2. Jahrestagung des Zentrums für Geschlechterforschung Hildesheim

Anmeldung bis zum 16. 11. 2018 unter grecof@uni-hildesheim.de

Nicht Kleider, sondern Unterscheidungen machen Leute – zu »Frauen«, »Lesben«, »Schwarzen« und »Subalternen«, zu Stimmen mit gesellschaftlicher Relevanz, zu Körpern von Gewicht und Autorität, zu Personen mit Teilhabeberechtigung an gesellschaftlichen Gütern und Zugang zu politischen Entscheidungsprozessen, zu (gut) entlohnte Arbeiter*innen, zu Akteur*innen eines »Wir« oder »nicht zugehörigen Anderen«. Unterscheidungen sind keineswegs bloß gedankliche Konstrukte, sie orientieren nicht einfach nur gesellschaftliche Praktiken – Unterscheiden ist selbst als eine gesellschaftliche Praxis zu verstehen. Je nach Situation und Form des Unterscheidens kann dieses herrschaftsstabilisierend wirken, Diskriminierungen und soziale Ungleichheiten perpetuieren oder verstärken, aber auch von kritischer und emanzipatorisch-widerständiger Wirksamkeit sein.

Für eine Reflexion der feministischen Arbeit mit und an Unterscheidungen ist daher die Frage nach den Weisen des Unterscheidens zentral. Zu fragen ist dabei nicht nur nach den verschiedenen Unterscheidungsformen, sondern im Zusammenhang damit ebenso nach den gesellschaftlichen Bedingungen und Bedingtheiten, Problemen und Potentialen von Unterscheidungspraktiken: Wo sind scharfe Grenzziehungen, binäres oder dichotomisches Unterscheiden problematisch, wo vielleicht nicht? Wo braucht es statt grobem Gegenüberstellen feineres Differenzieren, Graduieren oder eine Reflexion von Verflechtungs- und Interdependenzfiguren? Wo und inwiefern könnte der Einsatz von oppositionellen Bestimmungen hilfreich, parteiliches und abgrenzendes Unterscheiden gefordert sein? Wann sollte statt am Entweder-Oder, Weder-Noch oder Sowohl-Als-Auch an dialektischen Bezugsfiguren gearbeitet werden, die im Unterscheiden komplexe Verhältnisbestimmungen vornehmen? Inwiefern sind politisch-praktische wie auch theoretische feministische Kämpfe als Unterscheidungskritik zu verstehen? Wie könnte in der Interaktion von feministischen ästhetischen, politischen und theoretischen Praxen Interventionskraft zur Kritik problematischer gesellschaftlicher Unterscheidungsweisen liegen?

Das Anliegen der Tagung besteht darin, in interdisziplinärer Diskussion die verschiedenen Weisen des Unterscheidens zu rekonstruieren sowie nach den gesellschaftlichen Bedingungen und Bedingtheiten, Problemen und Potentialen spezifischer Unterscheidungspraxen zu fragen. Die thematische Einheit zu »Doing Difference im akademischen Alltag« untersucht Weisen diskriminierenden Unterscheidens in der akademischen Praxis, ihre Mechanismen, institutionellen und habituellen Ausprägungen, aber auch die Interventionsmöglichkeiten kritischer Praxen. Die Vorträge des Panels »Differenzierungen und Differenzen: Kritik der Intersektionalität« fragen nach den analytischen und politischen Potentialen sowie möglichen Problemen und Herausforderungen intersektionaler Perspektiven. Das Forum »Geschlechterpolitik und Geschlechterforschung in Hildesheim« erkundet lokale aktivistische und akademische geschlechterpolitische Praxen. Die Performance J.U.D.I.T.H. sowie ein abschließendes Panel widmen sich »Praktiken des Verschiebens, Durchquerens, Verweigerns von Unterscheidungen« in queeren Perspektiven, widerständigen und ästhetischen Praktiken.

DONNERSTAG 22.11.18

Tagungsort: Universität Hildesheim, Kulturcampus Domäne Marienburg, Domänenstraße 46, 31141 Hildesheim, Haus 50, Raum 302 (Aula)

 

Auftakt: Feminismus als Unterscheidungskritik I

 

12.00-13.00 Anreise und Anmeldung

 

13.00-14.00 Begrüßung: Meike Baader (Vizepräsidentin der Universität Hildesheim), Britta Hoffarth (Leitung des Zentrums für Geschlechterforschung der Universität Hildesheim), Jens Roselt (Dekan des Fachbereichs 2); Einführung: Antje Géra und Katrin Wille (Institut für Philosophie der Universität Hildesheim)

 

14.00-15.00 Unterscheiden und herrschen. Für eine Kritik von Politiken des Unterscheidens (Sabine Hark, Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, TU Berlin)

 

15.00-15.30 Kaffeepause

 

Doing Difference im akademischen Alltag

 

15.30-18.00 Geschlechterverhältnisse in der akademischen Praxis:

Hildegard Bohlken: Über die alte Angst, im Seminar zu sprechen (Hildegard Bohlken, Universität Bielefeld)

Weiblichkeit durch Scham (Prof. Dr. Hilge Landweer, Institut für Philosophie, FU Berlin)

»Klimawandel« - ein studentisches Projekt zu Geschlechtergerechtigkeit in der akademischen Philosophie (Initiative PhemK –Philosophy needs Sister*hood, Institut für Philosophie, Universität Kassel)

Zwischen Partizipation und Selbstreflexion (hi*queer, Universität Hildesheim)


