MA Inszenierung der Künste und der Medien

Inszenierungen sind in sämtlichen kulturellen Bereichen gegenwärtig. Sie prägen unseren Alltag, sind in den Medien präsent, zeigen sich in der Politik und können zugleich als ausgewiesene künstlerische Verfahren gelten, die im Kino, im Theater, im Fernsehen und in Museen praktiziert werden. Man kann Inszenierungen als Zuschauer erleben oder sie als Möglichkeit nutzen, Kultur selbst aktiv zu gestalten.

Das Hildesheimer Modell

Der Master-Studiengang »Inszenierung der Künste und der Medien« will beides. Er wendet sich an Studierende, die eine wissenschaftlich-künstlerische Doppelperspektive einnehmen können, um die Vielfalt von Inszenierungen sowohl zu entdecken und zu analysieren als auch selbst Inszenierungen zu initiieren und durchzuführen. Er richtet sich daher an neugierige Studierende, die über ästhetische Kompetenz verfügen und sich für die künstlerische Praxis ebenso begeistern wie für deren kritisch-theoretische Reflexion.

Im Zentrum des Studiums steht die Durchführung eines eigenen Projekts, das sowohl wissenschaftliche als auch künstlerische Anteile haben kann (»Forschungsprojekt«). Gemeinsam mit einem Mentor werden Sie über die vier Semester des Studiums bei der Planung, Durchführung und Auswertung ihres Projekts begleitet sowie intensiv und individuell betreut. Flankiert wird dieser Kernbereich des Studiums durch Module, die umfassende Kenntnisse über die Theorie, Geschichte und Praxis von Inszenierungen vermitteln. Hierbei werden die grundlegenden Erscheinungsweisen und Produktionsbedingungen von Inszenierungen reflektiert, die Techniken des Inszenierens erprobt und die Verfahren zur Analyse von Inszenierungen angewendet. Spezielle Gegenstandsbereiche des Studiengangs sind die Medienpraxis, Film und Fernsehen, Theater und Performancekunst, Museumsforschung, Bildende Kunst und kuratorische Praxis, Inszenierungen von Musik sowie die populäre Kultur der Gegenwart. Die Studierenden wählen ein künstlerisches Schwerpunktfach (Theater, Musik, Bildende Kunst oder Medien/populäre Kultur) für ihr Forschungsprojekt, in dem sie spezielle Kenntnisse, Fertigkeiten und Techniken erlernen. Zugleich sollen sie über die Bereitschaft verfügen, ihren eigenen Blick für interdisziplinäre Fragestellungen zu weiten. Die interdisziplinäre Ausrichtung sowie der wechselseitige Bezug von Theorie und Praxis sind Markenzeichen der kulturwissenschaftlichen Studiengänge in Hildesheim. Dies zeigt sich auch am Aufbau des aus fünf Studienbereichen bestehenden Studiengangs. Der Master Inszenierung der Künste und Medien qualifiziert somit für vielfältige Berufsfelder im Bereich von Kunst und Kultur.

 

Interdisziplinarität

Die Leitthese ist, dass Inszenierungsverfahren nicht auf einzelne Kunstformen reduziert werden können. Das Inszenieren von Personen, Objekten, Räumen und Situationen stellt eine kulturelle Praxis eigener Art dar, die in unterschiedlichen Medien und Gattungen zur Anwendung kommt.
Im Studium werden deshalb auch die Wechselwirkungen und  Transformationen von Inszenierungsweisen zwischen unterschiedlichen Medien und Formaten untersucht.

Mögliche Forschungsfragen sind:

  • Wie werden Emotionen in unterschiedlichen Medien inszeniert,gezeigt oder hervorgerufen?
  • Wie wird Privatheit inszeniert?
  • Wie eignet sich das Theater Inszenierungsformen des Fernsehens an (oder umgekehrt)?
  • Wie muss eine Ausstellung inszeniert sein, damit der Museumsbesuch zum Erlebnis wird?
  • Wie werden Inszenierungsstrategien der öffentlichen Eventkultur in den Künsten aufgegriffen oder unterwandert?
  • Wie lässt sich das Hören inszenieren?

 

Theorie & Praxis

Das Studium zeichnet sich durch eine Verschränkung von theoretischwissenschaftlichen und künstlerisch-praktischen Arbeits-, Lehr- und Forschungsfeldern aus. Zur Praxis zählen sowohl gegenwärtige Inszenierungen des Kunst- und Kulturbetriebs, als auch die experimentelle
Erforschung von Lehrinhalten in Übungen sowie die Erarbeitung eigener Inszenierungen der Masterstudierenden. Hierfür stehen drei Bühnen, ein Filmstudio, Ateliers und Übungsräume als Laboratorien zur Verfügung. Die Verschränkung von wissenschaftlicher und künstlerisch-praktischer Reflexion wird ferner durch eine wechselseitige Bezugnahme von theoretischen Seminaren und praktischen Übungen sichergestellt. Praktiker aus den Medien und der künstlerischen Praxis (Bildende Kunst, Medien / Populäre Kultur, Musik bzw. Theater) sind in die Lehre einbezogen.

 

Forschungsprojekt

Das Kernstück des Studiengangs Inszenierung der Künste und Medien bildet die Arbeit an einem theoretisch-praktischen Forschungsprojekt, an dem das selbständige Forschen erlernt werden soll. Die Arbeit an diesen Forschungsprojekten nimmt ungefähr ein Drittel der gesamten Studienzeit ein. Ziel ist es, den Studierenden die Ausbildung eines eigenen Interessengebiets zu ermöglichen, das studiert und vertieft werden kann. Die Lehrveranstaltungen des Curriculums sowie die Projektbetreuung im engeren Sinn dienen dazu, die Herausbildung eines solchen individuellen Profils zu unterstützen und methodisch und fachlich abzusichern und so die Kompetenz zu eigenständiger Forschung auszubilden und ggf. auf ein anschließendes Promotionsvorhaben vorzubereiten.

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die kulturelle Praxis der Inszenierung in den Künsten bzw. in den Medien und der populären Kultur, deren historische Voraussetzungen, theoretische Beschreibungen und analytische Möglichkeiten untersucht werden sollen. Die Themen der Forschungsprojekte bestimmen die Studierende jeweils selbst und skizzieren ihr Vorhaben in einer vorläufigen Projektskizze, die auch Gegenstand der Eignungsprüfung ist. Während des Studiums wird jede/r Studierende in allen Phasen und Aspekten des Arbeitsprozesses individuell betreut. So lernen die Studierenden, das eigene Interesse im Sinne einer wissenschaftlichen Fragestellung zu formulieren, eine entsprechende Untersuchung bzw. ein Forschungsvorhaben zu konzipieren, den Stand der wissenschaftlichen Forschung im Feld der eigenen Fragestellung zu recherchieren, aufzuarbeiten und sich darin zu positionieren. Sie lernen verschiedene methodische Vorgehensweisen kennen und werden in die Lage versetzt, geeignete Methoden für die eigene Fragestellung anwenden und ihre Stärken und Schwächen reflektieren zu können. Die Erarbeitung einer eigenen künstlerischen bzw. medialen Inszenierung kann integraler Teil des Forschungsprojekts sein, wobei Planung, Durchführung und Auswertung der Inszenierung zum Forschungsprojekt gezählt werden. Dies ist z.B. da sinnvoll, wo es um die Beschreibung von Inszenierungsprozessen, z.B. von Proben, geht. Ebenso können die Forschungsprojekte auf MA-Arbeiten hinauslaufen, die nicht allein in Form von Text, sondern unter Nutzung künstlerischer und anderer angewandter Wissensformen formuliert werden, z.B. lecture performances, kuratorische Konzepte o.ä.

