Justizministerium

Übersetzung von Justiztexten in Leichte Sprache

Im Rahmen eines Pilotprojekts haben Studierende der Universität Hildesheim Leichte-Sprache-Versionen von Texten der Justiz erarbeitet. Diese reichen von Formularen und den zugehörigen Erläuterungen (dem „Kleingedruckten“) bis zu ausführlichen Online-Informationen über das Justizsystem.

 

Projektziel

Rechtstexte gelten im Allgemeinen als besonders schwer verständlich. Gerade gegenüber der Justiz ist es jedoch enorm wichtig, dass ein Mensch versteht, worum es geht, um die eigenen Rechte wahrnehmen zu können. In dem Projekt wurden an der Universität Hildesheim Texte in Leichte Sprache übersetzt. Die Texte in Leichter Sprache bilden dabei jeweils ein ergänzendes Angebot zu den vorhandenen Texten in Standard-Deutsch.

 

Übersetzungsprozess

Die hohe Komplexität der rechtlichen Sachverhalte und die große Bandbreite an Textsorten – vom Internetauftritt bis zum Formular – erfordern ein breites Repertoire an Übersetzungsstrategien. Da ein Formular an sich beispielsweise nicht verändert werden soll, hat das Übersetzungsteam Erläuterungen in Leichter Sprache erstellt, die jeweils mit dem Formular ausgegeben werden. Diese können zum Beispiel auch in Beratungsgesprächen verwendet werden, um die Kommunikation zwischen Repräsentanten der Justiz und Bürgern zu unterstützen.

Für eine solche Herangehensweise mussten der zu vermittelnde Sachverhalt und der Einsatzzweck des Textes gründlich analysiert werden. Anschließend erfolgten die Übersetzungen. Die Texte für die Internetseite wurden durch die Studierenden des Moduls „Barriefreie Kommunikation“ übersetzt. Ein Team von erfahrenen Übersetzer_innen begleitete diesen Prozess. Dasselbe Team war auch für die Übersetzung bzw. Erstellung der weiteren Projekt-Texte verantwortlich.

 

Feedback
Während des gesamten Übersetzungsprozesses arbeiteten die Projektbeteiligten der Universität Hildesheim eng mit unterschiedlichen Ansprechpartnern in der Justiz zusammen. Und schon nach der ersten Textanalyse vereinbarten die Projektleitungen beider Seiten die Übersetzungsstrategie. Mitarbeitende des Justizministeriums beantworteten im Rahmen eines gemeinsamen Termins inhaltliche Fragen. Darüber hinaus bestand kontinuierlich Kontakt zwischen dem Übersetzungsteam und Ansprechpartnern im Justizministerium bzw. im Amtsgericht Hildesheim. Die so entstandenen Texte wurden auch Mitgliedern der Zielgruppe vorgelegt, um die Verständlichkeit sicherzustellen und der Maxime umfassender Beteiligung gerecht zu werden.

 

Begleitforschung
Folgende Fragestellungen wurden sowohl praktisch gelöst als auch wissenschaftlich analysiert:

  • Wie lassen sich die abstrakten Sachverhalte der Justiz in Leichter Sprache umsetzen?
  • Welche Textsorten erfordern besondere Übersetzungsstrategien?
  • Inwiefern lässt sich der besondere Übersetzungsprozess durch spezialisierte Software unterstützen?

Im Rahmen einer Veranstaltung beim Bundesjustizministerium in Berlin am 8. Oktober 2014 wurden die Broschüren erstmals an den Mann bzw. die Frau gebracht. Die Leichte-Sprache-Broschüren stießen hier auf so viel positive Resonanz, dass die zur Verfügung stehenden Exemplare bereits gegen Ende der Veranstaltung vergriffen waren.

 

Beteiligte

Folgende Studierende übersetzten Teile der Internetseite im Rahmen des Moduls „Barrierefreie Kommunikation“:

Julius Beineke, Lija Engelbrecht, Philipp Hammer, Niklas Heinemann, Maria Heybutzki, Meike Knoop, Josephine Kölzow, Katrin Lang, Sonja Mair, Katja Münch, Steffen Nölte, Shirley Peglow, Yvonne Peter, Danja Prahl, Tanja Schwarze, Martha Stajer, Heiko Vreden, Wiebke Waldner, Hanna Wilkes, Maria Wünsche

Folgende professionelle Übersetzerinnen erstellten die weiteren Texte und gestalteten die endgültige Fassung der Texte für die Internetseite:

Anna-Katharina Berg, Margarita Heiser, Isabel Rink, Astrid Stenzel, Alea Stephan, Angela Tonn