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Netzwerk Gesundheitskommunikation «Beschwerden – Anamnese – Befund»

Dritte transdisziplinäre Fachtagung des Netzwerks Gesundheitskommunikation 

2.–3. Februar 2020, am Institut für Interkulturelle Kommunikation

Das Netzwerk Gesundheitskommunikation möchte VertreterInnen aus Sprachwissenschaft und Gesundheitswesen zusammenbringen, um gemeinsam an Fragen und Antworten hinsichtlich aktueller sprachlicher Herausforderungen innerhalb der Gesundheitskommunikation zu arbeiten. Mit der mehrteiligen Veranstaltungsreihe «Beschwerden – Anamnese – Befund» werden folgende Ziele verfolgt:

  • Erfahrungen und Überlegungen aus der linguistischen und kommunikationswissenschaftlichen Forschung für Medizin und Gesundheitswesen nutzbar machen bzw. neue Aspekte entwickeln.
  • Den inter- und transdisziplinären Austausch (auch mit Blick auf Folgeveranstaltungen) initiieren bzw. weiterentwickeln.
  • Einholen medizinisch-therapeutischer Perspektiven auf Herausforderungen der sprachbasierten – u.a. linguistischen und kommunikationswissenschaftlichen – Forschungen im Bereich der Gesundheitskommunikation.
Informationen zur Tagung

 

Der dritte Teil der Tagungstrilogie lädt erneut zu einem transdisziplinären Austausch innerhalb der thematischen Trias Beschwerden – Anamnese – Befund ein. Für Interessierte, die bislang noch an keiner Tagung dieser Reihe teilnehmen konnten, ist der programmatische Teil des Calls zur Hamburger Auftaktveranstaltung mit den allgemeinen Zielsetzungen beigefügt. Neu Hinzukommende sind also genauso herzlich willkommen wie bislang regelmäßig Teilnehmende. Während im September 2019 in Winterthur ein Schwerpunkt in digitaler Kommunikation gesetzt war, soll es in Hildesheim wieder um die gesamte Breite mündlicher wie schriftlicher Kommunikation im Gegenstandsbereich gehen. Ziel ist es, ein Praxisfeld, das durch fachwissenschaftliche, soziale und kommunikative Komponenten sowie zunehmend durch Diversität geprägt ist, ganzheitlich und interdisziplinär zu erforschen und im Sinne aller Beteiligten weiterzuentwickeln. Aufgerufen zur Teilnahme sind deshalb Kolleginnen und Kollegen, die als Ärzt_innen, als Akteur_innen der Gesundheits- und Pflegeberufe wie Pflege(fach)kräfte, Physio- und Ergotherapeut_innen, als Sprach-, Translations- und Kommunikationswissenschaftler_innen bzw. als Betroffene aus angrenzenden Disziplinen ein Interesse an der Kommunikation im Gesundheitswesen haben. Wir freuen uns, wenn Sie sich als Diskussionsteilnehmende und/oder mit einem Vortrag beteiligen. Zudem würden wir im Rahmen einer Zwischenbilanz gern mit Ihnen über zukünftige Aktivitäten des Netzwerks sprechen.

Nach den Tagungen in Hamburg (Januar 2019) und Winterthur (September 2019) bildet die Tagung in Hildesheim (Februar 2020) nicht nur den vorläufigen Abschluss dieser thematisch orientierten Veranstaltungsreihe, sondern sondiert zukünftige Interessen und Schwerpunkte verschiedener Disziplinen im weiten Bereich der Gesundheitskommunikation, etwa zur Planung einer weiteren Tagungsreihe.

Für ein gemeinsames Warmup treffen wir uns am Sonntagabend, den 2. Februar 2020 – zum Kennenlernen, Kontakte auffrischen und einem ersten fachlichen Austausch. Das Vortragsprogramm beginnt am Montag, 3. Februar 2019 und findet am Standort Domäne Marienburg der Universität Hildesheim in der Aula des Hohen Hauses (Hs 50/302) in historischer Kulisse statt.

Call for Papers

Call for Papers als PDF in der deutschen Sprache herunterladen.

Call for Papers als PDF in der englischen Sprache herunterladen.

Willkommen sind Beiträge in deutscher oder englischer Sprache, die etwa folgende Fragen in den Blick nehmen – Ergänzungen bzw. Schwerpunktbildungen sind ausdrücklich erwünscht:

  • (Anamnestische) Narrative

  • Mehrsprachigkeit in der Anamnese und im Verlauf der Behandlungen

  • Dialoge und Informationen in digitaler Umgebung

  • Multimodalität und Medialität

  • Zusammenspiel von Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Visualisierungen

  • „Netzdoktoren“

  • Symptomdarstellungen und weitere Perspektivierungen.

Programmatisches zur Tagungstrilogie Beschwerden – Anamnese – Befund

Der Eintritt in Institutionen der medizinischen Versorgung lässt sich oftmals durch die Trias „Beschwerden - Anamnese - Befund“ beschreiben. Die Trias beinhaltet Etappen eines Weges: Dieser reicht von der patientenseitigen Empfindung über die kommunikative Abklärung der angestellten Beobachtungen im Beschwerdenvortrag und Erhebung der Kranken- und Krankheitsgeschichte bis hin zu der jeweiligen medizinisch-therapeutischen Kategorisierung körperlicher und/ oder psychischer Befindlichkeiten. Die medizinische Relevanz dieser kommunikativ realisierten Schritte und ihrer Abfolge wird bereits früh in Studien zur Allgemeinmedizin deutlich, die zu dem Ergebnis führen, dass 70 % der Diagnosen allein auf den patientenseitigen Beschwerdenvortrag zurückgehen.1

Sprache spielt also in der medizinischen Versorgung eine wichtige Rolle. Ihre Einbettung in die medizinischen und kurativen Tätigkeiten, ihre Verschränkungen mit dem patientenseitigen Alltag bedürfen nicht zuletzt angesichts der aktuellen technischen und gesellschaftlichen Entwicklung der noch weitergehenden Erforschung. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass Beschwerdenvortrag und das anamnestische Gespräch mit Hilfe sprachlicher Erzähltechniken realisiert und durch narrative Traditionen und kulturelle Überlieferungen gerahmt werden. Das körperliche Empfinden und die damit verbundenen Leiden, welche aus dem Alltag der Erfahrungen herausragen, gehen oft einher mit der Frage: „Was ist das? Was passiert, was folgt'?“, sei es in selbstadressierter Form, sei es, dass man einen nahestehenden Menschen oder eine professionell agierende Person fragt. Der "Beschwerdenvortrag" kann daher als Ergebnis von verschiedenen vorgelagerten kommunikativen Erfahrungen und den damit verbundenen Genres verstanden werden, die den weiteren Verlauf durchaus begleiten und prägen können.

Im Rahmen den institutionellen Behandlung bilden die Geschichten der leidenden Person, das Wissen über ihre potentiellen Krankheiten ebenso derjenigen der Familie den Gegenstand der Anamnese, in die im Laufe eines Gespräches die Frage "Was ist das?" eingeflochten wird.

Mit der Einstellung eines ersten Befundes aufgrund körperlicher sowie bedarfsmäßig laborgestützten Untersuchungen und deren Erläuterungen kommt es zu einer sukzessiven Beantwortung der initialen Frage, die den Auftakt für den Weg zum Arzt/zur Ärztin gab bzw. ggfs. einen längeren Gang durch die Institutionen der medizinischen Versorgung einleitet.

Die Trias "Beschwerden - Anamnese -Befund" stellt eine medizinisch-kommunikative Einheit dar, die weit in die historischen Traditionen der Behandlung kranker Menschen zurückreicht und bis heute den Alltag der gesundheitlichen Versorgung prägt. Neben ÄrztInnen und PatientInnen spielen hierbei häufig weitere Akteure wie Pflege(fach)kräfte und TherapeutInnen, nicht selten auch TranslatorInnen, SprachmittlerInnen eine entscheidende Rolle. Zunehmend wirken sich außerdem technische Entwicklungen und mediale Vielfalt aus, wodurch weitere Akteure an den Prozessen beteiligt sind und vermutlich einzelne kommunikative Stränge sich gegebenenfalls bis zu einem Eigenleben verselbständigen.

Die aus diesen Entwicklungen resultierenden kommunikativen Formate umfassen z.B. Erzählungen, Beschreibungen und Frage-Antwort-Sequenzen, partizipative Entscheidungsfindungen, ebenso Versuche von Selbstdiagnosen, pratizipative Entscheidungsfindungen, ebenso Versuche von Selbstdiagnosen, die etwa auf eigenen Recherchen im Internet und Erzählungen weiterer Betroffener basieren. Insgesamt bestehen Anamnesen somit aus einer Vielzahl multimodaler, mündlicher, schriftlicher und multimedialer Kommunikationseinheiten.

Angesichts der diagnostischen, gesellschafts- und gesundheitspolitischen Relevanz moderner technischer Entwicklungen sowie der zunehmenden Komplexität im Zusammenwirken verschiedener Akteuren erscheint es sinnvoll, die Anamnese zum einen als Konstante der Kommunikation in der gesundheitlichen Versorgung und zugleich in ihren aktuellen Praxis- und Realisierungsformen zu erforschen.

Dieser Absicht widmet sich die mehrteilige Veranstaltungsreihe des Netzwerks Gesundheitskommunikation. Dabei werden u. a. folgende Ziele verfolgt:

  • Konkrete Einblicke in zeitgenösische bzw. neue Formen anamnestischer Kommunikation zu gewinnen und zu diskutieren
  • Kommunikative Herausforderungen an der Schnittstelle zur Multimodalität näher zu bestimmen 
  • Voraussetzungen und Bestandteile von Health-Literacies für Bildungsinstitutionen und Informationsprovider zu identifizieren
  • Erfahrungen und Überlegungen mit Blick auf Aus- und Weiterbildung nutzbar zu Machen
  • Inter- und transdisziplinären Austausch auch mit Blick auf Folgeveranstaltungen zu initiieren.
Programm

 

=> Das Programm als PDF-Datei herunterladen.

