Wirtschaftsvertreter blicken sorgenvoll auf mangelnde digitale Exzellenz und MINT-Begeisterung

Mittwoch, 06. Mai 2015 um 10:04 Uhr

Unternehmen von Weltrang wollen in Hildesheim Impulse für mehr Bildungsanstrengungen in technologischen Fächern setzen: Spitzenvertreter von Bosch, Rolls-Royce und IBM diskutieren in einer öffentlichen Veranstaltung am Dienstag, 12. Mai 2015, um 19:00 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim. Bosch möchte sein Campusgelände in Hildesheim auch für kreative Jungunternehmer und Start-Ups öffnen und mit jungen Fachkräften aus dem Hochschulumfeld zusammenarbeiten.

Wirtschaftsvertreter fürchten die „mangelnde digitale Exzellenz“ und zu wenig Begeisterung für den „MINT“-Bereich – dahinter stecken die Felder Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Mit einer Diskussionsveranstaltung am 12. Mai 2015 in Hildesheim machen Fachleute von IBM, Rolls-Royce und Bosch auf ihre Sorge aufmerksam, diese fehlende Exzellenz in der Ausbildung „könnte den High-Tech-Standort Deutschland gefährden“.

Ohne neue Ausbildungsimpulse entsteht keine „Wirtschaft 4.0“, also eine Industrie, deren Geschäfts- und Fertigungsprozesse auf der Digitalisierung aufbauen, darauf weist Martin Mähler hin. Er leitet den Bereich Wissenschaftsbeziehungen bei dem Technologie-Konzern IBM in Böblingen. „Wir investieren in Deutschland – die Bildung sollte es auch tun“, so Ulrich Wenger, der den Bereich Engineering & Technology bei Rolls-Royce Deutschland in Dahlewitz führt. Dietmar Meister, Leiter des Bereichs Smartphone & Cloud Solutions bei der Bosch SoftTec GmbH in Hildesheim, fordert „mehr kreative Exzellenz für die Wirtschaft 4.0“. Besonders bedroht seien kleine und mittelständische Betriebe. Darauf weist Astrid Lange von der Abteilung Wirtschaftswissenschaften und ihre Didaktik der Universität Hildesheim hin. Mit weiteren Wissenschaftlern aus dem MINT-Bereich bildet sie an der Uni Lehrerinnen und Lehrer aus, die an Grund-, Haupt- und Realschulen Wirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Biologie, Chemie, Informatik und Co unterrichten. Hartmut Reichardt (mediardt, Agentur für Kommunikation, Hildesheim) moderiert die Diskussion.

Für ihren Auftritt in Hildesheim bringen die Beteiligten mit ihren Firmenzentralen abgestimmte Empfehlungen mit, damit Deutschland nicht den Anschluss an die Digitalisierung verliert. Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer, der selbst im Audimax zugegen sein wird, empfängt die Podiumsteilnehmer im Rathaus und wird deren Empfehlungen schon vorab entgegen nehmen. Die Fachleute weisen darauf hin: Die künftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes wird weniger in den Unternehmen als vielmehr an den Schulen und Hochschulen entschieden. Junge Menschen sollten gefördert werden, die Mathematik, Ingenieurwissenschaften und Technik als Chance, und nicht als Zumutung empfinden.

Bosch möchte sein Campusgelände in Hildesheim auch für kreative Jungunternehmer und Start-Ups öffnen, darauf weist Dietmar Meister hin. Junge Tüftler, Fachkräfte aus der Universität und der HAWK, sollen dort an Innovationen basteln können. „Innovationen aus dem Hochschulumfeld brauchen die passenden Rahmenbedingungen, um umgesetzt werden zu können. Wir brauchen eine Kultur, die das Scheitern von Jungunternehmern nicht nur toleriert, sondern respektiert", so Meister. In der Hochschulbildung sehe Bosch „Bedarf, praxisorientierte Schwerpunkte für einen effizienten Start nach der Hochschule zu schaffen". Dabei können IT-Studierende sich zum Beispiel mit „Methoden im Engineering von komplexen und verteilten (Software-)Systemen" befassen und sich in Projekten und in Praktika mit praxisnahen Themen auseinandersetzen.

Die Spitzenvertreter von Bosch, Rolls-Royce und IBM sowie die Wissenschaftlerin wollen in Hildesheim mit Bürgerinnen und Bürgern, Lehrenden und Studierenden über das Risiko und die Folgen verpasster Weichenstellungen diskutieren: Was passiert, wenn Autos oder Flugzeugtriebwerke nicht mehr in Deutschland, sondern nur noch dort gebaut werden, wo die Software-Schmieden stehen? Die Entwicklung bei Fernsehern und Fotoapparaten sollte uns zu denken geben – schon in den vergangenen Jahrzehnten verschwanden ganze Branchen, so die Veranstalter.

Über die Reihe „Chancen für Morgen“

Chancen für Morgen ist eine Reihe des Rotary Club Hildesheim, in der einmal jährlich Spitzenthemen der Gesellschaft aufgegriffen werden, jeweils in Zusammenarbeit mit der Stiftung Universität Hildesheim. Zeigen Sie durch Ihr Kommen und Ihr Mitdiskutieren, dass wir vermehrte Bildungsanstrengungen brauchen, um nicht ins technologische Abseits zu geraten. Die Diskussionsveranstaltung „Wirtschaft 4.0 braucht Ausbildung 2.0“ beginnt am Dienstag, 12. Mai 2015, um 19:00 Uhr im Audimax am Uni-Hauptcampus (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim).

Lesen Sie mehr:

Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 11.05.2015, „Bosch öffnet sich für kreative Gründer / Startups sollen sich mit Hilfe des Weltkonzerns im Hildesheimer Wald ansiedeln / Debatte morgen in der Uni" (Seite 1/15)  //  Kehrwieder am Sonntag, 10.05.2015, „Diskussion in der Uni: Erfolg wird an Schulen und Hochschulen entschieden / Welche Impulse braucht die Wirtschaft?", Interview mit der Wirtschaftspsychologin Astrid Lange

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)


Prognostizierter Anteil an Hochschul-Absolventen in MINT-Fächern. Quelle Grafik: OECD, FAZ, statista, Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim