Nachtaktiv: Abenteuerurlaub für Entwickler

Dienstag, 10. November 2015  / Alter: 2 Jahre

Beim ersten „Hackathon“ von Bosch und Uni suchen Studierende nach Lösungen im Themenfeld „Mobilität“. Studierende aus allen Fachbereichen, ob Informatik, Umweltbildung, Kultur-, Sprach- oder Sozialwissenschaften können Mitte November 2015 ihren Ideen freien Lauf lassen und zum Beispiel Software entwickeln. Dabei erhalten sie auch Unterstützung von Fachleuten.

Vernetzen: Bosch und die Universität bringen beim „Hackathon“ Studentinnen und Studenten aus allen Fachbereichen zusammmen. Studierende aus den Geistes-, Sprach-, Kultur- oder Sozialwissenschaften, aus den Bereichen Informatik, Umwelt oder Übersetzen bilden Teams und entwickeln an einem Wochenende gemeinsam Lösungen im Themenfeld „vernetzte Mobilität". Die besten drei Ergebnisse werden prämiert. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

In eineinhalb Tagen die Welt retten? Die eine kann programmieren, der andere designen und die dritte Studentin bringt eine Idee mit. Zusammen bilden sie ein Team.

Studierende aus allen Fachbereichen können erstmals an einem „Hackathon“ teilnehmen. Die Informatiker um Professor Klaus Schmid von der Universität Hildesheim setzen damit ihre Zusammenarbeit mit dem Hildesheimer Unternehmen Bosch SoftTec fort. Bei einem Hackathon – eine Kombination der Wörter „hacken“ und „Marathon“ – arbeiten Studierende ein Wochenende lang intensiv an einem Projekt in der Software- oder Hardwareentwicklung. Dabei lassen sie ihrer Kreativität freien Lauf und setzen eigene Ideen um. Unterstützt werden die Studierenden von Spezialisten von Bosch. Das Unternehmen veranstaltet einen „Hackathon“ erstmals für Studierende. „Wir wollen mit dieser Veranstaltung Industrie und Hochschulen zusammenbringen. Wir möchten Leute, die Ideen und Sachverstand haben, unterstützen und ihnen eine Plattform zum Austausch bieten“, begründet Dietmar Meister von Bosch-Softtec das Angebot.

„Man kann ohne Team und ohne Idee kommen oder mit Team und mit Idee. Wir unterstützen bei der Bildung eines Teams, das entsteht vor Ort“, sagen die Studierenden Nils Tertling und Katharina Renner. Renner studiert in Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ und absolviert derzeit ein Praktikum bei Bosch.

Nachtaktiv: Wie läuft der „Hackathon“ in Hildesheim ab?

Studentinnen und Studenten kommen am Freitagvormittag zu Bosch, können in der Nacht durcharbeiten. Essen, Getränke, Duschen und eine Sitzecke für „Powernapping" werden vor Ort bereitgestellt. Am Samstagnachmittag werden die Ideen und Ergebnisse einer Jury vorgestellt. Die besten drei Ergebnisse werden prämiert.

„Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen mit dem Ziel, etwas in kurzer Zeit unter Gleichgesinnten entwickeln zu wollen, auch die Nacht hindurch. Was will ich bis zum nächsten Tag erreichen? Irgendeiner werkelt und tippt immer, das motiviert enorm. Es geht darum, spielerisch, aber mit Ehrgeiz zu entwickeln. Da nicht hinzugehen ist ein verpasstes Wochenende“, beschreibt Dietmar Meister die „positive Anspannung“.

Und nach eineinhalb Tagen blickt man zurück und denkt: Ich hätte nie gedacht, dass ich das mit meinem Team in kurzer Zeit schaffe. Die Studierenden bringen ihren eigenen Rechner oder weitere Materialien mit, eine vertraute Entwicklungsumgebung.

Auto, Fahrrad, Barrierefreiheit: Wie stellen sich Studierende die Mobilität von morgen vor?

Inhaltlich geht es bei dem ersten Studierenden-Hackathon um das Thema „Connected Mobility“. „Die Gruppen arbeiten an ihren Projekten und entwickeln Ideen, wie sie sich die Mobilität von morgen vorstellen“, sagt Dietmar Meister.

Professor Klaus Schmid von der Arbeitsgruppe „Software Systems Engineering“ nennt den „Hackathon“ einen „Abenteuerurlaub für Entwickler“. Der Informatiker hat bereits im Sommersemester die Lehre an der Universität durch Praxiskooperationen ergänzt. IT-Studierende sammeln schon während des Studiums Erfahrungen, wie Software entwickelt wird und lernen die Bedingungen für Apps und Systeme im „realen Leben“ kennen.

