Forschungskolloquium

Forschungskolloquium des FB 3

Dienstags ab 18.05 Uhr 

in Raum L068 (abwechselnd mit dem Kolloquium des IdSL)

Koordination: Prof. Dr. Bettina Kluge und Dr. Marco Agnetta

Programm im Wintersemester 2019/20

29.10.2019 [Runder Tisch Digitalisierung - Griesbaum]
12.11.2019 Behnaz Roshanipour Grammar Learning Strategies and Language Achievement
26.11.2019 Elke Montanari Lexical Diversity als Indikator für Wortschatz in Texten von Schülerinnen und Schülern. Ein Forschungsvorhaben
10.12.2019 Gesa Schole Ambiguität an der Semantik-Pragmatik-Schnittstelle in spanischen und deutschen Dialogen
07.01.2020 Stefanie Siebenhütter Der Einfluss von sozialer Schicht und Geschlechterrollen auf sprachliche Kompetenzen von mehrsprachigen Minderheitensprechern in Thailand
21.01.2020 Eva Lacroix Vortrag zur Audiodeskription
04.02.2020 Thomas Mandl, Johannes Schäfer und Sylvia Jaki Automatisierte Erkennung von Hate Speech
An einem Vortrag Interessierte können sich bitte bei Prof. Dr. Kluge (klugeb@uni-hildesheim.de) melden.

Aktueller Vortrag: Ambiguität an der Semantik-Pragmatik-Schnittstelle in spanischen und deutschen Dialogen

Dienstag, 10.12.2019, 18.05 Uhr in L068: 

Gesa Schole: Ambiguität an der Semantik-Pragmatik-Schnittstelle in spanischen und deutschen Dialogen

Zwischenmenschliche Kommunikation ist durch das Prinzip des kleinsten gemeinsamen Aufwands charakterisiert, d.h. sowohl Sprecher als auch Hörer verhalten sich ökonomisch in Bezug auf Informationsproduktion und -interpretation (Clark & Wilkes-Gibbs 1986). Jegliche Mensch-Mensch-Kommunikation ist somit gekennzeichnet durch Ambiguität, Vagheit und Unterspezifikation. Inwieweit diese Auswirkungen auf den Gesprächsverlauf und bleibende Missverständnisse haben, lässt sich sehr gut anhand von räumlichen Relationen nachvollziehen.

In der vorliegenden Dialogstudie sollten jeweils spanische und deutsche Erstsprachler die Einrichtung eines Puppenhauses beschreiben und ein leeres Puppenhaus entsprechend einrichten. Video- und Audiodaten sowie Transkripte ermöglichen eine genaue Analyse der potenziellen, der aktualisierten und der von den Teilnehmern wahrgenommenen Ambiguitätsfälle. Interessant ist u.a. der Ambiguitätstyp, der in diesem Setting vorwiegend eine Rolle spielt: klassisch wurde Ambiguität sprachsystembasiert untersucht. Ausdrücke, die im System als ambig verankert sind, wie z.B. Homonyme, spielen in dem vorliegenden Korpus allerdings keine Rolle. Der untersuchte Ambiguitätstyp ist an der Semantik-Pragmatik-Schnittstelle anzusiedeln und entsteht ausschließlich in der spezifischen Dialogsituation. Ausgelöst wird diese raum-referentielle Ambiguität in erster Linie durch Unterspezifikation und in Einzelfällen durch Polysemie. Potenziell läuft seine Auflösung über Weltwissen, Kontextfaktoren und  dialoginterne Schlussfolgerungen ab. In manchen Fällen ist diese Auflösung jedoch für den Hörer zu unsicher und bedarf einer expliziten Klärung (Dialogstrategien). Als Untertyp der zu etablierenden pragmatischen Ambiguität ist die raum-referentielle Ambiguität eine fundamentale Erweiterung der klassischen Ambiguitätsforschung.