht deshalb vor der Mammutaufgabe, Wege zu finden, wie das Wissen über die Vielfalt musikalischer Ausdrucksformen, wie die Objekte und Klänge zugänglich gemacht werden können.

Zu den umfangreichen Sammlungen am Center for World Music an der Universität Hildesheim zählen unter anderem:

  • das „Music of Man Archive“ mit 45.000 Tonträgern und 1000 Musikinstrumenten,
  • eine 4.500 Objekte umfassende Musikinstrumentensammlung des Privatsammlers Rolf Irle und
  • die CD-Sammlung des Algeriers Hamid Ouamara mit Aufnahmen aus dem Maghreb.

Nur etwa 1000 Instrumente sind derzeit im Hörsaal des Center for World Music zugänglich. Das älteste Instrument ist etwa 2400 Jahre alt. Das längste ist eine Trompete aus hauchdünnem Kupferblech, 4 Meter 85 lang. Zu den Objekten gehören auch eine Balalaika aus Russland, ein Musikbogen (Waji) aus Afghanistan, eine Sitar aus Indien und ein Lamellophon aus Mali, das aus plattgeschlagenen Speichen von Fahrrädern und einer Konservendose gefertigt wurde. In der universitären Sammlung befinden sich außerdem seltene Instrumente der tibetisch-buddhistischen Wander- und Klostermönche..

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum hingegen besitzt eine ethnologische Sammlung mit rund 14.000 Objekten, unter denen sich auch zahlreiche Instrumente befinden. Diese ermöglichen gemeinsam mit den anderen ethnologischen Objekten des Museums die Kontextualisierung der universitätren Sammlung.

Auftaktveranstaltung des BMBF-Projekts „Wissensspeicher Musik in der Musealen Praxis“

Die Auftaktveranstaltung des BMBF-Projekts „Wissensspeicher Musik in der Musealen Praxis – Möglichkeiten und Herausforderungen von Sammlungsmanagement und Kuratierung einer musikethnologischen Universitätssammlung“ findet am Donnerstag, 1. Juni 2017, um 17:00 Uhr im Center for World Music der Universität Hildesheim (ehem. Timotheuskirche, Schillstraße/Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim) statt.

Zum Projektstart begrüßt die Universität zusammen mit dem Museum internationale und nationale Expertinnen und Experten, Gäste aus der lokalen und regionalen Kulturszene sowie der Kultur- und Bildungspolitik. Neben Redebeiträgen wird es künstlerisch-musikalische Beiträge geben. An der Auftaktveranstaltung nehmen geladene Gäste teil. Wenige Plätze sind noch vorhanden, eine Teilnahme ist auf Anfrage möglich (E-Mail wmmp@uni-hildesheim.de).

Bei Fragen erreichen Sie die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und 0177.8605905, presse@uni-hildesheim.de) und die Pressestelle des Roemer- und Pelizaeus-Museums (Kristina Freise, 05121.9369.21, kommunikation@rpmuseum.de).

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Startseite Forschung
news-13384 Thu, 04 May 2017 07:58:00 +0200 Spitzenforschung aus Hildesheim: Center for World Music gibt Einblicke in die Vielfalt der Musik https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/spitzenforschung-aus-hildesheim-center-for-world-music-gibt-einblicke-in-die-vielfalt-der-musik/ Welche Rolle spielt Musik beim Aufbau von Gemeinschaften in und nach Konflikten? Wie kann man das immaterielle Kulturerbe erhalten und zugänglich machen? Beim Niedersächsischen Forschungstag in Hannover gibt das Team des Center for World Music Einblicke in Erkenntnisse aus der Forschung und lässt Klänge erklingen. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Volkswagen Stiftung haben das Forschungsinstitut der Universität Hildesheim zum Forschungstag „flux“ eingeladen. Das Center for World Music der Universität Hildesheim gibt beim Niedersächsischen Forschungstag Einblicke in die Vielfalt der Musik. Wissenschaftler erklären, wie sie zu Erkenntnissen rund um die musikalische Vielfalt kommen und Musikerinnen und Musiker lassen Instrumente erklingen. In einer Ausstellung zeigt das Team des Center for World Music eine Auswahl aus der umfangreichen Instrumentensammlung. Besucher können sich durch Klangbeispiele klicken sowie live Musik hören und Instrumente ausprobieren.

Welche Rolle spielt Musik beim Aufbau von Gemeinschaften? Das Center for World Music gibt während des Niedersächsischen Forschungstages Einblicke in die aktuelle Forschung: In einer DAAD-Graduiertenschule arbeitet die Hildesheimer Universität mit der Universität Maiduguri in Nigeria und der Universität Cape Coast in Ghana zusammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen sich in den kommenden Jahren damit auseinander, welchen Beitrag die Künste und künstlerischer Ausdrucksformen zum Wiederaufbau von Gemeinschaften nach Konflikten und Kriegen spielen können.

Außerdem gibt das Musik-Team Einblicke in das Projekt „Wissensspeicher Musik“. Musik ist Ausdruck sozialer Diskurse, religiöser Weltsicht und individueller kreativer Ansicht. Als immaterielles Kulturerbe der Menschheit bleibt sie aber im akademischen und vor allem im musealen Bereich weitgehend unterrepräsentiert. In einem lokalen Verbund führen das Center for World Music und das Roemer- und Pelizaeus-Museum ethnologische und musikethnologische Sammlungsbestände in einem virtuellen und realen Klangarchiv zusammen.

Das Center for World Music wurde von der Volkswagen Stiftung und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur zum Forschungstag eingeladen. Studentinnen und Studenten aus dem Hildesheimer Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch die Vielfalt der Klänge. Der erste Niedersächsische Forschungstag „flux“ präsentiert  Spitzenforschung aus ganz Niedersachsen einer breiten Öffentlichkeit. Eingeladen sind alle wissenschaftsinteressierten Bürger, Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Familien mit Kindern. Der Eintritt ist frei. Der Forschungstag findet am Samstag, 6. Mai 2017, im Schloss Herrenhausen in Hannover von 11:00 bis 20:00 Uhr statt.

Kurz erklärt: Das Center for World Music

Wie leben wir mit Musik? Das Center for World Music der Universität Hildesheim bewahrt seit 2006 bedeutende Spuren und Vermächtnisse weltweiten Musikschaffens: über 4.500 Musikinstrumente, 45.000 Schallplatten, eine der größten Sammlungen Europas. Das Center widmet sich der Vielfalt musikalischer Traditionen und ist ein Archiv und Labor, ein Ort der Forschung und des Studiums, ein Treffpunkt für Musikerinnen und Musiker und eine Basis für internationale Begegnungen und Verständigung.

Das Center for World Music sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland, derzeit in Iran und Nigeria. In Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. Das Center for World Music der Universität Hildesheim bildet seit 2011 Berufstätige fort, die die musikalische Vielfalt in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist bundesweit einzigartig und reagiert auf aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft. Musik kann vermitteln und als internationale Sprache Menschen verbinden.

Was macht das Center for World Music?

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Forschung Center for World Music
news-13617 Fri, 07 Apr 2017 13:21:00 +0200 Wie Proteste zu Produkten werden https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-proteste/ Dirk Hohnsträter ist Leiter der neugeschaffenen Forschungsstelle für Konsumkultur. Im Interview spricht er über Kauferlebnisse, Konsumentwicklungen und Konsumkritik. Pressespiegel regional Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Forschung news-13094 Fri, 17 Mar 2017 17:06:00 +0100 Promotionskolleg Bildungsintegration: Erste Ergebnisse aus der Forschung https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/promotionskolleg-bildungsintegration-erste-ergebnisse-aus-der-forschung/ Doktorandinnen und Doktoranden berichten Ende März 2017 während einer Konferenz des Zentrums für Bildungsintegration aus der empirischen Forschung. Sie untersuchen zum Beispiel, wie Bildungsbiographien zwischen zwei Ländern und Bildungssystemen verlaufen, welche Kriterien Eltern mit und ohne Migrationshintergrund bei der Schulwahl für ihre Kinder anlegen, welche Inhalte in Integrationskursen vermittelt werden und welche Motivation hinter dem Engagement für Geflüchtete steckt. Während der Konferenz „Bildungsteilhabe im Zeichen von Diversität: Diskurse, empirische Zugänge und Handlungsfelder“ geben 13 Doktorandinnen und Doktoranden des „Promotionskollegs Bildungsintegration“ Einblicke in ihre empirische Forschung. Seit 2014 untersuchen sie in ihren Dissertationen wichtige bildungspolitische Fragestellungen der Migrationsgesellschaft.

„Wir leben in einer Zeit, in der die Themen Migration und Integration die Gesellschaft stark polarisieren und spalten. Forschung kann hier einen Beitrag zur empirischen Aufklärung politischer Herausforderungen in der Migrationsgesellschaft leisten“, sagt Professorin Viola Georgi. Die Erziehungswissenschaftlerin ist Expertin für Fragen der Bildung in der Einwanderungsgesellschaft und leitet an der Universität Hildesheim das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“.

Die Konferenz ist öffentlich und findet am Freitag, 31. März 2017, ab 10:30 Uhr im Forum am Universitätsplatz 1 in Hildesheim statt. Etwa 100 Fachleute aus Wissenschaft, Bildungspolitik und pädagogischer Praxis werden erwartet. Wer Fragen zur Konferenz hat, kann sich bei Filiz Keküllüoğlu melden (E-Mail: filiz.kekuellueoglu@uni-hildesheim.de, Tel. 05121.883-10120). Eine Anmeldung zur Konferenz ist bis zum 15. März möglich, die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro.