Der Hildesheimer Informatiker hofft, dass auch Studentinnen und Studenten aus den Geistes-, Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaften an dem „Hackathon“ teilnehmen. Das Thema „vernetzte Mobilität“ ist sehr weit, die Entwicklungen müssen nicht mit einem Auto zusammenhängen. Egal ob öffentlicher Nahverkehr oder Fahrradkurier, all das kann „Connected Mobility“ sein. Die Grenze ist nur durch die Phantasie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesetzt, so Schmid.

Neben der Programmierung können Teams auch an der Entwicklung von Konzepten arbeiten und zum Beispiel nach Lösungswegen suchen, wie man durch Teilen („Sharing“) von A nach B kommt. Oder Studierende aus dem Schwerpunkt „Barrierefreie Kommunikation“ entwickeln Anwendungen, die durch den Alltag oder ein Museum führen, wenn man kaum oder gar nicht mehr Sehen und Hören kann.

Ein Beispiel: Nach der Flucht – wie kommt man täglich vom Dorf zum Lernort in der Stadt?

Ein Thema, mit dem sich Studierende beschäftigen können, ist zum Beispiel die Mobilität von Menschen, die neu in Deutschland ankommen: Wie kommt man ohne Busticket und mit wenig Geld von Bad Salzdetfurth, Alfeld, Algermissen, Diekholzen oder Nordstemmen in die nächstgelegene Großstadt, um zu lernen? Junge Erwachsene, die nach der Flucht in einem Dorf in Niedersachsen angekommen sind und nun die Universität und den Sprachkurs an der Volkshochschule besuchen wollen, haben Schwierigkeiten überhaupt aus dem Landkreis nach Hildesheim zur Vorlesung zu gelangen.

Das Schnupperstudium ist zwar kostenfrei – aber wie gelangt man täglich zu dem Lernort? „Wichtig ist, dass wir für Mobilität sorgen“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. „Mobilität ist ein großes Thema. Viele Studieninteressierte wohnen im Landkreis. Teilweise wohnen sie zwei Stunden entfernt von Hildesheim, sie dürfen nicht weg von ihrem Wohnsitz. Bei der Zuweisung wird nicht darauf geachtet, was die Leute können.“ Könnte man eine Mitfahrvermittlung geschickt mit einer APP organisieren? Während des „Hackathons“ können Studierende aus den Bildungs-, Sozial- und Sprachwissenschaften gemeinsam mit IT-Studierenden an Lösungen arbeiten.

„Wie es nach dem Hackathon weitergeht, ist offen. Bosch ist interessiert, auch danach mit den Studierenden an ihren Ideen zusammenzuarbeiten. Praktika oder eigene start-ups – alles ist möglich“, sagt Dietmar Meister.

„Hackathon“ am 13. und 14. November 2015 in Hildesheim

Lösungen entwickeln: Dietmar Meister, Bosch Softtec; Uni-Professor Klaus Schmid. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Der Hackathon in Hildesheim findet vom 13. bis 14. November 2015 im Bosch-Werk im Hildesheim Wald (Robert-Bosch-Straße 200, Hildesheim) statt. Er steht allen Studierenden offen. Wer teilnehmen möchte, kann sich noch anmelden (E-Mail: Hackathon.BSOT@bosch.com).  Dabei können Studierende auch auf eine App-Plattform für Fahrzeuge zurückgreifen. Weitere Hochschulen aus Hannover, Hildesheim und Hamburg nehmen teil. Die Gewinner werden ihr Ergebnis dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies und dem Hildesheimer Oberbürgermeister Ingo Meyer sowie weiteren Vertretern von Industrie, Politik und Hochschulen aus der Region vorstellen.
Weitere Informationen findet man online.

Von: Pressestelle, Isa Lange [erstveröffentlicht am 07.11.2015]

Vernetzen: Bosch und die Universität bringen beim „Hackathon“ Studentinnen und Studenten aus allen Fachbereichen zusammmen. Studierende aus den Geistes-, Sprach-, Kultur- oder Sozialwissenschaften, aus den Bereichen Informatik, Umwelt oder Übersetzen bilden Teams und entwickeln an einem Wochenende gemeinsam Lösungen im Themenfeld „vernetzte Mobilität". Die besten drei Ergebnisse werden prämiert. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim