Die neun Leben des William Shakespeare

Sonntag, 03. Juni 2012 um 09:13 Uhr

Autor der neuen Shakespeare-Biographie spricht auf Hildesheimer Shakespeare-Tagung. Prof. Dr. Graham Holderness ist weit über die Grenzen seines Fachs als Shakespeare-Spezialist anerkannt.

Die Shakespeare-Biographie von Graham Holderness wurde kurz nach ihrem Erscheinen im Dezember 2011 als herausragende Shakespeare-Biographie gefeiert. Die Kritiker übertrafen sich mit Lob für Nine Lives of Shakespeare, da Holderness als erster Biograph in seiner Darstellung durchgehend klar zwischen gesicherten Fakten, Traditionen und Spekulationen trennt. Ein Kritiker bezeichnete das Werk als das beste Buch über Shakespeare seit Anthony Burgess' Shakespeare-Biographie aus dem Jahre 1964. Graham Holdesness wird seine Erkenntnisse auf der Hildesheimer Shakespeare-Tagung Mitte Juni an der Universität vorstellen.

„Holderness entwirft ein Kaleidoskop an Lebensentwürfen eines engagierten Bühnenautors, der in verschiedenen Kollaborationen geniale Werke kreiert. Jedes der neun Kapitel seiner Biographie besteht aus einem kurzen Abriss der gesicherten Fakten, Traditionen und Spekulationen und einer daran anschließenden Geschichte, in dem der selbst als Dramatiker, Dichter und Romanschriftsteller anerkannte Englisch-Professor seine Fantasie spielen lässt. Wir lernen Shakespeare unter anderem als Schriftsteller, Schauspieler, Geschäftsmann, liebenden Ehemann, Homosexuellen und Katholiken kennen", erläutert Prof. Dr. Stefani Brusberg-Kiermeier, die die Tagung am Institut für Englische Sprache und Literatur ausrichtet.

Ähnlich wie Roland Emmerichs Film Anonymous erschafft Holderness in seinen Geschichten spekulative Fiktionen, wie Shakespeares Leben hätte verlaufen können. Im Film werden die Theaterstücke jedoch als alleinige, heimlich geschriebene Werke des 17. Earl of Oxford, Edward de Vere, dargestellt und auf ihre Funktion als politische Propaganda einer rückwärtsgewandten Aristokratie reduziert. So wird zum Beispiel Hamlet zu einem transparent lesbaren Schlüsselroman deklassiert. „Emmerichs Sicht verflacht und verengt das Interpretationsspektrum der Werke Shakespeares und schließt die vielfältigen symbolischen Bedeutungsdimensionen aus. Außerdem gehört mein Shakespeare auf die Bühnenbretter und die Straße und nicht ins Studierzimmer", erklärt der Englisch-Professor von der University of Hertfordshire. Holderness ist weit über die Grenzen seines Fachs als Shakespeare-Spezialist anerkannt und gewähltes Mitglied der English Association, der Royal Society of Arts und der Royal Society of Medicine.

Prof. Dr. Graham Holderness spricht auf Englisch über Shakespeares Leben am Freitag, den 15. Juni von 9 bis 10 Uhr in der Aula des Bühler-Campus. Der Vortrag wird - ebenso wie die Vorträge von Prof. Dr. Aleida Assmann am Donnerstag, 14. Juni um 14 Uhr, und von Prof. Dr. Hugh Grady am Samstag, 16. Juni um 9 Uhr - von LITradio Hildesheim aufgezeichnet.