Universität Hildesheim - Meldungen - Institut für deutsche Sprache und Literatur https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Institut für deutsche Sprache und Literatur de-de Stiftung Universität Hildesheim Fri, 15 Nov 2019 03:55:13 +0100 Fri, 15 Nov 2019 03:55:13 +0100 TYPO3 EXT:news news-17461 Fri, 11 Oct 2019 09:39:00 +0200 Informationskompetenz ist eine Schlüsselqualifikation der digitalen Gesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/informationskompetenz-ist-eine-schluesselqualifikation-der-digitalen-gesellschaft/ Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim informiert Bürger während einer öffentlichen kostenfreien Tagung über Informationskompetenz und Demokratie. Sie wollen über Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung diskutieren. Die öffentliche Tagung „Informationskompetenz und Demokratie“ findet am 18. und 19. Oktober 2019 statt. Eine Teilnahme ist noch möglich! Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim wendet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende sowie Bürgerinnen und Bürger in der Region, um mit ihnen über den Umgang mit Informationen zu sprechen und sich mit ihnen über die Bedeutung von Informationskompetenz im digitalen Zeitalter auszutauschen.

Die Welt wird informativ verbundener und dichter – Professor Joachim Griesbaum erforscht an der Universität Hildesheim unser Informationsverhalten in der vernetzten Welt. Professor Thomas Mandl erforscht die Algorithmen der Suchmaschinen. Wie glaubwürdig und zuverlässig sind die gefunden Informationen im Netz? Von der Sprachwissenschaft ist Professorin Elke Montanari dabei. Daphné Cetta ist neu im Forschungsteam, sie hat gerade ihr Masterstudium „Internationales Informationsmanagement“ mit dem Schwerpunkt Informationswissenschaft an der Universität Hildesheim abgeschlossen und arbeitet nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Hildesheim.

Im Gespräch erläutert das Forschungsteam, warum Informationskompetenz für die Demokratie bedeutsam ist.

Nehmen Sie Teil an der Debatte:
Informationskompetenz und Demokratie

Interview mit Informationswissenschaftlerin Daphné Cetta, Professor Joachim Griesbaum, Professorin Elke Montanari und Professor Thomas Mandl

Informationen zu suchen und Informationen zu finden fällt heute sehr leicht. Sie stoßen an der Universität Hildesheim eine Debatte über Informationskompetenz und Demokratie an (Programm). Warum machen Sie das?

Griesbaum: Unsere Informationswelt wird komplexer. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer stellen sich die Informationsversorgung einfacher vor als sie ist. Da sind wir auch naiv. In der Auseinandersetzung mit Informationen geht es um zutiefst relevante Kernbereiche des Lebens, zum Beispiel um medizinische Informationssuche, um wirtschaftliche Entscheidungen, die Unternehmen aufgrund von Informationen treffen, um politische Positionen.

Mandl: Die Vielfalt der Systeme, die eine Person nutzt, nimmt zu, sowohl privat als auch im Beruf. In dieser individuellen Informationsumgebung gibt es Plattformen mit sehr unterschiedlicher Qualität. Dies sollte den Nutzern immer bewusst sein.

Wie kann ich denn prüfen, ob eine Information stimmt? Wie kann ich mir sicher sein, ob das so ist, was ich da gerade im Netz lese?

Griesbaum: Man kann überlegen, wie glaubwürdig eine Aussage, eine Quelle ist. Hierzu wäre zu fragen. Wie ist das Wissen entstanden, wer sind die Akteure, die die Information veröffentlichen? Man muss differenzieren. Bei einfachen Informationsbedarfen etwa, wenn ich Google nach der Länge der Donau frage, ist es in der Regel sinnvoll den Aufwand der Suche und Überprüfung gering zu halten. Wenn ich aber nach komplexeren Fragestellungen, etwa aktuellen Therapien im Bereich Demenz oder Früherkennung suche, dann sollte ich sorgsam suchen und die Ergebnisse prüfen: Wer stellt die Information bereit – ein Gesundheitsamt, eine Person in einem Forum, eine Krankenkasse? Man sollte in solchen Fällen, in denen der Sucherfolg schwer zu beurteilen ist auch nicht beim ersten Eintrag der Suchmaschine aufhören, sondern schauen, was es noch gibt.

Mandl: Ein Qualitätskriterium wäre, ob eine Information mehrfach von unterschiedlichen Quellen bestätigt werden kann. Und man sollte erkennen, dass unterschiedliche Meinungen diskutiert werden.

Cetta: Die Welt ist komplex. Es gibt nicht immer eine einfache Antwort auf jede Frage.

Griesbaum: Man muss sich bewusst sein, dass Wissen nicht etwas Absolutes ist, Wissen ändert sich. Wissen hat eine Begründbarkeit und der kann man auf den Grund gehen.

Wie ist das bei Informationen, die gesellschaftliche, politische Fragen betreffen?

Griesbaum: Im politischen Bereich geht es oft um normative Sichtweisen.

Mandl: Auch hier gilt es, nach dem Absender der Information zu suchen. Man sollte beispielsweise erkennen, ob eine Information zum Klimawandel von der Kohleindustrie stammt. Man sollte erkennen, welche Interessen hinter den Informationen stehen und die Quellen kritisch hinterfragen.

Griesbaum: Man muss aber auch vertrauen – ich sehe ja keinen Klimawandel, ich kann die wissenschaftlichen Informationen als Laie nicht nachprüfen. Da muss ich entscheiden – wem vertraue ich? Dass es den Klimawandel gibt, ist wenig zweifelhaft und von Studien belegt. Aber unklar ist: Was ist dann die Lösung? Die meisten politischen Parteien sagen, wir müssen etwas tun, aber sie arbeiten mit unterschiedlichen Gewichtungen, berücksichtigen etwa soziale Dimensionen unterschiedlich. Wenn ich mich für eine Position entscheide, dann muss ich erkennen: Auch andere Positionen sind begründbar. Wir sollten weg von der Polarisierung und unsere Argumente in der Gesellschaft austauschen.

Sie verbinden die Debatte über mangelnde Informationskompetenz mit der Demokratie. Was beobachten Sie?

Griesbaum: Die gesellschaftlichen Diskurse scheinen sich zu polarisieren. Unser Anliegen ist es, das Bewusstsein dafür zu stärken, den Diskursraum nicht zu verengen und als Nutzer bereit zu sein anzuerkennen, dass es begründbare Gegenpositionen gibt. Wir möchten mit unserem Projekt eine Plattform schaffen, einen Wissensraum, der zum Nachdenken anregt. Wissen ist nicht etwas Absolutes, es gibt eine multidimensionale Sicht auf die Dinge.

Cetta: Im Oktober organisieren wir in Hildesheim die erste Tagung im Rahmen des Projekts und regen Bürger dazu an, sich anschließend auch an Online-Diskussionen zu beteiligen. Wir möchten den Diskurs vorantreiben, ein Bewusstsein für Probleme schaffen und Lösungsansätze entwickeln. Unsere Debatte betrifft unmittelbar die Lebenswelt jedes Netznutzers.

Montanari: Demokratie ist direkt bedroht, wenn die freie Information nicht mehr funktioniert. Und das passiert ganz schnell, wenn zum Beispiel fast nur noch eine Suchmaschine von allen genutzt wird, und dann nur die ersten Treffer gelesen werden. Es gibt dann zwar eigentlich viele Informationen, aber wenn vor allem nur wenige davon immer wieder geteilt werden, ist die Gefahr von Fehlinformation doch wieder groß.

Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert Ihren „Zukunftsdiskurs“. In der Projektbeschreibung verdeutlichen Sie, dass das Thema „Informationskompetenz und Demokratie“, der immer müheloser werdende Informationszugriff und der kritische Umgang mit Wissen zu den kritischen Fragestellungen des 21. Jahrhunderts gehören.

Mandl: Der Wissensraum wird komplexer, wir sehen die Gefahr von Vereinfachungen. In der Vielfalt von Informationszugängen und Informationsquellen muss man es schaffen, sich zu orientieren. Wir können in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz ein Teil des Ganzen ist, nicht mehr unterscheiden, ob ein Text von einer Maschine oder einem Menschen geschrieben wurde. Es gibt gefälschte Videos, mit deren Hilfe man Personen beliebigen Text in den Mund legen kann. Auch Laien auf dem Gebiet der KI sollten sich klar darüber sein, was möglich ist. Wichtig ist es also, kritisch mit der Information umzugehen. Die von Algorithmen gesteuerte Bereitstellung von Informationen ist für Nutzerinnen und Nutzer heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz weisen auf erhebliche Defizite hin.

Montanari: Das ist gerade für Studierende und für Schülerinnen und Schüler wichtig zu reflektieren! Damit nicht alles geglaubt wird, was sich im Internet befindet.

Sie plädieren dafür, den Zweifel zu pflegen, nicht gutgläubig einer Information blind zu vertrauen?

Mandl: Man muss sich fragen: Kann das so stimmen? Finde ich andere Quellen, die das bestätigen? In Ländern mit restriktiv reguliertem Internetzugang etwa in der Türkei und in China ist dies noch schwieriger. Die politischen Eingriffe in die Informationsgesellschaft sind dort stärker und sehr tiefgreifend.

Sie beziehen in dem Projekt und in der Tagung im Oktober auch die internationale Perspektive ein, etwa Forschungsarbeiten aus Venezuela und der Türkei sowie USA und China. Was sind hier bedeutsame Erkenntnisse, die Sie teilen möchten?

Mandl: In vielen Ländern sind derzeit Diskussionen über die Steuerung des Informationsangebots auf der Basis politischer Interessen entbrannt, seien es die Übernahmen Saudi-Arabiens im britischen Zeitungsmarkt, die Einflussnahme Russlands über Facebook-Werbung im US Wahlkampf oder die Anstrengungen Venezuelas, in der aktuellen Krise die Diskussionen online zu unterdrücken. Diese internationale Dimension möchte das Projekt in der zweiten Phase auch in den Blick nehmen.

Was ist Ihr Appell an die Nutzerinnen und Nutzer?

Griesbaum: Es ist wichtig, sich zu überlegen, wann und wie weit man dem jeweiligen Informationssystem vertrauen kann. Man muss die Informationswelt ansatzweise verstehen. Vor allem in Bezug darauf wie Wissen entsteht, sich verbreitet und wahrgenommen wird. Von wem und auf welche Weise werden etwa Nachrichtenmeldungen generiert? Werden diese geprüft? Wo werden diese platziert? Was liegt dem Prozess zugrunde, welche Ziele verfolgen die Erschaffer und Verbreiter?  Es ist nicht einfach, diese Strukturen zu verstehen und das nimmt uns Macht weg als Individuen. Wenn ich ein System nicht durchschaue, kann ich darin auch nicht souverän agieren. Das Fatale ist, wenn die Nutzerinnen und Nutzer für dieses Problem kein Bewusstsein haben.

Mandl: Viele Nutzer im Internet können gar nicht zwischen Information und Werbung unterscheiden. Das war im Fernsehen noch anders, wo deutlich gekennzeichnet wird: jetzt kommt der Werbeblock.

Cetta: Es ist wichtig, dass man sensibel wird und erkennt, von wo Informationen kommen. Ich habe heute mühelosen Zugang zu Informationen aber muss auch die Kehrseite kennen und Informationen einschätzen können. Gerade junge Leute wachsen in die digitale Welt hinein. Unsere Aufgabe als Gesellschaft besteht darin ihnen bewusst zu machen, dass man nicht allem blauäugig vertrauen kann.  Dies ist einer der Gründe warum wir Bürger einladen, mit uns über Informationskompetenz zu diskutieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt: Was bedeutet Informationskompetenz?

Kurz erklärt:

Zukunftsdiskurs an Universität Hildesheim: „Informationskompetenz und Demokratie“

Bürger, Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung / Wissenschaftsministerium fördert Debatte an Uni Hildesheim

Das Institut für Informationsmanagement und Sprachwissenschaft und das Institut für Sprache und Literatur der Universität Hildesheim laden zur Tagung „Informationskompetenz und Demokratie“ ein. Die öffentliche Veranstaltung findet am Freitag, 18. Oktober 2019, ab 12:00 Uhr, und Samstag, 19. Oktober 2019, ab 09:00 Uhr statt am Hauptcampus der Universität Hildesheim (Forum am Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim).

Informationen zu suchen und zu finden fällt heute sehr leicht, aber ein müheloser Informationszugriff ist nicht gleichzusetzen mit einem selbstbestimmten und fundierten Umgang mit Wissen. Algorithmengesteuerte Informationsbeschaffung und -bereitstellung ist für Nutzerinnen und Nutzer heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz weisen auf erhebliche Defizite hin.

Das Projekt „Informationskompetenz und Demokratie“ will das Problem für Niedersachsen stärker bewusst machen. Es soll in der Öffentlichkeit diskutiert und nach Lösungsansätzen gesucht werden. Es gilt, das Thema in der Fachwelt und der Öffentlichkeit als kritische Fragestellung des 21. Jahrhunderts zu positionieren. Hierzu bringt das Forschungsteam unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, um ein möglichst umfassendes Bild zum Themenbereich, den wahrgenommenen Problemfeldern und Lösungsperspektiven, insbesondere für den Bildungsbereich, zu erschließen.

Während der zweitägigen Veranstaltung beantworten unter anderem Lisa Merten (Leibniz-Institut für Medienforschung Hans-Bredow-Institut), Prof. Dr. Joachim Griesbaum (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Thomas Mandl (Universität Hildesheim) und Prof. Dr. Elke Montanari (Universität Hildesheim) Fragen zum Thema Informationskompetenz. Es gibt zum Beispiel Vorträge zu den Themen „Informationsraum Internet: komplex, interessengesteuert, intransparent“, „Alles anders durch Google und Facebook? Praktiken, Prinzipien und Paradoxien der informationsorientierten Mediennutzung online“ und „Nachrichtenbezogenes und medienbezogenes Informationsverhalten und Informationskompetenz“.

Das Projekt wird durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen der Ausschreibung „Zukunftsdiskurse“ gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab.

Das Thema „Informationskompetenz“ ist für jeden interessant, gerade auch für die Bürger sowohl auf privater, professioneller Ebene als auch im öffentlichen Bereich, etwa wenn es um die Steuerung und Gestaltung der Informationsnutzung und -versorgung zu politischen Themen geht.

Das Projekt bringt Akteure aus Wissenschaft, Bibliothekare, Politik, Wirtschaft, Bürger, Lehrende und Lernende zusammen und bezieht deren Problemwahrnehmung und auch Sichtweisen zu Lösungsansätzen ein. Eine Anmeldung ist erforderlich, wer teilnehmen möchte, kann sich via E-Mail (infodem@uni-hildesheim.de) anmelden.

SAVE THE DATE:

Außerdem wird das Forschungsteam die Ringvorlesung „Digitale Lebenswelten“ unter dem Motto „(Des)Informieren? Informationsverhalten zwischen externer Beeinflussung, individueller Aufwandsvermeidung und gelebter Informationskompetenz“ die Ringvorlesung im Wintersemester 2019/20 fortsetzen. Die erste Vorlesung findet am 19.11.2019 zum Thema „Die Bewertung von Quellen bei der Suche nach Gesundheitsinformation im Web“ (Dr. Yvonne Kammerer, Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen) statt.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Deutsche Sprache
news-17365 Tue, 03 Sep 2019 09:16:00 +0200 Sprachlernprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachlernprojekt-fuer-gefluechtete-kinder-und-jugendliche-1/ Seit vier Jahren qualifiziert ein Team um Annette Lützel Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. An zwei Standorten in Hildesheim unterstützen die Studierenden täglich geflüchtete Menschen beim Spracherwerb und bei der Integration in Schule, Alltag und Arbeitswelt. Mittlerweile wurden mehr als 400 Studierende qualifiziert. Eine Zwischenbilanz. Im Wintersemester 2015/16 wurde mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ein Projekt gestartet, dass Studentinnen und Studenten qualifiziert, um geflüchtete Menschen beim Spracherwerb zu unterstützen.

Ein Team der Universität Hildesheim vermittelt Studierenden in theoretischen Modulen die fachlichen Grundlagen, in einer Praxisphase unterrichten sie Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund.

Die fachliche Qualifizierung der Studierenden erfolgt in unterschiedlichen Themenbereichen wie zum Beispiel Diversität, Zweitspracherwerb, aufenthalts- und sozialrechtliche Regelungen für Geflüchtete, Hintergrundinformationen zu Fluchtursachen und Herkunftsländern sowie Umgang mit durch Flucht und Verfolgung traumatisierter Menschen. Des Weiteren gibt es Vertiefungsveranstaltungen zum Unterricht im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“, zur Unterrichtsvorbereitung und zum Thema Alphabetisierung. Nach dem Besuch der Einführungsveranstaltung beginnen die Studierenden mit der Unterrichtsassistenz an den Schulen.

400 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt seit 2015 geflüchtete Kinder und Jugendliche beim Spracherwerb unterstützt

Das Sprachlernprojekt fand zunächst in der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Hildesheim statt. Im November 2016 wurde die Erstaufnahmestelle geschlossen, viele Geflüchtete haben nun einen dauerhaften Aufenthalt und benötigen Unterstützung bei der Integration in Schule und Arbeitsmarkt.

Insbesondere die Schulen stehen hier vor einer großen Herausforderung. Das Projekt wird deshalb seit Sommer 2016 an zwei Hildesheimer Schulen, der Grundschule Nord und der Walter-Gropius-Berufsschule, fortgesetzt.  Beide Schulen haben einen großen Bedarf an Sprachförderung, das Sprachlernprojekt bietet hier täglich im Anschluss an den Regelunterricht ein ergänzender Sprachunterricht an. Hier wird – anders als im Regelunterricht – sehr intensiv in kleinen Gruppen gearbeitet. Täglich unterrichten 20 Studierende an den beiden Standorten.

Sprachunterricht an Grundschule und Berufsschule

Das Projekt hat sich seit dem Start sehr gut entwickelt, so die Projektkoordinatorin Annette Lützel. Beide Seiten – geflüchtete Schülerinnen und Schüler als auch Studierende – profitieren sehr von dieser Arbeit. Zuerst hatte sich das Projekt nur an Lehramtsstudierende gerichtet, die im Rahmen ihres Sozialpraktikums teilnehmen. Mittlerweile ist das Projekt auch für Studierende anderer Fachrichtungen, wie zum Beispiel Sozial- und Organisationspädagogik und Erziehungswissenschaften, offen. Viele Studierende treffen im späteren Berufsalltag auf Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, im Sprachlernprojekt erwerben sie wichtige Kompetenzen für diese Arbeit.

Die Schulen werden durch das Projekt sehr gut in ihrer Arbeit unterstützt, deshalb erhält das Projekt auch eine Förderung durch die Stadt und den Landkreis Hildesheim sowie die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung. Mit einer Unterstützung des Europäischen Sozialfonds hat das Uni-Team seit Januar 2019 das Sprachlernprojekt zusätzlich um eine intensive Unterstützung der Schülerinnen und Schüler im Übergang von der Schule in den Beruf erweitert.

Sommerfest

Am Donnerstag, 5. September 2019, ab 14:00 Uhr lädt das Team des Sprachlernprojekts im Neubau am Hauptcampus zum Sommerfest ein. Wer teilnehmen möchte, wird gebeten sich vorher bitte per E-Mail anzumelden (roeben@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Studierendenportal Flüchtlinge
news-17317 Mon, 12 Aug 2019 08:11:00 +0200 Sprachförderung in Schulen: Professorin Elke Montanari über das Recht auf Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachfoerderung-in-schulen-professorin-elke-montanari-ueber-das-recht-auf-bildung/ Zur aktuellen Debatte um Sprachförderung in der Grundschule äußert sich Professorin Elke Montanari. Die Sprachwissenschaftlerin verweist auf das Recht auf Bildung und die Bedeutung qualifizierter Lehrerinnen und Lehrer. „Die Studierenden, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen“, so Montanari über die Hildesheimer Lehrerausbildung. Lehramtstudentinnen und Lehramtstudenten der Universität Hildesheim befassen sich im Studium mit Diversität, Deutsch als Zweitsprache und Bildungsintegration. Montanari erforscht, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Mehr erfahren:
Das Zentrum für Bildungsintegration
an der Uni Hildesheim

Zur aktuellen Debatte um Zweitspracherwerb, Sprachdiagnostik und Sprachförderung äußert sich Professorin Elke Montanari. „Deutschland hat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen mit verabschiedet. Darin ist in Artikel 28 das Recht auf den Schulbesuch verankert. In Deutschland wird dieses Recht durch die Schulpflicht gesichert“, sagt Montanari.

„Die Studierenden an der Stiftung Unviersität Hildesheim, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Das sehen sie als eine der wichtigsten Aufgaben. Und wenn ein Kind bei der Einschulung etwas noch nicht gut kann – die deutsche Sprache, Zählen, Sport oder was auch immer, dann lernt es dieses Kind eben in der Schule. Dafür bilden wir ja die Lehrkräfte aus, und dafür studieren angehende Lehrkräfte an einer Universität, die Diversität wertschätzt.“ 

Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt als Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, wo mit etwa 2600 Lehramtsstudierenden etwa ein Drittel der Grund-, Haupt- und Realschullehrer für Niedersachsen ausgebildet werden. In Hildesheim kann das Lehramtsstudium im Fach Deutsch mit einem Doppelstudium zum Master Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache kombiniert werden. Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder, die ohne oder mit unterschiedlich umfangreichen deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen. Die Wissenschaftlerin bildet Lehrerinnen und Lehrer aus, die im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifiziert sind.

Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache
Studium an der Uni Hildesheim

Kurz erklärt: Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen und in Verlagen, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. 

Die beruflichen Aussichten seien sehr gut, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache. „Uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben“, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Die Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim forscht und lehrt zu der Frage, wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen.

„Unsere Absolventinnen und Absolventen finden zum Beispiel zahlreiche internationale Berufsperspektiven in Goethe-Instituten, deutschen Auslandsschulen und an internationalen Universitäten. Vorbereitend können hierzu bereits im Studium Praktika absolviert werden, die frühzeitig zur beruflichen Vernetzung beitragen“,  sagt Montanari. 

Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen die Hildesheimer Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig und sehr gefragt als Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen.

Die nächsten Masterstudierenden starten im Oktober 2019 in ihr Studium. Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, die Universität bietet Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an.

Die Universität Hildesheim arbeitet in dem Studiengang mit internationalen Partnern zusammen und kooperiert zum Beispiel mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten.

Zur Person

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“.

Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen, mit Mehrsprachigkeit und Spracherwerb. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen. Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus.

Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Die Wissenschaftlerin hat sich im vom Land Niedersachsen geförderten Projekt „Umbrüche gestalten” für die Integration der Sprachenförderung und Sprachenbildung in die Lehrerausbildung in Niedersachsen eingesetzt.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 3 Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Forschung Startseite
news-17300 Tue, 30 Jul 2019 14:16:00 +0200 Multilingualism and Diversity Education: Tagung am Bühler-Campus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/multilingualism-and-diversity-education-tagung-am-buehler-campus/ 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Ländern diskutierten in Hildesheim über „Multilingualism and Diversity Education“. Die Summer School bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie fortgeschrittene Masterstudierende.

25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Spanien, Iran, Kamerun, Kanada, Schweden und Norwegen nahmen an der Summer School „Multilingualism and Diversity Education“ teil. Am Bühler-Campus der Universität Hildesheim diskutierten sie in der fünftägigen Veranstaltung über Forschungserkenntnisse im Themenfeld der Mehrsprachigkeit.

„Die Summer School Multilingualism and Diversity Education bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftler*innen, Promovenden und fortgeschrittene Masterstudierende, um auf hohem Niveau intensiv über aktuelle Forschungsfragen der Mehrsprachigkeit und der Vielfalt zu diskutieren. Im Vordergrund steht die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Studierende und Promovenden sollen ihre Fragen stellen dürfen und international profilierte Wissenschaftler*innen kennen lernen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache.

In der fünftägigen Sommerschule stellten unter anderem Professorin Elena Nicoladis von der University of Edmonton (Alberta, Canada), Professorin Tanja Kupisch von der Universität Konstanz/UiT Tromsø The Arctic University of Norway (Deutschland/Norwegen) und Professor Henrik Gyllstad von der Lund University (Schweden) zentrale Forschungsergebnisse vor, etwa zum Thema „Investigating the multilingual mental lexicon – single words and multiword units“. Sie tauschten sich mit Forschungsteams der Universität Hildesheim aus, unter anderem mit Professorin Bettina Kluge, Professorin Kristin Kersten, Professor Joachim Griesbaum sowie Dr. Timo Ahlers, Dr. Kathrin Schweiger und Dr. Anna-Lena Scherger.

Die Summer School findet im Umfeld des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ in englischer und deutscher Sprache statt. Die Veranstaltung wurde vom Zentrum für Bildungsintegration ermöglicht sowie vom Institut für deutsche Sprache und Literatur gefördert.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Forschung Startseite
news-17124 Tue, 09 Jul 2019 16:11:16 +0200 „Uns interessiert die türkische Sprache in Europa als Thema in der Wissenschaft“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/uns-interessiert-die-tuerkische-sprache-in-europa-als-thema-in-der-wissenschaft/ In dieser Woche tagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Norwegen, Großbritannien, der Türkei und Deutschland an der Universität Hildesheim. Die Fachleute befassen sich mit der türkischen Sprache in Europa. Auf dem internationalen Workshop „Turkish in Europe“ an der Universität Hildesheim vernetzen sich die Fachleute aus Sprachwissenschaft, Psychologie und Pädagogik, um ihre Forschung zu diskutieren.

Guelsen Yilmaz stellt zum Beispiel die Frage: „How much variation disqualifies the heritage speaker’s nativeness?“, Christoph Schroeder und Kateryna Iefremenko referieren zum Thema „The post-verbal position in Turkish in two contact settings: Turkish-German bilinguals in Germany and Turkish-Kurdish bilinguals in Turkey“ und Işıl Erduyan spricht über „Turkish heritage speakers in Germany“. Zudem findet ein Austausch mit Professorin Irene Pieper, Vizepräsidentin für Internationalisierung, statt.

„Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen“

Interview mit Prof. Dr. Elke Montanari
Professorin für Deutsch als Zweitsprache 

Frau Professorin Montanari, in Hildesheim kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum internationalen Workshop „Turkish in Europe“ zusammen. Was ist das Ziel der Tagung?

Wir wollen uns in Europa vernetzen mit Forscherinnen und Forschern, die sich mit der Entwicklung der türkischen Sprache beschäftigen. Wichtige Forschungsfragen sind zum Beispiel: Wie verändert sich das Türkische bei den Türkischsprecherinnen und Türkischsprechern, die nicht in der Türkei wohnen? Wir stellen fest, dass sie einen anderen sprachlichen Input haben, als Menschen, die in Istanbul, Antalya oder Ankara leben und arbeiten. Guelsen Yilmaz, Sprachwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin, beobachtet diese Variationen im Türkischen von Personen, die außerhalb der Türkei leben.

Eine andere, viel diskutierte Frage ist: Wie gehen wir mit den Herkunftssprachen um? Die Sprache von jemandem, der in Berlin oder Paris lebt, kann sich durchaus in einigen Bereichen unterscheiden von der Sprache, die jemand spricht, der in der Türkei zur Schule gegangen ist, dort lebt und arbeitet. Dabei ist eine Herkunftssprache, wobei schon dieses Wort umstritten ist, ebenso eine Muttersprache, eine Erstsprache für das Kind, das damit aufwächst, wie für jedes andere Kind auch die Sprache in den ersten Lebensjahren, die Sprache der engsten Bezugspersonen.

Ein Beitrag befasst sich mit der Frage, welchen Wert die Gesellschaft der Sprache entgegenbringt.

Was ist Sprachprestige, und wie gehen wir in Deutschland mit dem Prestige der Sprache Türkisch um? Mit diesem Thema befasst sich Dr. Yasemin Dayıoğlu-Yücel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hildesheim. Welche Wertigkeit wird der türkischen Sprache in Bildungsinstitutionen, in der Umgebung, in der Familie entgegengebracht? Wie gut ist unser Umgang mit der Vielfältigkeit von Sprachen? Das sind Fragen, die uns sehr beschäftigen.

An der Konferenz nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher linguistischer Disziplinen teil wie Soziolinguistik, Zweisprachigkeit, Spracherwerb, Psycholinguistik und Pädagogik. Warum ist diese interdisziplinäre Forschung wichtig?

Wir brauchen die unterschiedlichen Blickrichtungen. Wir sehen darin einen Mehrwert, zu untersuchen, wie zum Beispiel der Sprachgebrauch mit mentalen Dimensionen, mit der Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses und der Intelligenz, mit der sich die Psycholinguistik befasst, zusammenhängt. Und was sind Schlussfolgerungen für die Pädagogik? Für die Gesellschaft? Das geht nur interdisziplinär.

Sie erforschen seit vielen Jahren, wie Kinder und Erwachsene das Deutsche als zweite Sprache lernen und wie sie mehrsprachig aufwachsen und mit vielen Sprachen leben. Sie befragen etwa in Schulen mehrsprachig aufwachsende Kinder, untersuchen den Wortschatz und das mentale Lexikon. Welche Rolle spielt dabei die türkische Sprache in Ihrer Forschung?

Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Wir haben sehr viele Sprecherinnen und Sprecher in Deutschland, in Frankreich und in anderen Ländern mit türkischem Hintergrund. In Deutschland ist es die nach wie vor größte Community, mit sehr engagierter Elternarbeit. Menschen mit türkischen Wurzeln sind in der Studierendenschaft und in der Dozentenschaft präsent, gerade auch in der Stiftung Universität Hildesheim. Es hat eine zentrale Bedeutung, dass wir gemeinsam Fragestellungen in der Forschung und in der Lehre entwickeln, wie es zum Beispiel im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ und in vielen weiteren Studiengängen dieser Universität geschieht. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Studium

Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache International Office Aktuelles IO Forschung Startseite
news-16230 Wed, 20 Feb 2019 14:21:38 +0100 Universität Hildesheim bildet Sprachexpertinnen und Sprachexperten aus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/universitaet-hildesheim-bildet-sprachexpertinnen-und-sprachexperten-aus/ Für diese sprachwissenschaftlichen Masterstudiengänge können sich Studieninteressierte zum Sommersemester 2019 derzeit noch bewerben: „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“, „Barrierefreie Kommunikation“, „Medientext und Medienübersetzen“, „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“, „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“. Das Studium an der Universität Hildesheim beginnt im April 2019. Am Bühler-Campus bildet die Universität Hildesheim Expertinnen und Experten für Sprachen, Kommunikation und Informationsmanagement aus. Dies sind die Masterstudiengänge des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften, für die eine Bewerbung zum Sommersemester 2019 jetzt noch möglich ist:

„Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Expertinnen und Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen, Hochschulen und in Verlagen, in der Bildungsplanung in Behörden, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit. Die Universität arbeitet in dem Studiengang mit regionalen und internationalen Partnern zusammen. In der Praxisphase absolvieren Studentinnen und Studenten mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ Auslandspraktika an Partnerhochschulen weltweit, etwa an Universitäten in Ungarn, Litauen, Italien, China oder Mexiko. [hier lesen Sie ein Interview mit Professorin Elke Montanari und Professorin Beatrix Kreß]

„Barrierefreie Kommunikation“

Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten dieses Masterstudiengangs zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache.

„Medientext und Medienübersetzen“

Mit dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzen“ bietet die Universität Hildesheim einen deutschlandweit einzigartigen Studiengang an, der Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und Medienwissenschaft verbindet. Studentinnen und Studenten können sich unter anderem in den Bereichen audiovisuelle Übersetzung wie Untertitelung und Synchronisation, barrierefreie Kommunikation sowie interne Unternehmenskommunikation spezialisieren.

„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

In unserer globalisierten Welt sind im Bereich der Fachkommunikation Fachleute gefragt, die mehrsprachige Kommunikationsfähigkeit mit soliden und speziell auf ihre beruflichen Belange ausgerichteten technischen Kenntnissen verbinden. Beim professionellen Übersetzen wie auch in der technischen Redaktion geht es heute zu einem großen Teil um technische Inhalte. Während des zweijährigen Masterstudiums „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ spezialisieren sich die Studentinnen und Studenten auf das Übersetzen und/oder Erstellen technischer Texte im internationalen Kontext. Das Studium kombiniert sprachlich-übersetzerische und technisch-naturwissenschaftliche Inhalte.

„Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

Der Masterstudiengang „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ bildet Expertinnen und Experten für interkulturelle Situationen aus, in denen mit gesprochener und geschriebener Sprache in unterschiedlichen Institutionen – zum Beispiel der öffentlichen Hand, in Nichtregierungsorganisationen oder in Institutionen der Wirtschaft – kulturübergreifend gehandelt wird. Inhalte des Studiums sind u.a. Kenntnisse über migrationsbedingte Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kommunikation in unterschiedlichen Texten und Diskursen sowie Phänomene des Kultur- und Sprachkontakts. 

Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften

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news-15986 Mon, 14 Jan 2019 08:01:00 +0100 Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ startet https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/fotografieprojekt-100-studierende-100-geschichten-startet/ Beim AStA setzen sich Studierende für studentische Belange ein, und gestalten so die Universität mit. Isabelle C. M. Lohrengel ist AStA-Referentin für Inklusion und berichtet im Interview von ihrer Arbeit. Gerade wirbt die Kunststudentin mit dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ für mehr Toleranz und Diversität an unserer Universität. An dem Projekt können Studierende ab sofort noch mitwirken. Die Fotos sind Teil einer Ausstellung. TIPP: Jede Stimme zählt – wählen gehen! Vom 14. Januar bis zum 28. Januar 2019 haben Studentinnen und Studenten die Möglichkeit die Vertreterinnen und Vertreter für die Fachbereichsräte, den Senat und das Studierendenparlament zu wählen. [Hier geht's zur Online-Wahl]

Im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) gibt es eine Reihe von Referaten, Studierende befassen sich zum Beispiel mit den inhaltlichen Themen „Inklusion“, „Soziales“, „Familie“, „Politische Bildung“, „Umwelt und Nachhaltigkeit“, „Internationales und Antirassismus“ oder „Gender und Queer“. Die Mitglieder des AStA arbeiten ehrenamtlich und werden jährlich durch das Studierendenparlament (StuPa) gewählt.

Eine von ihnen ist Isabelle C. M. Lohrengel. Die Lehramtsstudentin studiert in Hildesheim Deutsch, Kunst und Soziologie und arbeitet als AStA-Referentin für Inklusion, zuvor war sie zwei Jahre Beauftragte für Barrierefreiheit.

Interview

Frau Lohrengel, Sie starten ein Ausstellungsprojekt über Vielfalt an der Hochschule. Warum?

Ich zeige ab Ende Januar 2019 im Stammelbachspeicher mein derzeitiges Fotografieprojekt, das ist Teil meines künstlerischen Projekts am Kunstinstitut bei Manfred Lauschke und Swantje Saß. Gemeinsam mit weiteren Kunststudierenden entsteht die Ausstellung „höher, schneller, weiter“. Ich möchte die Möglichkeit der öffentlichen Präsentation nutzen, um auf das Thema „Inklusion“ aufmerksam zu machen. Warum ich gerade jetzt das Projekt umsetze? In letzter Zeit habe ich vermehrt alarmierende Beratungsgesrpäche, in denen Studierende erzählen, wie sie vermehrt Diskriminierung erleben. Ich habe mindestens fünf Beratungen pro Woche, es ist sehr unterschiedlich, und viele sagen, sie wissen nicht, wie sie Hilfe bekommen können. Sie berichten neben strukturellen Barrieren zum Beispiel von Ereignissen, in denen sie von Kommiliton*innen aufgrund einer chronischen Krankheit oder Behinderung beispielsweise gefragt werden: „Ist das ansteckend?“, oder es werden schreckliche herabwürdigende Sticker, die ich hier nicht zitieren möchte, auf dem Campus gefunden.

Sie suchen Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche für Ihr Fotografieprojekt zum Thema Inklusion. Wer kann sich denn bei Ihnen melden? Was verstehen Sie unter Inklusion

Für mich bedeutet Inklusion, das jeder dieselbe Teilhabe erfährt und respektiert wird. Aber auch, dass jeder mit seinen individuellen Eigenschaften akzeptiert und wertgeschätzt wird. Es ist bereichernd, verschieden zu sein. In meinem Fotografieprojekt suche ich nun 100 Studierende, die ein Zeichen für mehr Toleranz setzen möchten. Ich erstelle ein schwarzweiß Portrait, außerdem beantwortet jeder zwei Fragen schriftlich, das ist anonym und wird später in den Computer übertragen – selbst ich kann die Bilder und Geschichten nicht einander zuordnen. Jede Geschichte ist gleichwertig bedeutsam, ich gruppiere und ordne nicht. Die erzählten Geschichten reichen von Rassismuserfahrungen über finanzielle Sorgen und dadurch Diskriminierung, weil man es sich nicht leisten kann, teilzuhaben. Auch die Geschichten von jenen, die sich vielleicht nicht diskriminiert fühlen, können und sollen erzählt werden. Inklusion geht uns alle etwas an! Ich möchte aber besonders die ermutigen, Teil des Projektes zu werden, die selbst Diskriminierung erleben. Ich suche 100, die sich trauen, mich inbegriffen. Mit dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ möchte ich auch einen inhaltlichen Beitrag dazu leisten, inklusive Strukturen an der Hochschule weiterzuentwickeln, und zeigen: Wir sind mehr!

Als AStA-Referentin bearbeiten Sie das Thema Inklusion und möchten für mehr Toleranz und Diversität an unserer Universität werben – was können Studierende im Alltag bewirken und tun?

Ich habe zwei Bitten an uns alle. Die erste Bitte betrifft jeden – gehe mit offenen Augen durch die Uni, reflektiere das eigene Verhalten sowie Machtstrukturen und mache dich stark für andere, wenn Diskriminierung sichtbar wird. Wenn du dich über Strukturen ärgerst, dann sag es auch, denn studentische Partizipation ist super wichtig. Deshalb sollte man auch an Gremienwahlen unbedingt teilnehmen. Die zweite Bitte richtet sich an Betroffene von Diskriminierung – du musst nicht schweigen, du bist nicht alleine und du musst Diskriminierung nicht alleine erleben. Es gibt Unterstützung, wie zum Beispiel meine Referentenstelle beim AStA. Als Studierendenvertreterin möchte ich mich gemeinsam mit dem gut vernetzten AStA- und StuPa-Team für andere stark machen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“: Wie kann ich mitmachen?

Wer an dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ mitwirken möchte, kann ab sofort noch bis zum 23. Januar 2019 an folgenden Terminen teilnehmen: Dienstag, 15. Januar  (14 bis 18 Uhr), Mittwoch, 16. Januar (14 bis 18 Uhr), Dienstag, 22. Januar (10 bis 16 Uhr) und Mittwoch, 23. Januar (14 bis 18 Uhr). Die Studentin erstellt im AStA-Beratungsraum (I103) am Uni-Hauptcampus ein schwarzweißes Portrait, das teilnehmende Studierende als Datei geschickt bekommen können. Außerdem kann man folgende zwei Fragen schriftlich und anonym beantworten: „Was beeinträchtigt dich im Studium?“ und „Was ist dein Ziel?“. Bei Fragen kontaktieren Sie gerne die Studentin Isabelle C. M. Lohrengel, AStA-Referentin für Inklusion (E-Mail: inklusion@asta-hildesheim.de).

Die einzelnen Portraits werden zu einem Tableau zusammengefügt und die Antworten anonym in einem Begleitheft gedruckt. Das Ergebnis wird im Rahmen der kunstpädagogischen Austellung präsentiert.

Ausstellung „höher, schneller, weiter“

Lehramtsstudierende der Kunstpädagogik führen am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft an der Universität Hildesheim wieder ein künstlerisches Projekt durch. Das Ausstellungsprojekt leiten Manfred Lauschke und Swantje Saß.

In der Ausstellung „höher, schneller, weiter“ zeigen 35 Studierende klassische Zeichnungen,  aufwändige Videoinstallationen und dreidimensionale Objekte oder eben Fotografien. Die Ausstellung wird mit einer Vernissage am Montag, 28. Januar 2019 um 18:00 Uhr im Stammelbachspeicher in der Wachsmuthstraße eröffnet. Mit einer Finissage endet die Ausstellung am Mittwoch, 6. Februar 2019 um 18:00 Uhr mit Worten von Professorin Bettina Uhlig.

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news-15976 Fri, 11 Jan 2019 13:31:00 +0100 Universität als Ort für zukunftsorientierte Debatten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/universitaet-als-ort-fuer-zukunftsorientierte-debatten/ Entscheidung für Hildesheim: Das Wissenschaftsministerium fördert die Projekte „Informationskompetenz und Demokratie“ sowie „Die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim zeigen, welche Relevanz und Aktualität ihre Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften hat. Im Programm „Zukunftsdiskurse“ fördert das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur zwei Projekte der Universität Hildesheim. Die Hildesheimer Forschung zeigt, wie relevant und aktuell die Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist. Für jedes Projekt stehen maximal 100.000 Euro bei einer Laufzeit von maximal 15 Monaten zur Verfügung. Die Förderung stammt aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung.

„Demokratie und Wissenschaft sind ohneeinander nicht zu denken. Mit dem Förderprogramm ‚Zukunftsdiskurse‘ wollen wir den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stärken und verdeutlichen, dass unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen zentrale Orte für zukunftsorientierte Debatten sind“, so der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler.

Das sind die geförderten Projekte in Hildesheim:

„Informationskompetenz und Demokratie: Bürger, Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung“

Das Projekt haben Prof. Dr. Joachim Griesbaum und Prof. Dr. Thomas Mandl vom Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie sowie Prof. Dr. Elke Montanari vom Institut für deutsche Sprache und Literatur entwickelt.

Demokratie lebt vom Diskurs und der Bereitschaft, die Perspektiven Anderer wahrzunehmen und als mögliche Standpunkte anzuerkennen. Voraussetzung für einen sachlich-zielführenden Diskurs ist eine fundierte Wissensbasis. Hierfür ist gelebte Informationskompetenz unverzichtbar, sagt das Forschungsteam.

„Informationen zu suchen, zu finden und zu verarbeiten fällt heute sehr leicht, aber ein müheloser Informationszugriff ist nicht gleichzusetzen mit einem selbstbestimmten und fundierten Umgang mit Wissen“, so Joachim Griesbaum. Die Problematik sei nicht nur „abstrakter Natur“, sondern betrifft „unmittelbar die Lebenswelt jedes Netznutzers“.

Algorithmengesteuerte Informationsbeschaffung und Informationsbbereitstellung ist für Nutzerinnen und Nutzer heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz weisen auf erhebliche Defizite hin.

Das Projekt „Informationskompetenz und Demokratie“ will das Problem für Niedersachsen stärker bewusst machen, es in der Öffentlichkeit diskutieren und dabei Lösungsansätze suchen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen in dem Projekt unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, um ein möglichst umfassendes Bild zum Themenbereich, den wahrgenommenen Problemfeldern und Lösungsperspektiven, insbesondere für den Bildungsbereich, zu erschließen. Dabei soll auch die internationale Perspektive einbezogen werden.

Das Projekt besteht aus drei Teilen: Nach einer Tagung in Niedersachsen wird der Diskurs auf einem Blog weitergeführt und ein Aufruf für Beiträge zu einer Abschlusstagung im gleichen Bundesland verbreitet. Auf dieser Plattform wird die Diskussion durch Beiträge von Experten, Studierenden und sonstigen Interessierten weitergeführt. Abschließend werden die Projektergebnisse vorgestellt und diskutiert.

„Die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft – gestern, heute und morgen“

Das Projekt entstand auf Initiative des Juniorprofessors für Theologische Ethik, Prof. Dr. Alexander Merkl, des Instituts für Katholische Theologie in Kooperation mit dem Direktor des Instituts für Geschichte, Prof. Dr. Michael Gehler.

„Wir werden einen Zukunftsdiskurs über die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft führen“, sagt Professor Alexander Merkl. Aktuelle Anlässe dafür bieten die Bewerbung der Stadt Hildesheim als europäische Kulturhauptstadt 2025 und die bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament vom 23. bis 26. Mai 2019. Das Interesse an der Thematik insbesondere im Vorfeld zu den Wahlen sowie der gesellschaftliche Diskussionsbedarf seien hoch, so Merkl. „Der Wissenstransfer aus der Universität in die Bürgergesellschaft ist unser zentrales Anliegen.“

Das Projekt startet mit einer Podiumsdiskussion am 5. April 2019 und einem zweitägigen Bürgerforum am 26. und 27. April 2019 an der Volkshochschule in Hildesheim. Abschließend  findet am 27. Juni 2019 an der Universität Hildesheim eine Veranstaltung für Bürger, Studierende und Schülerinnen und Schüler statt, in der die historischen Fundamente europäischer Verantwortung sowie gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen der Europäischen Union in Bereichen wie Sicherheit, Frieden, Erweiterung und Zuwanderung besprochen werden.

Der Theologe Alexander Merkl und der Historiker Michael Gehler führen historische und ethische Fragestellungen zusammen.

„Eine fundierte wissenschaftliche Aufbereitung, gelingender Wissenstransfer in die Bürgergesellschaft und die Gelegenheit zur aktiven, dialogischen Diskursteilnahme bilden die Säulen dieses Vorhabens“, so Merkl.

Das Projekt beinhaltet eine Mitarbeiterstelle für fünfzehn Monate und schließt an jüngere Projekte und Forschungsvorhaben der Antragsteller an. Professor Alexander Merkl publizierte jüngst den Sammelband „Die EU als ethisches Projekt im Spiegel ihrer Außen- und Sicherheitspolitik". Professor Michael Gehler führt seit Jahren die öffentlichen Europagespräche in Hildesheim durch, die ebenfalls mit dem bewilligten Projekt verzahnt werden.

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news-15962 Wed, 09 Jan 2019 16:45:32 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung, Service und Nachhaltigkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-service-und-nachhaltigkeit/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, den Biologen Dr. Stefan Flohr und das Team des Sachgebiets „Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel“ des Dezernats für Finanzen für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und Service aus. Zudem verleiht das Green Office den Nachhaltigkeitspreis an die Umweltstudentin Jenny Dreblow und den IMIT-Absolventen Sebastian Pape.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich gab im Rahmen des Neujahrsempfangs aktuelle Zahlen bekannt: 91 Professorinnen und Professoren, 447 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 265 Personen in Technik und Verwaltung sind derzeit an der Stiftungsuniversität Hildesheim tätig. 8333 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim.

Professorinnen und Professoren, die 2018 ihr Amt in Hildesheim antraten, bearbeiten zum Beispiel die Bereiche Transmediale Übersetzung, Kirchengeschichte, Mathematikdidaktik, Empirische Unterrichtsforschung, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, Migrationspolitik, Biowissenschaften des Sports, Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung, Musiksoziologie und Popular Music Studies, Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie, Gender und Bildungskulturen, Vegetationsökologie und Naturschutz sowie Bildungssoziologie.

Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

  • Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer
  • Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr
  • Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen
  • Nachhaltigkeitspreis für Umweltstudentin Jenny Dreblow und Informatikstudent Sebastian Pape

Im Folgenden stellen wir die Preisträgerinnen und Preisträger ausführlich vor.

Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer

Auf Vorschlag der Dekane und des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung zeichnet die Universität Hildesheim Prof. Dr. Marianne Kneuer für ihre hervorragende Forschung aus.

Seit 2011 forscht und lehrt die Wissenschaftlerin am Institut für Sozialwissenschaften. Die Forschungsschwerpunkte von Marianne Kneuer liegen im Bereich der vergleichenden Politikforschung, der Demokratieforschung und der Forschungen zur Rolle digitaler Medien für die Politik.

Die Politikwissenschaftlerin hat an der Universität Hildesheim seit 2012 den bundesweit viel beachteten Forschungsbereich „Internet und Politik“ aufgebaut. Sie untersucht zusammen mit ihrem Team die Auswirkungen der Digitalisierung auf politische Strukturen, Prozesse und Akteure sowie staatliches Handeln in Demokratien und Autokratien. Sie erforscht Themen wie Politik im Netz, e-governement und e-participation intensiv und publiziert international. Seit 2018 ist sie eine Gründungsdirektorin des neu gegründeten „Zentrums für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ an der Universität Hildesheim.

„Welche Bedeutung der Digitalisierung für gesellschaftliche Transformationsprozesse und die Politik zukommt, hat Marianne Kneuer früh wissenschaftlich in den Blick genommen, lange bevor die Digitalisierung in aller Munde war. Ebenfalls früh hat sie sich der Erforschung von Autokratien und totalitären Systemen zugewandt und danach gefragt, welche Rolle digitale Medien sowohl für Demokratisierungsprozesse in autokratischen Systemen als auch für die Kontrolle der Bürger durch den Staat einnehmen“, so Vizepräsidentin Prof. Dr. Meike Baader in ihrer Laudatio. „Sie forscht international, ist teamorientiert und äußerst kollegial. Sie arbeitet zu gesellschaftlich höchst relevanten Themen, die uns alle angehen und für unser Zusammenleben von Bedeutung sind“, unterstreicht Meike Baader. Zudem kommuniziere die Wissesnchaftlerin ihre Forschungsergebnisse in die Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit.

Vor ihrer Tätigkeit in Hildesheim war Marianne Kneuer Lehrstuhlvertreterin an den Universitäten Darmstadt, Hagen und Erfurt. 2005 hat sie an der Universität Eichstätt habilitiert mit einer Arbeit zur „Europäischen Union als externer Akteur bei Demokratisierungsprozessen“, nachdem sie Forschungsstipendiatin der DFG war. Promoviert wurde sie 1991 an der Universität Bonn. Marianne Kneuer war Referentin im Planungsstab des Bundespräsidenten Roman Herzog von 1994 bis 1999 in Bonn. Seit 2018 ist sie Präsidentin der International Political Science Association (IPSA), der sie seit 2016 als erste Vizepräsidentin vorsaß.

Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr

Auf Vorschlag einer Jury unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten für Lehre und Studium wird der Preis für hervorragende Lehre an den Biologen Dr. Stefan Flohr vom Institut für Biologie und Chemie vergeben.

Für den Preis für hervorragende Lehre wurden insgesamt 78 Vorschläge eingereicht, Studentinnen und Studenten nominierten insgesamt 51 Lehrende für den Preis. „Studierende reichen die Vorschläge für den Lehrpreis ein“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander.

Seit 2007 forscht und lehrt Dr. Stefan Flohr an der Universität Hildesheim und gibt sein Wissen in der Anthropologie, Anatomie, Humanbiologie und Paläoanthropologie sowie Bioarchäologie an Studentinnen und Studenten weiter. Er war mehrere Jahr als Landesanthropologe in Thüringen tätig.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter wird für seine hervorragende Lehre in den Seminaren „Bioarchäologie und Paläoökologie II“ und „Funktionelle Anatomie des Bewegungsapparates“ ausgezeichnet. In seiner Lehre fördert er forschendes und problemorientiertes Lernen und wendet innovative Prüfungsmethoden an.

Die Lehre sei „immer anspruchsvoll, interessant und geprägt von einer angenehm lockeren Atmosphäre“, so die Lehramtsstudentin Xenia Dalke in ihrer Laudatio. „Die Lehrveranstaltung Bioarchäologie war unterteilt in fachlichen Input und ein eigenes Projekt. Es ist einfach viel interessanter, wenn man sich selbst durch die vielen Skelette hier im Keller der Universität wühlen darf und eigenständig seine Forschung betreibt, als wenn man nur Wissen trocken vorgetragen bekommt. Dazu kommen noch die geballte fachliche Expertise und Erfahrung, die uns geboten wurde. Man vergisst als Studierender manchmal, wie viel Forschung und Arbeit unsere Dozierenden neben der Lehre leisten. Somit wurden wir Studierenden, die am Anfang gerade einmal einen Schädel von einem Oberschenkelknochen unterscheiden konnten, zu Experten in unserem Thema.“

Die Studentin Xenia Dalke befasste sich in ihrem Projekt mit X- und O-Beinen mittelalterlicher Skelette. „Dann durfte ich die Erkenntnisse auf einer wissenschaftlichen Tagung in Konstanz vorstellen. Diese Chance, ein Uniprojekt auf diese Weise weiterzuführen und im offiziellen Rahmen vorstellen zu dürfen, ist einfach unglaublich und nicht selbstverständlich. Aber hier endet unsere Reise noch nicht – der nächste Schritt ist die gemeinsame Publikation unserer Forschungsergebnisse“, sagt die Studentin.

Weitere Studierende von Stefan Flohr begründen die Auszeichnung wie folgt:

  • „Herr Flohr hat es geschafft ein trockenes Thema grandios zu lehren, Studenten zu motivieren und für die Anatomie anzustecken! Die wöchentlichen Testate und sein Engagement haben dazu beigetragen, dass das erworbene Wissen nicht sofort verfällt, sondern im Gegenteil anders als beispielsweise bei Klausuren nachhaltig abgespeichert wurde. Die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und Herrn Flohr war Voraussetzung und Wunsch und verlief bestens. Fragen, gerade im Bezug zur Muskulatur und deren Defekten, förderten das eigenständige Nachdenken und auch Ausprobieren von Seiten der Studenten.“

  • „In diesem Kurs wurde uns Studierenden die Möglichkeit gegeben, in einem interessanten Themengebiet eigenständig und mit ständiger Unterstützung von drei absolut kompetenten und anregenden Dozenten – Stefan Flohr, Uwe Kierdorf und Carsten Witzel – eigene Projekte zu gestalten. Man hat in der Universität selten die Möglichkeit so intensiv in ein interessantes Themengebiet einzutauchen, die Dozenten erschaffen eine freundliche, kooperative Atmosphäre und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Besonders hervorzuheben ist hier Stefan Flohr, der die Leistungen der Studierenden über das Seminar hinaus mit einer Vertiefung des Projekts würdigt und seine Freizeit und Leidenschaft dafür widmet.“

„Die Tatsache, dass ich inzwischen schon mehrfach von meinen Studierenden für den Preis nominiert wurde, ist mir im Grunde Auszeichnung genug, denn sie sind die Adressaten meiner Lehrtätigkeit. Dass nun auch die Kommission zur Vergabe des Preises dem Vorschlag der Studierenden zustimmt, ist großartig und zeigt mir, dass gute Lehre nicht immer nur eine Frage der Anwendung modernster und innovativster Methoden und Techniken sein muss, sondern dass es offenbar auch mit eher traditionellen Mitteln möglich ist, Menschen für fachwissenschaftliche Inhalte zu begeistern“, freut sich Stefan Flohr über die Auszeichnung.

Stefan Flohr wird im Sommersemester 2019 in der Weiterbildung „Hochschuldidaktik“ seine Erfahrungen teilen und mit interessierten Kolleginnen und Kollegen über exzellente Lehre sprechen.

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die sich in ganz besonderem Maße für die Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben.

Auf Vorschlag des Präsidiums wird der Preis für hervorragende Service-Leistungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen vergeben.

Zu dem Team gehören:

  • Frau Monika Sardí (Sachgebietsleiterin)
  • Frau Anja Ehlers (Studienqualitätsmittel)
  • Herr Mirco Fink (Drittmittel)
  • Frau Marika Schaper (Sondermittel)
  • Herr Marvin Freund (Drittmittel)
  • Frau Vicky-Nicoletta Erber (Drittmittel)
  • Frau Miriam Rother (Sondermittel)
  • Frau Stefanie Hankel (Drittmittel)

„Das Team hat es in herausragender Weise geschafft, die gestiegene Zahl an Projekten vorbildlich abzuarbeiten – sozusagen die Pflicht – und parallel die Unterstützung sowie Beratung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Phasen der Projektbearbeitung im Sinne des Servicegedankens auszubauen. Und das ist die Kür – dort die Flexibilitätswünsche und hier die Richtlinien!  Nur wenn wir uns gemeinsam dem Ziel der Drittmitteleinwerbung verpflichtet fühlen, können wir auch weiterhin so erfolgreich sein, wie in den letzten Jahren“, so der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

„Die Auszeichnung bedeutet für das Sachgebiet Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel eine hohe Wertschätzung. Wir bedanken und freuen uns darüber, dass unser Engagement wahrgenommen und belohnt wird. Der Preis ist eine Bestätigung unseres Tuns und gleichzeitig ein Ansporn, uns in Zukunft weiterhin so einzusetzen“, so die Sachgebietsleiterin Monika Sárdi.

Green Office verleiht Nachhaltigkeitspreis an Umweltstudentin Jenny Dreblow und an IMIT-Absolvent Sebastian Pape

Mit dem Nachhaltigkeitspreis zeichnet das Green Office Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim aus, die sich in ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit nachhaltiger Entwicklung befassen. Das Nachhaltigkeitsbüro der Uni möchte damit einen Beitrag leisten, Nachhaltigkeit in den Forschungsfokus gerade des wissenschaftlichen Nachwuchses zu bringen.

Die Studentin Jenny Dreblow wird für ihre Bachelorarbeit „Nachhaltigkeit – ein interkultureller vergleich üver zugange und perspektiven belarussischer und deutscher Studierender“ im Studiengang „Umweltsicherung“ und Sebastian Pape für seine Masterarbeit „Soziale Nachhaltigkeit in Geschäftsprozessen – Entwicklung eines Pattern-basierten Ansatzes“ im Studiengang „Informationsmangement und Informationstechnologie“ ausgezeichnet.

Jenny Dreblow leiste mit ihrer Abschlussarbeit einen Beitrag zu einer interkulturellen Verständigung über Nachhaltigkeit und gibt damit wertvolle Anregungen für eine deutsch-belarussische Zusammenarbeit im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung, so die Begründung. „Die Auszeichnung bedeutet für mich Wertschätzung. Und Mut weiterzugehen – auch beruflich“, sagt die Preisträgerin Jenny Dreblow.

Sebastian Pape sei es mithilfe von Experteninterviews gelungen, einen Musterkatalog aus sozial nachhaltigen Geschäftsprozess-Patterns zu entwickeln, dessen Anwendung eine Integration von sozialen Nachhaltigkeitsaspekten in Geschäftsprozesse von Unternehmen fördern kann, so die Jurybegründung.

„Dank der großzügigen Unterstützung der Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine und ihres Fördervereins können wir in diesem Jahr zwei Abschlussarbeiten mit dem Nachhaltigkeitspreis dotiert mit jeweils 500 Euro auszeichnen“, sagt Karina Schell, Mitarbeiterin des Green Office.

„Mit dem Nachhaltigkeitspreis möchten wir studentische Beiträge honorieren und herausragende Abschlussarbeiten universitätsweit bekannt machen. Die Auszeichnung soll Studierende motivieren, sich wissenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen“, sagt Karina Schell. Die Mitarbeiterin Julia Witter ergänzt: „Mit diesem Preis betont die Universität Hildesheim den besonderen Stellenwert des fachbereichsübergreifenden Themas „Nachhaltigkeit“ in der Ausbildung der Studierenden und den Anspruch, als Universität zur Lösung dringender gesellschaftlicher Probleme beizutragen.“

Der Preis wird auch im nächsten Jahr wieder vergeben. Die Bewerbung auf den Nachhaltigkeitspreis ist bis zum 1. Dezember 2019 möglich, detaillierte Informationen finden Sie zeitnah auf der Homepage des Green Office.

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news-15918 Wed, 02 Jan 2019 08:03:00 +0100 Masterstudium: Universität Hildesheim bildet Sprachexperten aus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/masterstudium-universitaet-hildesheim-bildet-sprachexperten-aus/ Die Professorinnen Beatrix Kreß und Elke Montanari bilden Expertinnen und Experten aus, die die deutsche Sprache und Kultur unterrichten – etwa in Sprachkursen, an Schulen oder an Universitäten weltweit. Die Universität Hildesheim sucht sprachbegeisterte Studentinnen und Studenten. Studieninteressierte können sich um einen Masterstudienplatz für den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“ bewerben. 

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„Wir nehmen pro Jahr nur 25 Studentinnen und Studenten im Studium 'Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache' auf, es ist eine Gruppe, die sich gut kennt. Wir sind interessiert an den vielfältigen Erfahrungen und Kenntnissen unserer internationalen Studentinnen und Studenten. Wir bemühen uns sehr, am Bühler-Campus ein Studium in persönlicher Atmosphäre zu ermöglichen“, sagt Professorin Elke Montanari.  

Im Studium gibt es zum Beispiel einen Alphabetisierungsschwerpunkt. „In diesem Studienschwerpunkt beschäftigen wir uns damit, wie Kinder und Erwachsene schnell lernen, in deutscher Sprache zu schreiben; von der ersten Alphabetisierung – wie lernen sie die Buchstaben? – bis zur Textebene. Wenn ein Kind in der Schule in der 8. Klasse ist, reicht es nicht, die Buchstaben zu können, das Kind muss die Aufgabe bewältigen, die Klassenarbeit oder den Aufsatz schreiben können. Wie kommt man da hin? Die Absolventinnen und Absolventen unseres Studiengangs erwerben auch die Qualifikation, in Sprachkursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu unterrichten, das heißt sie dürfen ohne weitere Zusatzqualifikation in Alphabetisierungskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge lehren“, so Montanari.

Lehramtsstudierende des „Master of Education“ können den Master „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) auch im Parallelstudium studieren, es gibt umfangreiche Möglichkeiten der Anrechnung, das Schulpraktikum wird zum Beispiel angerechnet, erläutert Montanari. Die Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten fühlen sich damit besser vorbereitet auf ihre zukünftige Arbeit an Schulen, so die Sprachwissenschaftlerin. Es ist möglich, die beiden Masterstudiengänge Lehramt und DAZ zu kombinieren, wir haben einen Kombinationsplan mit umfangreichen Anrechnungsmöglichkeiten ausgearbeitet. 

„Wer sich ein internationales Leben vorstellen kann, für den ist dieser Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache eine Option. Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel als Deutschlehrer an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen im Ausland. Sie organisieren aber auch Sprachangebote im Inland“, sagt Professorin Beatrix Kreß. 

In der Praxisphase absolvieren Studentinnen und Studenten mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ Auslandspraktika an Partnerhochschulen weltweit. „Wir haben enge Beziehungen zu Universitäten in Miskolc in Ungarn und Siauliai in Litauen, zur Universität Modena in Italien, zur Universität Zhejiang in Hangzhou in China und Toluca in México. Einige Studierende unterrichten die deutsche Sprache an Hochschulen, andere sind zum Beispiel an internationalen Schulen und bei Goethe-Instituten tätig. Sie sammeln und reflektieren Erfahrungen im Bereich der Sprachvermittlung, der Unterrichtsplanung und der Sprachstandsdiagnose und Förderung“, so Beatrix Kreß.

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Der Studienbeginn ist im Sommersemester 2019. Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte: Masterstudium DAZ/DAF.

Studium „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

Mit einem interdisziplinären Modul an der Schnittstelle zu „Deutsch als Zweit-/Deutsch als Fremdsprache“ wird an der Universität Hildesheim noch ein weiterer Masterstudiengang angeboten: Der Masterstudiengang „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ bildet Expertinnen und Experten für die interkulturelle Kommunikation aus, die mit gesprochener und geschriebener Sprache in unterschiedlichen Institutionen – zum Beispiel der öffentlichen Hand, in Nichtregierungsorganisationen oder in Institutionen der Wirtschaft – handeln. Auch dieser Studiengang lässt im Sommersemester 2019 Studierende zu.

Der Studienbeginn ist im Sommersemester 2019. Weitere Informationen über den Studiengang finden Sie online: Masterstudium „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

Kontakt bei Fragen:

Wer Fragen zum Studium im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ hat, kann Prof. Dr. Elke Montanari vom Institut für deutsche Sprache und Literatur kontaktieren (elke.montanari(at)uni-hildesheim.de). Bei Fragen rund um den Studienschwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ und zum Studium „Internationales Informationsmanagement: Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Beatrix Kreß (kressb(at)uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Stephan Schlickau (stephan.schlickau(at)uni-hildesheim.de) vom Institut für Interkulturelle Kommunikation.

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Pressemeldungen
news-15934 Wed, 02 Jan 2019 07:47:00 +0100 Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/professorin-ursula-bredel-ist-mitglied-der-deutschen-akademie-fuer-sprache-und-dichtung/ Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Es ist das erste Mal, dass einer Deutschdidaktikern diese Ehre zuteil wird. Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt in Hildesheim. In der Akademie wird sie mit rund einhundertachtzig Mitgliedern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens zusammenarbeiten. Die Arbeitsschwerpunkte von Professorin Ursula Bredel liegen in den Bereichen Grammatik, Orthographie und Erzählen, jeweils unter fachlicher und didaktischer Perspektive. Die Sprachwissenschaftlerin lehrt und forscht seit 2010 am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Mit ihrer Arbeit an der Universität in Hildesheim trägt Ursula Bredel zur Professionalisierung der Lehrerbildung im Bereich des Sprachunterrichts bei.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung entstand 1949 als ein Ort des freien Gesprächs nach den Jahren der Diktatur und als eine unabhängige Instanz, die an die verfolgten und verstummten Schriftsteller erinnerte – etwa durch die Wiederentdeckung und Veröffentlichung ihrer Werke. Seit 1951 verleiht die Akademie den Georg-Büchner-Preis.

Der Akademie gehören namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Kritikerinnen und Kritiker sowie Übersetzerinnen und Übersetzer an, ebenso Fachleute aus den Sprach- und Literaturwissenschaften und Naturwissenschaften, deren Arbeit sich durch ein besonderes Interesse an der Sprache auszeichnet. Die rund einhundertachtzig Mitglieder kommen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens.

Eine Aufgabe der Akademie besteht darin, die Sprachentwicklung in der Verbindung von sprachwissenschaftlicher, literarischer und literaturkritischer Kompetenz aufmerksam zu begleiten; vergessene oder marginalisierte Literatur durch ihre Veröffentlichungen wieder ins Gespräch zu bringen und sich für den freien Austausch der Meinungen in Wort und Schrift einzusetzen und zu einer differenzierten Debattenkultur beizutragen.

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Deutsche Sprache Fachbereich 3 Pressemeldungen Startseite Forschung
news-6219 Mon, 10 Dec 2018 08:34:33 +0100 Gastwissenschaftlerin aus Salamanca: Literaturwissenschaftlerin Patricia Cifre Wibrow https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/gastwissenschaftlerin-aus-salamanca-literaturwissenschaftlerin-patricia-cifre-wibrow/ Mit Unterstützung aus der Bürgergesellschaft gelangen internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler nach Hildesheim. Zum dritten Mal vergibt die Universität Hildesheim das „Wippermann Fellowship“. Das Stipendium erhält Professorin Patricia Cifre Wibrow von der Universidad de Salamanca. Das Ehepaar Jutta und Professor Burkhard Wippermann hat 2017 erstmals in Kooperation mit der Universität Hildesheim ein „Wippermann Fellowship” für internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler gestiftet. Das Stipendium beinhaltet eine individuelle Förderung, die dem Gastwissenschaftler Freiräume und Ressourcen für die Durchführung von Forschungs- und Lehrvorhaben an der Universität Hildesheim ermöglicht. Das Stipendium wird in jedem Studienjahr vergeben und ermöglicht einen Aufenthalt in Hildesheim maximal für die Dauer eines Semesters. Die Universität hat das Programm entwickelt, um die mehrsprachige Lehre zu stärken.

Dank des „Wippermann Fellowship” arbeitet derzeit die spanische Wissenschaftlerin Professorin Patricia Cifre Wibrow am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hält einen öffentlichen Vortrag [Information als PDF], über das Comeback des Familienromans als Symptom eines neuen Zeitgefühls. In den jüngsten Familienromanen, so ihre These, kommt es zu einer Neuordnung der Beziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vor allem wird die Gegenwart wieder verstärkt an die Vergangenheit angekoppelt. Für die zunehmende Attraktivität rückwärtsgewandter Zukunftsbilder, von denen auch der Aufschwung der Populismen zeugt, macht die Wissenschaftlerin die wachsenden Globalisierungsängste verantwortlich.

Während ihres einmonatigen Aufenthaltes an der Universität Hildesheim (bis 22. Dezember 2018) wird die Professorin an ihrem Buch über die literarische Darstellung der spanischen und deutschen politischen Transformationsprozesse arbeiten.

Professorin Patricia Cifre Wibrow hat 2015 gemeinsam mit dem Hildesheimer Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen und Professor Arno Gimber aus Madrid eine Kooperation deutscher und spanischer Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler ins Leben gerufen. Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland im Rahmen von internationalen Tagungen in Salamanca und Hildesheim [zum Artikel]  auseinander. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Fachleute aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Eine dritte Tagung wird 2020 in Madrid stattfinden. „Hier liegt der Fokus auf der Erforschung der Konfigurationen bezeihungsweise der Mischungsverhältnisse von Fakten und Fiktionen in Literatur, Theater und Film“, sagt Professor Tholen. „Unsere gemeinsamen Forschungsthemen bewegen sich darüber hinaus im Kontext der Erforschung von autobiographischem Schreiben und Familienromanen.“

Die Universität in Salamanca gehört zu den ältesten Universitäten in Europa. Patricia Cifre Wibrow forscht und lehrt am dortigen Institut für Germanistik und ist Koordinatorin des Studiums für deutsche Philologie. In ihrer vergleichenden Forschung hat sich die Wissenschaftlerin früh mit der Erinnerungspolitik in ihrem Land und mit der deutschen Erinnerungskultur beschäftigt. „Dank des Forschungsaufenthalts bin ich in der Lage, wieder auf Tuchfühlung zur deutschen Sprache zu gelangen, das ist für mich als Philologin sehr bedeutsam, so Cifre Wibrow.

Interessierte, die die Universität Hildesheim im Rahmen von internationalen Stipendienprogrammen unterstützen möchten, können sich an Vizepräsident Professor Martin Schreiner (martin.schreiner@uni-hildesheim.de) wenden.

Wippermann-Fellowship: Öffentlicher Vortrag der Literaturwissenschaftlerin

Wann? Dienstag, 11. Dezember 2018, 18:00 Uhr

Wo? Forum am Hauptcampus, Raum N 009, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim

Thema des Votrags: Die Spur der Nachfolge. Das Comeback des Familienromans als Symptom eines neuen Zeitempfindens.

Programm:

  • Begrüßung: Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang-Uwe Friedrich Präsident der Stiftung Universität Hildesheim
  • Vorstellung der Referentin: Prof. Dr. Toni Tholen Institut für deutsche Sprache und Literatur
  • Vortrag: Prof. Dr. Patricia Cifre Wibrow, Universidad de Salamanca
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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-14672 Mon, 03 Dec 2018 19:17:00 +0100 Sprachdidaktik: Juniorprofessor Sören Ohlhus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachdidaktik-juniorprofessor-soeren-ohlhus/ Sören Ohlhus forscht und lehrt als Juniorprofessor für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik an der Universität Hildesheim. Der Sprachwissenschaftler befasst sich mit Gesprächsforschung sowie Schreibentwicklung und untersucht Lehr-Lern-Interaktionen. Die Arbeitsschwerpunkte von Sören Ohlhus liegen in den Bereichen Gesprächsforschung, insbesondere die Untersuchung von Lehr-Lern-Interaktionen, sowie Forschung zu Diskurserwerb und Schreibentwicklung. Der Juniorprofessor untersucht unter anderem, wie sich Sprache, Gesten und die materielle Umwelt in der Kommunikation gegenseitig beeinflussen und wie dadurch Lernprozesse angestoßen werden können.

„In meinem Beruf geht es darum, die Erkenntnisse der Sprachwissenschaft für Lernprozesse im Unterricht fruchtbar zu machen. Die Strukturen der Sprache und die vielen Möglichkeiten, sie zu verwenden und über sie nachzudenken, sind dabei ein vielseitiger Lerngegenstand“, so Sören Ohlhus. „Die Sprache ist ein zentrales Medium des Lernens in allen Fächern. Und das macht die Verbindung von Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik so spannend.“

Ohlhus forscht und lehrt seit dem Sommersemester 2017 als Juniorprofessor für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik im Institut für deutsche Sprache und Literatur in Hildesheim.

Wie kann man kommunikative Prozesse in einem Klassenraum beschreiben?

An der Universität Hildesheim gefällt ihm vor allem, „dass hier bereits viel und aus der Perspektive ganz unterschiedlicher Fächer dazu geforscht wird, was in schulischen Unterricht eigentlich konkret passiert, wie man die komplexen kommunikativen Prozesse in einem Klassenraum überhaupt erfassen und beschreiben kann. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten“, so Ohlhus.

„Auf dieser empirischen Basis lassen sich neue Konzepte für den Unterricht entwickeln – nicht zuletzt auch in Zusammenarbeit mit angehenden Lehrerinnen und Lehrern in den eigenen Seminaren.“

„Mir wurde beim Transkribieren von Gesprächsaufnahmen klar , was es für ein Wunder ist, dass die Leute sich verstehen“

Sören Ohlhus ist 44 Jahre alt, geboren in Elmshorn, und hat Germanistik, Philosophie und Informatik an der Universität Hamburg studiert. „Ein wichtiger Moment in meiner wissenschaftlichen Karriere war, als mir beim Transkribieren von Gesprächsaufnahmen klar wurde, was es für ein Wunder ist, dass die Leute sich überhaupt verstehen. Den sich daraus ergebenden Fragen bin ich nach wie vor auf der Spur“, so Ohlhus.

Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik hat, erreicht Prof. Dr. Sören Ohlhus unter ohlhus@uni-hildesheim.de.

Antrittsvorlesung

In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung stellt sich der Sprachwissenschaftler am Mittwoch, 7. November 2018, den Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in sein Forschungsgebiet. In seiner Antrittsvorlesung erläutert Juniorprofessor Sören Ohlhus unter anderem, wie sich Sprache, Gesten und die materielle Umwelt in der Kommunikation gegenseitig beeinflussen und wie dadurch Lernprozesse angestoßen werden können. Der Vortrag mit dem Titel „Sprachliche Zeichen und ihr Umfeld in diskursiven und fachlichen Lernprozessen“ beginnt um 18:00 Uhr am Bühler-Campus der Universität Hildesheim.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Personalportal
news-14294 Mon, 15 Oct 2018 09:00:00 +0200 Bildungswege: „Ich wollte unbedingt wieder studieren“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungswege-ich-wollte-unbedingt-wieder-studieren/ Sajedeh Khabaz Ghazian und ein weiterer Student werden mit einem Stipendium ausgezeichnet. „Die feierliche Übergabe zum Semesterstart ist ein Zeichen für alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Universität fördert besondere Leistungen“, sagt Vizepräsident Professor Martin Schreiner. Zwei Stipendien vergibt der Rotary-Club Hildesheim im neuen Studienjahr an zwei Studierende der Universität Hildesheim. Das Stipendium beinhaltet einmalig 1000 Euro für das Studienjahr Wintersemester 2018/19 und Sommersemester 2019.

Die Rotary-Stipendien Stipendien erhalten Sajedeh Khabaz Ghazian und ein weiterer Student für ihre besonderen Leistungen auf dem Weg in die Wissenschaft. Beide sind ohne Verwandte nach Deutschland gekommen und haben sich in den letzten Monaten und Jahren sehr darum bemüht, in kurzer Zeit die deutsche Sprache so gut zu erlernen, dass sie jetzt ein Studium in Hildesheim aufnehmen können.

„Die feierliche Übergabe zum Semesterstart ist auch ein Zeichen für alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Universität fördert besondere Leistungen“, sagt Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung. Die Universität Hildesheim vergibt bis zu 200 Stipendien im Studienjahr, darunter das „Deutschlandstipendium“, das „Lore-Auerbach-Stipendium“ sowie das Stipendium im „Minerva-Kolleg“. „Wir sind froh und dankbar, dass es Menschen in der Region Hildesheim gibt, die sich für Bildung engagieren“, sagt Schreiner. Die Universität Hildesheim sucht nun weitere Stifter, die Studentinnen und Studenten auf ihrem Bildungsweg unterstützen.

Sajedeh Khabaz Ghazian studiert ab Oktober 2018 Lehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch in Hildesheim. In den letzten Monaten fuhr sie täglich von einer kleinen niedersächsischen Stadt mit Bus und Bahn über Hannover bis nach Hildesheim. Ihr Ziel: der Sprachkurs an der Universität Hildesheim. Nun startet sie im Oktober in ihr Lehramtsstudium. „Ich lebe seit fünf Jahren in Deutschland. In Iran habe ich bereits Englisch studiert und unterrichtet. Als ich in Niedersachsen ankam, wollte ich unbedingt wieder studieren – das war immer mein Ziel. Anna Pulm vom International Office hat mich auf dem Weg an die Universität sehr unterstützt und beraten. In einem Schulpraktikum habe ich die Freude gefunden, mit Kindern zu arbeiten. Ich mag Sprachen, spreche Persisch, Deutsch und Englisch. Ich möchte unbedingt die deutsche Sprache beherrschen, ich werde viele Vorlesungen in Literatur- und Sprachwissenschaft besuchen“, sagt die 34-Jährige.

Dr. Marina Hohage, Präsidentin des Rotary Clubs Hildesheim, über die Rotary-Stipendien:

„Der Rotary Club Hildesheim hat die Förderung junger Menschen zu seinem besonderen Schwerpunkt erklärt. Der gleichmäßige Zugang zur Bildung und beruflicher Perspektive steht dabei im Vordergrund. Studierende, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, haben nicht selten besondere Hürden zu bewältigen. Dies wird auch bei den in diesem Jahr ausgewählten Stipendiaten deutlich, die ohne ihre Eltern zu uns gekommen sind, sprachliche Barrieren überwinden mussten und bei allen zu organisierenden Details auf sich allein gestellt sind. Beide Stipendiaten haben mit beachtlichem Tempo und Erfolg die deutsche Sprache erlernt, engagieren sich ehrenamtlich an Schulen oder im kirchlichen Bereich und haben durch die Teilnahme an Vorbereitungskursen sowie regelmäßig lange Anreisewege enorme Anstrengungen aufgezeigt, um an der Stiftung Universität Hildesheim studieren zu können. Beide Studierende unterstützen wir sehr gerne und hoffen, damit einen Beitrag leisten zu können, dass sie an der Universität Hildesheim ihren erfolgreichen Weg fortsetzen können“, so Marina Hohage.

Studierende mit einem Stipendium unterstützen

Wer Studierende mit einem Stipendium unterstützen möchte, kann sich direkt an Markus Langer (05121 883 90130, markus.langer@uni-hildesheim.de) oder Prof. Dr. Martin Schreiner (05121 883 11102, martin.schreiner@uni-hildesheim.de) wenden.

Stiftungskultur an der Universität Hildesheim

Die Universität Hildesheim ist Träger des Deutschen Hochschulfundraisingpreises 2018. Der Deutsche Hochschulverband hat die Stiftungskultur in Hildesheim ausgezeichnet. Hildesheimer Bildungsstifterinnen und Bildungsstifter – Bürger aus der Stadt und Region sowie Unternehmen und Stiftungen – tragen mit ihren Spenden dazu bei, dass Bildungswege junger Menschen unterstützt und neue Forschungsgebiete ausgebaut werden können.

Übersicht über Stipendienprogramme der Universität Hildesheim

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news-14296 Mon, 15 Oct 2018 07:34:00 +0200 Mehrsprachigkeit in der Unterrichtsforschung: Kooperation mit der Ain Shams Universität Kairo https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrsprachigkeit-in-der-unterrichtsforschung-kooperation-mit-der-ain-shams-universitaet-kairo/ Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Frage, die die Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler verbindet ist die Mehrsprachigkeit in Schulen und in der Gesellschaft. Mehrsprachigkeit im Unterricht als ein Thema, das über die Kontinente hinausreicht – das ist die Grundidee der Forschungskooperation zwischen dem Zentrum für Bildungsintegration, dem Institut für deutsche Sprache und Literatur und dem Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität Hildesheim mit der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität in Kairo, Ägypten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert über zwei Jahre den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und dem wissenschaftlichen Nachwuchs, der von der Universität Hildesheim aus von den Professorinnen Elke Montanari und Beatrix Kreß betreut wird.

Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Woche lang (vom 8. bis 12. Oktober 2018) tauschen sich die Wissenschaftlerinnen Dr. Heba Ahmed Mahmoud Emam und Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim sowie die Wissenschaftler Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Dr. Basem Schoaib, Dr. Abdelrahman Nagi und von der Ain Shams Universität mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Hildesheim aus.

Ziel der Gespräche ist es, Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Lehre zu diskutieren und den wissenschaftlichen internationalen Austausch in der Lehrerbildung zu befördern. Wie lässt sich zum Beispiel das Studium institutionell verknüpfen? Vorbilder können die gemeinsamen Studienprogramme der Universität Hildesheim mit der Pai Chai University in Daejeon und der Chungbuk National University in Chungbuk in Südkorea in den Informationswissenschaften, mit der Staatlichen Universität Nowgorod in Russland in den Sprachwissenschaften und mit der Université de Provence in Marseille in Frankreich in den Kulturwissenschaften sein. Ein Teil des Studiums absolvieren die Studierenden in Hildesheim und einen Teil an der jeweiligen Partneruniversität.

