Universität Hildesheim - Meldungen - Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation de-de Stiftung Universität Hildesheim Tue, 12 Nov 2019 21:38:53 +0100 Tue, 12 Nov 2019 21:38:53 +0100 TYPO3 EXT:news news-17552 Wed, 09 Oct 2019 17:41:00 +0200 Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für Medienübersetzerin Valeria Matteini https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/preis-des-deutschen-akademischen-austauschdienstes-fuer-medienuebersetzerin-valeria-matteini/ Die 25-jährige Valeria Matteini produziert Übertitel, um schwerhörigen und gehörlosen Menschen den Theaterbesuch zu ermöglichen. Für ihre herausragenden Leistungen erhält die italienische Medienübersetzerin den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Die 25-Jährige schließt gerade ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ an der Universität Hildesheim ab und spezialisiert sich auf Barrierefreiheit. Zum Semesterstart wird der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verliehen. Den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis erhält die Hildesheimer Medienübersetzerin Valeria Matteini. Die 25-Jährige schließt gerade ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ am Fachbereich „Sprach- und Informationswissenschaften“ der Universität Hildesheim ab. Sie engagiert sich für Inklusion und barrierefreie Kommunikation, engagiert sich seit vielen Jahren sozial und interkulturell und unterstützt internationale Studierende beim Ankommen in Hildesheim.

Der Universitätspräsident und das Team des International Office überreichen den DAAD-Preis am Montag, 14. Oktober 2019 während der Immatrikulationsfeier/Semestereröffnung im Audimax der Universität Hildesheim.

Die 25-jährige Valeria Matteini ist in Sezze in Italien geboren und im italienischen San Felice Circeo aufgewachsen. Nach ihrem Bachelorabschluss in Rom in Übersetzung und Dolmetschen zog sie zum Masterstudium nach Hildesheim. An der Universität Hildesheim studiert die Übersetzerin derzeit „Medientext und Medienübersetzung“, sie spezialisiert sich auf Übersetzung und Barrierefreiheit und weist „ausgezeichnete Studienleistungen“ nach.

Die diesjährige DAAD-Preisträgerin Valeria Matteini gehört zu einem Team um Professorin Nathalie Mälzer, die sich am Bühler-Campus der Universität Hildesheim mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren befassen. Die Medienlinguisten und Medienlinguistinnen produzieren derzeit zum Beispiel Übertitel für das Theater, damit schwerhörige und gehörlose Menschen das Bühnengeschehen verfolgen können. Dabei setzen sie neue Technologien ein, über sogenannte „Smartglasses“ können die Theaterbesucher die Theaterproduktion mit virtuellen Übertiteln verfolgen.

Mehr erfahren:
Studie: Smartglasses projizieren virtuelle Übertitel im Bühnengeschehen

Interview mit der Studentin Valeria Matteini

Frau Matteini, Sie werden mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Ehrung?

Ich freue mich natürlich sehr darüber. Diese Auszeichnung bedeutet mir viel, weil dadurch meine Anstrengungen im Studium anerkannt wurden und es motiviert mich, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Dafür bin ich besonders Frau Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation dankbar, die mich der Kommission für diesen Preis vorgeschlagen hat.

Sie studieren „Medientext und Medienübersetzen“. Bitte erklären Sie einmal für Laien, was Medientexte, was Medienübersetzung ist, warum ist das wichtig in der Gesellschaft? Wer profitiert davon zum Beispiel?

Im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ beschäftigen wir uns mit der Übersetzung von Texten, die über alle Medien hinweg – zum Beispiel Bücher, Fernsehen, Radio, Theater – übermittelt werden. Unser Fokus liegt darauf, solche Texte für alle Nutzer zugänglich zu machen, etwa wenn bestimmte sprachliche Kenntnisse fehlen – wegen einer Fremdsprache – oder bei sonstigen zum Beispiel physischen oder geistigen Beeinträchtigungen, die den Zugang zu den Texten erschweren. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir einen Film in derselben Sprache für eine hörgeschädigte Person übersetzen.

Als junge Nachwuchswissenschaftlerin befassen Sie sich mit barrierefreier Kommunikation und Inklusion, zum Beispiel mit „Nachrichten in leichter Sprache“ und mit „inklusivem Theater“, um schwerhörigen und gehörlosen Menschen den Theaterbesuch zu ermöglichen.

Beim Projekt „Inklusives Theater“ fassen wir Untertitel zusammen für ein Theaterstück, welches in diesem Winter im Theater in Hildesheim inszeniert wird. Diese Untertitel stehen für Hörgeschädigte zur Verfügung und werden über besondere Brillen, sogenannte Smartglasses, gezeigt. Ein Teil der Gruppe beschäftigt sich dann mit der empirischen Studie, der Rest – unter anderen auch ich – produziert die Untertitel.

Im Wintersemester unterstützen Sie als „Buddy“ ehrenamtlich internationale Studentinnen und Studenten. Wie unterstützen Sie die internationalen Studierenden, die unter anderem aus Mexiko, Spanien, Russland, Pakistan oder Japan kommen, beim Ankommen in Hildesheim?

Als „Buddy“ und als ehemalige Erasmus-Studentin in Hildesheim ist meine Hauptsorge, dass ausländische Studierende mit dem deutschen Bildungssystem und der deutschen Kultur nicht zurechtkommen. Vieles was wir als selbstverständlich ansehen, ist vielleicht ungewöhnlich für diejenigen, die neu hierher kommen. Ich erinnere mich noch daran, als ich das erste Mal vom Flaschenpfand gehört habe: anstatt eine Plastikflasche wegzuschmeißen, kann ich sie zurück zum Laden bringen... sowas war für mich komplett neu. Ich unterstütze gerne Erasmus-Studierende in ihrem alltäglichen Leben und in der Uni und ich mag es, während eines Spaziergangs Sitten und Gebräuche der Stadt zu zeigen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-17421 Wed, 11 Sep 2019 10:09:00 +0200 Brücke zwischen Mensch und Maschine: „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ studieren https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/bruecke-zwischen-mensch-und-maschine-internationale-fachkommunikation-sprachen-und-technik-studi/ Am Bühler-Campus bildet die Universität Hildesheim Expertinnen und Experten für Sprachen, Kommunikation und Informationsmanagement aus. Für den Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ können sich Studieninteressierte noch bis zum 30. September 2019 bewerben. Das Studium beginnt im Oktober 2019. Studentinnen und Studenten schlagen eine Brücke zwischen Maschinen und Menschen und erklären präzise und verständlich die komplexe Technik. In Vorlesungen und Seminaren lernen sie zum Beispiel, über Automatisierungstechnik, technische Werkstoffe, Energietechnik und Maschinenelemente zu schreiben. Masterstudium an der Uni Hildesheim
„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

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In unserer globalisierten Welt sind im Bereich der Fachkommunikation Fachleute gefragt, die mehrsprachige Kommunikationsfähigkeit mit soliden und speziell auf ihre beruflichen Belange ausgerichteten technischen Kenntnissen verbinden. Beim professionellen Übersetzen wie auch in der technischen Redaktion geht es heute zu einem großen Teil um technische Inhalte.

Während des zweijährigen Masterstudiums „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ spezialisieren sich die Studentinnen und Studenten auf das Übersetzen oder auf das Erstellen technischer Texte im internationalen Kontext. Das Studium kombiniert sprachlich-übersetzerische und technisch-naturwissenschaftliche Inhalte.

Wer schreibt eigentlich die Bedienungs- und Installationsanleitungen?

„Wir bilden Textdesigner aus, die darauf spezialisiert sind, Dokumente technisch-fachlichen Inhalts zu erstellen und zu übersetzen“, sagt Franziska Heidrich über den Masterstudiengang. Dabei geht es nicht nur um das reine Texten. Weitere Merkmale von Fachdokumenten sind zum Beispiel die besondere Strukturierung und das Zusammenspiel von Text und Bild.

„Unsere Absolventen erstellen und übersetzen Dokumente von Wartungsanleitungen für den Sondermaschinenbau über Softwaredokumentationen, technische Beschreibungen und Schulungsvideos bis hin zu Bedienungsanleitungen für den Endnutzer von Kleingeräten für den Haushalt. Sie warnen vor möglichen Restgefahren, sorgen für Verständlichkeit und leiten so zum kompetenten und sicheren Umgang mit Technik aller Art an. Die Arbeit geht dabei weit über das rein Sprachliche hinaus“, sagt die promovierte Übersetzungswissenschaftlerin.

Eine Grundvoraussetzung für das Erstellen und Übersetzen dieser spezialisierten Fachdokumente ist ein grundsätzliches Verständnis der technischen Inhalte. Deshalb machen die Forschungsteams vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation und vom Institut für Technik die Studentinnen und Studenten mit einem weiten Feld an technischen Themen vertraut. „Wir setzen hier auf 'Technik ohne Mathe'. Die Lehrveranstaltungen der Technik sind in Umfang und Komplexität speziell dafür ausgelegt, ein umfassendes Verständnis technischer Grundlagen zu erwerben, das für das Erstellen und Übersetzen von fachlich geprägten Texten und Dokumenten notwendig ist“, sagt Franziska Heidrich.

„Betrieb, Wartung, Reparatur: Für jede Maschine gibt es eine Anleitung“

Die Studierenden wählen im Studium Schwerpunkte und können sich zum Beispiel auf die Fachkommunikation im Bereich Energietechnik oder auf das Übersetzen von Fachtexten in französischer und spanischer Sprache spezialisieren; oder sie wenden Methoden und Werkzeuge der Sprachtechnologie an und befassen sich mit maschineller Sprachverarbeitung.

Dabei machen sie genau das Gegenteil von Schriftstellern, anders als in literarischen Texten, verwenden sie für jedes Teil das gleiche Wort, arbeiten mit Wortwiederholungen, damit Bauteile in der Konstruktion, der Fertigung, im Vertrieb oder in der Autowerkstatt wieder auffindbar sind.

„Übersetzer und Dolmetscher brauchen wir alle. Sie sorgen dafür, dass man das koreanische Handy auf Deutsch bedienen kann“

Die Absolventinnen und Absolventen haben allerbeste Einstellungschancen auf dem Arbeitsmarkt, erläutert Professor Klaus Schubert. Sie arbeiten im In- und Ausland als Übersetzungsmanager, Technische Redakteure, mehrsprachige Content-Ersteller in der Industrie, bei Dienstleistern oder freiberuflich. Der Bedarf an professionellen technischen Texten in mehreren Sprachen sei gestiegen. „Übersetzer und Dolmetscher brauchen wir alle. Sie sorgen dafür, dass man das koreanische Handy auf Deutsch bedienen kann“, so Schubert.

Das Studium auf dem Hildesheimer Bühler-Campus sei geprägt durch eine persönliche Atmosphäre und die gute Betreuung der Studierenden. „Sprachen und Technik sind in Hildesheim auf besondere Weise miteinander verzahnt. Wir greifen die Inhalte aus den Lehrveranstaltungen der Technik auf und übersetzen technische Texte in den praktischen Lehrveranstaltungen zum Übersetzen“, sagt Franziska Heidrich.

Wer in Hildesheim „Sprachen und Technik“ studiert, habe nicht nur allerbeste Chancen auf dem Arbeitsmarkt, so Heidrich, sondern komme auch in den Genuss eines Masterstudiums in einem freundlichen, persönlichen Umfeld „im Grünen“.

Wer Fragen zum Masterstudium hat, erreicht Dr. Franziska Heidrich unter franziska.heidrich@uni-hildesheim.de.

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news-17378 Thu, 05 Sep 2019 08:32:30 +0200 Studie: Smartglasses projizieren virtuelle Übertitel im Bühnengeschehen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/studie-smartglasses-projizieren-virtuelle-uebertitel-im-buehnengeschehen/ Theaterbesucher mit einer Hörbehinderung in Hildesheim können „Smartglasses“ aufsetzen und das Theatergeschehen verfolgen, indem die Worte, die sie nicht hören können, als Übertitel virtuell im Bühnenraum projiziert werden. Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim kooperiert dafür mit dem Theater für Niedersachsen. Nun sucht die Forschungsgruppe um Professorin Nathalie Mälzer Theaterbesucherinnen und Theaterbesucher, die an der Smartglasses-Studie teilnehmen möchten. Ab November 2019 bis Frühjahr 2020 werden Theaterbesucher mit einer Hörbehinderung in Hildesheim „Smartglasses“ aufsetzen und das Theatergeschehen in einzigartiger Weise wahrnehmen können: Wer eine solche Brille trägt, erlebt, wie Übertitel virtuell im Raum direkt im Bühnengeschehen schweben. So müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht ständig den Blick zwischen Bühnengeschehen und Übertiteln hin und herschweifen lassen. Für die anderen Zuschauerinnen und Zuschauer sind die Übertitel nicht sichtbar und beeinflussen somit nicht die Inszenierung.

Die Studie „Inklusives Theater“ führen Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim unter der Leitung von Professorin Nathalie Mälzer gemeinsam mit dem Theater für Niedersachsen (TfN) und mit Unterstützung der Firma Panthea durch.

Übertitelt wird die Theaterproduktion „Bella Donna“ im Theater für Niedersachsen in Hildesheim. „Um die Qualität dieser smarten Übertitel zu testen, möchten wir schwerhörige und gehörlose Menschen dazu einladen, sich das Stück anzusehen und im Anschluss einen Fragenbogen zu beantworten. Darin stellen wir Fragen zur Lesbarkeit sowie zur Verständlichkeit der Übertitel. Die Studie wird selbstverständlich anonymisiert“, sagt Professorin Nathalie Mälzer.

Zugänglichkeit an Theatern verbessern: Großes Interesse an dem Einsatz der Smartglasses-Technologie

Wie neu oder innovativ ist dieses Vorgehen – dazu erklärt das Forschungsteam: Generell gibt es bisher nur wenig Übertitelungen für Menschen mit einer Hörbehinderung. Im vergangenen Jahr wurde, betreut von Professorin Nathalie Mälzer und Professor Oliver Czulo von der Masterstudentin Linda Stegman am Schauspiel Leipzig ein Pilotprojekt mit Übertiteln für Smartglasses durchgeführt, bei dem einige Zuschauerinnen und Zuschauer anschließend befragt wurden.

Aus der Studie ging hervor, dass großes Interesse an dem Einsatz dieser Technologie für die Verbesserung der Zugänglichkeit an Theatern besteht. Wie Übertitel in einer rasanten Komödie wie „Bella Donna“ Humor transportieren können, wurde bisher noch nicht untersucht.

„Im Rahmen der Kooperation mit der Diakonie Himmelsthür und Aktion Mensch haben wir am TfN mehrere Vorstellungen mit Gebärdensprachdolmetschern organisieren können. Dabei habe ich erst gemerkt, wie ausschließend das Theater für Nichthörende ist. Da muss sich etwas bewegen! Ich bin total gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Fantastisch wäre es, wenn wir nicht nur eine ausgewählte Vorstellung mit Gebärdensprachdolmetschern anbieten, sondern an vielen Abenden schwerhörige und gehörlose Menschen mit Smartglasses zwischen den hörenden Zuschauern sitzen und es etwas ganz Selbstverständliches geworden ist, miteinander ins Theater zu gehen “, sagt Theaterpädagogin Bettina Braun.

Gemeinsamer Theaterbesuch von schwerhörigen, gehörlosen und hörenden Zuschauern: „Es sollte etwas  Selbstverständliches werden, miteinander ins Theater zu gehen“

Die Theaterkarten sind für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie natürlich kostenlos. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können zwischen zwei Smartglasses-Modellen wählen (Epson Moverion BT-300 und BT-350), die jeweils etwa 70 Gramm wiegen. Beide Modelle können über der eigenen Brille getragen werden. Eine Einführung in die Benutzung findet vor Ort statt.

Die Aufführungen mit smarten Übertiteln finden zwischen Ende November 2019 und Mitte März 2020 voraussichtlich an folgenden Terminen statt:

  • Samstag, 30. November 2019 
  • Dienstag, 17. Dezember 2019
  • Samstag, 21. Dezember 2019
  • Freitag, 10. Januar 2020
  • Mittwoch, 22. Januar 2020
  • Montag, 27. Januar 2020 
  • Sonntag, 2. Februar 2020
  • Samstag, 8. Februar 2020
  • Montag, 17. Februar 2020 
  • Donnerstag, 5. März 2020

Das Hildesheimer Forschungsteam hofft auf zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die durch ihre Mitwirkung an der Studie dabei helfen, Übertitel zu verbessern und den Zugang zum kulturellen Angebot für Menschen mit Hörbehinderung zu erweitern.

Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation per Email unter maelzers@uni-hildesheim.de kontaktieren.

Inklusives Theater: Forschung zu Übertiteln in Theaterhäusern

Ein Team um Professorin Nathalie Mälzer entwickelt seit 2015 Übertitel für Theaterstücke. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim produzieren Hildesheimer Studentinnen und Studenten des Studiengangs „Medientext und Medienübersetzen“ Texte für den Bühnenraum. Die Ergebnisse der Hildesheimer Forschung sind für Theaterhäuser in Deutschland relevant.

In Deutschland gibt es zwar einige Theater- und Opernhäuser, die bei fremdsprachlichen Inszenierungen Übertitel in anderen Sprachen anbieten. Oben über der Bühne befindet sich dann oft eine dezente LED-Leiste, über die Texte dargestellt werden. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft findet man so gut wie keine Übertitel für Menschen mit Hörbehinderung, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Die Professorin für Übersetzungswissenschaft entwickelte bereits in der Vergangenheit mit Studentinnen und Studenten und Kooperationspartnern Übertitel für Theaterstücke, die sich an Gehörlose, Schwerhörige und Hörende richten.

In den Projekten kommt als kommunikatives Element der „Übertitel“ zum Einsatz: Worte werden im gesamten Bühnenraum projiziert. Wenn eine Schauspielerin schreit, platzieren die Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer das Schriftbild im kompletten Bühnenraum in riesigen Großbuchstaben und umschreiben das Gefühl nicht mit der Formulierung „(schreiend)". Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes.

Professorin Nathalie Mälzer untersucht in Rezeptionsstudien, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Inwiefern stoßen die Hildesheimer Übertitelungskonzepte bei Jugendlichen und Erwachsenen auf Akzeptanz, verstehen gehörlose Jugendliche und Erwachsene das Theaterstück besser?

Die Hildesheimer Übertitel sind auf den Bühnen keine Fremdkörper, sie sind Teil des Bühnenbildes, manche Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus. Die ganze Theaterbühne wird zu einer Projektionsfläche, die Übertitel haben nicht bloß die Funktion, dass die Zuschauer mit einer Hörbehinderung den Inhalt verstehen. Sondern die Übertitel sind auch als ästhetisches Element in den Bühnenraum eingebunden.

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news-17338 Wed, 21 Aug 2019 14:38:41 +0200 Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-in-hildesheim-studieren/ Marie Leusder gehört zur ersten Generation, die sich an der Universität Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Der Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ ist bundesweit einmalig. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Das Studium beginnt im Oktober 2019. Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“

Bewerben Sie sich bis zum 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]
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Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Insgesamt gibt es 20 Studienplätze, das Studium beginnt im Oktober 2019.

Bundesweit einmalig sei dieser Masterstudiengang, sagt Isabel Rink von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim. „Wir bilden Textexpertinnen und Textexperten aus, die angemessene mündliche und schriftliche Texte für Personen mit Kommunikationseinschränkungen erstellen können. Von der Arbeit in Hildesheim profitieren Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Behinderung, mit divergierenden Bildungschancen oder einschneidenden Lebensereignisse wie zum Beispiel einer Flucht“, so Rink.

„Oft rücken bauliche Maßnahmen ins Bewusstsein, Inklusion bedeutet aber auch, sprachliche Barrieren abzubauen“

Interview mit der Studentin Marie Leusder

Marie Leusder, 23 Jahre, hat im Bachelorstudium an der Universität zu Köln Sonderpädagogik auf Lehramt mit den Fächern mathematische und sprachliche Grundbildung studiert und ihre Bachelorarbeit über Leichte Sprache geschrieben. Über die Recherche für ihre Abschlussarbeit wurde sie auf die Forschung an der Universität Hildesheim aufmerksam und hat sich entschieden, den Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim zu studieren.

Frau Leusder, Sie gehören zur ersten Generation des Masterstudiengangs „Barrierefreie Kommunikation“. Was ist Ihr Antrieb, warum haben Sie dieses Studium gewählt?

Ich habe mich in Köln, wo ich im Bachelor studiert habe, sehr wohl gefühlt, ich war am hin- und herüberlegen, ob ich nach Hildesheim zum Masterstudium gehen soll. Je mehr ich mich informiert habe und mit der Studienberatung in Nordrhein-Westfalen sprach, desto klarer wurde mir: Ich möchte mich spezialisieren und barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren. Inklusion ist ein großes gesellschaftliches Thema, oft – aber auch noch nicht genug – rücken die baulichen Maßnahmen in das Bewusstsein der Bevölkerung, aber dass viele Texte und Sprache viele Leute ausschließen, das ist vielen nicht bewusst.

Warum ist die barrierefreie Kommunikation bedeutsam?

Nehmen wir die Leichte Sprache als Beispiel, eine vereinfachte Variante des Deutschen. Die Leichte Sprache kann sehr vielen Menschen helfen, etwa Menschen mit kognitiven Einschränkungen, aber auch gehörlosen Menschen und Menschen, die aus anderen Ländern kommen und nun in Deutschland leben. Ich habe in Köln in einem inklusiven Café gearbeitet, die Kuchenrezepte wurden in Leichte Sprache übersetzt, das war für die Beschäftigten richtig gut, weil sie eigenständig anhand der übersetzten Rezepte den Kuchen backen konnten.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen im Masterstudium – verbinden Sie Theorie und Praxis?

Im ersten Semester hatten wir viel Theorie, etwa eine Vorlesung zur Verständlichkeitsforschung, in der wir uns damit auseinandergesetzt haben, was Texte eigentlich verständlich macht. Im zweiten Semester kombinieren wir die Theorie mit der Praxis, haben Projektseminare. Ich habe zum Beispiele Seminare zu Fachkommunikation und Verständlichkeitsoptimierung, in denen ich mich damit befasse, wie Bedienungsanleitungen verständlich formuliert werden können und an welchen Stellen es hapert und ich habe für das Roemer- und Pelizaeus-Museum für eine Fachtagung zu Kultur und Inklusion Abstracts übersetzt in Leichte Sprache. Wir befassen uns in Zusammenarbeit mit der Diakonie mit unterstützter Kommunikation und assistiven Technologien , wie können Texte über möglichst unterschiedliche Sinne zugänglich gemacht werden – fast wie ein Theaterstück. Bei der Übersetzung muss man viele Seiten mitdenken, die Nutzer, aber auch den Text und Inhalt selber und wo denn die Texte erscheinen.

Wem würden Sie diesen Masterstudiengang empfehlen?

Jedem, der Interesse an Sprache in der Gesellschaft hat. Wie kann Sprache ausschließen und was kann man dafür tun, dass diese Ausgrenzung reduziert und Teilhabe möglich wird? Dafür wollen wir Antworten entwickeln.

Der Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in der Gesellschaft mit Ihrer Arbeit im künftigen Berufsleben bewirken?

Ich möchte die Gesellschaft dafür sensibilisieren, Barrieren abzubauen. Es ist ein starker Ausschluss, wenn man sprachlich Barrieren aufbaut. Das Studium an der Universität Hildesheim ermöglicht mir, dazu beizutragen, diese Barrieren abzubauen. Übrigens ist der kleine Studienort kein Schock mehr für mich, im Gegenteil: Dadurch, dass ich vorher an einer riesigen Uni in Köln studiert habe, ist es jetzt voll der Luxus, in einer kleinen Studierendengruppe in Hildesheim zu lernen, die Dozentinnen und Dozenten fordern uns sehr, lassen uns aber nicht fallen. Das ist ein guter Antrieb, um weiterzukommen. Ich fühle mich sehr wohl in Hildesheim und rate jedem: „Geh lieber an eine kleine Uni, da ist die Lehre besser.“

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16486 Tue, 21 May 2019 20:39:00 +0200 Erste große Untertitel-Studie mit Kindern im deutschsprachigen Raum https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/erste-grosse-untertitel-studie-mit-kindern-im-deutschsprachigen-raum/ Wissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim haben erstmals in Deutschland umfassend untersucht, wie Kinder Untertitel in Kindermedien verstehen und wie sich Untertitel verbessern lassen. An der zweijährigen Studie haben 250 Kinder teilgenommen. Der Kinderkanal von ARD und ZDF, der MDR und der NDR waren Kooperationspartner und der Deutsche Gehörlosenbund hat das Projekt unterstützt. Nun liegen die Ergebnisse vor. Seit einigen Jahren bauen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihr barrierefreies Angebot immer weiter aus. Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind Untertitel ein wichtiges Hilfsmittel, um Filme, Serien und Sendungen zu verstehen. Inzwischen gibt es auch zahlreiche untertitelte Kinderangebote. Da sich Kinder im Leselernprozess befinden, deshalb meist langsamer lesen als Erwachsene und da auch ihre Konzentrationsfähigkeit noch nicht so stark ausgeprägt ist, müssen Untertitel für sie anders gestaltet werden als für Erwachsene.

Auf Anregung des Norddeutschen Rundfunks, der in der ARD das Thema „Barrierefreier Rundfunk“ federführend betreut, haben die Übersetzungswissenschaftlerinnen Professorin Nathalie Mälzer und Maria Wünsche untertitelte Sendungen genauer unter die Lupe genommen. Ziel war es, die Untertitel für Kinder zu optimieren und wissenschaftlich überprüfte Richtlinien für die Erstellung von Untertiteln für Kindersendungen zu entwickeln.

In einer Pilotstudie mit 50 teilnehmenden gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Kindern und in einer Hauptstudie mit 200 teilnehmenden Kindern aus Deutschland wurden Ausschnitte aus Sendungen mit verschiedenen Formen der Untertitelung gezeigt und Fragen zu Akzeptanz und Verständnis gestellt.

Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder sie gut lesen können?

Nun liegen Ergebnisse des Projekts „TV-Untertitel für gehörlose und schwerhörige Kinder – Empirische Studie zur Erarbeitung von Standards für die Gehörlosenuntertitelung von Kindersendungen“ vor. Die Studie liefert erstmals in Deutschland eine wissenschaftliche Grundlage, um verbesserte und zielgruppengerechte Untertitel für Kindersendungen zu erarbeiten.

Die Studie der Universität Hildesheim liefert Antworten auf die Frage: Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder zwischen acht und zwölf Jahren die Untertitel gut lesen, der Sendung inhaltlich folgen können und die Untertitel akzeptieren? Welche Änderungen wirken sich positiv auf die Lesbarkeit, Akzeptanz und Verständlichkeit der untertitelten Serien aus?

Die Forscherinnen befragten 250 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren

Viele der 250 befragten Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren aus Berlin, Brandenburg, Bremen,  Hamburg, Niedersachsen und NRW haben bisher wenig Erfahrung mit Untertiteln. Elternhäuser, auch hörende Eltern, sollten die Untertitel im Fernsehen einschalten, wenn ihre Kinder gehörlos oder schwerhörig sind, so die Wissenschaftlerinnen.

Die Akzeptanz der Untertitel spielt dabei eine große Rolle, sagt die Studienleiterin Professorin Nathalie Mälzer. Wie bekommt man Eltern und Kinder dazu, die Untertitel überhaupt zu nutzen? Die Wissenschaftlerinnen haben die teilnehmenden Kinder befragt, welche Untertitel ihnen gefallen, was sie stört und welchen Einfluss unterschiedliche Standzeiten oder typografische Hervorhebungen auf das Leseverständnis haben. „Für die Kinder ist es wichtig, dass sie die Untertitel den Sprecherinnen und Sprechern richtig zuordnen können. Trägt eine Figur eine grüne Mütze, kann der Text auch in grün gesetzt werden“, erklärt Maria Wünsche.

Weitere Ergebnisse der Hildesheimer Untersuchung sind:

  • Alter: Die Lesekompetenz der acht- und neunjährigen Studienteilnehmer*innen war insgesamt nicht ausreichend für das Lesen von Untertiteln. „Kinder ab zehn Jahren können den Untertiteln aber bereits gut folgen und daher ein besseres Verständnis der untertitelten TV-Sendungen entwickeln“, so Nathalie Mälzer. 

  • Untertitelnutzung: Die Hypothese, je häufiger Kinder Fernsehen mit Untertiteln ansehen, desto besser verstehen sie untertitelte Sendungen, kann nicht bestätigt werden. 

  • Untertitelgeschwindigkeit: Sowohl kurze als auch längere Standzeiten der Untertitel können das Verständnis beeinträchtigen: Sei es durch starke Textkürzung oder durch zu viel Textumfang. Längere Standzeiten werden aber bevorzugt, da auf diese Weise mehr Zeit zum Lesen bleibt. Die Studie zeigt, dass Untertitel mit längeren Standzeiten signifikant besser bewertet werden als Untertitel mit kürzeren Standzeiten. „Die Akzeptanz der Untertitel mit längeren Standzeiten ist viel stärker, weil Kinder sonst in Stress geraten und aussteigen, wenn der Text so rast“, sagt Mälzer.

  • Typografische Hervorhebungen: Typografische Hervorhebungen verbessern die Verständlichkeit nicht signifikant. Typografische Hervorhebungen erhielten im Gesamtergebnis zwar positive Rückmeldungen. Die Teilgruppe, die am häufigsten Untertitel nutzt und daher an sie gewöhnt ist, schätzt die Hervorhebungen aber signifikant schlechter ein als jene Teilgruppen, die kaum Untertitelerfahrung haben. 

Die Wissenschaftlerinnen tragen die Ergebnisse der Studie nun detailliert zusammen, leiten Handlungsempfehlungen für die Praxis ab und stellen sie den kooperierenden Rundfunkanstalten zur Verfügung. Die wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse folgt im Laufe des Jahres.

Professorin Nathalie Mälzer sagt: „Die Studie ist nicht nur für die Forschung relevant, sondern hat direkten Einfluss auf die Arbeitsweise unserer Kooperationspartner NDR, MDR und dem Kinderkanal von ARD und ZDF. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen in den Richtlinien der ARD Berücksichtigung finden. Die Schulen und die Rundfunkanstalten wünschen sich von uns nun Vorträge und Schulungen sowie Info-Broschüren: Vor allem Eltern sollten für das Thema Untertitel sensibilisiert werden und ihren Kindern ermöglichen, Sendungen mit Untertiteln zu sehen, um das Verständnis der Sendungen zu verbessern und den Schriftspracherwerb der Kinder zu unterstützen.“

Aus der Zusammenarbeit mit Kindern wissen die Wissenschaftlerinnen: „Kinder sind dankbar, wenn die Wissenschaft sie ernstnimmt, wenn sie gehört werden.“

Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen für die Untertitelproduktion:

  • Die Arbeit mit Farben bei der Untertitelung für die Verbesserung der Figurenzuordnung sollte fortgesetzt werden.

  • Es sollten Untertitel mit längeren Standzeiten verwendet werden, weil die Kinder dann nicht „frustriert“ sind und im Vergleich zu Untertiteln mit kurzen Standzeiten kaum Unterschiede beim Verständnis festzumachen sind. 

  • Es sollten möglichst keine Paraphrasen in Untertiteln formuliert werden.

Die Europäische Union hat die Studie im „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) von März 2017 bis Februar 2019 gefördert. Die Wissenschaftlerinnen danken allen beteiligten Schulen für die engagierte Mitarbeit.

Wer mehr über Untertitel in Medien erfahren möchte, erreicht Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim unter maelzers@uni-hildesheim.de. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen sind Fachleute für den Bereich Medientext und Medienübersetzung.

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news-16768 Mon, 13 May 2019 08:17:43 +0200 Migrationslinguistik: Interview mit Professorin Marta Estévez Grossi https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/migrationslinguistik-interview-mit-professorin-marta-estevez-grossi/ Der Bereich „Community Interpreting“ und die barrierefreie Kommunikation ist von hoher soziopolitischer Relevanz. Mit ihrer Forschung und Lehre wollen Übersetzungswissenschaftlerinnen aus Hildesheim und dem mexikanischen Toluca und Oaxaca zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen. Während der Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania" („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“) stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim, Hannover, Mainz-Germersheim, Universidad Autónoma del Estado de México (UAEM/Toluca) und Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca (UABJO/Oaxaca) aktuelle Forschungserkenntnisse zur barrierefreien Kommunikation und Migrationslinguistik in Mexiko und Deutschland vor. Die Konferenz fand am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation statt.

 

„Uns alle verbindet die Faszination für komplexe mehrsprachige Situationen, aber vor allem der Wunsch, zu einer größeren gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen beitragen zu können, egal in welcher Sprache sie sich ausdrücken“, sagt Institutsdirektorin Professorin Bettina Kluge über die Zusammenarbeit mit den mexikanischen Forscherinnen und Forschern aus Übersetzungswissenschaft und Sprachwissenschaft.

„Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen“

Professorin Dr. Marta Estévez Grossi arbeitet als Vertretungsprofessorin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit dem Schwerpunkt Community Interpreting an der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsinteressen gehören unter anderem das Community Interpreting, die Migrationslinguistik, Soziolinguistik und Barrierefreie Kommunikation. Im Interview gibt die Übersetzungswissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit.

Frau Estévez, mit welcher Forschungsfrage befassen Sie sich derzeit?

Die Idee der Translation als Schlüssel für die Integration und Inklusion von sozial benachteiligten Personen beschäftigt mich seit langem und hat schon immer meine Forschung begleitet. Mein Dissertationsprojekt widmete ich der sprachlichen Lage bei spanischen GastarbeiterInnen der ersten Generation in Hannover und wie und von wem ihr Sprachmittlungsbedarf gedeckt wurde (oder eben nicht). Derzeit forsche ich zu den Strategien der Adaptation und intralingualen Übersetzung von juristisch-administrativen Texten in „einfache Sprache“ als eine Form der Barrierefreien Kommunikation im Spanischen und Französischen. Gerade um diese zwei komplementären sprach- und dolmetschwissenschaftlichen Themenbereiche, und wie die Praxis und der Forschungsstand in Mexiko und Deutschland ist, geht es in unserer Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania“ („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“).

Warum ist diese Forschung wichtig, was möchten Sie damit bewegen?

In jedem Land der Welt befinden sich Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen der jeweiligen Mehrheitssprache nicht (vollständig) mächtig sind und deswegen sich in ihren Rechten und Pflichten beeinträchtigt sehen. Sie können unter anderem Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge, Sprecherinnen und Sprecher von Regional- oder indigenen Sprachen, Menschen mit Behinderungen oder Lernbeeinträchtigungen aber auch Touristinnen und Touristen, Messebesucher, Geschäftsmänner oder Geschäftsfrauen oder Konferenzteilnehmerinnen und Konferenzteilnehmer sein. Die Forschung im Bereich Community Interpreting und in den weiteren Formen der Barrierefreien Kommunikation ist daher von hoher soziopolitischen Relevanz, denn sie hat sich als übergeordnetes Ziel gesetzt, die Erkenntnisse der Forschung in die Praxis umzusetzen und einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Überwindung von Sprachbarrieren zu leisten. Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen. In diesem Sinne beteiligt sich das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in verschiedenen Projekten, die oft als innovativ nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit gelten. Im Bereich Community Interpreting ist das von meiner Kollegin Dr. Conchita Otero Moreno geleitete Zertifizierungsprogramm der Stadt Braunschweig für die Ausbildung von interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern nennenswert, indem ich seit fünf Jahren mitwirken darf. Das Programm, das in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert, wurde von Dr. Otero mitkonzipiert und vom Start wissenschaftlich begleitet. Ferner ist im Bereich Barrierefreie Kommunikation, im weitesten Sinne die von Prof. Dr. Christiane Maaß gegründeten Forschungsstelle Leichte Sprache, und der daraus entstandene Masterstudiengang Barrierefreie Kommunikation, der im vergangenen Wintersemester startete, hervorzuheben.

Bei einer Tagung am Bühler-Campus kamen Fachleute in der letzten Woche in Hildesheim zusammen. Was ist das Ziel dieser Konferenz?

In unserer Tagung kamen wir mit drei Gastwissenschaftlerinnen aus der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca in Mexiko (Edith Matías Juan, María del Sagrario Velasco García und Mariana Vásquez Jiménez) und mit zwei Kolleginnen aus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki und Christiane Wegener) zusammen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki wurde an dieser Universität in Oaxaca ein Masterstudiengang für das Übersetzen und Dolmetschen indigener Sprachen aufgebaut. Dieser Masterstudiengang, der in diesem Jahr startet, gilt als erster seiner Art in ganz Mexiko oder sogar in Lateinamerika und soll einen ersten wissenschaftlich fundierten Schritt in Richtung einer Professionalisierung von Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen für Sprecherinnen und Sprecher indigener Sprachen darstellen. Die drei mexikanischen Gastwissenschaftlerinnen sollen ab August im Masterstudiengang unterrichten und interessieren sich sehr für die Erfahrungen, die wir über die Jahre hinweg im universitären und außeruniversitären Kontext gesammelt haben. Auch für uns ist der Austausch hochinteressant und sehr bereichernd, um die Lage des Community Interpreting in Mexiko kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Praxis, Forschung und Lehre herauszuarbeiten. Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz plant in diesem Zusammenhang weitere Forschungsprojekte. Neben der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca und weiteren Universitäten im In- und Ausland soll nun die Universität Hildesheim auch als Partner fungieren. Diese Tagung hat uns erlaubt, uns zum erstem Mal mit den Kolleginnen aus Oaxaca zu treffen und persönlich auszutauschen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Ein Projektbeispiel: Dolmetschen fürs Amt in Braunschweig

In Braunschweig leben Menschen aus über 170 Ländern. 2009 hat die Stadt im Büro für Migrationsfragen eine Servicestelle für Interkulturelles Dolmetschen und Übersetzen eingerichtet, um Verständigung im Arbeitsalltag von Institutionen, kommunalen Dienststellen und in Bildungseinrichtungen zu ermöglichen und Missverständnisse und Konflikte im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich zu vermeiden. Die Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Conchita Otero Moreno von der Uni Hildesheim begleitet diesen Prozess seit dem Start und ist für die Schulung der bisher insgesamt 201 Dolmetscher zuständig. Als Dolmetscher sind Migrantinnen und Migranten aus unterschiedlichen Ländern tätig.

„Die Einsätze der geschulten interkulturellen Dolmetscher ermöglichen eine gelungene Kommunikation zwischen dem Fachpersonal und Migrantinnen und Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die bisher Freunde oder Verwandte zu Gesprächen mitnahmen. Die zum Teil hochqualifizierten Menschen leben seit Jahren in Deutschland, beherrschen die eigene und die deutsche Sprache sehr gut und wollen und können gerne als Dolmetscher tätig werden“, sagt die Wissenschaftlerin.

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news-15915 Mon, 06 May 2019 08:00:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Die Verständlichkeit geht vor https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-die-verstaendlichkeit-geht-vor/ Sie wollen Kommunikationsbarrieren in der Gesellschaft abbauen: Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido haben ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ abgeschlossen und arbeiten in der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität in Hildesheim. Im Interview berichten sie, warum und wie sie Texte übersetzen. Als einziger Universitätsstandort bundesweit hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden.

Die Medienlinguistinnen und Medienlinguisten übersetzen in Hildesheim zum Beispiel juristische Fachtexte, Nachrichten und Märchen in Leichte Sprache.

Die Universität Hildesheim bildet in einem zweijährigen Masterstudiengang Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation“ aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache.

„Leichte Sprache ist die maximale Reduktionsstufe der deutschen Sprache. Wenn man sich ein Spektrum an Komplexität vorstellt, steht sie ganz am Anfang. Ihr gegenüber befindet sich die Fachsprache und dazwischen unsere Stan-dardsprache. Es geht also darum, Inhalte so einfach wie möglich zu konzipieren, um Menschen mit Kommunikationseinschrän-kungen das Verständnis zu erleichtern“, sagt Loraine Keller.

Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido berichten im Interview über ihre Forschung im Bereich der barrierefreien Kommunikation. Das Interview lesen Sie ab Seite 36 im Universitätsjournal DIE RELATION [Ausgabe #04, hier gelangen Sie zur PDF-Datei]. Gedruckt liegt das Universitätsjournal an allen Campusstandorten aus, zum Beispiel vor der Universitätsbibliothek.

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news-16522 Thu, 11 Apr 2019 11:42:37 +0200 Fachkommunikation: Kooperation mit Hochschulen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/fachkommunikation-kooperation-mit-hochschulen/ Die Universität Hildesheim ist bundesweit einer der wenigen Standorte, die diese wissenschaftliche und berufliche Qualifikation anbieten. Zugleich ist die Universität der wichtigste Anlaufpunkt für Promotionen in diesem Bereich. Dr. Franziska Heidrich und Professor Dr. Klaus Schubert von der Kooperationsstelle Fachkommunikation fördern mit Unterstützung der Universitätsleitung kooperative Promotionen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Die technische Fachkommunikation ist ein zukunftsträchtiges Berufsfeld. Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim bildet Expertinnen und Experten für fachliche Kommunikation aus.

Im Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ lernen Studentinnen und Studenten fachliche Inhalte für Experten und Laien aufzubereiten, rechtskonforme und anwenderorientierte Dokumente zu erstellen und diese zweck- und situationsangemessen zu übersetzen, sagt Dr. Franziska Heidrich.

Ein besonderer Schwerpunkt am Institut liegt im Erwerb technischer Fachkenntnisse, etwa in den Bereichen Automatisierungstechnik, Mechanik, Energietechnik, Elektrotechnik, technische Werkstoffe sowie Maschinenelemente, ohne die eine fachlich korrekte Gestaltung von Fachtexten und Fachdokumenten unmöglich wäre.

Die Nachfrage nach solchen Fachleuten ist riesig, sagt Professor Klaus Schubert. Alle Absolventinnen und Absolventen des Hildesheimer Masterstudiengangs finden gute Arbeitsstellen, ehe sie auch nur das Zeugnis der Universität in der Hand halten.

Kooperationsstelle Fachkommunikation bahnt Forschungskooperationen mit Hochschulen an

Die Universität Hildesheim ist in der technischen Fachkommunikation die einzige deutsche Universität, die eine solche berufliche und zugleich auch die höhere wissenschaftliche Qualifikation anbietet. „Das wiederum macht den Fachbereich für Sprach- und Informationswissenschaften deutschlandweit zur einzigen Anlaufstelle für weiterführende Qualifikationen (Promotion und Habilitation) im Rahmen der technischen Fachkommunikation“, so Schubert.

„Anders als Hessen und neuerdings auch Nordrhein-Westfalen setzt Niedersachsen auf kooperative Promotionen von Universitäten und Fachhochschulen. Ich halte die Zusammenarbeit in der Forschung für ein Gebot der Vernunft. Dabei muss aus vielen Gründen das Promotionsrecht bei den Fakultäten bleiben“, sagt Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

Mit Unterstützung der Hochschulleitung haben Klaus Schubert und Franziska Heidrich die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ aufgebaut. Zweck der Kooperationsstelle ist die Anbahnung von Forschungskooperationen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und von kooperativen Promotionen, erläutert Klaus Schubert. „Dabei möchten wir nicht nur Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen auf ihrem Weg in die Wissenschaft fördern, sondern vor allem auch, Hochschulprofessorinnen und Hochschulprofessoren an der Betreuung und Begutachtung dieser Qualifikationen beteiligen. Dies geschieht in Übereinstimmung mit den Positionen der Landeshochschulkonferenz und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die solche kooperativen Promotionen ausdrücklich begrüßen.“

Doktorandenveranstaltungen in Deutschland und der Schweiz

Zur Anbahnung dieser kooperativen Qualifikationsvorhaben haben Franziska Heidrich und Klaus Schubert bereits einige einschlägige Hochschulen in Deutschland und der Schweiz erreichen können, mit denen gemeinsam im letzten Jahr für Promotionsinteressierte vor Ort Informationsveranstaltungen zum Thema „kooperative Promotion“ durchgeführt worden sind. Weitere Hochschulen in ganz Deutschland werden im Jahr 2019 folgen.

Das Angebot erhält großen Zuspruch durch Masterstudierende und Absolventen, von denen zahlreiche bereits zur näheren Abstimmung und weiteren Planung an Professor Klaus Schubert herangetreten sind.

„Die thematische Bandbreite ist dabei groß. Die Fachkommunikationswissenschaft ist interdisziplinär ausgerichtet und hat damit zahlreiche Schnittstellen zu anderen Wissenschaftsgebieten. Zudem ist die Fachkommunikationswissenschaft als eigenständige Disziplin eine noch sehr junge Disziplin, die sich am Schnittpunkt zwischen angewandter Sprachwissenschaft, Übersetzungswissenschaft, Kommunikationswissenschaft und den technischen Fachwissenschaften verortet – auch dies bedingt eine große Bandbreite an Forschungsinteressen, die häufig der konkreten Berufspraxis entspringen“, so Schubert.

Erfolgreiche Forschungstagung zum dritten Mal in Hildesheim

Die Kooperationsstelle Fachkommunikation hat 40 junge und auch etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Konferenz nach Hildesheim eingeladen. Ende März 2019 tauschten sich die Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz am Bühler-Campus auf der dritten Forschungstagung „Fachkommunikation – die wissenschaftliche Sicht“ über die Forschung aus.

„Ziel unserer Tagungen ist nicht nur der fachliche Austausch. Wir wollen für die jungen Wissenschaftler der Fachkommunikation auch fachliche Kontakte, eine berufliche Vernetzung und Denkanstöße für die eigene Arbeit geben“, so Franziska Heidrich.

Masterstudiengang
„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

Kooperationsstelle Fachkommunikation

Kurz erklärt

Übersetzungswissenschaft in Hildesheim

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation bildet Sprach- und Übersetzungsprofis aus: Im Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ lernen Studierende die Grundlagen, um Texte, Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher zu übersetzen. Nach einem Studienjahr geht der gesamte Jahrgang ins Ausland – etwa nach Mexiko, Spanien, Frankreich, Indien oder in die Türkei.

Im Master-Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" spezialisieren sich Studentinnen und Studenten auf Kommunikationsformen in und für die Medien und transmediale sowie inter- und intralinguale Übersetzung. Sie untertiteln zum Beispiel Filme, übertiteln Theaterstücke und übersetzen Nachrichten und Rechtstexte in Leichte Sprache.

Im neu eingerichteten Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ lernen die Studierenden, wie mit kommunikativen Barrieren umgegangen wird und erschließen so ebenfalls einen hochspezialisierten Bereich der angewandten Sprachwissenschaft.

Hildesheimer Absolventinnen und Absolventen sind zum Beispiel als Technische Redakteure und Fachübersetzerinnen in der Industrie oder bei Dienstleistern angestellt, sind bei einem der größten Übersetzungsdienste der Welt – der EU-Kommission in Brüssel – tätig oder arbeiten für das Bundesjustizministerium und beim Norddeutschen Rundfunk.

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news-16490 Mon, 08 Apr 2019 15:45:58 +0200 Learning how the younger generation is preparing to face new challenges https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/learning-how-the-younger-generation-is-preparing-to-face-new-challenges/ Der Gastwissenschaftler Lenin Martell berichtet im Interview, mit welchen Impressionen er aus Deutschland nach Mexiko zurückkehrt. Der Politikwissenschaftler gehört zu einem Team, dass die Kooperation zwischen den Universitäten Toluca und Hildesheim ausbaut und pflegt. Er befasst sich mit Entwicklungen im Journalismus und der Rolle öffentlicher Medien im politischen System Mexikos. Die Universität Hildesheim und die Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) in Toluca kooperieren seit 2010 unter anderem in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen. Bisher haben mehr als 50 Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Toluca an dem Austausch teilgenommen. Außerdem beinhaltet die Zusammenarbeit den Austausch von Dozentinnen und Dozenten sowie gemeinsame Veröffentlichungen, so entstand zum Beispiel ein Sammelband zur Fremdsprachenvermittlung.

Es gibt zahlreiche Kooperationsabkommen zwischen deutschen und mexikanischen Hochschuleinrichtungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und der Universidad Autónoma del Estado de México ist allerdings besonders: das Verbindungsbüro der mexikanischen Universität in Hildesheim ist die erste und einzige ständige Vertretung einer mexikanischen Hochschuleinrichtung in Deutschland.

Studierende und Dozentinnen und Dozenten, die Fragen zum internationalen Austausch haben, können das Team des International Office der Universität Hildesheim kontaktieren.

Interview with Lenin Martell

“I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor”

Prof. Dr. Lenin Martell is a Professor at the School of Political and Social Sciences in the Autonomous University of the State of Mexico in Toluca. As a guest lecturer he worked at University of Hildesheim. In an interview he talks about his experiences in Hildesheim.

You have worked, researched and taught in Hildesheim as a visiting scholar, now you are back in Mexico. What was exciting?

I would say three things: Learning about what the younger generation thinks about global issues – such as poverty – also, how they learn, how they behave, how they are preparing to face new challenges in the professional arena. I had many international students in my classes at University of Hildesheim – from Rumanians to Indians or Mexicans, among others.

Students tend to have more information about global issues, such as gender equality and environment, though having more information does not make them more sensitive to these issues. They seem to show take on a more intellectual posture as opposed to a broad understanding on global issues.

With which impressions are you going back home?

I returned to Mexico with many new professional and life experiences. The concept of higher education is changing very dramatically around the world, and it is difficult for the policy makers, administrators, and scholars to adapt to new educational realities. For example, we want to teach in a more active-participatory way, but I perceive that many colleagues do not exactly know how to develop those skills in the classroom. There is a growing need to work one-on-one with students, but it seems to be hard for both students and professors to learn these dynamics. Also, let’s face it: Students are not reading at the same pace as previous generations used to. This is a big problem. Students feel more empowered and freer to be opinionated rather than providing strong arguments in class. Also, despite students being quiet young, they struggle to learn new methods or dynamic approaches within the class. We live in a global world, but it doesn’t mean students are able to adapt to new environments.

In addition to this, universities need to develop media literacy. International students seem very well informed on current worldwide events. But it is difficult for them to decode concepts such as poverty or injustice – even identifying them. Their academic and personal formation would benefit from these skills. 

On the other hand, I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor. I learned them first-hand from a German educator, and I think she experienced the same thing. That means exchanging good pedagogical practices. For example, what to expect academically from students; how to tackle a specific problem in class; which approach to give a theoretical class. This is very rewarding, because one rarely has the opportunity to receive feedback from another professor.

How do you want to strengthen the cooperation between Toluca and Hildesheim?

Since being home I have been able to strengthen our ties with Hildesheim. Dr. Felix Koltermann from the Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur just spent two weeks at the Autonomous University of the State of Mexico (UAEM) as a visiting scholar. He taught two workshops on Visual “Storytelling and Photojournalistic Imaginary” and “Visualizing Conflict in Contemporary News”. He also gave a keynote presentation on “Photojournalism in the era of Post-Truth”. Both students and academics welcomed Koltermann’s work in Toluca with gratitude. For example, students at the graduate program on Peace and Development studies were able to experience practical knowledge and were very happy to learn about photojournalism. According to these students, Koltermann made them think about knowledge and skills they had never considered before. Some were even motivated to include the study of photos in their research.

I will also continue to promote student and scholar exchanges with Hildesheim, and I will continue collaborating with other professors at Hildesheim.

Questions: Isa Lange

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news-16417 Tue, 02 Apr 2019 11:11:35 +0200 Nachruf – Gedenken an Prof. Dr. Annette Sabban https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/nachruf-gedenken-an-prof-dr-annette-sabban/ Die Universität Hildesheim trauert um Prof. Dr. Annette Sabban. Sie verstarb im Alter von 66 Jahren am 31. März 2019. Die Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft und Romanistik forschte und lehrte seit 1995 in Hildesheim, sie bezeichnete oft die Liebe zur Sprache als die Triebfeder für ihren beruflichen Werdegang. Die Universität Hildesheim trauert um Professorin Dr. phil. habil. Annette Sabban, die im Alter von 66 Jahren am 31. März 2019 in Lüneburg verstorben ist.

Die Sprach- und Übersetzungswissenschaftlerin forschte und lehrte seit 1995 am Institut  für Angewandte Sprachwissenschaft und seit 2009 am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählten das Übersetzen von Medientexten, Popularisierungsformate in Rundfunk und Fernsehen, die Phraseologie im Text, die Kommunikation zwischen Experten und Nicht-Experten sowie der Sprachvergleich.

Annette Sabban wurde am 28. März 1953 in Klein Bülten bei Ilsede geboren. Sie studierte Anglistik, Romanistik und Sinologie an den Universitäten Hamburg und Edinburgh sowie Psychologie als Zweitstudium an der Universität Hamburg. Sie legte eine erste und zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Englisch und Französisch ab.

An der Universität des Saarlandes promovierte Annette Sabban 1981 zum Dr. phil. im Fach Anglistische Sprachwissenschaft. Die Doktorarbeit trägt den Titel „Gälisch-englischer Sprachkontakt. Zur Variabilität des Englischen im gälischsprachigen Gebiet Schottlands. Eine empirische Studie“. Von der Feldforschung auf den Äußeren Hebriden, die der Dissertation zugrunde lag, hat Annette Sabban auch später viel erzählt. Nach ihrer Promotion arbeitete sie von 1981 bis 1985 als Redakteurin für Fremdsprachenlehrwerke beim Ernst Klett Verlag in Stuttgart. Von 1985 bis 1991 war sie als Akademische Rätin am Institut für Romanische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Dort habilitierte sie sich 1992 im Fach Romanische Philologie mit der Schrift „Okkasionelle Variationen sprachlicher Schematismen. Eine Analyse französischer und deutscher Presse- und Werbetexte“. Nach ihrer Habilitation blieb sie zunächst in München und arbeitete am Institut für Romanische Philologie bis 1995 als Oberassistentin. Von 1993 bis 1995 vertrat sie Professuren für Romanische Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg und an der Universität München. 1995 folgte sie dem Ruf an die Universität Hildesheim auf die Professur für Angewandte Sprachwissenschaft und Romanistik. Annette Sabban hatte 2001 eine DAAD-Gastprofessur und 2005 eine Erasmus-Kurzzeitdozentur in Helsinki inne. Eine weitere Gastprofessur absolvierte sie 2006 an der Universität Paris VII.

„Annette Sabban war eine sehr kluge, meinungsstarke, für ihre Interessensgebiete brennende Frau, von der immer ein sehr feinsinniger, häufig auch sehr humorvoller Kommentar zu erwarten war. Sie selbst bezeichnete oft die Liebe zur Sprache als die Triebfeder für ihren beruflichen Werdegang – daneben gab es aber auch die Liebe zur Musik, besonders zur Flötenmusik des Barock. Ihre Begeisterung, gepaart mit profunder Sachkenntnis, wirkte ansteckend auf viele, die mit ihr in direktem Kontakt standen. Was immer sie auch tat, tat sie mit hundertprozentigem Engagement“, erinnern sich die Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation.

„Frau Prof. Dr. Sabban überzeugte durch ihre wissenschaftliche Kompetenz und die sehr feine und sensible Art, in der sie unsere Entwicklung mit gestaltet hat. Ich werde ihren Rat sehr vermissen“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

An der Universität Hildesheim entwickelte Professorin Annette Sabban mit Kolleginnen und Kollegen den Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ und damit ein deutschlandweit einzigartiges Studienangebot, das Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und Medienwissenschaft verbindet.

Die Sprachwissenschaftlerin forschte an der Universität Hildesheim unter anderem über die Popularisierung von Wissen und untersuchte, wie Wissensinhalte an ein nicht fachlich vorgebildetes Publikum vermittelt werden. Sie befasste sich mit der Frage, wie Wissen medial aufbereitet wird und wie Sach- und Fachthemen zugänglich gemacht werden, etwa im Fernsehen, im Internet, oder in Kinderbüchern und Zeitschriften für unterschiedliche Altersgruppen.

Professorin Annette Sabban war seit 2015 Studiendekanin des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften und trug mit Umsicht und Sorgfalt dazu bei, die Studien- und Prüfungsordnungen des Fachbereichs für die Studierenden so durchschaubar und unbürokratisch wie möglich zu machen. Annette Sabban leitete darüber hinaus viele Jahre lang die Prüfungs- und Auswahlkommissionen mehrerer Studiengänge des Instituts.

Sie war Mitglied des Deutschen Romanistenverbandes, des Deutschen Frankoromanistenverbandes und der Gesellschaft für Angewandte Linguistik. Darüber hinaus engagierte sie sich in der Europäischen Gesellschaft für Phraseologie, deren Vorstandsmitglied sie von 2004-2010 war. Zudem war sie Mitherausgeberin des renommierten Yearbook of Phraseology.

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim verliert eine hochgeschätzte Kollegin, die sich große Verdienste um das Institut und den Fachbereich erworben hat und deren Wirken noch lange nachhallen wird.

Hildesheim, den 2. April 2019

Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim

Prof. Dr. Ulrich Heid, Dekan des Fachbereichs „Sprach- und Informationswissenschaften“

Prof. Dr. Bettina Kluge, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation

Prof. Dr. Klaus Schubert

Prof. Dr. Christiane Maaß

Prof. Dr. Nathalie Mälzer

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation und die Studierenden des Fachbereichs „Sprach- und Informationswissenschaften“

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news-16276 Thu, 21 Mar 2019 10:36:00 +0100 Digital Humanities: Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/digital-humanities-forschung-in-den-digitalen-geisteswissenschaften/ Am Zentrum für Digitalen Wandel in Hildesheim bauen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften aus. Mithilfe computerlinguistischer Methoden können sie große Datenmengen analysieren. Aktuelle Ergebnisse stellten sie beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ vor, einer Kooperation zwischen den Universitäten Hildesheim und Göttingen. Ulrich Heid forscht und lehrt als Professor für Sprachtechnologie und Computerlinguistik am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Professorin Caroline Sporleder, Direktorin des Göttingen Centre for Digital Humanities , lädt der Computerlnguist regelmäßig zu Arbeitstagungen ein.

Alle sechs Monate kommen Forscherinnen und Forscher beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ zusammen, im Frühjahr in Göttingen, im Herbst in Hildesheim. Ende Februar 2019 fand die Arbeitstagung zum Thema „Digital Methods in Political Science“ in Göttingen statt.

Die Workshops dienen dazu, dass beide Standorte einander über laufende Projekte, Methoden und Verfahren informiert halten. Regelmäßig werden europäische oder nationale Gäste eingeladen.

Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoribildung und computerlinguistischer Textanalyse

„Einige der prominenteren Vertreter computerlinguistisch arbeitender Politikwissenschaft Deutschlands kamen diesmal zusammen“, sagt Ulrich Heid. „Wir wollen gemeinsam verstehen, wie die Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoriebildung und computerlinguistischer Textanalyse aussehen kann. Zwar ist der Einsatz von Werkzeugen zur Extraktion von Wörtern und Wortsequenzen und von Zählverfahren und statistischen Tools sehr ‚en vogue‘ in der Politikwissenschaft, aber das eigentliche Ziel sollte es sein, klarer zu verstehen, welche Arten von Werkzeugen welche Arten von theoriegeleiteten Fragenstellungen gut unterstützen.“

Ein thematischer Schwerpunkt ist das vieldiskutierte Problem „Hate Speech“. „Wir bringen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sich Gedanken dazu machen, was eigentlich alles als Hate Speech gelten soll, aber auch solche, die Werkzeuge oder Daten für Training und Test von Werkzeugen entwickeln.“

Computerlinguistische Techniken in den Geisteswissenschaften

Die Verwendung und die Menge verschiedener computerlinguistischer Techniken hat für die textbasierten Geisteswissenschaften in der letzten Zeit enorm zugenommen, sagt Heid. Mit den Nachbarn in Göttingen hat er die idealen Kooperationspartner gefunden. Beide Universitäten haben eine geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Ausrichtung, forschen sowohl grundlagen- als auch anwendungsorientiert. In Göttingen wurde Caroline Sporleder als Professorin für digitale Geisteswissenschaften im Fachbereich Informatik berufen. „Wir halten uns auf dem Laufenden, wie die Geisteswissenschaften auf die Digitalisierung reagieren“, sagt Ulrich Heid, der in Hildesheim gemeinsam mit dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt und der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer seit Ende 2018 am „Zentrum für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ mitarbeitet.

Program of the 7th. Göttingen/Hildesheim-Workshop
on Computer Linguistic and Digital Humanities

Im Folgenden geben einige der am Workshop beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hildesheim Einblicke in ihre Forschung:

Analyse von Diskursen über Solidarität

Computerlinguist Prof. Dr. Ulrich Heid

Prof. Dr. Ulrich Heid ist ordentlicher Professor für Sprachtechnologie / Computerlinguistik in Hildesheim und Mitbegründer der Workshop-Serie „Computational Linguistics and Digital Humanities“. Ulrich Heid ist selbst Geisteswissenschaftler, hat Sprachwissenschaft und Geschichte studiert und sich dann auf Computerlinguistik und Sprachtechnologie spezialisiert.

Herr Professor Heid, an welchem Forschungsthema arbeiten Sie zurzeit?

Zusammen mit Prof. Dr. Marianne Kneuer präsentiere ich Pläne für das neue, vom Land Niedersachsen finanzierte Projekt SOLDISK, also erst einmal nur Ziele und angestrebte Methoden, noch keine Ergebnisse. Professorin Marianne Kneuer koordiniert das Projekt, das am 1. März 2019 beginnt und Politologen und Computerlinguisten zusammenbringt. Wir analysieren Diskurse über Solidarität, wie sie in online-Quellen vorliegen. Beispiele sind offizielle Texte der Regierung, aber auch Statements auf Internetseiten zivilgesellschaftlicher Akteure (Kirchen, Vereine, Bürgerinitiativen usw.) oder von Individuen. Wir wollen für den Zeitraum 2012 bis 2016 und die beiden Einwanderungsereignisse in Deutschland (Rumänen und Bulgaren, 2012 bis 2014; sogenannte „Flüchtlingskrise“ 2014 bis 2016) ein Textkorpus sammeln, analysieren und im Hinblick darauf untersuchen, wie über Solidarität (zum Beispiel mit den Flüchtlingen) geschrieben wird.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Es heißt, Solidarität sei in der Krise; speziell in Zeiten, die als Krisenzeiten wahrgenommen werden, wie etwa den von Migrationsereignissen gekennzeichneten Jahren 2012 - 2016. Solidarisches Handeln in großem Stil zu erfassen ist sehr schwer; aber Diskurse über Solidarität das heißt das, was Akteure im Gemeinwesen darüber schreiben oder sagen, lässt sich sammeln, über die Zeit hinweg analysieren und interpretieren. Uns interessiert, ob und wie sich die oben genannten drei Gruppen in ihren Solidaritätsdiskursen unterschieden, ob generell oder gruppenweise Soldidarisierungs- bzw. Desolidarisierungsentwicklungen feststellbar sind, und ob Diskurse einer Akteursgruppe auf die anderen Gruppen "abfärben". Schließlich auch, wie argumentiert wird: mit wirtschaftlichen Argumenten, mit Fremdheit, oder mit Sicherheitsargumenten? Die Ergebnisse sind langfristig auch für die Politikberatung relevant.

„Practices of Commenting in Digital Public Spheres”

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten

Prof. Dr. Michael Corsten ist Professor für Soziologie und Dekan des Fachbereichs Erziehungs- und Sozialwissenschaften in Hildesheim. Im Rahmen des DFG-Projekts „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“ hat Corsten mehrere Doktorarbeiten und eine Habilitation begleitet.

Herr Professor Corsten, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Es geht um ein Ergebnis aus dem DFG-Projekt „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“, die exemplarische Auswertung der 432 Beiträge im Zeit-Online-Kommentarbeich zum Artikel „schlecht, schlechter, Geschlecht“ von Harald Martenstein.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Bemerkenswert ist oberflächlich betrachtet zunächst der Befund, dass auch in dem Online-Forum eines anerkannten Mediums des Qualitätsjournalismus eine Vielzahl von Beiträgen zu finden sind, in denen Personen und/oder Positionen in abwertender bis diskriminierender Form behandelt werden. Trotzdem zeigt sich an dem untersuchten Beispiel, dass sich innerhalb solcher Online-Leser-Kommentarforen Debatten zwischen kleineren Gruppen von Leserinnen und Lesern entfalten können. Wichtig ist die Untersuchung speziell dieser Bereiche nicht zuletzt deshalb, weil sich daran eine Kombination von One-To-Many- und Many-To-Many-Kommunikation zeigt.

„Who polluted the debate in the German federal election campaign 2017? Analysis and automatic detection of hate speech on social media”

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann

Prof. Dr. Wolf J. Schünemann forscht und lehrt als Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet in Hildesheim.

Herr Professor Schünemann, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Wir stellen zentrale Ergebnisse aus dem Projekt „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) vor und zwar aus dem Teilprojekt 1, in dem wir einen großen Datensatz digitaler Kommunikationsdaten (insgesamt 2,9 Mio. Facebook-Beiträge) automatisiert ausgewertet haben. Wichtige Ergebnisse sind bislang, dass wir die viel beschworenen Echokammern, insbesondere im Hinblick auf die populistische Rechte, im deutschen Facebook-Wahlkampf nicht nachweisen können, zumindest nicht, wenn wir uns anschauen, auf welche Medieninhalte in den Posts und Kommentaren verwiesen wird. Hier zeigen alle Parteien einschließlich der AfD große Überschneidungen. Dennoch finden wir Muster thematischer und formaler Polarisierung, auf die wir eingehen. Zudem wird der Datensatz auch für die Forschung zu offensiver Sprache oder Hate Speech im Facebook-Wahlkampf verwendet. Hier leistet die Sylvia Jaki die wesentliche Forschungsarbeit und wird auch erste Ergebnisse präsentieren. 

Warum ist diese Forschung wichtig?

Die Bundestagswahl 2017 war einschneidend, sowohl im Hinblick auf das Ergebnis der Wahl (insbesondere der Erfolg der Rechtspopulisten) als auch den Online-Wahlkampf. Es gilt gerade im Vorfeld weiterer Wahlkämpfe (Länder/Europa) Lehren daraus zu ziehen und viel diskutierte Tendenzen der politischen Kommunikation und angenommene Gefahren für die Demokratie an der Realität zu überprüfen.

„Echo chambers and polarisation in the German federal election 2017”

Fritz Kliche, Stefan Steiger und Prof. Dr. Wolf Schünemann forschen zu Echokammern in sozialen Medien. Der Computerlinguist Fritz Kliche forscht in der Arbeitsgruppe von Professor Ulrich Heid.

Mich interessieren besonders die „Digital Humanities“ – also die Zusammenarbeit von Informatikern oder in unserem Fall Computerlinguisten mit Forscherinnen und Forschern aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften, sagt Fritz Kliche. Mit seiner Arbeit möchte er dazu beitragen, dass Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften in Hildesheim ausgebaut werden und in der interdisziplinären Zusammenarbeit weitere wichtige Forschungserkenntnisse erarbeitet werden können.

Automatic detection of hate speech on social media

Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki

Dr. Sylvia Jaki ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in Hildesheim und forscht im Bereich der Medienlinguistik. Mit Kollegen der Universität Antwerpen hat sie ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombination in Tweets aufzuspüren. Sie befasst sich mit sprachlichen Charakteristika der Medien und arbeitet an ihrer Habilitation.

Frau Dr. Jaki, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Für die Facebook-Daten des Projekts „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) von Wolf Schünemann konnten wir zeigen, dass die Facebook-Profile von Parteien und Politikerinnen und Politikern an den politischen Rändern während der letzten Bundestagswahl tendenziell mehr Hate Speech aufwiesen als bei den Parteien der politischen Mitte. Dies heißt aber nicht unbedingt, dass sich die Hate Speech GEGEN die Partei beziehungsweise den Politiker oder die Politikerin richtet. Unsere Analysemethode demonstriert überdies, dass lexikonbasierte Ansätze zu transparenteren Systemen bei der Erkennung von Hate Speech beitragen können.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Hate Speech hat sich zu einem omnipräsenten Phänomen in den Medien entwickelt. Wie aber wollen wir damit umgehen – automatisiert entfernen, akzeptieren oder dagegen andiskutieren? Dies ist eine Frage, die vielerorts diskutiert wird und auch unbedingt diskutiert werden sollte. Aufgrund der Schwächen, die Detektionssoftware derzeit noch aufweist, ist es wichtig, Detektionssysteme zu schaffen, die einen Einblick in die Klassifikationsmechanismen geben, um die oftmals als Black Box bezeichnete Künstliche Intelligenz transparenter zu machen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16230 Wed, 20 Feb 2019 14:21:38 +0100 Universität Hildesheim bildet Sprachexpertinnen und Sprachexperten aus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-bildet-sprachexpertinnen-und-sprachexperten-aus/ Für diese sprachwissenschaftlichen Masterstudiengänge können sich Studieninteressierte zum Sommersemester 2019 derzeit noch bewerben: „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“, „Barrierefreie Kommunikation“, „Medientext und Medienübersetzen“, „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“, „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“. Das Studium an der Universität Hildesheim beginnt im April 2019. Am Bühler-Campus bildet die Universität Hildesheim Expertinnen und Experten für Sprachen, Kommunikation und Informationsmanagement aus. Dies sind die Masterstudiengänge des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften, für die eine Bewerbung zum Sommersemester 2019 jetzt noch möglich ist:

„Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Expertinnen und Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen, Hochschulen und in Verlagen, in der Bildungsplanung in Behörden, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit. Die Universität arbeitet in dem Studiengang mit regionalen und internationalen Partnern zusammen. In der Praxisphase absolvieren Studentinnen und Studenten mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ Auslandspraktika an Partnerhochschulen weltweit, etwa an Universitäten in Ungarn, Litauen, Italien, China oder Mexiko. [hier lesen Sie ein Interview mit Professorin Elke Montanari und Professorin Beatrix Kreß]

„Barrierefreie Kommunikation“

Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten dieses Masterstudiengangs zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache.

„Medientext und Medienübersetzen“

Mit dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzen“ bietet die Universität Hildesheim einen deutschlandweit einzigartigen Studiengang an, der Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und Medienwissenschaft verbindet. Studentinnen und Studenten können sich unter anderem in den Bereichen audiovisuelle Übersetzung wie Untertitelung und Synchronisation, barrierefreie Kommunikation sowie interne Unternehmenskommunikation spezialisieren.

„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

In unserer globalisierten Welt sind im Bereich der Fachkommunikation Fachleute gefragt, die mehrsprachige Kommunikationsfähigkeit mit soliden und speziell auf ihre beruflichen Belange ausgerichteten technischen Kenntnissen verbinden. Beim professionellen Übersetzen wie auch in der technischen Redaktion geht es heute zu einem großen Teil um technische Inhalte. Während des zweijährigen Masterstudiums „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ spezialisieren sich die Studentinnen und Studenten auf das Übersetzen und/oder Erstellen technischer Texte im internationalen Kontext. Das Studium kombiniert sprachlich-übersetzerische und technisch-naturwissenschaftliche Inhalte.

„Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

Der Masterstudiengang „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ bildet Expertinnen und Experten für interkulturelle Situationen aus, in denen mit gesprochener und geschriebener Sprache in unterschiedlichen Institutionen – zum Beispiel der öffentlichen Hand, in Nichtregierungsorganisationen oder in Institutionen der Wirtschaft – kulturübergreifend gehandelt wird. Inhalte des Studiums sind u.a. Kenntnisse über migrationsbedingte Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kommunikation in unterschiedlichen Texten und Diskursen sowie Phänomene des Kultur- und Sprachkontakts. 

Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften

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news-15615 Mon, 15 Oct 2018 07:44:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Interview mit Sergio Andrés Hernández Garrido https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/barrierefrei/ Sergio Andrés Hernández Garrido befasst sich in seiner Forschung mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren. Dafür erhält der junge Medienlinguist den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab. Zum Semesterstart wurde der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verliehen. Den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis erhält der Hildesheimer Übersetzungswissenschaftler Sergio Andrés Hernández Garrido. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab.

Der diesjährige DAAD-Preisträger Sergio Andrés Hernández Garrido gehört zu einem Team um Professorin Christiane Maaß, die sich am Bühler-Campus der Universität Hildesheim mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren befassen. Die Medienlinguisten und Medienlinguistinnen übersetzen zum Beispiel Nachrichten, juristische Texte oder sogar Märchen in Leichte Sprache.

Die Forschung und Lehre im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ an der Universität Hildesheim wächst, dies ist eine der aktuellen Entwicklungen:

Abbau von Kommunikationsbarrieren als gesellschaftliche Aufgabe

Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ startet

Erstmals starten im Oktober 2018 Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim im viersemestrigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache. Studieninteressierte können sich um einen Masterstudienplatz bewerben, die nächste Gelegenheit zur Einschreibung ist zum Sommersemester 2019.

Interview mit dem Übersetzungswissenschaftler und Medienlinguisten Sergio Andrés Hernández Garrido

Herr Hernández Garrido, Sie studieren in Hildesheim Medientext und Medienübersetzung.

Das Hildesheimer Masterstudium ist einzigartig in Deutschland. Ich habe mir vor meiner Bewerbung die Stadt und Universität in Hildesheim angesehen – da dachte ich, dieser Ort ist ein guter Ort für mich.

Medientext und Medienübersetzung, das klingt etwas abstrakt – was steckt dahinter?

Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der audiovisuellen Übersetzung von Texten, wir untertiteln zum Beispiel Filme. Ich spezialisiere mich in Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation, beschäftige mich mit Audiodeskription – Bilder übersetze ich in Wörter, damit Personen mit einer Sehbehinderung auch audiovisuelle Medien konsumieren können –, Untertitelung und Leichter Sprache. Das hat mich vom ersten Moment an interessiert. Ich kann mit meiner Arbeit einen Beitrag in der Gesellschaft leisten.

Sie schreiben gerade ihre Masterarbeit.

Mein Ziel ist es, die Leichte Sprache aus einer internationalen Perspektive zu untersuchen. In Deutschland ist schon vieles geschafft worden im Bereich der Inklusion, auch wenn der Weg weiter lang ist. Wenn ich in mein Heimatland Kolumbien blicke, dann wurde praktisch noch nichts gemacht, um Kommunikationsbarrieren abzubauen. Ich möchte die Leichte Sprache nach Kolumbien bringen, wo es bislang kaum Bemühungen in der barrierefreien Kommunikation gibt. In Kolumbien möchte ich die Leichte Sprache aufbauen, um die Partizipation von Menschen mit Leseeinschränkungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu ermöglichen. Gemeinsam mit kolumbianischen Forschungseinrichtungen möchte ich ein Regelwerk für die Übersetzung von juristisch-administrativer Kommunikation in Leichtes Spanisch entwickeln. Die Grundlagen hierfür erarbeite ich in meiner Masterarbeit und ich plane ein Promotionsprojekt an der Universität Hildesheim. Ich habe erste Kontakte zu Universitäten in Barranquilla geknüpft.

Sie übersetzen in der Forschungsstelle Fachtexte in einfach geschriebene Texte. Was ist die Leichte Sprache?

Die Leichte Sprache ist eine Reduktionsvarietät des Deutschen. Die Sprache wendet sich vor allem an Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch an andere Menschen mit Leseeinschränkung. Also: Die Texte werden so reduziert, dass sie verständlicher sind, so dass die Menschen eigenständig die Texte verstehen können, was ihnen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit ermöglicht. Wir nehmen die Originaltexte und formulieren sie in Hauptsätze um, auch vermeiden wir zum Beispiel die Verwendung von Pronomina. Wir versuchen alles so simpel und klar darzustellen, so dass sich alle alleine informieren können. Die Texte in Leichter Sprache sind ein Zusatzangebot und eine Hilfe zum Originaltext, sie ersetzen das Original nicht. Die Studien von Professorin Christiane Maaß zeigen, dass nicht nur Menschen mit geistiger Behinderung davon profitieren, sondern auch Sprachlerner oder Menschen mit Leseschwierigkeiten.

Wie arbeiten Sie in der Forschungsstelle?

Ich übersetze Fachtexte, wir arbeiten mit Kultureinrichtungen, Medien wie dem NDR und WDR und Behörden zusammen. Ich bin auch in der Planung von Tagungen und Projekten beteiligt.

Was macht Ihnen Freude in der barrierefreien Kommunikation? Was ist Ihr Antrieb?

Meine Motivation steigt ganz ehrlich jeden Tag durch meine Erfahrungen in der Forschungsstelle. Gerade habe ich wieder mit einer Prüfgruppe aus Braunschweig unsere Texte unter die Lupe genommen. Die Menschen mit Behinderung geben mir Rückmeldungen zur Verständlichkeit unserer Übersetzungen und machen Verbesserungsvorschläge, sie sind sehr dankbar für die Arbeit, die wir in Hildesheim leisten. Wenn man sieht, dass die Arbeit, die man leistet, einen Sinn hat, ist man motiviert, weiterzumachen.

Sie erhalten den DAAD-Preis.

Die Auszeichnung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst ist eine riesige Motivation für mich, mich weiter zu bemühen. Der DAAD war schon für meinen Vater als junger Wissenschaftler sehr wichtig, er konnte promovieren – heute ist er Mathematikprofessor in Kolumbien. Meine Familie und ich haben Deutschland vieles zu verdanken. Ich habe die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht und hatte Chancen, mich zu bilden. Ich möchte durch meine Arbeit in der barrierefreien Kommunikation der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich möchte mit dieser Kraft auch zeigen, was in den Menschen in Kolumbien steckt, all jenen, die sich jeden Tag bemühen, das Land zu einem besseren Land zu machen. Mein Traum ist es, all die Kompetenzen, die ich in Deutschland, in Hildesheim, erworben habe, in Kolumbien umsetzen zu können, um dort Kommunikationsbarrieren abzubauen und Teilhabe von Menschen an der Gesellschaft zu fördern. Ich habe das Gefühl, dass das was ich lerne, einen Sinn hat.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Sergio Andrés Hernández Garrido, 24 Jahre, geboren in Baranquilla in Kolumbien. Als kleines Kind hat er fünf Jahre mit seiner Familie in Deutschland gelebt, da sein Vater als DAAD-Stipendiat in Deutschland geforscht hat. Die Familie kehrte nach Kolumbien zurück, wo Sergio Andrés Hernández Garrido sein Abitur absolvierte. Es folgte ein Bachelorstudium der Übersetzungswissenschaft in Mainz.

Seit 2016 studiert er im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ in Hildesheim und hat sich dort auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Er arbeitet als studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle Leichte Sprache, nachdem er dort zunächst ein sechsmonatiges Praktikum absolviert hat. Im Masterstudium hat der junge Wissenschaftler bereits die Übung zur Vorlesung „Übersetzungswissenschaft“ unterrichtet. Spanisch ist seine Muttersprache.

Seit Oktober ist er für die Forschungsstelle Leichte Sprache auch im Projekt „Easy Access for Social Inclusion Training“ (EASIT) tätig, einem europäischen Forschungsprojekt unter Leitung der Universität Barcelona, an dem neben der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim weitere Forschungseinrichtungen aus Spanien, Italien, Slowenien, Schweden und Deutschland mitwirken. Die internationale Arbeitsgruppe untersucht die Möglichkeiten, wie audiovisuelle Medien in Leichter Sprache aufbereitet werden können und wie dieses Wissen in die Ausbildung von Medienübersetzern eingebracht werden kann.

Kontakt

Wer sich für den Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ interessiert erreicht Prof. Dr. Christiane Maaß, die Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache, unter christiane.maass@uni-hildesheim.de.

Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“

Die Universität Hildesheim richtet die Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“ vom 18. bis 20. Oktober 2018 in Hildesheim aus. Es werden Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft anwesend sein, unter anderem die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, sowie renommierte Fachkolleginnen und Fachkollegen aus dem In- und Ausland. Die Tagung ist barrierefrei und die Beiträge werden unter anderem in Gebärdensprache verdolmetscht. Auch Schriftdolmetscher sind im Einsatz, um Menschen mit Hörschädigung die Teilnahme zu ermöglichen . Das Team um Professorin Christiane Maaß stellt auf der Tagung das neue 800-seitige Handbuch „Barrierefreie Kommunikation“ vor. Insgesamt werden etwa 70 Konferenzteilnehmer aus dem In- und Ausland in Hildesheim erwartet.

Programm der Konferenz: Barrierefreie Kommunikation

Duden-Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache

Die „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim hat zusammen mit der Duden-Redaktion den Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache ausgeschrieben. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert und wird im Oktober 2018 erstmals auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim übergeben. Preisträger ist Mark Harenberg vom NDR. Anwesend sind Vertreterinnen und Vertreter der Duden-Redaktion und von der Lebenshilfe Braunschweig, die neben der Forschungsstelle Leichte Sprache zur Jury gehören.

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news-12288 Thu, 13 Sep 2018 11:50:51 +0200 Übersetzen: Universität sucht Sprachexperten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/uebersetzen-universitaet-sucht-sprachexperten/ Welche Rolle spielen Übersetzungen im Alltag? Im Interview spricht Professorin Bettina Kluge über die Ausbildung von Übersetzerinnen und Übersetzern und über menschliche und maschinelle Übersetzungen. An der Universität Hildesheim bildet sie den Übersetzernachwuchs im Studiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ aus. Zum Studium gehört ein Auslandsaufenthalt. Eine Bewerbung um einen Studienplatz im Bachelorstudium „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ ist bis zum 21. September 2018 noch möglich. Der Studienbeginn ist im Oktober 2018.

Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

Interview mit der Übersetzungswissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge

Was leisten Übersetzerinnen und Übersetzer in unserer heutigen Gesellschaft?

Viel. Unser gesamter globalisierter Alltag ist stark durchdrungen von Übersetzungen, selbst wenn es uns häufig gar nicht mehr auffällt: im Kino laufen viele Hollywoodfilme – fast immer als Synchronisation. Im Supermarkt sind viele Produkte importiert, und die Inhaltsangaben und Rezeptvorschläge auf der Verpackung sind häufig Übersetzungen, ebenso die Bedienungsanleitungen unserer Smartphones, Musikanlagen, Autos, Möbel, Kleidung und so weiter. Umgekehrt versteht sich Deutschland als Exportweltmeister, und ebenso wie wir erwarten, dass importierte Produkte mit gut verständlichen deutschsprachigen Bedienungsanleitungen und Produktangaben versehen sind, ist das umgekehrt natürlich auch der Fall.

Wer in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert, geht bereits nach einem Jahr ins Ausland. Welche Bedeutung hat der Auslandsaufenthalt?

Wenn Studierende aus dem Ausland zurückkommen, dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wir bilden am Sprachencampus in Hildesheim Übersetzerinnen und Übersetzer aus, die zum Beispiel Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher sowie Bedienungsanleitungen übersetzen. Im ersten Studienjahr stehen die Grundlagen auf dem Programm, etwa die beiden Vorlesungen „Einführung in die Sprachwissenschaft“ und „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“ sowie erste sprachpraktische Übungen und Methoden des Übersetzens. Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland. Die Studentinnen und Studenten bekommen ein Gefühl für die Sprache und erweitern ihren Wortschatz im Alltag enorm. Die im Ausland erbrachten Studienleistungen werden anerkannt.

„Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland“

Mit welchen Partnerhochschulen arbeiten Sie zusammen?

Wir kooperieren mit Partnerhochschulen in Alicante, Madrid, Murcia und Barcelona in Spanien, in Paris, Clermont-Ferrand und Tours in Frankreich sowie in Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien, Kolumbien und Mexiko. Es gibt Ausnahmeregelungen, wenn ein Auslandsaufenthalt nur schwer möglich ist, etwa wenn Studierende schwer krank sind, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen müssen.

Wie geht es dann im Bachelorstudium weiter?

Im dritten Studienjahr folgen sprachpraktische Seminare und Spezialisierungen etwa in „Fachübersetzen“, also technische Übersetzungen: Wie übersetzt man Handbücher für Maschinen?. Außerdem können sich Studierende auf „Unternehmenskommunikation“, „Sprache und Medien“ oder auch „community interpreting“ spezialisieren. Letzeres ist die Sprachmittlung in institutionell geprägten Situationen wie die Kommunikation in der Sozialbehörde, der Stadtverwaltung, beim Arzt, wenn es um Beispiel wichtig ist festzustellen, wo genau es schmerzt und ob die Schmerzen stechend oder ausstrahlend sind.

Wen möchten Sie mit dem Studienangebot erreichen?

Der Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ richtet sich an Studieninteressierte, die neben der Begeisterung für Sprachen, Texte und verschiedene Kulturen auch ein Interesse für neue Technologien und Medien mitbringen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Grundlagen des professionellen Übersetzens. Die Studentinnen und Studenten beschäftigen sich in drei Jahren mit Texten unterschiedlicher Sprachen. Neben der Grundsprache Deutsch wählen sie ein bis zwei weitere Sprachen – Englisch, Französisch oder Spanisch.

Humor und Ironie werden von Übersetzungsprogrammen oft nicht erkannt

Haben Sie Sorge, dass die Arbeit eines Übersetzers eines Tages von Maschinen übernommen wird? Welche Rolle spielen dabei zum Beispiel die sprachliche Varietät, Humor, Ironie und Wortspiele?

Ich glaube, Übersetzerinnen und Übersetzer werden auch in Zukunft weiterhin gebraucht. Zugegeben, auf den ersten Blick wirken maschinelle Übersetzungsprogramme als Bedrohung. Die Resultate werden immer besser und die automatischen Übersetzungen von Bedienungsanleitungen, über die wir früher so gern gelacht haben, werden weniger. Maschinell unterstützte Übersetzung basiert häufig auf großen Textsammlungen, sogenannten Korpora, und die Übersetzungssoftware gibt dann auf der Basis der Wahrscheinlichkeiten Übersetzungsvorschläge heraus.

Wie fällt die Qualität dieser maschinellen Übersetzungen aus?

Die Übersetzungen können stimmen – oder eben auch nicht. Weil die Korpora für das Sprachenpaar Englisch-Deutsch größer sind als die für Spanisch-Deutsch oder auch Chinesisch-Deutsch, sind die Übersetzungen aus und ins Englische meistens besser als für Spanisch oder Chinesisch. Zum Beispiel kann sich englisch „china“ auf das Land beziehen oder auf Porzellan. Menschliche Übersetzer berücksichtigen hier den Kontext, in dem das Wort „china“ auftaucht, inklusive Groß- und Kleinschreibung. Viele Übersetzungsprogramme tun das immer noch nicht. Oder ein anderes Beispiel: spanisch „padre“ heißt zunächst einmal „Vater“ und ist ein Substantiv. Aber im mexikanischen Spanisch kann „padre“ auch ein Adjektiv mit der Bedeutung „toll, super“ sein. Wenn jemand auf Facebook ein Urlaubsfoto mit „Qué padre foto“ kommentiert, heißt das also „Was für ein tolles Bild!“, während die automatische Übersetzung auf Facebook „Was Vater Foto“ daraus macht – ziemlich unverständlich, oder? Auch Humor und Ironie werden von Übersetzungsprogrammen regelmäßig nicht erkannt – gerade deswegen wird die audiovisuelle Übersetzung von Spielfilmen wohl noch lange ein Arbeitsfeld für menschliche Übersetzer sein, wenn auch mit maschineller Unterstützung. Übersetzungsprogramme sind insofern in ähnlicher Weise eine Bedrohung wie vor einigen Jahren die elektronischen Wörterbücher als Bedrohung gesehen wurden – heute sind sie aus dem Übersetzeralltag kaum wegzudenken.

Wo arbeiten Ihre Absolventinnen und Absolventen?

Studentinnen und Studenten, die in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert haben, sind heute zum Beispiel beim WDR als Untertitlerin und als technische Redakteurin bei der Volkswagen AG tätig oder haben sich als Übersetzerinnen selbständig gemacht. Andere spezialisieren sich in den Hildesheimer Masterstudiengängen „Medientext und Medienübersetzung“, „Sprache und Technik“ oder auch im Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“, der im Oktober startet.

Ihre Studentinnen und Studenten arbeiten auch in kleinen mittelständischen Unternehmen – und übersetzen zum Beispiel Frachtkosten, Warengut und Lieferbedingungen.

Auch kleine und mittlere Unternehmen sind in den Weltmarkt eingebunden und auf Übersetzungen angewiesen – sie brauchen mehrsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ein ausgeprägtes Sprachgefühl haben, um einiges selbst übersetzen zu können, aber auch wissen müssen, wann sie einen bestimmten Text an eine spezialisierte Agentur abgeben sollten – etwa Abschnitte zu Sicherheitshinweisen und natürlich auch Patentanmeldungen. Häufig übernehmen unsere Absolventinnen und Absolventen in kleinen und mittleren Unternehmen auch Aufgaben in der internen und externen Unternehmenskommunikation, zum Beispiel wenn sie den social media-Auftritt betreuen, egal ob auf Deutsch oder Englisch. In diesen Unternehmen können unsere Absolventinnen und Absolventen also „Allrounder“ sein, das finden einige sehr attraktiv. Zum Beispiel betreut eine Absolventin aus Hildesheim jetzt sämtliche social media-Aktivitäten eines niedersächsischen Craft Beer-Herstellers, der inzwischen auch ins Ausland exportiert.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt

Wer Fragen zum Studium hat, kann sich an Prof. Dr. Klaus Schubert, Direktor des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim wenden (E-Mail klaus.schubert@uni-hildesheim.de) oder an Prof. Dr. Bettina Kluge (klugeb@uni-hildesheim.de).

Eine Bewerbung um einen Bachelorstudienplatz ist bis zum 21.9.2018 möglich:

  • „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ | Bachelor of Arts

    Der Bachelorstudiengang ist für Studentinnen und Studenten interessant, die ein Interesse an Sprachen, Texten und verschiedenen Kulturen haben, aber auch an neuen Technologien und Medien interessiert sind. In Hildesheim erlernen sie die Grundlagen des professionellen Übersetzens, ob Filme, Literatur oder technische Benutzerhandbücher. Zum Studium gehört ein Auslandsaufenthalt. Die Universität kooperiert mit Partnerhochschulen in Spanien, Frankreich, Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien und Mexiko.

  • „Internationales Informationsmanagement“ | Bachelor of Arts

    Studentinnen und Studenten können in diesem Bachelorstudiengang ihr Interesse an Sprachen und modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verknüpfen. Beruflich stehen internationale Wege offen, die Studierenden bereiten sich auf eine Karriere in internationalen Unternehmen oder zum Beispiel im Wissensmanagement vor.

    Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-15236 Mon, 10 Sep 2018 10:13:00 +0200 Jetzt bewerben bis zum 21. September – Bachelorstudienplatz an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/jetzt-bewerben-bis-zum-21-september-bachelorstudienplatz-an-der-universitaet-hildesheim/ Übersetzen, Wirtschaftsinformatik, Informationsmanagement, Lehramt – eine Bewerbung um einen Studienplatz ist noch möglich. Hier finden Sie Informationen zu den Bachelorstudiengängen an der Universität Hildesheim. Das Studium beginnt im Oktober 2018. Achtung: Bewerbungsfrist verlängert bis zum 21.9.2018. Bewerben Sie sich um einen Bachelorstudienplatz: „Erziehungswissenschaft“ | „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ | „Internationales Informationsmanagement“ | „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ | „Wirtschaftsinformatik“ | „Angewandte Informatik“ | Freie Studienplätze im Losverfahren für den Zwei-Fächer-Bachelorstudiengang mit Lehramtsoption 

An der Universität Hildesheim ist eine Bewerbung für die folgenden Bachelorstudiengänge noch möglich. Details zu den Studiengängen erhalten Studieninteressierte auf der Webseite der Universität [hier geht's direkt zur Online-Bewerbung]. „Hildesheim ist keine Massenuniversität, stattdessen ist das Studium geprägt von viel Interaktion, Austausch und Diskurs“, sagt der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt.

Bis zum 21.9.2018 können sich Studieninteressierte für diese Bachelorstudiengänge bewerben:

  • „Erziehungswissenschaft“ | Bachelor of Arts

    Der Bachelorstudiengang richtet sich an Studentinnen und Studenten, die sich für die Erziehung, Bildung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen interessieren. Die Studierenden befassen sich zum Beispiel mit der Frage, wie pädagogische Maßnahmen entwickelt oder pädagogisches Personal unterstützt werden kann. Das Studium der Erziehungswissenschaft greift aktuelle internationale Entwicklungen im Bildungssektor auf. Ein Schwerpunkt ist der Bereich „Diversity Education“. Die freie Wahl eines Nebenfaches ermöglicht Studierenden eine individuelle Profilbildung.

  • „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ | Bachelor of Arts

    Der Bachelorstudiengang ist für Studentinnen und Studenten interessant, die ein Interesse an Sprachen, Texten und verschiedenen Kulturen haben, aber auch an neuen Technologien und Medien interessiert sind. In Hildesheim erlernen sie die Grundlagen des professionellen Übersetzens, ob Filme, Literatur oder technische Benutzerhandbücher. Zum Studium gehört ein Auslandsaufenthalt. Die Universität kooperiert mit Partnerhochschulen in Spanien, Frankreich, Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien und Mexiko.
  • „Internationales Informationsmanagement“ | Bachelor of Arts

    Studentinnen und Studenten können in diesem Bachelorstudiengang ihr Interesse an Sprachen und modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verknüpfen. Beruflich stehen internationale Wege offen, die Studierenden bereiten sich auf eine Karriere in internationalen Unternehmen oder zum Beispiel im Wissensmanagement vor.

Bis zum 21.09.2018 können sich Studieninteressierte für diese IT-Bachelorstudiengänge bewerben:

Die Informatik-Studienprogramme der Universität Hildesheim verbinden Theorie mit Praxis. Absolventenbefragungen zeigen regelmäßig, dass Studierende dieser Studiengänge sehr gute Berufschancen besitzen. Ein Wirtschaftspraktikum ist in jedem der Studiengänge fester Bestandteil. Der „Arbeitskreis IT“ unterstützt die Studentinnen und Studenten bei der Kontaktaufnahme zu Unternehmen in der Region.

  • „Angewandte Informatik“ | Bachelor of Science

    Die Studentinnen und Studenten lernen, wie man große Informationsmengen managt, höchst performante Algorithmen umsetzt und Software wartungsfreundlich gestaltet. Absolventinnen und Absolventen beherrschen moderne Technologien der Softwareentwicklung und sind Spezialisten der Softwareentwicklung. Wer technische Aspekte von Softwareprodukten im Detail verstehen und gestalten möchte, wählt diesen Studiengang.
  • „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ | Bachelor of Science

    Das Auffinden relevanter Informationen stellt heute eine Kernherausforderung in vielen Berufen dar. Absolventen werden auf diese Herausforderung optimal vorbereitet, indem dieser Studiengang Inhalte der Informatik und der Informationswissenschaft verknüpft. Darüber hinaus werden den Studierenden viele Freiräume gelassen, um aus einem breiten Studienangebot auf die eigenen Interessen zugeschnittene Studienprogramme zusammenzustellen.
  • „Wirtschaftsinformatik“ | Bachelor of Science

    Die Wirtschaftsinformatik betont die Anwendungsperspektive von Informationssystemen. Absolventinnen und Absolventen können Unternehmensprozesse mit IT kontinuierlich verbessern bzw. gänzlich neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Sie verstehen sowohl die Möglichkeiten der IT als auch die Bedarfe in der Wirtschaft, um betriebliche Anwendungssysteme erfolgreich auswählen, anpassen, betreiben und neu entwickeln zu können. Der Studienverlaufsplan orientiert sich an bundesweit gültigen Rahmenempfehlungen.

Freie Studienplätze im Losverfahren!

  • Da nach Durchführung des Auswahlverfahrens Studienplätze im Polyvalenten Zwei-Fächer-Bachelorstudiengang mit Lehramtsoption in bestimmten Fächerkombinationen unbesetzt geblieben sind, besteht die Möglichkeit, sich noch für ein Losverfahren anzumelden. Eine Anmeldung zum Losverfahren ist noch bis zum 21.09.2018 (Ausschlussfrist!) möglich. [hier geht es zum Losverfahren]

Kultur studieren: Bewerbung um einen Studienplatz

  • „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ | Bachelor of Arts

    Von Medien, Musik und Philosophie bis Theater, Literatur und Bildende Kunst: Im Bachelor-Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ der Universität Hildesheim kombinieren Studierende Theorie und Praxis. Der Studiengang ist der älteste dieser Art in Deutschland. Es sind noch Studienplätze frei, ein Studienbeginn ist zum Wintersemester 2018/19 möglich. Die Anmeldefrist endet am 10. September 2018. [Hier finden Sie Informationen zur Anmeldung für die kulturwissenschaftliche Eignungsprüfung]
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Pressemeldungen Studierendenportal Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Informationssysteme und Unternehmensmodellierung Informatik Mathematik & Angewandte Informatik SSE Maschinelles Lernen IIS ESS Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-15008 Tue, 24 Jul 2018 10:21:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Erstmals Leichte-Sprache-Preis ausgeschrieben https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-erstmals-leichte-sprache-preis-ausgeschrieben/ Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim loben einen Preis für die beste Fachübersetzung aus. Damit wird die Leistung von Übersetzerinnen und Übersetzerin gewürdigt, die mit einfachen sprachlichen Mitteln schwierige Gegenstände korrekt und funktional darstellen – etwa Schreiben vom Amt, Formulare, Beipackzettel oder Bedienungsanleitungen. Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache verleihen den Preis am 18. Oktober 2018 auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ der Universität Hildesheim. In unserer hoch spezialisierten Welt begegnen uns täglich Fachtexte aller Art: Schreiben vom Amt, Formulare, Beipackzettel, Bedienungsanleitungen und vieles mehr. Menschen mit geringen Lesefähigkeiten fällt es oft schwer, diese Texte zu verstehen und so an der Gesellschaft teilzuhaben. Daher stellen mehr und mehr Behörden, Bildungseinrichtungen oder Unternehmen sie heute zusätzlich in Leichter Sprache bereit, einer vereinfachten Form des Deutschen.

Für Übersetzerinnen und Übersetzer ist es eine besondere Herausforderung, Fachtexte in Leichter Sprache zugänglich zu machen: Mit einfachen sprachlichen Mitteln müssen sie schwierige Gegenstände korrekt und funktional darstellen.

In Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim schreibt die Dudenredaktion erstmals den mit 1500 Euro dotierten Leichte-Sprache-Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache aus. Der Preis soll einen Beitrag zur Professionalisierung der Übersetzung in Leichte Sprache leisten. Mit dem Preis sollen Fachtexte ausgezeichnet werden, die sprachlich und inhaltlich korrekt, funktional und situationsangemessen sind. Der Preis wird an einen Übersetzer oder eine Übersetzerin vergeben, der oder die einen Fachtext beliebiger Ausrichtung in Leichte Sprache übersetzt hat. Die Forschungsstelle Leichte Sprache und die Dudenredaktion nehmen eine Vorauswahl dreier hervorragender Übersetzungen vor; der Preisträger oder die Preisträgerin wird im Anschluss von der Expertengruppe der Lebenshilfe Braunschweig gekürt.

Alle Unterlagen sind bis zum 15. August 2018 einzureichen. Die Ausschreibung mit allen weiteren Informationen sind online abrufbar.

Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache verleihen den Preis am Nachmittag des 18. Oktober 2018 auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ der Universität Hildesheim.

Tagung  „Barrierefreie Kommunikation“ an der Universität Hildesheim

Zum Wintersemester 2018 startet an der Universität Hildesheim der im deutschsprachigen Raum erste Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zur Eröffnung des neuen Studiengangs findet vom 18. bis 20. Oktober 2018 eine gleichnamige internationale Tagung in Hildesheim statt. Expertinnen und Experten unter anderem aus Deutschland, Finnland und Spanien zeigen in Form von Vorträgen sowie in interaktiven Workshops auf, welche Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern Anwendung finden, um kommunikative Barrieren zu überwinden oder zu kompensieren. Die Fachleute befassen sich mit barrierefreier Kommunikation aus verschiedenen Blickwinkeln: Wissenschaft, Empowerment, Politik, Behörden und Medien.Die Hauptvorträge halten unter anderem Volker Sieger, Leiter der Bundesfachstelle Barrierefreiheit, Antje Baumann vom Bundesjustizministerium, Anna Matamala, Professorin am Department of Translation and Interpreting der Universität Barcelona sowie Nathalie Mälzer, Universitätsprofessorin für Transmediale Übersetzungan der Universität Hildesheim.

Während der Konferenz stellen die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Professorin Christiane Maaß und Isabel Rink das Handbuch „Barrierefreie Kommunikation“ vor. Erstmals wird der Leichte-Sprache-Preis für eine hervorragende Fachübersetzung in Leichte Sprache durch die Duden-Redaktion verliehen. Der Preis wird von Duden gestiftet und zusammen mit der Lebenshilfe Braunschweig und der Forschungsstelle Leichte Sprache auf der Tagung ausgehändigt.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-14861 Mon, 09 Jul 2018 08:00:00 +0200 Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ startet https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/masterstudiengang-barrierefreie-kommunikation-startet/ Zum Wintersemester 2018/2019 startet an der Universität Hildesheim der viersemestrige Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache und Gebärdensprache. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli 2018. Jetzt bewerben: Masterstudium „Barrierefreie Kommunikation“

Zum Wintersemester 2018/2019 startet an der Universität Hildesheim der viersemestrige Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Ein Teilzeitstudium ist ebenfalls möglich. Ein Team um Professorin Christiane Maaß hat das Studienangebot entwickelt.

Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Gebärdensprache, Verständlichkeit und Fachkommunikation sowie Inklusion in Erziehung und Bildung.

Der Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ vermittelt wissenschaftlich fundierte Kenntnisse und Fähigkeiten für eine Expertentätigkeit im Bereich barrierefreie Kommunikation und richtet sich an Personen aus verschiedenen Fachbereichen, die dazu beitragen wollen, Kommunikationsbarrieren abzubauen.

Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs haben vielfältige berufliche Möglichkeiten, sie können beispielsweise als Mittler für Personen mit Kommunikationseinschränkungen fungieren oder arbeiten in Übersetzungsbüros für Leichte Sprache, Ministerien, Organisationen oder Unternehmen und Einrichtungen der Gesundheitspflege. Außerdem besteht die Option einer freiberuflichen Tätigkeit im Bereich der barrierefreien Kommunikation.

Weitere Informationen zum Studiengang und zur Bewerbung

Alle Informationen zum Studiengang und zur Anmeldung sowie der aktuellen Studiengangsflyer sind online abrufbar. Die Bewerbungsunterlagen (Zeugnisse und Nachweise in beglaubigter Form, tabellarischer Lebenslauf, ein- bis zweiseitiges Motivationsschreiben, ggf. Transcript of records) können bis zum 15. Juli 2018 bei der Universität Hildesheim eingereicht werden.

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news-12759 Wed, 27 Jun 2018 11:22:00 +0200 Mentoring-Programm: „Ich erkenne meine Stärken“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/mentoring-programm-ich-erkenne-meine-staerken/ Bis zum 1. Juli 2018 können sich Studentinnen und Absolventinnen für das Mentoring-Programm bewerben. Über neun Monate werden sie von erfahrenen Mentorinnen und Mentoren begleitet. Hier berichten die Studentinnen Luka Sackmann und Anna Kardziev über ihr Studium in den Bereichen Übersetzen sowie Angewandte Informatik und wie sie sich im Rahmen des Mentorings auf ihren Berufseinstieg vorbereiten. Studentinnen und Absolventinnen können sich aktuell für das „ProKarriere-Mentoring“ bewerben. Das Mentoringprogramm richtet sich an Studentinnen aller Fachrichtungen der letzten beiden Semester ihres Bachelor-Studiums, an alle Master-Studentinnen und an Absolventinnen.

Der Bewerbungsschluss ist der 1. Juli 2018, mehr Informationen finden Sie online. Das Mentoring beginnt dann im Wintersemester 2018/19.

Das Programm funktioniert so: Über neun Monate wird eine „Mentee“ (Studentin oder Absolventin) am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn von einer berufserfahrenen Person begleitet und gefördert, sagt Dr. Silvia Lange, Projektleiterin und Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hildesheim. Mentorinnen und Mentoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen geben dabei ihre Erfahrungen weiter. Ergänzt wird die Mentoringbeziehung durch ein an den Bedarfen der Mentees ausgerichtetes Begleitprogramm.

Wer Fragen zu dem Programm „ProKarriere-Mentoring: Karriereförderung für Studentinnen und Absolventinnen mit und ohne Migrationshintergrund“ hat, erreicht die Projektkoordinatorin Sandra Ahnen vom Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim unter 05121 883 92162 und ahnens[at]uni-hildesheim.de.

Jetzt bewerben bis zum 1. Juli 2018

Warum nehmen Sie am Mentoring-Programm teil?

Hier berichten zwei Studentinnen aus dem aktuellen Mentoring-Jahrgang über ihr Studium in den Bereichen Übersetzungswissenschaft sowie Angewandte Informatik. Sie geben einen Einblick, warum sie das Mentoring-Programm anderen Studentinnen weiterempfehlen.

„Ich habe viel in mein Studium investiert und erkenne im Mentoring-Programm meine Stärken“

Luka Sackmann studiert „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ und spezialisiert sich in Hildesheim auf das technische Übersetzen. Im Mentoring-Programm des Gleichstellungsbüros wird die 26-Jährige ein Jahr lang auf ihrem Weg in das Berufsleben gecoacht.

„Viele Fragen mich: Technische Redaktion – ist das nicht langweilig? Ich habe viele Jahre in mein Studium an der Universität Hildesheim investiert. Als technische Übersetzerin bearbeite ich etwa Installationsanleitungen in der Automobilindustrie. Ich schreibe gerne Texte strukturiert, ohne Schnörkel, und habe Freude daran, Texte aufzuräumen und zu erklären, wie eine Maschine funktioniert. Das Mentoring-Programm ist eine ideale Unterstützung im Übergang vom Studium in das Berufsleben. Ich erkenne meine Stärken und konzentriere mich auf das, was ich beruflich erreichen möchte“, sagt die Studentin.

„Meine Mentorin kommt aus dem Maschinellen Lernen und zeigt mir vielfältige Berufswege auf“

Anna Kardziev, 26, studiert „Angewandte Informatik“ an der Universität Hildesheim. Sie schreibt ihre Masterarbeit über künstliche Intelligenz: „Fallbasierte Konfiguration“ und wird ein Jahr lang in ihrer Abschlussphase von einer Mentorin aus der Wirtschaft im Programm „ProKarriere-Mentoring“ begleitet.

„Ich studiere ‚Informationsmanagement und Informationstechnologie‘ mit dem Schwerpunkt Angewandte Informatik. In meiner Masterarbeit setze ich mich mit einem Mechanismus der künstlichen Intelligenz auseinander, der mit Erfahrungswissen arbeitet. Dabei wird Erfahrung aus der Vergangenheit genutzt, um daraus zu lernen und zukünftige ähnliche Probleme zu lösen. Ein Beispiel: Mithilfe von Erfahrungswissen können in der Industrie Diagnosesysteme bei Wartungsarbeiten schneller erkennen, wie eine technische Maschine repariert werden kann. In meinem Bachelorstudium habe ich mich in Magdeburg vor allem mit dem Wissensmanagement beschäftigt, in Hildesheim kann ich die technische Seite stärken, mich spezialisieren. Ich studiere bei Professor Klaus-Dieter Althoff im Bereich ‚Intelligente Informationssysteme‘ am Institut für Informatik und bei Professor Ralf Knackstedt an der Abteilung ‚Informationssysteme und Unternehmensmodellierung‘.

Ich möchte in meiner beruflichen Zukunft im Wissensmanagement in einem Wirtschaftsunternehmen arbeiten. Meine Familie kommt nicht aus dem IT-Bereich, es fiel mir schwer zu wissen, was ich mit einem Informatikstudium beruflich anstreben kann. Ein Jahr lang nehme ich jetzt am ‚ProKarriere‘-Mentoring des Gleichstellungsbüros teil. Das ist ideal: Meine Mentorin kommt aus dem Bereich ‚Maschinelles Lernen‘ und zeigt mir vielfältige Berufswege auf“, sagt die Studentin Anna Kardziev.

TIPP: Wer sich für ein IT-Studium interessierte, sollte den Info-Nachmittag „Studium & Karriere im IT-Bereich" am 4. Juli 2018 an der Universität Hildesheim nicht verpassen.

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news-14759 Sun, 27 May 2018 10:11:00 +0200 Wie in Hildesheim Verständlichkeit erforscht wird https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/wie-in-hildesheim-verstaendlichkeit-erforscht-wird/ Fachliche Kommunikation kann mehr oder weniger gut gelingen. Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind. Ein Gastbeitrag von Dr. Franziska Heidrich vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Fachliche Kommunikation hat ihren festen Platz im Alltag von Unternehmen. Denn Fachkommunikation findet immer dann statt, wenn Menschen über Fachliches kommunizieren – sei es in Ausübung ihrer beruflichen Aufgaben untereinander, mit Experten anderer Fachgebiete oder mit Personen, die keine Experten sind. Damit findet sich fachliche Kommunikation auch in unserem Alltag wieder – im Gespräch mit Fachleuten oder beim Lesen von Bedienungsanleitungen.

Diese fachkommunikativen Handlungen können mehr oder weniger gut gelingen. Gerade bei der Kommunikation zwischen Experten und Laien kommt es häufig vor, dass Texte – ob schriftlich oder mündlich – zu komplex sind, zu kompliziert, zu mehrdeutig, zu uneinheitlich. Diese Texte sind also für die vorgesehenen Adressaten nicht verständlich genug. Dies ist ärgerlich für den Leser, der Texte nicht oder nur sehr mühsam versteht. Dies kann aber darüber hinaus auch schwerwiegende Folgen haben. Wenn Dokumente der Fachkommunikation nicht verstanden werden, können schwere Verletzungen die Folge sein (wenn zum Beispiel der Nutzer schlichtweg nicht verstanden hat, dass er den Strom ausschalten muss, bevor er das Gerät öffnet...). Daraus folgen dann wiederum Haftungsansprüche und möglicherweise hohe Zahlungen der Unternehmen an die Geschädigten.

Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind, dass für denselben Gegenstand immer derselbe Fachbegriff verwendet wird, dass Satzstrukturen einfach und eindeutig sind und zum Beispiel auch dadurch, dass der Leser auf den ersten Blick erkennt, ob es sich bei einem Satz um eine Handlungsaufforderung oder eine bloße Hintergrundinformation handelt. Unverständlich oder schwer verständlich gerät Fachkommunikation entsprechend, wenn etwa der fachliche Inhalt für die Zielleserschaft zu komplex ist, der sprachliche Ausdruck zu kompliziert, der Text nicht angemessen strukturiert ist und die Funktionen von kommunikativen Handlungen unklar bleiben.

Die Erforschung der Verständlichkeit ist ein Kernthema der Fachkommunikationswissenschaft. Diese integrative Disziplin umfasst die traditionellen Forschungszweige der Fachsprachenforschung, der Terminologielehre und der Fachübersetzungswissenschaft. Die Fachkommunikationswissenschaft ist ein Schnittbereich aus den Wissensgebieten Sprache, Technik, Kommunikationsmedien und Arbeitsprozessorganisation.  Die Fachkommunikationswissenschaft ist am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim in Forschung und Lehre präsent – im Master-Studiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ werden die Studentinnen und Studenten zu professionellen Fachkommunikatoren, auch in Hinblick auf eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn, ausgebildet.

Fachkommunikation: Internationale und nationale Experten tauschen sich in Hildesheim aus

Regelmäßig kommen Expertinnen und Experten am Institut zusammen, um sich über ihre Disziplin auszutauschen – jüngst während einer Tagung im Frühjahr 2018. Dabei berichten erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Doktorandinnen und Doktoranden – also dem wissenschaftlichen Nachwuchs – aus ihrem Wissenschaftsalltag.  Die Referentinnen und Referenten kommen aus Universitäten und Fachhochschulen national und international. Neben Gästen aus Hildesheim, Hannover, Gießen, Köthen, Duisburg-Essen, Würzburg, Köln, München, Eichstätt-Ingolstadt, Merseburg, Mainz, Berlin, Aalen, Darmstadt, Flensburg, Heidelberg und Dillingen/Saar waren internationale Fachwissenschaftler aus Genf, Rapperswil, Winterthur (Schweiz), Krems (Österreich) und Antwerpen (Belgien) in diesem Jahr in Hildesheim zu Gast.

In seinem Grußwort zur Tagung begrüßte Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich die Zusammenarbeit des Hildesheimer Institutes für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit den einschlägigen Fachhochschulen. Die Kooperation soll in der neu gegründeten Kooperationsstelle Fachkommunikation fortgeführt und die Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den Fachhochschulen ausgebaut werden.

Zur Person: Dr. Franziska Heidrich

Dr. Franziska Heidrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Ihre Lehrtätigkeit umfasst vor allem die Bereiche Technische Redaktion, Fachübersetzen und Verständlichkeitsforschung in den Studiengängen „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ (B.A.) und „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ (M.A.) sowie ab dem Wintersemester 2018/2019 im neuen Master-Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Kommunikationsoptimierung von Fachkommunikation, hier insbesondere im Bereich der Gestalteten Sprache. Gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Schubert hat sie in diesem Jahr die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ gegründet, die vor allem der Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den fachlich einschlägigen Fachhochschulen dienen soll.

[erstveröffentlicht am 09.05.2018]

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news-14434 Fri, 09 Mar 2018 19:30:00 +0100 Neue Technologie erkennt deutsche Hassbotschaften in sozialen Medien https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/neue-technologie-erkennt-deutsche-hassbotschaften-in-sozialen-medien/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Antwerpen und der Universität Hildesheim haben einen Hate Speech-Detektor für Twitter entwickelt. Die Hildesheimer Medienlinguistin Sylvia Jaki und der Antwerpener Sprachtechnologe Tom De Smedt spüren mit dem automatisierten Computerprogramm in Echtzeit hetzerische Wörter und Wortkombinationen in Tweets auf. Die EU setzt große Tech-Unternehmen wie Twitter, Facebook und Google unter Druck, verstärkt gegen Hate Speech im Netz vorzugehen. In Deutschland zwingt das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) die sozialen Medien nun, Inhalte, die als Hate Speech gelten können, innerhalb von 24 Stunden zu entfernen. So wurde beispielsweise jüngst eine AfD-Politikerin zeitweise auf Twitter blockiert. Wie eine neue Studie der Universität Warwick zeigt, besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Hassbotschaften in deutschen sozialen Medien und körperlicher Gewalt gegenüber Flüchtlingen.

Seit 2016 hat Twitter bereits hunderttausende Profile blockiert, die Hass verbreiten und zu Gewalt aufrufen. Allerdings gilt dies hauptsächlich für englischsprachige Profile, während vergleichbare deutsche, französische oder niederländische Tweets häufig unbemerkt bleiben. Jeden Tag werden über 500 Millionen neue Tweets veröffentlicht – ein schwieriges Unterfangen also. Wenn Twitter 10.000 Angestellte hätte, die die neuen Tweets überwachen, müsste jeder von ihnen täglich 50.000 Tweets lesen. Das wären ein bis zwei pro Sekunde, ohne Mittagspause gerechnet.

Im letzten Jahr haben der Sprachtechnologe Tom De Smedt von der Forschergruppe Computerlinguistik der Universität Antwerpen (BE) und die Medienlinguistin Sylvia Jaki vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim (DE) ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, in Echtzeit automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombinationen in Tweets aufzuspüren.

Das neue Computerprogramm ist Teil eines Projekts, in dem die beiden Forscher die politische Kommunikation im Kontext der Bundestagswahl 2017 untersuchen. Um herauszufinden, wie bestimmte Politiker kommunizieren und wie Menschen in den sozialen Medien auf politische Themen reagieren, analysieren sie Polit-Talkshows im deutschen Fernsehen sowie Kommentare in sozialen Medien von Politikern und politischen Parteien bzw. solche über und für sie. „Um ein besseres Verständnis zu gewinnen, wie politisch motivierte Hassbotschaften in den sozialen Medien aussehen, berücksichtigen wir auch nonverbale Elemente wie Bilder oder Emojis – Twitter-Kommentare sind schließlich nicht rein verbal“, sagt Sylvia Jaki.

Die Sprachtechnologen in Antwerpen haben bereits Erfahrung mit der Implementierung von Programmen im Bereich Cyber-Sicherheit, zum Beispiel, wenn es um die Erkennung von dschihadistischen Inhalten geht. „Die Software lernt selbstständig, Hasskommentare aufzuspüren, und kann auch mit der Tatsache umgehen, dass sich die Sprache des Hasses sehr schnell verändert“, so De Smedt. „Wir haben unser Programm bereits getestet: In 80 Prozent der Fälle liegt es richtig. Wir könnten uns gut vorstellen, mit den deutschen Behörden zusammen zu arbeiten, aber wir müssen gleichzeitig auch vorsichtig sein, wie wir als Gesellschaft solche Technologien nutzen. Die EU verfügt über keine rechtsgültige Definition, was genau unter Hate Speech zu verstehen ist.“

Der Algorithmus der beiden Linguisten zeigt, dass sich deutsche Hasskommentare häufig gegen Flüchtlinge aus Afrika (Afrikaner, Nafris), Muslime (Araber, Syrer, Salafisten, Islam Terroristen), Juden (die Juden) und einige andere Bevölkerungsgruppen (Polen und Ungarn, Gebrochen Deutsch Sprechender, Gefährder und Kriminelle, Obdachlosen, Gutmenschen, Linksextremisten, Frauen) richten. Typisch sind Ausdrücke der Gewalt (schlagen, schießen, überfallen, bekämpfen, Widerstand) und Beschimpfungen im Allgemeinen (Scheißdeutschland).

Die beiden Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Publikation ihrer Ergebnisse.

Kontakt zum Forscher aus Antwerpen und zur Forscherin aus Hildesheim:

Tom De Smedt
tom.desmedt@uantwerpen.be
www.uantwerpen.be/en/research-groups/clips/

Sylvia Jaki
jakisy@uni-hildesheim.de
jaki.hosting.uni-hildesheim.de

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 88390100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-8415 Mon, 08 Jan 2018 11:01:00 +0100 Barrierefreie Kommunikation: „Die ganze Theaterbühne ist eine einzige Projektionsfläche“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-die-ganze-theaterbuehne-ist-eine-einzige-projektionsflaeche/ Ein Team um Professorin Nathalie Mälzer entwickelt Übertitel für Theaterstücke. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim produzieren Hildesheimer Studentinnen und Studenten Texte für den Bühnenraum. Derzeit sind sie an der Entstehung der Inszenierung des Stückes „Mädchen wie die“ am Schauspielhaus Hannover beteiligt. Im Januar 2018 ist die Premiere des Theaterstücks für hörbeeinträchtigtes und hörendes Publikum. In Deutschland gibt es zwar einige Theater- und Opernhäuser, die bei fremdsprachlichen Inszenierungen Übertitel in anderen Sprachen anbieten. Oben über der Bühne befindet sich dann oft eine dezente LED-Leiste, über die Texte dargestellt werden. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft findet man so gut wie keine Übertitel für Hörgeschädigte oder Gehörlose, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Die Professorin für Übersetzungswissenschaft entwickelte bereits in der Vergangenheit mit Studentinnen und Studenten und Kooperationspartnern Übertitel für Theaterstücke, die sich an Gehörlose, Schwerhörige und Hörende richten.

Neben Gebärdensprache und Lautsprache kommt auf der Bühne ein drittes kommunikative Element zum Einsatz: Übertitel. Worte werden im gesamten Bühnenraum projiziert. Wenn eine Schauspielerin schreit, platzieren die Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer das Schriftbild im kompletten Bühnenraum in riesigen Großbuchstaben und umschreiben das Gefühl nicht mit der Formulierung „(schreiend)". Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes.

Professorin Nathalie Mälzer untersucht in Rezeptionsstudien, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Inwiefern stoßen die Hildesheimer Übertitelungskonzepte auch bei einem hörenden Publikum aus Jugendlichen und Erwachsenen auf Akzeptanz, verstehen gehörlose Jugendliche und Erwachsene das Theaterstück besser?

Teil des Bühnenbildes: Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus

Die Ergebnisse der Hildesheimer Forschung sind für Theaterhäuser in Deutschland interessant. So entstand auch der Kontakt zum Schauspielhaus Hannover. Das Theaterhaus entwickelt derzeit in Kooperation mit den Hildesheimer Wissenschaftlerinnen die Inszenierung „Mädchen wie die“ (hier geht's zum Trailer). Die Premiere ist am 12. Januar 2018. Regisseurin ist Wera Mahne. Sie ist freie Regisseurin und arbeitet unter anderem mit dem Performancekollektiv „Klub Kirschrot“. Wera Mahne studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Portugal. In das Bühnenbild werden auch Videos des Videokünstlers Declan Hurley eingebunden. Es gehört zum Konzept der Regie und der Videokunst, den gesamten Bühnenraum zu nutzen, um Worte zu projizieren. Die Inszenierung des Stücks wird gefördert durch Cochlear, die Hannoversche Volksbank, die Stiftung Niedersächsischer Volksbanken und Reiffeisenbanken sowie die Hörregion Hannover. Das Übersetzungsprojekt der Uni Hildesheim wird gefördert von der Stiftung Niedersachsen der der Calenberg-Grubenhagensche Landschaft.

Die Übertitel werden auf der Bühne keine Fremdkörper sein. „Die ganze Theaterbühne ist eine einzige Projektionsfläche, wir nutzen die Wörter und den Bühnenraum, die Übertitel haben bei uns nicht bloß die Funktion, dass die Zuschauer den Inhalt verstehen. Wir binden die Übertitel als ästhetische Elemente in den Theaterraum ein“, sagt die Studentin Hannah Schwarz. Sie studiert im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ und gehört zu dem Projektteam, das die Übertitel entwickelt.

Die Studierenden entwickeln derzeit die Texte, dabei müssen sie kürzen und Prioritäten setzen, da nicht der komplette Stücktext Eins zu Eins wiedergegeben werden kann. Sie begleiten im Dezember und Januar die Probenarbeit in Hannover und erstellen die Übertitel für die Aufführungen. Dabei arbeiten sie auch mit dem Videokünstler Declan Hurley zusammen. Während der Vorstellungen werden die Übertitel live auf den Bühnenraum projiziert. Eine Herausforderung: Das Theaterstück „Mädchen wie die“ hat ein hohes Tempo, es handelt von Cybermobbing und die Texte folgen rasant aufeinander, arbeiten mit vielen Wiederholungen und Kraftausdrücken. „Unsere Übertitel werden zu einem theatralen Element des Bühnenbildes, die Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus, unsere Vorgehensweise eignet sich bei diesem Stück besonders gut, da wir mit den Texten zum Beispiel Chatrooms und Cybermobbing darstellen“, sagt Professorin Nathalie Mälzer.

Auch Geräusche und Musik werden als Texte dargestellt

Die Doktorandin Hanna Bock begleitet die Probenarbeit intensiv und untersucht in ihrer Doktorarbeit unter anderem, wie diese Art der Inszenierung und die vermittelte Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Schauspielerinnen die Probenprozesse verändert. Die Doktorarbeit zum Thema „Translatorische und theaterpraktische Aspekte bei der Produktion inklusiver Theaterprojekte“ entsteht derzeit.

Professorin Nathalie Mälzer plant schon die nächste Inszenierung. Gemeinsam mit der Grazer Regisseurin Lina Hölscher möchte die Hildesheimer Wissenschaftlerin Georg Büchners „Woyzeck“ im Jahr 2019 auf die Bühne bringen. Bisher liegen keine Forschungserkenntnisse vor, wie Erstellung von Übertiteln gelingt, wenn bereits existierende Dramentexte inklusiv inszeniert werden.

Kurz erklärt: Was bei der Produktion von Übertiteln beachtet werden muss

Die Hildesheimer Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer richten sich mit ihren Texten an hörende, gehörlose und hörgeschädigte Menschen, sie müssen daher immer die Mehrfachfunktion der Übertitel vor Augen halten. Der Übertitel übersetzt nicht einseitig Lautsprache für hörgeschädigte Menschen, sondern auch Gebärdensprache für hörende Menschen, die nicht gebärden. Außerdem kann der Übertitel auch die Rolle einer Figur übernehmen. Die Übersetzerinnen und Übersetzer müssen sich also zunächst konzeptionell überlegen, wie die schriftliche Dramenvorlage sinnvoll in Lautsprache-Gebärdensprache und Schriftsprache (Übertitel) aufgeteilt werden kann, an welchen Stellen der Übertitel als eigenständige Figur auftritt und wann er als Vermittler zwischen Hörenden und Gehörlosen fungiert. Im Unterschied zu Texten, die durch LED-Leisten laufen, kann der Untertitel überall im Raum und auf die Körper der Schauspielerinnen projiziert werden, Teil von Videoprojektionen werden und ganz unterschiedliche Formen annehmen. Der Übertitel ist spielerisch und kreativ wie Schrift in Comicpanels.

„Wir übersetzen nicht nur interlingual, also ‚von einer Sprache in die andere‘. Wir finden auch Wege, um Geräusche oder Musik in den Übertiteln wiederzugeben“, sagt die Studentin Hannah Schwarz. Es werde auch Momente im Stück geben, in denen gebärdet, aber die Gebärden nicht in Laut- oder Schriftsprache übersetzt werden – jeder, ob hörend, nicht hörend oder schwer hörend, könne in die Situation des „Nicht-Verstehens" kommen, so Schwarz.

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news-1773 Thu, 28 Dec 2017 11:22:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/digitale-lebenswelten-manipulation-und-deutungskampf-in-digitalen-medien/ Was sind sprachliche Indizien dafür, das Desinformation stattfindet? Darum geht es in der Vortragsreihe „Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“ am 9. Januar 2018 an der Uni Hildesheim. Im Interview äußert sich der Hildesheimer Politikwissenschaftler Wolf Schünemann, der die Vortragsreihe mitorganisiert, über die Diskursqualität im Netz und die demokratische Debattenkultur. Der Juniorprofessor für Politik und Internet untersucht mit weiteren Forschungskollegen in einer Studie 2,2 Millionen Online-Kommunikationsdaten aus dem Bundestagswahlkampf. Die Universität Hildesheim lädt interessierte Studierende, Lehrende und Bürgerinnen und Bürger zur Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten“ ein. Die vier Vorträge und Diskussionen stehen in diesem Wintersemester unter dem Motto „Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“.

Im ausgehenden Superwahljahr 2017 beschäftigt sich die Hildesheimer Vortragsreihe noch einmal mit dem Thema Wahlen und Wahlkampf. Nachdem sich die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Manipulationen in der politischen Online-Kommunikation deutlich erhöht hat und eine teils hysterisch wirkende Debatte über Fake News, Bots und Propaganda hervorgebracht hat, werden die wissenschaftlichen Vorträge diesen Phänomenen aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund gehen. Den Auftakt macht am 13. Dezember 2017 der Politikwissenschaftler Sebastian Stier, er befasst sich in seinem Vortrag mit der Frage, wie soziale Medien von Populisten genutzt werden. Die Linguistin Simone Burel zeigt am 9. Januar 2018, wie sich Fake News linguistisch analysieren lassen. Was sind sprachliche Indizien dafür, das Desinformation stattfindet? Wolf Schünemann gibt am 23. Januar 2018 Einblicke in eine aktuelle Studie zur politischen Online-Kommunikation im Bundestagswahlkampf. Die Reihe endet am Mittwoch, 31. Januar 2017, mit einer Bilanz des niedersächsischen Online-Wahlkampfes: An der Podiumsdiskussion nehmen Vertreterinnen und Vertreter aus den niedersächsischen Landesparteien und Medien teil. Wie bedeutend sind sozialen Medien in der politischen Online-Kommunikation? Welche Rolle spielten Fake News und Manipulation im niedersächsischen Landtagswahlkampf 2017?

Alle Vorträge sind öffentlich und kostenfrei. Nach einem 45-minütigen Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion (30 Minuten). „Bürger aus der Stadt sind herzlich eingeladen, mitzudiskutieren. Wir beobachten, dass der Zweifel an positiven Effekten digitaler Kommunikation und sozialer Medien auf den demokratischen Diskurs wächst. Mit unserer Vortragsreihe möchten wir dazu beitragen, dass sich Bürger tiefergehend und faktenbasiert mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Kommunikation, mit Regulierung und Meinungsfreiheit in der liberalen Demokratie auseinandersetzen“, sagt der Hildesheimer Juniorprofessor Wolf Schünemann. Der Politikwissenschaftler vom Institut für Sozialwissenschaften organisiert die Vortragsreihe gemeinsam mit der Sprachwissenschaftlerin Professorin Beatrix Kreß (Institut für Interkulturelle Kommunikation), der Übersetzungswissenschaftlerin Professorin Bettina Kluge (Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation) und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum (Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie).

Programm der öffentlichen Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten – Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“

Mittwoch, 13. Dezember 2017
Sebastian Stier, GESIS Köln
„Was sagt das ‚Volk‘? Populistische Kommunikation in sozialen Medien“
18:15 Uhr, Raum N 006 (Forum)
Hauptcampus der Universität Hildesheim am Universitätsplatz 1

Dienstag, 9. Januar 2018
Simone Burel, Universität Heidelberg
„Like oder Not-like? Linguistische Perspektiven auf Fake News in der digitalisierten Politik“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Dienstag, 23. Januar 2018
Wolf J. Schünemann, Universität Hildesheim
„Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken – ein Forschungsbericht“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Mittwoch, 31. Januar 2018
„Online first oder viel Lärm um nichts? Eine Bilanz des niedersächsischen Online-Wahlkampfs 2017 – Podiumsdiskussion mit Vertreterninnen und Vertretern der niedersächsischen Politik und Medien“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Programm [PDF]

Interview mit Prof. Dr. Wolf Schünemann, Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet

Wird Social Media überschätzt?

Herr Professor Schünemann, Sie untersuchen gemeinsam mit Kollegen aus Göttingen und Heidelberg die politische Online-Kommunikation im Netz und klicken sich durch Kommentare und Online-Diskussionen.

Wolf Schünemann: Wir haben in unserer Studie „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) Online-Kommunikationsdaten aus dem diesjährigen Bundestagswahlkampf gesammelt, vom 1. April 2017 bis zum 24. September 2017. Einen ersten Überblick unserer Ergebnisse haben wir online verfügbar gemacht (www.uni-hildesheim.de/wahlkampfanalyse). Wir wollen mit unseren corpuslinguistischen Verfahren herausfinden: Was passiert im Netz während des Wahlkampfs? Sind die sozialen Medien ein Tummelbecken für unzivilisierte Angriffe? Finden wir in den Daten einen Qualitätsabfall, kommt es zu einer Verschlechterung der politischen Diskursqualität – beobachten wir online mehr Kommunikation, die geprägt ist von Hass und Hetze? Wir analysieren Facebook-Posts. Eine Forschungsfrage ist, wie sehr sich die Anonymität auf das Diskurs-Verhalten auswirkt: Wie anonym bewegen sich die Kommentatoren im Netz? Gibt es einzelne User, die das Gesprächsklima „vergiften“? Im Januar 2018 beginnt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hildesheim, wir haben noch viele Daten zu analysieren. Um eine Vorstellung zu geben: Für die Aktivitäten auf den Facebook-Seiten der aussichtsreichen Bundesparteien und ihrer Spitzenkandidaten haben wir im Zeitraum von einem halben Jahr vor der Bundestagswahl 2,2 Millionen Meldungen und Kommentare gesammelt, die wir automatisiert und in Teilen qualitativ untersuchen wollen.

Mit ihrer Forschung möchten Sie herausfinden: Welchen Beitrag leistet die Internettechnologie zu einer demokratischen Debattenkultur?

Wolf Schünemann: Hervorgegangen ist die „WasN“-Studie aus einer Vorstudie zum Thema Diskursverhalten in der politischen Online-Kommunikation. Wir haben am Beispiel der baden-württembergischen Landtagswahl 2016 konkret die Frage untersucht, ob das Diskursverhalten in Online-Foren sich mit steigendem Anonymitätsgrad verschlechtert oder ob es, so denn eine Verschlechterung online zu beobachten ist, an anderen Faktoren liegt. Die jetzige „WasN“-Studie wird darüber hinaus weitere Fragen beantworten, etwa nach der Existenz von Echokammern oder Anzeichen für Social Bots, also Computerprogrammen, die eine menschliche Identität vortäuschen.

Wie geht es weiter, was untersuchen Sie speziell in den nächsten Monaten?

Wolf Schünemann: Wir werden die Daten quantitativ-automatisiert (etwa nach Worthäufigkeiten, Konkordanzen) sowie qualitativ untersuchen. Neben den natürlichen Daten haben wir auch Daten aus experimenteller Forschung, zu denen uns Hintergründe über die Probanden bekannt sind. So können wir soziale Kommunikationssituationen, wie etwa eine politische Diskussion, beobachten. Diese Daten werden dann auch statistisch ausgewertet. Interessant wird es sein, weiterhin zu beobachten: Wie verhalten sich die Parteien im Netz?

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt: Studie zur politischen Online-Kommunikation

Hinter der Studie „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken – Politische Online-Kommunikation und Diskursverhalten im Kontext des Bundestagswahlkampfs 2017“ (WasN) stecken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim, der Universität Heidelberg und vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. Der Hildesheimer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann leitet die Studie. Das Forschungsprojekt wird von der Abteilung Medienforschung des ZDF sowie von der Universität Hildesheim und vom Göttinger Institut für Demokratieforschung finanziell unterstützt.

Weitere Einzelheiten zur Studie finden Sie online: Studie analysiert Wahlkampf und Erste Analysen nach der Bundestagswahl 2017

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news-14202 Wed, 15 Nov 2017 16:44:51 +0100 Nach dem Erdbeben in Mexiko: „Danke, dass ihr meinem Land helft“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/nach-dem-erdbeben-in-mexiko-danke-dass-ihr-meinem-land-helft/ Mexiko wurde im September von schweren Erdbeben erschüttert. Die Universität Hildesheim arbeitet mit der mexikanischen Universität in Toluca seit 2010 zusammen und unterstützt die Partnerhochschule am Freitag, 17. November, mit einer Benefizveranstaltung. Die Studentin Anastasia Kauz hat das Erdbeben in Mexiko miterlebt. Hier berichtet sie von der Naturkatastrophe und dem Wiederaufbau. Benefizveranstaltung für die Erdbebenopfer in Mexiko

Mexiko wurde im September 2017 von zwei schweren Erdbeben erschüttert, die zahlreiche Todesopfer und erhebliche Sachschäden in mehreren Bundestaaten forderten – auch in der Region der Partneruniversität Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex), nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Die Universität Hildesheim arbeitet mit der Partneruniversität seit 2010 eng zusammen. Mit einer Benefizveranstaltung am Freitag, 17. November 2017 (Programm als PDF) soll der Wiederaufbau in Mexiko unterstützt werden. Die gespendete Summe wird an die Universität UAEMex weitergeleitet, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Studierende der Fakultät für Architektur entwickeln damit Projekte zum Wiederaufbau. Schirmherr der öffentlichen Veranstaltung „Día de Muertos“ ist Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer. María Camacho-Mohr vom Verbindungsbüro der mexikanischen Universität an der Uni Hildesheim wird in einem Impulsvortrag Einblicke in den traditionellen mexikanischen Feiertag „Día de Muertos“ geben, an dem Tag wird den Verstorbenen gedacht. Neben mexikanischen Köstlichkeiten werden die Musiker Manuel Alejandro und Michael Orlovich lateinamerikanische Musik spielen. Außderdem zeigt die Tanzgruppe „Sol México“ traditionelle Tänze Mexikos. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei. Studierende, Lehrende und Bürger, die den Wiederaufbau unterstützen möchten, können sich gerne bei María Camacho-Mohr melden (Telefon 05121 883 92014, E-Mail camachom@uni-hildesheim.de).

Interview mit der Studentin Anastasia Kauz

Anastasia Kauz studiert an der Universität Hildesheim Sozial- und Organisationspädagogik. Derzeit ist sie zum Auslandssemester in Toluca und studiert an der Fakultät für Administration mit dem Schwerpunkt auf "Human Ressources". Die 24-Jährige hat Auslandserfahrungen im Bachelor und im Master gesammelt. Anfang September hat sie erlebt, wie ein Erdbeben Mexiko erschüttert. Gemeinsam mit weiteren Studentinnen hilft die Hildesheimer Studentin beim Wiederaufbau.

Sie studieren derzeit in Mexiko. Wie haben Sie das Erdbeben erlebt? Wie reagiert die Universität?

Anastasia Kauz: Die meisten von uns waren mittags, zu der Uhrzeit als das Erdbeben passierte, Zuhause. Da wir direkt an der Hauptstraße wohnen und man die vorbeifahrenden Busse im Haus merkt und die Vibration spürt, haben wir uns schon beim ersten Erdbeben am 8. September gefragt, was für ein Schwertransporter diesmal vor unserem Fenster fährt. Dieses Mal haben wir etwas schneller verstanden, was da gerade passiert. Wir riefen alle unsere Mitbewohner aus ihren Zimmern und versammelten uns, wie all unsere Nachbarn, mitten auf der Hauptstraße und warteten. Die Universität evakuierte alle Gebäude und entließ ihre Studentinnen und Studenten bis zum Ende der Woche nach Hause. In Toluca direkt ist kein Erdbeben ausgebrochen, im Bundesstaat Chiapas und in der Stadt Puebla (19. September) waren die Epizentren.

Sie studieren fern von zu Hause. Rückt man, obwohl man einander nicht kennt - in so einer Notsituation zusammen?

Anastasia Kauz: Wir, meine Mitbewohner und ich kennen uns nach der kurzen Zeit ganz gut. Und jeder war froh den anderen an diesem Tag zu sehen. Ich wohne mit Studierenden aus Argentinien, Kolumbien, Mexiko, Spanien und Deutschland zusammen. Mit dem Rest des Landes ist man schon näher gerückt. In der Universität war in jeder Veranstaltung das Erdbeben ein Thema und wie wir es überstanden haben. Alle zeigten sich sehr fürsorglich jedem gegenüber. Auch wir, alle meine ausländischen Mitbewohner, bekamen eine andere Verbindung zum Land und wollten helfen, wo wir nur konnten. Einige von uns fuhren nach Mexico-City, um dort direkt zu helfen, andere in umliegende Dörfer, wo es noch keine Rettungskräfte gab. Die Mexikaner bedankten sich für unsere Hilfe mit den Worten: „Danke, dass ihr meinem Land helft.“. Ein ehrlicher und rührender Satz.

Wie geht es nun weiter? Läuft das Semester in Toluca, ist es unterbrochen, wie geht es weiter?

Anastasia Kauz: Seit ein paar Tagen ist alles - zumindest in meiner Fakultät wie beim Alten. Andere Fakultäten hat es schwerer erwischt und sie müssen erst darauf warten, bis die Lehre wieder freigegeben werden konnte.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Der Rektor der Universidad Autónoma del Estado de México äußert sich zur Erdbebenhilfe:

"Due to earthquakes of last September 7 and 19 that struck Mexico, our facilities in the main Rectorate Building and campus nearby Mexico City and Tenancingo City were damaged. I would like to express our appreciation on behalf of the Universidad Autónoma del Estado de México, for the noble gesture and solidarious spirit shown by Anastasia Kauz, Meike Margarete Huppatz, Emma Sofie Pruessner and Alina Krebs, who are our guests at UAEM this term. Amidst these adverse events, the students of Hildesheim made donations in kind and volunteered support of the Mexican Red Cross. This spontaneous action is not only a demonstration of the German people kind nature, but also hard proof of the comprehensive education Stiftung Universität Hildesheim provides students ."
Dr. Alfredo Barrera Baca, Universidad Autónoma del Estado de México

Kurz erklärt: Toluca und Hildesheim

Die Stiftung Universität Hildesheim und die Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) in Toluca kooperieren seit 2010 unter anderem in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen. Bisher haben etwa 50 Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Toluca an dem Austausch teilgenommen. Außerdem beinhaltet die Zusammenarbeit den Austausch von Dozentinnen und Dozenten sowie gemeinsame Veröffentlichungen, so entstand zum Beispiel ein Sammelband zur Fremdsprachenvermittlung.

Es gibt zahlreiche Kooperationsabkommen zwischen deutschen und mexikanischen Hochschuleinrichtungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und der Universidad Autónoma del Estado de México ist allerdings besonders: das Verbindungsbüro der mexikanischen Universität in Hildesheim ist die erste und einzige ständige Vertretung einer mexikanischen Hochschuleinrichtung in Deutschland.

Studierende und Dozentinnen und Dozenten, die Fragen zum internationalen Austausch haben, können das Team des International Office der Universität Hildesheim kontaktieren. Im Wintersemester 2017/18 studieren sechs Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim in Toluca, erstmals sind neben den Sprach- und Übersetzungswissenschaften auch eine Studentin aus der Psychologie und eine Studentin aus dem Bereich Sozial- und Organisationspädagogik in Toluca. Aus Toluca studieren derzeit sechs Studierende in Hildesheim im Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften sowie in Kulturwissenschaften & Ästhetische Kommunikation.
Die Universitäten wollen die Zusammenarbeit in den Bereichen Kulturwissenschaften, Informatik, Pädagogik und Sozial- und Organisationspädagogik sowie Sprachwissenschaft ausbauen.

Wie die Partnerhochschulen aus Toluca und Hildesheim zusammenarbeiten, lesen Sie hier.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Internationales
news-13475 Wed, 21 Jun 2017 09:18:05 +0200 Mentoring-Programm: „Ich bin optimal vorbereitet auf das, was kommt“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/mentoring-programm-ich-bin-optimal-vorbereitet-auf-das-was-kommt/ Bis zum 28. Juni 2017 können sich Studentinnen und Absolventinnen für das Mentoring-Programm bewerben. Über neun Monate werden sie von erfahrenen Mentorinnen und Mentoren begleitet. Im Interview sprechen die Studentin Renée Gauer und ihre Mentorin Suzanne Walter über das Mentoring. Studentinnen und Absolventinnen können sich aktuell für das „ProKarriere-Mentoring“ bewerben. Der Bewerbungsschluss ist der 28. Juni 2017, mehr Informationen finden Sie online. Das Mentoringprogramm richtet sich an Studentinnen aller Fachrichtungen der letzten beiden Semester ihres Bachelor-Studiums, an alle Master-Studentinnen und an Absolventinnen.

Das Programm funktioniert so: Über neun Monate wird eine „Mentee“ (Studentin oder Absolventin) am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn von einer berufserfahrenen Person begleitet und gefördert, sagt Dr. Silvia Lange, Projektleiterin und Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hildesheim. Mentorinnen und Mentoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen geben dabei ihre Erfahrungen weiter. Ergänzt wird die Mentoringbeziehung durch ein an den Bedarfen der Mentees ausgerichtetes Begleitprogramm.

Interview mit Renée Gauer und Suzanne Walter

Renée Gauer, studiert im Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ an der Universität Hildesheim. Die 24-Jährige bereitet technische Themen sprachlich so auf, dass sie verständlich sind und kann diese Fähigkeiten zum Beispiel in der Unternehmenskommunikation und bei der Erstellung von Bedienungsanleitungen und Produktleitfäden anwenden. Renée Gauer ist seit neun Monaten Mentee im Mentoring-Programm.

Suzanne Walter, Mentorin im Programm „ProKarriere-Mentoring“. Sie berät Unternehmen im internationalen Personalwesen und unterstützt Unternehmen bei der Suche nach Fach- und Führungskräften. Suzanne Walter hat Betriebswirtschaft studiert und war für das Personalwesen in Europa für ein Unternehmen mit 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tätig.

Was machen Sie im Rahmen des Programms „ProKarriere-Mentoring“?

Renée Gauer: Wir treffen uns einmal im Monat: Wie läuft das Studium? Wie geht es nach dem Studium weiter? Ich bin jetzt am Ende meines Masterstudiums, die Gespräche mit Frau Walter helfen mir sehr. Mit Hilfe von Frau Walter habe ich meinen Wunschplatz gefunden: In einem großen Industrieunternehmen werde ich einen Kommunikationsplan entwickeln. Das passt gut zu meinem Studium im Bereich Sprache und Technik sowie interne Unternehmenskommunikation.

Suzanne Walter: Ich habe schon einmal an dem Programm als Mentorin teilgenommen. Es ist wichtig, dass beide Seiten mitarbeiten, bei uns war es wie „Liebe auf den ersten Blick“. Ich versuche Renée zu unterstützen, etwa in der Frage, wie eigentlich der Bewerbungsprozess verläuft und wie man mit Absagen und Zusagen umgehen kann. Die Bewerbungstrainings, in die man die jungen Leute schickt, sind so standardisiert. Ich kann meine jahrelangen Erfahrungen im internationalen Personalwesen teilen. Und wenn es darum geht, einen Platz zu finden, drücke ich Renée die Daumen.

Wie erleben Sie das Mentoring-Programm, wozu trägt das Mentoring bei?

Renée Gauer: Wenn ich  mit einer Kommilitonin über die Zeit nach dem Studium spreche, ist das ganz anders als die Gespräche, die wir im Mentoring führen. Frau Walter hat langjährige Erfahrungen und sie ist immer ehrlich und direkt und das hilft mir sehr weiter.

Suzanne Walter: Ich habe eine Verantwortung für Renée. Dass das Mentoring so gut funktioniert, liegt auch an dem Engagement der Studentin, die sehr gut mitarbeitet und sich Zeit für das Mentoring nimmt. Wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis.

Hat sich durch das Mentoring in den letzten Monaten etwas verändert?

Renée Gauer: Die klaren und offenen Gespräche haben mir ungemein weitergeholfen. Im Rahmenprogramm habe ich an vielfältigen Workshops teilnehmen können, zum Beispiel sprachen wir mit Frauen aus Industrieunternehmen über ihren Werdegang. Im Workshop zur Karriere- und Lebensplanung haben wir Mentees über die eigenen Stärken und Schwächen nachgedacht. Während der neun Monate im Mentoring wird man im positiven Sinne dazu gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und sich zu entscheiden: Was will ich machen?

Suzanne Walter: Ich lerne auch viel – die Gespräche mit Renée sind sehr erfrischend. Es ist sehr schön zu erleben, wie aufgeschlossen und zuversichtlich die junge Generation ist. Das gibt mir das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind in die Zukunft. Renée hat meine Adresse und kann mich auch nach Ende des Mentorings erreichen – dann können wir weiter darüber sprechen, wie es weitergeht. Ich hoffe, dass es eine Freundschaft bleibt.

Empfehlen Sie das Mentoring-Programm weiter?

Renée Gauer: Auf jeden Fall! Das Mentoring hat mich weitergebracht. Vor allem empfehle ich das Mentoring Studentinnen, die am Ende ihres Studiums sind. Sie haben die Chance, sich neun Monate intensiv mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Ich schreibe jetzt meine Masterarbeit und habe das Gefühl, optimal vorbereitet zu sein auf das, was kommt.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 4 Studierendenportal
news-13194 Wed, 29 Mar 2017 18:20:00 +0200 Damit wir Maschinen besser verstehen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/damit-wir-maschinen-besser-verstehen/ Wer schreibt eigentlich die Bedienungsanleitungen? Ob Energietechnik, Maschinenelemente oder medizinische Geräte: Die Universität Hildesheim bildet in einem Masterstudiengang Fachleute aus, die Technik präzise und verständlich erklären können. Außerdem unterstützt ein Team um Professor Klaus Schubert und Franziska Heidrich den wissenschaftlichen Nachwuchs. Doktorandinnen und Doktoranden der Fachkommunikation tagen in dieser Woche in Hildesheim. Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

Ein Schwerpunkt am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in Hildesheim liegt in der technischen Kommunikation. Studentinnen und Studenten aus dem Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ schlagen eine Brücke zwischen Maschinen und Menschen und erklären präzise und verständlich die komplexe Technik. In Vorlesungen und Seminaren lernen sie, über Automatisierungstechnik, Mechanik, Energietechnik, Elektrotechnik und technische Werkstoffe sowie Maschinenelemente zu schreiben.

Die Studierenden stellen technische Sachverhalte für Fachleute und Laien dar; sie schreiben und übersetzen in Hildesheim technische Dokumentationen, etwa Bedienungsanleitungen und Warnhinweise. Dabei finden sie Wege, um technische Inhalte nicht in abstrakt-mathematischer Form, sondern möglichst anschaulich zu vermitteln.

Wer schreibt eigentlich die Bedienungsanleitungen?

„Unsere Absolventen bringen sprachliches und technisches Fachwissen mit und dokumentieren zum Beispiel Geräte in der Medizin- und Sicherheitstechnik, IT, Elektrotechnik und im Maschinenbau“, sagt Professor Klaus Schubert. Die Nachfrage nach Fachleuten sei groß. „Jede Woche erhalten wir Stellenangebote aus der Industrie. Unsere Studenten erhalten schon während des Studiums hervorragende Praktikumsmöglichkeiten“, berichtet der Sprachwissenschaftler. Seit 2009 lehrt und forscht Klaus Schubert an der Universität Hildesheim, der Bedarf an professionellen technischen Texten in mehreren Sprachen sei gestiegen. „Übersetzer und Dolmetscher brauchen wir alle. Sie sorgen dafür, dass man das koreanische Handy auf Deutsch bedienen kann, und dass wir die Filme im Kino und im Fernsehen in deutscher Fassung genießen können.“

„Wir machen genau das Gegenteil von literarischen Texten, wir verwenden für jedes Teil das gleiche Wort, arbeiten mit Wortwiederholungen“, sagt Klaus Schubert über die Ausbildung der technischen Redakteure. Die Hildesheimer Studierenden bauen im Studium ihre Sprachkenntnisse aus. Englisch ist verpflichtende Fremdsprache für alle Studierenden, zusätzlich können sie eine weitere Sprache wählen, Französisch oder Spanisch. Alle Unternehmen, die technische Produkte oder Dienstleistungen anbieten, brauchen Fachleute für die technische Dokumentation. Da die Hersteller für Richtigkeit und Verständlichkeit ihrer Texte haften, stellen sie gern sehr gut ausgebildete technische Redakteure und Übersetzer ein, so Schubert.

Auch der Fachwortschatz ist in Industrie und Gewerbe ein ständiges Thema. Vor Kurzem hat eine Hildesheimer Studentin alle Fachwörter rund um die Autotür ausgearbeitet. Wichtig ist, ein zusammenhängendes System von Bezeichnungen für alle mechanischen und elektronischen Teile zu entwickeln. Schließlich soll dasselbe Bauteil in der Konstruktion, der Fertigung, bei den Verkäufern und auch in der Autowerkstatt immer mit demselben Wort benannt werden.

Sinnvoll aufgebaute Anleitungen in mehreren Sprachen

Die Studierenden wählen im Studium Schwerpunkte und können sich zum Beispiel auf die Fachkommunikation im Bereich Energietechnik oder auf das Übersetzen von Fachtexten in französischer und spanischer Sprache spezialisieren; oder sie wenden Methoden und Werkzeuge der Sprachtechnologie an und befassen sich mit Textkorpora, elektronischen Wörterbüchern und maschineller Sprachverarbeitung.

In einer Praxisphase sind die Studierenden „im Feld“ und wenden ihre Kenntnisse an. Eine Studentin hat etwa bei einem Reifenhersteller das Schulungsmaterial erarbeitet, mit dem das Unternehmen neue Mitarbeiter in die Bedienung von Maschinen einarbeitet. Eine andere Studentin hat an der Produktion einer Informationsbroschüre des Bundesfamilienministeriums für Eltern mitgewirkt, in der erklärt wird, wie Mobiltelefone technisch funktionieren und welche Gefahren sie für Kinder bergen.

Eine der Absolventinnen aus dem Masterstudium „Sprachen und Technik“ ist Franziska Heidrich. Die Übersetzungswissenschaftlerin hat nach ihrem Studium an der Universität Hildesheim promoviert und arbeitet nun an ihrer Habilitation. Heidrich möchte in ihrer Forschung verschiedene Sprachformen untersuchen, die bewusst gelenkt werden. „Ich untersuche ‚gestaltete Sprachformen‘. Es geht um Sprache, in die bewusst eingegriffen wird, die verändert wird, damit der Empfänger die Informationen besser aufnehmen kann. Dabei untersuche ich zum Beispiel Texte aus der Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern oder technische Fachtexte, die gezielt so verfasst worden sind, dass der Leser einfach und widerspruchsfrei an die von ihm benötigten Informationen gelangt“, so Franziska Heidrich.

Nachgefragt

„Betrieb, Wartung, Reparatur: Für jede Maschine gibt es eine Anleitung“

Professor Klaus Schubert forscht an der Universität Hildesheim im Bereich Kommunikationsoptimierung und befasst sich mit der Frage, was einen guten Fachtext ausmacht. Dahinter steckt das bewusste Eingreifen in Sprache, um die Kommunikation zu verbessern. Zur Bedeutung von Fachtexten und Bedienungsanleitungen in unserem Alltag sagt Klaus Schubert:

„Wer ein Auto kauft, bekommt auch eine kleine Broschüre, in der erklärt und in Bildern gezeigt wird, wie alles funktioniert. Diese Betriebsanleitung haben technische Redakteure geschrieben und technische Fachübersetzer übersetzt. Diese beiden Berufe gehören zur Fachkommunikation. Eine kleine Broschüre für ein Automodell, das eine Million Mal verkauft wird – das kann ja nicht viel Arbeit sein. Oder doch?

Das Auto muss auch mal in die Werkstatt. Da wartet ein elektronisches Diagnosegerät, das die Betriebsdaten und Fehlermeldungen der Bordelektronik ausliest und den Kraftfahrzeugtechnikern anzeigt. Außer der Betriebsanleitung braucht man also auch noch eine detaillierte Dokumentation der Diagnoseelektronik im Auto, dann eine Betriebsanleitung für das Diagnosegerät in der Werkstatt und schließlich eine Wartungs- und Reparaturanleitung für die Techniker. Wieder viel Arbeit für die Fachkommunikation.

Irgendwann ist das Auto ja auch gebaut worden. Eine Autofabrik besteht heutzutage aus einer Reihe automatisierter Fertigungsstraßen. Diese Aneinanderreihungen hochkomplexer, computergesteuerter Werkzeugmaschinen funktionieren auch nicht, ohne dass es für jede einzelne Maschine eine Betriebsanleitung, eine Installationsanleitung, eine Wartungsanleitung und eine Reparaturanleitung gibt. Noch mehr Arbeit für die Fachkommunikation.

Natürlich kaufen wir nur Autos höchster Qualität, die allen Sicherheits- und Umweltanforderungen genügen. Daher wird jedes einzelne Metallteil, jedes elektronische Bauteil und jeder Gummireifen des Autos einer Qualitätsprüfung unterzogen. Diese Qualitätsprüfungen laufen weitgehend automatisiert. Wieder gibt es Maschinen und Software und wieder Dokumentation, die von technischen Redakteuren und technischen Fachübersetzern erarbeitet werden.

Die Universität Hildesheim bietet mit ihrem Masterstudiengang ‚Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik‘ eine Studienmöglichkeit an, deren Absolventen praktisch eine Arbeitsplatzgarantie haben. Die allermeisten Studierenden wählen sich aus mehreren Stellenangeboten eines aus, ehe sie ihr Zeugnis von der Uni in der Hand halten.

Die Fachkommunikation ist ein Schnittbereich aus den vier Wissensgebieten Technik, Sprache, Kommunikationsmedien und Arbeitsprozessorganisation. Um die Studierenden auf 40 oder 45 Jahre Berufspraxis vorbereiten zu können, muss die Universität Hildesheim in der Fachkommunikation wissenschaftlich tätig sein und durch ihre Forschungsarbeit neue Entwicklungen vorbereiten.“

Wissenschaftlicher Nachwuchs tagt in Hildesheim

Die Tagung „Fachkommunikation – die wissenschaftliche Sicht“ [Programm als PDF] führt am 31. März 2017 Doktorandinnen und Doktoranden der Universität Hildesheim mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus nah und fern zusammen. Ziel ist es, für die jungen Wissenschaftler der Fachkommunikation fachliche Kontakte, eine berufliche Vernetzung und Denkanstöße für die eigene Arbeit zu schaffen.

Die Teilnehmerzahl der Tagung ist auf 40 begrenzt. Die Zuhörer kommen aus den Universitäten und Hochschulen in Hannover, Wolfenbüttel, Gießen, Flensburg, Berlin, Essen, Köln, Magdeburg, Merseburg, Würzburg und aus dem belgischen Antwerpen. Auch Teilnehmer aus Unternehmen sind dabei. Die vortragenden Professorinnen und Professoren kommen von den Universitäten Graz und Krems (beides Österreich) und der Hochschule Hannover.

Die Doktoranden der Fachkommunikation promovieren oft neben einer Berufstätigkeit im Unternehmen oder an einer Hochschule. Die in Hildesheim vortragenden Doktoranden kommen von der Volkswagen AG, der Universität Genf (Schweiz), der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (Schweiz), der Hochschule Flensburg und der Universität Hildesheim. Linda Hujer, Doktorandin an der Universität Hildesheim, untersucht am Beispiel von Volkswagen die „Kommunikative Effizienz von Text und Bild: eine empirische Untersuchung von Werkstattinformationen“. Swenja Schum, Doktorandin an der Universität Hildesheim, befasst sich in ihrer Forschung mit dem Thema „Barrierefreiheit als Herausforderung in der Fachtextübersetzung“.

Kurz erklärt: Übersetzungswissenschaft in Hildesheim

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation bildet weitere Übersetzungsprofis aus: Im Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ lernen Studentinnen und Studenten die Grundlagen des Übersetzens und der internationalen Kommunikation. Nach einem Studienjahr geht der gesamte Jahrgang für ein Semester ins Ausland – etwa nach Mexiko, Spanien, Frankreich, Indien oder in die Türkei. Im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ spezialisieren sich Studentinnen und Studenten auf Textarbeit in den Medien. Sie untertiteln Filme, übertiteln Theaterstücke und übersetzen Nachrichten und Rechtstexte in Leichte Sprache.

Hildesheimer Studentinnen und Studenten sind übrigens auch bei einem der größten Übersetzungsdienste der Welt tätig: bei der EU-Kommission in Brüssel. Hier tragen sie dazu bei, dass Papiere, Vorlagen und Beschlüsse in 24 Sprachen übersetzt werden. Absolventen des Master-Studiengangs „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ arbeiten weltweit als Fachübersetzer, technische Redakteure und Experten für mehrsprachige Fachkommunikation für Industrieunternehmen oder für Dokumentations- und Übersetzungsdienstleister.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA SuT
news-13065 Wed, 01 Mar 2017 11:44:00 +0100 Übersetzen: „Humor, Ironie und Wortspiele sind für eine Maschine extrem schwierig“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/uebersetzen-humor-ironie-und-wortspiele-sind-fuer-eine-maschine-extrem-schwierig/ „Blockbuster, Bedienungsanleitungen, Beipackzettel, und selbst die Etiketten auf Nudelpackungen – wir sind umgeben von Übersetzungen“, sagt Professorin Bettina Kluge. An der Universität Hildesheim bildet sie den Übersetzernachwuchs im Studiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ aus. Zum Studium gehört ein verbindlicher Auslandsaufenthalt. Eine Bewerbung um einen Studienplatz ist bis zum 15. März 2017 möglich. Studienbeginn ist im April 2017. Jetzt bewerben: „Internationale Kommunikation und Übersetzen“

Kaum war Sinazo Saul auf dem Uni-Campus angekommen, plante sie schon wieder ihre Abfahrt. Wer in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert, geht bereits nach einem Jahr ins Ausland. „Kaum ist man da, ist man schon wieder weg“, lacht Sinazo Saul. Nach einem Semester an der Universität Bogotá in Kolumbien ist die Studentin nun zurück in Hildesheim.

„Wenn Studierende aus dem Ausland zurückkommen, dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Professorin Bettina Kluge. Die Übersetzungswissenschaftlerin bildet an der Universität Hildesheim Fachleute aus, die zum Beispiel Texte, Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher sowie Bedienungsanleitungen übersetzen. Im ersten Studienjahr stehen die Grundlagen auf dem Programm, etwa die beiden Vorlesungen „Einführung in die Sprachwissenschaft“ und „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“ sowie erste sprachpraktische Übungen und Methoden des Übersetzens.

„Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland. Die Studentinnen und Studenten bekommen ein Gefühl für die Sprache und erweitern ihren Wortschatz im Alltag enorm. Die im Ausland erbrachten Studienleistungen werden anerkannt.“ Die Universität Hildesheim kooperiert dabei mit Partnerhochschulen in Spanien (etwa Alicante, Madrid, Murcia und Barcelona), in Frankreich (etwa Paris, Clermont-Ferrand und Tours) sowie in Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien und Mexiko. Es gibt Ausnahmeregelungen, wenn ein Auslandsaufenthalt nur schwer möglich ist, etwa wenn Studierende schwer krank sind, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen müssen.

Im dritten Studienjahr folgen sprachpraktische Seminare und Spezialisierungen etwa in „Fachübersetzen“ (technische Übersetzungen: Wie übersetzt man Handbücher für Maschinen?), „Unternehmenskommunikation“ oder „Sprache und Medien“. Die Studentin Sinazo Saul spezialisiert sich auf den Bereich „Community Interpreting“ – das klingt etwas technisch, ist aber mitten aus dem Leben. „Das Seminar ist mein Highlight. Wir beschäftigen uns mit der Frage, welche Rolle Übersetzungen im Alltag spielen, etwa bei Arztbesuchen. Übersetzerinnen, die hier geschult sind, können dazu beitragen, dass ein Kind nicht Diagnosen für den Vater übersetzen muss, der die deutsche Sprache noch nicht sprechen kann“, sagt die 23-Jährige. Seit zweieinhalb Jahren studiert die Hamburgerin auf dem Bühler-Campus in Hildesheim. „Die Kombination im Studium ist gut – nicht so eintönig, ich studiere in den Nebenfächern Politik- und Medienwissenschaft. Das Studium in Hildesheim habe ich eher zufällig entdeckt. Eigentlich wollte ich nach Heidelberg – aber mit dem Semesterticket kann ich schnell nach Hamburg flitzen, wo meine Familie lebt“, sagt Sinazo Saul. Ihr Interesse an Sprachen prägt ihr Leben: Sie ist mehrsprachig aufgewachsen, hat sich in der Oberstufe für ein Sprachenprofil entschieden – Englisch, Spanisch und Französisch. Mit einer ihrer Übersetzungen ist Sinazo Saul bereits erfolgreich: Die Studentin hat ein Kinderbuch ihres Onkels übersetzt. „Der kleine Stern“ heißt nun „Little star“.

Auch für Pia Roser war die Freude an Sprachen entscheidend für ihre Studienwahl. Sie studiert im fünften Semester „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ mit den Fächern Englisch und Spanisch. „Das Auslandssemester in Toluca in Mexiko konnte ich nutzen, um wirklich ein halbes Jahr Erfahrungen zu sammeln. Ich lerne, wie ich mit Sprache kompakt formulieren und gut Informationen übermitteln kann, hebe mein sprachliches Niveau, vermeide unnötige Wölkchen. Es geht darum, knackig zu formulieren und trotzdem mit Sprache zu spielen und die Nuancen auszuschöpfen“, sagt Pia Roser. Bei einer guten Übersetzung kommt es darauf an, „alle Informationen in angepasster Form weiterzugeben und auf den Punkt zu bringen“. Sie hat zum Beispiel für ein kleines mittelständisches Unternehmen übersetzt – Frachtkosten, Warengut und Lieferbedingungen. „Auch kleine Unternehmen sind in den Weltmarkt eingebunden und auf Übersetzungen angewiesen – sie brauchen Mitarbeiter, die ein ausgeprägtes Sprachgefühl haben“, sagt Bettina Kluge.

Ob sie Sorge hat, dass ihre Arbeit eines Tages von Maschinen übernommen wird? „Wenn ich eine Bedienungsanleitung übersetze, übersetze ich nicht bloß eins-zu-eins, ich muss auch wissen, was technisch passiert. Dieses Wissen bringe ich als Übersetzerin mit. Maschinen können viel, sie können aber nicht den Menschen ersetzen. Gerade Literatur lebt von menschlichen Eindrücken. Es würde viel verloren gehen an sprachlicher Varietät und Bandbreite“, sagt Sinazo Saul. „Humor, Ironie und Wortspiele sind für eine Maschine extrem schwierig.“

Auch Themen aus der Zeitgeschichte stehen auf dem Seminarplan: Im Seminar „Linguistic analysis of the 2016 U.S. election“ beschäftigten sich die Studentinnen mit dem US-Wahlkampf und seiner Darstellung in den deutschen Medien, mit Wortspielen und Metaphern („Das Trumpeltier“), mit Übersetzungen von Tweets, mit Reden im Originalton, deren Übersetzung als Untertitel mitläuft, und mit rhetorischen Mitteln im Wahlkampf.

Studentinnen und Studenten, die in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert haben, sind heute zum Beispiel beim WDR als Untertitlerin und als technische Redakteurin bei der Volkswagen AG tätig oder haben sich als Übersetzerinnen selbständig gemacht. Andere spezialisieren sich in den Masterstudiengängen „Medientext und Medienübersetzung“ oder „Sprache und Technik“.

„Internationale Kommunikation und Übersetzen“ in Hildesheim studieren

Der Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ richtet sich an Studieninteressierte, die neben der Begeisterung für Sprachen, Texte und verschiedene Kulturen auch ein Interesse für neue Technologien und Medien mitbringen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Grundlagen des professionellen Übersetzens. Die Studentinnen und Studenten beschäftigen sich in drei Jahren mit Texten unterschiedlicher Sprachen. Neben der Grundsprache Deutsch wählen sie zwei weitere Sprachen – Englisch, Französisch oder Spanisch. Eine Bewerbung ist bis zum 15. März 2017 möglich. Das Studium beginnt im April 2017. Wer Fragen zum Studium hat, kann sich an Prof. Dr. Bettina Kluge, Direktorin des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim wenden (E-Mail klugeb@uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Studierendenportal BA IKÜ
news-12547 Wed, 18 Jan 2017 14:01:00 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung und Service https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-und-service/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper, die Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und den Psychologen Ryan Hackländer sowie den Systemadministrator Florian Störig für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und im Wissenschaftsmanagement aus. Die Preise sind mit jeweils 3000 Euro dotiert. Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

Preis für hervorragende Forschung: Prof. Dr. Irene Pieper

Die Universität Hildesheim zeichnet Professorin Irene Pieper für ihre hervorragende Forschung aus. Seit 2007 forscht und lehrt Irene Pieper als Professorin für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik am Institut für deutsche Sprache und Literatur. Die Professorin befasst sich zum Beispiel mit der Lesesozialisation von Schülern und Schülerinnen aller Schulformen und dem Spannungsverhältnis zwischen fachlichem Wissen und literarischem Verstehen. Eines ihrer derzeitigen Projekte, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, widmet sich dem literarischen Verstehen im Umgang mit Metaphorik.

Was reizt Jugendliche am Lesen? Welche Rolle spielt das Lesen im Spektrum ihrer Mediennutzung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Irene Pieper in einer aktuellen Studie. Die Literaturwissenschaftlerin untersucht, welchen Platz Literatur im Deutschunterricht und in der Freizeit einnimmt. Die Beschäftigung mit Literatur, ihr Stellenwert im Deutschunterricht sowie die Orientierungen der Lehrerinnen und Lehrer stehen selten im Zentrum der Forschung. Bisher ist wenig untersucht, welche Erfahrungen die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Literatur in der Schule machen, inwiefern Jugendliche mit ihren persönlichen Leseinteressen das Unterrichtshandeln der Lehrkräfte beeinflussen und umgekehrt. „Unterrichtsnahe Forschung zu diesem Bereich fehlt im deutschsprachigen Raum weitgehend, obwohl er für die Entwicklung von Lesemotivation und Lesekompetenz eine zentrale Rolle spielt", sagt Professorin Pieper. In dem Forschungsprojekt, das vom Land Niedersachsen im Rahmen von „Pro Niedersachsen“ gefördert wird, kombiniert die Professorin qualitative und quantitative Zugänge. So werden in den kommenden Monaten Lehrerinnen und Lehrer von etwa 60 achten Klassen aus den Schulformen Gymnasium, Real-, Haupt- und Gesamtschule sowie deren etwa 1200 Schülerinnen und Schüler befragt.

„Frau Pieper ist wissenschaftlich ausgesprochen vernetzt. So hat sie bereits ein europäisches Projekt zum Thema ‚Literary Framework for Teachers in Secondary Education‘ durchgeführt und ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende der ‚International Association for Research in L1 Education (languages, literatures, literacies)‘, ARLE, die ihren Sitz in Hildesheim hat“, sagt Vizepräsidentin Prof. Dr. Renate Soellner in ihrer Laudatio. Seit 2011 leitet Irene Pieper das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Seit 2012 ist sie Mitherausgeberin der wichtigsten Zeitschrift der Deutschdidaktik, „Didaktik Deutsch“. „Neben der Forschung engagiert sie sich auch für das Erlernen von Schreibkompetenzen bei Studienanfängerinnen und Studienanfängern. Sie gründete 2008 und leitet bis heute das Lese- und Schreibzentrum. Aktuell arbeitet sie an der Entwicklung einer elektronischen Plattform für die Einübung in wissenschaftliches Lesen und Schreiben“, hebt Renate Soellner hervor. „Ich freue mich sehr über dieses Zeichen der Anerkennung“, so Irene Pieper. Sie wolle „interdisziplinäre Forschungsräume weiter ausbauen“.

Preis für hervorragende Lehre: Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und Psychologe Ryan Hackländer

Ein Rekord – 85 Vorschläge für den Preis für hervorragende Lehre gingen bei der Universität ein. „Nach dem grandiosen Erfolg der Maßnahmen, die unser Qualitätsmanager Torsten Bergt vor einem Jahr vorgeschlagen und umgesetzt hatte, um mehr Studierende zu bewegen, ihre Lehrenden für den Preis für hervorragende Lehre zu nominieren, konnte die Zahl der Anträge noch einmal deutlich gesteigert werden“, freut sich Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander. Eine Jury – bestehend aus der Studiendekanin des Fachbereichs 1, dem Studiendekan des Fachbereichs 2 und zwei Studierendenvertretern der Fachbereiche 3 und 4 – hat entschieden, den Preis an zwei Lehrende zu vergeben: Der  Preis geht an Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sowie Ryan Hackländer vom Institut für Psychologie.

Isabel Rink wird für ihre hervorragende Lehre im praxisnahen Seminar „Kommunikation und Orientierung von Menschen mit Sinnesbehinderungen“ ausgezeichnet. Die Übersetzungswissenschaftlerin hat Studierende an die Regeln der Leichten Sprache herangeführt – und begeistert. Vizepräsident Sander würdigt ihr „außergewöhnliches Engagement auf einem Gebiet höchster gesellschaftlicher Relevanz“. Die Studierenden haben theoretische Regeln in der Praxis angewendet, Übersetzungen wurden vom NDR veröffentlicht. Die Arbeit mit dem NDR habe den Studierenden „die realen Bedingungen des Übersetzungsmarktes nahe gebracht“.

Isabel Rink studierte „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ in Hildesheim und an der Universidad de Murcia/Spanien. Nach dem Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Sie ist Geschäftsführerin der Forschungsstelle Leichte Sprache und koordiniert gleichzeitig das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Isabel Rink hat eine Reihe von Publikationen zum Thema Leichte Sprache – etwa ihre Masterarbeit „Nachteilsausgleich im Bereich Hörschädigung: Zur Übersetzung von Mathematikarbeiten in Leichte Sprache“ – veröffentlicht und promoviert bei Prof. Dr. Christiane Maaß zum Thema „Barrierefreie Rechtskommunikation. Zur Übersetzung juristischer Inhalte in Leichte Sprache am Beispiel des Pilotprojekts ‚Leichte Sprache in der Niedersächsischen Justiz‘“.

Seit zweieinhalb Jahren lehrt Ryan Hackländer als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Uni Hildesheim. Zuvor lebte der US-Amerikaner in Kentucky, wo er als Doktorand am Department of Cognitive and Brain Sciences der University of Louisville promovierte. Für seine Hildesheimer Lehrveranstaltungen „Psychology of Olfaction” und „Projektband Allgemeine Psychologie: The Efficacy of Podcasts as Supplemental Learning Material” wird er nun ausgezeichnet. In Hildesheim bietet Ryan Hackländer für Masterstudierende im Lehramt ein Projektband mit Experimenten zum Gedächtnis an. Er hält seine Lehrveranstaltungen in englischer Sprache.

„Sehr abwechslungsreich, praxisorientiert, spielerisch lernend – Ryan Hackländer ist einfach ein sehr engagierter Dozent, der motiviert, montags früh um 8 Uhr in die Uni zu fahren“, sagen die Studentinnen Katharina Klabunde und Amira Sultan über ihren Dozenten. Er rege zu „kreativem und kritischem Denken“ an und verwende eine Bandbreite an Lehr- und Prüfungsmethoden. Ryan Hackländer sagt, er wolle in seinen Seminaren Studentinnen und Studenten ermutigen, Fragen zu stellen. Er selber profitiere in seiner Forschung sehr von den Diskussionen mit den Studierenden. „Die Studentinnen und Studenten bringen sich mit neuen Ideen ein, sind engagiert.“

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Systemadministrator Florian Störig

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, „die sich in ganz besonderem Maße für unsere Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

Der diesjährige Preisträger ist Florian Störig. Als Mitarbeiter im Rechenzentrum ist er für die Datenverarbeitung im Bereich der Uni-Verwaltung zuständig. „Für Ihr herausragendes Engagement, Ihre Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit gepaart mit Ihrer guten Laune möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken“, so Vizepräsident Kreysing in seiner Laudatio. „Seit unserem ersten Zusammentreffen habe ich Herrn Störig immer als kompetenten und lösungsorientierten Mitarbeiter erlebt, der sich mit seiner Aufgabe und unserer Universität über die Maßen identifiziert", ergänzt Matthias Kreysing.

Florian Störig sagt, die Arbeit in der Universität bereite ihm große Freude. Besonders bedankt er sich für die gute Zusammenarbeit bei dem Leiter des Rechenzentrums Dr. Dietmar Fox. Florian Störig hat 2002 seine Ausbildung zum Fachinformatiker mit dem Schwerpunkt Systemintegration im Rechenzentrum der Universität Hildesheim begonnen und diese 2005 erfolgreich abgeschlossen. Seitdem ist er als Mitarbeiter in der Uni-Verwaltung tätig. Darüber hinaus hat er sich von 2006 bis 2015 als Schwerbehindertenvertreter der Universität Hildesheim sowie vier Jahre im Uni-Personalrat engagiert.

Neujahrsempfang

Die Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen wurden im Rahmen des diesjährigen Neujahrsempfangs verliehen.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich warb während des Neujahrsempfangs der Universität Hildesheim für ein gutes Miteinander. „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“, zitierte er Humboldt. „Man kann mit Sorge in die Zukunft blicken. Die Meinungsfreiheit bedeutet aber nicht, dass rassistische Parolen verbreitet werden dürfen.“ Friedrich hob hervor, dass das Grundgesetz die Grundlage für den Alltag und den Umgang miteinander bildet. Er verweist auf das Leitbild der Universität.

499 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 227 Personen in der Verwaltung, in der Bibliothek und in der Technik sind derzeit an der Stiftungsuniversität tätig. 7930 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim. Die Universität werde in den kommenden Monaten ihre Entwicklungsplanung fortschreiben. „Im Zentrum unserer Arbeit steht die Wissenschaft – Forschung und Lehre. Wie können wir die Universität als forschende und lehrende Einrichtung voranbringen? Aus diesen Fragen ergeben sich Konsequenzen für das Studium“, so Friedrich. „Wir können nicht weiter wachsen, was die Anzahl der Studierenden betrifft. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen mehr Zeit für ihre Forschung und auch für Beratung und Betreuung von Studierenden. Allerdings sollten wir unser Studienangebot weiter entwickeln. Wir haben die Erziehungswissenschaften und Psychologie gestärkt. Ich freue mich sehr, dass in der Informatik u.a. mit Data Analytics die Entwicklung weiter sehr dynamisch verläuft.“

Universitätspräsident Friedrich zeigte sich sehr erfreut, dass erneut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Rufe an andere Universitäten abgelehnt und sich für den Universitätsstandort Hildesheim entschieden haben. So habe Vera Volkmann, seit 2012 als Juniorprofessorin am Institut für Sportwissenschaft tätig, einen Ruf nach Kiel abgelehnt und tritt nun eine Professur für Sportwissenschaft in Hildesheim an.

Erstmals hat die Universität Hildesheim einen Seniorprofessor: Wolfgang Christian Schneider lehrt in der Philosophie und Bildenden Kunst im Bereich der Geistes- und Kulturgeschichte. Das Wissen, welches er über jahrelange Forschung angesammelt hat, möchte er teilen. „Alle Dinge sind miteinander verflochten“, sagt Schneider. Wenn er in einem Kunst-Seminar über den italienischen Bildhauer Michelangelo spricht, taucht auch die Lyrik auf. Er befasst sich mit den Fragen, wie Menschen dichten, malen, Architektur entwerfen. Er trage gerne den Titel „Seniorprofessor“ und sieht diesen als Ergänzung zu den bestehenden Juniorprofessuren. „Ich möchte Erfahrungen zurückgeben“, sagt Schneider. „Ich freue mich auf meine kommenden Lehrveranstaltungen in Hildesheim, wir beschäftigen uns mit Naturphilosophie.“

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news-12827 Tue, 03 Jan 2017 17:03:00 +0100 Es war einmal: Märchen in Leichter Sprache https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/es-war-einmal-maerchen-in-leichter-sprache/ Von „Frau Holle“ bis zu den „Bremer Stadtmusikanten“: Ein Team um Professorin Christiane Maaß übersetzt Märchen in Leichte Sprache. „Wir haben gehörlose Kinder kennengelernt, die zehn Jahre alt sind und kaum Märchen kennen“, berichtet Maaß. Märchen in vereinfachter Form existieren bisher kaum. Die Medienlinguistinnen der Universität Hildesheim arbeiten daher mit dem NDR zusammen. Die Märchen sind ab sofort online kostenfrei abrufbar. Professorin Christiane Maaß von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim hat mit ihrem Team und in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk Märchen in Leichter Sprache produziert. Die Märchen sind ab sofort online beim NDR abrufbar – von „Rapunzel“ und „Frau Holle“ über „Der Wolf und die sieben Geißlein“ bis zu den „Bremer Stadtmusikanten“.

Die Texte wurden von Studentinnen und Studenten des Studiengangs  „Medientext und Medienübersetzen“ in den Kursen „Orientierung – Menschen mit Sinnesbehinderungen“ und „Barrierefreie Internetnutzung“ angefertigt. Auch die Zeichnungen sind überwiegend von den Studierenden. Isabel Rink von der Forschungsstelle Leichte Sprache hat die Märchen überarbeitet und sie sind ab sofort auch in Gebärdensprache mit Untertiteln in Leichter Sprache abrufbar. Viel Wert haben die Übersetzerinnen auf eine schöne Stimmqualität der Sprecher gelegt.

Als einzige Universität in Deutschland hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten ebenso umgesetzt werden wie praktische Projekte. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium wurden zum Beispiel juristische Texte, etwa das Erbrecht, übersetzt. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, so Maaß.

Nachgefragt bei Professorin Christiane Maaß und Isabel Rink

Warum übersetzen Sie Märchen – von „Frau Holle“ bis „Hänsel und Gretel“?

Christiane Maaß: Wir übersetzen alle Arten von Texten und haben eigentlich einen Fokus auf fachlichen Texten, insbesondere juristischen. Hier gibt es inzwischen rechtliche Vorgaben und damit eine Handlungsnotwendigkeit. Uns ist es jedoch ein Anliegen, alle Formen von Schriftlichkeit für Leserinnen und Leser mit Einschränkungen zu öffnen. Märchen sind ein wichtiges Kulturgut. Sie sind sprachlich nicht leicht, aber alle Kinder – auch Kinder mit Behinderungen oder Kinder, die gerade erst Deutsch lernen – sollten möglichst direkt Zugang erhalten. Wir haben gehörlose Kinder kennengelernt, die zehn Jahre alt sind und kaum Märchen kennen, weil es sie nicht in für sie zugänglicher Form gab. Es war uns ein Anliegen, Märchen für alle barrierefrei zu machen. Darum auch die Umsetzung in Leichter Sprache, in Gebärdensprache, mit Vorlesefunktion und mit Untertiteln: Jede und jeder soll Zugang erhalten.

Was ist schwierig beim Übersetzen der Märchen? Ist es immer eindeutig klar, wie man einfache Worte für den komplexen Märchentext finden kann?

Isabel Rink: Nein – es war tatsächlich mühevoll bei den Märchen den richtigen „Ton" zu treffen, denn gerade dieser macht die Textsorte ja so besonders. Eine Herausforderung ist der Umgang mit den für Märchen so typischen Verkleinerungsformen, zum Beispiel „Häuschen", „Vögelchen" oder „Hemdlein" – diese sind nicht trivial und müssen erklärt werden [hier kann man das Märchen „Hänsel und Gretel“ in Leichter Sprache lesen]. Wir haben uns in der Übersetzung von Hänsel und Gretel für diese Variante entschieden:

Dann kommen Hänsel und Gretel zu einem Häuschen.
Ein Häuschen ist ein kleines Haus.
Das Häuschen ist mitten im Wald.
Das Häuschen ist aus Brot.
Und Zucker.

Wie verändert sich der Originaltext in Ihren Märchen-Übersetzungen?

Isabel Rink: Bei „Hänsel und Gretel“ kommt erschwerend hinzu, dass das Märchen einen typischen Reim enthält:

„Knusper, knusper, Knäuschen,
wer knuspert an meinem Häuschen?"

Zuallererst wollten wir das „Häuschen" zu einem „Haus" machen, aber dann hätte der so charakteristische Reim nicht mehr adäquat übersetzt werden können (Knusper, knusper, Knaus, wer knuspert an meinem Haus?). Das Märchen hätte seinen Charme verloren. Also mussten wir nach alternativen Lösungen suchen…

Für welche Übersetzung haben Sie sich dann entschieden?

Isabel Rink: Die Lösung sieht wie folgt aus:

Hänsel und Gretel essen ein Stück vom Häuschen.
Plötzlich hören Hänsel und Gretel eine Stimme.
Die Stimme kommt aus dem Häuschen:
Knusper knusper Knäuschen.
Wer knuspert an meinem Häuschen?

Wie geht es nun weiter in der Forschungsstelle Leichte Sprache – Sie übersetzen mit ihrem Team Texte aus der Justiz (etwa Erbrecht), Märchen, Nachrichten – und nun? Welche Textform wäre noch reizvoll und wichtig? Etwa: ein Mietvertrag, Musiktexte, Theatertexte, Kant, Goethe und Dostojewski?

Christiane Maaß: Im Moment steht eine wichtige Aufgabe für uns im Vordergrund: Ab 1. Januar 2018 besteht nach dem Behindertengleichstellungsgesetz ein gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Rechtstexte in Leichter Sprache. Diese Texte liegen noch nicht vor und es gibt nur wenige Übersetzer in Deutschland, die diese Aufgabe übernehmen können. Rechtstexte sind schwer und die Übersetzungen müssen ja korrekt und dabei trotzdem sprachlich ganz leicht werden. Das ist eine sehr schwere Aufgabe. Wir möchten zur Professionalisierung der Leichte-Sprache-Übersetzer im Bereich der fachlichen Übersetzung beitragen. Hierfür arbeiten wir eng mit den großen deutschen Übersetzerverbänden (ADÜ, BDÜ) zusammen. Wir konnten sie überzeugen, sich für Leichte Sprache zu öffnen und uns zu unterstützen. Wir möchten, dass viele Leichte-Sprache-Übersetzer in die Lage versetzt werden, Fachtexte angemessen in Leichte Sprache umzusetzen, damit das Projekt „Rechtstexte in Leichter Sprache" gelingen kann.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache

Wer sich für Leichte Sprache interessiert, kann Prof. Dr. Christiane Maaß (christiane.maass@uni-hildesheim.de) und Isabel Rink (rinkis@uni-hildesheim.de) kontaktieren. Weitere Informationen findet man auf der Internetseite der Uni-Forschungsstelle sowie auf der Internetseite des NDR.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-12818 Thu, 29 Dec 2016 13:39:00 +0100 Internet und Politik: Soziale Medien im Wahlkampf https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/internet-und-politik-soziale-medien-im-wahlkampf/ Welche Rolle spielen soziale Medien im amerikanischen und deutschen Wahlkampf? Die Nutzung von Twitter, Facebook und Co wird auch die Bundestagswahl beeinflussen, sagen Politikwissenschaftler. Die Universität Hildesheim lädt am 10. Januar 2017 zur Debatte ein. Am Dienstag, 10. Januar 2017, spricht Professor Christoph Bieber an der Universität in Hildesheim über den amerikanischen und deutschen Wahlkampf. Dabei geht der Politikwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen auf die Rolle sozialer Medien ein und fragt, ob der deutsche Wahlkampf anders sein wird als der amerikanische. Die USA haben einen Wahlkampf von noch nie dagewesener Schärfe erlebt. Professor Bieber ist Experte für soziale Medien in Wahlkämpfen und befasst sich zudem mit der Zeit „Nach Obama“ (das gleichnamige Buch erscheint im Frühjahr 2017). Der Vortrag ist Teil der Reihe „Digitale Lebenswelten" an der Universität Hildesheim.

„Die Nutzung sozialer Medien wird auch den deutschen Wahlkampf beeinflussen. Sehr wahrscheinlich aber in vielerlei Hinsicht anders als in den USA“, sagt Professorin Marianne Kneuer. „Welche Rolle etwa Twitter bei dem Bundestagswahlkampf spielen wird und ob populistische Tendenzen verstärkt werden, sind zwei Aspekte, die wir im Blick behalten müssen“, so die Politikwissenschaftlerin. Marianne Kneuer hat an der Universität in Hildesheim die Arbeitsgruppe Internet und Politik aufgebaut. Wolf Schünemann, seit Herbst 2016 neuer Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internet und Politik in Hildesheim, untersucht in den kommenden Monaten das Diskursverhalten in sozialen Netzwerken, etwa im anstehenden Bundestagswahlkampf und im Landtagswahlkampf in Niedersachsen.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Professorin Marianne Kneuer organisiert die Vorlesungsreihe gemeinsam mit den Sprachwissenschaftlerinnen Prof. Bettina Kluge und Prof. Beatrix Kreß und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum. Die Wissenschaftler laden interessierte Bürger herzlich in die Universität ein, um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren. Alle Vorträge sind öffentlich und kostenfrei. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Der Vortrag von Professor Christoph Bieber beginnt am 10. Januar 2017 um 18:15 Uhr am Uni-Hauptcampus am Universitätsplatz 1 (Forum, Raum N007). Die Reihe endet am 31. Januar 2017 mit einem Vortrag der Hamburger Informationswissenschaftlerin Professorin Frauke Schade über Erfolgsfaktoren von Marktführern auf dem digitalen Informationsmarkt. Auf dem digitalen Informationsmarkt entwickeln sich in einem rasanten Tempo neue Geschäftsmodelle und Vertriebsstrategien für Öffentlichkeiten, die nach neuen Regeln spielen.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-12654 Fri, 04 Nov 2016 10:09:00 +0100 Wettstreit in der Wissenschaft: Science Slam in der Uni https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/wettstreit-in-der-wissenschaft-science-slam-in-der-uni/ Auf der Bühne geben vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" Einblicke in ihre Forschung. Wie sie sich auf den Uni-Wettstreit vorbereiten? Nachgefragt bei der Theaterwissenschaftlerin Annemarie Matzke, dem Soziologen Michael Corsten, dem Chemiedidaktiker Jürgen Menthe und der Sprachwissenschaftlerin Bettina Kluge. An der Universität Hildesheim treten am Dienstag, 8. November 2016, vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" [PDF] gegeneinander an. Michael Corsten, Annemarie Matzke, Bettina Kluge und Jürgen Menthe vertreten die vier Fächer Soziologie, Theaterwissenschaft, Sprachwissenschaft sowie Chemiedidaktik. Auf der Bühne geben sie Einblicke in ihre Forschung. Mit Worten, Requisiten oder auch Live-Experimenten soll das Publikum über die Arbeit und Denkweisen in den vier Wissenschaftsdisziplinen informiert werden – am Ende entscheidet das Publikum über den besten Vortrag. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Science Slam beginnt um 18:00 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim und dauert etwa zwei Stunden. Der Eintritt ist frei.

Über 600 Studierende, Lehrende und Hildesheimer Bürger verfolgten den ersten Wissenschaftswettstreit an der Hildesheimer Universität. Nun, zwei Jahre später, hoffen die Veranstalter um Vizepräsident Professor Martin Schreiner erneut auf großen Zuspruch.  „Der zweite Hildesheimer Science Slam lässt erneut viermal die Eule der Minerva mit weichen Boxhandschuhen in den Ring steigen und allgemeinverständlich sowie unterhaltsam Wissenschaft erleben", sagt Schreiner.

Den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern: Stipendium stiften

Wer die künftige Generation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen möchte, kann schon im Studium junge Leute fördern – mit dem Deutschlandstipendium. Wer die Studierenden auf ihrem Weg in die Wissenschaft unterstützen möchte, kann sich an Prof. Dr. Martin Schreiner (Vizepräsident für Stiftungsentwicklung, martin.schreiner@uni-hildesheim.de, 05121.883-11102) und Markus F. Langer von der Universitätsförderung wenden (markus.langer@uni-hildesheim.de, 05121.883-90130).

Science Slam – Wie bereiten Sie sich vor?

Die Spannung steigt, der Wissenschaftswettstreit steht kurz bevor. Isa Lange hat nachgefragt bei den vier Science Slammern:

  • Worum geht es in Ihrem Vortrag?
  • Vor welcher Herausforderung stehen Sie – der Science Slam ist ja sprachlich ein anderes Format als die übliche Vorlesung...
  • Nutzen Sie in Ihrem Vortrag nur Sprache – oder auch Requisiten, Experimente und Hilfsmittel?

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, weshalb die Soziologie (mein Fachgebiet) davon lebt, sich auf Distanz zur Gesellschaft zu halten, ihr in bestimmter Weise fremd zu bleiben.

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Vor allem sind es nur zehn Minuten Zeit, die ich habe –  das ist ganz schön knapp. Ich hoffe, dass es mir gelingt, dem Publikum einen aus meiner Sicht ganz zentralen Satz der Soziologie auf unterhaltsame Weise nahe zu bringen.

  • Ich weiß noch nicht so recht, ob ich nur Sprache, oder auch Requisiten/Hilfsmittel im Vortrag nutze. Am liebsten würde ich es allein dem Wort überlassen. Aber vielleicht sollte doch der eine oder andere Satz über Power-Point an die Wand geworfen werden. Ich lasse mich da noch überraschen.

Theaterwissenschaftlerin Prof. Dr. Annemarie Matzke:

  • In meinem Vortrag wird es um den Theaterzuschauer gehen und darum wie auf der Bühne und im Zuschauerraum Emotionen entstehen. Dabei wird es nicht nur um das Feld der Theaterwissenschaft gehen, sondern ich untersuche auch Phänomene der Populären Kultur, der Bildenden Kunst und aus unserem Alltag.

  • Der Science Slam ist eigentlich eine Vorlesung in kondensierter Form: Auch dort geht es darum die Studierenden für ein Thema zu begeistern und das geht oft am besten auch über Humor. Da allerdings nicht 90 Minuten sondern nur 10 Minuten zur Verfügung stehen, gilt es, schnell zum Punkt zu kommen.

  • Neben Bildern und Text wird es wahrscheinlich auch Musik geben, in der Hoffnung echte Emotionen hervorzubringen.

Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, dass auch „kleinere“ Wortarten wie etwa Pronomen spannend sein können. Daher der Arbeitstitel: „Wer (b)ist du?“  Denn wenn man genauer hinhört, merkt man, dass „du“ (oder „Sie“) nicht nur für die Anrede verwendet werden...

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Mein Hauptproblem ist, dass ich in meiner Forschung vorwiegend zum Spanischen und Französischen arbeite und nicht davon ausgehen kann, dass diese Sprachen von allen Zuschauerinnen und Zuschauern verstanden werden. Die Beispiele, die ich gerne besprechen möchte, müssen daher eher aus dem Deutschen oder Englischen sein (und sogar hier: geht Englisch?).

  • In meinem Vortrag verwende ich auch eine Powerpoint-Präsentation, insbesondere für die Analyse von Gesprächsausschnitten. Aber ich zeige – wenn die Zeit dafür reicht, das ist noch nicht ganz klar – auch Internet-Memes zum Thema (und ja, es SIND süße Kätzchen auf den Bildern...).

Chemiedidaktiker Prof. Dr. Jürgen Menthe:

  • In meinem Vortrag erläutere ich leuchtende Beispiele chemiedidaktischer Inhalte („Let there be light“).

  • Die Herausforderung, beim Science Slam in der Universität anzutreten, ähnelt der, vor der Lehrkräfte der Chemie jeden Morgen stehen, wenn sie in der Schule einem skeptischen Publikum komplexe Sachverhalte spannend und verständlich näher zu bringen versuchen.

  • Ob ich Hilfsmittel verwende? Ich kombiniere Experimente, Sprache und Musik. Tanzen sollen aber vornehmlich die Moleküle...

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news-12616 Sun, 30 Oct 2016 14:35:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Soziale Medien im Wahlkampf https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/digitale-lebenswelten-soziale-medien-im-wahlkampf/ Wie kommunizieren Politikerinnen und Politiker über Twitter? Anhand des US-Wahlkampfs analysiert Patricia Yazigi die politische Kommunikation in sozialen Medien. In der Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten" geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in den Wahlkampf via Internet, sprechen über das Schreiben im Netz und Mehrsprachigkeit im digitalen Europa. Die Vorträge mit Diskussion sind öffentlich. Wie kommunizieren Politikerinnen und Politiker über Twitter? Patricia Yazigi befasst sich mit politischer Kommunikation in sozialen Medien. Sie analysiert in ihrem Vortrag in der Reihe „Digitale Lebenswelten" [Programm als PDF] an der Universität Hildesheim den US-Wahlkampf via Internet. Yazigi hat an der Universität in Hildesheim promoviert und in ihrer Dissertation den US-Wahlkampf 2012 auf dem Online-Netzwerk Twitter untersucht. Die Wissenschaftlerin hat die Profile von Barack Obama und Mitt Romney verglichen und sich angesehen, wie die beiden Kandidaten sich sprachlich auf 140 Zeichen positionieren mit dem Ziel, sich selbst möglichst positiv darzustellen und den politischen Gegner nach Möglichkeit gleichzeitig abzuwerten. Politikerinnen und Politiker kommunizieren im Wahlkampf nicht als Privatpersonen, sondern treten in bestimmten Rollen auf, die zum Wahlkampf passen. Inzwischen arbeitet die Hildesheimer Absolventin bei Volkswagen in Wolfsburg.

„Das Thema könnte aktueller kaum sein, wir stehen kurz vor der US-Präsidentschaftswahl. Patricia Yazigi wird auch den derzeitigen Wahlkampf ansprechen, immerhin bezeichnet die New York Times den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump als 'Titan of Twitter'“, sagt Professorin Bettina Kluge, die die Vorlesungsreihe gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, der Sprachwissenschaftlerin Professorin Beatrix Kreß und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum organisiert. „Wir laden interessierte Bürger herzlich in die Universität ein, um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen“, so Kluge.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Organisiert wird die Vorlesungsreihe von den Instituten für Sozialwissenschaften, Interkulturelle Kommunikation, Informationswissenschaft und Sprachtechnologie sowie dem Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Interessierte sind herzlich eingeladen. Alle Vorträge sind kostenfrei. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Der öffentliche Vortrag von Patricia Yazigi zum Thema „Facework, die sozialen Medien und der US-Wahlkampf“ beginnt am Dienstag, 1. November 2016, um 18:15 Uhr in der Aula am Bühler-Campus.

Die weiteren Vorträge der Reihe finden ab 15. November am Uni-Hauptcampus am Universitätsplatz (Neubau Raum N007) statt. Am 15. November 2016 spricht Georg Rehm vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz aus Berlin über „Mehrsprachigkeit für das digitale Europa“. Die Berliner Sprachwissenschaftlerin Anja Overbeck befasst sich am 29. November 2016 mit dem virtuellen Sprechen und digitalem Schreiben in sozialen Medien. Orientieren wir uns beim Schreiben im Netz eher an mündlichen oder an schriftlichen Vorbildern? Von welchen Faktoren ist dies abhängig (zum Beispiel Freizeitchat vs. Pressemitteilung). Professor Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen spricht am 10. Januar 2017 über soziale Medien im Wahlkampf. Dabei geht der Politikwissenschaftler der Frage nach, warum der deutsche Wahlkampf anders verläuft als der amerikanische. Abschließend referiert am 31. Januar 2017 die Hamburger Informationswissenschaftlerin Professorin Frauke Schade über Erfolgsfaktoren von Marktführern auf dem digitalen Informationsmarkt.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-12581 Tue, 18 Oct 2016 16:55:00 +0200 International: Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/international-preis-des-deutschen-akademischen-austauschdienstes/ Zahra Reyhani Monfared erhält den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende Studierende. Die Übersetzungswissenschaftlerin promoviert an der Universität Hildesheim. Wenn es in die Welt hinausgeht – oder von Indien, Simbabwe, Mexiko nach Hildesheim hinein –, dann ist man beim Team um Marit Breede gut aufgehoben. Das International Office berät Studierende bei der Planung von Auslandsaufenthalten, etwa beim Go-Out-Tag am 30. November 2016. Zum Wintersemester starten 8126 Studentinnen und Studenten in den Studienalltag. Darunter sind über 2400 Erstsemester, die ihr Bachelorstudium und Masterstudium an der Universität Hildesheim aufnehmen. Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich hat im Rahmen einer Feierstunde zum Semesterstart, der Immatrikulationsfeier, die Studienanfängerinnen und Studienanfänger begrüßt und auf das Leitbild der Universität hingewiesen:

Die Stiftung Universität Hildesheim verwirklicht ihr Leitbild als europäische Universität im Respekt vor der freiheitlich-demokratischen Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und in der besonderen Verantwortung des Landes Niedersachsen. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie von Menschen unterschiedlicher sozialer, ethnischer und religiöser Herkunft. Sie respektiert die Vielfalt des Einwanderungslandes und fördert die Integration. [...] Unser Land ist seit Jahrzehnten auch durch Immigration geprägt. Wir wollen konsequent dazu beitragen, die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien weiter zu entwickeln, um ihre Integration zu fördern. Gleichzeitig erkennen wir ihre vielfältigen Erfahrungen an.“

Im Wintersemester beginnen über 230 internationale Studierende ein Studium an der Universität Hildesheim. Darunter sind 127 Vollzeitstudierende. Die Herkunftsländer der meisten „Vollzeitstudierenden“ sind: Türkei, Griechenland, Russland, Italien, Schweiz und Ukraine. Die 195 Austauschstudierenden kommen aus 21 Ländern, und zwar aus: Belgien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kolumbien, Kroatien, Mexiko, Polen, Russische Föderation, Spanien, Südkorea, Türkei, Ungarn und USA. Insgesamt haben sich 531 Studierende aus 76 Herkunftsländern für ein Auslandssemester in Hildesheim entschieden.

Zahra Reyhani Monfared, seit einem halben Jahr Promotionsstudentin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim, erhält den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende ausländische Studierende. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

„Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die diese Auszeichnung des DAAD mir eröffnet“, sagt Monfared. Nach dem Bachelor- und Masterstudium in Iran promoviert Zahra Reyhani Monfared bei Professorin Nathalie Mälzer. An der Schnittstelle zwischen Übersetzungswissenschaft und Kulturwissenschaft untersucht die Promovendin den Umgang mit kulturellen Elementen in literarischen Übersetzungen, die auch Ausdruck der Position ihrer jeweiligen Urheber sind und damit eine gesellschaftlich-politische Dimension haben. Der Arbeitstitel lautet: „Deterritorialization and Acculturation through Translation Practices as a result of Globalization“. An einer Theorie über den „dritten Raum“ zwischen zwei Kulturen – welcher entstehen kann, wenn Übersetzerinnen und Übersetzer Texte in der Diaspora schreiben – zu arbeiten, sei vielversprechend und könne zu einer „Ausdifferenzierung und Konkretisierung auf textueller Ebene“ beitragen, so Professorin Mälzer. Sie hebt die „durchweg überzeugende, methodisch und theoretisch fundierte Forschung und den realistischen Zeitplan“ ihrer Promovendin hervor.

Monfared bedankt sich „ganz besonders bei Professorin Mälzer für ihre durchgehende Unterstützung während meiner Zeit an der Universität Hildesheim“ und dass die Universität „enthusiastische Studenten unterstützt, die leidenschaftlich für ihre akademische Ausbildung arbeiten“. Neben der sehr guten fachlichen Qualifikation zeichnet sich Zahra Reyhani Monfared durch gesellschaftliches Engagement aus, so hat sie über fünf Jahre in einem Waisenhaus Kinder in der englischen Sprache unterrichtet sowie ältere Frauen beim Sprachenlernen begleitet.

Wenn es in die Welt hinausgeht – oder von Indien, Simbabwe, Mexiko nach Hildesheim hinein –, dann ist man beim Team um Marit Breede gut aufgehoben. „Nutzen Sie die Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten für Auslandsaufenthalte, die Ihnen als Studentin oder Student der Universität Hildesheim offen stehen“, sagt Marit Breede, die mit dem Team vom International Office Studierende bei der Planung und Finanzierung von Auslandsaufenthalten berät. Studierende können sich während der Sprechstunden und Infoveranstaltungen wie dem Go-Out-Tag am 30. November 2016 über Auslandsaufenthalte informieren.

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news-12508 Wed, 12 Oct 2016 14:51:00 +0200 Gebärdensprache lernen: Geschichten erzählen mit dem Körper https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/gebaerdensprache-lernen-geschichten-erzaehlen-mit-dem-koerper/ Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. In den Sprachkursen sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 13. Oktober 2016 anmelden. Marieke Einheuser lernt Sprachen. Nach Spanisch und Englisch arbeitet sich die 29-Jährige in den nächsten 12 Monaten in die Grammatik der Gebärdensprache ein. Das ist möglich, da Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen können. Marieke Einheuser, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und auf barrierefreie Kommunikation spezialisiert, nimmt ab November ein Jahr lang an dem Sprachkurs teil, eine wichtige Erfahrung, hofft sie. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen. „Ich möchte die Grundlagen der Gebärdensprache erlernen, um mit Gehörlosen ohne große Hemmungen kommunizieren zu können. Man erwartet immer, dass jemand, der nicht hören kann, sich durch die Schriftsprache wurschtelt oder von den Lippen abliest", sagt Marieke Einheuser. Sie möchte sich den Nuancen der Sprache annähern und „genau hingucken".

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt Professorin Christiane Maaß. Es gibt erstmals fünf Kurse, darunter vier Anfängerkurse, an denen Studierende ohne Vorkenntnisse teilnehmen können, sowie einen Aufbaukurs. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Sprachen oder Inklusion zu tun haben, sagt die Medienlinguistin. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft an der Universität installieren." Nachdem in den Vorjahren die Anfragen weit über den vorhandenen Kursplätzen lagen (auf 15 Plätze kamen über 110 Einschreibwünsche), bietet die Universität nun erstmals fünf Kurse parallel an: 64 Plätze für Einsteiger und 16 Plätze im Aufbaukurs.

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular in Form von Gebärden", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist, woher man kommt und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache; sie lernen zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten und Idiome kennen, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können.

Bisher nahmen unter anderem Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen", „Erziehungswissenschaften“ sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die Medienstudierenden ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Aber auch Studierende aller anderen Studiengänge und Fachrichtungen  können teilnehmen.

Jetzt anmelden: Gebärdensprache erlernen

Der Kurs geht über zwei Semester (DGS1 + DGS2) und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 13. Oktober 2016, es sind noch Plätze frei. Wer an einem der Kurse teilnehmen möchte, kann sich über das übliche Anmeldeverfahren des LSF anmelden. Das Startdatum der Kurse wird den Teilnehmern nach Anmeldeschluss mitgeteilt. Für Fragen steht Marieke Einheuser (einheuse@uni-hildesheim.de) zur Verfügung, die die Kurse koordiniert. Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.  Studierende können sich an die jeweilige Fachstudienberatung wenden, um die Anerkennungsmodalitäten zu besprechen.

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news-11803 Fri, 06 May 2016 21:38:00 +0200 Untertitel im Film: „Gesprochene Sprache ist viel schneller“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/untertitel-im-film-gesprochene-sprache-ist-viel-schneller/ Was macht ihr denn da? Ein Nachmittag im Medientextlabor der Uni: Die Studentinnen Priska Mere und Laura Keiser untertiteln einen Film. Wie das geht, erzählen sie im Interview. Ein Nachmittag am Sprachen-Campus. Ein gelber Strich zeigt einen Schnitt an. Ein blauer Text-Balken endet unmittelbar nach einem gelben Strich. Der Untertitel ist einfach noch zu kurz.

„Wir wollen nicht unmittelbar nach einem Schnitt mit einem Untertitel rausgehen“, sagt Hansjörg Bittner und zeigt auf einen Computer. „Deshalb machen wir das Ganze noch ein bisschen länger, wir müssen die Ausblendzeit des Untertitels neu einrichten“. Der Übersetzungswissenschaftler steht im Medientextlabor der Universität Hildesheim zwischen Computern und Kopfhörern und berät Studierende bei der Produktion von Untertiteln. An diesem Vormittag ist eine Studierendengruppe aus Indonesien angereist – um das Untertiteln von Filmen zu lernen. Sie lernen im Tandem, jeweils mit einer Hildesheimer Studentin. Isa Lange traf zwei Studentinnen, die gemeinsam einen Film untertiteln.

Nachgefragt bei…

… Priska Mere, 21, studiert in Yogyakarta, Indonesien, Deutsch als Fremdsprache, lernt die Filmuntertitelung in Hildesheim

… Laura Keiser, 21, studiert Übersetzen mit den Sprachen Englisch und Spanisch an der Universität Hildesheim

Was macht ihr gerade?

Priska: Wir produzieren eine Untertitelung für einen Film. Ich lerne das gerade in Hildesheim, ich finde es super, etwas Neues zu lernen. Der Film ist in englischer Sprache.

Laura: Der Film heißt „Last letter home“. Eine Ehefrau schreibt sich Briefe mit ihrem Mann, der im Krieg ist. Wir übersetzen jetzt gerade einen Abschnitt des Films auf Deutsch und produzieren Untertitel, etwa: „Ich warte auf dich mit offenen Armen und ich werde mich um dich kümmern.“

Was ist eine Herausforderung beim Produzieren von Untertiteln? Hat man als Übersetzerin zu wenig Platz? Schließlich müsst ihr gesprochene Sprache in Schrift umsetzen – und der Film läuft ja weiter.

Laura: Das Problem ist: Die gesprochene Sprache ist viel schneller als die geschriebene Sprache. So habe ich meist ein Platzproblem. Ich muss die Untertitel also möglichst kurz halten, damit der Leser den Text in einer gewissen Geschwindigkeit noch lesen kann.

Priska: Genau, das ist schwierig. Ich muss aufpassen auf die Zeit. Der Untertitel darf nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein.

Laura: Eine andere Schwierigkeit: Manche Leute, die zum Beispiel einen englischsprachigen Film anschauen, haben nur Grundkenntnisse in Englisch und schalten daher deutsche Untertitel an. Dann erwarten sie natürlich, dass die Untertitel möglichst genau und nah an der Ausgangssprache übersetzt sind.

Welche Rolle spielen Untertitel im indonesischen Fernsehen und Film?

Priska: Ich habe gehört, dass in Deutschland viele Filme synchronisiert werden. Bei uns in Indonesien gibt es auch Filme, die synchronisiert werden, aber das ist eher selten, vor allem weil es viel Geld kostet. Ich schaue Filme in der Originalsprache und lese die englischen oder indonesischen Untertitel, um den Film zu verstehen. Es gibt bei uns auch Kinoabende, in einer Art „Kino-Café“ können wir so Deutsch lernen: Wir schauen gemeinsam deutschsprachige Filme, zum Beispiel „Das Labyrinth des Schweigens“. Es gibt so viele tolle Filme. Die meisten der deutschen Filme sind mit englischen Untertiteln verfügbar.

Du bist an der Universität Hildesheim, um das untertiteln zu lernen?

Priska: Meine Studienreise wird vom DAAD unterstützt. Wir beschäftigen uns mit der Untertitelung und Medientexten. Ich mag das Thema sehr. Ich denke gerade: Ich möchte hier in Hildesheim auch studieren! Ich finde das cool, hier zu arbeiten. Ich bin jetzt im Bachelorstudium.

Hast du die deutsche Sprache auch mit Filmen gelernt?

Priska: Ich lerne gerne Sprachen. Ich lerne durch Filme, durch Musik und Youtube-Videos. Für mich funktioniert Sprache nur, wenn ich höre und spreche. Nur lesen reicht nicht aus. Deshalb ist so eine Studienreise gut, ich treffe viele Menschen.

In Deutschland werden viele Filme synchronisiert. Dann fällt eine Sprache weg, die Originalsprache ist dann aus dem Film verschwunden. Weshalb lernst du das Untertiteln im Medientextlabor in Hildesheim?

Laura: Mir macht das Untertiteln einfach Freude, ich übersetze gerne. Ich glaube, es kann Menschen helfen, eine Sprache zu erlernen, wenn sie Filme in der Originalsprache mit Untertiteln anschauen. Die Sprache in Untertiteln ist besonders, auch die Sprache in Hörfilmen ist sehr dicht.

Wie geht es für dich nun weiter?

Laura: Ich habe im letzten Jahr im Ausland studiert, im spanischen Cordoba. Erst habe ich nur aus Spaß einige Dolmetsch-Kurse besucht, ich möchte mich in dem Bereich spezialisieren.

Das klingt interessant, vielleicht dolmetschst du einmal die Rede der Bundeskanzlerin.

Laura (lacht): Oh ja, das wäre toll – ob ich das so weit schaffe?

Die Fragen stellte Isa Lange.

Info: Austausch mit Universität in Indonesien

Haben einen Studierendenaustausch organisiert: Sri Megawati (Yogyakarta) und Hansjörg Bittner (Hildesheim). Foto Isa Lange/Uni Hildesheim

Hansjörg Bittner bildet an der Universität Hildesheim Fachleute für Untertitelung aus. Deutschland sei ein „typisches Synchronisationsland“, die skandinavischen Länder hingegen nutzen weit mehr Untertitel. In Indonesien hat Bittner Vorträge zur Untertitelung gehalten und Kontakte zu indonesischen Kollegen aufgebaut. In seiner Habilitation befasst sich Bittner mit Übersetzungsqualität. „Eine Übersetzungslösung ist nur so gut wie die Argumente, die sich für sie ins Feld führen lassen“, sagt der Übersetzungswissenschaftler.

„Wir lernen die deutsche Sprache auch mit Musik, mit Literaturverfilmungen. Medien sind eine Chance. Dann aber sind persönliche Begegnungen und Gespräche wichtig, deshalb führt uns die Studienreise nach Hildesheim“, sagt die indonesische Dozentin Sri Megawati, die im Wintersemester 2015/16 mit 15 Studierenden nach Deutschland gereist ist.

In Hildesheim ist Indonesisch zwar kein Sprachenschwerpunkt. Aber: „Wir wollen weiterhin mit Kollegen aus dem Ausland zusammenarbeiten, um Erkenntnisse aus der Übersetzungswissenschaft auszutauschen“, so Bittner. Studierende aus Hildesheim gehen für Auslandssemester vor allem nach Spanien, Frankreich und in englischsprachige Länder.

Kurz erklärt: Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medientexte zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Kurz erklärt : Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme aus anderen Sprachen, üben sich im Synchronisieren, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. In Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk und dem  Bayrischen Rundfunk erstellen Studentinnen und Studenten zum Beispiel Audioeinführungen für Hörfilme oder untertiteln Filme.

Kurz erklärt: Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim

Prof. Nathalie Mälzer entwickelt mit Studierenden Hörfilme und Übertitel für das Theater. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim liegt ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Die Universität bildet im Medientextlabor Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation" aus.

An der Universität Hildesheim wurde die bundesweit erste Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Die Medienlinguistinnen bereiten an der Uni Fachtexte und Formulare von Behörden verständlich auf. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium werden zum Beispiel Rechtstexte übersetzt.

„Untertitel und leichte Sprache sind auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11510 Sun, 20 Mar 2016 14:30:00 +0100 Audiodeskription: Hören statt Sehen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/audiodeskription-hoeren-statt-sehen/ Studentinnen und Studenten entwickeln im Medientextlabor der Universität Hildesheim barrierefreie Internetseiten und Übertitel für die Theaterbühne. Und sie produzieren Hörfilme – dabei arbeiten sie mit dem NDR zusammen. Erstmals wagen sich die Studierenden an einen Vampirfilm. Danach möchte das Team um Professorin Nathalie Mälzer auch Tierdokumentationen übersetzen. „Wir erstellen Hörfilme“, sagt Christine Seggelke. Die 25-jährige Studentin spezialisiert sich an der Universität in Hildesheim auf barrierefreie Kommunikation. Sie transportiert die Bildebene eines Films – Mimik, Gestik, Raum – auf eine sprachliche Ebene. „So gut das eben möglich ist.“

Die Studentin gehört zu einem Team, das in den letzten Monaten im Medientextlabor der Universität Hildesheim eine Audiodeskription und Audioeinführung zu dem preisgekrönten Spielfilm „A girl walks home alone at night“ für den NDR produziert hat. Der Film der iranisch-amerikanischen Regisseurin Ana Lily Amirpour handelt von einer Vampirin. „Der langsame Schwarz-Weiß-Film, in dem die Figuren kaum miteinander reden, sondern die suggestiven Bilder die Geschichte erzählen, birgt ganz eigene Herausforderungen für die Audiodeskription“, sagt Nathalie Mälzer. Die Juniorprofessorin erarbeitet mit Studierenden in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk Filme, die man hören kann.

Diesmal haben sie sich einen Horrorfilm vorgenommen. Wie entsteht ein Hörfilm? Zunächst schauen sich die Studierenden den Film mehrfach an, lassen die Bilder auf sich wirken, auch ohne Ton. „Der Film spielt in einer fiktiven iranischen Stadt, die sehr einsam und verlassen wirkt. Es gibt eine Szene, in der ein junger Mann in einem alten Ford durch die Gegend fährt. Und im Hintergrund rauschen Pumpen, Strommasten, trockenes Gebüsch vorbei. Das was ich sehe, beschreibe ich“, erzählt Christine Seggelke.

Manchmal, sagt die Studentin, sei es „schwierig eine Auswahl zu treffen“. Eine Szene spielt zum Beispiel in einer luxuriösen Wohnung. Wie schafft man es, den Raumeindruck in wenige Worte zu fassen? Eine Wasserpfeife und ein Kristallkerzenleuchter stehen auf einem polierten Tisch, ein Kamin ist aus, Bilder hängen an den Wänden. „Als wir die Szene im Seminar angeschaut haben, hat jeder etwas anderes als wichtig eingeschätzt.“ Mit den Worten muss sie sparsam umgehen. Sie könne keine Abhandlung über 40 Seiten schreiben. „Die Zeit ist begrenzt, der Film läuft weiter. Es geht zwangsläufig etwas verloren“, sagt Seggelke. Es sind nicht nur die Dialoge, auf die sie achten muss, um „in die Lücken etwas reinzuschreiben“. Wenn Musik beginnt, lässt sie den Anfang oft frei stehen, ohne Worte. Dann gibt es Szenen, in denen kaum etwas geschieht und gesagt wird: „Das Blickverhalten der Figuren untereinander und die fehlenden Blickkontakte sind aber sehr wichtig, um die Figuren zu verstehen. Als Sehender nimmt man das einfach nebenbei wahr. Aber wenn man dies in Worte fast, wirkt das komisch.“ Sie wolle mit ihren Worten „eine Geschichte erzählen“ und dabei die Ästhetik des Films bewahren.

Der Vampirfilm sei sehr besonders, ergänzt die Studentin Anna Pristouschek. „Er ist etwas philosophisch, abstrakt, hat wenige Dialoge.“ Geräusche sind in der Audiodeskription auch ein wichtiges Signal: „Wenn eine Autotür zuknallt und der Motor anspringt, dann muss ich dies nicht mehr in Worte fassen“, sagt Anna Pristouschek, die zuvor in Kiel studiert hat und für das Masterstudium nach Hildesheim gezogen ist.

Mit der Audiobeschreibung stoßen die Medienübersetzerinnen im Horrorgenre manchmal an Grenzen. Man habe manchmal kaum die Zeit, die Spannung und Überraschung einzufangen, sagt Nathalie Mälzer. „Dann arbeiten wir mit kurzen Sätzen. Was gut funktioniert sind ruhige Szenen, in denen wir eine Erwartungsangst aufbauen können. Manche Gruseleffekte und Schockmomente können wir mit Worten auffangen und prägnante Beschreibungen finden, um zu suggerieren wie eklig oder unangenehm etwas aussieht – andere nicht, da stoßen wir an Grenzen. Wir haben Rückmeldungen von blinden Audiodeskripteuren erhalten, die von dem Ergebnis sehr beeindruckt sind“, sagt Professorin Nathalie Mälzer. „Wir verwenden in der Audiodeskription kein filmtechnisches Vokabular,  sprechen nicht von Kameraeinstellungen, möchten aber sagen, was mit dem Bild eigentlich ist und warum man die Vampirin mal sieht und mal nicht, wegen der Unschärfe. Wir sagen dann: ‚Man erkennt sie nur verschwommen. Jetzt wird sie wieder sichtbar.‘“

Als nächstes möchten die Hildesheimer Medienübersetzerinnen Tierdokumentationen beschreiben. „Man sieht die Dinge, aber wie heißt das? Hier kann man nicht Schummeln. Bei der Dokumentation müssen die Fakten stimmen. Wie sehen die Tiere genau aus? Man kann nicht einfach sagen: ‚Der blonde Mann‘ oder der ‚Herr mit der Brille‘. Übersetzer benötigen das Fachwissen, wie sie die Tiere korrekt beschreiben können“, so Mälzer.

Warum die Professorin mit ihren Studierenden diese Hörfilme produziert? „Mit dem Alter wird das Sehen beeinträchtigt. Eine Frau aus meinem Bekanntenkreis genießt Filme und möchte wie zuvor kulturelle Produkte wahrnehmen. Sie sieht mittlerweile kaum noch etwas. An sie denke ich oft, wenn ich in diesem Bereich arbeite. Wir möchten mit den Filmen einen ästhetischen Genuss vermitteln und weitergeben, auf welche Weise der Film erzählt.“ Die Art und Weise, wie man etwas benennt, sei entscheidend, sagt Mälzer.

Sendetermin

Der Film „A girl walks home alone at night“ wird mit Audiodeskription und Audioeinführung am 21. März 2016 ausgestrahlt.  Es handelt sich um eine Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen.

Info: Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medien zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Info: Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme aus anderen Sprachen, üben sich im Synchronisieren, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. In Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk und dem  Bayrischen Rundfunk erstellen Studentinnen und Studenten zum Beispiel Audioeinführungen für Hörfilme oder untertiteln Filme.

Info: Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim

Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim liegt ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Die Universität bildet im Medientextlabor Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation" aus.

An der Universität Hildesheim wurde die bundesweit erste Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Die Medienlinguistinnen bereiten an der Uni Fachtexte und Formulare von Behörden verständlich auf. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium werden zum Beispiel Rechtstexte übersetzt.

„Untertitel und leichte Sprache sind auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz

Audiodeskriptionen im Film und Übertitel im Theater – wie geht das? Kontakt zur Professorin

Wer sich für Audiodeskriptionen im Film und Theaterübertitelung interessiert, kann Prof. Dr. Nathalie Mälzer kontaktieren (E-Mail: maelzers[at]uni-hildesheim.de). Im Sommersemester 2016 setzt die Juniorprofessorin das Projekt „Inklusives Theater“ fort: Im Seminar „Theaterübertitlung für Gehörlose“ werden Studierende in Kooperation mit dem Theaterhaus Hildesheim und der Theatergruppe Bwiezack Worte finden, die auf die Bühne projiziert werden. Mehr Informationen findet man online.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11027 Mon, 14 Dec 2015 08:30:00 +0100 Dolmetschen vor 70 Jahren: O-Ton von Verbrechern übersetzen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/dolmetschen-vor-70-jahren-o-ton-von-verbrechern-uebersetzen/ Zum ersten Mal in der Geschichte wurde bei den Nürnberger Prozessen in großem Umfang simultan gedolmetscht. So war es überhaupt erst möglich, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern der Gerichtsverhandlung folgen konnten. Doch die Arbeit der Dolmetscherinnen und Dolmetscher blieb bisher meist unsichtbar. Eine Arbeitsgruppe der Universitäten Hildesheim und Salamanca steuert dagegen: 70 Jahre nach der Verhandlung macht eine Ausstellung die Tätigkeiten sichtbar. Am 20. November 1945 begann im Saal 600 im alten Nürnberger Gericht der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs. Vor einem internationalen Gericht wurden sie für ihre Taten strafrechtlich zur Verantwortung gezogen (Info: Deutschlandfunk über die Nürnberger Prozesse). Die insgesamt etwa 70 Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die ein Jahr lang die Worte von Tätern und Zeugen übersetzt haben, arbeiteten an den Grenzen der Belastbarkeit angesichts der Geschehnisse, die sie in Sprache fassen mussten.

Die Arbeit der Dolmetscherinnen und Dolmetscher blieb bisher meist unsichtbar – dabei waren sie unverzichtbar, damit Kriegsverbrechen vor einem internationalen Gerichtshof aufgeklärt und Täter zur Verantwortung gezogen werden konnten. Eine Ausstellung der Universitäten Hildesheim und Salamanca dokumentiert die Tätigkeit von Dolmetschern während der Nürnberger Prozesse 1945/46. Bis zum 17. Dezember 2015 ist die Ausstellung in Hildesheim täglich (Montag bis Freitag) geöffnet.

Erst durch die Arbeit der Dolmetscher war eine rasche Kommunikation zwischen Richtern, Anklägern und Verteidigern, Zeugen und Angeklagten möglich. „Während der Nürnberger Prozesse vollzog sich der Schritt vom konsekutiven, also zeitversetzten, zum simultanen Dolmetschen“, sagt Conchita Otero Moreno vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. „Insgesamt wurde in etwa 218 Sitzungen simultan gedolmetscht, dies ist durch Aufnahmen belegt. Das Gerichtsverfahren wurde in den Sprachen Englisch, Russisch, Französisch und Deutsch geführt.“ „Die Nürnberger Prozesse sind ein historischer Meilenstein, sie sind gleichzeitig auch für unsere Fachgeschichte zentral: Zum ersten Mal weltweit wurde das Simultandolmetschen professionell und technisch gestützt eingesetzt. Die Dolmetscher bleiben dabei meist unsichtbar“, sagt die Wissenschaftlerin.

Lange Einarbeitungszeiten gab es nicht: Die Simultandolmetscher mussten sich „in kürzester Zeit auf die damals neue und revolutionäre Technik einstellen“, sagt Luise Heselhaus. Sie hat an der Universität Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert und mit Sarah Gizik die Texte für die Ausstellung vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. „Teilweise wurden Dolmetscher direkt von den Universitäten geholt, was dann auf sie zukam, war eine echte Herausforderung“, so Heselhaus. Anders als heute waren die Dolmetscherkabinen damals noch offen. „Es handelte sich eher um Glasscheiben, die keine akustische Abschottung zu den Geräuschen des Gerichtssaals boten. So mussten die Dolmetscher versuchen, Hintergrundgeräusche auszublenden“, sagt Sarah Gizik. „Bei der Recherche war es für uns als Übersetzerinnen manchmal schwierig, die Fassung zu bewahren.“

Die Hildesheimer Ausstellung hebt auch die Rolle der Frau hervor, „die zum ersten Mal in diesem Beruf etwas repräsentativer wird“. „Etwa 20 Prozent betrug der Frauenanteil, in den russischen Teams sogar etwas mehr. Wir stützen unsere Angaben und die gezeigten Dokumente auf einige Biographien von russischen Dolmetscherinnen, etwa Tatjana Stupnikova“, so Otero.

Kurzinfo: Ausstellung „Die Dolmetscher in Nürnberg" in Hildesheim

Die Ausstellung „Die Dolmetscher in Nürnberg" gibt einen Einblick in die Tätigkeit der Dolmetscherinnen und Dolmetscher während der Nürnberger Prozesse vom 20. November 1945 bis 1. Oktober 1946. Unter anderem werden erstmals Bilder aus Privatarchiven der Nachfahren der damals tätigen Dolmetscherinnen und Dolmetscher gezeigt. Fachleute der Universidad de Salamanca (Spanien) und der Universität Hildesheim (Deutschland) haben die Ausstellung gemeinsam mit Studierenden der Übersetzungswissenschaft entwickelt. Sarah Gizik und Luise Heselhaus haben an der Universität Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert und Texte ins Deutsche übersetzt. Denn das Original der Ausstellung ist auf Spanisch. Die Eröffnung der Ausstellung fand am Mittwoch, 25. November 2015 statt. Nach einer Begrüßung durch das Dekanat und die Institutsleiterin, Professorin Bettina Kluge, gab Professor Jesús Baigorri (Salamanca) in englischer Sprache Einblicke in den Entstehungsprozess der Ausstellung und die Arbeit der Dolmetscher während der Nürnberger Prozesse. Anschließend besteht die Möglichkeit, an einem Rundgang teilzunehmen.

Die Ausstellung ist ein Ergebnis der jahrelangen Kooperation der Hildesheimer Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Conchita Otero Moreno. Sie arbeitet seit acht Jahren mit Fachkollegen in  der internationalen Forschungsgruppe „Alfaqueque“ zusammen. Auch der Konferenzdolmetscher und Historiker Prof. Jesús Baigorri und die Konferenzdolmetscherin und Philosophin Prof. Icíar Alonso (Universidad de Salamanca), die derzeit als Gastwissenschaftler zum Forschungsaustausch in Hildesheim arbeiten, gehören mit weiteren Kollegen aus Bologna-Forlí und Temuco (Chile) diesem Netzwerk an. Sie befassen sich mit dem Berufsprofil „Dolmetschen“.

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, kann Dr. Conchita Otero Moreno kontaktieren (E-Mail otero@uni-hildesheim.de, Telefon 05121.883-30936).

Die Ausstellung ist bis zum 17. Dezember 2015 an der Universität Hildesheim zu sehen und kostenfrei (Altbau, Bühler-Campus, Lüneburger Straße). Die Poster hängen im Flur und sind von Montag bis Freitag frei zugänglich. Zuvor hat die Ausstellung in Salamanca, Saragossa, La Rioja (Spanien) und in Doha (Katar) Station gemacht. 2016 zeigen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse unter anderem in Paris und in Luxemburg (im Europäischen Gerichtshof).

Lesetipp: NDR über die Dolmetscher-Ausstellung an der Universität Hildesheim / NDR-Interview mit Conchita Otero Moreno

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 MA MuM
news-10988 Tue, 17 Nov 2015 17:20:00 +0100 Abfahren: Wie plane ich einen Auslandsaufenthalt? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/abfahren-wie-plane-ich-einen-auslandsaufenthalt/ Studieren weltweit – wer ein Semester im Ausland studieren, ein Praktikum oder einen Sprachkurs im Ausland absolvieren möchte, erhält beim International Office an der Universität einen Überblick. Wie finanziere ich den Auslandsaufenthalt? Was ist bei der Organisation zu beachten? Welche Universitäten passen zu meinem Studium? „Der Austausch über Ländergrenzen und nationale Kulturen hinweg ist nicht nur eine persönliche Bereicherung für jeden Einzelnen, sondern stärkt auch den internationalen Zusammenhalt“, sagt Marit Breede vom International Office.

Drei, die sich für einen Auslandsaufenthalt bereits entschieden haben, sind Savannah, Ivana und Placido. Statt in USA, Kolumbien und Spanien zu lernen, studieren sie nun einige Monate in Hildesheim.

„Es ist sehr hilfreich, dass ich in einem Intensiv-Kurs zum Studienbeginn meine deutschen Sprachkenntnisse auffrischen kann“, sagt Savannah über ihre ersten Tage in Hildesheim. Die 21-Jährige interessiert sich besonders für Übersetzungen vom Deutschen ins Englische. Sie habe in der High School in einer kleinen Stadt nahe Philadelphia Deutsch gelernt. Elektronisches Übersetzen sei hilfreich, Savannah nutzt in Hildesheim ein Wörterbuch auf ihrem Smartphone, weil ihr manchmal Begriffe nicht einfallen oder Fachwörter wie „Fachwerkhaus“ ungewohnt sind. Aber nichts könne „human translation“ ersetzen, sagt die Studentin. „Computer haben keine Emotion, keine Gefühle. Auch die vielen Dialekte bereiten Maschinen Probleme.“ Daher studiert sie Übersetzen. Die Stadt Hildesheim habe sie als Studienort gewählt, weil sie in einer kleineren Universität schneller den Kontakt zu Professoren und Studierenden aufnehmen könne. „Wenn man keine Leute fragen kann, was ein Wort bedeutet, dann frage ich die Maschine und suche im Internet nach einer Übersetzung“, ergänzt Placido.

„Ich freue mich auf die Zeit in Hildesheim, ich war bereits einmal in Deutschland, aber nur für eine kurze Zeit. Ich mag die Jahreszeiten sehr gerne, besonders den Herbst. Ein Studium im Ausland ist eine tolle Gelegenheit, um andere Studierende kennen zu lernen. Und ich kann hier die deutsche Sprache jeden Tag sprechen“, sagt Ivana aus Kolumbien.

Die drei Studierenden aus den USA, Kolumbien und Spanien haben sich entschieden, eine Zeit lang in Hildesheim zu studieren. Um sie beim Ankommen in Hildesheim zu unterstützen, bietet die Universität Sprachkurse an. „Wir greifen die aktuellen Situationen aus dem Alltag der Studierenden auf. In erster Linie geht es darum, die Angst vor dem Sprechen und Fehlern zu nehmen“, sagt die Sprachwissenschaftlerin Lilia Tschudinovski, die zum Start des Wintersemesters Studentinnen und Studenten beim Deutschlernen unterstützt hat.

Die Lernenden kommen unter anderem aus Frankreich, Mexiko, Türkei, Spanien und Korea. Auf den ersten Blick ist eine heterogene Gruppe wie in diesem Semester „eine unüberwindbare grammatische und lexikalische Hürde für die Lehrperson“, so Lilia Tschudinovski. Sie habe aber „große Freude“ an der Vermittlung der „komplizierten grammatischen Phänomene“. „Und wenn der Akkusativ oder der Dativ in der Auswertung von den Kursteilnehmern als ‚leicht‘ eingestuft wird, motiviert mich das umso mehr“, sagt die Wissenschaftlerin.

Um eine Sprache zu erlernen helfen auch Tricks im Alltag, die man „individuell dosieren und mischen“ kann. Man kann zum Beispiel alle bekannten und unbekannten Zutaten als „Post-it“ in der Wohnung anbringen und die Vokabel trainieren oder einen Film in der Zielsprache schauen. Das Ziel und die Motivation seien ausschlaggebend für das erfolgreiche Erlernen einer Sprache, wobei auch die Dauer und Intensität des Sprachkontakts eine große Rolle spielen, sagt Lilia Tschudinovski.

Beratung für Studierende: Wie man einen Auslandsaufenthalt plant

Interesse geweckt? Wann und wie man einen Auslandsaufenthalt in das Studium integrieren kann – das Team des International Office berät Studierende, wo es hingehen kann und wie man den Aufenthalt plant und finanziert. Regelmäßig bieten sie „Info-Talks" an, die nächsten im Dezember und Februar. Etwa 150 Erasmus-Partnerhochschulen gehören zum Netzwerk, weltweit arbeitet die Universität mit über 250 Partnerhochschulen zusammen. Türkei, Schweden, Polen, China: Online kann man sich durch Partneruniversitäten, Förderprogramme und Erfahrungsberichte klicken.

Sprachbarriere?

Hildesheimer Studierende betreuen als „Buddy“ ausländische Studierende unter anderem aus Afghanistan, Frankreich, Madagaskar oder Tadschikistan, um ihnen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern.

Die Universität, die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und die Volkshochschule in Hildesheim bieten gemeinsam ein Sprachenforum an: In Sprachkursen können sich Studierende auf einen Auslandsaufenthalt vorbereiten. Und über das Programm Promos lassen sich sogar Sprachkurse im Ausland fördern.

Neben den Sprachkursen kann man an einem Sprachtandem teilnehmen, das geht so: Das Sprachtandem besteht aus zwei Personen mit unterschiedlichen Muttersprachen, die sich gegenseitig beim Erlernen der anderen Sprache helfen. Dabei sollen beide Personen von der gemeinsamen Arbeit profitieren. Das Team bestimmt selbst, was und wie es lernen möchte. Die Tandempartner können zum Beispiel über Zeitungsartikel diskutieren, um den mündlichen Ausdruck zu verbessern, sich auf Prüfungen vorbereiten oder zusammen einen Film in der Fremdsprache oder mit Untertiteln gucken.  Interessierte können das Team des International Office kontaktieren.

Campus international

An der Universität Hildesheim studieren derzeit 461 Studierende aus 72 Herkunftsländern, die über Förderprogramme und Kooperationen mit Partnerhochschulen ein Semester oder länger in Hildesheim verbringen. Das Team des International Office, das an der Universität für Auslandsaufenthalte zuständig ist, unterstützt die Studierenden umfassend, zum Beispiel auch bei der Wohnraumvermittlung. Viele der jungen Leute studieren in Hildesheim Internationale Kommunikation und Übersetzen, aber auch Kulturwissenschaften, Lehramt, Erziehungswissenschaft, Informationsmanagement und Informationstechnologie. Die meisten Vollzeitstudierenden kommen derzeit aus der Türkei, aus Russland, Polen, Griechenland, der Ukraine, Italien und der Schweiz. „Je schwieriger die Zeiten sind, desto wichtiger ist ein Austausch auf internationaler Ebene“, sagt Ulrike Bädecker-Zimmermann vom International Office. Studierende unterstützen internationale Studierende beim Ankommen in Deutschland, zum Beispiel in den Initiativen „Erasmus on tour“ und „Go intercultural“.

Die Universität Hildesheim hat drei Double-Degree-Programme in Kooperation mit der Staatlichen Universität Nowgorod (Russland, Erziehungswissenschaften), der Aix-Marseille Université (Frankreich, Kulturvermittlung) und der Pai Chai Universität Daejeon (Südkorea, Informationswissenschaften) entwickelt. Dabei erwerben die Studierenden beider Partnerhochschulen einen Abschluss in beiden Ländern.

Die Hochschule wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem europäischen Qualitätssiegel „E-Quality". Für das Projekt „Internationale Schreibpartnerschaften" erhielt die Universität Hildesheim das Europäische Sprachensiegel.

Infos rund um den Auslandsaufenthalt: Go-Out-Tag in Hildesheim

Am Mittwoch, 18. November 2015, erhalten Studierende an der Universität Hildesheim auf dem „Go-out-Tag – studieren weltweit“ Einblicke in die Planung und Finanzierung eines Auslandsaufenthaltes.

In Vorträgen erfährt man zum Beispiel, zu welchen spanischen Partneruniversitäten mit einem Schwerpunkt in den Übersetzungswissenschaften die Universität Hildesheim Kontakte pflegt, wie man ein EU-Auslandspraktikum plant und warum ein Auslandssemester im Lehramtsstudium sinnvoll ist.

Ob Finnland, Irland oder Mexiko – auf einer Infobörse können sich Studentinnen und Studenten im Erdgeschoss des neuen Forums am Universitätsplatz 1 von 10:00 bis 15:30 Uhr über Universitäten in bestimmten Ländern informieren. Um 15:15 Uhr erläutert Marit Breede vom International Office, wie man einen Auslandsaufenthalt finanziert.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation International Office
news-10913 Fri, 30 Oct 2015 11:09:00 +0100 Barrierefreie Kommunikation https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation/ Medien, Kultureinrichtungen und Behörden machen barrierefreie Angebote. „Es geht darum, Teilhabe nicht nur architektonisch zu ermöglichen. Zugang zu Informationen erfolgt auch über Sprache und Sinne“, so Professorin Nathalie Mälzer. Die Unterscheidung, leichte Sprache sei für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Untertitel hingegen für Gehörlose sinnvoll, könne man so einfach nicht treffen. „Untertitel und leichte Sprache sind zum Beispiel auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die Sprache erst erlernen", sagt die Medienwissenschaftlerin der Uni Hildesheim. Unsere Gesellschaft bietet eine Vielzahl von Informations-, Kultur- und Bildungsangeboten, die von kulturellen und politischen Einrichtungen, von Bildungsstätten und Wirtschaftsunternehmen gemacht werden.  Sie werden über Medien wie Internet, Rundfunk, Presse, Kino, Theater oder im Museum verbreitet. „Der Zugang zu ihnen kann aber Teilen des Publikums aufgrund kommunikativer Barrieren nur eingeschränkt möglich oder gar vollständig verwehrt sein“, sagt die Hildesheimer Professorin Nathalie Mälzer.

Die Ursachen für Barrieren sind unterschiedlich: Texte können für Leserinnen und Leser mit kognitiven Einschränkungen wegen ihrer Komplexität unzugänglich sein. Manche Texte, etwa Rechtstexte, fordern Fachwissen ein, über das nicht jeder verfügt. „Wenn eine Behörde in Fachsprache mit einem Bürger kommuniziert oder wenn in einem Unternehmen eine Informatikerin mit einem Gestalter spricht, können schnell Missverständnisse entstehen. Jeder bringt sein komplexes Fachvokabular mit – sie müssen eine gemeinsame Sprache finden, um sich verständigen zu können“, so Mälzer. Für Menschen, deren Sinneskanäle, nicht oder unvollständig ausgebildet sind, hat die mediale Gestaltung zur Folge, dass sie einen Film im Kino oder ein Objekt im Museum nur eingeschränkt wahrnehmen können.

Medien, Kultureinrichtungen und Behörden machen daher barrierefreie Angebote. Solche Angebote nutzen vielen Menschen, sagt Nathalie Mälzer, Juniorprofessorin für transmediales Übersetzen an der Universität Hildesheim, anlässlich einer Fachtagung in Hildesheim. Sie befasst sich in Forschung und Lehre mit barrierefreier Kommunikation und untersucht zum Beispiel, wie Theaterhäuser und Museen Untertitel, Übertitel und Audiobeschreibungen einsetzen und wen sie damit erreichen.

„Es geht darum, Teilhabe nicht nur architektonisch zu ermöglichen. Zugang zu Informationen erfolgt auch über Sprache und Sinne“, so Professorin Nathalie Mälzer. Barrieren gebe es in vielfältiger Weise. „Jemand ist hörgeschädigt – um diese Sinnesbarriere zu überwinden, wurden zum Beispiel Untertitel entwickelt. Nicht nur was gesagt wird, auch Informationen über Geräusche und Musik werden in Untertiteln vermittelt“, so die Medienwissenschaftlerin.

Wie werden Barrieren abgebaut? Einige Beispiele aus Hildesheim

Beispiel 1 – der Zugang zu Kunst und Kultur: Im Roemer-Pelizaeus-Museum haben Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzen“ einen Audioguide für Sehende und Nicht-Sehende entwickelt. Mit der Technik der Audiodeskription machen sie die Exponate für Blinde und Sehende sichtbar und vermitteln auf kreative Weise Hintergrundinformationen zu den Objekten.

Angehende Medienübersetzerinnen produzieren mit einer freien Theatergruppe Theater mit Übertiteln. Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes. Wenn eine Schauspielerin schreit, projizieren sie das Schriftbild „I C H  W I L L“ in Großlettern in den gesamten Bühnenraum, anstatt das Gefühl einfach mit der Formulierung „(schreiend)" zu umschreiben. Dabei entsteht ein ästhetischer Mehrwert, den sie für inklusive Effekte nutzen, denn die Übertitel wenden sich an Hörende und Nicht-Hörende zugleich.

Die Studierenden von Nathalie Mälzer entwickeln außerdem Audiodeskriptionen und Audioeinführungen für Filme. In solchen Hörfilmen wird die Filmtonspur um eingesprochene Textelemente ergänzt. Die relevanten Bildinhalte des Films werden akustisch verfügbar gemacht. Was man sieht, wird in Worte gefasst, damit Nichtsehende Filme hören können.

Jüngst übersetzten Hildesheimer Studierende einen Horrorfilm für den NDR. Die Medientext-Studentin Martha Stajer erläutert darin die Bildgestaltung – von Farbtönen über Kameraperspektiven bis zu Figurenbeschreibungen. Derzeit arbeitet eine weitere Studentin an einem Filmklassiker für die Vorweihnachtszeit. Und ein Streifen aus dem Vampirgenre, „A girl walks home alone at night“, wird derzeit in einem Projektseminar mit Worten beschrieben und im kommenden Jahr mit Audiodeskription und Audioeinführung ausgestrahlt.

Beispiel 2 – die Nachrichten: Der Deutschlandfunk veröffentlicht Nachrichten auch in einfacher Sprache. Derzeit entwickelt ein Team um Professorin Christiane Maaß von der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim und Uschi Heerdegen-Wessel vom NDR barrierefreie Angebote in den Nachrichten. So wird zum Beispiel erklärt, was der NDR macht, Nachrichten und Neuigkeiten aus Wirtschaft, Sport und Kultur werden in Leichter Sprache angeboten.

Atemberaubende Sprache im Sonntagskrimi: Viele profitieren von barrierefreien Angeboten

Die Unterscheidung, leichte Sprache sei für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Untertitel hingegen für Gehörlose sinnvoll, könne man so einfach nicht treffen.

„Untertitel und leichte Sprache sind zum Beispiel auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz (mehr lesen im aktuellen Uni-Magazin, Seite 74/75).

Fachleute aus Praxis und Forschung sollten gemeinsam Richtlinien entwickeln

Um den manchmal eingeschränkten Blick auf barrierefreie Kommunikation interdisziplinär zu erweitern, kamen im Oktober erstmals Fachleute an der Universität Hildesheim zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema „Barrieren“ blicken – von Fachleuten aus der Medienlinguistik und Übersetzungswissenschaft über Pädagogik bis hin zum Journalismus.

„Auf der Tagung haben sich viele Querverbindungen auf theoretischer und praktischer Ebene ergeben. Die Zielgruppen von Audiodeskription, der Untertitelung, der Leichten, Einfachen oder bürgernahen Sprache und der Fachkommunikation zeigen immer wieder interessante Überschneidungen“, sagt Nathalie Mälzer. Die Wissenschaftlerin möchte die empirische Forschung in Deutschland ausbauen. Richtlinien sollten in Zusammenarbeit zwischen Leuten aus Praxis und Forschung weiterentwickelt werden.

„Auf der Tagung kamen Fachleute zusammen, die sich bisher aufgrund disziplinärer Grenzen noch nicht wahrgenommen hatten“, freut sich Mälzer. An die Konferenz werden nun zwei neue Forschungsprojekte und eine Nachfolgetagung anknüpfen. Außerdem erlebt Nathalie Mälzer, wie „begehrt unsere Studierenden aus dem Bereich Medientext und Medienübersetzen“ sind. Sowohl Absolventinnen als auch Studierende werden für die Mitarbeit im Bereich Audiodeskription und Untertitelung gesucht. Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ entwickeln im Medientextlabor der Uni Hildesheim zum Beispiel barrierefreie Internetseiten, Übertitel für Theateraufführungen und Audiobeschreibungen für Hörfilme.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3
news-10809 Tue, 20 Oct 2015 18:08:00 +0200 Sprache und Justiz: Kurze Sätze, vertraute Wörter https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/sprache-und-justiz-kurze-saetze-vertraute-woerter/ „Alle Personen haben Rechte. Und alle Personen haben Pflichten“ – so erklären Studierende aus Hildesheim die Justiz. Rechtssicher und verständlich formulieren – geht das? Das geht, sagen Studierende im Bereich Medientext. Im Medientextlabor der Uni übersetzen sie schwierige Justiztexte in Leichte Sprache. An der Universität Hildesheim hat Professorin Christiane Maaß eine „Forschungsstelle Leichte Sprache“ aufgebaut – die erste in Deutschland. Die Medienlinguistin hat jüngst auf einem Fachforum im Bundeskanzleramt gesprochen. Sie haben am 19. Oktober 2015 im Bundeskanzleramt gesprochen. Es ging um die „Verständlichkeit des Rechts“. Die dortige Geschäftsstelle Bürokratieabbau hat Sie eingeladen, um Einblicke in das Thema „Lesen und Verstehen: Sprache in der Verwaltungskommunikation“ zu geben. Welche Botschaften haben Sie mit nach Berlin gebracht?

Christiane Maaß: Das Fachforum widmete sich unter anderem der Lebenslagenbefragung des Statistischen Bundesamts. Sie hat erbracht, dass die Bürgerinnen und Bürger mit der öffentlichen Verwaltung insgesamt sehr zufrieden sind und viel Vertrauen in die Institutionen haben, dass sie aber durchweg die mangelnde Verständlichkeit der Verwaltungskommunikation beklagen. Es ging also um die Frage: Kann Verwaltungskommunikation verständlicher werden und wenn ja – wie?

Wir von der Forschungsstelle Leichte Sprache sind da sehr zuversichtlich. Wir haben in einem Pilotprojekt mit dem Niedersächsischen Justizministerium von 2014, das aktuell eine Fortsetzung erfährt, gezeigt, dass das geht. Wir haben unterschiedliche, teilweise sehr schwierige juristische Fachtexte in Leichte Sprache übersetzt. Aktuell geht es um einen Text zur Beantragung von Prozesskostenhilfe. Das sollte jeder verstehen können, denn Prozesskostenhilfe ist für viele Menschen eine Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt vor Gericht ziehen und ihre Rechte einfordern können.

Wir sind also guter Dinge, dass verständliche Rechtskommunikation möglich ist, und haben in diesem Bereich in den vergangenen Jahren in theoretischer und praktischer Hinsicht viele Erkenntnisse gesammelt. Nun kommt es darauf an, dass sich die Verwaltung auf Leichte Sprache einlässt. Die Veranstaltung im Bundeskanzleramt ist ja in dieser Hinsicht ein gutes Zeichen.

Warum empfinden manche Menschen das „Amtsdeutsch“ von Behörden als unverständlich? Was ist besonders an dieser Sprache?

Echtes „Amtsdeutsch“ ist für alle, die keine Verwaltungs- oder Rechtsexperten sind, häufig tatsächlich unverständlich. Das ist kein Wunder: Es ist eine Fachsprache für die Kommunikation unter Experten. Das deutsche Rechtswesen ist ein fachlicher Kontext und darüber können wir uns freuen: Es ist so ausgelegt, dass der oder die Einzelne in allen nur erdenklichen Fällen zu seinem oder ihrem guten Recht kommt.

Es gibt viele Gesetze, es gibt eine Tradition der Rechtsprechung und jedes einzelne Wort hat eine genau umgrenzte Bedeutung. Das betrifft auch Wörter, die in der Alltagssprache möglicherweise eine etwas andere, ganz sicher aber weniger präzise Bedeutung haben. Das deutsche Rechtssystem definiert dann zum Beispiel auch ganz genau, was „Aufenthalt“ bedeutet oder was ein „Kind“ ist. Und das ist auch gut so: Die Art und Weise, wie Menschen untergebracht sind, muss zu Ihren körperlichen und geistigen Bedingungen passen, besonders, wenn sie Einschränkungen haben und vielleicht nicht mehr für sich sorgen können. Und Eltern möchten für ihr Kind sicher Kindergeld auch dann noch bekommen, wenn der Sprössling längst die zwanzig überschritten hat, von ihnen aber noch versorgt wird, weil er zum Beispiel noch studiert.

Das heißt, wir profitieren von dieser klar definierten Sprache. Sie ist ein hohes Gut und prägt unser Rechtssystem. Aber um sie ganz zu verstehen, müsste man schon alle einzelnen Begriffsumfänge und alle Definitionen kennen. Und man darf sich in den vielen Nebensätzen, die ganz genau die jeweiligen Bedingungen benennen, nicht verhaken.  Das können normalerweise nur Verwaltungs- und Rechtsexperten.

Problematisch wird es dann, wenn die Behörden die Bürger in diesem rechtssprachlichen Deutsch ansprechen. Das kann nicht gelingen. Hier müssen Kommunikationsformen gefunden werden, die dem Verstehen der Nicht-Experten angepasst sind. Solche Bestrebungen gibt es seit vielen Jahren, man denke an die Bemühungen um „bürgernahe“ Amtssprache. Mit der Bemühung um Inklusion haben wir hier eine neue Qualität erreicht: nämlich den Anspruch, dass Sprache noch viel verständlicher, dass sie geradezu barrierefrei sein soll, auch wenn die Gegenstände fachlich sind. Wenn wir die fachlichen Rechtstexte mit solchen barrierefreien Übersetzungen flankieren, dann können alle besser verstehen. Hier ist unsere Forschung angesiedelt: Wie können Fachsprachen, wie kann zum Beispiel Verwaltungsdeutsch, in Leichte Sprache gebracht werden? Das ist natürlich eine Herausforderung, aber es zeigt sich: Da geht was.

Sie greifen zu kurzen Sätzen und vertrauten Wörtern. Wenn Sie einen Text übersetzt haben, dann gilt die Regel: eine Aussage pro Satz. Sie geben viele Erklärungen zur Justiz. Wer liest Ihre Texte?

Im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Niedersächsischen Justizministerium haben wir eine Erbrechtsbroschüre in Leichte Sprache übersetzt, die mit einer Auflage von 30.000 Stück gedruckt wurde und nach wenigen Monaten vergriffen war. Wir dürfen also davon ausgehen, dass das nicht alles Menschen mit Behinderung waren. Wir machen also die Erfahrung, dass ein sehr viel größerer Kreis unsere Texte liest, obwohl Leichte Sprache sich zunächst einmal an Menschen mit einer Kommunikationsbeeinträchtigung richtet. Das liegt eben daran, dass die fachsprachlichen Ausgangstexte häufig unzugänglich sind und die Leichte-Sprache-Texte den Gegenstand für alle Laien aufschließen.

Noch schöner wäre es natürlich, wenn es mehrere unterschiedlich schwierige Zwischenstufen für die Texte gäbe, so dass jeder für sich die angemessene Schwierigkeitsstufe wählen kann. Aber das ist natürlich auch eine Ressourcenfrage, denn jede Übersetzung und jede zusätzliche Fassung eines Texts kostet Geld.

Haben Sie diese Reaktionen auf Ihre Texte erwartet?

Wir haben das nicht erwartet; aber jetzt, da es so eingetreten ist, wundern wir uns auch eigentlich nicht. So mancher Fachtext, der sich uns im Alltag aufdrängt, macht einem schon das Leben schwer. Es ist doch toll, wenn man Erbrecht jetzt verstehen kann. Für uns ist dieser Zuspruch auch eine schöne Bestätigung. Und es ist ein gutes Signal für das Projekt „Inklusion“: Menschen mit Behinderung bringen für die Gemeinschaft etwas ein. Sie haben einen Rechtsanspruch darauf, dass Texte für sie barrierefrei aufbereitet werden. Wenn diese Texte aber erst einmal da sind, dann profitiert ein viel größerer Personenkreis, bei manchen Themen sogar die Mehrheit der Bevölkerung, davon, denn dann sind auf einmal Themen zugänglich, die vorher in fachlicher und sprachlicher Hinsicht eine Hürde dargestellt haben.

Warum ist es wichtig, dass Verwaltungssprache verständlich ist?

Verwaltungstexte sind justiziabel. Das heißt, mit ihnen können wir Rechte einklagen oder verzichten auf diese, wenn wir das Kreuzchen an einer anderen Stelle setzen oder eine Frist versäumen. Manche Texte kommen auch sehr fordernd auf uns zu und drohen uns Sanktionen unterschiedlicher Art an, wenn wir nicht angemessen auf sie reagieren. Einer Zeugenladung vor Gericht nicht zu folgen, weil man krankgeschrieben ist, kann teuer werden: Krankgeschrieben heißt nämlich nicht zwangsläufig verhandlungsunfähig sein, und dann wartet ein ganzer Gerichtssaal auf den Zeugen, der nicht kommt.

Es ist also schon sehr hilfreich, wenn man eine Zeugenladung auch verstehen kann. Und ehe man die Kreuzchen im Betreuungsformular setzt, sollte man sich klar darüber sein, dass „unterbringungsähnliche Maßnahmen“ bedeutet, dass der Betreuer entscheiden darf, ob der Patient sediert und am Bett fixiert werden darf. Verständliche Verwaltungssprache hilft uns, informierte Entscheidungen zu treffen.

„Alle Personen haben Rechte. Und alle Personen haben Pflichten“ und „Ein Richter entscheidet bei einem Streit über Recht“ – heißt es etwa auf der Internetseite „Justiz verstehen“ des Justizministeriums. Studierende aus dem Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“ der Universität Hildesheim haben die Texte übersetzt. Derzeit kommen viele Menschen in Deutschland an, die die deutsche Sprache nach der Flucht erlernen. Gibt es Überlegungen, diesen Menschen zu helfen, bei Behördengängen, Arztgesprächen und ähnlichen Situationen? Sie veröffentlichen in Ihren Projekten die übersetzten, verständlichen Texte ja auch online.

Wir definieren den Bedarf an Leichter Sprache nicht über eine Behinderung. Bedarf an Leichter Sprache haben alle die Menschen, die mit den allgemeinsprachlichen oder fachsprachlichen Ausgangstexten Probleme haben. Das sind natürlich auch Menschen, die noch kaum Deutsch können.

Gerade wer neu in Deutschland ist, hat viele Verwaltungsakte zu bestehen. Es ist gut, wenn hier Texte in Leichter Sprache zur Verfügung stehen. Diese Menschen haben aber aktuell keinen Rechtsanspruch auf verständliche Kommunikation. Sie profitieren, wie eben schon gesagt, indirekt vom Rechtsanspruch der Menschen mit Behinderung. Das müsste natürlich nicht so sein und hier ist die Politik gefordert: Verständliche Kommunikation ist kein Luxus, sondern eine wichtige Voraussetzung für gelingende Integration.

In Finnland oder Schweden richten sich die Angebote in Leichtem Finnisch (Selkokeskus) und Leichtem Schwedisch (Lättlast) explizit auch an Menschen mit Migrationshintergrund. Natürlich ist es gut und wichtig, diesen Menschen in ihrem Informationsbedarf entgegenzukommen.  

Die Fragen stellte Isa Lange.

Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim

Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim liegt ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Im Medientextlabor der Universität werden Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation" ausgebildet.

Als einzige Universität gibt es an der Universität Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Die Medienlinguistinnen bereiten an der Uni Fachtexte und zum Beispiel Formulare aus Behörden verständlich auf.

Mit ihren Studierenden aus dem Bereich Medienübersetzen hat die Professorin in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium Rechtstexte übersetzt, etwa im Erbrecht. Die 30.000 Exemplare der Erbrechtsbroschüre waren nach drei Monaten vergriffen. Daher wird eine 2. Auflage produziert. Die Justizministerin hat das Thema Leichte Sprache auf die Agenda  der diesjährigen Justizministerkonferenz (im Juni 2015 in Stuttgart) setzen lassen. Dort wurde auf niedersächsischen Vorschlag hin unter anderem der folgende Beschluss gefasst: „Die Justizministerinnen und Justizminister begrüßen die Absicht Niedersachsens, die bei den Justizverwaltungen vorhandenen justizbezogenen Texte in Leichter Sprache zu sammeln und den anderen Landesjustizverwaltungen zur Verfügung zu stellen.“ (weitere Informationen: Justizministerkonferenz und Sprache).

Die Studierenden haben auf der Internetseite des Justizministeriums den Abschnitt „Justiz verstehen“ übersetzt. Neben einer Fassung in Leichter Sprache entstand auch eine verständliche, bürgernahe Fassung. Außerdem haben sie die Formulartexte „Zeugenladung“, „Anregung zur Einrichtung einer Betreuung“ sowie die Broschüren „erben vererben" und „Vorsorgevollmacht" in Leichte Sprache übersetzt.

Nun ist gerade ein Nachfolgeprojekt angelaufen, wieder in Kooperation mit dem Niedersächsischen Justizministerium, berichtet Christiane Maaß. „Es geht um das Thema 'Prozesskostenhilfe'. Das ziehen wir noch in diesem Jahr durch.“ Eine Masterstudentin und eine Doktorandin befassen sich derzeit mit der Frage, wie juristische Fachsprache in Leichte Sprache übersetzt werden kann.

Auf einer Tagung befassen sich Fachleute am 23. Oktober 2015 mit dem Themenfeld „Barrierefreie Kommunikation". Sie geben Einblicke in Übertitelung im Theater, Untertitelung, Leichte Sprache. Professorin Nathalie Mälzer spricht zum Beispiel über den Einsatz von Audiodeskription im Roemer-Pelizaeus-Museum. Uschi Heerdeegen-Wessel gibt einen Einblick in barrierefreie Angebote der ARD und des NDR.

Beispiel: PDF-Datei der Erbrechtsbroschüre online (online zugänglich)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Inklusion
news-10644 Tue, 13 Oct 2015 16:33:00 +0200 Unsere Vorstellung von der Welt: Wie Medien Sachwissen aufbereiten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/unsere-vorstellung-von-der-welt-wie-medien-sachwissen-aufbereiten/ Ob „Die Sendung mit der Maus“, „Terra X“ oder „Was-ist-was?“: Im Radio, Fernsehen, Internet und in Zeitschriften können Kinder und Erwachsene Themen aus der Wissenschaft entdecken. Welches Bild von Wirklichkeit hierbei wie vermittelt wird, wurde bisher kaum untersucht. Sachwissen wird vielfach emotionalisierend, dramatisierend und personalisierend aufbereitet, sagt Professorin Annette Sabban. Entsprechen die Bilder der Realität? Mitte Oktober untersuchen Fachleute auf einer Tagung an der Universität Hildesheim, wie Wissen medial aufbereitet wird: im Fernsehen, im Internet, im Radio, in Kinderbüchern oder in Zeitschriften für unterschiedliche Altersgruppen [Programm der Fachtagung „Wissensformate in den Medien – interdisziplinäre Zugänge“, 15. bis 17.10.2015]. Professorin Annette Sabban fasst sie unter dem Begriff „Wissensformate“ zusammen. Die Wissenschaftlerin geht der Frage nach, wie Sach- und Fachthemen zugänglich gemacht werden. Sie forscht an der Universität Hildesheim über die Popularisierung von Wissen und untersucht, wie Wissensinhalte an ein nicht fachlich vorgebildetes Publikum vermittelt werden.

Ob Sachgeschichten – Warum hat der Igel Stacheln? Warum ist ein Gullideckel rund? Welche Geschichte hat das Brandenburger Tor? – in der „Sendung mit der Maus“; die Zeitschriftenreihe „Geo Wissen“  über das Geheimnis der Sprache oder „Wissen vor 8“ über tierische Dialekte und die Invasion der Pflanzen zur besten Sendezeit vor der tagesschau: Bei der Aufbereitung von Wissen für Nicht-Experten kann man, unabhängig von Zielgruppe und Medium, grundlegende Verfahren beobachten, sagt Annette Sabban und zählt auf: Formen der Personalisierung, der Anschaulichkeit, das Anknüpfen an Alltagserfahrungen, das Erzeugen von Spannung bis hin zur Dramatisierung. „Die konkrete Umsetzung richtet sich nach den Möglichkeiten, die das jeweilige Medium bietet: Text, Ton, Standbild, Bewegtbild; beschreiben, erklären und erzählen, szenisch gestalten und nachstellen im ‚Reenactment'. Wichtig scheint mir dabei, nicht nur Verfahren der Umsetzung und Gestaltung zu beschreiben, sondern auch zu bedenken, welche Art von Wissen auf Grund einer bestimmten medialen Aufbereitung vermittelt wird. Oder, allgemeiner gesagt, welche Folgen bestimmte Gestaltungsweisen für die Vorstellungen haben, die wir uns von der 'Welt' machen.“

Wissensthemen, sagt Annette Sabban, werden „vielfach erlebnis- und ereignisbetont erzählt und personalisierend aufbereitet“. Das habe auch mit den Vorgaben der Rundfunksender zu tun: In den Programmperspektiven werde formuliert, Sendungen sollten zeitgemäß und unterhaltsam aufbereitet werden. Zielvorgaben bieten Orientierungen für die wissenschaftsjournalistische Praxis und seien somit musterbildend. Wenn Emotionen allerdings so im Vordergrund stehen und – aus der Perspektive der Sache, etwa der Medizin, der Archäologie oder der Biologie – solche peripheren Momente in den Mittelpunkt rücken, wo bleibt dann die eigentliche Wissensvermittlung?, fragt Annette Sabban. Untersuchungen und Rezeptionsanalysen zu diesen Fragen liegen bisher nur vereinzelt vor.

Die Hildesheimer Professorin nennt ein Beispiel aus dem deutschen Fernsehen: In einer 45minütigen Dokumentation wurde der Weg eines Archäologen ausführlich begleitet, über die Inhalte seiner Forschung erfuhr man kaum etwas. „Wie viel an Drumherum wird da gezeigt, zu der abenteuerlichen Landschaft und zu Gefahren, die der Forscher überwunden hat, damit er überhaupt etwas beobachten kann. Wenn man sich das 45 Minuten ansieht im Ergebnis zu dem, was wirklich inhaltlich gesagt wird, dann ist das Eigentliche ein verschwindend geringer Anteil. Da muss man hellhörig werden. Wir könnten nun vermuten, dass solche Darstellungen beim Zuschauer Interesse wecken, mehr über die Sache zu erfahren. Aber macht das jemand – geht man nach dem Fernseherlebnis im Anschluss in die Bibliothek?“

Das Publikum zu informieren und gleichzeitig zu unterhalten ist das scheinbar paradoxe Ziel von dokumentarischen Wissensformaten, sagt auch Sylvia Jaki vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. „Um dies zu erreichen, präsentieren  Wissensendungen im Fernsehen Sachinformationen  mehr oder weniger ausgeprägt emotional, dramatisch, persönlich.“ Auf der Tagung gibt sie Einblicke in ihr Habilitationsprojekt, in dem sie Titel von deutschen und englischen Wissensdokus analysiert – von „Crocodile Blues“ bis „Das heiße Leben der Schneeaffen“.

Sylvia Jaki untersucht in der Studie, wie „Wissenssendungen sprachlich gestaltet werden“. Bisher sind die Forschungen in diesem Feld gering, man weiß aber beispielsweise, dass häufig metaphorische Sprache oder Superlative verwendet werden. Sie befasst sich zunächst mit dem Einstieg in diese Sendungen. Was sieht der Zuschauer als erstes? Den Titel. Insgesamt 3936 Episodentitel hat die Hildesheimer Wissenschaftlerin gesammelt und analysiert. Die Reihe „BBC Horizon“ etwa läuft bereits seit den 1960er Jahren. Jaki schaut sich die Reihen im Verlauf an, die deutschen Titel sind meist länger als die englischen, jede Sendung habe eigene Gepflogenheiten. Manche Titel sind sehr transparent, eindeutig: „Das Beben von San Francisco“. Andere verwenden „Reizwörter“, so Jaki, etwa: „Expedition Deutschland – eine Zeitreise durch 500 Millionen Jahre“, „Faszination Universum: Das Geheimnis der Finsternis“, „Abenteuer Alaska“ oder „Das Geheimnis der Buckelwale“. Vor einigen Tagen sprach sie mit den Machern von Terra X, wie solche Titel entstehen. Es geht ja auch um Expeditionen, sagte man ihr. „Es ist spannend und wichtig, mit den Redaktionen zu sprechen. Forschung und journalistische Praxis können sich gut befruchten. Wir können die Sprache dieser Sendungen gut beschreiben – verstehen aber nicht unbedingt, woher das kommt.“

In ihrer Forschung konzentriert sich Sylvia Jaki auf die Bereiche Geschichte, Archäologie, Natur und Tierreich, Naturwissenschaft und Technik. Die Daten der Studie beinhalten Serien der Sender ZDF, NDR, BBC Two und Channel 4, darunter auch die langjährigen Reihen Terra  X (seit 1982), Expeditionen  ins Tierreich (seit 1965), BBC Horizon (seit 1964) und BBC Natural World (seit 1983). Die statistische Auswertung zeigt, dass die Verwendung von dramatisierenden „Reizwörtern“ über die Zeit deutlich zugenommen hat. Wörter wie „Entdeckung“ und „discovery“ treten häufig bei Geschichtsthemen auf. Außerdem hat Sylvia Jaki untersucht, ob sich Titel von TV-Wissenssendungen auf verschiedenen Märkten unterscheiden. Die Gegenüberstellung deutscher und englischer Titel zeigt, dass Unterschiede bestehen.

Weitere Informationen: Konferenz über Wissensformate in den Medien

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim lädt vom 15. bis 17. Oktober 2015 zur öffentlichen Tagung „Wissensformate in den Medien – interdisziplinäre Zugänge“ (PDF) ein. Die Konferenz führt etwa 25 Fachleute aus Medienwissenschaft, Linguistik, Publizistik und Fachwissenschaften wie Archäologie  zusammen.

Zum Auftakt spricht Martin Schneider, stellvertretender Redaktionsleiter von SWR Wissenschaft Fernsehen über „Wissenschaftsjournalismus im Wandel“. Während sich die ersten Wissenschaftsjournalisten Ende der 50er Jahre als Übersetzer verstanden, da sich die Forscher „selbst nicht allgemeinverständlich ausdrücken konnten oder – wegen drohendem Renomee-Verlusts in der scientific community – wollten“, stehe heute das „kritische Beobachten, Hinterfragen und Aufdecken versteckter Interessen“ im Fokus, sagt der Vorsitzende der Wissenschaftspressekonferenz.

Mehrere Tagungsbeiträge diskutieren die Sprache in ihren Bezügen zu Bild und Ton. Auch Unterschiede im Sprachgebrauch in öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Wissenssendungen werden thematisiert. Ursprünglich waren „Wissenschaftsmagazine“ eine „Ägide der öffentlich-rechtlichen Sender“, darauf weist Professor Hektor Haarkötter von der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln hin. Erst 1996  startete mit „Welt der Wunder“ etwas Ähnliches im Privatfernsehen, so der Kölner Forscher. Das chinesische Fernsehen habe die WDR-Kindersendung „Wissen macht Ah!“ übernommen und zeige das Format „Why? wei shen me“ nun zur  Primetime. Sprechen TV-Wissensformate junge Zuschauer an? Der Kölner Forscher hat 43  Wissenssendungen untersucht, davon 21 öffentlich-rechtliche sowie 22 Ausstrahlungen im Privatfernsehen mit einer Spieldauer von insgesamt 2939 Minuten. Ein Fazit des Forschers: Im Privatfernsehen ist der Moderationsanteil deutlich niedriger, private  Wissenssendungen „setzen eher auf kürzere Beiträge mit wechselnden Themen,  schnelleren Schnitten und mehr Effekten“. Außerdem setzen sie zur Attraktivtitässteigerung für eine jüngere Zielgruppe Gewinnspiele, Erotik, Actionelemente und mehr Videoeffekte ein.

Manche Medienangebote richten sich an bestimmte Altersgruppen und versuchen, die kognitiven Voraussetzungen, Wahrnehmungsgewohnheiten und Interessenslagen von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen.

Professor Thomas Gloning von der Universität Gießen spricht auf der Tagung über Wissensangebote für Kinder. Der Wissenschaftler hat untersucht, wie zum Beispiel die TV-Kindernachrichten „ZDF logo!“ über Ebola berichten, wie in klassischen TV-Kindersendungen wie etwa „Die Sendung mit der Maus“ Diabetes erklärt wird und wie Gesundheit in Büchern wie „Der kleine Medicus“ dargestellt wird. Wissensbücher für Kinder seien heute „keine reinen Textprodukte mehr, sondern bunte und räumlich komplex arrangierte Angebote“, so Gloning.

Mit Text-Bild-Relationen in Kindersachbüchern befasst sich Professorin Nina Janich von der TU Darmstadt. Sind Bücherserien wie „Was-ist-was?“ verständlich und anschaulich oder eine semiotische Überforderung? Den spezifischen Stil der „Sendung mit der Maus“ untersucht Professorin Heike Elisabeth Jüngst. Sachgeschichten sind nur ein Teil der Sendung, die seit 1971 ausgestrahlt wird. „Der typische Erzählstil der Sachgeschichten mit erkennbarer Stimme ist so bekannt, dass er auch für Parodien verwendet wird“, so die Wissenschaftlerin der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. „Die Maus ist in praktisch jeder Altersgruppe beliebt, obwohl sie für Kinder im Kindergartenalter gedacht ist“, so Jüngst. Längst sei die Maus in Neue Medien übergegangen und ist im Internet präsent, aber auch in Büchern.

Wissensformate arbeiten mit „wiederkehrenden Mustern“, etwa bei der Themenauswahl und Themenformulierung, beim Text-Aufbau und auf der Ebene des sprachlichen Ausdrucks. Mit Stereotypien in TV-Wissensdokus setzt sich Professorin Annette Sabban auseinander. „Wissensdokus im Fernsehen erfreuen sich großer Beliebtheit und nehmen bisweilen die begehrtesten Sendeplätze ein, allen voran die ZDF-Sendereihe Terra X“, sagt die Übersetzungswissenschaftlerin der Uni Hildesheim. Sie untersucht, welche Muster sich in der Gestaltung erkennen lassen. Wie werden in den Sendungen Forscher bzw. Experten sprachlich und bildlich dargestellt? Was tun sie typischerweise, an welchen Orten halten sie sich auf? „So manche Orte sind zwar exotisch, zugleich aber schwer zugänglich, und die Forscher müssen Strapazen auf sich nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen“, so Sabban. Auffällig sei, ein „intensivierender Beschreibungsmodus“, das Neuartige und Sensationelle werde hervorgehoben. Dabei fällt auf, so Professorin Sabban, dass die Aussagen über das Objekt oftmals „im Bereich des Affirmativen bleiben“, zum Beispiel verfügt ein Tier „über eine unglaubliche Fähigkeit“ – auf eine genauere Benennung oder Erklärung wird verzichtet. Welches Bild der Wirklichkeit wird durch solche Arten der medialen Darstellung vermittelt?

An der Universität Hildesheim untersuchen Studierende im Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ die Sprache in Medienformaten, ohne das Visuelle und Musikalische zu vernachlässigen. Sie befassen sich damit, wie Medien aufgebaut sind und funktionieren. Einige der Studierenden stellen auf der Tagung kleine Untersuchungen als wissenschaftliche Poster vor. Sie haben zum Beispiel visuelle und sprachliche Metaphern in Wissenssendungen analysiert, die dabei helfen sollen, das Sachwissen verständlich und anschaulich aufzubereiten.

Auf der Fachtagung werden außerdem erste Ergebnisse aus Rezeptionsanalysen vorgestellt. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium, die Volksbank Hildesheim und die Universitätsgesellschaft Hildesheim fördern die Tagung.

Die Teilnahme an der Konferenz ist möglich, um vorige Anmeldung wird gebeten (bitte per E-Mail an jakisy@uni-hildesheim.de). Wer sich für das Thema interessiert, kann die beiden Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Annette Sabban (E-Mail sabban@uni-hildesheim.de) und Dr. Sylvia Jaki (E-Mail jakisy@uni-hildesheim.de) kontaktieren. Alle Abstracts der Beiträge finden Sie online.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3
news-10730 Fri, 09 Oct 2015 18:00:00 +0200 Sprachkurs: Geschichten erzählen mit dem Körper https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/sprachkurs/ Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. Im nächsten Sprachkurs sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 25. Oktober 2015 anmelden. An den Moment, in dem sie das erste Mal die Gebärdensprache im Alltag einsetzte, erinnert sich Maria Heybutzki gut. Neulich fuhr die Masterstudentin mit dem Zug von Hildesheim nach Hannover, sie saß im Viererabteil am Fenster. „Ich konnte das Gespräch meiner drei Sitznachbarn verstehen, aber nur etwas, sie waren so schnell und richtig gut – sie haben sich im Dreieck unterhalten, was viel schwerer ist, da man sich dann nicht frontal sieht, sondern die Gebärden teilweise nur aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Man vergisst die Gebärdensprache schnell, wenn man sie nicht anwendet." Als sie aussteigen musste, setzt die Studentin ihre Gebärdensprachkenntnisse ein, um freundlich darum zu bitten, vorbeizukommen. Das konnte sie, die Gesten dazu hatte sie parat und man verabschiedete sich mit einem Lächeln.

Studentinnen und Studenten können an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen. Maria Heybutzki, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und sich in ihrer Abschlussarbeit mit barrierefreier Kommunikation befasst, hat ein Jahr lang an dem Sprachkurs teilgenommen, eine wichtige Erfahrung. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen.

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt die Medienlinguistin Prof. Christiane Maaß. Es gibt zwei Kurse: Gebärdensprache I ohne Vorkenntnisse und Gebärdensprache II mit Vorkenntnissen. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Inklusion zu tun haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft installieren."

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular, Gebärden und Idiome", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache, zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar  wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die beiden Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können. Bisher nahmen Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen" sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die angehenden Medienübersetzer ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Auch Lehramtsstudierende können teilnehmen.

Der Kurs startet am 1. November 2015, geht über zwei Semester und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 25. Oktober 2015. Wer sich für den Kurs anmelden möchte, kann Prof. Dr. Christiane Maaß kontaktieren (E-Mail: christiane.maass@uni-hildesheim.de). Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Inklusion
news-10322 Wed, 08 Jul 2015 09:25:00 +0200 Informationsmanagement und Sprachen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/informationsmanagement-und-sprachen/ Die einen bringen Computern bei, Sprachen maschinell zu übersetzen und entwickeln elektronische Wörterbücher. Andere gestalten Internetseiten barrierefrei oder übersetzen technische Texte. 164 Studierende haben in den Informations- und Sprachwissenschaften ihren Bachelor- oder Masterabschluss erreicht. Ein Anlass, um einmal nachzufragen: Matthias Friedrich sprach mit den Absolventinnen Nicola Hoppe und Alexandria Sanasi über das Studium und Berufsperspektiven. Während des Studiums haben sich verschiedene Interessenschwerpunkte herauskristallisiert, die beide im Beruf weiterverfolgen möchten. Ihre Masterarbeit hat Nicola Hoppe über Metaphern des Todes geschrieben: Wie werden Metaphern über den Tod in Zeitungsanzeigen und in Krimiserien dargestellt? „Es gibt viele Unterschiede zwischen diesen beiden Diskursen“, sagt sie.

Alexandria Sanasi hat ihren Bachelor „Internationales Informationsmanagement“ mit dem Schwerpunkt Informationswissenschaft gerade abgeschlossen und hat nun ihr Masterstudium in Hildesheim begonnen. Sie interessiert sich unter anderem für maschinelle Sprachübersetzung. Das hat sie in ihrer Bachelorarbeit weiterverfolgt und reiste dafür im Rahmen des Programms „Welcome to Africa" nach Pretoria in Südafrika. Das Programm wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). In ihrer Bachelorarbeit entwickelt Alexandria Sanasis einen grammatischen Trainer für Zulu-Possessivkonstruktionen. Ihre Arbeit erfolgte in Zusammenarbeit mit der University of South Africa, UNISA, und dem Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim. Dort lehren und forschen Professor Ulrich Heid und Gertrud Faaß im Bereich Computerlinguistik. Ihr Praktikum absolvierte Sanasi in einem Londoner Marketing-Unternehmen, wo sie sowohl Websites und Blogs gestaltete als auch Verkaufstrainings für Vertreter des Gesundheitssektors plante.

Nicola Hoppe plant, in Hildesheim zu promovieren. Ihr Wissen über Metapherntheorie will sie in ihrer Doktorarbeit vertiefen, in der sie die Metaphern in der Kommunikation von Menschen mit Essstörungen untersuchen möchte, um die Schnittstellen zwischen Erfahrung, Gedanken und Sprache zu finden. Bei dieser Themenfindung hat ihr das geholfen, was sie während ihres Studiums über kognitive Linguistik gelernt hat, die sich mit dem beschäftigt, was im Kopf beim Sprechen passiert. Alexandria Staniasi hingegen möchte sich weiter auf e-Learning konzentrieren, möglicherweise mit einem Schwerpunkt auf kulturelle und internationale Lernstilforschung.

Welche Anregungen bietet die Universität den Studierenden des Fachbereichs „Sprach- und Informationswissenschaften“? „Wir empfehlen den Studierenden, entweder im Ausland ein Praktikum oder ein Semester zu absolvieren, damit sie Berufserfahrungen sammeln können“, sagt Helena Drawert, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Interkulturelle Kommunikation. Dass das automatisch zu Berufsperspektiven führen kann, haben Nicola Hoppe und Alexandria Sanasi bewiesen. 

Informationsmanagement, Übersetzen und Sprachen

Jetzt ist es so weit: 164 Studierende haben dieses Jahr ihr Studium der i-Plus-Studiengänge und des Masters Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache abgeschlossen. Ende Juni erhielten Studierende aus den Studiengängen „Internationales Informationsmanagement“, „Internationale Kommunikation und Übersetzen“, „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“, „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ sowie „Medientext und Medienübersetzung“ ihre Bachelor- und Masterurkunden.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Englische Sprache Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-10244 Mon, 22 Jun 2015 11:07:00 +0200 Die Sounds der Nacht https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/die-sounds-der-nacht/ Zwischen alltäglichen Klängen, Gitarrensounds, Soul, Jazz und A-Capella: Mehr als 3200 Besucher flanieren während der Uni-Mittsommernacht über den Domänenhof. Markus Langer dankt allen Mitwirkenden, darunter über 300 Künstlerinnen und Künstler sowie Helfer, und den Förderern und kündigt ein Wiedersehen im nächsten Jahr an: Zur kürzesten Nacht des Jahres lädt die Stiftung Universität Hildesheim am 18. Juni 2016 erneut ein. Erste Eindrücke: zur Bildergalerie 2015

Sie wollten einmal schauen, „was junge Künstlerinnen und Künstler in Deutschland machen“. Miguel Nunez aus dem spanischen Salamanca und Sofia Borovskaia aus Vladivostok in Russland studieren beide Design in Madrid. Die 21-jährige Sofia will im Auslandssemester in Hildesheim Einblicke erhalten, was derzeit im künstlerischen Bereich in Deutschland geschieht und besucht daher auch die Mittsommernacht. „Alle sind hier heute, ich schaue mir an, was die Theater- und Musikstudierenden auf die Beine stellen.“

Auch Laura Berkel aus dem amerikanischen Reading hat von der „tollen Atmosphäre“ gehört und wollte nun selber prüfen, was auf der Mittsommernacht passiert. Seit einem halben Jahr studiert sie „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ an der Universität Hildesheim, da sie die deutsche Sprache „täglich hören und sprechen“ möchte. Im Süd-Osten der USA studiert sie Germanistik und Philosophie.

Wie Miguel, Sofia und Laura flanierten an diesem Wochenende insgesamt etwa 3250 Besucherinnen und Besucher während der Uni-Mittsommernacht über den Kulturcampus Domäne Marienburg. „Ein großartiges Fest von Universität und Stadt Hildesheim. Danke an alle, die das möglich gemacht haben, an die Förderer, Künstler und alle Helfer auf der Domäne. Wir sehen uns zur nächsten Mittsommernacht am 18. Juni 2016“, sagt Markus Langer, der für die Universitätsförderung und für die Organisation der Mittsommernacht zuständig ist. Musik, Tanz und Theater brachten Jüngere und Ältere, Studierende und Berufstätige, Uni-Mitglieder und Bürger zusammen. Etwa 300 Helfer sowie Künstler, viele Studierende und Absolventinnen und Absolventen aus dem Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“, haben das Programm gestaltet. Dabei hat die Uni auch mit dem Theater für Niedersachsen und mit dem Musikland Niedersachsen zusammengearbeitet.

Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich wendete sich während der Eröffnung an Oberbürgermeister Ingo Meyer: „Danke, wie sehr Sie die Universität in ihrer Entwicklung begleiten. Danke auch an die Universitätsgesellschaft mit ihrem Vorsitzenden Rainer Hermeling, die seit vielen Jahren ehrenamtlich die Verbindung zwischen Bürgergesellschaft und Universität stärken.“ Während der Eröffnung auf dem Innenhof kamen die Bürgermeister der Hildesheimer Partner- und Patenstädte – unter anderem aus Ägypten und Frankreich, aus Russland und England – erstmals alle zusammen, stellten sich vor und setzten gemeinsam ein Zeichen für Verständigung. Unter ihnen auch Victor Galeana aus der mexikanischen Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMéx) in Toluca. Seit fünf Jahren kooperiert die Uni in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen mit der mexikanischen Universität.

„Mexikaner und Deutsche haben eine ähnliche Mentalität, wir passen zusammen“, meint Galeano während er mit dem Dekan des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften Professor Friedrich Lenz, und María Elena Camacho-Mohr, die Fachkoordinatorin des Austauschprogramms Mexiko, über den Domänenhof wandert, hinüber zur „Hörbar“.

Dort tauchen sie in Sounds ein, sitzen an einem Tisch und experimentieren mit Gläsern, wie Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen klingt – als Crushed Ice, flüssig, auftauend. Dahinter stecken die Studenten der Kulturwissenschaften Robin Nagler und Lukas Kleinert. Sie nehmen dem Wasser die Töne ab und haben Kontaktmikrofone in Eiswürfel eingefroren und an Bierdeckeln befestigt, an Gitarrenverstärker gekoppelt und verstärken somit die Sounds, die entstehen, wenn man einen Eiswürfel lutscht oder kräftig durch ein Wassserglas rührt. „Sie schenken dem Beachtung, was wir für selbstverständlich halten, unseren eigenen Schritten, der Flüssigkeit“, sagt Professor Johannes Ismaiel-Wendt vom Musikinstitut. Die Studierenden erinnern mit der in blaues Licht eingetauchten „Hörbar“ an die ehemalige Eisfabrik (Muku-Eis), die auf der Domäne war. Sie haben sich in einem Seminar mit Klängen im Alltag beschäftigt, gemeinsam mit dem Musikland Niedersachsen Hörstationen entwickelt, die in den nächsten Wochen in Niedersachsen zu hören sind, beispielsweise in Hannover. „Es gibt kein richtig Hören oder falsch Hören“, sagt Ismaiel-Wendt.

Vor der „Hörbar" steht Lisa-Marie Trottfeld. Sie studiert Kulturwissenschaften mit den Fächern Medien und Musik an der Uni und hat mit Malte Andritter, Student der Szenischen Künste, und weiteren Studierenden Sound-Installationen entwickelt. „Wir haben uns mit dem Thema Ohrentausch beschäftigt, entstanden ist zum Beispiel eine Tanzfläche, auf der man die eigenen Schritte hört. Ich habe diese Hörhelme entwickelt“, sagt Malte Andritter über das Seminar „Sound Studies“ und zeigt auf blau-schwarze Trichter, Kopfhörer und Röhrensysteme, die an Besenstielen befestigt sind. „Das sind verlängerte Ohren. Wie ein Sucher kann man sie in verschiedene Richtungen halten. Das irritiert.“ Mit einem Helm hört man „auf dem linken Ohr, was man normalerweise mit dem rechten Ohr hört und umgekehrt“, erklärt der Student, während sich vor seinen Hörhelmen eine Schlange Neugieriger aufbaut. „Das Interessante ist, dass man dadurch geschult wird, was das Ohr eigentlich alles aufnimmt und dass man erstmals das Hören fokussiert und was man tagtäglich an Geräuschen wahrnimmt.“ Die mobilen Sound-Installationen haben die Studierenden im Seminar von Professor Ismaiel-Wendt und in Kooperation zwischen der Universität und dem Musikland Niedersachen entwickelt, berichtet die 20-jährige Lisa-Marie Trottfeld, bevor sie schon wieder den nächsten Testern, jung und alt, die Kopfhörer aufsetzt.

Einmal quer über den Innenhof, vorbei an Licht-Installationen und farbigen Reagenzgläsern ist die Parkbühne in bester Laune. Die Band Phrasenmäher spielt, bevor das Feuerwerk von Arwed Löseke den Park erleuchtet und Tausende gen Himmel blicken.

Während es im Vorjahr „very british" zuging, steht die Nacht im Jubiläumsjahr der Stadt Hildesheim unter dem Motto „Science and the City“ – ohne die Stadt und engagierte Bürgerinnen und Bürger würde manches wegfallen, darauf wies Universitätspräsident Friedrich auf einem Empfang am frühen Abend hin. Er dankt besonders dem Hildesheimer Ehepaar Beate und Uwe Schiedeck. Sie stiften der Universität eine Sportprofessur: Der Sportwissenschaftler Nico Kurpiers baut nun gemeinsam mit seinen Studierenden Lehrprojekte aus, in denen er Kinder, Jugendliche und deren Familien nach einer Krebserkrankung unterstützt. Das Training kann nun auch wissenschaftlich erforscht werden. Kurpiers untersucht etwa, wie sich Bewegung auf das Immunsystem auswirkt und bindet dabei Studierende aus dem Studienschwerpunkt „Sport, Gesundheit, Leistung“ ein. Auf der Mittsommernacht gab er einen Einblick in seine Arbeit, die ohne die Stiftungsprofessur nicht hätte fortgesetzt und ausgebaut werden können.

Vizepräsident Professor Martin Schreiner wies auf dem Sommerfest darauf hin, dass Bürger Studierende mit Deutschlandstipendien unterstützen können. Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die ein Deutschlandstipendium stiften möchten, können Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121 88390130) kontaktieren. Das Prinzip ist einfach: 1800 Euro Privatspende werden durch den Bund auf den doppelten Betrag aufgestockt. So entsteht ein Stipendium von 300 Euro monatlich über ein Jahr. „Sie können Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen unterstützen, die an der Universität im Rahmen der offenen Hochschule in einem Schnupperstudium studieren und wieder die Bindung zum universitären Alltag suchen“, so Martin Schreiner.

Gefördert und begleitet wird die Veranstaltung unter anderem durch die Friedrich Weinhagen Stiftung, den Landschaftsverband, von der Sparkasse Hildesheim, der gbg, der Techniker Krankenkasse, H.U.T. (Hildesheimer Unternehmer Treffen), welche den Auftritt von Phrasenmäher ermöglichen, Autohaus Kühl, Arwed Löseke, dem Vapiano, zudem durch Public und Radio Tonkuhle als offizielle Medienpartner. Kehrwieder am Sonntag präsentierte die Uni-Mittsommernacht.

Einen Artikel über die Mittsommernacht finden Sie auch in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 22.06.2015

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Englische Sprache Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-9607 Mon, 16 Feb 2015 18:12:00 +0100 Wenn Worte auf der Bühne stehen: Theater mit Übertiteln https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/wenn-worte-auf-der-buehne-stehen-theater-mit-uebertiteln/ In Deutschland gibt es kaum Theater mit Übertiteln für Gehörlose: Medienübersetzerinnen und Theaterstudierende wollen das ändern und erproben ein Stück über Besserwisser. Dabei nutzen sie den Bühnenraum, um Worte zu projizieren. Wenn eine Schauspielerin schreit, platzieren sie das Schriftbild „I C H W I L L“. Und umschreiben das Gefühl nicht mit der Fomulierung „(schreiend)". Professorin Nathalie Mälzer untersucht in einer Rezeptionsstudie, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Ein Theaterstück – für alle. Ein Probenbesuch von Isa Lange. Ein grüner Schriftzug lädt ein in das Theaterhaus. Wer an der Backsteinfassade entlang geht, folgt einigen Pfeilen, biegt ab und landet im Theaterraum. An der Wand entdeckt man zahlreiche Plakate, die bis zur Decke reichen und auf Aufführungen hinweisen: Schauspiel, Musik- und Kindertheater, Improvisation und Theaterperformance. Das Theaterhaus in Hildesheim in der Nähe des Hauptbahnhofs ist ein Raum für junge Theaterschaffende auf dem Sprung in die Professionalität, die an diesem Ort ihre ersten Arbeiten unter „freien Bedingungen" entwickeln. Und sie entwickeln Neues. Wie offen und zugänglich sind Kultureinrichtungen? Wer hat teil, wer tritt ein, wen erreicht ein Theaterstück?

Eine besondere Inszenierung entsteht derzeit in Hildesheim: Medienübersetzerinnen und Theaterstudierende befassen sich mit der Frage, wie Menschen, die nicht oder kaum hören können, gemeinsam mit hörenden Theater erleben können. Studierende aus dem Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" entwickeln in einem Projektseminar gemeinsam mit der Theatergruppe Kirschrot ein Stück über Dickköpfe und Besserwisser, das einen inklusiven Ansatz verfolgt. Während der Vorstellungen projizieren die angehenden Medienübersetzerinnen Übertitel live auf die Bühne und binden diese als ästhetische Elemente ein – nicht als fremd wirkende oder dezent am Rand stehende LED-Leiste. In die Erarbeitung des Stückes haben sie gehörlose und schwerhörige Kinder einbezogen.

Statt dezenter LED-Leiste: Übertitel werden Teil des Bühnenbildes

„Die Übertitel sollen integrativer Bestandteil der Inszenierung werden, keine Fremdkörper sein. Wir möchten das ästhetische Potential der Übertitel in unterschiedlichen Formen nutzen“, sagt Projektleiterin Nathalie Mälzer, Professorin für Transmediales Übersetzen an der Hildesheimer Uni. „Denn erst wenn die Übertitel mehr als eine Übersetzung sind und sich an das gesamte Publikum richten, kann ein inklusiver Effekt entstehen."

Wenige Tage vor der Premiere. Eine Probe am Vormittag. Der Raum ist dunkel. In weißer Schrift werden Wörter auf die Bühne projiziert: „Aus Spaß wird oft Ernst", „Sturm ernten", „Kristin ist stur" und „Nicht immer halli galli machen". „Wütend", „durchsetzen" und „will" landen zunächst auf einem Gewächshaus, welches die Spielerinnen im Baumarkt gekauft haben. „Darin können Ideen wachsen", so Sarah Kramer, die auf der Bühne steht. Ideen in ihrem Stück über den Umgang mit Zuschreibungen und Vorurteilen und Ideen für neue Ansätze im Theater. Die Buchstaben landen in der Tiefe des Raumes und drei junge Frauen fischen sich Wörter heraus, mit Karton in Neonfarben, so lenken sie den Blick des Zuschauers. Aus der Tiefe des Raumes holen sie „Du bist ein echter Dickkopf!" hervor. Gesprochene Sprache wird sichtbar.

Willkommen seien „alle Schlaumeier, Rumdiskutierer, Trotzköpfe und die, die die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben", sagt Marietheres Jesse. Die 24-Jährige studiert an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften mit den Fächern Theater und Bildende Kunst und steht gemeinsam mit der 26-jährigen Kulturwissenschaftsabsolventin Kristin Grün und der ein Jahr älteren Theaterpädagogin Sarah Kramer als Theaterensemble Kirschrot Ende Februar auf der Bühne des Theaterhauses. In dem Stück werden außerdem Videos auf die Bühne projiziert. Die drei Theaterschaffenden haben mit hörenden und hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen vom Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim und Schülern aus dem Kindertheaterclub Wilde 13 in Münster Geschichten und Erfahrungen von und mit Dickköpfen und Besserwissern gesammelt. Diese Geschichten von Kindern finden sich nun auf der Bühne wieder. „Die Kinder sehen, was aus ihren Ideen auf der Bühne geworden ist“, so Jesse.

Theaterspielerinnen liefern Sprechtext früh an Medienübersetzer, Kostüme ändern sich

Die Theaterspielerinnen arbeiten in der Produktion schon früh mit Medienübersetzern der Universität Hildesheim (Details zum Kooperationsprojekt) zusammen. Wenn Marietherese Jesse „ich will, ich will, ich will“ schreit und in der Szene an einen Supermarkteinkauf als Fünfjährige mit ihrer Mutter erinnert, bei dem sie Cornflakespackungen unbedingt haben möchte und sich kreischend auf den Boden wirft, dann entwickeln die Medienübersetzer dafür folgenden Lösungsvorschlag: Statt das Gefühl der Szene zu umschreiben, etwa mit schriftlichen Worten wie „(wütend)“ und „(schreiend)“, platzieren sie Übertitel in Großbuchstaben über die gesamte Bühne, um das Schreien im Schriftbild zu zeigen, dann steht dort: „I C H  W I L L“. Dabei arbeiten die angehenden Medienübersetzerinnen auch mit üblichen Beamern und Powerpoint, da diese Software, anders als Profisoftware, mehr gestalterischen Freiraum bietet. So können sie den gesamten Raum der Bühne, auch in seiner Tiefe, nutzen.

Die Theatergruppe musste den Sprechtext, anders als sonst üblich, schon vier Wochen vor der Probe an die Übersetzer weiterleiten. Im Medientextlabor der Uni am Bühler-Campus arbeiten Studierende derzeit an den finalen Übersetzungen, in enger Abstimmung mit dem Theaterensemble, das selbst weiße Kleidung trägt – so werden die Körper der Spielerinnen zur Projektionsfläche für Übertitel.

Studie untersucht: Fühlt sich das Publikum von Übertiteln abgelenkt?

„Eine 1 zu 1 Übersetzung der gesprochenen Sprache in ein Schriftbild geht nicht, wir gehen gemeinsam mit dem Theaterensemble die Szenen durch und kürzen sinngerecht. Häufig gilt: Je diskreter, desto besser. Das Theater Kirschrot arbeitet anders, Übertitel sind für sie ein ästhetisches Element und sie laufen nicht auf einer dezenten LED-Leiste. Wir wollen in einer Rezeptionsstudie auch herausfinden, ob sich das hörende und nicht hörende Publikum von den Übertiteln abgelenkt fühlt, ob zum Beispiel alles gut zu lesen war oder der Einsatz von Farben hilfreich ist, um Sprecher zu kennzeichnen", sagt Maria Wünsche, die an der Universität Hildesheim Medienübersetzung bei Professorin Nathalie Mälzer studiert und das Theaterprojekt mit umsetzt.

Auf den Ergebnissen der Rezeptionsstudie können Theaterhäuser in Deutschland aufbauen. Dafür befragt Nathalie Mälzer im Anschluss an die Theateraufführungen das Publikum. Außerdem bringt sie Theaterschaffende aus Häusern in Oldenburg, Braunschweig, Hannover und Dresden mit Vertretern des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte und Theaterpublikum zusammen. Sie tauschen sich über inklusives Theater, die Arbeitsprozesse bei der Erstellung von Übertiteln sowie deren Qualität und über eine weitere Zusammenarbeit mit der Universität aus. Dabei diskutieren die Fachleute Vor- und Nachteile der Übertitlung gegenüber anderen Formen der barrierefreien Gestaltung von Theateraufführungen (etwa Gebärdendolmetschen und Induktionsschleifen).

In Deutschland gebe es bisher so gut wie keine Theater und Opern, die Übertitel für Hörgeschädigte und Gehörlose anbieten, so Mälzer. Die Stiftung Niedersachsen unterstützt das Kooperationsprojekt mit 4.000 Euro.

Marietheres Jesse studiert Theater an der Uni, steht mit Theater Kirschrot auf der Bühne. Foto: Lange/Uni Hildesheim

In Kürze: Theaterstück mit Übertiteln

Theater Kirschrot lädt ein zum „Club der Dickköpfe & Besserwisser“. Das inklusive Theaterstück für hörende und hörgeschädigte Menschen ab 10 Jahren wird im Theaterhaus Hildesheim (Langer Garten) gespielt - am 20. Februar um 10:00 Uhr und um 19:00 Uhr und am 21. Februar 10:30 Uhr.  Der Eintritt beträgt 5 € für Kinder und 8 € für Erwachsene. Am 21. Februar diskutieren Theaterschaffende und Regisseure mit Medienübersetzern der Universität Hildesheim (nach der Theatervorstellung, Teilnehmer am Runden Tisch PDF). Interessierte sind herzlich eingeladen. In dem Projekt arbeiten die Universität, das Theaterhaus, das freie Theaterensemble Kirschrot und das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Erste Ergebnisse der Rezeptionsstudie werden bei dem Runden Tisch den anwesenden Experten, der Presse und der Öffentlichkeit präsentiert.

Maria Wünsche studiert „Medientext & Medienübersetzung". Foto: Lange/Uni Hildesheim

Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medien zu übersetzen. Sie üben Synchronisieren, Untertitelung oder Voice-Over. Im Schwerpunkt „Barrierefreie Kommunikation" bereiten die Studentinnen und Studenten aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim, Isa Lange (presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100).

ACHTUNG: Bitte beachten Sie die kurzfristige Terminänderung: Am 19. Februar findet keine (!) Aufführung statt. Die erste Vorstellung des Theaterstücks von Theater Kirschrot über Besserwisser und Dickköpfe beginnt am 20. Februar um 10:00 Uhr.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-9307 Wed, 24 Dec 2014 09:22:00 +0100 „Wir sehen nicht, was der andere für ein Gesicht macht“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/wir-sehen-nicht-was-der-andere-fuer-ein-gesicht-macht/ Wie höflich ist das Internet? Nachgefragt bei Christiane Maaß, Professorin für Medienlinguistik und Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim. Ein Gespräch über den Umgangston im Internet, öffentliche Beschwerden, Stürme der Entrüstung – und Freundlichkeit. Zunächst einmal: Etwas Höfliches, das Sie im Netz erlebt haben.

Christiane Maaß: Wir haben von der Forschungsstelle Leichte Sprache gerade unseren Twitter-Account gestartet. Relativ schnell bekamen wir von „Inclusion Europe“ eine Grußbotschaft: Toll, dass ihr da seid, wir schauen weiter auf das, was ihr macht. Das hat keinen großen Informationsgehalt, aber ist eine freundliche Kontaktaufnahme und Bestätigung der Wahrnehmung.

Und etwas Unhöfliches...

Etwas ungewollt Unhöfliches sind die Kontaktformulare auf der Internetseite der Universität Hildesheim. Wir stellen fest, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie damit richtig umgehen sollen. Es wirkt so, als würde man mit einem Computer interagieren. Ich erhalte haufenweise Nachrichten über dieses Formular, da schreiben Leute ohne Anrede, als ob sie sich an eine Maschine wenden. Das entspricht nicht der üblichen Brief- und E-Mail-Konvention, in der man eine Anrede, eine Grußformel und Verabschiedung hat und das Anliegen vorträgt. In den Nachrichten über das Formular steht nicht einmal „Hallo“. Es geht einfach los mit dem Text. „Anliegen Vortrag in Saarbrücken. Ausführende…“. Man merkt, dass das nicht böse gemeint ist – aber es ruft Irritationen hervor.

Es heißt ja, der Ton macht die Musik. Es kommt nicht nur darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt. Gerade ist eine Umfrage des forsa-Instituts erschienen. Im Internet leiden nach Meinung deutscher Internetnutzer die menschlichen Werte. Nach Ansicht der Mehrheit der Befragten sind die Menschen im Netz weniger ehrlich (55 %), respektvoll (53 %) und höflich (52 %) als im persönlichen Umgang. Ist Kommunikation im Internet wirklich so unfreundlich und agressiv?

Jein – das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist zum Beispiel, wo man sich bewegt. Gibt es eine etablierte Gemeinschaft, zu der man sich zugehörig fühlt? So eine „Community of practice“ kann sich zum Beispiel über ein Thema definieren. Wir untersuchen am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni Kommunikation in Internetforen. Zum Beispiel das Forum „chefkoch.de“, wo man sich regelmäßig trifft und austauscht, etwa darüber, was es denn am Mittag zu Essen gibt. Oder Kino-Foren: Meine Doktorandin Uta Fröhlich untersucht, wie Fans sich in solchen Foren treffen und sich zum Beispiel über die Twilight-Saga austauschen. Da streitet man sich auch mal, klar. Aber wir konnten in solchen themengebundenen Foren auch feststellen: Es geht dort in ausgeprägtem Maße respektvoll zu. Je näher sich die Beteiligten in der Onlineunterhaltung sind und je stärker sich die Interaktionen wiederholen, umso höflicher sind sie zueinander. Dabei kommt es nicht auf die Verwendung von Klarnamen an. Wichtig ist eher, wie aktiv der andere auf der Plattform agiert und wie er sich in den Profilinformationen, die jeden Post rahmen, präsentiert.

Wie formuliert man besonders höflich im Netz?

Das ist nicht nur der verbale Bereich. Internetplattformen haben auch sonst noch viel zu bieten. Zum Beispiel setzen die User Emoticons ein, auch mal sechs Smileys nebeneinander. Es gibt grafisch aufwändige Smileys, die sich umarmen und eine Berührung, Nähe und Küsse, also eine Interaktion zwischen den Beteiligten darstellen, also nicht allein Mimik. Leser nehmen solche Beiträge häufig als zugewandt wahr und antworten in höherem Maße freundlich. Auf anonymeren Plattformen, bei denen keine geschlossene Community dahinter steht, etwa bei Tageszeitungen und Nachrichtenportalen wie SPIEGELonline oder der Seite der spanischen El Païs und im Youtube-Portal, finden wir hingegen ein hohes Maß an unfreundlicher Kommunikation. Das sind unverbindliche Plattformen, man stößt einmalig aufeinander, lässt spontan Dampf ab und ist insgesamt weniger tolerant – das hat für den User keinerlei Konsequenzen. Da läuft es relativ rüde ab.

Entwickelt sich aus einer solchen Rohheit denn eine gewisse Gelassenheit gegenüber rauen oder gar verletzenden Umgangsformen? Hat das Auswirkungen auf unser offline-Verhalten?

Ob rüde Online-Kommunikation zu rohem Offline-Verhalten führt, ist keine Frage, die man mit sprachwissenschaftlichen Mitteln adäquat bearbeiten kann. Aber meine Einschätzung ist: Die Art und Weise, wie wir uns online äußern, lässt keinen Aufschluss darüber zu, wie wir offline agieren. Das sind separate Bereiche. Wenn Kommunikation im Netz negativer oder agressiver ausfällt als in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht, dann liegt das in großem Maße an der medialen Umgebung. Und da gibt es mehrere Faktoren: Trifft man sich sporadisch oder regelmäßig? Gibt es einen Moderator, der unfreundliche Beiträge entfernt? Werden die von der Plattform zur Verfügung gestellten Zeichensysteme adäquat genutzt? Es gibt ja im Allgemeinen noch viel mehr als die verbalen Äußerungen: Wir richten ein Profil ein, mit Profilbild (Avatar), Sinnsprüche, Informationen zur Person und ihren Vorlieben. Wer zum Beispiel ein Profilbild verwendet, auf dem der User selbst zu sehen ist und freundlich in die Kamera schaut, der wird nicht so schnell angeblafft, schließlich guckt der andere User einem gewissermaßen „in die Augen“. Die Plattform generiert weitere Informationen: Wie viele Beiträge hat ein User verfasst? Wurden sie von anderen als hilfreich bewertet?

Online-Kommunikation hat gegenüber offline-Kommunikation aber noch eine weitere Besonderheit. Ob wir eine Interaktion als höflich bewerten, hängt mit unserem Wissen darüber zusammen, was in einer bestimmten Situation angemessen ist. Offline wissen wir dies zumeist sehr gut. Wir kennen die Normen und wissen, was das normale Maß an Höflichkeit in einer bestimmten Situation ist, etwa beim Brötchenkauf im Bäckerladen. Diese Normen sind situationsgebunden. Sie hängen mit den Rollen der Gesprächspartner zusammen, mit ihrem Alter, ihrem Geschlecht. Online haben wir diese etablierten Normen nicht und uns fehlen auch bestimmte Informationen zu unserem Gegenüber. Die Kommunikationspartner können dann schlechter einschätzen, was angemessen ist, und reagieren dann häufig gereizt. Ihr offline-Verhalten dürfte damit aber eigentlich nichts zu tun haben.

Gehen wir zurück zur Sprachwissenschaft. Welche Differenzierungen sind online möglich? Im Dezember gab es eine Debatte im Netz. Die CSU schlug vor, Migrantinnen und Migranten sollten dazu angehalten werden, Deutsch in der Familie zu sprechen. Daraufhin gab es eine Welle an Reaktionen im Netz. Etwa: „Ich finde ja, es geht die Politik nichts an, ob ich zu Hause lateinisch, klingonisch oder hessisch rede.“ (Peter Tauber, Twitter). Er hätte ja auch schreiben können: „Haben die noch alle Tassen im Schrank?“ oder „Vollpfosten“. Wie breit ist die Höflichkeitsskala, was beobachten Sie?

Wenn man so eine Äußerung untersucht, muss man zweierlei beachten: Wie ist etwas gemeint? Wie wird etwas aufgenommen? Man kann etwas ganz nett gemeint haben, aber der andere stuft das für sich als nicht angemessen ein. Als Medienlinguisten können wir die sprachliche Äußerung als solche anschauen: Welche Mittel sind besonders drastisch? Dann fragen wir: Wie kommt die Äußerung an? Bei der Internetkommunikation – etwa die politischen Debatten – haben wir den charmanten Vorteil, dass wir die Antworten dabei haben und erforschen können, wie eine Äußerung ankommt. Wir untersuchen, worauf die Leute auf welche Weise reagieren. Dazu sammeln wir die Daten, verfolgen die Geschichte, finden den Auslöser. Dann entdeckt man zum Beispiel Fraktionsbildungen, wo ein Kommunikationspartner ungefragt einer Gruppe zugeordnet wird, zu der er vielleicht nicht gehören möchte. Einer sagt „Du bist ja eine von denen, die…“. Eine Interaktionsrolle, die wir in online-Kommunikation finden und die häufig zu einer Eskalation der Kommunikation beiträgt, ist die Rolle des Verteidigers. Der Verteidiger markiert durch seinen Beitrag Zugehörigkeit, verschärft aber häufig den Ton, weil er für eine Gruppe zu sprechen meint und sich im Recht fühlt.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir haben in einem Online-Kochforum Folgendes beobachtet, ein Strang von über 120 posts: Eine Frau schließt eine Wette ab. Schafft sie es, ihre Familie mit 20 Euro die ganze Woche zu bekochen? Das hat sie im Kochforum gepostet, also: „Ich brauche billige Rezepte, schickt sie mir bitte, ich möchte das schaffen.“ Dann kommt eine Reaktion, die auf schlechte Ernährung und Billigindustrie hinweist: „Was, du hast kleine Kinder, du ziehst die da mit rein?“. Eine Verteidigerin taucht auf: „Du unterstellst ihr, sie sei eine Rabenmutter?“. Wobei das Wort „Rabenmutter“ vorher noch gar nicht gefallen war. Typisch: Die Verteidigerin verschärft den Ton. Dann streiten sich diese beiden und viele weitere User im Thread eine ganze Weile und Unterstellen sich auf massive Weise Dinge („Sie kauft beim Billigmarkt ein und zerstört damit Arbeitsplätze in der deutschen Wirtschaft.“); sie bedrohen sich gegenseitig ihr Gesicht, sie sprechen über Dritte, sie ergreifen Partei für die eine oder andere Seite. Interessant ist: Die kriegen sich wieder ein. Nach einiger Zeit gehen die User wieder dazu über, Rezepte zu posten. Dann kommt die Nachricht der Frau, sie habe ihre Wette gewonnen und die Community applaudiert. Das zeigt, dass Foren auch Selbstheilungskräfte haben und ein Streit nicht notwendig die Kommunikation als solche zum Scheitern bringt.

Innerhalb eines Forums können Mitglieder auch Hierarchiestufen erklimmen.

Für die aktive Teilnahme wird das Mitglied belohnt und kann aufsteigen. Da gibt es so humorvolle Hierarchien, zum Beispiel kann man bei Chefkoch.de vom Tellerwäscher über den Kartoffelschäler und Suppenkoch zum Sternekoch aufsteigen, wobei man für den Sternekoch 12.000 Punkte braucht und für einen Forumsbeitrag genau zwei Punkte bekommt, wenn er denn kochspezifisch ausgerichtet ist. Man kann sich vorstellen, welche Art von Aktivität nötig ist, um diesen Weg zu beschreiten, da muss man schon sehr aktiv und sehr viel dort unterwegs sein. Die Hierarchiestufen sind wichtig dafür, wie man im Forum wahrgenommen wird: Ein „Sternekoch“ wird nicht so leicht unfreundlich angesprochen wie ein Neuling im Forum.

Wie regelt man das Miteinander in sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Foren?

Es gibt Poweruser, die sehr stark im Forum aktiv sind und eine Moderatorenrolle einnehmen. Sie schauen, wo etwas eskaliert. User können häufig unangemessene Beiträge melden, der Stein des Anstoßes kann entfernt werden. Die Communities gehen unterschiedlich mit Streit um. Bei Wikipedia kann man die Versionsgeschichte mit allen Wortmeldungen sehen, auch die Geschichte der Diskussionen zu einem bestimmten Beitrag. In der deutschen Wikipedia lassen die User die Streits tendenziell stehen, das heißt die Diskussion bleibt nachvollziehbar. In der spanischen Wikipedia hingegen wird der Streit häufig gelöscht – da gibt es offenbar ein Harmoniebedürfnis, das dazu führt, dass der Streit damit quasi „aus der Welt geschafft“ wird. Allerdings bleibt er über die Versionsgeschichte weiterhin rekonstruierbar.

Offline kann ich eine Nacht über den Disput schlafen, ein Moment ist vorbei, man verträgt sich. Im Netz ist der Streit ja immer wieder sichtbar.

Das ist tatsächlich ein Problem. Viele User sind sich nicht bewusst darüber, dass das, was sie da im Zorn äußern, sieben Jahre später über Suchmaschinen noch beliebig abrufbar ist. Wir haben also eine Situation, wo spontan reagiert wird – was eigentlich in den Bereich der Mündlichkeit gehört –, dialogisch, schnell, ohne Planungszeit zieht man vom Leder. Aber die medialen Eigenschaften sind die der Schriftlichkeit, die Worte sind fixiert, nicht änderbar, es steht eben für immer da geschrieben. Sie bedrohen das Gesicht derjenigen, die sich haben gehen lassen oder die beschimpft wurden, auf Dauer. Jahre später kann jemand eine unbedachte Äußerung nachlesen oder kommentieren. Online ist nichts flüchtig.

Verzeihen Sie das Wort – wir sind also beim Shitstorm angekommen, so eine Art virtueller Pranger. Gibt es da Regeln oder prescht in solchen Momenten jeder drauf los und gibt seinen Senf ab?

In meiner Arbeitsgruppe beschäftigt sich Kristina Bedijs mit diesem Thema. Ein Shitstorm ist für die betroffenen Unternehmen eine ernste Gefahr, etwa wenn Produkte, Werbekampagnen oder Äußerungen daneben gehen. So gab es neulich einen medialen Aufschrei, als Kinderkleidung auftauchte, deren Schnitt und Beschriftung als anzüglichen und sexualisierend empfunden wurde. Da ging ein Aufschrei einmal um den Globus. So ein negatives Image ist dann schwer wieder auszuradieren. Die Unternehmen reagieren aber inzwischen auf diese Situation und stellen etwa Social Media Manager ein, die versuchen, die Stimmung im Netz zu drehen. Wer es ganz geschickt macht, kann dann aus einem Shitstorm einen Candystorm machen, also es regnet dann metaphorisch gesprochen Bonbons auf die Unternehmen herab. Die Deutsche Bahn hat das zum Beispiel einmal geschafft. Da gab es ein Posting, in dem sich eine Dame recht phantasievoll beschwert hat: Sie hat einen Abschiedsbrief geschrieben wie an einen Exfreund: liebe Bahn, es ist Schluss, wir können nicht mehr miteinander; und dann ihre Unzufriedenheit in sehr konkrete Worte gefasst. Die Bahn hat dann sozusagen in der Rolle des Exfreunds geantwortet: Lass es uns noch mal versuchen, ich komme in Zukunft pünktlich.

Jeder kann sich einschalten im Internet, oder?

Im Internet ist Kommunikation mehrseitig. Keiner spielt den Aufpasser. Sie können unilateral kommunizieren – einer spricht, alle hören zu, wie beim Radio. Sie können einen responsiven Kanal öffnen, etwa einen Hörer über das Telefon zuschalten. Wenn der etwas sagt, was Ihnen nicht gefällt, kappen Sie ihm die Leitung und weg ist er. Dann haben Sie so etwas wie die Social Media und damit eine Vielfalt der Positionen, jeder kann sich einschalten, ohne besondere Technikkenntnisse mitbringen zu müssen. Andere Medien, zum Beispiel die traditionelle Presse, spiegeln dann interessante Netzphänomene, etwa einen Shitstorm. Ein Protest kann so verstärkt werden. Wir erinnern uns an den Versuch der Telekom, das Volumen der Internetzugänge zu drosseln. Da war im Internet der Teufel los und die Presse hat das aufgegriffen und damit verstärkt. Unternehmen müssen sich dem stellen. Sie müssen versuchen, offensiv mit Beschwerden oder Ärger umzugehen, Fehler einzuräumen und Gesprächsangebote zu machen. Es stellt sich dann auch heraus, dass eben bestimmte Dinge nicht durchsetzbar sind. Das Potential des Shitstorms ist damit auch, dass bestimmte Wege für die Unternehmen nicht gangbar sind und korrigiert werden müssen. Einzelne Stimmen klingen dann zusammen, Positionen werden hörbar und Unternehmen müssen reagieren, sonst entsteht ihnen ein Schaden.

Wie tritt man in einen Dialog im Internet, wenn man das Gegenüber nicht sieht und nicht kennt, sondern nur Buchstaben liest? Ich habe es mit einer Masse zu tun, weiß nicht, wer und wie viele ist eigentlich mein Gegenüber? Wie schafft man es, eine Debattenkultur zu etablieren, in der wir respektvoll miteinander umgehen?

Es ist eine Frage der Plattform, die Rahmung ist wichtig. Wir sehen im Netz nicht, was der andere für ein Gesicht macht. Wir sehen uns nicht, wir kommunizieren spontan und uns fehlen Interpretationshilfen wie Mimik und Gestik. Wenn die Plattform so ausgerichtet ist, dass ich Profile hinterlegen kann, dann wissen wir mehr voneinander. Wir können aufgrund dieser hinterlegten Profilselbstdarstellungen zumindest ein wenig einschätzen, wie der andere wahrgenommen werden möchte. Je mehr wir voneinander wissen und je mehr wir in Dialog treten, umso respektvoller gehen wir auch im Internet miteinander um. Es ist natürlich eine Frage, ob man Daten über sich im Netz preisgeben möchte. Aber wenn man es tut, dann tragen sie dazu bei, den eigenen Beitrag einzuordnen und besser einschätzbar zu machen. Viele Unternehmen, Einrichtungen und Behörden gehen auch diesen Weg: Mitarbeiter sollen mit einem Gesicht und Namen auftreten. Auch auf der Homepage unserer Universität ist das so: Wenn Sie zum Beispiel die Mitarbeiter(innen)seite des Dezernats für Personal- und Rechtsangelegenheiten aufrufen, dann erscheint eine Namensliste mit Telefon. Die Namen können angeklickt werden, es sind weitere Profilinformationen inklusive ein Bild hinterlegt. Unser Gesprächspartner blickt uns also ins Gesicht – das ist etwas anderes, als wenn User einen Konzern oder eine Behörde anonym ansprechen müssen. In diesem letzten Fall lassen sie sich eher dazu hinreißen, etwas drastischer zu formulieren, als wenn sie sich an ein menschliches Gegenüber online wenden. Das können dieselben Personen sein, die auf der einen Plattform an sich halten und adäquat kommunizieren, auf der nächsten Internetpräsenz dann aber unfreundlich vom Leder ziehen. Je anonymer die Plattform, desto weniger findet eine respektvolle Kommunikation statt. Gerade Kommentarseiten unter Beiträgen, die kein Profil erfordern, begünstigen unfreundliche Kommunikation. Das war schon immer so, denn hier fehlt die dialogische Grundstruktur, zu der eben auch die Wahrnehmbarkeit des Gesprächspartners gehört.

Ihr Ratschlag – wie sollte ich mich denn im Netz verhalten?

So wie im persönlichen Gespräch. Eine Grundregel ist: Kommunizieren Sie so, als würden Sie nicht in den Computer schreiben. Da sind immer Menschen auf der anderen Seite! Das, was Sie da schreiben, lesen nicht Maschinen, sondern Menschen. Wollen Sie so etwas, was Sie da gerade schreiben, auch selbst lesen? Dann schicken Sie es ruhig ab. Sonst denken Sie lieber noch einmal in Ruhe nach. Da im Netz Interpretationshilfen wie Mimik und Gestik fehlen, beobachten wir im Internet eine Tendenz zu markierter Kommunikation. Das heißt, sie tendiert grundsätzlich zur Abweichung in die eine oder andere Richtung: besonders höflich oder besonders unhöflich. Neutrale Interaktion funktioniert in sozialen Netzwerken dagegen nicht besonders gut, da sie schnell missverstanden wird.

Wie gehen Sie in Ihrer Arbeitsgruppe vor?

Wir haben unterschiedliche Teilprojekte, interessieren uns insgesamt für Forenkommunikation, etwa Freizeitforen. Uta Fröhlich hat dazu ihre Dissertation gerade fertiggestellt, ein Pionierwerk der korpusgestützten Medienlinguistik. Sie zeigt, wie die Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, – Emoticons, das Profilbild, die bisherigen Beiträge des Users, der Rahmen rundherum – Auswirkungen auf die Kommunikation haben. Die User gestalten den Rahmen der Posts und das wirkt sich auf das Gespräch aus.

Wir beschäftigen uns auch mit politischer Kommunikation über Twitter. So haben wir zum Beispiel ein Korpus mit Tweets aus dem US-amerikanischen und französischen Präsidentschaftswahlkampf 2012 erhoben. Für Obama war das nach 2008 der zweite Wahlkampf, erst Pionier, dann Twitter-Profi. Patricia Yazigi bearbeitet dieses Daten in ihrem fortgeschrittenen Dissertationsprojekt. Dabei wird deutlich: Die Wahlkämpfer kommunizieren nicht als Privatpersonen, sondern treten in bestimmten Rollen auf, die zum Wahlkampf passen. Obama etwa inszeniert sich als Vater, als Ehemann, als Landeschef. Das Team, das seine Tweets schreibt, referiert auf die Rollen und versucht, ihn in jeder dieser Rollen so gut wie möglich dastehen zu lassen. Dabei ist es ein Unterschied, ob jemand Inhaber der Macht ist oder Herausforderer; das zeigt Patricia Yazigi sehr eindruckvoll auf. Die Rolle – Machtinhaber oder Herausforderer – führt zu jeweils anderen Möglichkeiten, wie sich jemand zu bestimmten Themen äußert. Wähler des Gegners anzugreifen geht gar nicht, das wirkt sich im Allgemeinen negativ auf den Aggressor aus.

Weihnachten steht vor der Tür. Man greift zum Brief oder zur E-Mail. Laut aktueller Forsa-Umfrage pflegt die Mehrheit der Befragten (62 %) den Kontakt zu engsten Freunden eher selten online. Bei den unter 30-Jährigen ist der Trend aber gegenläufig, die Mehrheit kommuniziert mit sehr guten Freunden bereits überwiegend oder fast ausschließlich digital. Laut Forsa-Umfrage senden die meisten Deutschen (69 %) Weihnachtsgrüße bevorzugt per Brief oder Postkarte. Über die Hälfte gibt demnach an, sich über Weihnachtsgrüße „auf dem Postweg“ zu freuen. Bei welchem Anlässen kommunizieren wir eher online oder eher offline, etwa zu Weihnachten, zum Geburtstag, bei einem Trauerfall?

Der Trauerfall ist ein gutes Beispiel, hier verspüren wir Unsicherheit und möchten uns auf etwas stützen, das funktioniert und angemessen ist. Wir setzen auf gewachsene Textsorten und die Konventionalitäten eines Briefes. Der mediale Transfer macht immer etwas mit einer Textsorte, sie bleibt in einem neuen Medium nicht gleich. Um sicher zu gehen stützen wir uns bei einer so heiklen Angelegenheit wie einer Trauerkarte auf die Tradition und bleiben gern bei der ursprünglichen Medialität. Bei Weihnachtskarten ist es eine Altersfrage, jüngere Menschen, die mit dem Internet groß geworden sind, verschicken ihre Weihnachtsgrüße häufiger online als ältere. Ich selbst verschicke meine Grüße auch online, reichere schöpfe aber das Medium dahingehend aus, dass ich zum Beispiel Fotos anhänge und so ich eine Personalisierung erreiche, also für meinen Kommunikationspartner erkennbar keinen großen Verteiler bediene, sondern individuell kommuniziere. Grüße können also auch in einer E-Mail persönlich gestaltet werden.

Ich habe noch nie Weihnachtspost vom Land Niedersachsen erhalten. Auf Twitter ist der Ministerpräsident aber zu sehen mit einem Weihnachtsbaum und Weihnachtsgrüßen, es gibt sogar für jeden Tag einen Weihnachtskalender mit Gedichten, Weihnachtsfabel (mit Hinweis auf die entsprechende Stimmlage), Rezept für Kekse und Weihnachtspunsch, einem gesungenen Weihnachtslied von Otto [www.stephanweil.de/content/366453.php, twitter.com/stephanweil]. Landespolitiker nutzen das Internet um Weihnachtsstimmung zu verbreiten.

Ich kann mir solche Weihnachtsgrüße online aktiv abholen, das ist eine uninvasive Form. Ich fühle mich nicht gespamt und mein Postkasten ist nicht geflutet. Das Charmante daran ist, dass man sich sich diese Botschaften eigentlich nicht bewusst abholt („Jetzt hole ich mir hier meine Grüße beim Rathaus ab.“), sondern sie seitwärts mitnimmt. „Och, die haben daran gedacht? Wie nett.“ Dann wirkt die Institution auf einmal eher menschlich, nicht so wie ein Verwaltungsapparat. Das kann ein Lächeln auf das Gesicht des Users zaubern, selbst wenn sich solche Grüße an ein disperses Publikum richten, also an alle, die auf der Seite landen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Wollen auch nett sein: Politiker nutzen das Internet um Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Screenshot: I.Lange

Lesen Sie mehr zum Thema Höflichkeit im Internet:

Forsa-Umfrage zu digitaler Kommunikation, Dezember 2014

Wie höflich ist das Internet? Ist Kommunikation im Internet wirklich so unfreundlich, wie oft behauptet wird, Rückblick auf die Tagung „Face Work and Social Media“

„Schwerpunktthema: Beleidigend kuschlig und freundschaftlich rüde / Der Umgangston im Internet steckt voller Widersprüche", Forscher der Universität Hildesheim in der Sendung „Studiozeit", Deutschlandfunk, 19.09.2013, Hörfunkbeitrag von Barbara Weber

„Markierte Kommunikation. Wie höflich ist das Internet?", Kristina Bedijs, Christiane Maaß, Artikel erschienen in: Forschung und Lehre, 2014

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache
news-9031 Thu, 30 Oct 2014 11:40:00 +0100 Comictagung: Die spinnen, die Römer! https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/comictagung-die-spinnen-die-roemer/ Comicübersetzer – ohne sie würden wir kaum etwas verstehen. Doch ihre Arbeit wird kaum wertgeschätzt. Wie Comics auf der Bühne, in der Politik und weltweit in Kinderzimmern landen, wird bisher kaum erforscht. Eine der Legenden, die Übersetzerin der Asterix-Comics Gudrun Penndorf, spricht an der Universität Hildesheim auf einer Comickonferenz mit über 100 Teilnehmern. Comics landen auf der Theaterbühne, in der Politik, in Kinderzimmern, aus Comics entstehen Filme und Videospiele. Auch Weltliteratur taucht in Kurzform auf. Die Literaturwissenschaftlerin Nathalie Mälzer untersucht an der Universität Hildesheim, wie Dialoge übersetzt werden. „Die Kürze ist eine Herausforderung. Auf engstem Raum müssen Comicübersetzer die Aussagen in einer Sprechblase herüberbringen und komplexe Beziehungen zwischen Bild und Text berücksichtigen. Der Platz ist begrenzt. Sie können nicht, wie bei Romanübersetzungen möglich, Informationen ergänzen. Außerdem müssen Übersetzer die Illusion erzeugen, dass sich da Figuren unterhalten. Für Laute und Geräusche müssen sie passende Worte finden und phantasievoll in fremde Welten eintauchen. Soundwords und Lautmalerei können arge Kopfzerbrechen bereiten.“

Je unrealistischer das Szenario, desto weniger kann sich der Übersetzer auf seine Alltagserfahrung verlassen, so die Juniorprofessorin. Wie klingt etwa eine startende Rakete auf Deutsch, wenn sie im Englischen „SHREEEEEEEEEE“ macht?

Das sich die Übersetzungswissenschaft mit Comics befasst, ist bisher kaum üblich. Im Herbst 2014 richtet Nathalie Mälzer an der Universität Hildesheim eine internationale Tagung mit über 40 Fachleuten aus – eine der ersten dieser Art in Deutschland. Dabei geht es um Platzbeschränkung durch Sprechblasen, Lautmalerei und Schriftbilder, um Wortspiele, Reime, Humor und Komik. Es geht um spezielle Genres, etwa Sachcomics, „Funnies“ und „Mangas“ sowie Überarbeitungen für Erwachsene und Kinder. Die Forscher betrachten die historische Entwicklung der Comic-Übersetzung in Deutschland und professionelle Rahmenbedingungen bei Comicübersetzungen, Vertragsgestaltungen und Verlagsvorgaben.

Mathias Bremgartner (Universität Bern) zeigt am Beispiel des Manga-Klassikers „Barfuß durch Hiroshima", wie Comics im Theater inszeniert werden. Die Inszenierung setzt Schau- und Puppenspiel, Hörspielelemente und Video-Animationen ein, um die Geschichte des Protagonisten zur Zeit des Atombombenabwurfs über Hiroshima zu erzählen. Maximilian Gröne (Universität Augsburg) zeigt, wie Weltliteratur in actionlastigen Videospielen und Comics auftaucht. Aus Dantes „Divina Commedia“ entsteht der Comic „Dante’s Inferno", der die komplexe Unterwelt auf einige wenige Erzählmotive reduziert. Weniger verbreitet ist die entgegengesetzte Adaptionsrichtung: wenn Comics und Techniken des Comic-Erzählens in literarischen Texten verarbeitet werden. Steffen Richter (TU Braunschweig) taucht in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ein und zeigt anhand von Christian Kracht und Thomas von Steinaecker, wie Raum, Zeit und Perspektive, Bewegung, Farbgestaltung, Seitenarchitektur und Typographie im literarischen Abenteuererzählen aufgenommen werden.

Comics landen auch in der Politik: Elemente des Sachcomics werden von Behörden, Parteien und politischen Institutionen genutzt, um Informationen in die Bevölkerung zu tragen, sagt Nathalie Mälzer. Vor einem Jahr hat zum Beispiel das sächsische Innenministerium eine Info-Broschüre in sechs Sprachen herausgegeben: „Erstorientierungshilfe für Asylsuchende“ und dabei Fließtext und Comicelemente vermischt, in der Hoffnung etwas Humor in die ernste Angelegenheit zu bringen. Sachcomics wie „Die Große Transformation: Klima – kriegen wir die Kurve?" – 2013 zum Wissenschaftsbuch des Jahres nominiert – drehen sich um die Frage, wie von Menschen verursachte Umweltprobleme noch in den Griff zu bekommen sind. Ihr Ziel: breitere Bevölkerungskreise und Schulen erreichen. Professorin Annette Sabban (Universität Hildesheim) zeigt, wie aus einem 400-seitigen Gutachten des „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen" (WBGU) ein Sachcomic entstanden ist. Die Sprachwissenschaftlerin geht der Frage nach, wie einzelne Inhalte der Textvorlage in das Comic-Format umgesetzt wurden und ob die Experten im Comic „Helden" im üblichen Verständnis sind, die „gegen den Klimawandel kämpfen", wie im Klappentext werbend formuliert.

Wie Humor und Wortspiele originalgetreu übersetzt werden können, untersucht Sylvia Jaki (Universität Hildesheim). Susanne Pauer (Universität Innsbruck) geht der Geräuschkulisse in Comics nach: Lautmalerei ist aus Comics nicht wegzudenken. Worte „vertonen“ gewissermaßen die Geschichte. Ächz, seufz, gähn, kopfkratz – diese „Inflektive" sind eine deutsche Erfindung. Die Übersetzerin der Mickey-Mouse-Comics, Erika Fuchs, hat diese Worte gebildet, die mittlerweile auch in unserem Alltag auftauchen.

Die Forschung zu Comicübersetzungen ist Teil eines dreijährigen Forschungsprojekts (ausführliche Informationen). Nathalie Mälzer befasst sich an der Universität Hildesheim mit den Arbeitsprozessen und Problemen, die mit der Übersetzung von Dialogen einhergehen – vom Mündlichen ins Schriftliche, von einer Sprache, einer Gattung oder einem Medium ins andere. Sie untersucht anhand von fiktionalen Texten in Romanen, Theateraufführungen, Comics, Spielfilmen und Hörspielen, wie sich Bedeutungen verschieben. Später folgen Zeitungs- und Rundfunkinterviews, Dokumentarfilme und Sachbücher. Aus den Ergebnissen entwickelt die Heyne-Juniorprofessorin für Transmediale Übersetzung Qualitäts- und Bewertungskriterien für Dialogübersetzungen.

Im Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" lernen Studierende, Medientexte zu übersetzen, barrierefrei aufzubereiten und zu untertiteln. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim befassen sich die angehenden Medienübersetzer in Seminaren mit der Übersetzung und Analyse von Comics. Auf der Tagung stellen sie kleine Fallstudien vor.

Öffentlicher Vortrag für Asterix-Liebhaber

Sind sie verrückt? Doof? Nein, „die spinnen, die Römer“! Die Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf spricht zum Thema: „Die spinnen, die Römer! Wie Asterix und Obelix die deutsche Sprache eroberten" (2. November 2014, 9:00 Uhr, 45 Minuten Vortrag + 45 Minuten Diskussion). Für Menschen, die sich noch nicht so sehr mit Comics und Fragen der Comicübersetzung befasst haben, ist der Vortrag mit Fragerunde ein erster Einstieg.

Comictagung

Alle Vorträge der Konferenz „Übersetzungen und Adaptionen von Comics“ (Programm und Abstracts) sind öffentlich und kostenfrei. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. an der Konferenz nehmen Fachleute aus Spanien, Brasilien, Malaysia, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, USA, Deutschland teil. Der Tagungsband erscheint bei Frank & Timme. Der Konferenz läuft von Freitag, 31. Oktober, bis Sonntag, 2. November 2014 am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim (Bühler-Campus).

Mehr zum Thema:

NDR, „Hüstel, Ächz und Stöhn. Juniorprofessorin Nathalie Mälzer lehrt in der Uni Hildesheim, wie man Comics übersetzt. Ganz wichtig sind dabei eine authentische Sprechsprache sowie Prägnanz im Ausdruck" (06.06.2014, Filmbeitrag und Artikel)

Deutschlandfunk, „Sind sie verrückt? Doof? Nein, 'die spinnen, die Römer!' Literaturwissenschaftlerin Nathalie Mälzer im Corso-Gespräch mit Fabian Elsäßer über Comicübersetzungen" (17.06.2014, Sendung „Corso Kultur nach drei", Interview, 12 Min.)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM
news-8924 Tue, 14 Oct 2014 15:47:00 +0200 „Ein Studium ist mehr als der Weg in das Berufsleben“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/ein-studium-ist-mehr-als-der-weg-in-das-berufsleben/ 1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende starten in ihr Studium. Die Einführungswoche begann an diesem Montag mit einer Feierstunde. Damit studieren erstmals über 7000 Studierende an der Stiftungsuniversität Hildesheim. Das Studium werde zu stark unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet. Doch aus Wissenschaft und Universität gehe mehr hervor, als ein Passierschein in das Berufsleben, verdeutlicht Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Zwei Beispiele führen das an diesem Vormittag eindrucksvoll vor Augen. Eine junge Frau betritt die Bühne im Audimax –  dem größten Hörsaal der Universität – und berichtet, was zu ihrem Studienalltag gehört: Die Studentin Charlotte Klages möchte Flüchtlinge und Studierende zusammenbringen und hat gemeinsam mit weiteren Hildesheimern eine lokale Initiative auf die Beine gestellt, um Flüchtlingen in der Nachbarschaft das Ankommen in Hildesheim zu erleichtern, etwa durch Sprachkurse, Sportangebote und Theaterworkshops. Dass die Welt in Aufruhr ist, spüren auch Hochschulen: Auf dem Campus etwa wurden Schriftzüge mit Spray vermerkt – „Free Kobane“. „Jeder von uns erkennt diesen Hilfeschrei. Aber es gibt andere Formen, sich zu solidarisieren und Menschen in Not zu unterstützen, etwa indem Sie in solchen Flüchtlingsinitiativen mitwirken“, sagt Friedrich.

Maher Tyfour ist der zweite junge Mann, der an diesem Vormittag zeigt, dass an Universitäten kulturelle, akademische und menschliche Beziehungen wachsen. „Wir sind ganz stolz darauf, dass Sie bei uns studieren“, so der Universitätspräsident. Der Doktorand aus Syrien erhält in diesem Jahr den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende ausländische Studierende. „Dank der Unterstützung durch den DAAD habe ich die mir ursprünglich fremde deutsche Sprache lieb gewonnen. Ihre Melodie zwingt mich in gewisser Weise, mehr über diese Sprache zu erfahren. Hier habe ich eine Familie gefunden, einen sicheren Ort für mein Leben in der Fremde, die Erfahrungen am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sind sehr wertvoll“, sagt Maher Tyfour. Nach dem Bachelor in Syrien und dem Master an der Universität Göttingen promoviert der gebürtige Syrer seit 2013 bei Prof. Dr. Christiane Maaß an der Universität Hildesheim über Ästhetik in Hörfilmen. Auf einer internationalen Anrede-Tagung unter Leitung von Prof. Dr. Bettina Kluge konnte er als einer der wenigen arabischsprachigen Teilnehmer auf den syrischen Dialekt aufmerksam machen. Er untersucht, wie Autoritätspersonen öffentlich angeredet werden und hat eine Studie vorgestellt, wie Menschen in sozialen Netzwerken sich an den syrischen Präsidenten richten. Maher Tyfour engagiert sich bei Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler und sieht sich aufgrund der eigenen Vita auch als Ansprechpartner für Studieninteressierte mit Migrationshintergrund.

Zur Wissenschaft gehört Internationalität – es ist nicht mehr der eine Gelehrte, der mit der Welt korrespondiert. Mithilfe von Unterstützungsprogrammen können Lehrende und Studierende andere Länder kennen lernen, dies sei „eine Bereicherung in kultureller und akademischer Hinsicht“. „Die Universität Hildesheim legt viel Wert auf Betreuung. Wir wollen sicherstellen, dass Sie nicht eine Matrikelnummer sind, sondern individuelle Ansprache erfahren. Sie sollen im Studium Freiräume erhalten, um Ihre Persönlichkeit zu bilden, dazu gehören auch Auslandsaufenthalte. Das Team des International Office hilft Ihnen dabei, alle Klippen zu umschiffen und berät bei der Planung und Finanzierung“, wendet sich Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Während der Immatrikulationsfeier sprachen auch Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer sowie Studierende vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und Studierendenparlament (StuPa). „Wenn wir etwas verbessern wollen, brauchen wir euch, es geht nicht ohne Mitwirkung“, so die Studenten Andre Vespermann und Julius Schwerthelm. Für stimmungsvolle Musik sorgte die Uni-Big-Band unter der Leitung von Johannes Rosenberger. Zum Wintersemester 2014/15 nehmen 1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende ihr Studium an der Universität Hildesheim auf (ohne Weiterbildungsmaster). Dies sind vorläufige Zahlen, Einschreibungen für die Bachelorstudiengänge „Wirtschaftsinformatik" sowie „Informationsmanagement und Informationstechnologie" sind noch bis zum 20. Oktober 2014 möglich.

Zum Abschluss der Feierstunde leitete Martin Scholz die Einführungswoche ein (Erstsemesterbroschüre PDF): Eine Woche lang erkunden die Studienanfänger zunächst die Universität, bevor die Vorlesungen beginnen. 80 Studierende aus höheren Semestern helfen beim Studieneinstieg. „Eins nach dem anderen", rät die Studienberaterin Dinda Fatah den Erstsemestern. Bewerben, umziehen, sich umsehen auf dem Campus – der Übergang ins Studium ist eine aufregende Lebensphase. Die Tutorinnen und Tutoren aus allen Fachbereichen begleiten die Erstsemester und helfen etwa bei der Stundenplangestaltung und beim Zurechtfinden auf dem Campus. In der Einführungswoche stellen sich auf dem von Studierenden organisierten „Markt der Möglichkeiten" studentische Initiativen, Einrichtungen der Uni und Organisationen aus der Stadt vor.

Nach und nach können Studierende die Angebote in Hildesheim entdecken, etwa die Schreibberatung. Ob eine Hausarbeit oder ein Referat: Das Lesen und Verfassen von wissenschaftlichen Texten gehört zu den Kernaufgaben im Studium. Das Lese- und Schreibzentrum unterstützt Studienanfänger aller Fächer dabei, Schreibprozesse zu reflektieren. Die Bibliothek bietet fachbezogene Führungen und Schulungen zur effektiven Informationsrecherche an. Studierende mit Kindern erhalten Einblicke in die Kinderbetreuung „Flexi“. Einen Überblick über Stipendienprogramme der Universität Hildesheim – für besondere Leistungen und gesellschaftliches Engagement – gibt es bei der Stipendienberatung. Im Wintersemester wird sich auch räumlich etwas verändern: Im Neubau am Universitätsplatz 1 – so die neue Adresse – entstehen ein Hörsaal, Seminar- und Arbeitsräume für Studierende.

Gleichalt und Anker im Alltag

Studierende unterstützen Studierende: Die „Anker-Peers" bieten kostenlose und vertrauliche Beratung an. Für Studienanfänger werden die studentischen Berater so zu „Ankern" im Uni-Alltag. Sie kennen Unterstützungsprogramme und können darauf verweisen, etwa auf Bafög- und psychosoziale Beratung, Hilfe bei Prüfungsangst oder beim wissenschaftlichen Arbeiten. Die geschulten Teams gehen auch in Schulen und Jugendzentren und beschreiben dort den Studienalltag. „Der geringe Altersunterschied und die Tatsache, dass wir selbst Studierende sind, helfen, um offen über das Thema Studium sprechen zu können", sagt Studentin Lisa Bödecker.

Ausländische Studierende im Wintersemester 2014/15

Insgesamt beginnen mehr als 215 ausländische Studierende (86 Vollzeitstudierende und 129 Programmstudierende, Stand 08.10.2014) ein Studium an der Universität Hildesheim. Das Zulassungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt studieren im Wintersemester 2014/15 derzeit 433 ausländische Studierende aus 65 Herkunftsländern. Die „Programmstudierenden“ kommen aus 22 Ländern: Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kolumbien, Litauen, Mexiko, Polen, Russland, Serbien, Spanien, Südkorea, Syrien, Türkei und USA. Die Die Herkunftsländer der meisten „Vollzeitstudierenden“ sind: 1. Türkei, 2. Russische Föderation, 3. Griechenland, 4. Polen 5. Schweiz und  6. Ukraine. Insgesamt bestehen über 200 internationale Kooperationen mit Hochschulen in 50 Ländern. Im Wintersemester 2014/15 kommen 6 Studierende aus China (Hefei, Anqing und Hangzhou), 5 Kontaktstipendiaten aus Mexiko, 4 Studierende aus den USA, 4 Studierende aus Russland und je 1 Studentin bzw. Student aus Argentinien, Japan, Kolumbien und Südkorea (Stand: 8. Oktober 2014).

Fotogalerie vom Studienstart im Wintersemester 2014/15, Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Brief der Niedersächsischen Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić an Erstsemester

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 International Office ZSB Anker Peers
news-8643 Fri, 25 Jul 2014 10:24:00 +0200 Mit Händen und Füßen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/mit-haenden-und-fuessen/ Mimik, Gestik und das Mundbild zu kombinieren, ist sehr kompliziert und kann einen gerade am Anfang überfordern. Man kann sich nicht alles merken, sagt die Studentin Maria Wünsche. Wie man die Gebärdensprache lernt und was Studierende antreibt – Antonia Schreiner, Praktikantin in der Pressestelle, hat sich ein Seminar am Sprachencampus angeschaut. Wer ist die Dolmetscherin, wer die gehörlose Lehrerin?, frage ich mich, als ich den Raum betrete. Seit drei Monaten lernen etwa zwei Dutzend Studentinnen und Studenten in Hildesheim die Gebärdensprache – heute bin ich dabei. Alle Studierenden sitzen in einem Halbkreis, Dana Apel auf dem Pult, die Dolmetscherin ihr gegenüber. Es ist still und jeder konzentriert sich auf die Mimik, die Gestik und die Mundbewegungen, die Dana Apel zeigt. Sie ist die Leiterin des Kurses und selbst gehörlos. „Am Anfang war es ein bisschen schwieriger mit der Kommunikation, aber jetzt ist es fast eine gleichwertige Kommunikation. Der Kurs läuft super und wir können uns locker unterhalten“, erzählt sie mir durch die Dolmetscherin. Über die Weltmeisterschaft unterhalte man sich, zum Beispiel, wo man das Finale geschaut hat. Dann geht es in die Praxisübung, warmmachen – eine Studentin erklärt, wie sie zum Campus kommt, ein anderer wie viele Schlüssel er in der Tasche hat. Am Schlüssel-Beispiel erklärt Dana Apel, wie man ausdrückt, wofür man etwas braucht.

Ob sie denn schon mal schmunzeln müsse, wenn sie die Studierenden beobachtet. Dana Apel lacht und fragt in die Runde: „Ja, stimmt‘s? Ich musste oftmals schmunzeln. Zum Beispiel, wenn jemand zum Zeige-  statt zum Mittelfinger greift, um ‚Stadtmitte‘ zu gebärden. Oder bei den Zahlen: Die Studierenden wollten ‚acht‘ sagen, aber ihre Finger haben nur sieben gezeigt: Der Mund sagte ‚acht‘ und da dachte ich Was, das sind doch nur ‚sieben‘?. Das war wirklich sehr witzig.“ Die Studentin Maria Wünsche beschreibt die Herausforderung so: „Mimik, Gestik und das Mundbild zu kombinieren, ist sehr kompliziert und kann einen gerade am Anfang überfordern. Man kann sich nicht alles merken, aber man muss das Finger-ABC üben wie normale Vokabeln. So viele Sachen, die man alle gleichzeitig beachten muss. Da kommt man schnell durcheinander und die Gesten, die dann entstehen, haben eine ganz andere Bedeutung.“

Und dennoch, Dana Apel ist sehr erstaunt von den Fortschritten der Studierenden und „wie weit sie gekommen sind und wie viel sie in einem Semester gelernt haben“. Auch die Studierenden sind begeistert von dem Kurs: „Es ist super interessant eine andere Kultur kennenzulernen, in die man sonst kaum Einblicke hat und es macht sehr viel Spaß. Wir können jetzt alle schon untereinander im Small-talk reden“.

Maria Wünsche erzählt, warum sie die neue Sprache erlernt: „Der Gebärdensprachkurs wird angeboten und wir haben Seminare zu Barrierefreiheit an der Universität. Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit Gehörlosen zusammenzuarbeiten.“ Eigentlich sei es ähnlich wie in jedem anderen Sprachkurs, wo man eine neue Sprache lernt. Nur muss man „ein bisschen mehr umdenken, besonders bei der Grammatik und beim Satzbau“.

Ob es anstrengend ist, die volle Unterrichtszeit still zu sein – die Studentin Maria Wünsche erklärt, dass es eine Bedingung ist, im Unterricht nicht zu sprechen, auch nicht untereinander. „Man kommt aber schnell rein und ich merke immer erst hinterher, wenn wir die Stühle und Tische gerade rücken, wie laut es auf einmal ist, da wir ja zweieinhalb Stunden nichts gesagt haben. Es ist eigentlich so, als würde man eine neue Fremdsprache lernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da dir sonst wichtige Informationen fehlen“, sagt die angehende Medienübersetzerin. Dana Apel stimmt zu: „Gehörlose brauchen den Blickkontakt, das ist bei Hörenden anders, da diese auch von hinten angesprochen werden können. Allerdings können Gebärdende sitzen bleiben und sich auch von weitem, ganz weitem unterhalten.“ Maria möchte später mit Gehörlosen zusammenarbeiten, zum Beispiel Theater übertiteln und „da ist es natürlich praktisch, wenn man Einblick in deren Kultur  und  Sprache hat. Das erleichtert die Kommunikation, denn sonst hätte man nur die Schriftsprache und das ist beim direkten Austausch frustrierend.“

Gebärdensprache in Hildesheim

Die Universität Hildesheim bietet den Gebärdensprachkurs erstmals an – das ist verlockend. So lernen Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen" sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" in zwei Semestern wöchentlich Grundlagen der Gebärdensprache. Für die angehenden Medienübersetzer ist der Kurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation“.

„Die Gebärdensprache ist ein zusätzliches Angebot, das die Studierenden wählen können, um die Sprache und die Besonderheiten der Gehörlosenkultur kennenzulernen. Sie ist grundlegend für die Zusammenarbeit mit unseren Partnern. In der Forschungsstelle Leichte Sprache arbeiten wir mit Gehörlosen zusammen, sie lesen unsere Übersetzungen in Leichte Sprache Korrektur", sagt Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni. Zu wissen, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Gebärdensprache und der Deutschen Laut- und Schriftsprache liegen und die Anforderungen von Gehörlosen an leicht verständliche Texte zu kennen, sei ein großer Vorteil. Die angehenden Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer können von den erworbenen Kenntnissen auch profitieren, wenn es um die barrierefreie Gestaltung einer Homepage geht. Sie seien für verschiedene „Beeinträchtigungen" sensibilisiert und wissen, welche Aspekte sie beachten müssen. Seit Beginn der inklusiven Schule in Niedersachsen zum Schuljahresbeginn 2013/14, also vor einem Jahr, haben Schüler mit Beeinträchtigungen einen Anspruch auf den Besuch einer Regelschule. So können auch Lehramtstudierende am Gebärdensprachkurs teilnehmen, um sich gezielt auf den späteren Beruf und den möglichen Umgang mit hörgeschädigten Schülerinnen und Schülern vorzubereiten, sagt Rink.

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Fachbereich 3
news-8401 Wed, 11 Jun 2014 11:32:00 +0200 Mr. President, Mr. Obama oder Barack: Anredeformen weltweit https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/mr-president-mr-obama-oder-barack-anredeformen-weltweit/ Den richtigen Ton in einer E-Mail treffen, online Massen erreichen oder vom Sie zum du wechseln. Bettina Kluge untersucht, wie Menschen sich anreden und wirkt an der Gründung eines internationalen Netzwerks zur Anredeforschung mit. Isa Lange sprach mit der Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft über Anredeformen weltweit. Guten Tag und herzlich willkommen in Hildesheim, Frau Professorin Kluge – wir kennen uns noch nicht und die Anrede gehört zum ersten Eindruck, der bei einer Begegnung entsteht. Habe ich den richtigen Weg gewählt?

Guten Tag, Frau Lange, vielen Dank für die Einladung zum Gespräch. Aus meiner Sicht haben Sie bei der Begrüßung alles richtig gemacht. Wobei es ja unterschiedliche Ansichten gibt, ob Berufsbezeichnungen in der Anrede feminisiert werden sollten oder nicht, also Frau Professor oder Frau Professorin. Meinetwegen reicht auch schlicht und einfach Frau Kluge!

Was sagt die Wahl der Anrede über die Person aus, die sie ausspricht? Und was verrät sie über die Beziehung des Verfassers zum Adressaten?

Menschen haben viele Möglichkeiten, einander anzuzeigen, wie sie die Beziehung zueinander charakterisieren wollen, wir nennen das „relational work". Die Anrede ist aber einer der sensibelsten Bereiche, gerade weil sie häufig nur mit Mühe zu vermeiden ist. Solche Fälle haben Sie bestimmt auch schon erlebt, wenn man mit allen Kräften versucht, die Anrede zu vermeiden, weil man nicht weiß, ob man jemanden duzen oder siezen soll? Dann fällt man häufig in einen Nominalstil, der auch nicht schön ist und häufig unpassend wirkt.

Hallo, Sehr geehrte, Verehrter, Guten Tag, Liebe, Grüß Gott, Du, Sie – wir haben eine Vielzahl von Anreden im Deutschen, die wir je nach Anlass verwenden. Welche Herausforderung besteht denn im Gespräch zwischen Menschen, die unterschiedliche Herkunftssprachen haben?

Lassen Sie mich das Englische als Beispiel nehmen, das ist ja in der Unternehmenskommunikation inzwischen eine sehr häufige Sprache, auch in Situationen, wo manchmal keine Muttersprachler des Englischen anwesend sind. Anders als im Deutschen gibt es im heutigen Englisch nur ein Anredepronomen: you. Viele glauben daher, dass Englisch einfach sei und man nichts falsch machen kann; ich kenne Kollegen, die deswegen auf internationalen Tagungen andere Kollegen auf Englisch begrüßen, weil sie so hoffen, sich um die Frage „du oder Sie?“ herum zu mogeln. Aber da soll man sich nicht täuschen: es gibt im Englischen einen großen Unterschied in der sogenannten nominalen Anrede, die dann doch wieder die sozialen Beziehung zueinander klarstellt. Ob beispielsweise Angela Merkel den Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Mr. President, Mr. Obama, Barack oder gar Barry anredet, macht einen großen Unterschied!

Aber auch innerhalb ein und derselben Sprache kann es sehr große Unterschiede in der Anrede geben, die bereits zwischen Sprechern unterschiedlicher Varietäten zu Konflikten führen kann: während zum Beispiel die US-Amerikaner dafür berühmt-berüchtigt sind, baldmöglichst den Vornamen zu verwenden, ist das im britischen Englisch nicht der Fall. Ähnlich auch im Deutschen, wie unsere Kollegen aus Melbourne herausgefunden haben: so kann man offenbar selbst in der Anrede zwischen West- und Ostdeutschen Unterschiede feststellen. Die Ostdeutschen duzen offenbar seltener als die Westdeutschen, und an dem Stereotyp, dass Österreicher gerne allen und jeden mit Herr oder Frau Professor anreden ist etwas dran. Titel werden sehr gerne in die Anrede integriert – wobei eine ‚Professorin‘ in Österreich bereits eine Gymnasiallehrerin ist.

Wer greift wann zu förmlichen, wann zu privateren Anreden? Und wie schnell erfolgt denn der Wechsel, etwa vom Sie zum du?

Wer sozusagen zu unserer Ingroup gehört, die wir familiärer anreden, – da gibt es sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und auch schon zwischen einzelnen Regionen. Auch innerhalb derselben Sprache gibt es Menschen, die schneller zu privateren Anreden tendieren als andere. Insofern sind Generalisierungen problematisch.

Wir beobachten große Unterschiede in der Schnelligkeit des Wechsels von einer eher förmlichen Anrede auf eine eher familiäre. In Deutschland dauert es manchmal ja ewig, bis man sich zu duzen beginnt. Auch wenn das Ritual des Bruderschafttrinkens offenbar inzwischen sehr selten geworden ist. Auf jeden Fall muss man sich unter Deutschen nach meiner Beobachtung persönlich treffen, um den Wechsel von Sie auf du durchzuziehen. In anderen Sprachen geht das auch virtuell. Wenn ich etwa Emails mit englisch- oder spanischsprachigen Kolleginnen und Kollegen austausche, landen wir sehr schnell, häufig innerhalb von drei, vier Email-Wechseln bei einer vertrauten Anrede. Dann wird aus der Muy estimada profesora Kluge (Sehr verehrte Frau Prof. Dr. Kluge) in der ersten Mail sehr bald ein Hola Bettina (Hallo Bettina).

Und dann gibt es in einigen Sprachen, wie etwa dem Spanischen, die Möglichkeit, dass man ein und dieselbe Person mit unterschiedlichen Anredepronomen anredet. In vielen lateinamerikanischen Ländern ist es möglich und üblich, in emotionalen Ausnahmezuständen die Anrede zu wechseln: ärgert sich eine Mutter beispielsweise über ihre Tochter und will sie ausschimpfen, kann sie sie kurzfristig mit usted (also Sie) anreden. Das ist das sogenannte usted de enojo (Sie der Wut). Aber es gibt auch ein usted de cariño (Sie der Zärtlichkeit): wenn man jemanden zeigen möchte, wie unglaublich gern man jemanden hat, kann man von oder vos auf usted wechseln. Im Deutschen ist das eher unüblich, am ehesten noch, wenn man im Spaß gute Freunde mit Na, Frau Kollegin? anredet, obwohl man sie sonst duzt.

Wie untersuchen Sie eigentlich das Anredeverhalten, wie geht man methodisch vor?

Früher wurde viel mit Fragebögen gearbeitet, die sind schnell zu verteilen und man kann sie schnell auswerten. Inzwischen wissen wir aber, dass Menschen hier häufig nur die Formen angeben, von denen sie glauben, dass sie sie verwenden. Aber gerade so ein kurzfristiger Wechsel aus emotionalen Gründen wie das eben beschriebene usted de enojo – das würde niemals in einem Fragebogen bewusst genannt. Am ehesten noch, wenn man konkrete Beispiele gibt und die Informanten nach der Akzeptabilität der Daten befragt. Heutzutage arbeitet man stattdessen häufig mit einem Methoden-Mix: neben den Fragebögen gibt es auch Gruppendiskussionen und natürlich die Analyse von Aufnahmen von Gesprächen. Und auch literarische Werke (Romane und Spielfilme) werden hinzugezogen – wobei man sich hierbei immer sehr bewusst sein muss, dass es sich um fiktive Daten handelt. Aber natürlich wollen etwa Drehbuchschreiber, dass ihre Figuren authentisch wirken. Insofern wird die Anrede auch im Film und in literarischen Werken häufig der „realen" entsprechen. Nur, wir wissen es nicht genau und müssen daher vorsichtig sein.

Mittlerweile schwirren Massen an E-Mails durch die Gegend. Der länderübergreifende Austausch ist mit dem Internet oder sozialen Netzwerken wie facebook und Twitter möglich. Wo liegen die Herausforderungen, den richtigen Ton zu treffen?

In der computervermittelten Kommunikation gibt es ja unterschiedliche Formen der Adressierung. Wenn ich eine Email an eine mir genau bekannte Person schicke, mit der ich mich offline auf eine Anrede geeinigt habe, dann ist das ja völlig problemlos. Schwieriger sind die Fälle der sogenannten Mehrfachadressiertheit, wenn Menschen nicht genau wissen, wer der Adressat ihrer Netzbotschaft ist Einige Adressaten würde man vielleicht duzen, andere siezen. Da kann man sich teilweise in die pluralische Anrede ihr retten. Schwierig ist auch der Fall, wenn Personen miteinander diskutieren, die sich nicht persönlich kennen, zum Beispiel in Onlineforen oder in der Kommentarfunktion von Zeitungsartikeln. Da kommt es in vielen Fällen darauf an, wie ein User sich präsentiert, ob er sich etwa in einem Forum zum „guten Gebrauch des Deutschen“ als Deutschlehrer (und also als Experte) darstellt. Aber auch auf die jeweilige Norm auf der Website – da haben sich häufig über die Jahre Normen herausgebildet, ob die Leser einander eher duzen oder siezen.

Während des Workshops des neuen Netzwerks „International Network of Address Research“ (INAR) Mitte Juni in Hildesheim, werden Forscher Einblicke in aktuelle Studien geben. Darunter auch Maher Tyfour. Der syrische Doktorand an der Uni Hildesheim untersucht in seinem Vortrag, wie Menschen in sozialen Netzwerken sich öffentlich an Menschen mit Macht richten. Dafür analysiert er Korpusdaten aus der Facebook-Timeline des syrischen Präsidenten seit 2013 bis heute. Was wird in der Untersuchung deutlich?

Maher Tyfours Daten sind sehr interessant, allein schon weil es zur Anrede im Arabischen sehr wenig gibt. Die am besten untersuchten Sprachen sind die westeuropäischen, insbesondere Englisch, Deutsch, Spanisch. Ich selbst habe zur Anrede im Spanischen einen Sammelband mit 1400 Seiten mit herausgegeben, der unter anderem die Forschungslage zur Anrede in den 22 Ländern, in denen Spanisch gesprochen wird, umfassend dokumentiert. Aber leider gibt es sehr viele Sprachen auf der Welt, wo wir so gut wie gar nichts über das Anredeverhalten wissen. Und ich bin überzeugt, dass gerade die Erforschung dieser Sprachen noch einige Überraschungen bietet. So hat mich Maher darauf aufmerksam gemacht, dass es im Arabischen unter Familienmitgliedern üblich ist, in der Anrede die Familienbeziehung anzugeben, aber: aus der Sicht des Angeredeten! Wenn sein Vater anruft, dann sagt der Vater zum Beispiel zur Begrüßung: „Wie geht es dir Vater?“ – und nicht: „Wie geht es dir, Maher?“ oder „Wie geht es dir, mein Sohn?“. Ist das nicht toll? Also, ich habe das erste Mal unglaublich gestaunt, als mir zunächst eine Studentin davon erzählte und er mir dann das Phänomen bestätigt hat.

Zurück zu Maher Tyfours Daten: Ich bin sehr gespannt auf seinen Vortrag, die Anreden an Assad, die er auf der Facebookseite dokumentieren konnte, sind sehr kreativ und spielen in unterschiedlichster Form auf den Präsidenten an. Etwa wenn er als Löwe bezeichnet wird (als Anspielung auf seinen Vornamen), als Doktor (weil er ja vor seiner Rückkehr nach Syrien Augenarzt in London war) oder auch als Krone unserer Köpfe. Die Verwendung von einzelnen Anreden kann einem Insider wie Maher Tyfour auch anzeigen, welchen ethnischen, sozialen und politischen Hintergrund diejenigen haben, die auf der Website ihre Lobeshymnen auf Assad hinterlassen. Denn natürlich sind es vor allem seine Anhänger, die sich hier öffentlich äußern und so auch anderen zeigen, was sie von ihm halten. Maher Tyfour ist Doktorand an der Uni Hildesheim und arbeitet derzeit an seiner Dissertation im Bereich audiovisuelle Übersetzung bei Professorin Christiane Maaß.

Ein Ausblick: Sie sind seit Ende 2013 Professorin an der Universität Hildesheim. Mit welchen Forschungsfragen befassen Sie sich zum Beispiel, wo möchten Sie gerne anknüpfen?

In meiner Habilitationsschrift habe ich in gewisser Weise einen komplementären Bereich untersucht, das generische du – also ein du, das gerade keine Anrede ist, sondern einen verallgemeinernden Bezug hat und mehr oder minder synonym zu man ist. Hier plane ich ein Projekt mit einer belgischen Kollegin, in dem wir sprachvergleichend analysieren wollen, welche Verallgemeinerungsstrategien im Englischen, Spanischen und Französischen existieren und wie sich ihre Frequenz in unterschiedlichen Textsorten unterscheidet. Das ist natürlich auch für Übersetzungswissenschaftler interessant. Ferner will ich analysieren, wie Anredeformen und das verallgemeinernde du übersetzt werden; dafür plane ich eine größere korpusgestützte Analyse von Romanen und Spielfilmen.

Und ein anderes meiner Interessen betrifft seit den Zeiten meiner Promotion die Migrationslinguistik: hier habe ich mit meiner ehemaligen Chefin Barbara Job ein gemeinsames Projekt, in dem wir die Blogs von spanisch- und französischsprachigen Menschen untersuchen, die nach Quebec auswandern oder auswandern wollen und die sich online mit anderen Migrationswilligen über ihre Erfahrungen austauschen.

Das Gespräch führte Isa Lange.

Kurzinformation zur Person

Prof. Dr. Bettina Kluge ist seit Ende 2013 Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft (Schwerpunkt: Spanisch) am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Zuvor hat sie seit 2008 an der Universität Bielefeld im Bereich Kommunikationsanalyse und Linguistik romanischer Sprachen geforscht und eine Professur in Bremen vertreten. 2013 habilitierte sie sich mit einer Schrift über die Mehrdeutigkeit von Anredepronomen in den romanischen Sprachen. In ihrer Dissertation „Eigenes leben, eigenes reden“ hat sich die Sprachwissenschaftlerin dem Leben südchilenischer Migrantinnen in der Großstadt Santiago de Chile genähert und Identitätskonstruktionen von Frauen untersucht, die in der Hauptstadt als Hausangestellte arbeiteten. Nach der Promotion war sie sechs Jahre Universitätsassistentin im Institut für Romanistik der Universität Graz in Österreich.

Forscher diskutieren über Anredeformen

Forscher unter anderem aus Australien, Chile, den USA und mehreren europäischen Ländern stellen vom 10. bis 12. Juni 2014 Studien und ihre Forschungsarbeiten an der Universität Hildesheim vor. Das länderübergreifende Netzwerk INAR (International Network for Address Research) untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Anrede in unterschiedlichen Sprachen und Varietäten einer Sprache. Das Ziel ist es, eine allgemeine Theorie der Anrede zu entwickeln, die über die bisherigen einzelsprachlichen Beschreibungen hinausgeht. Um die Vernetzung der INAR-Mitglieder untereinander zu verbessern, sind verschiedene bilaterale und multilaterale Projekte geplant. Beginnend mit dem Hildesheimer Treffen sollen im jährlichen Rhythmus Workshops und Tagungen stattfinden.

Öffentliche Antrittsvorlesung am 18. Juni

Professorin Bettina Kluge stellt sich am Mittwoch, 18. Juni 2014, in einer öffentlichen Antrittsvorlesung vor. Sie spricht ab 18:15 Uhr am Bühler-Campus der Universität Hildesheim (Aula, Lübecker Straße) über „Einige (ideologisch gefärbte) blinde Flecke der Sprachwissenschaft“. Dabei wird es um einige sehr hartnäckige Mythen und Illusionen in der Sprachwissenschaft gehen, etwa die Einsprachigkeit des Menschen oder der Illusion einer homogenen Sprache innerhalb eines Landes. Interessierte Studierende, Lehrende und Bürger sind herzlich eingeladen.

„Nicht überall auf Du und Du / An der Uni Hildesheim erforschen Wissenschaftler internationale Anredeformen. Ein Doktorand hat sich dafür die Facebook-Seite des syrischen Präsidenten vorgenommen", NDRonline, Artikel und Film (3:20 Min.), 12.06.2014

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-8308 Wed, 28 May 2014 08:12:00 +0200 Comics übersetzen: „Kürze, Sprechsprache und Lautmalerei bereiten Kopfzerbrechen“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/comics-uebersetzen-kuerze-sprechsprache-und-lautmalerei-bereiten-kopfzerbrechen/ Sind sie verrückt? Doof? Nein, „die spinnen, die Römer“! Wer kennt den Ausdruck aus den Asterix-Bänden nicht? Comic-Übersetzern gelingt es, auf eng festgelegtem Raum Geschichten unterzubringen, Texte dürfen nicht ausufern. Doch ihre Leistung wird kaum gewürdigt, die Forschung steckt in den Kinderschuhen. Nathalie Mälzer will dies ändern. Die Juniorprofessorin zeigt am Beispiel des Comics, wie Texte länder- und medienübergreifend übersetzt werden und lädt zur internationalen Comic-Konferenz ein. Comics landen auf der Bühne, in der Politik. Auch Weltliteratur taucht in Kurzform auf. „Die spinnen, die Römer“ – wer kennt den Ausdruck nicht? Der Satz stammt aus der Feder der Übersetzerin der Asterix-Bände. Gudrun Penndorf hat ihn geschaffen. Aus der französischen Phrase „Ils sont fous, ces Romains" wurde zunächst „Uuii, die Römer sind doof". Merklich fehlt dem Satz der Rhythmus, die Betonung auf „Römer“. Und sind sie verrückt? Doof? Nein, die spinnen! Mittlerweile sind Asterix-Comics in mehr als 100 Sprachen übersetzt worden, darunter Latein und Altgriechisch oder Mundarten wie Schwäbisch und Plattdeutsch.

„Die Kürze ist eine Herausforderung. Auf engstem Raum müssen Übersetzer die Aussagen in einer Sprechblase herüberbringen und komplexe Beziehungen zwischen Bild und Text berücksichtigen. Sie können nicht, wie bei Romanübersetzungen möglich, Informationen nach Bedarf ergänzen, der Platz ist begrenzt. Außerdem soll der Eindruck einer natürlichen Sprechweise der Figuren erhalten bleiben. Übersetzer müssen also, in ihrer Sprache passende Mündlichkeitsmerkmale aussuchen, um die Illusion zu erzeugen, dass sich da Figuren unterhalten“, beschreibt Nathalie Mälzer die Anforderungen bei der Übersetzung von Comics. Dabei kann es ebenso schwierig sein, einen kurzen Satz oder Ausruf prägnant und für die Figurenzeichnung angemessen ins Deutsche zu übersetzen wie einen lang verschachtelten Satz eines Erzähltextes, so Mälzer. „Auch für Laute und Geräusche müssen Comicübersetzer passende Worte (er)finden und phantasievoll in fremde Welten eintauchen. Soundwords und Lautmalerei können arge Kopfzerbrechen bereiten.“ Je unrealistischer das Szenario – wie müsste etwa in Kurt Busieks SciFi-Welt „Astro City“ eine startende Rakete auf Deutsch klingen, wenn sie im Englischen „SHREEEEEEEEEE“ macht? – desto weniger kann sich der Übersetzer auf seine Alltagserfahrung verlassen. „Dabei sind Comic-Fans nicht alle Übersetzungen lieb – Mangas etwa enthalten auch in deutschsprachigen Ausgaben japanische Buchstaben mit hoher Bildqualität. Diesen Text versteht man ohne japanische Sprachkenntnisse nicht. Deshalb wird dort die Übersetzung dem Original-Soundword hinzugefügt.“

Nathalie Mälzer, Juniorprofessorin für Transmediale Übersetzung an der Universität Hildesheim, befasst sich mit den Arbeitsprozessen und Problemen, die mit der Übersetzung von Dialogen einhergehen – vom Mündlichen ins Schriftliche, von einer Sprache, einer Gattung oder einem Medium ins andere – und untersucht, wie sich dadurch Bedeutungen verschieben. In einem dreijährigen Forschungsprojekt untersucht die Literaturwissenschaftlerin zurzeit fiktionale Medientexte, darunter Romane, Theateraufführungen, Comics, Spielfilme, und Hörspiele. Später sollen nicht-fiktionale Texte erfasst werden – etwa Zeitungs- und Rundfunkinterviews, Dokumentarfilme und Sachbücher. Aus den Ergebnissen möchte die Forscherin Qualitäts- und Bewertungskriterien für Dialogübersetzungen entwickeln.

In einem Teil dieses mehrjährigen Forschungsprojekts untersucht Nathalie Mälzer Comicübersetzungen. Im Oktober/November 2014 richtet sie an der Universität Hildesheim eine internationale Tagung zum Comicübersetzen aus – eine der ersten dieser Art in Deutschland. Wissenschaftlich wurden Comics lange Zeit ausgegrenzt. Neulich habe sie in einer Staatsbibliothek recherchiert – ein wissenschaftliches Buch zur Erzähltheorie von Comics stand in der Abteilung Kinderbücher. Die Beschäftigung mit solchen Übersetzungen – etwa von einer in eine andere Sprache, vom Roman zur Graphic Novel, vom Comic zum Spielfilm oder zur Serie, vom Comic zum Hörspiel und Videospiel – stecke in den Kinderschuhen, sagt Mälzer. Dabei könne man feststellen, dass nicht nur in den Fünfziger Jahren, als es kaum eine eigenständige Comicproduktion in Deutschland gab, stark einbürgernde, wenig am Original orientierte Übersetzungsweisen üblich waren, wie etwa die ersten Asterix-Übersetzungen im Kauka-Verlag zeigen. Bei Funnies wie „Spirou“ hat man noch heute den Eindruck, dass es an übersetzerischer Sorgfalt mangelt und unmotivierte Eingriffe ins Original vorgenommen werden.

Comics landen auf der Bühne und erzählen ernste Themen: Das deutsch-israelische Künstlerduo „half past selber schuld“ verarbeitet Comicvorlagen zu Theaterstücken, etwa die autobiografischen Geschichte „Barfuß durch Hiroshima“ des Manga-Zeichners Keiji Nakazawa. Oder Comics landen in der Politik: So werden Elemente des Sachcomics von Behörden, Parteien und politischen Institutionen genutzt, um Informationen in die Bevölkerung zu tragen, sagt Mälzer. Im vergangenen Jahr hat zum Beispiel das sächsische Innenministerium eine Info-Broschüre in sechs Sprachen herausgegeben: „Erstorientierungshilfe für Asylbewerber“ und dabei Fließtext und Comicelemente vermischt, in der Hoffnung etwas Humor in die ernst Angelegenheit zu bringen.

Von Shakespeare über Homer bis Dante – auch Weltliteratur taucht in Kurzform auf. Verlage geben „Graphic Novels“ heraus, in Bildern erzählte Geschichten. „Mit dem Internet entstehen neue, intermediale Erzählformen, der Leser klickt sich durch Bilderfolgen – es schaltet sich Ton hinzu und starre Bilder verwandeln sich punktuell in animierte Filmsequenzen“, so Mälzer. Entwicklungen im Bereich Webcomic – wie den jüngsten Seriencomic „Sechs aus 49“, der in der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erscheint – beobachtet die Forscherin ebenso wie deren spätere Printversionen.

Auf der Hildesheimer Tagung befassen sich Fachleute mit Adaptionen und Problemen bei der Übersetzung von Comics – etwa Platzbeschränkung durch Sprechblasen, Onomatopoesie und Schriftbilder. Es geht um Wortspiele, Reime, Humor und Komik. Es geht um spezielle Entwicklungen und Genres, etwa Sachcomics, „Funnies“ und „Mangas“ sowie Überarbeitungen für andere Zielgruppen (Erwachsene, Kinder). Die Forscher betrachten die historische Entwicklung der Comic-Übersetzung in Deutschland und professionelle Rahmenbedingungen bei Comicübersetzungen, Vertragsgestaltungen und Verlagsvorgaben. Denn bisher wird die Leistung der Übersetzer selten gewürdigt. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Tagung findet von Freitag, 31. Oktober, bis Sonntag, 2. November 2014, an der Universität Hildesheim statt. Eine Publikation der Beiträge ist geplant. Auch die Übersetzerin der Asterix-Bände 1 bis 29, Gudrun Penndorf, wird auf der Konferenz sprechen.

Derzeit analysieren Studierende im gleichnamigen Seminar Comicübersetzungen in kleinen Einzelfallstudien, die sie auf der Tagung vorstellen. Zudem lernen sie Grundtechniken des Comic-Übersetzens und befassen sich in weiteren Seminaren mit Problemen bei der Übersetzung von Mündlichkeit und Dialogen.

Antrittsvorlesung

Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim spricht am Mittwoch, 28. Mai 2014, zum Thema „Auf dem Weg zu einem Translationsbegriff für Medientextübersetzer am Beispiel des Comics“. Die öffentliche Antrittsvorlesung der Juniorprofessorin beginnt um 18:15 Uhr in der Aula am Bühler-Campus (Lübecker Straße 3). Interessierte Studierende, Lehrende und Bürger sind herzlich eingeladen.

Zur Person

Die Arbeitsschwerpunkte von Dr. Nathalie Mälzer liegen in den Bereichen Literaturübersetzen, Kulturtransfer und Übersetzung von Texten in audiovisuellen Medien. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft, Theater- und Filmwissenschaften an der FU in Berlin und der Sorbonne III in Paris promovierte die gebürtige Berlinerin an der Universität Duisburg-Essen. Seit 2009 ist sie Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim, seit 2012 Heyne-Juniorprofessorin für Transmediale Übersetzung. Sie übersetzt Romane, Sachbücher, Theaterstücke und Lyrik.

Info: Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme aus anderen Sprachen, üben sich im Synchronisieren, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme und untertiteln Filme für Hörgeschädigte. Im Seminar „Barrierefreie Internetkommunikation“ bereiten die angehenden Medienübersetzer Websites auf, übersetzen in Leichte Sprache. Seit 2012 steht dafür ein Medientextlabor mit 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, zur Verfügung.

Comictagung, „Übersetzungen und Adaptionen von Comics“, 31. Oktober bis 2. November 2014, Universität Hildesheim

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM
news-8187 Mon, 28 Apr 2014 08:52:00 +0200 „Wie auch immer das aussehen soll" https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/wie-auch-immer-das-aussehen-soll/ Wie das Leben in einer Retortenstadt in der Wüste wohl abläuft? Professor Friedrich Lenz und Studentin Aileen Link verraten in Teil 1 einer vierteiligen Serie über literarische Neugierde, was sie derzeit lesen. Der Countdown läuft, in vier Wochen startet PROSANOVA. Studierende der Uni Hildesheim laden zum Festival für junge Gegenwartsliteratur ein. Matthias Friedrich sprach mit Friedrich Lenz, Professor für Englische Sprache und ihre Didaktik

Herr Prof. Dr. Lenz, welches Buch lesen Sie gerade?

Ich lese gerade „A Hologram for the King" by Dave Eggers. Darin geht es um einen heruntergekommenen Businessman, der – gewissermaßen als letzter existenzsichernder Coup – dem König von Saudi Arabien ein holographisches IT Netzwerk (wie auch immer das aussehen soll) verkaufen will. Dazu befindet er ich in einer geplanten und in ihren Anfängen fertiggestellten Retortenstadt in der Wüste, die einmal das ökonomische Zentrum des Landes werden soll. Es kommt zu merkwürdigen internationalen, interkulturellen und intergenerationmäßigen Ereignissen.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Buch?

Es ist „weird", aber dennoch so interessant, dass ich nach dem ersten Drittel weiterlese...

Würden Sie es weiterempfehlen?

Ja, aber nicht mit Enthusiasmus.

Vielen Dank für das Gespräch!

Nora Geerken sprach mit Aileen Link, die an der Universität Hildesheim Internationale Kommunikation und Übersetzen studiert

Liebe Aileen, welches Buch liest du gerade?

Ich lese gerade ,,Brida" von Paulo Coelho.

Worum geht es?

Es geht um eine junge Frau die den Zugang zu der Magie sucht. Sie sucht verschiedene Medien auf, um von ihnen gelehrt zu werden. Mit der Zeit lernt sie ihre früheren Leben kennen und ihre besondere Eigenschaft. Sie stellt ihr jetziges Leben komplett in Frage und vergleicht es mit ihren früheren Ichs.

Würdest du dieses Interview weiterempfehlen?

Ich mag das Buch bisher sehr, aber ich wüsste auch genau, wem ich es empfehlen würde und wem nicht, denn es gibt zum Beispiel keine Action. Generell würde ich es aber immer weiterempfehlen.

Vielen Dank, für das Interview!

Serie über den Lesealltag / Junge Gegenwartsliteratur in Hildesheim

Im Vorfeld des PROSANOVA-Festivals für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur, das von Studierenden aus dem gesamten Fachbereich Kulturwissenschaften der Universität Hildesheim organisiert wird, haben die Kulturwissenschaftsstudierenden Nora Maria Gerken und Matthias Friedrich Lehrende und Studierende zu ihren derzeitigen literarischen Vorlieben befragt. Die Antworten sind sehr unterschiedlich ausgefallen, zeigen aber, wozu Literatur in der Lage sein kann. Das Literaturfestival findet vom 29. Mai bis 1. Juni 2014 in Hildesheim statt. Das Programm ist ab sofort online.

NDR Fernsehen, DAS, 28.04.2014, über Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim [zeitlich begrenzt online abrufbar]

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/gaeste/dasgaeste100_page-7.html

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Fachbereich 2 Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Englische Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-7238 Mon, 21 Oct 2013 17:00:00 +0200 Profis für Medien und Technik https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/profis-fuer-medien-und-technik/ IT, Elektrotechnik und Maschinenbau: Beim technischen Übersetzen ist die Uni gut aufgestellt, sagt Prof. Dr. Klaus Schubert. Neu ist der Bereich Medienübersetzung. Studierende untertiteln Film und Fernsehen, verfassen Texte für barrierefreie Kommunikation und organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation. Die Absolventen sind noch nicht einmal auf dem Arbeitsmarkt – und erhalten schon Einblicke beim Bundespresseamt und beim Rundfunk Berlin-Brandenburg. Ende Oktober kommen Fachleute aus Übersetzerstudiengängen, der EU-Kommission und Arbeitgeber in Hildesheim zusammen. „Jede Woche erhalten wir Stellenangebote. Die Industrie und Redaktionen suchen Profis, die in der technischen Kommunikation und Übersetzung firm sind. Unsere Studenten beißen an und erhalten hervorragende Praktikumsmöglichkeiten“, berichtet Prof. Dr. Klaus Schubert vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. „Übersetzer und Dolmetscher brauchen wir alle. Sie sorgen dafür, dass man das koreanische Handy auf Deutsch bedienen kann, und dass wir die Filme im Kino, im Fernsehen und auf DVD in deutscher Fassung genießen können.“

„Beim technischen Übersetzen ist die Universität Hildesheim stark aufgestellt, ähnliche Ausbildungswege gibt es in Flensburg und Magdeburg. Unsere Absolventen bringen technisches Fachwissen mit und arbeiten derzeit zum Beispiel als Übersetzer bei den Drägerwerken in Lübeck, das Geräte in der Medizin- und Sicherheitstechnik entwickelt, und bei ‚think global‘ in Berlin, um in den Bereichen IT, Elektrotechnik und Maschinenbau zu übersetzen“, sagt Klaus Schubert. „Unsere Absolventen sind auch bei einem der größten Übersetzungsdienste der Welt tätig: Bei der EU-Kommission in Brüssel, zu der wir Exkursionen anbieten, werden Papiere, Vorlagen und Beschlüsse in über 20 Sprachen übersetzt. Und wir bauen den Bereich Medienübersetzung aus“, so Schubert. Seit 2011 bietet die Universität den Master-Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" an. Studierende untertiteln Film und Fernsehen, übertiteln Theater und Oper, verfassen Texte in Leichter Sprache für barrierefreie Kommunikation und organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation. „Vergleichbare Studienangebote existieren nicht – der erste Jahrgang schließt derzeit das Studium ab, ist noch nicht einmal auf dem Arbeitsmarkt und die Berufschancen sind gut“, freut sich Schubert. So habe eine Studentin im Sommer 2013 mehrwöchige Einblicke an drei Stationen erhalten: im Bundespresseamt in Berlin, beim Informations-Nachrichtendienst Heise und beim Rundfunk Berlin-Brandenburg. Beim RBB hat sie Filme für Hörgeschädigte untertitelt. 27 Masterstudierende sind im Oktober in das Studium gestartet.

Fachleute wollen sich nun über die Hildesheimer Studieninhalte informieren – die Universität Hildesheim richtet am 25. und 26. Oktober 2013 die Herbsttagung des Transforums aus. In diesem Arbeitskreis treffen sich Vertreter aller Hochschulen in Deutschland, die Übersetzer- und Dolmetscherstudiengänge anbieten, mit Vertretern der Arbeitgeber. Die EU-Kommission, das Auswärtige Amt, die Daimler AG und die Deutsche Post sind einige der großen Arbeitgeber. Ebenso sind mittelständische Kommunikationsdienstleister, die Berufsverbände und die Freiberufler vertreten. Etwa 40 Personen werden zur Tagung erwartet. Damit soll die Verbindung zwischen den Studiengängen der Universitäten und Fachhochschulen und der beruflichen Praxis hergestellt werden.

Studiengang Medientext und Medienübersetzung

Seit 2011 lernen Studierende im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme aus anderen Sprachen, üben sich im Synchronisieren, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme und untertiteln Filme für Hörgeschädigte. Im Schwerpunkt „Barrierefreie Internetkommunikation“ bereiten die angehenden Medienübersetzer Internetseiten auf. Seit 2012 steht dafür ein Medientextlabor mit 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, zur Verfügung.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-7192 Sat, 12 Oct 2013 09:04:00 +0200 Ich will Professorin werden https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/ich-will-professorin-werden/ Hildesheim ist eine märchenhafte Stadt, sagt die Italienerin Sarah Melina. Über 100 ausländische Studierende starten in das Wintersemester, und ermutigen Studienanfänger, ein Auslandsstudium einzuplanen. Studierende aus Hildesheim helfen als „buddy" und als Sprachtandem-Partner beim Ankommen. „Ich will Professorin der Informationstechnologie werden", sagt Myeongjae Go aus Südkorea und erzählt begeistert von Studieninhalten wie Computer und Software-Entwicklung und Algorithmen. Myeongjae studiert „Information and communication engineering" und hat 75 männliche Kommilitonen – nur 5 sind Frauen. Und nun soll die Universität Hildesheim einen Teil dazu beitragen, den Weg als Professorin zu ebnen. Denn gemeinsam mit der Pai Chai Universität in Daejeon bietet die Hildesheimer Uni in den Informationswissenschaften einen Doppelmaster an. Ein Jahr steht Myeongjae nun in Norddeutschland bevor, gemeinsam mit mehr als 100 ausländischen Studierenden startet sie derzeit in das Wintersemester. Bevor Mitte Oktober die Vorlesungen beginnen, hat das International Office für die Neulinge ein zweiwöchiges Programm gestrickt, mit Bibliotheksführungen, Begrüßungsfrühstück, interkulturellen Trainings der studentischen Initiative go intercultural und Intensivsprachkursen.

Und so sind sie fast schon Hildesheimer, scherzt Sarah Melina aus Italien, schließlich kennt sie die Stadt nun besser als manche Studienanfänger aus Stuttgart, München, Köln oder Berlin, die am 14. Oktober in die Einführungswoche starten. „Die Unterstützung der Uni ist toll, und mein buddy student hilft beim Ankommen, hat mich vom Flughafen abgeholt und die Stadt gezeigt." Hildesheim sei „eine märchenhafte Stadt, die Farben, die Seen, die norddeutsche Sprache", sagt Sarah. „Weil Berlin jeder kennt und ich eine Stadt neu entdecken, meinen Freunden in Bologna davon erzählen möchte, habe ich mich für eine kleinere Stadt entschieden, die ich gar nicht kannte. In sechs Monaten kann ich die Stadt besser erkunden", so die Italienerin, die in einer WG in einem „traumhaften Fachwerkhaus" untergekommen ist. Außerdem könne sie mit dem Semesterticket kostenfrei bis ans Meer fahren, so etwas kennt sie von ihrer Heimatuni nicht. Entscheidend waren das Studienangebot im Bereich Sprachen und Übersetzen sowie die kleinen Seminargruppen und dass sie „in Norddeutschland Hochdeutsch lernen können", ergänzt Xinhui Chen aus Italien, die in China geboren ist und Dolmetscherin werden möchte.

Aus einer Millionenstadt zieht es Li Hanjue und Sijie Huang nach Niedersachsen. Den beiden Germanistikstudentinnen aus Hangzhou fällt auf, wie ruhig es ist. „'Aller Anfang ist schwer', mir gefällt dieses Sprichwort. Denn wenn man erst einmal begonnen hat, die Sprache zu lernen, kann man nicht mehr davon lassen", sagt Li Hanjue. „Ich lese die Brüder Grimm in einfacher Sprache und freue mich in Hildesheim in die deutsche Literatur einzusteigen. Ich möchte Lehrerin werden." Vielleicht eine chinesische Lehrerin in Deutschland, ergänzt Sijie Huang. Von Hannover, der Messestadt, hatten sie schon gehört und in Norddeutschland dann nach einem geeigneten Studienort gesucht.

Dass die deutsche Sprache ihre Tücken hat, bestätigt Kassi Kassi Affo aus Kamerun. Aber er liebe Sprachen, Französisch, Englisch, am Goethe-Institut hat er begonnen, Deutsch zu lernen. Der 26-jährige Kassi Kassi ist Promotionsstudent bei Geschichtsprofessor Michael Gehler an der Universität Hildesheim. „Ich verfolge einen historischen Ansatz und untersuche die deutsche sozio-ökonomische Politik in Afrika. Fallbeispiele sind Kamerun und Togo in den Jahren 1960 bis 2010." Obwohl er seine Promotion in englischer Sprache verfasst, sei es wichtig, Deutsch zu sprechen und auf hohem Niveau zu verstehen, daher nimmt er an Sprachkursen in der Volkshochschule teil. In den nächsten Monaten werde er „Archive und Bücher durchforsten" und sucht nach einem Unterstützer, um das Promotionsstudium in Deutschland in zwei, drei Jahren abschließen zu können. „Ich hoffe, dass ich einen Unterstützer finde, denn ich möchte gerne in Deutschland promovieren."

Für Batu Karakul und Hakan Özdemir ist die deutsche Sprache keine Hürde mehr, die beiden Studenten aus Izmir möchten Dolmetscher oder Deutschlehrer werden. Der 22-jährige Hakan hat acht Jahre in Deutschland gelebt, als er 13 war zog er mit seiner Familie in die Türkei. „Das Studium ist die Chance für mich, wieder eine Zeit lang in Deutschland zu leben. Ich kann mich hier verständigen. Hildesheim ist eine wunderschöne Stadt, die Architektur, es ist sehr grün. Ich wohne in einer WG, die Nachbarn grüßen mich alle. Ab acht Uhr hört man überhaupt keinen Lärm – in Izmir ist das anders", sagt Hakan. In den letzten fünf Tagen hat er die Stadt von Norden bis Süden mit Inlineskatern erkundet. Ihm fällt auf: „Viele denken, dass ich kein Deutsch sprechen kann, weil ich aus der Türkei komme, auch im Flugzeug sprachen alle mit mir Englisch. Dabei kann ich fließend Deutsch."

Hintergrund: Incoming students

An der Uni Hildesheim studieren mit Beginn des Wintersemesters 2013/14 mehr als 100 neue ausländische Programmstudierende. Über Förderprogramme und Kooperationen mit Partnerhochschulen verbringen sie ein oder ein halbes Jahr in Hildesheim. Die Anzahl der ausländischen Programmstudierenden ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Das Team des International Office, das an der Universität für Auslandsaufenthalte zuständig ist, unterstützt die Studierenden umfassend, zum Beispiel auch bei der Wohnraumvermittlung. Sie kommen etwa aus Belgien, China, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, Kamerun, Litauen, Mexiko, Österreich, Polen, Russland, Spanien, Südkorea und der Türkei. Die meisten studieren Internationale Kommunikation und Übersetzen (etwa 60), Internationales Informationsmanagement, Kulturwissenschaften (etwa 20), Lehramt (etwa 10), Erziehungswissenschaft sowie Informationsmanagement und Informationstechnologie. „Die Unterstützung der Universität ist großartig. Unsere Studenten wollen ein halbes Jahr bleiben und entscheiden sich dann doch, auf ein Jahr zu verlängern“, berichtet Yolanda Ballesteros, Vizepräsidentin für Internationales von der Universidad Autónoma del Estado de México in Toluca. Seit 2010 studieren mexikanische Studenten im Bereich Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen.

Die Universität Hildesheim bietet drei Double-Degree-Programme in Kooperation mit der Staatlichen Universität Nowgorod (Russland, Erziehungswissenschaften), der Aix Marseille Université (Frankreich, Kulturvermittlung) und der Pai Chai Universität, Daejeon (Südkorea, Informationswissenschaft) an. Die Hochschule wurde 2006 und erneut 2011 mit dem europäischen Qualitätssiegel E-Quality ausgezeichnet. 2011 erhielt das Projekt „Internationale Schreibparterschaften" das Europäische Sprachensiegel. Diese Schreibtandems kommen bei den Studenten aus dem Ausland gut an, es bilden sich über mehrere Monate Teams aus deutschen und ausländischen Studierenden, die sich gegenseitig im Studium und beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten unterstützen. Lehramtsstudierende begleiten die Schreib- und Sprachprozesse.

„Angekommen in einer märchenhaften Stadt", Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 07.10.2013

Interesse geweckt? Das International Office berät Studienanfänger in der Einführungswoche und in Sprechstunden, wie man einen Auslandsaufenthalt plant und finanziert. Es gibt viele Förderprogramme. Am 27. November findet ein Go-Out-Tag mit Infoveranstaltungen über Auslandsaufenthalte am Hauptcampus statt. Außerdem werden noch Sprachtandem-Partner gesucht.

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Pressemeldungen Geschichte Fachbereich 1 Fachbereich 3 Deutsche Sprache Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 4 International Office BA IIM BA IKÜ Internationales
news-6640 Mon, 10 Jun 2013 11:46:00 +0200 Audioeinführung für Spielfilm: Bayrischer Rundfunk und Uni kooperieren https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/audioeinfuehrung-fuer-spielfilm-bayrischer-rundfunk-und-uni-kooperieren/ Kamerafahrten, Einstellungsgrößen der Gesichter, Lichtverhältnisse – Studierende ermöglichen blinden und sehgeschädigten Menschen, Filme wahrzunehmen. Im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzen“ arbeitet die Universität Hildesheim mit dem Bayrischen Rundfunk zusammen. „Sie ist Ende vierzig, hat dunkle Augen und ebenmäßige Züge. Ihr gänzlich ungeschminktes Gesicht hat einen ernsten Ausdruck. Das kastanienbraune Haar ist sehr kurz geschnitten. Bekleidet ist sie mit einer schwarzen Stoffhose […]. Ihre Hand hat kurze schmutzige Fingernägel“, verrät die Audioeinführung zum Film „Die Wand“ von Julian Roman Pölsler, einer Produktion des Bayerischen Rundfunks 2013. Und weiter heißt es: „Die erste Rückblende zeigt die Protagonistin bei frühlingshaftem Wetter auf der Rückbank des roten Mercedes Cabrios ihrer beiden Freunde. Die Frau hat ihr langes, leicht gewelltes Haar am Hinterkopf zusammengesteckt. Sie trägt ein feines weißes Strickkleid […], ihre Fingernägel sind rötlich lackiert.“

Diese Einführung für Blinde und Sehgeschädigte haben Studierende des Masterstudiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ der Universität Hildesheim verfasst. Sie ist ab sofort in zwei Versionen (gesprochen 8 Minuten; als Text zum Nachlesen) online verfügbar. Die Audioeinführung wurde von den britischen Forschern Pablo Romero-Fresco und Louise Fryer auch in englischer Sprache produziert und wurde mit dem Start der DVD „Die Wand“ unter www.audiointros.org/die-wand---the-wall veröffentlicht.

„Audiodeskriptionen sind eine komplexe Textsorte“, sagt Heyne-Juniorprofessorin Dr. Nathalie Mälzer, die das Projekt an der Uni Hildesheim leitet und eine weitere Zusammenarbeit mit dem BR plant. „Wir wollen Richtlinien entwickeln und die Textproduktion mit qualitativer Forschung verbinden. So wollen wir die Nutzer fragen, was ihnen an der Audioeinführung gefallen hat und was ihnen fehlt.“

Für die zwölf beteiligten Studierenden ist die Arbeit besonders spannend, da kaum Normen für diese Textform vorhanden sind und sie viel Verantwortung übernehmen können, sagt Mälzer. „Wir schauen den Film mehrfach gemeinsam an und verteilen dann Aufgaben. Einige sind für die Beschreibung von Filmschnitten, andere für Farb- und Lichtverhältnisse und die Handlung zuständig. Am Ende entsteht ein Text, der gesprochen maximal zehn Minuten lang sein sollte und veröffentlicht wird.“

So beschreiben die Studierenden anschaulich die Drehorte: „Die wichtigsten Schauplätze sind eine einspurige Schotterstraße, die entlang einer schroffen Felswand und eines Sees durch ein schmales Tal führt, eine rustikal eingerichtete Jagdhütte am Waldrand und eine Berghütte auf einer höher gelegenen Alm.“

Ferner finden die Medienübersetzer Worte, um den „langsamen Rhythmus der Bilder“ und die ungewöhnliche Betrachterperspektive zu erklären, die zwischen der Augenhöhe einer Frau und der eines Tieres wechselt. „Bei den Aufnahmen in der Natur wird häufig ein fixer Kamerastandpunkt gewählt, von dem aus der Blick unverwandt auf die Protagonistin fällt oder langsam über das Landschaftspanorama schweift. Die Frau ist dann oft nur als kleine Figur zu sehen, vor dem Hintergrund des Waldes, der Wiesen oder der Berge […], bis sie in Nahaufnahme direkt vor dem Betrachter steht.“

Die Textproduktionen und Übersetzungen erfolgen unter anderem im Medientextlabor der Universität Hildesheim. An 40 Computerarbeitsplätzen untertiteln die Masterstudierenden zum Beispiel Filme und entwickeln mediengestützte Unternehmenskommunikation. In Exkursionen besuchen sie Synchronstudios und Fernsehanstalten wie die ARD, um Einblicke zu erhalten, wie Live-Untertitel für Hörgeschädigte hergestellt werden. In Kooperation mit der ARD Text/Das Erste sind für das kommende Semester qualitative Studien von Live-Untertiteln geplant.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-6592 Fri, 31 May 2013 08:37:00 +0200 Wie höflich ist das Internet? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/wie-hoeflich-ist-das-internet/ Ist Kommunikation im Internet wirklich so unfreundlich, wie oft behauptet wird? Sprachwissenschaftler nehmen an der Uni Hildesheim Facebook, YouTube, Twitter und Foren unter die Lupe. „Die sprachlichen Strategien, die Online-Nutzer verwenden, bieten auf der Höflichkeitsskala alle Möglichkeiten“, sagt Medienlinguistin Prof. Dr. Christiane Maaß. Wie regelt man das Miteinander in sozialen Medien? Wie sehr unterscheiden sich unsere Postings bei Facebook von Gesprächen Angesicht zu Angesicht? Online sind Kommunikationspartner räumlich und zeitlich getrennt – und kennen sich meistens auch nicht persönlich. Welche Auswirkungen das auf unser sprachliches Handeln hat, diskutierten Sprachwissenschaftler auf einer internationalen Tagung an der Universität Hildesheim.

Wissenschaftliche Theorien zu sprachlichen Verhaltensstrategien gehen davon aus, dass jeder Mensch das Bedürfnis nach Anerkennung seiner Persönlichkeit und nach individueller Freiheit hat. Diese Bedürfnisse durchzusetzen – Sprachwissenschaftler nennen sie „Face“ –, kann im Widerspruch zu denselben Bedürfnissen der Mitmenschen stehen. In der alltäglichen Kommunikation geht es neben den eigentlichen Inhalten immer auch darum, sich sprachlich so auszudrücken, dass man ohne eine Verletzung des eigenen oder fremden Face sein Ziel erreicht – also beispielsweise abzuwägen, wie deutlich Kritik formuliert werden kann.

Welche sprachlichen Strategien es dabei gibt, wurde bisher noch nicht für Kommunikation in sozialen Online-Medien untersucht. Diese Forschungslücke bot Anlass zu der dreitägigen Tagung „Face Work and Social Media“, organisiert von den Hildesheimer Medienlinguistinnen Prof. Dr. Christiane Maaß und Dr. Kristina Bedijs. Sprachwissenschaftler und Psychologen stellten theoretische Ansätze und empirische Untersuchungen von Medien wie Facebook, YouTube, Twitter und Diskussions- und Hilfeforen vor. Dabei wurden Sprachen wie Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Russisch analysiert.

Wie sich Sprachwechsel in Diskussionen auf der Plattform Facebook entwickeln, zeigen Schweizer Forscherinnen. Englisch schreibende Nutzer wollen sich einem internationalen Freundeskreis präsentieren, Antworten in der eigenen Sprache beschränken eine Unterhaltung auf einen kleineren Kreis und werden unter Umständen als unhöflich empfunden, so ein Ergebnis von Dr. Brook Bolander und Prof. Miriam Locher.

Trotz der Verschiedenheit der Sprachen steht für Nutzer sozialer Medien die Konstruktion einer Online-Identität im Vordergrund, mit der sie Facetten ihrer Persönlichkeit präsentieren und sehr sensibel auf Lob und Anfeindungen reagieren.

„Nutzer werden durch gemeinsame Interessen zu Gruppen, die sich dann über ein YouTube-Video lustig machen oder ihr Gemeinschaftsgefühl durch gegenseitiges Lob stärken, ohne sich offline je zu begegnen“, sagt Dr. Kristina Bedijs. Online werden keineswegs nur Beleidigungen ausgetauscht: Bei der Bewertung von Rezepten auf Kochportalen geben sich Nutzer oft viel Mühe, Kritik in freundliche Worte zu verpacken. Auf dem Reiseportal CouchSurfing ist das Kritisieren noch heikler, denn es geht darum, Gäste und Gastgeber zu bewerten – anstatt offen zu verurteilen, drücken die Nutzer ihre Unzufriedenheit meist indirekt und vorsichtig aus. Und auch für effektives Online-Lernen ist es relevant, wie höflich Tutoren die Lernenden auf Fehler hinweisen.

In Gesprächsrunden ist nicht jede Person in gleicher Weise als Experte anerkannt. „Auch in Online-Diskussionen müssen alle Beteiligten ihre Rolle aushandeln. Man kann sich zum Beispiel als Spezialist positionieren, indem man seine Diskussionsbeiträge komplex formuliert und fachsprachliche Ausdrücke verwendet“, sagt Bedijs. Wie ein solches Auftreten ankommt, ob besonders glaubwürdig oder doch arrogant, muss sorgfältig abgewogen werden.

Zur Selbstdarstellung gehören neben den Diskussionsbeiträgen auch Profilbilder, Signaturen und Nutzernamen – über deren Rolle die Hildesheimer Doktorandin Uta Fröhlich forscht. Smileys, die grafisch immer aufwendiger werden, können Teile des Face Work übernehmen. Für den Verlauf von Online-Diskussionen ist außerdem entscheidend, ob es sich um inhaltsbezogene Beiträge handelt, bei denen Nutzer vor allem ihre eigene Meinung präsentieren wollen – oder ob gegenseitige Hilfeleistung im Vordergrund steht, so die Professoren Claus Ehrhardt und Beatrix Kreß. Nutzer, die sich für all das gar nicht interessieren und Diskussionen absichtlich stören, werden Trolls genannt. Wie Online-Gemeinschaften mit solchen Saboteuren umgehen, untersucht Dr. Bettina Kluge: Von der Zurechtweisung über den Versuch einer geordneten Diskussion hin zum gemeinschaftlichen Ignorieren reichen hier die Strategien.

In Online-Medien existiert eine Bandbreite an höflichen und unhöflichen Strategien. „Internetnutzer präsentieren sich in sozialen Medien sehr bewusst“, sagt Bedijs nach der Konferenz, „ob ihr sprachliches Verhalten die gewünschte Wirkung auf andere hat, hängt stark damit zusammen, wie bewusst sie auch auf die Bedürfnisse der anderen eingehen.“ Wie in einer Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht können manche Nutzer die Reaktion der anderen gut einschätzen, andere verhalten sich weniger rücksichtsvoll. „Die sprachlichen Strategien, die Online-Nutzer für ihr Face Work verwenden, sind jedenfalls reichhaltig und bieten auf der Höflichkeitsskala alle Möglichkeiten“, ergänzt Christiane Maaß.

Abstracts, ausführlicher Tagungsbericht und Kontakt

Tagungsleitung: Dr. Kristina Bedijs, Prof. Dr. Christiane Maaß (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Gudrun Held (Universität Salzburg)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-6494 Thu, 02 May 2013 13:38:00 +0200 Schüleruni geht in die zweite Runde: Was kann Sprache? Wie kommunizieren wir? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/schueleruni-geht-in-die-zweite-runde-was-kann-sprache-wie-kommunizieren-wir/ Im Sommersemester geben Lehrende und Studierende einen Einblick in Forschungsthemen des Fachbereichs III, Sprach- und Informationswissenschaften. Die Uni Hildesheim möchte damit vor allem Neunt- bis Zwölftklässler für Wissenschaftsthemen begeistern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Sprach- und Informationswissenschaften erklären in der Schüler-Universität zum Beispiel die Verschiedenheiten der Sprachen und welche Rolle Akzente und Dialekte bei mehrsprachigen Kindern spielen.

Neben Lehrenden beteiligen sich auch Studierende an der Schüler-Uni. „Wir haben keine Schwierigkeiten, unser Thema für Schülerinnen und Schüler aufzubereiten“, sagen die Studentinnen Christin Scharnhop und Natalia Gätzke. „Wir stellen ein Projekt über Datenschutz im Internet vor, das wir seit 2012 entwickeln. In einem Team haben wir im Studium einen Massive Open Online Course (MOOC) erstellt und durchgeführt.“ Zum Auftakt der Schüler-Universität erklären sie Projektergebnisse.

Warum die beiden Studentinnen für informationswissenschaftliche Themen begeistern wollen?  „In der Informationswissenschaft liegen große Potenziale“ sagt Natalia Gätzke und weist auf die zukünftige Entwicklung des Internets und die damit verbundenen Berufsfelder hin. „Diese Zusammenhänge möchten wir gerne den Schülerinnen und Schülern aufzeigen und die Vorteile des Studiums ‚Internationales Informationsmanagement‘ erklären.“

Die Schüler-Universität beginnt jeweils um 18:00 Uhr und findet in der Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim statt (Lüneburger Straße/Lübecker Straße; Raum L131). Die Vorlesungsreihe richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 12. Auch Eltern können teilnehmen. Die Lehrenden freuen sich auf den Austausch und Diskussionen zum Thema. Kontakt bei Rückfragen: Christiane Zehrer (dekanat3@uni-hildesheim.de, Telefon 05121.883-901).

Programm

07. Mai 2013, „Spuren im Netz – Datenschutz bei Facebook und Co", Studentinnen Christin Scharnhop und Natalia Gätzke; Prof. Dr. Joachim Griesbaum

14. Mai 2013, „Classics in the Classroom”, Prof. Dr. Stefani Brusberg-Kiermeier

28. Mai 2013, „Why Siri can't understand Scottish English: Accents and dialects and strong language”, Dr. Saskia Kersten

04. Juni 2013, „Über die Verschiedenheiten der Sprachen“, Prof. Dr. Annette Sabban

11. Juni 2013, „Interkulturelle Kommunikation: So fern und doch so nah“, Prof. Dr. Beatrix Kreß

25. Juni 2013, „Orientierung Sprachwissenschaft. Was sie kann, was sie will“, Dr. Gabriele Hinney

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-6077 Wed, 30 Jan 2013 13:49:00 +0100 Netz mit Grenzen: Studierende sorgen mit Leichter Sprache für Verständlichkeit im Internet https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/netz-mit-grenzen-studierende-sorgen-mit-leichter-sprache-fuer-verstaendlichkeit-im-internet/ Sie setzen auf kurze Sätze – ohne dass Informationen verloren gehen. „Barrierefreiheit" ist für Programmierer von Internetseiten zwar kein Fremdwort, doch viele Behinderte, Nicht-Muttersprachler und funktionale Analphabeten stoßen im weltweiten Netz schnell an Grenzen. Nicht nur öffentliche Stellen, auch die Wirtschaft sollte sich stärker um Verständlichkeit bemühen, fordert Prof. Dr. Christiane Maaß von der Universität Hildesheim. Es fehlen einheitliche Regeln für Übersetzungen in Leichte Sprache – die Sprachwissenschaftler der Uni Hildesheim wollen sie entwickeln. „Bundes-Tag ist der Name für ein großes Haus in Berlin.“ steht auf der Internetseite des Deutschen Bundestags, die es seit Oktober 2012 in Leichter Sprache gibt. Auch die Wahl des Bundeskanzlers wird erklärt. Genauso gibt es Fußballregeln, Wahlprogramme von Parteien und Nachrichten in Leichter Sprache. Sie verzichten auf Schachtelsätze, erklären Fremdwörter, arbeiten mit Beispielen und Bildern. Wer produziert diese Texte, wie verständlich sind sie? „Sag es einfach, klar“, ist ihr Motto – und zugleich eine Herausforderung. An der Universität Hildesheim lernen Studierende die „Barrierefreie Internetkommunikation“. Am heutigen Mittwoch gehen zentrale Teile der Internetseite des Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Leichter Sprache online. 24 Studierende des Masterstudiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ haben u.a. 27 Berufsbilder – genormte Texte der Handwerkskammer – übersetzt.

„Damit ich Fachbegriffe wie ‚Psychosomatische Störungen‘ und ‚Eingangs- und Verlaufsdiagnostik‘ überhaupt verständlich erklären konnte, hat ein Ausbilder mir die Tätigkeit beschrieben. Übersetzer müssen mit den Inhalten vertraut sein“, sagt Student Alexander Kurch. „Und wenn im Ausgangstext steht ‚körperlich belastbar sein‘, dann mussten wir weitere Infos einholen – denn beim Hauswirtschafter, Koch oder Tischler sind die Belastungen unterschiedlich“, ergänzt die Leipzigerin Maria Heybutzki.

Leichte Sprache nutzt nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch jenen mit geringen Deutschkenntnissen, Nichtmuttersprachlern oder funktionellen Analphabeten.

„Öffentliche Stellen bemühen sich zunehmend um barrierefreie Informationsangebote – allerdings sind diese von wechselnder Qualität“, sagt Prof. Dr. Christiane Maaß. Die Professorin für Medienlinguistik forscht und lehrt an der Universität Hildesheim im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Zusammen mit Uta Fröhlich leitet sie das Übersetzungsprojekt. Im Internet könne man sich schnell über Ereignisse, Fakten oder Verordnungen informieren. Doch viele Internetseiten stellen Hürden für die Nutzer dar, sagt Maaß. „Informationen sind schlecht auffindbar, können auf dem Ausgabegerät nicht dargestellt werden oder sind in komplizierter Sprache verfasst.“ Manche Inhalte, etwa aus dem medizinischen, juristischen oder behördlichen Kontext, sind für Menschen mit Sinnesbehinderungen überhaupt erst zugänglich, wenn sie in Leichter Sprache vorliegen. Maaß fordert, mehr Webseiten zusätzlich in dieser syntaktisch und lexikalisch vereinfachten Form des Deutschen anzubieten.

Nur wenige Internetseiten sind in „Leichter Sprache“ zugänglich, die meisten von Behörden. Erst seit 2011 gilt die Verordnung „BITV 2.0“, die den barrierefreien Zugang zum Internetauftritt der Bundesbehörden regelt. Politische Abläufe und Entscheidungen müssen verständlich gemacht werden. „Im nicht-behördlichen Bereich stehen wir ganz am Anfang. Auch die Unternehmen stehen in der Pflicht. Die Wirtschaft hat sich bislang kaum auf die Bedürfnisse sinnesbehinderter Menschen eingestellt. Außerdem fehlt eine wissenschaftliche Aufarbeitung: Leichte Sprache braucht fundierte Übersetzungsregeln, damit die Texte wirklich für einen möglichst großen Kreis von Lesern hilfreich sind.“, bemängelt Maaß. Es fehlen Profis, die die Übersetzungen durchführen.

Übersetzungsprojekt „Leichte Sprache

Der Präsident des Niedersächsischen Landessozialamts, Manfred Spitzer, nennt es ein „Musterbeispiel, wie sich Wissenschaft für den Alltag öffnet und Praxis sich irritieren lässt. Hier folgen aus Worten Taten. Es ist beeindruckend." Im Wintersemester 2012/13 haben Studierende der Universität Hildesheim ein Projekt mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte (LBZH) durchgeführt. Sie übersetzten den Bereich „Berufliche Rehabilitation“ in Leichte Sprache. Die Texte sind ab sofort als zusätzliches Informationsangebot auf der Internetseite des LBZH zugänglich. Die Studierenden lernten in mehreren Werkstattbesuchen das dortige Ausbildungsangebot kennen.

Im Seminar an der Uni wurden die Grundlagen der Barrierefreiheit erarbeitet, darunter rechtliche Vorgaben, kognitive und linguistische Aspekte von Sinnesbehinderung. Außerdem haben sie die „Usability“ (Benutzerfreundlichkeit) und „Accessibility“ (Zugänglichkeit) von Internetangeboten untersucht. Auf eine im Projekt unter Leitung von Uta Fröhlich erstellte Terminologiedatenbank mit verbindlichen Begriffen können Studierende auch in kommenden Semestern zurückgreifen.

Info: Studiengang „Medientext und Medienübersetzung"

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme in anderen Sprachen, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden u.a. in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audiodeskriptionen von Filmen („Hörfilme“) und untertiteln Filme für Hörgeschädigte. Im Schwerpunkt „Barrierefreie Internetkommunikation“ bereiten die angehenden Medienübersetzer Websites auf. Seit 2012 steht dafür ein Medientextlabor mit 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, zur Verfügung.

„Leichte Sprache für ein besseres Verständnis. Studierende der Uni Hildesheim übersetzen Homepage des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte", Hildesheimer Allgemeine Zeitung (29.01.2013)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation BA IKÜ MA MuM Leichte Sprache
news-5905 Wed, 19 Dec 2012 17:17:00 +0100 VW-Dieselmotor und Sicherheitskonzept für autonomes Fahren https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/vw-dieselmotor-und-sicherheitskonzept-fuer-autonomes-fahren/ Angehende Fachübersetzer und Technik-Lehrkräfte können künftig anhand eines modernen Dieselmotors dessen Aufbau und Funktion erkunden und ihn in einzelne Komponenten zerlegen. Das Motorenwerk Salzgitter der Volkswagen AG unterstützt die Universität Hildesheim in der Lehre mit einem neuwertigen Zwei-Liter-Dieselmotor nebst Aggregaten, der in der Aus- und Weiterbildung eingesetzt wird. Außerdem schreitet die Entwicklung des Sicherheitskonzepts für das Forschungsfahrzeug „Leonie“ voran. Technik beschreiben und erklären: „Unsere Studierenden können am Motor Technik wirklich ‚begreifen‘, eine entscheidende Grundlage für ihre jeweilige Vermittlungstätigkeit als Fachübersetzer und Technik-Lehrkraft. Sie sind Multiplikatoren und vermitteln, was Ingenieurskunst heute leistet“, unterstreicht Prof. Dr.-Ing. Jürgen Rüdiger Böhmer vom Institut für Technik die Bedeutung dieser Berufsfelder. Am Motor können die Studierenden werkstoffliche, funktionale und fertigungstechnische Zusammenhänge erkennen und die Technik unmittelbar begreifen.

Die Hildesheimer Studierenden bereiten sich in Studiengängen praxisnah auf die internationale Fachkommunikation in der Technik sowie auf den Einsatz als Fachlehrkräfte an Schulen vor. „Unsere Absolventen sind in der Industrie und im Bildungswesen gefragt“, sagt Böhmer. In der Lehrerfortbildung konnten in Hildesheim in den vergangenen vier Jahren 142 Lehrkräfte aus Niedersachsen weitergebildet werden, denn in den Fächern Physik und Technik fehlen ausgebildete Fachlehrkräfte. Der Dieselmotor kommt künftig im Praktikum „Maschinenelemente“, in der Vertiefung „Kraft- und Arbeitsmaschinen“ und weiteren Projekten zum Einsatz.

Neuigkeiten gibt es auch im Forschungsprojekt „Stadtpilot“ am Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF). Wissenschaftler der Universität Hildesheim erarbeiten am Institut für Technik ein „Sicherheitskonzept für die autonome Fahrzeugführung“.

Seit Oktober 2010 ist das Forschungsfahrzeug „Leonie“ vollständig automatisiert auf einem Teilstück des Braunschweiger Stadtrings unterwegs. Neuerdings kann das Fahrzeug automatisch Fahrstreifenwechsel in der Stadt vollziehen. Weiterhin wurde im Jahr 2012 die Systemstabilität erhöht und das von Andreas Reschka am Technik-Institut der Uni Hildesheim entwickelte Sicherheitskonzept umgesetzt. „Dadurch ist das Fahrzeug in der Lage sich selbst zu diagnostizieren. Es kann auf Änderungen am eigenen Systemzustand und auf Umweltbedingungen reagieren, beispielsweise einen erhöhten Sicherheitsabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern einnehmen oder eine Maximalgeschwindigkeit verringern“, sagt Reschka.

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Technik Pressemeldungen Fachbereich 4 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3
news-5418 Thu, 04 Oct 2012 08:47:00 +0200 Green, clean, safe: 23 % mehr Studierende aus dem Ausland https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/green-clean-safe-23-mehr-studierende-aus-dem-ausland/ Samuel Gross übersetzt Literatur und möchte seine Sprachkenntnisse verbessern. Kulturwissenschaftsstudentin Lea Zehaf ist begeistert von den Inszenierungen deutscher Theaterregisseure. 23 % mehr Studierende aus dem Ausland studieren in diesem Wintersemester an der Universität Hildesheim. In diesen Tagen stehen Intensivsprachkurse, Bibliothek- und Stadtführungen auf dem Programm, bevor die Lehrveranstaltungen starten. „Der kriselnde Euro, Staatsschulden und Sparmaßnahmen werden in Medien und Politik debattiert, im Alltag spüre ich das kaum“, sagt Samuel Gross aus Brüssel. Der 23-Jährige studiert seit Oktober an der Uni Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“. „Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft. Jeder muss sich um Arbeit, um einen Beruf bemühen, auch wenn es dann vielleicht nicht der Traumjob ist.“ Seine Leidenschaft: Literatur. Auf russischsprachige und deutsche Übersetzungen hat er sich in drei Jahren Studium spezialisiert. „Aber davon kann ich nicht leben, also werde ich zusätzlich einen Beruf in der Tourismusbranche suchen.“ Statt Leipzig oder Saarbrücken hat er sich für den Studienort Hildesheim entschieden, Kommilitonen und Dozenten haben ihm die Stadt im Norden empfohlen. „Lesen und die Grammatik klappen schon ganz gut, in Hildesheim möchte ich mein gesprochenes Deutsch verbessern“, sagt Samuel Gross.

Auch für Lea Zehaf, die in der Schule in Frankreich Deutsch gelernt hat, steht im nächsten Studienjahr neben der Theaterpraxis und -theorie die Sprache im Mittelpunkt. In den Künsten sei Verständigung über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg möglich. „Aber gerade im Theater muss ich präzise mit Akzenten und Wörtern umgehen“, sagt die 20-jährige Kulturwissenschaftsstudentin der Uni Aix-Marseille und zeigt sich begeistert von den neuen, ungewöhnlichen Inszenierungen der deutschen Regisseure und Theaterschaffenden.

Die beiden zählen zu den 115 ausländischen Studierenden aus 22 Ländern, die in diesem Wintersemester im Rahmen des Erasmus-Programms oder anderer Förderinstitutionen ein oder zwei Semester an der Universität Hildesheim studieren. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der „incoming students" um 23 %. Warum Hildesheim? Elke Sasse-Fleige, Leiterin des International Office, fasst die Gründe in einem Satz zusammen, den sie häufig hört: „Green, clean, safe". Dass sei die Rückmeldung von Studierenden aus Großstädten wie beispielsweise Istanbul, Rom und Buenos Aires. Zudem kooperiert die Universität Hildesheim mit nunmehr 146 Partnerhochschulen in Europa, über 170 weltweit. Darunter sind Partnerhochschulen aus Frankreich, Novgorod und Südkorea, mit denen die Universität Hildesheim internationale Studiengänge mit Doppelabschluss vereinbart hat. Hwang Jin Yoon und Hyoung-Youn Go von der Pai Chai Universität in Korea wollen ihre Sprachkenntnisse verbessern, sie freuen sich auf das Studium „Internationales Informationsmanagement".

„Wir haben das Angebot an englischsprachigen Lehrveranstaltungen in diesem Semester deutlich ausgebaut. Gleichwohl wollen wir, dass die Studierenden deutschsprachige Lehrveranstaltungen besuchen, schließlich ist das die hiesige Wissenschaftssprache", sagt Elke Sasse-Fleige. Deshalb stehen in der nächsten Woche die Intensivsprachkurse Deutsch auf dem Programm. Außerdem ist der Austausch mit Hildesheimer Studierenden wichtig. Hier setzen die studentischen Initiativen „Erasmus-on-tour" und „Go.Intercultural" an. Zudem begleiten rund 100 ehrenamtliche „buddys" – Studierende der Universität Hildesheim aus höheren Semestern – ihre neuen Kommilitonen.

„Welche Missverständnisse und Chancen entstehen, wenn auf dem Campus, im Berufsleben oder Praktikum Menschen aus verschiedenen Ländern aufeinander treffen? An unseren interkulturellen Trainings nehmen 10 bis 20 Studierende aus unterschiedlichen Kulturen je Workshop teil“, so Anna-Lena Ahrens. Die Studentin des „Internationalen Informationsmanagements“ engagiert sich seit vier Jahren bei „Go.intercultural“. „Wir wollen aber keine Stereotype und Rezepte vermitteln, es kommt auf die Situation und die Personen an“, ergänzen Carolin Schlemme und Ina Voges. Seit 2009 haben 450 Studierende die Trainings besucht, im letzten Semester waren fast 40% der Teilnehmenden internationale Studierende. ECTS-Punkte und ein Zertifikat können erworben werden, das Institut für Interkulturelle Kommunikation unterstützt die studentischen Trainer. Die engagierten Studierenden von Erasmus-on-tour erkunden mit ausländischen Studierenden Deutschland. Sie organisieren auch in diesem Wintersemester Städtetouren nach Dresden oder Berlin und Fahrradtouren durch Niedersachsen, uns sie freuen sich über weitere Studierende, die mitmachen.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation International Office BA IIM BA IKÜ BA KuÄP Internationales
news-4853 Fri, 22 Jun 2012 18:39:00 +0200 Lippensynchron und natürlich soll’s sein https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/lippensynchron-und-natuerlich-solls-sein/ Lippensynchron, natürlich und verständlich – darauf kommt es beim Synchronisieren an, erklärt Tanja Bellack. Damit Stimme und Mundbewegung im Einklang sind, übt die Studentin im Medientextlabor der Universität Hildesheim das Synchronisieren. Gemeinsam mit 23 Studierenden des Studiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ sammelt sie Praxiserfahrungen in Synchronstudios oder bei Experten für Untertiteln und Barrierefreie Kommunikation. Jüngst erhielten die Studierenden Einblicke in die Berliner Medienlandschaft. „Wir wollen unseren Studierenden zeigen, wie vielfältig die Berufsfelder im Bereich Medientext und Medienübersetzen sind“, erklärt Dr. Nathalie Mälzer-Semlinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim. Deshalb bietet das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation regelmäßig Exkursionen an, im Sommersemester stand Berlin auf dem Programm. Dabei konnten die Hildesheimer Studierenden den Profis bei der Arena Synchron über die Schulter schauen und Produktionsabläufe miterleben – von Rohübersetzung und Dialogbuch bis zur Synchronisation und Tonabmischung der amerikanischen Fernsehserie „Alcatraz“.

„Die Gespräche mit den Regisseuren, Tonmeistern und Schauspielern im Synchronstudio sind Gold wert. Wir haben erlebt, wie die Profis arbeiten. Wie wird ein Filmdialog übersetzt, lippensynchron gemacht und gesprochen? Welche Nuancen sind ausschlaggebend, damit eine Synchronisation natürlich wirkt?“, berichtet Tanja Bellack von ihren Einblicken in die Berufswelt. Sie studiert seit einem Jahr im Master-Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“ an der Universität Hildesheim. Zu den Studieninhalten zählen neben Grundlagen der Medienlinguistik und Übersetzungswissenschaft Seminare über die Medienkulturgeschichte und -ästhetik, über Sprache in den Massenmedien sowie Schreib- und Übersetzungsübungen. Studierende können in den Bereichen Untertiteln und Synchronisation, Barrierefreie Kommunikation und interne Unternehmenskommunikation Schwerpunkte setzen.

In Hildesheim kann die 29-jährige Studentin im Medientextlabor – das mit dem neuesten Stand der Profitechnik ausgestattet ist –, die Theorie praktisch erproben. „Beim Untertiteln klappt es schon ganz gut“, berichtet Tanja Bellack. Die Herausforderung sei, mit der geringen Zeichenzahl angemessen umzugehen. „Wenn ich vom Französischen ins Deutsche übersetze, sind die Texte in der Regel länger. Ich muss genau überlegen, wo ich kürzen kann, ohne den Sinn zu verändern.“

Im nächsten Semester steht für Tanja Bellack, die neben „Untertiteln und weiteren Spielarten der audiovisuellen Übersetzung“ den Studienschwerpunkt „Unternehmenskommunikation“ gewählt hat, das Synchronisieren im Mittelpunkt. Dank einer Kooperation mit dem Synchronverband „Die Gilde“ werden die Studierenden gemeinsam mit zwei Synchron-Profis Dialogbücher für Filme erstellen lernen. Die Herausforderung? „Die Synchrondialoge müssen lippensynchron sein und vor allem natürlich wirken. Es kommt auf kleinste sprachliche Nuancen an.“

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM
news-4804 Sat, 16 Jun 2012 13:55:00 +0200 Medienlinguistik: Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Christiane Maaß https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/medienlinguistik-antrittsvorlesung-von-prof-dr-christiane-maass/ Der Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften der Stiftung Universität Hildesheim lädt am Mittwoch, 20. Juni, zur öffentlichen Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Christiane Maaß ein. Im Juli 2011 hat die Stiftung Universität Hildesheim die Romanistin Christiane Maaß auf die neu eingerichtete Professur für Medienlinguistik berufen. In ihrer Antrittsvorlesung mit dem Titel „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Medienlinguistik“ zeichnet die Professorin nach, wie sich die Medienlinguistik als eigenes Fach etabliert hat, und stellt einen Entwurf für die Strukturierung der Forschung und Lehre in diesem jungen Wissenschaftsfeld vor.

Die Medienlinguistik ist ein Teilbereich der Angewandten Sprachwissenschaft, dessen besonderes Interesse der Sprachverwendung in Medien gilt. Neben der Erarbeitung neuer Fragestellungen, der Weiterentwicklung klassischer linguistischer Untersuchungsmethoden und der Erhebung von sprachlichem Material hat die Medienlinguistik immer auch die besonderen Bedingungen der Sprachproduktion und -rezeption in den verschiedenen Medien im Blick. Wichtige Schwesterdisziplinen sind u.a. die Medien- und Kommunikationswissenschaft und weitere sozial- und kulturwissenschaftliche Fächer. „Das Spannende an der Medienlinguistik ist, dass sich Medien ständig weiterentwickeln – und mit ihnen die Sprache, die sie verwenden“, erklärt Maaß. „Wir können immer wieder neue Formen des Umgangs mit Sprache feststellen und erforschen, wie sie entstehen und was sie zu bedeuten haben.“

In der Lehre unterrichtet Christiane Maaß schwerpunktmäßig im neuen Hildesheimer Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ und hält dort die Grundlagenvorlesungen „Medienlinguistik“ und „Medienkulturgeschichte und Medieninstitutionen“. Außerdem ist sie für die Lehre im Modul „Theorie und Praxis der barrierefreien Kommunikation“ verantwortlich.

Hildesheim geht mit dem neuen Studiengang und der neu eingerichteten Professur zukunftsweisende Wege und bietet Studierenden die Möglichkeit, ihren sprach- und übersetzungswissenschaftlichen Bachelorabschluss durch eine moderne, berufsorientierte Masterausbildung im Medienbereich zu ergänzen. „Der steigende Bedarf an qualifizierten Medientextübersetzern bedeutet günstige Berufsperspektiven für die Hildesheimer Absolventen“, ist sich Maaß sicher.

Christiane Maaß ist Sprach- und Übersetzungswissenschaftlerin, wobei ihr Fokus auf den romanischen Sprachen liegt. Nach der Promotion an der Universität Leipzig und der Habilitation an der Universität Hannover vertrat sie eine Professur für Romanische Sprachwissenschaft an der Universität Göttingen und kam bereits 2010 als Vertretungsprofessorin nach Hildesheim.

Im Bereich der Forschung arbeitet sie derzeit an einem Projekt, in dem Web2.0-Korpora eingesetzt werden, um Strategien höflicher und unhöflicher Kommunikation zu untersuchen. „Die Politeness-Forschung geht heute davon aus, dass Höflichkeit nicht ‚absolut‘ definiert werden kann, sondern immer im Auge des Betrachters liegt. Wenn wir sie untersuchen wollen, brauchen wir dialogisch verfasste Korpora. Das Web2.0, das Internetnutzern einfache Möglichkeiten zur Interaktion bietet, liefert uns ideales Analysematerial“, erklärt die Medienlinguistin. Die Ergebnisse der Studie gibt Maaß zusammen mit rund 20 neuen Untersuchungen von Medienlinguisten und Politeness-Spezialisten im Band „Face Work and Social Media“ heraus, der auf der gleichnamigen internationalen Tagung im Mai 2013 auf der Domäne Marienburg präsentiert werden soll.

Öffentliche Antrittsvorlesung am 20. Juni 2012, 18:15 Uhr

Ort: Aula (Raum L 131), Bühler-Campus der Stiftung Universität Hildesheim

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM Antrittsvorlesungen
news-4735 Tue, 29 May 2012 09:58:00 +0200 Universität bildet Medienübersetzer aus und treibt Barrierefreie Kommunikation voran https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/universitaet-bildet-medienuebersetzer-aus-und-treibt-barrierefreie-kommunikation-voran/ Medientextlabor eröffnet: An 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, lernen Studierende der Universität Hildesheim den Umgang mit multimedialen Texten und ihre Übersetzung. „Wir bilden Texter und Übersetzer aus, die Medienprodukte sprachlich bearbeiten, Sprachwechsel vollziehen oder für Menschen mit Behinderungen aufbereiten“, erklärt Prof. Dr. Christiane Maaß, seit 2011 Professorin für Medienlinguistik an der Universität Hildesheim. Der Markt für qualifizierte Untertitelung und Synchronisation in Film und Fernsehen, aber auch in der Unternehmenskommunikation wächst – und die Stiftung Universität Hildesheim bereitet ihre Master-Studierenden im Studiengang Medientext und Medienübersetzung (MuM) auf diese attraktiven Berufsfelder vor. Im neuen Medientextlabor lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, den Umgang mit multimedialen Texten, ihre Übersetzung und professionelle Bearbeitung.

Im Wintersemester 2011/12 hatten die ersten 23 MuM-Studierenden ihr Studium aufgenommen. Das Labor ist mit dem neuesten Stand der Profitechnik im Bereich der Sprachanpassung ausgestattet. Die Kosten für die Ausstattung betragen 90.000 Euro. „Jetzt geht es nicht mehr nur um Theorie, sondern um praktische Anwendungen“, freut sich Studentin Maika Hohlbein. Im Sommersemester übersetzen die Studierenden bereits Filme in englischer und französischer Sprache. Der Film „Louise Wimmer“ wird – mit deutscher Untertitelung durch die Hildesheimer Studierenden – im August beim Filmfest Hamburg gezeigt.

Mit dem Master-Studiengang Medientext und Medienübersetzung bietet die Hochschule einen deutschlandweit einzigartigen Studiengang an, der Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und -wissenschaft verbindet. Entwickelt wurde der Studiengang über mehrere Semester von Prof. Dr. Annette Sabban, Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft/Romanistik, und Dr. Nathalie Mälzer-Semlinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität und Literaturübersetzerin. Schwerpunkte in der Lehre sind unter anderem das filmische Erzählen, die Beziehungen zwischen Sprache, Bild und Ton und die Vielfalt gesprochener Sprache in den Medien – samt den sich daraus ergebenden besonderen Anforderungen an Textbearbeitung und Übersetzen. Zur Anwendung gelangen die erworbenen Kenntnisse beim Erstellen und Bearbeiten unterschiedlichster Texte im Medienbereich: nicht nur bei der Untertitelung und Synchronisation in der Film- und Medienbranche, sondern auch in der internen und internationalen Unternehmenskommunikation. Dieser zweite, ebenfalls wachsende Bereich bildet im Studienangebot „sozusagen die Scharnierstelle zu unserem zweiten Masterstudiengang Sprachen und Technik", erläutert Prof. Dr. Klaus Schubert, seit 2009 Professor für Internationale Fachkommunikation an der Universität Hildesheim.

Barrierefreie Kommunikation: Aufbereitung von Medienprodukten für Menschen mit Sinnesbehinderungen

Ein besonderes Anliegen ist darüber hinaus die Barrierefreie Kommunikation. In Hildesheim werden die Studierenden auch auf die Aufbereitung von Medienprodukten für Menschen mit Sinnesbehinderungen vorbereitet: Für Sehgeschädigte wird Visuelles in hörbare Sprache umgesetzt (sog. „Audiodeskription"), für Hörgeschädigte werden Filme in der eigenen Sprache Deutsch untertitelt.

Im Mai wurde das Medientextlabor am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation eröffnet. „Film und Fernsehen müssen nationale Grenzen überschreiten“, so der britische Kameramann und Dozent Roger Hewins von der University of East Anglia. „Der Hildesheimer Studiengang passt hervorragend in die gegenwärtige Medienlandschaft", resümiert Mary Carroll, Gründerin der Firma Titelbild, Berlin.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM Leichte Sprache
news-4706 Mon, 14 May 2012 09:42:00 +0200 Die Türkei, der deutsche Sprachraum und Europa https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/die-tuerkei-der-deutsche-sprachraum-und-europa/ Internationale Konferenz vom 17. bis 19. Mai: Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Türkei untersuchen auf einer Expertentagung die Türkei, den deutschen Sprachraum und Europa. Dabei geht es um Geschichte, Bildung, Sprache und Diplomatie. Gegenstand der Konferenz sind fünf Felder, die erstmals im Kontext der Zeitgeschichte und unmittelbaren Gegenwart gemeinsam betrachtet werden: Geschichte und Kulturtransfer; der deutsche Sprachraum und die Türkei im Kulturvergleich; Deutsch und Türkisch im Sprachvergleich; Bildungspolitik, Didaktik und Pädagogik sowie Diplomatie, Politik und Sicherheitsfragen (Programm als PDF). Das Institut für Geschichte der Stiftung Universität Hildesheim organisiert die Tagung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Germanistik der Philosophischen Fakultat der Ege Üniversitesi Izmir.

„Im deutschen Sprachraum leben Millionen Menschen türkischer Abstammung und Sprache. Welche Rolle haben Geschichte, Kultur, Sprache, Bildung und Pädagogik sowie Diplomatie, Politik und Sicherheit für das wechselseitige Verhältnis zwischen der Türkei und dem deutschen Sprachraum gespielt?“, wirft Prof. Dr. Michael Gehler vom Institut für Geschichte der Stiftung Universität Hildesheim Fragen auf, die auf der Konferenz beantwortet werden sollen. „Welche Faktoren förderten ein engeres Verhältnis und bieten Chancen für zukünftige Kooperationen zwischen der türkischen Welt und dem deutschen Sprachraum? Inwieweit kann, soll und muss die deutschsprachige Welt für die Türkei bzw. die Türken offen sein bzw. sich ihr öffnen? Inwieweit gilt dies auch in umgekehrter Richtung?“.

Auf der Konferenz werden die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Türkei und der deutschsprachigen Welt analysiert und Praxisbezüge zur Gegenwart hergestellt. „Weitere wichtige Aspekte wie Demoskopie, Demographie, Handel, Investitionen, Ökonomie, Ressourcentransfer und Tourismus sollen einer groß angelegten Folgekonferenz an der Ege Üniversitesi Izmir vorbehalten sein. Der Doppelkongress in Hildesheim und Izmir unterstreicht, dass zwei Nationen gleichberechtigt zusammenarbeiten“, so der Sprachwissenschaftler Prof. em. Dr. Reiner Arntz. „Wir streben Integration auf Augenhöhe an. Viele der Einwanderer sehen die Werte, die Deutschland bietet und sind gleichzeitig stolz auf ihre eigene Herkunft. Einwanderung ist ein Kommen und Gehen, in Freiheit, mit Respekt vor der Identität des Anderen.“

Die Ergebnisse der Konferenz werden in einem Buch publiziert und auf der Internetseite der Universität Hildesheim veröffentlicht. Am Institut für Geschichte der Universität Hildesheim wurde eine „Arbeitsstelle zur Erforschung der Beziehungen zwischen der Türkei und dem deutschen Sprachraum“ eingerichtet, die von Buket Yilmaz koordiniert wird. Die Hildesheimer Studentin forscht zu Minderheiten in der Türkei und unterstreicht die Rolle der Jugend für die zukünftigen deutsch-türkischen Beziehungen.

Die Universität Hildesheim und die Ege Üniversitesi Izmir kooperieren im Rahmen einer Erasmus-Partnerschaft, die sich neben dem Studenten- und Dozentenaustausch die Durchführung gemeinsamer wissenschaftlicher Projekte zum Ziel gesetzt hat. Ein „Runder Tisch Türkei“ bündelt die interdisziplinären Forschungsprojekte in Hildesheim.

Eröffnet wird die Konferenz am Donnerstag, 17. Mai um 08:30 Uhr. Die Veranstaltung richtet sich an eine breite Öffentlichkeit, Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sowie Studierende der Fächer Geschichte, Internationales Informationsmanagement, Kulturwissenschaften und Pädagogik. „Wir bieten die Konferenz als akademische Lehrveranstaltung an, so dass Studierende einschlägiger Studiengänge einen Leistungsnachweis erwerben können“, so Gehler. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Ort: Tagungsstätte Michaeliskloster, Hildesheim

Programm als PDF

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Geschichte Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Interkulturelle Kommunikation Internationales Tagungen & Kongresse
news-4597 Mon, 16 Apr 2012 10:07:00 +0200 Meister der Vielseitigkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/meister-der-vielseitigkeit/ Technische Übersetzer gefragt: In einer globalisierten Welt spielt mehrsprachige Fachkommunikation eine wichtige Rolle, denn immer mehr Waren und Güter werden über Landes- und Sprachgrenzen hinweg transportiert. Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation werden technische Übersetzer ausgebildet – sie lernen auch die Funktionsweise von Maschinen und Anlagen kennen. Immer mehr Waren und Güter werden über Landes- und Sprachgrenzen hinweg transportiert. Und da sie nicht selten technischer Natur sind, bedürfen diese Waren und Güter der Beschreibung und Erklärung für den Benutzer oder Anwender. Was soll der Text leisten? Welche Inhalte müssen übersetzt werden?

„An dieser Stelle kommt der technische Übersetzer oder die technische Übersetzerin ins Spiel: Er oder sie beschreibt und erklärt das Produkt in der Zielsprache", erläutert Hansjörg Bittner. Gute Fremdsprachenkenntnisse allein reichen nicht aus. Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim bildet technische Übersetzerinnen und Übersetzer aus: Im Master-Studiengang „Sprachen und Technik“ lernen die Studierenden nicht nur die Technik des Übersetzens zu perfektionieren, sondern erhalten darüber hinaus grundlegende Einblicke in die Funktionsweise von Maschinen und Anlagen verschiedenster Art. „Sie werden so zu sprachlichen Meistern der Vielseitigkeit ausgebildet und haben sehr gute berufliche Perspektiven", so Bittner.

Wie spannend und interessant Technik sein kann, können Studierende einmal im Semester bei einer Betriebsbesichtigung in einem Technikunternehmen erleben. Am Mittwoch, den 25. April, ist es wieder soweit. „Die Exkursion führt uns dieses Mal nach Lengede zur Firma Hoffmann, einem der führenden Hersteller von Aufbereitungsanlagen für Kühlschmierstoffe in Deutschland. Wer noch teilnehmen möchte, sollte sich möglichst bald anmelden. Auch Studierende anderer Fachrichtungen sind herzlich willkommen."

Ansprechpartner ist Hansjörg Bittner vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation (E-Mail bittnerh[at]uni-hildesheim.de.)

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA SuT
news-3897 Thu, 26 Jan 2012 15:10:00 +0100 Kardanwellen unter die Lupe genommen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/institut-fuer-uebersetzungswiss-fachkommunikation/pressespiegel/pressemeldungen/artikel/artikel/kardanwellen-unter-die-lupe-genommen/ „Die Betriebsbesichtigung ist eine sehr sinnvolle Ergänzung zum Studium, weil wir dadurch eine viel bessere Vorstellung von den einzelnen Fertigungsprozessen bekommen konnten. In den Vorlesungen werden diese ja oft nur sehr theoretisch behandelt", meint Julia Gunther. Die Studentin des Masterstudiengangs „Sprachen und Technik" nahm im Januar an der vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation organisierten Exkursion nach Hamburg teil. Regelmäßig veranstaltet das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Exkursionen, Mitte Januar ging es nach Hamburg-Stellingen zur Firma GKN Service International GmbH. Der Standort in Hamburg ist auf die weitgehend manuelle Fertigung und Reparatur von Gelenkwellen spezialisiert, die in Fahrzeugen oder industriellen Anlagen zum Einsatz kommen. „Die Betriebsbesichtigung ist eine sehr sinnvolle Ergänzung zum Studium, weil wir dadurch eine viel bessere Vorstellung von den einzelnen Fertigungsprozessen bekommen konnten. In den Vorlesungen werden diese ja oft nur sehr theoretisch behandelt", meint Julia Gunther, die an der Universität Hildesheim den Masterstudiengang Sprachen und Technik studiert. Sprachmittler, vor allem Übersetzer für Wirtschaft, Verwaltung und internationale Behörden werden in diesem Studiengang ausgebildet. 

Auch Claudia Erben studiert im Master Sprachen und Technik. „Bei der Exkursion war es für mich interessant zu sehen, wie die in den Lehrveranstaltungen der Technik besprochenen Maschinen in einem Industriebetrieb im Produktionsprozess eingesetzt werden. Dadurch haben wir einen guten praxisnahen Einblick in die verschiedenen Fertigungsverfahren bekommen, was für das Verständnis der Funktionsweise der Anlagen sehr hilfreich ist. Somit bot die Exkursion eine lehrreiche Erfahrung zu den theoretischen Inhalten der Vorlesungen", sagt die Studentin über die Betriebsbesichtigung.

Zur Betriebsbesichtigung zählte die Präsentation von unterschiedlichen Formen und Größen der einzelnen Gelenkwellenteile. In der Werkstatt konnten die Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer erfahren, wie eine Kardanwelle gefertigt wird. „Zuerst die Montage eines 43 kg schweren Gelenks, danach die Auswahl und Bearbeitung eines passenden Rohres und schließlich den über bestimmte Parameter genau eingestellten Schweißprozess", erläutert Dr. Hansjörg Bittner vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation den Fertigungsprozess.

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation organisiert eine solche Betriebsbesichtigung einmal in jedem Semester. „Sie soll insbesondere den Studentinnen und Studenten der Studiengänge Sprachen und Technik und Internationale Fachkommunikation praktische Einblicke in technische Abläufe geben", hebt Bittner hervor. Grundsätzlich steht die Teilnahme an diesen Exkursionen jedoch allen Studierenden der Universität Hildesheim offen.

Die nächste Exkursion im Sommersemester führt die Studierenden voraussichtlich zur Firma Hoffmann-Filter in Lengede. Wer sich über den Exkursionstermin informieren möchte, kann sich an Herrn Bittner (bittnerh[at]uni-hildesheim.de) wenden.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Exkursionen MA SuT