Forschungssymposion: „Haben, Geben, Sein: Praktische Selbstverhältnisse im Spiegel der Ökonomie“

Mittwoch, 27. März 2019 um 10:25 Uhr

Zeitraum & Ort: 27.-31.03.2019 – Kulturherberge Wernershöhe, 31079 Westfeld Leitung und Organisation: Prof. Dr. Andreas Hetzel (Institut für Philosophie, Universität Hildesheim) Niklas Angebauer, M.A. (Institut für Philosophie, Universität Oldenburg) Skizze: Das Symposion untersucht die Rolle ökonomischer Praktiken in der Konstitution von Identität und Subjektivität aus philosophischer, soziologischer und interkultureller Perspektive. Ziel ist es, in explorierender Auseinandersetzung mit bestehenden Ansätzen einen praxistheoretischen Zugang zu den subjektivierenden Effekten ökonomischer Praktiken zu erarbeiten, der einerseits deren Heterogenität Rechnung trägt, andererseits aber spezifisch genug ist, um konkrete Praktiken der Selbstformung kritisch in den Blick zu nehmen. Das Symposion soll dabei Nachwuchswissenschafler*innen aus Niedersachsen und ganz Deutschland die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten vorzustellen, sich zu vernetzen, und durch gemeinsame kritische Lektüre neue Forschungsperspektiven zu entwickeln. Thematisch geht das Symposion von drei interesseleitenden Thesen aus: 1) Subjektivität, als spezifisch menschliches In-der-Welt-sein, ist kein schlechthin Gegebenes, keine Naturtatsache, sondern muss geformt werden bzw. sich selbst formen. Diese Selbstformung ist durch soziale Praktiken vermittelt. 2) Ökonomischen Praktiken kommt bei dieser Selbstformung eine zentrale Rolle zu: In ihnen werden nicht einfach fertige Subjekte vorausgesetzt (wie es etwa die neoklassische Ökonomie annimmt), sondern sie bringen diese Subjekte zugleich performativ hervor. 3) Die subjektivierenden Effekte von ökonomischen Praktiken können stark divergieren. Idealtypisch lassen sich Ökonomien des Habens und Ökonomien der Gabe unterscheiden. Erstere organisieren die gesellschaftliche Reproduktion primär durch Exklusionspraktiken, zweckrationale Kooperationen und Märkte, letztere basieren auf Praktiken des reziproken Gebens und der Stiftung oder Aktivierung sozialer Kohäsionskräfte. Die soziale Formung von Subjekten in verschiedenen ökonomischen Praktiken kann also, so die Arbeitshypothese des Symposions, ganz unterschiedliche Selbstverständnisse und -verhältnisse prägen. In Vorträgen, Diskussionsrunden und gemeinsamer Lektüre wird sich das Symposion so der titelgebenden Triade von Haben, Geben und Sein annähern. Die beiden idealtypischen Arten ökonomischer Praxis werden in Auseinandersetzung mit zwei Theorielinien erschlossen: der Theorie des Besitzindividualismus und den Theorien der Gabe. Das Spannungsfeld, das sich zwischen diesen Theorien auftut, wird dann in Form von Beiträgen und Diskussionen bearbeitet.