Universität Hildesheim - Meldungen - Flüchtlingsprojekte https://www.uni-hildesheim.de/ Pressemeldungen zu Flüchtlingsprojekten an der Stiftung Universität Hildesheim - Flüchtlingsprojekte de-de Stiftung Universität Hildesheim Sun, 20 Sep 2020 20:57:31 +0200 Sun, 20 Sep 2020 20:57:31 +0200 TYPO3 EXT:news news-18930 Mon, 08 Jun 2020 08:18:00 +0200 Centrum für Lehrerbildung: Unterstützung bei Homeschooling und Kooperationsangebote für Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/centrum-fuer-lehrerbildung-unterstuetzung-bei-homeschooling-und-kooperationsangebote-fuer-schulen/ Es gibt inzwischen zahlreiche Initiativen, wie und wo Studierende und Lehrende an Universitäten mit Schülerinnen und Schülern oder Lehrkräften an Schulen zusammen digitale Lehr-Lern-Szenarien durchführen und Kindern und Jugendlichen online Unterstützung beim Lernen anbieten. Eine Übersicht über Unterstützungsangebote bei Homeschooling und Kooperationsangebote für Schulen hat das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung auf der Webseite „Corona vernetzt: Studierende helfen“ zusammengestellt. Das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Hildesheim bietet auf der Webseite „Corona vernetzt: Studierende helfen“ einen Überblick über zahlreiche Initiativen mit Vorschlägen und konkreten Ideen, wie und wo Studierende und Lehrende an Universitäten mit Schülerinnen und Schülern oder Lehrenden an Schulen zusammenarbeiten können.

„Die Situation hat uns hart und unerwartet getroffen: Von heute auf morgen durften unsere Studierenden nicht mehr an Schulen und dort wertvolle Erfahrungen sammeln. Aber diese Situation hat auch neue Ideen und Impulse initiiert: vom Präsenzunterricht aus auf die vielfältigen Formen des distant learnings, oft digital unterstützt, von der Konzentration auf den (Fach)Unterricht aus der Blick auf Situationen des Lernens überhaupt. Wir sind sehr glücklich, dass wir nun eine ganze Reihe von Angeboten vorstellen können, und sind neugierig auf unsere neuen Erfahrungen. Und wenn wir uns auch auf eine Rückkehr der Studierenden an die Schulen freuen, werden wir doch diese neuen Ideen und Impulse zu erhalten und zu etablieren suchen“, sagt die Mathematikdidaktikerin Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme.

Fort- und Weiterbildungen rund um das Thema „Schulen im Digitalen Wandel“

Zum Beispiel hat ein Team um Informatikerin Dr. Bernadette Spieler vom Arbeitskreis „Schulen im Digitalen Wandel“ eine Online-Plattform mit Erfahrungsberichten zu Tools oder Apps und für die digitale Lehre entwickelt (https://digiducation.de).

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim bieten monatliche digitale Fort- und Weiterbildungen rund um das Thema „Schulen im Digitalen Wandel“ an (Anmeldung über: https://vedab.de).

Ausfall des Schulbesuchs hat für Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien langfristige Auswirkungen auf deren Bildungsverläufe: Zentrum für Bildungsintegration startet Matching zwischen Studierenden und Familien

Sowohl für Studierende als auch für Schülerinnen und Schüler hat der wegen der Corona-Pandemie seit März 2020 eingeschränkte Betrieb der Schulen weitreichende Folgen auf ihre Lernsituationen. Ein Forschungsteam des Zentrums für Bildungsintegration um Prof. Dr. Viola Georgi weist darauf hin, dass das Ausbleiben des Schulbesuchs für Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien langfristige Auswirkungen auf deren Bildungsverläufe haben und bereits vorhandene Ungleichheiten verschärfen kann. In manchen Familien fehlt beispielsweise die notwendige technische Ausstattung, aber auch Erfahrungen, diese anzuwenden. Kinder aus geflüchteten und neu zugewanderten Familien, die sich ohnehin oftmals in prekären sozio-ökonomischen Lebenssituationen befinden, sind in der aktuellen Corona-Krise gleich mehrfach benachteiligt.

Das Zentrum für Bildungsintegration hat deshalb ein Matching gestartet und bringt Hildesheimer Studierende unter anderem aus den Erziehungswissenschaften, die sich in der Praxis engagieren wollen, mit Schülerinnen und Schülern zusammen, die bei der Umsetzung des „Homeschoolings“ und bei der Bewältigung der Situation dringend Hilfe benötigen. Wie die Unterstützung aussehen kann, dazu fehlen bislang Erfahrungswerte, also müssen nun kreative und bisher nicht erprobte Methoden zur Anwendung kommen, sagt Professorin Viola Georgi.  

Digitaler Sprachunterricht: Team des Sprachlernprojekts unterrichtet digital

Ein Team um Annette Lützel vom Sprachlernprojekt unterrichtet bereits digital. Das Projektteam qualifiziert Studierende der Universität Hildesheim für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Hierfür werden den Studierenden in theoretischen Modulen die fachlichen Grundlagen vermittelt und in einer Praxisphase Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund unterrichtet.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist das Projektteam während der Schulschließung auf digitalen Unterricht ausgewichen, Studierende unterstützen Schülerinnen und Schüler in einer Hildesheimer Berufsschule via digitalem Sprachunterricht. Jetzt kann der Unterricht in der Schule fortgesetzt werden, der digitale Unterricht wird aber weiterhin als ein zusätzliches Angebot genutzt und soll vor allem in den Schulferien die Schülerinnen und Schüler unterstützen.

]]>
Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressemeldungen Flüchtlinge
news-17365 Tue, 03 Sep 2019 09:16:00 +0200 Sprachlernprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/sprachlernprojekt-fuer-gefluechtete-kinder-und-jugendliche-1/ Seit vier Jahren qualifiziert ein Team um Annette Lützel Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. An zwei Standorten in Hildesheim unterstützen die Studierenden täglich geflüchtete Menschen beim Spracherwerb und bei der Integration in Schule, Alltag und Arbeitswelt. Mittlerweile wurden mehr als 400 Studierende qualifiziert. Eine Zwischenbilanz. Im Wintersemester 2015/16 wurde mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ein Projekt gestartet, dass Studentinnen und Studenten qualifiziert, um geflüchtete Menschen beim Spracherwerb zu unterstützen.

Ein Team der Universität Hildesheim vermittelt Studierenden in theoretischen Modulen die fachlichen Grundlagen, in einer Praxisphase unterrichten sie Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund.

Die fachliche Qualifizierung der Studierenden erfolgt in unterschiedlichen Themenbereichen wie zum Beispiel Diversität, Zweitspracherwerb, aufenthalts- und sozialrechtliche Regelungen für Geflüchtete, Hintergrundinformationen zu Fluchtursachen und Herkunftsländern sowie Umgang mit durch Flucht und Verfolgung traumatisierter Menschen. Des Weiteren gibt es Vertiefungsveranstaltungen zum Unterricht im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“, zur Unterrichtsvorbereitung und zum Thema Alphabetisierung. Nach dem Besuch der Einführungsveranstaltung beginnen die Studierenden mit der Unterrichtsassistenz an den Schulen.

400 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt seit 2015 geflüchtete Kinder und Jugendliche beim Spracherwerb unterstützt

Das Sprachlernprojekt fand zunächst in der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Hildesheim statt. Im November 2016 wurde die Erstaufnahmestelle geschlossen, viele Geflüchtete haben nun einen dauerhaften Aufenthalt und benötigen Unterstützung bei der Integration in Schule und Arbeitsmarkt.

Insbesondere die Schulen stehen hier vor einer großen Herausforderung. Das Projekt wird deshalb seit Sommer 2016 an zwei Hildesheimer Schulen, der Grundschule Nord und der Walter-Gropius-Berufsschule, fortgesetzt.  Beide Schulen haben einen großen Bedarf an Sprachförderung, das Sprachlernprojekt bietet hier täglich im Anschluss an den Regelunterricht ein ergänzender Sprachunterricht an. Hier wird – anders als im Regelunterricht – sehr intensiv in kleinen Gruppen gearbeitet. Täglich unterrichten 20 Studierende an den beiden Standorten.

Sprachunterricht an Grundschule und Berufsschule

Das Projekt hat sich seit dem Start sehr gut entwickelt, so die Projektkoordinatorin Annette Lützel. Beide Seiten – geflüchtete Schülerinnen und Schüler als auch Studierende – profitieren sehr von dieser Arbeit. Zuerst hatte sich das Projekt nur an Lehramtsstudierende gerichtet, die im Rahmen ihres Sozialpraktikums teilnehmen. Mittlerweile ist das Projekt auch für Studierende anderer Fachrichtungen, wie zum Beispiel Sozial- und Organisationspädagogik und Erziehungswissenschaften, offen. Viele Studierende treffen im späteren Berufsalltag auf Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, im Sprachlernprojekt erwerben sie wichtige Kompetenzen für diese Arbeit.

Die Schulen werden durch das Projekt sehr gut in ihrer Arbeit unterstützt, deshalb erhält das Projekt auch eine Förderung durch die Stadt und den Landkreis Hildesheim sowie die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung. Mit einer Unterstützung des Europäischen Sozialfonds hat das Uni-Team seit Januar 2019 das Sprachlernprojekt zusätzlich um eine intensive Unterstützung der Schülerinnen und Schüler im Übergang von der Schule in den Beruf erweitert.

Sommerfest

Am Donnerstag, 5. September 2019, ab 14:00 Uhr lädt das Team des Sprachlernprojekts im Neubau am Hauptcampus zum Sommerfest ein. Wer teilnehmen möchte, wird gebeten sich vorher bitte per E-Mail anzumelden (roeben@uni-hildesheim.de).

]]>
Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Studierendenportal Flüchtlinge
news-17317 Mon, 12 Aug 2019 08:11:00 +0200 Sprachförderung in Schulen: Professorin Elke Montanari über das Recht auf Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/sprachfoerderung-in-schulen-professorin-elke-montanari-ueber-das-recht-auf-bildung/ Zur aktuellen Debatte um Sprachförderung in der Grundschule äußert sich Professorin Elke Montanari. Die Sprachwissenschaftlerin verweist auf das Recht auf Bildung und die Bedeutung qualifizierter Lehrerinnen und Lehrer. „Die Studierenden, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen“, so Montanari über die Hildesheimer Lehrerausbildung. Lehramtstudentinnen und Lehramtstudenten der Universität Hildesheim befassen sich im Studium mit Diversität, Deutsch als Zweitsprache und Bildungsintegration. Montanari erforscht, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Mehr erfahren:
Das Zentrum für Bildungsintegration
an der Uni Hildesheim

Zur aktuellen Debatte um Zweitspracherwerb, Sprachdiagnostik und Sprachförderung äußert sich Professorin Elke Montanari. „Deutschland hat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen mit verabschiedet. Darin ist in Artikel 28 das Recht auf den Schulbesuch verankert. In Deutschland wird dieses Recht durch die Schulpflicht gesichert“, sagt Montanari.

„Die Studierenden an der Stiftung Unviersität Hildesheim, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Das sehen sie als eine der wichtigsten Aufgaben. Und wenn ein Kind bei der Einschulung etwas noch nicht gut kann – die deutsche Sprache, Zählen, Sport oder was auch immer, dann lernt es dieses Kind eben in der Schule. Dafür bilden wir ja die Lehrkräfte aus, und dafür studieren angehende Lehrkräfte an einer Universität, die Diversität wertschätzt.“ 

Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt als Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, wo mit etwa 2600 Lehramtsstudierenden etwa ein Drittel der Grund-, Haupt- und Realschullehrer für Niedersachsen ausgebildet werden. In Hildesheim kann das Lehramtsstudium im Fach Deutsch mit einem Doppelstudium zum Master Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache kombiniert werden. Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder, die ohne oder mit unterschiedlich umfangreichen deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen. Die Wissenschaftlerin bildet Lehrerinnen und Lehrer aus, die im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifiziert sind.

Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache
Studium an der Uni Hildesheim

Kurz erklärt: Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen und in Verlagen, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. 

Die beruflichen Aussichten seien sehr gut, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache. „Uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben“, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Die Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim forscht und lehrt zu der Frage, wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen.

„Unsere Absolventinnen und Absolventen finden zum Beispiel zahlreiche internationale Berufsperspektiven in Goethe-Instituten, deutschen Auslandsschulen und an internationalen Universitäten. Vorbereitend können hierzu bereits im Studium Praktika absolviert werden, die frühzeitig zur beruflichen Vernetzung beitragen“,  sagt Montanari. 

Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen die Hildesheimer Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig und sehr gefragt als Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen.

Die nächsten Masterstudierenden starten im Oktober 2019 in ihr Studium. Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, die Universität bietet Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an.

Die Universität Hildesheim arbeitet in dem Studiengang mit internationalen Partnern zusammen und kooperiert zum Beispiel mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten.

Zur Person

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“.

Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen, mit Mehrsprachigkeit und Spracherwerb. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen. Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus.

Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Die Wissenschaftlerin hat sich im vom Land Niedersachsen geförderten Projekt „Umbrüche gestalten” für die Integration der Sprachenförderung und Sprachenbildung in die Lehrerausbildung in Niedersachsen eingesetzt.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 3 Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Forschung Startseite
news-17143 Sat, 22 Jun 2019 13:23:00 +0200 Wo Musik zum Todesurteil führte https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/wo-musik-zum-todesurteil-fuehrte/ Die Universität Hildesheim will noch enger mit der Universität Maiduguri in Nigeria zusammenarbeiten. Pressespiegel regional Präsident Flüchtlinge news-16373 Tue, 26 Mar 2019 08:47:00 +0100 Center for World Music unterstützt geflüchtete Musikerinnen und Musiker https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/center-for-world-music-unterstuetzt-gefluechtete-musikerinnen-und-musiker-1/ Studium nach der Flucht: Das Center for World Music der Universität Hildesheim sucht bundesweit ab sofort Musikerinnen und Musiker, die nach der Flucht ihre musikalische Ausbildung in Deutschland fortsetzen und studieren möchten. Sie können sich in Hildesheim in Sprach- und Vorbereitungskursen kostenfrei auf das Studium vorbereiten. Insgesamt sind 15 Plätze vorhanden. Eine Bewerbung für den INTEGRA-Kurs ist bis zum 23. April 2019 möglich. Das Hildesheimer Forschungsinstitut hilft geflüchteten Musikerinnen und Musikern, ihre Chance auf einen Studienplatz in Deutschland zu erhöhen. Am Center for World Music der Universität Hildesheim besteht die bundesweit einmalige Möglichkeit an einem kostenfreien Sprachkurs und Vorbereitungskurs auf ein Musikstudium in Deutschland teilzunehmen.

Der INTEGRA-Kurs bereitet auf das wissenschaftliche Arbeiten vor, die Teilnehmer lernen die Universitätsbibliothek kennen, nehmen an Einführungen über Musiktheorie teil, nehmen an einem Sprachkurs teil und musizieren gemeinsam. Die Teilnahme an diesen Vorbereitungskursen ist kostenfrei.

Die Musikerinnen und Musiker werden in den kommenden Monaten von Mai bis September 2019 an dem Sprachkurs und Vorbereitungskurs an der Universität teilnehmen können.

An dem Kurs können 15 Personen teilnehmen. Die Aufnahmeprüfung findet am 25. April 2019 im Center for World Music in Hildesheim statt. Eine Anmeldung zur Prüfung ist Pflicht. Wer sich für das Unterstützungsprogramm interessiert, kann ab sofort Morena Piro, Mitarbeiterin am Center for World Music, unter piromo@uni-hildesheim.de erreichen und sich bis spätestens zum 23. April 2019 für die Aufnahmeprüfung anmelden.

Die Musikerinnen und Musiker werden in den kommenden Monaten von Mai bis September 2019 an dem Sprachkurs und Vorbereitungskurs an der Universität teilnehmen können.

Dieser INTEGRA-Kurs ist Dank der Katholischen Erwachsenenbildung und der Förderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur möglich. Das Projekt wird in Kooperation mit der Musikschule Hildesheim und dem Global Board des Musikland Niedersachsen durchgeführt.

Die Kursteilnehmer können sich in dem Vorbereitungskurs auch auf das Masterstudium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ vorbereiten, das Masterstudium startet im Herbst 2019.

Mehr Informationen online unter:

Studium nach der Flucht:
Informationen des Center for World Music

Kurz erklärt

Studium „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“

Bewerbung um einen Masterstudienplatz

Am Center for World Music haben bisher 100 Personen aus 15 Herkunftsländern im Alter von 20 bis 60 Jahren studiert. Der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ ist europaweit einzigartig. Hier treffen zum Beispiel Komponisten, Konzertpädagogen, Musikschullehrerinnen, geflüchtete Musiker, Erzieherinnen und Musikervermittler aufeinander. Viele Studentinnen und Studenten haben Abschlüsse im Ausland erworben. Sie haben vielfältige musikalische und berufliche Biografien kommen aus allen Regionen Deutschlands – von Frankfurt am Main über Bremen und Berlin bis Nürnberg – und aus dem Ausland, etwa aus Syrien, Türkei, Irak, China und Sudan.

Für den 5. Studienjahrgang können sich Studieninteressierte aus ganz Deutschland und dem Ausland ab sofort bis zum 15. Juni 2019 bewerben. Das Masterstudium beginnt im Oktober 2019.

Mehr Informationen online unter:

Studium musik.welt

]]>
Pressemeldungen Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 Center for World Music Studierendenportal Bildungsintegration Flüchtlinge
news-16956 Thu, 31 Jan 2019 13:47:00 +0100 Flüchtlingsfragen? Sie liefern Antworten https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fluechtlingsf/ An der Universität gibt es eine neue Arbeitsstelle für Migrationsfragen. Pressespiegel regional Flüchtlinge news-17285 Fri, 28 Sep 2018 11:31:00 +0200 Studenten fahren in den Libanon https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/studenten-fa/ Eine Studierendengruppe reist in den Libanon in ein Flüchtlingslager, um zu klären, wie evangelische Schulen für Flüchtlingskinder unterstützt werden können. Pressespiegel regional Interkulturelle Kommunikation Flüchtlinge news-16839 Fri, 13 Jul 2018 14:15:00 +0200 "Wir dürfen nicht taub werden" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/wir-duerfen/ Hildesheimer Lehramtsstudierende besuchen Flüchtlingslager im Libanon, um syrische Kinder zu unterrichten. Pressespiegel regional Internationales Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge news-15539 Wed, 16 May 2018 16:00:00 +0200 Unter dieser Brücke hausen 300 Menschen — begleitet von Helfern aus Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/unter-dieser/ Das studentische Projekt "No Border. No Problem" will als Ansprechpartner und Veranstalter Geflüchteten helfen. Pressespiegel regional Flüchtlinge news-14603 Thu, 22 Mar 2018 15:31:00 +0100 Frieden wahren: Friedenspreis der Stadt für Jugendprojekt „FuNah“ https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/frieden-wahren-friedenspreis-der-stadt-fuer-jugendprojekt-funah/ Das studentische Team des Projekts „FuNah“ wird in diesem Jahr mit dem Friedenspreis der Stadt Hildesheim ausgezeichnet. Seit 2014 begleiten Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim Kinder und Jugendlichen auf ihren Bildungswegen, erst im Klassenzimmer, dann geht es auf den Sportplatz. Dabei entdecken die Kinder, dass sie manche Ziele nur als Mannschaft erreichen können und ein Team auf gegenseitigem Respekt aufbaut. Am 22. März 1945 wurde Hildesheim Opfer verheerender Luftangriffe, die weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legten. Über 1.000 Bürgerinnen und Bürger verloren an diesem Tag ihr Leben. Am 73. Jahrestag gedenkt die Stadt dieser folgenschweren Zerstörung der Stadt.

Im Wissen um die Geschichte, aber auch als Zeichen gegen aktuelle friedensfeindliche Gesinnungen widmet sich der „Hildesheimer Friedenstag“ neben der Erinnerung auch der Wahrung des Friedens in Gegenwart und Zukunft. Im Rahmen der Erinnerungsfeier wurde in dieser Woche der Friedenspreis an eine Einrichtung vergeben, die sich für ein tolerantes und respektvolles Zusammenleben einsetzt. 2018 wird das Kinder- und Jugendprojekt „FuNah“ ausgezeichnet.

„Frieden ist nicht nur die große Politik, Frieden fängt doch schon bei Dritt- und Viertklässlern an. Frieden heißt, gut miteinander umzugehen. Das ist der erste Schritt. Danke und Bitte sagen. Anderen wertschätzend zu begegnen. Zu loben“, sagt Omar Fahmy, Mitarbeiter am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hildesheim und Mitgründer von „FuNah“.

Frieden heißt, gut miteinander umzugehen

Das Bildungsprojekt „FuNah“ entstand 2014 aus einer studentischen Initiative heraus. In einer Realschule in Peine und in Grundschulen und einer Gesamtschule in Hildesheim kommen Studentinnen und Studenten einmal in der Woche mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Zunächst lernen sie im Klassenzimmer, dann geht es raus auf den Sportplatz. Die Mädchen und Jungen erkennen ihre Stärken und Schwächen, arbeiten in einer Mannschaft gemeinsam auf ein Ziel hin, entdecken den Wert von Bildung und setzen sich für Respekt untereinander ein, darauf weist die Sportwissenschaftlerin Professorin Vera Volkmann hin, die das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Die Studentinnen und Studenten sind für viele der Kinder und Jugendlichen Vorbilder. „Mittlerweile sind nicht nur Studierende aus dem Sportinstitut dabei, vielmehr hat sich eine Verknüpfung verschiedener Fachbereiche und Studiengänge – von Psychologie über Umweltsicherung bis Lehramt – entwickelt. Diese vielfältigen Ressourcen sind wichtig und geben uns bei der stärkenorientierten Herangehensweise verschiedene Möglichkeiten des Zugangs zu den Kindern“, sagt Omar Fahmy. Die Zahl der Coaches steigt an, mehrfach konnten erfolgreich Praktika für Schülerinnen und Schüler und im vergangenen Jahr bereits der erste Ausbildungsplatz vermittelt werden.

Die Coaches rund um Omar Fahmy, die an diesem Erfolg den größten Anteil haben und mit dem Friedenspreis ausgezeichnet werden, sind:

Morten Görlitz, Dominik Feer, Hawa Abdul, Nina Köhler, Lia Röttger, Saskia Schmidt, Sameh Keller, Madita Zahn, Ayla Schaub, Berlin Polat, Bessin Osso, Matteo Isermann, Fidan Tuldari, Chiara Garbari (Erasmus), Felix Ehlers, Franziska Schlenker, Hagen Stelzer, Moana Lenger, Nina Bartel, Siyar Daoud, Georg Bauer, Sarah Hammer, Richard Leithäuser, Laura Simon, Foaz Alo, Leona Lüntzel, Kerim Trabelsi, Roberta Rippa (Erasmus), Atilla Ceylan, Aysun Erkan, Claudia Rybicki.

Um stark auf die Kinder und Eltern einzugehen sucht das „FuNah“-Projekt Studentinnen und Studenten, die als Coaches an weiteren Schulen ein qualitativ wirksames Angebot schaffen. „Die größte Motivation für mich liegt darin, die Entwicklung der Kinder in ihrer Persönlichkeit zu beobachten und zu begleiten. Durch den geringen Betreuungsschlüssel (1:3) gelingt es uns ein positives Selbstkonzept bei den Kindern herzustellen, welches oftmals von Lehrkräften und Eltern zurückgemeldet wird“, sagt Fahmy.

„Entwicklung der Kinder in ihrer Persönlichkeit begleiten“

Die Studentinnen und Studenten seien „die tragenden Kräfte von FuNah“ und bringen „enorme und in großen Teilen ehrenamtliches Engagement  auf“, so Professorin Vera Volkmann in ihrer Laudatio. „Aus dem kleinen studentischen Nachhilfeprojekt 2014 ist durch das enorme Engagement von Omar Fahmy, Dominik Feer und vielen anderen eine fest etablierte und sehr facettenreiche Initiative in Hildesheim geworden, die bald an der vierten Schule hier in Hildesheim angeboten wird. Regelmäßig gibt es ein Interkulturelles Fußballturnier, ein Sommercamp, Besuche der Stadtbibliothek, Schwimmkurse und Angebote im kreativen Bereiche, die allesamt von unseren Studierenden getragen werden. Die Studierenden wollen größtenteils Lehrer werden. Sie lernen bei FuNah  frühzeitig die Perspektive der Schülerinnen und Schüler kennen, denen es unser Bildungssystem nicht immer leicht macht, ihre Potenziale auszuschöpfen. Sie lernen, diese Schülerinnen und Schüler besser zu verstehen, um ihnen später Wege ebnen zu können und nicht – wie es heute leider noch oftmals ist – Wege zu versperren. Dafür geben sie viel Zeit und Herzblut, was ihnen die Kinder durch tolle Fortschritte danken. Nur auf diese Weise kann unsere Gesellschaft langfristig zu einer bildungsgerechten Gesellschaft werden. FuNah leistet dazu in Hildesheim einen wirklich großartigen Beitrag.“

Aktuell wird „FuNah“ noch durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Dieser Zeitraum ist aber begrenzt und aktuell ist noch unklar, wie das Projekt weiter finanziert werden kann. Das Team sucht daher Unterstützung, um „FuNah“ als festen Baustein im Fundament der Bildungsintegration in Hildesheim etablieren zu können.

Wissenschaftliche Begleitforschung zeigt: Kinder erfahren Anerkennung

Die Ergebnisse der Begleitforschung zeigen, was das Besondere an „FuNah“ ist. In wissenschaftlichen Interviews begründen die Kinder, warum sie sogar freiwillig in den Ferien zu „FuNah“ und somit zum Lernen in die Schule kommen: „Wir bekommen da Anerkennung, so wie wir sind. Wir können denen vertrauen und sie zeigen uns auch, wie man sich richtig verhält und wie man richtig lernt; also wenn einer andere ausgrenzt oder lacht, weil man das Tor nicht getroffen oder etwas beim Lernen immer noch nicht verstanden hat, dann sagen sie, das geht so nicht. Und der nicht getroffen hat, dem wird gesagt, beim nächsten Mal schaffst Du das! Du kannst das! Es tut unheimlich gut, dass da welche sind, die an uns glauben!“

Die Hildesheimer Friedensrede hielt am Abend die Schriftstellerin Shida Bazyar, die an der Universität in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert hat. Ihre Rede zeigte Wege zu einer gerechteren und toleranteren Welt auf. Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ und mit zahlreichen anderen Publikationen tritt Bazyar für eine offene und tolerante Gesellschaft ein. Shida Bazyar sagte in ihrer Friedensrede: „Denn was wir nicht dürfen, was wir niemals, niemals dürfen, ist, unsere Meinung nach dem zu bilden, was den Rechten vermeintlich in die Hände spielen würde. Damit, und genau damit nämlich spielen wir den Rechten in die Hände. Wir lassen keine Geflüchteten mehr zuziehen, damit die Rechten nicht stärker werden? Damit haben wir den Rechten im gleichen Moment die Macht über das, was passiert, gegeben."

Mit dem „Hildesheimer Friedenstag“ möchte die Stadt Hildesheim an die Erinnerung an die Zerstörung der Stadt den Aufruf zu einem friedlicheren Zusammenleben knüpfen. Der Friedenspreisträger wurde ebenso wie die Friedensrednerin von Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche, der Stiftung Universität Hildesheim und der Stadt ausgewählt: von Superintendent Mirko Peisert, Dechant Wolfgang Voges, Uni-Vizepräsident Professor Martin Schreiner und Oberbürgermeister Ingo Meyer.

Hildesheimer Friedenspreis: Warum wird das Projekt „FuNah“ ausgezeichnet?

Der studentischen Initiative um Omar Fahmy gelingt es, Kinder und Jugendliche mit Migrationserfahrung auf intelligente und spielerische Weise zu unterstützen. Im gemeinsamen Spiel werden wichtige Werte wie Vertrauen und Respekt gefördert. Damit leistet „FuNah“ einen wichtigen Beitrag zur Integration und kombiniert sehr erfolgreich Fußball und Coaching, so die Begründung der Jury.

]]>
Pressemeldungen Sportwissenschaft Fachbereich 1 Studierendenportal Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Flüchtlinge Lehrerbildung
news-15270 Sat, 24 Feb 2018 15:02:00 +0100 Instabile und virtuose Klänge https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/instabile-un/ Studierende der Universität und der HAWK haben ein Benefizkonzert für Geflüchtete organisiert. Pressespiegel regional Flüchtlinge news-15194 Fri, 26 Jan 2018 11:01:00 +0100 Festival wirbt um Hilfe an Grenzen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/festival-wir/ Das studentische Projekt "No Border. No Problem." veranstaltet ein Solidaritätsfestival für humanitäre Unterstützung an europäischen Grenzen. Pressespiegel regional Flüchtlinge news-15150 Thu, 21 Dec 2017 13:26:00 +0100 Studenten wollen Flüchtlingen an Grenzen helfen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/studenten-wo/ Studierende der Universität und der HAWK arbeiten an einem gemeinsamen Projekt, um Flüchtlingen Hilfeleistungen an europäischen Grenzen zu bieten. Pressespiegel regional Projekte Flüchtlinge news-15032 Wed, 01 Nov 2017 13:44:00 +0100 Fußball und Nachhilfe - bald auch in Harsum? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fussball-und/ Omar Fahmy und 30 Kommiliton_innen der Universität sprechen mit der Sprecherin des Netzwerkes Asyl über das Projekt "Fußball und Nachhilfe" (kurz: Funah). Pressespiegel regional Bildungsintegration Flüchtlinge Sportwissenschaft news-13933 Mon, 02 Oct 2017 18:12:00 +0200 Sprachlernprojekt in der Berufsschule und Grundschule https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/sprachlernprojekt-in-der-berufsschule-und-grundschule/ 270 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt der Universität Hildesheim seit 2015 eine wertvolle Zusatzqualifikation aufgebaut, sie begleiten Kinder und Jugendliche beim Erlernen der deutschen Sprache. Die Uni kooperiert dabei mit einer Hildesheimer Berufsschule und Grundschule. Die Klosterkammer Hannover unterstützt das Uni-Projekt. Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim unterstützen im Sprachlernprojekt seit Herbst 2015 Kinder und Jugendliche, die erst seit kurzem in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Zunächst haben die Studierenden täglich in einer Erstaufnahmestelle Deutschkurse für Geflüchtete angeboten. Nach der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung hat sich das Sprachlernprojekt auf zwei Standorte in Hildesheim konzentriert und arbeitet seit Herbst 2016 mit der Grundschule Nord und der Walter-Gropius Berufsschule zusammen, an beiden Schulen hat sich das Projekt sehr gut etabliert, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert.

Für die Schulen sei der zusätzliche Unterricht durch das Projekt sehr wichtig und hilfreich, da der Unterricht in den Sprint- und Sprachlernklassen aufgrund der unterschiedlichen Sprachniveaus und Bildungshintergründe eine große Herausforderung darstelle. Vor allem die Berufsschule steht mit zwölf Sprint- und Sprachlernklassen vor einer großen Aufgabe, sagt Lützel. Mit dem Sprachlernprojekt kann die Universität Hildesheim Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen und zum Teil mit einer Eins-zu-Eins-Betreuung intensiv fördern und so den Anschluss an den Regelunterricht ermöglichen.

An beiden Schulen führen die Studentinnen und Studenten nach dem regulären Unterricht einen Sprachunterricht durch, der den Unterricht in den Sprachlernklassen ergänzt und vertieft. „Dabei können wir – anders als in den Sprachlernklassen selbst – einen sehr intensiven Unterricht gestalten, in dem die Schülerinnen und Schüler individuell betreut werden“, sagt Annette Lützel. In der Berufsschule arbeiten täglich zehn Studierende, auch in der Grundschule unterrichten täglich zehn Studierende. Die Studentinnen und Studenten werden dabei immer von zwei Lehrkräften angeleitet, die auf den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ spezialisiert sind. Nach einer gemeinsamen Einführungsphase zu den jeweiligen Unterrichtsinhalten beginnt die Arbeit in kleinen Gruppen. „Die Jugendlichen können dadurch sehr intensiv lernen und wir können leistungsheterogene Gruppen auch leistungsdifferenzierter unterrichten“, so Lützel.

Neben den für den Unterricht angemeldeten Schülerinnen und Schülern kommen täglich auch viele Jugendliche aus eigener Initiative in den Unterricht, berichtet Annette Lützel. Deren Engagement ist so groß, dass die Universität in den Sommerferien eine Sommerschule an der Uni für die Jugendlichen der Berufsschule angeboten hat.

Bei den Studentinnen und Studenten – viele aus dem Lehramtsbereich – ist das Projekt sehr beliebt, da sie hiermit eine Zusatzqualifikation erwerben, die für die spätere Berufspraxis sehr hilfreich ist und die sonst nicht im Rahmen des Studiums erworben werden kann, so Lützel. „Wir haben deshalb statt der geplanten Zahl von 120 Studierenden für dieses Jahr schon 140 Studierende zugelassen, weitere befinden sich noch auf unserer Warteliste oder haben sich bereits für die ersten beiden Durchgänge 2018 angemeldet.“ Seit Projektbeginn im Oktober 2015 wurden, mit den Durchgängen Januar und April 2017, insgesamt 191 Studierende qualifiziert, bis Ende des Jahres werden es 271 Studierende sein. Das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim ist ein durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördertes Projekt zur Qualifizierung von Studierenden für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Projekt wird finanziell unterstützt von der Klosterkammer Hannover und der Niedersächsischen Lotto-Sport Stifung.

Die Universität bildet mit rund 2600 Studierenden einen Großteil der Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Niedersachsen aus.

Wie kann ich im Sprachlernprojekt mitwirken? Hier erfahren Sie mehr!

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Lehrerbildung
news-13784 Fri, 26 May 2017 13:58:00 +0200 Integrationsplan Mitte 2018 fertig https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/integrations-1/ Die Stadt Hildesheim möchte einen Integrationsplan erstellen. Dieser soll bis zum Sommer 2018 beschlussreif sein und alle zwei Jahre aktualisiert werden. Ein Entwurf des Sozialdezernats soll durch einen Beirat begleitet werden, in dem Verwaltung, Politik sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim vertreten sind. Pressespiegel regional Pressespiegel Bildungsintegration Bürgergesellschaft Inklusion Flüchtlinge Organe und Gremien news-13759 Fri, 12 May 2017 12:40:00 +0200 Die Welt braucht mehr Miteinander https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/die-welt-bra/ Integratives Projekt bei Babel im Park: Fünf Geflüchtete lassen zusammen mit 15 Deutschstudenten ihre literarischen Texte und Erfahrungen visuell und akustisch auf der Bühne lebendig werden. Pressespiegel regional Flüchtlinge Deutsche Sprache news-13683 Sat, 22 Apr 2017 14:08:00 +0200 Kreishaus: Angebote für Migranten https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/kreishaus-a/ Die Universität Hildesheim ist beim sogenannten Migrantentag des Landkreises und des Jobcenters vertreten. Bei der Veranstaltung werden Migranten über Sprachkursmöglichkeiten und Voraussetzungen zur Aufnahme eines Studiums informiert. Pressespiegel regional Flüchtlinge Studieninteressierte news-13396 Fri, 13 Jan 2017 19:09:00 +0100 Neu im Rat für Migration https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/neu-im-rat-f/ Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat ein neues Mitglied: Viola B. Georgi, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Pressespiegel Inklusion Flüchtlinge BA ERZ MA ERZ Fachbereich 1 Zentrum für Bildungsintegration news-13346 Thu, 29 Dec 2016 13:49:00 +0100 Universität Hildesheim - "Studium nach der Flucht" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/universitaet-5/ Der Kreiswohnbau Hildesheim spendet der Universität Hildesheim 5000 Euro für die Fortsetzung des Projektes "Studium nach der Flucht". Seit 2015 nahmen bereits 200 Geflüchtete an den Info-Veranstaltungen der Uni teil. Das Programm ermöglicht es Geflüchteten ihre akademische Laufbahn in Deutschland fortzuführen. Pressespiegel regional Flüchtlinge Bildungsintegration news-13245 Fri, 16 Dec 2016 13:33:00 +0100 Zukunft für "Studium nach Flucht" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/zukunft-fuer/ Um Flüchtlingen den Zugang zum deutschen Hochschulstudium zu ebnen, führt die Universität Hildesheim mit der Unterstützung des Kreiswohnbaus ihr Programm "Studium nach Flucht" fort. Im Rahmen des Angebotes können Flüchtlinge Sprachkurse, Informationsveranstaltungen und Beratungstermine besuchen, die ihnen beim Studieren in Deutschland helfen. Pressespiegel regional Bildungsintegration Flüchtlinge ZSB Stipendien Stiftungsuniversität Sprachkurse news-12732 Fri, 25 Nov 2016 18:19:00 +0100 Bildungswege nach der Flucht: Sprachkurs bereitet auf das Studium vor https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/bildungswege-nach-der-flucht-sprachkurs-bereitet-auf-das-studium-vor/ Auf dem Weg in das Studium: Während sich die ersten Studieninteressierten ihre sprachprüfung absolvieren, starten drei weitere Sprachkurse. Die Universität, die Hochschule HAWK und die Volkshochschule kooperieren und unterstützen junge Erwachsene dabei, ihre Bildungswege in Deutschland fortzusetzen. Die Universität Hildesheim, die Hochschule HAWK und die Volkshochschule Hildesheim haben in einer Feierstunde die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Intensivsprachkurses verabschiedet. In den letzten Monaten haben sich 15 junge Erwachsene täglich auf eine Sprachprüfung vorbereitet, mit dem Ziel, ein Studium aufzunehmen. Alle Kursteilnehmer sind Gasthörer und können im Wintersemester Fachveranstaltungen belegen und erste Credits erwerben. Derzeit warten sie auf die Ergebnisse ihrer Sprachprüfung. „Wir unterstützen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Weg, sich für ein reguläres Studium zum Sommersemester 2017 oder Wintersemester 2017/18 zu bewerben und sich um ihre Studienfinanzierung zu kümmern“, sagt Anna Pulm, Mitarbeiterin im International Office.

Nun starten 60 neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei zehn- bzw. sechsmonatigen Sprachkursen. Erstmals arbeiten die HAWK und die Universität hierbei mit der Volkshochschule zusammen. Die Absolventen aus dem ersten Jahrgang sollen nun zu Paten der neuen Kursteilnehmer werden und ihre Erfahrungen teilen. „Sie haben erfahren, wie es an deutschen Hochschulen aussieht und können den ‚Neuen‘ helfen, natürlich auch durch ihre Sprachkenntnisse“, sagt Frauke Drewes von der HAWK.

Die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim, der Hochschule HAWK und der Volkshochschule ist das gemeinsame Interesse, die jungen Erwachsenen darin zu unterstützen, ihre Bildungsbiografien in Deutschland fortzusetzten. Dazu sollen durch passende Beratungs- und Weiterbildungsangebote Brücken in das deutsche Bildungssystem gebaut werden, sagt Alexey Ponomarev von der Volkshochschule. Diesem Zweck dient das vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderte Projekt „Intensivsprachkurse (Deutsch) für höherqualifizierte Flüchtlinge“, so Ponomarev. Das Ziel dieser Arbeit seiist, dass die Teilnehmer nach der Qualifizierungsmaßnahme das für eine Ausbildung oder Hochschulstudium erforderliche Sprachniveau erreichen, eine klare Berufs- und Bildungsperspektive haben und die dafür erforderlichen Kompetenzen erlangen.

 

Nachgefragt

„Ich habe viel Zeit verloren und möchte endlich wieder lernen“

Majed, möchte an der Universität in Hildesheim Informatik studieren. Er hat sich sechs Monate lang täglich im Intensivsprachkurs auf eine Sprachprüfung vorbereitet. Nun wartet er auf die Ergebnisse der Prüfung.

„Ich habe Informatik studiert. Ich möchte wieder Informatik studieren, weil ich mein Studium in Syrien nicht fortsetzen konnte. Ich habe viel Zeit verloren und möchte endlich wieder lernen“, sagt Majed.

„Die Universität in meiner Heimatstadt ist groß, die Universität in Hildesheim ist klein. Ich finde das gut. Ich persönlich habe einen Plan, Schritt für Schritt: Erst muss ich die deutsche Sprache besser sprechen und schreiben. Ich möchte gut in der Sprache sein. Dann möchte ich mein Studium abschließen und einen Beruf finden. Ich habe zufällig über eine Freundin von dem Intensivsprachkurs erfahren – das ist ein großes Glück. Das Uni-Angebot ist selten, ich kenne viele Freunde, die keinen Sprachkurs machen und sich nicht auf ein Studium vorbereiten können. Ich mache mir aber Sorgen, wie ich mein Studium finanzieren kann. Wir gehen Ende August mit den Uni-Mitarbeiterinnen zur Beratung vom Studentenwerk. Außerdem lerne ich hier: Wie kann ich die Bibliothek benutzen? Wie kann ich Bücher ausleihen?“ Majed lebt seit eineinhalb Jahren in Deutschland.

„Das war ein Glück, dass ich von diesem Sprachkurs erfahren habe“

Sajadeh, 31, möchte Grundschullehramt studieren, bereitet sich im Intensivsprachkurs in Hildesheim auf das Studium vor.

„Der Aufwand lohnt sich“, sagt Sajadeh. Täglich fährt die 31-Jährige vier Stunden – zwei hin, zwei zurück. 05:30 Uhr, eine kleine niedersächsische Stadt mit etwa 40.000 Einwohnern, Sajadeh steigt in einen Bus ein – weiter geht es über Hannover bis nach Hildesheim. Ihr Ziel: der Sprachkurs an der Universität.

Zum Sprachkurs gehört auch ein Programm zur Studienvorbereitung an der Universität, eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewerbung, Finanzierung und Stundenplangestaltung. Außerdem gehören Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, Treffen mit Studierenden und Ausflüge dazu.

Sajadeh interessiert sich für Bildungswege von Kindern und Jugendlichen und möchte in der Zukunft in einer Bildungseinrichtung arbeiten. „Ich möchte unbedingt weiter studieren. Das war ein Glück, dass ich von diesem Sprachkurs erfahren habe. Ich habe ein Praktikum an einer Grundschule in Hannover gemacht. Ich möchte Lehrerin werden und an der Universität in Hildesheim Grundschullehramt studieren.“ Sajadeh lebt seit fast drei Jahren in Deutschland.

„Es ist schön, wieder zur Universität zu gehen“

Nareen, 24, bereitet sich auf das Studium der Informatik und Mathematik an der Universität in Hildesheim vor. Seit ihrer Kindheit ist sie fasziniert von der Logik der Mathematik.

Als Nareen vor eineinhalb Jahren in Hildesheim ankam, war der Wunsch groß, wieder zu lernen. Die 24-Jährige hat in ihrer syrischen Heimatstadt sechs Semester an der dortigen Universität studiert. „Wegen des Krieges konnte ich das Studium nicht fortsetzen.“ Seit dem ersten Tag in Deutschland denkt sie darüber nach, wie sie wieder die Verbindung zum akademischen Alltag aufnehmen kann.

Seit dem Frühjahr geht Nareen zur Universität in Hildesheim, besucht jeden Tag mit weiteren Studierenden einen Intensivsprachkurs. „Ich gehe zu Grundlagen-Vorlesungen in Informatik und Mathematik. Es ist schön, wieder zur Uni zu gehen“, sagt Nareen. „Jeder hat ein Ziel, man muss sich bemühen, um sein Ziel zu erreichen.“ Beruflich interessiert sie sich für Mathematik und IT, sie höre aber auch gerne Musik. „Wenn ich Musik höre, dann bin ich in einer anderen Welt. Ich mag klassische, ruhige Musik, ich vergesse dann alle Sorgen“, sagt Nareen.

Wie sie die Uni gefunden hat? In einem Beratungsgespräch hat ein Mitarbeiter des Migrationsvereins Asyl e.V. von Nareens Wunsch erfahren und den Kontakt zur Uni hergestellt. „Wir sind mit der Universität vernetzt, wir bauen in Hildesheim eine akademische Willkommenskultur auf“, sagt Daoud Naso von Asyl e.V.

Wege in die Universität

Studium am Center for World Music

Aufzeichnungen: Isa Lange

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de).

]]>
Pressemeldungen International Office Flüchtlinge Bildungsintegration Studierendenportal
news-12906 Tue, 22 Nov 2016 12:08:00 +0100 14 Flüchtlinge pauken Deutsch - mit Erfolg https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/14-fluechtlin/ Die 24-jährige Nareen Ibrahim und der 25-jährige Majed Abdalrahman sind zwei von insgesamt 14 Flüchtlingen, die an einem sechsmonatigen Intensivsprachkurs teilnehmen. Beide haben in ihrer Heimat bereits studiert und möchten ihr Studium im Bereich Informatik an der Universität Hildesheim fortsetzen. Pressespiegel regional Informatik IT Studierende Bildungsintegration Flüchtlinge news-12860 Thu, 10 Nov 2016 13:56:00 +0100 Und jetzt alle zusammen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/und-jetzt-al/ Geflüchtete Musiker müssen meistens ihre Instrumente in ihrer Heimat zurücklassen. Doch ein Musiker ohne Instrument kann seinen Beruf nicht ausüben. Das Center for World Music der Universität Hildesheim plant aus diesem Grund eine Instrumentensammlung einzurichten, in der sowohl neue westliche als auch arabische Instrumente zur Ausleihe bereitgestellt werden. Darüber hinaus sollen Workshops angeboten werden, die beim Berufseinstieg unterstützend mithelfen sollen. Pressespiegel regional Center for World Music Flüchtlinge news-12846 Thu, 03 Nov 2016 13:32:00 +0100 Fachtagung zur Lage von Flüchtlingen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fachtagung-z-1/ Auf der Fachtagung unter dem Thema "Geflüchtet - angekommen - integriert?" sprach unter anderem Junior-Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim Prof. Dr. Hannes Schammann über die Leitkultur- und Identitätsdebatten in Deutschland. Veranstaltet wurde die Fachtagung von der Arbeitsgemeinschaft Migration und psychosoziale Gesundheit. Migrationspolitik Pressespiegel regional Sozialwissenschaften Politik Tagungen & Kongresse Flüchtlinge Bildungsintegration news-12670 Mon, 10 Oct 2016 11:55:00 +0200 Flüchtlingspolitik: Spielräume für Kommunen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fluechtlingsp/ Eine Studie der Universität Hildesheim, die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt wurde, untersucht die aktuellen Entwicklungen der kommunalen Flüchtlingspolitik. Darüber hinaus wird unter anderem auch die Arbeit der Ausländerbehörden analysiert und Empfehlungen für den Bund ausgesprochen, um die Kommunen bei der Integration von Flüchtlingen zu unterstützen. Migrationspolitik Pressespiegel regional Sozialwissenschaften Politik Projekte Flüchtlinge news-12461 Thu, 29 Sep 2016 10:40:00 +0200 Stipendien: Intensiv die Sprache lernen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/stipendien-intensiv-die-sprache-lernen/ Jetzt bewerben: Wer seinen Bildungsweg an der Universität nach der Flucht fortsetzen möchte, kann sich bis zum 7. Oktober 2016 um ein Sprach-Stipendium bewerben. In einem mehrmonatigen Intensivsprachkurs bereiten sich Studieninteressierte auf ein reguläres Studium in Hildesheim vor. „Wir ermutigen Frauen, sich um ein Stipendium zu bewerben“, sagt Anna Pulm vom International Office der Universität Hildesheim. Seit Juni 2016 nehmen junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs inklusive Studienvorbereitung teil. Die Universität Hildesheim schreibt gemeinsam mit der Volkshochschule und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) nun erneut Stipendien für mehrere Intensivsprachkurse aus [hier geht es direkt zur Bewerbung]. Der Sprachkurs richtet sich an Studieninteressierte, die geflohen sind, und ein Studium in Hildesheim aufnehmen möchten. Drei Intensivsprachkurse beginnen im November 2016 in Hildesheim, ein weiterer im Frühjahr 2017.

Die Sprachkurse dauern sechs oder zehn Monate und umfassen jeweils 24 Stunden Deutschunterricht plus etwa fünf Stunden Studienvorbereitung pro Woche. Zusätzlich ist das eigenständige Nachbereiten und Lernen der Inhalte außerhalb der Kurszeiten notwendig.

Der Intensivsprachkurs ermöglicht es in wenigen Monaten, die erforderlichen Sprachkenntnisse zu erwerben und eine Sprachprüfung abzulegen, um ein reguläres Studium an einer Hochschule aufzunehmen. „Wir begleiten Studieninteressierte auf ihrem Weg an die Universität. Die Studienvorbereitung umfasst eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewerbung, Finanzierung und Stundenplangestaltung. Wie orientiere ich mich auf dem Campus, wie nutze ich die Bibliothek und das Rechenzentrum? Wie lerne ich richtig? Außerdem gehören Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, Treffen mit Studierenden und Ausflüge dazu“, sagt Anna Pulm, Mitarbeiterin im International Office der Uni Hildesheim. Die Universität finanziert die Stipendien aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

„Wir ermutigen Frauen, sich um ein Stipendium zu bewerben“, sagt Anna Pulm. Manche Frauen seien eher zurückhaltend oder kennen gar nicht die Chancen, sich weiter zu qualifizieren. Anna Pulm berichtet von positiven Erfahrungen: In der ersten Sprachkurs-Runde lernt seit dem Sommer etwa eine Mutter dreier Kinder mit viel Engagement und Fleiß die deutsche Sprache und bereitet sich derzeit auf eine C1-Prüfung vor. Weitere Frauen reisen bis zu zwei Stunden täglich an, um an dem Sprachkurs teilzunehmen.

Wer sich für ein Stipendium interessiert, kann das Bewerbungsformular online herunterladen [hier geht es zur Bewerbung]. Eine Bewerbung ist bis zum 7. Oktober 2016 möglich. Bewerberinnen und Bewerber müssen gute Deutschkenntnisse mindestens auf A2- oder B1-Niveau nachweisen. Bei Fragen können Sie sich an Anna Pulm (E-Mail: Pulm@uni-hildesheim.de, Telefon: 05121.883-92012) wenden.

Bildungswege nach der Flucht: Übergang in das Studium

Seit Frühjahr 2015 begleitet die Universität Hildesheim Studieninteressierte mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg in das Studium. Mit dem kostenfreien Gasthörerstudium ermöglicht die Universität jungen Erwachsenen, bereits Credits (Leistungspunkte) zu erwerben, die sie für ein späteres reguläres Studium anrechnen können. Das Gasthörerstudium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennen zu lernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, einige haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan, Iran oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Lehrende und Studierende unterstützen die jungen Erwachsenen dabei, Perspektiven für den weiteren Bildungsweg zu entwickeln. Außerdem bilden sie Sprachtandems.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Pressemeldungen Flüchtlinge
news-12465 Thu, 29 Sep 2016 10:38:00 +0200 Studie: Kommunale Flüchtlingspolitik in Deutschland https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/studie-kommunale-fluechtlingspolitik-in-deutschland/ Kommunen organisieren Wohnungen, Sprachkurse und Arbeitsgelegenheiten. Sie sind Orte der Debatte und der Begegnung. Eine Studie hat nun die Gestaltungsspielräume von Städten, Landkreisen und Gemeinden in der Flüchtlingspolitik untersucht. „Kommunen werden häufig als letztes Glied in der Kette deutscher Flüchtlingspolitik betrachtet. Dies ist jedoch eine Fehlwahrnehmung“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim und einer der beiden Autoren der Studie. Kommunen stehen im Fokus der Flüchtlingszuwanderung. Sie organisieren Wohnungen, Sprachkurse und Arbeitsgelegenheiten. Sie sind Orte der Debatte und der Begegnung. Hier entscheidet sich, ob Integration gelingt. Eine Studie der Universität Hildesheim im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat nun die Gestaltungsspielräume von Städten, Landkreisen und Gemeinden in der Flüchtlingspolitik untersucht. Die Expertise ist ab sofort online verfügbar [hier geht's zur Studie]. Die Autoren spüren den aktuellen Entwicklungen in der kommunalen Flüchtlingspolitik anhand zahlreicher Beispiele nach. Die Arbeit der Ausländerbehörden wird ebenso betrachtet, wie die Koordination des ehrenamtlichen Engagements, der Ausbau von KiTa-Plätzen, die Gesundheitsversorgung oder die Frage der Finanzierung. Insgesamt analysieren sie elf Handlungsfelder kommunaler Flüchtlingspolitik und entwickeln Empfehlungen für Politik und Praxis.

Kommunen gestalten Flüchtlingspolitik

„Kommunen werden häufig als letztes Glied in der Kette deutscher Flüchtlingspolitik betrachtet. Dies ist jedoch eine Fehlwahrnehmung“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim und einer der beiden Autoren der Studie. „Weil Bund und Länder ungelöste Konflikte auf die Kommune delegieren, wird die Kommune zur eigenständigen Politikgestalterin.“ Die letzten Monate hätten gezeigt, dass die Kommunen willens und in der Lage seien, Verantwortung für die Integration der Flüchtlinge zu übernehmen, so Schammann weiter. Ein Blick in die flüchtlingspolitische Praxis zeige aber auch, dass sich Kommunen ihrer Spielräume nicht immer bewusst seien. Manchmal scheuten sich Behörden auch davor, ihre Spielräume auszunutzen und verwiesen auf die vermeintliche Zuständigkeit von Land oder Bund. „Daraus entsteht dann ein Teufelskreis der Verantwortungsverschiebung“, so Schammann.

Flüchtlingszuwanderung als Katalysator für Neuorganisation vor Ort

Boris Kühn, Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter in der kommunalen Praxis und Co-Autor der Studie, betont die schwierige Koordination zwischen verschiedenen Akteuren innerhalb der Verwaltung: „Während manche Behörden auf Integration setzen, versuchen andere in derselben Kommune eine abschreckende Wirkung zu entfalten. Mancherorts haben sich so über die Jahre unterschiedliche Handlungslogiken etabliert und zahlreiche Widersprüche angesammelt.“ Vor diesem Hintergrund sei die Flüchtlingszuwanderung des Jahres 2015 ein regelrechter Katalysator gewesen: „Das Thema steht im Fokus und man erkennt die Bedeutung eines kohärenten Vorgehens innerhalb der Kommune. Darin liegt eine große Chance.“ Es führe auch dazu, dass die Organisation lokaler Flüchtlings- und Integrationspolitik neu strukturiert wird. Kühn: „Hier ist viel in Bewegung. Wenn sich Kommunen über ihre Praxis intensiv austauschen, können sich erfolgreiche Modelle verbreiten.“

Unterstützung durch den Bund

Die Studie gibt auch Anregungen, was der Bund tun könnte, um die Kommunen in ihren anstehenden Aufgaben der Integration zu unterstützen. Für Schammann sind drei Punkte zentral: „Erstens muss der Bund seinen eigenen Aufgaben in effizienter Weise nachkommen: Schnelle Asylverfahren helfen den Kommunen ganz direkt. Zweitens sollten vorwiegend symbolische Regelungen, wie das Asylbewerberleistungsgesetz oder die Orientierung an der Bleibeperspektive, auf ihre Sinnhaftigkeit und Praxistauglichkeit überprüft werden. Sie verkomplizieren die Arbeit vor Ort und bewirken faktisch wenig. Drittens geht es darum, Integrationsprozesse von Geflüchteten nachhaltig zu unterstützen. Dazu ist neben genügend finanzieller Unterstützung auch ein enger inhaltlicher Austausch zwischen Bund, Ländern und Kommunen notwendig.“

Autoren:

Medienkontakt: Prof. Dr. Hannes Schammann, Juniorprofessur für Migrationspolitik am Institut für Sozialwissenschaften über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905).

]]>
Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-12527 Sat, 24 Sep 2016 16:38:00 +0200 Geht nicht - gibt's mitunter doch https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/geht-nicht/ Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, war zu Gast bei der 3. Fachkräftekonferenz zum Thema "Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt". Veranstaltet wurde die Konferenz von der Agentur für Arbeit, die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer, das Jobcenter sowie die Wirtschaftsfördergesellschaft Hildesheim Region. Migrationspolitik Pressespiegel regional Sozialwissenschaften Politik Tagungen & Kongresse Flüchtlinge Bildungsintegration news-12235 Sat, 30 Jul 2016 19:10:00 +0200 Ministerin: „Uni Hildesheim leistet wichtigen Beitrag für Verständigung“ https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/ministerin/ „Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch“, so die Niedersächsische Wissenschaftsministerin anlässlich ihres Besuches an der Hildesheimer Universität. „Sprachförderung, Bildungsangebote und kulturelle Teilhabe sind entscheidend für die Integration von Zugewanderten. Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu  Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch. Die drei Projekte, die ich mir heute angesehen habe, sind herausragende Beispiele dafür, dass Integration, Teilhabe und Diversität an der Universität Hildesheim gelebt und als gesamtuniversitäre Aufgabe definiert werden. Mein Dank gilt den engagierten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Studierenden, die in ihren Bereichen daran arbeiten, dass der gesellschaftliche Wandel positiv gestaltet wird“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić anlässlich ihres Besuches an der Universität Hildesheim.

Die Ministerin hat in dieser Woche die Universität Hildesheim besucht, um sich über den Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" zu informieren. Darüber hinaus informierte sie sich über die Qualifizierung von Geflüchteten, die ein Studium aufnehmen möchten. Außerdem sprach die Ministerin mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich Mehrsprachigkeit über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung.

Musikalische Wege: Aus der Not heraus den Gesang entdeckt

„Mit Musik kann man etwas bewegen, was man mit Worten nicht erreichen kann“, sagte Tinatin Tsereteli. Als Zehnjährige kam sie mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Deutschland an, da in Georgien ein Bürgerkrieg ausbrach. „Wenn ich allein war, bin ich eingetaucht in meine Musikwelt. In Georgien hatte ich Klavier- und Geigenunterricht. Die Musikwelt meiner Kindheit war sehr vielfältig. In Deutschland hatte ich kein Instrument, eine völlige Leere, wir hatten ein Zimmer für die ganze Familie. Aus meiner Not heraus habe ich den Gesang für mich entdeckt.“ Nach dem Abitur hat sie Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und anschließend im Weiterbildungsstudiengang „musik.welt" studiert. Die Sängerin und Musikpädagogin kombiniert die musikalische mit der sprachlichen Bildung in Kitas und Grundschulen. „Die Kinder wollen lernen und alles wie ein Schwamm aufsaugen, wir müssen ihnen nur die Chance geben“, sagt Tsereteli.

Über Bildungschancen sprach auch Abbass Anoor. „Ich bin in Darfur aufgewachsen. Ich wollte zur Schule gehen, aber ich durfte nicht. Ich wollte nicht als Kuhhirt enden und rannte mehrfach ohne Erfolg von zu Hause weg, bis es mir mit 13 Jahren gelang. Ich wollte in die Schule gehen. Erst mit 20 Jahren lernte ich richtig, Texte und meinen Namen zu schreiben.“ 25 Jahre später spricht Anoor vier Sprachen: Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Er ist ein bekannter Rapper aus dem Sudan und musste wegen seiner kritischen Liedtexte das Land verlassen. In seinen Texten spricht der Musiker und Dichter trotz einer positiven Grundeinstellung auch die Probleme seines Landes an. „Ich kann mich durch Musik am besten ausdrücken, was ich fühle, was ich auf den Straßen gesehen habe zu der Zeit, als ich noch im Sudan war.“

Heute studiert der Rapper Musik an der Universität Hildesheim. „Die universitäre Sprache ist etwas schwierig für mich, der Weg von Frankfurt nach Hildesheim ist zeit- und kostenaufwändig“, sagt der 43-Jährige. „Aber für mich ist das Studium eine große Chance. Wirklich, eine große Chance. Ich lerne viele neue Dinge über Musik, Geschichte und kulturelle Diversität. Ich lerne ein neues Instrument, jetzt spiele ich E-Bass. Die Leute an der Universität sind sehr hilfreich, auch in anderen Lebensbereichen. Das Center for World Music hat mir eine Chance, eine neue Familie gegeben. Mein Dank gilt Professor Raimund Vogels und Morena Piro – ich habe zum Glück diesen Ort gefunden. Jetzt habe ich eine zweite Heimat – hier in Deutschland.“

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige aus, die Musik in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – zum Beispiel in Kitas, Schulen, Stadtteilen, Flüchtlingsunterkünften und Jugendzentren. „Das Wissenschaftsministerium hat den Studiengang musik.welt ermöglicht. Die Stiftung Niedersachsen fördert diese Arbeit, dafür bedanken wir uns sehr“, sagte Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Ohne die Unterstützung der Stiftung Niedersachsen könnten die Studentinnen und Studenten nicht an der Universität Hildesheim lernen, da viele den Betrag für ein berufsbegleitendes Studium nicht finanzieren könnten. Insgesamt erhalten 20 Studierende jeweils ein Stipendium. Eine wichtige Landesstiftung habe die Bedeutung von Musik und kultureller Diversität in der Gesellschaft erkannt und handelt entsprechend, so der Musikethnologe und Direktor des Hildesheimer Forschungszentrums, Professor Raimund Vogels. Dadurch konnten in Hildesheim Strukturen aufgebaut werden, um Bildungswege von Menschen, von denen viele ihre Bildungsabschlüsse im Ausland (etwa Georgien, Kamerun, Marokko, Russland, Sudan, Iran, Irak, China, Mongolei) erworben haben, zu fördern und gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen anzuerkennen.

Universität begleitet Wege in das Studium – Ministerin: „Sie sind Pioniere“

Während Tinatin Tsereteli und Abbass Anoor den Übergang in das Studium bereits geschafft haben, sind einige junge Erwachsene mitten auf ihrem Weg an die Universität. Die Wissenschaftsministerin sprach mit jungen Erwachsenen aus Syrien, Ruanda und dem Iran, die sich derzeit in einem sechsmonatigen Intensivsprachkurs auf ein Studium vorbereiten. Sie gaben Einblicke in ihren Lebensweg und erklärten, welche Chancen, aber auch Schwierigkeiten sie erleben.

Seit Frühjahr 2015 begleitet die Universität Hildesheim Studieninteressierte mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg ins Studium. Derzeit nehmen 15 junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs und einer Studienvorbereitung teil. „Wir begleiten Studierende auf ihrem Weg an die Universität. Die Studienvorbereitung umfasst eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewerbung, Finanzierung und Stundenplangestaltung. Wie orientiere ich mich auf dem Campus, wie nutze ich die Bibliothek und das Rechenzentrum? Außerdem gehören Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, Treffen mit Studierenden und Ausflüge dazu“, sagte Anna-Maria Pulm, Mitarbeiterin im International Office der Uni Hildesheim.

„Ich persönlich habe einen Plan, Schritt für Schritt“, berichtete der 24-jährige Majed. Seit eineinhalb Jahren lebt er in Deutschland. „Erst muss ich die deutsche Sprache besser sprechen und schreiben. Ich möchte gut in der Sprache sein. Dann möchte ich mein Informatikstudium abschließen und einen Beruf finden. Ich konnte mein Studium in Aleppo in Syrien nicht fortsetzen, Ich habe viel Zeit verloren und möchte endlich wieder lernen. Ich habe zufällig über eine Freundin von dem Intensivsprachkurs in Hildesheim erfahren – das ist ein großes Glück. Das Uni-Angebot ist selten, ich kenne viele Freunde, die keinen Sprachkurs machen und sich nicht auf ein Studium vorbereiten können. Ich mache mir aber Sorgen, wie ich mein Studium finanzieren kann.“

Auch Nareen, Sajadeh und Ahlam möchten ihr Studium fortsetzen. Als Nareen vor eineinhalb Jahren in Hildesheim ankam, war der Wunsch groß, wieder zu lernen. „Wegen des Krieges in Syrien konnte ich mein Mathematikstudium nicht fortsetzen“, so die 24-Jährige. „Am Anfang war es einfach mit der Sprache, ich habe eine B1-Prüfung abgeschlossen. Dann gab es eine lange Pause – und nun habe ich endlich den Sprachkurs an der Universität gefunden. Man muss sich bemühen, um sein Ziel zu erreichen.“ Sajadeh bereitet sich derzeit auf das Lehramtsstudium vor, ein zweimonatiges Praktikum an einer Grundschule in Hannover habe ihren Berufswunsch bestätigt. An einer iranischen Universität hat die 31-Jährige Englisch und Literatur studiert. Dann habe sie viel Zeit verloren. Nun möchte sie „unbedingt weiterstudieren“. Täglich fährt sie vier Stunden durch Niedersachsen, um an dem Sprachkurs in Hildesheim teilzunehmen. Auch Ahlam hat „viel gewartet“, um ihren Bildungsweg fortsetzen zu können. „Das Schwierige ist die Sprache. Ich habe viel alleine gelernt und habe mir die Sprache selbst beigebracht. Ich habe nach einem Sprachkurs gesucht. Viele Schulen haben mir gesagt: Nein, du kannst nicht studieren. Dann habe ich diesen Intensivsprachkurs der Universität Hildesheim gefunden, ich bereite mich jetzt auf mein Studium vor. Es ist eine tolle Gelegenheit. Wir lernen gemeinsam und wir diskutieren in der Gruppe“, sagt die 24-jährige Ahlam. Sie lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland.

„Sie sind Pioniere, sie haben jetzt angefangen, ihren Bildungsweg an der Universität fortzusetzen. Ich wünsche Ihnen alles Gute“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin zu den jungen Erwachsenen.

Mehrsprachigkeit: Maßnahmen sollten auf Forschungserkenntnissen aufbauen

Es sei wichtig, so Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, aktuelle Bildungsmaßnahmen auf Erkenntnissen aus der Forschung aufzubauen. Derzeit tagen etwa 40 Promovenden sowie Professorinnen und Professoren aus den USA, dem Irak, Schweden, Island, Italien, England und Deutschland an der Universität Hildesheim. Darunter Koryphäen wie die Linguisten Professor Konrad Ehlich, Professorin Rita Franceschini und Professorin Aneta Pavlenko.

„Es gibt viele Personen, die aktuell beim Spracherwerb helfen möchten. Damit wir jetzt nicht in eine Phase kommen, in der sich viele Personen engagieren, dann aber merken, dass sie nicht weiterkommen oder an Widerstände stoßen, braucht es eine Professionalisierung von Lehrpersonen, die in verschiedenen Altersstufen unterrichten können – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene – und Personen, die sich auch mit Traumata befassen“, sagte die Schweizer Professorin Rita Franceschini, die an der Freien Universität Bozen in Südtirol, Italien, forscht und lehrt.

„Wir müssen die gesamte Lernbiografie eines mehrsprachigen Kindes betrachten, und können ein Kind nicht allein auf Sprache oder Migrationshintergrund reduzieren. Eine interdisziplinäre Perspektive ist wichtig. Jeder Lerner bewegt sich innerhalb eines soziokulturellen Umfeldes, bringt eine bestimmte Persönlichkeit, bestimmte kognitive Fähigkeiten und psychologische Bewältigungsstrategien mit“, sagte Professorin Kristin Kersten. Die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin untersucht derzeit in zwei Forschungsprojekten gemeinsam mit Psychologen, wie Kinder mehrsprachig lernen. An bilingualen Schulen und Kindertagesstätten dokumentiert das Forscherteam zurzeit, wie der Spracherwerb funktioniert und wie Lehrer diese Lernprozesse begleiten und bilinguale Programme implementieren [mehr Infos zur Studie 1 und Studie 2]. Die Projekte werden im Rahmen der Programme „PRO Niedersachsen“ und „VW Vorab“ gefördert.

Wie können Lehrerinnen und Lehrer den Spracherwerb begleiten? „Es sollte Plattformen geben, um sich über gelungene Maßnahmen auszutauschen. Jede Person lehrt für sich alleine. In einem ‚Center for meetings‘ könnten sich Lehrer treffen und ihr Wissen und Materialien teilen: Was funktioniert gut? Das ist sehr simpel, aber effektiv“, kommentierte Professorin Aneta Pavlenko von der Universität Philadelphia, USA. Sie ist selbst in einem Flüchtlingscamp aufgewachsen und hatte in den 90er Jahren Englisch in einer Flüchtlingsunterkunft in Italien unterrichtet. Solch ein Austausch sollte sowohl online wie auch offline, im persönlichen Gespräch, möglich sein. „Lehrer sollten sowohl gelungene Materialien und Stundenplanungen teilen als auch ihre Erfahrungen, wenn etwas nicht klappt", so Professorin Pavlenko.

„Der Bedarf an abgesichertem Wissen zu Fragen der Migration und Integration ist groß“, so Elke Montanari. Daher fördert die Universität den wissenschaftlichen Nachwuchs.

An der internationalen „Summer School: Multilingualism and Diversity Education" sind das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung, das Institut für deutsche Sprache und Literatur, das Institut für englische Sprache und Literatur sowie das Institut für Interkulturelle Kommunikation beteiligt.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache Interkulturelle Kommunikation Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Center for World Music Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Lehrerbildung Personalportal
news-12166 Wed, 20 Jul 2016 12:30:00 +0200 Bildungswege: Studium nach der Flucht https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/bildungswege-studium-nach-der-flucht/ Wie finde ich eine passende Lehrveranstaltung? Muss ich Zeugnisse vorlegen? Wie gut muss ich die deutsche Sprache sprechen? Wie kann ich Kontakt zu Studierenden aufbauen? Auch im Wintersemester 2016 können geflüchtete Studieninteressierte wieder an Kursen der Universität Hildesheim und der Hochschule HAWK teilnehmen. Die Universität Hildesheim und die Hochschule HAWK laden Studieninteressierte mit Fluchterfahrung am Donnerstag, 4. August 2016, zu einer Informationsveranstaltung „Studium nach der Flucht" ein. Die Veranstaltung wird in den Sprachen Deutsch, Englisch und Arabisch angeboten und findet im FORUM der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1) statt. Auch Ehrenamtliche und Multiplikatoren, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, können sich informieren. 

Die Veranstaltung beginnt um 14:00 Uhr in Hörsaal 4 mit der Begrüßung und Vorträgen zum Thema Bildungswege in Deutschland. Danach geben Studierende Einblicke in das Studium nach der Flucht und Fachleute beraten an Info-Tischen über Voraussetzungen für das Studium sowie für eine Ausbildung. Im Anschluss zeigen Studentinnen und Studenten den Studieninteressierten während einer Campusführung die Universität. Beteiligt sind neben dem studentischen Uni-Welcome-Team auch das International Office der Universität, die Hochschule HAWK (Projekt HAWK open), die Agentur für Arbeit, die Handwerkskammer, die Flux-Flüchtlingshilfe, der Verein Asyl e.V. und das Studentenwerk Ostniedersachsen. Interessierte können sich gerne bei Fragen zur Veranstaltung an Steffi Albrecht (Universität, 05121.883-92010, aain@uni-hildesheim.de) und Frauke Drewes (HAWK, 05121.881-603, frauke.drewes@hawk-hhg.de) wenden.

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Beim Schnupperstudium müssen keinerlei Bedingungen erfüllt werden. Das Studium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennen zu lernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen. Mit dem kostenfreien Gasthörerstudium ermöglicht die Uni jungen Erwachsenen außerdem, bereits Credits (Leistungspunkte) zu erwerben, die sie für ein späteres reguläres Studium anrechnen können. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Lehrende und Studierende unterstützen die jungen Erwachsenen dabei, im Uni-Alltag anzukommen und Perspektiven für den weiteren Bildungsweg zu entwickeln. Studierende („Anker-Peers“ und „Welcome-Team“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Universität. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme. Außerdem bilden sie Sprachtandems.

Seit Juni 2016 nehmen junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs inklusive Studienvorbereitung teil. Die Universität Hildesheim und die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) haben insgesamt 15 Stipendien für Geflüchtete vergeben, die studieren möchten. Der Sprachkurs dauert sechs Monate und umfasst jeweils 24 Stunden Deutschunterricht pro Woche plus etwa fünf Stunden Studienvorbereitung pro Woche. Weitere Sprachkurse sind in Planung. Von Mitte September bis Mitte Oktober 2016 bietet die Universität Hildesheim eine vierwöchige „Summer School“ zur intensiven Vorbereitung der Gasthörerschaft an.

Aus der Forschung: Wege an die Universität

Forscher der Universität Hildesheim haben Angebote deutscher Hochschulen für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung untersucht: Die qualitative Erhebung fand an neun deutschen Hochschulen statt, darunter sieben Universitäten und zwei Fachhochschulen. Aus den Befunden der Studie „Studium nach der Flucht?" haben die Autoren 15 Handlungsempfehlungen formuliert. Diese richten sich primär an die Hochschulen selbst, aber auch an die Landes- und Bundespolitik. Die Ergebnisse der Studie finden Sie online.

Was passiert in Hildesheim? Überblick über Projekte an der Uni

Am Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen“ zusammen. Die Sprache lernen, der Zugang zur Universität, Teilhabe durch Sport, Künste und Musik – einen Überblick über Projekte zur Bildungsteilhabe nach der Flucht finden Sie online. Die Projekte sind interdisziplinär und breit gefächert und umfassen Forschung, Transfer in die Praxis, Evaluationen und Begleitung.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge Bildungsintegration
news-12252 Thu, 23 Jun 2016 14:29:00 +0200 Erst angeworben - dann ungeliebt https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/erst-angewor/ Dr. Jörn Thielmann von der Uni Erlangen-Nürnberg spricht im Rahmen der Online-Uni-Vorlesungsreihe über Flucht und Migration. Sein Vortrag "Migration nach Deutschland am Anfang des 21. Jahrhunderts" spannt den historischen Bogen von der Anwerbung durch europäische Staaten bis zu heutigen Fluchtursachen und wird an der Universität Hildesheim live übertragen. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge eCampus news-12242 Sat, 11 Jun 2016 11:58:00 +0200 Flüchtlingskrise und Demokratie https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fluechtlingsk/ Eine Podiumsdiskussion zur Herausforderung der Flüchtlingskrise für unsere Demokratie wird am 15. Juni live aus Trier im Hauptcampus der Uni Hildesheim als Teil einer Online-Ringvorlesung übertragen. Die gesamte Reihe zu Flucht und Migration lässt sich auch über www.online-ringvorlesung.de verfolgen. Pressespiegel regional eCampus Flüchtlinge news-12195 Tue, 07 Jun 2016 13:10:00 +0200 Situation von Flüchtlingen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/situation-vo/ Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Refugee Support veranstaltet die Universität Hildesheim die Hochschulreihe "Refugee Support", bei der unter anderem auch der Sozialbereichsleiter Jürgen Blume zu Gast ist. Neben Zahlen und Fakten thematisiert er auch die sozialpolitische Ausrichtung der Stadt und Fragen der Unterbringung von geflüchteten Menschen im Landkreis. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge news-12230 Tue, 31 May 2016 14:38:00 +0200 "Soziale Hierarchien fallen weg" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/soziale-hie/ Prof. Dr. Vera Volkmann vom Institut für Sportwissenschaft beantwortet Fragen in einem kurzen Interview zum Thema Sport und Integration. Die Professorin spricht von der "integrativen Kraft im Fußball". Das Interview gehört zum Artikel, der die Aussage des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland gegenüber dem deutschen Fußballer Jérôme Boateng thematisiert. Migrationspolitik Pressespiegel regional Sportwissenschaft Flüchtlinge Bildungsintegration Politik news-12142 Thu, 19 May 2016 17:15:00 +0200 Flüchtlinge bekommen eine Stimme https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fluechtlinge/ Das "Refugee Radio Hildesheim" ist ein Projekt von Radio Tonkuhle, bei dem Geflüchtete unter der Leitung der beiden Kulturwissenschaftler Robin Nagler und Sebastian Kunas von der Uni Hildesheim selbst Beitrage produzieren, die zu mehr Akzeptanz und Solidarität aufrufen. So berichten beispielsweise Schulkinder über Fluchterfahrungen und poetische Beiträge werfen ein anderes Licht auf das Ankommen in einem neuen Land. Die beiden Studierenden dienen dabei vor allem als Ansprechpartner und überlassen den Geflüchteten ganz das Wort. Pressespiegel regional Fachbereich 2 Inklusion Flüchtlinge news-12160 Thu, 19 May 2016 16:32:00 +0200 Sudanesischer Abend im Center for World Music https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/sudanesische/ Das Michealis-WeltCafé wird einen sudanesischer Abend entrichten. Dort werden sudanesische Flüchtlinge die Kultur ihres Heimatlandes vorstellen und über Fluchtursachen berichten. Neben Musik und Essen ist auch die Vorstellung einer Reihe von Musikinstrumenten aus dem Kulturkreis durch den Musikethnologen Rolf Irle vom Center for World Music geplant. Pressespiegel regional Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Flüchtlinge Internationales news-12148 Tue, 17 May 2016 15:17:00 +0200 Brücken aus Musik https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/bruecken-aus/ Gemeinsames Singen im Flüchtlingsheim war nur einer von vielen Programmpunkten der Tagung "Brücken bauen durch Musik" in Kooperation mit dem Weltmusikzentrum und Vision Kirchenmusik. Die dreitägige Veranstaltung ist die einzige kirchliche Initiative, die ins bundesweite "Kultur öffnet Welten"-Programm aufgenommen worden. Auf die Herausforderungen, die die Geflüchteten für Deutschland bedeuten, wird hier mit Gesang und fundierten Vorträgen zur Vernetzung von Engagement geantwortet. Pressespiegel regional Center for World Music Flüchtlinge Inklusion news-12143 Sat, 14 May 2016 14:56:00 +0200 Auf studierwillige Flüchtlinge lauert die "BAföG-Falle" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/auf-studierw/ Eine Studie von Juniorprofessor Hannes Schammann und Christin Younso von der Universität Hildesheim untersucht die Bildungschancen für Geflüchtete, die ein Studium anstreben. Als wichtiger Faktor wird dabei das freiwillige Engagement der Mitarbeiter_innen und der Studierenden gewertet. Ob Geflüchtete an deutschen Hochschulen studieren können, ist hauptsächlich von der Studierfähigkeit und der Bleibeperspektive abhängig. Pressespiegel regional Inklusion Flüchtlinge Bildungsintegration Fachbereich 1 news-11831 Fri, 13 May 2016 10:45:00 +0200 Bildungswege: Studium nach der Flucht? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/bildungswege-studium-nach-der-flucht-1/ Forscher der Universität Hildesheim haben Angebote deutscher Hochschulen für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung untersucht: Die qualitative Erhebung fand an neun deutschen Hochschulen statt, darunter sieben Universitäten und zwei Fachhochschulen. Aus den Befunden der Studie „Studium nach der Flucht" haben die Autoren 15 Handlungsempfehlungen formuliert. Diese richten sich primär an die Hochschulen selbst, aber auch an die Landes- und Bundespolitik. Hildesheim – Seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen im Jahr 2015 engagieren sich viele deutsche Hochschulen für Asylsuchende. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Geflüchteten die Aufnahme oder Fortsetzung ihres Studiums ermöglicht werden kann. Es geht darum, Potenziale der neu Zugewanderten zu heben und ihnen eine Perspektive zu geben.

Eine Studie der Universität Hildesheim, gefördert von der Stiftung Mercator, hat die Angebote für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung nun erstmals untersucht. Die qualitative Erhebung fand an neun deutschen Hochschulen statt, darunter sieben Universitäten (Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Freiburg, München, Oldenburg) und zwei Fachhochschulen (Lübeck, Magdeburg-Stendal). Analysiert wurden Ausprägung und Zielgruppen der Angebote, aber auch Konfliktlinien und organisatorische Herausforderungen.

Von der Gasthörerschaft für alle zur Studienvorbereitung für wenige

Im Sinne einer „Soforthilfe“ öffnete die Mehrheit der untersuchten Hochschulen zunächst die Gasthörerprogramme für alle Geflüchteten. Hinzu kamen Deutschkurse, Mentoren-Projekte oder Sportangebote. Ziel war es anfangs vor allem, den Flüchtlingen Beschäftigung im Alltag zu geben. Mittlerweile lässt sich aber eine Konzentration auf das „Kerngeschäft“ der Hochschulen ausmachen: „Die Hochschulen wählen ihre Zielgruppe heute viel bewusster aus als noch vor wenigen Monaten. Dabei spielen Studierfähigkeit und aufenthaltsrechtliche Bleibeperspektive eine wichtige Rolle“, so Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik in Hildesheim und Leiter der Studie. „Die Zeit der reinen Beschäftigungsprogramme ist vorbei.“

Ein Beispiel für diesen Wandel ist die Universität Bremen, die bereits seit 2014 ein Gasthörerprogramm angeboten hatte. Zum Wintersemester 2016 stellt sie ihr Angebot komplett um. Demnächst gibt es ein „Hochschulbüro“ für ganz Bremen, bei dem sich Geflüchtete beraten lassen können.

Engagement von Mitarbeitenden und Studierenden treibt Öffnung voran

Alle untersuchten Angebote haben ihre Wurzeln im freiwilligen Engagement von Studierenden, Dozierenden oder Verwaltungsmitarbeitenden. Ihre Motivation ist es, sich an der Flüchtlingsaufnahme beteiligen zu wollen, wie ein Zitat aus einem der Interviews belegt: „Es geht um Humanität. Also ernst gemeinte Integration.“

Kooperationen notwendig – aber ausbaufähig

Bislang werden Synergien mit Integrationsangeboten außerhalb des Campus nur punktuell genutzt, vereinzelt entstehen sogar Konkurrenzen. Besuchen anerkannte Flüchtlinge beispielsweise einen Deutschkurs an der Hochschule anstatt des offiziellen Integrationskurses des Bundes, kann das dazu führen, dass sie gegen ihre „Integrationskurspflicht“ verstoßen – und Leistungen gekürzt werden. Hannes Schammann betont daher: „Es ist wichtig, dass sich Hochschulen als Teil der lokalen Flüchtlings- und Integrationsarbeit begreifen.“

Auffällig ist, dass die untersuchten Fachhochschulen wesentlich intensiver mit Akteuren aus der Praxis zusammenarbeiten als die Universitäten. In Magdeburg-Stendal steht eine intensive Kooperation mit dem JobCenter im Vordergrund, in Lübeck die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. „Von den effizienten Kooperationen zwischen Fachhochschulen und Integrationspraxis können die Universitäten lernen“, so Schammann.

Empfundene Rechtsunsicherheit hemmt Öffnungsprozesse

Das Leben geflüchteter Studieninteressierter ist durch besondere rechtliche Herausforderungen gekennzeichnet. Wegen der „Wohnsitzauflage“ haben sie manchmal besonders lange und umständliche Anfahrtswege. Außerdem haben sie selbst nach erfolgreicher Anerkennung als Flüchtling erhebliche Schwierigkeiten, um das Studium zu finanzieren: Sie erhalten wegen der kurzen Zeit in Deutschland selten BAföG, verlieren aber bei einer Immatrikulation alle Sozialhilfeansprüche („BAföG-Falle“). An den untersuchten Hochschulen war vor diesem Hintergrund eine große Unsicherheit hinsichtlich rechtlicher Spielräume festzustellen. Da es bislang kaum Leitlinien für die Verwaltungspraxis gibt, wird eine zurückhaltende, tendenziell restriktive Auslegung begünstigt. Schammann: „Die Hochschulen wünschen sich hier Hilfe von Bund und Land.“

Weg ins Studium ist weit

Die rechtlichen Hürden und die notwendigen Sprachkenntnisse bedeuten, dass der Weg ins Studium für die meisten Flüchtlinge noch weit ist. „Die Hochschulen warnen daher vor der überzogenen Erwartung, sie könnten eine Art ‚Integrationsturbo‘ sein“, so Schammann. Die untersuchten Hochschulen stellten sich daher auf einen langen Prozess ein. Dies unterstreicht ein Zitat aus den Interviews: „Rasches Futter für die Wirtschaft kann nicht geliefert werden.“

Handlungsempfehlungen für Hochschulen und Politik

Aus den Befunden haben die Autoren gemeinsam mit Praktikern 15 Handlungsempfehlungen formuliert. Diese richten sich primär an die Hochschulen selbst, aber auch an die Landes- und Bundespolitik. Die Handlungsempfehlungen können, wie die gesamte Studie, unter diesem Link als PDF abgerufen werden.

Die Stiftung Mercator engagiert sich für mehr Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schul- und Hochschulsystem und hat die Studie vor diesem Hintergrund unterstützt. „Bildung ist die zentrale Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie ist daher auch für die Integration von Flüchtlingen elementar. Viele Geflüchtete bringen großes Interesse an einem Studium mit, dem die deutschen Hochschulen verantwortungsvoll begegnen können. Die von uns geförderte Studie hat hierfür einige wichtige Ansatzpunkte identifiziert", sagt Dr. Felix Streiter,  Leiter Bereich Wissenschaft der Stiftung Mercator.

Die Autoren: Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim / Christin Younso, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Migrationspolitik Pressemeldungen Sozialwissenschaften Politik Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge
news-12136 Thu, 12 May 2016 13:12:00 +0200 "Flüchtlingsproblem nicht im Alleingang lösen" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fluechtlings/ Im Anschluss an den Vortrag des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius konnten Studierende wie Dozierende und externe Gäste der Universität Hildesheim Fragen zur niedersächsischen Asylpolitik stellen. Die Bereitstellung von Unterkünften und Wohnungen, sowie das soziale Engagement der Bevölkerung und die Integration an den Schulen wurden thematisiert, wobei sich Pistorius unter anderem für eine Residenzpflicht aussprach und die fehlende Solidarität der europäischen Staaten bemängelte. Pressespiegel regional Flüchtlinge Inklusion news-12114 Wed, 11 May 2016 15:44:00 +0200 Boris Pistorius spricht über Flucht und Asyl https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/boris-pistor/ Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius hält im Rahmen der Ringvorlesung "Refugee Support" an der Universität Hildesheim einen Vortrag über Flucht und Asyl. Die Veranstaltung soll Diskussionen ermöglichen und rechtliche, politische und soziale Perspektiven der Flüchtlingshilfe vorstellen. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge news-12078 Fri, 22 Apr 2016 13:00:00 +0200 Uni-Tagung zum Thema Integration von Flüchtlingen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/uni-tagung-z/ Unter dem Motto "Lernen statt warten" widmet sich eine Konferenz zur Integration von Geflüchteten deren Zukunftsperspektiven an Bildungseinrichtungen. Die Professorin für Diversity Education an der Universität Hildesheim, Viola B. Georgi, plädiert dafür, an die individuellen Vorkenntnisse der jungen Geflüchteten anzuknüpfen. Ein wichtiges Thema ist unter anderem auch die Vermittlung der deutschen Sprache. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Zentrum für Bildungsintegration Inklusion Flüchtlinge Lehrerbildung Bildungsintegration news-11719 Wed, 20 Apr 2016 18:11:00 +0200 Nach der Flucht: Lernen statt warten https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/nach-der-flu/ Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle: Lehramtsstudierende unterstützen Erwachsene und Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Weitere Studierende können mitwirken – ab sofort kann man sich anmelden. Seit Mitte Oktober 2015 gehen Studentinnen und Studenten jeden Tag in eine Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Sie unterstützen Erwachsene und ihre Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache.

Bisher haben die etwa 150 Menschen, darunter viele Familien, die Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung mit Warten verbracht. „Wir wollen die Zeit nutzen, um miteinander und voneinander zu lernen“, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert. Katharina Melzner leitet den Sprachunterricht und studiert „Deutsch als Zweitsprache“ in Hildesheim. Für Lehramtsstudierende ist dieser Rahmen hilfreich: sie müssen nicht allein einen Sprachkurs auf die Beine stellen, sie vernetzen sich, tauschen sich über Unterrichtsmaterialien aus und die Arbeit liegt auf vielen Schultern verteilt.

Parallel zum Elternkurs gestalten die Studentinnen und Studenten ein Sprachlernangebot für Kinder und Jugendliche (0 bis 12 Jahre).

Lehramtsstudierende aller Fächer können im Rahmen des Projekts ihr Sozialpraktikum absolvieren oder die Leistungspunkte für das Lehramtsstudium (Master, Optionalbereich) erwerben. Außerdem ist es möglich, auf Antrag das Zertifikat für bilinguales Lehren und Lernen zu erhalten. Studierende können im Sprachlernprojekt mitwirken (alle Infos online). Das Projekt wird vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium und der Lotto-Sport-Stiftung gefördert und 2016 durchgängig fortgeführt.

Der nächste Starttermin für das zehnwöchige Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle ist Ende Mai 2016, dann wieder im Oktober 2016. Wer in dem Projekt mitwirken möchte, kann Annette Lützel unter 05121.883-90018 oder sprachlernprojekt@uni-hildesheim.de kontaktieren.

Interview: Nachgefragt bei Marie-Therese

Eine der ersten, die seit Oktober im Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle mitwirkt, ist Marie-Therese Brammer. Die 22-Jährige studiert Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch an der Universität Hildesheim.

Wie sieht dein Alltag aus?

Marie-Therese: Gemeinsam mit weiteren Lehramtsstudierenden fahre ich mit dem Bus zur Erstaufnahmestelle. Da die Anbindung in das Gewerbegebiet nicht so gut ist, bilden wir auch oft Fahrgemeinschaften. Das geht, wir kommen irgendwie immer hier an. Der Sprachunterricht findet an jedem Nachmittag statt. Ich bin seit Oktober immer montags und dienstags hier, bis Ende des Jahres. Wir bauen den Speiseraum für das Sprachenlernen um, schieben die Tische zusammen, wir haben hier keinen extra Raum für den Sprachunterricht. Dann kommen auch nach und nach schon die Teilnehmer, manche bringen ihre kleinen Kinder mit.

Wie fängt man an? Ihr arbeitet sehr nah am Alltag. Wer bin ich, wie heiße ich – ihr greift viele Alltagsthemen auf.

Das ist richtig. Die Teilnehmer am Sprachkurs sprechen Arabisch, Serbisch, wenige sprechen Englisch. Wir versuchen mit Bildern, Händen und Füßen die Vokabeln zu vermitteln. Wir gehen zum Beispiel einkaufen und lernen dabei die Begriffe für die Lebensmittel – das Ei, die Milch, eine Tomate, ein Salat. Oder wir sprechen über die Uhrzeiten – was bedeutet „Viertel vor“? Heute ging es um den Familienstammbaum: Mutter, Vater, Kinder – wir haben uns die Stammbäume aufgemalt. Das ist manchmal auch sehr persönlich. Aber das geht, weil wir auch in Kleingruppen arbeiten und uns zu zweit unterhalten. Heute habe ich mit einem Mann aus Syrien gesprochen, er ist mit seiner ganzen Familie hier in Hildesheim und hat aufgezeichnet, wie seine Kinder, seine Eltern heißen. Ich habe erfahren, dass er 13 Geschwister hat. Da musste ich erstmal nachfragen – wirklich? Fünf Brüder und acht Schwestern. Wir verstehen uns gut, man lernt sich kennen, mit Händen und Füßen, er spricht ganz wenig Englisch.

Neben dem Sprachkurs – klassisch am Tisch mit einer improvisierten Tafel, Zetteln und einem Stift – lernt ihr die Sprache auch in der Freizeit. Ihr erkundet die Stadt Hildesheim, ihr geht einkaufen, ihr wollte zusammen kochen.

Einmal in der Woche gibt es ein Freizeitangebot. Wer in der Erstaufnahmestelle ankommt, hat bisher noch wenig von Deutschland kennen gelernt. Wir sind der erste Kontakt. Wir gehen raus, lernen Vokabeln im Alltag und wenden sie an.

Man kann die Sprache auch mit technischen Mitteln lernen: Es gibt Apps zum Sprachenlernen, Übersetzungsprogramme. Ihr könntet auch einen Tag in die Erstaufnahmestelle kommen, jedem ein Smartphone in die Hand drücken, erklären, wie der Online-Sprachkurs funktioniert und dann seid ihr wieder weg und lasst die Menschen hier allein. Das ist aber nicht der Ansatz dieses Sprachlernprojekts. Ihr verbringt Zeit miteinander, wollt zusammenkommen. Man lacht zusammen, man ist traurig, wenn man erfährt, dass Familienangehörige nicht mehr leben. Was lernst du dabei?

Man verfolgt das sonst nur im Fernsehen, dass Menschen nach Deutschland fliehen. Hier in den Räumen der Erstaufnahmestelle, beim Sprachenlernen passiert viel Menschliches. Ich finde es sehr spannend zu erleben, wie es funktioniert, sich auszutauschen. Auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht, klappt die Verständigung. Es bringt uns allen viel, wir sind angehende Lehrerinnen und Lehrer. Wenn ich später im Klassenzimmer unterrichte, werde ich auch Kinder unterstützen, die noch kein Wort Deutsch sprechen.

Ist die Frage, wie lernt man als Erwachsener die deutsche Sprache als zweite Sprache für dich frisch und ungewohnt oder hast du dich damit schon im Studium beschäftigt?

Im Bachelor-Studium habe ich einige Seminare im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ besucht. Man lernt, wie es sein müsste – aber dann fehlt die praktische Erfahrung. In den Schulpraktika habe ich mit Kindern und Jugendlichen gelernt, die in einer Phase ihres Lebens sind, in der sie sowieso zur Schule gehen und lernen. Deshalb finde ich es sehr interessant, dass ich in dem Sprachlernprojekt nun mit Erwachsenen arbeiten kann und erfahre, wie das abläuft. Die Arbeit in der Erstaufnahmestelle kann ich mir für mein Studium anrechnen lassen, zum Beispiel als Praxisteil für das „Bilinguale Zertifikat“.

Du bist jetzt im Masterstudium und startest bald in den Beruf. Freust du dich auf die Herausforderung? Fühlst du dich überfordert oder suchst du nach Wegen, wie man mit Vielfalt umgehen kann?

Mein Ziel ist, in Niedersachsen zu unterrichten. Ich freue mich da wirklich drauf. Die Vielfalt an Schulen wird immer sichtbarer, ich interessiere mich sehr für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wir können an der Universität in Hildesheim das Masterstudium um ein Jahr verlängern und uns im DAZ-Bereich spezialisieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Interview-Serie über das Sprachenlernen wird fortgeführt. Nächstes Mal: Nachgefragt bei Erwachsenen: Wie erleben sie das Erlernen der deutschen Sprache?

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Studierendenportal Flüchtlinge Lehrerbildung Bildungsintegration
news-12038 Sat, 16 Apr 2016 13:10:00 +0200 Hochschulen starten Online-Vorlesung über Migration https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/hochschulen-2/ Mit einem Vortrag zur Flüchtlingspolitik in Deutschland von Hannes Schammann beteiligt sich die Universität Hildesheim an einer Online-Ringvorlesung zur wissenschaftlichen Weiterbildung. Gemeinsam mit anderen Hochschulen werden Vorträge zu Migration per Videokonferenz in die Hörsäle der Beteiligten übertragen. Die bundesweite Veranstaltungsreihe richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger sowie besonders auch an Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Pressespiegel regional Veranstaltungen Vernetzung Inklusion eCampus Flüchtlinge news-12033 Sat, 16 Apr 2016 12:55:00 +0200 Musikschule bekommt 150 000 Euro https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/musikschule/ Es geht um gesellschaftspolitische Verantwortung: Dank der neu gegründeten Kultur-Koordinationsstelle Mackensenkaserne arbeiten die Musikschule, die Uni Hildesheim, der ASB, die Cluster Sozialagentur und das Weltmusikzentrum inzwischen gemeinsam an musikalischen Projekten der Flüchtlingshilfe. Als Willkommensgruß in der Weltsprache Musik versteht der Musikschulleiter Detlef Hartmann die Angebote, die vom Bau einer eigenen Cajon bis zu Musik&Yoga-Kursen reichen. Pressespiegel regional Kulturpolitik Flüchtlinge Inklusion news-11979 Wed, 06 Apr 2016 14:02:00 +0200 "Zu wenig Zeit für die Probleme der Schüler" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/zu-wenig-ze/ Beim Niedersächsischen Beratungslehrerkongress an der Universität Hildesheim wird die Unterstützung und die Beratung von Schüler_innen diskutiert. Gewalt, Mobbing, Lernschwierigkeiten und auch der Umgang mit Traumatisierung, etwa bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen, bilden einen Schwerpunkt. Professor Norbert Grewe kritisiert als Ausbildungsleiter die geringe Versorgung der Schulen mit entsprechendem Personal. Doch selbst wenn Beratungslehrer_innen eingestellt sind, reichen die vorgesehenen Wochenstunden oftmals nicht aus. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge news-11958 Fri, 01 Apr 2016 12:03:00 +0200 Mit 72 Jahren in den Hörsaal https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/mit-72-jahre/ Etwa 160 Gasthörer_innen im Alter von 21 bis 90 nutzen an der Universität Hildesheim die Chance zur Weiterbildung. Auch der 72-jährige Hans-Joachim Holz besucht als Gasthörer Vorlesungen im Bereich Geschichte, Soziologie, Philosophie und Politik. Neben Senior_innen studieren so auch Geflüchtete an der Uni, die sich auf diese Weise mit der Wissenschaftssprache vertraut machen können und ihre Ausbildung fortsetzen. Die Gasthörer_innen kommen teilweise von weit her. Nur etwa 60 Prozent haben bereits ein Studium absolviert. Pressespiegel regional Bildungsintegration Flüchtlinge news-11935 Mon, 21 Mar 2016 15:26:00 +0100 Für das Leben lernen - aber ohne Mindeststandards? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fuer-das-lebe/ "Nach der Flucht: Bildungspartizipation neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher": Die Jahreskonferenz des Zentrums für Bildungsintegration an der Uni Hildesheim setzt den Schwerpunkt auf Bedarfsanalysen und Strategien zur Beteiligung. Professorin Viola Georgi engagiert sich für Mindeststandards, die bei der Inklusion von Kindern mit Fluchterfahrung angewendet werden sollen. Bislang sind der Umgang und die Förderung in jedem Bundesland unterschiedlich, wobei die einzelnen Schulen viel Eigenverantwortlichkeit aufbringen müssen. Pressespiegel regional Inklusion Flüchtlinge Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration news-11931 Thu, 17 Mar 2016 13:49:00 +0100 Uni-Konfernez soll Bildungswege für Flüchtlinge bündeln https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/uni-konferne/ Eine Konferenz am 22. April an der Universität Hildesheim hat die Betreuung von geflüchteten Kindern in Schulen und Kindergärten zum Thema. Verschiedene Modelle der Beschulung und Konzepte von Kindertageseinrichtungen werden vorgestellt und untersucht. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Praktiker_innen und politische Verantwortliche und wird durch die Bundesbeauftragte für Migration und die Bertelsmannstiftung unterstützt. Pressespiegel regional Inklusion Flüchtlinge news-11926 Tue, 15 Mar 2016 14:57:00 +0100 Immer mehr Flüchtlinge wollen studieren https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/immer-mehr-f/ An der HAWK wurde inzwischen eine zentrale Beratungsstelle für die vielen Geflüchtete eingerichtet, die ein Studium an einer deutschen Hochschule anstreben. Auch an der Universität Hildesheim ist die Nachfrage groß. Eine Zusammenarbeit der beiden Hochschulen existiert, zusätzliche Drittmittel stehen bereit. Für rund ein Viertel der vielen Interessierten, die bereits die Infoveranstaltungen besuchen konnten, kommt ein Hochschulstudium in Frage. Schwierigkeiten bereiten oftmals die Sprachkenntnisse oder der Zugang zu Zeugnispapieren. Pressespiegel regional Bildungsintegration Flüchtlinge Inklusion news-11879 Thu, 10 Mar 2016 11:51:00 +0100 Malen mit Noten und Sprechen ohne Worte https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/malen-mit-no/ Seit drei Jahren existiert "Makatumbe" als Band. Als ehemaliges Projekt von Studierenden des Weltmusik-Masters an der Uni Hildesheim, hat sich das Ensemble inzwischen zum Quartett weiterentwickelt. Die tanzbaren "World Groove" - Songs changieren zwischen Arrangements und Impro-Teilen und passen sich so der Stimmung des Publikums an. Die Band spielte bereits auf zahlreichen Solo-Konzerten und auch in Flüchtlingsheimen, wo sie mit ihrer Musik ein Zeichen setzen wollen. Pressespiegel regional Musik und Musikwissenschaft Flüchtlinge news-11874 Wed, 09 Mar 2016 10:38:00 +0100 Uni: Studienoption für Flüchtlinge https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/uni-studien/ Bei einer Infoveranstaltung der Universität Hildesheim konnten sich Geflüchtete, Ehrenamtliche und Mitarbeiter_innen der Flüchtlingshilfe über die Möglichkeiten eines kostenlosen Gasthörerstudiums "nach der Flucht" informieren. Das Angebot ist darauf ausgelegt, Studienstrukturen kennenzulernen und die deutsche Sprache zu erlernen. Pressespiegel regional Inklusion Flüchtlinge news-11873 Tue, 08 Mar 2016 10:31:00 +0100 "Das europäische Haus brennt" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/das-europaei/ Während Griechenland immer noch unter der Eurokrise leidet, kommt mit der Einwanderung von Geflüchteten über die griechische Ägais-Grenze ein weiteres Problem hinzu. Professor Athanassios Pitsoulis von der Universität Hildesheim berichtet von bis zu 250 Menschen, die täglich auf nur einer von zahlreichen Inseln ankommen. Pitsoulis erinnert die Situation an seine Zeit im griechischen Militärdienst vor rund 20 Jahren. Ein Konfliktpotenzial zwischen der Türkei und Griechenland besteht nach wie vor. Pressespiegel regional Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Flüchtlinge news-11774 Mon, 22 Feb 2016 11:36:00 +0100 Deutschlehren will gelernt sein https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/deutschlehre/ Die Uni Hildesheim hat beim Wissenschaftsministerium das Projekt "Sprachlernunterstützung für neu eingereiste Flüchtlinge" beantragt. Hier können Lehramtsstudierende ein zehnwöchiges Sozialpraktikum ablegen, bei dem die Gestaltung von Deutschunterricht für Geflüchtete vermittelt wird. Danach können die Lernamtsstudierenden auch während ihres Studiums Deutschkurse anbieten, etwa an der VHS, wo dringend Lehrkräfte gesucht werden. Trotz zahlreicher Online-Materialien sind ehrenamtlichen Helfer_innen oft von einer koordinierten Herangehensweise an die Sprachvermittlung überfordert. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge Zentrum für Bildungsintegration news-11644 Sat, 13 Feb 2016 15:44:00 +0100 Wie aus Sorge Hilfsbereitschaft wird https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/wie-aus-sorg/ In Achtum hat sich mit der Ankunft von geflüchteten Menschen ein Netz aus Hilfsbereiten gebildet, die die Neuankömmlinge mit Spenden und Informationstreffen unterstützen. Außerdem wurde ein Deutschkurs eingerichtet, bei dem auch eine Studentin der Uni Hildesheim mit ihren Kurdisch-Kenntnissen hilft. Pressespiegel regional Inklusion Flüchtlinge news-11643 Sat, 13 Feb 2016 15:29:00 +0100 Ist Hildesheim nicht attraktiv genug? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/ist-hildeshe/ Bei dem von der CDU organisierten Zukunftsforum diskutierten die Anwesenden neben der Attraktivität ihrer Stadt auch darüber, wie die Integration der Geflüchteten gelingen kann. Betont wurde dabei die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Volkshochschule und Universität. Zunächst habe jedoch die Suche nach neuen Unterkünften Vorrang vor anderen Projekten, kündigte Renate Pischky-Winkler, Beauftragte für Demografie und Inklusion, an. Die Arbeit von Ehrenamtlichen dürfe außerdem nicht die gesetzlichen Verpflichtungen ersetzen, erklärte die Fachbereichsleiterin Familie, Bildung und Sport Martina Donat. Pressespiegel regional Inklusion Flüchtlinge news-11638 Thu, 11 Feb 2016 14:27:00 +0100 Musikschule setzt auf Musical und Ukulele https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/musikschule-1/ Die Musikschule Hildesheim möchte unter der neuen Leitung von Detlef Hartmann eine Zusammenarbeit mit der Universität Hildesheim und dem Weltmusikzentrum anstreben, um Projekte für die Bewohner_innen der Mackensen-Kaserne zu organisieren. Mit der nahe der Musikschule befindlichen Flüchtlingsunterkunft soll es zu einem "wahrhaftigen Kulturaustausch" kommen. Pressespiegel regional Kulturpolitik Center for World Music Bildungsintegration Inklusion Flüchtlinge news-11637 Thu, 11 Feb 2016 12:44:00 +0100 Online-Infos zur Flüchtlingshilfe in leichter Sprache https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/online-infos/ Der Norddeutsche Rundfunk hat in Zusammenarbeit mit Studierenden und Dozierenden der Uni Hildesheim aus den Bereichen Medienübersetzen / Sprache und Technik einen Online-Flüchtlingsguide erstellt. Auf der Internetseite sind die wichtigsten Informationen für Erwachsene und Kinder zugänglich, die erst seit kurzem in Deutschland leben. Die Texte sind in standarddeutscher, englischer und in leichter Sprache verfasst und lassen sich mithilfe von Online-Übersetzungsprogrammen in weitere Sprachen übersetzen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Inklusion Flüchtlinge news-11612 Mon, 08 Feb 2016 14:09:00 +0100 Das Zinsniveau macht Stiftung zu schaffen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/das-zinsnive/ Juniorprofessor Hannes Schammann verzichtete bei einem Gastvortrag für das von der Bürgerstiftung Bockenem/Ambergau veranstaltete Bürgermahl auf sein Honorar. Insgesamt konnten rund 3000 Euro für Förderprojekte eingenommen werden. Der Professor von der Uni Hildesheim hatte zum Thema "Grenzen des Engagements? Freiwillige in der Flüchtlingsarbeit" gesprochen. Schammann empfiehlt das Engagement vor allem auf eine Sache zu richten, die Arbeit als Freiwillige dürfe niemanden überfordern. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Bürgergesellschaft Flüchtlinge news-11590 Thu, 04 Feb 2016 17:27:00 +0100 Freiwillig ins Elend https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/freiwillig-i/ Anika Menze studiert an der Universität Hildesheim und hilft, gemeinsam mit dem voluntiere Team, die unmenschlichen Bedingungen in den wilden Flüchtlingscamps entlang der Grenzen in Griechenland und Frankreich zu verbessern. Trotz einiger Rückschläge möchte sich die 21-jährige nach Aktionen in Idomeni und in Calais weiter für die Menschen in Not einsetzen. Eine Spende unterstützt die Bereitstellung von notwendigen Unterkünften und weitere Hilfseinsätze www.voluntiere.de. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge news-11573 Sat, 30 Jan 2016 12:30:00 +0100 Kultur für die Flüchtlinge in der Kaserne https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/kultur-fuer-d/ Die neu gegründete Koordinationsstelle in der Musikschule soll Kulturangebote für die in der Mackensen-Kaserne untergekommenen Geflüchteten bündeln und bereitstellen. Kooperationspartner sind die Musikschule, die Universität Hildesheim und der Arbeiter-Samariter-Bund Hannover. Parallel untersucht der Unesco-Lehrstuhl der Universität den Dialog zwischen Kultur-und Bildungsinstitutionen und wie Kunst und Kultur den Integrationsprozess fördern kann. Pressespiegel regional Kulturpolitik Center for World Music Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Inklusion Flüchtlinge news-11218 Wed, 20 Jan 2016 15:20:00 +0100 Zwischen Kunst und Politik https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/zwischen-kunst-und-politik/ Im Seminar „Zwischen Kunst und Politik. Kulturprojekte mit Flüchtlingen“ haben sich Studierende auf die Suche nach künstlerischen Projekten in der Region begeben, die mit Menschen mit Fluchterfahrungen zusammenarbeiten. Am 27. Januar stellen sie in einer Ausstellung Ergebnisse vor. Am Abend spricht ein Politikwissenschaftler über „Globalisierung und Flucht“: Der öffentliche Vortrag ist Teil einer Qualifizierungsmaßnahme für ehrenamtlich Helfende in der Flüchtlingsarbeit, die vom Landkreis und der Stadt Hildesheim organisiert wird. Die Flüchtlingspolitik Deutschlands und Europas ist ein heftig diskutiertes Thema, nicht nur in Politik und Medien, sondern auch unter Künstlerinnen und Künstlern und Aktivistinnen und Aktivisten. Im Seminar „Zwischen Kunst und Politik. Kulturprojekte mit Flüchtlingen“ haben sich Studierende des Instituts für Sozialwissenschaften und des Instituts für Kulturpolitik auf die Suche nach künstlerischen Projekten gemacht, die Menschen mit Fluchterfahrungen zum Ausgangs- und Mittelpunkt ihrer Arbeit machen.

Damit treffen die Projekte den Nerv der Zeit. Aber welchen Beitrag zur Diskussion leisten sie? Welche Ideen werden wo umgesetzt? Welche Haltungen im Umgang miteinander lassen sich in ihnen nachweisen? Verändern sich die Akteure im Laufe der Zeit? Gibt es Anbindungen an Kultur- und Bildungsinstitutionen? Welche Resonanz in Medien und Stadtgesellschaft erfährt das Projekt?

Die Studentinnen und Studenten sind solchen Fragen nachgegangen. In Kleingruppen haben sie ausgewählte Projekte in der Tiefe analysiert und dazu auch mit den Protagonisten Kontakt aufgenommen.

Die Ergebnisse der systematischen Untersuchung haben sie als eigenes künstlerisches Projekt aufbereitet: In einer Ausstellung mit performativen und musikalischen Beiträgen, begehbaren Installationen, Audio- und Filmeindrücken wird erlebbar wie Kunst und Kultur sich derzeit in der Flüchtlingsdebatte positionieren. Auch die Künstlerinnen und Künstler selbst werden vor Ort sein: Filmemacher bitten zum Gespräch, Musiker geben Kostproben ihres Könnens, Bücher hängen von der Decke, Fotografen diskutieren über ihre Bilder und vieles mehr.

Die Ausstellung findet ausschließlich am 27. Januar 2016 von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr im Burgtheater (Hs52/001) auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim statt. Der Eintritt ist kostenfrei. Geleitet wird das Seminar von Professor Hannes Schammann vom Institut für Sozialwissenschaften und Nina Stoffers vom Institut für Kulturpolitik.

Zusätzliche Angebote: Vortrag „Globalisierung und Flucht“ und Workshop Theaterimprovisation

Im Anschluss an die Ausstellung findet am 27. Januar 2016 ein Vortrag zum Thema „Globalisierung und Flucht“ von Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, statt. Der Vortrag beginnt um 20:00 Uhr auf der Domäne im Hohen Haus (Raum Hs 50/202). Der öffentliche und kostenfreie Vortrag ist Teil einer Qualifizierungsmaßnahme für ehrenamtlich Helfende in der Flüchtlingsarbeit, die vom Landkreis und der Stadt Hildesheim organisiert wird.

Am Donnerstag, 28. Januar 2016, um 18:00 Uhr, findet auf dem Uni-Hauptcampus in Fortsetzung der Ausstellung ein Workshop des Berliner „Refugee Club Impulse“ statt. Darin werden die Referenten Methoden der Theaterimprovisation und des Creative Writing vorstellen, die gezielt auf ein „Empowerment“ von geflüchteten Menschen abzielen. Eine Anmeldung für den Workshop kann bei der Ausstellung erfolgen oder per E-Mail an Prof. Dr. Hannes Schammann (hannes.schammann[at]uni-hildesheim.de) und Nina Stoffers (stoffers[at]uni-hildesheim.de).

]]>
Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Kulturpolitik Flüchtlinge
news-11462 Sat, 16 Jan 2016 14:19:00 +0100 Thema: Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/thema-integ/ Die Hildesheimer Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer (Grüne) hat zu einem Fachgespräch zum Thema „Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt" in die Volkshochschule eingeladen. Eine Einleitung ins Thema gab Professor Dr. Hannes Schammann, Migrationsforscher der Universität Hildesheim. Migrationspolitik Pressespiegel regional Sozialwissenschaften Politik Forschung Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge news-11375 Mon, 11 Jan 2016 14:19:00 +0100 ,,Das kann Söhlde besser" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/das-kann-s/ Jugendkriminalität, Wahlbeteiligung und die Dorfgemeinschaft waren Themen beim Söhlder Neujahrsempfang des Ortsrates. Um ein Zeichen für ein größeres Miteinander zusetzen, beschreitet die Oberschule Söhlde besondere Wege und setzt auf Dorfkooperationen. Neben diversen Gemeinschaftsaktionen bietet die Schule ihren Schülern moderne Unterrichtsformate. So gibt es in Sachen Tablet­Klassen eine Kooperation mit der Universität Hildesheim. Die Schule ist nahezu komplett mit W-Lan ausgestattet. Derzeit werden fünf Flüchtlingskinder an der Schule unterrichtet, zwei weitere sollen noch hinzukommen. Pressespiegel regional Bildungsintegration Flüchtlinge Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Forschung Zentrum für Bildungsintegration news-11131 Tue, 05 Jan 2016 15:16:00 +0100 Begegnung auf dem Postweg https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/begegnung-au/ Wer nicht anfängt, kann nichts verändern: In studentischen Gremien, im Studierendenparlament und beim Allgemeinen Studierendenausschuss kann man etwas bewirken, sagen Svenja Brakebusch und Robert Rathke. Manchmal, sind es die kleinen Gesten die zählen – und mehr wiegen als Geld. Studierende der Universität Hildesheim haben Geschenkpakete für Familien gestaltet, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben. Manchmal sagen Worte sehr viel – und weitaus mehr als Geld: Auf der Rückseite eines Fotos von Studierenden steht:

„Wir wünschen dir frohe Weihnachten! Wenn du möchtest, würden wir dich gerne einmal treffen.“

Unter der Nachricht haben die Studierenden ihre Kontaktdaten geschrieben. Lasst uns treffen, das ist die Botschaft, die die jungen Erwachsenen an Familien senden, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben.

Von dieser Idee ist die Studentin Svenja Brakebusch beeindruckt. „Das finde ich total cool, dass man den Mut hat und sagt: So, ich würde dich gerne kennen lernen. Du bist neu hier? Ich bin gerne dein Ansprechpartner in dieser Stadt.“

Umgeben von Schuhkartons stehen Svenja Brakebusch und Robert Rathke in einem Uni-Büro. Die beiden studieren an der Universität Hildesheim Lehramt und haben gemeinsam mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), dem Studierendenparlament (StuPa) und in Zusammenarbeit mit dem Hildesheimer Migrationsverein Asyl e.V. Geschenke für Kinder und Jugendliche gesammelt, die nach der Flucht mit ihren Familien oder alleine in Hildesheim angekommen sind. Im Dezember haben sie Studierende und Lehrende dazu aufgerufen, ein Päckchen zu packen: Die Pakete sind in Geschenkpapier umhüllt, liebevoll bemalt, enthalten Spielsachen, Kleidung, Schreib- und Schulmaterialien, dazu handgeschriebene Briefe und Karten. Auf dem Paket kleben kleine Zettel mit einer Altersangabe.

Bis zur Decke stapeln sich die etwa 150 Pakete, täglich wurden es in den letzten Dezemberwochen mehr, bevor sie an Familien in Hildesheimer Flüchtlingsunterkünften verteilt wurden.

„Mit herzlichen Grüßen für ein gutes neues Jahr in Sicherheit und Gesundheit“

steht auf einer Karte in deutscher und englischer Sprache.

Von der Resonanz sind sie überwältigt. „Es ist eine kleine Geste, wir wollen hier vor Ort in Hildesheim etwas tun. Die Leute stehen in unserem Büro: mit welcher Freude sie die Geschenke mitbringen“, sagt Svenja Brakebusch.

Die 23-jährige Lehramtsstudentin engagiert sich seit drei Jahren im Studierendenparlament der Uni. „Wir haben viele Spenden bekommen, auch große Tüten mit Kuscheltieren. Und Mädchen-Schnick-Schnack, Haarbänder, Fußbälle, Lego-Trecker, etwas Süßes mit dazu.“ Außerdem wurden Schulsachen, Stifte, Radiergummis, erste Lesebücher, Anspitzer und Spielzeug eingepackt, ergänzt Robert Rathke. „Die Studierenden haben sich viele Gedanken gemacht, wir haben mit 20 Paketen gerechnet und stehen hier jetzt mit achtmal so viel.“ Die Pakete enthalten auch Grüße und Glückwünsche für das neue Jahr in verschiedenen Sprachen.

„Der große Dank geht an die Studierenden, die sich an solchen Aktionen beteiligen“, sagt Rathke, der an der Universität Lehramt mit den Fächern Wirtschaft, Geschichte und Evangelische Theologie studiert. Seine Hoffnung ist nun, dass über einzelne Feiertage hinaus Freundschaften und Begegnungen entstehen – zum Beispiel durch die Fotokarte mit der handgeschriebenen Einladung: „Lasst uns einmal treffen!“.

Studierende, sagt Robert Rathke, „können die Kompetenzen, die sie an der Universität erwerben, zum Beispiel in den Sprachwissenschaften und im Lehramt, auch im Alltag nutzen und sich einbringen“. Lehramtsstudierende gehen zum Beispiel seit Herbst 2015 in eine Hildesheimer Erstaufnahmestelle und lernen mit Erwachsenen und Familien die deutsche Sprache. 

Studierende aller Fachbereiche können beim Ankommen in der Universität mit Rat zur Seite stehen, sagt Svenja Brakebusch. „Wo muss ich hin, wie stelle ich einen Stundenplan zusammen, was muss ich beantragen, wo sind die Gebäude, in denen das Seminar stattfindet? Wie komme ich zur Universität? Im Alltag geht es darum, zu sagen: ‚Komm doch einfach mit, wir machen das zusammen.‘ Es ist eigentlich gar nicht viel, aber es hat eine riesen Wirkung.“ Das Ziel sei, dann gemeinsam im Hörsaal zu sitzen – um zu lernen.

Studentisches Engagement:

Wer sich für die Mitarbeit in den studentischen Gremien interessiert, kannst sich an Svenja Brakebusch und Robert Rathke wenden. Informationen zum Studierendenparlament findet man online. Den Allgemeinen Studierendenausschuss erreicht man zum Beispiel per E-Mail (kontakt[at]asta-hildesheim.de) und telefonisch unter 05121.883-90184. „Studierende können gerne mit ihren Ideen auf uns zukommen, wir helfen mit Infrastruktur weiter“, sagt Svenja Brakebusch. „Ich lerne hier viel“, sagt Rathke, der beim AStA für Finanzen zuständig ist.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Geschichte Deutsche Sprache Fachbereich 3 Mathematik & Angewandte Informatik Fachbereich 4 Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Flüchtlinge
news-11384 Tue, 05 Jan 2016 14:19:00 +0100 "Die Kinder sind jetzt Beustertaler" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/die-kinder/ In Zusammenarbeit mit der Uni Hildesheim konnte das Fußball-Training afghanischer Jugendlicher, das der SC Drispenstedt im Rahmen der Aktion Flüchtlingsinitiative "1:0 für ein Willkommen" anbietet von einem Sportstudenten übernommen werden. Die Minderjährigen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren werden derzeit im benachbarten Berufs-Bildungszentrum betreut. Fehlende Sportausrüstung wurde durch den Verein und den NFV-Kreis Hildesheim zur Verfügung gestellt. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge Inklusion Bildungsintegration news-11364 Wed, 30 Dec 2015 13:38:00 +0100 Ein Gütesiegel für die Bürgerstiftung Bockenem https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/ein-guetesieg/ Weitere drei Jahre darf die Bürgerstiftung Bockenem das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen tragen. Die Zahl der heute 53 Mitglieder soll sich in dieser Zeit noch erhöhen. 100 oder mehr könnten es schon sein, meint der Vorsitzende der Stiftung, die jährlich 2500 bis 3000 Euro im Stadtgebiet verteilt. Als nächstes Treffen steht das Bürgermahl in der Gaststätte Maas in Bönnien an. Dort wird Professor Schammann von der Universität Hildesheim einen Vortrag zum Thema "Grenzen des Engagements - Freiwillige in der Flüchtlingsarbeit" halten. Pressespiegel regional Flüchtlinge Inklusion news-11359 Wed, 16 Dec 2015 13:38:00 +0100 Arbeit für Flüchtlinge: Welche Stellschrauben sind zu drehen? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/arbeit-fuer-f/ Die Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer plant ein öffentliches Podium um die Fragen zur Integration von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt. Vertreter_innen der Volkshochschule, der Handwerkskammer, der Agentur für Arbeit, des Jobcenters und des Flüchtlingsrats diskutieren gemeinsam Herangehensweisen, Probleme und Lösungsansätze. Die Einleitung des öffentlichen Fachgesprächs übernimmt Professor Hannes Schammann, Migrationsforscher der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Inklusion Flüchtlinge news-10972 Tue, 15 Dec 2015 14:00:00 +0100 Nach der Flucht: Lernen statt warten https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/nach-der-flu-1/ Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle: Lehramtsstudierende unterstützen Erwachsene, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Weitere Studierende können mitwirken – ab sofort kann man sich anmelden. Seit Mitte Oktober 2015 gehen Lehramtsstudierende jeden Tag in eine Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Sie unterstützen Erwachsene und ihre Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Bisher haben die etwa 150 Menschen, darunter viele Familien, die Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung mit Warten verbracht. „Wir wollen die Zeit nutzen, um miteinander und voneinander zu lernen“, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert. Katharina Melzner leitet den Sprachunterricht und studiert „Deutsch als Zweitsprache“ in Hildesheim. Für Lehramtsstudierende ist dieser Rahmen hilfreich: sie müssen nicht allein einen Sprachkurs auf die Beine stellen, sie vernetzen sich, tauschen sich über Unterrichtsmaterialien aus und die Arbeit liegt auf vielen Schultern verteilt. Parallel zum Elternkurs gestalten die Studierenden ein Angebot für Kinder und Jugendliche.

Lehramtsstudierende aller Fächer können die Tätigkeit als Sozialpraktikum anrechnen lassen. Studierende können im Sprachlernprojekt mitwirken (alle Infos online). Das Projekt wird vom Land Niedersachsen gefördert und 2016 durchgängig fortgeführt.

Der nächste Starttermin für das zehnwöchige Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle ist Anfang Januar, dann wieder im März, Mai, Juli und September 2016. Am 4. Dezember 2015 findet eine Informationsveranstaltung für Studierende statt.

Interview: Nachgefragt bei Marie-Therese

Eine der ersten, die seit Oktober im Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle mitwirkt, ist Marie-Therese Brammer. Die 22-Jährige studiert Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch an der Universität Hildesheim.

Wie sieht dein Alltag aus?

Marie-Therese: Gemeinsam mit weiteren Lehramtsstudierenden fahre ich mit dem Bus zur Erstaufnahmestelle. Da die Anbindung in das Gewerbegebiet nicht so gut ist, bilden wir auch oft Fahrgemeinschaften. Das geht, wir kommen irgendwie immer hier an. Der Sprachunterricht findet an jedem Nachmittag statt. Ich bin seit Oktober immer montags und dienstags hier, bis Ende des Jahres. Wir bauen den Speiseraum für das Sprachenlernen um, schieben die Tische zusammen, wir haben hier keinen extra Raum für den Sprachunterricht. Dann kommen auch nach und nach schon die Teilnehmer, manche bringen ihre kleinen Kinder mit.

Wie fängt man an? Ihr arbeitet sehr nah am Alltag. Wer bin ich, wie heiße ich – ihr greift viele Alltagsthemen auf.

Das ist richtig. Die Teilnehmer am Sprachkurs sprechen Arabisch, Serbisch, wenige sprechen Englisch. Wir versuchen mit Bildern, Händen und Füßen die Vokabeln zu vermitteln. Wir gehen zum Beispiel einkaufen und lernen dabei die Begriffe für die Lebensmittel – das Ei, die Milch, eine Tomate, ein Salat. Oder wir sprechen über die Uhrzeiten – was bedeutet „Viertel vor“? Heute ging es um den Familienstammbaum: Mutter, Vater, Kinder – wir haben uns die Stammbäume aufgemalt. Das ist manchmal auch sehr persönlich. Aber das geht, weil wir auch in Kleingruppen arbeiten und uns zu zweit unterhalten. Heute habe ich mit einem Mann aus Syrien gesprochen, er ist mit seiner ganzen Familie hier in Hildesheim und hat aufgezeichnet, wie seine Kinder, seine Eltern heißen. Ich habe erfahren, dass er 13 Geschwister hat. Da musste ich erstmal nachfragen – wirklich? Fünf Brüder und acht Schwestern. Wir verstehen uns gut, man lernt sich kennen, mit Händen und Füßen, er spricht ganz wenig Englisch.

Neben dem Sprachkurs – klassisch am Tisch mit einer improvisierten Tafel, Zetteln und einem Stift – lernt ihr die Sprache auch in der Freizeit. Ihr erkundet die Stadt Hildesheim, ihr geht einkaufen, ihr wollte zusammen kochen.

Einmal in der Woche gibt es ein Freizeitangebot. Wer in der Erstaufnahmestelle ankommt, hat bisher noch wenig von Deutschland kennen gelernt. Wir sind der erste Kontakt. Wir gehen raus, lernen Vokabeln im Alltag und wenden sie an.

Man kann die Sprache auch mit technischen Mitteln lernen: Es gibt Apps zum Sprachenlernen, Übersetzungsprogramme. Ihr könntet auch einen Tag in die Erstaufnahmestelle kommen, jedem ein Smartphone in die Hand drücken, erklären, wie der Online-Sprachkurs funktioniert und dann seid ihr wieder weg und lasst die Menschen hier allein. Das ist aber nicht der Ansatz dieses Sprachlernprojekts. Ihr verbringt Zeit miteinander, wollt zusammenkommen. Man lacht zusammen, man ist traurig, wenn man erfährt, dass Familienangehörige nicht mehr leben. Was lernst du dabei?

Man verfolgt das sonst nur im Fernsehen, dass Menschen nach Deutschland fliehen. Hier in den Räumen der Erstaufnahmestelle, beim Sprachenlernen passiert viel Menschliches. Ich finde es sehr spannend zu erleben, wie es funktioniert, sich auszutauschen. Auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht, klappt die Verständigung. Es bringt uns allen viel, wir sind angehende Lehrerinnen und Lehrer. Wenn ich später im Klassenzimmer unterrichte, werde ich auch Kinder unterstützen, die noch kein Wort Deutsch sprechen.

Ist die Frage, wie lernt man als Erwachsener die deutsche Sprache als zweite Sprache für dich frisch und ungewohnt oder hast du dich damit schon im Studium beschäftigt?

Im Bachelor-Studium habe ich einige Seminare im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ besucht. Man lernt, wie es sein müsste – aber dann fehlt die praktische Erfahrung. In den Schulpraktika habe ich mit Kindern und Jugendlichen gelernt, die in einer Phase ihres Lebens sind, in der sie sowieso zur Schule gehen und lernen. Deshalb finde ich es sehr interessant, dass ich in dem Sprachlernprojekt nun mit Erwachsenen arbeiten kann und erfahre, wie das abläuft. Die Arbeit in der Erstaufnahmestelle kann ich mir für mein Studium anrechnen lassen, zum Beispiel als Praxisteil für das „Bilinguale Zertifikat“.

Du bist jetzt im Masterstudium und startest bald in den Beruf. Freust du dich auf die Herausforderung? Fühlst du dich überfordert oder suchst du nach Wegen, wie man mit Vielfalt umgehen kann?

Mein Ziel ist, in Niedersachsen zu unterrichten. Ich freue mich da wirklich drauf. Die Vielfalt an Schulen wird immer sichtbarer, ich interessiere mich sehr für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wir können an der Universität in Hildesheim das Masterstudium um ein Jahr verlängern und uns im DAZ-Bereich spezialisieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Interview-Serie über das Sprachenlernen wird fortgeführt. Nächstes Mal: Nachgefragt bei Erwachsenen: Wie erleben sie das Erlernen der deutschen Sprache?

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Pressemeldungen Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Flüchtlinge Lehrerbildung Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration
news-11328 Mon, 07 Dec 2015 13:38:00 +0100 Kein Raum in der Herberge? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/kein-raum-in/ In der Weihnachtsvorlesung an der Universität Hildesheim sollte es 2015 um die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland und Europa gehen. In seinem Vortrag thematisierte Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik, die aktuelle Situation und die Aufnamebereitschaft in der Bevölkerung. Außerdem waren Vorträge über die akademische Perspektive und die akademische Heimat zu hören, festlich begleitet von der Musik des Centers for World Music. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Kulturpolitik Inklusion Flüchtlinge news-11321 Thu, 03 Dec 2015 13:38:00 +0100 Alice fühlt sich fremd im Wunderland https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/alice-fuehlt/ Das soll kein politisches Theater sein? 15 Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim bringen zusammen mit geflüchteten Menschen und Kindern ein Stück in Anlehnung an den Kinderbuchklassiker Alice im Wunderland auf die Bühne. Dozentin Wiebke von Bernstorff, die selbst in der Flüchtlingsinitiative Pangea aktiv ist, sieht viele Parallelen zwischen der unfreiwillig im Wunderland gelandeten Alice und der Situation von Geflüchteten heute. Die Werkschau konnte im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße bei freiem Eintritt besucht werden. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge news-11287 Mon, 30 Nov 2015 12:05:00 +0100 Hunderte Flüchtlinge lernen Deutsch https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/hunderte-flue/ In einem Interview mit der HIAZ stellt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, die ehrenamtlichen Helfer_innen im Bereich der Sprachdidaktik für Geflüchtete als besonders wertvoll heraus. Eingebettet in professionelle Strukturen ist die Flexibilität der Quereinsteiger_innen von Vorteil, an den Schulen müsste jedoch weiterhin die interkulturelle Kompetenz der Lehrkräfte gefördert werden. Wichtig ist vor allem, dass auf die unterschiedlichen Bildungsbiografien und Wissensstände respektvoll und individuell eingegangen werden kann. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Flüchtlinge Inklusion Bildungsintegration news-11248 Sat, 21 Nov 2015 12:05:00 +0100 Flüchtlingskrise: "Es gibt keinen Master-Plan" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fluechtlingsk-1/ Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering sprach im Rahmen der Vorlesungsreihe "Europagespräche" der Universität Hildesheim über die Geschichte und die aktuelle Lage der Europäischen Union. Neben seinem Vortrag "Wir sind zu unserem Glück vereint - Erinnerungen eines Europäers" äußert er sich in dem hier veröffentlichten Interview mit der HAZ über die Flüchtlingskrise und fordert zur Solidarität auf. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Internationales Flüchtlinge news-11200 Mon, 16 Nov 2015 12:05:00 +0100 Ziemlich beste Freundinnen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/ziemlich-bes/ Natalie und Corinna erzählen von ihrer Freundschaft mit Anwar. Über die Universität und ihren Einsatz in der Flüchtlingshilfe hatten die beiden Schwestern die 22-Jährige kennengerlernt, die aus Syrien nach Deutschland gekommen war, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Mit dem Ziel ihr Informatikstudium an der Universität Hildesheim fortzusetzen, besucht sie derzeit einen Sprachkurs der VHS, Behördengänge und Familienpläne füllen die Tage. Doch hin und wieder findet Anwar auch Zeit mit ihren Freundinnen einen Kaffee trinken zu gehen. Pressespiegel regional Bildungsintegration Inklusion Flüchtlinge news-11199 Sat, 14 Nov 2015 12:05:00 +0100 VHS-Chefin: "Wir brauchen Lehrer" https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/vhs-chefin/ Um Sprachkurse für Geflüchtete anbieten zu können, ist die Volkshochschule Hildesheim auf das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Neben geschulten Lehrkräften arbeiten auch Lehramtsstudierende mit der Zusatzqualifikation "Deutsch als Fremdsprache" der Universität Hildesheim für die VHS. Doch für die Zahl der Asylbewerber ist das Angebot an Personal und Lehrmaterial nicht ausreichend. Derzeit bietet die Volkshochschule unterstützt durch die Bürgerstiftung Sprachkurse für rund 500 Geflüchtete der Hildesheimer Region an. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Inklusion Flüchtlinge news-10941 Sat, 07 Nov 2015 08:31:00 +0100 Deutsch als Zweitsprache: Mehrsprachigkeit wertschätzen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/deutsch-als/ Wer hilft beim Spracherwerb nach der Flucht? Schulen sollten Mehrsprachigkeit von Jugendlichen als Chance aufgreifen, sagt Elke Montanari anlässlich der Jahreskonferenz der Integrationsbeauftragten. Die Professorin bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus. Auf ihrer Jahreskonferenz, die diesmal von Niedersachsen in Göttingen ausgerichtet wurde, haben die Integrations-, Ausländer- und Migrationsbeauftragten der Bundesländer mehrere Resolutionen, unter anderem eine Resolution zum Thema Sprache, beschlossen. Die Integrationsbeauftragten sprechen sich für differenzierte Maßnahmen aus, um alle Altersgruppen beim Sprachenlernen zu unterstützen. Mehrsprachigkeit und der Schulbesuch für alle Kinder von Anfang an sind wichtige Ziele in dem Papier.

Für die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari ist diese Resolution das Ergebnis einer „spannenden Entwicklung“. „Betrachtet werden sowohl akute Maßnahmen als auch nachhaltige Lösungen entlang des ganzen Lebens“, sagt die Professorin für Deutsch als Zweitsprache von der Universität Hildesheim. Sie ist auch Mitglied des Vorstands des „Zentrums für Bildungsintegration“.

„Es kommt darauf an, die Chancen in der aktuellen Situation zu sehen, die sich eröffnen. Diese liegen zum Beispiel in den Möglichkeiten, mehrsprachige Modellschulen stärker als bisher zu fördern und Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten zu verankern. Mehrsprachigkeit schlägt sich auf die gesamte Sprachentwicklung nieder“, so Elke Montanari. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die schnelle Umsetzung des Kinderrechts auf Bildung, das in der UN-Kinderrechtskonvention verankert ist.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus und fort. Lehramtsstudierende unterstützen gemeinsam mit einer DAZ-Sprachlehrerin seit Herbst 2015 Erwachsene täglich beim Spracherwerb in einer Hildesheimer Erstaufnahmestelle und haben dafür ein spezifisches Konzept erarbeitet. Weitere Studentinnen und Studenten kombinieren das Sprachenlernen mit dem Sport (Fußball) an Hildesheimer Schulen.

Professorin Elke Montanari hat im Rahmen der Jahreskonferenz in Göttingen am Freitag (6. November 2015) einen Vortrag zum Thema „Willkommen in der Schule!“ gehalten. Sie hebt hervor, dass Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungs- oder Fluchterfahrung eine Bereicherung für die Schule sind. Damit der Spracherwerb gelingt, müssten zukünftige Lehrerinnen und Lehrern bereits im Studium auf den Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer vorbereitet werden.

Die Niedersächsische Landesbeauftragte Doris Schröder-Köpf zeigte sich in einer Stellungnahme am Freitag zufrieden mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Herbstkonferenz: „Ich freue mich sehr, dass wir Landesbeauftragten in so vielen grundlegenden Punkten an einem Strang ziehen. Die Beauftragten sind sich einig, dass ein wirtschaftlich starkes Deutschland auch weiterhin seiner besonderen Verantwortung in Europa gerecht werden muss. Und es muss uns gelingen vom Krisenmanagement zu einem langfristigen Integrationsmanagement überzugehen. Mir liegt die Botschaft von Resolution vier besonders am Herzen: Rassismus und Gewalt gegen Flüchtlinge und ihr soziales Umfeld haben in Deutschland keinen Platz."

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Flüchtlinge Lehrerbildung Bildungsintegration MA DaZ/DaF
news-11182 Wed, 04 Nov 2015 12:05:00 +0100 Wie kann Jugendhilfe Flüchtlingen helfen? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/wie-kann-jug/ "Auf eigenen Füßen stehen" ist der Titel des Projekts mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, über dessen Ergebnisse Johanna Karpenstein und Franziska Schmidt berichteten. Der Vortrag fand am Bühler-Campus der Universität Hildesheim statt und stellte überdies die Frage, wie die Jugendhilfe Flüchtlingen helfen kann. Pressespiegel regional Flüchtlinge news-11188 Wed, 04 Nov 2015 12:05:00 +0100 Wie kann Jugendhilfe Flüchtlingen helfen? (Kopie 1) https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/wie-kann-jug-1/ "Auf eigenen Füßen stehen" ist der Titel des Projekts mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, über dessen Ergebnisse Johanna Karpenstein und Franziska Schmidt berichteten. Der Vortrag fand am Bühler-Campus der Universität Hildesheim statt und stellte überdies die Frage, wie die Jugendhilfe Flüchtlingen helfen kann. Pressespiegel regional Flüchtlinge news-11191 Wed, 04 Nov 2015 12:05:00 +0100 Wie kann Jugendhilfe Flüchtlingen helfen? (Kopie 2) https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/wie-kann-jug-2/ "Auf eigenen Füßen stehen" ist der Titel des Projekts mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, über dessen Ergebnisse Johanna Karpenstein und Franziska Schmidt berichteten. Der Vortrag fand am Bühler-Campus der Universität Hildesheim statt und stellte überdies die Frage, wie die Jugendhilfe Flüchtlingen helfen kann. Pressespiegel regional Flüchtlinge news-10912 Fri, 30 Oct 2015 11:12:00 +0100 Nach der Flucht: Wie Jugendliche auf eigenen Füßen stehen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/nach-der-flucht-wie-jugendliche-auf-eigenen-fuessen-stehen/ An der Universität Hildesheim befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche über Ländergrenzen hinweg außerhalb des familiären Umfeldes aufwachsen und wie Übergänge gestaltet werden. Die Universität lädt am 4. November 2015 zu einem öffentlichen Vortrag ein. Das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim lädt ein zu einem Vortrag. Johanna Karpenstein und Franziska Schmidt vom „Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge" berichten über Ergebnisse aus dem Projekt „Auf eigenen Füßen stehen“

Das Projekt richtet den Blick auf die Entwicklungsmöglichkeiten junger Geflüchteter in und nach der Jugendhilfe. Der öffentliche Vortrag beginnt am Mittwoch, 4. November 2015, um 18:00 Uhr am Bühler-Campus der Uni Hildesheim (Lüneburger Straße, 31141 Hildesheim, Raum L 067). Der Vortrag ist öffentlich. Die Referentinnen werden das Projekt in Kürze vorstellen und aktuelle Fragen der Flüchtlingssituation thematisieren. Auch die Sozialpädagogen Severine Thomas, Professor Wolfgang Schröer und Anke Kuhls von der Uni Hildesheim sind anwesend und beantworten Fragen zum Thema.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge finden in der Jugendhilfe Unterstützung und Orientierung. Doch die Phase des Ankommens und der Integration dauert oft länger, als die Leistungen der Jugendhilfe gewährt werden. Bislang fehlt der Blick auf das Ende der Jugendhilfe und der damit verbundene Übergang in die Selbstständigkeit. Insbesondere der in der Regel ungeklärte Aufenthaltsstatus ist belastend und beeinträchtigt Hilfsangebote.

Der „Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge" hat in Zusammenarbeit mit fünf kooperierenden Jugendhilfeeinrichtungen erfasst, wie diese schwierige Phase des Übergangs von der Jugendhilfe in die Selbstständigkeit gestaltet wird und entwickelt hieraus Handlungsempfehlungen und Qualifizierungsangebote für Fachkräfte. Dabei spielt die Perspektive (ehemaliger) unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge eine wichtige Rolle. Zudem werden Vorschläge zur Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen erarbeitet, um bestehende Spannungen zwischen Sozial-, Arbeits- und Ausländerrecht abzubauen, die die Übergänge in die Selbstständigkeit belasten.

„Dass die Thematik der Flucht nach Deutschland und die Situation der unbegleiteten Minderjährigen eine so zentrale Bedeutung in der Tagespolitik einnimmt, war zu dem Zeitpunkt, als wir die Kolleginnen vom Bundesverband eingeladen haben, nicht absehbar. Somit laden wir zu einem hochaktuellen und perspektivisch gesehen zu einem Grundsatzthema für die Kinder- und Jugendhilfe und andere pädagogische und sozialpolitische Handlungsfelder ein", sagt Severine Thomas. Die Sozialpädagogin befasst sich mit der Frage, wie Bildungswege von Jugendlichen verlaufen, die Unterstützung durch die Jugendhilfe erfahren. Oftmals fehlen passende Betreuungsangebote, so Severine Thomas. „Es fehlen Fachkräfte, die darauf vorbereitet werden, Jugendliche zu unterstützen, die eine schwere Vergangenheit und Flucht erlebt haben.“

Ein Team vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim befasst sich mit Übergängen in der Heimerziehung und Pflegekinderhilfe. Derzeit wird unter anderem in einem Forschungsprojekt untersucht, wie die Jugendhilfe mit „transkulturellen Erfahrungen“ umgeht. Es liegen deutschlandweit kaum belastbare Erkenntnisse zum Thema Vollzeitpflege und Migration vor. Das Hildesheimer Forscherteam hat in den vergangenen Monaten Basisdaten zu Unterbringungen ermittelt, die praktische Umsetzung beobachtet und Fachkräfte der Pflegekinderhilfe in Niedersachsen interviewt.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

Weitere Informationen zum Thema findet man auf der Seite des Mediendienstes Integration.

]]>
Pressemeldungen Flüchtlinge Sozial- und Organisationspädagogik Fachbereich 1 Bildungsintegration
news-11061 Wed, 28 Oct 2015 12:25:00 +0100 Hilfe im Nachbarschaftsladen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/hilfe-im-nac/ Studentinnen der Universität Hildesheim engagieren sich in der Integrationsarbeit mit Geflüchteten. Dreimal im Monat treffen sich Lena Küver und ihre Freundinnen in kleiner Gruppe im b-West, einem Nachbarschaftsladen des Beamtenwohnungsvereins in der Alfelder Straße. Gemeinsam mit dem Ortsrat und der Caritas wollen die neuen und alten Hildesheimer*innen eine gemeinsame Zukunft gestalten. Der Integrationsbeauftragte der Stadt, Bernward Kiel, ist dafür zuständig, die einzelnen Initiativen zu verknüpfen und den Helfer*innenkreis zu unterstützen. Pressespiegel regional Bildungsintegration Bürgergesellschaft Inklusion Flüchtlinge news-10839 Tue, 27 Oct 2015 11:56:00 +0100 Musik - und das Fremde wird Freund https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/musik-und/ Das Zentrum für Weltmusik hat an der Universität Hildesheim einen neuen Studiengang etabliert. "musik.welt" ist ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium für Menschen, die ihren bisherigen Tätigkeitsbereich (etwa an Schulen, Kitas oder Jugendzentren) durch die integrative Kraft der Musik bereichern wollen. Das Zentrum für Weltmusik zeichnet sich durch die Durchführung unterschiedlicher Projekte aus, wie etwa durch das Digitalisieren von bedrohter Musik oder die Förderung von kultureller Vielfalt und dem Spiel außereuropäischer Instrumente. Pressespiegel regional Musik und Musikwissenschaft Studiengänge Internationales Center for World Music Inklusion Flüchtlinge news-10851 Mon, 26 Oct 2015 13:55:00 +0100 Musik – mehr als Unterhaltung https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/musik-mehr-als-unterhaltung/ Ein Team vom Center for World Music der Uni Hildesheim setzt auf die verbindende Kraft der Klänge und bildet Fachleute aus, um die musikalische Vielfalt zu erhalten. Bisher haben Lehrerinnen, Musiker, Sozialpädagogen, ein Polizist und Kulturmanagerinnen im bundesweit besonderen Studienprogramm „musik.welt“ studiert. Rhythmus, Tempo, Melodie: Musik kann mehr sein als ein schöner Hintergrundklang. Wer sich im Stadtteil umhört, welche Rolle Musik im Leben spielt, der kann große Emotionen und strahlende Augen erleben. Für Jananan aus Hildesheim gehört der wöchentliche Musikunterricht in einem tamilischen Bildungsverein zum Alltag. Seine Eltern dokumentieren das Musikspiel und den Tanz der Geschwister auf einem tablet-Computer. Der Schüler erlernt das Instrument Mridangam, eine Trommel, die halb so groß ist wie er. Seine Familie floh wegen eines Bürgerkriegs in Sri Lanka nach Deutschland.

Einige Straßen weiter, im Center for World Music, dreht sich der Alltag ebenfalls täglich um Musik. Welche Klänge in den Räumen erklingen? Alle. Über viele Ecken erreichte Raimund Vogels, der das Hildesheimer Forschungszentrum leitet, neulich eine Anfrage eines jungen Mannes aus Syrien. Er konnte sein Instrument, eine Oud, auf der Flucht nicht mitnehmen. Nun, angekommen in Deutschland, sucht er ein Instrument – er vermisst die vertrauten Klänge. „An einem Musikinstrument kann man sich nicht nur im sprichwörtlichen Sinne tatsächlich festhalten, es kann schlicht helfen, Gefühle von Heimweh und Zukunftssorgen zu mildern“, sagt Vogels.

Und im Norden Hildesheims, in einem Industriegebiet mit wenig Anbindung zur Stadt, erleben Sozialarbeiter in diesen Tagen die Kraft der Musik in einer Erstaufnahmestelle für etwa 150 Flüchtlinge. Es ist ein Ort, an dem Menschen, die geflohen sind, das erste Mal mit Deutschland in Kontakt kommen und registriert werden. Es fehlt an Gelegenheiten zum Sprachenlernen und Zusammenkommen, die Tage bestehen aus Warten, Essen, Schlafen. Doch manchmal singen sie alle zusammen, berichtet einer der Sozialarbeiter. „Das kommt super an. Auch Stunden danach summen manche weiter. Wir müssen alle Sinne, alle Sensoren anschalten, um uns zu verständigen. Das geht."

Einige Kilometer weiter, in Hannover, arbeitet eine junge Frau mit dem „natürlichen Instrument des Menschen“ – der Stimme. „Wir singen. Musik berührt uns, egal wie viel Deutsch man spricht", sagt Tinatin Tsereteli über ihre Arbeit an Kitas und Grundschulen. Die Kinder summen die Melodie, sie sprechen im Rhythmus mit. Wenn sie „Der, die, das, wer, wie was", das Lied aus der Sesamstraße, singen, dann bewegen sich die Kleinen dabei im Raum und suchen nebenbei Gegenstände für den Artikel „der“. Tinatin Tsereteli erinnert sich an zwei pakistanische Mädchen: „Sie haben in Pakistan nie gesungen, kannten keine Kinderlieder." In einigen Ländern ist Musik verboten. Tsereteli kommt nicht aus dem Staunen heraus, was die Kinder können. „Sie wollen lernen und alles wie ein Schwamm aufsaugen. Wir müssen ihnen nur die Chancen geben", sagt die 32-Jährige.

Als Zehnjährige kam Tinatin Tsereteli mit ihrer Familie nach Deutschland, sie erinnert sich an ihre Zeit im Flüchtlingsheim: „Wenn ich allein war, bin ich eingetaucht in meine Musikwelt. In Georgien habe ich Klavier- und Geigenunterricht gehabt. In Deutschland hatte ich kein Instrument, wir hatten ein Zimmer für die ganze Familie. Aus meiner Not heraus habe ich den Gesang für mich entdeckt.“

Tinatin Tsereteli ist eine der bisher etwa 50 musik.welt-Studierenden. Die Universität Hildesheim sucht derzeit wieder bundesweit Lehrerinnen, Erzieher, Sozialpädagogen, Musikerinnen oder andere Berufstätige, die die Kraft der Musik in ihrem Arbeitsumfeld – zum Beispiel in Kitas, Schulen, Stadtteilen, Flüchtlingsunterkünften und Jugendzentren – aufgreifen wollen. Wer sich für ein berufsbegleitendes Studium interessiert, kann sich bis zum 1. November 2015 bewerben. „Wir stellen uns den gesellschaftlichen Herausforderungen. Musik ist besonders geeignet, um integrativ und sozial zu wirken“, sagt Morena Piro, die den Studiengang „musik.welt – kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ mit aufgebaut hat. Eine der Absolventinnen, Esin Savas, hat zuvor an der Supermarktkasse gearbeitet. Dabei hat sie ihr Leben lang musiziert, sich einen Fundus an musikalischen Fähigkeiten selbst erarbeitet. Dann wurde sie auf das Studium aufmerksam, mittlerweile ist Savas Integrationsbeauftragte der Stadt Peine – und weiß, welche Stärke im gemeinsamen Musizieren liegen kann.

„Wir wollen Multiplikatoren ausbilden, die in ihrem Umfeld mit Musik arbeiten. Eine Referentin der Landesmusikakademie Niedersachsen, die bei uns studiert hat, hat zum Beispiel dafür gesorgt, dass landesweit Fortbildungen zum Umgang mit musikalischer Vielfalt für Erzieher und Lehrer angeboten werden. In den zwei Studienjahren arbeiten wir vor allem auch an der Haltung: Was ist es Wert, vermittelt zu werden? Welche Musik findet Anerkennung? Für viele ist eine Opernsängerin mindestens so exotisch wie eine Didgeridoo-Spielerin. Ästhetik, Bedeutung und Wertigkeit von verschiedenen Musikformen beruht allein auf gesellschaftlichem Konsens und Zuschreibungen. Es geht darum, die musikalische Vielfalt aufzugreifen, wertzuschätzen, sie soll nicht verloren gehen“, sagt Morena Piro.

In Digitalisierungsprojekten sichern die Hildesheimer Musikethnologen Musikarchive weltweit, unter anderem in Ägypten, derzeit in Iran und Nigeria. Das Team um Professor Raimund Vogels bewahrt mit Partnern vor Ort Klangarchive. In Teheran dokumentieren sie derzeit 100 Jahre Musikgeschichte auf Schallplatten, darunter die ersten Aufnahmen iranischer Sängerinnen – die Klänge sollen aber nicht im Archiv versteckt werden. Derzeit arbeiten sie, mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, der Stiftung Niedersachsen und der Volkswagen Stiftung, an Wegen, die Klänge weltweit online recherchierbar und damit zugänglich zu machen. Schulen, Forscher und Musikstudierende können mit dem Material arbeiten. Neben diesen digitalen Klängen können die Studierenden auf eine Sammlung von über 4000 Musikinstrumenten zurückgreifen: eine Kamancheh und Oud aus der Türkei, eine Tar aus Ägypten, eine Gitarre aus Namibia, eine Balalaika aus Russland. Hinzu kommt ein Netzwerk an Partnern und Instrumentallehrern, denn im Studium erlernt jeder Student ein Musikinstrument aus einem anderen Kulturkreis zu spielen. Die musik.welt-Studierenden setzen sich dafür ein, die Musik „in den Herzen und Köpfen zu bewahren“, sagt Morena Piro.

Die Universität Hildesheim sucht derzeit auch Schulen in Deutschland, die sich für die Themen „Musik verbindet“ und „kulturelle Vielfalt“ interessieren. Das Forschungszentrum erhält regelmäßig Anfragen von Schulen und berät diese: Was können wir tun, wie können wir mehr Musik in ein Klassenzimmer holen? Wie kann Musik Jugendliche verbinden? In Hildesheim werden neben dem berufsbegleitenden Studiengang auch Lehramtsstudierende ausgebildet, die Musik an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichten.

Info: Musik studieren: Bewerbungsphase läuft

Eine Rahmentrommel. Im Musikstudium kommt die Sammlung Irle zum Einsatz. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Musik kann Menschen aus unterschiedlichen Ländern trennen – oder verbinden. Wer in Hildesheim Musik studiert, erlernt eine „fremde“ musikkulturelle Sprache. In Wohnzimmern, Stadtteilen und Schulen gibt es mehr Klänge als Klavier, Gitarre und Flöte. Doch Rhythmen, die Bağlama, Balalaika und Mbira erzeugen, werden kaum wahrgenommen. Der Kanon in Schulen ist meist auf europäische Instrumente und wenige Werke reduziert.

Der berufsbegleitende zweijährige Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ soll dies ändern, Multiplikatoren ausbilden und interkulturelle Musikprojekte vor Ort entwickeln. Derzeit studieren Tontechniker, freie Musiker, Erzieherinnen, Lehrer, Konzertveranstalter, Musikschulleiter, Sozialpädagoginnen und ein Polizist an der Universität Hildesheim. Sie kommen einmal im Monat aus Berlin, Dortmund, Zürich, Oberhausen, Hannover und aus niedersächsischen Kleinstädten nach Hildesheim. Einige der 20- bis 60-jährigen Studierenden sind in der Türkei, Iran, Marokko oder Russland aufgewachsen. Die Stiftung Niedersachsen unterstützt das berufsbegleitende Studienprogramm „musik.welt“ an der Universität Hildesheim.

Der Studiengang wird fortgeführt und startet nun in die dritte Runde. Der Studiengang wendet sich an alle, die Kompetenzen erlangen möchten, um das Potential der Musik umfassend in der täglichen Arbeit nutzen zu können. Interessierte können sich um einen Studienplatz bis zum 1. November 2015 bewerben. Das Studium beginnt im Januar 2016. Es besteht die Möglichkeit auf Zertifikat zu studieren. Ein Bachelor-Abschluss oder Ähnliches ist dann nicht erforderlich. Wer finanzielle Unterstützung benötigt, dem hilft die Universität bei der Beantragung. Interessierte können sich mit Fragen an Morena Piro wenden (piro@musikwelt-niedersachsen.de).

Der Hörsaal im Center for World Music ist ungewöhnlich – ein ehemaliger Kirchenraum mit etwa 3000 Musikinstrumenten aus allen Erdteilen aus der Sammlung Irle. Studierende lernen inmitten einer der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Instrumente. Und sie gehen raus, in die Stadtteile, in Wohnzimmer, in Schulen und setzen dort Praxisprojekte um. Jeder Student erlernt außerdem ein Instrument: Wer bisher ein Schlagzeug spielt, lernt nun auch, die Kora zu spielen. Wer bisher die Saz erklingen lässt, spielt nun auch Cello. Die Studierenden erlernen eine „musikalische Fremdsprache“, sagt Professor Raimund Vogels. „Musik ist eine emotionale Kraft – sie kann Verständigung fördern aber auch trennend wirken und wird in Konflikten eingesetzt. Musik läuft nicht nur nebenher, sie ist nicht nur Unterhaltung", sagt Vogels.

Wer sich vor Ort einen Eindruck verschaffen möchte, kann am Samstag, 31. Oktober 2015, in der Universität vorbeikommen. Am Center for World Music (Schillstraße/Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim) zeigen Studierende aus dem aktuellen Jahrgang ihr Können. Das Konzert mit Gespräch findet von 18:00 bis 20:00 Uhr statt. Einer der Musikstudenten, der unter anderem bereits Stücke für die Berliner Philharmonie komponierte, hat für das Hildesheimer musik.welt-Ensemble eine Komposition geschrieben, die erstmals erklingt. Ab 10:00 Uhr proben die Musikstudierenden.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de).

]]>
Pressemeldungen Flüchtlinge Fachbereich 2 Musik und Musikwissenschaft Center for World Music MA KDmB - musik.welt
news-11034 Fri, 23 Oct 2015 12:05:00 +0200 Eine sprachliche Rosskur für den Amtsschimmel https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/eine-sprachl/ Christiane Maaß ist Professorin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation an der Universität Hildesheim. Als Expertin für Leichte Sprache ist sie die Mitherausgeberin von Broschüren, die Laien helfen sollen das sogenannte Beamten-Deutsch zu verstehen und damit Schritt für Schritt die Hürden der Bürokratie abzubauen. Bei einem Besuch im Bundeskanzleramt wurde ihre Expertise angefordert, um die Inklusion etwa auch von Personengruppen wie Analphabeten oder Geflüchteten durch die Förderung einer "bürgernahen Amtssprache" durchzusetzen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Bildungsintegration Inklusion Flüchtlinge news-10931 Tue, 13 Oct 2015 12:05:00 +0200 Die Wohnungen für sie werden knapp https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/die-wohnunge/ Die Stadt Hildesheim setzt bei der Unterbringung von Geflüchteten auf ein dezentrales Konzept, um Spannungen und Auseinandersetzungen zu vermeiden. Die Sammelunterkunft in der Senkingstraße bildet zwar eine Ausnahme, doch auch hier sind handfeste Auseinandersetzungen selten. Ein sechsmonatiges Programm für im Heim lebende Flüchtlinge, welches den Neuanfang in Deutschland unterstützend begleiten soll, wird von Professor Schammann von der Universität Hildesheim als "Integrationskonzept" gelobt. Nach dieser Frist mietet die Stadt Wohnungen für die Geflüchteten an. Pressespiegel regional Universität Hildesheim Flüchtlinge Inklusion Fachbereich 1 news-10832 Fri, 09 Oct 2015 12:05:00 +0200 Uni macht den Weg für Flüchtlinge frei https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/uni-macht-de/ Die Universität Hildesheim und die HAWK bieten Flüchtlingen die Möglichkeit eines Schnupperstudiums an. In zulassungsfreien Studiengängen können ohne Sprachvoraussetzungen Seminare und Vorlesungen belegt werden. Für ein ebenfalls kostenloses Gasthörerstudium müssen Bewerber eine kleine Sprachprüfung bestehen, die an der HAWK abgenommen werden kann. In das Konzept miteinbegriffen sind die kostenlose Nutzung der Busse im Regionalverkehr und Tandem-Partnerschaften, bei denen Studierende Patenschaften für Geflüchtete übernehmen. Pressespiegel regional Anker Peers Universität Hildesheim Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge news-10726 Wed, 07 Oct 2015 08:00:00 +0200 Studium nach der Flucht: Uni-Zugang für Flüchtlinge / #UninachFlucht https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/studium-nach-2/ N24 Nachrichten über Bildungswege nach der Flucht: Die Universität Hildesheim bietet seit Frühjahr 2015 ein Schnupperstudium an. „Ich möchte weiterlernen und den Master machen, darum besuche ich die Uni Hildesheim", sagt Moussa dem Nachrichtensender N24. Er lebt seit eineinhalb Jahren in Hildesheim und interessiert sich für Umwelt, Naturschutz und Politikwissenschaft. Seit April 2015 geht er zur Universität Hildesheim, „auch, um Deutsch zu lernen", so N24. „Den Einstieg ins Uni-Leben will die Universität ihnen so weit wie möglich vereinfachen", so N24. Ein Professor aus dem Institut für Sozialwissenschaften, Hannes Schammann, berät Moussa bei der Wahl der Seminare und Vorlesungen.

„Flüchtlinge, die ohne Papiere kommen, die möglicherweise auch noch nicht die Sprachkenntnisse haben, haben die Möglichkeit zu einem Schnupperstudium, zu einem Gaststudium", sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich dem Nachrichtensender N24. Etwa ein Dutzend weitere Flüchtlinge lernten mit ihm im Schnupperstudium an der Universität Hildesheim in Niedersachsen.

N24, „Uni-Zugang für Flüchtlinge", 07.10.2015 (Filmbeitrag, ~ 1:30 Min.) [zeitlich begrenzt online abrufbar]

Kontakt zu Studierenden und zu Lehrenden, die Studieninteressierte nach der Flucht unterstützen, über die Universität Hildesheim (Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Migrationspolitik Sozialwissenschaften Politik Biologie & Chemie Fachbereich 4 MSc Umwelt Pressespiegel überregional Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10727 Tue, 06 Oct 2015 08:00:00 +0200 Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/willkommensk/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG und HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG über Schule in der Einwanderungsgesellschaft: Professorin Viola Georgi untersucht an der Universität Hildesheim, wie Schulen mit Vielfalt umgehen, und bildet Fachleute für den Bildungsbereich aus. Die Politikredakteurin Marina Kormbaki berichtet in einem Schwerpunkt-Artikel (Seite 3) überden Alltag in Sprachlernklassen und wie Schulen Kinder und Jugendliche beim Ankommen in Deutschland unterstützen. „'Wir haben in der Vergangenheit bereits vielfältige Erfahrungen gesammelt und Konzepte entwickelt. Wir müssen jetzt das Rad nicht neu erfinden', sagt Prof. Viola Georgi, Bildungsexpertin an der Uni Hildesheim. 'Schon seit Langem vermitteln wir Lehramtsstudenten eine Pädagogik, die kulturelle Unterschiede und Mehrsprachigkeit von Schülern nicht mehr als Problem betrachtet'“, heißt es in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen?", Politik Seite 3, 06.10.2015 (print)

Kontakt zu Studierenden und zu Lehrenden, die Studieninteressierte nach der Flucht unterstützen, über die Universität Hildesheim (Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge
news-10702 Sun, 04 Oct 2015 16:58:00 +0200 Bildungswege: Studium nach der Flucht https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/bildungswege-studium-nach-der-flucht-3/ Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Lehrende und Studierende unterstützen junge Erwachsene aus Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan dabei, im Uni-Alltag anzukommen und Perspektiven für den weiteren Bildungsweg zu entwickeln. Wie finde ich eine passende Lehrveranstaltung? Muss ich Zeugnisse vorlegen? Wie gut muss ich die deutsche Sprache sprechen? Wie kann ich Kontakt zu Studierenden aufbauen?

Auch im Wintersemester 2015/16 wird es für Asylsuchende und Flüchtlinge wieder die Möglichkeit geben, an Kursen der Universität Hildesheim teilzunehmen.

Beim Schnupperstudium müssen keinerlei Bedingungen erfüllt werden. Das Studium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennen zu lernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen", sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. Wichtig sei es aber auch, um Struktur in den Alltag zu bekommen und Perspektiven für das eigene Leben zu entwickeln. „Dabei helfen wir durch studentische Beratung und die Vermittlung von Tandempartnern", so Steffi Albrecht, Mitarbeiterin im International Office der Uni. Beliebt sind Studienfächer wie Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, aber auch die Sozialwissenschaften.

Studierende („Anker-Peers“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Universität. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme Außerdem bilden sie Sprachtandems. „Studierende aus Irak, Syrien, Sudan und Afghanistan suchen Tandempartner. Es geht um den Austausch in der Alltagssprache. In meine Sprechstunden kommen vermehrt junge Flüchtlinge, die einfach gerne Deutsch sprechen möchten und gleichzeitig Kontakt mit anderen jungen Menschen suchen“, sagt Steffi Albrecht.

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die etwa 20 jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen.

Wege in die Universität: Kontakt für Studieninteressierte

Die Universität Hildesheim lädt Studieninteressierte mit Fluchterfahrung am Mittwoch, 7. Oktober 2015, um 16:00 Uhr zu einer Infoveranstaltung an die Universität ein (Forum am Universitätsplatz 1, Hildesheim). Auch Ehrenamtliche und Multiplikatoren, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, können sich bei den Lehrenden und Forschern der Uni informieren. Interessierte können sich gerne bei Rückfragen an Steffi Albrecht vom International Office der Uni (steffi.albrecht@uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Hannes Schammann (hannes.schammann@uni-hildesheim.de) wenden.

Hilfe für ein Studium nach der Flucht / Spenden

Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die helfen möchten, können steuerlich absetzbare Spenden unter dem Stichwort „Studium nach der Flucht“ auf das Konto der Stiftung Universität Hildesheim bei der Nord/LB Hannover (IBAN: DE86250500000106031768 / BIC: NOLADE2HXXX) überweisen. Wer Fragen hat, kann Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121.883-90130) kontaktieren.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Migrationspolitik Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10710 Sat, 03 Oct 2015 19:00:00 +0200 Beim Klicken helfen: Social Media und Flüchtlingshilfe https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/beim-klicken-helfen-social-media-und-fluechtlingshilfe/ Mit dem Internet organisieren wir Hilfe. Oder teilen Bilder, die sichtbar machen: „Ich helfe“ oder „Du bist willkommen“. Der Soziologe Michael Corsten untersucht, warum sich Menschen engagieren und wie sich unsere Kommunikationsformen verändern. Der Journalist Matthias Meisner beobachtet, wie via Twitter und Facebook Hilfe organisiert wird. Im Internet kursieren eine Fülle an Informationen und Listen über Hilfsprojekte

Einblick. Ins Internet. Zunächst eine lose Bestandsaufnahme – vollkommen unvollständig. Kurze Blitzlichter in der Masse an Informationen, die dennoch zeigen: Da tut sich etwas. Wer nicht beim Flüchtlingsrat um die Ecke, im Rathaus oder im ehrenamtlichen Café im Flüchtlingsheim vorbeischaut, der geht in diesen Tagen ins Internet. Im Internet finden jene, die helfen wollen, erste Ratschläge: „Was kann ich tun?“ und „Wie kann ich helfen?“ heißen etwa Internetportale von Freiwilligen und Nichtregierungsorganisationen. Frauenzeitschriften wie „Brigitte“ liefern „Tipps und Infos“. Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hat zusammen mit dem ZDF eine „Auswahl von Hilfsprojekten“ zusammengestellt, in denen man sich ehrenamtlich engagieren kann.

Die ARD bietet eine kommentierte Linkliste zum Thema „Hilfe für Flüchtlinge im Netz“ an. Die Redaktion trägt in einer Karte fortlaufend Projekte ein, und ruft dazu auf, weitere Vorschläge einzureichen: „Es gibt viele Wege, Flüchtlingen zu helfen“. Flüchtlingen leichter helfen – das ist auch die Botschaft aus dem Bundesfinanzministerium: Regierungssprecher Steffen Seibert weist via Twitter auf „vereinfachte Regelungen für private Spender“ hin.

Bei der ZEIT können sich Leser online durchklicken, je nachdem ob sie Zeit, Geld oder Platz haben. Eine Übersicht gibt Anregungen, wie man auf die humanitäre Notlage in Deutschland reagieren kann: „Ich habe Zeit und ein Auto“, „Ich habe Zeit und Fremdsprachenkenntnisse“, „Ich habe Zeit und mache Musik oder Sport“, „Ich habe Geld und dafür Dinge gekauft, die ich nicht mehr brauche“ oder „Ich habe Platz und ein Zimmer frei“. Dann folgen Ratschläge, was man tun kann.

In Berlin vernetzen sich junge Leute: sie haben eine Online-Jobbörse aufgebaut, um Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammenbringen („workeer“) und eine Online-Plattform entwickelt, mit der sie Wohnraum vermitteln („Flüchtlinge willkommen“). Via Facebook starten sie Aufrufe und suchen ganz konkret nach Paten, die das WG-Zusammenleben begleiten, zum Beispiel in Bremerhaven.

Und auch an der Universität Hildesheim haben sich viele Initiativen gebildet, Studierende und Lehrende kommen mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien zusammen, die geflohen sind. Sie lernen die deutsche Sprache, spielen Theater und Fußball – nicht online, sondern im physischen Raum. Auch sie nutzen das Internet, zum Beispiel um auf Theaterproben zum Thema „Flucht, Zeit und Isolation“ aufmerksam zu machen und zu Theaterabenden einzuladen. Lehramtsstudierende, die jede Woche mit Jugendlichen aus einer Sprachlernklasse und einer Regelklasse lernen und dies mit gemeinsamen Sport-Aktivitäten kombinieren, bedanken sich online für Spenden.

Klicken und tippen, um zu helfen: Ehrenamtliche vernetzen sich online

Der Hildesheimer Professor Michael Corsten untersucht, warum sich Menschen bürgerschaftlich engagieren. „Es ist nicht erst seit 2015 so, dass Engagement in der Flüchtlingshilfe über soziale Medien mobilisiert wird. Das hat es schon vorher gegeben.“

Schon um die Jahrtausendwende hat der Soziologe über eine Online-Recherche erfasst, welche Initiativen es in der Flüchtlingshilfe in verschiedenen Orten in Deutschland gibt. Die Forscher landeten auf Webseiten von „Amnesty International“ und „ProAsyl“, auch lokale Einrichtungen hatten schon Seiten im Netz, etwa „Gegenwind“ , „Asyl e.V.“ oder „Medizinische Flüchtlingshilfe“ , jeweils kombiniert mit dem Ortsnamen. Aber, so Corsten, vor 15 Jahren haben sich „viel viel weniger Menschen über das Internet informiert, um herauszufinden, wo können sie etwas tun und helfen“.

Diese Informationen im Internet – wie kann ich helfen? – die kommen nicht aus dem Nirgendwo. „Es braucht einen gesellschaftlichen Prozess, der das Engagement anschiebt. Es hat 2015 Gewalttaten und Brandanschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland gegeben. Das hat Menschen mobilisiert, zu sagen: Das wollen wir nicht, das empört uns, dagegen unternehmen wir etwas. Wir helfen. Wir heißen Flüchtlinge willkommen“, sagt Michael Corsten.

„1989 hätte ich einen Tweet abgesetzt“, sagt der Journalist – soziale Medien beschleunigen

Rückblick. Das erste Wochenende im September 2015. Helfer mobilisieren über elektronische Medien Hunderte Menschen, die anschließend an Bahnhöfen Flüchtlinge willkommen heißen. Was war geschehen?

Ende August hatte sich am Keleti-Bahnhof in Budapest das Gerücht verbreitet, Deutschland würde Sonderzüge bereitstellen, die syrische Flüchtlinge in die Bundesrepublik fahren. Der Journalist Matthias Meisner fragt noch am Abend via Twitter nach, das höre sich „nach einer guten Idee an“, das Auswärtige Amt antwortet am nächsten Morgen: „Ist nach unserer Kenntnis trotzdem eine Ente.“ Eine Stunde später reagiert der Regierungssprecher: „Nein. Es gibt keine Sonderzüge. EU-Recht gilt:Wer nach Ungarn kommt,muss sich dort registrieren+Asylverf. dort durchführen“.

Doch da ist die Information bereits in der Welt, spricht sich herum. In den Folgetagen entwickelt sich eine ungeheure Dynamik, die bis nach Deutschland reicht.

Soziale Medien beschleunigen die Vorgänge extrem, sagt Matthias Meisner. Als Reporter für die DPA hat er 1989 über Entwicklungen in Ungarn berichtet, über den Fall der Mauer.

Ein Vierteljahrhundert ist das her. Twitter, Facebook, whatsapp, blogs waren noch offline und hießen Zeitung, Fernsehen, Radio. Meisner war damals mehrfach in Ungarn. Immer mehr Flüchtlinge zog es zur Deutschen Botschaft nach Prag. Auf DDR-Flüchtlinge werde nicht mehr geschossen, wenn sie die Grenze überschreiten, erfuhren er und weitere deutsche Journalistenkollegen während eines Gesprächs im ungarischen Außenministerium von einem Abteilungsleiter (mehr im DLF-Interview). Diese Information brachte der Reporter mit in die Redaktion nach Deutschland. „Heute hätte ich einen Tweet abgesetzt“, sagt der Journalist des Berliner „Tagesspiegel“.

Wenn Matthias Meisner nun, 2015, über Vorgänge in Ungarn, in Österreich und Deutschland spricht, dann können wir seine Gedanken und Informationen nicht nur in Echtzeit miterleben, sondern auch aus der jungen Zeitgeschichte hervorholen: die Tweets des Journalisten sind Teil der digitalen Spuren unserer Geschichte.

Scrollt man in Meisners Twitterprofil nach unten, wenige Tage nach den Geschehnissen, und hält die Pfeiltaste gedrückt, vergehen etwa drei Minuten. Die noch junge Geschichte rast an einem vorbei. Bilder, Hashtags, Kommentare, Retweets. „+++ Eil +++ Die ersten fünf Busse für #Flüchtlinge beim #marchofhope sind da“, steht da zum Beispiel am 4. September 2015.

„Was wir in den vergangenen Wochen erlebt haben, das konnten wir in Echtzeit miterleben. Der taz-Kollege Martin Kaul saß in dem allerersten Bus, der Flüchtlinge an die ungarisch-österreichische Grenze brachte. Er war zugleich die Lebensversicherung für die Flüchtlinge, ob sie sicher an der Grenze ankommen, er twitterte“, sagt Matthias Meisner, der seine Aufgabe als Journalist vor allem darin sieht, „zu sammeln, zu verifizieren, ob Informationen stimmen“.

Engagement im und mit dem Netz – „Viele können mitlesen, mitdenken und reagieren“

Online wird geteilt, was in Ungarn passiert – auch unter jenen, die helfen wollen. „Erst waren das Gerüchte, kommt ein Zug in Gera an, in Saalfeld, in Frankfurt, in Berlin? Die Deutsche Bahn hat nicht darüber informiert, wann und wo die Züge ankommen. Das hat Hilfe erschwert. Aber es haben sich auch Leute gefunden, die Info-Listen mit an- und abfahrenden Zügen fortdauernd aktualisierten. Über das Internet ist es möglich zu zeigen: wo ist Hilfe nötig – Decken, Getränke, ein Dolmetscher?“, sagt Matthias Meisner. Dabei geht es um mehr als Klick und Like: „Die Weitergabe von Informationen ist wichtig. Viele können mitlesen, mitdenken und schon reagieren.“ So seien schnell Hunderte auf den Beinen, die direkt eingreifen und helfen.

Über Facebook und Twitter konnte die Bevölkerung erfahren, wann genau die Züge aus Ungarn in München, in Dortmund ankommen. „Das sind eben die Medien, die wir heute nutzen, um Informationen zu bekommen. Als Deutschland 1954 Weltmeister geworden ist, da sind die Spieler an allen Bahnhöfen dieser Republik empfangen und bejubelt worden. Auch ganz ohne Smartphone haben die Menschen gewusst, wann der Zug durch ihren Bahnhof fährt. Vielleicht haben sie auch einfach nur lange gewartet“, sagt Michael Corsten. Doch die Technik allein reicht nicht aus, um Menschen zu mobilisieren.  „Menschen müssen sich mobilisieren lassen, sie müssen ansprechbar für ein bestimmtes Problem sein. Dann gehen sie raus, dann gehen sie irgendwohin und erheben ihre Stimme.“

Das Smartphone als Informationsgrundlage –  handlich, erreichbar – sei heute praktisch, sagt der Soziologe. Jeder Helfer kann das kleine Gerät in der Hosentasche mit sich führen. „Man kann sich schnell und aktuell informieren. Es ist eine kleine Beschleunigung. Aber um 500 Leute zum Bahnhof zu lotsen, reicht es nicht aus, dass alle ein Smartphone haben. Vielleicht haben doch einige durch das Radio oder durch Bekannte davon erfahren.“

Menschen transportieren einen Tisch von A nach B – das geht nicht mit einem Klick

Am Bahnhof in München nutzen nicht nur freiwillige Helfer im September 2015 das Internet – „wir brauchen 800 Isomatten“ –, auch die Polizei München twittert, mit genauen Ortsangaben und Hinweisen. So werden etwa am „Messegelände #Riem noch Männerkleidung + Schuhe benötigt! #dankemünchen“.

Viele wollen helfen, was können sie tun? Wo werden Personen gebraucht? „Mit elektronischen Medien können wir logistische Probleme bewältigen und Informationen rasch sortieren“, fasst Professor Michael Corsten die technischen Vorteile zusammen. „Wir hoffen auf das Internet, auf zeitnahe Lösungen, auf die Chancen der Vernetzung. Aber das Netz ist nicht in der Lage, praktisch, konkret und lokal alle Lücken zu schließen. Im Netz sieht das so einfach aus. Sie können zwar die Information abrufen, dass da jemand ist, der etwas zur Verfügung stellt. Aber bis er das – die Decke, die Möbel, das Deutschbuch – dann wirklich zum Punkt B gebracht hat, da brauchen Sie eben dann doch etwas, was vor Ort geschieht. Wir sind auf Prozesse im physischen Raum angewiesen.“

Drei Sekunden, ein Blick auf den Bildschirm, auf das Smartphone – ein Klick, ein Retweet, ein Like. Wo beginnt Engagement? Das Teilen einer Nachricht auf Twitter ist zunächst „eine Positionierung“, sagt Corsten. „Der Klick ist eine Form des Engagements – relativ unaufwändig und günstig. Die Öffentlichkeit erfährt etwas über die Stimmungslage, wohin tendiert die Bevölkerung, heißt sie Menschen willkommen oder ist sie eher skeptisch. Dafür ist der Klick gut.“

Dann aber müssen Menschen auch Zeit haben, bestimmte Dinge zu tun. Sie können sich über Twitter und Facebook verabreden, passende Zeitpunkt finden. „Trotzdem muss es Menschen geben, die wissen: Es werden jetzt Transporter benötigt, die Möbel  von A nach B bringen. Das setzt das Motiv bei Personen voraus, nach diesen Informationen zu suchen und zu handeln.“

Mehr als schöne Bilder und flüchtige Momente – was bleibt langfristig?

Ausblick. Hoffentlich ist das kein Facebook-Event. Punktuell. Weil das cool ist. Dabei sein am Bahnhof  – der Weg zum Bahnhof, Winken, Süßigkeiten und Obst verteilen. Kommen sie noch in einem halben Jahr, in einem Jahr, um zu helfen?

Wer von den Personen, die in den Online-Foren etwas kommentieren – ob auf SPIEGELonline, ZEITonline, tagesschau.de, BILDonline –, wäre auch ansprechbar, wirklich Hilfe zu leisten? Angefangen dabei, dass man Kleidung, Decken spendet oder tatsächlich vor Ort Kaffee trinkt, miteinander redet, Deutsch lernt, die Stadt erkundet.

„Mit den elektronischen Medien haben wir eine neue Qualität der Mobilisierung“, sagt Corsten. „Es engagiert sich natürlich nicht jeder. Die Bereitschaft, sich mit einer Regelmäßigkeit für eine Sache zu engagieren, zwei Mal in der Woche, jeden Monat, ist bei 15 bis 20 % der Gesellschaft vorhanden.“

Bürgerschaftliches Engagement setzt Regelmäßigkeit voraus, so Michael Corsten. Dass Menschen immer wieder zusammentreffen, miteinander kommunizieren, Projekte in Gang halten, dafür Verantwortung übernehmen. Hier werden die Zahlen der Engagierten geringer. Wer Arzt ist, engagiert sich in der medizinischen Flüchtlingshilfe und Gesundheitsversorgung, eine Lehrerin gibt Deutschunterricht, eine Erzieherin begleitet Kinder. „Wir greifen in dem Moment auf die Kompetenzen zurück, die wir haben“, so Corsten.

Naturkatastrophen etwa führen zu einer schnellen, punktuellen Aktivität. Ist die Hochwasserkatastrophe überstanden, beginnt für viele wieder der Alltag. Diese „prosozialen Aktionen“ sind oftmals einmalig. „Punktuell, akut, jetzt tun wir etwas, an diesem Wochenende. Da ist die Bereitschaft, etwas zu tun, deutlich höher, vielleicht liegt sie bei etwa 30 bis 40 Prozent.“

Vielleicht, sagt Corsten, entsteht in diesen Tagen in der Flüchtlingshilfe ein kontinuierliches Engagement. Besonders heute, wenn es um Menschen geht, die nach der Flucht ankommen und hier weiterleben, bedarf es der Regelmäßigkeit, wenigstens für einen gewissen Zeitraum. Eine Familie aus dem Irak etwa sucht in Hildesheim jemanden, der die drei kleinen Grundschulkinder in den ersten Wochen begleitet – aber nicht morgen wieder weg ist. „Unterstützen wollen viele – aber es kommt hinzu: Wie greift man eigentlich ein? Sollte eine Person immer dabei sein und die Kinder zur Schule begleiten? Irgendwann muss der Tag kommen, an dem die Begleitperson wegfällt. Weil Integration bedeutet, ich kann mich selbstständig in dieser Gesellschaft bewegen und sie ist so beschaffen, dass sie mich aufnehmen kann.“ Unsere Aufgabe sei es, sagt Corsten, für Bedingungen zu sorgen, den vielen Menschen, die jetzt zu uns kommen, diese Teilhabe zu ermöglichen. „Das Aufnehmen setzt sehr komplizierte Prozesse heraus – das ist nicht mit einmaligen Aktionen getan, das ist auch nicht nur mit regelmäßigem Engagement getan. Vielleicht haben wir für diese Aufgabe noch gar keine Erfahrungen. Diese neuartige Situation wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Jetzt können wir als Gesellschaft selbstbewusst sein und sagen: Das schaffen wir, wie es die Bundeskanzlerin tut. Wir können unterstreichen: Das machen wir, wir haben motivierte Menschen, die auch hinnehmen können, das nicht immer alles gleich gut funktioniert. Aber es gibt kein Patentrezept“, sagt Corsten.

Weitere Informationen: Warum helfen einige und andere nicht?

Lehramtsstudenten trainieren mit Jugendlichen. Soziologen untersuchen in Hildesheim, wer warum hilft. Foto: Lange

Das Ehrenamt steht hoch im Kurs. Prof. Dr. Michael Corsten untersucht, warum sich Menschen engagieren. Der Soziologe der Universität Hildesheim hat zwischen 2001 und 2012 mit Forschern der Universität Jena in vier Städten regelmäßig Interviews geführt. In der Langzeitstudie „Was bewegt Deutschland?“ sprachen die Forscher mit Menschen in Wilhelmshaven, Jena, Dessau und Göttingen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, die als Schöffen, in der Jugendarbeit und im Kulturbereich ehrenamtlich tätig sind. Befragt wurden auch karrierefokussierte Menschen und Erwerbslose. Die einen engagieren sich nur, wenn es der eigenen Karriere dient und wenn es in den Zeitplan passt. Den anderen hingegen fehlt häufig das soziale Netzwerk, um in Engagement hineinzugeraten.

„Engagement hängt mit politischer Kultur zusammen. Menschen, die sich bürgerschaftlich engagieren, tendieren weniger als Nichtengagierte dazu, politische Ressentiments zu entwickeln“, sagt Corsten. Die Engagierten werden selber aktiv und erleben: wenn man versucht, sich zu beteiligen, dann kostet das Mühe. Man kann seinen eigenen Erwartungen oft nicht gerecht werden, man muss mit Leuten kooperieren und Kompromisse bilden.

Was verleitet Akteure, das was ihnen am Herzen liegt, tatkräftig umzusetzen? Schließlich engagieren sich manche jahrelang, obwohl sie dafür kein Geld und oft kaum Reputation erlangen. Seinen vielleicht entscheidenden Antrieb gewinnt Engagement aus „sozialen Resonanzräumen“. „Wertschätzung für Ehrenamt schaffen – das ist Aufgabe der kommunalen Politik“, so Corsten.

]]>
Pressemeldungen Sozialwissenschaften Soziologie Flüchtlinge
news-10646 Tue, 29 Sep 2015 11:47:00 +0200 Rat für Migration: Stellungnahme zu Flucht und Asyl https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/rat-fuer-migration-stellungnahme-zu-flucht-und-asyl/ Berlin, Hildesheim. Migrationsforscher_innen aus dem Rat für Migration haben heute in Berlin das aktuelle Gesetzesvorhaben der Bundesregierung im Bereich Flucht und Asyl kommentiert. Darunter auch Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim. Der Rat für Migration hat heute in der Bundespressekonferenz in Berlin (Stellungnahme anhören: Phoenix) das aktuelle Gesetzesvorhaben der Bundesregierung im Bereich Flucht und Asyl kommentiert (zur ausführlichen Stellungnahme und Presseinformation des Rats für Migration vom 29.09.2015). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren, dass die Gesetzesvorschläge zur Beschleunigung des Asylverfahrens ihr Ziel verfehlten. „Um schnellere Verfahren zu gewährleisten, muss Bürokratie abgebaut werden. Die Vorschläge sehen aber eher ein Mehr an Bürokratie vor. Das bedeutet auch: Längere Wartezeiten bei Behörden und Belastung der kommunalen Haushalte", so Professor Hannes Schammann von der Universität Hildesheim. Beispielsweise werde die maximale Dauer einer sogenannten Duldung von bislang sechs auf drei Monate verkürzt. Dadurch könne aber niemand schneller abgeschoben werden. Stattdessen müssten die Menschen einfach doppelt so häufig zur Ausländerbehörde.

Auch die Wiedereinführung von Sachleistungen in Erstaufnahmeeinrichtungen – beispielsweise durch Essenspakete anstelle von Bargeld – sei ein Rückschritt in Sachen Effizienz: „Erst im März 2015 hat man Sachleistungen abgeschafft, weil sie unpraktisch und zu teuer waren. Jetzt führt man sie wieder ein", kritisiert Schammann. Zudem gebe es keinerlei Belege, dass Sachleistungen tatsächlich abschreckende Wirkung hätten, wie der Gesetzentwurf unterstellt. Schammann ist sich sicher: „Die Menschen werden trotzdem kommen."

Auch von der Einstufung von Staaten des Westbalkan als „sichere Herkunftsstaaten" versprechen sich die Wissenschaftler keine wesentliche Erleichterung. Stattdessen setzen sie auf eine unbürokratische Anerkennung aller syrischen Flüchtlinge. Bislang werden diese zwar bereits zu fast 100 % anerkannt, müssen aber durch ein aufwändiges Verfahren. „Wenn man syrische Kriegsflüchtlinge aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit pauschal anerkennen würde, wäre das Asylsystem mit einem Schlag entlastet und wieder leistungsfähig. Diese Option fehlt aber im Gesetzentwurf," so Hannes Schammann.

Die gesamte Stellungnahme des Rats für Migration mit zehn Forderungen für eine Neujustierung des Asylsystems ist hier online abrufbar.

Info: Rat für Migration

Neben Prof. Dr. Hannes Schammann engagiert sich auch Prof. Dr. Viola Georgi (Professorin für Diversity Education an der Universität Hildesheim) im Rat für Migration. Der Rat für Migration
 ist ein bundesweiter Zusammenschluss von über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen. Seine zentrale Aufgabe sieht der Rat für Migration unter anderem darin, politische Entscheidungen und öffentliche Debatten über Migration, Integration und Asyl kritisch zu begleiten.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Erziehungswissenschaft
news-10850 Sat, 19 Sep 2015 12:05:00 +0200 Kreis soll deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/kreis-soll-d/ Die Zahl der FlüchtIinge, die das Land Niedersachsen dem Kreis Hildesheim in diesem Jahr zuweist, ist mit 1850 deutlich gestiegen. Die Stadt wird davon in etwa ein Fünftel aufnehmen und es wurden wichtige Weichen gestellt. Um Flüchtlingen bei der Integration zu helfen, sind kreisweit 20 Sprachkurse geplant. Die berufliche Integration soll angekurbelt werden: Universität und HAWK suchen Paten für Flüchtlinge, die ein Studium beginnen. Pressespiegel regional Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge news-10565 Thu, 17 Sep 2015 14:40:00 +0200 Nach der Flucht: Sport gibt Kraft und kann verbinden https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/nach-der-fl/ Mikad hat es von einer Sprachlernklasse in die Regelklasse geschafft, für seine Freunde ist er ein Vorbild. Daria liebt das gemeinsame Fußballspiel. Orjan fühlt sich durch den Sport gestärkt. Firaz Mama wird vermisst, im Sport findet er Halt, um damit umzugehen. Zwei Lehramtsstudenten der Uni Hildesheim begleiten Jugendliche, die geflohen sind, beim Ankommen in Deutschland. Ihr Werkzeug: der Sport. Viele weitere Studierende wollen durch Theaterspielen, Musizieren und Sprachenlernen Begegnungen fördern. Darüber informierte sich Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić. Mikad* ist mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Von der Sprachlernklasse hat der Zwölfjährige gerade den Übergang in die Regelklasse geschafft. Er besucht eine Gesamtschule in Niedersachsen, lebt seit etwa zehn Monaten in Deutschland. Er hat eine schwierige Vergangenheit, wie eigentlich alle Kinder in dieser Fußballgruppe, die Krieg und Flucht erlebt haben. „Er spricht die deutsche Sprache immer besser", beobachtet der Student Omar Fahmy. „Mikad ist ein Vorbild für die anderen Kinder, er spricht fließend die arabische Sprache in Wort und Schrift und lernt sehr fleißig."

Daria* ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, sie besucht die Sprachlernklasse erst seit zwei, drei Monaten, kam mitten im Schuljahr hinzu. Die 12-Jährige spricht Arabisch und Kurdisch und ist mit ihrer Familie aus Syrien geflohen. „Sie macht im Fußball gut mit", freut sich Omar Fahmy.

Auch Orjan* macht große Entwicklungsfortschritte. Zunächst war es gar nicht so einfach, Freunde zu finden, er hat sich wenig zugetraut. Der Sport stärkt den Jungen. Er geht nun mehr auf Menschen zu.

Der 15-jährige Firaz* ist auf der Suche – seine Mutter wird vermisst, sein Vater ist gestorben. Der Junge lebt seit seiner Flucht aus Syrien bei seinem Onkel und dessen Sohn. Firaz kommt regelmäßig zurück auf den Sportplatz, erzählt den Lehramtsstudenten von seiner verzweifelten Lage. Seine Mama ist nicht auffindbar. „Es ist ihm sehr wichtig, am Sport teilzunehmen“, sagt Fahmy.

Die vier Jugendlichen nehmen in den Sommerferien an einem Sportcamp der Lehramtsstudenten Dominik Feer und Omar Fahmy teil. Etwa 36 Jugendliche kicken und lernen zusammen, viele Kinder kommen aus Syrien, einige aus dem Irak, andere aus Serbien. Sie leben mit ihren Familien im Flüchtlingsheim, einige wohnen in einer Wohnung in der Stadt, andere im Landkreis, 10 km entfernt von Hildesheim.

Was kann Sport auslösen? Kann Bewegung dazu beitragen, dass die Jugendlichen Kraft finden, um in Deutschland anzukommen?

Es ist August. Täglich sind Omar Fahmy und Dominik Feer auf dem Fußballplatz eines Hildesheimer Vereins. Ab 7 Uhr bereiten sie das Sportcamp vor, am Abend bauen sie ab. Dazwischen passiert viel. Nach einer Woche, es ist Samstag, fällt Omar Fahmy erschöpft ins Bett. „Ich muss das erst einmal verarbeiten. Ich bekomme immer mehr Geschichten mit. Es ist Wahnsinn, man denkt nicht, man spricht mit einem 11-Jährigen, sondern mit einem 20-Jährigen“, sagt der Student.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt diese Arbeit im Rahmen einer Soforthilfe für lehrerausbildende Universitäten, die Flüchtlinge beim Spracherwerb und beim Einstieg in ein Studium begleiten. Über die Arbeit an der Universität Hildesheim hat sich die Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić im August (19.08.2015) informiert. „Es geht darum, Flüchtlingen Bildungschancen zu eröffnen. Viele von ihnen verfügen über Bildungsqualifikationen und -potenziale, die wir nutzen wollen. Wir wollen Talente fördern“, so Ministerin Heinen-Kljajić. „Die Universität verfolgt Bildungsintegration mit hoher Priorität. Sie verfügt über Schwerpunkte im Lehramtsstudium, in den Erziehungswissenschaften und in der pädagogischen Psychologie.“ Ein großer Erfolg sei die Förderung des Projektes „Bildungsintegration“ aus dem niedersächsischen VW-Vorab über 2,85 Mio. Euro bis 2016.

Das Projekt FuNah („Fußball & Nachhilfe“) sieht die Ministerin als gelungenes Beispiel, wie man junge Flüchtlinge über den Sport erreicht. Das Projekt zeige, „dass Sport bestimmte Bildungsprozesse in Gang setzen kann“. Er kann das Selbstwertgefühl steigern, und im Spiel erlernen die Teilnehmer Werte wie Fairplay, Respekt und Teamgeist, so die Ministerin.

Der Hildesheimer Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: „Die Universität Hildesheim hat bereits 2008 ihr Leitbild den Anforderungen des Einwanderungslandes angepasst. Wir haben Professuren für Deutsch als Zweitsprache, Interkulturelle Kommunikation, Diversity Education und Migrationspolitik eingerichtet. Wir haben ein Zentrum für Bildungsintegration gegründet und wir stärken die Fächer Sport und Musik, weil diese für Integration besonders geeignet sind. Heute steht die deutsche Gesellschaft vor ihrer größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Wir wollen unseren Beitrag leisten, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Studenten arbeiten im FuNah-Projekt nicht nur in den Ferien, sondern auch in der Schulzeit mit Mädchen und Jungen zusammen und wollen die Verbindungen zwischen den Jugendlichen stärken, gemeinsam an Teamgeist und Vertrauen arbeiten. In einer Realschule in Peine lernen sie seit einem Jahr jeden Montagnachmittag gemeinsam, dann geht es auf den Sportplatz. In einer Hildesheimer Gesamtschule wollen sie seit Jahresbeginn Jugendliche aus einer Sprachlernklasse und aus den Regelklassen im Sport zusammenbringen.

Das sei sehr wichtig, sagt Omar Fahmy und berichtet von einem Vorfall im August. Auf dem Sportplatz fielen Beleidigungen wie „Kanacke“, „Asylantenkinder“ und „Neger“. „Wir haben das Spiel sofort abgebrochen und gemeinsam über die Bedeutung der Wörter gesprochen. Ein Stück weit erzwingen wir diese Situation in einer heterogenen Gruppe. Wir müssen darüber reden, bevor es zu spät ist und solche Begriffe zum Alltag gehören", sagt Omar Fahmy. Die Schüler würden solche Äußerungen aus dem Elternhaus, von Freunden oder im Internet aufschnappen. Oft wissen sie gar nicht, sagt Fahmy, was sie da eigentlich sagen.

„Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy, dessen Familie aus dem Libanon und Ägypten kommt. Dass er Arabisch spricht, ist nun ein Vorteil.  Dominik Feer ergänzt: „Die Kinder sollen lernen, dass sie ihre Mitspieler brauchen, alleine geht es nicht.“ Warum er neben seinem Lehramtsstudium das Sport-Projekt entwickelt hat? Er wolle etwas zurückgeben und habe selber früh Sport getrieben. „Wir können dazu beitragen, dass Kinder schnell Fuß fassen in Hildesheim. Wir sollten jetzt die Kraft aufwenden, nicht dagegen arbeiten, sondern dafür. Die Kinder und Jugendlichen können nicht mehr zurück, sie lernen und leben in Hildesheim", sagt Fahmy.

Hazim liebt Fußball, schon in Irak hat er gespielt – im Bild mit Lehramtsstudent Omar. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Sport im Lebenslauf – Sport und Sprache – Forschung von Vera Volkmann

Über, auf, unter, zwischen – im Sport kann man wunderbar Präpositionen und die deutsche Sprache lernen. Aber im Sport braucht man nicht immer viele Worte und kann sich dennoch begegnen.
„Durch Bewegung im Raum und Vormachen kann man Sprache erfahrbar machen. Regeln im Sport sind international. Das Runde muss ins Eckige. Das ist auch eine Entlastung, weil Sprache nicht zwangsläufig im Fokus ist. Ich kann durch Gesten, Mimik und einen guten Pass viel sagen“, sagt die Sportprofessorin Vera Volkmann, die das „FuNah“-Projekt wissenschaftlich begleitet und untersucht, welche Rolle Sport im Lebensverlauf spielt. „Sport ist gemeinschaftliches Erleben, auch körperlich und emotional. Sport kann ein guter Anker sein, um Begegnungen anzubahnen.“

Schwerpunkt: Bildungsteilhabe von Flüchtlingen / Beispiel: Sport-Bildungs-Projekt „FuNah“

Die Universität Hildesheim unterstützt Integration und Bildung von Flüchtlingen – zum Beispiel durch gemeinsamen Sport: Im Projekt FuNah („Fußball & Nachhilfe“) spielen Kinder aus Flüchtlingsfamilien und Lehramtsstudenten nach individuellen Förderstunden gemeinsam Fußball. Die Niedersächsische Wissenschaftsministerin ist bei einem solchen Fußballspiel zu Gast und unterhält sich nach Abpfiff mit Flüchtlingen und Studierenden über Erfahrungen, Lernerfolge und die Integrationskraft von Sport.

Omar Fahmy, Dominik Feer und Vera Volkmann wollen ihre Initiative ausbauen. Es gibt schon sechs weitere Studierende, die sich für FuNah engagieren wollen. In Kooperation mit dem Deutschinstitut haben die Studierenden an einer Fortbildung im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ teilgenommen. Das Projekt soll auf weitere Schulen in Hildesheim ausgedehnt werden. Zudem bestehen Kontakte zum Netzwerk niedersächsischer Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte und darüber zu einer Schule in Oldenburg, einer Schule im Landkreis Peine und drei Schulen in Hannover. Das Sportteam sucht nun nach Wegen, um das Sport-Bildungs-Projekt auch an diesen Standorten in Niedersachsen anzubieten.

Die beiden Sportstudenten stehen stellvertretend für viele weitere Studierende, die Flüchtlinge auf dem Weg an die Universität in einem Schnupperstudium unterstützen, die gemeinsam Theater spielen oder im Sprachtandem Deutsch lernen. Einige Studierende arbeiten mit künstlerischen Mitteln, um Jugendliche und junge Erwachsene zusammenzubringen, etwa im gemeinsamen Theaterspiel und beim Musizieren. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler u.a. aus den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Migrationspolitik, Diversity Education, Musik und Sport im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen und kooperieren mit Partnern in der Region, etwa Schulen und dem Beratungszentrum Asyl e.V.

Sport stärkt das Selbstvertrauen und verbindet, man wird zu einem Team. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Weitere Informationen: Uni nach der Flucht

Der Hildesheimer Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen.

Magazin: Themenschwerpunkt Studium nach der Flucht / Sport und Musik verbinden

Mehr erfahren Sie im Magazin der Universität Hildesheim. Die Ausgabe 2015 erscheint mit dem Schwerpunktthema „Studium nach der Flucht / Bildungswege von Flüchtlingen“ und ist online kostenfrei als PDF und Epaper abrufbar. Ein Interview mit Professorin Vera Volkmann über die Kraft des Sports lesen Sie auf Seite 38/39 im Uni-Magazin.

Medienkontakt: Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100, 0177.8605905).

* Anmerkung: Die Namen dieser Kinder wurden geändert.

Dieser Beitrag ist Teil 1 der Serie „Kraft und Mut: Bildungswege nach der Flucht". Eine mehrteilige Serie: Wie Menschen, die geflohen sind, in Hildesheim die deutsche Sprache erlernen, wer sie unterstützt und welche Bildungsziele sie haben.

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 3 Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Lehramt GHR-300 MEd (Lehramt) Polyv. 2-Fäch.BA Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Sportwissenschaft Flüchtlinge
news-10570 Wed, 19 Aug 2015 08:00:00 +0200 #UninachFlucht: Schneller zum Studium: Hochschulen und Politik wollen Flüchtlingen den Einstieg erleichtern (DEUTSCH) / German Colleges Open Up to Refugees (ENGLISH) https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/uninachfluc/ Das HANDELSBLATT berichtet in der deutsch- und englischsprachigen Ausgabe über die Initiative der Universität Hildesheim, Menschen nach der Flucht bei der Wiederaufnahme eines Studiums zu unterstützen. „Ich will Kontakt zu deutschen Studenten haben, will Deutsch lernen", sagt der 33-jährige Moussa dem HANDELSBLATT. Seit April 2015 geht er zur Universität Hildesheim, ein Professor aus dem Institut für Sozialwissenschaften berät Moussa bei der Wahl der Seminare und Vorlesungen. „Nur in der Unterkunft zu sitzen und zu warten sei 'sehr, sehr langweilig'", sagt Moussa, der in Hildesheim Umwelt- und Naturschutz studieren möchte und sich besonders für Umweltpolitik interessiert. Etwa ein Dutzend weitere Flüchtlinge lernten mit ihm im Schnupperstudium an der Universität Hildesheim in Niedersachsen, „die sonst üblichen Gebühren zahlen sie nicht", berichtet das HANDELSBLATT. „Migration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, auch Universitäten müssen ihren Beitrag leisten", sagt Unipräsident Wolfgang-Uwe Friedrich.

Handelsblatt, „Schneller zum Studium: Hochschulen und Politik wollen Flüchtlingen den Einstieg erleichtern / Keine Gebühren, dafür Hilfe von Kommilitonen / Ich will Kontakt zu deutschen Studenten haben, will Deutsch lernen, sagt ein Flüchtlinge aus dem Sudan, der an der Universität Hildesheim Seminare besucht", 19.08.2015 (DEUTSCH) (print)

Handelsblatt global edition, „Free Courses: German Colleges Open Up to Refugees / By Stefani Hergert / A program launched by 60 colleges and universities allows refugees in Germany to sit in on classes even if they can't afford the fees", 19.08.2015 (ENGLISH) (online)

Kontakt zu Studierenden und zu Lehrenden, die Studieninteressierte nach der Flucht unterstützen, über die Universität Hildesheim (Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

Lesen Sie auch: Hildesheimer Universitätspräsident fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems für Flüchtlinge (Uni-Pressemeldung vom 19.06.2015)

]]>
Migrationspolitik Politik Sozialwissenschaften Bildungsintegration Pressespiegel überregional Zentrum für Bildungsintegration Geographie Biologie & Chemie Flüchtlinge
news-10682 Tue, 18 Aug 2015 13:32:00 +0200 Ministerin schaut sich FuNah an https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/ministerin-s/ Die Lehramtsstudenten der Uni Hildesheim, Omar Fahmy und Dominik Feer haben das Projekt Fußball und Nachhilfe ins Leben gerufen, kurz Funah genannt. Das Konzept verbindet in idealer Weise Sport und Lernen. Nach dem Start in Peine läuft Funah nun auch in Hildesheim. Dort wird eine Sprachlernklasse auch mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien betreut. Niedersachsens Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajic besuchte die Universität und sprach mit Projektleitern und teilnehmenden Schülern über Erfahrungen, Lernerfolge und die Integrationskraft von Sport. Migrationspolitik Pressespiegel regional Sportwissenschaft Politik Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge news-10229 Sun, 05 Jul 2015 20:06:00 +0200 Migrationspolitik im Fokus der Forschung https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/migrationspolitik-im-fokus-der-forschung/ Hannes Schammann befasst sich an der Universität Hildesheim mit Migrations- und Flüchtlingspolitik in Deutschland und der EU. In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung spricht der Juniorprofessur für Migrationspolitik Anfang Juli zum Thema „Grenzenlos glücklich? Mythen der Migrationspolitik“. Im Gespräch gibt er vorab Einblick in seine Arbeit. Sie sind an der Universität Hildesheim Juniorprofessor für Migrationspolitik – bundesweit der erste mit dieser Denomination. Womit befassen Sie sich?

Wie wirkt Politik auf Migration und wie wirkt Migration auf Politik? Wer – Kommunen, Bundesländer, EU, Zivilgesellschaft und Unternehmen – meldet sich wie zu Wort? Jeder redet mit, da gilt es genau zuzuhören. In der Lehre möchte ich Kompetenzen zum Leben in einer pluralen Gesellschaft vermitteln. In meinen Kursen diskutieren Studierende mit Flüchtlingen über die Migrationspolitik der EU, am Beispiel der „Pegida“ erörtern sie Fragen der politischen Kultur. Mit Professorin Marianne Kneuer und Professor Thomas Demmelhuber organisiere ich die öffentliche Vorlesungsreihe „Demokratie und Islam“. Da treffen Hildesheimer und Studierende aufeinander und diskutieren intensiv über eines der emotional am stärksten aufgeladenen Themen unserer Zeit.

Wie verändert sich Flüchtlingspolitik? Einige argumentieren mit der Flaute bei den Fachkräften…

Flüchtlinge werden zunehmend mit Blick auf ihren Nutzen auf dem Arbeitsmarkt gesehen. Viele sind aber traumatisiert, können nicht sofort arbeiten. Es wird harte politische Auseinandersetzungen geben, ob das Asylverfahren tatsächlich zu einer Art Rekrutierungsinstrument für Fachkräfte umgebaut werden soll. Vor allem, wenn Kommunen sagen: Wir möchten MINT-Fachleute. Und nicht: Wir möchten eine Familie zusammenbringen, ihr Schutz geben.

„Wir sind nicht genug Menschen hier“, sagt Goslars Bürgermeister. Er lehnt das „Zwischenparken in Sammelunterkünften“ ab. Wie gehen Kommunen damit um?

Sehr unterschiedlich. Am besten fahren Kommunen, die langfristig flexibel denken und Schwankungen der Flüchtlingszahlen einplanen. Flüchtlingsmigration lässt sich kaum steuern. Die Stadt Münster kooperiert etwa mit Wohnungsbaugesellschaften und plant Zwischennutzungen ein. Die Stadt Hildesheim überrascht mich positiv, denkt pragmatisch. Zuerst kommen Flüchtlinge in die Gemeinschaftsunterkunft, dann möglichst schnell in eigene Wohnungen. Das fördert die Integration und ist meist kostengünstiger. Die Stadt kommt im „Arbeitskreis Asyl“ mit Kirchen, Studierenden und ehrenamtlichen Initiativen zusammen.

Studierende engagieren sich, etwa im Bereich Deutsch als Zweitsprache.

Ich beobachte eine große Bereitschaft, sich zu engagieren. Menschen gehen gemeinsam mit Flüchtlingen zur Behörde, lehren die deutsche Sprache. Aber nicht jeder ist qualifiziert, in allen Bereichen zu helfen. Ehrenamt braucht Hauptamt, die Stadt muss das koordinieren und Freiwillige begleiten.

Wo ist Handlungsbedarf?

Land und Kommunen sollten überlegen, wie sie die Wartezeit von Asylsuchenden sinnvoll nutzen können. Langeweile und erzwungene Untätigkeit verursachen Integrationsprobleme, die man später nur noch mühsam beheben kann. Deshalb sollte die Landesregierung weiterhin konsequent mit dem Bund darüber verhandeln, wie man Asylbewerber ab dem ersten Tag für Integrationskurse zulassen kann. Bislang nämlich dürfen Flüchtlinge zumeist erst an den bundesgeförderten Kursen teilnehmen, wenn sie anerkannt sind. Das ist zu spät. Zweitens sollten Land und Kommunen Möglichkeiten schaffen, damit sich Flüchtlinge sinnvoll beschäftigen können. Man kann beispielsweise gezielt studierende Asylsuchende als Gasthörer an Unis zulassen. In Hildesheim gehen wir erste Schritte und merken: Das Schnupperstudium an der Universität gibt Struktur im Tagesablauf, die Studierenden mit Fluchterfahrung nehmen am normalen Uni-Betrieb teil, wie jeder andere Student auch. Viele haben einen ungesicherten Status, aber sie bringen den Mut auf, sind hoch motiviert, zu lernen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Antrittsvorlesung über Migrationspolitik am 8. Juli 2015

Der Migrationsforscher und Politikwissenschaftler Hannes Schammann spricht in seiner öffentlichen Antrittsvorlesung über Migrationspolitik. Die Veranstaltung mit dem Titel „Grenzenlos glücklich? Mythen der Migrationspolitik“ beginnt am Mittwoch, 8. Juli 2015, um 18:15 Uhr im Hörsaal 4 der Universität Hildesheim (Forum, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). Interessierte Bürgerinnen und Bürger, Studierende und Lehrende sind herzlich eingeladen. Hannes Schammann hinterfragt in der Vorlesung einige zentrale Thesen der politikwissenschaftlichen Migrationsforschung. Wird Migrationspolitik in westlichen Demokratien wirklich immer liberaler? Hat die Bevölkerung immer etwas dagegen – und ist „Pegida“ typisch für diese restriktiven Tendenzen? Sind unterschiedliche Ansätze der Flüchtlingspolitik nur zwischen Nationalstaaten zu beobachten?

Zur Person

Prof. Dr. Hannes Schammann ist seit Herbst 2014 Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Hildesheimer Universität. Vorher arbeitete er mehrere Jahre in der migrations- und integrationspolitischen Praxis: als Projektleiter für Migration und Integration bei der Robert Bosch Stiftung, als Referent für Grundsatzfragen der Integration beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und als Koordinator für Integrationsprojekte bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Ev. Jugendsozialarbeit. Berufsbegleitend promovierte Hannes Schammann an der Universität Passau zu „Ethnomarketing und Integration“. Er arbeitet besonders gerne an der Schnittstelle von Forschung und Praxis. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen auf Migrations- und Flüchtlingspolitik in Deutschland und der EU sowie auf der Frage nach Teilhabe islamischer Organisationen in Deutschland. An der Universität Hildesheim ergeben sich damit zahlreiche Überschneidungen, insbesondere mit dem Zentrum für Bildungsintegration.

Lesen Sie dieses Interview im aktuellen Uni-Magazin ab Seite 21 (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10228 Wed, 01 Jul 2015 12:48:00 +0200 Mehr als nur Theater https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/mehr-als-nur-theater/ Es war einmal. Maissara wiederholt Sätze, ein Echo. Ständiges Ausharren, Warten ist anstrengend für Körper und Geist. Theaterstudierende der Universität Hildesheim und Flüchtlinge aus dem Sudan erarbeiten ein Stück über Zeit und Isolation. Aufführungen finden 2015 in Hildesheim, Hannover und Braunschweig statt. Ein Probenbesuch von Isa Lange. Das ist doch entspannend: Ein Liegestuhl, ein Schwimmbad. Drei Leinwände auf der Bühne, davor drei knapp zwei Meter hohe Stühle. Unter ihnen ist nichts. Leere. Stühle, die keineswegs zum Entspannen einladen, sondern ein Workout sind. Um sich auf ihnen zu halten, muss man sich mit Beinen und Armen abstützen. Ausharren zu müssen ist eine Anstrengung für Körper und Geist. Im Bühnenhintergrund sieht man ein Schwimmbad, im Video. Der Bühnenaufbau lässt zu, zwischen Video und Bühne zu springen, mal taucht Maissara M. Saeed im Film auf, dann auf der Bühne. Saeed, der aus dem Sudan geflohen ist, nennt das „breaking isolation“. Es ist ein Thema, das ihn sehr beschäftigt.  Seit März 2015 proben Theaterstudierende und Flüchtlinge aus Hildesheim und Hannover ein Stück zum Thema Isolation. „Wir befassen uns mit der Isolation der Flüchtlinge vom Rest der deutschen Gesellschaft als auch untereinander”, sagt Sebastian Rest während einer Probe in der Universität Hildesheim. Die große Chance des Künstlerischen ist, eine Bühnenfigur zu schaffen, so der Theaterstudent. „Man kann immer eine Distanz zu sich entwickeln, man zeigt eine Figur, die man mit geschaffen hat.“

Alle zwei Wochen proben die Studierenden und Flüchtlinge am Wochenende, essen gemeinsam, sie entwickeln das Bühnenbild weiter. Abends nach Betriebsschluss dreht die freie Theatergruppe „Voll:milch“ Szenen im Schwimmbad in Hildesheim. Ein Schwimmbad, Ort der Erholung und freien Zeit, so Stephan Mahn. „Für uns ist das Bad ein Ort der Entspannung, das ist ein Luxus, den wir haben, eine Langsamkeit, ein Warten. Für Asylsuchende ist Warten anstrengend, körperlich und psychisch.“ Katja Trachsel erzählt von einem aufsehenerregenden Ereignis in der Schweiz: Der Besitzer hatte verlangt, dass Gruppen von Flüchtlingen sich anmelden, bevor sie ins Schwimmbad kommen und wenn, dann bitte in kleinen Gruppen. „Das Flüchtlinge von Freizeitangeboten ausgeschlossen werden, ist ein Skandal“, sagt die Studentin. „Wir arbeiten mit Experten zusammen, Flüchtlinge aus dem Sudan. Wann ist freie Zeit einfach leer? Wir arbeiten in der Gruppe mit krass viel Humor. Komik ist ein Mittel, um Isolation zu durchbrechen. Wir arbeiten sehr intensiv zusammen.“

Um als Gruppe zusammenzukommen und sich dem Thema anzunähern, kommen viele Theaterübungen zum Einsatz. „Man setzt sich vor eine Kamera, hat eineinhalb Minuten Zeit und wählt etwas aus, anhand dessen man ein Porträt von sich macht, man stellt sich anhand seiner Tasche vor“, so Katja Trachsel. Ein Flüchtling aus dem Sudan holte sein Portemonnaie hervor, er zog einen Fahrschein vom Nahverkehr Hildesheim nach dem anderen heraus, zeigte: Er ist unterwegs. Die Theaterstudierenden arbeiten  mit Übungen, die nicht über Sprache funktionieren, sondern über den Körper. In den Proben verständigen sie sich in deutscher und englischer Sprache, Maissara M. Saeed übersetzt außerdem ins Arabische, er arbeitet mit der Gruppe Voll:milch seit einem Jahr zusammen. Wen sie mit ihrem Stück erreichen möchten? Studierende, interessierte Bürgerinnen und Bürger, Flüchtlinge, Schulklassen.

Zuletzt produzierte das studentische Theaterkollektiv, zu dem auch die Studierenden Birk Schindler und Paula Löffler gehören, am Theaterhaus Hildesheim ein Stück über Gebärdensprache, gemeinsam mit hörenden und nicht hörenden Spielerinnen und Spielern. Auch in diesem Stück arbeiten sie mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte zusammen, die jungen Erwachsenen in den Werkstätten bauen das Bühnenbild. Außerdem werden Aufführungen im Herbst 2015 mit Übertitelung für nicht-hörendes und hörendes Publikum zugänglich gemacht. „Voll:milch“ ist ein 2011 gegründetes Hildesheimer Theaterkollektiv. Es setzt sich aus Absolventen des Studiengangs „Szenische Künste“, Studierenden des Masterstudiengangs „Inszenierung der Künste und der Medien“ an der Universität Hildesheim und der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zusammen.

Die Studierenden bedanken sich für die Unterstützung bei: Fonds Soziokultur, Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung, Friedrich Weinhagen Stiftung, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Johannishof Stiftung, Jowiese sowie beim Theaterhaus Hildesheim, beim Theater LOT Braunschweig und beim Theater im Pavillion Hannover.

Aufführungen 2015 in Hildesheim, Hannover und Braunschweig

Am 3. Juli 2015 hat das neue Stück von „VOLL:MILCH“ Premiere: Die Gruppe aus Theaterstudierenden der Universität Hildesheim hat mit Flüchtlingen aus Hildesheim und Hannover in den letzten Monaten ein Stück über Isolation, die deutsche Gesellschaft und den Umgang mit Zeit erarbeitet. Im Stück sprechen sie die deutsche, englische und arabische Sprache.

Zusammen mit vier sudanesischen Flüchtlingen suchen die Studierenden eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Situation von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern und der deutschen Asylpolitik. „Experten des Asylalltags treffen auf die zweite Nachkriegsgeneration und beide fragen sich, ob sie noch zu retten sind“, heißt es in der Ankündigung des Stücks „Refugee Homecare: Flüchtige Heimatpflege“. Aufführungen finden am 3./ 5./8./10. Juli jeweils um 21:30 Uhr statt. Spielort ist das alte Kino im Pepperworth 9c in Hildesheim. Der Eintritt kostet 5 bzw. 10 Euro. Asylbewerber erhalten freien Eintritt (Free entry for all refugees). Weitere Aufführungen finden im Herbst/Winter 2015 statt, zum Beispiel am 6. und 7. November im Theater im Pavillon Hannover und am 10. und 11. Dezember am LOT-Theater Braunschweig. Weitere Informationen unter www.vollmilch.me.

Lesen Sie diesen Artikel im neuen Uni-Magazin auf Seite 32-33 (zum epaper)

Über die Künste einen Zugang zu einer neuen Gemeinschaft finden? Welche Rolle spielen Musik, Theater, Literatur nach der Flucht? Nachgefragt bei Wolfgang Schneider, Professor für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim. Interview auf Seite 34 im Uni-Magazin (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10451 Tue, 30 Jun 2015 13:45:00 +0200 Erst die Sprache dann der Beruf https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/erst-die-spr/ 218 junge Männer und Frauen aus 44 Ländern haben in den Räumen der Uni Hildesheim das Deutsche Sprachdiplom überreicht bekommen. Sie alle haben in Sprachförderklassen der Berufsbildenden Gropius-Schule die deutsche Sprache erlernt. Unter anderem zusammen mit Susanne Oppermann, seit 1999 ist sie DAZ-Dozentin und Expertin für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wissenschaftlerinnen und Studierende der Universität Hildesheim unterstützten die Prüflinge beim Zweitspracherwerb. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Einrichtungen Forschung Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Master-Studiengänge MA DaZ/DaF Flüchtlinge news-10225 Tue, 30 Jun 2015 13:26:00 +0200 „Alleine die Sprache zu lernen, ist schwer“ https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/alleine-die/ Khaled und Aymen sind zwei der Jugendlichen, die in den letzten Monaten viel Energie aufgebracht haben, um die deutsche Sprache zu erlernen. Die Niedersächsische Kultusministerin hat Ende Juni jedem der 218 Schülerinnen und Schüler aus 44 Ländern persönlich das „Deutsche Sprachdiplom“ überreicht. Wissenschaftlerinnen und Studierende der Universität Hildesheim unterstützen Prüflinge beim Zweitspracherwerb. Während im Audimax der Bass einsetzt und die Musik von Andreas Bourani ertönt – „Wer friert uns diesen Moment ein / Besser kann es nicht sein / Denkt an die Tage, die hinter uns liegen / Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen / Ein Hoch auf das, was vor uns liegt / Dass es das Beste für uns gibt“ – steht Aymen Ayo auf dem Campus und erinnert sich an seine ersten Worte in der deutschen Sprache. „Guten Abend“, „Guten Morgen“ und „Wie geht es dir?“. Worte, die erste Gespräche ermöglichen. „Mehr nicht“, sagt er.

Der 18-Jährige ist mit seiner Mutter und seinen drei Schwestern aus Syrien geflohen. Zunächst kommt er in Friedland an, lebt dann in Hildesheim im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße. „Ich möchte mich verständigen können. Seit einem Jahr haben wir unsere eigenen vier Wände, eine Wohnung. Meine Familie spricht Arabisch, ich versuche, auch Deutsch mit meinen Schwestern zu sprechen.“ Aymen, der die berufsbildende Walter-Gropius-Schule in Hildesheim besucht, arbeitet auf ein Ziel hin: Nach einem Praktikum in einem Sportgeschäft möchte er eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann beginnen. „Die Kunden fragen, da kann ich nicht stumm bleiben, sondern muss die Sprache sprechen können. Sie suchen ja Hilfe.“

Der Sport hilft Aymen Ayo mit Hildesheimern in Kontakt zu kommen – und den Wortschatz auszubauen. Er spielt im Verein „DJK Blau-Weiß“ Fußball. „Im Sport ist Sprache wichtig, das ist nicht nur hin- und herspielen“, sagt Aymen und zählt auf, welche Worte er gelernt hat: „Pass auf, hinter dir“ und „Trainer“, „trainieren“, „Verteidiger“, „Stürmer“.

Wie Aymen Ayo lernen derzeit niedersachsenweit Jugendliche die deutsche Sprache als zweite Sprache. Die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat Ende Juni 218 Schülerinnen und Schülern aus 44 Ländern das Deutsche Sprachdiplom (Stufe 1) der Kultusministerkonferenz in einer Feierstunde an der Universität in Hildesheim überreicht. „Das ist eine ganz tolle Leistung. Nicht wenige der Jugendlichen mussten ihre ursprüngliche Heimat als Flüchtlinge verlassen und hier in Niedersachsen teilweise ohne Deutschkenntnisse ganz neu anfangen“, sagt die Ministerin. „Sie haben viel Zeit und Energie in das Erlernen der deutschen Sprache und damit in Ihre eigene Zukunft investiert“, wendet sich Kultusministerin Frauke Heiligenstadt an die Schülerinnen und Schüler.

Die Schülerinnen und Schüler sind aus Haupt- und Gesamtschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen aus Braunschweig und Lüneburg, aus Hannover und Osnabrück, aus Göttingen und Oldenburg nach Hildesheim angereist, um das Sprachendiplom gemeinsam zu feiern. „Sie können stolz darauf sein, dass Sie sich das erarbeitet haben. Wir sind dankbar, dass Sie hier sind“, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Vielleicht, fügt Friedrich hinzu, „sehen wir uns wieder, wenn Sie in Hildesheim Lehramt, Deutsch als Zweitsprache, Informatik oder Sport studieren“. Die Universität hat seit dem Frühjahr die Türen geöffnet und möchte Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen und im Übergang zur Universität unterstützen. „19 Schulen aus ganz Niedersachsen sind angereist, das Zertifikat bringt den Schülerinnen und Schülern hoffentlich Glück in der Zukunft“, so Hannelore Müller vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung, das Lehrkräfte fortbildet.

Mit dem Sprachdiplom weisen die jungen Erwachsenen nun ihre Sprachkenntnisse (Niveau A2 und B1) nach: Neben dem Lese- und Hörverstehen zeigen sie, wie gut sie schriftlich und mündlich kommunizieren können. „Ich will besser in Deutsch werden“ – das ist ein diffuses Ziel, sich auf eine Prüfung mit diesen Schwerpunkten vorzubereiten, dagegen strukturierter.

Unter den jungen Sprachlernern sind auch zwei Klassen der berufsbildenden Walter-Gropius-Schule. Die Schule ist eine der Schulen, die über vier ausgebildete Prüferinnen für das Deutsche Sprachdiplom verfügt. Sie zählt zurzeit vier „Sprachförderklassen“. „Wir versuchen die Klassen mit je etwa elf Schülerinnen und Schülern klein zu halten“, sagt Susanne Oppermann. Sie ist Sprachlernkoordinatorin und arbeitet in einem Netzwerk („DaZNet“), in dem sich Schulen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Mehrsprachigkeit austauschen. Ihr Dilemma: Es werden immer mehr solcher Sprachförderklassen eingerichtet. Aber es fehlen Lehrkräfte, die Jugendliche unterrichten können, die als Seiteneinsteiger ins Bildungssystem kommen, etwa weil sie aus einem Land fliehen mussten und nun die deutsche Sprache von Grund auf erlernen müssen. „Wenn man Glück hat, hat eine Lehrerin ein DaZ-Modul an der Uni besucht, aber auch das reicht nicht aus“, sagt Susanne Oppermann. An berufsbildenden Schulen findet gut die Hälfte des Unterrichts in der Fachpraxis statt: Wer Dachdecker, Maurer oder Tischlerin; Koch oder Mediengestalterin werden möchte, erlernt viele Fachbegriffe. „Fachpraxis geht nicht ohne Sprache. Wenn ich einen Werkzeugkasten packe, dann habe ich es mit dem Akkusativ zu tun: ich packe einen Hobel, eine Fräse ein. Wenn ich als Koch Flüssigkeit abmesse, dann muss ich auch die dritte Person im Singular konjugieren können: messen, er misst“, erläutert die Lehrerin. Ein Fachpraxislehrer, der in der Holzwerkstatt unterrichtet, lehrt auch die Sprache.

Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim.

„In Sprachlernklassen mit einem qualifizierten Lernangebot können Schülerinnen und Schüler in ein bis zwei Jahren die deutsche Sprache so erwerben, dass sie sich zusammenhängend ausdrücken, begründen und erklären können und eine gute Grundlage für ihren Beruf haben“, so Montanari. „Natürlich muss das Lernen auch danach weitergehen, in der Schule oder am Ausbildungsplatz. Hier sieht man die Qualität und das Engagement von Lehrkräften“, so Elke Montanari, die den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ zusammen mit ihrer Kollegin Ana Maria Iglesias Delgado leitet.

Lehramtsstudentinnen, darunter Melda Ökte, Annika Sauthoff und Fidan Tuldari, bereiten sich in Seminaren im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" darauf vor, junge Erwachsene beim Sprachenlernen zu unterstützen. Sie haben im Frühjahr Schülerinnen und Schüler der Hildesheimer Berufsschule bei der Prüfungsvorbereitung unterstützt. Die deutsche Sprache zu sprechen sei „wichtig, wegen meiner Zukunft“, sagt Khaled Ahmed Hussein, einer der Schüler. Der 21-Jährige möchte eine Ausbildung als Maurer beginnen „und vielleicht einmal studieren“. Er interessiert sich für Architektur. Ein Praktikum hat seinen Wunsch bestärkt, er konnte sich bewähren und hofft nun auf einen Ausbildungsplatz, sagt der junge Mann, der seit gut zwei Jahren in Algermissen lebt. Er ist in Somalia geboren, im Jemen aufgewachsen. „Ich möchte weiterhin die Sprache lernen“, sagt Khaled. In seinen Händen hält er das Sprachdiplom. Er habe viel gelernt, auch mit den Lehramtsstudentinnen der Universität Hildesheim.

„Wir haben gemeinsam auf die mündliche Prüfung hingearbeitet“, berichtet die Studentin Fidan Tuldari. Seit zwei Jahren studiert sie Lehramt, die Erfahrungen seien sehr wichtig, man werde „achtsamer, vorsichtiger“, etwa wenn ein Schüler erzählt, dass „sein Vater im Krieg gestorben ist“. „Manche Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Krieg und sind alleine nach Deutschland geflohen.“ Die drei Lehramtsstudentinnen wollen nun Kontakt zu Schulen und Sprachlernklassen aufnehmen und sich in ihrem Studium weiterhin mit dem Zweitspracherwerb von Jugendlichen befassen.

Aymen Ayo hält an diesem Junitag auf dem Uni-Campus das Zertifikat in seinen Händen, ihm sei es wichtig, die Prüfung erfolgreich bestanden zu haben. „Ich freue mich sehr, die Ministerin hat mir in die Augen geschaut und mir das Diplom überreicht. In kleinen Gruppen habe ich mit den Studentinnen gelernt und wir haben uns auf die mündliche Prüfung vorbereitet. Das waren tolle Tage“, sagt der 18-Jährige. „Alleine die Sprache zu lernen, nur mit einem Buch, ist schwer“, ergänzt Hassan Iso. „Mir hilft es, viel zu reden.“ Neben ihn halten Jugendliche den Moment fest, erstellen Selfies auf dem Uni-Campus: Sie können stolz auf sich sein.

Lehramtsstudierende für Deutsch als Zweitsprache ausbilden

Ab dem Wintersemester 2015/2016 können Lehramtsstudierende im Fach Deutsch gleichzeitig im Studiengang „Master of Education“ studieren und sich für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifizieren. Sie erhalten dann zwei Masterabschlüsse. Professorin Elke Montanari rechnet damit, dass Studierende für das Parallelstudium drei Jahre einplanen sollten. Wer sich für das Parallelstudium interessiert, ist zu der Informationsveranstaltung am 2. Juli 2015 um 16:30 Uhr in Raum L 057 (Bühler-Campus der Uni Hildesheim, Lüneburger Straße) herzlich eingeladen.

Lesen Sie mehr zum Thema Mehrsprachigkeit im neuen Uni-Magazin (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10236 Wed, 24 Jun 2015 13:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: World Refugee Day https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/bildungswege-1/ Hildesheimer Universitätspräsident fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. „Let’s help refugees thrive, not just survive”, so lautet der Appell von Melissa Fleming vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Wir sollten Flüchtlinge dabei unterstützen, zu überleben und ihnen zugleich dabei helfen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, um Erfolg zu haben.

Wenn die UN zum „World Refugee Day“ am 20. Juni 2015 weltweit auf die Probleme von Geflüchteten und auf ihre Kraft, ihren Mut und Durchhaltewillen aufmerksam macht, setzt die Universität Hildesheim ebenfalls ein Zeichen: Studierende und Lehrende unterstützen Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen und beim Spracherwerb, sie spielen gemeinsam Fußball, Theater und Musizieren.

Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich fordert anlässlich des Weltflüchtlingstages eine stärkere Öffnung des Bildungssystems und mehr Sprachangebote für Flüchtlinge. Dabei weist Friedrich auf die Rolle von Universitäten hin: „Wir wollen unseren Beitrag in Forschung und Lehre, Studium und Weiterbildung leisten, um die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien zu verbessern. Wir erkennen gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen an. Wir sollten die Ärmsten und Fleißigsten nach Kräften fördern, auch und gerade im Bildungssystem.“

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Unter ihnen ist Iman Ziaudin, die in Afghanistan und Pakistan aufwuchs und mit Anfang 20 nach Deutschland floh. Seit eineinhalb Jahren lebt sie in Hildesheim, seit zwei Monaten geht sie zur Uni. „Die Uni macht mich stärker. Ich höre den ganzen Tag Deutsch. Es ist ein schönes Gefühl: Ich kann studieren, ich fühle mich wie andere Studentinnen. Ich komme zur Uni, sitze im Unterricht und stelle mir meine Zukunft vor. Ich finde das super-schön“, sagt die 25-Jährige Informatik-Studentin. Sie besucht derzeit sechs Vorlesungen und bereitet sich parallel auf eine Sprachprüfung (C1) vor.

Die Studierenden mit Fluchterfahrung haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, von Menschen, die noch kein Studium absolviert haben bis zu jenen, die einen Studienabschluss in ihrem Herkunftsland erworben haben. Darunter zum Beispiel Ingenieure und eine Informatikerin aus Syrien, ein Politikstudent aus dem Sudan, ein Arzt und ein Modedesigner aus Syrien. „Das Schnupperstudium gibt Struktur im Tagesablauf, Studierende kommen teilweise aus dem Landkreis zu uns. Sie nehmen am normalen Uni-Betrieb teil. Viele haben einen ungesicherten Status, aber sie bringen den Mut auf, sind hoch motiviert, zu lernen“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. Land und Kommunen sollten „Möglichkeiten schaffen, damit sich Flüchtlinge sinnvoll beschäftigen können“.

Studierende („Anker-Peers“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Uni. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme Außerdem bilden sie Sprachtandems. „Studierende aus Irak, Syrien und Somalia suchen Tandempartner. Es geht um den Austausch in der Alltagssprache. In meine Sprechstunden kommen vermehrt junge Flüchtlinge, die einfach gerne Deutsch sprechen möchten und gleichzeitig Kontakt mit anderen jungen Menschen suchen“, sagt Steffi Albrecht vom International Office.

In Hildesheim gibt es keine Zugangsvoraussetzungen, es geht darum, den Einstieg in das Studium zu ermöglichen. Die Universität arbeitet mit Asyl e.V. zusammen, um Flüchtlinge zu erreichen; mit der VHS (Sprachkurse), mit der HAWK, mit dem Arbeitskreis Asyl der Stadt Hildesheim (Ehrenamtliche informieren). Herausforderungen sind zum Beispiel die Sprachkenntnisse oder auch die Anerkennung der Hochschulzugangsberechtigung. Viele, die ein Studium in ihrem Herkunftsland absolviert haben, waren bemüht, ihre Papiere trotz der Flucht mitzunehmen. „Viele Studierende mussten kurz vor ihrem Abschluss aus Syrien, Irak und Sudan, aus Afghanistan und Iran fliehen. Sie sollen die Bindung zur Uni nicht verlieren“, sagt Daoud Naso vom Verein Asyl e.V.

Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Studierenden des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet und in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht (Niveaustufen B1 und A2).

Hilfe für ein Studium nach der Flucht / Spenden und Stipendien

Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die ein Deutschlandstipendium stiften möchten, können Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121 88390130) kontaktieren. Das Prinzip ist einfach: 1800 Euro Privatspende werden durch den Bund auf den doppelten Betrag aufgestockt. So entsteht ein Stipendium von 300 Euro monatlich über ein Jahr. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Oder spenden Sie unter dem Stichwort „Studium nach der Flucht“ auf das Konto der Stiftung Universität Hildesheim bei der Nord/LB Hannover (IBAN: DE86250500000106031768 / BIC: NOLADE2HXXX).

Magazin: Themenschwerpunkt Studium nach der Flucht

Mehr erfahren Sie im Magazin der Universität Hildesheim. Die Sommerausgabe 2015 erscheint zum „World Refugee Day“ mit dem Schwerpunktthema „Studium nach der Flucht / Bildungswege von Flüchtlingen“ und ist online kostenfrei als PDF und Epaper abrufbar.

Zwei Beispiele

Projekt „LernKU(H)LT“: Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team

Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim fördern seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zweimal wöchentlich über mindestens ein halbes Jahr begleiten sie je eine Gruppe von drei bis fünf Kindern. Die Lehramtsstudenten werden von Erziehungswissenschaftlern begleitet und halten Kontakt zu den Eltern. „Ziel ist die schulische Situation von Erst- bis Zehntklässlern, vor allem mit Förderbedarf in der deutschen Sprache, in der Region Hildesheim zu verbessern“, sagt Yvonne Rechter. Etwa 600 Kinder und Jugendliche aus der Region und 200 Studentinnen und Studenten nahmen bisher teil. Derzeit laufen 18 Gruppen, drei davon in Hannover. Etwa 13 % der Kinder kommen aus Syrien. „Mein Sohn wächst zweisprachig auf. Ich begrüße die Initiative der Universität Hildesheim, für die Studentin sind das wichtige Erfahrungen. Mein Sohn kann in der kleinen Gruppe Fragen stellen, es macht ihm Spaß“, sagt Aiman Ismail, dessen Familie seit vielen Jahren in Deutschland lebt und dessen 9-jähriger Sohn an dem Projekt teilnimmt.

Projekt „Funah“: Im Sport zusammenkommen

Viele Studierende engagieren sich für Flüchtlinge. Über das gemeinsame Fußballspiel wollen Omar Fahmy und Dominik Feer mit Jugendlichen in Niedersachsen Werte erarbeiten wie Teamgeist, Respekt, Vertrauen, Verbindlichkeit, Selbstständigkeit. Ihr Werkzeug gegen Konflikte auf dem Schulhof ist der Sport. „Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy. Vor dem Auspowern bieten die Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim gezielte Förderung im schulischen Bereich an, in Fächern, in denen es bei den teilnehmenden Kindern ab zehn Jahren noch nicht rund läuft. Die Studenten arbeiten seit 2015 mit der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim zusammen. Dabei erreichen sie Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Sie sind wöchentlich in der Schule und arbeiten intensiv mit Kindern aus einer Sprachlernklasse. Die Sportwissenschaftlerin Prof. Vera Volkmann begleitet das Projekt wissenschaftlich. „Sport ist gemeinschaftliches Erleben, auch körperlich und emotional. Sport kann ein guter Anker sein, um Begegnungen anzubahnen.“

Pressemeldung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

„Wir möchten Flüchtlingen, die persönlich ein schweres Schicksal erleiden, Perspektiven aufzeigen. Es ist im Interesse der ganzen Gesellschaft, wenn wir das Potenzial dieser Menschen nicht brachliegen lassen und ihnen dabei helfen, Bildungschancen zu ergreifen“, sagt die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (zur Pressemeldung). „Damit erleichtern wir es Flüchtlingen, rasch bei uns Fuß zu fassen und geben gleichzeitig einen Anreiz, um zukünftige Fachkräfte in Niedersachsen zu halten.“

Medienkontakt:

Kontakt zu Studierenden mit Fluchterfahrung, zu Familien und Wissenschaftlern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905).

]]>
Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung MA DaZ/DaF Flüchtlinge
news-10398 Sat, 20 Jun 2015 15:09:00 +0200 Nach der Flucht ein Platz im Hörsaal https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/nach-der-flu-3/ Das Land Niedersachsen startet eine Offensive um Flüchtlingen ein Studium zu ermöglichen. So werden Gelder zur Verfügung gestellt, um kostenlose Sprachkurse anzubieten. Die Uni Hildesheim geht noch einen Schritt weiter, Studierende und Lehrende helfen nicht nur beim Sprach-und Bildungserwerb, sie laden auch ins Theater oder zum Fußballspielen ein. Seit dem Frühjahr gibt es an der Universität sogar ein kostenloses Schnupperstudium für Flüchtlinge. Migrationspolitik Pressespiegel regional Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Soziologie Zentrum für Bildungsintegration Forschung Politik Flüchtlinge news-10253 Fri, 19 Jun 2015 09:00:00 +0200 Studium nach der Flucht: Niedersachsen möchte Zugänge zu Unis erleichtern / Die Uni Hildesheim bietet seit dem Frühjahr ein Schnupperstudium für Flüchtlinge an https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/studium-nach-1/ SAT1 FERNSEHEN über Studium nach der Flucht: Niedersachsen möchte Flüchtlingen den Zugang zu Universitäten erleichtern. Die Universität Hildesheim öffnet ihre Türen: Seit dem Frühjahr 2015 studieren Flüchtlinge an der Uni. „Rund 35.000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr nach Niedersachsen kommen. Darunter auch einige, die ihr Studium wegen des Krieges oder wegen der Verfolgung in ihrem Heimatland abbrechen mussten. Auf der Flucht konnten Zeugnisse manchmal nicht gerettet werden. Das Land Niedersachsen möchte Flüchtlingen mit akademischem Hintergrund jedoch den Zugang zur Universität in Deutschland erleichtern. [...] Die Uni Hildesheim hat im Sommersemester ein Schnupperstudium für Flüchtlinge mit akademischer Vorbildung begonnen", so SAT.1 FERNSEHEN in einem Filmbeitrag zum Thema „Studium nach der Flucht". Darin äußert sich auch die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić über Bildungschancen.

„Die Uni Hildesheim hat im Sommersemester ein Schnupperstudium für Flüchtlinge mit akademischer Vorbildung begonnen. Viele Asylbewerber sind gut ausgebildet. [...] Iman hat ein Ziel. Sie will Informatikerin werden", so der Redakteur Karsten Baer im SAT.1 FERNSEHEN. Das Studium sei mehr, als sie sich erhofft habe, sagt die Hildesheimer Informatik-Studentin Iman.

„Viele haben schon studiert, entweder einen Abschluss gemacht oder sie mussten während des Studiums fliehen", sagt Hannes Schammann, Hildesheimer Juniorprofessor für Migrationspolitik, im Gespräch mit SAT.1 FERNSEHEN. Er ist einer der Lehrenden, die die Uni für Flüchtlinge öffnen. „Es ist wichtig, dass die Studierenden [...] den Mut nicht verlieren, dass sie weiterhin an sich glauben, dass sie merken: [...] ich habe mein Ziel und ich will mein Ziel erreichen", ergänzt Daoud Naso vom Verein Asyl e.V. im Gespräch mit SAT.1.

Sat.1 regional Fernsehen, Nachrichten 17:30, „Flüchtlinge mit akademischer Vorbildung: Niedersachsen möchte Zugang zu Unis erleichtern", 19.06.2015 (Fernsehbeitrag, ~4 Min, Redakteur: Konrad Baer) (www.hannover.sat1regional.de) [zeitlich begrenzt online abrufbar]

Kontakt zu Studierenden und zu Lehrenden, die Studieninteressierte nach der Flucht unterstützen über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

Lesen Sie auch: Hildesheimer Universitätspräsident fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems für Flüchtlinge (Uni-Pressemeldung vom 19.06.2015)

]]>
Migrationspolitik Erziehungswissenschaft Politik Sozialwissenschaften Fachbereich 4 Informatik Mathematik & Angewandte Informatik Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Pressespiegel überregional Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-9934 Tue, 28 Apr 2015 17:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: Was können Unis tun? https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/bildungswege-2/ Um Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen zu unterstützen, könnten Studierende „von Mensch zu Mensch" helfen, sagt die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf. Eine besondere Rolle komme dabei dem Spracherwerb und den Künsten zu. Am Rande einer Konferenz über das Recht auf Bildung an der Universität Hildesheim sprach Isa Lange mit der Migrationsbeauftragten. Wenn wir über Bildungswege von Flüchtlingen sprechen, was erhoffen Sie sich von Universitäten? Welche Rolle spielen die Hochschulen, was beobachten Sie in Niedersachsen?

Doris Schröder-Köpf: Es gibt einige sehr schöne Initiativen, wie Universitäten sich öffnen für Flüchtlinge, um ihnen aus der Perspektiv- und Betätigungslosigkeit rauszuhelfen, etwa in Lüneburg. Das ist ein erster Weg, dass sich die Studierenden selber bemühen, um junge Leute, die in Herkunftsländern schon ein Studium aufgenommen haben, und die das aufgrund ihrer Lage erstmal nicht weitermachen können.

Was können Studierende tun?

Durchaus auch von Mensch zu Mensch helfen, einzelne ansprechen. Wo sind Menschen mit Fluchterfahrung, die weitermachen möchten, wie können wir ihnen Teilnahme an Kursen an der Uni ermöglichen? Sie können zum Beispiel beim Deutschlernen helfen.

An der Hildesheimer Universität begleiten seit Sommersemester im „Schnupperstudium" einige Lehrende und Studierende junge Erwachsene mit Fluchterfahrung, zeigen den Campus, beraten bei der Suche nach Seminaren. Einige Studenten haben Tandems gebildet, um mit den Flüchtlingen auch an der Alltagssprache zu arbeiten, was man in üblichen Sprachkursen nicht lernt. In Seminaren hat man es dann aber mit Fachsprache zu tun...

Natürlich ist die fachspezifische Frage eine große Herausforderung. Ich habe das selber kennengelernt, habe in den Vereinigten Staaten gelebt. Als ich dort schwanger wurde und ein Kind bekommen habe und Kinderarztbesuche machen musste, hat mir das Vokabular für Kinderkrankheiten völlig gefehlt. Wie viel schwieriger muss es sein, wenn man Physik, Chemie oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert und es fehlt einem das Vokabular für genau diesen Bereich? Da reicht nicht mehr der Wortschatz, um Brötchen einzukaufen und sich mit Nachbarn unterhalten zu können. Das ist eine große Herausforderung – vor der stehen wir in Niedersachsen auch in den Gymnasien. Es gibt jetzt einige Gymnasien, an denen Sprachlernklassen eingerichtet wurden. Früher war das mehr an Hauptschulen, Gesamtschulen. Die Lehrer an den gymnasialen Sprachlernklassen sagen, es ist wahnsinnig schwierig, dass Fachvokabular für Kunstunterricht genau so drauf zu haben wie für Mathematik. Das ist eine große, große Herausforderung. Wenn es gelingt, profitieren wir alle davon.

Wer sollte dabei mitwirken?

Wir haben viel zu tun, alle. Das schafft die Politik alleine nicht. Da können alle Studierenden mithelfen.

Sie sprechen die Studierenden an – an der Universität Hildesheim arbeiten einige im Theater und in den szenischen Künsten mit Flüchtlingen zusammen (etwa die Gruppe Voll:milch oder das Türkisch-Deutsche Theater). Im musikalischen Bereich befassen sich Forscher und angehende Lehrerinnen und Lehrer am Center for World Music mit kultureller Vielfalt. Ist das auch ein Weg, sich künstlerisch zu begegnen?

Ich glaube sogar, dass künstlerische Ausdrucksformen ganz besonders geeignet sind, um Menschen, die Flucht, Vertreibung und viele Gräuel erlebt haben, sozusagen das Leben zu erleichtern und einen Zugang zu einer neuen Gemeinschaft zu finden. Das geht von Ausdruckstanz bis zur Malerei. Es gibt inzwischen auch einige fotografische Projekte mit Flüchtlingen. Diese künstlerischen Ausdrucksformen sind glaube ich besonders gut, weil sie an die Seele gehen und man nicht viele Worte braucht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über die Konferenz: Recht auf Bildung

An der Universität Hildesheim diskutierten am 23. und 24. April 2015 Fachleute über das Menschenrecht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland sowie über den Bildungserfolg von Kindern in der Migrationsgesellschaft, der auch vom Rechtsstatus abhängt. Etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis nahmen teil, darunter Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive aus Bremen, Hildesheim, Hannover und Berlin sowie die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe des Landes Niedersachsen. Es sei dringend notwendig, „konsequent weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Viola Georgi (mehr im Interview, Mediendienst Integration). Organisiert wurde die Konferenz vom „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften" und dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und dem Deutschen Institut für Menschenrechte. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Lehramtsstudierenden und Studierenden des Masterstudiengangs DaZ/DaF auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet. Dabei arbeitet die Uni mit der berufsbildenden Walter-Gropius-Schule und dem Niedersächsischen Landesinstitut für Qualitätsentwicklung zusammen. Als Ergebnis für die mündlichen Prüfungen haben alle Lerner in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht, und zwar auf den Niveaustufen B1 und A2.

Einen Nachbericht zur Konferenz lesen Sie auf der Internetseite www.uni-hildesheim.de zum Wochenende.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Fachbereich 1 Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration Flüchtlinge
news-9900 Sun, 19 Apr 2015 15:40:00 +0200 Migration: Ankommen und Weiterkommen – Das Recht auf Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/migration-ankommen-und-weiterkommen-das-recht-auf-bildung/ Der Rechtsanspruch auf Bildung und die Wirklichkeit klaffen oft auseinander. An der Universität Hildesheim diskutieren Fachleute über das Recht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland. Es sei notwendig, weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten. Etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis kommen zusammen, darunter Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive. Sie diskutieren mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, einer Hildesheimer Schulleiterin und der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe. Deutschland hat sich durch die Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention zur Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung verpflichtet. Doch der Rechtsanspruch und die Wirklichkeit klaffen oft auseinander, sagt Professorin Kirsten Scheiwe. Häufig sprechen wir von der Notwendigkeit, zugewanderte Menschen durch Bildung zu integrieren. Das klingt erstmal plausibel, so Professorin Viola Georgi. „Die Menschen kommen als Newcomers in ein neues Land und die Bildungseinrichtungen machen entsprechende Angebote, damit sie sich schnell integrieren können." Dazu gehören etwa Sprach- und Integrationskurse, Weiterbildungsangebote und interkulturelle Schulentwicklung. Die Realität sehe aber vielerorts anders aus, sagt Georgi. „Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien – insbesondere die mit einer Flüchtlingsgeschichte – stoßen auf strukturelle und rechtliche Barrieren, die diskriminierend wirken, ihr Recht auf Bildung einschränken und damit ihre Bildungsteilhabe erschweren." Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien warten oft mehrere Monate auf einen Schulplatz. Alle Kinder aus Flüchtlingsfamilien, auch Jugendliche und junge Erwachsene benötigen einen Anspruch auf Sprachförderung, fordert die Sozialrechtlerin Kirsten Scheiwe.

An der Universität Hildesheim diskutieren am 23. und 24. April 2015 Fachleute über das Recht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland sowie über den Bildungserfolg von Migrantenkindern, der auch vom Rechtsstatus abhängt. Es werden etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis erwartet, darunter auch Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive aus Bremen, Hildesheim und Berlin. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es dringend notwendig ist, konsequent weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Viola Georgi.

Im Schwerpunkt „Ankommen und Weiterkommen“ sprechen Forscher am Freitagnachmittag mit jungen Flüchtlingen, dem Flüchtlingsrat Niedersachsen und mit einer Schulleiterin einer Hildesheimer Grundschule. Die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, äußert sich zum Thema und diskutiert mit Nurjana Arslanova, die die Hälfte ihres Lebens im Flüchtlingslager verbracht hat und keine Ausbildung beginnen durfte, nun macht sie ihr Fachabitur. Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik, moderiert das Panel. Die Teilnahme an dieser öffentlichen Diskussion am Freitag , 24. April 2015, um 14:00 Uhr ist ohne Anmeldung möglich. Die Plätze an den weiteren Programmpunkten der Konferenz sind begrenzt, eine Teilnahme ist noch vereinzelt nach Anmeldung möglich (Email: presse@uni-hildesheim.de).

Zur Konferenz laden das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften" und das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und dem Deutschen Institut für Menschenrechte ein. Auf der Konferenz spricht Professor Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Religions- und Weltanschauungsfreiheit und Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte der Universität Erlangen-Nürnberg über Menschenrechte in der Einwanderungsgesellschaft. Die Dokumentarfilmerin Jutta Neupert zeigt den Dokumentarfilm „Familien auf der Flucht – von Syrien nach Deutschland“.

In Hildesheim – wo auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen seinen Sitz hat – haben Mitglieder der Universität Hildesheim gemeinsam mit dem Verein Asyl e.V. zum Sommersemester eine Initiative ins Leben gerufen, um Flüchtlinge in ihren Bildungswegen zu unterstützen. Die Studentin Vanessa Gauer vom „Anker-Peer-Programm" der Uni begleitet gemeinsam mit weiteren Kommilitonen die Studierenden mit Fluchterfahrung. Die Studentinnen zeigen den Flüchtlingen in Campusführungen die Universität, bilden Tandems, um die Alltagssprache zu lernen, kennen Unterstützungsprogramme und stellen den Kontakt zu Lehrenden her. Die Studieninteressierten unter anderem aus Afghanistan, Syrien und Sudan haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse.

Programm und Kurzinfo zu den Vortragenden als PDF

Wann und Wo? Konferenz „Recht – Bildung – Migration. Das Menschenrecht auf Bildung im Kontext von Migration und Integration", 23. und 24. April 2015, Universität Hildesheim, Bühler-Campus

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

]]>
Pressemeldungen Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Lehrerbildung Inklusion Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10005 Sat, 18 Apr 2015 13:32:00 +0200 Reden für das Recht auf Bildung – Uni will sich mit Konferenz für Flüchtlinge engagieren https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/reden-fuer-da/ Deutschland hat sich zur Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung verpflichtet. Doch Rechtsanspruch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander, so Prof. Kirsten Scheiwe von der Universität Hildesheim. Die Hochschule lud aus diesem Anlass 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis zu einer Konferenz ein, darunter auch Studierende, Flüchtlinge und Ehrenamtliche aus Bremen, Hildesheim und Berlin. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Forschung Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Allg. Erziehungswissenschaft Flüchtlinge news-8985 Tue, 24 Mar 2015 10:00:00 +0100 Interkulturelles Lernen: Vielfalt will gelernt sein / Sprachunterricht kann Kindern bessere Chancen bieten und angehende Lehrer auf die kulturelle Vielfalt in den Klassen vorbereiten https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/interkulture/ ZEIT ONLINE über die interkulturelle Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim: Reportage über eine Lehramtsstudentin, die wöchentlich Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team fördert An einem Freitagnachmittag in einer kleinen Bücherei einer Hildesheimer Grundschule: Drei Grundschüler sitzen um einen Tisch, auf dem vierten kleinen Stuhl sitzt die Lehramtsstudentin Madeleine Mäbert. Zweimal die Woche trifft sich diese Lerngruppe, darunter der neunjährige Omer. „Anderthalb Stunden lang übt die Lehramtsstudentin mit den Jungs Lesen, Grammatik oder Texte schreiben", beobachtet Birk Grüling in der ZEIT-Reportage.

Die Kinder sollen in der Gruppe vor allem besser Deutsch und konzentriertes Arbeiten lernen, so ZEIT ONLINE über das Projekt „Lernku(h)lt - Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team" am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Dabei begleiten Hildesheimer Lehramtsstudierende Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund über ein Jahr zwei Mal wöchentlich in einer Kleingruppe. Sie halten auch Kontakt zu den Klassenlehrern und Eltern. Lokale Stiftungen unterstützen das Projekt, die Uni arbeitet mit Asyl e.V. zusammen, um den Kontakt zu Familien zu halten.

„An der Universität Hildesheim hat man aus den positiven Praxis-Erfahrungen des LernKU(H)LT-Projekts gelernt. Neben längeren Praxisphasen in den Schulen wurde das Lehrangebot zu den Themen Migration, Sprachenförderung und Bildung stark ausgebaut", beobachtet ZEIT ONLINE. „In den Mathebüchern ist von Fruchtsaftgetränken, Keltereien oder Arbeitslöhnen die Rede. Viele Kinder kennen solche Begriffe aus ihrer Alltagssprache nicht", sagt die Mathematikdidaktikerin Prof. Barbara Schmidt-Thieme im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Prof. Viola Georgi, Leiterin des neugegründeten Zentrums für Bildungsintegration der Uni Hildesheim, sagt ZEIT ONLINE: „Es gibt immer noch Bildungsungleichheit in Deutschland. Deshalb brauchen wir mehr interkulturell ausgebildete und für Diskriminierung sensible Lehrer.‘“  

ZEITonline, „Interkulturelles Lernen: Vielfalt will gelernt sein", Reportage aus Hildesheim, 24.03.2015 (online)

Kontakt zu den Forschern, Lehramtsstudierenden und mehrsprachigen Familien über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

]]>
Ang. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-9984 Thu, 08 Jan 2015 09:00:00 +0100 Integrationskurse in Deutschland: Zu wenig Vorbereitung auf das Arbeitsleben https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/integrations/ DEUTSCHLANDFUNK berichtet über 10 Jahre Integrationskurse. Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Uni Hildesheim, beobachtet, dass Deutschlerner auf B1-Niveau im Beruf schnell an ihre Grenzen stoßen. Das Lernen müsse unbedingt nach dem Integrationskurs weitergehen „Mehr als eine Million Menschen haben in den letzten zehn Jahren in Deutschland an Integrationskursen teilgenommen. Doch mit dem 'Deutschtest für Zuwanderer', mit dem die sechsmonatigen Kurse enden, seien die Teilnehmer noch nicht auf das Berufsleben vorbereitet, kritisieren Experten", so die Journalistin Katja Hanke im DEUTSCHLANDFUNK. In der Reportage hat sie einen Integrationskurs an der Volkshochschule Neukölln in Berlin besucht, seit drei Monaten lernen die Teilnehmer hier an jedem Vormittag die deutsche Sprache.

„Dass Deutschlerner auf B1-Niveau im Beruf schnell an ihre Grenzen stoßen, meint auch Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Zum Beispiel in Beratungssituationen", heißt es im DLF. „Das kann in der Krankenpflege sein, das kann aber auch in jedem anderen Fall sein. Also, wenn jemand kommt und ein Anliegen schildert und der Lerner soll darauf reagieren. Sowie das individuell wird, ist es problematisch, das mit B1 zu lösen. Das heißt, das Lernen muss unbedingt nach dem Integrationskurs weitergehen", sagt Professorin Elke Montanari im Gespräch mit dem DEUTSCHLANDFUNK.

Die Sprachwissenschaftlerin der Uni Hildesheim bemerkt außerdem, dass „der Kurs für die meisten Lernenden der einzige Ort ist, an dem sie Deutsch sprechen". „Und hier wäre eigentlich ein Ansatz, wo ich denke, dass man noch mal gezielter darüber nachdenken könnte. Also, wie könnte im Integrationskurs eine Brücke in den Alltag gemacht werden. Es gibt dazu verschiedene Ideen, zum Beispiel sollte ein Praktikum zum Integrationskurs gehören. Das finde ich eine spannende Überlegung", so Montanari im DEUTSCHLANDFUNK.

Deutschlandfunk, „Integrationskurse in Deutschland: Zu wenig Vorbereitung auf das Arbeitsleben", 19./20.02.2015 (Audio und Text online, Radiobeitrag von Katja Hanke, ~4:30 Min)) (www.deutschlandfunk.de)

Eine Langfassung des Audio-Beitrags „Integrationskurse in Deutschland / Warum sich die meisten Sprach-Integrationskurse nicht fit für den Beruf machen“ wurde im Südwestrundfunk SWR2, Sendung „Impuls“, 12.01.2015 gesendet.

Kontakt zu den Forscherinnen und zu Sprachlernern über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

]]>
Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional MA DaZ/DaF Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge
news-9398 Tue, 23 Dec 2014 07:51:00 +0100 Jugendämter nehmen Tausende Kinder unter ihre Fittiche https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/jugendaemter/ Sie werden misshandelt, vernachlässigt oder kommen als Flüchtlinge allein in Deutschland an: 2013 haben die niedersächsischen Jugendämter 3738 Kinder in Obhut genommen, um sie zu schützen. Besonders in Großstädten fehlen Familien, die bereit sind, ein Pflegekind aufzunehmen. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Fachbereich 1 Flüchtlinge news-7990 Wed, 12 Mar 2014 08:00:00 +0100 Fünf Nationen, eine Sprache - Basketball / In Bad Salzdetfurth verstärken Asylbewerber ein Team von Hobby-Sportlern https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/fuenf-natione/ In einer niedersächsischen Kleinstadt trainieren Asylbewerber und Bürger gemeinsam. Wie Sport beim Ankommen in einem neuen Land hilft / Seit die Flüchtlinge da sind, trainieren die Sportler gemeinsam viel länger und intensiver / Interview über Sport und Integration mit Sportprofessorin Vera Volkmann Pressespiegel regional Fachbereich 1 Sportwissenschaft Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge news-7812 Wed, 05 Feb 2014 08:00:00 +0100 Räder reparieren, Flüchtlingen helfen: Das Ehrenamt steht hoch im Kurs – die Motive unterscheiden sich in Ost und West https://www.uni-hildesheim.de/fluechtlinge/aktuelles-und-presse/artikel/artikel/raeder-repari/ SÜDDEUTSCHE ZEITUNG über engagierte und nicht-engagierte Bürger und eine Langzeitstudie der Universitäten Hildesheim und Jena. Befragt wurden Menschen, die als Schöffen, in der Flüchtlingshilfe, Jugend- und Kulturarbeit in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt aktiv sind „Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer haben sie untersucht, was Bürger in Ost und West antreibt und wovon sie sich berühren lassen. Sie haben Schöffen befragt, Leute, die in der Flüchtlingshilfe, in der Jugend- und Kulturarbeit aktiv sind", schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG in einem Artikel über Ergebnisse einer Langzeitstudie der Universitäten Hildesheim und Jena.

„Nach wie vor gibt es Unterschiede in der sozialmoralischen Grundorientierung", sagt Michael Corsten der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Der Professor für Soziologie erforscht, warum sich Menschen engagieren oder aus der Gesellschaft zurückziehen. Befragt wurden Engagierte und Nicht-Engagierte in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

„Räder reparieren, Flüchtlingen helfen. Das Ehrenamt steht hoch im Kurs – die Motive unterscheiden sich in Ost und West", Süddeutsche Zeitung, Politik, 05.02.2014 (print)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

]]>
Soziologie Sozialwissenschaften Pressespiegel überregional Flüchtlinge