Eine Frage, die an den Universitäten in Kairo und Hildesheim diskutiert wird, betrifft die Rolle der Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht. Sollte Mehrsprachigkeit einbezogen werden, weil es das Sprachenlernen befördert, wenn Erst- und neue Sprachen verknüpft werden? Oder sollte möglichst viel Zeit mit der neu zu lernenden, deutschen Sprache zur Verfügung stehen? Welche Rolle darf und soll Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht einnehmen?

In diesem Jahr war als erster Gaststudent bereits Hassan Reyad aus Kairo für ein Semester in Hildesheim, um seine Masterarbeit zu beenden, er kehrte mit einem fertigen Dokument und vielen neuen Kontakten zurück nach Kairo, so Elke Montanari. „Wir arbeiten auch im Bereich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zusammen und betreuen gemeinsam eine Doktorandin. Wir haben in Kairo und Hildesheim gemeinsame wissenschaftliche Biografien – die Funktionale Pragmatik verbindet uns.“

Die beiden Universitäten in Kairo und Hildesheim unterzeichnen im Oktober 2018 ein „Memorandum of Understanding“, darin heißt es:

„Ain Shams University and the University of Hildesheim believe that mutual benefit can be derived from scholarly interaction, cultural interchange, co-operative research, and other forms of academic collaboration. Therefore, both parties agreed on the following: The Parties see advantages in the development of strong academic links and relationships and agree in principle to enter into discussions to establish ties of friendship and cooperation for the purpose of promoting mutual understanding and academic, cultural and personal exchange in various sectors and disciplines. […]”

Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Kairo

El Sayed Selmy Madbouly ist Professor an der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Zuvor hat der Sprachwissenschaftler in Hamburg und Siegen promoviert. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Grammatik als kontrastive Linguistik. Zwei Jahre hat er am Landesspracheninstitut Bochum und acht Jahre an einer Sprachen- und Übersetzungsfakultät in Saudi-Arabien gearbeitet. Er sagt:

„Mit Professorin Montanari habe ich das Kooperationsprojekt zwischen Hildesheim und Kairo beantragt. Gemeinsam möchten wir die Lehrerausbildung im mehrsprachigen Kontext ausbauen. Der Zwecke der Reisen ist, sich eng abzusprechen, was wir in der Zukunft gemeinsam in Forschung und Lehre machen können.

Mehrsprachigkeit ist ganz klar da – schauen Sie in die Klassenzimmer in deutschen Schulen, es ist wichtig, dass man den sprachlichen und kulturellen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler kennt, bevor man unterrichtet. Bei uns in Ägypten ist der deutsche Arbeitsmarkt auch eine Berufschance für Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer, viele Ägypter sind jetzt in Deutschland und unterrichten geflohene Syrer. In Ägypten ist die deutsche Sprache sehr verbreitet, es gibt siebzehn deutsche Abteilungen an den staatlichen Universitäten, die privaten nicht eingerechnet. Wir versuchen, unsere Studentinnen und Studenten durch die Literatur zum Sprechen zu bringen. Unser Ziel ist, dass auch die deutschsprachige Literatur zur Förderung der Sprachfähigkeit führt.

Kairo ist eine riesige Stadt – wir freuen uns auf Hildesheim als kleine Stadt. Man kann die Stadt zu Fuß einfach besichtigen und Natur erleben – das ist wirklich anders als in Kairo. Ich genieße die Ruhe hier in Hildesheim.“

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim, Kairo

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim arbeitet als Oberassistentin der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Ihre Doktorarbeit möchte sie an den Universitäten Hildesheim und Kairo schreiben. Sie sagt:

„Ich habe meine Abschlussarbeit über das alltägliche Erzählen in arabischer und deutscher Sprache geschrieben. Jetzt arbeite ich an meiner Doktorarbeit. Das Thema meiner Arbeit ist ‚Präsuppositionmarker im Deutschen und Arabischen‘. Der kontrastive Vergleich zweier Sprachen ist immer interessant. Das finde ich toll, in der Forschung gelangt man zu Perspektiven und Erkenntnissen in beiden Sprachen. Die Forschungserkenntnisse sollen beim Deutschunterricht helfen. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die Sprachen verstehen, ist es einfacher zu unterrichten.

Die Kooperation zwischen der Ain Shams Universität in Kairo und der Universität in Hildesheim ist eine Chance. Unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst können wir unsere gemeinsame Arbeit im Bereich der Mehrsprachigkeit stärken – auf verschiedenen Ebenenen, es entstehen gemeinsame Publikationen. Wir sprechen über die Zusammenarbeit in Studiengängen oder in der Forschung. Heutzutage sind die Begegnungen wichtig.

Meine Hoffnung ist, dass diese Kooperation fortbesteht und dass wir gegenseitig profitieren – auf der kulturellen und wissenschaftlichen Seite. Wir möchten auch ein Vorbild für andere Universitäten sein, internationale Kooperationen zu pflegen. Ich bin das erste Mal in Hildesheim und freue mich sehr, dass ich in Hildesheim sein kann. Es ist eine große Chance, ich lerne von den Kollegen vieles und hoffe, im Laufe der Zeit kann ich etwas zurückgeben.“

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Interkulturelle Kommunikation Deutsche Sprache Fachbereich 3 Zentrum für Bildungsintegration Startseite Forschung
news-15186 Mon, 06 Aug 2018 17:54:00 +0200 „Wer mehrsprachig lebt, stellt vielfältige Querbezüge zwischen Sprachen her“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/wer-mehrsprachig-lebt-stellt-vielfaeltige-querbezuege-zwischen-sprachen-her/ An der Universität Hildesheim bildet die Sprachwissenschaftlerin Professorin Elke Montanari Experten für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind an Schulen und in Verlagen tätig, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Jetzt bewerben bis zum 1. September 2018.

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“. Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus. und ist die stellvertretende Studiengangsleiterin des Studiengangs „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“, der von Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur entwickelt wurde.

Im Interview spricht Professorin Elke Montanari über die Inhalte des Studiengangs und Sprachforschung.

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Montanari

Die Universität bildet Experten für den Bereich Deutsch als Zweitsprache aus. Warum haben Sie das Studienangebot gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Interkulturelle Kommunikation und vom Institut für deutsche Sprache und Literatur entwickelt?

Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs – es reicht nicht, nur eine Sprache zu erlernen. Wir untersuchen: Wie werden die sprachlichen Mittel eingesetzt, um etwas zu erreichen – etwa in der Schule, in der Kindertagesstätte, in einem Unternehmen oder im Fremdsprachenunterricht.

Was ist besonders an dem Masterstudiengang in Hildesheim?

Wir haben unter anderem einen Alphabetisierungsschwerpunkt. In diesem Studienschwerpunkt beschäftigen wir uns damit, wie Kinder und Erwachsene schnell lernen, in deutscher Sprache zu schreiben; von der ersten Alphabetisierung – wie lernen sie die Buchstaben? – bis zur Textebene. Wenn ein Kind in der Schule in der 8. Klasse ist, reicht es nicht, die Buchstaben zu können, das Kind muss die Aufgabe bewältigen, die Klassenarbeit oder den Aufsatz schreiben können. Wie kommt man da hin? Die Absolventinnen und Absolventen unseres Studiengangs erwerben auch die Quailifikation, in Sprachkursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu unterrichten, das heißt sie dürfen ohne weitere Zusatzqualifikation in Alphabetisierungskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehren.

„Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs“

Aus welchen Bereichen kommen die Studentinnen und Studenten? Gibt es unterschiedliche Wege in das Studium?

Wir nehmen pro Jahr nur 25 Studentinnen und Studenten auf, es ist eine Gruppe, die sich gut kennt.. Wir sind interessiert an den vielfältigen Erfahrungen und Kenntnissen unserer internationalen Studentinnen und Studenten. Wir bemühen uns sehr, am Bühler-Campus ein Studium in persönlicher Atmposphäre zu ermöglichen. Wir haben Studierende aus aller Welt, aus Asien, aus Südamerika, die Deutsch als Fremdsprache zum Beispiel in China studiert haben und auf ihrem Studium mit dem Master in Deutschland aufbauen. Dann haben wir Studierende im Lehramt, die den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache“ zusätzlich zum Lehramtsstudium „Master of Education“ im Fach Deutsch studieren und sich damit besser vorbereitet fühlen auf ihre zukünftige Arbeit an Schulen. Es ist möglich, die beiden Masterstudiengänge Lehramt und DAZ zu kombinieren, wir haben einen Kombinationsplan mit umfangreichen Anrechnungsmöglichkeiten ausgearbeitet. Außerdem lernen hier Studierende, die zum Beispiel Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen oder andere sprachnahe Studiengänge im Bachelor studiert haben und die sich stärker und qualifiziert mit dem Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf gesellschaftliche Fragestellungen rund um Sprachen vorbereiten wollen.

Mit welchen Themen beschäftigen sich die Studentinnen und Studenten in den zwei Jahren zum Beispiel?

Wir befassen uns im Orientierungssemester mit der Sprachbeschreibung – wie kann man eigentlich die deutsche Sprache beschreiben, wie viele Fälle hat die Sprache, flektiert sie oder nicht? Ab dem ersten Semester setzen wir uns mit dem Unterricht in mehrsprachigen Lerngruppen auseinander. Neben dem didaktischen Schwerpunkt, dem Unterricht in ganz unterschiedlichen Lernkonstellationen in Deutschland und in aller Welt, geht es um die Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit und interkultureller Kommunikation, wir verzahnen Praxis und Theorie. Im Aufbausemester wird die Kommunikationsanalyse eingeführt, die Studierenden beobachten authentische Diskurse und analysieren diese. Sie setzen sich darüber hinaus mit Lehrmitteln und Medien für den Unterricht auseinander und befassen sich mit der Diagnose und Überprüfung von Sprachständen: Wie wird eigentlich festgestellt, wie gut jemand Deutsch kann, welche unterschiedlichen Verfahrensweisen gibt es und welche Vor- und Nachteile haben diese? Daran schließt sich ein Praxissemester an. Eine Studentin geht zum Praktikum nach Zypern, ein Student geht nach Vietnam, die Studentinnen und Studenten absolvieren ihre Praktika an Sprachschulen, im Goethe-Institut oder bei Verlagen, das ist ganz unterschiedlich und orientiert sich an den Interessen der Studierenden.

Wie arbeiten Sie international mit Kooperationspartnern zusammen?

Wir pflegen viele internationale Kontakte, ich greife einmal ein Beispiel heraus. Wir kooperieren mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten. Die Universität mit 220.000 Studierenden ist sehr groß, an der deutschen Abteilung in Kairo gibt es einen wissenschaftlichen Schwerpunkt, den es in Hildesheim so auch gibt. Wir beschäftigen uns in der Kooperation zum Beispiel mit Handlungsmustern in Bewerbungsgesprächen, im Unterricht, wie wird die Sprache angewendet? Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt unser Forschungsprojekt, wir setzen uns mit Mehrsprachigkeit in der Lehrerbildung in Deutschland und Ägypten auseinander. Eine Delegation aus Hildesheim war im Frühjahr in Ägypten, eine Delegation aus Kairo wird uns im Oktober in Hildesheim besuchen.

„Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt“

Die Studierenden befassen sich auch mit dem Thema Multikompetenz. Wie können denn Mehrsprachige besondere Fähigkeiten einsetzen, ob im Beruf, in der Ausbildung und Schulzeit oder im Alltag?

Das ist ein Begriff von Vivian Cook. Ein sehr einfaches Verständnis von Mehrsprachigkeit ist das additive Konzept: Man lernt eine Sprache, dann kommt noch eine Sprache hinzu, oder vielleicht nur eine halbe Sprache – als würden Sprachen nebeneinander stehen. Dem ist natürlich nicht so. Multikompetenz bedeutet, dass Menschen, die in mehreren Sprachen leben, vielfältige Querbezüge herstellen. Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt. Wir beobachten Wirkungen der Sprachen untereinander. Aus dem sprachlichen Wissen werden diejenigen Begriffe und sprachlichen Mittel herausgesucht, die in dem Moment für die sprachliche Handlung besonders wertvoll sind. In der wissenschaftlichen Kommunikation ist das üblich, dass italienischsprachige und spanischsprachige Personen in einer Diskussion miteinander alle sprachlichen Mittel einsetzen, ohne dass jemand sagt: „Halt, das Wort darf man nicht verwenden.“ Kann man das für die Schule nutzbar machen? Wir haben gerade in Deutschland die Situation, dass ältere Jugendliche in die Schule kommen, und noch während sie in die Schule kommen, schon Fachlernen bewältigen müssen. Da stellt sich die Frage: Wie kann ich fachlich anspruchsvoll unterrichten, wenn die sprachlichen Mittel zwar schon erworben sind, aber noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um komplexe Themen in der Sekundarstufe I zu bearbeiten. Es geht mir darum, die spezifische Kompetenz mehrsprachiger Kinder und Erwachsener zu begreifen. Ich beschäftige mich zum Beispiel mit der Frage, wie man die Sprachenvielfalt in den Unterricht einbinden kann, welchen Sinn das hat und wo es vielleicht nicht funktioniert.

Einige Absolventen gehen ins Ausland, um die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten

Wie sind die bisherigen Erfahrungen, welche beruflichen Perspektiven stehen den Absolventinnen und Absolventen Ihres Studiengangs offen? Welche Wegen können nach dem Studium folgen?

Die Aussichten sind sehr gut – uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben. Die Berufsfelder, in denen unsere Absolventen tätig sind, sind vielfältig – einige gehen im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ ins Ausland, um dort die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten. Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen unsere Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig. Unsere Lehramtsstudierenden sind sehr gefragt als Lehrkräfte an öffentlichen Schulen. Und einige lehren und forschen an Universitäten, gerade habe ich eine Promotionsstelle ausgeschrieben.

Bis wann ist eine Bewerbung möglich? Wann beginnt das Studium? Und können Berufstätige das Masterstudium mit dem Beruf kombinieren?

Eine Bewerbung um einen Masterstudienplatz ist bis zum 1. September 2018 möglich. Bewerbungen sind willkommen! Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, wir bieten Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an. Zudem können Lehramtsstudierende des „Master of Education“ den Master „Deutsch als Zweitsprache“ auch im Parallelstudium studieren, es gibt umfangreiche Möglichkeiten der Anrechnung, das Schulpraktikum wird zum Beispiel angerechnet.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte: Weitere Informationen.

Kontakt bei Fragen

Wer Fragen zum Masterstudiengang hat, kann Prof. Dr. Elke Montanari kontaktieren via elke.montanari@uni-hildesheim.de.

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news-16855 Fri, 27 Jul 2018 16:10:00 +0200 Auch Henrik Behmenburg bleibt ein Grizzly https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/auch-henrik/ Der Mittelblocker der Grizzlys will an der Universität Grundschul-Lehramt studieren. Pressespiegel regional Sportwissenschaft Deutsche Sprache news-14924 Mon, 09 Jul 2018 09:01:00 +0200 Fakten und Fiktionen in den Künsten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/fakten-und-fiktionen-in-den-kuensten/ Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland auseinander. Im Interview spricht der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen über Fakten und Fiktionen in den Künsten und über die „Kultur der Wahrheit und Verlässlichkeit“ in der Gesellschaft. Professor Toni Tholen lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. In Hildesheim kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Hildesheim, Madrid (Complutense) und Salamanca zusammen und stellen Forschungserkenntnisse zu Fakten und Fiktionen in den Künsten vor. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Fachleute aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Interview mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Toni Tholen

Herr Professor Tholen, wir leben in einer Zeit, in der gesellschaftlich stark über Fiktion und Fakten etwa in Zusammenhang mit politisch-gesellschaftlichen Ereignissen debattiert wird. Die Literaturwissenschaft kennt Fakten und Fiktionen seit jeher. Wie blickt ein Literaturwissenschaftler denn auf gesellschaftliche Debatten rund um Fake News?

Im Rahmen literaturwissenschaftlicher Analyse ästhetischer Phänomene blicke ich neugierig auf Fact-Fictions, das heißt auf bisweilen uneindeutige, kaum entwirrbare Mischungen von Fakten und Fiktionen in der Literatur und in anderen künstlerischen Medien. Natürlich kann es sich dabei auch um als Fakten ausgegebene Fiktionen handeln. Diese sind übrigens längst nicht immer als Fake News im gegenwärtig in der Öffentlichkeit intensiv diskutierten Sinne zu verstehen, denn sie haben in den allermeisten Fällen keine schädigende Wirkung. Das ist bei Fake News, die durch die sozialen Medien verbreitet werden, in Bezug auf Personen oder Institutionen anders. Ihre sich offenbar rasant vermehrende Verbreitung zu manipulativen Zwecken, zur Denunziation oder zur Steuerung politischer Ziele ist hochgefährlich und macht mich sehr besorgt. Sie trägt zu einer umfassenden Vertrauenskrise in der Öffentlichkeit bei. Nicht umsonst gehen viele Medien nun in die Offensive und ergreifen Maßnahmen, die die Unterscheidbarkeit von Fakten und Fiktionen (im Sinne von Unwahrheit und bloßer Erfindung) sichern, auch dadurch, dass sie sich mithilfe von Anzeigen und Kampagnen gegen die massenhafte Verbreitung falscher Informationen und Nachrichten wenden und im Gegenzug etwa für einen seriösen Journalismus eintreten. Das ist dringend nötig. Es geht hier, kurz gesagt, um eine ernsthafte Verteidigung einer Kultur der Wahrheit und Verlässlichkeit, völlig unabhängig davon, was in den Künsten ausprobiert wird.

Sie veranstalten erneut eine spanisch-deutsche Tagung zum Thema „Fakten und Fiktionen im Zwischenraum. Autoästhetische Praktiken im 21. Jahrhundert“. Wen möchten Sie erreichen?

Zunächst einmal handelt es sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Tagung mit Expertinnen und Experten, die sich in der Literatur, im Theater oder auch in Bildmedien sehr gut auskennen. Sie findet im Rahmen einer Forschungs- und Lehrkooperation deutscher und spanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern statt. Die Vorträge, die sich überwiegend mit der Literatur und dem Theater der Gegenwart auseinandersetzen, werden jeweils im Anschluss an die Präsentation von den Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmern diskutiert. Allerdings ist die Tagung offen für ein fachübergreifendes wissenschaftliches Auditorium, in erster Linie für Lehrende und Studierende der Universität.

Wie ist denn das Verhältnis zwischen Fakten und Fiktionen in der Literatur? Und: Können Sie das an einem Beispiel aus Ihrer Forschung einmal erläutern?

Komplex und kompliziert zugleich. Ich will gleich mal ein Beispiel anführen. Wie ist es zu bewerten, wenn auf dem Buchdeckel ein Roman, also eine Fiktion, angekündigt wird, aber zwischen den Buchdeckeln, also in der erzählten Geschichte ständig der Name der Romanautorin auftaucht? Normalerweise sind realer Autor und Protagonist der Erzählung sowie ihr Erzähler in Autobiographien identisch. Es handelt sich bei Autobiographien gattungstheoretisch allerdings zunächst einmal um faktuale Texte. Also fragt sich die Literaturwissenschaft, mit was für einer Mischung von Fakt und Fiktion wir es in solch einem Roman zu tun haben. Zum Beispiel annoncieren Karl Ove Knausgård und Hanns-Josef Ortheil ihre autobiographischen Bücher als Romane. Man hat für solche Mischformen den Begriff der Autofiktion zur Verfügung. Und davon gibt es in der Gegenwartsliteratur unzählig viele Beispiele, auch ein Text wie Hoppe von Felicitas Hoppe zählt dazu. Die Frage ist: Warum sind eigentlich gegenwärtig solche Autofiktionen so prominent? Durch welche kulturellen Rahmungen lassen sich solche oder andere Hybridformen erklären und einordnen?

Fakten und Fiktionen erforschen: Was ist eine zentrale Erkenntnis, zu der Sie gelangt sind?

Mit was wir rechnen müssen, ist, dass es immer schwieriger wird, Gattungen und Formen klar voneinander abgrenzen zu können. Es ist nötig, ein Sensorium und ein begriffliches Instrumentarium dafür zu entwickeln, Mischformen, Hybride, mit denen wir geradezu umstellt sind, zu erkennen, sie einordnen zu können und mit Uneindeutigkeiten, Ambiguitäten produktiv umgehen zu lernen. Vielleicht im Sinne einer gesteigerten Aufmerksamkeit für die Frage nach dem, was faktisch gegeben und was erfunden ist, was echt und was gefälscht, schließlich was wahrhaftig und was bloß vorgetäuscht ist.

Wie Sie zu Beginn bereits ausgeführt haben, ist für den Journalismus die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktionen zentral. Welche Rolle spielt hingegen das Mischverhältnis von Fakten und Fiktionen etwa auf der Bühne oder im Film, wenn Fakten und Fiktionen gemeinsam auftreten?

Keine grundsätzlich andere als in der Literatur. Neueste Filme und Theaterinszenierungen geben etwa vor, nah an der Wirklichkeit zu sein, Wirklichkeit dokumentarisch wiederzugeben. Sie verführen geradezu dazu, das, was man auf der Bühne oder im Kino sieht und hört, als wirklich aufzufassen. Gleichzeitig wird klar, dass das scheinbar Reale, Echte und wirklich Erlebte Produkt komplexer intermedialer Inszenierungen, Simulationen und Konstruktionen ist. Wir werden als Publikum somit ständig aufgefordert, situativ in Aushandlungsprozesse über das, was faktual und was fiktional ist, einzutreten. Denken Sie etwa an die theatralen Inszenierungen von Rimini Protokoll.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Internationale Konferenz

Der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen und die promovierte Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare richten in Hildesheim die binationale Konferenz „Fakten und Fiktionen im Zwischenraum. Autoästhetische Praktiken im 21. Jahrhundert“ gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Hildesheim, Madrid (Complutense) und Salamanca aus.

Die Konferenz findet vom 20. bis 22. Juni 2018 auf dem Kulturcampus in Hildesheim statt (Programm). Der Hildesheimer Theaterwissenschaftler Professor Jens Roselt spricht über Selbstinszenierungen im autobiografischen Theater, Professor Arno Gimber aus Madrid setzt sich mit fiktionalen Provokationen im postdramatischen Dokumentartheater auseinander. Professorin Maria Loreto Vilar Panella aus Barcelona hält den Vortrag „Can you describe this? Zwischen erlebter und erfundener Gulag-Realität in zwei Romanen von Susanne Schädlich und Monika Zgustova“. Professorin Miriam Llamas Ubieto aus Madrird diskutiert über „Das virtuelle Ich im postdigitalen Zeitalter“. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert die Konferenz aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

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news-15438 Thu, 03 May 2018 11:56:00 +0200 Literarischer Salon in der Uni Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/literarische-2/ Der Literarische Salon bietet Gespräche und Lesungen. Die Veranstaltungsreihe startet mit der Autorin Daniela Danz, die aus ihrem Roman "Lange Fluchten" vorliest. Pressespiegel regional Deutsche Sprache Universitätsbibliothek news-14032 Mon, 30 Apr 2018 08:27:00 +0200 Jubiläum: 10 Jahre Lese- und Schreibzentrum an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/jubilaeum-10-jahre-lese-und-schreibzentrum-an-der-universitaet-hildesheim/ Ein Team um Professorin Irene Pieper unterstützt seit zehn Jahren Studierende aller Fachbereiche beim wissenschaftlichen Arbeiten. Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim feiert sein zehnjähriges Bestehen. Die Universität richtet eine Jubiläumstagung zu aktuellen Fragen des Lesens und Schreibens aus. Den hochschulöffentlichen Festvortrag hält der renommierte Linguist Professor Konrad Ehlich. Hier geht's zum Programm der Jubiläumstagung

In diesem Jahr feiert das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim sein zehnjähriges Bestehen. Die Universität richtet am 4. Mai 2018 eine Tagung zu aktuellen Fragen des Lesens und Schreibens in Lehre, Forschung und Beratung aus.

Den hochschulöffentlichen Festvortrag „Wissenschaftlich schreiben. Lernen durch Lesen“ hält der Linguist Professor Konrad Ehlich vom Institut für deutsche und niederländische Philologie der Freien Universität Berlin. Zum Auftakt findet am Donnerstag, 3. Mai 2018, um 18:30 Uhr eine Lesung mit der bekannten Autorin Daniela Danz im Rahmen des Literarischen Salons statt. Daniela Danz liest aus dem Roman „Lange Fluchten“, diese Veranstaltung ist öffentlich.

Die Tagung bietet Gelegenheiten zum Austausch über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven des akademischen Lesens und Schreibens, auch angesichts der tiefgreifenden Wandlungsprozesse in der gegenwärtigen Studien- und Wissenschaftskultur – etwa durch die fortschreitende Internationalisierung und Digitalisierung des Studiums sowie die zunehmende Diversität der Studentinnen und Studenten. Was bedeutet etwa die zunehmende Mehrsprachigkeit an Universitäten für eine diversitätssensible Lese- und Schreibdidaktik? Wie verändern sich Lese- und Schreibprozesse im Zeitalter der Digitalisierung und wie kann man diesen Veränderungen begegnen?

Das akademische Lesen und Schreiben stehe im Zuge der Digitalisierung vor Herausforderungen, sagt Professorin Irene Pieper. „Alltägliche Lese- und Schreibpraktiken haben neue Formen angenommen und vor allem an Tempo gewonnen“, so die Literaturwissenschaftlerin vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. „Ändern sich dadurch zum Beispiel die Lesegewohnheiten gegenüber längeren Texten? Wie steht es um Toleranz gegenüber hoch verdichteten Texten, wenn wir uns durch Informationswelten bewegen, die aus der Kürze und dem Hyperlink heraus leben? Komplexe Texte schreibend zu verarbeiten, war schon immer herausfordernd. Was sich da gegenwärtig tut, übersehen wir noch gar nicht. Es scheint jedenfalls derzeit besonders wichtig, Schreib- und Lesegelegenheiten zu suchen und zu pflegen, die auch geeignet sind, einen langen Atem zu entwickeln und zu kultivieren“, sagt Irene Pieper.

Die Hildesheimer Psychologieprofessorin Renate Soellner spricht auf der Tagung über das wissenschaftliche Arbeiten in der Psychologie. Dr. Wiebke von Bernstorff und Dr. Kerstin Böhm vom Institut für deutsche Sprache und Literatur diskutieren über das Thema „Sprecht! Lest! Schreibt! Möglichkeiten des Lesens und Schreibens in der universitären Lehre“. Über die digitale Leseszene spricht der Literaturwissenschaftler Dr. Guido Graf. Über das Problem, die Fremdsprache Theologie zu beherrschen, diskutiert Theologieprofessorin Christina Kalloch.

An der Tagung können Studierende und Lehrende aller Fachbereiche kostenfrei teilnehmen. Die Konferenz „Wissen schaffen. Lesen und Schreiben im Gespräch“ findet am 4. Mai 2018 am Bühler-Campus, dem Sprachencampus der Universität Hildesheim, statt (Lübecker Str. 1, 31141 Hildesheim).  Die Lesung mit Daniela Danz findet in der Leselounge der Universitätsbibliothek (Universitätsplatz 1) statt,

Veranstaltet wird die Konferenz von Prof. Dr. Irene Pieper, Dr. Ulrike Bohle, Denise Reimann, M.A. und dem Team des Lese- und Schreibzentrums der Universität Hildesheim.

Kurz erklärt

Lese- und Schreibzentrum

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Beratung, Workshops und Schreibgruppen. Studentische Lese- und Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Feedback und Tipps zu Lese- und Schreibtechniken. Studierende können einfach zu den Sprechzeiten kommen oder einen Termin vereinbaren. Mit dem Literarischen Salon leistet das Lese- und Schreibzentrum gemeinsam mit dem Institut für deutsche Sprache und Literatur einen Beitrag zum literarischen Leben der Universität und der Stadt.

Anmeldung: Teilnahme an der Tagung

Für Angehörige der Universität Hildesheim ist die Tagung kostenfrei. Die Veranstalter bitten um verbindliche Anmeldung bis spätestens zum 24. April 2018 (Anmeldeformular online). Bei Fragen zur Tagung ist Denise Reimann vom Institut für deutsche Sprache und Literatur erreichbar unter denise.reimann@uni-hildesheim.de.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-14513 Fri, 09 Mar 2018 15:02:20 +0100 Kita-Alltag: Sprachfördernde Situationen schaffen und nutzen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/kita-alltag-sprachfoerdernde-situationen-schaffen-und-nutzen/ Die Universität und der Landkreis Hildesheim kooperieren seit 2011 und unterstützen 160 frühpädagogische Einrichtungen in Stadt und Landkreis Hildesheim bei der Sprachbildung im Alltag. Das Projekt wird durch das Land Niedersachsen gefördert. Alltagsintegrierte Sprachbildung und Sprachförderung sind elementar wichtige pädagogische Aufgaben in Kitas und Krippen, um allen Kindern eine faire Bildungschance zu ermöglichen, sagt die Psychologin Dr. Ann-Katrin Bockmann von der Universität Hildesheim. Der Landkreis und die Universität Hildesheim unterstützen im Kooperationsprojekt „Kea – Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache“ die Fachkräfte der etwa 160 frühpädagogischen Einrichtungen in Stadt und Landkreis Hildesheim seit mehreren Jahren bei dieser wertvollen Aufgabe.

Neben Studientagen, Fortbildungen, Coaching und Vor-Ort-Beratungen finden regelmäßig zwei Mal jährlich Fachtage zu relevanten Themen statt. Am Dienstag, 13. März 2018, lädt das Kea-Team von 14:00 bis 17:30 Uhr alle pädagogischen Fachkräfte zu einem praxisnahen Fachtag „Es rappelt in der Sprachkiste“ auf den Bühler-Campus der Universität Hildesheim ein. Nach einem Impulsvortrag von Beate Hamilton Kohn aus dem Dialogwerk in Braunschweig erhalten Erzieherinnen und Erzieher in fünf Themenworkshops Anregungen zu rhythmisch-musischer Sprachbildung, Handpuppenspiel sowie Gesprächsführung mit Eltern und Kindern. Es gibt noch wenige freie Plätze, bitte kontaktieren Sie bei Interesse Dr. Ann-Katrin Bockmann (E-Mail kea@uni-hildesheim.de oder bockmann@uni-hildesheim.de).

Die Universität und das Jugendamt erreichen mit dem Sprachförderprojekt rund 90 % der Krippen und Kitas im Landkreis Hildesheim. Ziel ist, mit vielen kleinen und großen Sprechanlässen im Alltag die Sprachbildung in der Kindheit zu fördern, etwa durch Rituale bei denen das Miteinander-Sprechen, Aufeinander-Hören und in Worte-Fassen den Tag durchziehen. Zunächst wurden seit 2011 Kindertagesstätten im Landkreis mit dem Projekt erreicht. Seit dem Kindergartenjahr 2013/2014 ist das Jugendamt des Landkreises auch für die Umsetzung der Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache in Kindertagesstätten im Stadtgebiet Hildesheim zuständig.

Universität und Jugendamt erreichen mit dem Sprachförderprojekt rund 90 % der Kitas im Landkreis Hildesheim

„Wir bilden Erzieherinnen und Erzieher strukturiert und flächendeckend fort und setzen bei dem an, was sich in Praxis und Forschung bewährt hat“, sagt die promovierte Psychologin Ann-Katrin Bockmann. Sie begleitet die Umsetzung wissenschaftlich. Durch Weiterbildung sollen pädagogische Fachkräfte sowie Kita-Leitungen sprachfördernde Situationen und Sprachauffälligkeiten erkennen und Sprache bewusst im Alltag einsetzen. Der Anteil mehrsprachiger Kinder und der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund oder Fluchthintergrund variiert stark zwischen den Einrichtungen sowie städtischem und ländlichen Einzugsgebiet, so Bockmann. Für diese Herausforderung wurden spezielle Fortbildungen entwickelt, die für den Umgang mit Kindern, die Deutsch als zweite Sprache erlernen, vorbereiten.

Das Projekt wird durch das Land Niedersachsen gefördert. Viele der Erzieherinnen und Erzieher bewerten es als positiv, dass sie durch die hilfreichen, praxisnahen Fortbildungen und die Begleitung vor Ort ihr eigenes Handeln reflektieren und ihr Sprachangebot optimieren konnten. Das vorhandene Wissen wird aufgefrischt und im Umgang mit Sprachauffälligen haben sie mehr Sicherheit erhalten. Die freiwilligen Angebote sind überwiegend kostenfrei oder werden mit deutlich ermäßigten Teilnehmergebühren angeboten. Die Themen reichen von Sprachbildung über Sprachstörungen bis zu vertiefenden Einheiten zu Elternarbeit sowie Umgang mit Mehrsprachigkeit und Familien mit Fluchterfahrung.

Anlass für das flächendeckende Sprachförderkonzept ist eine im Mai 2011 in Kraft getretene Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache im Elementarbereich des Landes Niedersachsen sowie eine ebenfalls vom Land Niedersachsen im Juni 2011 veröffentlichte Handlungsempfehlung zur Sprachbildung und Sprachförderung im Elementarbereich.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-11896 Thu, 22 Feb 2018 08:40:00 +0100 Wissenschaftliches Arbeiten: Lese- und Schreibzentrum und Universitätsbibliothek unterstützen Studierende https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/wissenschaftliches-arbeiten-lese-und-schreibzentrum-und-universitaetsbibliothek-unterstuetzen-studie/ Ein Team des Lese- und Schreibzentrums und der Universitätsbibliothek berät rund um Recherche-, Lese- und Schreibtechniken. Studierende aller Fachbereiche können sich während der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ über Strategien für das wissenschaftliche Arbeiten informieren. Im Interview sprechen Elisabeth Tränkler und Denise Reimann über Konzentration beim wissenschaftlichen Schreiben. Die Hildesheimer „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ geht dieses Jahr in die siebte Runde. Sie ist Teil einer bundesweiten Initiative, die jedes Jahr im März an über 50 Universitäten tausende Studierende zum gemeinsamen Schreiben einlädt. Die Lange Nacht findet am Donnerstag, 1. März 2018, in der Universitätsbiblothek Hildesheim statt.

Interview mit Denise Reimann und Elisabeth Tränkler

Denise Reimann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lese- und Schreibzentrum sowie am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim in den Bereichen Literaturwissenschaft, Literatur- und Schreibdidaktik. Elisabeth Tränkler hat Informationswissenschaften an der FH Potsdam studiert und ist Mitarbeiterin in der Universitätsbibliothek Hildesheim. Sie arbeitet in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit sowie Auskunft und Informationsvermittlung. Im Interview geben die beiden Uni-Mitarbeiterinnen Einblicke in ihre Arbeit und die Organisation der „Langen Nacht“.

Warum veranstalten das Lese- und Schreibzentrum und die Universitätsbibliothek die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" in Hildesheim?

Denise Reimann: Viele Studierende machen die Erfahrung, wie motivierend und anregend es sein kann, über einen längeren Zeitraum hinweg in Gesellschaft zu schreiben. Eine gemeinsame Nachtschicht in der Bibliothek ist eine einmalige Gelegenheit, endlich loszulegen mit der Hausarbeit, begonnene Schreibarbeiten entspannt zu Ende zu bringen und dabei nicht allein zu sein. Es geht darum, in einer inspirierten Atmosphäre zu arbeiten, Ideen und Motivation zu bekommen, einander auszutauschen, MitarbeiterInnen der Universitätsbibliothek und des Lese- und Schreibzentrums (LSZ) der Uni Hildesheim kennenzulernen, sich beraten zu lassen, aber auch, sich zurückziehen zu können, um konzentriert zu arbeiten.

Elisabeth Tränkler: „Aufschieberitis“ kennen wir doch alle. Ich denke, die „Lange Nacht“ ist vor allem ein Anstoß in Form eines festen Termins, endlich mit der Hausarbeit anzufangen oder daran weiter zu arbeiten. Und welcher Ort der Universität wäre dazu besser geeignet als die Universitätsbibliothek? Zentral gelegen am Hauptcampus, Wissen in Form von Büchern, Zeitschriften und natürlich auch E-Medien verfügbar. Arbeitsplätze mit oder ohne PC, sowie unsere Gruppenarbeitsräume, die während der „Langen Nacht“ für die Studierenden auch ohne Reservierung nutzbar sind. Jede/Jeder kann sich in der Universitätsbibliothek einen eigenen Raum schaffen und mit oder ohne Beratung, allein oder gemeinsam Arbeiten.

Was passiert zum Beispiel in der Langen Nacht?

Denise Reimann: In der Langen Nacht unterstützen wir die Studierenden bestmöglich beim Schreiben. In einer offenen und inspirierten Atmosphäre können Studentinnen und Studenten konzentriert an den eigenen Schreibprojekten arbeiten. Wer möchte, kann darüber hinaus die vielfältigen Angebote wahrnehmen, die wir – das aus Tutorinnen und Tutoren und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammengesetzte Team der Bibliothek und des Lese- und Schreibzentrums – uns für die Lange Nacht ausgedacht haben: Allen, die an einer Stelle ihrer Hausarbeit nicht weiterkommen oder einfach Lust auf Input haben, stehen wir mit Rat und Tipps zur Seite. Wir bieten Mini-Workshops zur Literaturrecherche und zum Strukturieren von Arbeiten an, beraten in Einzel- oder Gruppengesprächen und sorgen für ausreichend Entspannungsmöglichkeiten, etwa bei Schreibtischyoga, einer Lesung und einer Nachtwanderung. Natürlich werden auch Kaffee, Tee und leckere Snacks bereitstehen, um munter zu bleiben.

Was ist Ihre Erwartung, mit welchem Gefühl starten die Studierenden in den nächsten Tag?

Denise Reimann: Am nächsten Tag hat man das schöne Gefühl, mit der Hausarbeit ein gutes Stück weitergekommen zu sein und nebenbei einen besonderen Abend in guter Gesellschaft verbracht zu haben.

Eine Nacht kann ein Anstoß sein. Das wissenschaftliche Arbeiten muss doch jeden Tag erprobt und erarbeitet werden – das ist doch der Kern des Studiums. Wie unterstützen Sie Studierende dabei? Was bieten das Lese- und Schreibzentrum und die Bibliothek zum Beispiel an Hilfestellungen an?

Denise Reimann: Das stimmt, die Fähigkeit, wissenschaftlich zu schreiben und zu lesen fliegt einem nicht einfach zu, sondern will gelernt sein – erfahrungsgemäß geht das am besten im Austausch mit anderen Schreibenden und/oder Schreiberfahrenen. Unser studentisches TutorInnenteam vom LSZ ist bestens ausgebildet, um ratsuchende Studierende in allen Fragen rund ums wissenschaftliche Lesen und Schreiben zu unterstützen. Oft kommen Studierende zu uns, die Schwierigkeiten haben, ein Thema für Ihre Hausarbeit zu finden, Schreibblockaden zu überwinden oder die einfach mal mit jemandem über ihren Schreibprozess reden möchten.  Bei uns finden Sie seit 2008 GesprächspartnerInnen.

Elisabeth Tränkler: Schon die Bibliothek als Gebäude kann eine große Hilfe sein. Ort der Ruhe, des Lernens aber auch der Begegnung mit anderen, wie Kommilitonen oder Lehrenden. Man kommt hinaus aus der häuslichen Umgebung in der es oftmals einige Ablenkungen gibt. Des Weiteren liegt der Schwerpunkt natürlich bei der Literaturrecherche und –beschaffung. Das sind in der Universitätsbiblothek zum Beispiel das Projekt „Bücher für Studierende“ oder zielgruppenorientierte Schulungen zur Literaturrecherche. Auch geben wir Hilfestellungen und Einführungen zu den Literaturverwaltungsprogrammen Citavi und Zotero. Außerhalb dieser Veranstaltungen helfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Auskunft bei auftretenden Fragen gerne weiter.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten 2018

Das Lese- und Schreibzentrum und die Universitätsbibliothek der Universität Hildesheim laden Studierende aller Fachbereiche zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ ein. Ein Team aus Schreibberaterinnen und Schreibberatern unterstützt Studentinnen und Studenten mit Schreibberatung, Recherchehilfen und Schreibtischsport.

Umgeben von Büchern können Studentinnen und Studenten von Donnerstagabend auf Freitagnacht ihre aufgeschobenen Hausarbeiten endlich anpacken. Die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ beginnt am Donnerstag, 1. März 2018, um 20:00 Uhr und endet am Freitag, 2. März, um 02:00 Uhr.

An über 50 Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum und in den USA treffen sich seit 2011 einmal im Jahr tausende Studierende, um in motivierender Atmosphäre gemeinsam zu schreiben, sich zu inspirieren, aufgeschobene Arbeiten endlich anzupacken oder begonnene abzuschließen.

Angebote während der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten:

  • Lese- und Schreibberatung: Das Team des Lese- und Schreibzentrums gibt Feedback, Unterstützung und Anregungen zu Lese- und Schreibtechniken sowie Motivationsschübe.
  • Recherchehilfen: Es stehen sämtliche Bücher der Universitätsbibliothek vor Ort für die Recherche zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek unterstützen Studierende bei der Literaturrecherche.
  • Tipps und Infos: Strategien für die Literaturbeschaffung und Literaturverwaltung, Schreibtypen und Phasen beim wissenschaftlichen Arbeiten.

Lese- und Schreibzentrum

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Beratung, Workshops und Schreibgruppen. Studentische Lese- und Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Feedback und Tipps zu Lese- und Schreibtechniken. Studierende können einfach zu den Sprechzeiten kommen oder einen Termin vereinbaren.

Lernort Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek Hildesheim bietet etwa 320 Arbeits- und Lernplätze und mehrere online reservierbare Gruppenarbeitsräume für Studierende an. In Schulungen können Studierende, Lehrende und Bürgerinnen und Bürger aus der Region ihr Wissen rund um Literaturverwaltung, Literaturrecherche und Nutzung digitaler Informationsquellen auffrischen.

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news-6803 Mon, 27 Nov 2017 11:25:06 +0100 Lehramt: 91 Absolventinnen und Absolventen starten in den Schulalltag https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/lehramt-91/ 91 Studentinnen und Studenten haben ihr Lehramtsstudium abgeschlossen und starten in den Schulalltag. „Wir haben gute Rückmeldungen aus den Studienseminaren erhalten”, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Die Hildesheimer Absolventinnen und Absolventen seien sehr gut auf den Lehrerberuf und Schulalltag vorbereitet.

Am Samstag hat die Universität Hildesheim 91 Masterabsolventinnen und Masterabsolventen in einer Feierstunde ihre Urkunden überreicht. Die Studentinnen und Studenten haben ihr Lehramtsstudium erfolgreich abgeschlossen und starten in den Schulalltag. Es handelt sich dabei um den 2. Durchgang im viersemesterigen Lehramtsmasterstudium. „Wir haben gute Rückmeldungen aus den Studienseminaren zu den Absolventen erhalten, sie seien einfach sehr gut auf den Lehrerberuf und Schulalltag vorbereitet”, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. 

„Wir haben viele Jahre viel zusammen gearbeitet und gelernt”, wendete sich Professorin Barbara Schmidt-Thieme an die Absolventinnen und Absolventen. „Und jetzt gehen Sie einfach!” Dabei wies die Mathematikprofessorin auf verschiedene Möglichkeiten hin, wie man sofort oder auch später mit der Universität Hildesheim zusammenarbeiten kann, so können die Absolventinnen und Absolventen etwa ihre Promotion als wissenschaftliche Angestellte anstreben, als Mentor oder Mentorin in der Lehrerausbildung mitwirken und an der Fort- und Weiterbildung teilnehmen.

Die Universität Hildesheim zeichnete im Rahmen der Feierstunde einige Absolventinnen und Absolventen für besondere Leistungen aus. „Es gibt schon sehr vielversprechende wissenschaftliche Arbeiten”, so Professorin Barbara Schmidt-Thieme.

Bester Abschluss: 

  • Kristina Cohrs, Erstfach Deutsch, Zweitfach Kunst, „Aspekte literarischen und historischen Lernens am Beispiel der Darstellung des Nationalsozialismus in ausgewählter Kinder- und Jugendliteratur”

Die Universität zeichnet weitere Studentinnen und Studenten für besondere Leistungen aus:

  • Marie-Therese Brammer, Englisch und Deutsch, „Interkulturelles Lernen im Deutschunterricht der Grundschule – Ein Leseprojekt zum Thema 'Kinder auf der Flucht' anhand des Buches 'Bestimmt wird alles gut'”
  • Sebastian Lentzer, Mathematik und Evangelische Religion, „Aktuelle Konzeptionen für die Konfirmandenarbeit”
  • Anna Grotjohann, Mathematik und Sachunterricht, „Kindervorstellungen zu Ökonomie – eine Interviewstudie”
  • Dörte Schätzel, Mathematik und Evangelische Religion, „Fremde und Fremdheit in biblischen Texten”
  • Marina Wellmann, Deutsch und Mathematik, „Geometrieunterricht in der Grundschule – Entwicklung sprachsensiblen Materials für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache”
  • Alexandra Ernst, Mathematik und Katholische Religion, „Eine didaktisch-methodische Umsetzung zum Thema 'Gebet' in der Primarstufe auf Grundlage entwicklungspsychologischer Theorien für das Grundschulalter”
  • Larissa Flebbe, Mathematik und Sachunterricht, „Geometrieunterricht in der Grundschule – Entwicklung sprachsensiblen Materials für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache”

Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung

„Gegen den Strich denken. Selbständig denken. Nachfragen“

Auszug aus der Rede der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Kristin Kersten, Institut für englische Sprache und Literatur, Universität Hildesheim:

„Liebe Absolventinnen und Absolventen, Sie haben es geschafft. Ein großer Abschnitt liegt hinter Ihnen – und ein neuer steht bevor. Sie können stolz darauf sein. Was wird es sein, habe ich mich gefragt, worauf Sie zurückblicken? Was hat Sie am meisten geprägt? Was nehmen Sie mit? Wenn es etwas gibt, das die Uni Ihnen hoffentlich mitgegeben hat, das ich Ihnen am meisten wünsche, so ist dies: Gegen den Strich denken. Selbständig denken. Nachfragen. Nicht dem Einfachen, Naheliegenden, dem was die Gelehrten sagen, einfach Glauben zu schenken, sondern zweifeln, die tieferen Zusammenhänge selbst ergründen wollen. Wenn wir Sie dazu haben ermuntern können, und Ihnen vielleicht ein paar Wege aufgezeigt haben – und auch die Grenzen – dann hat die Uni ein wichtiges Ziel erreicht. Dann haben Sie ein wichtiges Ziel erreicht. Eines das über die Grenzen des Studiums hinausweisen und Ihr Leben berühren wird. Nun steht Ihnen allen ein neuer Schritt bevor. […]

Ich frage mich oft, in meiner Rolle als Dozentin fürs Lehramt, was es bedeutet, jemanden in das eigene Wissensgebiet mitzunehmen. Und nichts anderes haben Sie sich als Berufsziel erwählt: Ihre Schülerinnen und Schüler mitzunehmen auf dem Weg hin zu dem Wissen und den Kompetenzen, die das Curriculum vorgibt. (Und hoffentlich noch ein gutes Stück darüber hinaus.) In der Didaktik hat es in den letzten zwei Dekaden dazu einen einschneidenden Paradigmenwechsel gegeben, vom so genannten Instruktivismus hin zum Konstruktivismus – oder mit einem amerikanische Schlagwort, vom "sage on the stage", dem Gelehrten auf der Bühne, hin zum "guide on the side", dem Anleiter zum Selbermachen. Wir alle kennen diesen Unterricht des "sage on the stage", bei dem wir als Lernende das Wissen des Gelehrten vor der Klasse memorisieren, internalisieren, und replizieren müssen – die Wissensvollmacht liegt hinter dem Pult. Wir alle kennen das dabei typische Unterrichtsgespräch aus Fragen und Antworten, die richtig oder falsch sind, und die darüber hinaus nichts Eigenes erfordern. […]

Was macht dieser Zugang des selbstentdeckenden Lernens mit uns? Es lässt uns den Schritt gehen vom Empfänger von Informationen zum selbständigen Problemlöser. Vom passiven Aufnehmen zum Sich-zu-eigen-Machen des Problems und seiner Lösung. Denn, auch das wissen wir aus der Forschung: Niemand, auch nicht die Intelligenteste unter uns, kann das identisch übernehmen, was ein anderer uns vermeintlich "lehren" möchte – die Aufnahme von neuem Wissen ist unabdingbar abhängig von unseren Erfahrungen, Ideen, unseren Wahrnehmungen, unserer Aufmerksamkeit, unseren Talenten und Emotionen – in jedem Augenblick. […]

Haben wir, als Begleiter eines Lern- und Entwicklungsprozesses junger Menschen, eines Prozesses, der das Potenzial des ganzen Menschen einbezieht, auch den Mut, die Aufrichtigkeit und die Wahrhaftigkeit, uns selbst als Ganzes in den Lernprozess einzubringen, nicht nur mit unserem Wissen und Können, sondern auch mit unseren Fragen, Fehlbarkeiten, Verletzlichkeiten und Emotionen? Wer von uns hat nicht schon einmal erlebt, dass es die Begeisterung des Lehrenden für ein Thema war, oder das Zugeben, dass man selbst nicht alles weiß oder versteht, die uns am meisten berührt haben?

Wollen wir vor den anderen als die unfehlbaren Gelehrten dastehen, oder wollen wir ein Beispiel dafür werden, dass Fehler zur Entwicklung dazugehören, dass Einsicht und Wieder-Aufstehen uns oft so viel weiterbringen können als Makellosigkeit? – Haben wir wirklich im Auge, was dem einzelnen Kind auf seinem Weg dient, wenn wir ein Thema planen; investieren wir Zeit in die Frage, mit welchen  Aktivitäten wir inspirieren und autonomes, selbst-entdeckendes Lernen anleiten können; oder soll der Griff zum Lehrbuch nur unser eigenes Überleben sichern? […]

Und fragen wir uns schließlich, ob die Methoden, die wir vielleicht seit Jahren in der Klasse verwenden, wirklich effektiv sind, in der Entwicklungsförderung der uns Anbefohlenen? Verwenden wir sie nur, weil die Seminarleiter und Lehrbücher es uns so vorgeben; weil es für uns so am bequemsten ist? Oder sehen wir uns selbst auf einer ständigen Suche nach unserer eigenen Entwicklung, gemeinsam mit allen anderen, um immer besser herauszufinden, was dem Prozess am meisten dienen kann? […]

Wenn Sie etwas aus Ihrer Zeit an der Uni mitnehmen, das ich Ihnen und allen jungen Menschen, für die Sie in Zukunft Verantwortung übernehmen, wünsche, dann ist es dies: Dass Sie nicht aufhören, sich diese Fragen zu stellen, nicht ruhen, bis Sie Wege gefunden haben, die Potenziale jedes einzelnen Kindes zu entdecken, und zu ergründen, wie es bestmöglich gefördert werden kann. Ein paar Möglichkeiten für diese Er-Forschung hoffen wir Ihnen mitgegeben zu haben. Wenn es Ihnen so geht wie mir, dann wird dies ein lebenslanges Lernen sein. Und wenn Sie uns ab und zu davon berichten mögen, was Sie herausgefunden haben, dann sind Sie jederzeit wieder bei uns willkommen. Alles Gute für Ihren weiteren Weg.“

„Ich freue mich sehr, endlich unterrichten zu dürfen”
Interview mit dem Lehramtsstudenten Manfred Schneider

Manfred Schneider hat gerade sein Lehramtsstudium (Master of Education) in den Fächern Chemie und Biologie abgeschlossen. Er startet im Februar 2018 in den Schulalltag als Referendar in einer Schule in Aurich. Im Interview spricht er über sein Masterstudium an der Universität Hildesheim und die Verbindung von Schulpraxis und Theorie.

Gerade haben Sie Ihre Masterabschlussprüfung absolviert – Gratulation! Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Vor einer Stunde hatte ich meine Abschlussprüfung. Ich habe mich in meiner Abschlussarbeit damit beschäftigt, inwieweit man das schülereigene Smartphone im Unterricht nutzen kann. Ein Ergebnis: Die häufig als eher technikfeindlich eingeschätzte Lehrerschaft ist in Wirklichkeit gar nicht feindlich gegenüber Neuerungen eingestellt – es fehlen häufig vielmehr die Grundlagen, die technische Ausstattung, Finanzierung und Konzepte. Die Technik an Schulen ist häufig veraltet und defekt, es gibt große Defizite bei der Wartung und Neuanschaffung. In dem Zusammenhang könnte man stärker schauen, inwiefern die Hardware genutzt werden kann, die die Schülerinnen und Schüler sowieso schon mit in die Schule bringen und die häufig auf einem sehr aktuellen Stand ist. Ich habe Studienseminarleiter in Niedersachsen interviewt, in Stade, in Helmstedt, in Oldenburg. Sie unterrichten angehende Lehrerinnen und Lehrer und unterrichten außerdem selbst. Die Arbeit habe ich am Institut für Erziehungswissenschaft geschrieben.

Sie starten jetzt in den Lehrerberuf, nach Jahren des Studiums. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Ich freue mich sehr, endlich unterrichten zu dürfen. Natürlich weiß ich, dass die Zeit stressig werden wird. Aber es überwiegt die Freude. Ich habe gemerkt, dass mir der Beruf sehr gut gefällt.

Eine Erinnerung an die Studienzeit: Welche Rolle spielen die Praxiserfahrungen im Studium? Wie haben Sie die Kombination aus Theorie und Praxis erlebt?

Die Verzahnung von Theorie und Praxis ist in Hildesheim sehr gut, die Zeit ist sehr lehrreich. Die Praxisblöcke gehören zur wichtigsten Zeit des Studiums. Es dürften meiner Meinung nach sogar noch mehr Praxisphasen sein. Im großen GHR300-Praktikum war ich an der Oberschule in Harsum. Das war eine tolle Zeit, ein tolles Kollegium, ich bin mit zwei Lehrerkollegen aus der Biologie und Chemie durch den Schulalltag gezogen. Ich habe erlebt, wie wichtig der Einstieg in den Unterricht ist. Wenn der Unterrichtseinstieg misslingt und die Schülerinnen und Schüler nicht aktiviert und ins Thema hineinzieht, dann wird es schwer, daraus noch eine erfolgreiche Stunde zu machen.

Welche Taktik haben Sie für Ihren Unterrichtsstart entwickelt?

Da habe ich mit meinen naturwissenschaftlichen Fächern Biologie und Chemie ein großes Glück. Ich kann Phänomene aus dem Alltag heranziehen und ein Problem aufgreifen, das die Schülerinnen und Schüler kennen. Ich gehe da sehr lebensweltnah heran: Warum blüht der Löwenzahn in der Regenrinne? Sonst wächst eine Pflanze doch nicht in einer Regenrinne – wie kommt der Samen da hin?

Sie haben sich auf die Fächer Biologie und Chemie spezialisiert – warum diese Kombination?

Ich weiß, das ist eine ungewöhnliche Kombination. Ich finde die Fächer und die Didaktik in der Biologie und Chemie sehr spannend. Der naturwissenschaftliche Gang der Erkenntnisgewinnung gefällt mir gut, wir arbeiten an einem Problem, abstrahieren, machen ein Experiment, erarbeiten ein Ergebnis. Das ist eine schöne und sehr schülerzentrierte Art, zu unterrichten. In der Chemie hat mich Professor Dr. Jürgen Menthe sehr beeindruckt mit seiner Forschung und Lehre, er ist einer der wenigen Inklusionsforscher in der Fachdidaktik, er bietet Lösungsansätze zur Inklusion im Chemieunterricht.

Im Februar 2018 starten Sie in das Referendariat. Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

Ich werde sehr viel vermissen. Ich beginne mein Referendariat in einer Schule in Aurich. Ich werde das Uni-Leben vermissen, ich habe mich in Hildesheim gerne in der Fachschaft engagiert. In der Fachschaft habe ich Studierende unterstützt, wenn sie Probleme im Studium hatten. Die Fachschaft hat die Aufgabe, Studierenden bei Problemen beizustehen, sie müssen diese dann nicht alleine bewältigen; außerdem bildet man zum Beispiel in Berufungskommisionen die studentische Stimme. Und wir vernetzen Studierende, das ist wichtig, weil man im Labor nie alleine arbeitet, sondern mit weiteren Studentinnen und Studenten gemeinsam – es kann nicht schaden, wenn man höhere Semester in der Chemie kennenlernt und sich mit den Studierenden in der Umweltsicherung und Geographie austauscht. Durch die geringe Studierendenzahl in Hildesheim kommt man schnell ins Gespräch, sieht sich auf dem Campus und in Vorlesungen wieder.

Gemeinsam mit 91 Studentinnen und Studenten feiern Sie Ihren Masterabschluss. Sie haben die Feierstunde ins Leben gerufen – warum?

Gemeinsam mit weiteren Studierenden saß ich bei einem Skatabend zusammen. Der Student Raimund Hollemann hat die Idee vorgeschlagen, dass der Masterabschluss gefeiert werden soll. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass das geklappt hat und in einer Feierstunde die Zeugnisse feierlich jedem Einzelnen überreicht werden.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Lehrerbildung Erziehungswissenschaft Biologie & Chemie Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Deutsche Sprache Mathematik & Angewandte Informatik
news-15051 Tue, 14 Nov 2017 15:37:00 +0100 Literarischer Salon startet ins Semester https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/literarische-4/ Jugendbuchautorin Marlene Röder liest in der Universität als Teil der Veranstaltungsreihe des Instituts für deutsche Sprache und Literatur. Pressespiegel regional Deutsche Sprache Veranstaltungen Universitätsbibliothek news-13933 Mon, 02 Oct 2017 18:12:00 +0200 Sprachlernprojekt in der Berufsschule und Grundschule https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachlernprojekt-in-der-berufsschule-und-grundschule/ 270 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt der Universität Hildesheim seit 2015 eine wertvolle Zusatzqualifikation aufgebaut, sie begleiten Kinder und Jugendliche beim Erlernen der deutschen Sprache. Die Uni kooperiert dabei mit einer Hildesheimer Berufsschule und Grundschule. Die Klosterkammer Hannover unterstützt das Uni-Projekt. Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim unterstützen im Sprachlernprojekt seit Herbst 2015 Kinder und Jugendliche, die erst seit kurzem in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Zunächst haben die Studierenden täglich in einer Erstaufnahmestelle Deutschkurse für Geflüchtete angeboten. Nach der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung hat sich das Sprachlernprojekt auf zwei Standorte in Hildesheim konzentriert und arbeitet seit Herbst 2016 mit der Grundschule Nord und der Walter-Gropius Berufsschule zusammen, an beiden Schulen hat sich das Projekt sehr gut etabliert, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert.

Für die Schulen sei der zusätzliche Unterricht durch das Projekt sehr wichtig und hilfreich, da der Unterricht in den Sprint- und Sprachlernklassen aufgrund der unterschiedlichen Sprachniveaus und Bildungshintergründe eine große Herausforderung darstelle. Vor allem die Berufsschule steht mit zwölf Sprint- und Sprachlernklassen vor einer großen Aufgabe, sagt Lützel. Mit dem Sprachlernprojekt kann die Universität Hildesheim Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen und zum Teil mit einer Eins-zu-Eins-Betreuung intensiv fördern und so den Anschluss an den Regelunterricht ermöglichen.

An beiden Schulen führen die Studentinnen und Studenten nach dem regulären Unterricht einen Sprachunterricht durch, der den Unterricht in den Sprachlernklassen ergänzt und vertieft. „Dabei können wir – anders als in den Sprachlernklassen selbst – einen sehr intensiven Unterricht gestalten, in dem die Schülerinnen und Schüler individuell betreut werden“, sagt Annette Lützel. In der Berufsschule arbeiten täglich zehn Studierende, auch in der Grundschule unterrichten täglich zehn Studierende. Die Studentinnen und Studenten werden dabei immer von zwei Lehrkräften angeleitet, die auf den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ spezialisiert sind. Nach einer gemeinsamen Einführungsphase zu den jeweiligen Unterrichtsinhalten beginnt die Arbeit in kleinen Gruppen. „Die Jugendlichen können dadurch sehr intensiv lernen und wir können leistungsheterogene Gruppen auch leistungsdifferenzierter unterrichten“, so Lützel.

Neben den für den Unterricht angemeldeten Schülerinnen und Schülern kommen täglich auch viele Jugendliche aus eigener Initiative in den Unterricht, berichtet Annette Lützel. Deren Engagement ist so groß, dass die Universität in den Sommerferien eine Sommerschule an der Uni für die Jugendlichen der Berufsschule angeboten hat.

Bei den Studentinnen und Studenten – viele aus dem Lehramtsbereich – ist das Projekt sehr beliebt, da sie hiermit eine Zusatzqualifikation erwerben, die für die spätere Berufspraxis sehr hilfreich ist und die sonst nicht im Rahmen des Studiums erworben werden kann, so Lützel. „Wir haben deshalb statt der geplanten Zahl von 120 Studierenden für dieses Jahr schon 140 Studierende zugelassen, weitere befinden sich noch auf unserer Warteliste oder haben sich bereits für die ersten beiden Durchgänge 2018 angemeldet.“ Seit Projektbeginn im Oktober 2015 wurden, mit den Durchgängen Januar und April 2017, insgesamt 191 Studierende qualifiziert, bis Ende des Jahres werden es 271 Studierende sein. Das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim ist ein durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördertes Projekt zur Qualifizierung von Studierenden für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Projekt wird finanziell unterstützt von der Klosterkammer Hannover und der Niedersächsischen Lotto-Sport Stifung.

Die Universität bildet mit rund 2600 Studierenden einen Großteil der Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Niedersachsen aus.

Wie kann ich im Sprachlernprojekt mitwirken? Hier erfahren Sie mehr!

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Lehrerbildung
news-14490 Wed, 30 Aug 2017 15:06:00 +0200 Ein Herz für Fontane https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ein-herz-fuer/ Trauer um Gerard Oppermann, den ehemaligen Akademischen Direktor am Institut für Deutsche Sprache und Literatur. 1996 gründete der Germanist die Literaturringvorlesung an der Universität Hildesheim. Nun verstarb Oppermann im Alter von 82 Jahren. Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-11230 Wed, 30 Aug 2017 09:58:00 +0200 Nachruf – Gedenken an Dr. Gerard Oppermann https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/nachruf-gedenken-an-dr-gerard-oppermann/ Der Hildesheimer Wissenschaftler Dr. Gerard Oppermann, der viele Jahre an der Universität gelehrt und die Entwicklung der Hochschule geprägt hat, ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Von 1967 bis 2000 lehrte und forschte der hochengagierte Literaturwissenschaftler in Hildesheim. Gerard Oppermann hat zum Beispiel die legendäre Literaturringvorlesung mit ins Leben gerufen. Dr. Gerard Oppermann wirkte mehr als drei Jahrzehnte an der Universität Hildesheim und hat den Wissenschaftsstandort Hildesheim mit seiner Arbeit in Forschung und Lehre geprägt.

Die Universität behält Gerard Oppermann als hochengagierten, tatkräftigen und dabei sehr sensiblen Kollegen in dankbarer Erinnerung. „Er hat die Entwicklung unserer Universität erfolgreich mitgestaltet, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem Kollegen Hans-Herbert Wintgens und die legendäre Ringvorlesung“, sagt Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für deutsche Sprache und Literatur und viele Generationen von Studentinnen und Studenten haben dem Literaturkenner und engagierten Lehrer viel zu verdanken.

Professorin Hildegard Gornik schreibt:

Jeden Montag im Wintersemester bewegen sich Ströme von Hildesheimern jeden Alters Richtung Audimax. Der Anlass: die Literaturringvorlesung der Universität. Ins Leben gerufen wurde sie 1996 von Hans-Herbert Wintgens und Gerard Oppermann. Sie haben sie bis 2006 gestaltet: durch eigene Vorträge, durch Vortragseinladungen an Kolleginnen und Kollegen. Stets waren die Vorträge im Anschluss Diskussionsgegenstand. Noch im Audimax, im Campus-Lokal und außerhalb der Universität. Vielen werden die Vorträge von Dr. Oppermann besonders im Gedächtnis sein: Vorträge zum Beispiel über Patrick Süskinds „Parfüm“, über Paul Celan, über Wilhelm Busch und vor allem über seinen geliebten Fontane. Die Frage, wie Literatur einem interessierten großen Publikum vermittelt werden kann, hat ihn besonders bewegt und umgetrieben. In den langen Jahren seiner Tätigkeit als akademischer Direktor am Institut für deutsche Sprache und Literatur war er seinen Studierenden ein hingebungsvoller Lehrer. Nun ist Dr. Oppermann nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Das Institut für deutsche Sprache und Literatur verliert mit ihm einen scharfsinnigen Literaturkenner und sensiblen Gesprächspartner, einen unvergleichlichen Kollegen und Freund.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-13783 Mon, 28 Aug 2017 09:46:00 +0200 „Literatur findet mitten im Leben statt“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/literatur-findet-mitten-im-leben-statt/ Aus der Forschung: Wie verhält sich ein literarischer Text zu seiner zeitlichen Umgebung – reaktiviert er Wissen aus der Vergangenheit, speichert er Gegenwart, grenzt er sich ab? Im Interview spricht die Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare über ihre Doktorarbeit, die Beziehung zwischen Politik und Literatur und die Recherche in Archiven. Außerdem gibt sie Einblicke in ihre Habilitation, in der sie das gemeinsame autobiographische Schreiben im 19. Jahrhundert untersucht. Jennifer Clare lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur. An der Universität in Hildesheim hat die Literaturwissenschaftlerin bei Professor Toni Tholen promoviert und arbeitet derzeit an ihrer Habilitation.

Im Moment schaut sich die 31-Jährige deutsch- und englischsprachige Texte aus dem 19. Jahrhundert an und untersucht, wie hier literarische Zusammenarbeit funktioniert, also die Arbeit von mehr als einer schreibenden Person an einem Text. Jennifer Clare hat sich für die Wissenschaft entschieden und schätzt dabei besonders die Diskussionen mit Studentinnen und Studenten in Lehrveranstaltungen.

Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare

Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Meine Doktorarbeit trägt den Titel „Protexte. Interaktionen von literarischen Schreibprozessen und politischer Opposition um 1968“.

Was untersuchen Sie in der Forschung?

Ich habe in der Doktorarbeit literarisches Schreiben um 1968 untersucht: Welche Vorstellungen gibt es in dieser Zeit vom Schreiben und von sich selbst als schreibender Person? Wie werden Schreibende gesehen, mit welchen Erwartungen, Zuschreibungen, aber auch Vorwürfen werden sie konfrontiert? Wie sieht die oft benannte „Politisierung der Literatur“ genau aus, das heißt wie greifen Politik und Literatur ineinander, was bezieht die Literatur aus der Politik, aber auch die politische Oppositionskultur aus neuen Schreibverfahren? Wie mischt sich das Schreiben in diesem Zusammenhang mit anderen medialen und sprachlichen Formaten – mit dem, was zeitgleich zum Beispiel in Popmusik, Film oder Flugblättern passiert? Und, nicht zuletzt: Was macht all das mit den entstehenden literarischen Texten, ihrer Form, ihrer Ästhetik?

Wie sieht denn die „Politisierung der Literatur“ aus, wie greifen Politik und Literatur ineinander? Was haben Sie in Ihrer Doktorarbeit herausgefunden?

Wenn man „Politisierung der Literatur“ hört, denkt man vielleicht zuerst an das Naheliegende: Ein Text handelt entweder von politischen Themen oder er fungiert als politisches Instrument – zum Beispiel, indem er zum Widerstand aufruft, über einen gesellschaftlichen Missstand aufklärt oder einer unterdrückten Personengruppe eine öffentliche Stimme verleiht. Solche Texte gibt es um 1968 recht viele, aber die „Politisierung der Literatur“ beschränkt sich nicht darauf. Zum Beispiel konnte ich an Texten von Rolf Dieter Brinkmann zeigen, dass er, obwohl er die politische Instrumentalisierung von Literatur strikt ablehnt und Politik auch wenig explizit thematisiert, trotzdem „politisiert“ im Sinne der „68er“ schreibt: In seinen Texten geht es vor allem darum, sprachlich radikal zu sein, sich gegen literarische Autoritäten zu positionieren, formale und stilistische Hierarchien zu überwinden, als bürgerlich empfundene Räume zu verlassen (in seinem Fall zum Beispiel den Schreibtisch), auf sprachlicher Ebene Macht und sogar Gewalt auszuüben, Auslöschung zu betreiben. Alle diese Elemente und Ideen haben ihre Pendants in der politischen Szene um 1968 –  ohne dass diese Bezüge geplant oder auch nur zeitgenössisch hergestellt wurden. Das ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass Literatur und soziale Umgebung immer wechselseitig und nicht immer berechenbar interagieren.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst kamen?

Es ist ungeheuer interessant und wichtig, diesen Zeitraum mit zeitlichem Abstand und mit aktueller fachwissenschaftlicher Methodik neu anzuschauen. Seine kulturellen Produkte haben Vieles und teilweise sehr Differenziertes zu sagen über eine leider oft einseitig und klischeehaft interpretierte Zeit und ihr sehr spezielles literarisches Schreiben.

Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist Ihre Forschung wichtig?

1968 gilt bis heute als wichtige Schaltstelle der jüngeren deutschen Geschichte; Personen und Institutionen der medialen Öffentlichkeit berufen sich – positiv wie negativ – darauf. Meine Arbeit über literarische Texte aus dieser Zeit sagt viel über zeitspezifische Lebenssituationen, Konflikte, Faszinationen und Ängste. Denn ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin ist immer auch zugleich ein schreibender Mensch in einer bestimmten Lebens- und Denkumgebung. Seine oder ihre Texte sind unschätzbare Dokumente nicht nur von Fakten und Aussagen, sondern, viel wichtiger, von Konfliktsituation und Konfliktkonstellation, von Prozessen der Einsicht, des Ausprobierens, des Scheiterns, des Reflektierens. All das ist retrospektiv nur schwer greifbar, aber es ermöglicht den Ansatz eines Verständnisses, warum sich zum Beispiel bestimmte literarische Formen und Formate oder auch bestimmte politische Kommunikationsmuster genau in dieser Zeit genau so entwickelt haben.

Meine Perspektive steht dabei nicht in Konkurrenz zu der der zahlreichen noch lebenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen (denen ich viele Informationen und Materialien verdanke), sondern versucht, eine spezielle literarisch-kulturelle Konstellation aus der Gegenwart und den Texten heraus aufzurollen und reflektierbar zu machen.

Und wie lange dauert Ihre Forschung?

Die allerersten Ideen zu der Arbeit hatte ich im Frühjahr 2010, verteidigt habe ich sie dann im Frühjahr 2015. Mein Arbeitsalltag sah in den fünf Jahren sehr unterschiedlich aus: Am Anfang habe ich sehr viel Zeit in Bibliotheken verbracht, recherchiert, gelesen und notiert. Bei meinem Thema lagen die relevanten Forschungstexte nicht sofort auf der Hand, sodass ich anfangs wirklich alles aus der Zeit, das mir in die Hände kam, angeschaut habe: Ich habe Flugblattsammlungen durchgesehen, Filme geschaut, Musik gehört, mich mit Fotobänden und wichtigen literarischen Institutionen wie zum Beispiel dem „Kursbuch“ beschäftigt. Daraus hat sich allmählich ein Textkorpus herausgeschält.

Die letzten zwei Jahre habe ich hauptsächlich geschrieben. Was ich an der Forschungstätigkeit wirklich mag, ist, dass sie immer wieder produktiv mit anderen Dingen interagiert, die ich tue: Oft habe ich durch den Besuch einer Konferenz oder eine studentische Rückfrage in einer meiner Lehrveranstaltungen – manchmal in völlig anderen thematischen Zusammenhängen! – eine gute Idee für die Arbeit bekommen.

Welche Verantwortung tragen Sie als Wissenschaftlerin?

Als Literaturwissenschaftlerin mache ich in meiner Arbeit Deutungs- und Verständigungsangebote. Oft geht es um nichts Geringeres als das Leben selbst: Wie wir uns selbst verstehen, wie wir in bestimmten Zusammenhängen zusammenleben, wie wir uns zu unserer Vergangenheit, unserer Kultur, unserer Gesellschaft stellen, warum bestimmte Dinge in Alltag, Medien und Kommunikation so sind, wie sie sind – ich glaube, das ist der große Horizont, in dem Literatur etwas zu sagen hat und über Macht verfügt. Meine ganz persönliche Verantwortung ist es, diesen Zusammenhängen nachzuspüren und sie gesellschaftlich zur Diskussion zu bringen. Literatur findet mitten im Leben statt und ist unmittelbar verknüpft mit der sozialen Umgebung, aus der sie hervorgeht. Als Literaturwissenschaftlerin muss ich diese Verknüpfung ernst nehmen und eine Kommunikation darüber herstellen.

Ganz konkret bedeutet das, dass ich mich zum Beispiel bewusst um einen verständlichen, der interessierten Öffentlichkeit zugänglichen Schreibstil bemühe und dass ich mir bei jedem Thema, das ich auswähle – für ein Forschungsprojekt, einen Aufsatz, eine Lehrveranstaltung – genau überlege, worin seine gesellschaftliche Relevanz besteht.

Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den „Doktortitel“ – haben Sie Sorge, wie es nun beruflich weitergeht?

Ich habe mich dafür entschieden, die akademische Karriere weiter zu verfolgen und möchte Professorin werden. Natürlich verfolge ich den Stellenmarkt und weiß um seine Herausforderungen und Schwierigkeiten, aber ich weiß auch, dass ich gute Arbeit mache und werde in diesem Sinne versuchen, meinen Weg zu gehen.

Sie sind seit 2010 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim im Bereich Literaturwissenschaft. Seit 2016 arbeiten Sie an Ihrem Habilitationsprojekt „Zusammen leben, zusammen schreiben. Kollaboration, Geschlechtlichkeit und autobiographisches Schreiben im 19. Jahrhundert".

Ich habe mich gefragt, wie literarische Zusammenarbeit funktioniert – also die Arbeit von mehr als einer schreibenden Person an einem Text. Wer entscheidet da was, wie wird die Schreibarbeit organisiert und aufgeteilt, wovon hängt sie ab? Und was passiert, wenn wir es auch noch mit einem im weiteren Sinne autobiographischen Format (wie einem gemeinsamen Tagebuch, Briefwechsel, Notizbuch) zu tun haben? Wer biographiert dann eigentlich wen?  Und sind es marginale, atypische Einzelfälle oder sind viel mehr Schreibprozesse in Zusammenarbeit abgelaufen als wir es gemeinhin annehmen? Müssen wir auf Basis solcher Fälle Konzepte wie „autobiographisch“ und „Autorschaft“ erweitern? Im Moment schaue ich mir exemplarische deutsch- und englischsprachige Texte im 19. Jahrhundert an. Der Aspekt der Geschlechtlichkeit ist dabei besonders wichtig, weil Männer und Frauen in ihrem Schreiben und ihrer schreibenden Selbstinszenierung stark geschlechtlichen Normen ihrer Zeit unterliegen (oder auch gerade versuchen, diese in der Zusammenarbeit mit dem anderen Geschlecht zu überwinden).

Sie haben in Gastseminaren an der Sun Yat-Sen University, Guangzhou, der Universität Zürich und der Universität Warschau unterrichtet, waren zum dreimonatigen Forschungsaufenthalt als „Junior Visiting Fellow“ an der University of London. Was lernen Sie in solchen internationalen Begegnungen, wie profitiert die Forschung aus solchen internationalen Kontakten?

Meine Lehrveranstaltungen im Ausland waren sehr unterschiedlich, was zum Beispiel das literaturwissenschaftliche Vorwissen, die Sprachkenntnisse, die Gruppengröße, die thematischen Interessen und die Bildungssozialisation der Studierenden betrifft. Es macht unglaublich Spaß, sich darauf einzustellen, sich auf andere Institutionen und Lernkulturen einzulassen und darin auch die eigene Lehrpraxis in Deutschland immer wieder neu zu denken. Das Fellowship in London war wiederum eine wichtige Erfahrung dahingehend, wie anders Forschung und akademische Zusammenarbeit an einer sehr großen Universität organisiert sind. Außerdem habe ich hier Zugang zu sehr großen Literaturbeständen bekommen, zum Beispiel der British Library und der Senate House Library. Am wichtigsten war und ist mir aber in allen Fällen die persönliche Vernetzung. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen arbeite ich immer noch intensiv zusammen.

In Ihrer Forschung befassen Sie sich auch mit dem Thema „Literatur und Gedächtnis“. Worum geht es da, welche Frage ist noch offen?

Dieses Thema ist mir sehr früh begegnet, als ich mich in meiner Diplomarbeit mit der Darstellung der Roten Armee Fraktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur beschäftigt habe. Ich habe damals gezeigt, wie die verschiedenen Texte in ganz unterschiedlicher Weise vom Umgang mit Erinnerungen geprägt sind: Wird die Vergangenheit als gegenwärtig oder in Retrospektive aufgerufen? Welche Elemente werden in der Literatur wieder aufgerufen und stark gemacht, welche werden vergessen? Wie gehen Autorinnen und Autoren mit einem Thema um, das in der kollektiven Erinnerung sehr stark von einem sehr limitierten Haushalt von Bildern – Fahndungsplakate, Brandstiftungsprozesse, Verhaftungsfotos, Entführungsopfer – und medialen Erzählfragmenten geprägt ist? Kann man eigentlich noch auf „die RAF“ zugreifen oder nur auf eine bereits recht lange und intensive Geschichte der Erinnerung in Medien, öffentlichen Debatten und früheren literarischen Texten?

Offen ist eigentlich bei jedem neuen literarischen Text die Frage, wie er sich zu seiner zeitlichen Umgebung verhält – reaktiviert er Wissensbestände aus der Vergangenheit, speichert er Gegenwart, grenzt er sich ab, nimmt er eine bestimmte Perspektive des Vergangenheitsbezugs ein? Das sind Fragen, die mich auch in den Folgeprojekten begleitet haben.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Dr. Jennifer Clare, 31, geboren in Bochum, Titel der Dissertation „Protexte. Interaktionen von literarischen Schreibprozessen und politischer Opposition um 1968“, betreut durch Prof. Dr. Toni Tholen vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Die Literaturwissenschaftlerin arbeitet an der Universität in Hildesheim an ihrem Habilitationsprojekt zum Thema „Zusammen leben, zusammen schreiben. Kollaboration, Geschlechtlichkeit und autobiographisches Schreiben im 19. Jahrhundert“ (Arbeitstitel).

Einblicke in Forschung

Das Interview mit Dr. Jennifer Clare ist Teil einer fortlaufenden Serie über Doktorandinnen und Doktoranden an der Universität Hildesheim. Wer Einblicke in seine Arbeit, Forschungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse geben möchte, kann sich gerne in der Pressestelle bei Isa Lange melden (presse(at)uni-hildesheim.de).

So gibt zum Beispiel die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Wiebke Hiemesch Einblicke in ihre Dissertation. Im Interview spricht der Zahlentheoretiker Jan-Hendrik de Wiljes über seine Forschung.

Dr. Wiebke Hiemesch: Das Erinnern wachhalten

Dr. Jan-Hendrik de Wiljes: Über maximale Mengen

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Startseite Forschung
news-14002 Tue, 18 Jul 2017 14:04:00 +0200 "Muss ich als Christ Organe spenden?" https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/muss-ich-al/ Drei neue Professoren an der Uni Hildesheim: Dr. Alexander Markl ist neuer Juniorprofessor für Theologische Ethik im Institut für Katholische Theologie, Dr. Christoph Kröger lehrt als Professor für Klinische Psycholologie und Psychotherapie und Dr. Sören Ohlhus tritt eine Juniorprofessur für Sprachwissenschaft und -didaktik am Institut für deutsche Sprache und Literatur an. Pressespiegel regional Katholische Theologie Psychologie Deutsche Sprache Professoren news-13899 Wed, 12 Jul 2017 14:46:00 +0200 Der Streit um die beste Schreibschrift bestimmt auch die Politik https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/der-streit-u/ Ursula Bredel, Professorin für deutsche Sprache und Literatur, spricht sich im Interview für die Einführung einer verbundenen Schriftart an Grundschulen aus. Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-13842 Wed, 21 Jun 2017 11:13:00 +0200 Pennsylvania in Sicht https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/pennsylvania/ Lauren Verna studiert Lehramt für Deutsch und Englisch an der Universität Hildesheim. In der Reihe "Land in Sicht!" spricht sie über ihre US-amerikanische Heimat Pennsylvania. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Englische Sprache Deutsche Sprache news-12762 Tue, 13 Jun 2017 08:11:00 +0200 Mehrsprachigkeit und Vielfalt im Unterricht https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrsprachigkeit-und-vielfalt-im-unterricht/ Internationale Tagung mit Videodokumentation an der Universität Hildesheim: Professorinnen und Professoren unter anderem aus New York und Utrecht sprechen am Bühler-Campus über Mehrsprachigkeit und Vielfalt im Unterricht. Die Vorträge werden auch online zum Nachhören veröffentlicht. Für die „The Multilingualism & Diversity Lectures" laden das Institut für deutsche Sprache und Literatur und das Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie an die Universität Hildesheim ein. Für die Veranstaltung konnten international sehr profilierte Gastredner gewonnen werden, die Mehrsprachigkeit mit Blick auf Bildungszusammenhänge beleuchten. So spricht Professorin Ofelia Garcia von der City University of New York (USA) über „Translanguaging", einem neuen Weg mehrsprachiger Unterrichtskommunikation. Prof. Jan ten Thije von der Universität Utrecht (NL) stellt rezeptive Mehrsprachigkeit in der didaktischen Anwendung vor. Prof. Jeanine Treffers-Daller und Michael Daller von der University of Reading (UK) beschäftigen sich mit dem Erwerb von zwei Sprachen. Über bilinguale Sprecher in Deutschland wird Prof. Harald Clahsen von der Uni Potsdam vortragen.

Die Veranstaltung unter der Leitung von Professorin Elke Montanari und Professor Joachim Griesbaum von der Uni Hildesheim stellt die Sprachenförderung und Sprachenbildung als integrale Bestandteile der Lehramtsausbildung in den Mittelpunkt (Projekt Umbrüche gestalten II). Das Projekt wird vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst Niedersachsen gefördert. Die Vorträge werden aufgezeichnet und online veröffentlicht.

Wann & Wo

Vom 6. bis 9. Juni 2017 finden am Bühler-Campus der Universität Hildesheim (Raum LN 004, Lübecker Str. 1) die lectures statt. Die Veranstaltung ist kostenfrei, interessierte Studierende und Lehrende sind herzlich eingeladen. Die Vorträge werden als Video aufgezeichnet, wer an der Veranstaltung teilnimmt, erklärt sich mit der Videoaufzeichnung und Veröffentlichung einverstanden. Wer nicht dabei sein kann, wird die Vorträge ab Oktober 2017 online abrufen können. Das Team um Professorin Elke Montanari zeichnet alles auf und stellt die Vorträge frei zugänglich für Fortbildungen, wissenschaftliche Lehre und Diskussionen zur Verfügung.

Programm und Speaker

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Zentrum für Bildungsintegration
news-12443 Fri, 12 May 2017 17:44:26 +0200 Mehrsprachigkeit: Sprachliches und literarisches Lehren und Lernen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrsprachigkeit-sprachliches-und-literarisches-lehren-und-lernen/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Bozen und der Universität Hildesheim setzen ihre Zusammenarbeit fort. Sie wollen die gemeinsame Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit ausbauen. „Die Universitäten Hildesheim und Bozen arbeiten in ähnlichen Fachbereichen, wir möchten die Kooperation in der Forschung und im Austausch von Studierenden und Dozentinnen und Dozenten stärken“, sagt Professor Friedrich Lenz. Während einer Tagung am Bühler-Campus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim und der Freien Universität Bozen sich über gemeinsame Forschungskooperationen ausgetauscht. „Die Universitäten Hildesheim und Bozen arbeiten in ähnlichen Fachbereichen und Themen, wir möchten die Kooperation in der Forschung und im Austausch von Studierenden und Dozentinnen und Dozenten stärken“, sagt Professor Friedrich Lenz vom Institut für englische Sprache und Literatur. Im Vorjahr tagten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Bozen. In diesem Jahr steht die Mehrsprachigkeit im Fokus des Symposiums in Hildesheim. Die Tagung steht unter dem Motto „Bilingualität/Multilingualität – Sprachliches und literarisches Lehren und Lernen“ (12. und 13. Mai 2017).

Ein Team um Professorin Elke Montanari stellt Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „MLex – Mehrsprachiger Lexikonerwerb“ vor und zieht didaktische Schlussfolgerungen. Professorin Annemarie Saxalber von der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen spricht über die Sprachförderung in einem mehrsprachigen Bildungskontext. Erste Ergebnisse aus einer Studie über bilinguales Lehren und Lernen stellen die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerinnen Lydia Schmieder und Alina Wegner vor. Wie italienische Kindergärten in Südtirol mit der Sprachenvielfalt umgehen, erläutern Professorin Ulrike Stadler-Altmann und Renata Zanin von der Freien Universität Bozen. Über die Förderung der Zweisprachigkeit referiert Giulia Consalvo.

Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Bianca Strutz und Professorin Irene Pieper sprechen zum Thema „Literarische Metaphorik verstehen lernen: Die Schülerstudie im Projekt LiMet“. Gernot Herzer gibt Einblicke in seine Forschung zur interkulturellen Kompetenz von Studierenden der Freien Universität Bozen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bozen und Hildesheim planen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. So soll beispielsweise der Austausch von Lehrenden und Studierenden  und die gemeinsame Forschung (Forschungskooperationen, Doppelpromotionen) gepflegt werden. 2018 findet das „Kooperative Symposion“ der beiden Universitäten dann  2018 in Bozen/Brixen.

Beispiele aus der Forschung: Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bauen Forschungskooperation mit der Freien Universität Bozen aus

Mehrsprachiger Wortschatz

Mehrsprachigkeit ist ein Thema, das  Südtirol und Niedersachsen verbindet, sagt Professorin Elke Montanari. Welche Chancen und Möglichkeiten bietet das Aufwachsen mit zwei Sprachen? Was bedeutet das für die Schule? Mit diesen Fragen befassen sich Elke Montanari, Lilia Tschudinovski, Anna Salgo, Burcu Gökcay und Tanja Jeschke am Forschungsschwerpunkt Mehrsprachiger Wortschatz an der Universität Hildesheim.

Unter anderem stellen die Wissenschaftlerinnen Daten aus dem jüngsten Projekt am Institut für deutsche Sprache und Literatur unter der Leitung von Professorin Montanari auf der Konferenz vor. In dem Forschungsprojekt, das vom Niedersächsischen Kultusministerium gefördert wird, beschäftigen sich die Sprachwissenschaftlerinnen mit Bildungswegen von jungen Flüchtlingen. So zeigt sich, dass natürlich der Erwerb der deutschen Sprache eine große Schwierigkeit darstellt, dass die untersuchten Jugendlichen aber schon nach einem Jahr in der Lage sind, erste Texte zu verfassen, sagt Montanari. Diese Fragen werden im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten mit Studierenden diskutiert, damit sie sich schon im Studium auf die zukünftigen Herausforderungen im Lehramt vorbereiten können.

Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung

Das Forschungsprojekt „Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung“ (BiLLiE) ist interdisziplinär angelegt. In dem Projekt kooperieren Professorin Kristin Kersten und Alina Wegner vom Institut für englische Sprache und Literatur mit Professor Werner Greve und Lydia Schmieder vom Institut für Psychologie. Das Projekt untersucht die Umsetzung bilingualer Unterrichtsformen aus spracherwerblicher und fachdidaktischer sowie aus entwicklungspsychologischer Perspektive. Dabei steht die Identifizierung möglicher hinderlicher bzw. förderlicher Faktoren bei der Implementierung von bilingualem Unterricht in der Primarstufe im Fokus. Das Projekt geht somit der Frage nach, unter welchen persönlichen, organisatorischen und kontextuellen Bedingungen sich einzelne Lehrerinnen und Lehrer oder eine Schule als Organisation für oder gegen die Implementierung eines bilingualen Unterrichtskonzeptes entscheiden. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben gemeinsam mit der Freien Universität Bozen einen Fragebogen des Projekts für Südtirol angepasst und eingesetzt.

Studies on Multilingualism in Language Education

Im Projekt „Studies on Multilingualism in Language Education“ (SMILE) untersucht Professorin Kristin Kersten den Einfluss von verschiedenen Faktoren auf den Fremdsprachen-Erwerb von Grundschulkindern in regulären und bilingualen Grundschulen. Dabei arbeitet die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin eng mit  Professor Werner Greve und Professorin Claudia Mähler vom Institut für Psychologie sowie mit Christoph Schüle vom Institut für Erziehungswissenschaft zusammen.

Zu den untersuchten Einflussfaktoren gehören unter anderem verschiedene kognitive Fähigkeiten, der sprachliche und sozioökonomische Hintergrund der Kinder und die Sprachverwendung in der Familie. Auf dem kooperativen Symposium mit der Freien Universität Bozen stellen Marie Adler und Dr. Anna Trebits die ersten Ergebnisse aus ihren Arbeiten zum Zusammenhang dieser Einflussfaktoren mit dem Fremdsprachenerwerb vor. Das SMILE-Team ist besonders interessiert an einem Austausch über die Implikationen der Ergebnisse für die pädagogische Praxis und darüber, in welcher Form Erkenntnisse aus dem gemeinsamen Forschungsgebiet in Südtirol bereits bildungspolitisch umgesetzt werden.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache
news-13759 Fri, 12 May 2017 12:40:00 +0200 Die Welt braucht mehr Miteinander https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/die-welt-bra/ Integratives Projekt bei Babel im Park: Fünf Geflüchtete lassen zusammen mit 15 Deutschstudenten ihre literarischen Texte und Erfahrungen visuell und akustisch auf der Bühne lebendig werden. Pressespiegel regional Flüchtlinge Deutsche Sprache news-13062 Tue, 21 Feb 2017 09:39:00 +0100 Nachtschicht für aufgeschobene Hausarbeiten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/nachtschicht-fuer-aufgeschobene-hausarbeiten/ Ein Team des Lese- und Schreibzentrums und der Universitätsbibliothek berät rund um Recherche-, Lese- und Schreibtechniken. Studierende aller Fachbereiche können sich während der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ über Strategien für das wissenschaftliche Arbeiten informieren. Nachtschicht am Laptop – aber nicht allein:  Umgeben von Büchern  können Studentinnen und Studenten von Donnerstag- auf Freitagnacht ihre aufgeschobenen Hausarbeiten endlich anpacken. Die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ beginnt am Donnerstag, 2. März 2017, um 20:00 Uhr.

Ein Team der Universitätsbibliothek und des Lese- und Schreibzentrums berät zum Beispiel beim Strukturieren von Texten und Recherchieren nach Literatur. „Wenn man gemeinsam in dieser besonderen Atmosphäre in der Nacht in der Uni schreibt, dann ist das ein Motivationsschub. Man sieht, wie die anderen vorankommen oder verzweifeln, kann sich gegenseitig unterstützen. Wissenschaftliches Arbeiten ist keine einsame Tätigkeit“, sagt Jana Zegenhagen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur. In der Schreibberatung gibt sie mit ihrem studentischen Team vielen Studierenden mit auf den Weg, „dass man sich erste Fassungen erlauben und sich Zeit einräumen sollte für das Bearbeiten von Texten“. „Im Unterschied zum Postkarten schreiben geht es beim wissenschaftlichen Schreiben darum, Erkenntnisse zu gewinnen, das eigene Wissen zu erweitern und für Leser darzustellen. Das braucht Zeit und Gespräche – in allen Phasen von der Themenfindung über die Literaturbeschaffung bis hin zur Überarbeitung.“

Jana Zegenhagen organisiert die „Lange Nacht“ gemeinsam mit der Bibliotheksmitarbeiterin Elisabeth Tränkler und ihren studentischen Teams. „Wir wollen da sein, beraten und einen Raum anbieten, in dem man sich über eine der wesentlichen Tätigkeiten im Studium austauschen kann – das Schreiben.“

An über 50 Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum und in den USA und zum Beispiel in Singapur treffen sich seit 2011 einmal im Jahr tausende Studierende, um gemeinsam zu schreiben, aufgeschobene Arbeiten endlich anzupacken oder begonnene abzuschließen. In Hildesheim findet die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ seit 2011 statt.

Lese- und Schreibzentrum

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus ist jede Woche ansprechbar und unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Beratung, Workshops und Schreibgruppen. Studentische Lese- und Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Feedback und Tipps zu Lese- und Schreibtechniken. Studierende können einfach zu den Sprechzeiten kommen oder einen Termin vereinbaren (Learnweb-Kurs „Anmeldung Lese- und Schreibzentrum“).

Lernort Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek Hildesheim bietet etwa 320 Arbeits- und Lernplätze und mehrere online reservierbare Gruppenarbeitsräume für Studierende an. In Schulungen können Studierende, Lehrende und Bürgerinnen und Bürger aus der Region ihr Wissen rund um Literaturverwaltung, Literaturrecherche und Nutzung digitaler Informationsquellen auffrischen.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum Universitätsbibliothek Master-Studiengänge Studiengänge Bachelor-Studiengänge
news-13530 Fri, 10 Feb 2017 14:21:00 +0100 Sie will das Lehramt neu gestalten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sie-will-das/ Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Fremdsprache, arbeitet an neuen Methoden, um Sprachenförderung stärker in die Lehramtsausbildung und das deutsche Bildungssystem einzubinden. Pressespiegel regional Lehrerbildung Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration news-13018 Thu, 02 Feb 2017 15:34:00 +0100 Sprache im Schulalltag: „Die Professionalität von Lehrern ist extrem kostbar“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprache-im-s/ Ob Mathematik, Sport oder Chemie – Sprache ist in jedem Schulfach relevant. Die Hildesheimer Professorinnen Elke Montanari und Barbara Schmidt-Thieme setzen in der Lehrerausbildung an. Im Projekt „Umbrüche gestalten“ arbeiten neun Hochschulen in Niedersachsen zusammen. In dieser Woche stellen sie Ergebnisse in Hannover vor. „Schulen können sich jetzt weiterentwickeln – das ist nötig. Die hohe und individuelle Diversität ist ein Ausgangspunkt für zukünftiges Unterrichten. Wir brauchen neue Methoden und Strategien in der Lehramtsausbildung“, sagt Elke Montanari. Hildesheim ist einer der Projektpartner in dem gemeinsamen Verbundprojekt, für das sich neun niedersächsische Hochschulen zusammengetan haben: „Umbrüche gestalten – Sprachenförderung und -bildung als integrale Bestandteile innovativer Lehramtsausbildung in Niedersachsen“. Das Niedersächsische Kultusministerium und das Wissenschaftsministerium unterstützen das Vorhaben nachhaltig. Das Projekt wird gefördert durch das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Ziel dabei ist, die Sprachenförderung in ihrer mehrsprachigen Dimension wie auch mit Blick auf Bildungssprache in die Lehrerausbildung aller Fächer – ob Mathematik, Sport, Sachunterricht oder Musik – aufzunehmen.

„Die große Diversität in der Schülerschaft als Ausgangspunkt des pädagogischen Handelns zu nehmen und sie auf Sprachenbildung zu beziehen, ist eines der Zukunftsthemen im Land“, sagt Professorin Elke Montanari. Sie ist Professorin für  Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim und forscht in den Bereichen Mehrsprachigkeit, Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen und sie befasst sich mit der Entwicklung des mentalen Lexikons am Zentrum für Bildungsintegration und am Institut für deutsche Sprache und Literatur.

„Kinder haben den ersten Spracherwerb schon in den frühen Lebensjahren durchlaufen. In der Schule steht bei Sprachenbildung im Mittelpunkt, diese sprachlichen Fähigkeiten zu einer ausgereiften Bildungssprache auszubauen. Bei Schülerinnen und Schülern, die mitten in ihrer Schulbiografie nach Deutschland kommen, bedeutet das, ihnen Gelegenheit zu geben, ihre mehrsprachigen Ressourcen weiterzuentwickeln, gleichzeitig die neue Sprache Deutsch in Wort und Schrift zu lernen“, so Montanari.

Die Wissenschaftlerinnen setzen sich zum Beispiel mit dem Umgang mit Sprache im Mathematikunterricht auseinander. Wie können Lehrerinnen und Lehrer sprachlich dazu beitragen, das mathematische Lernen zu unterstützen? „Unterricht, ob Deutsch oder Chemie, hat immer mit Sprache zu tun. In der Mathematik gibt es eine Besonderheit: Unsere Gegenstände sind Gegenstände des Denkens. Wir arbeiten mit Fachbegriffen und Formeln“, sagt Professorin Barbara Schmidt-Thieme, die in Hildesheim Seminare zum Thema „Wie viel Sprache steckt im Fach Mathematik?“ anbietet. „‘Eine Kugel rollt‘ – das ist Alltagssprache. Dann geht man in die Fachsprache hinein. ‚Eine Kugel hat überall den gleichen Durchmesser. Sie ist die Menge aller Punkte des dreidimensionalen Raumes, die von einem Punkt M (Mittelpunkt) den gleichen Abstand hat.‘ Diesen Übergang zu gestalten, ist Aufgabe der Lehrkräfte, dazu benötigen sie Sprache“, sagt die Mathematikdidaktikerin Schmidt-Thieme. Ein weiteres Beispiel sind die „Päckchen“. „Man denkt an den Paketboten, an Weihnachten (‚Ich packe ein Päckchen für meine Freunde.‘). Aber in der Mathematik rechnen wir Päckchen – das finden Sie in jedem Mathebuch. ‚Rechne Päckchen‘. Hier ist es gut, sich mit Studierenden genau zu überlegen, was dort eigentlich steht und ob das noch einmal erklärt werden soll. Die fachspezifische Lexik ist sehr spannend“, sagt Elke Montanari.

Im Projekt „Umbrüche gestalten“ haben die Wissenschaftlerinnen Lehr-Lern-Konzepte entwickelt und erprobt, so haben sich Studierende etwa in der Vorlesung „Einführung in die Mathematikdidaktik“ oder in einem dreisemestrigen Projektband im Masterstudium in Schulen mit dem Thema Sprachenbildung befasst. Die Lehrveranstaltungen wurden dokumentiert, damit sie übertragbar sind, sie sind künftig in einer Datenbank online abrufbar. Zudem haben die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen national und international auf Tagungen die Frage diskutiert, was Lehrerinnen und Lehrer kennen und wissen müssen, um mit den Schülerinnen und Schülern der Zukunft zu lernen.

„Schulen können sich jetzt weiterentwickeln – das ist nötig. Die hohe und individuelle Diversität ist ein Ausgangspunkt für zukünftiges Unterrichten. Das bedeutet: Wir brauchen neue Methoden, Strategien und Veränderungen in der Lehramtsausbildung“, sagt Elke Montanari. Die Professorin startet nun ein Nachfolgeprojekt, „Umbrüche II“: In einer internationalen Ringvorlesung „Multilingualism and Diversity“ sprechen die Professoren Ofelia Garcia, Jan ten Thije und Harald Clahsen über Mehrsprachigkeit, Lernen und Vielfalt. „Wir sollten Diversität nicht als Hindernis sehen. Wenn Schülerinnen und Schüler mit zwölf Jahren als Seiteneinsteiger in unserem Bildungssystem anfangen, können wir sie nicht fünf Jahren parken und abwarten. Schülerschaft ist heterogen – welche Konzepte haben wir, hier erfolgreich zu unterrichten, um Hochbegabte, Schüler mit sozialem Förderbedarf und Schüler, die vor einem Jahren nach Deutschland gekommen sind auf ihren Wegen zu begleiten?“, so Montanari.

Zur Rolle der Lehrerinnen und Lehrer sagt Professorin Montanari: „Alle Untersuchungen zeigen, dass man die Bedeutung der Lehrpersonen nicht überschätzen kann. Sie sind enorm wichtig darin, wie sie Schülerinnen und Schüler begegnen. Ich spreche hier in Hildesheim mit Studierenden, die mit acht oder zehn Jahren nach Deutschland gekommen sind und sich erinnern: ‚Da war eine Lehrerin, die hat mich abgeholt und sie hat mich verstanden und bestärkt – dann ging das für mich richtig los.‘ Heute studieren sie Deutsch – man sieht, wie erfolgreich Bildungswege verlaufen können, wenn Lehrerinnen und Lehrer Kinder bestärken. Die Professionalität von Lehrern ist extrem kostbar. Und die gute Nachricht ist: Einer reicht. Wenn eine Schülerin eine Lehrperson findet, die sie annimmt und ihre Ressourcen wahrnimmt und stärkt, dann bringt das einen enormen Schub mit sich.“

Kurz erklärt: „Umbrüche gestalten“

Das Projekt „Umbrüche gestalten“ wird seit 2014 gefördert durch das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Das Mercator-Institut ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefördertes Institut der Universität zu Köln.. Im niedersächsischen Verbundprojekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von neun Hochschulen ein strukturiertes Qualifizierungsangebot zu Sprachenbildung und Sprachenförderung sowie Deutsch als Zweitsprache entwickelt. Ziel ist es, die Themen in die niedersächsische Lehramtsausbildung aller Fächer, Schulformen und Schulstufen zu integrieren. Das Projektteam der Universität Hildesheim arbeitet gemeinsam mit den Teams in Braunschweig, Osnabrück und Vechta im Bereich Grund-, Haupt- und Realschulen.

Eine Abschlusstagung findet in dieser Woche in Hannover statt (Februar 2017). Auf der von der VolkswagenStiftung geförderten internationalen Tagung werden die Projektergebnisse vorgestellt. Unter anderem sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Harvard Graduate School of Education, USA, und der Freien Universität Bozen, Italien.

Kurz erklärt: Studium – Deutsch als Zweitsprache

Die Universität Hildesheim bietet den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Der Masterstudiengang macht sichtbar, dass Mehrsprachigkeit zu unserem Alltag gehört. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Medienkontakt: Kontakt zu den Wissenschaftlerinnen über die Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-13523 Wed, 01 Feb 2017 12:25:00 +0100 Ein Jahr nach der vorletzten Rose: Was der "Bachelor" für Danielas Leben bedeutet https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ein-jahr-nac/ Der Weg zum Bachelor. Nach ihrem Auftritt bei der TV-Show "Der Bachelor" kehrt Daniela Buchholz zurück an die Universität Hildesheim, um ihr Bachelorstudium abzuschließen. Buchholz studiert an der Universität Lehramt mit den Fächern Sport und Deutsch. Pressespiegel regional Polyv. 2-Fäch.BA Deutsche Sprache Sportwissenschaft Studierende news-11393 Sat, 28 Jan 2017 15:50:00 +0100 Bücher, E-Books oder soziale Medien: Was motiviert Schüler zum Lesen? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/buecher-e-bo/ Irene Pieper, Professorin am Institut für deutsche Sprache und Literatur, untersucht im Rahmen des Forschungsprojektes "TAMoLi" zusammen mit Wissenschaftlern aus der Schweiz das Leseverhalten von Achtklässlern in Niedersachsen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Forschung news-11402 Wed, 25 Jan 2017 13:12:00 +0100 Literarischer Salon zu Hoffmann https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/literarische-6/ Das Institut für deutsche Sprache und Literatur veranstaltet seinen Literarischen Salon unter dem Motto "Dichter dran!", bei dem es beispielsweise um Klassiker, wie E.T.A. Hoffmanns Geschichte "Das fremde Kind", geht. Pressespiegel regional Deutsche Sprache Fachbereich 3 news-12547 Wed, 18 Jan 2017 14:01:00 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung und Service https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-und-service/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper, die Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und den Psychologen Ryan Hackländer sowie den Systemadministrator Florian Störig für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und im Wissenschaftsmanagement aus. Die Preise sind mit jeweils 3000 Euro dotiert. Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

Preis für hervorragende Forschung: Prof. Dr. Irene Pieper

Die Universität Hildesheim zeichnet Professorin Irene Pieper für ihre hervorragende Forschung aus. Seit 2007 forscht und lehrt Irene Pieper als Professorin für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik am Institut für deutsche Sprache und Literatur. Die Professorin befasst sich zum Beispiel mit der Lesesozialisation von Schülern und Schülerinnen aller Schulformen und dem Spannungsverhältnis zwischen fachlichem Wissen und literarischem Verstehen. Eines ihrer derzeitigen Projekte, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, widmet sich dem literarischen Verstehen im Umgang mit Metaphorik.

Was reizt Jugendliche am Lesen? Welche Rolle spielt das Lesen im Spektrum ihrer Mediennutzung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Irene Pieper in einer aktuellen Studie. Die Literaturwissenschaftlerin untersucht, welchen Platz Literatur im Deutschunterricht und in der Freizeit einnimmt. Die Beschäftigung mit Literatur, ihr Stellenwert im Deutschunterricht sowie die Orientierungen der Lehrerinnen und Lehrer stehen selten im Zentrum der Forschung. Bisher ist wenig untersucht, welche Erfahrungen die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Literatur in der Schule machen, inwiefern Jugendliche mit ihren persönlichen Leseinteressen das Unterrichtshandeln der Lehrkräfte beeinflussen und umgekehrt. „Unterrichtsnahe Forschung zu diesem Bereich fehlt im deutschsprachigen Raum weitgehend, obwohl er für die Entwicklung von Lesemotivation und Lesekompetenz eine zentrale Rolle spielt", sagt Professorin Pieper. In dem Forschungsprojekt, das vom Land Niedersachsen im Rahmen von „Pro Niedersachsen“ gefördert wird, kombiniert die Professorin qualitative und quantitative Zugänge. So werden in den kommenden Monaten Lehrerinnen und Lehrer von etwa 60 achten Klassen aus den Schulformen Gymnasium, Real-, Haupt- und Gesamtschule sowie deren etwa 1200 Schülerinnen und Schüler befragt.

„Frau Pieper ist wissenschaftlich ausgesprochen vernetzt. So hat sie bereits ein europäisches Projekt zum Thema ‚Literary Framework for Teachers in Secondary Education‘ durchgeführt und ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende der ‚International Association for Research in L1 Education (languages, literatures, literacies)‘, ARLE, die ihren Sitz in Hildesheim hat“, sagt Vizepräsidentin Prof. Dr. Renate Soellner in ihrer Laudatio. Seit 2011 leitet Irene Pieper das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Seit 2012 ist sie Mitherausgeberin der wichtigsten Zeitschrift der Deutschdidaktik, „Didaktik Deutsch“. „Neben der Forschung engagiert sie sich auch für das Erlernen von Schreibkompetenzen bei Studienanfängerinnen und Studienanfängern. Sie gründete 2008 und leitet bis heute das Lese- und Schreibzentrum. Aktuell arbeitet sie an der Entwicklung einer elektronischen Plattform für die Einübung in wissenschaftliches Lesen und Schreiben“, hebt Renate Soellner hervor. „Ich freue mich sehr über dieses Zeichen der Anerkennung“, so Irene Pieper. Sie wolle „interdisziplinäre Forschungsräume weiter ausbauen“.

Preis für hervorragende Lehre: Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und Psychologe Ryan Hackländer

Ein Rekord – 85 Vorschläge für den Preis für hervorragende Lehre gingen bei der Universität ein. „Nach dem grandiosen Erfolg der Maßnahmen, die unser Qualitätsmanager Torsten Bergt vor einem Jahr vorgeschlagen und umgesetzt hatte, um mehr Studierende zu bewegen, ihre Lehrenden für den Preis für hervorragende Lehre zu nominieren, konnte die Zahl der Anträge noch einmal deutlich gesteigert werden“, freut sich Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander. Eine Jury – bestehend aus der Studiendekanin des Fachbereichs 1, dem Studiendekan des Fachbereichs 2 und zwei Studierendenvertretern der Fachbereiche 3 und 4 – hat entschieden, den Preis an zwei Lehrende zu vergeben: Der  Preis geht an Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sowie Ryan Hackländer vom Institut für Psychologie.

Isabel Rink wird für ihre hervorragende Lehre im praxisnahen Seminar „Kommunikation und Orientierung von Menschen mit Sinnesbehinderungen“ ausgezeichnet. Die Übersetzungswissenschaftlerin hat Studierende an die Regeln der Leichten Sprache herangeführt – und begeistert. Vizepräsident Sander würdigt ihr „außergewöhnliches Engagement auf einem Gebiet höchster gesellschaftlicher Relevanz“. Die Studierenden haben theoretische Regeln in der Praxis angewendet, Übersetzungen wurden vom NDR veröffentlicht. Die Arbeit mit dem NDR habe den Studierenden „die realen Bedingungen des Übersetzungsmarktes nahe gebracht“.

Isabel Rink studierte „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ in Hildesheim und an der Universidad de Murcia/Spanien. Nach dem Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Sie ist Geschäftsführerin der Forschungsstelle Leichte Sprache und koordiniert gleichzeitig das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Isabel Rink hat eine Reihe von Publikationen zum Thema Leichte Sprache – etwa ihre Masterarbeit „Nachteilsausgleich im Bereich Hörschädigung: Zur Übersetzung von Mathematikarbeiten in Leichte Sprache“ – veröffentlicht und promoviert bei Prof. Dr. Christiane Maaß zum Thema „Barrierefreie Rechtskommunikation. Zur Übersetzung juristischer Inhalte in Leichte Sprache am Beispiel des Pilotprojekts ‚Leichte Sprache in der Niedersächsischen Justiz‘“.

Seit zweieinhalb Jahren lehrt Ryan Hackländer als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Uni Hildesheim. Zuvor lebte der US-Amerikaner in Kentucky, wo er als Doktorand am Department of Cognitive and Brain Sciences der University of Louisville promovierte. Für seine Hildesheimer Lehrveranstaltungen „Psychology of Olfaction” und „Projektband Allgemeine Psychologie: The Efficacy of Podcasts as Supplemental Learning Material” wird er nun ausgezeichnet. In Hildesheim bietet Ryan Hackländer für Masterstudierende im Lehramt ein Projektband mit Experimenten zum Gedächtnis an. Er hält seine Lehrveranstaltungen in englischer Sprache.

„Sehr abwechslungsreich, praxisorientiert, spielerisch lernend – Ryan Hackländer ist einfach ein sehr engagierter Dozent, der motiviert, montags früh um 8 Uhr in die Uni zu fahren“, sagen die Studentinnen Katharina Klabunde und Amira Sultan über ihren Dozenten. Er rege zu „kreativem und kritischem Denken“ an und verwende eine Bandbreite an Lehr- und Prüfungsmethoden. Ryan Hackländer sagt, er wolle in seinen Seminaren Studentinnen und Studenten ermutigen, Fragen zu stellen. Er selber profitiere in seiner Forschung sehr von den Diskussionen mit den Studierenden. „Die Studentinnen und Studenten bringen sich mit neuen Ideen ein, sind engagiert.“

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Systemadministrator Florian Störig

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, „die sich in ganz besonderem Maße für unsere Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

Der diesjährige Preisträger ist Florian Störig. Als Mitarbeiter im Rechenzentrum ist er für die Datenverarbeitung im Bereich der Uni-Verwaltung zuständig. „Für Ihr herausragendes Engagement, Ihre Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit gepaart mit Ihrer guten Laune möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken“, so Vizepräsident Kreysing in seiner Laudatio. „Seit unserem ersten Zusammentreffen habe ich Herrn Störig immer als kompetenten und lösungsorientierten Mitarbeiter erlebt, der sich mit seiner Aufgabe und unserer Universität über die Maßen identifiziert", ergänzt Matthias Kreysing.

Florian Störig sagt, die Arbeit in der Universität bereite ihm große Freude. Besonders bedankt er sich für die gute Zusammenarbeit bei dem Leiter des Rechenzentrums Dr. Dietmar Fox. Florian Störig hat 2002 seine Ausbildung zum Fachinformatiker mit dem Schwerpunkt Systemintegration im Rechenzentrum der Universität Hildesheim begonnen und diese 2005 erfolgreich abgeschlossen. Seitdem ist er als Mitarbeiter in der Uni-Verwaltung tätig. Darüber hinaus hat er sich von 2006 bis 2015 als Schwerbehindertenvertreter der Universität Hildesheim sowie vier Jahre im Uni-Personalrat engagiert.

Neujahrsempfang

Die Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen wurden im Rahmen des diesjährigen Neujahrsempfangs verliehen.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich warb während des Neujahrsempfangs der Universität Hildesheim für ein gutes Miteinander. „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“, zitierte er Humboldt. „Man kann mit Sorge in die Zukunft blicken. Die Meinungsfreiheit bedeutet aber nicht, dass rassistische Parolen verbreitet werden dürfen.“ Friedrich hob hervor, dass das Grundgesetz die Grundlage für den Alltag und den Umgang miteinander bildet. Er verweist auf das Leitbild der Universität.

499 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 227 Personen in der Verwaltung, in der Bibliothek und in der Technik sind derzeit an der Stiftungsuniversität tätig. 7930 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim. Die Universität werde in den kommenden Monaten ihre Entwicklungsplanung fortschreiben. „Im Zentrum unserer Arbeit steht die Wissenschaft – Forschung und Lehre. Wie können wir die Universität als forschende und lehrende Einrichtung voranbringen? Aus diesen Fragen ergeben sich Konsequenzen für das Studium“, so Friedrich. „Wir können nicht weiter wachsen, was die Anzahl der Studierenden betrifft. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen mehr Zeit für ihre Forschung und auch für Beratung und Betreuung von Studierenden. Allerdings sollten wir unser Studienangebot weiter entwickeln. Wir haben die Erziehungswissenschaften und Psychologie gestärkt. Ich freue mich sehr, dass in der Informatik u.a. mit Data Analytics die Entwicklung weiter sehr dynamisch verläuft.“

Universitätspräsident Friedrich zeigte sich sehr erfreut, dass erneut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Rufe an andere Universitäten abgelehnt und sich für den Universitätsstandort Hildesheim entschieden haben. So habe Vera Volkmann, seit 2012 als Juniorprofessorin am Institut für Sportwissenschaft tätig, einen Ruf nach Kiel abgelehnt und tritt nun eine Professur für Sportwissenschaft in Hildesheim an.

Erstmals hat die Universität Hildesheim einen Seniorprofessor: Wolfgang Christian Schneider lehrt in der Philosophie und Bildenden Kunst im Bereich der Geistes- und Kulturgeschichte. Das Wissen, welches er über jahrelange Forschung angesammelt hat, möchte er teilen. „Alle Dinge sind miteinander verflochten“, sagt Schneider. Wenn er in einem Kunst-Seminar über den italienischen Bildhauer Michelangelo spricht, taucht auch die Lyrik auf. Er befasst sich mit den Fragen, wie Menschen dichten, malen, Architektur entwerfen. Er trage gerne den Titel „Seniorprofessor“ und sieht diesen als Ergänzung zu den bestehenden Juniorprofessuren. „Ich möchte Erfahrungen zurückgeben“, sagt Schneider. „Ich freue mich auf meine kommenden Lehrveranstaltungen in Hildesheim, wir beschäftigen uns mit Naturphilosophie.“

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news-13409 Sat, 14 Jan 2017 14:14:00 +0100 "Oskars" für die Wissenschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/oskars-fuer/ Geehrt - Irene Pieper vom Institut für deutsche Sprache und Literatur, Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation, Ryan Hackländer vom Institut für Psychologie und Florian Störig, Mitarbeiter des Rechenzentrums, werden für ihre Arbeit ausgezeichnet. Außerdem geehrt wird Wolfgang Christian Schneider als erster Seniorprofessor der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Preise / Auszeichnungen Rechenzentrum Psychologie Deutsche Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Philosophie Lehrpersonal Professoren Fachbereich 2 news-12947 Wed, 07 Dec 2016 14:56:00 +0100 Toni Tholen über Spiritualität https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/toni-tholen/ Literatur-Professor Toni Tholen sprach in der Weihnachtsvorlesung auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg über Spiritualität in der Moderne. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Ringvorlesungen Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum news-12704 Fri, 18 Nov 2016 16:31:00 +0100 Was ist echt? Professor Tholen über Fakten und Fiktionen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/was-ist-echt-professor-tholen-ueber-fakten-und-fiktionen/ Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland auseinander. In einem Tagungsbericht gibt Professor Toni Tholen, Literaturwissenschaftler an der Universität Hildesheim, Einblicke in aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung, die während einer binationalen Konferenz in Salamanca vorgestellt wurden. Die Universitäten Hildesheim und Salamanca wollen ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Prof. Dr. Toni Tholen lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim.  Gemeinsam mit Professorin Patricia Cifre Wibrow von der Universidad de Salamanca und Professor Arno Gimber von der Universidad Complutense de Madrid hat er die binationale Konferenz „Fakten, Fiktionen und Fact-Fictions“ entwickelt. Die Konferenz fand vom 3. bis 5. Oktober 2016 in Salamanca statt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) förderte die Konferenz aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. An der Konferenz waren mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des kulturwissenschaftlichen Fachbereichs – aus Philosophie, Theater und Literatur – der Universität Hildesheim beteiligt. Die Konferenz bildet den Auftakt für weitere Kooperationen in Forschung und Lehre, Studierendenaustausch und wissenschaftlicher Nachwuchsförderung.

Tagungsbericht von Professor Toni Tholen

Die Erforschung des Verhältnisses von Fakten und Fiktionen in der Literatur und in anderen Künsten der Gegenwart ist eine vordringliche Aufgabe der Literatur- und Kulturwissenschaften. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielsweise hat die verstärkte Bedeutung etwa von visuellen Medien zu neuen Formaten innerhalb der Literatur geführt: Die Literatur macht die wirklichkeitserzeugende Kraft von Bildern zunehmend für ihre eigenen Zwecke fruchtbar. So entstanden in den letzten Jahrzehnten interessante literarische Foto-Texte, die von den jeweiligen Autorinnen und Autoren zum Zweck der ästhetischen Darstellung ihres eigenen Lebens produziert worden sind. Solche autobiographischen Texte nutzen auf der einen Seite das wirklichkeitsverbürgende Potenzial von Fotos aus der eigenen Kindheit zur Beglaubigung der erzählten Lebensgeschichte, auf der anderen Seite treten die Fotos und andere Bildelemente in ein ästhetisches Spiel mit dem Text ein, wobei längst nicht immer eindeutig ist, ob wir es mit faktualen oder fiktionalen Passagen der erzählten Lebensgeschichte zu tun haben. Die Texte werden auf diese Weise offen und mehrdeutig, das Erzählen des eigenen Lebens wird selbst zum literarischen Experiment – zur „Autofiktion“ –, und die Leserinnen und Leser können sich der Wahrhaftigkeit und Wahrheit des Erzählten nicht länger sicher sein.

Die allgemeine Schwierigkeit, in Erfahrung zu bringen, wie etwas Zurückliegendes wirklich war, was in bestimmten Zeiten, unter bestimmten politischen Verhältnissen wirklich geschehen ist, was man als Kind, als Jugendlicher und Erwachsener wirklich erlebt hat, wird in einer Vielzahl neuerer und neuester literarischer Texte erfahrbar und diskutierbar. Mit gutem Grund kann man solche Texte als Fact-Fictions bezeichnen.

Dabei spannt sich der thematische Fächer weit auf. Im deutschsprachigen Kontext sind es  oftmals Texte, die sich mit der Involvierung von Männern, Frauen und ihren Familien in den Nationalsozialismus, auf der Täter- wie auf der Opferseite, auseinandersetzen und dabei mehr oder weniger authentische, bisweilen sogar gefälschte Erzählungen (wie im Falle Binjamin Wilkomirskis) darbieten. Die Frage nach dem Grad der Wirklichkeitstreue der rekonstruierten bzw. erzählten Geschichte reicht dabei bis in die theoretische Auseinandersetzung um die Darstellbarkeit von Geschichte in der Geschichtswissenschaft selbst, wie Michael Pfeiffer grundsätzlich in einem der ersten Vorträge der Tagung ausführte. Bis heute herrsche dort Uneinigkeit über die Frage, inwiefern die wissenschaftliche Darstellung von Geschichte nicht notwendig auch auf Fiktionalisierungen zurückgreift bzw. um der Anschaulichkeit des Dargestellten willen zurückgreifen muss.

Bei der Konferenz stellte eine Reihe von spanischen und deutschen Referentinnen und Referenten ihre Forschungen auf diesem thematischen Feld vor. So mit Bezug auf den Faschismus, Diktatur und Holocaust Marisa Siguan in ihrem Beitrag über Max Aubs montageartigen Roman „Am Ende der Flucht“ und Hertha Müllers Roman „Der Fuchs war damals schon der Jäger“, Patricia Cifre Wibrow in Auseinandersetzung mit dem als Fälschung enttarnten autobiographischen Buch von Binjamin Wilkomirski (alias Bruno Dössekker) mit dem Titel „Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948“, in dem der Autor sich als Überlebender des Holocaust darstellt – parallel dazu mit Enric Marcos  Fälschung seiner Biographie im Franco-Regime –, M. Loreto Vilar über Angela Rohr, die eigene Erfahrungen in stalinistischen Lagern literarisch in der Erzählung „Der Vogel“ verarbeitet hat, Teresa Vinardell Puig über Peter Henischs Vaterbuch „Die kleine Geschichte meines Vaters“. Im größeren historischen und intergenerationalen Zusammenhang  referierten Dolors Sabaté über die autobiographischen Schriften Kasimir Edschmids, Manuel Maldonado Alemán über Tanja Dückers‘ Familienroman „Himmelskörper“ und Manuel Martín über autobiographische Texte von Walser, Degen und Forte. Versucht wurde darüber hinaus auch, den autobiographisch-autofiktionalen Schreibraum auf spezifische Formen und Text-Bildbeziehungen hin zu erkunden. Toni Tholen führte nach einer theoretischen Erörterung dieses Raums am Beispiel von Roland Barthes‘ Buch „Über mich selbst“ und W.G. Sebalds Text „Die Ringe des Saturn“ die Kategorie der Automelanchographie ein, eine Form des autobiographischen Schreibens zwischen Text und Bild, das sich vor allem auf der Folie einer affektiven Grundbefindlichkeit, der Melancholie, entfaltet. Jennifer Clare nahm den Begriff des autobiographischen Raums in Bezug auf den Schreibprozess bei Peter Weiss auf, indem sie die Wechselbeziehungen des Schreibens von Notizen und die Arbeit am Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ auch unter Aspekten des Lebenswissens und der Identitätsmodellierung untersuchte. Auf die spezifischen ästhetischen Wirkungen der Foto-Text-Montagen ging Anna Montané Forasté in ihrem Vortrag zu Judith Schalanskys „Blau steht dir nicht“ und Angela Krauß‘ „Eine Wiege“ ein. Die einzelnen Vorträge erarbeiteten Verbindungslinien zwischen Autor/innen, die zuvor nicht im Blick gewesen waren, und schärften so den Blick für die Intertexualität und Interkulturalität autofiktionalen Schreibens. Letzteren Aspekt hob insbesondere Ana Ruiz am Beispiel des literarischen Werks von Jorge Semprun hervor.

Aufgenommen wurden Strategien der Autofiktionalisierung noch einmal im weiteren Verlauf der Tagung, und zwar auch in historischer Perspektive. Schon Autorinnen und Autoren der klassisch-romantischen Periode verwenden vor allem in ihren Briefen und Briefwechseln Strategien der literarisierenden Ich-Modellierung. Im Falle Jean Pauls und anderer Autoren der Epoche geschieht dies durch fiktionale Autorsignaturen (Jörg Paulus), im Falle Bettina von Arnims durch das Erschreiben eines weiblichen Ich, das im Anruf des geliebten Goethe sich zur Autorin einer Wirklichkeit sui generis macht (Andrea Hübener), im Falle Goethes durch das  Anlegen einer Ich-Maske (persona), die ihm die Möglichkeit gibt, incognito zu bleiben und damit in faktischen Lebenszusammenhängen eine Identität zu simulieren, die seine Existenz ins Symbolische steigert. Simulierte Identität werde heute, so Christian Schärf in seiner Übertragung der Goetheschen Strategie der Selbstschöpfung auf die Gegenwart, nicht mehr von Einzelnen geleistet, sondern von den Agenturen der Massenkultur und der Massenmedien. Die wirklichkeitserzeugende und -erweiternde Kraft von Simulation und Virtualität erörtete auch Miriam Llamas Ubieto am Phänomen der Netzliteratur.

Ein anderer thematischer Block kreiste um die neue Aktualität des Dokumentartheaters. Stand dieses noch in den 1960er Jahren im Dienst einer Politisierung der Künste sowie im Dienst der Aufarbeitung deutscher Vergangenheit, woran der Vortrag von Manuel Montesinos Caperos über Günter Weisenborns Drama „Klopfzeichen“ noch einmal erinnerte, so thematisieren zeitgenössische Produktionen zwar auch politisch und gesellschaftlich relevante Themen wie etwa den NSU-Prozess, aber sie tun dies mit ganz neuen ästhetischen Mitteln, Strategien und Performanzen. Sie fördern den Hybridcharakter von theatralen Fact-Fictions deutlich zu Tage  und machen es Publikum wie Akteuren auf der Bühne zur Aufgabe, der Verhandlung von Geschichte, Politik und Lebensprozessen in interkulturellen Kontexten Sinn abzugewinnen und sie vor dem Hintergrund intermedialer und metaästhetischer Inszenierungen in ihrer Aussagekraft zu reflektieren. So widmete sich Jens Roselt der Thematisierung der eigenen Lebensgeschichte und der eigenen Lebenserfahrung von „Expert/innen“, die keine professionellen Schauspieler sind, auf der Bühne unter dem Stichwort des Erzähltheaters. An zeitgenössischen Produktionen wie „Breaking News“ von Rimini-Protokoll entfaltete er die These, dass das Erzählen der eigenen Biographie als Handeln inszeniert und wahrgenommen wird. Arno Gimber schritt in seinen Überlegungen zum zeitgenössischen Dokumentartheater den Zwischenraum von Fakten und Fiktionen weiter ab, indem er auf das Oszillierende, ästhetisch Verdichtete, auf den Als-ob-Charakter des Theaters als Spiel, aber auch als Ermöglichung des Utopischen verwies (den Aspekt des Utopischen hatte Andreas Hetzel am Tag zuvor schon unter dem Stichwort einer kritisch-transformatorischen Ästhetik im Anschluss an einen Roman von Vargas Llosa sowie an Rancière anvisiert). Die Integration von Realitätsfragmenten könne man, so Gimber, auch im Sinne einer neuen Sehnsucht nach dem Authentischen interpretieren. Brigitte Jirku arbeitete am Beispiel des NSU-Prozesses und dessen Verarbeitung in Elfriede Jelineks Stück „Das schweigende Mädchen“ als Metatext eines neuen Dokumentartheaters heraus und zeigte auf, inwiefern das Theater als Inszenierung von Akten des Zum-Sprechen-Bringens, des Beobachtens und des Bezeugens zum Mitspieler im Prozess gesellschaftlicher Auseinandersetzungen wird. Johanna Vollmeyer untersuchte Jelineks Theatertexte auf ihre Plurimedialität hin und verwies auf die Ununterscheidbarkeit zwischen Sein und Schein in den Texten.

Schließlich nahm Volker Pietsch in einem anderen Genre, dem Reportagefilm, einmal mehr den gegenwärtig spürbaren Drang zum Authentischen und Realen auf, um zu zeigen, dass Filmproduktionen wie „Rec“ die Distanzverringerung zum Faktischen mit gleichzeitiger Medienreflexion verbinden. Damit wurde einmal mehr bestätigt, dass Fakten, Reales, Biographien in den Künsten unter dem Vorbehalt bzw. der Rahmenbedingung des Gemachten, des Fiktionalen, des Inszenierten und Performativen verarbeitet werden.  Der Aspekt der medialen Vermitteltheit ist in den ästhetischen Texten und Produktionen stets kopräsent. Man könnte dies übergreifend als eines der zentralen Tagungsergebnisse bezeichnen.

Eine abschließende Diskussion führte zu wichtigen Ergebnissen und Schlüsselbegriffen, die es erlaubten, das Tagungsthema synthetisierend zu betrachten und Aspekte zukünftiger Forschungen zu identifizieren:

  1. Die Zwischenräumlichkeit als Raum-, Zeit- und Handlungsdimension von Fact-Fictions; auch im Sinne von utopischen Möglichkeitsräumen und hybriden Texträumen

  2. Das prozessuale, experimentelle Moment der Fact-Fictions, sowohl auf der Seite der Produktion wie der Rezeption, und unter Einbezug von Aspekten der Performativität, Materialität und Metareflexivität

  3. Die große Dichte autobiographisch-autofiktionaler Texte/Produktionen in den Gegenwartskünsten

  4. Die symmedial zu füllenden Lücken (in) der Wirklichkeit; die Erweiterung der Wirklichkeit im digitalen Raum

  5. Die Versprachlichung (und damit Fiktionalisierung) des Unsagbaren

Weitere Informationen zum Verlauf und zur Nachhaltigkeit der Tagung [PDF]

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Medien, Theater und Populäre Kultur Philosophie Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-12834 Tue, 01 Nov 2016 11:43:00 +0100 Literarischer Salon startet morgen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/literarische-7/ Der Literarische Salon, die Veranstaltungsreihe des Instituts für deutsche Sprache und Literatur, beginnt mit der Lesung des Buches "Ein Sonntagskind" von Jan Koneffke, der mit seinem Roman mit dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichnet wurde. Anschließend gibt es die Möglichkeit mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Fortgesetzt wird der Literarische Salon mit den Lesungen von Lena Goreliks Neuerscheinung "Null bis unendlich" und mit E.T.A. Hoffmans "Das fremde Kind". Pressespiegel regional Deutsche Sprache Universitätsbibliothek Veranstaltungen news-12441 Fri, 07 Oct 2016 18:34:00 +0200 Geschichten machen: Wie Bild und Text zusammen wirken https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/geschichten/ Aktuelles aus der Forschung: Das Bilderbuch ist eines der ersten Medien, das Interesse an Erzählungen wecken kann. Mit welchen Mitteln erzählen Texte und Bilder? Die Professorinnen Irene Pieper und Bettina Uhlig beschäftigen sich seit Jahren in der Forschung mit dem narrativen Potenzial von Bildern und Sprache. In Hamburg lebt eine außergewöhnliche Maus. In ihrer Welt ist es plötzlich gefährlich geworden, überall lauern Mausefallen und Katzen. Von allen gejagt kommt der kleinen Maus eine rettende Idee: Sie muss das Fliegen lernen. Die kleine Maus erfindet ein Flugobjekt, baut sich Flügel und blickt an einem Morgen schließlich mit ihrer Konstruktion in die Weite des Hamburger Hafens, um abzuheben. Wer die Bilder des Hamburger Illustrators Torben Kuhlmann entdeckt, wird hineingezogen in eine Geschichte. Seine Illustrationen sind detailreich und erzeugen Räumlichkeit, kein Wunder, wollte Kuhlmann doch schon als Kind „verstehen, wie Raum funktioniert“, wie er auf einer Konferenz in Hildesheim berichtet. Erzählen in Bildern, so beschreibt Kuhlmann, was er beruflich macht.

Das Bilderbuch ist eines der ersten Medien, das Interesse an Erzählungen wecken kann. Mit welchen Mitteln erzählen Texte und Bilder? Wie erzeugen sie Reaktionen der Leser und Betrachter? Auf einer Konferenz an der Universität Hildesheim haben Experten aus Kulturwissenschaft, Literatur- und Kunstdidaktik, Anthropologie und Bildungswissenschaften sowie Illustratoren, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher die Schnittstellen, Überlagerungen und Konvergenzen im narrativen Raum zwischen Text und Bild erläutert und sich mit Differenzen zwischen sprachlichem Erzählen und Erzählen im Bild befasst.

Die beiden Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Bettina Uhlig, Professorin für Kunstpädagogik, und Irene Pieper, Professorin für Literaturwissenschaft, untersuchen, wie Kinder Bild und Text wahrnehmen. Sie beschäftigen sich seit Jahren in der Forschung mit dem narrativen Potenzial von Bildern und Sprache.

„Das aktive Erzählen ebenso wie das rezeptive Aufnehmen von Erzählungen sind Grundbedürfnisse des Menschen. Durch die Erzählung können raum-zeitliche Daten geordnet und geklärt werden. Die Erzählung ermöglicht es, ein wirkliches oder fiktives Geschehen zu bewältigen“, sagt Uhlig. Die Erzählforschung zeigt, dass die Fähigkeit zum Entwerfen und Verstehen von Erzählungen bereits in der jüngsten Kindheit angelegt ist. „Wir arbeiten mit der Tagung die narrativen Qualitäten von Bildern heraus“, so Uhlig. Dass sich Narrationen mittels gesprochener und geschriebener Sprache vermitteln, sei ganz unbestritten. Dass aber auch ein Bild an sich narrativ konstituiert sein kann, sei durchaus umstritten.

Bestehen Differenzen zwischen sprachlichem Erzählen und Erzählen im Bild? „Das, was in der Sprache erzählend nacheinander entfaltet wird, stellt sich im Bild quasi simultan dar“, sagt Irene Pieper.

Wie lernen Kinder, mit Bilderbüchern umzugehen?

Wie und wo können Kinder lernen, mit Bilderbüchern umzugehen? Die Forschung zu Interaktionen in Kindergärten, etwa zwischen einer Erzieherin und einer Kindergruppe, zeigt zum Beispiel, wie Kinder lernen, Erzählungen zu verstehen, zu rekonstruieren, eigene Deutungen vorzustellen und mit Sprachangeboten umzugehen, so Professorin Pieper.

Bilderbücher werden oft zuerst mit Erwachsenen betrachtet. „In Familien, die gute Bildungsangebote für Kinder anbieten, ist die Rezeption von Bilderbüchern interaktiv strukturiert“, sagt Irene Pieper. Die Familiensituation ist ganz bedeutsam, ergänzt Bettina Uhlig. „Dieses ganz eng nebeneinander sitzen, zusammen auf das Bild und auf das Bilderbuch gucken, vielleicht noch in einer Abendsituation, das hat etwas emotional und atmosphärisch Bedeutsames.“

„Für Kinder ist ein Bilderbuch ein Weg, um Geschichten wahrzunehmen und eigene Geschichten zu erzählen“, ergänzt Anna Root. Sie schließt derzeit an der Universität Hildesheim ihr Lehramtsstudium mit den Fächern Kunst und Deutsch ab und arbeitet parallel an einer Grundschule nahe Springe. In ihrer Masterarbeit untersucht die Studentin, welche Wahrnehmungshilfen beim Betrachten von Bilderbüchern im Unterricht zum Einsatz kommen können. In einer empirischen Untersuchung hat Root mit Kindern einer vierten Klasse zum Beispiel Rahmen verwendet, mit denen Kinder einzelne Bildausschnitte in den Fokus rücken und den Rest eines komplexen, detaillierten Bildes verdecken können. „Was passiert davor, was nach dieser Szene? Die Kinder haben Geschichten gezeichnet. Wir haben zwei Wochen an den Erzählungen gearbeitet. Die Kinder haben mit großer Freude eigene Geschichten entworfen.“

Das Umblättern verlangt Zeit

Was passiert zwischen den Seiten? Im Umblättern, im Vor- und Zurückblättern steckt eine besondere Chance, sagt Professorin Gabriele Scherer, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Koblenz-Landau. Das Umblättern trage dazu bei, das Verstehen zu fördern. „Nicht wischen und klicken auf einem Smartphone – das einfache Blättern mit all der Materialität verlangt Zeit. Man braucht Zeit, um Bilderbücher zu betrachten, man soll auch verweilen.“

Man müsse auch aushalten, dass Bilder nicht eindeutig sind, sagt Gabriele Lieber, Professorin für Ästhetische Bildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Mitveranstalterin der internationalen Konferenz. „Kinder interpretieren Bilder, es gibt kein richtig oder falsch, es ist ihre eigene Imagination. Die Geschichte muss nur schlüssig für sie selbst sein.“

Das „produktive Potenzial“ von Bilderbüchern beschreibt Literaturwissenschaftlerin Scherer so: Kinder können erkennen und benennen, sie können beobachten und kombinieren, sie können Figurenperspektiven einnehmen, Leerstellen füllen und interpretieren sowie Bilder in Worte fassen, sprechen, dazu schreiben.

Welche Bilder kann man Kindern zumuten?

Manche Bilderbücher setzen ein Wissen über den Inhalt der Geschichte voraus. „Das schriftlose Märchenbuch funktioniert eigentlich nur, wenn man das Handlungsschema im Kopf hat“, sagt Scherer.  Der spanische Illustrator Adolfo Serra verzichtet in dem Bilderbuch „Rotkäppchen“ vollständig auf Worte. Heranzoomen und weiter wegfahren, ein bisschen wirken die einzelnen Doppelseiten von Serra wie ein Film: In einer Nahaufnahme blickt der Betrachter frontal in die Augen des Wolfes, Rotkäppchen spiegelt sich in den Augen. Die Gefahr ist unglaublich präsent. Ein auf der Bildebene hochkomplexes Buch. Übrigens waren zu Grimms Zeiten die Märchentextsammlungen weitaus beliebter, wenn sie einzelne Bildillustrationen und Kupferstiche enthielten.

Bilderbücher wie jene von Serra führen auch zu der Frage: Welche Bilder kann man Kindern zumuten? Bilderbücher thematisieren nicht nur das Leichte, Schöne, Lustige. Sie wenden sich auch ganz ernsten Themen zu. Bild und Text tragen dazu bei, Emotionalität darzustellen, wie Untersuchungen von Margarete Hopp, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Duisburg-Essen zeigen.

Seit Anfang der 2000er Jahre explodieren die Bücher für Kinder, in denen tatsächlich Tod, Sterben und Trauer thematisiert wird, von gleichaltrigen Freunden aber auch Geschwistern sowie Tod in der Natur und von Tieren, sagt die Hildesheimer Professorin Kathrin Audehm. „Es ist kein Tabu mehr. Ausnahme ist, dass der Moment des Sterbens eines Kindes im Buch thematisiert wird.“ Audehm ist pädagogische Anthropologin und interessiert sich in der Forschung für die szenischen Elemente und „was Bilder machen“ und welche Art von Wissen sie anregen.

Medien, die Bild und Text verbinden sind neben Bilderbüchern auch Graphic Novels, Comics und historische Buchmalereien. Wie das Nebeneinander von Bildern gestaltet ist, untersucht Michael Leibrand, Doktorand am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Hildesheim. „Man nimmt mehr oder weniger wahr, je nachdem wie viel die Seite preisgibt“, sagt Leibbrand über die Comicseite und ihre „Seitenarchitektur“. „Comiclesen ist ein Lernprozess. Ich brauche beides – einen schauenden und einen lesenden Blick.“

Comics verfügen über visuelle und verbale Hinweise, „die es uns erlauben, in die Welt einzutauchen und in die Figuren hineinzuversetzen", ergänzt Felix Griesa, der an der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung der Universität zu Köln über die Geschichte und Theorie der Comics forscht und sich mit der Vielfältigkeit der Erzählinstanzen befasst. „Wir arbeiten in unseren Fachdisziplinen an ähnlichen Fragestellungen. Es ist wichtig, dass wir auf einer Konferenz wie dieser in Hildesheim zusammenkommen.“

Die Forschung geht weiter: Kinder verfügen über spezifische Imaginationsprofile

Die Forschung geht weiter. Derzeit untersucht Bettina Uhlig, wie Kinder Bilder wahrnehmen, produzieren und wie sich dies verändert. Hierfür hat sie auf der Domäne Marienburg ein bilddidaktisches Forschungsstudio eingerichtet. In Kooperation mit Grundschulen und Kindergärten führt sie ein Feldforschungsprojekt durch, das Aufschluss über die anthropologischen und kulturellen Grundlagen der Entwicklung von Bildlichkeit geben soll.

Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder über spezifische „Imaginationsprofile“ verfügen. So gibt es Kinder, die in Erzählungen denken, andere wiederum können sich Szenisches oder technische Zusammenhänge besonders gut vorstellen. Je nach Imaginationstyp variiert die bildnerische Praxis und führt bei einer gezielten Begleitung zu unterschiedlich großen Fortschritten in der individuellen Bildpraxis von Kindern. Die Hildesheimer Forschungsergebnisse fließen sowohl in die fachdidaktische Diskussion als auch in die Praxis in Kindergärten und Schulen ein.

Jede Woche kommen Kinder aus umliegenden Grundschulen in die Universität. „Ob ich zu einem Botticelli-Kunstbuch oder ein Bilderbuch von Aljoscha Blau greife – an beiden kann man erklären, wie Bilder gemacht sind, wie sie auf uns wirken und wie sie mit uns kommunizieren“, so Uhlig.

Irene Pieper forscht im Bereich der literarischen Anschlusskommunikation und untersucht Vorlesegespräche zu Bilderbüchern. Im Lehramtsstudium untersuchen Studierende am Institut für deutsche Sprache und Literatur anhand von empirischen Daten, was solche Gespräche in der Schule und im Kindergarten ausmacht. Wann sind solche Gespräche gelungen? Was sind also Qualitätskriterien solcher Gespräche? Es geht darum, nicht alles aufzulösen und zu verraten, sondern Interpretationsräume zu eröffnen und Sprachangebote bereitzuhalten, so Pieper. „Die Bilder enthalten häufig auch Implizites, worüber man nicht so leicht sprechen kann. Wenn man darüber kommunizieren will, muss man einen Rahmen bereitstellen, auch in heterogenen Lerngruppen mit mehrsprachigen Kindern.“

Wer mehr über die Forschung erfahren möchte, kann sich an Prof. Dr. Bettina Uhlig und Prof. Dr. Irene Pieper wenden. Mehr über die Konferenz „Erzählen zwischen Bild und Text“ lesen Sie hier.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-12460 Fri, 30 Sep 2016 13:36:00 +0200 Was ist echt? Konferenz zu Fakten und Fiktionen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/was-ist-echt-konferenz-zu-fakten-und-fiktionen/ Sind das erfundene Charaktere? Ist das ein Lebensbericht? Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland auseinander. Die Universitäten Hildesheim und Salamanca laden im Oktober zu einer Konferenz ein. Die Tagung soll weitere Kooperationen in Forschung, Lehre und im Studierendenaustausch anbahnen. Autorinnen und Autoren können Geschehnisse mit Worten nachbilden oder eine völlig neue Wirklichkeit schaffen, die in Büchern, Filmen, auf der Bühne und in den Köpfen der Zuschauer und Leser lebt.

In der internationalen literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschung nimmt das Interesse an ästhetischen Grenz- und Mischformen zwischen Fakten und Fiktionalität derzeit stark zu, sagt Professor Toni Tholen, Literaturwissenschaftler an der Universität Hildesheim. So werden Grenzen und Überlappungen von Fakt und Fiktion im Bereich der Szenischen Künste untersucht. Nach der postdramatischen Wende findet vor allem das Dokumentartheater wieder zur Theatralität zurück. Es gibt neue Formen, um Realität zu simulieren: Schauspieler werden durch wirkliche Personen ersetzt, Spielräume werden nicht mehr auf Theaterbühnen angesiedelt und Texte entstehen erst im Verlauf von Aufführungen.

Die Universitäten Hildesheim und Salamanca laden im Oktober 2016 zur binationalen Konferenz „Fakten, Fiktionen und Fact-Fictions“ [Programm PDF] im spanischen Salamanca ein. Professor Michael Pfeiffer (Barcelona) spricht zum Beispiel über literarische Zeugnisse des Unrechts. Professorin Marisa Siguan (Barcelona) setzt sich mit Fakten, Spuren und Autofiktion bei Hertha Müller auseinander. Die Hildesheimer Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare untersucht Notizbücher von Peter Weiss und dessen „autofiktionale Grenzgänge“. Was autobiographische Fälschungen verraten, erläutert Professorin Patricia Cifre Wibrow (Salamanca) in ihrem Vortrag. Über das „Schreiben im Rückblick“ und das historisch-fiktionale Erzählen Profesor Manuel Maldonado Aleman von der Universidad de Sevilla.

Wie geht das zeitgenössische Erzähltheater mit Fakten um? Professor Jens Roselt, Theaterwissenschaftler und Dekan des kulturwissenschaftlichen Fachbereichs der Universität Hildesheim, setzt sich in seinem Vortrag mit „aufgeführten Biografien“ auseinander. Professor Arno Gimber von der Universidad Complutense de Madrid spricht über Wirklichkeitsbeschreibungen und Fälschungen im Dokumentartheater und Professorin Brigitte Jirku von der Universitdad de Valencia erläutert am Beispiel des Dokumentartheaters und des NSU-Prozesses, wie Dokumente Teil des Theaters werden.

„Wir möchten im Rahmen der Forschungskooperation einen Beitrag leisten zur Erfassung und Bewertung komplexer ästhetischer Entwürfe und Präsentationen, die das Spannungsverhältnis zwischen Fakt und Fiktion in origineller, Erkenntnis fördernder Weise ausschreiten“, so Professor Tholen über die Zusammenarbeit in den Literatur- und Kulturwissenschaften. Tholen hofft, dass mit der Konferenz „weitere Vernetzungsaktivitäten“ zwischen der Universität Hildesheim und anderen deutschen wie spanischen Universitäten auf den Feldern von Forschung, Lehre, Studierendenaustausch und wissenschaftlicher Nachwuchsförderung entstehen.

Die Konferenz findet vom 3. bis 5. Oktober 2016 in Salamanca statt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert die Konferenz aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Professorin Patricia Cifre Wibrow von der Universidad de Salamanca, Professor Arno Gimber von der Universidad Complutense de Madrid und Professor Toni Tholen von der Universität Hildesheim laden gemeinsam zur internationalen Konferenz ein.

Wer Fragen zur Konferenz hat oder sich für das Forschungsthema interessiert, kann Prof. Dr. Toni Tholen und Dr. Jennifer Clare vom Institut für deutsche Sprache und Literatur kontaktieren.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-12235 Sat, 30 Jul 2016 19:10:00 +0200 Ministerin: „Uni Hildesheim leistet wichtigen Beitrag für Verständigung“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ministerin/ „Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch“, so die Niedersächsische Wissenschaftsministerin anlässlich ihres Besuches an der Hildesheimer Universität. „Sprachförderung, Bildungsangebote und kulturelle Teilhabe sind entscheidend für die Integration von Zugewanderten. Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu  Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch. Die drei Projekte, die ich mir heute angesehen habe, sind herausragende Beispiele dafür, dass Integration, Teilhabe und Diversität an der Universität Hildesheim gelebt und als gesamtuniversitäre Aufgabe definiert werden. Mein Dank gilt den engagierten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Studierenden, die in ihren Bereichen daran arbeiten, dass der gesellschaftliche Wandel positiv gestaltet wird“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić anlässlich ihres Besuches an der Universität Hildesheim.

Die Ministerin hat in dieser Woche die Universität Hildesheim besucht, um sich über den Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" zu informieren. Darüber hinaus informierte sie sich über die Qualifizierung von Geflüchteten, die ein Studium aufnehmen möchten. Außerdem sprach die Ministerin mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich Mehrsprachigkeit über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung.

Musikalische Wege: Aus der Not heraus den Gesang entdeckt

„Mit Musik kann man etwas bewegen, was man mit Worten nicht erreichen kann“, sagte Tinatin Tsereteli. Als Zehnjährige kam sie mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Deutschland an, da in Georgien ein Bürgerkrieg ausbrach. „Wenn ich allein war, bin ich eingetaucht in meine Musikwelt. In Georgien hatte ich Klavier- und Geigenunterricht. Die Musikwelt meiner Kindheit war sehr vielfältig. In Deutschland hatte ich kein Instrument, eine völlige Leere, wir hatten ein Zimmer für die ganze Familie. Aus meiner Not heraus habe ich den Gesang für mich entdeckt.“ Nach dem Abitur hat sie Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und anschließend im Weiterbildungsstudiengang „musik.welt" studiert. Die Sängerin und Musikpädagogin kombiniert die musikalische mit der sprachlichen Bildung in Kitas und Grundschulen. „Die Kinder wollen lernen und alles wie ein Schwamm aufsaugen, wir müssen ihnen nur die Chance geben“, sagt Tsereteli.

Über Bildungschancen sprach auch Abbass Anoor. „Ich bin in Darfur aufgewachsen. Ich wollte zur Schule gehen, aber ich durfte nicht. Ich wollte nicht als Kuhhirt enden und rannte mehrfach ohne Erfolg von zu Hause weg, bis es mir mit 13 Jahren gelang. Ich wollte in die Schule gehen. Erst mit 20 Jahren lernte ich richtig, Texte und meinen Namen zu schreiben.“ 25 Jahre später spricht Anoor vier Sprachen: Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Er ist ein bekannter Rapper aus dem Sudan und musste wegen seiner kritischen Liedtexte das Land verlassen. In seinen Texten spricht der Musiker und Dichter trotz einer positiven Grundeinstellung auch die Probleme seines Landes an. „Ich kann mich durch Musik am besten ausdrücken, was ich fühle, was ich auf den Straßen gesehen habe zu der Zeit, als ich noch im Sudan war.“

Heute studiert der Rapper Musik an der Universität Hildesheim. „Die universitäre Sprache ist etwas schwierig für mich, der Weg von Frankfurt nach Hildesheim ist zeit- und kostenaufwändig“, sagt der 43-Jährige. „Aber für mich ist das Studium eine große Chance. Wirklich, eine große Chance. Ich lerne viele neue Dinge über Musik, Geschichte und kulturelle Diversität. Ich lerne ein neues Instrument, jetzt spiele ich E-Bass. Die Leute an der Universität sind sehr hilfreich, auch in anderen Lebensbereichen. Das Center for World Music hat mir eine Chance, eine neue Familie gegeben. Mein Dank gilt Professor Raimund Vogels und Morena Piro – ich habe zum Glück diesen Ort gefunden. Jetzt habe ich eine zweite Heimat – hier in Deutschland.“

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige aus, die Musik in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – zum Beispiel in Kitas, Schulen, Stadtteilen, Flüchtlingsunterkünften und Jugendzentren. „Das Wissenschaftsministerium hat den Studiengang musik.welt ermöglicht. Die Stiftung Niedersachsen fördert diese Arbeit, dafür bedanken wir uns sehr“, sagte Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Ohne die Unterstützung der Stiftung Niedersachsen könnten die Studentinnen und Studenten nicht an der Universität Hildesheim lernen, da viele den Betrag für ein berufsbegleitendes Studium nicht finanzieren könnten. Insgesamt erhalten 20 Studierende jeweils ein Stipendium. Eine wichtige Landesstiftung habe die Bedeutung von Musik und kultureller Diversität in der Gesellschaft erkannt und handelt entsprechend, so der Musikethnologe und Direktor des Hildesheimer Forschungszentrums, Professor Raimund Vogels. Dadurch konnten in Hildesheim Strukturen aufgebaut werden, um Bildungswege von Menschen, von denen viele ihre Bildungsabschlüsse im Ausland (etwa Georgien, Kamerun, Marokko, Russland, Sudan, Iran, Irak, China, Mongolei) erworben haben, zu fördern und gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen anzuerkennen.

Universität begleitet Wege in das Studium – Ministerin: „Sie sind Pioniere“

Während Tinatin Tsereteli und Abbass Anoor den Übergang in das Studium bereits geschafft haben, sind einige junge Erwachsene mitten auf ihrem Weg an die Universität. Die Wissenschaftsministerin sprach mit jungen Erwachsenen aus Syrien, Ruanda und dem Iran, die sich derzeit in einem sechsmonatigen Intensivsprachkurs auf ein Studium vorbereiten. Sie gaben Einblicke in ihren Lebensweg und erklärten, welche Chancen, aber auch Schwierigkeiten sie erleben.

Seit Frühjahr 2015 begleitet die Universität Hildesheim Studieninteressierte mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg ins Studium. Derzeit nehmen 15 junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs und einer Studienvorbereitung teil. „Wir begleiten Studierende auf ihrem Weg an die Universität. Die Studienvorbereitung umfasst eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewerbung, Finanzierung und Stundenplangestaltung. Wie orientiere ich mich auf dem Campus, wie nutze ich die Bibliothek und das Rechenzentrum? Außerdem gehören Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, Treffen mit Studierenden und Ausflüge dazu“, sagte Anna-Maria Pulm, Mitarbeiterin im International Office der Uni Hildesheim.

„Ich persönlich habe einen Plan, Schritt für Schritt“, berichtete der 24-jährige Majed. Seit eineinhalb Jahren lebt er in Deutschland. „Erst muss ich die deutsche Sprache besser sprechen und schreiben. Ich möchte gut in der Sprache sein. Dann möchte ich mein Informatikstudium abschließen und einen Beruf finden. Ich konnte mein Studium in Aleppo in Syrien nicht fortsetzen, Ich habe viel Zeit verloren und möchte endlich wieder lernen. Ich habe zufällig über eine Freundin von dem Intensivsprachkurs in Hildesheim erfahren – das ist ein großes Glück. Das Uni-Angebot ist selten, ich kenne viele Freunde, die keinen Sprachkurs machen und sich nicht auf ein Studium vorbereiten können. Ich mache mir aber Sorgen, wie ich mein Studium finanzieren kann.“

Auch Nareen, Sajadeh und Ahlam möchten ihr Studium fortsetzen. Als Nareen vor eineinhalb Jahren in Hildesheim ankam, war der Wunsch groß, wieder zu lernen. „Wegen des Krieges in Syrien konnte ich mein Mathematikstudium nicht fortsetzen“, so die 24-Jährige. „Am Anfang war es einfach mit der Sprache, ich habe eine B1-Prüfung abgeschlossen. Dann gab es eine lange Pause – und nun habe ich endlich den Sprachkurs an der Universität gefunden. Man muss sich bemühen, um sein Ziel zu erreichen.“ Sajadeh bereitet sich derzeit auf das Lehramtsstudium vor, ein zweimonatiges Praktikum an einer Grundschule in Hannover habe ihren Berufswunsch bestätigt. An einer iranischen Universität hat die 31-Jährige Englisch und Literatur studiert. Dann habe sie viel Zeit verloren. Nun möchte sie „unbedingt weiterstudieren“. Täglich fährt sie vier Stunden durch Niedersachsen, um an dem Sprachkurs in Hildesheim teilzunehmen. Auch Ahlam hat „viel gewartet“, um ihren Bildungsweg fortsetzen zu können. „Das Schwierige ist die Sprache. Ich habe viel alleine gelernt und habe mir die Sprache selbst beigebracht. Ich habe nach einem Sprachkurs gesucht. Viele Schulen haben mir gesagt: Nein, du kannst nicht studieren. Dann habe ich diesen Intensivsprachkurs der Universität Hildesheim gefunden, ich bereite mich jetzt auf mein Studium vor. Es ist eine tolle Gelegenheit. Wir lernen gemeinsam und wir diskutieren in der Gruppe“, sagt die 24-jährige Ahlam. Sie lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland.

„Sie sind Pioniere, sie haben jetzt angefangen, ihren Bildungsweg an der Universität fortzusetzen. Ich wünsche Ihnen alles Gute“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin zu den jungen Erwachsenen.

Mehrsprachigkeit: Maßnahmen sollten auf Forschungserkenntnissen aufbauen

Es sei wichtig, so Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, aktuelle Bildungsmaßnahmen auf Erkenntnissen aus der Forschung aufzubauen. Derzeit tagen etwa 40 Promovenden sowie Professorinnen und Professoren aus den USA, dem Irak, Schweden, Island, Italien, England und Deutschland an der Universität Hildesheim. Darunter Koryphäen wie die Linguisten Professor Konrad Ehlich, Professorin Rita Franceschini und Professorin Aneta Pavlenko.

„Es gibt viele Personen, die aktuell beim Spracherwerb helfen möchten. Damit wir jetzt nicht in eine Phase kommen, in der sich viele Personen engagieren, dann aber merken, dass sie nicht weiterkommen oder an Widerstände stoßen, braucht es eine Professionalisierung von Lehrpersonen, die in verschiedenen Altersstufen unterrichten können – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene – und Personen, die sich auch mit Traumata befassen“, sagte die Schweizer Professorin Rita Franceschini, die an der Freien Universität Bozen in Südtirol, Italien, forscht und lehrt.

„Wir müssen die gesamte Lernbiografie eines mehrsprachigen Kindes betrachten, und können ein Kind nicht allein auf Sprache oder Migrationshintergrund reduzieren. Eine interdisziplinäre Perspektive ist wichtig. Jeder Lerner bewegt sich innerhalb eines soziokulturellen Umfeldes, bringt eine bestimmte Persönlichkeit, bestimmte kognitive Fähigkeiten und psychologische Bewältigungsstrategien mit“, sagte Professorin Kristin Kersten. Die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin untersucht derzeit in zwei Forschungsprojekten gemeinsam mit Psychologen, wie Kinder mehrsprachig lernen. An bilingualen Schulen und Kindertagesstätten dokumentiert das Forscherteam zurzeit, wie der Spracherwerb funktioniert und wie Lehrer diese Lernprozesse begleiten und bilinguale Programme implementieren [mehr Infos zur Studie 1 und Studie 2]. Die Projekte werden im Rahmen der Programme „PRO Niedersachsen“ und „VW Vorab“ gefördert.

Wie können Lehrerinnen und Lehrer den Spracherwerb begleiten? „Es sollte Plattformen geben, um sich über gelungene Maßnahmen auszutauschen. Jede Person lehrt für sich alleine. In einem ‚Center for meetings‘ könnten sich Lehrer treffen und ihr Wissen und Materialien teilen: Was funktioniert gut? Das ist sehr simpel, aber effektiv“, kommentierte Professorin Aneta Pavlenko von der Universität Philadelphia, USA. Sie ist selbst in einem Flüchtlingscamp aufgewachsen und hatte in den 90er Jahren Englisch in einer Flüchtlingsunterkunft in Italien unterrichtet. Solch ein Austausch sollte sowohl online wie auch offline, im persönlichen Gespräch, möglich sein. „Lehrer sollten sowohl gelungene Materialien und Stundenplanungen teilen als auch ihre Erfahrungen, wenn etwas nicht klappt", so Professorin Pavlenko.

„Der Bedarf an abgesichertem Wissen zu Fragen der Migration und Integration ist groß“, so Elke Montanari. Daher fördert die Universität den wissenschaftlichen Nachwuchs.

An der internationalen „Summer School: Multilingualism and Diversity Education" sind das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung, das Institut für deutsche Sprache und Literatur, das Institut für englische Sprache und Literatur sowie das Institut für Interkulturelle Kommunikation beteiligt.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-12278 Thu, 21 Jul 2016 14:08:00 +0200 Forum für Englischexperten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/forum-fuer-en/ Das Institut für Interkulturelle Kommunikation und das Institut für Deutsche Sprache und Literatur befassen sich auf einer Tagung mit dem Thema "Multilingualism and Diversity" an der Universität und im Alltag. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Tagungen & Kongresse news-12220 Sat, 28 May 2016 17:51:00 +0200 Probieren geht über Studieren https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/probieren-ge/ Im Rahmen seiner Reihe "Peter probiert's" besucht HAZ-Reporter Peter Rütters eine Lehrveranstaltung des Instituts für deutsche Sprache und Literatur von Ursula Bredel, in der es um den Leseerwerb in der Grundschule geht. Er vergleicht seine eigene Studienzeit mit den Erlebnissen heute und stellt fest, dass sich nicht allzu viel verändert hat... Pressespiegel regional Universität Hildesheim Fachbereich 1 Grundschuldidaktik und Sachunterricht Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-11525 Fri, 11 Mar 2016 10:22:00 +0100 Unser A und O: Wie Kinder lesen und schreiben lernen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/unser-a-und/ Ein Team um Professorin Ursula Bredel hat eine Datenbank mit deutschen Kernwörtern erstellt, die Lehrerinnen und Lehrer bei der Planung und Durchführung eines systematischen Orthographieunterrichts unterstützt. Mit Sprache Welten entwerfen – Isa Lange hat bei der Hildesheimer Wissenschaftlerin nachgefragt, wie Kinder lesen und schreiben lernen. Lesen und Schreiben: Als Erwachsener kann man sich kaum erinnern, wie man diese Fähigkeiten erlernt hat. Was leisten Kinder eigentlich beim Schriftspracherwerb?

Ursula Bredel: Mit dem Erwerb der Schriftsprache öffnet sich für Kinder eine neue Welt: Sprache, die vorher in der unmittelbaren Interaktion gegeben war, wird zum situationsentbundenen Gegenstand, die Kommunikationspartner werden abstrakt. Wer Schrift beherrscht, kann den unmittelbaren sozialen Nahraum verlassen, eine wichtige Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe. Auf dem Weg zu kompetenten Schreibern und Lesern müssen Novizen die Form und die Funktion der Schrift entdecken und erproben.

Wie können Eltern und Schule die Kinder auf dem Weg zum kompetenten Schreiber unterstützen?

Für die Erschließung der Funktionsseite sind eine intensive Vorlesepraxis und Gespräche über das Gelesene – wir sprechen von Anschlusskommunikation – besonders wichtig. Die Kinder lernen, dass Sprache nicht an die unmittelbare Kommunikation gebunden ist, sondern Welten entwerfen kann, an denen sie gemeinsam partizipieren können. Die gemeinsamen Vorlesesituationen sollten neben der zunehmenden Ermutigung, Texte selbständig zu lesen und zu schreiben, deshalb auch weit über das erste Schuljahr hinaus ein fester Bestandteil des Deutschunterrichts sein.