Hella entangled – Über dekoloniale Praxis in einer kolonialen Einrichtung (Corinna Humuza, AG Kritische Geographien globaler Ungerechtigkeiten, Institut für Geographie der Universität Hamburg) (entfällt): -

Nötige Veränderungen am Fachbereich 2 der Universität Hildesheim aus studentischer Sicht (Tatjana von der Beek, Universität Hildesheim)

 

18.00-18.30 Gemeinsamer Imbiss

 

18.30-19.30 Ausstiegsprozesse aus der Wissenschaft (Meike Baader, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Hildesheim)

 

20.00-21.00 J.U.D.I.T.H. Eine Choreographie des Begehrens. Performance mit Nachgespräch im Dunkeln (von und mit Marja Christians und Isabel Schwenk, in Zusammenarbeit mit der interdisziplinären Choreographin Ayelén Cantini und cobratheater.cobra)

Ort: Universität Hildesheim, Hauptcampus, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim, Studiobühne 1, E-1/18

Ab 21.00 Nachgespräch

 

 

FREITAG 23.11.18

Tagungsort: Universität Hildesheim, Kulturcampus Domäne Marienburg, Domänenstraße 46, 31141 Hildesheim, Haus 50, Raum 302 (Aula)

 

Feminismus als Unterscheidungskritik II

 

10.00-11.00 Der Unterschied im Unterscheiden. Eine kritische Auseinandersetzung mit antifeministischen Grenzziehungspraxen (Kaja Tulatz, DHBW Stuttgart)

 

11.00-11.30 Kaffeepause

 

11.30-12.30 Politiken der Differenzierung: Mensch-Maschine-(Re-)Konfigurationen (Corinna Bath, TU Braunschweig und Ostfalia HAW)

  

12.30-15.30 Forum Geschlechterpolitik und Geschlechterforschung in Hildesheim, Veranstaltungsort: Kulturcampus Domäne Marienburg, Haus 48 

 

Differenzierungen und Differenzen: Kritik der Intersektionalität

 

15.30-16.30 Differenz, Ungleichheit, Ausbeutung - Die Verhandlung von "Klasse" und ökonomischer Ungleichheit in den Debatten um Intersektionalität (Pia Garske, FU Berlin, Stabsstelle Chancengleichheit und Diversität Universität Göttingen sowie Göttinger Centrum für Geschlechterforschung)

 

16.30-17.30 Wider die Identitätslogik: Positionaler Fundamentalismus als falsch verstandene intersektionale Kritik (Paula-Irene Villa, Institut für Soziologie, München)

 

17.30-18.00 Kaffeepause

 

18.00-19.00 Gender als Sprache der Grenzkontrolle – intersektionale Perspektiven auf Flucht und Migration (Sabine Hess, Institut für Kulturanthropologie sowie Center for Global Migration Studies, Universität Göttingen)

 

Ab 21.00 Festival Klangstärke°18: Unsettling Setups

Festival für Musikexperimente

– Programm und Veranstaltungsort unter www.klangstaerke.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SAMSTAG 24.11.18

Tagungsort: Festival Klangstärke°18: Unsettling Setups, Festivalzentrum: Langer Garten 21, 31137 Hildesheim

 

Praktiken des Verschiebens, Durchquerens, Verweigerns von Unterscheidungen

 

10.00-11.00 Brühwarm oder kalter Kaffee? Queere Perspektiven auf schwule (Theater-)Geschichte (Eike Wittrock, Institut für Medien, Theater und populäre Kultur, Universität Hildesheim)

 

11.00-11.30 Pause

 

11.30-12.30 »queere« Praktiken in bildungspolitischen Räumen als Teil der hegemonialen Wissensordnung (Eva Reuter, Institut für Erziehungswissenschaft und ZFG, Universität Hildesheim)

 

12.30-13.00 Pause

 

13.00-14.00 Melancholie als Modus feministischer Kritik (Antje Géra, Institut für Philosophie, Universität Hildesheim)

 

14.00-14.30 Gemeinsamer Imbiss

 

Abschluss: Feminismus als Unterscheidungskritik?

 

14.30-15.30 Welche Unterscheidungen braucht der feministische Diskurs (nicht)? Tagungsreview

Die Teilnahme an der Tagung selbst ist kostenfrei, eine Anmeldung bei Francesca Greco <grecof@uni-hildesheim.de> jedoch erforderlich.  

Das Team:

Das Vorbereitungsteam der Tagung setzt sich aus Studierenden und Lehrenden des Instituts für Philosophie der Universität Hildesheim zusammen. Konzeption und Organisation: Antje Géra und Katrin Wille; Moderationen und Tagungsreview: Yoko Arisaka, Antje Géra, Kaja Kröger, Ronja Landtau, Antje Schnarr, Katrin Wille; Forum Geschlechterpolitik und Geschlechterforschung in Hildesheim: koordiniert von Katalin Kuse und Julia Rüegger, unterstützt von Laura Südbrock; Konzeption und Organisation tagungsbegleitender Gesprächsräume: Nils Schniederjann, Ronja Landtau, Marie Lindenberg und Antje Schnarr; Koordination mit dem Festival Klangstärke°18: Marie Hornbach.

Wir danken Kathrin Audehm (Leitung des Zentrums für Geschlechterforschung bis Oktober 2018) für die fruchtbare Zusammenarbeit und Unterstützung. Wir danken zudem herzlich Francesca Greco für ihre Unterstützung bei der Organisation, Josh Deutschmann für das Einbringen seiner Medienkompetenz und Karsten Spindler für die großartige Zusammenarbeit in Layout und Gestaltung.