Neue Medien in der Sprach- und Kulturvermittlung

Stephan Schlickau: Neue Medien in der Sprach- und Kulturvermittlung

(Zum Herunterladen des Buches bitte hier anklicken)

– Anmerkungen zur digitalen Version 2018


 

Seit Erscheinen der Druckversion dieser Monographie sind beinahe zehn Jahre vergangen, wobei deren Erarbeitungsphase bis zu 15 Jahre zurückliegt. Damals bezeichnete man das „digitale Lernen“, das eben noch kaum so hieß, beispielsweise als e-Learning, Lernen mit Neuen Medien oder – spezifisch im Fall der Sprach- und Kulturvermittlung – als Computer Assisted Language Learning (CALL). Einige dieser Ausdrücke erscheinen heute altbacken. Haben sich damit aber auch die Probleme und Fragestellungen wirklich verändert? Insbesondere seit der letzten Bundestagswahl (2017) ist klar, was uns gegenwärtig und in Zukunft beschäftigen soll, nämlich die „Digitalisierung“, der „digitale Wandel“ und damit auch das „digitale Lernen“. Kaum eine Partei gab es damals, die diesen Bereich nicht zu einem wichtigen Zukunftsprojekt erklärte. Den Trend belegen auch Google-Anfragen zum Suchbegriff „digitales Lernen“. Für den Jahreszeitraum vom 01.01.2014 bis 01.01.2015 werden erstmals über 100 Treffer (130) angezeigt. Institutionelle Meinungsführer wie das BMBF, aber auch Vodafone und Telekom stellen die Relevanz des digitalen Lernens heraus. Wohl nicht ganz zufällig erreichen wir im Wahljahr einen neuen Höhepunkt von Fundstellen, wobei jetzt zunehmend die klassischen Massenmedien wie Fernsehen und Zeitungen bzw. Zeitschriften unter den ersten Funden verzeichnet sind. Mit derzeit 156 Funden für das Jahr 2018 erreichen wir am 2. Oktober bereits das Gesamtjahresergebnis für 2017 (156).

Zunächst erstaunte diese Entwicklung jemanden, der – nach eigener intensiver Beschäftigung – das Thema „Lernen mit Neuen Medien“ als eines wahrgenommen hatte, dem seit Beginn der 2000er Jahre beobachtbar weniger wissenschaftliche und erst recht weniger öffentliche Aufmerksamkeit zuteilwurde. In einer der letzten größeren Diskussionswellen war es in den früheren 2000er Jahren noch durch eine Verschiebung gekennzeichnet, die sich von einer zuvor vorherrschenden Betonung der Individualisierung des Lernens abwandte hin zu einer Perspektive, die kollaborative Aspekte stärker betonte.

Insgesamt sind also die letzten Jahre durch Fokusverschiebungen, aber auch durch Brüche des Anknüpfens an frühere Diskussionen gekennzeichnet. Mit Redaktionsstand September 2017 gekennzeichnet ist eine Broschüre des BMBF (Digitale Innovationen: Neue Dimensionen von Bildung und Wissenschaft erschließen). In dieser Broschüre spielen Clouds, insbesondere Schulclouds und damit zunächst eine Infrastruktur, eine größere Rolle. In einer Vorausschau wird eine „Erprobung der besten Konzepte“ für das Jahr 2018 angekündigt. Unter der hierzu angegebenen Internetadresse (http://www.wissenschaft-im-digitalen-wandel.de/) erhält man 2018 – leider – lediglich die Aussage, der Server werde nicht gefunden.

