Im Kita-Alltag Sprache lernen – wie Fachkräfte dabei helfen können

Freitag, 08. Januar 2021 um 20:02 Uhr

In einem Vortrag am 12. Januar stellen Dr. Tanja Salem und Barbara Graßer am Beispiel von zwei Sprachbildungsprofis ihre Analysen zu den situationsspezifischen Fähigkeiten und zur Interaktionsqualität in mehrsprachigen Kitas vor. Prof. Elke Montanari und Prof. Drorit Lengyel (Universität Hamburg) leiten gemeinsam dieses Verbundprojekt.

Wie können pädagogische Fachkräfte Kinder in mehrsprachigen Kitas am besten beim Spracherwerb unterstützen? Das ist Thema des BMBF-Verbundprojekts "Sprachbildungsprofis in mehrsprachigen Kitas". Foto: Pixabay

Bei der kindlichen Aneignung von Sprache(n) spielen Interaktionen mit Bezugspersonen – zum Beispiel in den Kindertagesstätten – eine wichtige Rolle. In Kita-Gruppen mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, so zeigen es vorangegangene Studien, gelingt es den pädagogischen Fachkräften jedoch vielfach nicht, eine hohe Interaktionsqualität vorzuhalten. Zu diesem Thema forschen Prof. Elke Montanari und Barbara Graßer im Verbund mit den Hamburger Kolleginnen Prof. Drorit Lengyel und Dr. Tanja Salem – einen ersten Zwischenbericht stellen die Wissenschaftlerinnen am 12. Januar  ab 18.05 Uhr per Videokonferenz im Forschungskolloquium des Fachbereichs 3 vor. 

„Das Besondere an diesem Projekt ist aus meiner Sicht, dass hier detaillierte Aufnahmen von Interaktionen in Kindertagesstätten gemacht wurden und dass diese interdisziplinär sowohl aus linguistischer als auch aus pädagogischer Sicht analysiert werden“, sagt Montanari. „Die Hauptergebnisse sind, dass es eine große Bandbreite sprachförderlicher Interaktionsformen gibt.  Es gibt also nicht das eine Mittel, zum Beispiel die offene Frage, die immer sinnvoll einzusetzen wäre. Vielmehr gibt erst das kindgerichtete, differenzierte Agieren mit vielfältigen spracherwerbsorientierten und verstehenssichernden Mitteln den Kindern den Raum, ihre Sprache in der Interaktion zu entwickeln.“

Es gebe nicht die eine Situation, die per se und immer sprachförderlich sei, erläutert Sprachwissenschaftlerin Montanari. Viele alltägliche Gelegenheiten könnten Raum für Gespräche geben, beispielsweise kann das Tischdecken eine intensive kommunikative Erfahrung sein, daneben gibt es aber auch Aufnahmen der gleichen Aktivität, die wenig Interaktion ermöglicht. „Kindliche Sprachentwicklung ist also immer von der Möglichkeit geprägt, in sinnvolle sprachliche Handlungen einzutreten.“

Ziel des BMBF-Verbundprojekts "Sprachbildungsprofis in mehrsprachigen Kitas (SprabiPiKs)" der Universität Hamburg und der Stiftung Universität Hildesheim ist es, aus interkulturell-erziehungswissenschaftlicher und linguistischer Perspektive zu untersuchen, wie die situationsspezifischen Fähigkeiten (Wahrnehmung, Interpretation und Handlungsplanung) von frühpädagogischen Fachkräften und die Bedingungen in den Einrichtungen bzw. ihrem Umfeld mit der Qualität der Fachkraft-Kind-Interaktionen zusammenhängen. An dem Projekt sind sechs Hamburger Kitas beteiligt, in denen (mindestens) eine Fachkraft ein Sprachbildungsprofi ist: also eine Person, die über ein hohes sprachförderbezogenes Wissen, gemessen mit dem Instrument SprachKoPF, verfügt. Alle Kitas liegen in Stadtteilen mit einem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund von über 40 Prozent. Der empirische Teil der Studie konnte vor den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie abgeschlossen werden.

 


Prof. Elke Montanari. Foto: Martina Henschke