Die Betreuung der Forschungsprojekte im Studiengang Inszenierung der Künste und der Medien erfolgt aufgeteilt auf die anwählbaren Schwerpunktfächer (Bildende Kunst, Medien/Populäre Kultur, Musik, Theater). In den Forschungskolloquien werden zum einen die Forschungsprojekte der Studierenden vorgestellt und diskutiert, zum anderen darauf aufbauend übergeordnete Themen bzw. Texte erarbeitet.

Die Leiter der Kolloquien sind zugleich die Mentoren der Studierenden und begleiten die Studierenden über die Kolloquien hinaus in Sprechstunden und stehen für Studienberatung, Betreuung der MA-Arbeit etc. zur Verfügung.

Beispiele für Projektskizzen sind:

  • Performative Strategien in Inszenierungen des Erzähltheaters
  • Probenprozesse im partizipativen Theater
  • Probenprozesse im Regietheater
  • Festivals als thematische Inszenierungen
  • Gewaltinszenierungen im südkoreanischen Film
  • Reenactments als kulturelle Inszenierungen
  • Ästhetik des Fehlers: Technische Probleme als künstlerische Strategie in den Medien
  • Performativität des Scheiterns
  • Autobiografische Narration im Dokumentarfilm
  • Biographische Selbstinszenierung im (eigenen) Film
  • Ästhetik des Lachens in der politischen Satire
  • Der Körper des Journalisten in der Berichterstattung der TV-Nachrichten

Berufschancen

Der Hildesheimer Master-Studiengang »Inszenierung der Künste und der Medien« weist seine Absolventen als vielseitige Spezialisten für kulturelle und künstlerische Inszenierungen aus.

Der Studiengang befähigt somit zu einem breiten Spektrum beruflicher Tätigkeiten in Kulturinstitutionen und für eine wissenschaftliche Laufbahn in den Bereichen Kultur-, Kunst-, Medien-, Musik- und Theaterwissenschaft. Dezidierte Berufsfelder sind Dramaturgie, Regie, Fernsehredaktion, Produktion,  kuratorische Praxis, Ausstellungsgestaltung, Theater-, Konzert- bzw. Museumspädagogik sowie Medienberatung. Durch Kooperationen mit entsprechenden Kulturorganisationen sind Vertreter der Berufspraxis in den Studiengang einbezogen.

Studienaufbau

Die vorgesehene Studiendauer beträgt einschließlich Master-Prüfung zwei Jahre. Für einen erfolgreichen Abschluss des Studiums ist der Nachweis von 120 Leistungspunkten (LP) erforderlich. Die Studienbereiche setzen sich wie folgt zusammen:

Studienbereich 1: Forschungsprojekt

Im Mittelpunkt des Studiums steht die Entwicklung und Durchführung eines eigenen Forschungsprojekts. Dieses Projekt wird von einem Lehrenden als Mentor betreut, in regelmäßigen Kolloquien mit anderen Studierenden und Lehrenden diskutiert und weiterentwickelt. Die Präsentation und schriftliche Reflexion dieses Projekts ist zugleich Bestandteil der Masterarbeit. Innerhalb des Forschungsprojekts können eigene künstlerische Versuchsanordnungen bzw. Inszenierungen realisiert und reflektiert werden.

Studienbereich 2: Ästhetik der Inszenierung

Der Bereich befasst sich über die Fächergrenzen hinweg mit Phänomenen von Inszenierungen in den Künsten und im Alltag sowie den Theorien der Inszenierung. Die interdisziplinär ausgerichteten Module werden von Lehrenden aller genannten Fächer gemeinsam unterrichtet. Ergänzt werden sie durch ein fachspezifisches Modul, das sich mit „Praktiken und Techniken des Inszenierens“ sowie fachspezifischen Analysemethoden des jeweiligen Schwerpunktfachs (Bildende Kunst, Medien/Populäre Kultur, Musik oder Theater) beschäftigt.

Studienbereich 3: künstlerisch-wissenschaftliches Schwerpunktfach

Entsprechend der Ausrichtung Ihres Forschungsprojekts wählen Sie ein Schwerpunktfach (s.o.). Im Studienbereich 3 widmen Sie sich in ihrem Schwerpunktfach den »Verfahren der Vermittlung, Produktion und  Inszenierung der Künste und Medien«. Dies umfasst historische wie zeitgenössische Zugänge und zeichnet sich durch die Verschränkung von wissenschaftlichen Seminaren und praktischen Übungen aus. Im Rahmen dieses Studienbereichs besteht auch die Möglichkeit, Angebote aus dem Bereich Kulturpolitik, -vermittlung und -marketing zu studieren.

Studienbereich 4: Transdisziplinäre Kulturforschung

Im Studienbereich 4 wird das Themenspektrum der Studienbereiche 1 bis 3 kulturwissenschaftlich verortet. Im Zentrum stehen Fragen der Kulturforschung in den Bereichen der Kulturtheorie, Kulturphilosophie, Kulturgeschichte oder Kultursoziologie.

Studienbereich 5: Praktikum /Praktische Forschungsarbeit

Während eines sechswöchigen Praktikums untersuchen Sie die praktische Arbeit von Kultureinrichtungen. Alternativ können Sie auch einen Forschungsaufenthalt an einer Institution des Kunst- und Kulturbetriebs absolvieren, um Fragen Ihres eigenen Forschungsprojekts in der Praxis zu untersuchen (»Feldforschung«).

Besondere Anforderungen

Im Studiengang Inszenierung der Künste und der Medien gehen wir von der Grundannahme aus, dass Inszenierungen eigene Formen des Wissens hervorbringen, die in Körperpraktiken, Arbeitstechniken und sozialen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen. Inszenierungen stellen somit ein aufschlussreiches Forschungsfeld dar, um die Konstitution und Transformation solchen Wissens zu beschreiben, zu systematisieren und der Theoriebildung zu erschließen.

Dieser Ansatz setzt voraus, dass die Studierenden über künstlerisch-praktische Fähigkeiten verfügen, die sie im Zulassungsverfahren darlegen müssen. Die Art der Qualifikation richtet sich dabei nach der Ausrichtung des jeweiligen Forschungsprojekts. Am Studiengang Interessierte sollten darstellen können, welchen praktischen Bezug sie zu dem von ihnen gewählten künstlerisch-praktischen Feld bisher erarbeitet haben.  Dies kann sowohl individuelle Körperpraktiken und Arbeitstechniken betreffen als auch eigene Praxistätigkeiten in künstlerischen Institutionen. Wer beispielsweise die Probenprozesse des Theaters untersuchen will, sollte über einschlägige praktische Erfahrungen mit professionellen oder semiprofessionellen Theaterproduktionen verfügen. Hierzu kann die Durchführung eigener szenischer Arbeiten oder die Teilnahme an Inszenierungsprojekten ebenso zählen wie praktische Erfahrungen im Bereich des Regieführens, der Projektentwicklung, des Entwerfens von Räumen und Kostümen oder die Leitung von Laienspielgruppen. Wer eine filmische Inszenierung erarbeiten möchte, sollte entsprechend darlegen, mit welchen filmischen Formaten und Verfahren er bisher vertraut ist. Wer sich mit inszenatorischen, kuratorischen oder szenografischen Ansätzen in der Bildenden Kunst befassen möchte, sollte praktische Erfahrungen in einem dieser Kontexte mitbringen. Entsprechendes gilt für Forschungsprojekte im Bereich musiktheatraler Inszenierungen oder der Inszenierung von und mit Musik im Konzertrahmen, im Hörspiel oder Film. Eine professionelle Ausbildung in einer bestimmten künstlerischen Sparte ist hingegen nicht notwendig.

Weitere Informationen

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Fachstudienberatung

Professor Dr. Jens Roselt

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Sprechzeit: im WS 17/18: dienstags von 15.00 - 16.00 Uhr, am 24.10. von 14.00 - 15.00 Uhr
Homepage: https://www.uni-hildesheim.de/fb2/institute/medien-theater-populaerekultur/mitglieder/prof-dr-jens-roselt/ Homepage