Darüber, wie Kinder die Formseite erschließen, herrscht weit weniger Einigkeit: Im herkömmlichen Unterricht wird den Kindern viel selbst überlassen. Sie lernen Buchstaben als Abbilder von Lauten kennen und Schreiben nach Gehör. Die ersten Lese- und die ersten Schreibversuche scheitern: Aus „Roller“ wird beim Lesen „R-OO-L-EE-R“, eine Wortgestalt ohne Bedeutung. Die Kinder erleben dann Lesen nicht als Sinnentnahme, sondern als Übersetzen von Zeichen (Buchstaben) in andere Zeichen (Laute). Eine Tätigkeit ohne Sinn und Verstand. Beim Schreiben wird aus „Roller“ im besten Fall „ROLA“, eine Wortgestalt, die nur schwer entzifferbar ist.

Wie könnten Alternativen aussehen?

Die Orthographie ist die beste Lehrerin: Sie zeigt den Kindern, was weder hörbar ist noch bei genauer Aussprache ermittelt werden kann: Die Struktur der Sprache. Wir sollten Kindern deshalb die richtigen Muster anbieten und nicht mit Einzellauten, sondern mit Silben arbeiten. Sie zeigen zum Beispiel, ob ein Vokal in einer betonten Silbe (Hauptsilbe) kurz (geschlossene Silbe Fel- in Felder) oder lang (offene Silbe Fe- in Feder) zu artikulieren ist. Um auch die jeweils zweite Silbe, die unbetonte Reduktionssilbe (hier -der), erschließen zu können, in der die Buchstaben ganz andere Funktionen übernehmen, arbeiten wir mit der Basisform deutscher Wörter: Dem Trochäus, einer Form aus einer betonten und einer unbetonten Silbe (finden, Tante, Nase, lesen, böse, lieben, Roller, Feder, Felder, Wälder), an dem die Orthographie deutscher Kernwörter insgesamt ausgerichtet ist.

Um die Lehrkräfte bei einem Unterricht zu unterstützen, der auf der Er- und Bearbeitung des trochäischen Basismusters aufbaut, haben wir an der Universität Hildesheim die frei zugängliche Datenbank DORA aufgebaut [siehe Infokasten unten].

Auf Silben reagieren schon Säuglinge. Der Trochäus bildet das wichtigste Schema für den Worterwerb: Wenn Ein- bis Zweijährige „Banane“ sagen wollen, hören wir oft einfach  „nane“, aus „Schokolade“ wird „lade“, aus „Mandarine“ „rine“. Schon sehr kleine Kinder filtern das trochäische Muster sicher heraus; daran kann und sollte man im Schriftspracherwerb anknüpfen. Und Kinder, die Deutsch nicht als Erstsprache sprechen und deren Erstsprachen anderen prosodischen Mustern folgen, können auf der Basis des geschriebenen trochäischen Kernmusters sehen lernen, was sie (noch) nicht hören können.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Prof. Dr. Ursula Bredel lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hildesheim. Die Sprachwissenschaftlerin ist Mitautorin des Buches „Wie Kinder lesen und schreiben lernen“.

Kurzinfo / Muster erkennen und so die Orthographie lernen: Datenbank DORA

Kinder lernen die Schreibung von Wörtern nicht auswendig, sondern orientieren sich an orthographischen Mustern, die sie auf neue Fälle übertragen. Wer leben schreiben kann, weiß, was zu tun ist, wenn er kleben, eben, beben, heben, neben oder streben schreiben will.

Im Rechtschreibunterricht sollte die Entdeckung von orthographischen Mustern aktiv unterstützt werden, fordert ein Hildesheimer Forscherteam. Professorin Ursula Bredel und Hrvoje Hlebec (Sprachdidaktik) und Professor Ulrich Heid und Ronny Jauch (Sprachtechnologie und Computerlinguistik) sowie der Informatikstudent Wilfried Hehr haben eine Datenbank mit derzeit 3213 trochäischen Basisformen entwickelt. Lehrkräfte können in dieser „Datenbank orthographisch regulärer Ausdrücke“ nach Wörtern mit geschlossener Silbe (Felder, holpern, Kante), Wörtern mit Dehnungs-h (Sahne, Fohlen, Bühne), Wörtern mit Diphthong (Geier, Beule, hauen), aber auch nach Wörtern mit bestimmten Anfangs- oder Endbuchstaben suchen. 

„DORA“ zeigt, wie man Kinder schon früh für Wortbausteine sensibilisieren kann, die man braucht, wenn man liebte oder Wald schreiben will: Denn die Wortansicht macht nicht nur Haupt- und Reduktionssilben sichtbar (lie-ben, Wäl-der), sondern durch Einfärbung auch das Stammmorphem (lieb-en, Wäld-er), das in jeder Wortform mit diesem Stamm erhalten bleibt. Die Datenbank ist so gebaut, dass sie intuitiv genutzt werden kann, enthält zur Orientierung aber zugleich einen Begleittext und ein Glossar. Die Datenbank „DORA“ ist online zugänglich.

Die Datenbank „DORA“ wird auch auch in der Lehrerausbildung eingesetzt: Die Studierenden ermitteln die Systematik der Wortschreibung, stellen ihr bisheriges Wissen auf den Prüfstand und bauen neues, systematisches Wissen auf, das sie für ihre spätere Berufstätigkeit brauchen. „Ein gezieltes Experimentieren mit DORA könnte auch rechtschreibschwachen Kindern helfen, der Systematik der Orthographie auf die Spur zu kommen“, so Bredel. 

Kurzinfo / Schriftspracherwerb in der Lehrerausbildung

Der Schriftspracherwerb ist eine der zentralen Anforderungen, denen sich Lernende bei Schuleintritt stellen müssen und in der Regel auch wollen, so Professorin Ursula Bredel. Vom Erfolg des Erwerbs der Schriftsprache hängt die gesamte weitere Bildungsbiographie ab. Sprach- und Literaturdidaktikerinnen und Didaktiker der Universität Hildesheim befassen sich in Seminaren zum Beispiel mit folgenden Themen: Orthographie des Deutschen und ihr Erwerb, Lesesozialisation, Vorlesen und Anschlusskommunikation, Handschrift, Umgang mit Fehlern und Wissen von Kindern bei Schuleintritt.

Lesen Sie dieses Interview im aktuellen Uni-Journal (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-11445 Sun, 28 Feb 2016 13:00:00 +0100 Wissenschaftliches Arbeiten: Es geht um mehr als um Noten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/wissenschaftliches-arbeiten-es-geht-um-mehr-als-um-noten/ Ein Team des Lese- und Schreibzentrums gibt Tipps rund um Lese- und Schreibtechniken. Studierende aller Fachbereiche können sich am Bühler-Campus über Strategien für das wissenschaftliche Arbeiten informieren. Nachgefragt bei einer Studentin aus den Hildesheimer Kulturwissenschaften. Nachtschicht am Laptop – aber nicht allein. Aufgeschobene Hausarbeiten endlich anpacken oder begonnene abschließen: Während der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten am Donnerstag, 3. März 2016, geben Fachleute in der Universitätsbibliothek Tipps rund um das wissenschaftliches Arbeiten [mehr Infos untenstehend].

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus ist jede Woche ansprechbar und unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Recherchehilfen und Beratung. Studentische Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Tipps zu Schreibtechniken. Studierende können einfach einen Termin vereinbaren (E-Mail an: schreibtutoren[at]uni-hildesheim.de).

Wissenschaftliches Arbeiten – Nachgefragt bei einer Studentin aus den Kulturwissenschaften

Helene Timm studiert an der Universität Hildesheim im 3. Bachelorsemester Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit den Fächern Literatur und Medien. Die 21-jährige Rostockerin hat sich für die Studienvariante „Kulturpolitik im internationalen Vergleich" entschieden. Sie nimmt an der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten teil. Ein Gespräch im Burgtheater auf dem Kulturcampus.

Wie gehst du mit dem Berg an Aufgaben um?

Helene: Ich kann gut unter Druck arbeiten, wie wahrscheinlich viele Menschen, die kurz vor der Abgabefrist ihre Projekte erledigen. Dabei ergibt sich dann oft eine Phase, in der ich besonders intensiv an einem Thema arbeite und völlig in die Materie einsteige. Mich motiviert es, auch im Team zu arbeiten. Durch das Diskutieren des Themas werden einem meist nochmal neue Aspekte bewusst.

Woran arbeitest du gerade, was musst du derzeit schaffen?

Das reicht von der Themenfindung für eine Hausarbeit zu Design und Dingen bis hin zu einer Holzskulptur, wo ich ganz handwerklich arbeite und direkt Fortschritte sehen kann. Dann schließe ich gerade ein Interview-Seminar ab: Jeder in unserer Gruppe hat Menschen während Mitfahrgelegenheiten zu Mobilität und Flexibilität  interviewt. Dafür sprechen wir gerade unsere eigenen Gedanken zum Thema in Monologform im Studio ein. Die Interviews und Monologe betten wir dann online in eine Karte ein. Wenn man auf die Strecke klickt, die wir gefahren sind, hört man die persönlichen Geschichten.

Dann arbeite ich noch an einer Forschungsstudie im interkulturellen Kulturmanagement mit. Hierfür habe ich internationale Expertinnen interviewt. Um unter anderem herauszufinden, inwieweit sich Kulturmanagement in einzelnen Ländern unterscheidet und wie man zukünftige Zusammenarbeiten verbessern kann. Dabei mussten wir uns neben den Inhalten genauso mit den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens auseinandersetzen: Wie baut man so eine Studie überhaupt auf, wie erfasst man Dinge, wie wertet man seine Daten aus?

Hast du das Gefühl, du hast einen Berg an Aufgaben vor dir oder ist das zu schaffen?

Es stapelt sich schon in diesen letzten Wochen vor den Abgabefristen. Wahrscheinlich ist es wichtig, sich auf den Moment zu konzentrieren, was man in dem Moment schaffen kann. So ist es am besten machbar, indem man sich jeden Tag ein paar Aufgaben vornimmt, die man angeht. Ich finde es auch immer gut, wenn man sich mit Leuten verabredet, ein Ziel vor Augen hat, das gemeinsam durchzieht und aus dem Tag einen workspace entstehen lässt. Wir kochen zum Beispiel auch gemeinsam. Ich glaube, das motiviert manchmal mehr, als wenn man sich alleine an den Schreibtisch setzt.

Und was willst du verändern?

Ich könnte die Morgende noch mehr als Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Ich verlagere sehr viele Dinge auf nachts, was für kreative Prozesse ziemlich gut funktioniert, aber für Strukturierungsarbeiten nicht so sehr. Trotzdem bin ich eher der Nachtmensch.

Dein Ratschlag an andere Studierende?

Ich glaube, das ist für jeden ganz unterschiedlich. Ich finde es wichtig, dass man sich im Klaren ist, welche Motivation dahinter steckt, warum man das Projekt, die Hausarbeit, die Prüfung macht. Arbeite ich auf eine Deadline hin oder interessiert mich auch, was ich tue? Ich finde es wichtig, für sich selbst einen persönlichen Fortschritt anzustreben, es geht um mehr als um eine Note.

Die Fragen stellte Isa Lange

Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim lädt Studierende aller Fachbereiche in Kooperation mit der Universitätsbibliothek zur Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten ein. An über 50 Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum und in den USA und zum Beispiel in Singapur treffen sich seit 2011 einmal im Jahr tausende Studierende, um gemeinsam zu schreiben, aufgeschobene Arbeiten endlich anzupacken oder begonnene abzuschließen.

Auch Hildesheim ist dabei – das Lese- und Schreibzentrum und die Universitätsbibliothek unterstützen Studentinnen und Studenten mit Lese- und Schreibberatung, Recherchehilfen, Schreibtischsport und Snacks. Es gibt eine Nachtwanderung, eine Methoden-Bar und Chill-Out-Zone, eine Twitter-Wall in die anderen Schreibzentren und Bibliotheken. Die Lange Nacht findet in Hildesheim am Donnerstag, 3. März 2016, von 20 Uhr bis 02 Uhr in der Universitätsbibliothek am Hauptcampus statt.

Das Team des Lese- und Schreibzentrums unterstützt Studentinnen und Studenten mit Lese- und Schreibtechniken, Beratung, Feedback und Motivationsschüben. Die Bücher der Universitätsbibliothek stehen als Recherchehilfen vor Ort zur Verfügung. Das Team der Uni-Bibliothek unterstützt Studierende bei der Literaturrecherche.

Außerdem geben Lehrende Einblicke in ihre aufgeschobenen Projekte und verraten, wie sie mit Schreibblockaden umgehen. Während des „Schreibtalks“ (um 20:15 Uhr) sprechen zum Beispiel die Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper und der Sportwissenschaftler Dennis Wolff über ihre Schreiberfahrungen – von der ersten Hausarbeit bis zur liebsten Aufschiebestrategie. „Die Studierenden sollten auf diese Weise einen Eindruck davon bekommen, dass wir alle mal klein angefangen haben, dass Schreiben auch mit mehr Schreiberfahrung durchaus mal mühsam sein kann und Austausch helfen kann“, sagt Jana Zegenhagen.

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news-11131 Tue, 05 Jan 2016 15:16:00 +0100 Begegnung auf dem Postweg https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/begegnung-au/ Wer nicht anfängt, kann nichts verändern: In studentischen Gremien, im Studierendenparlament und beim Allgemeinen Studierendenausschuss kann man etwas bewirken, sagen Svenja Brakebusch und Robert Rathke. Manchmal, sind es die kleinen Gesten die zählen – und mehr wiegen als Geld. Studierende der Universität Hildesheim haben Geschenkpakete für Familien gestaltet, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben. Manchmal sagen Worte sehr viel – und weitaus mehr als Geld: Auf der Rückseite eines Fotos von Studierenden steht:

„Wir wünschen dir frohe Weihnachten! Wenn du möchtest, würden wir dich gerne einmal treffen.“

Unter der Nachricht haben die Studierenden ihre Kontaktdaten geschrieben. Lasst uns treffen, das ist die Botschaft, die die jungen Erwachsenen an Familien senden, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben.

Von dieser Idee ist die Studentin Svenja Brakebusch beeindruckt. „Das finde ich total cool, dass man den Mut hat und sagt: So, ich würde dich gerne kennen lernen. Du bist neu hier? Ich bin gerne dein Ansprechpartner in dieser Stadt.“

Umgeben von Schuhkartons stehen Svenja Brakebusch und Robert Rathke in einem Uni-Büro. Die beiden studieren an der Universität Hildesheim Lehramt und haben gemeinsam mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), dem Studierendenparlament (StuPa) und in Zusammenarbeit mit dem Hildesheimer Migrationsverein Asyl e.V. Geschenke für Kinder und Jugendliche gesammelt, die nach der Flucht mit ihren Familien oder alleine in Hildesheim angekommen sind. Im Dezember haben sie Studierende und Lehrende dazu aufgerufen, ein Päckchen zu packen: Die Pakete sind in Geschenkpapier umhüllt, liebevoll bemalt, enthalten Spielsachen, Kleidung, Schreib- und Schulmaterialien, dazu handgeschriebene Briefe und Karten. Auf dem Paket kleben kleine Zettel mit einer Altersangabe.

Bis zur Decke stapeln sich die etwa 150 Pakete, täglich wurden es in den letzten Dezemberwochen mehr, bevor sie an Familien in Hildesheimer Flüchtlingsunterkünften verteilt wurden.

„Mit herzlichen Grüßen für ein gutes neues Jahr in Sicherheit und Gesundheit“

steht auf einer Karte in deutscher und englischer Sprache.

Von der Resonanz sind sie überwältigt. „Es ist eine kleine Geste, wir wollen hier vor Ort in Hildesheim etwas tun. Die Leute stehen in unserem Büro: mit welcher Freude sie die Geschenke mitbringen“, sagt Svenja Brakebusch.

Die 23-jährige Lehramtsstudentin engagiert sich seit drei Jahren im Studierendenparlament der Uni. „Wir haben viele Spenden bekommen, auch große Tüten mit Kuscheltieren. Und Mädchen-Schnick-Schnack, Haarbänder, Fußbälle, Lego-Trecker, etwas Süßes mit dazu.“ Außerdem wurden Schulsachen, Stifte, Radiergummis, erste Lesebücher, Anspitzer und Spielzeug eingepackt, ergänzt Robert Rathke. „Die Studierenden haben sich viele Gedanken gemacht, wir haben mit 20 Paketen gerechnet und stehen hier jetzt mit achtmal so viel.“ Die Pakete enthalten auch Grüße und Glückwünsche für das neue Jahr in verschiedenen Sprachen.

„Der große Dank geht an die Studierenden, die sich an solchen Aktionen beteiligen“, sagt Rathke, der an der Universität Lehramt mit den Fächern Wirtschaft, Geschichte und Evangelische Theologie studiert. Seine Hoffnung ist nun, dass über einzelne Feiertage hinaus Freundschaften und Begegnungen entstehen – zum Beispiel durch die Fotokarte mit der handgeschriebenen Einladung: „Lasst uns einmal treffen!“.

Studierende, sagt Robert Rathke, „können die Kompetenzen, die sie an der Universität erwerben, zum Beispiel in den Sprachwissenschaften und im Lehramt, auch im Alltag nutzen und sich einbringen“. Lehramtsstudierende gehen zum Beispiel seit Herbst 2015 in eine Hildesheimer Erstaufnahmestelle und lernen mit Erwachsenen und Familien die deutsche Sprache. 

Studierende aller Fachbereiche können beim Ankommen in der Universität mit Rat zur Seite stehen, sagt Svenja Brakebusch. „Wo muss ich hin, wie stelle ich einen Stundenplan zusammen, was muss ich beantragen, wo sind die Gebäude, in denen das Seminar stattfindet? Wie komme ich zur Universität? Im Alltag geht es darum, zu sagen: ‚Komm doch einfach mit, wir machen das zusammen.‘ Es ist eigentlich gar nicht viel, aber es hat eine riesen Wirkung.“ Das Ziel sei, dann gemeinsam im Hörsaal zu sitzen – um zu lernen.

Studentisches Engagement:

Wer sich für die Mitarbeit in den studentischen Gremien interessiert, kannst sich an Svenja Brakebusch und Robert Rathke wenden. Informationen zum Studierendenparlament findet man online. Den Allgemeinen Studierendenausschuss erreicht man zum Beispiel per E-Mail (kontakt[at]asta-hildesheim.de) und telefonisch unter 05121.883-90184. „Studierende können gerne mit ihren Ideen auf uns zukommen, wir helfen mit Infrastruktur weiter“, sagt Svenja Brakebusch. „Ich lerne hier viel“, sagt Rathke, der beim AStA für Finanzen zuständig ist.

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news-10972 Tue, 15 Dec 2015 14:00:00 +0100 Nach der Flucht: Lernen statt warten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/nach-der-flu-1/ Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle: Lehramtsstudierende unterstützen Erwachsene, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Weitere Studierende können mitwirken – ab sofort kann man sich anmelden. Seit Mitte Oktober 2015 gehen Lehramtsstudierende jeden Tag in eine Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Sie unterstützen Erwachsene und ihre Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Bisher haben die etwa 150 Menschen, darunter viele Familien, die Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung mit Warten verbracht. „Wir wollen die Zeit nutzen, um miteinander und voneinander zu lernen“, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert. Katharina Melzner leitet den Sprachunterricht und studiert „Deutsch als Zweitsprache“ in Hildesheim. Für Lehramtsstudierende ist dieser Rahmen hilfreich: sie müssen nicht allein einen Sprachkurs auf die Beine stellen, sie vernetzen sich, tauschen sich über Unterrichtsmaterialien aus und die Arbeit liegt auf vielen Schultern verteilt. Parallel zum Elternkurs gestalten die Studierenden ein Angebot für Kinder und Jugendliche.

Lehramtsstudierende aller Fächer können die Tätigkeit als Sozialpraktikum anrechnen lassen. Studierende können im Sprachlernprojekt mitwirken (alle Infos online). Das Projekt wird vom Land Niedersachsen gefördert und 2016 durchgängig fortgeführt.

Der nächste Starttermin für das zehnwöchige Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle ist Anfang Januar, dann wieder im März, Mai, Juli und September 2016. Am 4. Dezember 2015 findet eine Informationsveranstaltung für Studierende statt.

Interview: Nachgefragt bei Marie-Therese

Eine der ersten, die seit Oktober im Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle mitwirkt, ist Marie-Therese Brammer. Die 22-Jährige studiert Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch an der Universität Hildesheim.

Wie sieht dein Alltag aus?

Marie-Therese: Gemeinsam mit weiteren Lehramtsstudierenden fahre ich mit dem Bus zur Erstaufnahmestelle. Da die Anbindung in das Gewerbegebiet nicht so gut ist, bilden wir auch oft Fahrgemeinschaften. Das geht, wir kommen irgendwie immer hier an. Der Sprachunterricht findet an jedem Nachmittag statt. Ich bin seit Oktober immer montags und dienstags hier, bis Ende des Jahres. Wir bauen den Speiseraum für das Sprachenlernen um, schieben die Tische zusammen, wir haben hier keinen extra Raum für den Sprachunterricht. Dann kommen auch nach und nach schon die Teilnehmer, manche bringen ihre kleinen Kinder mit.

Wie fängt man an? Ihr arbeitet sehr nah am Alltag. Wer bin ich, wie heiße ich – ihr greift viele Alltagsthemen auf.

Das ist richtig. Die Teilnehmer am Sprachkurs sprechen Arabisch, Serbisch, wenige sprechen Englisch. Wir versuchen mit Bildern, Händen und Füßen die Vokabeln zu vermitteln. Wir gehen zum Beispiel einkaufen und lernen dabei die Begriffe für die Lebensmittel – das Ei, die Milch, eine Tomate, ein Salat. Oder wir sprechen über die Uhrzeiten – was bedeutet „Viertel vor“? Heute ging es um den Familienstammbaum: Mutter, Vater, Kinder – wir haben uns die Stammbäume aufgemalt. Das ist manchmal auch sehr persönlich. Aber das geht, weil wir auch in Kleingruppen arbeiten und uns zu zweit unterhalten. Heute habe ich mit einem Mann aus Syrien gesprochen, er ist mit seiner ganzen Familie hier in Hildesheim und hat aufgezeichnet, wie seine Kinder, seine Eltern heißen. Ich habe erfahren, dass er 13 Geschwister hat. Da musste ich erstmal nachfragen – wirklich? Fünf Brüder und acht Schwestern. Wir verstehen uns gut, man lernt sich kennen, mit Händen und Füßen, er spricht ganz wenig Englisch.

Neben dem Sprachkurs – klassisch am Tisch mit einer improvisierten Tafel, Zetteln und einem Stift – lernt ihr die Sprache auch in der Freizeit. Ihr erkundet die Stadt Hildesheim, ihr geht einkaufen, ihr wollte zusammen kochen.

Einmal in der Woche gibt es ein Freizeitangebot. Wer in der Erstaufnahmestelle ankommt, hat bisher noch wenig von Deutschland kennen gelernt. Wir sind der erste Kontakt. Wir gehen raus, lernen Vokabeln im Alltag und wenden sie an.

Man kann die Sprache auch mit technischen Mitteln lernen: Es gibt Apps zum Sprachenlernen, Übersetzungsprogramme. Ihr könntet auch einen Tag in die Erstaufnahmestelle kommen, jedem ein Smartphone in die Hand drücken, erklären, wie der Online-Sprachkurs funktioniert und dann seid ihr wieder weg und lasst die Menschen hier allein. Das ist aber nicht der Ansatz dieses Sprachlernprojekts. Ihr verbringt Zeit miteinander, wollt zusammenkommen. Man lacht zusammen, man ist traurig, wenn man erfährt, dass Familienangehörige nicht mehr leben. Was lernst du dabei?

Man verfolgt das sonst nur im Fernsehen, dass Menschen nach Deutschland fliehen. Hier in den Räumen der Erstaufnahmestelle, beim Sprachenlernen passiert viel Menschliches. Ich finde es sehr spannend zu erleben, wie es funktioniert, sich auszutauschen. Auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht, klappt die Verständigung. Es bringt uns allen viel, wir sind angehende Lehrerinnen und Lehrer. Wenn ich später im Klassenzimmer unterrichte, werde ich auch Kinder unterstützen, die noch kein Wort Deutsch sprechen.

Ist die Frage, wie lernt man als Erwachsener die deutsche Sprache als zweite Sprache für dich frisch und ungewohnt oder hast du dich damit schon im Studium beschäftigt?

Im Bachelor-Studium habe ich einige Seminare im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ besucht. Man lernt, wie es sein müsste – aber dann fehlt die praktische Erfahrung. In den Schulpraktika habe ich mit Kindern und Jugendlichen gelernt, die in einer Phase ihres Lebens sind, in der sie sowieso zur Schule gehen und lernen. Deshalb finde ich es sehr interessant, dass ich in dem Sprachlernprojekt nun mit Erwachsenen arbeiten kann und erfahre, wie das abläuft. Die Arbeit in der Erstaufnahmestelle kann ich mir für mein Studium anrechnen lassen, zum Beispiel als Praxisteil für das „Bilinguale Zertifikat“.

Du bist jetzt im Masterstudium und startest bald in den Beruf. Freust du dich auf die Herausforderung? Fühlst du dich überfordert oder suchst du nach Wegen, wie man mit Vielfalt umgehen kann?

Mein Ziel ist, in Niedersachsen zu unterrichten. Ich freue mich da wirklich drauf. Die Vielfalt an Schulen wird immer sichtbarer, ich interessiere mich sehr für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wir können an der Universität in Hildesheim das Masterstudium um ein Jahr verlängern und uns im DAZ-Bereich spezialisieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Interview-Serie über das Sprachenlernen wird fortgeführt. Nächstes Mal: Nachgefragt bei Erwachsenen: Wie erleben sie das Erlernen der deutschen Sprache?

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Flüchtlinge Lehrerbildung Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration
news-11016 Sun, 13 Dec 2015 18:06:00 +0100 Klasse – wir treffen uns! 70 Jahre Lehrerausbildung https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/klasse-wir/ 2016 jährt sich zum 70. Mal die Aufnahme des Studienbetriebs an der Pädagogischen Hochschule Alfeld. Die Universität Hildesheim startet ihr Ehemaligen-Netzwerk und lädt Mitte Januar 2016 zu einer Festveranstaltung ein. Wer hier studiert hat, kann ab sofort Geschichten aus der eigenen Studienzeit oder Erinnerungen an den Beruf in der Schule an die Uni senden. Die Wurzeln der Lehrerausbildung reichen in Hildesheim weit zurück. „Der Jahreswechsel 1945/46 unmittelbar nach Gründung des Landes Niedersachsen hat für die Stiftung Universität Hildesheim eine hohe Bedeutung“, sagt Markus Langer, der an der Uni für die Universitätsförderung verantwortlich ist und derzeit einen Festakt für Freunde, Förderer und Ehemalige der Universität Hildesheim vorbereitet. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann – 20 Kilometer entfernt – der Studienbetrieb in den „Alfelder Kursen der Pädagogischen Hochschule Hildesheim“, denn im zerstörten Hildesheim waren keine geeigneten Gebäude vorhanden. Aus ihr ging 1978 die wissenschaftliche Hochschule und später die Universität Hildesheim hervor. Frühe Schulpraxis ist seit Gründung der Hochschule bis heute Teil der Lehrerausbildung. „Die ‚Alfelder Grundlagen' sind es gewesen, welche die Universität Hildesheim zu dem gemacht haben, was sie heute in der niedersächsischen Bildungslandschaft ist", so Dr. Uwe Thomas, Vorsitzender des Stiftungsrates der Universität und Präsident von Bosch Automotive Aftermarket.

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums möchte die Universität nun erfahren:
Was wurde aus den Studierenden, die seit den 50er Jahren hier gelernt haben? Wie erleben Studierende heute die Lehrerausbildung? Wie erleben junge Lehrkräfte den Start in Schulen in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt oder Berlin?

Als erste Absolventin des Studiengangs Kulturpädagogik erinnert sich Lore Auerbach an die Anfangsjahre zurück. „Dieser Studiengang wurde gerade erst aus der ehemaligen Pädagogischen Hochschule heraus entwickelt. Vieles wurde improvisiert, es gab erst sehr wenige Studierende. Die Seminare waren klein, Studierende und Lehrende kannten sich alle. Man hatte das Gefühl, an etwas Neuem mitzugestalten“, so Auerbach. Sie wünscht für die Zukunft der Stiftungsuniversität, dass diese auch weiterhin innovative Studiengänge entwickelt.

Die Universität lädt alle ehemaligen Studierenden, Freunde und Förderer am Sonnabend, 16. Januar 2016, ab 11:00 Uhr zu einer Festveranstaltung nach Hildesheim ein. Gemeinsam kehren die Teilnehmer zu den Anfängen zurück und erleben die Entwicklung der Hochschule. Der zweistündige Festakt auf dem Gelände des Hauptcampus bietet Raum für Austausch (weitere Informationen zum Festakt: 70 Jahre Lehrerausbildung).

Wer Interesse hat, kann an einer Vorabendveranstaltung oder einer Stadtführung durch Alfeld und Hildesheim teilnehmen. Wer sich aktiv an der Veranstaltung mit Ideen einbringen und zum Beispiel ein Jahrgangstreffen organisieren möchte, kann sich an Maike Becker wenden. Sie sammelt auch besondere Geschichten und Erinnerungen aus der eigenen Studienzeit oder an den Beruf in der Schule, die man per E-Mail oder Post zusenden kann. Texte und Bilder werden ggf. ganz oder in Auszügen veröffentlicht. Dabei sucht die Uni nicht nur Schilderungen aus den 50er Jahren, sondern gerade auch aus den Jahren 1960 bis 2000 sowie Schilderungen von aktuell tätigen Lehrkräften oder Referendaren, die an der Uni studiert haben.

Mit der 70-Jahr-Feier für Absolventinnen und Absolventen aller Fächer und aller Jahrgänge der Universität und ihrer Vorgängereinrichtung startet auch ein bundesweites Ehemaligen-Netzwerk. Alumni können sich online registrieren und werden über aktuelle Entwicklungen informiert. Wer sich online registriert, erhält über diesen Weg auch eine persönliche Einladung zum Festakt im Januar.

Interessierte erreichen Maike Becker per E-Mail (maike.becker@uni-hildesheim.de) oder auch telefonisch (05121 883-90132). Auch der Postweg (Universität Hildesheim, z.Hd. Maike Becker, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim) steht Ehemaligen für die Registrierung und Anfragen zur Verfügung.

Hintergrund / Hildesheimer Lehrerausbildung heute

Lehramtsstudierende sind im ersten Studienjahr jeden Freitag im Klassenzimmer. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

500 Lehramtsstudierende starten jeden Herbst in ihr erstes Studienjahr. Sie sind mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer: Die Lehramtsstudierenden der Uni Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule, das ist bundesweit besonders. Um dies zu gewährleisten arbeitet die Universität eng mit Partnerschulen zusammen. In den „Schulpraktischen Studien“ beobachten die angehenden Lehrkräfte in einer studentischen Kleingruppe im ersten Studienjahr jeden Freitag Unterricht und sprechen darüber mit einer Lehrkraft und mit Lehrenden aus den Erziehungswissenschaften in Seminaren. Die Studierenden erhalten früh Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester halten sie eine erste Unterrichtsstunde.

Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Stiftung Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet in weiteren Praxisphasen im Verlauf des Studiums mit 250 Partnerschulen in Hannover, Hildesheim und der Region zusammen.

Mehr erfahren: „Willkommen im Schulalltag. Wie die Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer ausbildet", Reportagen und Interviews (Seite 46 bis 67) im Magazin der Universität Hildesheim, 2015

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Ang. Erziehungswissenschaft Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Deutsche Sprache Englische Sprache Mathematik & Angewandte Informatik Biologie & Chemie
news-11070 Tue, 08 Dec 2015 17:14:00 +0100 Graduiertenkolleg startet: „Wir wollen selbst dabei klüger werden“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/graduiertenk/ Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde: Die acht Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in Raptexten, in der bildenden Kunst und im Computerspiel. „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch", sagt Professorin Kathrin Audehm, die zwei Promotionsprojekte betreut. Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde. Das Kolleg ist erneut interdisziplinär ausgerichtet und fördert Promotionsprojekte aus den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften. „Ich hoffe, Sie, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten können die nächsten drei Jahre gut nutzen. Sie haben einen enormen Freiraum, um zu forschen und ihre Schwerpunkte zu entwickeln“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Silvia Lange.

Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden an der Universität Hildesheim. Es gebe „genügend zu erforschen“, sagt Professor Toni Tholen. „Auf vielen Ebenen des Bildungssystems und in Medien können wir die (Re-)Produktion von problematisierwürdigen Geschlechterpraktiken und Geschlechterbildern beobachten. Das Graduiertenkolleg bietet vielfältige Möglichkeiten, der Konstruktion von Geschlechterrollen nachzugehen“, so der Literaturwissenschaftler.

Das Kolleg ist interdisziplinär, also fachübergreifend, ausgerichtet. Das sei „kein vordergründiges Label, sondern wird gelebt“, sagt Toni Tholen. Er verweist auf die Diskussionsrunden, die in den kommenden Monaten anstehen.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten können sich wissenschaftlich auseinandersetzen – auf Tagungen, in Vorlesungsreihen, Workshops und in Arbeitssitzungen im zweiwöchigen Abstand. „Wir wollen selbst dabei klüger werden“, freut sich Tholen auf den Austausch.

Das Graduiertenkolleg – eines der wenigen dieser Art bundesweit – kann durch eine Förderung des Bundesforschungsministeriums und aus Mitteln des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums im Rahmen des Professorinnenprogramm II in eine zweite Runde starten. Insgesamt wurden für die neue Runde acht Promotionsstipendien (monatlich 1250 Euro Unterstützung) vergeben. Die Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in der bildenden Kunst, in spirituellen Diskursen und im Computerspiel, Raptexte als Orte informeller Bildung und das Selbstverständnis der Sexualpädagogik der 1980er. Weitere Wissenschaftlerinnen untersuchen, welche Rolle Geschlecht in der Sterbebegleitung spielt und mit welchen Begrifflichkeiten und Verständnissen von Identität in der pädagogischen Praxis gearbeitet wird.

Heidi Süß ist eine der Stipendiatinnen. Sie hat in Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ studiert, mit einem Schwerpunkt in der Sprachwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Hip-Hop-Kultur. „Es geht um soziale Ungleichheit. Innerhalb der Hip-Hop-Kultur gibt es Exklusionsprozesse, die diskursiv stattfinden“, sagt Heidi Süß. Wer wird außen vorgehalten? – das ist eine ihrer Forschungsfragen. In ihrer Dissertation möchte sie herausfinden, „ob jemand durch Musik ausgeschlossen wird“. Ihr Datenmaterial sind Raptexte in deutscher Sprache. Welche Texte sie analysieren wird, wird sie in den kommenden Monaten festlegen. „Das ist ein Vorteil des Kollegs – wie ich das Datenmaterial erhebe, können wir ausdiskutieren.“

Sie wolle dann untersuchen, ob Personen aufgrund ihres Geschlechts, der Herkunft, des Bildungsgrades oder des Alters Ungleichheit erfahren. Sie sei selber mit Hip-Hop aufgewachsen und habe erfahren, „dass es schon dazu kommt, dass bestimmte Personengruppen als nicht zugehörig betrachtet werden“. „Ich möchte aber kein Hip-Hop-Bashing machen. Ich untersuche auch, welche positiven Strategien es gibt, wieder teilzuhaben in der Szene, etwa indem Begriffe rückerobert und positiv gedeutet werden“, sagt Heidi Süß, die bereits in ihrer Abschlussarbeit bei der Sprachwissenschaftlerin Prof. Beatrix Kreß über „Gangsta-Rap“ geforscht hat und nun im Graduiertenkolleg „ganz viel Austausch und neue Erfahrungen“ erwartet. „Ich möchte viel lernen von den anderen.“

Eine der Professorinnen, die den wissenschaftlichen Nachwuchs in den kommenden drei Jahren begleitet, ist Kathrin Audehm. Die Erziehungswissenschaftlerin forscht zu Autoritätsverhältnissen in pädagogischen Organisationen und Genderkonstruktionen im Film. Sie unterstützt zwei Promovendinnen auf dem Weg, die Forschung zu beginnen und abzuschließen: Eva Reuter erforscht kritische Bildungsdiskurse in der außerschulischen Jugendarbeit und Melanie Pierburg befasst sich mit der Ausbildung von Ehrenamtlichen, die in Hospizen in der Sterbebegleitung tätig sind. „Die meisten, die im Hospiz arbeiten sind Frauen. In der letzten Lebensphase und im Umgang mit Tod und der Vergänglichkeit des Lebens müssen wir auch Geschlechteraspekte beachten.“

Was man erlebt, wenn man eine Promotion begleiten kann? „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch. Und ich bin gespannt, wie die ganz jungen Wissenschaftlerinnen ihr Feld erarbeiten und ihre Fragen entwickeln. Wichtig ist am Anfang in der Beratung, auch einzugrenzen. Dann sagt man auch: Jetzt ist genug mit Theorie, jetzt geht es ins Feld und darum, Material zu sichten. Man kann sich auch auf den Weg machen, ohne ihn vollständig zu kennen, es geht auch darum, das Selbstvertrauen zu stärken“, sagt Kathrin Audehm.

Graduiertenkolleg startet mit Auftaktveranstaltung

Im Rahmen einer feierlichen Auftaktveranstaltung im Hohen Haus auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg kamen die unterschiedlichen Fachdisziplinen im November 2015 zusammen. Vizepräsident Prof. Martin Schreiner hob die „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ und die Bedeutung der „strukturierten Nachwuchsförderung“ hervor. Zum Auftakt sprach unter anderem Professorin Kerstin Palm von der Humboldt-Universität zu Berlin über „Naturwissenschaften und Gender Studies". Außerdem wurde der gut 450 Seiten starke Sammelband „Bildung – Selbst(bild) – Geschlechterbilder“, der in der ersten Runde des Kollegs entstanden ist, vorgestellt.

Mit ihrer Forschung starten Marcus Felix, Sarah-Christina Glücks, Jöran Klatt, Alexandra Mieth, Melanie Pierburg, Eva Reuter, Heidi Süß und Nina von Wildenradt. Die Professorinnen und Professoren Kathrin Audehm, Meike Sophia Baader, Stefani Brusberg-Kiermeier, Michael Corsten, Beatrix Kreß, Annemarie Matzke und Toni Tholen begleiten die Stipendiatinnen und Stipendiaten in den nächsten drei Jahren. Wer mehr über die einzelnen Forschungsvorhaben erfahren möchte, wird auf der Internetseite des Kollegs fündig.

Wer Fragen zu dem Promotionsprogramm hat, kann die Projektkoordinatorin Dr. Kerstin Bueschges kontaktieren (E-Mail bueschge@uni-hildesheim.de).

Rückblick auf das erste Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11060 Mon, 07 Dec 2015 11:11:00 +0100 Sprache und Theater: „Diese geteilten Erfahrungen sind ein Schatz, für alle“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprache-und/ „Wir spielen Theater, jeden Freitag“ steht auf einem Handzettel, der im Flüchtlingsheim ausliegt. Der Probenraum eignet sich eigentlich gar nicht, dennoch bringt ein Team um Wiebke von Bernstorff Theaterszenen auf die Bühne des Alltags: Rapunzel, griechischen Mythen, Alice und Kafka-Texte. „Du bist dran!“ Ein sechsjähriges Mädchen rennt mit einem Hula-Hoop-Reifen auf Lehramtsstudierende zu, die noch etwas schüchtern auf Bänken sitzen. Sie haben Kuchen und Getränke mitgebracht, ein kleines Buffet steht an einer gelben Wandseite. In den nächsten Monaten wollen sie den Kindern beim Erlernen der deutschen Sprache und beim Ankommen in der Stadt Hildesheim helfen und mit ihnen Theater spielen, es ist das erste Treffen.

Reihum ist jeder Student, jede Studentin einmal dran. Das Mädchen nimmt jeden an die Hand, weist einen Platz im Raum zu, zählt laut die Umdrehungen des Reifens mit: 22, 23, 24, 25, 26, 27. Ein Junge blickt in die Runde: „Wer war noch nicht?“.

Die Kinder sind kleine Brückenbauer. Selbst erst seit wenigen Monaten in Deutschland, gelingt es ihnen, die Studierenden von den Bänken zu holen. „Es sind einfach Kinder, wie alle anderen Kinder auch. Manche sind schüchtern, andere gar nicht, manche frech, manche wild, manche sanft", sagt Wiebke von Bernstorff. Es komme darauf an, sie als diejenigen wahrzunehmen, die sie sind und werden wollen, ohne sie in vorgefertigte und meist defizitorientierte Schemata wie „traumatisiert“ oder „Opfer“ einzuordnen, so die Wissenschaftlerin. „Das müssen auch die Studierenden erst lernen." Das gemeinsame Theaterspielen sei ein Weg, ohne Sprache auszukommen, oder mit wenig, und dennoch teilzuhaben, sich zu begegnen und zwar gleichberechtigt.

Auf einem Handzettel steht: Wir spielen Theater, jeden Freitag

„Wir spielen Theater, jeden Freitag“ steht auf einem Handzettel, der im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße ausliegt. Die Literaturwissenschaftlerin und Theaterpädagogin Wiebke von Bernstorff arbeitet mit ihren Studierenden und jungen Erwachsenen – manche leben seit einigen Wochen, andere seit Monaten in Hildesheim – wöchentlich am Freitag an Theaterszenen. Seit vielen Jahren befasst sie sich mit dem interkulturellen Theaterspielen und bildet am Deutschinstitut Lehramtsstudierende aus.

„Der Probenraum im Flüchtlingsheim eignet sich eigentlich gar nicht, das ist ein Schulungsraum, aber das ist egal. Wir stellen Tische beiseite und arbeiten mit unseren Körpern und mit unserer Stimme. Wir erzählen uns Märchen, die älteren, schon länger in Deutschland lebenden Kinder übersetzen für die Kinder, die noch nicht alles verstehen.“ Die Theaterübungen basieren häufig auf Nachahmung, Studierende und Kinder bilden jeweils Paare. Besonders gerne mögen die Kinder Objektimprovisationen, erzählt Wiebke von Bernstorff. Dabei liegt ein Gegenstand in der Mitte, reihum macht jeder etwas mit dem Objekt. „Dabei wird aus einer Kiste zunächst ein Hut, dann ein Stuhl, dann ein Lenkrad. Wir jonglieren nicht mit Sprache, wir benutzen sie einfach.“

Seit zwei Jahren bietet die Wissenschaftlerin diese Lehrveranstaltungen an. „Studierende und Flüchtlinge begegnen sich sehr herzlich und interessiert. Die, die sich einmal eingelassen haben, sind ganz dabei, weil sie merken, dass sie hier als ganzer Mensch gefragt sind. Die Berührungsängste gegenüber dem Ort sind anfangs zwar oft groß. Deshalb fange ich immer mit einem Nachmittag zum Kennenlernen an. Diese Brücke braucht es. Die Anhänglichkeit, mit der die Kinder sich an die Studierenden binden wollen, ist eine neue Erfahrung und ungewohnt“, sagt von Bernstorff.

Mit Drei- bis Elfjährigen haben sie letztes Jahr das Märchen „Rapunzel“ inszeniert und zur Weihnachtsfeier aufgeführt. Studierende und Kinder haben die Rollen gemeinsam gespielt und dabei voneinander gelernt. „Dieses Jahr haben wir für die anstehende Weihnachtsfeier mit den Kindern ein eigenes Märchen in Anlehnung an Figuren und Motive aus 'Alice im Wunderland' entwickelt.“ Im Sommersemester hat die Gruppe mit Erwachsenen an Szenen zu griechischen Mythen gearbeitet. Sie haben Szenen entwickelt über Macht und Ohnmacht, Einschluss und Ausschluss.

Improviation – Aus einer Kiste wird zunächst ein Hut, dann ein Stuhl, dann ein Lenkrad

Und wer in das Vorlesungsverzeichnis klickt, landet auch im Wintersemester bei der Lehrveranstaltung von Wiebke von Bernstorff. Voraussetzung sind Spielfreude, Neugierde und Interesse, steht in der Beschreibung. In diesem Wintersemester beschäftigt sich die Gruppe mit Kafka-Texten. Unter ihnen ist zum Beispiel Moussa aus dem Sudan. Er möchte kein Schauspieler werden, erzählt er an einem Nachmittag im Herbst. „Ich spiele jeden Freitag zwei Stunden Theater, ich möchte mit anderen jungen Leuten sprechen. Wir arbeiten an Aufgaben, zum Beispiel spreche ich einen Satz laut und mache dazu eine Bewegung.“

Das Theater habe den Vorteil, dass man „ohne eine gemeinsame Sprache zusammen künstlerisch tätig sein kann“. Es gehe darum, so Wiebke von Bernstorff, sich aufeinander einzulassen. „Den Kindern fällt Vieles zunächst leichter als den Studierenden, denen es zum Teil schwerfällt, als Katze auf dem Boden herum zu jagen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, und schon gar nicht ein Besser oder Schlechter.“ Diese geteilten Erfahrungen seien „ein großer Schatz für alle“. „Ich gehe davon aus, dass das sehr nachhaltige Erfahrungen für die Studierenden sind.“

Es geht darum, sich aufeinander einzulassen

Das bestätigen auch die Lehramtsstudierenden. Seit einem Jahr dabei sind Carolin Schamel und Dennis Schwark. „Wir arbeiten an Szenen, auch mit erwachsenen Flüchtlingen, weil sie hier mehr oder weniger ausharren müssen und nicht rauskommen“, sagt Schamel, die gemeinsam mit Wiebke von Bernstorff und Anna Salgo vom Institut für deutsche Sprache und Literatur, Studierenden der Universität und der Hochschule HAWK auch in der Initiative „Pangea“ mitwirkt. Sie setzen sich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen in der Region Hildesheim ein, spielen gemeinsam Theater und machen Sport, sprechen Deutsch, reparieren Fahrräder in der Fahrradwerkstatt und möchten „Wegweiser“ im Alltag sein, etwa bei Behördengängen zur Seite stehen. „Wir wollen den Flüchtlingen das Ankommen in Hildesheim erleichtern, sie willkommen heißen, ihnen helfen, die Strukturen zu verstehen und zu nutzen und sprachliche Grenzen zu durchbrechen“, sagt Wiebke von Bernstorff.

Die Sprachwissenschaftlerin Anna Salgo hat zum Beispiel ihr Seminar vom Hörsaal in das Hildesheimer Flüchtlingsheim verlegt. Deutschstudierende haben dreimal wöchentlich eine Hausaufgabenbetreuung für Kinder angeboten. Musikstudierende bringen ihre Gitarre mit, singen mit den Kindern. „Ich lerne viel im Umgang mit Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, ich muss die Lernsituation, die Aufgaben, die Sprache anpassen“, sagt Josephine Winkler. Die Lehramtsstudentin der Universität Hildesheim war etwa vier Monate jeden Mittwoch im Hildesheimer Flüchtlingsheim und unterstützt Grundschulkinder beim Spracherwerb. „Wir lesen viel mit den Kindern. Wenn etwas Zeit ist, spielen wir Wortspiele, etwa ‚Obstsalat‘. Es fällt auf, dass Kinder ausziehen und neue hinzukommen, die teilweise noch kein Wort Deutsch sprechen, manche leben erst eine Woche hier. Die Kinder sind sehr offen zu uns“, sagt die 21-Jährige, die in Hildesheim Deutsch und Englisch studiert. „Es sind weniger fachliche Mängel, die Sprache ist die Hürde – und das in allen Fächern. Wir intensivieren den Kontakt zu den Schulen der Flüchtlingskinder“, sagt ihre Dozentin Anna Salgo.

Gegangen, gesehen, gesessen – in normalen Grammatikseminaren sei das Partizip II recht fern. Es sei toll, die Motivation der Studierenden zu erleben und zu sehen, wie die Studierenden Theorie und Praxis verbinden und ihr im Studium erworbenes Wissen über die deutsche Sprache und ihre Vermittlung anwenden. „Die Studierenden müssen nicht nur großes Engagement und Eigeninitiative sondern vor allem auch Flexibilität und Offenheit mitbringen. Das sind Eigenschaften, die auch in ihrem späteren Beruf als Lehrer und Lehrerinnen wichtig sind“, sagt Salgo. Sie haben Waffeln gebacken und auf dem Campus Spenden gesammelt, um Lernmaterialien zu kaufen, Buntstifte, Radiergummis, Lineale, Bildwörterbücher, Lernspiele.

„Teilweise kommen auch Eltern, die einen Deutschkurs besuchen, mit Fragen zu uns“, sagt Josephine Winkler. Manchmal können sie eine Eins-zu-Eins-Betreuung ermöglichen, wenn sehr viele Kinder das Angebot wahrnehmen, arbeiten sie in Gruppen.

Deutsch als Zweitsprache in Hildesheim

Sprache lernen. Das Bild entstand in einer Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Am Deutschinstitut lehrt und forscht mit Elke Montanari eine Professorin für Deutsch als Zweitsprache, Wissenschaftlerinnen befassen sich mit der Mehrsprachigkeit von Kindern und Jugendlichen. Wer Kontakt aufnehmen möchte oder Fragen zu Zweitspracherwerb und zu dem gemeinsamen Theaterspielen hat, kann sich bei Wiebke von Bernstorff (bernstor@uni-hildesheim.de) und Elke Montanari (elke.montanari@uni-hildesheim.de) melden.

Kontakt zur Initiative Pangea

Ankommen und Weiterkommen in Hildesheim: Studierende, die sich beteiligen und mit Ideen sowie Aktionen einbringen wollen, sind herzlich willkommen (E-Mail: pan.gea@gmx.de).

Bildungsteilhabe nach der Flucht

Weitere Informationen findet man auf der Internetseite des Zentrums für Bildungsintegration. Lehramtsstudentinnen und Studenten, die Erwachsene, Familien und Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen möchten, können ihr Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle in Hildesheim absolvieren.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-10944 Wed, 11 Nov 2015 10:00:00 +0100 Haltung zeigen: Weltoffene Hochschule – gegen Fremdenfeindlichkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/haltung-zeigen-weltoffene-hochschule-gegen-fremdenfeindlichkeit/ In einer bundesweiten Aktion der Hochschulrektorenkonferenz wenden sich Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, darunter die Universität Hildesheim. Was ist eine weltoffene Hochschule und wie können sich Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Studierende dafür einsetzen – nachgefragt bei Studierenden, Lehrenden und der Universitätsleitung. Die Hochschulen reagieren mit der bundesweiten Aktion „Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“ auf Vorkommnisse rassistisch motivierter verbaler und physischer Gewalt in den letzten Wochen und Monaten.

Was ist für Sie/für dich eine weltoffene Hochschule? Wer sich mit einem Statement an der Aktion „Weltoffene Hochschulen – gegen Fremdenfeindlichkeit“ beteiligen möchte, kann eine E-mail an presse@uni-hildesheim.de senden. Bitte geben Sie Ihren Namen an, gerne können Sie ein Bild im Querformat (inkl. Rechte zur honorarfreien Verwendung) mitsenden. Diese Internetseite wird regelmäßig aktualisiert und um Statements und Erfahrungen zu dem Thema ergänzt.

 

Universitäten bleiben weltoffen, sagt der Hildesheimer Universitätspräsident

Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich, Universitätspräsident Hildesheim:

„Es gelten zwei Grundsätze:

  1. Deutschlands historische Verantwortung macht Widerstand gegen Rassismus und Fremdenhass zur Bürgerpflicht.
  2. Wissenschaft ist international und Universitäten waren, sind und bleiben weltoffen.“

 

Universitäten sollten regelmäßig und selbstkritisch über ihre Strukturen und Routinen reflektieren

Unis sollten Strukturen reflektieren, die Diskriminierung verursachen, so Viola Georgi. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Prof. Viola B. Georgi vom „Zentrum für Bildungsintegration" der Universität Hildesheim:

„Für mich ist eine ‚Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit' vor allem eine inklusive Hochschule. Diese reflektiert regelmäßig und selbstkritisch über ihre Strukturen und täglichen Routinen, die Teilhabe und Partizipation erschweren und institutionelle Diskriminierung verursachen können. Durch das offene Gespräch auf allen Ebenen des universitären Lebens,  das Monitoring von Rassismus und eine klare Antidiskriminierungshaltung baut sie aktiv Barrieren ab.

Wie kann sich jeder, ob Lehrende oder Studierende, für Vielfalt im Alltag einsetzen? Die Auseinandersetzung mit diesen Themen beginnt im Seminar, zum Beispiel damit, dass man über Rassismus spricht, den Begriff in seiner Komplexität diskutiert sowie konkrete Beispiele aus den aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten (zum Beispiel das Phänomen Pegida) oder dem Umfeld der Studierenden analysiert.

Häufig entstehen dadurch auch Brücken in die Praxis und Studierende engagieren sich in konkreten Projekten vor Ort. An der Stiftung Universität Hildesheim gibt es zum Beispiel die Initiative für einen ‚Raum der Stille‘, der für Angehörige unterschiedlicher Religionen, aber auch nicht-gläubige Studierende einen nicht-konfessionellen spirituellen Ort für Rückzug bieten soll. Andere Studierende bilden Tandems mit neuzugewanderten Studierenden mit Fluchterfahrung und unterstützen diese bei den ersten Schritten im Hörsaal oder erteilen Sprachunterricht. Jedes Jahr organisiert das Zentrum für Bildungsintegration einen ‚Diversity Tag‘. Dieser Tag adressiert alle Mitglieder der Hochschule und greift jeweils ein relevantes Thema von gesellschaftlicher Diversität  auf. Dabei wechseln die Formate von der Podiumsdiskussion über Workshops, Lesungen bis hin zu Ausstellungen. In diesem Jahr geht es um religiöse Pluralität in der Schule. Wir wollen nach den Zusammenhängen von interkultureller und interreligiöser Bildung fragen und die Rolle von Religionslernen in der Schule im Kontext der Migrationsgesellschaft reflektieren.“

 

Woher kommen solche negativen Vorurteile?

Auf dem Weg zur Uni: Moussa, im Bild mit Kulturwissenschaftsstudent Robin (li). Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Moussa Ibrahim geht seit April 2015 zur Universität Hildesheim und besucht Seminare in den Bereichen Migrationspolitik und Umwelttechnik. Er ist einer der ersten jungen Erwachsenen, die nach der Flucht am Schnupperstudium in Hildesheim teilnehmen. Er wartet seit fast zwei Jahren auf eine Entscheidung, ob er in Deutschland weiterhin lernen und leben darf. Die Ungewissheit ist schwierig, statt zu warten, warten, warten, nutzt Moussa die Zeit, um zu lernen. Er geht zum Sprachkurs und zur Universität. Moussa Ibrahim sagt:

„Zu Fremdenfeindlichkeit sage ich definitiv ‚Nein', da ich damit nur schlechte Erfahrungen hatte. Na ja, ich frage mich sowieso, woher kommen solche negativen Vorurteile? Zum Beispiel wir ausländischen Studentinnen und Studenten auf dem Campus, besonders Flüchtlinge: Gibt es etwas, was an unserem Verhalten ungewöhnlich ist, weshalb deutsche Studentinnen und Studenten mit uns ernst, vorsichtig, misstrauisch umgehen? Schade! Manche Studenten und Menschen hier in Deutschland behandeln uns, als ob wir eine Münze mit zwei Seiten wären. Eine Seite von uns hat viele Probleme mit der deutschen Sprache. Deutsch ist die erste Hürde, wenn wir recht gut Deutsch sprechen können, dann können wir einen Kompromiss erreichen und uns besser verstehen. Ich lerne deshalb die deutsche Sprache, täglich. Noch eine kurze Frage: Warum brauchen wir viel Zeit beim Deutschlernen? Haben wir daran Schuld?

War Deutschland ein Ziel für viele von uns? Als wir von unseren Heimatkriegen geflüchtet waren? Diese Frage ist schwierig zu beantworten.

Wir kommen zurück zu unserem Thema ‚Weltoffene Hochschule'. An einer weltoffenen Hochschule zu studieren, davon träumt jeder. Dort können wir zusammen studieren, leben, uns unterhalten, diskutieren, andere Menschen akzeptieren, einander helfen usw. bis wir uns fühlen, als ob wir eine Familie wären. Diese Familie besteht aus Respekt, der Vater, und aus Liebe, die Mutter. Weil wir alle Menschen sind, und ohne Liebe und Respekt kann keiner leben. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die mich in dieser Lebensphase unterstützen und mir dabei helfen, dass ich zur Universität gehen kann.“

 

Jeder sollte die gleichen Bildungschancen haben

Es geht um Fairness, sagt die Lehramtsstudentin Jenny O’Gorman. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Jenny O’Gorman studiert Grundschullehramt mit den Fächern Englisch und Mathematik und sagt:

„Es geht darum, wie wir im Alltag miteinander umgehen. Es muss nicht unbedingt extra Kurse gegen Rassismus oder Diskriminierung geben. Das Thema sollte Teil jeder Lehrveranstaltung sein. Wie gehen wir miteinander um? Wer zum Beispiel eine Frage am Infotresen stellt, sollte gleich behandelt werden. Eine weltoffene Hochschule sollte Bildungschancen ermöglichen, unabhängig von der Herkunft. In Hildesheim können Flüchtlinge ein Schnupperstudium machen, wenn jemand nicht beweisen kann, dass er das Abi hat weil die Zeugnisse weg sind und die Lebensphase gerade schwierig ist, sollte es Möglichkeiten geben, dennoch den Bildungsweg fortzuführen. Die Uni sollte offen sein.“

 

Historische Verantwortung: Wissenschaft hat zu Ausschluss beigetragen 

Hochschulen sollten Sorge dafür tragen, dass niemand ausgeschlossen wird, so Meike Baader. Foto: Julia Moras

Prof. Meike Sophia Baader lehrt und forscht in der Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim und sagt:

„Hochschulen als Orte von Wissenschaft und Forschung, von Lehre und Ausbildung sind gefordert, sich mit sozialer, kultureller, religiöser und sprachlicher Heterogenität auf verschiedensten Ebenen auseinanderzusetzen, Heterogenität kennzeichnet und bereichert die Forschung und Lehre. Nicht nur die zunehmende Internationalisierung der Studierenden und des Personals an Hochschulen verpflichtet diese dazu, sich gegen Fremdenfeindlichkeit zu positionieren, sondern auch die gesellschaftliche Verantwortung von Hochschulen. Eine weltoffene Hochschule ist eine, die sich dazu verpflichtet und Sorge dafür trägt, dass Menschen verschiedener Herkunft grundsätzlich zu allen Ebenen der Organisation Zugang erhalten und nicht aufgrund von gruppenbezogenen Zugehörigkeiten ausgeschlossen oder benachteiligt werden. Hier gilt es Barrieren abzubauen und Zugänglichkeit und Teilhabe zu erleichtern. 

Zu einem umfassenden Engagement von Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit gehört für mich auch, die historische Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Hochschulen und die Wissenschaft selbst in der deutschen Geschichte zu Fremdenfeindlichkeit und Ausschluss beigetragen haben. Ich habe an der Universität Heidelberg studiert. Dort wurde 1933 das Motto der Universität ‚Dem lebendigen Geist' durch ‚Dem deutschen Geist' ersetzt. Erst Ende der 1980er Jahre wurde in der Universität eine Gedenktafel für die vertriebenen Wissenschaftler_ innen errichtet. Wie eine Verantwortungsübernahme  von Wissenschaftsorganisationen für ihre eigene Geschichte aussehen kann, zeigt beispielsweise die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Im Rahmen eines Forschungsprojektes wird ihre eigene Involviertheit in die Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus untersucht und in einer unlängst in Berlin in der ‚Topographie des Terrors' präsentierten Ausstellung ‚Wissenschaft, Planung, Vertreibung' thematisiert. Die Universität Frankfurt hat vor einem Monat beschlossen, dass alle ihre Bereiche sich am Tag der Befreiung von Auschwitz, am 27. Januar, der Erinnerung und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zuwenden. 

Zudem sollten Hochschulen als Orte der Wissenschaft auch Orte der Kritik und der Ausbildung von Kritikfähigkeit und damit der Aufmerksamkeit für Mechanismen und Muster der Ausschließung sein.  Hochschule und die Wissenschaft im 21. Jahrhundert braucht die Vielfalt von Perspektiven auf ihre Themen und Gegenstände.

Wir bieten an unserem Institut und unserer Abteilung einen erziehungswissenschaftlichen Master-Studiengang an, der einen Schwerpunkt ‚Diversity Education‘ aufweist. Themen wie ‚Inklusion‘, die ‚Konstruktion von Fremdheit‘ bzw. von ‚Andersheit‘, ‚antirassistische Bildungsarbeit‘, ‚Migration und Pädagogik‘ oder auch ‚Erziehung nach Ausschwitz‘ gehören bei uns zum festen Studienprogramm und damit zu unserem Alltag in der Lehre. Dazu gibt es auch eine ganze Reihe von gemeinsamen Projekten an der Abteilung. Etwa das Projekt ‚Erinnerungskulturen als pädagogische und bildungspolitische Herausforderung‘ (2015). Aktuell habe ich mit der Promovendin Wiebke Hiemisch gemeinsam einen Forschungsantrag zu ‚Unterricht in Ravensbrück‘ in Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte gestellt. Auch diese Themen werden bei uns in der Lehre angeboten und wir beziehen die Studierenden in solche Projekte ein.

Der Umgang mit Verschiedenheit ist eine permanente Herausforderung für alle Lehrenden und Studierenden. Nicht nur, dass Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit und Mechanismen der Ausschließung zum Thema in Lehrveranstaltungen gemacht werden, darüber hinaus geht es auch darum, dass in der Praxis von Lehrveranstaltungen zum Beispiel ausgrenzendes Sprechen und andere Praktiken sich nicht durchsetzen. Null Toleranz gegenüber Fremdenfeindlichkeit  ist m.E. ein wichtiges Prinzip. Darauf können sowohl Lehrende als auch Studierende achten, dies gilt aber auch für andere Formen der Abwertung und Ausgrenzung von Zugehörigkeiten. Konkret kann es aber auch bedeuten, sich zum Beispiel flexibel in Prüfungsformen zu zeigen, wenn Studierende nicht Deutsch als Muttersprache sprechen und nach entsprechenden Wegen und alternativen Möglichkeiten für Prüfungen und Leistungsnachweise zu suchen. Hier haben wir beispielsweise schon mit Übersetzer_ innen gearbeitet.

Ich setze mich für diesen Studiengang und die damit verbundenen Themen ein, aber auch dafür, dass Studierende mit unterschiedlicher Herkunft hier studieren können und darin, dass wir ihnen dies ermöglichen und erleichtern sowie flexibel auf ihre Bedarfe reagieren. Dies ist etwas, was wir an unserer Abteilung gemeinsam tun. Konkret haben wir in diesem Semester im Rahmen einer Ringvorlesung Personen eingeladen, die Flüchtlingsarbeit in Hildesheim leisten, um darüber die Stadt und die Hochschule miteinander ins Gespräch über Flüchtlingsarbeit zu bringen. Dies findet am 3. Dezember statt und ist hochschulöffentlich. In der letzten Woche habe ich gemeinsam mit Irene Leser vom Institut für Sozialwissenschaften einen Workshop durchgeführt auf einer Veranstaltung der  Bundeszentrale für politische Bildung, die sich Fragen des zeitgeschichtlichen Lernens mit Kindern gewidmet hat und bei der es auch darum ging, wie mit Kindern zu Themen wie dem Nationalsozialismus gearbeitet werden kann. Die erwähnte Idee der Universität Frankfurt, einen Gedenktag am 27. Januar einzuführen, könnte vielleicht auch für die Universität Hildesheim eine Option sein.“

 

Studierende durch gezielte Lernpartnerschaften auf ihren Bildungswegen unterstützen

Sabrina Zourelidis (Studentin), Annette Lützel und Katharina Melzner. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Seit Herbst 2015 sind Katharina Melzner und Annette Lützel gemeinsam mit Lehramtsstudierenden jeden Tag in einer Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Melzner studiert „Deutsch als Zweitsprache“ und leitet den Sprachunterricht. Studentinnen und Studenten unterstützen Erwachsene, die seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Sprachenlernen im Rahmen ihres Sozialpraktikums. Das Projekt wird 2016 fortgeführt, Studierende können mitwirken. Am 4. Dezember 2015 findet eine Informationsveranstaltung für Studierende statt.

Katharina Melzner und Annette Lützel sagen anlässlich der HRK-Initiative:

„Eine Hochschule hat die Aufgabe, junge Menschen auf ein akademisch ausgerichtetes Berufsleben vorzubereiten. Sie spiegelt daher einen Teil der Gesellschaft wider. Und dazu gehören alle Menschen, die in Deutschland leben – auch Migranteninnen und Migranten und Flüchtlinge!

Man könnte deren Situation an Hochschulen verbessern durch zum Beispiel:

  • explizitere Sprachförderung durch die Uni
  • besserer Hochschulzugang
  • Unterstützung dieser Studierenden durch gezieltere Lernpartnerschaften.“

 

Mehrsprachigkeit von Jugendlichen und Erwachsenen als Chance aufgreifen



... sagt Prof. Elke Montanari über das Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle in Hildesheim.

Die Professorin für Deutsch als Zweitsprache bildet an der Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer aus und befasst sich in der Forschung mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche mehrsprachig aufwachsen.

 

Wertschätzung und Neugierde im Alltag

Vera Volkmann untersucht, wie Teilhabe durch und im Sport gelingen kann. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Prof. Vera Volkmann lehrt und forscht am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hildesheim. Die Sportwissenschaftlerin unterstützt Lehramtsstudierende beim Aufbau von Sportprojekten und untersucht derzeit in einer Begleitforschung an Schulen in Peine und Hildesheim, wie Sport Jugendliche zusammenbringen kann.

Die Professorin sagt:

„Für mich ist eine ‚weltoffene Hochschule‘ eine Hochschule, die die Unterschiedlichkeit ihrer Studierenden als Bereicherung ansieht und nicht nur den bildungsbürgerlichen Habitus reproduziert. Es ist eine Hochschule, die durch Forschung und Lehre dazu anregt, ‚Normalität' als relativ und variabel zu erkennen und Irritationen bereit hält.

Am deutlichsten bemerkt man dies im alltäglichen Umgang miteinander, der durch Wertschätzung und Neugierde auf ‚den anderen' geprägt sein sollte. Man kann dies besonders durch die entsprechende Auswahl von Themen für Lehrveranstaltungen und Tagungen, aber auch durch eine ausgeprägte Diskussionskultur erreichen. Wenn Studierende ihrerseits Impulse geben, kann man als Lehrperson eine förderliche Rahmung und Unterstützung bieten.

Ich bemühe mich, einen wertschätzenden und fördernden Umgang mit den Studierenden zu pflegen, der sich auch nicht nur auf die Lehrveranstaltungen und ähnliches beschränkt. Ich versuche, auch als Person mit entsprechenden Werten zur Verfügung zu stehen, wo immer mir dieses möglich ist. Im Zentrum für Bildungsintegration bin ich zum Beispiel für den Focal Point ‚Sport - Teilhabe – Perspektiven‘ verantwortlich und befasse mich in Forschung – aber auch Interventionsprojekten damit, unter welchen Bedingungen die Teilhabe an der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur für alle in unserer Gesellschaft gesteigert werden kann.“

 

Dialog und Begegnung fördern

Marit Breede und ihr Team ermutigen Studierende, ins Ausland zu gehen. Foto: Clemens Heidrich

Marit Breede vom International Office der Universität Hildesheim:

„Eine weltoffene Hochschule – daran arbeiten wir im International Office tagtäglich! Ganz konkret dadurch, dass wir unser Bestmögliches tun, um internationalen Studierenden ihren Aufenthalt an der Universität Hildesheim zu einem unvergesslichen und angenehmen Erlebnis zu machen. Und im Gegenzug möglichst viele hiesige Studierende ermutigen, das Abenteuer Ausland zu wagen. So bringen wir Menschen verschiedener Kulturen miteinander in Kontakt, in Hildesheim und im Ausland, und fördern den Dialog und die Begegnung – meiner Ansicht nach ist dies immer noch die effektivste Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit vorzubeugen.“

Wer im Ausland studieren möchte, erhält beim Go-Out-Tag am 18. November 2015 alle Information rund um Planung, Studienmöglichkeiten und Finanzierung.

 

Respekt!

Es beginnt in der Schule, man lernt, einander zu respektieren, sagt Nadine Raygrotzki. Foto: Lange/Uni Hildesheim

Nadine Raygrotzki studiert in Hildesheim Lehramt mit den Fächern Mathematik und Englisch.

Die Studentin sagt:

„Eine weltoffene Hochschule? Alle sollten zusammen studieren können und einander respektieren. Ich arbeite bald im Klassenzimmer – an Schulen sollte es fair zugehen. Ich möchte Lehrerin werden und alle gleich behandeln. Man darf niemanden wegen seiner Herkunft benachteiligen.“

 

Vielfalt ist eine Chance, um voneinander und miteinander zu lernen

Morena Piro vom Center for World Music an der Universität Hildesheim:

„Eine weltoffene Hochschule stellt sich den gesellschaftlichen Herausforderungen und sieht die Vielfalt als Chance, voneinander und miteinander zu lernen. Der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang ‚musik.welt - Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung' am Center for World Music reagiert auf die aktuellen Herausforderungen unserer sich kulturell wandelnden Gesellschaft. Musik schafft hier Räume, in denen sich die Studierenden aus unterschiedlichsten Herkunftsländern auf Augenhöhe begegnen."

 

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news-10941 Sat, 07 Nov 2015 08:31:00 +0100 Deutsch als Zweitsprache: Mehrsprachigkeit wertschätzen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/deutsch-als/ Wer hilft beim Spracherwerb nach der Flucht? Schulen sollten Mehrsprachigkeit von Jugendlichen als Chance aufgreifen, sagt Elke Montanari anlässlich der Jahreskonferenz der Integrationsbeauftragten. Die Professorin bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus. Auf ihrer Jahreskonferenz, die diesmal von Niedersachsen in Göttingen ausgerichtet wurde, haben die Integrations-, Ausländer- und Migrationsbeauftragten der Bundesländer mehrere Resolutionen, unter anderem eine Resolution zum Thema Sprache, beschlossen. Die Integrationsbeauftragten sprechen sich für differenzierte Maßnahmen aus, um alle Altersgruppen beim Sprachenlernen zu unterstützen. Mehrsprachigkeit und der Schulbesuch für alle Kinder von Anfang an sind wichtige Ziele in dem Papier.

Für die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari ist diese Resolution das Ergebnis einer „spannenden Entwicklung“. „Betrachtet werden sowohl akute Maßnahmen als auch nachhaltige Lösungen entlang des ganzen Lebens“, sagt die Professorin für Deutsch als Zweitsprache von der Universität Hildesheim. Sie ist auch Mitglied des Vorstands des „Zentrums für Bildungsintegration“.

„Es kommt darauf an, die Chancen in der aktuellen Situation zu sehen, die sich eröffnen. Diese liegen zum Beispiel in den Möglichkeiten, mehrsprachige Modellschulen stärker als bisher zu fördern und Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten zu verankern. Mehrsprachigkeit schlägt sich auf die gesamte Sprachentwicklung nieder“, so Elke Montanari. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die schnelle Umsetzung des Kinderrechts auf Bildung, das in der UN-Kinderrechtskonvention verankert ist.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus und fort. Lehramtsstudierende unterstützen gemeinsam mit einer DAZ-Sprachlehrerin seit Herbst 2015 Erwachsene täglich beim Spracherwerb in einer Hildesheimer Erstaufnahmestelle und haben dafür ein spezifisches Konzept erarbeitet. Weitere Studentinnen und Studenten kombinieren das Sprachenlernen mit dem Sport (Fußball) an Hildesheimer Schulen.

Professorin Elke Montanari hat im Rahmen der Jahreskonferenz in Göttingen am Freitag (6. November 2015) einen Vortrag zum Thema „Willkommen in der Schule!“ gehalten. Sie hebt hervor, dass Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungs- oder Fluchterfahrung eine Bereicherung für die Schule sind. Damit der Spracherwerb gelingt, müssten zukünftige Lehrerinnen und Lehrern bereits im Studium auf den Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer vorbereitet werden.

Die Niedersächsische Landesbeauftragte Doris Schröder-Köpf zeigte sich in einer Stellungnahme am Freitag zufrieden mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Herbstkonferenz: „Ich freue mich sehr, dass wir Landesbeauftragten in so vielen grundlegenden Punkten an einem Strang ziehen. Die Beauftragten sind sich einig, dass ein wirtschaftlich starkes Deutschland auch weiterhin seiner besonderen Verantwortung in Europa gerecht werden muss. Und es muss uns gelingen vom Krisenmanagement zu einem langfristigen Integrationsmanagement überzugehen. Mir liegt die Botschaft von Resolution vier besonders am Herzen: Rassismus und Gewalt gegen Flüchtlinge und ihr soziales Umfeld haben in Deutschland keinen Platz."

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und presse@uni-hildesheim.de)

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news-10730 Fri, 09 Oct 2015 18:00:00 +0200 Sprachkurs: Geschichten erzählen mit dem Körper https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachkurs/ Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. Im nächsten Sprachkurs sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 25. Oktober 2015 anmelden. An den Moment, in dem sie das erste Mal die Gebärdensprache im Alltag einsetzte, erinnert sich Maria Heybutzki gut. Neulich fuhr die Masterstudentin mit dem Zug von Hildesheim nach Hannover, sie saß im Viererabteil am Fenster. „Ich konnte das Gespräch meiner drei Sitznachbarn verstehen, aber nur etwas, sie waren so schnell und richtig gut – sie haben sich im Dreieck unterhalten, was viel schwerer ist, da man sich dann nicht frontal sieht, sondern die Gebärden teilweise nur aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Man vergisst die Gebärdensprache schnell, wenn man sie nicht anwendet." Als sie aussteigen musste, setzt die Studentin ihre Gebärdensprachkenntnisse ein, um freundlich darum zu bitten, vorbeizukommen. Das konnte sie, die Gesten dazu hatte sie parat und man verabschiedete sich mit einem Lächeln.

Studentinnen und Studenten können an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen. Maria Heybutzki, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und sich in ihrer Abschlussarbeit mit barrierefreier Kommunikation befasst, hat ein Jahr lang an dem Sprachkurs teilgenommen, eine wichtige Erfahrung. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen.

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt die Medienlinguistin Prof. Christiane Maaß. Es gibt zwei Kurse: Gebärdensprache I ohne Vorkenntnisse und Gebärdensprache II mit Vorkenntnissen. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Inklusion zu tun haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft installieren."

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular, Gebärden und Idiome", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache, zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar  wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die beiden Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können. Bisher nahmen Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen" sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die angehenden Medienübersetzer ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Auch Lehramtsstudierende können teilnehmen.

Der Kurs startet am 1. November 2015, geht über zwei Semester und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 25. Oktober 2015. Wer sich für den Kurs anmelden möchte, kann Prof. Dr. Christiane Maaß kontaktieren (E-Mail: christiane.maass@uni-hildesheim.de). Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Inklusion
news-10724 Tue, 06 Oct 2015 09:00:00 +0200 NDR Projekt für Deutschen Lesepreis nominiert / Forschungsstelle Leichte Sprache der Uni Hildesheim prüft Texte auf Verständlichkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ndr-projekt/ NDR über barrierefreie Angebote: Die NDR-Redaktion wendet sich mit Texten an Erwachsene mit geringer Lesekompetenz. Die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim prüft Texte auf ihre Verständlichkeit. „Das Leichte-Sprache-Team der NDR Redaktion Barrierefreie Angebote ist für den Deutschen Lesepreis 2015 nominiert. [...] Schirmherrin ist Monika Grütters, Staatsministerin bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eingereicht hatte die Redaktion die beiden Projekte 'Thementag Alphabetisierung' und 'Der NDR in Leichter Sprache'", berichtet NDR online. Der Preiswird am 25. November 2015 in Berlin von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung verliehen.

Mit den Texten möchte sich das NDR-Team um Redaktionsleiterin Uschi Heerdegen-Wessel direkt an die Zielgruppe wenden. „So können Erwachsene mit geringer Lesekompetenz leichter am gesellschaftlichen Leben teilhaben. [...] Die Texte auf NDR.de wurden von der Zielgruppe (Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Bremen) oder von der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim auf ihre Verständlichkeit hin geprüft", so der NDR.

NDR, „NDR Projekt für Deutschen Lesepreis nominiert", 06.10.2015 (online)

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Pressespiegel überregional
news-10727 Tue, 06 Oct 2015 08:00:00 +0200 Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/willkommensk/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG und HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG über Schule in der Einwanderungsgesellschaft: Professorin Viola Georgi untersucht an der Universität Hildesheim, wie Schulen mit Vielfalt umgehen, und bildet Fachleute für den Bildungsbereich aus. Die Politikredakteurin Marina Kormbaki berichtet in einem Schwerpunkt-Artikel (Seite 3) überden Alltag in Sprachlernklassen und wie Schulen Kinder und Jugendliche beim Ankommen in Deutschland unterstützen. „'Wir haben in der Vergangenheit bereits vielfältige Erfahrungen gesammelt und Konzepte entwickelt. Wir müssen jetzt das Rad nicht neu erfinden', sagt Prof. Viola Georgi, Bildungsexpertin an der Uni Hildesheim. 'Schon seit Langem vermitteln wir Lehramtsstudenten eine Pädagogik, die kulturelle Unterschiede und Mehrsprachigkeit von Schülern nicht mehr als Problem betrachtet'“, heißt es in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen?", Politik Seite 3, 06.10.2015 (print)

Kontakt zu Studierenden und zu Lehrenden, die Studieninteressierte nach der Flucht unterstützen, über die Universität Hildesheim (Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge
news-10838 Thu, 01 Oct 2015 12:05:00 +0200 Diskriminierung fängt im Schulbuch an https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/diskriminier/ Lehrer müssen sich immer stärker mit Schülern auseinandersetzen, die über einen Migrationshintergrund verfügen. Das bisherige Bildungsmodell ist allerdings nicht mehr zukunftsfähig. Auf der Fachtagung "Vielfalt im Klassenzimmer" an der Universität Hildesheim wurden die aktuellen Probleme diskutiert und mögliche Lösungsstrategien aufgezeigt. Die Tagung richtete sich vor allem an diejenigen, die die Last dieser Integrationsarbeit zu tragen haben: Die Lehrer. Pressespiegel regional Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-10638 Thu, 24 Sep 2015 18:51:00 +0200 Filmdreh: So wenig Technik wie möglich https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/filmdreh-so/ Gummibänder halten ein Smartphone fest, damit das Bild nicht verwackelt – auch mit geringsten technischen Mitteln entstehen spannende Kurzfilme. Von A wie Audio bis Z wie Zeit: 50 Studierende kombinieren Erkenntnisse aus Medien, Literatur und Pädagogik. Einblicke in die „Summer School Filmbildung" auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim. Ein Tisch, zwei Stühle, im Erker des alten Pächterhauses: Ein junger Mann sitzt, sie steht und greift zur weißen Kaffeekanne. Zwei Studierende beobachten die Szene mit zwei Kameras, keine teuren Profistücke, sondern: Smartphones. Mit Gummibändern haben sie die Mobiltelefone – die heute jeder in der Hosentasche mit sich tragen kann – auf Stativen befestigt. Ein Klick, die Aufnahme läuft. Psst.

Die Szene ist Teil der einwöchigen „Summer School Filmbildung“ auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim. Etwa 50 Studierende drehen in Kleingruppen Kurzfilme. Am letzten Seminartag werden sie ihre Filme auf der Leinwand präsentieren – bis zu dieser Premiere steht einige Arbeit bevor. Und das unter erschwerten Bedingungen: die Technik wurde auf das Nötigste reduziert. „Die technischen Mittel, die zum Einsatz kommen, sind möglichst gering“, sagt Volker Pietsch. Es gibt eine weitere Vorgabe, erzählt der Hildesheimer Dozent, während er sich auf den Weg zur nächsten Gruppe macht: Im Film müssen drei Personen am selben Ort auftauchen und eine von ihnen soll früher oder später tot sein.

Während im Pächterhaus noch gedreht wird, startet ein studentisches Kamerateam im Hohen Haus bereits  mit dem Schnitt. „Ein Smartphone ist allgegenwärtig und schneller zur Hand als ein ganzes Drehequipment mit Kamera, Tonangel und Licht“, sagt Annette Warnecke, die sich im Studium mit der Frage befasst, wie Filme gemacht werden – auch mit sehr einfachen Mitteln. Sie studiert seit zwei Jahren Philosophie, Künste, Medien an der Universität Hildesheim. Eine kleine Mobilkamera ist zwar handlich, hat aber ihre Tücken. Dass sie einfache technische Mittel verwenden, beeinflusst also die Drehentscheidungen, bei einer Außenaufnahme mit starkem Wind kann sie den Ton nicht gut regeln, das Rascheln der Laubbäume übertönt die Stimme, berichtet Warnecke. Und dennoch: Ob man nun mit einer Profi-Kamera oder mit dem Smartphone dreht – die Herausforderungen sind doch überlappend, ähnlich, etwa wenn man eine Decke verschiebt und dadurch ein Fehler im Bild entsteht.