Programm der Konferenz

Promotionskolleg Bildungsintegration

Nachgefragt bei Doktorandinnen und Doktoranden

Was untersuchen Sie? Erste Ergebnisse aus der Forschung

Eintauchen in den Alltag: Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich in empirischen Studien mit Teilhabe und Benachteiligung in Bildungssystemen. Hier geben fünf Doktorandinnen und Doktoranden der Universität Hildesheim Einblicke in ihre Forschung.

Wie Eltern über Schulwege entscheiden

Dilek İkiz, 29, Doktorarbeit „Strategien bildungsprivilegierter Eltern in Berlin-Kreuzberg beim Übergang ihres Kindes auf die weiterführende Schule“ bei Prof. Dr. Viola Georgi (Hildesheim) und Prof. Dr. Naika Foroutan (HU Berlin).

Wie verlaufen Bildungswege? Dilek İkiz untersucht, wie Eltern nach der Grundschulzeit eine Schule für ihr Kind auswählen. Die Sozialwissenschaftlerin spricht mit Eltern in Berlin-Kreuzberg, die das Abitur und einen akademischen Abschluss erworben haben. Nach welchen Kriterien orientieren sie sich bei der Schulwahl für ihr Kind? So sind zum Beispiel pädagogische Spezialprofile, Nachmittagsangebote oder schlicht die Wohnortnähe mitentscheidend.

Dilek İkiz rückt Eltern in den Fokus der Forschung und spricht mit ihnen über ihre „Schulpräferenzen“. Welche Schule ist die beste für mein Kind? „Eines der spannenden Ergebnisse meiner Analysen sind die widersprüchlichen Ausführungen der Eltern“, sagt İkiz, die derzeit ihre Doktorarbeit im Promotionskolleg Bildungsintegration der Universität Hildesheim abschließt. Die in Einzelinterviews befragten Eltern verknüpfen mit dem Wohnort Kreuzberg äußerst positive Assoziationen und beschreiben ihn als „multi-kulturell“ und „weltoffen“, als „nicht bieder“. „Die Familien leben aus Überzeugung in Kreuzberg. Wenn es um die Kreuzberger Schulen geht, wird es widersprüchlich. Die zuvor als besonders und positiv für Kreuzberg hervorgehobene migrantisch geprägte Struktur der Einwohnerinnen und Einwohner wird in der Schulwahlentscheidung zum Problem. Mit der Vielfalt werden negative Bilder verknüpft, die es zu vermeiden gelte, sowohl für ein gutes Lernumfeld als auch für ein angenehmes ‚Schulklima‘“, sagt die Wissenschaftlerin. Das Zauberwort sei eine „gesunde und gute Mischung“, die befragten Eltern wünschen sich eine Zusammensetzung, die den „gesellschaftlichen Verhältnissen“ entspricht. „Die Eltern sind sich über diese Ambivalenz im Klaren“, sagt İkiz.

Ihre Forschung sei keine Zeitverschwendung: „Das Bildungssystem ist eines der wenigen Bereiche, welches das Ziel verfolgt, herkunftsbedingten Ungleichheiten entgegenzuwirken und Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten.“ Die Sozialwissenschaftlerin möchte mit ihrer Forschung herausarbeiten, wie Bildungsungleichheit entsteht. „Wenn Eltern Schulen mit einem hohen Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund meiden und somit ,ethnisch’ basierte schulische Segregationsprozesse mitverursachen, weisen sie im Grunde genommen auf wahrgenommene Defizite im Bildungssystem hin, denen versucht wird aus dem Weg zu gehen.“

Das Promotionskolleg „Bildungsintegration“ beschreibt Dilek İkiz als „ersten Testraum“ für neue Ideen. „Außerdem ist das Kolleg ein Schutzraum, in dem man seine Frustrationserlebnisse und Verwerfungen, die im mühseligen Promotionsprozess nicht selten auf der Tagesordnung stehen, besprechen kann.“ Manchmal gehe man „ganz verwirrt“ aus den Kollegtreffen heraus und realisiert später, dass man „einen Schritt weiter“ gekommen sei.

Biografische Erzählungen: Warum sich Menschen engagieren

Sabine Hoffmann, 30, Doktorarbeit „Refugees Welcome? Selbstdeutungen freiwillig Engagierter in der Unterstützung von Geflüchteten in Deutschland“ bei Prof. Dr. Viola B. Georgi (Hildesheim) und Prof. Dr. Iman Attia (Berlin).

Sabine Hoffmann spricht mit Frauen und Männern, die sich für Menschen engagieren, die nach der Flucht in Deutschland ankommen. Wie reflektieren sie ihr eigenes Handeln und welche Ereignisse spielen eine Rolle für ihr Engagement? Unter den 18 biographischen Erzählungen sind auch Frauen und Männer, deren Leben selbst von den Erfahrungen der Flucht geprägt ist.

Die Erziehungswissenschaftlerin hat Interviews in deutschen Großstädten und kleinen Gemeinden geführt. „Mich interessieren die Erzählungen von Menschen, , die sich seit längerer Zeit oder erst seit den medial sehr präsenten Fluchtbewegungen im Sommer 2015 engagieren“, sagt Hoffmann. Die Motive, sich zu engagieren, seien sehr unterschiedlich und reichen „von Erfahrungen der eigenen Migration bis zu humanistisch geprägten Ideen einer gerechten Gesellschaft aus einer weißen, privilegierten Perspektive“. Da ist etwa eine Frau, die sich engagiert, da sie sich schon seit ihrer Schulzeit für Bildungsgerechtigkeit einsetzt. In ihrer Doktorarbeit möchte Sabine Hoffmann auch herausfinden, ob die Hilfsangebote zu den Bedürfnissen der geflüchteten Menschen passen.

„Es tut gut, sich mit den anderen im Kolleg über das tägliche wissenschaftliche Arbeiten auszutauschen“, sagt Hoffmann. „Wir werten alle gerade unsere Daten aus und schreiben.“ Die Universität sei „ein Bildungsraum, an dem Emanzipation und persönliche Entwicklung für viele möglich wird“. „Ohne ein Umfeld, das sich füreinander einsetzt und sich gegenseitig unterstützt ist dies jedoch unmöglich.“ Sie wünscht sich „mehr Mut für strukturelle Veränderungen, um sozialen Ungleichheiten entgegen zu wirken und jungen Erwachsenen den Weg zu ihren Zielen zu erleichtern“.

Qualität im Bildungssystem: Was ist eine gute Schule?

Anne Piezunka, 30, Doktorarbeit „Entwicklung von Bewertungskriterien in Bezug auf Inklusion durch die Schulinspektionen“ bei Prof. Dr. Vera Moser (HU Berlin) und Prof. Dr. Melanie Fabel-Lamla (Universität Hildesheim).

Anne Piezunka untersucht, was Schulinspektionen unter einer guten Schule verstehen. Fast jedes Bundesland hat eine Schulinspektion, die dafür zuständig ist die Qualität einzelner Schulen zu bewerten – sie setzt Standards und überprüft diese. Dafür besuchen Inspektorinnen und Inspektoren den Unterricht, werten Dokumente aus, führen Interviews. „Aber man weiß wenig über die Bewertungskriterien der Schulinspektion. Mich interessiert, inwiefern die Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler sowie Nicht-Diskriminierung in den Kriterien berücksichtigt werden. Verstehen Schulinspektionen unter einer guten Schule eine inklusive Schule?“ Piezunka hat Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Schulinspektionen aus ganz Deutschland geführt, um zu erfahren, wie und was sie messen.

Die Sozialwissenschaftlerin befindet sich derzeit mitten in der Datenanalyse. Ein erstes Ergebnis: „Die Bundesländer unterscheiden sich darin, wie sie Inklusion definieren und in den Bewertungskriterien berücksichtigen.“ Warum diese Forschung keine Zeitverschwendung ist? „Oft entsteht der Eindruck, dass es Konsens darüber gibt, was man unter einer guten Schule versteht: Eine Schule ist gut, wenn Kinder dort viel lernen, sich entfalten und wohlfühlen. Wenn man sich jedoch überlegt, wie man diese Ziele erreichen möchte, werden unterschiedliche Vorstellungen sichtbar“, sagt Piezunka. Manche machen etwa die Qualität von Schulen an Schulleistungstests fest und andere halten es für wichtig, dass die Eltern zufrieden sind.

Im Promotionskolleg erfahre sie nicht nur Einblicke in andere Forschungsthemen und methodische Zugänge. „Auch die emotionale Seite ist wichtig. Wir unterstützen uns gegenseitig bei Herausforderungen.“

Ankommen in Deutschland: Der erste Kontakt

Nicholas Paul Stone, 32, Doktorarbeit „Teaching tolerance, gender equality and religious freedom in German civic orientation courses“ bei Prof. Dr. Viola B. Georgi (Hildesheim) und Prof. Dr. Audrey Osler (Leeds).

Nicholas Paul Stone untersucht, welche Inhalte in Orientierungskursen vermittelt werden. „In Integrationskursen lernen newcomers etwas über die Geschichte, das politische System, die Rechtsordnung und die Kultur der deutschen Gesellschaft“, sagt der Politikwissenschaftler. Er selbst hat vor drei Jahren, als er für die Forschung von Canada nach Deutschland gezogen ist, einen Orientierungskurs in Bremen besucht. „Das war ein wichtiger Moment auf meinem Bildungsweg und tatsächlich der erste Schritt meiner Forschung. Ich habe dadurch die deutsche Sprache gelernt und zugleich ein Verständnis für den Orientierungskurs aufbauen können“, sagt Stone. „Das Bundesamt BAMF und das Bundesinnenministerium unterstreichen, dass Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und Toleranz Grundwerte der deutschen Gesellschaft sind. Es ist deswegen unbedingt erforderlich, kritisch zu analysieren, wie diese Themen in den Texten dargestellt werden.“ Die Kurse seien „oftmals der erste Kontakt zur deutschen Gesellschaft“.

Stone hat eine Fragebogen-Matrix entwickelt, mit der er die Bücher systematisch durchgegangen ist. „Momentan bin ich dabei, die Daten auszuwerten und meine Dissertation zu schreiben.“ Eine interessante Erkenntnis: „Die Bücher sagen wenig darüber aus, was typisch Deutsch ist. Die Texte über Normen und Werte bleiben vage. Es gibt kaum Informationen, außer, dass die Deutschen sehr pünktlich sind“, sagt Stone. Der Austausch im Promotionskolleg sei „außerordentlich wertvoll“. „Dass sich unsere Themen unterscheiden, ist ein Vorteil. Unsere Diskussionen auf Deutsch und Englisch sind geprägt von neuen und kritischen Perspektiven. Ich erlebe, wie meine Kollegen mich fördern und fordern.“

Nachwuchstalente: Wie Jugendliche den Zugang zum Leistungssport erleben

Lena Tessmer, 32, Doktorarbeit „Selektion und Teilhabe im institutionalisierten Leistungssport“ bei Prof. Dr. Peter Frei und Prof. Dr. Vera Volkmann (beide Sportinstitut der Universität Hildesheim).

Höher, schneller, weiter – der Leistungssport ist „ein exklusives System, das nicht vielen Nachwuchsathletinnen und Nachwuchsathleten Zugang gewährt“, sagt Lena Tessmer. Die Sportwissenschaftlerin schließt derzeit ihre Doktorarbeit im Promotionskolleg Bildungsintegration an der Universität Hildesheim ab. Sie befragt seit drei Jahren junge Sportlerinnen und Sportler mit körperlicher Behinderung oder Migrationshintergrund zu ihren Erfahrungen im Leistungssport, etwa in den Disziplinen Kunstturnen, Tischtennis, Judo, Basketball, Leichtathletik und Schwimmen.

Wie gelingt es den Jugendlichen, Zugang zum Leistungssport zu erhalten? Tessmer hat acht Jugendliche mehrfach befragt, wie sie selbst den Übergang und erfolgreichen Verbleib im Sportinternat erleben. So hat etwa eine Sportlerin auf Empfehlung ihrer Trainerin den Standort und somit den Wohnort gewechselt, um an einem Internat optimale Trainingsbedingungen vorzufinden. Hierfür hat sie mit zwölf Jahren das Elternhaus verlassen. Eine Erkenntnis aus der qualitativen Längsschnittstudie: „Die jungen Talente sind – unabhängig von Migrationshintergrund oder Behinderung – mit den gleichen Themen in ihrem Sportlerleben konfrontiert. Alle jonglieren zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und dem selbstgewählten Abhängigkeitsverhältnis im System des Leistungssports, das durchaus geschätzt wird.“

Warum diese Forschung wichtig ist? Lena Tessmer sagt: „In der Sportpsychologie und Sportpädagogik wird viel zum Belastungserleben von jungen Sportlern und Sportlerinnen geforscht. Hier geht es dann immer um den Zeitpunkt, in dem sie sich bereits im Fördersystem befinden. Selten kommen die Jugendlichen dabei selbst zu Wort.“ Ihr Interviewmaterial habe sie im Kolleg in kleinen Arbeitsgruppen interpretiert, „um den eigenen Blick auf die Daten zu schärfen und gleichzeitig aus anderen Perspektiven zu erweitern“.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Startseite Forschung Zentrum für Bildungsintegration
news-13132 Fri, 17 Mar 2017 16:16:00 +0100 Wie läuft der Alltag im Sportunterricht ab? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/wie-laeuft-der-alltag-im-sportunterricht-ab/ Aus der Forschung: Dennis Wolff untersucht in seiner Doktorarbeit das Geschehen im Sportunterricht. Der Sportwissenschaftler analysiert das Zusammenspiel im Unterrichtsalltag. In mehreren Schulklassen und Schulformen hat er Raumbewegungen, Gesten, Blicke, Körperpositionen, die Verteilung von Rederechten und den Einbezug von Dingen untersucht. Solche Analysen fehlten bisher. „Wo Ordnung ist, ist Unordnung nicht weit“, schreibt Dennis Wolff. Wie wird soziale Ordnung im Sportunterricht hergestellt, wie ein gutes Miteinander aufrechterhalten, damit eine Stunde nicht im Chaos endet? „Soziale Ordnung ist zunächst eine ständige Handlungsanforderung an die jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler“, sagt Wolff.

Der Hildesheimer Sportwissenschaftler analysiert in seiner Dissertation das Zusammenspiel im Unterrichtsalltag. Wie läuft der Unterricht eigentlich ab? Analysen des Alltags im Schulsport, die die Körperlichkeit und Materialität des Geschehens einbeziehen, fehlen bisher. Der typische Sportunterricht findet in einer Halle umgeben von Feldlinien und Geräten statt, ohne Stühle, Tische oder Tafel – fern des schultypischen Arbeitsmaterials. In seiner empirisch-qualitativen Unterrichtsforschung in mehreren Schulklassen und Schulformen analysiert Dennis Wolff Raumbewegungen, Gesten, Blicke, Körperpositionen, die Verteilung von Rederechten oder den Einbezug von Dingen, die Handlungsroutinen von Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern.

Ein Ergebnis seiner Forschung: Die Körperlichkeit und der Einsatz von Dingen sind von zentraler Bedeutung, wurden bisher aber häufig vernachlässigt, sagt Dennis Wolff und nennt ein Beispiel aus seinen Beobachtungen im Schulalltag: „Das Handeln der Lehrerinnen und Lehrer und der Kinder ist ständig von ungewissen Momenten geprägt, welche stets situativ bewältigt werden müssen. Alle Beteiligten stehen somit immer vor der Handlungsanforderung, soziale Ordnung aufrechtzuerhalten.“ Wolffs Analyse zeigt auch, wie Gespräche im Sport verlaufen – wer hat wann das Recht zu Reden oder die Pflicht zu Schweigen? „Die Kinder üben mit der Zeit immer routinierter die schulische Interaktionskultur ein. Ähnlich zeigt es sich bei dem Einsatz von Blicken: Wie wird über das Blickverhalten Aufmerksamkeit hergestellt oder wie nutzen andererseits die Jugendlichen die blinden Flecken von Lehrkräften, um für kurze Zeit gewisse Ordnungen im Stationsbetrieb zu unterlaufen?“

Dennis Wolff arbeitet am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hildesheim. Das Sportinstitut bildet Sportlehrerinnen und Sportlehrer aus. In einem Masterstudiengang setzen sich Studentinnen und Studenten mit Sport, Gesundheit und Leistung in der Lebensspanne auseinander.

Zur Person

Dr. Dennis Wolff, 34, geboren in Wolfsburg, Titel der Doktorarbeit „Soziale Ordnung im Sportunterricht. Eine Praxeographie“, betreut durch Prof. Dr. Peter Frei vom Institut für Sportwissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim sowie Prof. Dr. Swen Körner vom Institut für Pädagogik und Philosophie der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine Forschungsschwerpunkte sind die empirisch-qualitative Unterrichtsforschung sowie die Soziologie der Praktiken und des Körpers.

Lesetipp: Dennis Wolff, „Soziale Ordnung im Sportunterricht – Eine Praxeographie“, 2016, 370 Seiten, transcript Verlag

Einblicke in Forschung

Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Serie über Doktorandinnen und Doktoranden an der Universität Hildesheim. Im vorigen Teil hat die Erziehungswissenschaftlerin Wiebke Hiemesch aus ihrer Forschung berichtet. Es folgen Interviews mit einem Mathematiker, einem Kulturwissenschaftler und einer Übersetzungswissenschaftlerin. Wer Einblicke in seine Arbeit, Forschungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse geben möchte, kann sich gerne in der Pressestelle bei Isa Lange melden (presse@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Sportwissenschaft Fachbereich 1 Forschung
news-13580 Fri, 17 Mar 2017 13:47:00 +0100 Teilnehmer gesucht für Stress-Studie https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/teilnehmer-g/ Forscher der Uni Hildesheim untersuchen den Einfluss von Entspannungstraining auf Wohlbefinden, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit an Studien-Teilnehmern. Pressespiegel regional Forschung news-13579 Fri, 17 Mar 2017 13:32:00 +0100 Jugend ist nicht mehr das, was sie war https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/jugend-ist-n/ Prof. Dr. Wolfang Schröer vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik arbeitet am 15. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung mit. Das Ergebnis: Die Lebensumstände von Jugendlichen haben sich in den vergangegnen Jahren stark verändert. Pressespiegel regional Sozial- und Organisationspädagogik Forschung Professoren news-13571 Thu, 16 Mar 2017 16:11:00 +0100 Praxistest für die Arbeit in den Kitas https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/praxistest-f/ Der Forschungsverbund der Universität Hildesheim erhält vom Land Niedersachsen 1,3 Millionen Euro für die Förderung im Bereich frühkindliche Bildung. Von den Geldern werden Projekte finanziert, die die Förderung von Kindern beim Schreibenlernen, den Zusammenhang von Mathematik und Raumerfahrung oder den Einfluss von mehrsprachigen Kindergärten und Elterninitiativen auf die Entwicklung von Kindern erforschen. Pressespiegel regional Inklusion Bildungsintegration Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Mathematik & Angewandte Informatik Fachbereich 3 Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit news-13040 Wed, 01 Mar 2017 20:52:00 +0100 Bewegungslabor: Verletzungen im Sport vermeiden https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/bewegungslabor-verletzungen-im-sport-vermeiden/ Der NDR blickt auf das Forschungsland Niedersachsen: Im Bewegungslabor der Universität Hildesheim wollen Forscher mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras herausfinden, wie sich Verletzungen beim Laien- und Profisport verhindern lassen. Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler haben an der Universität Hildesheim den Schwerpunkt „Sport, Gesundheit und Leistung“ aufgebaut. Die Wissenschaftler wollen mit ihrer Forschung den Transfer hinein in den Alltag leisten. Mittlerweile lernen in Hildesheim 400 Sportstudentinnen und Sportstudenten.

Im Uni-Bewegungslabor untersuchen Sportwissenschaftler Bewegungen von Menschen. Mit ihrer Grundlagenforschung tragen sie zu einem besseren Verständnis von menschlichen Bewegungsabläufen bei. Die Sportwissenschaftler Professor Peter Frei und Professor Nico Kurpiers analysieren, welche Kräfte wann auf den Körper wirken, wenn eine Turnerin durch die Lüfte wirbelt und landet. Neben dem Spitzensport haben die Forscher auch Sport und Bewegungsabläufe im Alltag im Blick. Dabei wollen sie zum Beispiel herausfinden, welche Kräfte beim Skifahren auf die Kniegelenke wirken – bei Profisportlern genauso wie bei Millionen Hobby-Skifahrern. Ziel der Forschung ist, das Verletzungsrisiko zu minimieren und die Zahl von weltweit 70.000 Kreuzbandrissen pro Jahr zu reduzieren, berichtet der NDR in einem Filmbeitrag über die Sportforschung in Hildesheim [hier geht's zum Filmbeitrag im NDR Fernsehen]. „Wir können Bewegungen wiederholt in Videoanalysen aus mehreren Perspektiven betrachten und berechnen, wie sich etwa der Schwerpunkt verlagert“, sagt Professor Nico Kurpiers. „Unser Labor ist mobil, wir nehmen das Bewegungslabor mit auf die Skipiste. Oder wir gehen in den Alltag und führen Ganganalysen bei Patienten durch.“

Bewegung wirkt sich unmittelbar auf den Körper, das Herz-Kreislauf-System und die Motorik aus, sagt Professor Peter Frei. Er leitet das Institut für Sportwissenschaft an der Universität Hildesheim. „Und Sport ist mehr: Der soziale Aspekt ist genauso wichtig, man trifft sich, tauscht sich aus, lernt einander kennen, ist ein Team, baut Vertrauen auf.“

In einem Masterstudiengang setzen sich Studentinnen und Studenten mit Sport, Gesundheit und Leistung in der Lebensspanne auseinander. „Sie weiten den Blick auf Gesundheit und Leistung. Leistung ist mehr als höher, schneller, weiter. Unsere Studentinnen und Studenten setzen sich mit der Bedeutung von Gesundheit für Kinder und Jugendliche oder dem Leistungsgedanken im Erwachsenenalter auseinander, sie blicken auf die Rolle des Sports im gesamten Lebenslauf“, so Professor Frei. In dem zweijährigen Masterstudiengang sammeln Studentinnen und Studenten in einer mehrmonatigen Praxisphase umfangreiche Erfahrungen und wenden sportwissenschaftliches und methodologisches Wissen an. Außerdem führen sie im Praxissemester ein eigenes Forschungsprojekt durch.

Kooperationspartner des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Hildesheim sind unter anderem der Landessportbund Niedersachsen, der Olympiastützpunkt Niedersachsen, der Behindertensportverband Niedersachsen, die Reha-Kinderklinik Bad Oexen, das ambulante Reha-Zentrum Hildesheim, die Medizinische Hochschule Hannover und die Rehabilitationsklinik Fallingbostel. So binden die Sportwissenschaftler aus Hildesheim gemeinsam mit Ärzten aus Hannover Sport in den Alltag von krebskranken Kindern ein, damit diese wieder Kraft tanken und Zutrauen erfahren.

Wer sich für die Forschung und das Studium interessiert, kann Prof. Dr. Peter Frei (peter.frei@uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Nico Kurpiers (kurpiers@uni-hildesheim.de) kontaktieren.

Filmbeitrag über die Forschung der Sportwissenschaftler im NDR Fernsehen

NDR Fernsehen (Sendung „Hallo Niedersachsen“, 14.02.2017, Filmbeitrag von Bernd Reiser, ~ 4 Min.): Der NDR blickt im Februar auf das Forschungsland Niedersachsen: Im Bewegungslabor der Universität Hildesheim wollen Forscher mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras herausfinden, wie sich Verletzungen beim Laien- und Profisport verhindern lassen. [hier geht's zum NDR-Filmbeitrag, zeitlich begrenzt abrufbar]

Masterstudiengang Sportwissenschaft – Sport, Gesundheit und Leistung in der Lebensspanne

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sportwissenschaft Forschung
news-13047 Wed, 22 Feb 2017 10:45:00 +0100 Bildungsforschung: Inklusion in der frühen Kindheit https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/bildungsforschung-inklusion-in-der-fruehen-kindheit/ Land Niedersachsen fördert Forschungsverbund an der Universität Hildesheim: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bauen die Grundlagenforschung zur frühkindlichen Bildung aus. Sie dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule. Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen. Bereits 2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet und sich damit verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen. Seitdem verändert sich das gesamte Bildungssystem und die Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Kindertagesstätten. Pädagoginnen und Pädagogen lernen, konstruktiv mit den unterschiedlichen sozialen, sozio-kulturellen, körperlichen und biografischen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen umzugehen und die Teilhabechancen für alle zu verbessern. Wie das aber im Alltag passiert, etwa in Kindertagesstätten, wird bisher kaum untersucht. Hier setzt der Hildesheimer Forschungsverbund an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tauchen ein in den Alltag und dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule.

„Wir vertiefen die Bildungs- und Teilhabeforschung in der frühen Kindheit“, sagt Peter Cloos, Professor für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Hildesheim und Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen. Gerade im Bereich der Bildung und der sozialen Teilhabe der bis sechsjährigen Kinder gibt es noch erhebliche Forschungslücken in Bezug auf die Inklusion. „Im gesamten Bildungssystem und in der Kinder- und Jugendhilfe geschehen aktuell große Umwälzungen. Inklusion ist eine breit diskutierte Herausforderung. Wir wollen dazu beitragen, das noch geringe empirische Wissen auszubauen und die unterschiedlichen Forschungstraditionen zu verbinden“, so Cloos.

Das Land Niedersachsen fördert am Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Universität Hildesheim den Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung" bis 2020 mit insgesamt 1,3 Millionen Euro. Neben Hildesheim werden Verbundprojekte in Göttingen und Hannover aus dem „Niedersächsischen Vorab“ gefördert.

Der Hildesheimer Forschungsverbund bearbeitet sechs Forschungsprojekte. Beteiligt sind insgesamt acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Erziehungswissenschaft, Entwicklungspsychologie, dem Fremdsprachenerwerb und der Mathematikdidaktik, der Neurodidaktik sowie Sozial- und Organisationspädagogik. „Ich freue mich auf die weitere Vertiefung unserer Zusammenarbeit im Kompetenzzentrum, wir wollen gemeinsam neue Perspektiven für eine inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit entwickeln", sagt Professor Cloos.

Neue Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen – in die Wissenschaft, die Politik, die Kinder- und Jugendhilfe und in die Bildungseinrichtungen. Der Forschungsverbund arbeitet eng mit Partnern aus der Praxis zusammen und entwickelt gemeinsam mit den Praxispartnern Konzepte für den Transfer, unter anderem mit Kindertagesstätten und Grundschulen, der Landesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen Niedersachsen/Bremen e.V. (lagE), dem Kinder- und Jugendbereich der Diakonie Himmelsthür, dem Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen (FMKS). Geplant sind ebenso Kooperationen mit Jugendämtern, Fachschulen und Einrichtungen der Fort- und Weiterbildung. In allen Forschungsprojekten werden konkrete Transfermaßnahmen für die pädagogische Praxis entwickelt und umgesetzt. Die Forschungsprojekte laufen bis 2020. Ergebnisse werden auf Tagungen vorgestellt.

Im Forschungsverbund unterstützt die Universität Hildesheim zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in der Phase  während und nach der Promotion. Sie promovieren in den Projekten, werden vom Uni-Methodenbüro in der Wahl der Forschungsmethoden unterstützt und können sich mit laufenden Vorhaben aus den Graduiertenkollegs „Multiprofessionalität in der Bildungsinfrastruktur und in Sozialen Diensten“, „Gender und Bildung“ und den Promotionskollegs „Bildungsintegration“ und „Unterrichtsforschung" vernetzen. Die im Verbund beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auch im Promotionsstudiengang Sozial- und Organisationspädagogik, dem bundesweit ersten akkreditierten Studiengang dieser Art, promovieren.

Wer Interesse an dem Forschungsverbund hat, kann sich an Prof. Dr. Peter Cloos wenden (E-Mail cloosp@uni-hildesheim.de).

Folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim leiten die sechs Forschungsprojekte:

  • Prof. Dr. Meike S. Baader (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
  • Prof. Dr. Peter Cloos (Pädagogik der frühen Kindheit) (Sprecher)
  • Dr. Florian Eßer (Sozialpädagogik)
  • Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs (Neurodidaktik)
  • Prof. Dr. Kristin Kersten (Didaktik des Englischen und Spracherwerb)
  • Prof. Dr. Claudia Mähler (Pädagogische Psychologie und Diagnostik)
  • Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme (Mathematik und ihre Didaktik)
  • Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Sozialpädagogik)

 

Die sechs Forschungsprojekte im Überblick:

Wie Kinder sich entwickeln – Kognitive Entwicklung und Förderung in inklusiven Settings

Studie „Frühe Inklusion beim Schriftspracherwerb“ (FRISCH)

Schon lange vor der Einschulung bringen Kinder ganz unterschiedliche Voraussetzungen für die Schriftsprache mit. Ein Team aus der Pädagogischen Psychologie und Diagnostik um Professorin Claudia Mähler untersucht, wie Kindern der Einstieg in den Schriftspracherwerb gelingt. Welche Kinder profitieren in welcher Weise von einer Förderung zu welchem Zeitpunkt?

Claudia Mähler arbeitet mit Kitas und Grundschulen in der Region Hildesheim zusammen. Die Interventionsstudie beginnt im letzten Kindergartenjahr und begleitet 160 Kinder beim Übergang in die Grundschule und in den ersten beiden Schuljahren. Zunächst werden verschiedene Vorläuferkompetenzen erfasst, die für das Erlernen der Schriftsprache wichtig sind, etwa die Leistung des Arbeitsgedächtnisses, der Sprachentwicklungsstand und vor allem die „phonologische Bewusstheit“. Die Wissenschaftlerinnen untersuchen, wie sich ein Training der phonologischen Bewusstheit im letzten Kindergartenjahr und wie sich eine Umstellung des Eingangsunterrichts im Fach Deutsch auf das Erlernen der Schriftsprache auswirken.

„Ich freue mich, das Thema Inklusion nun auch in die frühe Bildung hineinzutragen und den Übergang vom Vorschulalter in die Schule begleiten zu können“, sagt Claudia Mähler. Die Professorin befasst sich in der Forschung seit vielen Jahren mit der Frage, welche frühkindlichen kognitiven Fähigkeiten es genau sind, die am Ende einen Einfluss darauf haben, ob ein Kind in der Schule gut zurechtkommt und erfolgreich ist. Bisherige Hildesheimer Langzeitstudien zeigen, dass die Unterschiede, die zwischen den Kindern in diesen Kompetenzen bestehen, bereits im Alter von vier Jahren sehr groß sind.

Studie „Soziales Training von Raumwahrnehmung und Raumkognition (zur vorschulischen Förderung des mathematischen Grundverständnisses)“ (STARK)

Wie kann das mathematische Grundverständnis in der frühen Kindheit gefördert werden? Professor Kristian Folta-Schoofs und Professorin Barbara Schmidt-Thieme untersuchen, in welcher Weise Kinder im letzten Kindergartenjahr von einem Training der Raumwahrnehmung profitieren können.

„Die vorschulische mathematische Förderung beinhaltet immer noch bevorzugt das Lernen von arabischen Zahlen und rechnerischem Faktenwissen. Wir wollen alternative Zugänge zur Förderung des mathematischen Grundverständnisses in den Blick nehmen, die weniger an Sprache und stärker auf die unmittelbare Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder bezogen sind“, sagt Professor Kristian Folta-Schoofs. „Dazu gehört auch die Berücksichtigung der körperlich-sinnlichen Erfassung von Raummerkmalen – auch im Verhältnis zum eigenen Körper – sowie von handlungs- und bewegungsorientierten Lernmöglichkeiten, die im Rahmen der vorschulischen Vorbereitung auf den Mathematikunterricht bislang noch wenig berücksichtigt werden und noch unzureichend wissenschaftlich untersucht sind.“

Barbara Schmidt-Thieme verfügt über Expertise auf dem Gebiet der mathematischen Frühförderung, vor allem zur Didaktik der Geometrie. Kristian Folta-Schoofs forscht im Neurolabor der Universität Hildesheim im Bereich der neuronalen Grundlagen von Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits- und Zeitverarbeitungsprozessen und zu den Ansätzen einer barrierefreien Gestaltung von Lernumgebungen.

Studie „Fremdsprachenlernen in inklusiven Kontexten: Sprachliche und kognitive Entwicklung in zweisprachigen Einrichtungen“ (FLINK)

Wie die sprachliche Entwicklung in ein- und zweisprachigen Kindertagesstätten und im Übergang in die Grundschule verläuft, untersucht Professorin Kristin Kersten in Kooperation mit Professor Werner Greve vom Institut für Psychologie. In der Studie erfassen die Wissenschaftler bis 2019, wie sich Kinder sprachlich und kognitiv entwickeln.

Dabei vergleichen sie die Entwicklungsverläufe von Kindern in einsprachigen und zweisprachigen Kitas und Grundschulen. In den bilingualen Kitas verwenden muttersprachliche Erzieherinnen und Erzieher im gesamten Tagesablauf Englisch im Umgang mit den Kindern, in bilingualen Schulen unterrichten Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel Mathe, Sport, Musik oder Sachkunde auf Englisch. Bislang wenig untersucht ist die Frage, inwieweit die sprachliche Entwicklung mit dem Selbstkonzept von Kindern zusammenhängt. Auch hierzu soll die Studie Erkenntnisse liefern. Durch teilnehmende Beobachtung werden außerdem die Strategien aller pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte dokumentiert: Wie begleiten sie die Lernprozesse? Wie gestalten sie den sprachlichen Input für inklusiv ausgerichtete Lernergruppen?

„Forschungsergebnisse aus früheren Studien weisen darauf hin, dass die Intensität, Dauer des Kontakts sowie das handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache an Objekten, Bildern und der Umwelt entscheidend sind. Wir wissen außerdem, dass intensives bilinguales Lernen zu kognitiven Vorteilen führen kann. Ob die Fremdsprache mehrere Stunden pro Tag oder nur zwei Stunden pro Woche angeboten wird und wie sie von der Lehrkraft umgesetzt wird – das macht für die Entwicklung der Kinder viel aus. Dazu kommt, dass jedes Kind individuelle Voraussetzungen zum Lernen mitbringt, die sich nicht nur in den kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch im sozialen Umfeld unterscheiden. Und schließlich ist jedes Schulprogramm ein komplexes Gefüge, in dem auch jede Lehrkraft ihre eigenen Kenntnisse, Einstellungen und Motivation mitbringt“, so Kersten. Die Sprachwissenschaftlerin hat zuvor ein EU-Projekt geleitet und in niedersächsischen Grundschulen den bilingualen Unterricht analysiert.

Der Alltag in Kitas – „Doing inclusion“ – Inklusion als alltägliche Herstellungsleistung

Studie „Inklusive Elterninitiativen“ (IKE)

10 Prozent aller 4500 Kindertageseinrichtungen in Niedersachsen sind Elterninitiativen. Elterninitiativen sind bislang kaum erforscht, dabei sind sie heute ein fester Bestandteil in der Kita-Landschaft. Eltern bauen somit einen Teil der Strukturen auf, die Bildungsteilhabe befördern oder verhindern können.

Einen Gesamtüberblick, welche Inklusionskonzepte Elterninitiativen im Bundesland Niedersachsen verfolgen, soll die Studie von Professorin Meike Baader liefern. Wer sind die Akteure und Akteurinnen, welches sind ihre Motive, Erfahrungen, Ressourcen aber auch Hindernisse? Wie gehen Eltern und Professionelle in diesen Einrichtungen mit Inklusion um? Die Erziehungswissenschaftlerin führt in den kommenden Monaten Interviews mit 45 Einrichtungsleitungen und analysiert, wie private Elterninitiativen in Niedersachsen handeln. Während sie in den 1970er Jahren anfänglich als Alternative für fehlende Plätze gegründet wurden, hat sich schon in den siebziger Jahren gezeigt, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Migrationserfahrungen aufgrund des Betreuungsschlüssels besonders gut versorgt wurden, wie eine DFG-geförderte Studie von Meike Baader zeigt.

Studie „Multiprofessionelle Teams in inklusiven Settings“ (MUPRO)

Zusammen statt allein: Professor Peter Cloos nimmt die Arbeit von multiprofessionell zusammengesetzten Teams in Kindertageseinrichtungen unter die Lupe. Der Erziehungswissenschaftler analysiert in 10 Einrichtungen 20 Teamgespräche.

„Wir tauchen ein in den Alltag“, sagt Cloos. Bisher wurde kaum empirisch untersucht, wie unterschiedliche Berufsgruppen in Organisationen wie Kitas zusammenarbeiten. Wie verständigen sie sich in Teamgesprächen über Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche? Teilen sie Aufgaben auf und grenzen sich voneinander ab („Das ist nicht mein Gebiet!“) oder entstehen Räume, um gemeinsam unter Einbeziehung vieler Perspektiven die individuelle Entwicklung von Kindern zu erfassen? Die Forschungsergebnisse sollen in die Beratung von multiprofessionellen Teams fließen.