Sonntag, 2. Februar 2020
ab 18 Uhr   Eintreffen, Auftakt und Austausch
Montag, 3. Februar 2020
8:00-8:15         Eintreffen
8:15-8:30 Stephan Schlickau,  Ulla Kleinberger,  Kristin Bührig  Einleiten ins Thema und Organisation
8:30-9:00 Natalia Durus, Jin Choi, Gudrun Ziegler “Waiting for”: perceptions and representations of waiting rooms/reception areas in the context of health encounters
9:00-9:30 Beatrix Kreß „ich kann Ihnen nur empfehlen, das mit Ihrem Kinderarzt zu besprechen“: ‚Beruhigendes‘ Handeln in einem Onlineforum für Säuglings- und Kleinkindgesundheit
9:30-10:00

Andrea Radácsi, Andrea Zrínyi

Kommunikation mit Kindern in der Zahnheilkunde
10:00-10:30 Kaffeepause  
10:30-11:00 Joachim Opp, Heike Knerich Linguistische Analyse hilft Ärzten, die richtige Diagnose zu stellen
11:00-11:30 Jochen Rehbein Fachärztliches Erläutern von Befunden schwerer Erkrankungen
11:30-12:00 Katalin Fogarasi, Renáta Halász, Rita Kránicz,  Anikó Hambuch Von der Befunderklärung zur Therapierläuterung bei der Langzeitversorgung von PatientInnen in landärztlichen Praxen
12:00-12:30 Wolfgang Imo, Irina Mostovaia „Ich persönlich“ und „wir mit Ihnen (мы с Вами)“. (Un)klarheiten im Pronomengebrauch in russischen und deutschen Aufklärungs- und Therapieplanungsgesprächen
12:30-13:30 Mittagspause  
13:30-14:00 Kati Hannken-Illjes, Sara Honegger, Ina Völker Sich zur Geburt vorstellen: Herstellung von Relevanz und Verstehen in Gesprächen in der Schwangerenberatung
14:00-14:30 Jasmin Zahm Sprechwirkung als Herausforderung für medizinisches Fachpersonal nicht-deutscher Erstsprache
14:30-15:00 Maria A. Marchwacka Die Sprache der Pflege und deren Spezifika
15:00-15:30 Jennifer Hartog Wie bringt man linguistische Kommunikationsanalysen in die Aus- und Fortbildung des medizinischen Personals ein? Überlegungen aus dem Praxisfeld in Toronto
15:30-16:00 Kaffeepause  
16:00-16:30 Andrea Glässel, Joelle Ott,  Corine Mouton Dorey, Nikola Biller-Andorno Narrative Krankheitserfahrungen aus der Perspektive von Menschen mit Multipler Sklerose
16:30-17:00 Oliver Herbst Information und Narration im OnlineRatgebervideo. Die Reihe „Skoliose! Und jetzt?“ bei YouTube
17:00-17:30 Elisabeth Gülich, Miriam Haagen Beschwerden – Anamnese – Befund:  Perspektiven
17:30-18:00 Plenum Ausblick

=> Das Programm als PDF-Datei herunterladen.

Anmeldung

 

Bitte beachten Sie die unterschiedlichen Anmeldefristen:

  • Anmeldungen für Vorträge mit Abstracts (ca. 300 Wörter): 01. Dezember 2019
  • Anmeldung zur Tagung ohne Vortrag: 07. Januar 2020

Rückmeldung der Tagungsorganisatoren zu den Abstracts erfolgt bis: 15.12.2019

Kontakt: stephan.schlickau(at)uni-hildesheim.de

Herzlichen Dank für Ihr Interesse an der Tagung und Ihre Anmeldungen!

Tagungsort

 

Domäne Marienburg

Domänenstraße Hs 50/302 (Hohes Haus - Aula)

31141 Hildesheim

Tagungsadresse auf Google-Maps

Kontakt

 

Prof. Dr. Stephan Schlickau

Institut für Interkulturelle Kommunikation

Lübecker Straße 3

31134 Hildesheim

Tel: +49 5121 883 30704

E-Mail: stephan.schlickau(at)uni-hildesheim.de

Organisationsteam

 

Univ.-Prof. Dr. Stephan Schlickau

Institut für Interkulturelle Kommunikation

Universität Hildesheim

Universitätsplatz 1 D-31141 Hildesheim

stephan.schlickau@uni-hildesheim.de

 

Prof. Dr. Ulla Kleinberger

Institut für Übersetzen und Dolmetschen

Departement Angewandte Linguistik

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Theaterstrasse 15c CH-8400 Winterthur

ulla.kleinberger@zhaw.ch

 

Univ.-Prof. Dr. Kristin Bührig

Institut für Germanistik

Universität Hamburg

Überseering 35 D-22297 Hamburg

kristin.buehrig@uni-hamburg.de

Vorherige Tagungen

Informationen zu vorherigen Tagungen

 

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