Annette Warnecke hat in weiteren Seminaren – zum Beispiel „Digitale Filmpraxis“ und „Inszenierung einer Filmszene“ – praktische Filmerfahrungen gesammelt, mit professionellem Filmequipment am Filmset und Rollenverteilung. „Ich war für das Licht zuständig, jeder hat seinen Part beim Aufbau der Filmszene und denkt mit.“

Filmdreh ist eine Teamleistung, sagt Warnecke. Damit Schülerinnen und Schüler ein Gespür dafür bekommen, wie ein Film aufgebaut ist, holt Karina Erdmann den Filmdreh ins Klassenzimmer. Sie studiert in Hildesheim Lehramt mit den Fächern Deutsch und Kunst und startet demnächst in das Referendariat. In einer Praxisphase im Masterstudium hat sie an einer Grundschule in Harsum Filme gedreht. „Die Erfahrung fehlt mir noch. Ich weiß nicht: Können das die Kinder? Kann eine zweite Lehrkraft den Dreh unterstützen? Wir haben kurze Szenen gedreht, 15 Sekunden“, sagt die Studentin, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man mit Kindern und Jugendlichen in der Filmvermittlung zusammenarbeiten kann. In ihrem Fall standen Begegnungen im Fokus: Wie kann man Begegnungen darstellen – der klassische Handschlag etwa. Aber auch gegen eine Tür zu laufen, sei eine Begegnung, oder im Fußball einen Pass abzugeben, ermöglicht Begegnung – wie können Kinder das im Bild dokumentieren?

„Ich habe positive Erfahrungen sammeln können“, sagt Karina Erdmann. In der „Summer School Filmbildung“ setzt sie sich nun stärker mit Kameraeinstellungen und Bildbearbeitungsprogrammen auseinander, sie schätzt den Austausch mit den Studierenden aus den Kulturwissenschaften. „Das regt zum Nachdenken an.“

Und genau das ist das Ziel des Teams, das hinter dem Seminar zu Filmvermittlung steckt: Professorin Stefanie Diekmann und Volker Wortmann (Medienwissenschaft) Stefanie Hundt (Anglistik), Volker Pietsch (Fach Deutsch) und Torsten Scheid (Fach Kunst). Mitgeplant haben auch die Professorinnen Bettina Uhlig (Kunst), Stefani Brusberg-Kiermeier (Anglistik) und Irene Pieper (Deutsch) sowie Professor Toni Tholen  (Deutsch). Ziel dieser Kooperation sei, so Stefanie Diekmann, Professorin für Medienkulturwissenschaft an der Universität Hildesheim, die „fachspezifischen Zugänge zum Medium Film produktiv aufeinander zu beziehen.“ Filme sind aus so vielen verschiedenen Codes zusammengesetzt – man kann dem Film eigentlich nur gerecht werden, wenn man die vielfältigen Perspektiven berücksichtigt.

An der Summer School, die bereits zum zweiten Mal stattfindet (mehr Infos: Bericht aus 2014) und fortgeführt werden soll, wirken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Kulturwissenschaften, Anglistik, Literaturwissenschaften und Lehramt mit. Studierende aus höheren Semestern betreuen die Drehs in Kleingruppen, helfen mit Ratschlägen und Tipps zu Kameraeinstellungen und Videoschnitt. Eingebettet ist der Dreh in ein dichtes Programm mit Vorträgen und Übungen und einer Filmpremiere am letzten Tag, unterstützt mit Snacks von der Back-Factory. Zwar bleibt so weniger Zeit, um zu filmen, sagt Karina Erdmann. „Dafür nutzen wir die Zeit, um zu diskutieren und profitieren von den wertvollen Erfahrungen der Profis.“ Unter den Fachleuten aus dem Medien- und Filmbereich sind zum Beispiel Ines Müller-Hansen von der Hochschule Karlsruhe, der Filmdidaktiker Michael Steiger und die Filmwissenschaftlerin Petra Löffler von der Universität Weimar. Dazwischen geht es zu Kinovorstellungen – große Leinwand, toller Ton – und Diskussion mit den Regisseuren Philipp Döring und Aron Lehmann. Lehmanns Film „Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ handelt von einem Filmteam, dem mitten in der Literaturverfilmung die Produktionsgelder ausfallen.

Warum die Studierenden mit einfachen technischen Mitteln arbeiten, hat einen Grund: Neben Kulturwissenschaftsstudierenden nehmen angehende Lehrerinnen und Lehrer an dem Seminar teil und erproben den Filmdreh. Was geht kostengünstig auch im Unterricht? „In der Schule hat sich in den vergangenen 15 Jahren sehr viel getan. Einige Lehrerinnen und Lehrer sind sehr enthusiastisch“, sagt Volker Pietsch. Am Institut für deutsche Sprache und Literatur befasst er sich mit Mediendidaktik und den Beziehungen zwischen Literatur und anderen Künsten, etwa Film. Wie funktioniert ein Film anders als Literatur? „Gedanken hinter den Gesichtern bekommen wir im Film selten zu hören, meist müssen wir sie aus indirekten Informationen in Bild und Ton ableiten. Der Film regt hier also oft stärker die Phantasie an. Literatur kann Gedanken schneller und konzentrierter ausformulieren. Dafür ist Literatur in der Darstellung von Äußerlichkeiten langsamer. Sie kann auch verschiedene Perspektiven nur nacheinander bieten; im Film dagegen können sich Bild und Ton im selben Augenblick  auch widersprechen“, so Pietsch.

Wer fühlt sich für die Filmvermittlung an Schulen verantwortlich? Die Vorgaben für „Medienkompetenz“ im Unterricht an Grund- und weiterführenden Schulen bleiben recht vage, sagt Pietsch. „Das ist auch eine Chance, bringt eine Offenheit mit sich. Aber damit muss man umgehen können – das geht nur, wenn man damit in der Lehrerausbildung in Kontakt kam. Deshalb holen wir das Thema Filmvermittlung in die Lehrerausbildung. Denn ansonsten laufen diese Vorgaben darauf hinaus, dass man das Bekannte unreflektiert wiederholt oder immer wieder aufs Neue „Die Welle“ oder abgefilmtes Theater aus den 50er Jahren abspielt.“

Wenn audio-visuelle Medien im Schulalltag auftauchen, dann entweder auf den Handys der Jugendlichen auf dem Pausenhof, als Belohnung in einer Unterrichtsstunde oder als Anlass, um sich kritisch mit Medien auseinanderzusetzen. Via Facebook, Twitter und youtube werden Texte, Bilder und Filme veröffentlicht. Problemlos können Videodateien verschickt, Ereignisse in Live-Tweets dokumentiert und kommentiert werden. Sie zeigen Momente, Ausschnitte. Wer hat das gedreht, wo war das? Die Mediendidaktik fokussiert sich, so Pietsch, in der Schule traditionell stark auf die Frage, wie Jugendliche lernen können, kritisch mit Bildern umzugehen, wie sie lernen „sich von audio-visuellen Medien nicht manipulieren zu lassen“.

Aber, sagt Volker Pietsch, die Auseinandersetzung mit audio-visuellen Medien sollte man in der Schule nicht auf medienkritische Rezeption beschränken. „Jugendliche sollten teilhaben und lernen, sich der Medien zu bedienen, nicht nur technisch.“ Es gehe darum, eigene Sehgewohnheiten zu hinterfragen und selbst andere Bilder zu entwickeln. „Ob Dokumentarfilm oder Spielfilm: Oft konzentriert man sich sehr stark auf die Handlung, man vergleicht die Filmstory mit einer literarischen Vorlage oder mit einem gesellschaftlichen Problem. Man beschränkt den Film darauf. Der Film wird dann nur als Anlass genommen, um über das Thema zu sprechen. Aber im Unterricht wird kaum thematisiert, wie der Film das eigentlich umsetzt. Schlimmstenfalls wird Film ein Appetizer oder eine Belohnung und einfach abgespielt.“

Im Gespräch über Film könne man reflektieren, was ein Film alles mitbringt, aber auch, was man selbst alles hinzufügt. „Man bekommt selbst bei den einfachsten Bildern nicht alle Puzzleteile und Einflüsse zusammen“, so Pietsch. In der Summer School befassen sich die Studierenden zum Beispiel mit großen Gesichtern und kleinsten Details, mit Farblichkeit, mit Schärfeverhältnissen und Kameraperspektiven, Beleuchtung und mit Musik – oder ihrer Abwesenheit.  „Die Zusammenarbeit der Fachbereiche in der Summer School Filmbildung macht es möglich, das flüchtige Gesicht des Films aus all diesen Perspektiven einzufangen“, sagt Pietsch.

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news-10565 Thu, 17 Sep 2015 14:40:00 +0200 Nach der Flucht: Sport gibt Kraft und kann verbinden https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/nach-der-fl/ Mikad hat es von einer Sprachlernklasse in die Regelklasse geschafft, für seine Freunde ist er ein Vorbild. Daria liebt das gemeinsame Fußballspiel. Orjan fühlt sich durch den Sport gestärkt. Firaz Mama wird vermisst, im Sport findet er Halt, um damit umzugehen. Zwei Lehramtsstudenten der Uni Hildesheim begleiten Jugendliche, die geflohen sind, beim Ankommen in Deutschland. Ihr Werkzeug: der Sport. Viele weitere Studierende wollen durch Theaterspielen, Musizieren und Sprachenlernen Begegnungen fördern. Darüber informierte sich Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić. Mikad* ist mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Von der Sprachlernklasse hat der Zwölfjährige gerade den Übergang in die Regelklasse geschafft. Er besucht eine Gesamtschule in Niedersachsen, lebt seit etwa zehn Monaten in Deutschland. Er hat eine schwierige Vergangenheit, wie eigentlich alle Kinder in dieser Fußballgruppe, die Krieg und Flucht erlebt haben. „Er spricht die deutsche Sprache immer besser", beobachtet der Student Omar Fahmy. „Mikad ist ein Vorbild für die anderen Kinder, er spricht fließend die arabische Sprache in Wort und Schrift und lernt sehr fleißig."

Daria* ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, sie besucht die Sprachlernklasse erst seit zwei, drei Monaten, kam mitten im Schuljahr hinzu. Die 12-Jährige spricht Arabisch und Kurdisch und ist mit ihrer Familie aus Syrien geflohen. „Sie macht im Fußball gut mit", freut sich Omar Fahmy.

Auch Orjan* macht große Entwicklungsfortschritte. Zunächst war es gar nicht so einfach, Freunde zu finden, er hat sich wenig zugetraut. Der Sport stärkt den Jungen. Er geht nun mehr auf Menschen zu.

Der 15-jährige Firaz* ist auf der Suche – seine Mutter wird vermisst, sein Vater ist gestorben. Der Junge lebt seit seiner Flucht aus Syrien bei seinem Onkel und dessen Sohn. Firaz kommt regelmäßig zurück auf den Sportplatz, erzählt den Lehramtsstudenten von seiner verzweifelten Lage. Seine Mama ist nicht auffindbar. „Es ist ihm sehr wichtig, am Sport teilzunehmen“, sagt Fahmy.

Die vier Jugendlichen nehmen in den Sommerferien an einem Sportcamp der Lehramtsstudenten Dominik Feer und Omar Fahmy teil. Etwa 36 Jugendliche kicken und lernen zusammen, viele Kinder kommen aus Syrien, einige aus dem Irak, andere aus Serbien. Sie leben mit ihren Familien im Flüchtlingsheim, einige wohnen in einer Wohnung in der Stadt, andere im Landkreis, 10 km entfernt von Hildesheim.

Was kann Sport auslösen? Kann Bewegung dazu beitragen, dass die Jugendlichen Kraft finden, um in Deutschland anzukommen?

Es ist August. Täglich sind Omar Fahmy und Dominik Feer auf dem Fußballplatz eines Hildesheimer Vereins. Ab 7 Uhr bereiten sie das Sportcamp vor, am Abend bauen sie ab. Dazwischen passiert viel. Nach einer Woche, es ist Samstag, fällt Omar Fahmy erschöpft ins Bett. „Ich muss das erst einmal verarbeiten. Ich bekomme immer mehr Geschichten mit. Es ist Wahnsinn, man denkt nicht, man spricht mit einem 11-Jährigen, sondern mit einem 20-Jährigen“, sagt der Student.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt diese Arbeit im Rahmen einer Soforthilfe für lehrerausbildende Universitäten, die Flüchtlinge beim Spracherwerb und beim Einstieg in ein Studium begleiten. Über die Arbeit an der Universität Hildesheim hat sich die Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić im August (19.08.2015) informiert. „Es geht darum, Flüchtlingen Bildungschancen zu eröffnen. Viele von ihnen verfügen über Bildungsqualifikationen und -potenziale, die wir nutzen wollen. Wir wollen Talente fördern“, so Ministerin Heinen-Kljajić. „Die Universität verfolgt Bildungsintegration mit hoher Priorität. Sie verfügt über Schwerpunkte im Lehramtsstudium, in den Erziehungswissenschaften und in der pädagogischen Psychologie.“ Ein großer Erfolg sei die Förderung des Projektes „Bildungsintegration“ aus dem niedersächsischen VW-Vorab über 2,85 Mio. Euro bis 2016.

Das Projekt FuNah („Fußball & Nachhilfe“) sieht die Ministerin als gelungenes Beispiel, wie man junge Flüchtlinge über den Sport erreicht. Das Projekt zeige, „dass Sport bestimmte Bildungsprozesse in Gang setzen kann“. Er kann das Selbstwertgefühl steigern, und im Spiel erlernen die Teilnehmer Werte wie Fairplay, Respekt und Teamgeist, so die Ministerin.

Der Hildesheimer Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: „Die Universität Hildesheim hat bereits 2008 ihr Leitbild den Anforderungen des Einwanderungslandes angepasst. Wir haben Professuren für Deutsch als Zweitsprache, Interkulturelle Kommunikation, Diversity Education und Migrationspolitik eingerichtet. Wir haben ein Zentrum für Bildungsintegration gegründet und wir stärken die Fächer Sport und Musik, weil diese für Integration besonders geeignet sind. Heute steht die deutsche Gesellschaft vor ihrer größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Wir wollen unseren Beitrag leisten, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Studenten arbeiten im FuNah-Projekt nicht nur in den Ferien, sondern auch in der Schulzeit mit Mädchen und Jungen zusammen und wollen die Verbindungen zwischen den Jugendlichen stärken, gemeinsam an Teamgeist und Vertrauen arbeiten. In einer Realschule in Peine lernen sie seit einem Jahr jeden Montagnachmittag gemeinsam, dann geht es auf den Sportplatz. In einer Hildesheimer Gesamtschule wollen sie seit Jahresbeginn Jugendliche aus einer Sprachlernklasse und aus den Regelklassen im Sport zusammenbringen.

Das sei sehr wichtig, sagt Omar Fahmy und berichtet von einem Vorfall im August. Auf dem Sportplatz fielen Beleidigungen wie „Kanacke“, „Asylantenkinder“ und „Neger“. „Wir haben das Spiel sofort abgebrochen und gemeinsam über die Bedeutung der Wörter gesprochen. Ein Stück weit erzwingen wir diese Situation in einer heterogenen Gruppe. Wir müssen darüber reden, bevor es zu spät ist und solche Begriffe zum Alltag gehören", sagt Omar Fahmy. Die Schüler würden solche Äußerungen aus dem Elternhaus, von Freunden oder im Internet aufschnappen. Oft wissen sie gar nicht, sagt Fahmy, was sie da eigentlich sagen.

„Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy, dessen Familie aus dem Libanon und Ägypten kommt. Dass er Arabisch spricht, ist nun ein Vorteil.  Dominik Feer ergänzt: „Die Kinder sollen lernen, dass sie ihre Mitspieler brauchen, alleine geht es nicht.“ Warum er neben seinem Lehramtsstudium das Sport-Projekt entwickelt hat? Er wolle etwas zurückgeben und habe selber früh Sport getrieben. „Wir können dazu beitragen, dass Kinder schnell Fuß fassen in Hildesheim. Wir sollten jetzt die Kraft aufwenden, nicht dagegen arbeiten, sondern dafür. Die Kinder und Jugendlichen können nicht mehr zurück, sie lernen und leben in Hildesheim", sagt Fahmy.

Hazim liebt Fußball, schon in Irak hat er gespielt – im Bild mit Lehramtsstudent Omar. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Sport im Lebenslauf – Sport und Sprache – Forschung von Vera Volkmann

Über, auf, unter, zwischen – im Sport kann man wunderbar Präpositionen und die deutsche Sprache lernen. Aber im Sport braucht man nicht immer viele Worte und kann sich dennoch begegnen.
„Durch Bewegung im Raum und Vormachen kann man Sprache erfahrbar machen. Regeln im Sport sind international. Das Runde muss ins Eckige. Das ist auch eine Entlastung, weil Sprache nicht zwangsläufig im Fokus ist. Ich kann durch Gesten, Mimik und einen guten Pass viel sagen“, sagt die Sportprofessorin Vera Volkmann, die das „FuNah“-Projekt wissenschaftlich begleitet und untersucht, welche Rolle Sport im Lebensverlauf spielt. „Sport ist gemeinschaftliches Erleben, auch körperlich und emotional. Sport kann ein guter Anker sein, um Begegnungen anzubahnen.“

Schwerpunkt: Bildungsteilhabe von Flüchtlingen / Beispiel: Sport-Bildungs-Projekt „FuNah“

Die Universität Hildesheim unterstützt Integration und Bildung von Flüchtlingen – zum Beispiel durch gemeinsamen Sport: Im Projekt FuNah („Fußball & Nachhilfe“) spielen Kinder aus Flüchtlingsfamilien und Lehramtsstudenten nach individuellen Förderstunden gemeinsam Fußball. Die Niedersächsische Wissenschaftsministerin ist bei einem solchen Fußballspiel zu Gast und unterhält sich nach Abpfiff mit Flüchtlingen und Studierenden über Erfahrungen, Lernerfolge und die Integrationskraft von Sport.

Omar Fahmy, Dominik Feer und Vera Volkmann wollen ihre Initiative ausbauen. Es gibt schon sechs weitere Studierende, die sich für FuNah engagieren wollen. In Kooperation mit dem Deutschinstitut haben die Studierenden an einer Fortbildung im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ teilgenommen. Das Projekt soll auf weitere Schulen in Hildesheim ausgedehnt werden. Zudem bestehen Kontakte zum Netzwerk niedersächsischer Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte und darüber zu einer Schule in Oldenburg, einer Schule im Landkreis Peine und drei Schulen in Hannover. Das Sportteam sucht nun nach Wegen, um das Sport-Bildungs-Projekt auch an diesen Standorten in Niedersachsen anzubieten.

Die beiden Sportstudenten stehen stellvertretend für viele weitere Studierende, die Flüchtlinge auf dem Weg an die Universität in einem Schnupperstudium unterstützen, die gemeinsam Theater spielen oder im Sprachtandem Deutsch lernen. Einige Studierende arbeiten mit künstlerischen Mitteln, um Jugendliche und junge Erwachsene zusammenzubringen, etwa im gemeinsamen Theaterspiel und beim Musizieren. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler u.a. aus den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Migrationspolitik, Diversity Education, Musik und Sport im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen und kooperieren mit Partnern in der Region, etwa Schulen und dem Beratungszentrum Asyl e.V.

Sport stärkt das Selbstvertrauen und verbindet, man wird zu einem Team. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Weitere Informationen: Uni nach der Flucht

Der Hildesheimer Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen.

Magazin: Themenschwerpunkt Studium nach der Flucht / Sport und Musik verbinden

Mehr erfahren Sie im Magazin der Universität Hildesheim. Die Ausgabe 2015 erscheint mit dem Schwerpunktthema „Studium nach der Flucht / Bildungswege von Flüchtlingen“ und ist online kostenfrei als PDF und Epaper abrufbar. Ein Interview mit Professorin Vera Volkmann über die Kraft des Sports lesen Sie auf Seite 38/39 im Uni-Magazin.

Medienkontakt: Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100, 0177.8605905).

* Anmerkung: Die Namen dieser Kinder wurden geändert.

Dieser Beitrag ist Teil 1 der Serie „Kraft und Mut: Bildungswege nach der Flucht". Eine mehrteilige Serie: Wie Menschen, die geflohen sind, in Hildesheim die deutsche Sprache erlernen, wer sie unterstützt und welche Bildungsziele sie haben.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 3 Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Lehramt GHR-300 MEd (Lehramt) Polyv. 2-Fäch.BA Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Sportwissenschaft Flüchtlinge
news-10712 Tue, 01 Sep 2015 10:50:00 +0200 Viele Flüchtlinge sind Akademiker https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/viele-fluecht/ Hildesheim ist leuchtendes Beispiel für Flüchtlingshilfe. So hat Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic vor zwei Wochen an der Uni ein Sport-Projekt für Flüchtlingskinder zum Spracherwerb besucht. Nun zeichnet sie auch die HAWK als eines von drei in Niedersachsen ausgewählten Projekten aus, mit denen Bildungshürden abgeschafft werden sollen. Bis 2018 gibt ihr Ministerium 3 Millionen Euro zusätzlich aus. Pressespiegel regional Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration news-10696 Mon, 31 Aug 2015 12:51:00 +0200 Einschulung von Flüchtlingskindern https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/einschulung/ SPD-Chef Andreas Sausewein erntete für seinen Vorschlag die Schulpflicht für Flüchtlingskinder aufzuheben heftige Kritik. Das Gegenteil fordert Elke Montanari, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Hildesheim. Die Schulpflicht müsse für alle Flüchtlingskinder umgesetzt werden, doch man benötige mehr Unterstützung von Land und Bund. In Hildesheim werden zum neuen Schuljahr insgesamt 41 Flüchtlingskinder im Alter von sechs bis zehn Jahren in den Grundschulen unterrichtet. Doch Lehrer mit Kenntnissen beim Thema Deutsch als Zweitsprache sind noch Mangelware. Pressespiegel regional Forschung Zentrum für Bildungsintegration Fachbereich 3 Deutsche Sprache Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-10695 Tue, 25 Aug 2015 13:32:00 +0200 Erfolgreich dank Hoppe-Hoppe-Reiter https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/erfolgreich/ Ursula Bredel ist Professorin für deutsche Sprache und ihre Didaktik an der Universität Hildesheim. Ihre Arbeitsschwerpunkte am Institut für deutsche Sprache und Literatur liegen in den Bereichen Grammatik, Orthographie und Erzählen. Zusammen mit Nanna Furhop und Christina Noack hat sie das Buch "Wie Kinder lesen und schreiben lernen" verfasst. Darin zeigen die Autorinnen unter anderem, wie unser Schriftsystem funktioniert und welche Stolpersteine es für Kinder beim Lesen- und Schreiben lernen gibt. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum news-10529 Fri, 31 Jul 2015 15:38:00 +0200 Menzel liest und singt in Marienrode https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/menzel-liest/ In der Reihe "Literatur und Musik" sprach und sang diesmal Wolfgang Menzel, Professor am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Uni Hildesheim. Dabei ging es um die geschichtliche Entwicklung und unterschiedlichen Formen des Volkslieds. Menzel trug selbst Liedbeispiele vor und begleitete sich auf Gitarre. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-10523 Tue, 28 Jul 2015 15:38:00 +0200 Knödel statt Croissants https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/knoedel-statt/ Das Erasmus Austauschprogramm zwischen Universitäten in Europa hat Marine Concedieu nach Deutschland geführt. Hier studiert sie an der Uni Hildesheim Sprachwissenschaften. Für die Zukunft plant sie auch den Master in Hildesheim zu studieren. Danach geht es zum Arbeiten vielleicht nach Berlin. In der HAZ-Domino­-Gesprächskette wird die Studentin von Sara Potthoff befragt, selbst Studentin und Kulturreferentin des ASTA. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation news-10512 Sat, 18 Jul 2015 11:41:00 +0200 „Wollt ihr mehr Karten?” – „Ja” https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/wollt-ihr-m/ Um Sprachfördergruppen voranzubringen haben die Universität Hildesheim, der Asylverein und jetzt auch die Volkhochschule (VHS) einen gemeinsamen Vertrag geschlossen. Zukünftig werden konkrete Ansprechpartner für die unterschiedlichen Themen und Fragestellungen zur Verfügung stehen. Das Hochschul-Projekt Lernkuhlt besteht seit 2006 und richtet sich gezielt an Kinder mit verschiedenen Muttersprachen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation MA DaZ/DaF Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Forschung Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung Inklusion news-10510 Thu, 16 Jul 2015 11:41:00 +0200 Zwischen Hörsaal und Moschee https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/zwischen-hoer/ Seit Herbst 2014 ist Hannes Schammann Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Hildesheimer Universität – der erste deutschlandweit. Die Forschung ist sehr wichtig für eine vernünftige Migrationspolitik. So zum Beispiel die Erkenntnis über den Verlauf von Flucht in Wellen. Zur Zeit erleben wir ein Hoch, aber die Grundstimmung hat sich trotzdem positiv verändert. In einem Interview berichtet Schammann über die positiven Entwicklungen und Aktivitäten in Hildesheim und im speziellen an der Universität mit seinen diversen Netzwerken. Pressespiegel regional Sozialwissenschaften Soziologie Politik Zentrum für Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Schwerpunktthemen Bildungsintegration Inklusion Lehrerbildung news-10468 Mon, 06 Jul 2015 13:45:00 +0200 Mission erfolgreich: Kinder-Bildung (vorerst) gerettet https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mission-erfo/ Die Landesregierung rückt von ihren Plänen, die regionalen Institute für frühkindliche Entwicklung (nifbe) zu streichen, ab. Auch Hildesheim wäre von den Streichplänen betroffen, doch "nifbe" -Chefin Margitta Rudolph zeigte sich kämpferisch und erreichte den Erhalt des Standorts. Und so kann der erfolgreiche Transfer von Ergebnisse der Forschung mit den Themen und Problemen der Praxis fortgeführt werden. "Hildesheim hat sich zu einer Forschungshochburg der frühkindlichen Pädagogik entwickelt", so Rudolph. Und das sowohl an der Universität als auch an der HAWK. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Psychologie Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-10452 Wed, 01 Jul 2015 13:45:00 +0200 Petrowskaja liest aus „Vielleicht Esther” https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/petrowskaja/ Literarische Gespräche und Lesungen bietet der Literarische Salon der Universität Hildesheim an. Die jährliche Reihe wird vom Institut für deutsche Sprache und Literatur veranstaltet. Diesmal ist die Autorin Katja Petrowskaja zu Gast in der Leselounge der Universitätsbibliothek. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Einrichtungen Universitätsbibliothek news-10451 Tue, 30 Jun 2015 13:45:00 +0200 Erst die Sprache dann der Beruf https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/erst-die-spr/ 218 junge Männer und Frauen aus 44 Ländern haben in den Räumen der Uni Hildesheim das Deutsche Sprachdiplom überreicht bekommen. Sie alle haben in Sprachförderklassen der Berufsbildenden Gropius-Schule die deutsche Sprache erlernt. Unter anderem zusammen mit Susanne Oppermann, seit 1999 ist sie DAZ-Dozentin und Expertin für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wissenschaftlerinnen und Studierende der Universität Hildesheim unterstützten die Prüflinge beim Zweitspracherwerb. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Einrichtungen Forschung Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Master-Studiengänge MA DaZ/DaF Flüchtlinge news-10225 Tue, 30 Jun 2015 13:26:00 +0200 „Alleine die Sprache zu lernen, ist schwer“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/alleine-die/ Khaled und Aymen sind zwei der Jugendlichen, die in den letzten Monaten viel Energie aufgebracht haben, um die deutsche Sprache zu erlernen. Die Niedersächsische Kultusministerin hat Ende Juni jedem der 218 Schülerinnen und Schüler aus 44 Ländern persönlich das „Deutsche Sprachdiplom“ überreicht. Wissenschaftlerinnen und Studierende der Universität Hildesheim unterstützen Prüflinge beim Zweitspracherwerb. Während im Audimax der Bass einsetzt und die Musik von Andreas Bourani ertönt – „Wer friert uns diesen Moment ein / Besser kann es nicht sein / Denkt an die Tage, die hinter uns liegen / Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen / Ein Hoch auf das, was vor uns liegt / Dass es das Beste für uns gibt“ – steht Aymen Ayo auf dem Campus und erinnert sich an seine ersten Worte in der deutschen Sprache. „Guten Abend“, „Guten Morgen“ und „Wie geht es dir?“. Worte, die erste Gespräche ermöglichen. „Mehr nicht“, sagt er.

Der 18-Jährige ist mit seiner Mutter und seinen drei Schwestern aus Syrien geflohen. Zunächst kommt er in Friedland an, lebt dann in Hildesheim im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße. „Ich möchte mich verständigen können. Seit einem Jahr haben wir unsere eigenen vier Wände, eine Wohnung. Meine Familie spricht Arabisch, ich versuche, auch Deutsch mit meinen Schwestern zu sprechen.“ Aymen, der die berufsbildende Walter-Gropius-Schule in Hildesheim besucht, arbeitet auf ein Ziel hin: Nach einem Praktikum in einem Sportgeschäft möchte er eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann beginnen. „Die Kunden fragen, da kann ich nicht stumm bleiben, sondern muss die Sprache sprechen können. Sie suchen ja Hilfe.“

Der Sport hilft Aymen Ayo mit Hildesheimern in Kontakt zu kommen – und den Wortschatz auszubauen. Er spielt im Verein „DJK Blau-Weiß“ Fußball. „Im Sport ist Sprache wichtig, das ist nicht nur hin- und herspielen“, sagt Aymen und zählt auf, welche Worte er gelernt hat: „Pass auf, hinter dir“ und „Trainer“, „trainieren“, „Verteidiger“, „Stürmer“.

Wie Aymen Ayo lernen derzeit niedersachsenweit Jugendliche die deutsche Sprache als zweite Sprache. Die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat Ende Juni 218 Schülerinnen und Schülern aus 44 Ländern das Deutsche Sprachdiplom (Stufe 1) der Kultusministerkonferenz in einer Feierstunde an der Universität in Hildesheim überreicht. „Das ist eine ganz tolle Leistung. Nicht wenige der Jugendlichen mussten ihre ursprüngliche Heimat als Flüchtlinge verlassen und hier in Niedersachsen teilweise ohne Deutschkenntnisse ganz neu anfangen“, sagt die Ministerin. „Sie haben viel Zeit und Energie in das Erlernen der deutschen Sprache und damit in Ihre eigene Zukunft investiert“, wendet sich Kultusministerin Frauke Heiligenstadt an die Schülerinnen und Schüler.

Die Schülerinnen und Schüler sind aus Haupt- und Gesamtschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen aus Braunschweig und Lüneburg, aus Hannover und Osnabrück, aus Göttingen und Oldenburg nach Hildesheim angereist, um das Sprachendiplom gemeinsam zu feiern. „Sie können stolz darauf sein, dass Sie sich das erarbeitet haben. Wir sind dankbar, dass Sie hier sind“, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Vielleicht, fügt Friedrich hinzu, „sehen wir uns wieder, wenn Sie in Hildesheim Lehramt, Deutsch als Zweitsprache, Informatik oder Sport studieren“. Die Universität hat seit dem Frühjahr die Türen geöffnet und möchte Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen und im Übergang zur Universität unterstützen. „19 Schulen aus ganz Niedersachsen sind angereist, das Zertifikat bringt den Schülerinnen und Schülern hoffentlich Glück in der Zukunft“, so Hannelore Müller vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung, das Lehrkräfte fortbildet.

Mit dem Sprachdiplom weisen die jungen Erwachsenen nun ihre Sprachkenntnisse (Niveau A2 und B1) nach: Neben dem Lese- und Hörverstehen zeigen sie, wie gut sie schriftlich und mündlich kommunizieren können. „Ich will besser in Deutsch werden“ – das ist ein diffuses Ziel, sich auf eine Prüfung mit diesen Schwerpunkten vorzubereiten, dagegen strukturierter.

Unter den jungen Sprachlernern sind auch zwei Klassen der berufsbildenden Walter-Gropius-Schule. Die Schule ist eine der Schulen, die über vier ausgebildete Prüferinnen für das Deutsche Sprachdiplom verfügt. Sie zählt zurzeit vier „Sprachförderklassen“. „Wir versuchen die Klassen mit je etwa elf Schülerinnen und Schülern klein zu halten“, sagt Susanne Oppermann. Sie ist Sprachlernkoordinatorin und arbeitet in einem Netzwerk („DaZNet“), in dem sich Schulen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Mehrsprachigkeit austauschen. Ihr Dilemma: Es werden immer mehr solcher Sprachförderklassen eingerichtet. Aber es fehlen Lehrkräfte, die Jugendliche unterrichten können, die als Seiteneinsteiger ins Bildungssystem kommen, etwa weil sie aus einem Land fliehen mussten und nun die deutsche Sprache von Grund auf erlernen müssen. „Wenn man Glück hat, hat eine Lehrerin ein DaZ-Modul an der Uni besucht, aber auch das reicht nicht aus“, sagt Susanne Oppermann. An berufsbildenden Schulen findet gut die Hälfte des Unterrichts in der Fachpraxis statt: Wer Dachdecker, Maurer oder Tischlerin; Koch oder Mediengestalterin werden möchte, erlernt viele Fachbegriffe. „Fachpraxis geht nicht ohne Sprache. Wenn ich einen Werkzeugkasten packe, dann habe ich es mit dem Akkusativ zu tun: ich packe einen Hobel, eine Fräse ein. Wenn ich als Koch Flüssigkeit abmesse, dann muss ich auch die dritte Person im Singular konjugieren können: messen, er misst“, erläutert die Lehrerin. Ein Fachpraxislehrer, der in der Holzwerkstatt unterrichtet, lehrt auch die Sprache.

Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim.

„In Sprachlernklassen mit einem qualifizierten Lernangebot können Schülerinnen und Schüler in ein bis zwei Jahren die deutsche Sprache so erwerben, dass sie sich zusammenhängend ausdrücken, begründen und erklären können und eine gute Grundlage für ihren Beruf haben“, so Montanari. „Natürlich muss das Lernen auch danach weitergehen, in der Schule oder am Ausbildungsplatz. Hier sieht man die Qualität und das Engagement von Lehrkräften“, so Elke Montanari, die den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ zusammen mit ihrer Kollegin Ana Maria Iglesias Delgado leitet.

Lehramtsstudentinnen, darunter Melda Ökte, Annika Sauthoff und Fidan Tuldari, bereiten sich in Seminaren im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" darauf vor, junge Erwachsene beim Sprachenlernen zu unterstützen. Sie haben im Frühjahr Schülerinnen und Schüler der Hildesheimer Berufsschule bei der Prüfungsvorbereitung unterstützt. Die deutsche Sprache zu sprechen sei „wichtig, wegen meiner Zukunft“, sagt Khaled Ahmed Hussein, einer der Schüler. Der 21-Jährige möchte eine Ausbildung als Maurer beginnen „und vielleicht einmal studieren“. Er interessiert sich für Architektur. Ein Praktikum hat seinen Wunsch bestärkt, er konnte sich bewähren und hofft nun auf einen Ausbildungsplatz, sagt der junge Mann, der seit gut zwei Jahren in Algermissen lebt. Er ist in Somalia geboren, im Jemen aufgewachsen. „Ich möchte weiterhin die Sprache lernen“, sagt Khaled. In seinen Händen hält er das Sprachdiplom. Er habe viel gelernt, auch mit den Lehramtsstudentinnen der Universität Hildesheim.

„Wir haben gemeinsam auf die mündliche Prüfung hingearbeitet“, berichtet die Studentin Fidan Tuldari. Seit zwei Jahren studiert sie Lehramt, die Erfahrungen seien sehr wichtig, man werde „achtsamer, vorsichtiger“, etwa wenn ein Schüler erzählt, dass „sein Vater im Krieg gestorben ist“. „Manche Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Krieg und sind alleine nach Deutschland geflohen.“ Die drei Lehramtsstudentinnen wollen nun Kontakt zu Schulen und Sprachlernklassen aufnehmen und sich in ihrem Studium weiterhin mit dem Zweitspracherwerb von Jugendlichen befassen.

Aymen Ayo hält an diesem Junitag auf dem Uni-Campus das Zertifikat in seinen Händen, ihm sei es wichtig, die Prüfung erfolgreich bestanden zu haben. „Ich freue mich sehr, die Ministerin hat mir in die Augen geschaut und mir das Diplom überreicht. In kleinen Gruppen habe ich mit den Studentinnen gelernt und wir haben uns auf die mündliche Prüfung vorbereitet. Das waren tolle Tage“, sagt der 18-Jährige. „Alleine die Sprache zu lernen, nur mit einem Buch, ist schwer“, ergänzt Hassan Iso. „Mir hilft es, viel zu reden.“ Neben ihn halten Jugendliche den Moment fest, erstellen Selfies auf dem Uni-Campus: Sie können stolz auf sich sein.

Lehramtsstudierende für Deutsch als Zweitsprache ausbilden

Ab dem Wintersemester 2015/2016 können Lehramtsstudierende im Fach Deutsch gleichzeitig im Studiengang „Master of Education“ studieren und sich für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifizieren. Sie erhalten dann zwei Masterabschlüsse. Professorin Elke Montanari rechnet damit, dass Studierende für das Parallelstudium drei Jahre einplanen sollten. Wer sich für das Parallelstudium interessiert, ist zu der Informationsveranstaltung am 2. Juli 2015 um 16:30 Uhr in Raum L 057 (Bühler-Campus der Uni Hildesheim, Lüneburger Straße) herzlich eingeladen.

Lesen Sie mehr zum Thema Mehrsprachigkeit im neuen Uni-Magazin (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache MA DaZ/DaF Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10205 Mon, 29 Jun 2015 16:26:00 +0200 Literatur und Politik https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/literatur-und-politik/ Der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur wird immer wieder vorgeworfen, dass sie nicht relevant genug sei. Wie hängen Schreiben, Ästhetik und Politik zusammen? Ein Blick zurück: Die Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare hat vor kurzem ihre Doktorarbeit über die Literatur der 68er abgeschlossen. Matthias Friedrich sprach mit ihr über Schreiben als Opposition, Erwartungen an Autoren und die problematische Beziehung von Politik und Kunst. Können Sie Ihren Forschungsansatz zu Anfang kurz skizzieren?

Jennifer Clare: Das Projekt habe ich die letzten vier Jahre am Deutschinstitut bei Professor Toni Tholen bearbeitet. Es trägt den Titel „Schreiben, Widerstand und Bewegung in der Literatur der deutschen Studentenbewegung – eine kulturpoetologische Untersuchung“. Mir ging es dabei hauptsächlich um das literarische Schreiben in wechselseitiger Interaktion mit der politischen Oppositionskultur um 1968. Eine Kernfrage war zum Beispiel: Wie wird um 68 über Schreiben gedacht, wie wird es gelebt, praktiziert und erzählt? Das ist insofern wichtig, als dass ich drei Primärtexte aus dieser Zeit untersucht habe, in denen Autorenfiguren eine Rolle spielen. In diesen Texten wird von Schreibprozessen und -motivationen erzählt, von bestimmten Faszinationen, aber auch bestimmten Konflikten mit dem Schreiben – das alles im Kontext der politischen Oppositionskultur. Gleichzeitig tragen die Texte und ihre Poetiken selbst Spuren solcher Begegnungen von Schreiben und Oppositionskultur – sie werden in den Texten erzählt und gleichzeitig erprobt, ausgehandelt und gelebt. Um dies zu erfassen, nutze ich den Terminus der Kulturpoetologie von Stephen Greenblatt, einem amerikanischen Renaissanceforscher. Eine wesentliche Herausforderung des Projekts für mich bestand daher darin, diese Methode aus der Renaissanceforschung auf ein zeitlich aktuelleres Thema mit ganz anderen medialen Kommunikationswegen zu beziehen. Nahtlos übertragbar sind aber die zwei wichtigsten Kernannahmen des kulturpoetologischen Ansatzes: Literarische Texte agieren sowohl wechselseitig als auch intertextuell mit ihrer Entstehungsumgebung. Stephen Greenblatt versucht, von der klassischen Frage nach dem Einfluss der Entstehungsumgebung auf den Text wegzukommen. Er möchte nicht nur wissen, welchen Input der Text generiert, sondern er möchte auch den Output eines Textes in seine Entstehungskultur erforschen. Er denkt Kultur als alle lesbaren Repräsentationen, die eine Gesellschaft hervorbringt. Neben schriftlichen Dokumenten sind das auch unter anderem Rituale und Verhaltensweisen. Das heißt: Ein literarischer Text ist ein Text unter vielen, der mit den anderen wechselseitig interagiert. Der massive Vorteil einer solchen Untersuchungsmethode ist, dass literarischer Text und Entstehungsumgebung auf einer analytischen Ebene sind – zumindest theoretisch.

Wie haben Sie in Ihrer Arbeit die kulturpoetologische Methode angewendet?

Die Konsequenz eines kulturpoetologischen Vorgehens ist, dass man es erst einmal mit sehr viel Material zu tun bekommt, insofern die lesbaren Repräsentationen einer Entstehungskultur ja fast gegen unendlich gehen – man muss gut auswählen: Beim Lesen achtet man zum Beispiel auf Parallelen und Widersprüche zwischen Texten, die man in einer umfangreichen Detailarbeit nachverfolgt. Meine Arbeit an den Texten geht oft auf sehr kleine Aspekte ein. Es gibt einen relativ berühmten Auftritt von Peter Handke bei der Gruppe 47 in Princeton, wo er nach einer Lesung aufsteht und anfängt, die Gruppe 47 zu beschimpfen. Darin verwendet er den Ausdruck „Beschreibungsimpotenz“. Interessanterweise habe ich in zweien meiner Romane den Begriff der Impotenz ebenfalls in Bezug auf das literarische Schreiben gefunden. Das brachte mich auf eine spezifische Problematik des männlichen Schreibens um 68. Das Schöne beim kulturpoetologischen Vorgehen ist, dass ich nicht nachweisen muss, ob die Autoren die verschiedenen Texte kennen, sondern ich kann in dem kulturellen Diskurs einen bestimmten Aspekt des Schreibens rekonstruieren. Ich glaube, der kulturpoetologische Ansatz hat mir unter anderem dabei geholfen, zu verstehen, was diese vielbeschworene „Politisierung der Literatur“ eigentlich bedeutet. Denn erst mit der Untersuchung der Texte in ihrer Entstehungsumgebung kann man sehen, dass die Politisierung etwas Umstrittenes ist: Was wurde erprobt, was verworfen? Wodurch wurde das Schreiben bedroht?

Die politische und literarische Aktivität scheinen eng miteinander verbunden zu sein. Inwiefern stilisiert sich ein Autor selbst, wenn er mit seiner künstlerischen Tätigkeit in den Diskurs der Politisierung eintritt?

Diese Stilisierung ist ein riesiges Thema, wenn es um 68 um das Schreiben geht. Eigentlich spielt der Autor bei Greenblatt nur eine sekundäre Rolle, denn er nimmt viel mehr den Text in verschiedenen diskursiven Konstellationen in den Fokus. Bei meinen drei Primärtexten hat sich der Autor aber schnell wieder reingeschlichen, weil sie ihn selbst auf prägnante Weise inszenieren. Ich kam sehr schnell auf die Frage, was es heißt, wenn ein Autor schreibend Politik macht. Kann man das mit dem außerliterarischen Handeln gleichsetzen? Das ist ein großes Problem, das die 68er beim Schreiben umtreibt. Meine Autoren und auch ihre Autorfiguren stehen allesamt in einer ambivalenten Position. Was kann das Schreiben für die Politik leisten? Vielleicht sogar etwas, das keine andere Handlung erreichen kann? Oder hält es eher vom Handeln ab?

Letzteres ist auch ein Vorwurf, der immer wieder der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gemacht wird: dass sie nicht relevant genug sei.

Genau! Die Schriftsteller sind, vor allem um 68, auch politisch handelnde Subjekte – das kann man von ihrem Schreiben nicht abkoppeln. Der Zwiespalt zwischen der politischen Rolle und der Rolle als Schriftsteller ist in allen drei Texten Thema, wird allerdings in keinem von ihnen aufgelöst. Es geht sehr viel um sein Erforschen und letztlich das Hadern mit ihm. Zum Beispiel habe ich Bernward Vespers „Die Reise“ als einen zentralen Roman der 68er gelesen. Die Autorfigur schwankt ständig zwischen der emphatischen Hervorhebung des Schreibens als politische Aktion und der Verzweiflung darüber, dass die politische Relevanz seines Schreibens unbefriedigend ist. Sie nimmt damit zugleich Teil am größeren Streit innerhalb der  Entstehungskultur des Textes, wie stark literarisches Schreiben an seinem außerliterarischen Einfluss gemessen werden darf beziehungsweise muss.

Wie haben Sie in Ihrer Arbeit die Diskrepanz zwischen Politik und Ästhetik beurteilt? Bei politischer Literatur sehe ich immer die Gefahr, dass die Agitation die Ästhetik überwältigt.

Das ist eine Befürchtung, die um 68 immer wieder eine Rolle spielt: Ich möchte politisch schreiben, aber gleichzeitig habe ich Angst davor, dass mein Werk funktionalisiert und gesteuert wird. Die Erzählung über das Schreiben in meinen drei Texten lässt sich mit der Angst vor Fremdbestimmung gut zusammenfassen: Die literarische Tätigkeit wird einerseits als vom Establishment fremdbestimmt empfunden. Vor allem in Rolf Dieter Brinkmanns „Keiner weiß mehr“ schließt das oft die ästhetische Ebene mit ein, als Distanzierung vom bürgerlichen Literaturbetrieb. Das ist die eine Seite der Geschichte. Andererseits dient das Schreiben auch oft als Korrektiv im Hinblick auf Entwicklungen in der eigenen linken Szene. Zum Beispiel möchte sich ein Autor in diesem Diskurs nicht von bestimmten Sprachmustern oder politischen Aufträgen vereinnahmen lassen und sucht in seinem Schreiben Alternativen auch zu einengenden Elementen der eigenen oppositionellen Umgebung. Das ist ein ganz wesentlicher Motor aller drei Texte, die ich untersucht habe. Besonders deutlich wird das in Peter Weiss' „Die Ästhetik des Widerstands“: Hier muss der Protagonist erst einmal temporär seine Sprache ganz verlieren, um zu erkennen, dass die politische Situation von der marxistischen Rhetorik seiner Umgebung nur schablonenhaft erfasst wird und andere, nämlich literarische, Erfassungsmöglichkeiten braucht.

An diesem Beispiel sieht man auch, dass die kulturpoetologischen Zusammenhänge nicht immer direkt und linear verlaufen: Weiss' Text erzählt eigentlich von einem jungen schreibenden Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur, aber was den Aspekt den Schreibens betrifft, interagiert er vor allem mit seiner Entstehungsgegenwart: mit dem Ringen der Autoren um 68, schreibendes und politisches Subjekt zugleich zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Matthias Friedrich.

Die Dissertation von Jennifer Clare erscheint im November 2015 im transcript Verlag unter dem Titel „Protexte. Interaktionen von literarischen Schreibprozessen und politischer Opposition um 1968".

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-10236 Wed, 24 Jun 2015 13:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: World Refugee Day https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungswege-1/ Hildesheimer Universitätspräsident fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. „Let’s help refugees thrive, not just survive”, so lautet der Appell von Melissa Fleming vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Wir sollten Flüchtlinge dabei unterstützen, zu überleben und ihnen zugleich dabei helfen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, um Erfolg zu haben.

Wenn die UN zum „World Refugee Day“ am 20. Juni 2015 weltweit auf die Probleme von Geflüchteten und auf ihre Kraft, ihren Mut und Durchhaltewillen aufmerksam macht, setzt die Universität Hildesheim ebenfalls ein Zeichen: Studierende und Lehrende unterstützen Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen und beim Spracherwerb, sie spielen gemeinsam Fußball, Theater und Musizieren.

Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich fordert anlässlich des Weltflüchtlingstages eine stärkere Öffnung des Bildungssystems und mehr Sprachangebote für Flüchtlinge. Dabei weist Friedrich auf die Rolle von Universitäten hin: „Wir wollen unseren Beitrag in Forschung und Lehre, Studium und Weiterbildung leisten, um die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien zu verbessern. Wir erkennen gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen an. Wir sollten die Ärmsten und Fleißigsten nach Kräften fördern, auch und gerade im Bildungssystem.“

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Unter ihnen ist Iman Ziaudin, die in Afghanistan und Pakistan aufwuchs und mit Anfang 20 nach Deutschland floh. Seit eineinhalb Jahren lebt sie in Hildesheim, seit zwei Monaten geht sie zur Uni. „Die Uni macht mich stärker. Ich höre den ganzen Tag Deutsch. Es ist ein schönes Gefühl: Ich kann studieren, ich fühle mich wie andere Studentinnen. Ich komme zur Uni, sitze im Unterricht und stelle mir meine Zukunft vor. Ich finde das super-schön“, sagt die 25-Jährige Informatik-Studentin. Sie besucht derzeit sechs Vorlesungen und bereitet sich parallel auf eine Sprachprüfung (C1) vor.

Die Studierenden mit Fluchterfahrung haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, von Menschen, die noch kein Studium absolviert haben bis zu jenen, die einen Studienabschluss in ihrem Herkunftsland erworben haben. Darunter zum Beispiel Ingenieure und eine Informatikerin aus Syrien, ein Politikstudent aus dem Sudan, ein Arzt und ein Modedesigner aus Syrien. „Das Schnupperstudium gibt Struktur im Tagesablauf, Studierende kommen teilweise aus dem Landkreis zu uns. Sie nehmen am normalen Uni-Betrieb teil. Viele haben einen ungesicherten Status, aber sie bringen den Mut auf, sind hoch motiviert, zu lernen“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. Land und Kommunen sollten „Möglichkeiten schaffen, damit sich Flüchtlinge sinnvoll beschäftigen können“.

Studierende („Anker-Peers“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Uni. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme Außerdem bilden sie Sprachtandems. „Studierende aus Irak, Syrien und Somalia suchen Tandempartner. Es geht um den Austausch in der Alltagssprache. In meine Sprechstunden kommen vermehrt junge Flüchtlinge, die einfach gerne Deutsch sprechen möchten und gleichzeitig Kontakt mit anderen jungen Menschen suchen“, sagt Steffi Albrecht vom International Office.

In Hildesheim gibt es keine Zugangsvoraussetzungen, es geht darum, den Einstieg in das Studium zu ermöglichen. Die Universität arbeitet mit Asyl e.V. zusammen, um Flüchtlinge zu erreichen; mit der VHS (Sprachkurse), mit der HAWK, mit dem Arbeitskreis Asyl der Stadt Hildesheim (Ehrenamtliche informieren). Herausforderungen sind zum Beispiel die Sprachkenntnisse oder auch die Anerkennung der Hochschulzugangsberechtigung. Viele, die ein Studium in ihrem Herkunftsland absolviert haben, waren bemüht, ihre Papiere trotz der Flucht mitzunehmen. „Viele Studierende mussten kurz vor ihrem Abschluss aus Syrien, Irak und Sudan, aus Afghanistan und Iran fliehen. Sie sollen die Bindung zur Uni nicht verlieren“, sagt Daoud Naso vom Verein Asyl e.V.

Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Studierenden des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet und in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht (Niveaustufen B1 und A2).

Hilfe für ein Studium nach der Flucht / Spenden und Stipendien

Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die ein Deutschlandstipendium stiften möchten, können Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121 88390130) kontaktieren. Das Prinzip ist einfach: 1800 Euro Privatspende werden durch den Bund auf den doppelten Betrag aufgestockt. So entsteht ein Stipendium von 300 Euro monatlich über ein Jahr. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Oder spenden Sie unter dem Stichwort „Studium nach der Flucht“ auf das Konto der Stiftung Universität Hildesheim bei der Nord/LB Hannover (IBAN: DE86250500000106031768 / BIC: NOLADE2HXXX).

Magazin: Themenschwerpunkt Studium nach der Flucht

Mehr erfahren Sie im Magazin der Universität Hildesheim. Die Sommerausgabe 2015 erscheint zum „World Refugee Day“ mit dem Schwerpunktthema „Studium nach der Flucht / Bildungswege von Flüchtlingen“ und ist online kostenfrei als PDF und Epaper abrufbar.

Zwei Beispiele

Projekt „LernKU(H)LT“: Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team

Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim fördern seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zweimal wöchentlich über mindestens ein halbes Jahr begleiten sie je eine Gruppe von drei bis fünf Kindern. Die Lehramtsstudenten werden von Erziehungswissenschaftlern begleitet und halten Kontakt zu den Eltern. „Ziel ist die schulische Situation von Erst- bis Zehntklässlern, vor allem mit Förderbedarf in der deutschen Sprache, in der Region Hildesheim zu verbessern“, sagt Yvonne Rechter. Etwa 600 Kinder und Jugendliche aus der Region und 200 Studentinnen und Studenten nahmen bisher teil. Derzeit laufen 18 Gruppen, drei davon in Hannover. Etwa 13 % der Kinder kommen aus Syrien. „Mein Sohn wächst zweisprachig auf. Ich begrüße die Initiative der Universität Hildesheim, für die Studentin sind das wichtige Erfahrungen. Mein Sohn kann in der kleinen Gruppe Fragen stellen, es macht ihm Spaß“, sagt Aiman Ismail, dessen Familie seit vielen Jahren in Deutschland lebt und dessen 9-jähriger Sohn an dem Projekt teilnimmt.

Projekt „Funah“: Im Sport zusammenkommen

Viele Studierende engagieren sich für Flüchtlinge. Über das gemeinsame Fußballspiel wollen Omar Fahmy und Dominik Feer mit Jugendlichen in Niedersachsen Werte erarbeiten wie Teamgeist, Respekt, Vertrauen, Verbindlichkeit, Selbstständigkeit. Ihr Werkzeug gegen Konflikte auf dem Schulhof ist der Sport. „Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy. Vor dem Auspowern bieten die Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim gezielte Förderung im schulischen Bereich an, in Fächern, in denen es bei den teilnehmenden Kindern ab zehn Jahren noch nicht rund läuft. Die Studenten arbeiten seit 2015 mit der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim zusammen. Dabei erreichen sie Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Sie sind wöchentlich in der Schule und arbeiten intensiv mit Kindern aus einer Sprachlernklasse. Die Sportwissenschaftlerin Prof. Vera Volkmann begleitet das Projekt wissenschaftlich. „Sport ist gemeinschaftliches Erleben, auch körperlich und emotional. Sport kann ein guter Anker sein, um Begegnungen anzubahnen.“

Pressemeldung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

„Wir möchten Flüchtlingen, die persönlich ein schweres Schicksal erleiden, Perspektiven aufzeigen. Es ist im Interesse der ganzen Gesellschaft, wenn wir das Potenzial dieser Menschen nicht brachliegen lassen und ihnen dabei helfen, Bildungschancen zu ergreifen“, sagt die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (zur Pressemeldung). „Damit erleichtern wir es Flüchtlingen, rasch bei uns Fuß zu fassen und geben gleichzeitig einen Anreiz, um zukünftige Fachkräfte in Niedersachsen zu halten.“

Medienkontakt:

Kontakt zu Studierenden mit Fluchterfahrung, zu Familien und Wissenschaftlern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905).

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung MA DaZ/DaF Flüchtlinge
news-10406 Mon, 22 Jun 2015 15:09:00 +0200 Gespräch über Roman von Keun https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/gespraech-uebe/ Literarische Gespräche und Lesungen bietet der Literarische Salon der Universität Hildesheim an. Die jährliche Veranstaltungsreihe des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim startete im Mai. In der aktuellen Veranstaltung wird über Irmgard Keuns Roman „Das Kunstseidene Mädchen” gesprochen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Einrichtungen Universitätsbibliothek news-10368 Tue, 09 Jun 2015 15:09:00 +0200 Verena Güntner liest aus „Es bringen” https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/verena-guentn/ Literarische Gespräche und Lesungen bietet der Literarische Salon der Universität Hildesheim an. Die jährliche Veranstaltungsreihe des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim startete im Mai. In der aktuellen Veranstaltung ist die Autorin Verena Güntner zu Gast. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Einrichtungen Universitätsbibliothek news-10283 Mon, 18 May 2015 11:33:00 +0200 Teresa Präauer im Literarischen Salon https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/teresa-praeau/ Literarische Gespräche und Lesungen bietet der Literarische Salon der Universität Hildesheim an. Die jährliche Veranstaltungsreihe des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim startete im Mai. In der aktuellen Veranstaltung ist die Autorin Teresa Präauer zu Gast. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Einrichtungen Universitätsbibliothek news-9994 Wed, 06 May 2015 10:13:00 +0200 Neue Gruppenarbeitsräume in der Universitätsbibliothek https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/neue-gruppenarbeitsraeume-in-der-universitaetsbibliothek/ Das Team der Universitätsbibliothek ist überzeugt: Lehre und Forschung benötigen auch im digitalen Zeitalter einen Ort und finden nicht aus der Ferne statt. Die Bibliothek bietet nun weitere Gruppenarbeitsräume für Studierende an – online kann man die Räume buchen und einsehen, wann sie belegt oder frei sind. Rote und grüne Felder wechseln sich ab und signalisieren, ob ein Gruppenraum in der Universitätsbibliothek frei ist. Ein Klick in das Internet genügt und Studierende landen im Online-Buchungsportal der Universitätsibliothek, um einen Arbeitsraum am Hauptcampus zu reservieren. B104 und B106 sind etwa, an einem Mittwoch, bis in den späten Abend schon belegt. Nun blinken grüne Felder auf, Räume im F-Gebäude, direkt neben der Biblothek in der ersten Etage, sind frei.

Schon lange haben sich die Studierenden mehr Gruppenarbeitsräume in der Universitätsbibliothek gewünscht, – „nun stehen endlich vier weitere Räume zur Verfügung", sagt Bibliotheksdirektor Ewald Brahms, der die neuen Räumlichkeiten Anfang Mai gemeinsam mit dem hauptberuflichen Vizepräsidenten Matthias Kreysing eröffnet hat. Realisiert wurde das Vorhaben mit Unterstützung der Hochschulleitung und des Baudezernats. Zur Verbesserung der Studienbedingungen wurden auch 14 weitere PC-Arbeitsplätze eingerichtet, die über eine umfangreiche Softwareausstattung verfügen. Neben dem MS-Office-Paket und einem Open Source-Officeprogramm zum Erstellen von Präsentationen und Seminararbeiten ist auf den Rechnern auch Software zur Bild- und Tonbearbeitung installiert. Studierende können Audiodateien schneiden und Videodateien bearbeiten, CDs und DVDs erstellen, Literatur verwalten (etwa über Citavi) und Rastergrafiken bearbeiten.

Arbeitsplätze – werden diese noch nachgefragt, kann man nicht mittlerweile die Lektüre auf digitalem Wege vollziehen und gewissermaßen das Lernen auslagern? Zu Hause, im Zug, im Café, im Park? Im Frühjahr hat etwa der Universitätsverlag der Uni Hildesheim mit dem „Online-Publishing“ eine Publikationsreihe gestartet, die Beiträge aus den Fachdidaktiken, etwa über politische Bildung, sind weltweit kostenfrei verfügbar. Egal wo man sich auf der Welt befindet, man hat jederzeit Zugriff auf das Wissen. Forscherinnen und Forscher können ihre wissenschaftlichen Erträge somit schnell und in ansprechendem Layout publizieren. Die Leser in der Universitätsbibliothek Hildesheim können außerdem auf ein Lizenzpaket zurückgreifen, welches das Gesamtangebot an E-Books mehrerer wissenschaftlicher Verlage umfasst. Über Links landen Nutzer auf den Seiten der Verlage beim digitalen Dokument.

Das Team um Ewald Brahms ist dennoch überzeugt, dass Lehre und Forschung auch im digitalen Zeitalter einen Ort brauchen und nicht nur aus der Ferne stattfinden. Zwar kann man von unterwegs auf das System der Universitätsbibliothek zurückgreifen, nach Titeln suchen oder einige Publikationen außerhalb der Uni online lesen. „Wissenschaftliche Bibliotheken sind und bleiben aber weiterhin sowohl digital als auch ganz real", sagt Brahms. Bibliotheken seien Orte, um zu lernen, zu arbeiten, sich auszutauschen, das habe in den letzten Jahren sogar zugenommen. Deshalb habe die Universitätsbibliothek eine Leselounge und einen (Ruhe-)Lesesaal eingerichtet. So finden regelmäßig Literarische Gespräche und Lesungen statt, das Institut für deutsche Sprache und Literatur lädt zum öffentlichen „Literarischen Salon" ein, um mit Kinderbuchautorinnen und Schriftstellern ins Gespräch zu kommen. 

Die Biliothek nutzt die Arbeitsplätze ebenfalls in Schulungen: Studienanfänger und Studierende aus allen Fachbereichen können das Recherchieren und das Nutzen digitaler Informationsquellen lernen.  Denn, so Ewald Brahms: „Googeln können wir alle, aber für das Studium relevante Informationen finden, bewerten und korrekt verwenden, das will gelernt sein. Hier unterstützen wir die Studierenden beim Erwerb von Informationskompetenz, einer wichtigen Schlüsselkompetenz für ein erfolgreiches Studium."

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Universitätsbibliothek
news-10087 Wed, 29 Apr 2015 13:32:00 +0200 Nikola Huppertz im Literarischen Salon https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/nikola-huppe/ Mit der Kinderbuchautorin Nikola Huppertz startete der Literarische Salon Anfang Mai in die neue Saison. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Einrichtungen Universitätsbibliothek news-9934 Tue, 28 Apr 2015 17:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: Was können Unis tun? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungswege-2/ Um Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen zu unterstützen, könnten Studierende „von Mensch zu Mensch" helfen, sagt die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf. Eine besondere Rolle komme dabei dem Spracherwerb und den Künsten zu. Am Rande einer Konferenz über das Recht auf Bildung an der Universität Hildesheim sprach Isa Lange mit der Migrationsbeauftragten. Wenn wir über Bildungswege von Flüchtlingen sprechen, was erhoffen Sie sich von Universitäten? Welche Rolle spielen die Hochschulen, was beobachten Sie in Niedersachsen?

Doris Schröder-Köpf: Es gibt einige sehr schöne Initiativen, wie Universitäten sich öffnen für Flüchtlinge, um ihnen aus der Perspektiv- und Betätigungslosigkeit rauszuhelfen, etwa in Lüneburg. Das ist ein erster Weg, dass sich die Studierenden selber bemühen, um junge Leute, die in Herkunftsländern schon ein Studium aufgenommen haben, und die das aufgrund ihrer Lage erstmal nicht weitermachen können.

Was können Studierende tun?

Durchaus auch von Mensch zu Mensch helfen, einzelne ansprechen. Wo sind Menschen mit Fluchterfahrung, die weitermachen möchten, wie können wir ihnen Teilnahme an Kursen an der Uni ermöglichen? Sie können zum Beispiel beim Deutschlernen helfen.

An der Hildesheimer Universität begleiten seit Sommersemester im „Schnupperstudium" einige Lehrende und Studierende junge Erwachsene mit Fluchterfahrung, zeigen den Campus, beraten bei der Suche nach Seminaren. Einige Studenten haben Tandems gebildet, um mit den Flüchtlingen auch an der Alltagssprache zu arbeiten, was man in üblichen Sprachkursen nicht lernt. In Seminaren hat man es dann aber mit Fachsprache zu tun...

Natürlich ist die fachspezifische Frage eine große Herausforderung. Ich habe das selber kennengelernt, habe in den Vereinigten Staaten gelebt. Als ich dort schwanger wurde und ein Kind bekommen habe und Kinderarztbesuche machen musste, hat mir das Vokabular für Kinderkrankheiten völlig gefehlt. Wie viel schwieriger muss es sein, wenn man Physik, Chemie oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert und es fehlt einem das Vokabular für genau diesen Bereich? Da reicht nicht mehr der Wortschatz, um Brötchen einzukaufen und sich mit Nachbarn unterhalten zu können. Das ist eine große Herausforderung – vor der stehen wir in Niedersachsen auch in den Gymnasien. Es gibt jetzt einige Gymnasien, an denen Sprachlernklassen eingerichtet wurden. Früher war das mehr an Hauptschulen, Gesamtschulen. Die Lehrer an den gymnasialen Sprachlernklassen sagen, es ist wahnsinnig schwierig, dass Fachvokabular für Kunstunterricht genau so drauf zu haben wie für Mathematik. Das ist eine große, große Herausforderung. Wenn es gelingt, profitieren wir alle davon.

Wer sollte dabei mitwirken?

Wir haben viel zu tun, alle. Das schafft die Politik alleine nicht. Da können alle Studierenden mithelfen.

Sie sprechen die Studierenden an – an der Universität Hildesheim arbeiten einige im Theater und in den szenischen Künsten mit Flüchtlingen zusammen (etwa die Gruppe Voll:milch oder das Türkisch-Deutsche Theater). Im musikalischen Bereich befassen sich Forscher und angehende Lehrerinnen und Lehrer am Center for World Music mit kultureller Vielfalt. Ist das auch ein Weg, sich künstlerisch zu begegnen?

Ich glaube sogar, dass künstlerische Ausdrucksformen ganz besonders geeignet sind, um Menschen, die Flucht, Vertreibung und viele Gräuel erlebt haben, sozusagen das Leben zu erleichtern und einen Zugang zu einer neuen Gemeinschaft zu finden. Das geht von Ausdruckstanz bis zur Malerei. Es gibt inzwischen auch einige fotografische Projekte mit Flüchtlingen. Diese künstlerischen Ausdrucksformen sind glaube ich besonders gut, weil sie an die Seele gehen und man nicht viele Worte braucht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über die Konferenz: Recht auf Bildung

An der Universität Hildesheim diskutierten am 23. und 24. April 2015 Fachleute über das Menschenrecht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland sowie über den Bildungserfolg von Kindern in der Migrationsgesellschaft, der auch vom Rechtsstatus abhängt. Etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis nahmen teil, darunter Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive aus Bremen, Hildesheim, Hannover und Berlin sowie die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe des Landes Niedersachsen. Es sei dringend notwendig, „konsequent weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Viola Georgi (mehr im Interview, Mediendienst Integration). Organisiert wurde die Konferenz vom „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften" und dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und dem Deutschen Institut für Menschenrechte. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Lehramtsstudierenden und Studierenden des Masterstudiengangs DaZ/DaF auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet. Dabei arbeitet die Uni mit der berufsbildenden Walter-Gropius-Schule und dem Niedersächsischen Landesinstitut für Qualitätsentwicklung zusammen. Als Ergebnis für die mündlichen Prüfungen haben alle Lerner in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht, und zwar auf den Niveaustufen B1 und A2.

Einen Nachbericht zur Konferenz lesen Sie auf der Internetseite www.uni-hildesheim.de zum Wochenende.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Fachbereich 1 Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10060 Fri, 24 Apr 2015 13:32:00 +0200 Öffentliche Lesungen bei Kinder- und Jugendbuchwoche https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/oeffentliche-57/ Literarische Gespräche und Lesungen bietet der Literarische Salon der Universität Hildesheim an. Die Veranstaltungsreihe des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim startet am 6. Mai 2015. Dann liest die Kinderbuchautorin Nikola Huppertz. Nach der Lesung können Zuhörer mit der Schriftstellerin ins Gespräch kommen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Universitätsbibliothek news-9743 Wed, 18 Mar 2015 15:18:00 +0100 Familienfotografien sichten, Jugendliche befragen, Alltag im Pflegeheim beobachten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/familienfoto/ Sieben Stipendiatinnen schließen derzeit ihre Promotion im Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ ab. Die Bewerbungsphase für die nächste Phase läuft bereits: Die Universität Hildesheim hat acht Promotionsstipendien ausgeschrieben. Noch bis zum 23. März 2015 ist eine Bewerbung möglich. Von der Chemiedidaktik über erziehungswissenschaftliche Familienforschung bis zu außereuropäischer Ethnologie: Sieben Nachwuchswissenschaftlerinnen forschen seit drei Jahren rund um Geschlechterfragen im interdisziplinären Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" – eines der einzigen dieser Art bundesweit. Derzeit schließen sie ihre Promotionen ab und sind in der Endphase. „Sie untersuchen sichtbare und unsichtbare Zusammenhänge zwischen Geschlecht und Bildung“, sagt Professorin Meike Baader von der Universität Hildesheim. Mit welchen Fragen sich die jungen Forscherinnen auseinandersetzen – ein Überblick.

Wie sich Schulbildung auf Familien auswirkt

Andrea Noll untersucht Familiengeschichten, Berufs- und Bildungsbiographien von Frauen, Männern und ihrer Verwandtschaft im westafrikanischen Ghana. Dabei hat sie Familien begleitet und erfasst, wie sich Schulbildung auf die Rollen von Frauen und Männern innerhalb einer Familie auswirkt. In drei Forschungsaufenthalten von jeweils mehreren Monaten hat sie den Alltag von mehreren südghanaischen Fanti-Familien begleitet. Die junge Wissenschaftlerin reist durch die Weltgeschichte, war bei Familientreffen in Amerika. Bereits in ihrer Magisterarbeit hat die Ethnologin in Nordghana geforscht und die Schulkultur in einem Mädcheninternat untersucht. Disziplin und Kreativität schließen einander nicht aus, sagt sie über ihre Schulbeobachtungen.

Das erste Mal verliebt: Jugendbiographien erforschen

Auf Datenmaterial aus dem Projekt „Wege finden – gestärkt erwachsen werden“ greift Anja Schierbaum zurück. Über vier Jahre hat sie gemeinsam mit Professor Michael Corsten weibliche Jugendbiographien untersucht und kann nun individuelle Entwicklungsverläufe und Veränderungen von 14- bis 19-Jährigen beobachten. „Zum Zeitpunkt der empirischen Untersuchung waren die Mädchen das erste Mal verliebt, wollten darüber entscheiden, wann sie nach Hause kommen, suchten ihre Kleidung selbst aus und wünschten sich, Ferien mit ihren Freunden und nicht mit den Eltern zu verbringen“, so Schierbaum. In ihrer Dissertation erfasst sie nun, wie junge Frauen „über ihr Leben und ihre Zukunft nachdenken“.

Das gleiche Geschlecht: Familienfotos kommen ohne Sprache aus

Ich bin Eltern im Plural – unter diesem Arbeitstitel läuft Janine Schallats Forschung. Sie befragt Familien und erfasst, wie sich gleichgeschlechtliche Eltern in Familienbildern zeigen. Schallat hat an der Universität Hildesheim Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt „Diversity Education“ studiert und befasst sich in ihrer Dissertation „Das Geschlecht der Elternschaft“ mit den Geschlechterverhältnissen innerhalb von Familien. Dazu hat sie 53 Familienfotografien erhoben, die Auswahl der nicht-professionelle Fotografien, also Amateuraufnahmen, wurde dabei den Familien überlassen.

„Bilder eröffnen etwas, was im Gespräch nicht möglich ist. Sie kommen ohne Sprache aus, dadurch entsteht nicht die Herausforderung in so klar definierten Rollen wie Mutter, Vater, Kind zu denken", sagt Janine Schallat über ihr Datenmaterial. Sie hat die auf den Fotos abgebildeten Eltern interviewt, um mehr über „die Eigensicht und Selbstdarstellungen der Familien zu erfahren“.

Chemieunterricht – ein Schlüssel, um den passenden Beruf zu finden?

Anna Kotwica untersucht in ihrem Forschungsprojekt die Berufsorientierung von Jugendlichen im Chemieunterricht. In Deutschland habe nur ein geringer Teil der Jugendlichen naturwissenschaftsbezogene Berufserwartungen, wobei die Erwartungen von Mädchen niedriger sind als die von Jungen. Anhand von  Fragebogen-Erhebungen erfasste sie den Einfluss der Schule auf Jugendliche. Sie hat Auszubildende in chemischen Berufen nach ihrer Zufriedenheit und ihrem schulischen Chemieunterricht befragt. Außerdem sollen Interviews mit Chemielehrkräften geführt werden. Anna Kotwica hat Lehramt mit den Fächern Chemie und Biologie in Hildesheim studiert und absolviert derzeit ihr Referendariat.

Geschichte der Hochstapelei in der Literatur: Männer in der Mehrzahl

Mit der „Kulturtechnik des Hochstapelns“ befasst sich Verena Doerfler. Schöner Schein und gute Selbstvermarktung stellten historisch noch einen Normenbruch dar, seien aber mittlerweile „zur Norm geworden“. Die Kulturtechnik – ob man sie beherrscht oder nicht – entscheide wesentlich über eine erfolgreiche und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft, so ihre Annahme. „Das beginnt beim Bewerbungsgespräch, in dem man sich selbst vermarkten muss und erst später zeigen kann, ob und inwiefern man das, was man versprochen hat, auch wirklich erfüllen kann.“

In ihrer Dissertation arbeitet die Kulturwissenschaftlerin die Geschichte der Hochstapelei auf und blickt auf literarische Figuren seit dem 19. Jahrhundert. „In der Geschichte der Hochstapelei sind männliche Figuren deutlich in der Mehrzahl“, sagt sie. Zu den bekannten Hochstaplern zählen etwa Georges Manolescu, Felix Krull, der „Hauptmann von Köpenick“ und Gerd Postel. Dem Hochstapeln wohne durchaus ein produktives Moment inne, „ein Glaube nämlich an in einem schlummernde Möglichkeiten“, so Verena Doerfler. Der Blick in andere Fachdisziplinen im Graduiertenkolleg sei hilfreich. „Aber irgendwann muss ich am Schreibtisch sitzen, selber schreiben. Das mache ich gerade“, sagt Doerfler.

1200 Jugendliche befragt: Gehen sie in die Natur?

Wie erleben Jugendliche Natur, Wald und Wiese? Ann-Christin Schock, die in Hildesheim Lehramt mit den Fächern Geographie und Englisch studiert hat, untersuchte, wie Lehrkräfte Geomedien und außerschulische Lernorte – etwa Schulbiologiezentren – in den Unterricht einbeziehen können. „Wie können Jugendliche sensibilisiert werden, um die Welt für nachfolgende Generationen zu erhalten? Schulen können über Medien Interesse für die Natur wecken“, so Schock.

Dazu hat sie 1200 Schülerinnen und Schüler aus acht Haupt-, Real- und Gesamtschulen befragt, eine Vollerhebung aller 5. und 9. Klassen in Hildesheim. „Ich wollte wissen, was machen die Schüler eigentlich in ihrer Freizeit, in der Natur, gehen sie raus ins Grüne? Die Schüler sammeln nur wenige Naturerfahrungen in der Schule, Erdkundeunterricht findet meist im Klassenraum statt“, so Schock. Man befasst sich mit der Umwelt, aber ist kaum in der Natur. Elf- und Zwölfjährige seien noch sehr offen für die Natur, möchten raus in den Wald, ob Mädchen oder Jungen. Ältere, die stark medienaffin sind, haben hingegen kaum Lust auf Naturerfahrungen in der Schule und mit der Familie. Die Mädchen seien im höheren Alter aber eher naturaffin, gehen reiten oder mit dem Hund Gassi. „Nur klicken in das Internet reicht nicht aus, um Natur zu erleben. Ich muss einen Regenwurm auch anfassen“, sagt Geographieprofessor Martin Sauerwein. Ann-Christin Schock hat ihre Promotion abgeschlossen und auch ihre Arbeit während der Disputation verteidigt.

Beobachtungen im Pflegeheim: Ein Lächeln der Demenzerkrankten

Anja Kauppert hat ihre Dissertation „Lichte Augenblicke. Zur Leiblichkeit sozialer Relationen“ im Februar eingereicht. Die Soziologin hat sich mit „lichten Augenblicken bei Demenz“ im Pflegeheim befasst. Eine demente Person changiert in solchen Momenten zwischen „gesund“ und „krank“, so Anja Kauppert. Solche Augenblicke können dort auftauchen, wo sich die körperlichen Erwartungen an den Erkrankten schon so weit zurückgebildet haben, dass plötzliche „Normalitäten“ überraschend als „lichter Augenblick“ wahrgenommen werden.

Der methodische Zugang der Forscherin ist ungewöhnlich: Phänomenologie als Forschungsmethode in der Soziologie, also das Beobachten von Sichtbarem, ist kaum üblich. Dazu sagt Anja Kauppert: „Das stille und klare Lächeln einer Bewohnerin des Pflegeheims gehört nicht zu den üblichen Daten, an denen Soziologinnen sich abarbeiten.“

Sie ging „ins Feld“, führte eine ethnographische Studie auf einer Station eines kirchlichen Pflegeheims durch, das sich auf schwere Demenz-Fälle spezialisiert hat. Sie dokumentierte den Alltag in Ton, Film und Beobachtungsprotokollen. Dabei wurde deutlich, dass sich viele Beobachtungen kaum deuten ließen, ohne eine kritische Gender-Perspektive einzubeziehen. Kauppert nennt Beispiele, in denen Geschlecht und Sozialisation eine Rolle spielen: Sie beobachtete etwa den Klaps auf den Po einer weiblichen „Küchenhilfe“ durch einen „älteren Stationsbewohner“ und ihre Reaktion darauf, die veränderte Stimmlage der Pflegerinnen bei Eintritt des Qualitätsmanagement-Beauftragten und das Adressieren des Hausmeisters. In ihrer Dissertation arbeitet Kauppert heraus, welche Rolle eine gendersensible Ausbildung der Pflegekräfte in diesen Situationen spielt und mit welchen wertenden Meinungen Fachkräfte im Alltag handeln.

Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden

„Die Vielfalt der Forschungsthemen war und ist immer wieder eine große Herausforderung“, sagt die Koordinatorin des Graduiertenkollegs Kerstin Bueschges. „Promovierende unterschiedlicher Fachrichtungen in einem interdisziplinären Austausch zu bringen, hat seine ganz eigenen ‚Tücken‘, die aber bei erfolgreicher Umsetzung dafür doppelt lohnend sind.“ Als Beispiel dieses fruchtbaren Austauschs nennt Bueschges den Sammelband „Bildung, Selbstbild, Geschlechterbilder“, der derzeit entsteht. Der Sammelband ist das Resultat einer gleichnamigen Vortragsreihe, die über drei Semester lief und an der renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland teilnahmen.

Das Graduiertenkolleg kann durch eine Förderung des Bundesforschungsministeriums und aus Mitteln des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums Mitte 2015 in eine zweite Runde starten. Derzeit läuft die Bewerbungsphase. Kerstin Bueschges ermutigt alle, die an der Thematik „Gender und Bildung“ interessiert sind und eine Promotion anstreben, sich mit spannenden Projekten zu bewerben. Sie hofft dabei auf eine ebenso „bunte Runde“ wie zuvor. Erstmals ist ab dem Sommer auch der Fachbereich Kulturwissenschaften vertreten. Die Professorinnen und Professoren Kathrin Audehm, Meike Sophia Baader, Stefani Brusberg-Kiermeier, Michael Corsten, Beatrix Kreß, Annemarie Matzke und Toni Tholen werden die Doktorandinnen und Doktoranden begleiten. „Hochschulen müssen sich entscheiden, ob sie sich als Katalysatoren sehen“, sagt Silvia Lange. Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität wünscht den aktuell Promovierenden für den Abschluss ihrer Arbeit alles Gute und äußert die Hoffnung, „dass Sie sich in ihren Arbeitszusammenhängen für Gleichstellung einsetzen“.

Worum geht's? 8 Promotionsstipendien zu vergeben

Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ startet in eine zweite Runde. Noch bis zum 23. März 2015 können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um ein Stipendium (monatlich 1250 Euro) bei der Universität Hildesheim bewerben. Insgesamt acht Promotionsstipendien in den Bereichen Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften werden vergeben. Bewerberinnen und Bewerber müssen über ein abgeschlossenes Studium (Diplom, Master, Staatsexamen, vergleichbare Abschlüsse) mit überdurchschnittlichen Leistungen verfügen.

Finanziert wird das Graduiertenkolleg aus Mitteln aus dem Professorinnenprogramm II und aus Zuschüssen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Interessierte können sich bei Fragen an die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Silvia Lange (langes@uni-hildesheim.de) und die Projektkoordinatorin Dr. Kerstin Bueschges (bueschge@uni-hildesheim.de) wenden.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Fachbereich 3 Deutsche Sprache Fachbereich 4 Geographie Graduiertenkolleg "Gender und Bildung" Lehrerbildung Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-9646 Sat, 28 Feb 2015 09:30:00 +0100 Praxisnahe Lehrerausbildung: „Ausbildungsort und Tatort rücken zusammen“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/praxisnahe-l/ „Für mich ist das der Start“, sagt Barbara Zeh. Bisher hatte die Lehrerin aus Hannover nichts mit der Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim zu tun. Das ändert sich nun. Das Land Niedersachsen möchte Theorie und Praxis stärker zusammenbringen, an allen Hochschulstandorten, die Grund-, Haupt- und Realschullehrer ausbilden. Bis Juli sind Studierende niedersachsenweit in Klassenzimmern, Hildesheimer Studenten laufen bei 170 Mentoren mit und erleben alle Facetten des Schulalltags: Unterricht, Konferenzen, Ganztagsschule, Elternabende. Die 3. Klasse der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Grundschule in Hannover ist langsam daran gewöhnt, neue Gesichter zu begrüßen. Einige Flüchtlingskinder gehen seit kurzem in diese Schule, sie kommen aus dem Irak, aus Libyen, aus Syrien. An einem Montagmorgen im Februar stehen wieder zwei unbekannte Menschen im Klassenzimmer. „Sie bleiben einige Monate hier, sie lernen auch noch“ – so teilt Barbara Zeh ihren Schülern mit, dass nun vier weitere Augen im Klassenraum sind.

Aus den Kinderstühlen sind die Neulinge aber herausgewachsen, sie sind keine neuen Mitschüler. Sondern Deutsch- und Musikstudentinnen der Universität Hildesheim.

Seit Februar noch bis Mitte Juli sind Lehramtsstudierende im Masterstudium in Niedersachsen 18 Wochen an Schulen. Das schulische Langzeitpraktikum („Praxisblock“) wird in Seminaren an der Universität vor- und nachbereitet und begleitet. Die Studierenden sind drei Tage pro Woche in einer Praktikumsschule – an den anderen zwei Tagen an der Uni – und erleben alle Facetten des Schulalltags: Unterricht, Pausenzeiten, Schulfeste, Elternabende und Konferenzen. Das ist landesweit eine neue Entwicklung. Im Herbst 2014 hatten das niedersächsische Wissenschaftsministerium und das Kultusministerium mit den Hochschulen in Oldenburg, Osnabrück, Lüneburg, Braunschweig, Vechta und Hildesheim eine Kooperationsvereinbarung für eine Reform im Lehramtsstudium unterzeichnet. Die Masterstudienzeit für Grund-, Haupt- und Realschullehrer wurde verdoppelt und beträgt nun zwei Jahre.

Zu dieser Reform gehört neben der Erarbeitung eines Forschungsprojekts eine mehrmonatige Praxisphase, die Mitte Februar startete. Insgesamt 170 Lehrerinnen und Lehrer kamen zum Auftakt an der Universität in Hildesheim zu einer vom Kompetenzzentrum für Regionale Lehrerfortbildung organisierten Schulung mit Fachdidaktikern vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung zusammen. Die Lehrer begleiten als Mentoren die Lehramtsstudierenden an den Praktikumsschulen.

Eine von ihnen ist Barbara Zeh. Sie hat sich gleich gemeldet. Pro Student pro Fach erhält sie 0,5 Anrechnungsstunden. Aber sie beginnt nicht mit der Rechnerei. Natürlich sei das mehr Arbeit für sie, sagt Zeh, sie habe nun eine weitere Person im Blick. „Die Anfangsphase im Praktikum ist stressig. Wenn man sich die Mühe aber macht und herausarbeitet, wo jeder seine Schwerpunkte hat und wo man hinwill, dann wird das ein Selbstläufer. Das Klassenzimmer ist kein abgeschlossener Raum. Meine Tür steht immer offen“, sagt die Lehrerin. Unterricht läuft von morgens bis in die Spätbetreuung bis 17:00 Uhr, denn die Schule ist eine „Offene Ganztagsschule“. Etwa 350 Schülerinnen und Schüler lernen in Hannover-Kleefeld. „Unsere Schüler kommen aus dreißig verschiedenen Ländern. Wir unterrichten inklusiv. Wir unterrichten Flüchtlingskinder. Die Lehramtsstudenten können in der Endphase ihres Studiums bei uns die ganze Bandbreite und Realität des Lehrerberufs erleben.“ Die Schule habe Projekte zur Gewaltprävention entwickelt, Fortbildungen für Lehrer und Kinder, die Studentinnen können erfahren, wie die Zusammenarbeit im Schulalltag mit zwei Sozialpädagoginnen an der Schule abläuft.

„Wir sind in die Praxisphase am Faschingsmontag gestartet, das war ein guter Auftakt. Die Schüler lernen und die Studenten lernen auch noch, von den Schülern. Die Kleinen sind darüber schon stolz. Sie nehmen sie gut auf und finden das schön, wenn auch eine andere Stimme zu hören ist. Das stört überhaupt nicht, die Kinder sind trotzdem bei mir, wenn ich Unterricht mache. Das sage ich auch meinen Kolleginnen, die nachfragen, wie das klappt“, sagt die Lehrerin. Sie möchte den Studentinnen „einen Einblick geben, wie ich unterrichte“. „Für mich ist die Zusammenarbeit mit der Universität neu, ich kann Stundenstrukturen und Methoden überdenken und meinen eigenen Unterricht reflektieren.“ Es lohne sich, mit den Studentinnen ins Gespräch zu kommen. Gerade bereitet sie einen Rechtschreibtext und ein Diktat mit den Kindern vor, die Studentinnen beobachten noch, werden aber ab März selbst vier Stunden pro Woche unterrichten und mit einer Unterrichtseinheit zur Bildergeschichte beginnen, auch Unterrichtsbesuche stehen an. „Viele Kinder haben zu Hause niemanden, mit dem sie üben können“, sagt Barbara Zeh. Die Kleinen sind es gewöhnt, eigenverantwortlich zu lernen, sagt Zeh. Mal arbeiten sie alleine, dann in der Gruppe, dann mit einem Partner an Stationen. „Ich zeige den Studentinnen, was die Kinder können, damit sie Anknüpfungspunkte haben: Wie kann ich in diese Klasse reingehen?“

Eine andere Lehrerin unter den 170 Mentoren sagt über die engere Zusammenarbeit zwischen Universität und Schulen: „Ausbildungsort und Tatort rücken zusammen“. Um solche Praxisphasen zu ermöglichen, müssen Strukturen im Uni- und Schulalltag zusammenfinden, sagt Dörthe Buchhester. Sie koordiniert die Reform am Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) der Universität Hildesheim. Das bedeutet: Jeweils zwei Lehramtsstudierende mit möglichst gleicher Fächerkombination mussten an Schulen in Hildesheim, Hannover und dem Umland vermittelt werden, Fahrtwege mit öffentlichen Mitteln sollen maximal eine Stunde dauern. Insgesamt sind das etwa 260 Studierende an 100 Schulen. Je ein Fachdidaktiker und Lehrbeauftragter begleiten nun im Tandem das Studentenpaar, reisen zu Unterrichtsbesuchen an die Schulen. Mentorenfortbildungen sollen nicht in der Zeugniszeit, aber auch nicht in der Prüfungszeit der Forscher liegen. „Wir haben vom Kultusministerium die Auflage, die Mentoren nicht zu belasten, sie aber auch nicht alleine zu lassen. Auch unsere Studenten haben viel zu tun. Sie haben kaum Zeit zwischen Vorlesung, Prüfungen und dem ersten Schultag, der in der vorlesungsfreien Zeit liegt“, so Buchhester. Sie hebt hervor, wie wichtig die Gespräche zwischen Lehrern und Fachdidaktikern der Uni seien. Dabei erinnert sie auch an Grenzen: Studierende dürfen im „Praxisblock“ nicht eigenverantwortlich unterrichten, sie sind auch nicht befugt, eine Pausenaufsicht zu machen. Die Mathematikdidaktikerin Professorin Barbara Schmidt-Thieme spricht von einem Prototyp, der ins Wasser gelassen wurde: „Wir wollen, dass das Schiff fährt. Wir wollen Sie ins Boot holen.“

Das ist bei Mattias Weiß gelungen. Er unterrichtet Englisch und Sport an der IGS Bad Salzdetfurth und sieht in der Zusammenarbeit mit der Uni große Chancen. Schon im ersten Studienjahr arbeitet seine Schule mit der Universität Hildesheim zusammen und holt Lehramtsstudenten in den „Schulpraktischen Studien“ einmal pro Woche ins Klassenzimmer. Seit Februar begleiten zwei Masterstudenten seinen Schulalltag. Von dem Blick aufs Schwarze Brett am Morgen über den Unterrichtsalltag, eine spontane Unterrichtsvertretung wegen Krankheit bis zur Konferenz und Elterngesprächen. „Wenn der Unterricht gut läuft, freut man sich. Wenn er schlecht läuft, denke ich mir: Oh je, was müssen die Studenten nun von mir denken?“, lächelt Mattias Weiß über die Tatsache, dass nun vier Augen mehr in seinem Klassenzimmer sitzen. Er ist selbst erst seit einem Jahr Lehrer, unterrichtet von der 5. Klasse bis zur Oberstufe. „Es gibt nun jemanden, der Kritik üben kann und das ist auch für mich hilfreich. Ich bin da ganz offen. Ich hoffe die Zusammenarbeit mit der Universität bringt mir auch etwas. Wir können zum Beispiel als Team unterrichten.“

Schulen und Uni begleiten den Übergang in den Lehrerberuf: Lehrer im Hörsaal. Foto: Lange/Uni Hildesheim

Lehrerausbildung – Reform des Masterstudiums in Niedersachsen:

Darum geht’s: Angehende Grund-, Haupt- und Realschullehrer studieren seit dem Wintersemester 2014/15 insgesamt zehn Semester. Die Masterzeit verdoppelt sich von einem auf zwei Jahre. Ein Ziel ist, Praxis und Theorie besser zu verzahnen. Als neue Studienelemente werden eine Praxisphase und ein Projektband integriert. Die Niedersächsische Landesregierung hat im August 2014 die vom Kultusministerium und Wissenschaftsministerium erarbeiteten neuen Verordnungen über Masterabschlüsse für Lehrämter beschlossen.

„Der Schritt der Landesregierung, das Masterstudium zu verlängern, ist klug und an der Zeit. Die Universität Hildesheim wird für das Land Niedersachsen rund ein Drittel der künftigen Lehrerinnen und Lehrer ausbilden. Wir stellen uns dieser Herausforderung gern, denn die Reform ist ein sehr wichtiger Schritt in Richtung mehr Praxisnähe“, sagt der Hildesheimer Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Parallel zur Praxisphase verläuft das Projektband. Dabei betreuen Lehrende der Universität Hildesheim die angehenden Lehrerinnen und Lehrer im „forschenden Lernen“. Die Studierenden entwickeln Forschungsarbeiten und vertiefen Kenntnisse und Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten, können Schulpraxis, Theorie, Handeln und Reflexion aufeinander beziehen. Aus den Projektfragestellungen kann sich auch die Masterarbeit entwickeln.

Wie Alan (7) rechnet, beobachtet Lehramtsstudent Ali Ünlü ein Jahr in Drispenstedt. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Partnerschulen in der Lehrerausbildung - seit über 30 Jahren

Mittwochs im Hörsaal, freitags im Klassenzimmer: Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule. Die Universität setzt auf die enge Zusammenarbeit mit Partnerschulen in allen Praxisphasen. In den „Schulpraktischen Studien" beobachten die angehenden Lehrkräfte in einer studentischen Kleingruppe im ersten Studienjahr jeden Freitag Unterricht und sprechen darüber mit einem Lehrer und Erziehungswissenschaftler. Etwa 500 Erstsemester starten so jährlich im Oktober in ihr erstes Studienjahr – seit über 30 Jahren – und erhalten früh echte Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Ab April stehen die ersten Unterrichtsstunden für die Studienanfänger an. Weitere Praxisphasen folgen im Verlauf des Studiums in mehreren Schulformen. „Unsere Studierenden überprüfen ihre Eignung für den Beruf zu Beginn des Studiums und im Übergang zum Berufsalltag“, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung.

Die Universität Hildesheim bildet mit etwa 2600 Studierenden einen Großteil der niedersächsischen Grund- Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Hildesheim leitet zusammen mit Hannover seit diesem Jahr den Verbund der niedersächsischen lehrerbildenden Hochschulen.

Informationen zur Reform „GHR 300“: Häufige Fragen, Studienprofil, Praxisphase, Projektband

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Ang. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Musik und Musikwissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Inklusion Lehrerbildung Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration
news-9983 Thu, 19 Feb 2015 09:00:00 +0100 Bessere Kurse für Flüchtlinge / Wissenschaftlerin fordert besser qualifizierte Sprachkurse für Asylsuchende https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/bessere-kurs/ EVANGELISCHER PRESSEDIENST (EPD) über Sprachkurse für Flüchtlinge: Die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari von der Uni Hildesheim befasst sich mit der Bildungsteilhabe von Flüchtlingen und fordert Sprachlernangebote für alle Flüchtlinge in Deutschland „Die Sprachwissenschaftlerin Elke Montanari von der Universität Hildesheim hat ein qualifiziertes Sprachlernangebot für alle Flüchtlinge in Deutschland gefordert. Bislang gebe es Integrations- und Sprachkurse nur für Menschen mit gesichertem Aufenthaltsstatus", sagte die Professorin für Deutsch als Zweitsprache dem EVANGELISCHEN PRESSEDIENST (EPD). "Auch in den Schulen sieht Montanari Entwicklungsbedarf im Blick auf Mehrsprachigkeit. Gerade in den letzten Monaten steige die Zahl junger Menschen, die im Schulalter nach Deutschland kommen und als Seiteneinsteiger mit dem Unterricht anfangen. Einige hätten aufgrund der Situation in ihrem Heimatland noch nie eine Schule besucht, andere kämen von Elite-Institutionen im Ausland", schreibt die Redakteurin Katharina Hamel (EPD).

Evangelischer Pressedienst EPD, erschienen in regionalen Tageszeitungen, u.a. Ostfriesische Nachrichten, Delmenhorster Kreisblatt,  „Bessere Kurse für Flüchtlinge / Wissenschaftlerin fordert besser qualifizierte Sprachkurse für Asylsuchende", 19./20.02.2015 (print) (www.epd-archiv.de)

Kontakt zu den Forscherinnen und zu Studierenden mit Fluchterfahrung über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

Bessere Kurse für Flüchtlinge / Wissenschaftlerin fordert besser qualifizierte Sprachkurse für Asylsuchende

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional MA DaZ/DaF Bildungsintegration Lehrerbildung
news-9489 Wed, 21 Jan 2015 14:12:00 +0100 Jörg Albrecht: Anarchie in Ruhrstadt https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/joerg-albrech/ Wie schreibt man eine Geschichte der Zukunft? Der Literarische Salon lädt zur Lesung. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-9415 Mon, 12 Jan 2015 19:20:00 +0100 Kita, Schule, Integrationskurs: Deutsch als zweite Sprache erlernen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/kita-schule-integrationskurs-deutsch-als-zweite-sprache-erlernen/ Die Sprachenvielfalt in einer Klasse einbeziehen, im Ausland arbeiten und die deutsche Sprache vermitteln: Die Universität Hildesheim bietet einen Studiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Nun starten die ersten Absolventen in den Beruf. Sie können in der Schulbuchherstellung und an Schulen arbeiten oder Integrationskurse leiten. Professorin Elke Montanari untersucht, wie Integrationskurse sprachlich auf das Leben in Deutschland vorbereiten. Studieninteressierte wählen einen Schwerpunkt – entweder Deutsch als Fremdsprache. Sie können nach dem Studium an Schulen und Universitäten im Ausland oder in international vernetzten Betrieben als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur arbeiten. Ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt sowie Seminare in den Bereichen Sprachstandsdiagnostik, Lehrwerksanalyse, Literatur und Landeskunde interkulturell gehören zum Studium. Die Studierenden lernen, die deutsche Sprache aus einer Fremdperspektive zu betrachten, so Beatrix Kreß.

Oder Studierende wählen den Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache. Hier lernen Lehrerinnen und Lehrer, wie sie die Sprachenvielfalt in einer Klasse einbeziehen können und mit welchem Wortwissen sie bei ihren Schülern rechnen können. Die Universität bildet Fachleute für die Sprachförderung in Schulen und Fachkräfte für den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen und für die Bildungsplanung etwa in Behörden aus. Zu den Studieninhalten gehören Seminare in den Bereichen Zweitspracherwerb, deutschsprachiger Unterricht in mehrsprachigen Gruppen, Diagnostik und Lehrwerksanalyse. Der Masterstudiengang mache sichtbar, das Mehrsprachigkeit zu unserem Alltag gehört, so das Team um Professorin Hildegard Gornik, Professorin Beatrix Kreß, Professorin Elke Montanari und Professor Stephan Schlickau, das das Studienprogramm entwickelt hat.

Christina Süßmilch, eine der ersten Absolventinnen dieses Studiengangs mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache", berichtet, sie habe sich in Sprachkursen zum Beispiel mit den grammatischen Systemen von Sprachen befasst, „um später im Unterricht denjenigen Kindern, die diese Sprache als Muttersprache sprechen, gezielter zu helfen".

Über, auf, zwischen: Im Sportunterricht Sprache und Präpositionen erlernen

„Sensibilisierung ist ein erster Anfang. Man wertschätzt Mehrsprachigkeit als Ressource. Das ist der Einstieg. Aber dann folgt die Frage: Wie zeigt sich das im unterrichtlichen Handeln?", so Professorin Elke Montanari, die an der Hildesheimer Uni Lehrerinnen und Lehrer für Deutsch als Zweitsprache ausbildet und auch Lehrkräfte erreichen möchte, die „mitten im Beruf stehen". Die Hildesheimer Studierenden, darunter Süßmilch, gehen zum Beispiel in Schulen und analysieren anhand von Ton- und Bildaufnahmen, wie Lehrkräfte die Mehrsprachigkeit der Kinder aufgreifen. Sie untersuchen, wie Kinder zum Beispiel Wörter aus Sprachen wie Türkisch, Französisch, Polnisch, Russisch oder Arabisch vergleichen und gemeinsam die Grammatik entdecken. Welche anderen Sprachen mit Fällen kennen sie? Was ist denn ein Fall, warum brauchen wir das?

Oder im Sportunterricht, hier können Schülerinnen und Schüler „wunderbar Präpositionen lernen – über, auf, unter, zwischen", sagt Montanari. Die Hildesheimer Uni ist Teil eines Verbunds von neun niedersächsischen Hochschulen in der Initiative „Umbrüche gestalten“, die vom Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, vom Niedersächsischen Kultusministerium und Wissenschaftsministerium gefördert wird. Ziel dabei ist, die Sprachenförderung in die Lehrerausbildung aller Fächer – ob Politik, Mathematik, Sport, Sachunterricht oder Religion – aufzunehmen.

Wie viel Sprache steckt im Fach Mathematik?

Dabei bindet das Hildesheimer Team Lehramtsstudierende und Fachdidaktiker, zunächst der Fächer Mathematik und Sport, ein. In der Lehre unterrichten sie zu zweit, fachübergreifend, um Fachdidaktik und Mehrsprachigkeit gemeinsam zu betrachten. Ein Beispiel: Wie viel Sprache steckt im Mathematikunterricht? „Unterricht, ob Deutsch oder Chemie, hat immer mit Sprache zu tun. In der Mathematik gibt es eine Besonderheit: Unsere Gegenstände sind Gegenstände des Denkens. Wir arbeiten mit Fachbegriffen und Formeln", sagt Professorin Barbara Schmidt-Thieme, die in diesem Wintersemester gemeinsam mit der Sprachwissenschaftlerin Christina Kellner das Seminar „Wie viel Sprache steckt im Fach Mathematik" für angehende Lehrerinnen und Lehrer anbietet. Eine Kugel rollt, so Schmidt-Thieme. „Das ist Alltagssprache. Dann geht man Schritt für Schritt in die Fachsprache hinein. Eine Kugel hat überall den gleichen Durchmesser. Eine Kugel 'ist die Menge aller Punkte des dreidimensionalen Raumes, die von einem Punkt M (Mittelpunkt) den gleichen Abstand hat'. Diesen Übergang zu gestalten, ist Aufgabe der Lehrkräfte, dazu benötigen sie Sprache."

Zu dem Masterstudiengang gehört auch ein Praxisteil. Christina Süßmilch hat ihr Praktikum am Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung absolviert, dabei hat sie Einblicke in die Lehrerfortbildung erhalten und erfahren, wie Lehrkräfte im Umgang mit Mehrsprachigkeit qualifiziert und die Behörde mit Schulen mit mehrsprachigen Schülerinnen und Schülern umgeht. Sie könne sich gut vorstellen, einmal in diesem Bereich zu arbeiten und bei der Entwicklung von Lehrerfortbildungen für Deutsch als Zweitsprache mitzuwirken. Aber die beruflichen Perspektiven sind weit gefächert, sagt sie. „Mit dem Studiengang gibt es noch sehr viel mehr Möglichkeiten, wir können auch in Schulbuchverlagen oder in der Schulbuchherstellung arbeiten oder in einer Volkshochschule Integrationskurse leiten."

Wie Integrationskurse sprachlich auf das Leben in Deutschland vorbereiten

Damit befasst sich Elke Montanari in der Forschung. Sie untersucht, wie Integrationskurse sprachlich auf das Leben in Deutschland vorbereiten. In dem Beitrag „Sprachliche Handlungsbedarfe von Lernenden in Integrationskursen", der 2015 in der internationalen Zeitschrift „Zielsprache Deutsch“ erscheint, stellt die Professorin für Deutsch als Zweitsprache von der Universität Hildesheim Ergebnisse aus einer Untersuchung zu Integrationskursen und Sprache vor. „Bei einer Befragung von Teilnehmenden und Lehrenden in Integrationskursen zeigte sich, dass sich die KursteilnehmerInnen die alltäglichen sprachlichen Mittel in weiten Teilen eigeninitiativ aneignen können. Besonderer Handlungsbedarf besteht im Umgang mit Kindern, gerade mit der Perspektive auf Bildungseinrichtungen, im Kontakt mit Behörden und öffentlicher Verwaltung und im Beruf. Die Sprachenvielfalt der Kursteilnehmenden könnte als Ressource aufgegriffen werden. Die verschiedenen Sprachkenntnisse finden in den vorhandenen Lehrmaterialien zu wenig Beachtung“, schreibt Montanari. Sie gibt Einblicke in eine Studie, die im Auftrag des Bundesinnenministeriums unter Federführung des Goethe-Instituts München an der LMU München durchgeführt wurde.

In Integrationskursen, die mit einem Deutschtest auf dem Sprachniveau B1 enden, sollen Migranten die deutsche Sprache und Geschichte, Politik und Kultur kennen lernen. Vor zehn Jahren wurden die Kurse im Zuge des Zuwanderungsgesetztes eingeführt.

Inwieweit bereiten die Kurse die Lernenden sprachlich auf das Leben in Deutschland vor? Sprachliche Anforderungen liegen vor allem bei der Unterstützung der Kinder, zum Beispiel im schulischen und medizinischen Bereich, und bei der beruflichen Integration – am Arbeitsplatz, bei der Arbeitssuche, in der Ausbildung –, so Montanari. Der Ausbau des Wortschatzes sollte in diesen komplexen Handlungsfeldern – zur öffentlichen Verwaltung gehört ein besonderer Sprachstil und die formelle Kommunikation – intensiv bearbeitet werden. Alltägliche Handlungsfelder, etwa Bereiche wie der tägliche Einkauf – ein Standardthema in Lehrwerken – und Wohnen sollten als Kursinhalte darauf überprüft werden, ob sie wirklich notwendig im Kurs zu erlernen sind, oder ob die Lernenden hier nicht bereits selbst ihre Umgebung sprachlich weitgehend erschließen, so die Professorin.

Außerdem geht es um die Anwendung des Gelernten. „Man sollte noch einmal gezielter darüber nachdenken, wie eine Brücke in den Alltag gemacht werden könnte. Es gibt dazu verschiedene Ideen. Zum Beispiel sollte ein Praktikum zum Integrationskurs gehören, in dem die Lernenden auch in authentischen Situationen die Sprache am Nachmittag anwenden“, sagt Montanari.

Jetzt bewerben: Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache

Studieninteressierte können sich für ein Studium im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache (DaZ–DaF)" bewerben. 

Mehr zum Thema:

„10 Jahre Integrationskurse in Deutschland. Wie gut bereiten die Kurse auf das Berufsleben vor?", Elke Montanari im Gespräch, Deutschlandfunk, Sendung „Campus und Karriere", 08.01.2014, Hörfunk-Beitrag von Katja Hanke (5 Min.) 

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Pressemeldungen Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Deutsche Sprache Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation
news-9984 Thu, 08 Jan 2015 09:00:00 +0100 Integrationskurse in Deutschland: Zu wenig Vorbereitung auf das Arbeitsleben https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/integrations/ DEUTSCHLANDFUNK berichtet über 10 Jahre Integrationskurse. Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Uni Hildesheim, beobachtet, dass Deutschlerner auf B1-Niveau im Beruf schnell an ihre Grenzen stoßen. Das Lernen müsse unbedingt nach dem Integrationskurs weitergehen „Mehr als eine Million Menschen haben in den letzten zehn Jahren in Deutschland an Integrationskursen teilgenommen. Doch mit dem 'Deutschtest für Zuwanderer', mit dem die sechsmonatigen Kurse enden, seien die Teilnehmer noch nicht auf das Berufsleben vorbereitet, kritisieren Experten", so die Journalistin Katja Hanke im DEUTSCHLANDFUNK. In der Reportage hat sie einen Integrationskurs an der Volkshochschule Neukölln in Berlin besucht, seit drei Monaten lernen die Teilnehmer hier an jedem Vormittag die deutsche Sprache.

„Dass Deutschlerner auf B1-Niveau im Beruf schnell an ihre Grenzen stoßen, meint auch Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Zum Beispiel in Beratungssituationen", heißt es im DLF. „Das kann in der Krankenpflege sein, das kann aber auch in jedem anderen Fall sein. Also, wenn jemand kommt und ein Anliegen schildert und der Lerner soll darauf reagieren. Sowie das individuell wird, ist es problematisch, das mit B1 zu lösen. Das heißt, das Lernen muss unbedingt nach dem Integrationskurs weitergehen", sagt Professorin Elke Montanari im Gespräch mit dem DEUTSCHLANDFUNK.

Die Sprachwissenschaftlerin der Uni Hildesheim bemerkt außerdem, dass „der Kurs für die meisten Lernenden der einzige Ort ist, an dem sie Deutsch sprechen". „Und hier wäre eigentlich ein Ansatz, wo ich denke, dass man noch mal gezielter darüber nachdenken könnte. Also, wie könnte im Integrationskurs eine Brücke in den Alltag gemacht werden. Es gibt dazu verschiedene Ideen, zum Beispiel sollte ein Praktikum zum Integrationskurs gehören. Das finde ich eine spannende Überlegung", so Montanari im DEUTSCHLANDFUNK.

Deutschlandfunk, „Integrationskurse in Deutschland: Zu wenig Vorbereitung auf das Arbeitsleben", 19./20.02.2015 (Audio und Text online, Radiobeitrag von Katja Hanke, ~4:30 Min)) (www.deutschlandfunk.de)

Eine Langfassung des Audio-Beitrags „Integrationskurse in Deutschland / Warum sich die meisten Sprach-Integrationskurse nicht fit für den Beruf machen“ wurde im Südwestrundfunk SWR2, Sendung „Impuls“, 12.01.2015 gesendet.

Kontakt zu den Forscherinnen und zu Sprachlernern über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional MA DaZ/DaF Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge
news-9325 Tue, 06 Jan 2015 12:07:00 +0100 Männer in der Literatur https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/maenner-in-der-literatur/ Wie tauchen Männer in der Literatur auf? Der Literaturwissenschaftler Toni Tholen forscht über Männlichkeiten in der Literatur. Matthias Friedrich sprach mit dem Professor über männliche Gefühle und Widersprüche zwischen familiärer und schriftstellerischer Existenz. Welche Bedeutung hat die Männlichkeitsforschung im Zusammenhang mit Gender- und Literaturwissenschaft?

Toni Tholen: Die Männlichkeitsforschung hat sich als Teilgebiet der mittlerweile sehr ausdifferenzierten Geschlechterforschung entwickelt. Das Interessante daran ist, dass sie von Anfang an wie die gesamte Geschlechterforschung inter- und transdisziplinär ausgerichtet war – das heißt, dass man, wenn man in diesem Gebiet tätig ist, von vornherein nicht nur als Literaturwissenschaftler, sondern ständig auch mit Ansätzen aus angrenzenden Wissenschaften, insbesondere aus der Soziologie, der Erziehungswissenschaft, aber auch der Geschichte oder mit anderen Literaturen zu tun hat. Meiner Ansicht nach bietet die Männlichkeitsforschung drei anregende Möglichkeiten: Erstens kann das ‚Geschlecht‘, und damit auch die ‚Männlichkeit‘, wesentlich differenzierter untersucht werden, als das vorher in der älteren Forschung der Fall war. Damit ergibt sich die Möglichkeit, auch Geschlechterverhältnisse insgesamt differenzierter zu erforschen, in einer relationalen Perspektive. Zweitens erwiesen schon die ersten Studien aus der angloamerikanischen Forschung, dass Männlichkeit nicht mehr monolithisch zu betrachten sei – also etwa unter Stichwörtern wie ‚Patriarchat‘ und ‚der Mann‘, ‚das Subjekt‘. Dadurch wurde es möglich, Männlichkeit im Plural zu denken. Drittens begannen nach und nach auch immer mehr männliche Forscher, sich mit Aspekten von Geschlecht und Männlichkeit zu beschäftigen, was zur Folge hatte, dass sie sich auch dem anderen, dem zweiten Geschlecht, stärker geöffnet hat, wiewohl man sagen muss, zumindest in der germanistischen Literaturwissenschaft noch immer ein überschaubares Feld ist. In anderen Disziplinen ist man schon weiter. Allerdings hat seit der Jahrtausendwende die Forschung auch in der Germanistik spürbar an Fahrt aufgenommen. Es liegen mittlerweile sehr interessante Studien vor, ausgehend vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Übrigens wird auch im kommenden Jahr im Metzler-Verlag ein interdisziplinäres Handbuch ‚Männlichkeit‘ erscheinen. Darin sind die Literaturwissenschaften prominent vertreten.

Zurzeit gibt es ein äußerst prominentes Beispiel, inwiefern das Problem der Männlichkeit auf literarischer Ebene verhandelt werden kann – Karl Ove Knausgårds monumentaler, autobiographisch orientierter Romanzyklus „Min Kamp" („Mein Kampf“), der in seinem zweiten Teil „Lieben" unter anderem auch auf die Dichotomie zwischen Schreiben und Familie eingeht. Knausgård sieht sein Problem vor allem darin, dass er kaum zum Schreiben kommt, weil das Familienleben ihn zu sehr beansprucht. Inwiefern kann sich in dieser Zerrissenheit das Schreiben innerhalb der bzw. über die eigene Familie als literarischer Akt der Wahrnehmung gestalten?

Knausgård berührt ein sehr aktuelles Thema in der Männlichkeitsforschung, nämlich den Widerspruch, der zwischen der familiären und der schriftstellerischen Existenz liegt. Die literarische Wahrnehmung dieses Konflikts kennzeichnet sich durch einen in diesem Text sehr extensiv vorhandenen Gegensatz: Einerseits versteht sich Knausgård sehr ernsthaft als Familienvater und auch als Ehemann; er stellt seine Erfahrungen in der oftmals banalen Alltagswirklichkeit dar. Von dort aus kann er ästhetische Wahrnehmungen beschreiben, die in dieser Form noch nicht oder kaum thematisiert worden sind. Wir haben es andererseits mit einem Schriftsteller zu tun, der die Bedingungen seiner Produktion in dem Raum des autonomen, einsamen Schreibens sieht. Denn er braucht nach wie vor die Distanz zu allen familiären und sozialen Kontakten. Damit folgt er der traditionellen, männlichen Ästhetik des autonomen Schaffens. Es geht darum, in diesen beiden Sphären gleichzeitig leben und arbeiten zu wollen. Der ganze Roman besteht aus diesem Konflikt: Wo soll ich eigentlich sein?

Man könnte sagen, die neue ästhetische Wahrnehmung, die in diesem Buch dargestellt wird, ist eine, die die Verortung und Verzeitlichung dieses schreibenden, männlichen Subjekts zum Thema hat. Eigener Raum, geteilter Raum – eigene Zeit, geteilte Zeit: Darin liegt meiner Meinung nach die Grundpolarität dieses Romans.

Knausgård verfolgt mit seinem monumentalen autobiographischen Erzählprojekt einen dezidiert emotionalen Schreibansatz. Ist dieser Ausgangspunkt Ihrer Meinung nach ein Indiz dafür, dass er das „postmoderne Verschwinden des Subjekts", welches Sie in Ihrem Artikel über die „Krise der Männlichkeit" angedeutet haben, aufhalten möchte?

In gewisser Weise kann man sagen, dass er – wie auch andere – an einer nachpostmodernen Schreibweise beteiligt ist, die das ganz konkret leiblich erfahrende und schreibende Subjekt wieder in den Vordergrund rückt. Man könnte das vielleicht auch als eine neuartige Existenzialisierung des schreibenden Ichs bezeichnen. Man muss aber auch hervorheben, dass die traditionelle Auffassung des autonomen Autorsubjekts in dem eben genannten Konflikt zwischen Familie und Schreiben verblasst und damit die in der Postmoderne stark gemachte Kategorie des Verschwindens nicht ganz unerheblich ist. Ich würde schon sagen, dass diese Art des Schreibens womöglich eine neue Form der männlichen Subjektivität hervorbringen wird. Auf keinen Fall würde ich davon sprechen, dass wir es mit einer Wiederaufrichtung des traditionellen männlichen Ichs zu tun haben werden. Das Konzept von Autonomie, wie es noch in den Fünfzigern beispielsweise von Gottfried Benn propagiert worden ist, ist verblasst und wandelt sich.

Das Problem an Knausgårds Schreiben ist vor allem, dass Geschlechterbeziehungen eine Projektionsfläche für Männlichkeit darstellen, die im schlimmsten Fall weibliche Figuren zu Nebendarstellerinnen in einem narzisstischen Plan macht – nämlich dem Kampf, den der Autor mit sich selbst führt. Wie weit kann Ihrer Meinung nach ein Schriftsteller mit einem solchen Projekt überhaupt gehen? Gerät sein eigentlicher Vorsatz – nämlich das Emotionale als Kategorie für Männlichkeit wieder in die Literatur einzuführen – nicht zu schnell unter den Verdacht des Chauvinismus?

Einerseits ist Chauvinismus in diesem Schreibprojekt schon enthalten. Ich denke vor allem an Passagen, in denen Knausgård an einer sehr traditionellen männlichen Ästhetik festhält. Zum Beispiel redet er mit seinem Freund Geir über das Schreiben, wobei fast reaktionäre Muster bedient werden, die etwas Chauvinistisches haben. Das ist ein wenig archaisch – dann kommen wieder solche Vorstellungen von Männlichkeit und Ehre, Männlichkeit und Gewalt. Denn der Freund ist auch Autor und schreibt über Boxerclubs und die archaischen Männlichkeitsvorstellungen, die dort gepflegt werden. Auch die Namen der Schriftsteller, die Knausgård beeinflusst haben – von Nietzsche bis Cioran – rufen traditionelle Vorstellungen auf den Plan. Bezeichnenderweise eröffnen gerade die Passagen homosoziale Räume, in denen Frauen absolut ausgeschlossen sind.

Andererseits muss man jedoch sagen – und das halte ich diesem Roman zugute -, dass er auf dieser Ebene sehr gespalten ist, beispielsweise da, wo Knausgård sehr zärtlich über seine Kinder schreibt oder seine Frau als schreibende Intellektuelle anerkennt. Das ist nicht für viele männliche Autoren selbstverständlich, bei denen Frauen nur dann Erwähnung finden, wenn es um Fragen von Schöpfertum und Kreativität geht. Manchmal scheint das in diesem Roman ein wenig unterzugehen, weil man sich zwischendurch auf die chauvinistischen Passagen einschießt, aber wenn man genau hinschaut, verwendet Knausgård viel Platz dafür, die Erfahrungen mit seiner Frau und seinen Kindern darzustellen, was dann wieder Rückwirkungen auf sein Schreiben hat.

Von daher möchte ich betonen, dass wir es hier mit einem sehr widersprüchlichen Projekt zu tun haben; ich würde es nicht einseitig als chauvinistisch bewerten. Wenn Sie fragen, wie weit ein Autor gehen kann, dann kann ich nur sagen: soweit er will – die literarische Moderne lebt ja geradezu von der Selbstentgrenzung männlicher Künstlersubjekte. Natürlich kann man das von einem bestimmten Punkt schrecklich oder obszön finden, aber auf der anderen Seite können wir als Leser aus diesen permanenten künstlerischen Exzessen etwas lernen. Gerade bei Knausgård ist es aber so, dass wir ambivalente Erfahrungen machen. Vielleicht ist die Literatur gerade deshalb so spannend, weil sie von solchen ausufernden Projekten der Selbstentblößung handelt, sie in Szene setzt ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten einzelner Rezipienten.

Die Fragen stellte Matthias Friedrich. Er studiert „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ an der Universität Hildesheim.

Wie Männlichkeiten in der Literatur dargestellt werden untersucht Toni Tholen. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Zur Person

Toni Tholen lehrt am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sein Artikel über Karl Ove Knausgård ist Teil seines neuen Buches „Männlichkeiten in der Literatur“, das 2015 im transcript-Verlag (Bielefeld) erscheinen wird. Der Literaturwissenschaftler erforscht Männlichkeit in der Literatur nach 1945. 2013 erschien der Band „Literarische Männlichkeiten und Emotionen".

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Fachbereich 3 Herder-Kolleg
news-9358 Fri, 19 Dec 2014 13:32:00 +0100 Mit Sprache Kompetenzen aktivieren – VHS-Chefin startet Spendenaufruf https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mit-sprache/ Bildung als Schlüssel zur Integration. Eine einfache und erfolgversprechende Formel, die VHS-Chefin Margitta Rudolph umsetzen will. Tatkräftige Unterstützung erhält sie dabei auch von Seiten der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Studiengänge Master-Studiengänge MA DaZ/DaF Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration news-9300 Fri, 12 Dec 2014 14:45:00 +0100 Adventslesung mit Wolfgang Menzel https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/adventslesun/ Wolfgang Menzel, ehemals Professor für Deutsche Sprache an der Uni Hildesheim, liest, singt und spielt alte und neue weihnachtliche Texte und Lieder. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-9274 Tue, 09 Dec 2014 14:27:00 +0100 Deutsch ja – aber nicht als Zwang / Kreß: „Herkunftssprache ist wichtig” https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/deutsch-ja/ Wenn ein Kind zuhause fehlerhaftes Deutsch lernt, kann es später schwer werden, diese Fehler wieder loszuwerden. Wenn Eltern viel mit ihren Kindern reden, ihnen vorlesen und mit ihnen spielen, erwirbt es dabei bildungssprachliche Strukturen, die beim Lernen des Deutschen helfen. Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation MA DaZ/DaF news-9254 Sat, 06 Dec 2014 09:42:00 +0100 Aus Lyrik wird Gebärdensprache - Reihe: Hildesheimer Gespräche https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/aus-lyrik-wi/ Gedichte in Gebärdensprache vortragen, geht das? Zu dem spannenden Thema diskutieren Experten aus Hamburg und Hildesheim. Pressespiegel regional Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation news-9098 Fri, 07 Nov 2014 13:02:00 +0100 Mehrsprachigkeit: Sprache in jedem Schulfach relevant https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrsprachigkeit-sprache-in-jedem-schulfach-relevant/ Wir sollten auf Schülerinnen und Schüler zugehen, die Deutsch als zweite Sprache erlernen und ihre Potentiale statt nur ihre Schwächen sehen, sagt Shinichi Kameyama. Ein Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler über Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer. Sie sprechen an der Universität Hildesheim über Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer. Ist die Sprachenvielfalt ein Glücksfall?

Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer birgt eine große Chance in sich: Die Schüler bringen von zuhause eine weitere Sprache mit in die Schule. Wenn wir sie dabei unterstützen können, im Laufe ihrer Schulzeit ihre (nichtdeutsche) Familiensprache ebenso wie ihr Deutsch gut weiter auszubauen, wäre unsere Gesellschaft später reicher um Personen, die mit Hilfe ihrer Sprachen Brücken schlagen und Menschen miteinander verbinden könnten. Nur so kann eine Gesellschaft, in der mittlerweile so viele Einwanderer leben, zusammenwachsen und sich positiv weiterentwickeln.

Und welche Herausforderungen bringen die vielen Sprachen und unterschiedlichen Sprachbiografien mit sich?

Die Herausforderung besteht darin, dass wir nicht immer die institutionellen Rahmenbedingungen für die Förderung von Mehrsprachigkeit vorfinden, wie wir sie für unsere Arbeit eigentlich bräuchten. Auch gibt es nach wie vor Institutionsvertreter, die sich darauf zurückziehen, dass an deutschen Schulen Deutsch die alleinige und maßgebliche Sprache ist und dass andere Sprachen dort nichts zu suchen haben. Wir müssen unsere Einstellung diesbezüglich ändern, uns den anderen Sprachen gegenüber öffnen, die an den deutschen Schulen faktisch vorhanden und Teil der Persönlichkeit der potentiell mehrsprachigen Kinder sind. Wir sollten den Mut finden, kleine aber entscheidende Schritte zu machen, ein Stück weit auf die Schüler, die Deutsch als zweite Sprache (DaZ) erlernen, zuzugehen, ihre Potentiale statt nur ihre Schwächen zu sehen und achtsamer mit dem umzugehen, was im Ansatz an Mehrsprachigkeit da ist.

Können Sie ein Beispiel nennen, etwa aus dem Politik-, Kunst-, Deutsch- oder Mathematikunterricht?

Sie meinen ein Beispiel dafür, wie Unterrichtskommunikation gefördert werden kann, wenn man Mehrsprachigkeit im Unterricht zulässt? Ein schönes Beispiel zum Sachunterricht an der Grundschule finden Sie in dem Artikel zur „Arbeitssprache Türkisch“ von Jochen Rehbein (2011, Arbeitssprache Türkisch im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht der deutschen Schule - ein Plädoyer). Dort geht es um Schülerinnen und Schüler mit Familiensprache Türkisch, die diese, anders als sie es aus der Schule gewohnt sind, in einem Experiment als „Arbeitssprache“ bei der Gruppenarbeit nutzen dürfen. Wenn man Schülerinnen und Schüler auf diese Weise ermöglicht, mit einer natürlich gewachsenen Sprache zu arbeiten, erleichtert man ihnen den natürlichen sprachlich-kommunikativen Zugriff auf den Unterrichtsgegenstand, die Verständigung in der Gruppe darüber, die sprachliche Bearbeitung der Aufgabe, das Verstehen des Gegenstands und damit auch die Entwicklung einer im Sinne Wygotskis (internalisierten) „Denksprache“ – die Grundlage für die mentale Verarbeitung, für ein kognitives Durchdringen des Gegenstandes ist.

In jedem Schulfach erfolgt die Wissensaneignung mit Hilfe von Sprache. Und am besten lernt man mit Hilfe einer Sprache, die natürlich gewachsen ist und die durch die Nutzung schrittweise weiter ausgebaut werden kann. Die Interaktion der Schülerinnen und Schüler, die im Rahmen des Artikels vorgestellt wird, erscheint sehr einfach und belanglos, aber eine solche einfache situationsgebundene Interaktion ist ein guter Einstieg in einen neuen Gegenstandsbereich im Unterricht. Später, wenn der Gegenstand verstanden ist und die sprachlichen Ausdrucksmittel dazu erarbeitet sind, können die Anforderungen, kann die Auseinandersetzung schrittweise sprachlich anspruchsvoller werden. Man muss den Schülerinnen und Schülern den notwendigen Raum zum ungezwungenen „Probehandeln" (Rehbein) mittels einer natürlichen Arbeitssprache geben. Dafür ist das Zulassen von Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer der richtige Ansatz.

Wenn Kinder mehrere Sprachen sprechen und die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen – wie stellen sich Lehrerinnen und Lehrer darauf ein? Beobachten Sie an manchen Schulen Überforderung oder dass die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit zu wenig aufgegriffen wird?

Der Anteil von DaZ-Schülerinnen und Schülern wächst zunehmend an allen deutschen Schulen. Lehrerinnen und Lehrer sehen vor allem die Defizite, haben den Eindruck, dass sie etwas tun müssten, damit ihr Deutsch besser wird, damit sie den sprachlichen Anforderungen der Schule gewachsen sind. Jedoch sehen sich die Lehrerinnen und Lehrer aufgrund fehlender Ausbildung häufig nicht in der Lage, sich im Regelunterricht damit in einer geeigneten Weise auseinanderzusetzen (siehe Becker-Mrotzek u.a. „Sprachförderung in deutschen Schulen – die Sicht der Lehrerinnen und Lehrer").

Wie kann diese Entwicklung professionell begleitet werden?

Die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit steckt noch in den Kinderschuhen. Wir müssen da noch jede Menge kleine Schritte tun, damit die Familiensprachen der DaZ-Kinder wie ihr Deutsch gefördert werden. Das können die Schulen oder gar einzelne Lehrerinnen und Lehrer nicht im Alleingang leisten. Hier ist eine Vernetzung und Zusammenarbeit der Schulen mit kommunalen Institutionen, mit Vertretern der Sprachcommunities verschiedener Migrantengruppen und vor allem mit den Eltern der DaZ-Kinder erforderlich. Es gibt viele Initiativen einer solchen Vernetzung auf kommunaler Ebene, etwa in Nordrhein-Westfalen. Eine Vernetzung erleichtert ein koordiniertes Vorgehen bei der frühkindlichen und bei der darauf aufbauenden schulischen Sprachförderung, dazu gehört etwa die Wortschatzarbeit und Texthabitualisierung, eine koordinierte zweisprachige Alphabetisierung und bildungssprachliche Förderung, die übrigens nicht nur für DaZ-Schülerinnen und Schüler, sondern für alle sinnvoll ist.

In der Schule wird die Rolle der Sprache für den Unterricht, die Dynamik der Sprachentwicklung im Schulalter und werden die sprachlichen Anforderungen im Unterricht immer noch völlig unterschätzt und im Fachunterricht, also in anderen Fächern als Deutsch, nicht angemessen berücksichtigt. Sprachfördermaßnahmen für Deutsch als Zweitsprache außerhalb des Regelunterrichts alleine reichen da bei weitem nicht aus. Sie sind zu weit weg von den Gegenständen, die im Regelunterricht behandelt werden. Wichtig wäre ein sprachbewusster, diskursiv-entwickelnder Regelunterricht, in dem sprachliches und fachliches Lernen gleichermaßen gefördert wird. Wie ein solcher „sprachsensibler", „sprachbildender" oder „sprach-und fachintegrierter" Unterricht aussehen könnte, dazu wurde in letzter Zeit sehr viel geschrieben. Was wir als professionelle Begleitung brauchen, ist mehr empirische Unterrichtsforschung anhand authentischer Aufnahmen aus dem echten Schulunterricht dazu, mehr Analysen zu Best-Practice-Beispielen. Je genauer wir nachvollziehen können, wie guter sprachfördernder Regelunterricht funktioniert, desto besser. Um die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Unterrichtspraxis konkret unterstützen zu können, brauchen wir auch sprachlich gut reflektiertes Unterrichtsmaterial in allen Fächern. Daran müsste künftig weiter gearbeitet werden.

Werden denn all die Sprachen – ob Albanisch, Russisch, Arabisch, Polnisch, Vietnamesisch, Türkisch –, die im Klassenzimmer „anwesend" sind, wertgeschätzt? Und wie könnte eine Form der Wertschätzung aussehen, können Sie ein Beispiel nennen?

Es wäre wünschenswert, dass alle Sprachen gleichermaßen wertgeschätzt werden würden. Oft höre ich unsere Lehramtsstudierenden sagen, es seien zu viele Sprachen, um sie alle neben dem Studium lernen zu können. Das kann aber doch kein Grund sein, sich deswegen mit keiner der vorhandenen Sprachen zu beschäftigen, von vornherein alles aufzugeben. Man sollte sich anfangs nicht zu hohe Maßstäbe setzen, aber stets offen bleiben für Neues. Es geht nicht darum, perfekt Albanisch oder Vietnamesisch sprechen zu können. Warum fangen wir nicht klein an, lernen zusammen mit den Schülerinnen und Schülern erst einmal einfache Grußformeln in den verschiedenen Sprachen, sich gegenseitig zum Geburtstag zu gratulieren, von ein bis zehn zu zählen, machen weiter mit Benennungen für Körperteile, für Gegenstände, wie wir sie im Klassenzimmer, zuhause oder auf der Straße antreffen, für Dinge, die uns interessieren und dokumentieren den gemeinsamen Lernfortschritt auf Plakaten im Klassenzimmer? Das wäre doch ein spannendes Projekt, bei der eine Klasse wunderbar zusammenwachsen könnte.

Ich glaube, sich füreinander zu interessieren und untereinander auf diese Art und Weise auszutauschen, ist wichtig, damit gegenseitiger Respekt entstehen kann und Neugier für das Andere geweckt wird. Irgendwann ist vielleicht das Interesse und die Expertise für den Gegenstand Sprache dann so weit angewachsen, dass man beginnt die Sprachen mit Hilfe entsprechender Literatur miteinander in ihren Eigenarten zu vergleichen. Das dürfte das Selbst- und Sprachbewusstsein mehrsprachiger Schülerinnen und Schüler und ihre Mehrsprachigkeit wesentlich stärken.

Sie haben zur Mehrsprachigkeit am Arbeitsplatz geforscht. Die Gesellschaft, ihre Institutionen müssen die damit verbundenen Herausforderung als Aufgabe begreifen und ernst nehmen, schreiben Sie.

Danke, Sie zitieren aus den Klappentext unseres Buches „Mehrsprachigkeit am Arbeitsplatz". Genauso ist es.

Blicken wir auf den Arbeitsplatz Schule: Wie sieht es eigentlich mit Lehrerinnen und Lehrern, die mehrsprachig leben und mit einsprachigen Lehrkräften aus – sollten hier Chancen und Erfahrungen aus der eigenen Biografie auch für den Unterrichtsalltag genutzt werden oder liegt darin eine Gefahr, in Stereotypen zu denken? Etwa: Diese türkischsprachige Lehrerin spricht Türkisch – also ist sie für den Kontakt zu türkischsprachigen Familien zuständig.

Mehrsprachige Lehrerinnen und Lehrer, die eine Migrationssprache auf muttersprachlichem Niveau beherrschen, könnten sicher Vorbilder, Vermittler und Multiplikatoren sein. Aber mehrsprachig zu sein, muss nicht heißen, dass wir die Sprachen perfekt beherrschen. Es bedeutet vielmehr, dass man sich überwindet, sich traut und darum bemüht ist, Sprachen in der alltäglichen Kommunikation, auch am Arbeitsplatz einzusetzen. Insofern könnten eigentlich alle Lehrerinnen und Lehrer mehrsprachig sein; sie haben genauso wie alle Schülerinnen und Schüler das Potential dafür. Wir sollten uns unbedingt mehr um die eigene Sprache und Mehrsprachigkeit und um die der Kinder und Jugendlichen kümmern.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurzinfo zur Person:

Dr. Shinichi Kameyama forscht und lehrt an der Universität Dortmund. Seine Arbeitsgebiete sind Pragmatik, Diskursanalyse, Kontrastive Analyse des Deutschen und Japanischen, Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, Kommunikation am Arbeitsplatz, Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kommunikation.

Austausch über Mehrsprachigkeit

Das Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität Hildesheim lädt ein zur öffentlichen Vorlesungsreihe „Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Bildungsbiografie" (Programm als PDF). Die Beiträge zeigen die Vielfalt der individuellen, gesellschaftlichen und institutionellen Ausprägungen von Mehrsprachigkeit auf und blicken auf Bildungsbiografien. Shinichi Kameyama (Dortmund) spricht am 10. November 2014 am Bühler-Campus über „Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer – Wie gehen wir damit um?". Bettina Kluge (Hildesheim) befasst sich am 24. November mit Mehrsprachigkeit und Sprachbewusstsein in den Blogs von lateinamerikanischen Immigranten in Québec. Am 8. Dezember sprechen Ulrike Wrobel, Irene Pieper und Burkhard Moennighoff (Hamburg, Hildesheim) über Lyrik in der Mehrsprachigkeit von Laut- und Gebärdensprache.

Studium: Deutsche als Zweitsprache und Deutsch als Fremdsprache

Die Sprachenvielfalt in einer Schulklasse einbeziehen oder im Ausland arbeiten und die deutsche Sprache vermitteln: Die Universität Hildesheim bietet einen Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Studieninteressierte wählen einen Schwerpunkt – entweder Deutsch als Zweitsprache. Hier lernen Lehrerinnen und Lehrer, wie sie die Sprachenvielfalt in der Klasse einbeziehen können und mit welchem Wortwissen sie bei ihren Schülern rechnen können. Die Universität bildet Fachleute für die Sprachförderung in Schulen und Fachkräfte für den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen und für die Bildungsplanung aus. Zu den Studieninhalten gehören Seminare in den Bereichen Zweitspracherwerb, deutschsprachiger Unterricht in mehrsprachigen Gruppen, Diagnostik und Lehrwerksanalyse. Studierende mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache können nach dem Studium an Schulen und Universitäten im Ausland als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur arbeiten. Ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt gehört zum Studium.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation MA DaZ/DaF
news-9092 Tue, 04 Nov 2014 07:51:00 +0100 Kreative Schreiber in St.Jakobi https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/kreative-sch/ Wie schreiben wir im digitalen Zeitalter Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-9089 Mon, 03 Nov 2014 07:30:00 +0100 "Die spinnen, die Römer!" Asterix Dolmetscherin zu Gast an der Uni https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/die-spinnen/ Sie hat Asterix und Lucky Luke sprechen gelehrt: Comic-Übersetzerin Gudrun Penndorf zu Gast an der Uni Pressespiegel regional Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Deutsche Sprache news-7845 Wed, 08 Oct 2014 16:16:00 +0200 Verwaltungstexte dürfen nicht allein stehen: Leichte Sprache in der Justiz https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/verwaltungstexte-duerfen-nicht-allein-stehen-leichte-sprache-in-der-justiz/ Erbrecht, Zeugenvorladung, Vorsorgevollmacht – schwierige Verwaltungstexte sind schon so in Ordnung. Aber sie dürfen nicht allein stehen. Sie sollten für Nicht-Fachleute verständlich gemacht werden, fordert Christiane Maaß anlässlich einer Diskussion im Bundesjustizministerium. Die Professorin für Medienlinguistik leitet an der Universität Hildesheim die Forschungsstelle Leichte Sprache. Christiane Maaß erläutert die „Leichte Sprache“ anhand eines Beispiels und zieht ein Formular mit dem Namen „Anregung zur Einrichtung einer Betreuung“ hervor. Solche Formulare kommen in einer brisanten Lage zum Einsatz, nämlich wenn eine Person nicht mehr für sich selbst sorgen kann. „Man beantragt damit, dass die Person in bestimmten Lebensbereichen nicht mehr selbst entscheiden darf. Das kann nötig werden, wenn die Person eine seelische, körperliche oder geistige Behinderung hat oder bekommt, zum Beispiel durch eine Demenz oder einen Unfall“, sagt Maaß. In dem Originaldokument tauchen Begriffe wie „Sorge für die Gesundheit“, „Aufenthaltsbestimmung“ und „Entscheidung über die Unterbringung“ auf. „Natürlich muss über die ‚Unterbringung‘ entschieden werden. Man braucht ja ein Dach über dem Kopf und muss irgendwo wohnen, denkt man sich dabei. Aber ‚Unterbringung‘ heißt im juristischen Kontext etwas ganz Konkretes: Setzt man hier ein Kreuzchen, dann darf der Betreuer entscheiden, ob der Betroffene in eine geschlossene Unterbringung soll oder nicht“, sagt die Professorin. In der Leichte-Sprache-Version tauchen daher Formulierungen auf wie „Der Betroffene braucht eine geschlossene Unterbringung. Zum Beispiel in einem Kranken•haus. Bei einer geschlossenen Unterbringung muss der Betroffene im Kranken•haus bleiben. Der Betroffene kann nicht weg.“ Das ist deutlich.

Die schwierige Verwaltungskommunikation hat auch ihre Berechtigung, sagt Maaß. „Sie ist Teil des juristischen Diskurses. Und das ist ein Fachdiskurs. Formulare sind justiziabel, es stehen Rechtsgrundlagen und Ansprüche dahinter. Ansprüche des Staats an die Bürger; Ansprüche der Bürger an staatliche oder kommunale Stellen. Diese Ansprüche sind einklagbar und in letzter Konsequenz wird über das, was in einem amtlichen Schreiben steht, vor Gericht gestritten. Schwierige Verwaltungskommunikation ist die Grundlage dafür, dass wir in unserer komplexen Gesellschaft zu unserem Recht kommen.“ Fachkommunikation lasse sich nur in einem bestimmten Umfang „herunterbrechen“, so die Medienlinguistin.

„Die Verwaltungstexte sind schon so in Ordnung. Aber sie dürfen nicht allein stehen. Sie bedürfen einer Verständlichmachung für die Nicht-Experten“, fordert Christiane Maaß. Von verständlichen Texten profitieren viele Leute. Besonders Menschen mit einer eingeschränkten Lesefähigkeit, funktionale Analphabeten und Gehörlose.

Die Forscherinnen der Hildesheimer Uni arbeiten gemeinsam mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte zusammen und binden Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ in Praxisprojekte ein. Im Studium können angehende Medienübersetzer den Schwerpunkt „Barrierefreie Kommunikation“ wählen. Sie haben zum Beispiel Beschreibungen von Berufen sowie Ausstellungstexte für das Roemer- und Pelizaeus-Museum übersetzt. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium und dem Amtsgericht Hildesheim wurden 2014 Informationsbroschüren zu Erbrecht und Vorsorgevollmacht, Teile des Internetauftritts des Ministeriums, eine Zeugenvorladung und vom Gericht verwendete Formulare in Leichte Sprache übersetzt. Die gedruckten Broschüren sind nun niedersachsenweit im Umlauf. Dabei erklären die Studierenden auch, was ein Richter macht und wie der Strafvollzug organisiert ist. Ziel des Projekts ist der leichtere Zugang zur Justiz durch Abbau sprachlicher Barrieren.

„Leichte Sprache entfaltet in ihrer Geradlinigkeit manchmal eine ganze eigene Poesie und Eindringlichkeit“, sagt Christiane Maaß. So habe die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz eine Passage aus einer Übersetzung des Hildesheimer Teams auf der Berufungszeremonie zur Berufung der neuen Richter verwendet, „weil sie das Wesentliche so schön auf den Punkt bringt“. Die Passage lautet: „So muss ein Richter sein: Ein Richter muss sehr genau sein. Und ein Richter muss seine Entscheidungen gut überlegen. Und ein Richter muss mitfühlen können. Die Bürger müssen wissen: Der Richter ist so. Nur so können die Bürger dem Richter vertrauen.“

In Zusammenarbeit mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Ursula Bredel entsteht derzeit ein Handbuch zur Leichten Sprache, in dem das Sprachsystem wissenschaftlich beschrieben wird. Die bisherigen Regelwerke sind aus der Praxis heraus und ohne wissenschaftliche Fundierung entstanden.

Bundesjustizministerium hat Sprache im Blick

Gesetze und die sogenannten Schreiben vom Amt stehen in dem Ruf, oftmals schwer verständlich zu sein. Sind diese Texte wirklich besonders schwer zu verstehen? Mehrere Initiativen wollen Gesetzestexte, die für den Einzelnen oder für die gesamte Gesellschaft so wichtig sein können, verständlicher machen. Wer nicht versteht, fühlt sich ausgeschlossen und kann – oft wider Willen – an vielem nicht teilhaben. Im Oktober 2014 geht es in einer Diskussionsveranstaltung im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz um „Macht Politik Sprache …verständlich? Kann man Gesetze und Amtsschreiben ‚leichter‘ machen?“. Dabei gibt Prof. Dr. Christiane Maaß, Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim, einen Einblick in das Thema „Lesen und Verstehen: Leichte Sprache in der Verwaltungskommunikation“. Sandra Grohmann, Richterin am Kammergericht Berlin, spricht über „Wenn Sie sich scheiden lassen wollen, müssen Sie das Gericht anrufen. Brauchen wir Dolmetscher für Amts- und Gerichtsdeutsch?“. Stephanie Thieme, Leiterin des Redaktionsstabs Rechtssprache beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz erläutert, wie die „Gesetzesredaktion für die Bundesregierung“ funktioniert.

Was ist Leichte Sprache?

In Leichter Sprache gibt es keine Nebensätze. Jede Aussage beginnt mit einem neuen Satz. Lange Wörter werden, wo sie nicht durch kürzere Entsprechungen oder Umschreibungen ersetzt werden, mit einem Mediopunkt in lesbare Abschnitte unterteilt. Seltene Wörter werden vermieden, in Texten steht das Wichtigste oben. Die fertigen Texte werden von Lesern der Zielgruppe geprüft. Kontovollmacht, Inhalt eines Testaments und Ausschlagung der Erbschaft: dieses Dokument (PDF) enthält Vorher-Nachher-Beispiele.

Studieren im Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medien zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Medienkontakt: Christiane Maaß baut an der Universität Hildesheim die Forschungsstelle Leichte Sprache auf. Bei Interesse stellt die Pressestelle Kontakt her (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100). Übrigens: Auch Märchen, Wahlprogramme und Physik- und Geschichtsbücher können in Leichte Sprache übersetzt werden. Wie das geht, lernen die Hildesheimer Studierenden. Dazu entstehen mehrere Forschungsarbeiten.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Leichte Sprache Deutsche Sprache
news-8566 Tue, 08 Jul 2014 08:11:00 +0200 Mit mehreren Sprachen leben: Studiengang Deutsch als Zweit- und Fremdsprache https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mit-mehreren-sprachen-leben-studiengang-deutsch-als-zweit-und-fremdsprache/ Die Sprachenvielfalt in einer Schulklasse einbeziehen oder im Ausland arbeiten und die deutsche Sprache vermitteln: Seit einem Jahr bietet die Universität Hildesheim einen Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Eine Bewerbung für den nächsten Jahrgang ist bis Ende August möglich. Seit einem Jahr bietet die Universität Hildesheim einen Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Studieninteressierte wählen einen Schwerpunkt – entweder Deutsch als Zweitsprache. Hier lernen Lehrerinnen und Lehrer, wie sie die Sprachenvielfalt in der Klasse einbeziehen können und mit welchem Wortwissen sie bei ihren Schülern rechnen können. Die Universität bildet Fachleute für die Sprachförderung in Schulen und Fachkräfte für den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen und für die Bildungsplanung aus. Zu den Studieninhalten gehören Seminare in den Bereichen Zweitspracherwerb, deutschsprachiger Unterricht in mehrsprachigen Gruppen, Diagnostik und Lehrwerksanalyse. Ein Auslandsaufenthalt wird empfohlen, ein Unterrichtspraktikum gehört zum Studium.

Oder Studieninteressierte wählen den Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache. Sie arbeiten nach dem Studium an Schulen und Universitäten im Ausland als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur. Auch die Kommunikationsberatung ist ein mögliches Berufsfeld, etwa in international agierenden Unternehmen mit Bezug zu deutschsprachigen Ländern oder in inländischen Unternehmen, die im Ausland aktiv sind. Ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt gehört zum Studium.

Damit die Studierenden Einblicke in das Arbeitsfeld erhalten und sich mit Fachleuten aus der Praxis austauschen können, kommen Partnerinstitutionen an der Universität Hildesheim zusammen, etwa bei einem Infotag „Praktikum, Netzwerk, Beruf“. Dabei berichten Studierende auch von Lehrpraktika im Ausland. Interessante Aussichten liegen zum Beispiel in den Bereichen Erforschung und Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur, Lehrwerkserstellung, Bildungsplanung und Migrationsarbeit, so Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache. Zu den Partnerinstitutionen gehören etwa die Volkshochschule Hildesheim, der Verein Pro Asyl, der Klett und Hueber Verlag und Schulen, etwa das Albert-Einstein-Gymnasium in Hameln. 

Ein Studienbeginn ist zum Wintersemester 2014/15 möglich. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Noch bis zum 31. August 2014 können sich Interessierte bewerben. Dabei wenden sich die Sprachwissenschaftler vor allem auch an Lehrerinnen und Lehrer, die „mitten im Beruf stehen“. Studieninteressierte können sich mit Fragen zu Studieninhalten gerne an die Professorinnen und Professoren wenden (Kontakt und weitere Informationen).

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation Deutsche Sprache
news-8519 Wed, 18 Jun 2014 10:49:00 +0200 "Ich würde meine Seele für dich opfern" https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ich-wuerde-m/ Maher Tyfour erforscht an der Uni Hildesheim, wie Syrer den Präsidenten Beschar al-Assad auf Facebook anreden Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation news-8515 Tue, 17 Jun 2014 10:36:00 +0200 Ein Mann mit voller Widersprüchen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ein-mann-mit/ Diskussion u.a. mit Kerstin Bueschges über die "Größe" von Bertolt Brecht Pressespiegel regional Gleichstellungsbüro Einrichtungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-8403 Tue, 10 Jun 2014 17:12:00 +0200 Mehrsprachige Kinder https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrsprachige-kinder/ Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, berichten über ihre Lebenslagen und Sprachen. Die Fotografin Martina Henschke und die Autorin Tatjana Leichsering holen 37 Grundschulkinder aus der Anonymität der Masse. Die Ausstellung mit Porträts und ausführlichen Interviewpassagen ist bis Ende Juli am Hauptcampus der Uni Hildesheim zu sehen. Deeqa zählt auf, was sie kann. „Somalisch, Englisch, Deutsch und etwas Französisch, Arabisch und ein bisschen Türkisch." Sie entdeckt in den Sprachen Ähnlichkeiten und beobachtet, wie etwa in ihrer Familie arabische und afrikanische Sprachen gemischt werden. Deeqa ist in Frankfurt geboren und hat dort „von meinen Freundinnen Türkisch gelernt". In Somalia, der Herkunft ihrer Eltern, war sie noch nie, aber die Sprache begleitet ihren Alltag.

Laura ist stolz auf ihr Heimatland, Portugal, in der Algarve. Aufgeschnappte Nachrichten aus Radio und Fernsehen wecken Sehnsucht: „Wenn ich manchmal die Bilder davon im Fernsehen sehe, würd ich da gerne sein." Laura ist in Deutschland geboren und hat in Portugal laufen und sprechen gelernt – erst später folgten Deutsch und Englisch. Heute spricht Lauras Vater mit ihr Portugiesich, Laura antwortet dann auf Deutsch. „Weil ich mich ans Deutschsprechen mehr gewöhnt habe."

Ermal ist in Frankfurt geboren, geht in die erste Klasse. Er macht am allerliebsten Plusaufgaben und guckt Bücher mit seiner Mama an. „Ich hab keine Bücher, aber ich leih mir Dinosaurierbücher aus.“ Dann stapft er alleine in die Bücherei und kommt mit einem Stapel zurück. Mit seinen Eltern spricht Ermal Albanisch, selten Deutsch. Auch Träumen funktioniert in zwei Sprachen. „Ich kann nichts anderes sprechen." 

Das Lieblingsfach von Joanne? Schwimmen und Deutsch! Joanne glaubt, dass sie Deutsch besser als Thai sprechen kann. „Weil ich hier geboren bin.“ Sie war noch nie in Thailand, spricht aber Thailändisch mit ihrer Mama. Die Familie ist weltweit zerstreut, der Austausch manchmal kaum möglich. „Mein Cousin kommt aus England und ich aus Deutschland und wir können nicht miteinander reden."

Diese vier Kinder erzählen, wie sie mehrsprachig aufwachsen, was ihre Lieblingssprache ist, was sie gut und vielleicht noch nicht so gut beherrschen. Im Projekt „Kinder Deutschlands" holen die Fotografin Martina Henschke und die Autorin Tatjana Leichsering 37 Kinder im Grundschulalter aus Frankfurt am Main aus der Anonymität der Masse. Während des bundesweiten Diversity-Tags, in Hildesheim organisiert vom Zentrum für Bildungsintegration, haben sie Einblick in die Recherchen gegeben. Statt abstrakte Begriffe und Statistiken lassen sie Kinder sprechen. Sie äußern sich zu ihrer Herkunft, Sprache, Identität und ihren Lebenswelten. Oft gerät Mehrsprachigkeit zum Hindernis, Sprachschwierigkeiten und kulturelle Unterschiede stehen im Vordergrund. Statt ein Kind zu sein, wird es zum Problemverursacher. Die Ausstellung an der Uni Hildesheim – an der Professorinnen für Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit forschen – lädt ein, Chancen in der Mehrsprachigkeit zu erkennen. Die Jüngsten, über die man so viel diskutiert, kommen zu Wort.

Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich in Hildesheim mit der Frage, wie Kinder mehrsprachig aufwachsen und eine zweite Sprache erwerben. An der Universität werden untere anderem Lehrkräfte in einem Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache" für die Sprachförderung in Schulen ausgebildet. Mit interkultureller Lehrerbildung und Schulentwicklung befassen sich Forscher am „Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften“. Ein Arbeitsschwerpunkt ist, wie Kinder mehrsprachig aufwachsen und Schulen damit umgehen.

Die Ausstellung ist bis Ende Juli 2014 an der Hildesheimer Uni (Hauptcampus, vor dem Audimax) zu sehen und öffentlich und kostenfrei. Wer die Ausstellung nicht vor Ort begehen kann, erhält online erste Einblicke:

„Mein Heimatland finde ich cool", Deutsche Welle, Bildergalerie und Kommentar, 04.06.2014

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-8435 Tue, 03 Jun 2014 12:25:00 +0200 Spiel, Musik und Lesung - alles Brecht https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/spiel-musik/ TfN Theater extra - Es diskutierten u.a. Dr. Kerstin Bueschges Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Gleichstellungsbüro news-8389 Tue, 20 May 2014 13:51:00 +0200 Spaziergänge mit Heidegger https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/spaziergaenge/ HAZ-Interview mit Uni-Professor: Silvio Vietta spricht morgen über Philosophen Pressespiegel regional Fachbereich 2 Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache news-8211 Thu, 01 May 2014 07:09:00 +0200 Ende der Kreidezeit https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ende-der-kre/ Kreidetafel oder Technik – wie verändert sich der Lehrerberuf technisch? In Bad Salzdetfurth sieht die Lösung so aus: Das Lehrerkollegium nutzt die Technik unterschiedlich stark – einige sind neugierig, andere skeptisch. In jedem Klassenraum steht eine mit Stiften beschreibbare weiße Tafel sowie eine interaktive Tafel mit allen technischen Möglichkeiten. Lehramtsstudierende erproben die Technik, Siebtklässler helfen ihnen dabei. Die Studierenden der Uni Hildesheim sind im ersten Studienjahr jeden Freitag im Klassenzimmer und beobachten Unterricht. Nun stehen die ersten Unterrichtsstunden an. Früher gab es grüne Klapptafeln, beginnt Johannes Kozinowski und wird stutzig: „Ich rede ja, als wäre das hundert Jahre her.“ Der Lehramtsstudent der Uni Hildesheim ist gerade mal 20 Jahre jung, die Schulzeit liegt noch nicht weit zurück. Und nun sitzt er wieder im Klassenzimmer, jeden Freitag, seit sechs Monaten und erfährt den technischen Wandel hautnah. In einigen Wochen steht seine erste Unterrichtsstunde an, statt Kreide und Schwamm kommen dann elektronische Tafeln zum Einsatz. Wischen, klicken, tippen – das Klassenzimmer betritt Neuland. Und Johannes Kozinowski ebenfalls, er möchte einmal Deutsch, Wirtschaft und Sachunterricht unterrichten. „Die schulpraktischen Erfahrungen ab dem ersten Semester helfen, die Berufswahl zu überprüfen. Bisher ist es ungewohnt, keine Kreide zu verwenden. Die Technik ist nur ein Aspekt, den ich hier kennenlerne, ich kann einmal in der Woche beobachten, wie Lehrer den Unterricht organisieren, mit Jugendlichen sprechen, wie eine Unterrichtsstunde überhaupt strukturiert ist.“

Mit „hier“ meint der Lehramtsstudent die Gesamtschule in Bad Salzdetfurth. Die Schule mit etwa 30 Schulklassen und 800 Schülern, südlich von Hannover gelegen, ist mittlerweile mit der neuesten Technik ausgestattet. Seit drei Jahren sind nach zunächst drei digitalen Tafeln („Boards“) nun 60 % der Klassenräume mit dieser Technik versehen. Martin Knospe – er war lange Zeit als medienpädagogischer Berater in Niedersachsen tätig – hat für die Schule ein Medienkonzept entwickelt. Dazu gehören neben den interaktiven Tafeln auch Schulserver mit Sicherheitsschutz sowie eine Medientechnik-AG. Dabei werden Fünft- bis Neuntklässler als Technikdienst ausgebildet, die nun auch Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim in kleinen Fortbildungen die ungewohnten Tafeln nahebringen.

Ein Freitagmorgen, Ende April: ein Klick, ein Button gedrückt und die Tafel ist an. Die ein dutzend Schüler – darunter Gian und Paul – sind fit im Umgang mit den technischen Geräten und stellen an diesem Vormittag fast 40 Studierenden in Kleingruppen die Technik vor, beurteilen sie und arbeiten an Praxisübungen. Es geht um Funktionen und Grenzen des Boards, um die Einbettung von Text- und Bilddateien und um den Motivations- und Aufforderungscharakter durch gezielten Medieneinsatz.

Wenn benötigt, kann man etwa Tafelbilder speichern und mit einem Klick in der nächsten Unterrichtsstunde wieder aufrufen, erklärt der 13-Jährige Paul den Lehramtsstudentinnen Louisa Brand und Lisa Grunau. „Wir können Filme und mathematische Zeichengeräte einbauen“, so der Siebtklässler. „Manchmal sind wir fitter als unsere Lehrer“, schmunzelt Paul. Kreide vermisse man nicht, die Hände sind nicht mehr rau, das Tafelwischen fällt weg, sagt die 14-jährige Nele. Gian und Thessa finden es „gut, dass die Lehramtsstudenten auch noch lernen und am Anfang der Ausbildung stehen“. Sie seien noch nicht so professionell, können eben nicht alles perfekt und das mache sie sympathisch, meint Thessa. „Heute bringen wir ihnen etwas bei“, sagt Gian stolz und wechselt zum Tisch von Robert Rathke und Kevin Schröder, der heute seine erste Unterrichtsstunde hielt, es ging um Kausalketten und das Erfassen von Folgen. Auch die Technik kam zum Einsatz, wenngleich er zu Beginn Zeit verloren habe. „Ich muss mich als Lehrer darauf verlassen können und die Technik gut kennen. Die Boards bieten extrem viele Möglichkeiten – aber man muss wissen, welcher Einsatz sinnvoll ist“, sagt der Geschichtsstudent.

Wie verändert sich der Lehrerberuf technisch? Verdrängen Bildschirme die klassische grüne Tafel? In Bad Salzdetfurth sieht die Lösung so aus: Da das Lehrerkollegium die Technik unterschiedlich stark nutzt – einige mit Neugier, andere mit Skepsis – stehen in jedem Klassenraum eine weiße Tafel, die mit Stiften beschrieben werden kann, und eine interaktive Tafel mit allen technischen Raffinessen und Möglichkeiten. Die Schule ist beinahe kreidefrei, denn „Computer und Kreide verstehen sich nicht“. „Aber die Klasse ist nicht ohne Tafel – sie ist mittlerweile einfach weiß. Wir können auch bei Stromausfall flexibel reagieren“, sagt Martin Knospe.

Für die Studienanfänger der Hildesheimer Uni ist die Fortbildung an diesem Vormittag auch eine technische Vorbereitung auf die ersten eigenen Unterrichtsversuche, die von Mai bis August anstehen. Sie sollen Berührungsängste abbauen und die zahlreichen medialen Möglichkeiten kennenlernen, um passend zu den gewählten Stundenzielen angemessene Medienentscheidungen treffen zu können. In den Seminarsitzungen seit Oktober 2013 haben sich die Studierenden bereits mit Methoden- und Medienentscheidungen im Unterricht sowie „traditionellen" Medien befasst.

Klassenzimmer in der IGS Bad Salzdetfurth mit interaktiver Tafel. Studierende beobachten hier Freitags Unterricht. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Mittwochs im Hörsaal, freitags im Klassenzimmer – bundesweit besonders

Im ersten Studienjahr verbringen die insgesamt 2600 Lehramtsstudierenden der Universität Hildesheim jeden Freitag in einer Kleingruppe im Klassenzimmer. Sie arbeiten sich schrittweise in methodische und didaktische Grundlagen ein, hospitieren und führen erste eigenständige Unterrichtsversuche durch, die begleitet werden. Das „Hildesheimer Modell" bietet den Studierenden die Möglichkeit, die eigene Berufswahl zu überprüfen. Etwa 500 Erstsemester starten so jeden Oktober in ihr erstes Studienjahr – und erhalten früh echte Einblicke in die Schulrealität. Seit etwa 30 Jahren setzt die Universität auf die enge Zusammenarbeit mit derzeit etwa 250 Partnerschulen aus Hannover und der Region Hildesheim in allen Praxisphasen, das ist bundesweit besonders.

Die IGS Bad Salzdetfurth ist eine dieser Partnerschulen. „Hin und wieder kommt es vor, dass die Studienanfänger merken: Der Lehrerberuf ist nichts für mich, das kann ich nicht. Dass die Universität Hildesheim ihre Lehramtsstudenten so früh in die Schulpraxis einbindet, ist ein richtiger Schritt. Denn wenn man fertig ausgebildeter Lehrer ist, und dann erst vor einem Schüler steht – ist das zu spät", sagt die stellvertretende Schulleiterin Corinna Ostmann. Auch sie öffnet ihr Klassenzimmer für die Lehrerausbildung. Derzeit besuchen fünf Kleingruppen, insgesamt fast 40 Lehramtsstudierende aus dem zweiten Fachsemester, die Schule ein Jahr lang an jedem Freitag von 7:30 Uhr bis 11:00 Uhr. Dr. Anne-Elisabeth Roßa und Elisabeth Rasche begleiten die Studentinnen und Studenten in den „Schulpraktischen Studien" seitens der Uni, die Unterrichtsbeobachtungen werden im Seminar vor- und nachbereitet und gemeinsam mit dem jeweiligen Lehrer besprochen. Dabei geht es etwa um die Lehrerrolle und den Lehrerberuf, um Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler, um Sprache im Unterricht, um methodische Entscheidungen und Medieneinsatz. Darauf aufbauend stehen nun die Planung, Durchführung und Analyse der ersten eigenen Unterrichtsversuche im Vordergrund, die gemeinsam vor- und nachbereitet werden.

Die Gesamtschule kooperiert mit der Universität auch in den Bereichen Musik und Wirtschaft. „Für die Kollegen ist die Zusammenarbeit mit der Hildesheimer Universität seit etwa fünf Jahren ein Schatz. Sie können in den eigenen Klassen hospitieren, wenn Studierende unterrichten. Und für den eigenen Unterricht erhalten sie einmal wöchentlich Feedback von den angehenden Lehrkräften“, sagt der Schulleiter Leonhard Soppa.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Fachbereich 4 Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-9212 Fri, 21 Feb 2014 15:56:00 +0100 Interview zum Internationalen Tag der Muttersprache https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/interview-zu/ NORDWEST-RADIO führte ein Interwiew mit Elke Montanari, Professorin für „Deutsch als Zweitsprache” zum Thema Muttersprache und kulturübergreifendes Sprachverständnis. „Wie viele Sprachen haben wir eigentlich? Sprache nutzen, um uns zu begegnen / Wir haben UN-Kinderrechte und eines dieser Rechte ist, die Sprache der eigenen Herkunft zu achten / Es geht eigentlich nicht an, dass wir nur gucken, was kann der Schüler auf Deutsch nicht und völlig ausblenden, was kann denn dieser gleiche Jugendliche oder diese Kind vielleicht in einer oder zwei anderen Sprachen”, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Uni Hildesheim.