Studie „Kinder als Inklusionsakteure“ (INKA)

Nicht nur Eltern und pädagogische Fachkräfte, auch Kinder leisten einen Beitrag zu Inklusion: wie sie anderen Kindern begegnen, wie sie selbst handeln. Bisher liegen kaum Studien vor, die Kinder als Handelnde in „inklusiven Settings“ betrachten oder Kinder in den Forschungsprozess einbeziehen. Florian Eßer, Miriam Sitter und Professor Wolfgang Schröer bauen derzeit eine Forschungsgruppe mit acht Kindern auf. Sie stimmen Forschungsfragen, die Erhebung und Präsentation von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit den Kindern ab: Wie erleben Kinder Zugehörigkeit und Ausgrenzung, wie nehmen sie den Alltag in Kitas wahr?

Vorurteile, dass man mit Kindern keine partizipative Forschung durchführen kann, gelten mittlerweile als widerlegt. Sie bringen junge Perspektiven in die Forschung ein, die sonst aus dem Blick geraten. Die Kinder ersetzen dabei nicht die Forscher, vielmehr eröffnen sie neue Sichtweisen.

„Differenzdilemma“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren im Forschungsverbund außerdem, inwieweit Wissenschaft selbst Differenzen erzeugt. Die Wissenschaft spricht von „Differenzdilemma“: Jede Thematisierung von Differenz behebt diese nicht nur, sondern kann Differenz durch ihre Betonung erst hervorheben oder verstärken.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-13534 Tue, 14 Feb 2017 15:21:00 +0100 Die Spiellustigen - endlich wieder was zum Anfassen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/die-spiellus/ Spieleforschung. Stefan Krankenhagen, Professor für Kulturwissenschaft, erklärt die Relevanz von Regeln, Freiheiten, Ernst und Unernst beim Spiele spielen. Pressespiegel regional Medien, Theater und Populäre Kultur Fachbereich 2 BA KuÄP Forschung Kulturwissenschaften und Künste in Hildesheim news-13453 Sat, 11 Feb 2017 15:10:00 +0100 Können junge Leute besser verhandeln als Ältere? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/koennen-junge/ Dr. Cathleen Kappes vom Institut für Psychologie untersucht in einer Studie das Verhandlungsgeschick von jungen Menschen - mit einem überraschenden Ergebnis. Nun sucht sie Studienteilnehmer ab 65 Jahren für eine Vergleichsstudie. Pressespiegel regional Psychologie Forschung news-12993 Tue, 31 Jan 2017 08:23:00 +0100 Künstler in Konflikten: Die Rolle der Künste in politischen Umbrüchen https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/kuenstler-in-konflikten-die-rolle-der-kuenste-in-politischen-umbruechen/ Die UNESCO hat entschieden, den Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl fortzusetzen. Ein Team um Professor Wolfgang Schneider forscht über die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in Konflikten. „Wir erfahren von Kolleginnen und Kollegen, wie die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Meinung gefährdet ist“, sagt Schneider. Der UNESCO-Lehrstuhl am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim startet in die nächste Runde. Ein Team um Kulturpolitikprofessor Wolfgang Schneider hat seit fünf Jahren eine internationale Arbeitsgruppe aufgebaut, die die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in gesellschaftlichen Umbrüchen untersucht.

Die Forscher wollen nun bis 2020 die Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden und Wissenschaftlern unter anderem in Tunesien, Marokko, Türkei, Südafrika, Nigeria und Ghana ausbauen. Die Wissenschaftler spüren in einigen Ländern Aufbruchstimmung – machen sich aber auch Sorgen: „Wir erfahren von den Kolleginnen und Kollegen, wie die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Meinung gefährdet ist“, sagt Schneider.

In den kommenden Monaten bauen die Hildesheimer Forscher mit Partnern ein internationales Beobachtungsinstrument auf, das die kulturelle Teilhabe und Verletzungen von künstlerischer Freiheit dokumentiert. Schwerpunkte dieses „Observatoriums“ liegen in den Bereichen „Freedom of Expression“ sowie „Arts rights justice“. „Wir wollen ein Instrument der Beobachtung schaffen für Künstler, die verfolgt werden, die in Not sind und unterschiedliche Formen von Zensur durch Regierung oder auch die eigene Gesellschaft erleben oder gar vom Tode bedroht werden und in Gefängnissen sitzen, weil sie Künstler sind“, sagt Schneider.

Interview mit Professor Wolfgang Schneider

Die UNESCO hat entschieden, den Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ fortzusetzen. Seit 20 Jahren forschen und lehren Sie als Professor für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim. Wie kamen Sie zu diesem UNESCO-Amt?

Wolfgang Schneider: Vor sieben Jahren haben wir begonnen, uns um einen UNESCO-Lehrstuhl zu bewerben. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat uns dazu aufgefordert. Wir mussten drei Hürden nehmen und Institutionen vom Sinn unserer Arbeit überzeugen: in Niedersachsen das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, auf Bundesebene die Hochschulrektorenkonferenz sowie das Auswärtige Amt – dann erst ging der Antrag nach Paris, so ein UNESCO-Titel ist ja auch eine diplomatische Angelegenheit. 2012 hat die UNESCO in Paris der Einrichtung des UNESCO-Chairs „Cultural Policy for the Arts in Development" am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim zugestimmt. Die Auszeichnung ist ein Ehrenamt ohne zusätzliche finanzielle Mittel, befristet auf vier Jahre.

Nun haben Sie sich erneut beworben. In Deutschland gibt es nur 12 UNESCO-Lehrstühle.

Wir haben einen Bericht über die bisherige Arbeit eingereicht und Perspektiven für die kommenden Jahre formuliert – es geht darum zu zeigen, was man für die internationalen Beziehungen geleistet hat. Im Auftrag der Generalsekretärin Irina Bokowa erhielten wir einen Brief aus Paris: Der Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl kann seine Arbeit bis 2020 fortführen! Diese gute Nachricht begehen wir mit einem Festakt – Feiern gehört zur Kultur. (lacht)

Welches Ziel verfolgen Sie und Ihr Team vom Institut für Kulturpolitik?

Wir wollen den Nachwuchs in den Kulturwissenschaften generieren und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihren Wegen in die Forschung fördern. Das beginnt schon im Studium. Und wir möchten die jungen Stimmen stärken, Künstlerinnen und Künstlern eine Entwicklungschance geben und eine Plattform bieten, um Gedanken zu teilen. Während des Festakts spricht in Hildesheim etwa Asma Al Abidi, eine junge Kulturaktivistin aus Tunis, die derzeit ein Volontariat bei der Deutschen Welle in Bonn absolviert, es handelt sich um ein Programm des Auswärtigen Amtes zur Förderung des Kulturjournalismus, sie nahm auch vor wenigen Wochen an unserem tunesisch-deutschen Forschungsatelier in Tunis teil.

Womit befassen Sie sich am Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl in den nächsten vier Jahren?

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt weiterhin im Bereich „Good Governance“. Die Künste – ob Theater, Musik, Literatur – sind eine Quelle für gesellschaftliche Entwicklung. Aufgabe von Kulturpolitik ist es, Strukturen zu entwickeln, um die menschliche Kreativität und Vielfalt zu fördern. Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um Meinungsfreiheit und künstlerisches Tun zu schützen? Welche Rolle spielen Künste und Künstler?

Die Künste im Leben – Sie befassen sich mit der Frage, welche Rolle Literatur, Film, Theater und Tanz im Alltag von Kindern und Jugendlichen und im Lebensverlauf spielen.

Es geht um Teilnahme und Teilhabe. Kulturelle Bildung ist das Fundament für kulturelle Teilhabe. Ein Beispiel aus Tunesien: Für Kinder und Jugendliche, das erfahren wir etwa über unseren tunesischen Partner vom Observatoire Culturel Tunisien, gibt es zunehmend Angebote in Kultureller Bildung, in Galerien und Kulturzentren, eher noch nicht in den Curricula der Schulen. Junge Akteure gibt es viele – aber sie sind in der offiziellen Kulturlandschaft meist außen vor. Graffiti, Hip-Hop – sie schaffen sich selbst Raum für die Künste, auf der Straße, im privaten Raum. Wo ist der künstlerische Nachwuchs? Wo werden diese Menschen ausgebildet? Es gibt noch keinen Lehrstuhl für Kulturpolitik in Tunesien, wir kooperieren hier insbesondere mit der Zivilgesellschaft. Gemeinsam mit Professorin Vanessa Reinwand-Weiss und unseren Partner-Universitäten in Pretoria (Südafrika), Nairobi (Kenia), Dar es Salaam (Tansania), Casablanca (Marokko) und Tunis (Tunesien) kommen wir im Herbst 2017 in Deutschland zusammen. Welche Infrastruktur kann von staatlicher Seite sinnvoll, was kann von zivilgesellschaftlicher Seite aufgebaut werden? Ich erhielt gerade ein euphorisches Schreiben von unseren Kollegen in Südafrika, in Pretoria entsteht der erste UNESCO-Chair für Kulturpolitik.

Sie befassen sich mit der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks.

In den kommenden Monaten bauen wir mit Partnern ein internationales Netzwerk auf, das die kulturelle Teilhabe und Verletzungen von künstlerischer Freiheit dokumentiert. Schwerpunkte dieses „Observatoriums“ liegen in den Bereichen „Freedom of Expression“ sowie „Arts (rights) justice“. Wir wollen ein Instrument der Beobachtung schaffen für Künstlerinnen und Künstler, die verfolgt werden, die in Not sind, die unterschiedliche Formen von Zensur durch Regierung oder auch die eigene Gesellschaft erleben oder gar vom Tode bedroht werden und in Gefängnissen sitzen, weil sie Künstler sind. Wir werden ein Archiv in Hildesheim übernehmen und dieses ausbauen. Der Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhl ist nicht nur im akademischen Elfenbeinturm auf dem schönen Kulturcampus angesiedelt – es ist unsere Verpflichtung, etwas zurückzugeben in die Gesellschaft.

Was ist denn so „gefährlich“ an der Kunst?

Ein Beispiel: Graffitis schaffen eine Gegenöffentlichkeit, sind mitten im Stadtbild zugänglich. Wir arbeiten eng mit Kulturschaffenden im nordafrikanischen Raum zusammen. Dokumentarfilme und Performances zeigen, wie lebendig der politische Aufbruch ist. Aber die Konsequenzen sind oftmals verheerend: Eine autokratische Politik gewährt Künstlerinnen und Künstlern weniger Freiraum. Wie Künstler Umbrüche beeinflussen, unter welchen Bedingungen sie arbeiten und wie sie mit ihrem Schaffen zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen, das untersuchen wir mit Partnern vor Ort, etwa der „Arab Cultural Policy Group“. Wir stellen fest bei unseren Forschungen, dass Künstler auch so etwas wie Seismografen von Krisen sein können und andererseits auch Sprachrohr.

Literatur, Theater, Film, Musik – die Künste sind mehr als bloße Unterhaltung und kurzweilige Freude. Künste sind nicht nur „schön“, sondern haben gesellschaftliche Relevanz?

Kunst und Kultur verstehen wir als Faktor von Demokratie. Wir forschen ja darüber, inwieweit die Künste dazu beitragen, die Gesellschaft lebenswerter zu machen. Aber wer hat Zugang zu den Künsten? Kunst war vor der arabischen Revolution in 2011 den Eliten vorenthalten, Kultur hat sich in Immobilien manifestiert – das Museum, die Oper, das Konzerthaus. Heute denken wir über Teilhabe nach. In Tunesien ist derzeit immer noch eine Aufbruchsstimmung festzustellen; wenn auch mit viel Kritik und tiefer Enttäuschung dem neuen System gegenüber. Künste können auch dazu beitragen, um Konflikte und traumatische Erlebnisse zu bewältigen. Wir arbeiten von 2016 bis 2020 mit dem Hildesheimer Center for World Music und den Universitäten in Maiduguri (Nigeria) und Cape Coast (Ghana) zusammen.

Was brauchen Künstlerinnen und Künstler, um arbeiten zu können?

Was Künstler brauchen ist tatsächlich Raum – das kann etwas ganz Reales sein: der Schreibtisch, das Atelier, das Tanzlabor oder Theaterhaus. Künstler brauchen Freiraum – Raum, um auszuprobieren, ein jeder Künstler hat auch die Lizenz zum Scheitern. Künstler brauchen öffentlichen Raum, um Zugänge zu schaffen. Hildesheim ist federführend, im Lande, wenn es um die Theorie der Kulturvermittlung geht, Professorin Birgit Mandel pflegt seit Jahren diesen Bereich am Institut für Kulturpolitik. Jedes künstlerische Werk trägt Fragestellungen in sich. Es nützt nichts, Theater ohne Publikum zu machen oder als Musiker Klänge nicht zu teilen und nur auf den eigenen Kopfhörer zu laden. Werk und Rezipient gehören zusammen. Es geht auch darum, das Publikum ernst zu nehmen und in den kreativen Prozess einzubinden.

Sie sind international vernetzt, beobachten gleichwohl die lokalen kulturpolitischen Veränderungen und haben etwa eine Studie über Kultur im ländlichen Raum erarbeitet. Sie sind ein kritischer Beobachter – ihr Kommentar zur möglichen Bewerbung Hildesheims als Europäische Kulturhauptstadt?

Eine Doktorandin erforscht derzeit, wie Städte sich um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ beworben haben. Eine Ergebnis: Es geht vor allem darum, Perspektiven zu entwickeln, wie eine Stadt sich kulturell in den nächsten Jahrzehnten konstituieren will. Das hat etwas mit dem Zusammenleben zu tun und mit den Plattformen, auf denen etwas Neues entsteht. Die Basis sind Kulturinstitutionen, aber die Zukunft ist das, was noch nicht existiert und geschaffen werden muss. Sollte es in Hildesheim zu einer Bewerbung als Kulturhauptstadt kommen, sollte man die Fragen aus der Stadtgesellschaft aufgreifen. Was brauchen wir – flächendeckende kulturelle Bildung in allen Schulen der Stadt? Warum spricht nicht mal eine Künstlerin oder ein Künstler im Stadtparlament? Warum fängt die Sitzung des Kulturausschusses nicht mit einem zeitgenössischen Musikstück an und endet mit einem Poetry-Slam in der Literaturkirche? Oft sind unsere Diskussionen sehr geprägt von Kulturfinanzierung – dabei ist es eine Frage der Haltung der Stadt.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Das sagt die UNESCO über den Hildesheimer Lehrstuhl:

Professorin Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, sagt anlässlich der Reakkreditierung des Hildesheimer UNESCO-Lehrstuhls:

„In der Phase globaler Liberalisierung mobilisiert der Begriff kulturelle Vielfalt ein tief empfundenes Bedürfnis nach Identität. Deshalb hat er Bedeutung erlangt und durch das Völkerrecht der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen neuen politischen Gestaltungsraum geöffnet. Die Förderung kultureller Vielfalt und Teilhabe stärken Demokratie, Toleranz und sozialen Zusammenhalt. Durch internationale Zusammenarbeit und kooperative Kulturpolitik werden Entwicklungschancen erweitert. Welchen Einfluss Kulturpolitik auf die Veränderung von Regierungsstrukturen hat und welche Rolle Künstlerinnen und Künstler in gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozessen spielen, erforscht der UNESCO-Lehrstuhl in Hildesheim. Ich freue mich, dass diese wichtige Arbeit durch den Lehrstuhlinhaber Professor Schneider und sein Team auch in den nächsten Jahren fortgesetzt wird.“

Kurz erklärt: UNESCO-Lehrstuhl am Institut für Kulturpolitik

In Hildesheim ist ein Zentrum für kulturpolitische Forschung in Deutschland entstanden: Hier lehrt und forscht der erste und bisher einzige Universitätsprofessor für Kulturpolitik. Die UNESCO hat 2012 die Arbeit von Professor Wolfgang Schneider mit einem UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“ (Kulturpolitik für die Künste innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse) ausgezeichnet.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen mit Partnern aus dem Mittelmeerraum, afrikanischen und arabischen Ländern die Rolle von Künstlerinnen und Künstlern in politischen Umbrüchen. Sie befassen sich in Forschung und Lehre mit der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, mit dem Schutz und der Förderung von künstlerischen Ausdrucksformen, mit künstlerischen Freiheitsrechten und Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit sowie  kulturpolitischen Strukturen für kulturelle Bildung. Dabei orientieren sie sich an der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt. Die Wissenschaftler kamen in den letzten Jahren mit Partnern aus Subsahara-Afrika, der arabischen Region und dem Mittelmeerraum zusammen und bauen die Kooperation aus. 2016 wurde die zweite Periode von vier Jahren als UNESCO-Lehrstuhl durch die UNESCO bestätigt.

Festakt im Januar 2017

Während eines Festakts sprachen ein Kulturpolitikforscher aus Istanbul und eine Künstlerin aus Tunis über Kulturpolitik in der Türkei und Tunesien. Sie gaben Einblicke in die Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen und Künstlern in gesellschaftlichen Umbrüchen. Während des Festakts findet außerdem eine Diskussion über die Rolle der Künste in Europa statt und über Internationalisierung und Offenheit am Beispiel der Stadt Hildesheim. Dabei wird es auch um eine mögliche Bewerbung Hildesheims als Europäische Kulturhauptstadt gehen.

Während des Festakts sprachen unter anderem:

  • Prof. Dr. Serhan Ada, Direktor des Cultural Policy Research Center an der Bilgi University, Istanbul
  • Asma Al Abidi, Kulturaktivistin aus Tunis, Tunesien
  • Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission
  • Prof. Dr. Wolfgang Schneider, seit 20 Jahren Professor für Kulturpolitik in Hildesheim, UNESCO-Lehrstuhl „Cultural Policy for the Arts in Development“
  • Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister und Kulturdezernent der Stadt Hildesheim
  • Prof. Dr. Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft
  • Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Universität Hildesheim
  • Musikalische Begleitung: Lalitha und Nandini Muthuswammy, Geigenvirtuosinnen aus Chennai /Indien, Künstlerresidenz am Center for World Music der Universität Hildesheim

Medienkontakt: Bei Interesse am Thema kontaktieren Sie die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und 0177.8605905, presse@uni-hildesheim.de) oder den Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls (Dr. Daniel Gad, gad@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Kulturpolitik Startseite Forschung
news-10831 Mon, 30 Jan 2017 16:22:00 +0100 Unesco Chair: bitte Platz nehmen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/unesco-chair/ Das Institut für Kulturpolitik erhält zum zweiten Mal den Unesco-Stuhl "Cultural Policy for the Arts in Development". Bis 2020 arbeiten die Forscher mit Kulturschaffenden und Wissenschaftlern aus Tunesien, Marokko, der Türkei, Südafrika, Nigeria und Ghana zusammen und forschen zu Themen wie kulturelle Teilhabe und Verletzung von künstlerischer Freiheit. Pressespiegel regional Fachbereich 2 Kulturpolitik Forschung Kulturwissenschaften und Künste in Hildesheim Projekte news-11393 Sat, 28 Jan 2017 15:50:00 +0100 Bücher, E-Books oder soziale Medien: Was motiviert Schüler zum Lesen? https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/buecher-e-bo/ Irene Pieper, Professorin am Institut für deutsche Sprache und Literatur, untersucht im Rahmen des Forschungsprojektes "TAMoLi" zusammen mit Wissenschaftlern aus der Schweiz das Leseverhalten von Achtklässlern in Niedersachsen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Forschung news-12929 Mon, 23 Jan 2017 18:10:00 +0100 Die Dinge in der Pflege https://www.uni-hildesheim.de/forschung/neuigkeiten/artikel/artikel/die-dinge-in-der-pflege/ Aus der Forschung: Ob im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause: In der Pflege kommen Dinge wie Waschlappen und Einmalhandschuhe zum Einsatz. „Die Dinge wandeln das private Zimmer der Bewohner in einen Raum der Pflege“, sagt Lucia Artner. Seit 2014 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt „Pflegedinge“. Einblicke in Ergebnisse aus der Forschung. Ob im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause: In der Pflege kommen Dinge wie Waschlappen und Einmalhandschuhe zum Einsatz. „Die Dinge wandeln das private Zimmer der Bewohner in einen Raum der Pflege“, sagt Lucia Artner. Seit 2014 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt „Pflegedinge“. Einblicke in Ergebnisse aus der Forschung.

Einmalhandschuhe, Bettpfanne, Hebelifter – diese Dinge gehören zum Alltag von Lucia Artner. Die Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim untersucht, welche Bedeutung Objekte im Pflegealltag einnehmen. Um dies herauszufinden, geht die Kulturanthropologin in Pflegeheime und auf Krankenstationen und beobachtet: Was passiert mit diesen Dingen, wer nutzt sie wie?

„Ein Pflegeheim ist nicht nur ein Ort der Pflege, sondern auch Wohnraum und Ort des Lebens“, sagt Lucia Artner. Die Wissenschaftlerin spricht mit Pflegekräften sowie älteren Damen und Herren über die Dinge in ihrem Alltag. In den Zimmern liegen Familienfotografien, Kosmetika und Briefe neben sterilen Einmalhandschuhen und Wattestäbchen, die das Kauen anregen sollen. Was machen solche Gegenstände, wenn sie so prägnant sind im Lebensraum? „Sie wandeln das private Zimmer der Bewohner in einen Raum der Pflege.“ Artner nennt sie „institutionalisierte Dinge“.

Lucia Artner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Die Pflege der Dinge“. In dieser Woche stellt sie nach vierjähriger Forschung erstmals gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Heidelberg, Berlin, Osnabrück und Hildesheim Forschungserkenntnisse vor. „Pflege gehört zum Alltag in allen Gesellschaften und findet nicht nur im Pflegeheim statt – auch innerhalb von Familien wird sehr viel geleistet. Pflege ist eine zentrale Praxis menschlichen Zusammenlebens, sie gehört zum Alltag – und dennoch ist Pflege kaum sichtbar“, sagt Artner. Die gesellschaftliche Bedeutung von Pflege wachse angesichts des demographischen Wandels. „Dennoch wird Pflege als entlohnte Arbeit – etwa als Pflegekraft in einem Pflegeheim – oder als reine Beziehungsarbeit – etwa die Pflege von Angehörigen innerhalb der Familie – kaum anerkannt. Mit unserem Forschungsprojekt möchten wir Pflege sichtbar machen, in dem wir anhand der Dinge zeigen, wie sich Pflege verändert und was den Pflegealltag prägt.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine Bandbreite an Dingen untersucht – von der Schnabeltasse aus dem 19. Jahrhundert über zeitgenössische Technologien wie Stehlifter bis hin zu sensorbasierten High-Tech-Systemen, die im Notfall Alarm schlagen.

Gerade in schambehafteten, intimen Momenten können die Dinge auch zu Professionalität und Sachlichkeit beitragen. „Der Toilettengang wird durch den Einsatz eines Toilettenstuhls zu etwas Gewöhnlichem – es ist dann weniger peinlich für alle Beteiligten“, sagt Artner.

Viele Dinge werden dabei auch mehrzweckmäßig, kreativ und anders als vom Hersteller angedacht verwendet. Ein Beispiel aus der Region Hannover: Der Toilettenstuhl kann nicht nur für den Toilettengang eingesetzt werden, so Artner. „Er wird auch zum Duschen und zum Transport genutzt. Eine ältere Dame guckt da Fernsehen drauf, statt auf einem Sessel. Bei einem anderen Herren wird mit dem Toilettenstuhl auch dessen Beweglichkeit trainiert.“ Man braucht Vertrauen in Dinge, vor allem auch in neue Technik, resümiert die Wissenschaftlerin. „Auch Ältere wollen sich wohl fühlen, wenn sie in einem Lifter hängen.“

Die Hildesheimer Wissenschaftlerin interessiert sich auch für die Veränderungen im Wandel der Zeit. Artner spricht deshalb mit Pflegekräften, die in den 1960er Jahren gearbeitet haben, sie untersucht Schwesternakten und Lehrbucheinträge. Dabei wird deutlich: In der Pflege wurden neue Gegenstände zunächst einmal auf ihre ‚Praxistauglichkeit‘ geprüft. Als in den 1970er Jahren die Einmalhandschuhe ihren Weg in den Pflegealltag fanden, wurde diese Entwicklung kritisch begleitet. „Die Handschuhe sind hygienisch. Ich habe aber so eine Distanz zu den Pflegenden. Ich möchte die Nähe nicht verlieren“, sagte etwa eine Pflegerin aus der damaligen Zeit.

Wie sich der Berufsalltag und Anforderungen an den Arbeitnehmer verändern, zeigen die Analysen von Isabel Atzl. Die Pfleghistorikerin und Sammlungsforscherin vom Medizinhistorischen Museum der Charité in Berlin zeigt, wie mit dem Einsatz von Dingen Veränderungen im Pflegeberuf einhergehen. So wurde das Fieberthermometer früher zunächst von Ärzten und später von Pflegekräften benutzt. Mit diesem Wechsel mussten Pflegekräfte auch neues Wissen und neue Qualifikationen erlernen. Beispielsweise mussten mit der Fieberkurve, die geschrieben wurde, Pflegekräfte nun Lesen und Schreiben können.

Außerdem wurde untersucht, wie Dinge zum Handeln anregen können. „In der stationären Langzeitpflege zeigt sich, dass es in erster Linie die Pflegekräfte sind, die die Nutzung der Dinge und den Ablauf der Tätigkeiten dirigieren. Sie geben den Menschen, die sie pflegen, Anstöße, Dinge zu nutzen“, sagt Artner. Über Dinge werden zum Beispiel ältere Menschen in einem Pflegeheim aktiv gehalten, indem Pflegekräfte beim Stuhlgang mit einem Toilettenstuhl eine Mobilisierungseinheit einbauen.

Ob es auch nutzlose Dinge gibt im Pflegealltag? Manche Utensilien, sagt Artner, finden erst mit der Zeit Anwendung. „In einem Pflegeheim wurde der Hebelifter kaum genutzt. Man hängt von der Decke, wird in die Badewanne gehievt. Für viele Menschen ist das ungewohnt, man fühlt sich zunächst unsicher.“

Lucia Artner forscht in einem sensiblen, intimen Bereich. „Ich kläre von Anfang an auf, was ich mache und warum, ich spreche viel mit Angehörigen von Demenzerkrankten.“ Mit den Objekten, sagt Artner, „kann man nicht reden“. Es sind die Menschen, die ihr erzählen und zeigen, was die Dinge im Alltag machen und die Einblicke geben in ihr Leben mit den Dingen. Und dafür, für all diese Begegnungen, ist die junge Forscherin sehr dankbar.

Worum geht’s? Kurz erklärt: Das Forschungsprojekt „Die Pflege der Dinge“

In dem Forschungsprojekt „Die Pflege der Dinge – Die Bedeutung von Objekten in Geschichte und gegenwärtiger Praxis der Pflege“ (kurz: „Pflegedinge“, www.pflegederdinge.de) arbeiten neun Fachleute des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité, der Arbeitsgruppe Pflegewissenschaft der Universität Osnabrück und des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim zusammen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förderte die Forschung von 2014 bis 2017. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe untersucht die Dinge der Pflege, die im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause zum Einsatz kommen. Im Projekt wurde der Einsatz von Gegenständen in der Altenpflege, in Privathaushalten und Krankenhäusern in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin untersucht. Ergebnisse aus der Forschung stellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen der internationalen Tagung „Dumme Dinge, schlaue Sachen?“ vom 18. bis 20. Januar 2017 in Heidelberg vor.

„Wir möchten künftig in der interdisziplinären Objektforschung jene Dinge verstärkt in den Blick nehmen, die die Pflege der Zukunft schon heute mitgestalten wie digitale Technologien oder Pflegeroboter“, sagt Lucia Artner. Wie erleben die Beteiligten zum Beispiel neue technische Geräte, die registrieren, wie sich Personen bewegen und im Notfall Alarm schlagen?