Philosophie und Clownerie
Die Kunstformen Clownerie und Fooling als Philosophieren mit dem Körper
apl. Prof. Dr. Katrin Wille
Mut zur Verfremdung. Wo Clownerie und Philosophie sich treffen. Eine Lectureperformance
(Beitrag zum Festival für Philosophie, Leipzig 2024)
Ich möchte in meinem Beitrag die These vertreten, dass die Kunst der Clownerie und die Praxis des Philosophierens eine starke Methodenverwandtschaft aufweisen. Beide sind durch den Mut zur Verfremdung gekennzeichnet und praktizieren teilweise systematische Verfremdung und dies nicht zuletzt, um unseren Erfahrungen von Entfremdung auf die Spur zu kommen und diese zu transformieren. Philosophien zum Beispiel, die Kontingenz zum Ausgangspunkt des Nachdenkens nehmen, zeigen die Verflechtung von Regelmäßigem und Zufälligem wie die Gewordenheit von gewohnten Verhältnissen, die sich auch ganz anders hätten entwickeln können. Dieses Interesse an dem, was auch ganz anders sein könnte, teilen Philosophie und Clownerie und erforschen dies in verschiedenen Medien, sei es mit Konzentration auf das Denken oder mit Konzentration auf den Körper. Clownerie erforscht körperlich, was ganz anders sein könnte und probiert dies mit dem eigenen Körper, in der Interaktion mit Dingen oder in der Begegnung mit anderen aus. Dies kann lustig sein, muss es aber nicht. Genau wie das Philosophieren auch.
Im Rahmen eines Projekts mit Studierenden zum Thema „Clownerie der Lücke“ (2022) sind folgende Texte entstanden:
Die Clown*in als (Anti-) Genie
Das Normale, das Alltägliche, das Getriebe, das das Genie übersteigt, selbst untersteigen: Als Clown*in kann man lernen, wie man die Ehrfurcht vor und die Inszenierung von Genie auf alles und nichts überträgt und so die Funktion des Genies durchkreuzt und gleichzeitig übernimmt. Die Clown*in als (Anti-)Genie jongliert mit der Wahrheit und hält den Spiegel als urkritische Geste vor.
Lachen inmitten von chilly climate
"Lachen kann angespannte Stimmung auflockern. Lachen kann angespannte Stimmung aufbrechen. Lachen kann angespannte Stimmung herstellen." - Die Clownerie und das Lachen werden hier als transformative Praktik vorgestellt, die es uns ermöglicht, den starren Mechanismen von chilly climate entgegenzuwirken. Diese Praktik wurde mit dem Projekt Projekt "Clownerie der Lücke" an der Universität Hildesheim durch ästhetische und philosophische Perspektiven auf das Lachen erforscht und bedeutend ausgeweitet.
Leitlinie zur Vermeidung von chilly climate in universitären Kontexten
Die Universität Anoeta strebt eine gleichberechtigte und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Mitglieder und Angehörigen an, um eine angenehme Arbeits- und Studienatmosphäre zu schaffen. Doch unter der Oberfläche lauert ein chilly climate, das die Lust und Freiheit am Sprechen und Denken zersetzen kann. Um dem vorzubeugen oder wenn nötig, entgegenzuwirken, stellt die Universität Anoeta einen Leitfaden vor, der als Orientierung dient, bis die entsprechende Gesetzeslücke geschlossen wurde.