Diese nach Rücksprache mit dem Lang-Verlag angefertigte Digitalisierung geht nun zu einer Zeit online, in der eben nicht mehr das Lernen mit Neuen Medien, sondern das digitale Lernen diskutiert wird. Dennoch fragt sich der Autor, ob die nun hier frei und unverändert zugänglichen Ausführungen und Überlegungen nicht auch Anregungen für die aktuelle Diskussion des digitalen Lernens bereitstellen können – und das u.a. angesichts der folgenden Vorüberlegungen:

  1. Zwar sind die Oberflächen klassischer Lernprogramme – wenn wir hiermit einmal beginnen – inzwischen erheblich ansprechender geworden – nicht zuletzt aufgrund leistungsfähigerer Hardware und größeren Datendurchsatzes. Welches Lern(er)modell aber einem Programm – teilweise unreflektiert – unterliegt, ist noch immer eine relevante Frage. Schon damals zeigten einige Programme, die sich unter graphiklosen DOS-Oberflächen befanden, mitunter angemessenere Reaktionen auf nicht den vorherigen Input lediglich reproduzierende Lernereingaben als aufwendig gestaltete. Das soll nicht bedeuten, dass die Gestaltung eines Programms – z.B. für die Lernzufriedenheit – unerheblich ist. Es unterstreicht aber, dass sich didaktisch ein Blick hinter die Fassade lohnt. So sind die Fragen, die beispielsweise an ein Sprachlernprogramm von Digital Publishing in der ersten Hälfte der 1990er Jahre zu richten waren, nahezu dieselben, die man heute noch stellen muss.

  2. Der mündige Umgang mit Informationen – als zweiter der im Buch behandelten Aspekte – ist im Zeitalter von „alternative facts“ und Fake News noch mindestens ebenso relevant wie in den 1990ern. Noch immer spielen Autorenschaften von Web-Texten, insbesondere bei Nutzung von Hyperlinks, eine gewichtige Rolle – wie auch die Frage des entlang mehrerer Verweise empirisch tatsächlich gelesenen Textes und seiner Bedeutung für den Wissensaufbau der Leserinnen und Leser. In einem ähnlichen Zusammenhang sind auch die kollaborativen Textproduktionen zu sehen. Wikis bzw. Wikipedia wurden mittlerweile durch zahlreiche Varianten der Beteiligung ergänzt wie direkte Möglichkeiten des Kommentierens, wodurch sich die Grenze zwischen Produzent und Rezipient andeutete aufzulösen („web 2.0“).

  3. Vermutlich die größte wesentliche Veränderung bzw. Ausweitung hat sich im Bereich der Kommunikationsfunktionen ergeben – allen voran durch Youtube, aber auch durch immer mehr Messanger-Dienste, die z.B. eine Kommunikation über Smartphone-Videos ermöglichen. So dringt digitale, zunehmend multimodale Kommunikation in immer mehr Lebensbereiche vor – bis hin zu ihrer selbsttherapeutischen Nutzung in Gesundheitszusammenhängen. Durch Ubiquitous Computing wird die Ortswahl sehr viel flexibler; umso wichtiger werden grundsätzliche Entscheidungen über die Zugänglichmachung der entstandenen Materialien und die Reflexion über kommunikative Potentiale als Aspekt des digitalen Lernens.

  4. Aufmerksam zu beobachten wird sein, ob und ggf. wie sich die Entwicklungen im Bereich Virtual Reality (VR) auf das Angebot in Lernzusammenhängen auswirkt. Hierbei wird es u.a. um die Fragen gehen, welche Möglichkeiten und Grenzen hierdurch für die Lernenden geschaffen werden, insbesondere aber auch, welche Anforderungen an spezifische lernerseitige Kompetenzen hieraus erwachsen. Fragen dieser Art sind in dieser Monographie auf der Grundlage von Hypertexten diskutiert.

Ich freue mich, dieses Buch vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion hier auf einem weiteren Weg zugänglich machen zu können und danke dem Lang-Verlag dafür, mir dies zu gestatten.

Hildesheim, im Oktober 2018

Stephan Schlickau

Stephan Schlickau: Neue Medien in der Sprach- und Kulturvermittlung

Zum Herunterladen des Buches bitte hier anklicken