Nordwest-Radio, „Interview zum Internationalen Tag der Muttersprache”, 21.02.2014 (Radiobeitrag 4 Minuten) (www.radiobremen.de/nordwestradio)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Interkulturelle Kommunikation Fachbereich 3 Deutsche Sprache Pressespiegel überregional MA DaZ/DaF
news-7709 Wed, 08 Jan 2014 16:47:00 +0100 Lehrer fortbilden, die im Beruf stehen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/lehrer-fortb/ Viele Jugendliche sprechen mehrere Sprachen. An der Universität Hildesheim lernen Lehrkräfte, die Sprachenvielfalt aufzugreifen und erfahren, wie unterschiedlich Kinder Deutsch als zweite Sprache erwerben. Noch bis zum 15. Januar ist eine Bewerbung möglich: Die Universität bildet in einem Masterstudiengang Fachleute für Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache aus. „Mehrsprachigkeit gehört zum Alltag in Schulen. Lehrerinnen und Lehrer wollen sich auf die mehrsprachige Realität vorbereiten. Sie wollen lernen, wie sie die Sprachenvielfalt in der Klasse einbeziehen können und mit welchem Wortwissen sie bei ihren Schülerinnen und Schülern rechnen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. So fällt ihre erste Bilanz nach dem Start des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ zum Wintersemester 2013/14 aus.

Studieninteressierte wählen einen Schwerpunkt – entweder Deutsch als Zweitsprache. Hier werden zum Beispiel Lehrkräfte für die Sprachförderung in Schulen und Fachkräfte für den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen und für die Bildungsplanung ausgebildet. Zu den Studieninhalten gehören Seminare in den Bereichen Zweitspracherwerb, deutschsprachiger Unterricht in mehrsprachigen Gruppen, Diagnostik und Lehrwerksanalyse. Ein Auslandsaufenthalt wird empfohlen, ein Unterrichtspraktikum gehört zum Studium.

Oder Studieninteressierte wählen den Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache. Sie arbeiten nach dem Studium an Schulen und Universitäten im Ausland als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur. Auch die Kommunikationsberatung ist ein mögliches Berufsfeld, etwa in international agierenden Unternehmen mit Bezug zu deutschsprachigen Ländern oder in inländischen Unternehmen, die im Ausland aktiv sind. Ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt gehört zum Studium.

Ein Studienbeginn ist zum Sommersemester 2014 möglich. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Noch bis zum 15. Januar 2014 können sich Studieninteressierte bewerben. Dabei wenden sich die Hildesheimer Sprachwissenschaftler auch an Lehrerinnen und Lehrer, die „mitten im Beruf stehen“, so Elke Montanari. Untersuchungen zeigen, dass manche Lehrkräfte die Sprachen ihrer Schüler kaum kennen. „Ein erster Schritt ist, die Sprachenvielfalt wahrzunehmen – und dann, etwa beim Grammatiklernen, darauf einzugehen. Zum Beispiel auf die Frage, warum manche Sprachen keinen Artikel brauchen.“

Um die Sprachenförderung in die Lehrerausbildung aller Fächer – ob Politik, Mathematik, Sachunterricht oder Religion – aufzunehmen, starteten neun niedersächsische Hochschulen 2013 die Initiative „Umbrüche gestalten“. Auch die Schullandschaft ist in Bewegung. In Niedersachsen haben sich im Netzwerk „DaZnet“ über 70 Schulen mit mehrsprachigen Schülern zusammengeschlossen.

Studieninteressierte können sich mit Fragen zu Studieninhalten gerne an Prof. Dr. Elke Montanari wenden (05121.883-30108, elke.montanari[at]uni-hildesheim.de). Der Studiengang wurde von Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation, Stephan Schlickau und Beatrix Kreß, und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur, Hildegard Gornik und Elke Montari, entwickelt.

Zur Online-Bewerbung

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-7581 Wed, 27 Nov 2013 12:07:00 +0100 Ein Forschungs-Trio für Fragen der Kultur: Universität Hildesheim baut Fokus auf Mehrsprachigkeit und Migration aus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ein-forschun/ Neue Professorinnen für Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education Pressespiegel regional Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Interkulturelle Kommunikation Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration Deutsche Sprache news-7481 Mon, 25 Nov 2013 10:00:00 +0100 Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/interkulturelle-kommunikation-deutsch-als-zweitsprache-und-diversity-education/ Die Universität Hildesheim hat Professorinnen für Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education berufen Eine vierte Professur „Inklusion“ ist in der Ausschreibung. Universitäten sollten in der Lehrerausbildung umfassend auf Herausforderungen im Bereich Bildung und Migration reagieren – so die Botschaft aus Hildesheim. Mit Prof. Dr. Beatrix Kreß konnte Ende November eine weitere Wissenschaftlerin berufen werden, die sich mit mehrsprachigen Bildungsbiografien befasst. Die Professorin für Interkulturelle Kommunikation forscht zu Migration und Mehrsprachigkeit, ein Arbeitsschwerpunkt sind Slawische Länder. Die Sprachwissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Gespräche zwischen russischsprachigen Eltern und deutschsprachigen Lehrern ablaufen und welche Zusammenhänge zwischen Herkunftssprachen und Identitätsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund bestehen. Seit 2008 lehrt sie als Juniorprofessorin in Hildesheim. Beatrix Kreß studierte Slawistik und Germanistik und promovierte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

„Der Raum Hildesheim, Hannover, Braunschweig ist von Mehrsprachigkeit geprägt und so konnte ich schnell den Kontakt zu russischsprachigen Fördereinrichtungen aufbauen. Die Universität Hildesheim bietet mir die Möglichkeit, meine Erkenntnisse in breitere Bildungszusammenhänge einzubetten. Äußerst reizvoll ist für mich die Internationalität und kulturelle Diversität der Studierenden, mit deren Unterstützung die Verbindung von Theorie und Praxis interkultureller Kommunikation im Seminargeschehen besonders gut gelingt", sagt Beatrix Kreß.

„Mehrsprachige Schülerinnen und Schüler sind eine wichtige Ressource und eine Bereicherung – das wird jetzt auf allen Ebenen bewusst. Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die schon lange im Beruf sind, wünschen sich mehr Wissen darüber, wie sie Mehrsprachigkeit einbeziehen können. Daher sind der Dialog und die Zusammenarbeit der Hochschulen und der Austausch mit anderen Projekten, wie etwa DaZ-Net, ein Netzwerk von Schulen mit mehrsprachigen Schülern, so wichtig“, sagt Prof. Dr. Elke Montanari, die seit 2012 an der Uni Hildesheim forscht. Zuvor war sie Juniorprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Elke Montanari befasst sich damit, wie Kinder mehrere Sprachen erwerben, welche Erfahrungen in Kitas und Schulen gemacht werden und wie Erzieher, Eltern und Lehrer mehrsprachige Kinder besser verstehen und fördern können. Die Professorin für Deutsch als Zweitsprache untersucht derzeit, wie 6- bis 10-jährige Kinder mit deutscher Zweitsprache ihren Wortschatz aufbauen (russisch-deutsch und türkisch-deutsch) und wie sich dieser in Tiefe und Breite von dem einsprachiger Schüler unterscheidet. Das dreijährige Forschungsprojekt wird bis 2016 mit knapp 200.000 Euro vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert. Wie Kinder, die Deutsch als zweite Sprache erwerben, mit Lücken im Wortschatz umgehen und wie Lehrkräfte darauf reagieren können – das lernen angehende Lehrkräfte bei Elke Montanari.

„Dabei ruht die Beschäftigung mit gesellschaftlicher Vielfalt an der Uni Hildesheim auf vielen Schultern“, hebt Montanari hervor. Entstanden ist zum Beispiel ein Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“, der im Wintersemester 2013/14 gestartet ist und Experten für die Lehrerfortbildung und Sprachförderung in Schulen ausbildet. Um die Sprachenförderung in die Lehramtsausbildung aller Fächer zu integrieren, haben sich neun lehrerbildende Hochschulen in Niedersachsen zu einer Hochschulinitiative zusammengeschlossen, die am Montag in Hannover vorgestellt wird.

Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Viola B. Georgi baut an der Universität Hildesheim derzeit das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften" auf. „Wir betrachten Migration nicht länger nur aus einer Problem- und Defizitperspektive, sondern nehmen die Ressourcen in den Blick. Das Zentrum für Bildungsintegration ist eine Plattform von wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich empirisch, grundlagentheoretisch und praktisch mit Partizipation in Bildungssystemen auseinandersetzen", sagt Viola Georgi. Das Zentrum will auch einen Beitrag zum Abbau von Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und von Minderheiten leisten und geht etwa strukturellen Ursachen von Bildungsbenachteiligung und institutioneller Diskriminierung nach. Es begleitet und vernetzt Forschungs- und Praxisprojekte und entwickelt Transferstrategien.

Die internationale Gründungskonferenz findet vom 20. bis 22. Februar 2014 zum Thema „Migration und Bildung: Theorie und Praxis interkultureller Lehrerbildung und Schulentwicklung“ statt. Migration fordert die Bildungsinstitutionen auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen aktuelle empirische Studien und Ansätze zum Umgang mit Migration und Heterogenität in der Schule und in der Lehrerbildung vor. Dabei berücksichtigen sie besonders Lehrkräfte mit Zuwanderungsbiographie und Mehrsprachigkeit. Die Tagung fragt, wie Lehrkräfte den Bedürfnissen von Kindern in heterogenen Klassen gerecht werden können. Ziel ist eine Bestandsaufnahme und Identifikation von geeigneten und notwendigen Maßnahmen, um damit zum Abbau von herkunftsbezogenen Bildungsungleichheiten beizutragen, so Georgi.  Forscher u.a. aus Kanada, Großbritannien, Türkei, Norwegen, Schweiz, USA, Griechenland und Deutschland werden erwartet.

Viola Georgi ist seit 2012 Professorin für „Diversity Education" an der Universität Hildesheim, zuvor lehrte sie an der FU Berlin. Sie wurde im November 2013 in den Rat für Migration berufen. Zentrale Aufgabe ist eine öffentliche kritische Begleitung der Politik in Fragen von Migration und Integration.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 3 Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration
news-7285 Sat, 09 Nov 2013 10:52:00 +0100 Mehrsprachigkeit in der Uni

 https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrsprachigkeit-in-der-uni/ Wenn es um Fussball geht, spricht er eher Türkisch; wenn sie den Eltern von der BWL-Vorlesung erzählt, dann in deutscher Sprache. „Sprachen werden auch auf verschiedene Themen und Orte verteilt", sagt Professorin Beatrix Kreß. Nähe und Distanz, mehrere Sprachen und Kulturen, die in der Universität, in der Schule und im Stadtteil existieren – damit befassen sich mehrere Hildesheimer Forscher.

 Sie laden ein zu einer Vortragsreihe über Mehrsprachigkeit und Bildungsbiografien. „Wir müssen einen weiten Weg gehen", sagt Prof. Dr. Beatrix Kreß. „Herkunftssprachen von Kindern spielen in der Schule, in Bildungseinrichtungen kaum eine Rolle, das setzt sich in der Hochschule fort. Sie werden zu wenig als Ressource genutzt und oft als Störfaktor verstanden."

Dabei erfolgt Bildung in erster Linie über das Medium Sprache, Lerngruppen sind zunehmend mehrsprachig. „Dies betrifft alle Stufen der Bildung vom Kindergarten bis zur Ausbildung und setzt sich in der beruflichen Praxis fort. Migrationsbewegungen und die gezielte Internationalisierung der Hochschulen durch verschiedene Austauschprogramme führen zu unterschiedlichen Formen des Sprachkontaktes“, sagt Beatrix Kreß. Sie untersucht derzeit etwa, welche Zusammenhänge zwischen Herkunftssprachen und Identitätsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund bestehen. Ein Team aus Sprachwissenschaftlern hat an der Universität Hildesheim den Studiengang Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache entwickelt, der zum Wintersemester gestartet ist und etwa Multiplikatoren für die Lehrerfortbildung und Sprachförderung ausbildet.



In Seminaren greift Beatrix Kreß auf die Sprachen der Studierenden zurück, etwa wenn Deutsch als Fremdsprache auf dem Programm steht. Was ist für jemanden, der Türkisch oder Russisch als erste Sprache gelernt hat, beim Erwerb der deutschen Sprache besonders schwierig, was sind gute Brücken? „Ich habe die sprachlichen Ressourcen quasi direkt vor Ort, kann meine mehrsprachigen Studierenden in das Seminar einbinden. Auch junge Leute, die nur Deutsch sprechen, profitieren von der Sprachenvielfalt auf dem Campus."



Die Sprachwissenschaftlerin bringt dabei nicht nur Studierende zusammen, die sich sowieso mit Sprache und interkultureller Kommunikation befassen. Kürzlich haben angehende Wirtschaftsinformatiker teilweise erstmals tiefergehend darüber nachgedacht, wie sie eigentlich zu ihrer russischen Muttersprache stehen. „Ein Student erzählte, dass er 'in der U-Bahn nie mit seiner Mutter Russisch sprechen würde, zu Hause aber schon'. Da wurde deutlich, wie Sprachen auch auf verschiedene Themen und Orte verteilt werden. Wenn man sich über Fussball unterhält, spricht man eher Türkisch, wenn die Tochter ihen Eltern von der BWL-Vorlesung erzählt – dann in deutscher Sprache", berichtet Kreß.



Wenn mehrere Sprachen in der Uni existieren – ist dann Englisch der Ausweg? Kreß, die sich auch mit der Sprachenvielfalt in Europa befasst (Interview fluter), sagt: „Die Sprachenpolitik der EU sieht die Vielfalt sehr positiv. In der Wissenschaftsrealität sieht das gelegentlich anders aus. Oft steht das Englische im Fokus. Sprachen können so ihr wissenschaftssprachliches Instrumentarium verlieren." Sie nennt ein Beispiel aus der Linguistik, ob  Konversations-, Diskurs- oder Gesprächsanalyse – hinter diesen Termini stecken ganze Traditionen, die nicht mit einem Begriff übersetzt werden können. Ein nicht sachgemäßer Transfer kann da verkürzend oder gar verfälschend wirken. 

Am 11. November um 18:15 Uhr spricht Doris Fetscher über Nähe und Distanz und „Unsicherheiten in der deutsch-spanischen interkulturellen Kommunikationen in der Hochschule". Der Vortrag am Bühler-Campus ist Teil der Vorlesungsreihe „Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Bildungsbiografie". Wie im Dorf bei der Oma, darum dreht sich der Vortrag am 25. November von Marion Krause. Am 9. Dezember spricht Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, über „Sprachbedarfe erwachsener Lerner".

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Bildungsintegration
news-7192 Sat, 12 Oct 2013 09:04:00 +0200 Ich will Professorin werden https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ich-will-professorin-werden/ Hildesheim ist eine märchenhafte Stadt, sagt die Italienerin Sarah Melina. Über 100 ausländische Studierende starten in das Wintersemester, und ermutigen Studienanfänger, ein Auslandsstudium einzuplanen. Studierende aus Hildesheim helfen als „buddy" und als Sprachtandem-Partner beim Ankommen. „Ich will Professorin der Informationstechnologie werden", sagt Myeongjae Go aus Südkorea und erzählt begeistert von Studieninhalten wie Computer und Software-Entwicklung und Algorithmen. Myeongjae studiert „Information and communication engineering" und hat 75 männliche Kommilitonen – nur 5 sind Frauen. Und nun soll die Universität Hildesheim einen Teil dazu beitragen, den Weg als Professorin zu ebnen. Denn gemeinsam mit der Pai Chai Universität in Daejeon bietet die Hildesheimer Uni in den Informationswissenschaften einen Doppelmaster an. Ein Jahr steht Myeongjae nun in Norddeutschland bevor, gemeinsam mit mehr als 100 ausländischen Studierenden startet sie derzeit in das Wintersemester. Bevor Mitte Oktober die Vorlesungen beginnen, hat das International Office für die Neulinge ein zweiwöchiges Programm gestrickt, mit Bibliotheksführungen, Begrüßungsfrühstück, interkulturellen Trainings der studentischen Initiative go intercultural und Intensivsprachkursen.

Und so sind sie fast schon Hildesheimer, scherzt Sarah Melina aus Italien, schließlich kennt sie die Stadt nun besser als manche Studienanfänger aus Stuttgart, München, Köln oder Berlin, die am 14. Oktober in die Einführungswoche starten. „Die Unterstützung der Uni ist toll, und mein buddy student hilft beim Ankommen, hat mich vom Flughafen abgeholt und die Stadt gezeigt." Hildesheim sei „eine märchenhafte Stadt, die Farben, die Seen, die norddeutsche Sprache", sagt Sarah. „Weil Berlin jeder kennt und ich eine Stadt neu entdecken, meinen Freunden in Bologna davon erzählen möchte, habe ich mich für eine kleinere Stadt entschieden, die ich gar nicht kannte. In sechs Monaten kann ich die Stadt besser erkunden", so die Italienerin, die in einer WG in einem „traumhaften Fachwerkhaus" untergekommen ist. Außerdem könne sie mit dem Semesterticket kostenfrei bis ans Meer fahren, so etwas kennt sie von ihrer Heimatuni nicht. Entscheidend waren das Studienangebot im Bereich Sprachen und Übersetzen sowie die kleinen Seminargruppen und dass sie „in Norddeutschland Hochdeutsch lernen können", ergänzt Xinhui Chen aus Italien, die in China geboren ist und Dolmetscherin werden möchte.

Aus einer Millionenstadt zieht es Li Hanjue und Sijie Huang nach Niedersachsen. Den beiden Germanistikstudentinnen aus Hangzhou fällt auf, wie ruhig es ist. „'Aller Anfang ist schwer', mir gefällt dieses Sprichwort. Denn wenn man erst einmal begonnen hat, die Sprache zu lernen, kann man nicht mehr davon lassen", sagt Li Hanjue. „Ich lese die Brüder Grimm in einfacher Sprache und freue mich in Hildesheim in die deutsche Literatur einzusteigen. Ich möchte Lehrerin werden." Vielleicht eine chinesische Lehrerin in Deutschland, ergänzt Sijie Huang. Von Hannover, der Messestadt, hatten sie schon gehört und in Norddeutschland dann nach einem geeigneten Studienort gesucht.

Dass die deutsche Sprache ihre Tücken hat, bestätigt Kassi Kassi Affo aus Kamerun. Aber er liebe Sprachen, Französisch, Englisch, am Goethe-Institut hat er begonnen, Deutsch zu lernen. Der 26-jährige Kassi Kassi ist Promotionsstudent bei Geschichtsprofessor Michael Gehler an der Universität Hildesheim. „Ich verfolge einen historischen Ansatz und untersuche die deutsche sozio-ökonomische Politik in Afrika. Fallbeispiele sind Kamerun und Togo in den Jahren 1960 bis 2010." Obwohl er seine Promotion in englischer Sprache verfasst, sei es wichtig, Deutsch zu sprechen und auf hohem Niveau zu verstehen, daher nimmt er an Sprachkursen in der Volkshochschule teil. In den nächsten Monaten werde er „Archive und Bücher durchforsten" und sucht nach einem Unterstützer, um das Promotionsstudium in Deutschland in zwei, drei Jahren abschließen zu können. „Ich hoffe, dass ich einen Unterstützer finde, denn ich möchte gerne in Deutschland promovieren."

Für Batu Karakul und Hakan Özdemir ist die deutsche Sprache keine Hürde mehr, die beiden Studenten aus Izmir möchten Dolmetscher oder Deutschlehrer werden. Der 22-jährige Hakan hat acht Jahre in Deutschland gelebt, als er 13 war zog er mit seiner Familie in die Türkei. „Das Studium ist die Chance für mich, wieder eine Zeit lang in Deutschland zu leben. Ich kann mich hier verständigen. Hildesheim ist eine wunderschöne Stadt, die Architektur, es ist sehr grün. Ich wohne in einer WG, die Nachbarn grüßen mich alle. Ab acht Uhr hört man überhaupt keinen Lärm – in Izmir ist das anders", sagt Hakan. In den letzten fünf Tagen hat er die Stadt von Norden bis Süden mit Inlineskatern erkundet. Ihm fällt auf: „Viele denken, dass ich kein Deutsch sprechen kann, weil ich aus der Türkei komme, auch im Flugzeug sprachen alle mit mir Englisch. Dabei kann ich fließend Deutsch."

Hintergrund: Incoming students

An der Uni Hildesheim studieren mit Beginn des Wintersemesters 2013/14 mehr als 100 neue ausländische Programmstudierende. Über Förderprogramme und Kooperationen mit Partnerhochschulen verbringen sie ein oder ein halbes Jahr in Hildesheim. Die Anzahl der ausländischen Programmstudierenden ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Das Team des International Office, das an der Universität für Auslandsaufenthalte zuständig ist, unterstützt die Studierenden umfassend, zum Beispiel auch bei der Wohnraumvermittlung. Sie kommen etwa aus Belgien, China, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, Kamerun, Litauen, Mexiko, Österreich, Polen, Russland, Spanien, Südkorea und der Türkei. Die meisten studieren Internationale Kommunikation und Übersetzen (etwa 60), Internationales Informationsmanagement, Kulturwissenschaften (etwa 20), Lehramt (etwa 10), Erziehungswissenschaft sowie Informationsmanagement und Informationstechnologie. „Die Unterstützung der Universität ist großartig. Unsere Studenten wollen ein halbes Jahr bleiben und entscheiden sich dann doch, auf ein Jahr zu verlängern“, berichtet Yolanda Ballesteros, Vizepräsidentin für Internationales von der Universidad Autónoma del Estado de México in Toluca. Seit 2010 studieren mexikanische Studenten im Bereich Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen.

Die Universität Hildesheim bietet drei Double-Degree-Programme in Kooperation mit der Staatlichen Universität Nowgorod (Russland, Erziehungswissenschaften), der Aix Marseille Université (Frankreich, Kulturvermittlung) und der Pai Chai Universität, Daejeon (Südkorea, Informationswissenschaft) an. Die Hochschule wurde 2006 und erneut 2011 mit dem europäischen Qualitätssiegel E-Quality ausgezeichnet. 2011 erhielt das Projekt „Internationale Schreibparterschaften" das Europäische Sprachensiegel. Diese Schreibtandems kommen bei den Studenten aus dem Ausland gut an, es bilden sich über mehrere Monate Teams aus deutschen und ausländischen Studierenden, die sich gegenseitig im Studium und beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten unterstützen. Lehramtsstudierende begleiten die Schreib- und Sprachprozesse.

„Angekommen in einer märchenhaften Stadt", Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 07.10.2013

Interesse geweckt? Das International Office berät Studienanfänger in der Einführungswoche und in Sprechstunden, wie man einen Auslandsaufenthalt plant und finanziert. Es gibt viele Förderprogramme. Am 27. November findet ein Go-Out-Tag mit Infoveranstaltungen über Auslandsaufenthalte am Hauptcampus statt. Außerdem werden noch Sprachtandem-Partner gesucht.

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Pressemeldungen Geschichte Fachbereich 1 Fachbereich 3 Deutsche Sprache Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 4 International Office BA IIM BA IKÜ Internationales
news-7176 Tue, 01 Oct 2013 20:09:00 +0200 Last minute: Deutsch als zweite Sprache und als Fremdsprache https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/last-minute-deutsch-als-zweite-sprache-und-als-fremdsprache/ Noch bis zum 15. Oktober können sich Studieninteressierte bewerben. Ein neuer Masterstudiengang greift die Mehrsprachigkeit im Schulalltag und Berufsleben auf. Die Studierenden wählen einen Schwerpunkt – entweder Deutsch als Zweitsprache (DaZ) oder Deutsch als Fremdsprache (DaF). Theorie und Praxis werden dabei eng verzahnt. „Lehrkräfte wollen und müssen mehr darüber wissen, wie sie ihre Schüler mit deutscher Zweitsprache unterrichten und die Sprachenvielfalt in der Klasse einbeziehen können“, sagt Prof. Dr. Elke Montanari. Sie ist Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Uni Hildesheim und untersucht derzeit, wie Kinder einen mehrsprachigen Wortschatz aufbauen und mit welchem Wortwissen Lehrkräfte bei Schülern rechnen können.

In Hildesheim macht ein Masterstudiengang sichtbar, dass Zweit- und Mehrsprachigkeit zum Alltag in den Schulen gehören. Die Studierenden wählen einen Schwerpunkt – entweder Deutsch als Zweitsprache (DaZ) oder Deutsch als Fremdsprache (DaF). Theorie und Praxis werden dabei eng verzahnt.

DaZ-Studierende werden auf Tätigkeiten in der Sprachförderung in Schulen, den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen und als Multiplikatoren in der Lehrerfortbildung vorbereitet. Zu den Studieninhalten gehören etwa Seminare im Bereich Zweitspracherwerb, deutschsprachiger Unterricht in mehrsprachigen Gruppen, Diagnostik und Lehrwerksanalyse. „Der Studiengang richtet sich auch an Lehrkräfte, die schon länger im Beruf tätig sind und Interkulturalität im Unterricht professionell berücksichtigen wollen“, sagt die Sprachdidaktikerin Prof. Dr. Hildegard Gornik. Die Schullandschaft ist in Bewegung. In Niedersachsen haben sich im Netzwerk „DaZnet“ über 70 Schulen zusammengeschlossen.

Kulturelle Brücken bauen: DaF-Absolventen arbeiten nach dem Studium zum Beispiel an Schulen und Unis im Ausland oder in international vernetzten Betrieben als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur. Die Studierenden betrachten die deutsche Sprache aus einer Fremdperspektive, sagt Prof. Dr. Stephan Schlickau vom Institut für Interkulturelle Kommunikation. „In der Wirtschaft oder in Behörden, kann es interkulturell schon zu einem Problem werden, wenn die Kommunikationspartner sich nicht einig sind, ob sie über ‚einen“ oder ‚den‘ Termin reden."

Allein in China entstehen derzeit 18 germanistische Institute. In einigen spanischen Städten wuchs die Zahl der Teilnehmer an Sprachkursen in Goethe-Instituten von 2010 auf 2012 um 50 %. Prof. Dr. Beatrix Kreß erwartet, dass der Studiengang in Hildesheim auch ausländische Studierende anlockt. „Wir sprechen standardnahes Deutsch, es ist grün und Wohnraum ist bezahlbar.“

Bewerbungen sind noch bis zum 15. Oktober 2013 online möglich. Interessierte wenden sich bei inhaltlichen Rückfragen an Prof. Dr. Elke Montanari (E-Mail montanar(at)uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation
news-6980 Sun, 08 Sep 2013 12:10:00 +0200 Sprachlernwege von Kindern https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachlernwe/ „Wir fördern den Austausch zwischen Erziehern, Lehrern und Wissenschaftlern aus der Region Hildesheim und beziehen Forschungsergebnisse auf den Alltag in Bildungseinrichtungen", sagt Prof. Dr. Irene Pieper. Weiterbildungen der Universität, die eine Brücke in die Praxis schlagen, kommen gut an. Allein der Fachtag „Sprachlernwege" vom Forum Bildung U10 lockte 150 Teilnehmer an und bot Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse. Der Andrang ist groß – 150 Fachkräfte aus Kitas und Schulen besuchten in dieser Woche den Fachtag „Sprachlernwege". Darunter Christine Krawinkel-Oehlschlägel von der Grundschule Hohnsen und Birgit Backwinkel von der Städtischen Kita Villa Weinhagen. „Die Wissenschaftler geben ihr Wissen an uns weiter. Statt zu trennen, wendet sich die Uni Hildesheim an Erzieher und Lehrer in einer gemeinsamen Veranstaltung", sagt die Grundschullehrerin.

Die Anfragen von Fachkräften, die Rat benötigen sind gestiegen, seitdem ein Erlass zur Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr gilt. „Wir treffen uns wöchentlich mit den Lehrern der anliegenden Grundschule und geben unser Wissen über die Kinder und die Zusammenarbeit mit Eltern an die nächste Einrichtung weiter. Dieser Austausch ist wichtig", ergänzt Backwinkel. Beide sind in der Fachberatung „Übergang Kita und Grundschule" vom Kultusministerium tätig und zuständig für Stadt und Landkreis Hildesheim. Zukünftig wollen sie Wissenschaftler einladen und „weiterhin Rat holen, es ist toll, dass die Uni vor Ort ist, die Wege sind kurz".

Rund 20 Psychologen, Erziehungs- und Sprachwissenschaftler, Fachdidaktiker aus den Bereichen Deutsch, Englisch und Kunst sowie zahlreiche Studierende wollen mit dem Fachtag eine Brücke in die Praxis schlagen. „Wir fördern den Austausch zwischen Erziehern, Lehrern und Wissenschaftlern aus der Region Hildesheim und beziehen Forschungsergebnisse auf den Alltag in Bildungseinrichtungen. Wir stellen neue Erkenntnisse vor, wie man Sprachfähigkeiten von Kindern erkennen, Sprachwissen erkunden und Sprache in Interaktion fördern kann", skizziert Prof. Dr. Irene Pieper die Grundidee der Initiative. Dabei spiele reicher Input eine Schlüsselrolle.

Wie würdest du handeln? – Über Bilder und Geschichten sprechen

Die Literaturwissenschaftlerin forscht zum Umgang mit Literatur in der Schule. Mit ihren Masterstudierenden hat sie aktuelle Bilderbücher untersucht und solche ausgesucht, die für Vorlesegespräche geeignet sind: Das richtige Medium soll sich mit dem richtigen Format treffen. Im Vorlesegespräch können Kinder in eine Geschichte hineingeholt werden und entwickeln fast beiläufig ihre sprachlichen und literarischen Fähigkeiten weiter. „Kita und Schule können Kinder unterstützen, sich in die Welt der Geschichten hineinzubegeben", so Pieper. Auch im Elternhaus finden Gespräche über Gelesenes statt. Durch Gespräche – Stellt euch mal vor, was dann passiert? Wie würdest du handeln? – kann ein intensiver Kontakt zum behandelten Thema entstehen. Zum Beispiel über Gewalt in der Schule. Der Autor Bart Moeyaert hat eine kleine Geschichte dazu geschrieben, Mona und das Biest: Drei Erstklässler werden täglich von einer Zehnjährigen auf dem Schulhof getreten und geschlagen – ohne jeden Grund. Die gepeinigten Kinder trauen sich nicht, zu den Lehrern zu rennen. Dabei bleibt die Erzählung durchgängig bei ihrer Erzählerin, einem Mädchen, das eine Lösung finden muss. „Liest eine Schulklasse eine Geschichte über das aggressive Mädchen Mona, das friedlich sein soll, und spricht darüber, ist dies eine völlig andere Form, als wenn ein Lehrer vor der Klasse steht und über Konfliktlösung referiert", sagt Irene Pieper.

Daran knüpft Prof. Dr. Bettina Uhlig an: „Bilderbücher bieten Gesprächsanlässe. Man sieht ein Bild. Alles ist unmittelbar präsent und dennoch ist nicht alles sofort sichtbar. Ein Bild wirklich zu betrachten braucht Zeit und Ausdauer." Im Bilddidaktischen Forschungsstudio auf der Domäne Marienburg entwickelt sie in Zusammenarbeit mit Hildesheimer Kindergärten und Grundschulen Formate für Bild-Gespräche. „Erzieher und Lehrer sollten Kindern die Möglichkeit geben, sich in Bilder hineinzusehen, über Bilder nachzudenken und darüber gemeinsam ins Gespräch zu kommen", sagt Uhlig.

Lehrer wollen sich weiterhin Rat holen, die Wege zur Uni sind kurz

Erzieher und Grundschullehrer tragen viel Verantwortung. „Man muss wissen, was man tut und kompetent sein im Bereich Spracherwerb, gerade weil in der Grundschule teils fachfremd unterrichtet wird und wir zunehmend mit Kindern umgehen müssen, die Deutsch als zweite Sprache lernen. Wir legen doch die Grundlagen", meint die Grundschullehrerin Ortrun Werner, bevor sie in den Seminarraum geht.

Dort warten schon Studierende. Sie tragen knallblaue Brillen und zeigen gemeinsam mit Prof. Dr. Ursula Bredel, was Kleinkinder über Laute, Wörter und Grammatik wissen. „Wir Erwachsenen schauen aus der Schrift heraus auf den Spracherwerb und nicht wie ein Kind, das von den Lauten her kommt. Wir sollten die Brille der Schrift abnehmen. Dann versteht man, warum ein Kind statt 'Maler' 'Mala' schreibt und wie man dem Kind beim Schreiben lernen helfen kann", sagt Hubertus von Hoeren. Sophie Stiller ergänzt: „Es ist eine Herausforderung, Wissen aufzubereiten, Theorie nicht runterzurattern, sondern den Bezug zur Praxis herzustellen. Die Erzieher und Grundschullehrer in unserem Workshop bringen viel Alltagserfahrung mit, an der wir anknüpfen."

Zum Auftakt des Fachtags gab Prof. Dr. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim einen Einblick in linguistische Grundlagen zur Förderung sprachlicher Kompetenzen; am Abend folgte ein Konzert von Dota Kehr. Mehrere Forschungszentren der Uni Hildesheim veranstalteten den Fachtag im Rahmen der Initiative Forum Bildung U10 gemeinsam: das Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung, das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen, das Forum Fachdidaktische Forschung sowie das Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung.

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Pressemeldungen Psychologie Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Fachbereich 1 Deutsche Sprache Englische Sprache Fachbereich 3 Forum Bildung U10 Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-6998 Sat, 07 Sep 2013 15:21:00 +0200 Wie Kinder Sprache lernen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/wie-kinder-s/ 150 Lehrer und Erziher besuchen den Fachtag "Sprachlernwege" an der Universität Hildesheim Pressespiegel regional Psychologie Erziehungswissenschaft Grundschuldidaktik und Sachunterricht Deutsche Sprache Fachbereich 3 Master-Studiengänge news-6936 Mon, 26 Aug 2013 11:03:00 +0200 Was Kinder über Sprachen wissen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/was-kinder-ueber-sprachen-wissen/ Wie Kinder bis zum Alter von zehn Jahren Sprachen lernen und mit Sprache umgehen, untersuchen Wissenschaftler an der Universität Hildesheim. Am 5. September geben sie mit dem Fachtag „Sprachlernwege" einen Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse. Wie gehen Kleinkinder und Zehnjährige mit mehreren Sprachen um? Was denken sie über die Schrift? Wie sprechen Grundschulkinder über Literatur und Bilder? Einen verständlichen Einblick in wissenschaftliche Erkenntnisse geben, diese vermitteln und für die tägliche Umsetzung in Bildungseinrichtungen nutzbar machen – das ist das Ziel des Fachtags (Programm) am Donnerstag, 5. September. Psychologen, Erziehungs- und Sprachwissenschaftler sowie Fachdidaktiker aus den Bereichen Deutsch, Englisch und Kunst der Universität Hildesheim haben ein Weiterbildungsangebot für Fachkräfte aus Kindergärten und Schulen entwickelt. Das Besondere: Rund 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leiten ein Dutzend Workshops zusammen mit Studierenden. Diese sind in drei Themenfelder unterteilt: „Sprachfähigkeiten von Kindern erkennen“, „Sprachwissen von Kindern kennenlernen“ und „Sprache in Interaktion fördern“.

Wenn Lesen und Schreiben nicht gelingen – Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie und Diagnostik, erklärt, mit welchen diagnostischen Instrumenten Stolpersteine beim Schreiben lernen erkannt werden können. Anhand von Film- und Hörbeispielen erklärt Psychologin Ann-Katrin Bockmann Sprach- Stimm- und Schluckstörungen. Erziehungswissenschaftler um Carola Lindner-Müller erläutern, wie Sprach-, Lese- und Rechtschreibleistungen mit Testverfahren erfasst werden können. Studierende um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, diskutieren anhand von Erzählungen von Vorschulkindern, welche Impulse geeignet sind, um die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern einzuschätzen.

Professorin Ursula Bredel zeigt mit ihren Studierenden, was Kleinkinder über Laute, Wörter und Grammatik wissen und wie man grammatisches Wissen spielerisch erarbeiten kann. Ursula Bredel untersucht in ihrer Forschung, wie Kinder Lesen und Schreiben lernen und was Schreibnovizen über Schrift denken.

Vorlesegespräche mit Kindern – im Workshop von Irene Pieper, Professorin für Literaturwissenschaft und ihre Didaktik, und ihren Studierenden, lernen die Teilnehmer aktuelle geeignete Bilderbücher für den Elementar- und Primarbereich und das Format Vorlesegespräch kennen. „Es ist einfach nur dunkel, sonst nichts“ sagt ein Kind über ein Bild – Bettina Uhlig, Professorin für Kunstpädagogik, untersucht im Bilddidaktischen Forschungsstudio der Uni Hildesheim, wie Kinder über Bilder sprechen und Bilder sprachlich produzieren. Im Workshop werden anhand von Bildern und Bilderbüchern methodische Varianten des Bildgesprächs vorgestellt und erprobt. Zweisprachiges Lernen: Ein Team um Kristin Kersten, Juniorprofessorin für Fremdsprachenunterricht und Zweitspracherwerb, erklärt, wie Inhalte in einer Fremdsprache in Kita und Grundschule vermittelt werden können.

Anne-Katrin Stolle vom Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung freut sich über das große Interesse an der Veranstaltung: „Es sind bereits über 100 Anmeldungen eingegangen. Mit diesem Fachtag möchten wir den Austausch zwischen Erziehern, Lehrern und Wissenschaftlern aus der Region fördern.“

Prof. Dr. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim spricht einleitend über „Theorie und Praxis: linguistische Grundlagen der Förderung sprachlicher Kompetenzen“. Sie bietet auch einen Workshop zu Sprachstanderhebung an. Der Fachtag endet mit einem Konzert der Sängerin Dota Kehr (Kleingeldprinzessin). Interessierte wenden sich an Anne-Katrin Stolle (annekatrin.stolle[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-415). Veranstaltungsort ist der Uni-Hauptcampus (Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim). Für Studierende ist die Teilnahme kostenfrei.

Mehrere Forschungszentren der Universität Hildesheim veranstalten den Fachtag im Rahmen der Initiative Forum Bildung U10 gemeinsam: das Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung, das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen, das Forum Fachdidaktische Forschung sowie das Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung.

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Pressemeldungen Psychologie Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Fachbereich 2 Deutsche Sprache Fachbereich 3 Englische Sprache Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Forum Bildung U10 Lehrerbildung
news-6923 Mon, 19 Aug 2013 09:19:00 +0200 Studie untersucht Unterrichtsalltag mit der Inhaltsangabe https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/studie-untersucht-unterrichtsalltag-mit-der-inhaltsangabe/ Hauptsache Präsens: Fixiert auf formale Merkmale verpassen Schüler Pointen und Ironie. Das ist ein Ergebnis einer Studie von Literaturwissenschaftlern. „Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Textvorlagen – darunter literarische Texte – kommt meist zu kurz", sagt Johannes Reinert, der den Umgang mit der Inhaltsangabe im Deutschunterricht untersucht hat. „Schreibe eine Inhaltsangabe!“ Wer kennt diese Aufgabe nicht aus seiner eigenen Schulzeit? Die Inhaltsangabe ist eine der berühmtesten und zugleich unpopulärsten Textsorten des Deutschunterrichts. „Sie gilt als höchst bedeutsam für das Leseverstehen – und gewinnt vor dem Hintergrund großer Schulleistungsstudien neue Brisanz. Die Probleme unserer 15-jährigen Schülerinnen und Schüler mit der Textwiedergabe sind spätestens seit PISA bekannt“, erklärt Dr. Johannes Reinert. „Dennoch wird ihre Bedeutung vielfach unterschätzt. Das liegt auch daran, dass die Inhaltsangabe keine ‚lebensnahe‘ Textsorte ist.“ Dabei werden mit ihr Fähigkeiten trainiert, „die auch im Studium und in der Berufswelt von entscheidender Bedeutung sind.“

Den Umgang mit der Inhaltsangabe in sechs Schulklassen beobachten, mit den verantwortlichen Lehrerinnen und Lehrern sprechen – darauf baut Johannes Reinerts qualitative Studie auf. Er hat Klassen aus den Jahrgängen sieben bis neun aus Hildesheimer Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien besucht, in denen mit der Inhaltsangabe gearbeitet wurde. „Die fachdidaktische Literatur zum Thema ist umfangreich. Allerdings fehlten bisher empirische Untersuchungen zum Unterrichtsalltag mit dieser Textsorte“, sagt der 29-Jährige, der an der Universität Hildesheim Lehramt studiert und 2012 promoviert hat. Die aufgezeichneten Unterrichtsstunden sind in einem Video-Fallarchiv abrufbar, das in der Lehrerausbildung eingesetzt wird.

Ein Ergebnis der Studie: Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Textvorlagen kommt meist zu kurz. „Beim Umgang mit den Inhaltsangaben dominieren formale Aspekte – die korrekte Zeitform und die indirekte Rede sollen verwendet werden. Alles andere geht dabei oft unter“, verdeutlicht Reinert.

Schreibe in der richtigen Zeitform: In Schulbüchern dominieren formale Aspekte

Schüler haben oft große Schwierigkeiten mit der sachlichen Wiedergabe von Texten. „Schüler tendieren bis in die Oberstufe hinein dazu, nachzuerzählen“, so eine Lehrerin aus der Studie. Die Lehrkräfte wissen also um die Probleme – werden aber mit der Frage, wie mit diesen umzugehen ist, oft alleingelassen. Auch Lehrmaterialen helfen ihnen oft nicht weiter, verdeutlicht Reinert: „Viele Schulbücher legen den Fokus auf formale Merkmale. So heißt es in einem Lehrwerk: ‚Das Präsens zeigt an, dass man nicht nacherzählt.‘ Beim Schüler kommt an: Schreib in der richtigen Zeitform und alles ist gut.“

Dabei ist die Frage, wie Jugendliche eine distanzierte Haltung zum Text einnehmen, von besonderer Bedeutung. Das Schreiben im Präsens reicht dafür nicht aus, sagt Reinert. Außerdem darf man den Text nicht aus den Augen verlieren: „Klar, die Schüler sollen das formale Grundmuster kennenlernen – doch genauso kommt es auf die Inhalte an: Kann ich die zentralen Handlungsstränge erkennen, sie bündeln und unter passende Oberbegriffe bringen?“, nennt Reinert die Anforderungen. Diese sind für Schüler im siebten Jahrgang oft noch ungewohnt. „Umso wichtiger ist es, sie schrittweise zu üben“, erklärt er und fordert, die traditionelle Inhaltsangabe deutlich gegenüber anderen Textsorten abzuheben: „Schüler müssen sich von den Textsorten wie dem Klappentext, der einen Leseanreiz schaffen soll, lösen. Wenn sie dazu in der Lage sind, bekommen sie auch einen anderen Blick auf die Texte.“

Literarische Texte: „Fixiert auf formale Merkmale ist den Schülern die Pointe entgangen“

Johannes Reinert plädiert dafür, angehende Lehrer im Studium für die Möglichkeiten und Fallstricke bei Textsorten wie der Inhaltsangabe zu sensibilisieren. Vielversprechend sei das forschende Lernen: „Dabei werden die zukünftigen Lehrer selbst ein Stück weit zu Forschern und untersuchen Schulpraxis, zum Beispiel mithilfe des Fallarchivs.“

Auch die Erarbeitung geeigneter Übungen und Texte steht dabei auf dem Plan. „Die Herausforderung liegt in der Entwicklung sinnvoller Lernaufgaben durch die Lehrkräfte“, sagt Irene Pieper, Professorin für Literatur und ihre Didaktik an der Universität Hildesheim, die die Doktorarbeit betreut hat. „Es ist kaum möglich, literarische Texte wiederzugeben ohne diese auch zu interpretieren.“

Dies hat Johannes Reinert in seiner Studie beobachtet. Eine siebte Klasse sollte eine Inhaltsangabe zu einem Schulbuchklassiker – Johann Peter Hebels Geschichte vom „Mittagessen im Hof“ – erstellen. Da ist die Rede von einem Herrn, oft schlecht gelaunt und egozentrisch, und seinem Diener, schlau und selbstbewusst. Dem Herrn schmeckt die Suppe nicht, er schleudert die Schüssel durch das offene Fenster in den Hof. Der Diener wirft das Fleisch, das Brot, den Wein, das Tischtuch hinterher. Der Herr ist zornig, der Diener aber erwidert ruhig: „Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihre Meinung nicht erraten habe. Ich glaubte nicht anders als Sie wollten heute in dem Hof speisen.“ Daraus macht ein Siebtklässler in seiner Inhaltsangabe: „Der Kellner gibt dem Herrn eine Suppe und der Herr schmeißt sie aus dem Fenster. Der Kellner versteht das nicht und wird wütend…“. Dieser Jugendliche hat die Aufgabe hervorragend gemeistert und einen Text knapp im Präsens wiedergegeben, sagt Reinert. „Aber die Pointe ist ihm dabei entgangen. Fixiert auf die formalen Merkmale, haben er und seine Mitschüler den ironischen Ton der Textvorlage verpasst.“

Nun hat Johannes Reinert die Seiten gewechselt. Seit einem Jahr besucht er als Referendar die St. Augustinus-Schule in Hildesheim. Ob er dort noch Neues über den Umgang mit der Inhaltsangabe erfahren hat? „Auch bei mir hat nicht alles funktioniert“, schmunzelt Reinert. „Aber ich habe gemerkt, dass Schüler dann besonders motiviert sind, wenn sie den Sinn einer Aufgabe verstehen. Also haben wir gemeinsam überlegt, warum eine Inhaltsangabe wichtig ist.“ Reinert plant nun, an die Universität zurückzukehren. „Ich habe Schule aus der Sicht der Forscher und der Lehrer kennengelernt. Meine Erfahrungen möchte ich nun wieder in die Lehramtsausbildung zurückfließen lassen.“

Die Studie wurde online veröffentlicht und erscheint in gekürzter Fassung als Buch: „Die Inhaltsangabe im Deutschunterricht. Eine Video- und Interviewstudie zum Umgang mit einer viel diskutierten Textform“ (Johannes Reinert).

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Lehrerbildung Polyv. 2-Fäch.BA MEd (Lehramt)
news-6921 Sat, 03 Aug 2013 14:20:00 +0200 Land fördert Forscher https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/land-foerdert/ Pressespiegel regional Deutsche Sprache Sozial- und Organisationspädagogik news-7550 Wed, 17 Jul 2013 13:20:00 +0200 Forschung zur Mehrsprachigkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/forschung-zu/ Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-6802 Thu, 11 Jul 2013 12:22:00 +0200 Mehrere Sprachen lernen: zu Hause, in der Schule, mit Freunden https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrere-sprachen-lernen-zu-hause-in-der-schule-mit-freunden/ Mehr als die Hälfte der mehrsprachigen Familien spricht Deutsch zu Hause, so ein erstes Ergebnis aus dem Forschungsprojekt „Das mehrsprachige Lexikon“. „Lehrkräfte aller Fächer müssen im Umgang mit Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache ausgebildet werden“, sagen Sprachwissenschaftler der Uni Hildesheim. Im Forschungsprojekt „Das mehrsprachige Lexikon“ wurden Schülerinnen und Schüler mit mindestens einem russischen Elternteil dazu befragt, welche Sprache sie zu Hause sprechen: 51,5 % der befragten 135 Kinder sprechen Deutsch mit ihren Eltern. Mit ihren Geschwistern und den Freunden sprechen über 90 % der Kinder Deutsch. „Die Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass Kinder, die zu Hause in der Muttersprache der Eltern angesprochen werden, bei guten Voraussetzungen und geeignetem Unterricht sehr gut Deutsch in der Schule erwerben können und außerdem noch eine weitere Sprache beherrschen“, berichtet Prof. Dr. Elke Montanari. Sie ist Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim und untersucht gemeinsam mit Lehramtsstudierenden, wie Kinder einen mehrsprachigen Wortschatz aufbauen und mit welchem Wortwissen Lehrkräfte bei Schülern rechnen können.

Nicht alle Kinder werden bereits zu Hause auf die Schule vorbereitet. „Gerade hier ist Schule gefragt, um gleiche Möglichkeiten für alle Kinder in einer gemeinsamen Lernsituation herzustellen“, sagt Montanari. „Lehrkräfte aller Fächer müssen im Umgang mit Vielfalt und Deutsch als Zweitsprache ausgebildet werden.“

In einem neuen Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ (zur Presseinformation) an der Universität Hildesheim können Studierende lernen, wie sie in der Schule optimale Bedingungen für alle Schülerinnen und Schüler schaffen. „Der Studiengang bildet die komplexe Ausgangslage mehrsprachiger Identitäten ab. Wir verbinden das Erlernen des Deutschen als Zweitsprache mit den Erwerbsbedingungen des Deutschen als Fremdsprache und berücksichtigen interkulturelle Fragestellungen“, sagt Beatrix Kreß, Juniorprofessorin für Interkulturelle Kommunikation.

Studierende werden je nach Studienschwerpunkt auf Tätigkeiten in der Sprachförderung in Schulen, den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen und als Multiplikatoren in der Lehrerfortbildung vorbereitet. Andere können nach dem Studium an Schulen und Universitäten im Ausland oder in international vernetzten Betrieben als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur unterrichten. Theorie und Praxis werden eng verzahnt. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli. Das Studium beginnt im Oktober 2013.

Die Universität Hildesheim hat einen neuen Forschungs- und Lehrschwerpunkt im Bereich Bildung und Einwanderung geschaffen. Auf Vorschlag der Landesregierung hat die Volkswagenstiftung in diesen Tagen 2,85 Millionen Euro für das Modellvorhaben „Bildungsintegration“ an der Universität Hildesheim bewilligt („Niedersächsisches Vorab“, zur Presseinformation). So entsteht ein „Zentrum für Bildungsintegration", das Projekte zu den Chancen und Problemen des Einwanderungslandes Deutschland bündelt. Studierende, die sich für mehr Bildungsteilhabe engagieren, werden bereits im Lore-Auerbach-Stipendienprogramm gefördert. In der Lehrerausbildung sind Studenten schon im ersten Studienjahr einen Tag pro Woche in der Schule und erfahren, wie Lehrkräfte und Schüler mit Vielfalt und Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer umgehen. Die Praxisphase wird an der Universität vor- und nachbereitet.

Kontakt zu Forschern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-102 und 0177.8605905).

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation
news-6532 Wed, 05 Jun 2013 16:44:00 +0200 Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“ startet https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/masterstudiengang-deutsch-als-zweitsprache-deutsch-als-fremdsprache-startet/ An der Universität Hildesheim startet der Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“. Der Studiengang ist eine Antwort auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit. „Von Lehrerinnen und Lehrern werde ich immer wieder angesprochen, dass sie gerne mehr darüber wüssten, wie sie ihre Schülerinnen und Schüler mit deutscher Zweitsprache unterrichten können. Gerne würden sie auch die Sprachenvielfalt in der Klasse als Reichtum für alle Kinder einbeziehen“, berichtet Dr. Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, denn „alle Kinder haben Spaß an Mehrsprachigkeit, Sprachenvergleichen und interkulturellem Lernen.“

In Hildesheim startet zum Wintersemester 2013/14 ein Masterstudiengang, der sichtbar macht, dass Zweit- und Mehrsprachigkeit zum Alltag in den Schulen gehören. Die Studierenden wählen einen Studienschwerpunkt – entweder Deutsch als Zweitsprache (DaZ) oder Deutsch als Fremdsprache (DaF). Sie studieren in den zwei Jahren auch viele Module gemeinsam.

Studierende mit DaZ-Schwerpunkt werden auf Tätigkeiten in der Sprachförderung in Schulen, den Unterricht von Erwachsenen in Integrationskursen, Tätigkeiten in der Bildungspolitik und -planung sowie als Multiplikatoren in der Lehrerfortbildung vorbereitet. Zu den Studieninhalten gehören zum Beispiel Seminare im Bereich Zweitspracherwerb, deutschsprachiger Unterricht in mehrsprachigen Lernergruppen, Diagnostik, Methodik und Lehrwerksanalyse. „Der Studiengang richtet sich auch an Lehrkräfte, die schon länger im Beruf tätig sind, Interkulturalität im Unterricht professionell berücksichtigen wollen und nun umfassend weiter lernen möchten“, so die Sprachdidaktikerin Prof. Dr. Hildegard Gornik. Daher ist der Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt DaZ so konzipiert, dass ein Teilzeitstudium möglich ist.

Die Schullandschaft ist zu diesem Thema in Bewegung. In Niedersachsen haben sich im Netzwerk „DaZnet“ über 70 Schulen mit einer mehrsprachigen Schülerschaft zusammengeschlossen.

Studierende mit DaF-Schwerpunkt arbeiten nach dem Studium zum Beispiel an Schulen und Universitäten im Ausland oder in international vernetzten Betrieben als Spezialisten für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur sowie für interkulturelle Kommunikation. Zum Studium zählen zum Beispiel Seminare in den Bereichen Sprachstandsdiagnostik, Lehrwerksanalyse, sowie Literatur und Landeskunde interkulturell. Die Studierenden lernen, die deutsche Sprache aus einer Fremdperspektive zu betrachten. „Beispielsweise zwingt uns die deutsche Sprache, zwischen dem Termin und einem Termin zu spezifizieren. Hier gilt es, Studierende dafür zu sensibilisieren, dass dies keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist und sich deshalb – je nach Herkunftssprache – ganz spezifische Lernschwierigkeiten ergeben können. Die angesprochene Unterscheidung hat konkrete Handlungsrelevanz: Etwa im Fall von Terminvereinbarungen, beispielsweise in der Wirtschaft oder in Behörden, kann es interkulturell schon zu einem Problem werden, wenn die Kommunikationspartner sich nicht einig sind, ob sie über einen bestimmten Termin reden", sagt Dr. Stephan Schlickau, Professor für Interkulturelle Kommunikation. „Studieninteressierte mit einem sprachwissenschaftlichen B.A.-Abschluss, insbesondere auch Germanistinnen und Germanisten, können im Studiengang eine weitere Qualifikation erwerben“, so der Sprachwissenschaftler.

Theorie und Praxis werden eng verzahnt: Im zweiten Studienjahr folgt ein Praxismodul, im Schwerpunkt DaF in der Regel mit mehrmonatigem Auslandsstudium. Zudem unterrichten DaF-Studierende im Ausland und erhalten Einblicke in das Praxisfeld in Hochschulen oder Unternehmen. Im DaZ-Schwerpunkt erfolgt ein Unterrichtspraktikum an einer Schule oder in einer DaZ-relevanten Institution in Deutschland; ein Auslandsaufenthalt in einem der Herkunftsländer von Migrantinnen und Migranten wird empfohlen.

Allein in China entstehen derzeit 18 germanistische Institute. In einigen spanischen Städten wuchs die Zahl der Teilnehmer an Sprachkursen in Goethe-Instituten von 2010 auf 2012 um 50 %. In Hildesheim erwartet man, dass der Studiengang auch ausländische Studierende anlockt. „Wir sprechen standardnahes Deutsch, in Hildesheim ist es grün und Wohnraum ist bezahlbar“, beschreibt Dr. Beatrix Kreß, Juniorprofessorin für Interkulturelle Kommunikation, den Standortvorteil. Auch die durchgängige Berücksichtigung interkultureller Aspekte zeichnet den Studiengang aus: „Kultur und Sprache sind untrennbar verknüpft. Wer Sprache vermittelt, vermittelt auch die zugehörige Kultur. Dass dieser Vermittlungsprozess auch eine Stärkung interkultureller Kompetenzen beinhalten muss, wird für Unternehmen und Behörden spätestens dann deutlich, wenn ein Konflikt offensichtlich wird“, so Kreß. Absolventen mit DaF-Schwerpunkt können eine Mittlerrolle einnehmen und in internationalen Unternehmen „kulturelle Brücken bauen“.

Studieninteressierte können sich ab sofort bis zum 15. Juli 2013 bewerben. Das Studium beginnt im Oktober 2013. Der Studiengang startet mit 25 Studierenden. 

Informationen im Internet: Kontakt, Studien- und Prüfungsordnung

Kontakt

Fragen zu Aufbau und Inhalten des Studiums beantworten gerne zum Studienschwerpunkt Deutsch als Zweitsprache (DaZ) Prof. Dr. Elke Montanari (montanar(at)uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Hildegard Gornik (gornik(at)uni-hildesheim.de) vom Institut für deutsche Sprache und Literatur.

Bei Fragen rund um den Studienschwerpunkt Deutsch als Fremdsprache (DaF) wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Beatrix Kreß (Mail: kressb(at)uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Stephan Schlickau (stephan.schlickau(at)uni-hildesheim.de) vom Institut für Interkulturelle Kommunikation.

Achtung: Die Bewerbungsfrist wurde in einem ersten Artikel mit "15. Juni" angegeben, Sie können sich bis zum 15. Juli bewerben. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Fachbereich 3 MA DaZ/DaF
news-7039 Mon, 03 Jun 2013 14:35:00 +0200 Schüler-Uni erklärt Sprachen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/schueler-uni/ Pressespiegel regional Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation news-7038 Sun, 02 Jun 2013 14:33:00 +0200 Das Deutsche vom Fremden her sehen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/das-deutsche/ Neuer Studiengang "Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache" Pressespiegel regional Deutsche Sprache MA DaZ/DaF news-6965 Tue, 28 May 2013 15:13:00 +0200 Master: Deutsch als Fremdsprache https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/master-deut/ Pressespiegel regional Deutsche Sprache MA DaZ/DaF news-6970 Tue, 14 May 2013 17:24:00 +0200 Damit das Verstehen auch klappt https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/damit-das-ve/ Deutsch als Fremdsprache ist neuer uni-Studiengang Pressespiegel regional Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation MA DaZ/DaF news-6494 Thu, 02 May 2013 13:38:00 +0200 Schüleruni geht in die zweite Runde: Was kann Sprache? Wie kommunizieren wir? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/schueleruni-geht-in-die-zweite-runde-was-kann-sprache-wie-kommunizieren-wir/ Im Sommersemester geben Lehrende und Studierende einen Einblick in Forschungsthemen des Fachbereichs III, Sprach- und Informationswissenschaften. Die Uni Hildesheim möchte damit vor allem Neunt- bis Zwölftklässler für Wissenschaftsthemen begeistern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Sprach- und Informationswissenschaften erklären in der Schüler-Universität zum Beispiel die Verschiedenheiten der Sprachen und welche Rolle Akzente und Dialekte bei mehrsprachigen Kindern spielen.

Neben Lehrenden beteiligen sich auch Studierende an der Schüler-Uni. „Wir haben keine Schwierigkeiten, unser Thema für Schülerinnen und Schüler aufzubereiten“, sagen die Studentinnen Christin Scharnhop und Natalia Gätzke. „Wir stellen ein Projekt über Datenschutz im Internet vor, das wir seit 2012 entwickeln. In einem Team haben wir im Studium einen Massive Open Online Course (MOOC) erstellt und durchgeführt.“ Zum Auftakt der Schüler-Universität erklären sie Projektergebnisse.

Warum die beiden Studentinnen für informationswissenschaftliche Themen begeistern wollen?  „In der Informationswissenschaft liegen große Potenziale“ sagt Natalia Gätzke und weist auf die zukünftige Entwicklung des Internets und die damit verbundenen Berufsfelder hin. „Diese Zusammenhänge möchten wir gerne den Schülerinnen und Schülern aufzeigen und die Vorteile des Studiums ‚Internationales Informationsmanagement‘ erklären.“

Die Schüler-Universität beginnt jeweils um 18:00 Uhr und findet in der Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim statt (Lüneburger Straße/Lübecker Straße; Raum L131). Die Vorlesungsreihe richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 12. Auch Eltern können teilnehmen. Die Lehrenden freuen sich auf den Austausch und Diskussionen zum Thema. Kontakt bei Rückfragen: Christiane Zehrer (dekanat3@uni-hildesheim.de, Telefon 05121.883-901).

Programm

07. Mai 2013, „Spuren im Netz – Datenschutz bei Facebook und Co", Studentinnen Christin Scharnhop und Natalia Gätzke; Prof. Dr. Joachim Griesbaum

14. Mai 2013, „Classics in the Classroom”, Prof. Dr. Stefani Brusberg-Kiermeier

28. Mai 2013, „Why Siri can't understand Scottish English: Accents and dialects and strong language”, Dr. Saskia Kersten

04. Juni 2013, „Über die Verschiedenheiten der Sprachen“, Prof. Dr. Annette Sabban

11. Juni 2013, „Interkulturelle Kommunikation: So fern und doch so nah“, Prof. Dr. Beatrix Kreß

25. Juni 2013, „Orientierung Sprachwissenschaft. Was sie kann, was sie will“, Dr. Gabriele Hinney

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-6908 Wed, 24 Apr 2013 15:45:00 +0200 Von Kumpeldeals zu Rumpelstilz https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/von-kumpelde/ 31. Hildesheimer Jugendbuchwoche startet im Theaterhaus mit frischem Anstrich Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-6277 Sat, 09 Mar 2013 15:25:00 +0100 Frust darf in der Schrei-Ecke raus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/frust-darf-i/ Uni-Studenten arbeiten in einer Nacht gemeinsam an ihren Hausarbeiten Pressespiegel regional Lese- und Schreibzentrum news-6161 Thu, 28 Feb 2013 18:04:00 +0100 Schreibberatung boomt: Erster Ratgeber zur Begleitung von Schreibenden im Studium https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/schreibberatung-boomt-erster-ratgeber-zur-begleitung-von-schreibenden-im-studium/ Jana Zegenhagen ist Mitautorin des ersten Ratgebers zur Schreibberatung. Isa Lange sprach mit der Mitarbeiterin des Lese- und Schreibzentrums der Uni Hildesheim über „zu große“ Themen und Schreibtechniken. Zum Schreiben gehört mehr als ein Stift und ein Blatt Papier, sagt sie. Und lädt Studierende zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" am 7. März ein. Boomt die Schreibberatung?

Jana Zegenhagen: Alle Semester, alle Textsorten sind vertreten – wir können nicht klagen. Professionell, persönlich und „auf Augenhöhe“, das kommt gut an. Es ist gut, dass Studentinnen und Studenten vermehrt über wissenschaftliche Arbeitsprozesse sprechen und damit nicht alleine bleiben. Man muss Texte lesen, verstehen, schreiben, korrekt und in Zusammenhängen darstellen und Aussagen belegen. Dies zu lernen, gehört zum Studium – das muss man lernen dürfen. Hochschulen sollten Studierende dabei unterstützen. In Seminaren ist oft nicht der Raum, manche fühlen sich hilflos, deshalb sind spezielle Angebote wichtig. Allein im Wintersemester hatten wir 45 Einzelberatungen, die Hälfte der Studierenden ist neu bei uns. Dabei geht es um Haus- und Abschlussarbeiten – und um Textsorten wie Referate und Poster. Die Studierenden kommen querbeet aus allen Fächern – Mathematik, Internationales Informationsmanagement, Theologie, die Lehramtsfächer, Literatur- und Sprachwissenschaft, Erziehungswissenschaften, Kulturpolitik.

Stellt die inhaltliche Breite die studentischen Beraterinnen und Berater nicht vor unlösbare Herausforderungen?

Nein, denn sie arbeiten nicht inhaltlich, sondern prozessorientiert. Zum Beispiel unterstützen sie Kommilitoninnen und Kommilitonen dabei, sich den Schreibprozess einzuteilen, zu recherchieren und zu strukturieren oder eine Fragestellung zu entwickeln. Natürlich kommen auch inhaltliche Fragen vor, die studentischen Beraterinnen und Berater spiegeln dann wieder, was sie als „interessierte Leserinnen und Leser“ verstanden haben. Entscheidend ist, dass sie qualifiziert sind. Bei uns berät niemand, der nicht vorher in Lese- und Schreibprozessforschung und Beratung fortgebildet wurde. Sie lernen, andere dabei anzuleiten, Schreibprozesse zu reflektieren und bewusst zu gestalten.

Warum sprechen so wenige über Probleme im wissenschaftlichen Schreiben?

Viele quälen sich und haben Angst vor einem Gesichtsverlust, wollen keine Schwäche zeigen. Dabei ist es völlig normal, Schreibschwierigkeiten haben viele Ursachen und bei uns im Lese- und Schreibzentrum merken Studierende, dass sie damit nicht alleine sind. Das korrekte Zitieren und Belegen von Quellen ist ein Thema. Dahinter stecken oft andere Probleme. Vielen fällt es schwer, ein Thema einzugrenzen.

Wie gehen Sie vor, wenn ein Thema „zu groß“ erscheint?

Es gibt viele Techniken: Hat jemand noch kein konkretes Thema entwickelt, fragen wir Interessen und Themenschwerpunkte der Seminare ab und setzen Techniken wie Freewriting, Clustering, Brainstorming ein. Man hat im Seminar ja schon viel erarbeitet und einige unbeantwortete Fragen, über die es nachzudenken lohnt. Daran erinnern wir. Dann sortieren wir, dabei helfen Techniken wie der Dreischritt (Turbian 2007: Worüber schreibe ich? Was will ich wissen? Warum will ich das wissen?), das Blitzexposee (Frank u.a. 2007), eine Eingrenzungstabelle (nach Pyerin 2001; Kruse 2007) oder der Fragenkatalog (Brinkschulte u.a 2011). Wenn ein Thema „zu groß“ ist, fällt das meistens beim Entwerfen einer Gliederung auf, oder wenn man beim Schreiben vor lauter Gedanken nicht weiß, wo man weiterschreiben soll. Gliederungspunkte zu kommentieren hilft weiter.

Und was beobachten Sie in der Sprachverwendung, ahmt man als Erstsemester schon mal Wissenschaftssprache nach?

Studierende nehmen Herausforderungen beim Schreibstart und bei der Überarbeitung wahr: Wie kann ich ein Thema entwickeln, das anspruchsvoll, originell und ausreichend eingegrenzt ist? Wie formuliere ich eine Hypothese, auf die sich meine Argumentation bezieht? Wie baue ich diese auf und wie überprüfe ich deren Überzeugungskraft? In welchen Schritten organisiere ich meinen Arbeitsprozess?

Die Lehrenden lesen die fertige Arbeit, nehmen den Text in seiner Struktur, Argumentation und sprachlichen Gestalt wahr. Dabei fällt auf, wie sich Studierende entwickeln – von eher populärwissenschaftlicher Rezeption und dynamischem Schreiben übers Nachahmen und Ausprobieren bis hin zum eigenen Stil.

Sie haben mit Mitarbeiterinnen der Uni-Schreibzentren in Göttingen, Hildesheim, Hannover und Frankfurt/Oder den ersten Ratgeber zur Schreibberatung im deutschsprachigen Raum verfasst. Das Buch erscheint schon in der 2. Auflage – ein Signal, dass viele Hilfe suchen, wie man Schreibende berät?

Ja, Lehrende nehmen die Begleitung ihrer Studierenden sehr ernst. Es entstehen immer mehr Schreibzentren an Hochschulen, die „Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung“ wurde gegründet. Zwar gibt es viele Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten. Aber ein Ratgeber für Berater_innen, der Ergebnisse aus der schreibdidaktischen Forschung mit der Praxis verbindet, fehlte bislang. Unser Ratgeber hilft Lehrenden und Schreibberatern dabei, Studierende professionell zu beraten und ein Unterstützungsangebot an ihren Hochschulen zu entwickeln. Wir geben Einblicke in die Herausforderungen, wie Studierende sie beim wissenschaftlichen Arbeiten erleben und stellen das passende Handwerkszeug der Schreibberatung vor.

Bundesweit entstanden viele der derzeit etwa 20 Uni-Schreibzentren erst in den letzten drei Jahren – an amerikanischen Unis sind „Writing Centers“ Standard. Was gehört zum Alltag im Hildesheimer Lese- und Schreibzentrum?

An der Uni Hildesheim hat ein Team um Literaturprofessorin Dr. Irene Pieper bereits 2008 das Lese- und Schreibzentrum gegründet – seitdem steigt das Interesse stetig an. Neben der studentischen Beratung bieten wir in Lehrveranstaltungen Workshops rund um das wissenschaftliche Arbeiten an. Dana Krätzsch und ich schulen die studentischen Tutorinnen und Tutoren und begleiten sie bei ihrer Tätigkeit. Dr. Ulrike Bohle hat die internationalen Schreibpartnerschaften und spezielle Angebote für Promovierende entwickelt. Wir führen Projekte zum kreativen Schreiben und zur Leseförderung in Schulen durch. Unsere Aktivitäten verbinden wir mit Forschung über die Entwicklung, Bedingungen und Förderung der Textrezeptions- und Textproduktionsprozesse.

Vielen Dank für das Gespräch!

Lesetipp:

Zukunftsmodell Schreibberatung. Begleitung von Schreibenden im Studium Info
Ella Grieshammer, Franziska Liebetanz, Nora Peters, Jana Zegenhagen
2012, 287 Seiten, 19,80 Euro
ISBN 9783834011305

Bundesweite Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Das Lese- und Schreibzentrum am Bühler-Campus lädt am Donnerstag, 7. März 2013, von 20 bis  02:00 Uhr ein, eine Nacht lang an wissenschaftlichen Haus- und Abschlussarbeiten zu schreiben, sich über Schreibtricks, Motivationstipps, Lesestrategien, Schreibtypen auszutauschen. Dabei gibt es Schreibberatungen, eine Schreibpartnerbörse, und ein „Speaker’s Corner“ zum Austausch über Erfolge und Frust beim Schreiben. Was Lehrende und Tutor_innen über ihre Lese- und Schreiberfahrungen erzählen, präsentieren wir in einer Ausstellung. Dazu gibt es Kaffee und Tee, Auflockerungsübungen, eine Nachtwanderung – und die Gewissheit, dass Hunderte von Studierenden deutschlandweit in dieser Nacht schreiben.

Schreibwochen vom 4. bis 15. März

Der Prozess des Schreibens kann in allen Phasen von der Ideenfindung über das Strukturieren und Gliedern, das Verfassen einer ersten Version bis hin zur Überarbeitung vom Austausch mit anderen profitieren. Deshalb bietet das Lese- und Schreibzentrum (Raum LN 226) am Bühler-Campus die Gelegenheit, innerhalb von zwei Wochen jeden Morgen (9:00 bis 11:00 Uhr) mit anderen die eigene Arbeit zu besprechen und danach daran weiter zu arbeiten. Bei Bedarf können sich Studierende zusätzlich für Einzelberatungen anmelden. Bitte melden Sie sich an bei Dr. Ulrike Bohle (schreibberatung@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Deutsche Sprache
news-6158 Tue, 19 Feb 2013 13:25:00 +0100 Sprachliche Seiteneinsteiger https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachliche-seiteneinsteiger/ „Wir starten mit der Schule, bauen den Wortschatz dann im Themenfeld Familie, Freizeit und Freunde auf“, sagt Christina Kellner. Seit Februar fördert sie Erst- und Zweitklässler, die erst seit wenigen Monaten in Deutschland leben, beim Sprachenlernen und will daraus ein Forschungsprojekt entwickeln. „Im Schulsystem müssen mehr Lehrer arbeiten, die im Bereich Deutsch als Zweitsprache ausgebildet sind, und dass nicht nur im Deutschunterricht." Christina Kellner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim hat zwei Jahre in den USA Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Nun sattelt sie um, die deutsche Sprache als Zweitsprache steht im Fokus ihrer Forschung. „Während der Betreuung der Lehramtsstudierenden und den wöchentlichen Unterrichtsbesuchen fallen einige Kinder auf. Sie sind sprachliche Seiteneinsteiger“, sagt Kellner. Da ist das arabischsprachige Geschwisterpaar, das erst im November 2012 nach Deutschland kam. „Er, der direkt in der zweiten Klasse startete, braucht besondere Hilfe. Er kann nach wenigen Wochen schon Vorlesen, aber versteht nicht die Bedeutung der Wörter. Wir müssen den Wortschatz aufbauen, was im regulären Unterricht mit einer Lehrkraft kaum zu leisten ist“, beobachtet Kellner. Und da sind die beiden Zweitklässlerinnen aus der Türkei, die seit einem Jahr in Hildesheim leben. „Eine der beiden kann nach einem Jahr Grundschulunterricht noch nicht fließend lesen.“

Seit Februar fördert Christina Kellner die Hildesheimer Erst- und Zweitklässler in Kleingruppen – morgens, parallel zum regulären Unterricht – um ihr Forschungsprojekt nicht am Schreibtisch, sondern „aus dem Alltag heraus zu entwickeln“. Und um den Kindern beim Sprachenlernen zu helfen. „Sie sollen nichts lernen, was sie nicht nutzen können“, lautet die Devise. „Deshalb starten wir mit pragmatischen Handlungen zum Thema Schule, bauen den Wortschatz dann im Themenfeld Familie, Freizeit und Freunde auf.“

„In Deutschland werden sprachliche Seiteneinsteiger dem Alter entsprechend eingestuft. Auch wenn sie die Sprache nicht beherrschen“, sagt Kellner. Die Konsequenz? „Im Schulsystem müssen mehr Lehrer arbeiten, die im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ausgebildet sind, und dass nicht nur im Deutschunterricht. Zwei Fortbildungsseminare reichen nicht aus. Viele Lehrer fühlen sich auf das Thema nicht vorbereitet.“ Falls eine Förderung im Klassenverbund nicht möglich ist, sei die Alternative, ausgebildete DaZ-Lehrkräfte in die Schulen zu holen.

„Sprachförderung darf keine Frage des Zufalls sein, sie muss an allen Schulen stattfinden“, meint Kellner. In Niedersachsen schließen sich Lehrkräfte und besonders betroffene Schulen im „DaZNet“ zusammen.

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Fachbereich 3
news-6225 Mon, 18 Feb 2013 14:04:00 +0100 Reden zählt - die Sprache ist egal https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/reden-zaehlt/ Deutsch-Professorin Elke Montanari: Türkische Eltern müssen mit ihren Kindern nicht radebrechen Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-6233 Sat, 16 Feb 2013 14:26:00 +0100 Vom Härtetest zum Höhenflug https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/vom-haertetes/ "Jugend forscht" zeichnet die besten Projekte aus und vergibt Fahrkarte zum Landeswettbewerb Pressespiegel regional Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Deutsche Sprache news-6820 Sat, 02 Feb 2013 12:12:00 +0100 Hören und verstehen - gar nciht so leicht? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/hoeren-und-ve/ Pressespiegel regional Lese- und Schreibzentrum news-6054 Fri, 25 Jan 2013 12:09:00 +0100 Sprachen lernen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachen-lernen/ Um sich über neue Entwicklungen im Bereich des Sprachenlernens und der Pragmatik auszutauschen, kommen an diesem Wochenende Studierende und Experten an der Universität Hildesheim zusammen. Der internationale Workshop „Pragmatik und Sprachlehrforschung" (Programm) findet am Bühler-Campus statt. Prof. Yazgül Şimşek (Universität Potsdam), die auch in Hildesheim gelehrt hat, stellt Schreibstrategien von Schülern mit Kurdisch als Erstsprache im Deutschen vor; Prof. Antonie Hornung (Universität Modena) vergleicht die Sprachproduktion zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Sie sieht darin eine „unendliche Herausforderung für die Sprachendidaktik“. Prof. Karen Schramm (Universität Leipzig) spricht über zweitsprachliche Alphabetisierung, also das Lesen und Schreiben Lernen einer zweiten Sprache.

Für einen zweiwöchigen Gastaufenthalt am Institut für deutsche Sprache und Literatur ist Dr. Lobna Fouad von der Helwan Universität Kairo-Ägypten vor Ort. Sie befasst sich in ihrem Vortrag mit Präpositionen in der deutschen Gegenwartssprache. Dr. Jochen Schulz (TU Dortmund) analysiert, welche Funktion die Intensitätspartikel „einigermaßen" übernimmt und wann das Wort verwendet wird. Der mehrsprachige Dialog wird auch multimodal geführt, der Vortrag am Samstag von Dr. Ulrike Wrobel (Universität Hamburg) über Gebärdensprache wird in Gebärden übersetzt. Die Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. unterstützt die Veranstaltung. Prof. Elke Montanari und Dr. Irina Ezhova-Heer organisieren diesen Workshop, unterstützt von den Studierenden Herrn Cleve und Frau Klages.

Elke Montanari ist seit 2012 Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim und untersucht zum Beispiel die Rolle der Eltern beim Spracherwerb von Kindern. Welchen Einfluss hat die Familie auf die kindliche Sprachentwicklung? Ergibt eine „gute“ Sprache der Eltern eine „gute“ Sprache beim Kind? Was sind förderliche Bedingungen? Um das herauszufinden, untersuchte die Wissenschaftlerin Familien und ihre 6-jährigen Kinder in Großstädten und einer Kleinstadt. Dabei verglich sie die sprachliche Entwicklung in Familien, in denen Eltern nur in der Erstsprache (Russisch, Italienisch, Türkisch) mit ihrem Kind sprechen, jenen Eltern, die in der Erstsprache und Deutsch mit ihrem Kind sprechen sowie jenen, die nur Deutsch mit ihrem Kind sprechen (wobei dies nicht die Muttersprache der Eltern ist).

Aktuell untersucht sie, wie Kinder einen mehrsprachigen Wortschatz aufbauen. Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim beteiligen sich an der Studie. „Uns interessiert, wie es tatsächlich um das Wortwissen mehrsprachiger Schüler und Schülerinnen bestellt ist“, sagt Professorin Montanari. „Wir untersuchen, mit welchem Wortwissen Lehrkräfte bei ihren Schülern rechnen können.“

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Fachbereich 3
news-5571 Wed, 24 Oct 2012 12:28:00 +0200 Sprich mit mir: Welchen Einfluss hat die Familie auf die kindliche Sprachentwicklung? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprich-mit-mir-welchen-einfluss-hat-die-familie-auf-die-kindliche-sprachentwicklung/ Der Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften lädt am Mittwoch, 31. Oktober, ein zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Elke Montanari. Mit „Sprich mit mir – zur Inputqualität im mehrsprachigen Erwerb“ stellt sich die Professorin für Deutsch als Zweitsprache vor. Die öffentliche Vorlesung setzt sich damit auseinander, welchen Einfluss die Familie auf den kindlichen Spracherwerb ausübt.

Elke Montanari hat seit März 2012 die Professur für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim inne. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Mehrsprachigkeit, Spracherwerb und bilinguale Erziehung in der Familie. Sie hat an der Freien Universität Berlin Linguistik, Theaterwissenschaft und Publizistik studiert, an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert und war an den Pädagogischen Hochschulen in Karlsruhe und Heidelberg tätig.

Seminare im Bereich Deutsch als Zweitsprache zählen zur Lehrerausbildung von etwa 2500 Lehramtsstudierenden an der Universität Hildesheim. In diesem Semester hält Prof. Montanari zum Beispiel Lehrveranstaltungen zu den Themen Erwerbsprobleme in der zweiten Sprache, wie Kinder und Jugendliche einen mehrsprachigen Wortschatz aufbauen, Sprachbiografien, Diagnose und Spracherhebung sowie eine Einführung in die Mehrsprachigkeitsforschung.

Öffentliche Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Elke Montanari

31. Oktober 2012, 18:15 Uhr, Bühler-Campus (Aula, Lübecker Straße)

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Fachbereich 3 Polyv. 2-Fäch.BA MEd (Lehramt)
news-5572 Wed, 24 Oct 2012 10:33:00 +0200 Schulbuchverlage unter der Lupe https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/schulbuchverlage-unter-der-lupe/ Wie gehen Schulbuchverlage mit den sprachlichen Chancen und Herausforderungen um, die mehrsprachige Schülerinnen und Schüler für die Schule mitbringen? Mit Lehramtsstudierenden aus Hildesheim und den Niederlanden untersucht Prof. Dr. Elke Montanari Unterrichtsmaterialien, die sich an Kinder und Jugendliche mit deutscher Zweitsprache oder deutscher Fremdsprache wenden. „Lehrwerke sind eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich damit auseinandersetzen, wie neue Forderungen aus der Forschung an die Schüler heran gebracht werden können“, erläutert die Professorin für Deutsch als Zweitsprache. Das Institut für deutsche Sprache und Literatur hat dazu einen Handapparat, in dem Lehrwerke gesammelt werden und angesehen werden können.

Die Möglichkeit, die Studierenden praxisnah an neueen Lehrmaterialien arbeiten zu lassen, haben in diesem Fall die Verlage Klett und Finken durch Spenden geschaffen. „Die Diskussion und Auseinandersetzung mit den Lehrwerken soll in beide Richtungen gehen“, berichtet Montanari, „die Studierenden werden ermutigt, ihre eigene Position auf einem überfüllten Materialmarkt einzunehmen. Den Verlagen werden im weiteren Verlauf Rückmeldungen gegeben, was angehende Lehrkräfte kritisch und was sie positiv sehen. Wir hoffen, dass auch andere Verlage dem Beispiel folgen und uns mit Neuerscheinungen für die Ausbildung versorgen.“

Die Lehramtsstudenten Jarik Dunnewind und Rene Schuldink von der niederländischen Hochschule Windesheim haben in ihrem Erasmus-Auslandssemester in Hildesheim das neue Lehrmaterial unter die Lupe genommen. „Ich wollte mehr über die deutsche Sprache und Kultur erfahren, sie erleben. Schließlich will ich später als Deutschlehrer wissen, über welches Land ich spreche", begründet der 19-jährige Jarik sein Auslandsstudium. Er hat Seminare zur Wortschatzarbeit, Lese- und Schreibförderung und über das Schreibenlernen in der Erst- und Zweisprache besucht. Ihm fällt auf, dass in Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache manche Schwierigkeiten viel genauer beschrieben sind: „In der deutschen Sprache sind Worte wie ‚auf' und ‚unter' sehr schwierig. Wann sage ich ‚auf dem‘, wann ‚auf den‘ Tisch zum Beispiel. Das ist in Lehrwerken für den Bereich Deutsch als Fremdsprache ausführlich erklärt, aber im Material zum Zweitspracherwerb ist das nicht selbstverständlich. Das wundert mich.“

Die Hildesheimer Masterstudentin Anna Rahe wünscht sich mehr DaZ-Anteile im Studium, die vor allem Theorie und Praxis näher zusammenbringen. Wichtig sind für sie die Erfahrungen in der individuellen Lernförderung. „Ich begleite seit mehreren Monaten eine türkische Schülerin. Zwei Mal wöchentlich treffen wir uns zur Sprachförderung. Wir arbeiten vor allem am Wortschatz", sagt die 25-Jährige. Die Herausforderung sei hierbei, die Theorie aus dem Seminar in der Praxis anzuwenden und einen individuellen Förderplan selbst zu erstellen: „Ein gutes Lehrwerk, das eine Struktur anbietet, oder sie vorschreibt, ist für Neueinsteiger eine gute Hilfe“, findet sie.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache International Office Polyv. 2-Fäch.BA MEd (Lehramt)
news-5491 Mon, 15 Oct 2012 18:37:00 +0200 Rekordzahl an Studienanfängern an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/rekordzahl-an-studienanfaengern-an-der-universitaet-hildesheim/ 100 Tutoren – Studierende aus höheren Semestern – begleiten in diesen Tagen 1349 Bachelor-Studienanfänger beim Studieneinstieg an der Stiftung Universität Hildesheim. Zudem beginnen 699 Studierende ihr Master-Studium. Die Universität zählt in diesem Wintersemester insgesamt 6300 Studierende, so viele wie nie zuvor (vorläufige Zahl). „Von Aristoteles lernen wir: Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, ein zoon politikon. Sie studieren an der Universität in einer Gemeinschaft, helfen Sie sich gegenseitig“, wandte sich Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich im Rahmen der Immatrikulationsfeier am Montag an die Studienanfänger. „Nehmen Sie unsere Unterstützung an, die Stipendienprogramme, die Angebote des Lese- und Schreibzentrums, die Beratung für Auslandsaufenthalte. Überlegen Sie auch, was Sie zurückgeben können.“

1349 Bachelorstudierende und 699 Masterstudierende beginnen in diesen Tagen ihr Studium an der Universität Hildesheim. Damit steigt die Gesamtstudierendenzahl auf 6317. Rund 9200 Studieninteressierte hatten sich auf rund 2000 Studienplätze beworben. „Wir erreichen eine Rekordzahl und damit die Grenzen unserer Kapazität. In dieser Größenordnung wollen wir uns weiter bewegen“, so Präsident Friedrich, der den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den zentralen Einrichtungen und Dezernaten für ihre engagierte Arbeit dankte.

Aus Leipzig und Magdeburg nach Hildesheim

Jonathan Mamo-Wilhelmy, 18, und Sophia Schönberger, 19, aus Leipzig freuen sich auf das Studium der „Pädagogischen Psychologie“, da die Uni die gesamte Bandbreite – vom Kind bis zu älteren Menschen – abdeckt. „Wir haben uns in Leipzig, Dresden, Berlin, Chemnitz beworben“, listen sie auf. Beide erhalten Unterstützung von ihren Eltern, um die Studiengebühren zu finanzieren. „Ich will mir in Hildesheim einen Job suchen, aber der Fokus bleibt beim Studium“, sagt Sophia.

Victoria Forberger schätzt die persönliche Atmosphäre auf dem Uni-Campus. „Nach der Aufnahmeprüfung für das Fach Kunst habe ich mich über die Zusage gefreut, vor allem, weil ich Seminare auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg belegen werde.“ Die 20-Jährige kommt aus der Nähe von Magdeburg und ist eine der über 500 neuen Lehramtsstudierenden. Dabei verbringt sie das Studium nicht nur im Hörsaal: Ab Anfang November erleben die Lehramtsstudierenden ihre ersten Schultage in Partnerschulen. Victoria Forberger wird im ersten und zweiten Semester jeden Freitagvormittag Unterricht beobachten und mit Lehrern und Wissenschaftlern in Seminaren analysieren. Insgesamt studieren rund 2500 angehende Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Hildesheim. Zum Wintersemester 2012/13 hatten sich mehr als 3000 Studieninteressierte beworben.

Etwa ein Viertel der neuen Lehramtsstudierenden ist männlich, die Universität Hildesheim möchte mit dem Projekt „Männer und Grundschullehramt“ das Berufsfeld für mehr Männer öffnen. Marius Marutschke will Grundschullehrer werden und hofft im Studium auf den Umgang mit Schülern vorbereitet zu werden, die Deutsch als Zweitsprache erlernen.

100 Tutoren – Studierende aus höheren Semestern – begleiten die Erstsemester beim Studieneinstieg und helfen zum Beispiel bei der Stundenplangestaltung. Die Zentrale Studienberatung will damit den Übergang von der Schule in die Hochschule erleichtern. Der Allgemeine Studierenden Ausschuss (AStA) und das Studierenden-Parlament (StuPa) stellen in dieser Woche vor, wie Studierende die Uni mitgestalten können.

„Lieblingsfach Mathematik“: Preis des DAAD

Weiwan Zhuang aus China wurde während der Immatrikulationsfeier für ihre hervorragenden Studienleistungen im Studiengang „Wirtschaftsinformatik“ ausgezeichnet. Sie erhält den mit 1000 Euro dotierten Preis des DAAD für herausragende ausländische Studierende. Das Lieblingsfach von Weiwan Zhuang ist die Mathematik. Prof. Dr. Klaus Ambrosi zeigt sich begeistert von ihren „außergewöhnlichen Leistungen und dem sorgfältigen und gewissenhaften Studium, das sie mit Ehrgeiz und großem zeitlichen Engagement betreibt“. Außerdem unterstützt sie das International Office ehrenamtlich bei der Betreuung neuer chinesischer Studierender.

Im Wintersemester 2012/13 studieren an der Universität Hildesheim 23 % mehr ausländische Studierende als im Vorjahr. Die 116 Programmstudierenden kommen aus 22 Ländern, 33 aus Spanien, 16 aus Frankreich und 10 aus der Türkei. Die meisten ausländischen Vollzeitstudierenden kommen aus der Türkei, Polen, der Ukraine und Russland.

Brief der Niedersächsischen Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger (PDF)

Eine Bildergalerie zum Studienbeginn finden Sie hier ab Freitag.

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Pressemeldungen Psychologie Fachbereich 1 Lese- und Schreibzentrum Fachbereich 2 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Fachbereich 4 BSc PäPsy Polyv. 2-Fäch.BA BSc WInfo
news-5296 Sat, 28 Jul 2012 13:56:00 +0200 Land fördert Uni-Forschung https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/land-foerdert-1/ Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Englische Sprache news-5033 Fri, 27 Jul 2012 13:33:00 +0200 Vom Gelingen der Inklusion bis zur Mehrsprachigkeit in Grundschulen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/vom-gelingen-der-inklusion-bis-zur-mehrsprachigkeit-in-grundschulen/ Impulse für die Lehrerbildung: Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) fördert im Programm „Forschen, Lehren und Lernen in Fachdidaktik und Bildungswissenschaft“ gleich vier Forschungsprojekte der Stiftung Universität Hildesheim mit ca. 140.000 Euro. Gelingensbedingungen von Inklusion im Grundschulunterricht: Erwartungen und Überzeugungen von Lehrerinnen und Lehrern

Mit der UN-Behindertenrechtskonvention ist die Vorgabe politisch bindend, die soziale Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen so weit wie möglich „inklusiv“ zu gestalten. Die Konsequenzen für Bildungseinrichtungen sind weitreichend.

Welche Bedingungen auf Seiten der Lehrkräfte tragen zum Gelingen von Inklusion in Grundschulen bei? Welche Erwartungen und Überzeugungen bestimmen ihr Handeln bei der Einführung und Umsetzung? Dieser Forschungsfrage gehen Prof. Dr. Werner Greve (Institut für Psychologie) und Prof. Dr. Katrin Hauenschild (Institut für Grundschuldidaktik und Sachunterricht) an der Universität Hildesheim nach. In einer geplanten Längsschnittstudie sollen von 2013 bis 2018 Lehramtsstudierende und Lehrkräfte untersucht werden. Das MWK fördert ab Juni 2012 eine Pilotstudie mit Probeerhebungen, die die Hauptstudie vorbereitet.

„Die Diversität der Schülerinnen und Schüler wird sich in der Grundschule spürbar erhöhen“, so die Wissenschaftler. „In Zeiten des Umbruchs ist diese Studie besonders wichtig, letztmalig können wir unterschiedliche Kontexte – Schulklassen und Lehrkräfte mit und ohne Inklusionserfahrung – erforschen.“ Die Studie soll insbesondere die Handlungs- und Bewältigungskompetenzen von Lehrkräften im Primarbereich sowie Erwartungen, Überzeugungen und Bewertungen bei Eltern und Kindern untersuchen. Individuelle Bewertungen, politische und moralische Überzeugungen werden als Handlungsvoraussetzungen in der Ausbildung oft wenig beachtet, obwohl sie möglicherweise eine entscheidende Bedingung für gelingende Inklusion darstellen. Vergleichbare Studien existieren bisher nicht.

Forschendes Lernen im Studium: Das mehrsprachige Lexikon bei Schülern

Auffälligkeiten im Wortschatz von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund werden häufig beschrieben (z.B. DESI 2008). „In der Schulpraxis führen Wortschatzauffälligkeiten u.a. dazu, dass Arbeitsanweisungen nicht vollständig verstanden werden und Texte nur unzureichend verfasst werden können“, erklärt Prof. Dr. Elke Montanari. „Es fehlen Erkenntnisse, welche Wortschatzbereiche besonders schwierig zu erwerben sind. Unbekannt ist, ob der Fach- oder der alltägliche Bildungswortschatz problematisch ist.“ Eine gezielte Förderung in der Schule ist somit nicht möglich.

Im Rahmenforschungsprojekt „Das mehrsprachige Lexikon: Substantive“ untersucht die Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur von 2012 bis 2018, wie Schüler einen mehrsprachigen Wortschatz aufbauen. Daten werden u.a. institutionsbezogen in der Schule, fachbezogen im Sprach- und Mathematikunterricht sowie im Handlungsbereich Alltag und Familie erhoben (Deutsch, Italienisch, Türkisch und Englisch). Die mündliche wie schriftliche Kommunikation, u.a. in freien Erzählungen, wird erfasst.

Im vom MWK geförderten Projekt „Forschendes Lernen im Studium“ nehmen Hildesheimer Lehramtsstudierende eine wichtige Rolle ein. Im Wintersemester 2012/13 testen sie den Wortschatz von 200 Schülern in niedersächsischen Grundschulen in mehreren Sprachen (Familiensprache Russisch und Erstsprache Deutsch). „Wir wollen Ressourcen und Lernbedarfe der Kinder mit Migrations-hintergrund empirisch ermitteln. Die Studierenden setzen sich mit grundlegenden Fragen der Spracherwerbsforschung auseinander und übernehmen einen wichtigen Teil des Forschungsprojektes als studentische Forschungsarbeit“, so Montanari.

Mehrsprachigkeit in Kita und Schule

Wie kann früher Fremdspracherwerb gelingen? Was passiert eigentlich mit der Erstsprache, wenn ein Großteil des Unterrichts in einer Fremdsprache, z.B. Englisch, durchgeführt wird? „Mehrsprachigkeit zu fördern, ist ein Ziel der EU-Bildungspolitik. Am Ende der Schullaufbahn soll künftig jeder Bürger zwei Fremdsprachen beherrschen. Derzeit diskutiert Baden-Württemberg, ob Englisch ab Klasse 1 wieder abgeschafft werden soll, andere Konzepte sehen den frühen Fremdspracherwerb schon in der Kita vor“, sagt Prof. Dr. Kristin Kersten (Institut für englische Sprache und Literatur).

„Langjährige Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein Kind keineswegs darunter leidet, wenn eine zweite Sprache im Kleinkindalter erlernt wird. Im Gegenteil: In besonders intensiven Programmen kann sich neben kognitiven Vorteilen sogar die Erstsprache verbessern.“ Andererseits liegen bisher kaum belastbare empirische Ergebnisse in Deutschland vor, ob beispielsweise mehrsprachig aufwachsende Kinder Vor- oder Nachteile beim Erlernen weiterer (schulischer) Fremdsprachen haben.

In einem dreijährigen Forschungsprojekt, u.a. gefördert vom MWK, untersucht Kristin Kersten, welche Variablen Einfluss auf den frühen Fremdspracherwerb bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund sowie bei Lernern mit einer Sprachentwicklungsstörung haben. Kooperationspartner sind die Hochschulen in Erlangen-Nürnberg, Köln, Ludwigsburg, Paderborn und Weingarten. „Erste Ergebnisse aus bilingualen Kindergärten weisen darauf hin, dass die Intensität, Dauer des Kontakts sowie das kontextualisierte, handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache an Objekten, Bildern und der Umwelt entscheidend sind. Ob die Fremdsprache drei Stunden pro Tag oder eine Stunde pro Woche angeboten wird, ob die jeweilige Erzieherin in der Kita für fünf oder 25 Kinder zuständig ist – das macht viel aus“, sagt die Juniorprofessorin für Fremdsprachenunterricht und Zweitspracherwerb und weist auf Ergebnisse ihres jüngst abgeschlossenen EU-Projekts hin. „Keinen Einfluss hatten hingegen die Faktoren Geschlecht und Migrationshintergrund.“

Welchen Einfluss die Herkunft in der Schule genau einnimmt, wollen die Forscher empirisch herausfinden. Welche Potentiale bringen gerade mehrsprachige Kinder für erfolgreichen frühen Fremdspracherwerb mit?

Ein besonderer Fokus der Studie liegt zudem auf dem Übergang von der Kita in die Grundschule und die weiterführende Schule. „Fremdsprachenlernen im deutschsprachigen Raum stellt kaum ein tragfähiges Kontinuum dar. In Klasse 5 ist die Heterogenität sehr hoch und reicht von Schülern, die bisher zweimal in der Woche Englisch gesprochen haben bis zu Schülern, die bilingual oder immersiv unterrichtet wurden. Die Einrichtungen scheinen jedoch von stärker geregelten Übergänge zu profitieren“, erläutert Kersten.

Einem Fall auf der Spur… Forschungsorientierte Lehrerbildung mit dem Videoarchiv HILDE

Seit 2009 baut die Universität Hildesheim ein umfangreiches Fallarchiv HILDE auf, mit Videos aus dem Schulunterricht. „Bisher stehen Forschern 50 Unterrichtsstunden der Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Sport der Primar- und Sekundarstufe mit vollständigen Transkriptionen und Begleitmaterialien zur Verfügung“, erklärt Prof. Dr. Irene Pieper vom Forum Fachdidaktische Forschung. „Studierende beteiligen sich an den Unterrichtsanalysen, bringen eigene Unterrichtserfahrungen mit ein und reflektieren ihre Schulerfahrungen.“ Durch die Arbeit an konkreten, alltäglichen „Unterrichtsfällen“ werden bereits im Lehramtsstudium Theorie, Praxis und Forschung eng verzahnt. Studierende nehmen die Beobachterperspektive ein, um auf Basis der Fallarbeit Erkenntnisse für den eigenen Unterricht zu gewinnen.

Im Forschungsprojekt „Zur Sache kommen“ sollen künftig noch stärker eigene videobasierte Fälle in das Fallarchiv aufgenommen und das Fächerspektrum der Unterrichtsaufzeichnungen erheblich erweitert werden. Im Wintersemester 2012/13 erweitern Lehramtsstudierende das Video-Fallarchiv und arbeiten, begleitet von Wissenschaftlern, in Fallstudien mit dem Videomaterial. Dann können zum Beispiel Fälle verglichen, Stundeneinstiege und ihre Funktion im Unterrichtsprozess oder die Einführung in ein neues Thema durch den Lehrer analysiert werden.

Ab dem Wintersemester 2013/14 wird das Masterstudium (Master of Education) von zwei auf vier Semester erweitert, eine halbjährige Praxisphase und ein forschungsorientiertes „Projektband" werden integriert. Videobasierte Fallarbeit zählt dann zum Curriculum, Studierende können bei Bedarf auf das Fallarchiv in ihren Forschungsarbeiten zurückgreifen. Das vom MWK geförderte Projekt wird von den Hildesheimer Professoren Dr. Katrin Hauenschild, Dr. Peter Frei, Dr. Irene Pieper und Dr. Barbara Schmidt-Thieme geleitet.

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Pressemeldungen Psychologie Grundschuldidaktik und Sachunterricht Bildungsintegration Forum Bildung U10 Forschung Deutsche Sprache Englische Sprache Inklusion
news-4967 Tue, 17 Jul 2012 16:55:00 +0200 Tiermumie erwacht: Museumsmagazin von Jugendlichen für Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/tiermumie-erwacht-museumsmagazin-von-jugendlichen-fuer-jugendliche/ Wenn die Tiermumie aus der Glasvitrine ausbricht: Beim Kooperationsprojekt „Schreiben im Museum“ begeistern Schülerinnen und Schüler Jugendliche für Museumsbesuche und machen Lust aufs Schreiben. Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim und Lehramtsstudierende wollen damit die Schreibentwicklung fördern. Die Tiermumie ist uralt und stammt aus der Ptolemäerzeit, 332 bis 30 vor Christus. Luis Busch steht vor einer Vitrine im Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) und blickt auf die Mumie des Krokodils. „Das heilige Tier ist das ‚Markenzeichen‘ des Gottes Sobek. Und irgendwie jetzt auch mein Markenzeichen“, erklärt er stolz. Denn für das erste Museumsmagazin von Jugendlichen für Jugendliche hat der Zwölfjährige eine Erzählung über die Tiermumie verfasst. „Um meine Geschichte zu schreiben, habe ich mir vor der Vitrine Stichpunkte notiert und mir zum Beispiel vorgestellt, dass das Krokodil aus der Vitrine ausbricht, den Fahrstuhl nutzt.“ Luis kombinierte die Gegenwart mit recherchierten historischen Hintergründen. „Verehrt wurde die Riesenechse vor allem in Kom Ombo, einem Ort am Ufer des Nils“, fährt er fort. „Weil das Tier in einen göttlichen Status erhoben wurde, wurde gleichzeitig die Gefahr gebannt, die von ihm ausgeht.“

Luis Busch besucht die 6. Klasse der Oskar-Schindler-Gesamtschule. Gemeinsam mit Berufsfachschülern der Walter-Gropius-Schule (Druck- und Medientechnik) hat er das Museumsmagazin erstellt. Die Sechstklässler haben seit Februar 2012 die Ägyptenausstellung des RPM schreibend erkundet, begleitet wurden sie von Lehramtsstudierenden der Universität Hildesheim. Die Texte wurden von den Berufsfachschülern in Form gebracht – vom Grundlayout über das Setzen bis zum Druck. Entstanden ist ein Magazin mit zahlreichen Geschichten, Interviews und Gedichten, welches künftig einer breiteren Öffentlichkeit, u.a. im Museumsshop, angeboten wird.

„Mit den Lehramtsstudierenden der Uni Hildesheim haben die Museumsbesuche Spaß gemacht. Sie sind selber noch jung und können sich ganz gut in unsere Lage versetzen. Wir sollten öfter raus aus der Schule", so das Resümee des Zwölfjährigen. Jil Janhoff ist durch das Schreibprojekt erstmals zur Museumsbesucherin geworden. „Vorher war ich noch nie im RPM“, sagt die elfjährige Hildesheimerin. „Ich möchte jetzt öfters ins Museum.“ Nicht alleine, sondern mit Freunden. „Es ist spannend, darüber zu sprechen, was man sieht, zum Beispiel die Spielfiguren aus Knochen. Manchmal sind wir auch still. Vor einem Armreif blieben wir alle stehen und fragten uns: Wer hat diesen Armreif wohl früher getragen?“ Diese Frage bot den Anlass für Jils Erzählung über eine junge Frau.

„Ihr habt den Exponaten Geschichten gegeben“, zeigt sich Prof. Dr. Irene Pieper, Leiterin des Lese- und Schreibzentrums der Universität Hildesheim, während der Präsentation des Museumsführers vor rund 100 Gästen, darunter der Direktorin des RPM, begeistert. „Die Ägyptenausstellung zeigt eine Welt, die auch für uns Erwachsene oft noch ziemlich fremd ist. Ihr aber habt euch von den Exponaten inspirieren lassen und sie ‚zum Sprechen‘ gebracht. Besonders schön daran ist, dass wir daran teilhaben können“, sagt Johannes Reinert. Er hat an der Universität Hildesheim über die Praxis des Umgangs mit Inhaltsangaben im Deutschunterricht promoviert und das Schreibprojekt koordiniert. „Wir konnten Theorie und Praxis verbinden“, sagt Studentin Karolin Schröder. „Das Besondere unseres Projekts lag gerade auch in der Kooperation zwischen Schule und Universität. Unsere Lehramtsstudierenden konnten ihr neu erworbenes Wissen über Schreibentwicklungsprozesse sowie aktuelle Ansätze kreativen Schreibens gleich anwenden und Erfahrungen in ihrem zukünftigen Beruf sammeln“, unterstreicht Reinert, der im August 2012 den Vorbereitungsdienst für Lehrämter an der St.-Augustinus-Schule beginnt.

Der Museumsverein Hildesheim finanziert das Projekt „Schreiben im Museum“. Eine Fortführung und Weiterentwicklung mit weiteren Schülergruppen und Klassen ist geplant.

Kooperation mit Schulen in der Lehrerausbildung

Die Stiftung Universität Hildesheim und die Oskar-Schindler-Gesamtschule intensivieren die Zusammenarbeit in der Lehrerausbildung. Studierenden wird die Gelegenheit zu mehr Praxiserfahrung geboten, die Schülerinnen und Schüler erhalten die Chance auf zusätzliche Lese- und Schreibförderung. In der Gesamtschule hat in Zusammenarbeit mit der Universität ein Lese- und Schreibzentrum seine Arbeit aufgenommen. Schülerinnen und Schüler können sich mit Büchern und Texten befassen; Studierende schaffen Lese- und Schreibanlässe, betreuen Schreibprozesse. Künftig sollen weitere Projekte im Bereich Entwicklung der Schreib- und Lesemotivation, Förderung der Schreib- und Lesekompetenz und Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz durchgeführt werden.

Praxisbezug vom ersten Semester an: In Kooperation mit 250 Schulen aus der Region ist die Schulpraxis traditioneller Teil der Lehrerbildung („Hildesheimer Modell“) an der Stiftung Universität Hildesheim. Lehramtsstudierende lernen ab dem ersten Semester den Schulalltag aus einer neuen Perspektive kennen. In Kleingruppen beobachten und analysieren sie jeden Freitagvormittag Unterricht. Dabei werden sie von Wissenschaftlern und Lehrern begleitet, die Praxisphasen werden intensiv vor- und nachbereitet.

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Lese- und Schreibzentrum Pressemeldungen Deutsche Sprache Polyv. 2-Fäch.BA MEd (Lehramt)
news-5298 Sun, 15 Jul 2012 16:23:00 +0200 Mumie erweckt https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/mumie-erweck/ Museumsführer für Kids Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-5278 Sat, 14 Jul 2012 13:04:00 +0200 Alles andere ls für den Müll https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/alles-andere/ Bundesweiter erster Museumsführer von Jugendliche für Jugendliche ist fertig Pressespiegel regional Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum news-5277 Fri, 13 Jul 2012 13:02:00 +0200 Hohnsen-Schüler lassen Blumen sprechen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/hohnsen-schue/ Bedrohte Grundschule erfährt Unterstützung: Auch die Universität warnt die Stadt vor einer Schließung Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-5078 Wed, 20 Jun 2012 14:19:00 +0200 Vortrag über Sprache und Texte https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/vortrag-ueber-16/ Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-5060 Tue, 12 Jun 2012 12:34:00 +0200 Wajsbrot zu "Literatur und Vergessen" https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/wajsbrot-zu/ Universitätsbibliothek Pressespiegel regional Deutsche Sprache news-5052 Fri, 08 Jun 2012 11:39:00 +0200 "Lesen hilft Schülern mit Sprachproblemen" https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/lesen-hilft/ Pressespiegel regional Interkulturelle Kommunikation Deutsche Sprache news-5041 Fri, 01 Jun 2012 10:48:00 +0200 Die Sprachfalle am Konferenztisch https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/die-sprachfa/ Was meint mein Gegenüber wirklich? Experten beraten Pressespiegel regional Interkulturelle Kommunikation Deutsche Sprache MA DaZ/DaF news-4763 Wed, 30 May 2012 18:04:00 +0200 Sprache im Wandel https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/sprache-im-wandel/ Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen wächst heute mit mehreren Sprachen auf. Prof. Dr. Elke Montanari ist seit März 2012 Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Die vielfältigen sprachlichen Situationen können und müssen in der Schule aufgegriffen und Lehrkräfte darauf vorbereitet werden, unterstreicht sie. Ein neuer Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ soll ab 2013 an der Universität Hildesheim angeboten werden. Isa Lange sprach mit Elke Montanari über Mehrsprachigkeit und Sprachwandel. Wie entwickelt sich eine Sprache durch Migration weiter?

Dass sich Sprache verändert, ist in Europa seit der Antike bekannt; schon Platon setzt sich im Kratylos mit der Veränderlichkeit von Benennungen auseinander.

Migration und damit der Kontakt mit Menschen, die andere Sprachen einbringen, bereichert. Zum Beispiel durch neue Wörter, mit denen Dinge ausgedrückt werden können, die vorher anders oder gar nicht bezeichnet wurden (z.B. Sofa, Coiffeur, Döner), und dadurch neue Färbungen, Bedeutungen mitbringen. Genauso können Vereinfachungen entstehen, komplexe Formen überholt werden. Wer schreibt heute noch „ich buk einen Kuchen“? Der Kontakt mit anderen Sprachen – oder vielmehr: mit Gesprächspartnern – kann solche Entwicklungen beschleunigen oder beeinflussen.

Migration ist ja in Europa kein junges Phänomen: jüngere Beispiele sind die Hugenotteneinwanderung und die Einwanderung polnischer Arbeitskräfte; einige Namen erinnern noch heute daran. Mehrsprachigkeit gehört daher schon lange zu dieser Gesellschaft. Als Linguistin betrachte ich sprachlichen und gesellschaftlichen Wandel mit Interesse.

Wie reagiert die Lehrerbildung auf Sprachwandel?

In den Bildungsinstitutionen stellt sich die Aufgabe für die Lehrkräfte – die wir ja ausbilden – junge Menschen gesellschaftlich handlungsfähig zu machen. So müssen, bei aller Offenheit für Sprachwandel, Handlungsmuster vermittelt werden – wie ein Aufsatz, ein Bewerbungsschreiben zu verfassen ist, wie eine Diskussion in der Klasse geführt wird. Hier ist es also wichtig, etablierte Formen anwenden zu können. Das ist ein schwieriger Spagat – einerseits Schülerinnen und Schüler zu kreativem und neuartigem sprachlichen Handeln zu ermutigen, andererseits klassische Formen zur Verfügung zu stellen und einzufordern.

Sie forschen in den Bereichen Mehrsprachigkeit und Spracherwerb. Was ist denn am Zweitspracherwerb besonders – und was nicht?

Ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler wächst heute mit mehreren Sprachen auf. Einige sprechen eine andere Sprache als die Schulsprache zu Hause, andere hören von ihren Eltern z.B. Urdu oder Türkisch, sprechen aber selbst Deutsch in der Familie. Wieder andere wachsen mit einsprachig deutschen Elternteilen auf und kommen bei ihren Freunden mit Mehrsprachigkeit in Berührung. Diese vielfältigen sprachlichen Situationen können und müssen in der Schule aufgegriffen werden. Auf diese Weise können die einsprachigen Kinder profitieren, weil sie lernen, die deutsche Sprache als eine unter vielen zu begreifen und sie besser zu verstehen; die mehrsprachigen Kinder werden in ihrem Wissen gestärkt und bauen auf diesen Ressourcen auf.

Der geplante Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an der Universität Hildesheim wird diese Fragestellungen gezielt aufgreifen. In diesem Bereich wird auch das Forschungsprojekt zum bilingualen Wortschatzerwerb liegen, das am Institut für deutsche Sprache und Literatur von mir geleitet wird.

Welche Rolle nimmt „Deutsch als Zweitsprache“ in der Lehrerbildung an der Universität Hildesheim ein?

Viele Studierende haben eigene mehrsprachige Erfahrungen. Mehrsprachigkeit ist in allen Fächern ein Thema. So haben sich Naturwissenschaften immer wieder damit auseinander gesetzt, in welcher Form einzelne Sprachen überwunden werden können und dafür Lösungen gefunden, z.B. im Periodensystem oder in der Logik. Spannend ist auch die Rolle der Sprache in den Naturwissenschaften an: Eine Versuchsbeschreibung ist immerhin sprachlich genauso komplex wie ein Aufsatz.

Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit sind Querschnittsthemen, und ich hoffe, dass Studierende aller Fachrichtungen für diese Fragen offen sind. Gegenseitige Inspirationen kann ich mir gut vorstellen: Aus der Anschaulichkeit eines Experiments leichter in die sprachliche Darstellung finden, von der Sprache in die Literatur kommen, Fremdsprache und Zweitsprache in Bezug setzen – die Übergänge sind fließend. Jedenfalls freue ich mich auf viele Diskussionen an dieser Universität.

Vielen Dank für das Gespräch.

Lesen Sie das Interview über Mehrsprachigkeit im Uni-Journal, Ausgabe Mai 2012 (PDF)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache MA DaZ/DaF
news-4743 Wed, 23 May 2012 08:14:00 +0200 Weltweit größte Konferenz zum Zweit- und Fremdspracherwerb Deutsch https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/weltweit-groesste-konferenz-zum-zweit-und-fremdspracherwerb-deutsch/ Unter dem Motto „Zur Sprache.kͻm“ veranstaltet der Fachverband Deutsch als Fremdsprache seine Jahrestagung 2012 vom 31. Mai bis 2. Juni mit rund 400 Teilnehmern aus dem In- und Ausland an der Universität Hildesheim. Auf der Konferenz geht es um neue Erkenntnisse zur Sprachvermittlung – und das umfasst mehr als Wortschatz und Grammatik. Die moderne Forschung berücksichtigt, dass verschiedene Sprachen und Gesellschaften unterschiedliche kommunikative Strategien anwenden. Wer an internationale oder auch interkulturelle Kommunikation denkt, der verbindet dies wahrscheinlich in erster Linie mit der englischen Sprache. Aber auch das Deutsche wird nach wie vor im Ausland gelernt – in englischsprachigen Ländern zwar abnehmend, in Osteuropa weiterhin stabil und in China mit sogar steigender Tendenz. Weltweit bereiten sich Menschen – auch durch das Erlernen der deutschen Sprache – auf interkulturelle Kommunikation vor. Und nicht nur das: Innerhalb Deutschlands ist das Deutsche nicht immer die Mutter- oder Familiensprache, sondern oft eine Zweitsprache. Die mit der Vermittlung des Deutschen entstehenden Herausforderungen diskutiert im Juni der Fachverband Deutsch als Fremdsprache (FaDaF) während seiner 39. Jahreskonferenz an der Universität Hildesheim.

Auf der Konferenz geht es um neue Erkenntnisse zur Sprachvermittlung – und das umfasst sehr viel mehr als Wortschatz und Grammatik. Die moderne Forschung berücksichtigt gezielt, dass verschiedene Sprachen und Gesellschaften in bestimmten Situationen durchaus sehr unterschiedliche kommunikative Strategien anwenden: Um ein Nein auszudrücken, sagt man in Deutschland „nein“, in Teilen Asiens aber, man wolle sich bemühen. Die aus reiner Übersetzung resultierenden Probleme sind offenkundig. International belasten sie z.B. Geschäftsverhandlungen, im Inland ist die Chancengleichheit beeinträchtigt, wenn neben Grammatik nicht auch solche kommunikativen Strategien vermittelt werden.

„Professionalisierung tut also Not“, meint deshalb der FaDaF. Denn eine Beschäftigung mit dem Deutschen als Fremd- oder Zweitsprache bedeutet immer, die deutsche Sprache und die deutsche Kultur aus einer fremden Perspektive wahrzunehmen. Lernschwierigkeiten und dem Muttersprachler unbewusste Regelhaftigkeiten sind dabei genauso zu berücksichtigen, wie nur scheinbare Selbstverständlichkeiten der Sprachverwendung als solche zu identifizieren sind. All dies verlangt Forschung und Qualifikation – und eben nicht nur die natürliche Kompetenz eines Muttersprachlers.

Die „Professionalisierung in den Bereichen Deutsch als Fremd- sowie Zweitsprache“ bildet deshalb einen der vier Tagungsschwerpunkte. Ein zweiter, nämlich „authentische interkulturelle Kommunikation“, beschäftigt sich u.a. mit der erwähnten gesellschaftlichen Prägung des Sprachgebrauchs. Verschiedene Lernerperspektiven stehen im Zentrum des dritten Schwerpunkts, nämlich „Sprachlernwege und Sprachlernbiographien“, und konkrete „Unterrichtsmethoden“ bilden den vierten.

Stärker praxis- als forschungsorientiert sind die Foren „Unterrichtspraxis“ sowie „Beruf und Qualifizierung“, in denen sich die Teilnehmer über praktische Erfordernisse austauschen. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs bietet die Tagung darüber hinaus Gelegenheit, laufende Forschungsarbeiten aus dem Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache vorzustellen und zu diskutieren. Ergänzt wird die Tagung durch eine Posterpräsentation, in der verschiedene Projekte zu den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Deutsch als Fremdsprache und Mehrsprachigkeit gezeigt werden.

Fakten zur Konferenz:

Nach der Eröffnung am Donnerstag, 31. Mai 2012, 11.00 Uhr im Audimax hält Kristina Cunningham (EU-Generaldirektion Kultur und Sprachen) um 11.30 Uhr den Eröffnungsvortrag „Deutsch im Rahmen der EU-Sprachenpolitik“.

Am Freitag, 01. Juni, 10.45 bis 13.00 Uhr, findet eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „Aktuelle Anforderungen an die Integrationsträger und deren MitarbeiterInnen aus der Sicht der Politik, Exekutive und Wissenschaft" statt (Hauptcampus, Marienburger Platz 22). Es diskutieren die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Integrationsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Aydan Özoguz, Prof. Dr. Udo Ohm von der Universität Bielefeld sowie Claudia Schanz (angefragt) aus dem Niedersächsischen Kultusministerium. Die Moderation übernimmt Amadeus Hempel, Geschäftsführer des Vereins Interkulturelle Bildung Hamburg (IBH).

Tagungsprogramm online abrufbar

Presseinformation mit Ansprechpartnern für Rückfragen (PDF)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Tagungen & Kongresse
news-4750 Tue, 22 May 2012 16:48:00 +0200 Die Lehrer von morgen https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/die-lehrer-von-morgen/ Wegen der frühen Theorie-Praxis-Verzahnung im Lehramtsstudium ist Dennis Schwark aus Braunschweig angereist. Der 24-Jährige Industriemechaniker hat das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt – mit einem klaren Ziel vor Augen. „Ich möchte Grundschul- oder Realschullehrer werden. Meine Berufserfahrungen können mir vielleicht später in der Schule helfen. Ich glaube die Herausforderungen in der Schule sind groß, dazu gehören die Vielfalt an Sprachen und Kulturen in den Klassen.“ 500 Schülerinnen und Schüler haben in diesem Jahr an der Infowoche der Zentralen Studienberatung teilgenommen. Patrik Hardtmann ist sich „ziemlich sicher“: Er möchte Lehrer werden. Was es bedeutet, Lehrer zu sein? „In der Schule habe ich Mitschülern gerne Zusammenhänge erklärt, in Politik, Geschichte, Deutsch. Ich möchte unterrichten, anderen etwas beibringen, sie beim Lernen unterstützen.“ Dass die Universität Hildesheim so früh Praxisphasen in das Studium integriert– ab dem ersten Semester – und eng mit Schulen zusammenarbeitet, findet der 20-jährige Hildesheimer spannend. „So kann ich Unterricht aus einer anderen, erstmal ungewohnten Perspektive beobachten und früh überprüfen, ob meine Vorstellungen vom Lehrerberuf der Realität entsprechen.“

Auch Ann-Kristin Schüne hat ihre Entscheidung getroffen: sie möchte Grundschullehrerin werden, Englisch und Katholische Religion studieren. Der 18-Jährigen steht noch eine Abiturprüfung bevor. „Ich möchte unbedingt den Studienort kennenlernen, bevor ich mich bewerbe.“ Deshalb nutzt sie das Angebot der Zentralen Studienberatung, während der Infowoche die Universität Hildesheim „live“ zu erleben.

„Sie sind als Mensch gefordert, wirken als Vorbild“, wendet sich Prof. Dr. Schmidt-Thieme an die Schülerinnen und Schülern, die erstmals im Hörsaal der Hildesheimer Universität sitzen und sich Gedanken über Studiengänge und -orte machen. Die meisten stecken noch mitten in den Abiturprüfungen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Hildegard Gornik und Prof. Dr. Peter Frei erklärt die Mathematikprofessorin den Studieninteressierten, worauf das Lehramtsstudium vorbereitet. „In Hildesheim gehen Lehramtsstudierende mit unterschiedlichen Zielen und Aufgaben immer wieder in die Schule, lernen verschiedene Schulformen und die Lehrperspektive kennen.“ Mehrere Praxisphasen durchziehen das Studium. Studierende analysieren Unterricht, ein Video-Fallarchiv wird zum Beispiel ausgebaut.

Wegen der frühen Theorie-Praxis-Verzahnung ist Dennis Schwark aus Braunschweig angereist. „Das spricht für Hildesheim“, sagt er. Der 24-Jährige bringt Berufserfahrungen mit, hat nach der Ausbildung zwei Jahre als Industriemechaniker gearbeitet und das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt – mit einem klaren Ziel vor Augen. „Ich möchte Grundschul- oder Realschullehrer werden“, so Dennis Schwark. „Meine Berufserfahrungen können mir vielleicht später in der Schule helfen. Ich glaube die Herausforderungen in der Schule sind groß, dazu gehören die Vielfalt an Sprachen und Kulturen in den Klassen. Außerdem begleite ich junge Menschen in einer Umbruchphase ihres Lebens“, nähert sich der Braunschweiger dem Lehrerberuf an. „Ich hoffe, dass mich das Studium auf diese Aufgaben vorbereitet. Die Praxisphasen werden helfen.“

Im Zwei-Fächer-Bachelor werde das Fach Deutsch häufig gewählt, sagt Prof. Dr. Gornik. Dabei dürfe die Bandbreite an Aufgaben nicht unterschätzt werden. „Wir freuen uns über Studierende mit Migrationshintergrund, die ihre Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit in die Lehrerbildung einbringen können“, so die Sprachwissenschaftlerin. Der Bereich Deutsch als Zweisprache wird an der Universität Hildesheim ausgebaut, jüngst wurde eine Professur Deutsch als Zweitsprache eingerichtet. Auch der Sportwissenschaftler Peter Frei macht deutlich, dass das Fach Sport weit mehr ist als Turnen und Laufen: „Sportwissenschaft besteht neben Praxis aus einer gehörigen Portion Theorie.“

500 Studieninteressierte haben sich in diesem Jahr über das Studienangebot der Universität Hildesheim im Rahmen der Infowoche der Zentralen Studienberatung informiert. „Informationen über Hochschulen und deren Studienangebot lassen sich bequem von jedem Ort aus im Internet abrufen. Den Studieninteressierten ist jedoch der Eindruck vor Ort wichtig, sie reisen mit Eltern und Freunden an, um von unseren Studierenden Studienerfahrungen ‚aus erster Hand‘ zu erhalten und mit Lehrenden ins Gespräch zu kommen“, sagt Britta Lehradt von der Zentralen Studienberatung. Jörn Schwerdt, der an der Universität Hildesheim Lehramt studiert, möchte studieninteressierten Eltern Mut machen. „Die Universität unterstützt euch, das Studium und die Familie zu vereinbaren, ob bei der kurzfristigen Kinderbetreuung, mit einem Familienraum oder bei der Auswahl und Teilnahme an Lehrveranstaltungen“, so der Vater einer fast zweijährigen Tochter.

Das Team der Zentralen Studienberatung freut sich über das Engagement der Wissenschaftler und Studierenden, die die Fachbereiche in den Themenfeldern Sprache und Kommunikation, Erziehung und Soziales, Kultur und Kunst, Wirtschaft und Informatik und Umwelt vorgestellt haben.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Deutsche Sprache Mathematik & Angewandte Informatik Sportwissenschaft ZSB Studieninteressierte Veranstaltungen
news-4679 Mon, 07 May 2012 15:20:00 +0200 Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/graduiertenkolleg-gender-und-bildung/ Ist die Geschlechterfrage obsolet geworden? Geschlechterordnungen durchziehen nach wie vor alle Ebenen des Bildungssystems, so die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Meike Sophia Baader. Mit einer Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 10. Mai 2012, startet das dreijährige interdisziplinäre Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ an der Stiftung Universität Hildesheim. Geschlechterordnungen durchziehen nach wie vor alle Ebenen des Bildungssystems, so die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Meike Sophia Baader anlässlich der Einrichtung des Graduiertenkollegs „Gender und Bildung“. Diese entscheiden über In- und Exklusionsprozesse und damit über die Verteilung von Lebenschancen und Lebensrisiken. Über die – teilweise subtilen – Mechanismen, wie dies genau funktioniert, wissen wir immer noch relativ wenig, so Baader. „Deshalb ist es erfreulich, dass im Rahmen des Graduiertenkollegs genau zu diesen Fragen geforscht wird. So befasst sich etwa ein Projekt mit nach wie vor erstaunlich stereotypisierenden Darstellung von ‚Männerarbeit‘ und ‚Frauenarbeit‘ in Lehrbüchern.“

Die Forschungsprojekte setzen sich zum Ziel für den Genderdiskurs zu sensibilisieren und gesellschaftliche Verhältnisse zu hinterfragen. Auch an Hochschulen setzt sich die Vorstellung von geschlechtlich konnotierten Fächern, Disziplinen oder Studiengängen fort, daher führt die Universität Hildesheim unter anderem seit 2010 das Projekt „Männer und Grundschullehramt“ am Gleichstellungsbüro durch.

Das dreijährige, interdisziplinäre Graduiertenkolleg startet mit neun Doktorandinnen und läuft bis Dezember 2014. Zu den Forschungsthemen der Nachwuchswissenschaftlerinnen zählen u.a.: Repräsentationen und Konstruktionen von Familie und Geschlecht, die Kulturtechnik des Hochstapelns und ihre geschlechtliche Dimension, kulturelle Bildungsprozesse Älterer, Gender und Theaterpädagogik, gendernde Sprachkonventionen in der Medienpädagogik, gendersensible Didaktik in den Naturwissenschaften und der Wandel von Geschlechterrollen durch den Einfluss formaler Bildung in Südghana.

Die Forschungsarbeiten aus den Bereichen der Erziehungs-, Sozial-, Sprach- Kultur- sowie Naturwissenschaften widmen sich der Frage wie und in welchem Maße Bildung – im engen und weiteren Sinne – normative Ordnungen und damit Geschlechterbilder (re-)produziert und/oder Spielräume eröffnet, diese zu durchbrechen.

Gefördert wird das Kolleg aus Mitteln des Professorinnenprogramms und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Die Stipendiatinnen erhalten finanzielle Unterstützung in Form eines Vollstipendiums sowie wissenschaftliche Förderung durch ein vielfältiges Begleitprogramm. Betreut werden die Stipendiatinnen von sieben Professorinnen und Professoren der Hochschule. Sprecherinnen und Sprecher des Graduiertenkollegs sind Prof. Dr. Meike Sophia Baader (Erziehungswissenschaften), Prof. Dr. Verena Pietzner (Chemie) und Prof. Dr. Toni Tholen (Literaturwissenschaften).

Als eines der wenigen Forschungsprojekte zum Thema Gender bundesweit zeichnet sich das Graduiertenkolleg vor allem durch seine interdisziplinäre Forschungsperspektive sowie durch seine Fokussierung auf Interdependenzen der Kategorien Gender und Bildung aus.

Auftaktveranstaltung am 10. Mai

Grußworte zur Auftaktveranstaltung sprechen am Donnerstag, 10. Mai, ab 14:00 Uhr (Hauptcampus, Musiksaal, Gebäude K, Marienburger Platz 22), Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Silvia Lange. Prof. Dr. Jutta Hartmann, Professorin für Allgemeine Pädagogik und soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin, hält einen Gastvortrag über „Kritisch-dekonstruktive Bewegungen. Zur Verwiesenheit von Gender- und Bildungstheorien“.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Chemie Graduiertenkolleg "Gender und Bildung"
news-4407 Tue, 06 Mar 2012 18:20:00 +0100 Nachtaktiv! Schreibberatung für Studierende mit Langzeitwirkung https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/nachtaktiv-schreibberatung-fuer-studierende-mit-langzeitwirkung/ Nachtaktiv – Studierende der Stiftung Universität Hildesheim verbrachten eine Nacht im Lese- und Schreibzentrum der Universität. Ziemlich ungewöhnlich – doch den Schreibprozessen tut die Abwechslung gut. „Wissenschaftliches Schreiben lernen ist wichtig – nicht zuletzt besteht ein großer Teil der Prüfungen aus schriftlichen Hausarbeiten“, unterstreicht Luisa Jahn, die sich mit dem „EU-Beitritt von Island“ beschäftigte. „Ich war noch nie bei der Schreibberatung. Dann bin ich auf die ‚Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten‘ aufmerksam geworden und finde es irgendwie cool, dass die Schreibberatung auch abends angeboten wird“, sagt Luisa Jahn und blickt zurück in ihr Buch. Es ist 23:00 Uhr, die Lichter am Bühler-Campus brennen, die Laptops laufen neben Bücherstapeln und Salzstangen auf Hochtouren. „Luisa hat mir gerade ihre Gliederung der Hausarbeit gezeigt, es geht um den Beitritt Islands in die EU, ein komplexes Thema. Wir gehen das Konzept nun gemeinsam durch“, erklärt Kristina Klimke. Beide studieren „Internationale Kommunikation und Übersetzen“.

Recherchieren, redigieren und reflektieren – die dritte „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ in Hildesheim bot für Studierende am 1. März 2012 Gelegenheiten, sich gemeinsam über Schreibprozesse auszutauschen. Neben individuellen Schreibberatungen stand die gemeinsame Schreiberfahrung im Fokus.

Die Hälfte der Arbeit ist fertig. Einen weiteren Gliederungspunkt ihrer Gruppenarbeit wollen die beiden Studierenden der Erziehungswissenschaft, Sandra Kuwisch und Gina Franke, in dieser Nacht bearbeiten. „Wir schreiben unsere Hausarbeit zum Thema ‚Studieren mit Kind‘ und werten Interviews mit Hildesheimer Studierenden aus“, erzählt die 21-jährige Franke und freut sich auf den gemeinsamen Austausch mit Kommilitonen und Schreibtutoren. Dass Studierenden Angebote gemacht werden, wissenschaftliches Schreiben zu lernen und Rat von professioneller Seite zu bekommen, findet Sandra Kuwisch wichtig, wie solle sie das sonst erlernen, außer durch trial-and-error? Die Lange Nacht biete einen Anlass, einzusteigen und die Schreibberatung zu „testen“.

Für Kai Gosse dreht sich in dieser Nacht alles um Immanuel Kants Schrift „Zum Ewigen Frieden". Zu Hause hat der Lehramtsstudent für seine Hausarbeit kein Ende gefunden – er nutzt die Chance, unter Gleichgesinnten zum Schluss zu kommen und hofft auf eine Prise Inspiration.

„Wir möchten Schreiblust wecken und wach halten“, unterstreicht  Professorin Dr. Irene Pieper, wissenschaftliche Leiterin des Lese- und Schreibzentrums (LSZ) der Stiftung Universität Hildesheim. „Schreibberatung ist ein Unterstützungsangebot für Studierende – auf dem Weg zum selbstständigen wissenschaftlichen Schreiben.“ „Wir sind natürlich auch tagsüber offen“, sagt die Professorin für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik und hebt hervor, dass das Team des Lese- und Schreibzentrums Gelegenheiten schafft, sich über Schreibprozesse und Schreibvorhaben auszutauschen. Die Schreibberatung werde seit den regelmäßigen Langen Nächten gut angenommen. „Es kommen immer wieder neue Studierende zu uns, mit spannenden Themen und Fragen.“

„Dabei richtet sich das Angebot der Schreibberatung an Studierende aller Fächer“, ergänzt Dr. Ulrike Bohle, wissenschaftliche Mitarbeiterin im LSZ und seit Beginn der Schreibberatung im Jahr 2006 dabei. Besonders der „Austausch auf Augenhöhe“ werde von den Studierenden gut angenommen – .Studierende werden regelmäßig als Schreibtutoren ausgebildet. Eine von ihnen ist Lehramtsstudentin Svenja Stahlkopf. „Man lernt bei jeder Beratung dazu“, unterstreicht sie. Gerade hat sie mit einer Studentin ein Thema im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ eingegrenzt. „Wenn man über Schreibschwierigkeiten oder Herausforderungen spricht, ist der erste wichtige Schritt getan.“

Zur zweiten bundesweiten „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ öffneten deutschlandweit 13 Schreibzentren sowie zwei amerikanische Writing Centers ihre Türen für Studierende. 2011 schrieben an der Universität Hildesheim etwa 120 Studierende bis zum Morgengrauen. Viele nehmen seitdem die reguläre Schreibberatung in Anspruch. Eine vierte Lange Nacht soll Frühjahr 2013 in Hildesheim angeboten werden.

Schreibberatung in der vorlesungsfreien Zeit

Mittwochs von 10:00 bis 12:00 Uhr und donnerstags von 14:00 bis 16:00 Uhr können Studierende zur Schreibberatung in das Lese- und Schreibzentrum am Bühler-Campus kommen (außer in den Wochen vom 19.-23. März und 26.-30. März).

Kontakt: schreibberatung[at]uni-hildesheim.de / Kontakt zu den Schreibtutoren: schreibtutoren[at]uni-hildesheim.de

Schreibwochen vom 19. bis 30. März 2012

Das Lese- und Schreibzentrum (LSZ) bietet vom 19. bis 30. März die Schreibwochen an. Jeden Morgen von 9:00 bis 11:00 Uhr: Input zum wissenschaftlichen Schreiben und Gelegenheit zum Austausch. Den Rest des Tages können Studierende in Gesellschaft an ihrer Arbeit im LSZ weiterschreiben.

Schreibberaterin Jana Zegenhagen im Interview mit dem NDR. Eine Reportage von Jens Otto (3 Min., 02.03.2012)

NDR info Hörfunk-Beitrag (02.03.2012; Beitrag nicht mehr online verfügbar)

„Hildesheimer Nächte sind lang. Ortstermin" Eine Reportage von Lina Sulzbacher in der TAZ - Die Tageszeitung, 06.03.2012 (print und online)

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum Schlüsselqualifikationen
news-4122 Sun, 26 Feb 2012 14:20:00 +0100 Schreiblust wecken / 2. Bundesweite Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten am 1. März https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/schreiblust-wecken-2-bundesweite-lange-nacht-der-aufgeschobenen-hausarbeiten-am-1-maerz/ Neue Chance, der Einsamkeit beim Schreiben zu entfliehen: Das Lese- und Schreibzentrum lädt Studierende am Donnerstag, 1. März 2012, zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ ein. „Wir möchten Schreiblust wecken und wach halten“, unterstreicht Professorin Dr. Irene Pieper. Neben individuellen Schreibberatungen steht der Austausch über Schreibprozesse und die gemeinsame Schreiberfahrung im Fokus. „Oft erscheint Studierenden das Schreiben als Anstrengung oder Last. Gerade wissenschaftliche Hausarbeiten werden schnell zu einer riesigen Aufgabe, die man lieber aufschiebt als angeht“, erklärt Prof. Dr. Irene Pieper, wissenschaftliche Leiterin des Lese- und Schreibzentrums der Stiftung Universität Hildesheim. „Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten ist eine Nacht der guten Gelegenheiten: Studierende und Promovierende können – umgeben von anderen Schreibenden – ihre Schreibprozesse reflektieren, recherchieren, einen Hausarbeiten-Endspurt einlegen oder gemeinsam den roten Faden ihres Textes wiederfinden. Ausgebildete Schreibtutoren unterstützen sie dabei“, sagt die Schreibberaterin Jana Zegenhagen, Mitarbeiterin im Lese- und Schreibzentrum. „Wir möchten die Studierenden bestärken, sich über das Schreiben auszutauschen. Das machen Menschen, die professionell schreiben, auch und das sollte für Studierende ganz selbstverständlich werden. Besonders in dieser Nacht können Sie erleben: Sie sind mit ihren Schreibproblemen, mit ihren guten Ideen und Schreibtricks nicht alleine.“

Zur zweiten bundesweiten „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ öffnen deutschlandweit 13 Schreibzentren am 1. März ihre Türen für Studierende.  Ab 20.00 Uhr bietet das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim Schreibräume, Schreibberatungen, Übungen zu Schreibtechniken und Zeitmanagement. Aktionen wie die Speed-Schreibberatung, Schreibspiele oder ein Nachtspaziergang stehen auf dem Programm. Für ausreichend Kaffee und Verpflegung ist gesorgt, Schlafsäcke für Powernapping können mitgebracht werden. Regelmäßig gibt es Live-Schaltungen in die anderen Schreibzentren.

Das Konzept geht auf, die Nachfrage nach den „Langen Nächten“ an der Universität Hildesheim ist groß. 2011 schrieben etwa 120 Studierende bis zum Morgengrauen. Viele nehmen seitdem die reguläre Schreibberatung in Anspruch. „Jeder kann im Uni-Alltag zur Schreibberatung gehen“, unterstreicht Zegenhagen.

Die beteiligten Schreibzentren – neben Hildesheim sind u.a. Frankfurt/Oder, Göttingen, Bochum und Hannover sowie zwei ‚Writing Centres' in den USA dabei – möchten mit der Aktion auf kreative Art zusammen gegen die verbreitete „Aufschieberitis“ beim Schreiben ankämpfen. Die Studierenden sollen erleben, dass gemeinschaftliches Schreiben und eine gute Atmosphäre dazu beitragen, in den Schreibfluss zu kommen.

Das Lese- und Schreibzentrum
Das Lese- und Schreibzentrum der Stiftung Universität Hildesheim besteht seit vier Jahren. Neben der studentischen Lese- und Schreibberatung werden Workshops rund um das wissenschaftliche Arbeiten für Studierende und Promovierende angeboten und internationale Schreibpartnerschaften (in Kooperation mit dem Institut für Interkulturelle Kommunikation) angestiftet und gepflegt. Im Literarischen Salon finden Lesungen und literarische Gespräche statt. Regelmäßig werden Projekte zum kreativen Schreiben und zur Leseförderung in Schulen durchgeführt. Die Aktivitäten sind mit lese- und schreibdidaktischen Forschungen verbunden.
„Uns ist es wichtig, zu zeigen, wie eng Lesen, Schreiben und Denken miteinander verbunden sind“, so Irene Pieper. „Und wir möchten eine Kultur fördern, in der ein Gespräch über das Schreiben selbst oder über das Lesen und die Literatur als erhellend und beflügelnd erfahren wird. Aus dem Grund leben wir auch einen regen Austausch mit unseren Studierenden, mit Lehrkräften, Schülern und Schülerinnen und mit anderen Leserinnen und Lesern, die sich angesprochen fühlen.“

2. Bundesweite Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Wann?  1. März 2012, 20:0 Uhr bis etwa 03:00 Uhr
Wo?     Lese- und Schreibzentrum, Bühler-Campus der Stiftung Universität Hildesheim (Lüneburger Str./Lübecker Str., 31141 Hildesheim)

Weitere Informationen: www.schreibnacht.wordpress.com 

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Lese- und Schreibzentrum Veranstaltungen
news-3873 Sun, 15 Jan 2012 10:52:00 +0100 Schreibberatung für Studierende https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/schreibberatung-fuer-studierende/ „Vielen Studenten fällt es schwer, wissenschaftliche Texte zu verfassen. Helfen können Schreibzentren", meint Brigitta vom Lehn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verweist auf das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim. Neben der regulären studentischen Lese- und Schreibberatung bietet es am Donnerstag, 1. März 2012, ab 20:00 Uhr wieder eine Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten an. „Vielen Studenten fällt es schwer, wissenschaftliche Texte zu verfassen. Helfen können Schreibzentren, wie sie an Amerikas Hochschulen längst üblich sind. In Deutschland gibt es davon aber erst wenige", stellt Brigitta vom Lehn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fest. „In Hannover und Hildesheim finanzieren sich die Schreibzentren aus Studienbeiträgen, die in Niedersachsen noch erhoben werden. [...] Julia Bachmann studiert im dritten Semester Erziehungswissenschaften an der Universität Hildesheim. Seit drei Jahren gibt es dort ein Lese- und Schreibzentrum, das am Institut für deutsche Sprache und Literatur angesiedelt ist. Die Workshops und Sprechstunden übernehmen studentische Hilfskräfte. Ein- bis zweimal im Jahr veranstalten sie die 'Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten'", heißt es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Zur nächsten bundesweiten „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" am 1. März ab 20:00 Uhr lädt das Lese- und Schreibzentrum in die Räume am Bühler-Campus ein. Neben Hildesheim sind die Schreibzentren der Universitäten in Frankfurt/Oder, Göttingen, Bielefeld, Darmstadt, Bochum, Hannover, Dortmund, Hamburg, Freiburg und Tübingen dabei, berichtet Jana Zegenhagen vom Hildesheimer Lese- und Schreibzentrum. „Vielleicht haben wir sogar Mitstreiter in den USA." Die vorigen Langen Nächte waren ein Renner. Ausgebildete Schreibtutoren beraten Studierende, es gibt Arbeitsmöglichkeiten mit Internet-Zugang, Literatur, Kaffee, einen Ruheraum sowie Auflockerungsübungen.

Das Lese- und Schreibzentrum der Stiftung Universität bietet neben der studentischen Lese- und Schreibberatung verschiedene Workshops rund um das wissenschaftliche Arbeiten für Studierende und Promovierende aller Fächer an. Die Aktivitäten sind mit lese- und schreibdidaktischen Forschungen verbunden.

Schreibberatung für Studenten. Endlich Schreiben lernen (online-Artikel, erschienen in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2012 / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.01.2012)

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum Veranstaltungen
news-3826 Wed, 11 Jan 2012 14:03:00 +0100 Über Analphabetismus https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/ueber-analphabetismus/ Der Fachbereich III, Sprach- und Informationswissenschaften, lädt am Mittwoch, 18. Januar 2012, zur öffentlichen Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Ursula Bredel ein. Die Professorin für deutsche Sprache und ihre Didaktik spricht „Über Analphabetismus“. „Analphabetismus ist nicht nur ein soziales, sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem, das nicht erst im Erwachsenenalter entsteht, sondern bereits in der Schule. Die Professionalisierung von Lehrkräften im Bereich des Schriftspracherwerbs ist deshalb eine der drängendsten Aufgaben in der Lehrerbildung“, erklärt Prof. Dr. Bredel. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Grammatik, Orthographie und Erzählen, jeweils unter fachlicher und didaktischer Perspektive.

Aktuell bietet die Professorin ihren Lehramtsstudierenden Seminare zum Thema „Schriftspracherwerb“ oder „Grammatik für die Schule“ an. „‚Grammatik für die Schule‘ meint mehr als Grammatik für den Grammatikunterricht. Denn Lehrkräfte benötigen grammatisches Wissen auch für die Modellierung des Orthographie-, des Lese- und des Schreibunterrichts, zur Einschätzung von Schüleräußerungen und zur Planung von Fördereinheiten, insbesondere für Kinder mit Deutsch als zweiter Sprache“, erklärt Prof. Bredel. Seit dem Wintersemester 2010/11 ist sie Professorin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Stiftungsuniversität Hildesheim. Zuvor hatte sie von 2002 bis 2005 eine Professur an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, von 2005 bis 2010 eine Professur an der Universität zu Köln inne.

Die Professionalisierung der Lehrerbildung im Bereich des Sprachunterrichts ist Prof. Bredel ein wichtiges Anliegen. 2011 hat sie mit Kollegen aus verschiedenen Hochschulen eine Initiative gegründet, in der Anforderungen an (künftige) Lehrkräfte im Bereich Deutsch als Zweitsprache und Interkulturelle Sprach- und Literaturdidaktik für eine weiterführende bildungspolitische Diskussion konturiert werden.

Jüngst veröffentlichte sie mit weiteren Wissenschaftlerinnen das Buch „Wie Kinder lesen und schreiben lernen“ (Tübingen: Francke). Ende Mai 2012 richtet Prof. Bredel gemeinsam mit Prof. Dr. Stephan Schlickau vom Institut für Interkulturelle Kommunikation die Jahrestagung des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache an der Stiftung Universität Hildesheim aus.

Die öffentliche Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Ursula Bredel findet am Mittwoch, 18. Januar 2012, um 18:15 Uhr in der Aula am Bühler-Campus statt.

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Antrittsvorlesungen
news-3307 Sun, 28 Aug 2011 08:00:00 +0200 Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/lange-nacht-der-aufgeschobenen-hausarbeiten/ Nachts schreiben? Für alle, die ihre wissenschaftlichen Arbeiten abgeben müssen und Lust auf eine produktive Nacht haben, bietet das Lese- und Schreibzentrum (LSZ) am Dienstag, 6. September, ab 20:00 Uhr Unterstützung und Motivation. Das Lese- und Schreibzentrum bleibt die ganze Nacht lang geöffnet. Studierende können dort in produktiver Atmosphäre, umgeben von anderen Schreibenden, einen Hausarbeiten-Endspurt einlegen – oder einen Anfang finden. Für ausreichend Kaffee und Verpflegung ist gesorgt, Schlafsäcke für Powernapping können mitgebracht werden. Ausgebildete Schreibtutorinnen und -tutoren stehen den Schreibenden bei Bedarf zur Seite. Bei der ersten Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten Anfang März 2011 kamen über 70 Studierende, einige hielten bis 6:00 Uhr morgens durch.

Das Lese- und Schreibzentrum der Stiftung Universität Hildesheim besteht inzwischen seit fast drei Jahren. Neben der studentischen Lese- und Schreibberatung werden verschiedene Workshops rund um das wissenschaftliche Arbeiten für Studierende und Promovierende angeboten, im Literarischen Salon finden Lesungen und literarische Gespräche statt, regelmäßig werden Projekte zum kreativen Schreiben und zur Leseförderung in Schulen durchgeführt. Die Aktivitäten sind mit lese- und schreibdidaktischen Forschungen verbunden.

Wo? Bühler-Campus

Wann? Dienstag, 6. September 2011, ab 20:00 Uhr

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum
news-3097 Tue, 28 Jun 2011 15:16:00 +0200 Probleme mit der Kommasetzung? https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/probleme-mit-der-kommasetzung/ Am Freitag, 1. Juli 2011, findet ab 18:00 Uhr die erste Lange Nacht des Kommas statt. Das Institut für deutsche Sprache und Literatur der Stiftung Universität Hildesheim lädt alle Interessierten dazu ein. Das Institut für deutsche Sprache und Literatur der Stiftung Universität Hildesheim lädt alle Interessierten von Jung bis Alt zur „Langen Nacht des Kommas“ ein. Sie bietet allen, die mit der Kommasetzung Schwierigkeiten haben, die Gelegenheit, neue Einsichten in die Praxis der Kommasetzung zu gewinnen. Etwa 20 Studierende des Seminars „Interpunktion“ von Prof. Dr. Ursula Bredel haben sich etwas Besonderes für die Teilnehmenden ausgedacht: In vier verschiedenen Zimmern können sie der Welt des Kommas näherkommen.

In einem historischen Zimmer erhalten sie einen Einblick, woher die Zeichen stammen, werden außerdem in frühere Zeiten versetzt und können sich mit Feder und Tinte ausprobieren. Ein Computerprogramm führt vor Augen, was es bedeutet, wenn man Kommas nicht nur beim Schreiben setzen, sondern wenn man sie auch beim Lesen interpretieren kann.

In dem Zimmer der Kommasetzung werden die drei relevanten Kommapositionen von Expertinnen und Experten erklärt, um anschließend die Kommasetzungsfähigkeit anhand von Übungen zu überprüfen.

Gesine Esslinger, Doktorandin, wird in einem weiteren Zimmer einen Lesetest durchführen. Hier werden die Teilnehmenden erfahren, welchen Effekt das Setzen von Interpunktionszeichen  auf das Verstehen von Äußerungen hat.

Ein viertes Zimmer widmet sich der Didaktik. Es werden nachvollziehbare und verständliche alternative Möglichkeiten zur herkömmlichen Didaktik vorgestellt.

„Sie können in allen Zimmern so viele nützliche Informationen über das Komma erhalten, die Ihnen auf jeden Fall das Leben erleichtern werden. An eine kleine Verköstigung ist gedacht, es werden Ihnen belegte Brötchen in den einzelnen Zimmern gereicht. Wir hoffen, Ihr Interesse geweckt zu haben und freuen uns mit Ihnen auf die Lange Nacht des Kommas“, sagt das studentische Organisationsteam.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie auf der Internetseite www.komma.jimdo.com

Die Veranstaltung findet am Freitag, 1. Juli 2011, von 18:00 Uhr bis 22:00 Uhr im Erdgeschoss des Bühler Campus in den Räumen LN 003 – LN 014 statt.

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Pressemeldungen Deutsche Sprache
news-2842 Mon, 09 May 2011 17:08:00 +0200 Neue Vizepräsidenten der Stiftung Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/neue-vizepraesidenten-der-stiftung-universitaet-hildesheim/ Die Weiterentwicklung von Studiengängen, Verbesserung der Studienbedingungen, Internationalisierung von Forschung und Lehre oder die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuches stehen auf ihrer Agenda: Vizepräsidentin für Lehre und Studium ist Prof. Dr. Katrin Hauenschild, Vizepräsident für Internationalisierung ist Prof. Dr. Thomas Lange. Prof. Dr. Toni Tholen wurde als Vizepräsident bestätigt und wechselt vom Ressort Lehre in das Ressort Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs. In seiner Sitzung vom 27. April 2011 hat der Senat der Stiftung Universität Hildesheim auf Vorschlag des Präsidenten die neuen nebenberuflichen Vizepräsidenten bestätigt. Der Stiftungsrat der Stiftung Universität Hildesheim entschied positiv über den Vorschlag. Die Amtszeit der nebenberuflichen Vizepräsidenten beträgt zwei Jahre.

Die erste Sitzung des Präsidiums mit den neuen nebenberuflichen Vizepräsidenten fand am Mittwoch, 4. Mai 2011, im Präsidium statt. Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim erklärte: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit und danke dem Senat und dem Stiftungsrat für Ihre Zustimmung. Die weitere Verbesserung der Studienbedingungen, die Stärkung der Forschungsstrukturen und die Internationalisierung von Forschung und Lehre stehen auf der Agenda.“

„Die Weiterentwicklung von Studiengängen gehört zu meinen zentralen Aufgaben. Dabei möchte ich den Bologna-Prozess fortsetzen und mich für studierendenzentrierte und partizipative Lehr-Lernformen einsetzen. Die Entwicklung des viersemestrigen Masterstudiengangs für das Lehramt sehe ich für die Stiftung Universität Hildesheim als große Chance, praxisorientiertes forschendes Lernen im Studium weiter zu verankern“, erklärt Vizepräsidentin Hauenschild.

Prof. Dr. Katrin Hauenschild ist seit 2006 Professorin für Grundschuldidaktik und Sachunterricht und seit 2008 Vorsitzende des Forums Fachdidaktische Forschung der Stiftung Universität Hildesheim. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in der Grundschulpädagogik, der Lehr-Lernforschung und Kindheitsforschung sowie im fachübergreifenden Aufgabenfeld Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Ab April 2011 ist Hauenschild Vizepräsidentin für Lehre und Studium.

„Die Stiftung Universität Hildesheim soll als Standort internationaler Vernetzung sichtbar werden, an dem Wissenschaftler und Studierende aus aller Welt zusammenkommen und im gemeinsamen Lernen, Lehren und Forschen einen internationalen und interkulturellen Wissensaustausch pflegen“, betont Vizepräsident Lange.

Prof. Dr. Thomas Lange ist seit dem Wintersemester 2008/09 Professor für Geschichte und kulturelle Praxis der Bildenden Kunst und Direktor des Instituts für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim. Zuvor hatte er von 2003 bis 2008 eine Assistenz-Professur am Kunsthistorischen Institut der Universität von Amsterdam, Niederlande, inne. Ab April 2011 ist Lange Vizepräsident für Internationalisierung.

„Ich möchte in meiner Amtszeit dazu beitragen, die bereits bestehenden Einrichtungen und Maßnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu vernetzen und weiter auszugestalten“, erklärt Vizepräsident Tholen und ergänzt: „Zudem wird der Ausbau der Kontakte zu wichtigen Forschungsorganisationen wie vor allem zur Deutschen Forschungsgemeinschaft im Fokus meiner Arbeit stehen.“

Prof. Dr. Toni Tholen ist seit April 2008 Professor für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik mit dem Schwerpunkt Literaturwissenschaft am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Stiftung Universität Hildesheim. Von April 2009 bis April 2011 hatte er das Amt des Vizepräsidenten für Lehre inne. Ab April 2011 ist Tholen Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Tholen war Vorsitzender der Fachbereichsübergreifenden Studienkommission Lehramt und Bologna-Koordinator der Stiftung Universität Hildesheim. In letztgenannter Funktion: koordinierte er die Weiterentwicklung der Studiengänge der Stiftungsuniversität im Kontext des Bologna-Prozesses. Er hatte die Federführung bei der Umsetzung von Korrekturen am Bologna-Prozess und bei der Etablierung eines ein Mal jährlich stattfindenden Dies academicus inne. Am Reformprozess des Masterstudiums im Lehramt innerhalb niedersächsischen Verbundes für Lehrerbildung hat er maßgeblich mitgewirkt.

Der Präsident dankte Dr. Margitta Rudolph für Ihr Engagement als Vizepräsidentin für Weiterbildung sowie Prof. Dr. Stephan Porombka für sein Engagement als Vizepräsident für Forschung. „Frau Dr. Rudolph verdanken wir u.a. den Weiterbildungsstudiengang Inklusive Pädagogik und dessen europäische Vernetzung und Prof. Porombka hat das Qualitätsmanagement als festen Bestandteil der Hochschularbeit etabliert. Dazu zählt besonders die Evaluation von Lehre und Studienbedingungen“, betonte der Präsident.

Auf einem Blick:

Dem Präsidium der Stiftung Universität Hildesheim gehören an:

Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident

Dr. Christoph Strutz, Hauptberuflicher Vizepräsident

Prof. Dr. Katrin Hauenschild, Vizepräsidentin für Lehre und Studium

Prof. Dr. Thomas Lange, Vizepräsident für Internationalisierung

Prof. Dr. Toni Tholen, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs

 

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Präsident Pressemeldungen Grundschuldidaktik und Sachunterricht Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Deutsche Sprache
news-2467 Fri, 25 Feb 2011 12:10:00 +0100 Bundesweite „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/bundesweite-lange-nacht-der-aufgeschobenen-hausarbeiten/ Zusammen schreibt man weniger allein – vom 10. auf den 11. März 2011 findet die erste bundesweite Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten statt. Das Schreibzentrum der Stiftung Universität Hildesheim ist bis 7 Uhr morgens geöffnet. Ausgebildete Schreibtutoren, Arbeitsmöglichkeiten mit Internet-Zugang und ausreichend Kaffee stehen den Studierenden zur Verfügung – zusammen schreibt man weniger allein. Alle Semesterferien wieder: Tausende Studierende sitzen allein an ihren Haus- und Abschlussarbeiten. Viele von ihnen haben wahrscheinlich so lange ein Motivationsproblem, bis sie ein Zeitproblem haben: sie warten bis kurz vor Abgabe, um an ihren Arbeiten zu schreiben. Gegen diese Aufschieberitis möchten sechs Schreibzentren gemeinsam etwas tun: In einer bundesweiten Aktion laden sie daher am Donnerstag, 10. März 2011 zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ unter dem Motto „From Dusk till Dawn“ (Von der Abenddämmerung bis zum Tagesanbruch) ein.

Im Lese- und Schreibzentrum der Stiftung Universität Hildesheim entstand während der 3. Konferenz für studentische Schreibberater die Idee, diese im Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina bereits äußerst erfolgreich eingeführte Lange Nacht überregional zu veranstalten: Zusammen schreibt man weniger allein. Bisher beteiligen sich die Schreibzentren der Europa-Universität Viadrina, der Georg-August-Universität Göttingen, der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Darmstadt, der Universität Bielefeld und der Stiftung Universität Hildesheim.

„Oft erscheint Studierenden das Schreiben als Anstrengung. Und gerade wissenschaftliche Hausarbeiten werden schnell zu einer riesigen Aufgabe, die man dann lieber aufschiebt als angeht“, erzählt Prof. Dr. Irene Pieper, wissenschaftliche Leiterin des Lese- und Schreibzentrums und Direktorin des Instituts für deutsche Sprache und Literatur. „Dabei kann Schreiben auch Spaß machen: wenn sich jemand für meine Ideen interessiert, wenn die Gedanken fließen und sich die Seite füllt, wenn ich etwas raus finde und darüber sprechen kann. Tatsächlich hilft es auch zu wissen, dass andere gerade hartnäckig bei der Sache sind. Dafür ist die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten das ideale Setting“, fügt die Professorin hinzu.

Das Schreibzentrum am Bühler-Campus bleibt die ganze Nacht lang offen. Studierende können dort in produktiver Atmosphäre, umgeben von anderen Schreibenden, einen Hausarbeiten-Endspurt einlegen – oder einen Anfang finden. Für ausreichend Kaffee und Verpflegung ist gesorgt, Schlafsäcke für Powernapping können mitgebracht werden. Ausgebildete Schreibtutorinnen und -tutoren stehen den Schreibenden bei Bedarf zur Seite. Abgerundet wird die Nacht durch ein Programm mit Schreibspielen, Schreibtisch-Gymnastik, einem Nachtspaziergang, einem Morgenritual und regelmäßigen Live-Schaltungen in die anderen Schreibzentren, damit alle bis zum Frühstück um 7 Uhr durchhalten. Die Veranstalter hoffen, dass ihr Beispiel Schule macht. Dass sich weitere Schreibzentren an der Langen Nacht beteiligen, ist ausdrücklich erwünscht.

Das Lese- und Schreibzentrum der Stiftung Universität Hildesheim besteht inzwischen seit fast drei Jahren. Neben der studentischen Lese- und Schreibberatung werden verschiedene Workshops rund ums wissenschaftliche Arbeiten für Studierende und Promovierende angeboten, im Literarischen Salon finden Lesungen und literarische Gespräche statt, regelmäßig werden Projekte zum kreativen Schreiben und zur Leseförderung in Schulen durchgeführt. Die Aktivitäten sind mit lese- und schreibdidaktischen Forschungen verbunden.

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum
news-177 Fri, 01 Oct 2010 11:22:00 +0200 Neue Besucheradresse https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/neue-besuche/ Neue Besucheradresse des Instituts für deutsche Sprache und Literatur ab 13.9.2010: Neubau, Bühler-Campus, Lübecker Straße 3, 31141 Hildesheim

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Deutsche Sprache
news-176 Fri, 01 Oct 2010 11:20:00 +0200 Lektüre und Portfolio https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/lektuere-und/ HIER gibt es aktuelles Material zum Download.

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Deutsche Sprache
news-175 Fri, 01 Oct 2010 11:16:00 +0200 Aktuelle Modulhinweise https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/aktuelle-mod/ Hinweise zur überarbeiteten Studienordnung für BA-Studierende im Fach Deutsch mit Lehramtsoption:

Ab dem Wintersemester 2008/09 tritt für all diejenigen Studierenden, die seit dem WS 2007/08 (und später) für das Fach Deutsch immatrikuliert sind, eine überarbeitete Studienordnung (redaktioneller Stand: 03.11.2008) in Kraft.

Die Veränderungen betreffen im BA-Studiengang vor allem das Aufbaumodul III und das Vertiefungsmodul. Im Bereich des Aufbaumoduls III müssen insgesamt 3 Lehrveranstaltungen besucht werden (1 Seminar und 2 Übungen; von den Übungen liegt die eine im Bereich der Lese-, Schreib- oder Unterrichtspraxis. Sie kann auch als Projekt durchgeführt werden). Bitte lesen Sie dazu genau die auf der Homepage des Instituts für deutsche Sprache und Literatur veröffentlichte neue Fassung der Studienordnung.

Alle Studierende, die vor dem WS 2007/08 im Fach Deutsch immatrikuliert waren, studieren nach der "alten" BA-Studienordnung, d.h. im Aufbaumodul III mit 2 Seminaren und 1 Übung und in der Vertiefungsphase entweder im Bereich "Sprache" (2 Seminare) oder im Bereich "Literatur" (2 Seminare).


Hinweise zur Seminarbelegungspflich im Fach Deutsch im M.Ed.:

All diejenigen, die das Fach Deutsch im M.Ed. studieren, informieren sich über ihre Belegungspflichten bitte über die auf der Homepage des Instituts veröffentlichte Studienordnung. Ein Hinweis hierzu:

Die Studierenden mit dem Schwerpunkt "Lehramt an Grund- und
Hauptschulen (GH)" studieren die Module I und II und das Modul
"Didaktik des Erstunterrichts".

Die Studierenden mit dem Schwerpunkt "Lehramt an Realschulen (R)"
studieren die Module I und III.


Hinweis zum Basismodul III im BA-Studium Deutsch:

Zur erfolgreichen Absolvierung des Studiums im Basismodul III muss die Vorlesung: Einführung in die Fachdidaktik sowie ein (!) Seminar entweder aus dem Bereich der Sprach- oder aus dem Bereich der Literaturdidaktik belegt werden. Also: Bei den Seminaren besteht Wahlfreiheit zwischen einer Einführung in die Sprach- oder Literaturdidaktik.

 

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Deutsche Sprache
news-1040 Wed, 22 Apr 2009 00:00:00 +0200 Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim öffnet im eigenen Raum https://www.uni-hildesheim.de/fb3/institute/idsl/aktuelles/detailansicht/artikel/das-lese-und-schreibzentrum-der-universitaet-hildesheim-oeffnet-im-eigenen-raum/ Mit einem Tag der offenen Tür und einer Lesung eröffnete das Lese- und Schreibzentrum im eigenen Raum. Am 21.4.2009 eröffnete das Lese- und Schreibzentrum im eigenen Raum: 'G 204' am Hauptcampus an der Marienburger Höhe konnte von Uni-Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich, Professorin Irene Pieper, Dekan Friedrich Lenz und Professor Toni Tholen seiner Bestimmung übergeben werden. Damit geht die Arbeit des Lese- und Schreibzentrums ins dritte Semester.

 

Erklärtes Ziel der noch jungen Einrichtung ist zunächst die Förderung der Lese- und Schreibkultur für die Zielgruppen der (Lehramts-)Studierenden, Schüler und Lehrer. Damit trägt das Lese- und Schreibzentrum dazu bei, dass Einstellungen zur und Erfahrungen mit Schriftkultur – auch im Literarischen – die eigenen Praxen und Fähigkeiten künftiger Lehrer und Lehrerinnen, nicht nur des Faches Deutsch, maßgeblich prägen. An die Arbeit des Lese- und Schreibzentrums schließen sich unterschiedliche Forschungsvorhaben an, die die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen betreffen.

Darüber hinaus umfasst das Angebot des Lese- und Schreibzentrums auch Veranstaltungen im Bereich des literarischen Lebens: Der literarische Salon, der in Kooperation mit der Uni-Bibliothek, dem Gerstenberg- und dem Wallstein-Verlag durchgeführt wird, erlebte im vergangenen Semester große Resonanz.

Am 21.4. wurde diese Reihe in der Lese-Lounge ab 18 Uhr mit der Autorin Tanja Dückers fortgesetzt. Tanja Dückerslas aus ihrem Roman "Himmelskörper" und stand für ein Gespräch zur Verfügung.

Mehr Informationen, sowie das komplette Programm des "literarischen Salons" finden Sie unter:

http://www.uni-hildesheim.de/de/leseschreibzentrum.htm

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum