Inklusives Theater – Theaterübertitel für gehörlose, hörende und schwerhörige Menschen

(English Version below)

In Deutschland gibt es zwar einige Theater und Opern, die interlinguale Übertitel anbieten, doch findet man wenig Übertitel für Hörgeschädigte oder Gehörlose. Induktionsschleifen, wie sie an einzelnen Theatern eingesetzt werden, bieten leider nur Schwerhörigen die Möglichkeit, an Theateraufführungen teilzuhaben. Mit dem 2015 am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim ins Leben gerufenen Projekt wurde die konzeptionelle Entwicklung und künstlerische Umsetzung von Theaterübertiteln für Gehörlose, Hörgeschädigte und Hörende in bisher drei Kooperationen erarbeitet (Pilotprojekt 2015: Kooperation mit dem Theaterensemble Club Kirschrot und dem Stück „Club der Dickköpfe und Besserwisser“, Projekt 2016: Kooperation mit dem Theaterensemble BwieZack mit dem Stück "von außen zu nah", Projekt 2017: Kooperation mit dem Jungen Schauspiel Hannover mit dem Stück "Mädchen wie die" von Evan Placey").

 

Aktuelle Kooperation mit dem Theaterhaus Hildesheim (verschoben auf die Spielzeit 2019/20)

Georg Büchners "Woyzeck", Regie: Manuela Hörr

Die Regisseurin Manuela Hörr wird in Kooperation mit Prof. Dr. Nathalie Mälzer und Studierenden des Masterstudiengangs Medientext und Medienübersetzung der Universität Hildesheim, sowie mit dem Theaterhaus Hildesheim Georg Büchners Woyzeck inklusiv für Gehörlose, Hörende und Schwerhörige inszenieren. Ein Team der Universität Hildesheim wird die Proben und die Umsetzung des dreisprachigen Konzepts (Lautsprache, Gebärdensprache, Übertitel) wissenschaftlich begleiten.

Kooperationspartner: Theaterhaus Hildesheim, Manuela Hörr (Regie), Nicola Bongard (Dramaturgie)

Team: Ineke Van Loo, Rebekka Drahota, Gabriele Tomaskova, Hanna Bock (Doktorandin), Saskia Josephine Schulz (Lehrbeauftragte)

Förderer des Projekts: Stiftung Niedersachen.

Vorgängerprojekte

Foto: Markus Wolter

"Von außen zu nah", BwieZack

Zwei der Vorgängerprojekte (Stückeentwicklungen) sind im Rahmen der Nachwuchsförderung „deBühne_barrierefrei“ im Theaterhaus Hildesheim entstanden und richteten sich an schwerhörige, gehörlose und hörende Menschen ab 10 Jahren. Gemeinsam mit dem Seminar "Theaterübertitelung" unter der Leitung von Prof. Dr. Nathalie Mälzer wurde eine partizipative Inszenierung durch den Einsatz von Übertiteln, Lautsprache und Gebärdensprache entwickelt. Ein weiterer Kooperationspartner war das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte e.V. Hildesheim. Beim dem Stück "von außen zu nah" unterstützte Marion Jansen, Lehrerin am LBZH, die Theatergruppe und erarbeitete mit ihnen im Probenprozess Gebärden für einzelne Szenen. Außerdem fand eine Zusammenarbeit mit der Theater-AG der St. Ansgar Kinder- und Jugendhilfe statt. Mit dem Anspruch, die Phantasie und Kreativität der Jugendlichen zu wecken und ihre Ideen direkt in die inszenatorische Arbeit einfließen zu lassen, wurden in wöchentlichen Treffen Standbilder und Szenen erarbeitet, die Freundschaft, Ausgrenzung und Alleinsein verkörpern.

Hier geht es zu dem Trailer des Stückes.

