Habilitationen

Dr. Laura Giacomini: Morphologically related term variants. A multi-layered database design for the technical domain.

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der terminologischen Variation in der Fachsprache der Technik und deren Repräsentation in einer terminologischen Datenbank. Im Mittelpunkt der Studie steht die theoretische, lexikografische bzw. terminografische und computationelle Modellierung von Varianten. Nach einer Einführung der wissenschaftlichen Ziele und der angewandten Methode werden in Kapitel 3 die wichtigsten theoretischen Ansätze zur Variation in der Computerlinguistik, der (Sozio)terminologie sowie in der Übersetzungswissenschaft kritisch diskutiert. Vor diesem Hintergrund wird eine Definition von Variation erarbeitet, die bereits etablierte Definitionen ergänzt, und bei der synonymische, morphologisch ähnliche Varianten im Mittelpunkt stehen. Diese Auffassung von Variation, die keinem primär diasystematischen Kriterium unterliegt, soll – vor allem unter dem Gesichtspunkt des Technical Writing und des Fachübersetzens – eine auffällige Lücke in der bisher vorliegenden Forschung schließen und die Modellierung adäquater terminografischer bzw. lexikografischer Ressourcen ermöglichen.

Kapitel 4 konzentriert sich auf die lexikalischen, text- und fachgebietsbezogenen Merkmale von morphologisch verwandten Varianten in zwei ausgewählten technischen Teilgebieten, nämlich im Gebiet der Wärmedämmprodukte (Bauwesen) und im Gebiet der Halbleiterdioden (Elektrotechnik). Es wird eine Typologie von Varianten anhand von Beispielen aus dem Deutschen, Italienischen und – zum Teil – Englischen vorgestellt, aus der die möglichen grafischen, morphologischen und syntaktischen Modifikationen zwischen Benennungen und ihren Varianten ersichtlich werden. Ziel des Kapitels ist auch, die distributionellen Eigenschaften von Varianten und den Grad der Systematizität zu überprüfen, mit der morphologisch-bedingte Variation u.a. in bestimmten Textsorten und auf bestimmten Diskursebenen vorkommt.

Kapitel 5 widmet sich der eigentlichen Datenrepräsentation in einer terminologischen Datenbank und der Datenpräsentation in einem e-Fachwörterbuch. Benennungen und Varianten werden einem modularen, sich auf mehreren Ebenen abspielenden Formalisierungsprozess unterzogen, bei dem sie konzeptuell, semantisch und morphosyntaktisch annotiert werden. Die konzeptuelle Annotation beruht auf der Erstellung einer spezifischen Domänenontologie, die semantische Annotation auf der Identifizierung von Frame Elements eines zuvor festgelegten Bezugsframes (im Sinne von Fillmores Frame-Semantik) und die morphosyntaktische Annotation auf der jeweiligen syntagmatischen Struktur sowie dem Typ der Variation in Bezug auf eine Vorzugsbenennung. Die annotierten terminologischen Daten werden in eine relationale Datenbank eingetragen, die nicht nur zweckdienlich der unternehmensinternen Terminologieverwaltung dient, sondern auch als lexikografische bzw. terminografische Datenbasis gedacht ist. Die konkrete Datenpräsentation – u.a. Benutzeroberfläche, Suchoptionen bzw. Zugriffsstrukturen, Visualisierung unterschiedlicher Datentypen, mikrostrukturelle Angaben – wird aus der Sicht potentieller Benutzer, d.h. Fachübersetzer und technischer Redakteure ausführlich diskutiert. Darüber hinaus wird die Relevanz des vorgeschlagenen Modells für NLP-Anwendungen wie z.B. Term-Extraktion thematisiert.

Eine Bilanz über die Fundiertheit der Methode, die Umsetzbarkeit des Modells, die Generalisierbarkeit der erzielten Ergebnisse und die Nützlichkeit der lexikografischen Anwendung steht im Zentrum von Kapitel 6. Zum Abschluss der Arbeit erfolgt ein Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf im Bereich der (semi-automatischen) ontologie- und frame-basierten Beschreibung von Fachsprachen.