Inklusives Theater

Ein Projekt der Universität Hildesheim unter Leitung von Prof. Dr. Nathalie Mälzer

***Das Projekt wurde für den Preis des Innovationsnetzwerks Niedersachsen nominiert und am 24.4.2017 auf der Hannover Messe vorgestellt.***

(English Version below)

In Deutschland gibt es zwar einige Theater und Opern, die interlinguale Übertitel anbieten, doch findet man wenig Übertitel für Hörgeschädigte oder Gehörlose. Induktionsschleifen, wie sie an einzelnen Theatern eingesetzt werden, bieten leider nur Schwerhörigen die Möglichkeit, an Theateraufführungen teilzuhaben. Mit dem 2015 am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim ins Leben gerufenen Projekt wurde die konzeptionelle Entwicklung und künstlerische Umsetzung von Theaterübertiteln für Gehörlose, Hörgeschädigte und Hörende in zwei Kooperationen erarbeitet (Pilotprojekt 2015: Kooperation mit dem Theaterensemble Club Kirschrot und dem Stück „Club der Dickköpfe und Besserwisser“, Projekt 2016: Kooperation mit dem Theaterensemble BwieZack mit dem Stück "von außen zu nah").

 

Presse

Pressemeldung im idw vom 21.12.2017 hier.

Den Artikel in der HAZ vom 21.12.2017 kann man hier nachlesen.

Den Artikel im Göttinger Tageblatt vom 26.12.2017 findet man hier .

Das sechs-minütige Gespräch mit Radio Bremen 2 vom 26.12.2017 kann man hier nachhören.

Zu dem vier-minütigen TV-Bericht des NDR "Hallo Niedersachsen" vom 11.1.2018, 19:30 gelangt man hier

http://www.goettinger-tageblatt.de/Mehr/Campus/Goettingen/Theater-fuer-Hoerende-und-Hoerbeeintraechtigte

Unsere aktuelle Kooperation für die Spielzeit 2017/18: Schauspiel Hannover

Foto: Karl-Bernd Karwasz

Die Dramaturgin und Theaterpädagogin Barbara Kantel, Leiterin des Jungen Schauspiels Hannover, und die Regisseurin Wera Mahne haben ein Theaterstück mit gehörlosen und hörenden Schauspieler_innen für ein hörbeeinträchtigtes, gehörloses und hörendes Publikum inszeniert. Es handelt sich dabei um das Jugendtheaterstück "Mädchen wie die" ("Girls like that") von Evan Placey (dt. von Frank Weigand). Das von uns mit entwickelte Übertitelungskonzept floss in die künstlerische Umsetzung der Übertitel durch einen Videokünstler ein. Neben Übertitelung wird auch Gebärdensprache eingesetzt. Die gemeinsame Produktion wird von einem Team der Universität Hildesheim wissenschaftlich begleitet. 

Premiere war am 12.01.18, weitere Vorstellungen sind am 01.03., 04.03. und am 16.03. jeweils um 19.30 Uhr. Mehr Informationen sowie Bild- und Videomaterial unter:

www.schauspielhannover.de

Das Team: Prof. Dr. Nathalie Mälzer, Hanna Bock (MA, Doktorandin), Hannah Schwarz (Organisation), Saskia Schulz (Videographie der Proben) und Loraine Keller (Empirische Studie mit Zuschauer_innen) sowie Studierende des Masterstudiengangs Medientext und Medienübersetzung

Kooperationspartner: Barbara Kantel, Dramaturgin und künstlerische Leiterin: Junges Schauspiel Hannover.Schauspiel Hannover, Ballhofplatz 5, 30159 Hannover

Förderer des Projekts: Stiftung Niedersachsen und Calenberg-Grubenhagensche Landschaft

Vorgängerprojekte

Die vergangenen Projekte sind im Rahmen der Nachwuchsförderung „deBühne_barrierefrei“ im Theaterhaus Hildesheim entstanden und richteten sich an schwerhörige, gehörlose und hörende Menschen ab 10 Jahren. Gemeinsam mit dem Seminar "Theaterübertitelung" unter der Leitung von Prof. Dr. Nathalie Mälzer wurde eine partizipative Inszenierung durch den Einsatz von Übertiteln, Lautsprache und Gebärdensprache entwickelt. Ein weiterer Kooperationspartner war das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte e.V. Hildesheim. Beim dem Stück "von außen zu nah" unterstützte Marion Jansen, Lehrerin am LBZH, die Theatergruppe und erarbeitete mit ihnen im Probenprozess Gebärden für einzelne Szenen. Außerdem fand eine Zusammenarbeit mit der Theater-AG der St. Ansgar Kinder- und Jugendhilfe statt. Mit dem Anspruch, die Phantasie und Kreativität der Jugendlichen zu wecken und ihre Ideen direkt in die inszenatorische Arbeit einfließen zu lassen, wurden in wöchentlichen Treffen Standbilder und Szenen erarbeitet, die Freundschaft, Ausgrenzung und Alleinsein verkörpern. Hier geht es zu den Trailern der beiden inklusiven Stücke: Club der Dickköpfe und Besserwisser und von außen zu nah Der Weg zur Übertitelung / Inszenierung von "von außen zu nah"

Die Übertitel für Gehörlose, Schwerhörige und Hörende wurden im Rahmen eines Projektseminars an der Universität Hildesheim erarbeitet und unter der Leitung von Prof. Dr. Nathalie Mälzer von den Studierenden  Laura Leske, Saskia Schulz und Anna Pristouschek erstellt. Die Übertitel sind integrativer Bestandteil der Aufführung. Lautsprache und Gebärdensprache werden in Schriftsprache übersetzt (und umgekehrt) und als Übertitel im gesamten Bühnenraum live eingeblendet. Die Übertitel werden sowohl als kommunikativ-übersetzerisches Element verwendet, als auch als eigenständiges theatrales Ausdruckselement, das einen ästhetischen Mehrwert für die Inszenierung bietet. Die Inszenierung hatte partizipativen Charakter, was besondere Herausforderungen für die Übertitel darstellte. So konnten die Zuschauer_innen eine Szene mitgestalten, indem sie an einer Abstimmung teilnahmen. Oder sie bekamen Gruppenaufgaben gestellt, ohne ganz Verwendung gesprochener Sprache. Damit verbunden war die Bewegung des Publikums im Raum, die Grenze zwischen Bühne und Publikum wurde immer wieder aufgehoben. Aus diesem Grund musste die Projektion der Übertitel flexibel bleiben und durfte sich nicht auf eine Fläche beschränken. So gab es zu Beginn zum Beispiel eine Projektion an der Decke des Raumes. Die Bewegung der Übertitel gab nach dieser Szene den Impuls zur Änderung der Blickrichtung. In einzelnen Szenen wurden die Übertitel vollständig live erstellt.

Die Premiere und weitere Aufführungen haben am 2., 3. und 4. Juni 2016 am Theaterhaus Hildesheim, sowie am 12. Januar 2017 in der Kulturfabrik Lösecke stattgefunden.

 

Rezeptionsstudie und Nachbereitung

Im Anschluss an die einzelnen Aufführungen wurde beim Publikum eine Rezeptionsstudie durchgeführt. Hörende, Schwerhörige wie Gehörlose wurden per Fragebogen um detailliertes Feedback gebeten. Die Nachbereitung einiger Aufführungen fand ebenfalls im inklusiven Rahmen ohne gesprochene Sprache statt. An einzelnen Stationen waren die Zuschauer_innen nach der Aufführung eingeladen, ihre Meinung sowie Ideen und Wünsche – für alle sichtbar oder auch ungesehen – mitzuteilen.

Publikationen zum Projekt

Mälzer, Nathalie (mit Maria Wünsche) (2017): Die Ausweitung der Spielzone. Inklusion im Theater. Berlin: Frank & Timme (in Vorbereitung)

Mälzer. Nathalie (2017): "Inklusion im Theater". In: Gerald, Juliane (Hg.): Kultur.Inklusion.Forschung. Weinheim: Beltz Juventa (im Erscheinen)

Mälzer, Nathalie (Hg.) (2016): Barrierefreie Kommunikation – Perspektiven aus Theorie und Praxis. Berlin: Frank & Timme.

Wünsche, Maria (2016): "Das Spannungsfeld zwischen Barrierefreiheit und Inklusion am Beispiel der Theaterübertitelung." In: Mälzer, Nathalie (Hg.): Barrierefreie Kommunikation – Perspektiven aus Theorie und Praxis. Berlin: Frank & Timme,193-208.

Ansprechpartnerinnen

Universität Hildesheim: Prof. Dr. Nathalie Mälzer (maelzers[at]uni-hildesheim.de) Theaterhaus Hildesheim: Anika Kind (a.kind[at]theaterhaus-hildesheim.de) BwieZack: Petra Jeroma, Larissa Probst, Theresa Frey sowie Johanna Kraft, Malte Andritter, Inga Schwörer (bwiezack[at]googlemail.com)   

Das Pilotprojekt

Bei dem Ende Oktober 2014 gestarteten Pilotprojekt waren das Theaterhaus Hildesheim, die freie Theatergruppe Theater Kirschrot und das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte e.V. Hildesheim die Kooperationspartner der Universität Hildesheim. Das Projekt wurde teilgefördert durch die Stiftung Niedersachsen. Das Stück „Club der Dickköpfe und Besserwisser“ richtete sich an Kinder/Jugendliche zwischen ca. 10 bis 13 Jahren und wurde unter Einbeziehung hörender und gehörloser Kinder erstellt. 

Übertitelung

Die Übertitel wurden unter der Leitung von Nathalie Mälzer erstellt von: Michèle Brand, Hanna Bock, Jelena Gayk, Isabella Kammerer, Alexander Kurch, Swenja Schum, Yvonne Quasdorf, Maria Wünsche. Es wurde sowohl Lautsprache als auch Gebärdensprache in Schriftsprache übersetzt und eigenständige erzählende Übertitel eingesetzt. Neben live gefahrenen Übertiteln wurden auch untertitelte Videos projiziert.

Die Premiere und weitere Aufführungen haben am 20. und 21. Februar 2015 am Theaterhaus Hildesheim stattgefunden.

 

Rezeptionsstudie

Im Anschluss an die einzelnen Aufführungen wurde beim Publikum eine Rezeptionsstudie durchgeführt. Hörende wie Nichthörende wurden per Fragebogen um detailliertes Feedback gebeten. Eine Auswertung der Fragebögen findet derzeit statt. Erste Ergebnisse wurden am 21. Februar 2015 bei einem Runden Tisch den anwesenden Experten und der Öffentlichkeit präsentiert. Runder Tisch Bei diesem Runden Tisch haben sich Schauspieler_innen, Fachleute aus Wissenschaft und Praxis, Vertreter_innen des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte und das interessierte Publikum ausgetauscht, um die Arbeitsprozesse bei der Erstellung der Übertitel sowie deren Qualität gemeinsam zu reflektieren und die Vor- und Nachteile der Übertitelung gegenüber anderen Formen der barrierefreien Gestaltung von Theateraufführungen zu vergleichen (etwa Gebärdendolmetschen, Induktionsschleifen etc.).

Ansprechpartnerinnen

Universität Hildesheim: Prof. Dr. Nathalie Mälzer, (maelzers[at]uni-hildesheim.de) Theater Kirschrot: Kristin Grün, Marietheres Jesse (post[at]theaterkirschrot.de)

Inclusive Theatre: Surtitles in theatre for a D/deaf, Hard of Hearing and Hearing Audience

The University of Hildesheim recently cooperated with the Schauspielhaus Hannover in a project about Inclusive Theatre. The result can now be seen on stage.

 

  • The Current Project
  • General Notes
  • Past Projects


The Current Project

Theatre director Wera Mahne has staged the play „Girls like that“ from Evan Placey (DE „Mädchen wie die“) at the Junges Schauspiel, the division for young audiences in Hannover. The cast includes two deaf/hard of hearing as well as two hearing actresses and actors. Due to that constellation, the play is trilingual: there is sign language, spoken language and written language in the form of surtitles on stage. Master students of the University of Hildesheim who are specializing in the translation of media products, attended some of the rehearsals, served in an advisory capacity and partially devised a surtitling concept together with the theatre team.

„Mädchen wie die“ premiered on January 12th. It will be further played on March 1st, 4th and 16th at 7.30 pm at Ballhof Zwei in Hannover.

 The project is funded by Calenberg-Grubenhagensche Landschaft Hannover as well as Stiftung Niedersachsen.

General Notes

Even though some operas and theatres in Germany provide interlingual surtitles, there are only barely surtitles for the D/deaf or hard of hearing. The basic idea of our project is to create surtitles in a creative and unexpected way, so that they obtain an artistic legitimacy within the staging concept and function beyond the pure purpose of translation. This shall be effected e.g. by different font types or sizes or varying projection surfaces.

Past Projects

Prof. Dr. Nathalie Mälzer, who has initiated the current project, has already supervised two other succesful productions in the past: „Club der Dickköpfe und Besserwisser “ (with the performance collective Theater Kirschrot) and „von außen zu nah“ (with the theatre collective BwieZack) were staged in 2015 and 2016 in Hildesheim.