Übertitelung

Für das Stück "von außen zu nah" wurden die Übertitel von den Studierenden Laura Leske, Saskia Josephine Schulz und Anna Pristouschek erstellt. Die Übertitel waren integrativer Bestandteil der Aufführung. Lautsprache und Gebärdensprache wurden in Schriftsprache übersetzt (und umgekehrt) und als Übertitel im gesamten Bühnenraum live eingeblendet. Die Übertitel wurden sowohl als kommunikativ-übersetzerisches Element verwendet, als auch als eigenständiges theatrales Ausdruckselement, das einen ästhetischen Mehrwert für die Inszenierung bietet. Die Inszenierung hatte partizipativen Charakter, was besondere Herausforderungen an die Übertitel stellte. So konnten die Zuschauer_innen eine Szene mitgestalten, indem sie an einer Abstimmung teilnahmen. Oder sie bekamen Gruppenaufgaben gestellt, ohne ganz Verwendung gesprochener Sprache. Damit verbunden war die Bewegung des Publikums im Raum, die Grenze zwischen Bühne und Publikum wurde immer wieder aufgehoben. Aus diesem Grund musste die Projektion der Übertitel flexibel bleiben und durfte sich nicht auf eine Fläche beschränken. In einzelnen Szenen wurden die Übertitel vollständig live erstellt.

Die Premiere des Stücks "von außen zu nah" fand am 2. Juni 2016 am Theaterhaus Hildesheim statt.

Kooperationsparter: Theaterhaus Hildesheim, LBZH Hildesheim, Theater BwieZack.

 

Das Pilotprojekt

Foto: Andreas Hartmann

"Club der Dickköpfe und Besserwisser", Klub Kirschrot

Bei dem Ende Oktober 2014 gestarteten Pilotprojekt waren das Theaterhaus Hildesheim, die freie Theatergruppe Theater Kirschrot und das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte e.V. Hildesheim die Kooperationspartner der Universität Hildesheim. Das Projekt wurde teilgefördert durch die Stiftung Niedersachsen. Das Stück „Club der Dickköpfe und Besserwisser“ richtete sich an Kinder/Jugendliche zwischen ca. 10 bis 13 Jahren und wurde unter Einbeziehung hörender und gehörloser Kinder erstellt. 

Hier geht es zu dem Trailer des Stückes.

Übertitelung

Die Übertitel wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Nathalie Mälzer erstellt von: Michèle Brand, Hanna Bock, Jelena Gayk, Isabella Kammerer, Alexander Kurch, Swenja Schum, Yvonne Quasdorf, Maria Wünsche. Neben live gefahrenen Übertiteln wurden auch untertitelte Videos projiziert.

Die Premiere des Stücks "Club der Dickköpfe und Besserwisser" hat am 20. Februar 2015 am Theaterhaus Hildesheim stattgefunden.

Kooperationspartner: Theaterhaus Hildesheim, Klub Kirschrot

Förderer des Projekts: Stiftung Niedersachsen.

 

Kooperation in der Spielzeit 2017/18: Schauspiel Hannover

Foto: Karl-Bernd Karwasz

Evan Placeys "Mädchen wie die", Regie: Wera Mahne

Die Dramaturgin und Theaterpädagogin Barbara Kantel, Leiterin des Jungen Schauspiels Hannover, und die Regisseurin Wera Mahne haben ein Theaterstück mit gehörlosen und hörenden Schauspieler_innen für ein hörbeeinträchtigtes, gehörloses und hörendes Publikum inszeniert. Es handelt sich dabei um das Jugendtheaterstück "Mädchen wie die" ("Girls like that") von Evan Placey (dt. von Frank Weigand). 

Premiere war am 12.01.18. Mehr Informationen sowie Bild- und Videomaterial unter:

www.schauspielhannover.de

Hier geht es zu dem Trailer.

Presse

Pressemeldung im idw vom 21.12.2017 hier.

Den Artikel in der HAZ vom 21.12.2017 kann man hier nachlesen.

Den Artikel im Göttinger Tageblatt vom 26.12.2017 findet man hier.

Das sechs-minütige Gespräch mit Radio Bremen 2 vom 26.12.2017 kann man hier nachhören.

Zu dem vier-minütigen TV-Bericht des NDR "Hallo Niedersachsen" vom 11.1.2018, 19:30 gelangt man hier

Übertitelung

Das von der Universität Hildesheim mit entwickelte Übertitelungskonzept floss in die künstlerische Umsetzung der Übertitel durch den Videokünstler Declan Hurley ein. Neben Übertiteln wurde wieder Gebärdensprache eingesetzt. Die gemeinsame Produktion wurde von einem Team der Universität Hildesheim wissenschaftlich begleitet. 

Das Team: Prof. Dr. Nathalie Mälzer, Hanna Bock (MA, Doktorandin), Hannah Schwarz (Organisation), Saskia Schulz (Videographie der Proben) und Loraine Keller (Empirische Studie mit Zuschauer_innen) sowie Studierende des Masterstudiengangs Medientext und Medienübersetzung

Kooperationspartner: Barbara Kantel, Dramaturgin und künstlerische Leiterin: Junges Schauspiel Hannover, Wera Mahne

Förderer des Projekts: Calenberg-Grubenhagensche Landschaft

Wissenschaftliche Begleitung

Im Anschluss an die Aufführungen der inklusiv inszenierten Stücke wurde das Publikum befragt. Hörende, Schwerhörige wie Gehörlose wurden per Fragebogen um detailliertes Feedback gebeten. 

Darüberhinaus wurden die besonderen Probenprozesse bei der Erarbeitung einer inklusive Inszenierung beobachtet. Zu diesem Thema entsteht derzeit eine Doktorarbeit (Promovendin: Hanna Bock).

Das inklusive Konzept und die Ergebnisse aus den Rezeptionsstudien sind ausführlich in den nachfolgenden Publikationen vorgestellt.

Publikationen zum Projekt:

Monografie

  •  Mälzer, Nathalie/Wünsche, Maria (2018): Inklusion am Theater. Übertitel zwischen Ästhetik und Translation. Berlin: Peter Lang.

Aufsätze

  • Mälzer, Nathalie (2018): Inklusion durch Mehrsprachigkeit im Theater: Wie Inszenierungen durch den Einsatz von Lautsprache, Übertitel und Gebärdensprache inklusiv werden können. In: www.kubi-online.de/autorinnen/maelzer-nathalie
  • Mälzer, Nathalie (2018): "So spricht inklusives Theater". In: https://www.kultur-oeffnet-welten.de/positionen/position_7104.html (22.5.2018)
  • Mälzer, Nathalie/Wünsche, Maria (2018): "Barrierefreiheit und Inklusion am Theater". In: Maaß, Christiane/Rink, Isabel (Hg.) (2018): Handbuch Barrierefreie Kommunikation. Berlin: Frank & Timme, 599-614.
  • Mälzer. Nathalie (2017): "Inklusion im Theater". In: Gerland, Juliane (Hg.): Kultur.Inklusion.Forschung. Weinheim: Beltz Juventa, 182-200.
  • Wünsche, Maria (2016): "Das Spannungsfeld zwischen Barrierefreiheit und Inklusion am Beispiel der Theaterübertitelung." In: Mälzer, Nathalie (Hg.): Barrierefreie Kommunikation – Perspektiven aus Theorie und Praxis. Berlin: Frank & Timme, 193-208.

 

 

 

Inclusive Theatre: Surtitles in theatre for a D/deaf, Hard of Hearing and Hearing Audience

The University of Hildesheim recently cooperated with the Schauspielhaus Hannover in a project about Inclusive Theatre. The result can now be seen on stage.

 

  • The Current Project
  • General Notes
  • Past Projects


The Current Project

Theatre director Wera Mahne has staged the play „Girls like that“ from Evan Placey (DE „Mädchen wie die“) at the Junges Schauspiel, the division for young audiences in Hannover. The cast includes two deaf/hard of hearing as well as two hearing actresses and actors. Due to that constellation, the play is trilingual: there is sign language, spoken language and written language in the form of surtitles on stage. Master students of the University of Hildesheim who are specializing in the translation of media products, attended some of the rehearsals, served in an advisory capacity and partially devised a surtitling concept together with the theatre team.

„Mädchen wie die“ premiered on January 12th. It will be further played on March 1st, 4th and 16th at 7.30 pm at Ballhof Zwei in Hannover.

 The project is funded by Calenberg-Grubenhagensche Landschaft Hannover as well as Stiftung Niedersachsen.

General Notes

Even though some operas and theatres in Germany provide interlingual surtitles, there are only barely surtitles for the D/deaf or hard of hearing. The basic idea of our project is to create surtitles in a creative and unexpected way, so that they obtain an artistic legitimacy within the staging concept and function beyond the pure purpose of translation. This shall be effected e.g. by different font types or sizes or varying projection surfaces.

Past Projects

Prof. Dr. Nathalie Mälzer, who has initiated the current project, has already supervised two other succesful productions in the past: „Club der Dickköpfe und Besserwisser “ (with the performance collective Theater Kirschrot) and „von außen zu nah“ (with the theatre collective BwieZack) were staged in 2015 and 2016 in Hildesheim.