Informatik: Was hinter der Programmiersprache steckt

Montag, 14. Mai 2018  / Alter: 35 Tage

Die Informatikstudentinnen Christina David und Inna Losev gehören zu einem Team, das derzeit eine digitale Berufs- und Studienorientierungsplattform aufbaut. Im Projekt „BeSt F:IT“ können sich Schülerinnen und Schüler Video-Portraits von weiblichen Rollenmodellen aus der Umgebung anschauen, in Spielen erste praktische Erfahrungen in der Informatik sammeln und in einem Assessment-Bereich sich selbst einschätzen und die eigene Einstellung zur Informatik hinterfragen.

Die Informatikstudentinnen Christina David und Inna Losev, die Wirtschaftsinformatikerin Kristin Kutzner und das Team des „BeSt F:IT“-Projektes um Charlotte Schiller von der Universität Hildesheim geben Jugendlichen Einblicke in Berufsfelder der Informationstechnologie. Fotos: Mareike Köhler (2), Isa Lange (2)

Ein Team um Professor Ralf Knackstedt entwickelt eine Online-Plattform, auf der Schülerinnen und Schüler ihre Talente entdecken können. Frauen aus Hildesheim, Hannover und der Region berichten in Videointerviews aus ihrem Arbeitsalltag, mit dabei ist zum Beispiel Kristin Kutzner. Die Wirtschaftsinformatikerin der Universität Hildesheim spricht über ihren Bildungsweg und Berufseinstieg, so erhalten Jugendliche Einblicke in den Alltag der Wirtschaftsinformatikerin.

Auf der Online-Plattform können sich zukünftig Jugendliche der Klassen 9 bis 13 aus allen Schulformen über die Berufswege von Informatikerinnen und Informatikern informieren. „Dabei können die Jugendlichen zum Beispiel erkennen: Informatik ist gar nicht so fern von mir“, sagt Charlotte Schiller vom Uni-Gleichstellungsbüro. Schiller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Frauen in MINT-Fächern“ und arbeitet seit einem Jahr im Projekt „Entwicklung eines virtuellen IT Berufs- und Studienorientierungsangebots für Frauen (BeSt F:IT)“. Viele Heranwachsende wissen nicht genau, was sich hinter dem Begriff Informationstechnologie alles an beruflichen Möglichkeiten verbirgt, sagt Schiller. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt über drei Jahre.

Entwicklung eines virtuellen IT-Berufs- und Studienorientierungsangebots für Frauen

Mareike Köhler studiert Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie hat sich vor Ort über das Projekt informiert:

Ein fliegender Roboter reicht mir diverse Disketten an, die ich in das entsprechende Laufwerk am 3D-Drucker stecke. Der Drucker erstellt daraus Gegenstände: eine klappernde Rassel, kleine Raketen, die ich in die Luft steigen lassen kann, Schmetterlinge, die auf meiner Hand landen. Und gerade als ich denke, dass das ewig so weitergehen könnte, löst sich das Bild auf und mir wird schwarz vor Augen. Das alles passiert nicht in meinem Traum, sondern am Stand der Universität Hildesheim bei den IT- und Medientagen. Ich trage eine VR-Brille, eine Studentin gibt mir Anweisungen, außerdem werde ich gefilmt.

Um mehr über das Projekt BeSt F:IT (Berufs- und Studienorientierung für Frauen im IT-Bereich) zu erfahren, spreche ich mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Charlotte Schiller und den beiden Informationsmanagement- und Informationstechnologie-Studentinnen Inna Losev (Bachelor) und Christina David (Master). Ihr Ziel ist, das Interesse junger Frauen (aber auch Männer) an der Informatik zu wecken. Das Team des „BeSt F:IT“-Projekts interessiert sich besonders für die Schülerinnen und Schüler, die die IT- und Medientage besuchen: Was denken die Schülerinnen und Schüler? Welche Exponate finden sie spannend? Worüber lässt sich eine mögliche Hemmschwelle am besten aus dem Weg räumen? Das Ziel ist, das Interesse junger Frauen (aber auch Männer) an der Informatik zu wecken.  Vom BeSt F:IT Team waren Prof. Dr. Ralf Knackstedt, Charlotte Schiller, Carsten Wenzel sowie die studentischen Hilfskräfte Christina David, Inna Losev, Viola Baumgarte und Coralie Werkmeister an den IT- und Medientagen beteiligt.

Trotz der expliziten Nennung von „Frauen“ im Titel möchte das Projekt „BeSt F:IT“ auch die Männer und Jungs nicht ausschließen. Allerdings hätten gerade junge Frauen häufig noch Berührungsängste, sich mit dem Bereich Informatik auseinanderzusetzen. Christina David erklärt, das liege häufig an vorhandenen Stereotypen und Klischees. Informatik werde von vielen als Spielfeld für Nerds angesehen, das eine sehr logische, verkopfte Herangehensweise erfordert. Manche Frauen schrecke das ab. Zudem gebe es in der IT-Branche wenige weibliche Vorbilder.

