Sprache verbindet und gestaltet: Der Talking September am Fachbereich für Sprach- und Informationswissenschaften
Dienstag, 30. September 2025 - 11:59 Uhr
Im September wurde die Universität Hildesheim zum Treffpunkt der internationalen Sprachforschung: Im Talking September fanden gleich vier wissenschaftliche Tagungen am Fachbereich für Sprach- und Informationswissenschaften statt. Forschende aus über zehn europäischen Ländern und darüber hinaus – von den USA und Mexiko bis nach China und Saudi-Arabien – kamen vor Ort und online zusammen, um zentrale Entwicklungen, drängende Zukunftsfragen und innovative Lösungen rund um Sprache zu diskutieren. Im Mittelpunkt: Die Sprache selbst – als Erkenntnisinstrument, als Werkzeug gesellschaftlicher Teilhabe, als Motor technologischer Innovationen und als Schlüssel zur globalen Verständigung.
KONVENS: Innovation in der Computerlinguistik
Im Rahmen der KONVENS, einer der führenden Tagungen für Computerlinguistik und Sprachtechnologien, lag der Schwerpunkt auf den Chancen und Herausforderungen, die Künstliche Intelligenz (KI) für die Zukunft der Sprache eröffnet. Im Austausch diskutierten die Teilnehmenden, wie maschinelles Lernen Übersetzungen präziser und Kommunikationsprozesse gerechter und inklusiver macht. Sie widmeten sich Fragen der Textvereinfachung, der Erkennung diskriminierender Sprache und den ethischen Dimensionen in der Anwendung von KI. Die Diskussion zeigte: Entwicklungen wie Explainable AI, neue Korpusressourcen und der Brückenschlag zwischen Forschung und Alltagsanwendungen können einen Beitrag leisten, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Diskurse zu stärken.
UCCTS: Brücke zwischen Übersetzungswissenschaft und kontrastiver Sprachwissenschaft über Korpora
Die internationale Konferenz UCCTS bot einen Raum, um empirisch gestützte Forschung zu Sprachvergleich und Übersetzung weiterzudenken. Im Fokus standen innovative Methoden, etwa die Kombination elektronischer Korpora mit Eye-Tracking oder der Einsatz von maschinellem Lernen, die neue Perspektiven auf Übersetzungsqualität und kognitive Prozesse ermöglichen. Weitere Fragestellung: Wie kann man KI effizient und harmlos im Übersetzungsprozess und der Sprachmittlung einsetzen? Im Fokus standen dabei die klassischen Formen wie das schriftliche Übersetzen sowie Simultandolmetschen, Untertitelung, Audiodeskription, Übersetzung in Einfache oder Leichte Sprache und weitere Formen barrierefreier Kommunikation wie beispielsweise Gebärdensprache.
EBSN: Literatur als Raum gesellschaftlicher Veränderung
Mit der Jahrestagung des European Beat Studies Network (EBSN) öffnete sich ein Fenster zur kulturellen und politischen Gegenwart. Die Beschäftigung mit der Beat Generation - einer amerikanischen Literatur- und Kulturbewegung der 1950er Jahre - zeigte: Fragen nach Identität, Protest und globalen Netzwerken sind heute so aktuell wie damals. Mit dem Austausch über literarische Übersetzungen und das Verhältnis von Materialismus und Spiritualität nahmen die Teilnehmenden neue Impulse zur gesellschaftlichen Reflexion durch literaturwissenschaftliche Forschung mit nach Hause.
GAL: Sprache, Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Die Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) zeigte, wie Sprachwissenschaft gesellschaftliche Prozesse aktiv mitgestaltet. Im Zentrum standen Themen wie Migration und Mehrsprachigkeit, die Rolle digitaler Medien für demokratische Bildung sowie der Einsatz von KI in Didaktik, Schreibwissenschaft und Übersetzungsforschung. In Keynotes und Diskussionsforen wurde deutlich: Forschung zu Gesprächs- und Medienlinguistik, zur Demokratiebildung und zu sprachdidaktischen Ansätzen liefert Fachwissen und schafft Grundlagen für gesellschaftliche Teilhabe, Integration und globales Miteinander.
Zukunft gestalten: Herausforderungen, Chancen und Beteiligung
Das Ergebnis aus dem Talking September: „Sprache begleitet nicht passiv, sondern prägt die Entwicklungen der aktuellen Zeit,“ sagt Prof. Dr. Beatrix Kreß, Professorin für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Hildesheim und Dekanin des Fachbereichs. „KI, Mehrsprachigkeit, Inklusion und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind weder abstrakte Schlagworte noch reine Forschungsfragen, sie bestimmen das Miteinander an Hochschulen und in der Gesellschaft.“ Die im Rahmen der Tagungen geknüpften Netzwerke, gestarteten Projekte und entwickelten Ideen gehen über den akademischen Kontext hinaus: Sie fließen in Bildungspraxis, Medienlandschaft, politische Diskurse und internationale Kooperationen ein.