Geländekampagne Munigua 2020

Freitag, 28. August 2020 um 10:26 Uhr

Aufschlussarbeit an einer römischen Stauanlage. Benzinverbrauch Bohrhammer 1 l/d, Wasserverbrauch N. Herrmann 12 l/d.

Im Rahmen einer 14-tägigen Geländekampagne untersuchten André Kirchner und Nico Herrmann das Umland der antiken Stadt Munigua (Andalusien/ SW-Spanien). Auf der Grundlage 65-jähriger Forschung seitens des Deutschen Archäologischen Instituts (Abteilung Madrid / Grabungsleitung Prof. Dr. Schattner) bestehen exzellente Kenntnisse zur römischen, städtebaulichen Architektur des vollständig erhaltenen Stadtgrundrisses. Insbesondere das Terrassenheiligtum, die Tempelanlagen, das Forum, aber auch die Therme eingebettet in eine weiträumig erschlossene Wohnbebauung, gerahmt von einer imposanten Stadtmauer bedingen die herausragende Bedeutung Muniguas insbesondere in der Erforschung des römischen Iberiens. Der detaillierte Forschungsstand umfasst dabei auch die wirtschaftliche Grundlage der wohlhabenden Stadt zur Römerzeit basierend auf Kupfer- und Eisenbergbau sowie -verhüttung. Neuere Forschungsziele nehmen auch die Stadt-Umland-Beziehung Muniguas verstärkt in den Fokus. Dabei sind in den nächsten Jahren vielfältige Ergebnisse zur ackerbaulichen Nutzung, der ländlichen Siedlungsarchitektur und -dichte sowie der allgemeinen Ressourcennutzung zu erwarten, was eine weitere Präzisierung des sozioökonomischen Siedlungskontextes ermöglichen wird.

Bereits in den letzten Jahren konnte die Hildesheimer Arbeitsgruppe neue Informationen zur Agrarwirtschaft des Umlandes seit der Bronzezeit erschließen, die derzeit in einer studentischen Abschlussarbeit durch P. Matras systematisch zusammengeführt werden.

Die diesjährige Feldkampagne in der andalusischen Sommerhitze von 42°C fokussierte insbesondere die römische Wassernutzung. Erste Befunde der Hildesheimer Forscher beleuchten die naturräumlichen Voraussetzungen und das technologische Vorgehen der Bewohner mittels beindruckend diversifizierter, präziser und spezialisierter Erschließungsstrategien. Mithilfe von geomorphologischen und bodenkundlichen Kartierungen, Rammkernsondierungen und Aufschlussarbeiten ergänzt durch moderne Vermessungstechnik konnten vielversprechende Informationen zur technischen Umsetzung, zur Inbetriebnahme und Nutzungsdauer sowie dem Verfall von Brunnenanlagen, Quellfassungen und Stauwerken erarbeitet werden. Zukünftig werden die Befunde durch Altersdatierungen um eine präzisere Chronologie erweitert und durch Sedimentanalysen im Hinblick auf weitere Umwetlproxies vertieft werden. Besonders die vollständige Schlitzung von Stauanlagen und -teichen sowie Brunnenanlagen in ihrer Einbettung in Talungen stellen diesbezüglich vielversprechende Geoarchive dar.

 

Bei weiterführenden Fragen zu diesem Forschungsprojekt aus dem Schwerpunktfeld Geoarchäologie wenden Sie sich bitte an Jun.-Prof. Dr. A. Kirchner oder Dr. N. Herrmann.

Einige Impressionen aus der Kampagnen finden Sie auf der rechten Seite.


Präzises Einmessen eines Bohrpunkts mittels GNSS.

Schlitzung einer römischen Stauanlage.