Christina David und Inna Losev selbst ließen sich aufgrund ihres großen Interesses an der Informatik von solchen Vorurteilen nicht beeinflussen, und konnten diese im Laufe ihres Studiums in Hildesheim widerlegen. „Es ist überhaupt nicht so, dass Frauen in der Informatik nicht gern gesehen sind. Im Gegenteil: Die Unternehmen freuen sich, werben uns richtig an. Man hat tolle Zukunftschancen und die Möglichkeit, in sehr vielfältigen, interessanten Bereichen zu arbeiten“, bestätigt Inna Losev. Und je mehr Frauen in ein Unternehmen kämen, desto leichter ließe sich dort das Arbeitsklima zwischen Männern und Frauen verändern und verbessern, ergänzt David.

Über das Projekt „BeSt F:IT“ möchten die Studentinnen ihre Erfahrungen teilen und vorhandene Bilder in den Köpfen verändern. Möglich wird dies unter anderem durch die Erstellung einer digitalen Berufs- und Studienorientierungsplattform. Seit 2017 ist das Team mit der Konzeption und Erstellung dieser Plattform beschäftigt. 2020, wenn das Projekt „BeSt F:IT“ ausläuft, soll die endgültige Version der Website fertig gestellt sein.

Charlotte Schiller erklärt, dass sie gerade vor der Präsentation des ersten Prototypens stehen. Noch in diesem Jahr soll diese rudimentär benutzbar sein und in Schulen erprobt werden, um sie anhand der Erkenntnisse zu verbessern und zu bestücken. Die Schülerinnen und Schüler können sich Video-Portraits von weiblichen Rollenmodellen aus der Umgebung anschauen, es gibt kleine Spiele, über die erste praktische Erfahrungen in der Informatik gesammelt werden können, sowie einen Assessment-Bereich, in dem sie sich selbst einschätzen, und die eigene Einstellung zur Informatik hinterfragen können.

Viele junge Frauen würden von Vornherein Informatik für sich ausschließen, sich das Studium nicht zutrauen, sogar wenn sie beispielsweise in Mathe gute Leistungen erbringen würden, sagt Schiller. Deshalb sei es besonders wichtig, viele Rollenmodelle zu haben, mit denen sich Schülerinnen identifizieren können: „Je jünger die Rollenmodelle sind, desto leichter fällt die Identifikation mit ihnen, und Schülerinnen können sich leichter vorstellen, ebenso diesen Weg zu ergreifen. Denn eine Frau, die bereits eine Leitungsposition innehat, hat zwar eine Leuchtturm-Funktion, ist aber auch sehr weit weg von der Lebensrealität der Schülerinnen.“ Das „BeSt F:IT“-Team freut sich daher über jede Studentin oder auch Unternehmerin, die Lust hat, sich in den Pool der Rollenmodelle aufnehmen zu lassen.

Zudem sei es wichtig, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass hinter vermeintlich komplizierten Vorgängen und Mechanismen meist eine weniger komplexe Grundsoftware oder eine Programmiersprache dahintersteht, die man erlernen kann. Bei den IT- und Medientagen zeigten die Hildesheimer Informatikerinnen und Informatiker neben einer Virtual Reality-Brille auch ein automatisches Einkaufsregal, das erkennt, wenn man ein Produkt herausnimmt oder eines hineinstellt. Solche „Connected Shelfs“ werden vermutlich in naher Zukunft unsere Einkaufserlebnisse beeinflussen. Wie sie funktionieren, können die Jugendlichen in dem Uni-Projekt erkunden, und nachvollziehen.

Wenn diese erste Hürde abgebaut ist, und Jugendliche erkennen, wie stark die Informatik schon jetzt in alle unsere Lebensbereich hineinwirkt, fehle eigentlich nur noch der nötige Mut, sind sich Christina David und Inna Losev einig. „Man muss sich einfach trauen, es gibt nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Man sollte nicht so viel auf Andere hören und einfach mal machen“, meint David, und Losev ergänzt: „Wenn man Interesse zeigt, bekommt man mehr Unterstützung, als man anfangs vielleicht erwartet.“

Kontakt

Wer sich für das Projekt und Berufs- und Studienorientierungsangebote im Informatikbereich interessiert, erreicht das Projektteam unter bestfit@uni-hildesheim.de.

Von: Pressestelle, Isa Lange

Die Informatikstudentinnen Christina David und Inna Losev, die Wirtschaftsinformatikerin Kristin Kutzner und das Team des „BeSt F:IT“-Projektes um Charlotte Schiller von der Universität Hildesheim geben Jugendlichen Einblicke in Berufsfelder der Informationstechnologie. Fotos: Mareike Köhler (2), Isa Lange (2)