Anna-Lisa Bister

Projektkoordinatorin der Kulturstation im AMEOS Klinikum Hildesheim

„Es ist wichtig herauszufinden, was einem wirklich am Herzen liegt, und dann selber aktiv zu werden.“

Etwas verborgen im center for lifelong learning (cl³) der Universität Hildesheim liegt das kleine Büro der Kulturstation. Vielleicht ist es so klein, weil Anna-Lisa Bister, die das Herz des Projekts ist, es nur selten benutzt. Oft arbeitet sie von zu Hause oder ist mit ihrem mobilen ‚Rucksackoffice‘ bei einem Termin. Anna-Lisa hat bis 2007 an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis studiert. Nun ist sie dreißig Jahre alt, verheiratet, bald Mutter von zwei Kindern und hat mit dem Projekt Kulturstation ihren Traumjob gefunden. Aufgrund ihrer Leidenschaft, ihrem Engagement und mit ein wenig Glück ist es ihr gelungen, sich im Bereich der Kulturvermittlung ihre eigene Arbeitsstelle zu schaffen.

Der Traumjob
Anna-Lisa ist die Projektkoordinatorin der Kulturstation, einem Kooperationsprojekt zwischen dem cl³ und dem AMEOS Klinikum Hildesheim, das sich mit Kunst im Krankenhaus beschäftigt. Das Projekt bietet Patient*innen, Mitarbeiter*innen und Besucher*innen des AMEOS Klinikums die Möglichkeit, sowohl an praktischen künstlerischen Projekten teilzunehmen als auch kulturellen Veranstaltungen beizuwohnen. Im Vergleich zu anderen Kulturprojekten in Krankenhäusern sieht Anna-Lisa das Besondere vor allem in dem breiten kulturellen Spektrum sowie in der eigenen aktiven Teilnahme, die nicht notwendigerweise einen therapeutischen Anspruch beinhaltet. Ebenso empfindet sie den Forschungsschwerpunkt des Projekts als einmalig:die Evaluation und seine Wirkung auf die Teilnehmenden und auf die Institution Krankenhaus.

Der Arbeitsalltag
Für den reibungslosen Ablauf all dieser Projektschwerpunkte ist Anna-Lisa die Hauptverantwortliche. Sie betreibe Kulturmanagement, sagt sie. Ihr Aufgabengebiet ist vielfältig – so sucht sie unter anderem nach Künstler*innen, Kulturangeboten, verhandelt Honorare, betreibt Öffentlichkeitsarbeit, schreibt Finanzanträge, sammelt Rechnungen, dokumentiert und evaluiert das Projekt, leitet Teamsitzungen im Klinikum. Um all diese Aufgaben adäquat ausführen zu können, ist sie ihrem Studium dankbar, durch das sie das notwendige breite Wissensspektrum erwerben konnte, besonders durch Seminare zu Öffentlichkeitsarbeit, Kulturvermittlung und -journalismus und durch die praktische ästhetische Arbeit. Am meisten gefällt Anna-Lisa an ihrer Arbeit, sich selbst Projektkonzepte auszudenken, dafür ausführende Künstler*innen zu suchen und mit ihnen die praktische Umsetzung auszuhandeln. Auf diese Weise kann sie ihre eigenen künstlerischen Impulse einfließen lassen. „Es ist einfach toll,genau das, was man machen will, umzusetzen, sich einfach Dinge auszudenken, die dann umgesetzt werden, ohne dass jemand groß reinredet“, sagt sie.

Anna-Lisa liebt die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, die ihr das Projekt ermöglicht. Sie fühlt sich wie ihre eigene Chefin in einem freien Projekt. In ihrem Job vereinen sich die Vorzüge freier Kulturarbeit und institutioneller Arbeit, die Konzeptions- und Durchführungsfreiheit und die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses im öffentlichen Dienst. Kurzum: ein wahrer Traumjob!
Wichtig ist für Anna-Lisa aber auch die eigene Faszination an ihrem Arbeitsfeld. Sie freut sich darüber, Kulturvermittlung sinnvoll an einem Ort zu betreiben, an dem sie weiß, dass die Teilnehmenden die Angebote mit Freude wahrnehmen und aus ihnen (Lern-)Erfahrungen schöpfen.

Die ersten Schritte
Mehrere Jahre hat Anna-Lisa darauf hingearbeitet, um nun ihren persönlichen Traumjob ausüben zu können. „Ich glaube, es ist wichtig herauszufinden, ob man etwas hat, was einem am Herzen liegt, was einen berührt, von dem man irgendwie überzeugt ist“, beschreibt sie ihr Erfolgsrezept. „Ich glaube, man muss sich eine Sache rauspicken, die einenam meisten interessiert und da dranbleiben und nicht warten, dass was von außen passiert, sondern selber aktiv werden.“ Anna-Lisa hatte sich zunächst in verschiedenen Arbeitsbereichen ausprobiert, bis sie durch ein Seminar im Studium mit dem Thema ‚Kunst im Krankenhaus‘ in Kontakt gekommen ist. Sie sagt, sie sei darüber, mit welcher Begeisterung die Patient_innen an dem vorgestellten Projekt teilgenommen haben, zu Tränen gerührt gewesen. Seit diesem Seminar hat sie das Thema nicht mehr losgelassen. Sie begann, sich in mehreren praktischen Projekten und in ihrer Diplomarbeit damit auseinandersetzten. Im Zuge dessen baute sie sich gleichzeitig ein Netzwerk auf, bestehend aus Privatpersonen und Krankenhäusern, die sich ebenfalls mit dem Thema ‚Kunst und Krankenhaus‘ beschäftigten.
Auch nach ihrem Studium und während ihres ersten Jobs, in dem sie Projektkoordinatorin des Weiterbildungsprogramms EduKult³ im cl³ war, reifte in ihrem Kopf weiterhin die Idee, ein Konzept in diese Richtung zu entwickeln, und sie kommunizierte das auch im Arbeitskontext nach außen. So kam es, dass über Umwege eine Anfrage einer Mitarbeiterin aus dem AMEOS Klinikum zu ihr gelangte, die die Idee hatte, eine Kulturwerkstatt aufzubauen. Bei einem persönlichen Treffen stellten beide fest, dass sie die gleichen Vorstellungen hatten. Gemeinsam entwickelten sie ein Konzept und überzeugten damit die ihnen und ihrer Leidenschaft schon positiv gestimmten Chefetagen. Im Juli 2011 wurden die Kooperationsverträge unterschrieben. Anna-Lisa hat sich nicht nur ihre Stelle selbst geschaffen, sondern mit viel Engagement und Durchsetzungsvermögen ihre langjährigen Ideen in die Tat umgesetzt.

Text und Foto: Katrin Grunwald-Delitz