Eva Hertzsch und Adam Page

Gastdozentur für das SoSe 2016

Eva Hertzsch, Adam Page; Werkleitz Biennale, 2000, Musterhaus

Die Projekte des Künstlerteams Eva Hertzsch und Adam Page reflektieren die Strategien und Hierarchien, die den urbanen Lebensraum prägen. Ihre Arbeit möchte dessen Zusammenhänge sichtbar machen. Sie beschäftigen sich mit der Umwandlung des öffentlichen Raums vom Allgemeingut zum Produkt, der Entwertung des Sozialen zugunsten einer Aufwertung des Ökonomischen und der Festivalisierung der Stadt.

Sie arbeiten mit einer gemeinschaftsorientierten Praxis, die die Kunst als ein Mittel des Austausches und des Teilens versteht und kommunikative Prozesse anstoßen möchte. Ihr Aktionsfeld ist der öffentliche Raum. Zunehmend richten sie sich an spezifische Verbündete in der Gesellschaft statt an ein reines Kunstpublikum oder an zufällige Passanten. Anhand der entstehenden Kooperationen mit Bürgergruppen ist ihr Ziel, die Teilhabe an künstlerisch-kulturellen Prozessen in neuen sozialen Zusammenhängen zu erweitern. So schaffte ihr FOR SALE-Projekt in ihrem Info Offspring Kiosk in der Plattenbausiedlung Dresden-Prohlis 2006 eine vielerorts angestrebte Nachhaltigkeit und wurde von 2007 bis 2012 durch Bewohner_innen als das Stadtteilforum IDEE 01239 e.V. fortgesetzt. Es geht Eva Hertzsch und Adam Page dabei um eine Kunst im öffentlichen Interesse.

Seminar "Kunst als sozialer Raum. Eine neue Agenda für den Kunstverein Hildesheim?" 

(WiSe 15/16 Teil 1, SoSe 16 Teil 2)

Ab dem kommenden Jahr wird zwischen dem Kunstverein Hildesheim e.V. und dem Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Hildesheim eine intensive Kooperation beginnen, um den Studierenden des Masterstudienganges Inszenierung der Künste und der Medien eine Plattform zur experimentellen Erprobung kuratorischer Praxis zu bieten. Wir nehmen diese Neuausrichtung zum Anlass, um uns intensiv mit der Geschichte, der Idee, den Aufgaben, dem zukünftigen Profil und den Strukturen des Kunstvereins Hildesheim auseinanderzusetzen.

 Das Institut hat die Künstler Adam Page und Eva Hertzsch (Berlin) eingeladen, eine Ausstellung von April bis Juni 2016 im Kunstverein zu machen, die ein Anstoß für diese Neuausrichtung sein kann. Die Ausstellung wird einen Einblick in die künstlerischen Aktivitäten und Strategien des von Page und Hertzsch initiierten und mitbegründeten Stadtteilforum IDEE 01239 in der Großsiedlung Dresden-Prohlis geben. Die Gründer des Stadtteilforums im Jahr 2007 hatten sehr unterschiedliche Lebensläufe: Architekturstudent, Bauarbeiter, Bibliothekar, Kellnerin, Künstler, Musiker, Sekretärin, Spätkaufinhaber. Was sie zusammengebracht hat, war die gemeinsame Idee, mit Kunst einen sozialen Raum in ihrer städtischen Umgebung aktiv zu gestalten. Zwischen 2007 und 2012 luden sie regelmäßig Künstler_innen ein, um gemeinsam und mit weiteren Partnern des Stadtteils Arbeiten und Projekte zu realisieren. Es entstand ein Programm mit Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen, Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum, Videoarbeiten und Workshops.

Adam Page und Eva Hertzsch möchten ein Begleitprogramm zur Ausstellung mit Studierenden des Masterstudienganges im Wintersemester entwickeln und im Sommersemester durchführen. Anhand des Programms sollen Perspektiven für die neue Ausrichtung des Kunstvereins mit einer breiten, lokalen Öffentlichkeit diskutieren werden. Als Erprobung eines gemeinschaftsorientierten Vorgehens des Kunstvereins sollen Studierenden lokale Initiativen, Projekte, Vereine o.ä. als neue Partner suchen, die Teile der Ausstellung in ihren Räumlichkeiten ausstellen und Begleitveranstaltungen mitkonzipieren und durchführen. Aus dem Fallbeispiel IDEE 01239 sollen Begriffe und Formate wie “Artist-in-Residence”, “Auftragskunst”, “Kunst im öffentlichen Raum”, “Kunst in Schulen” und “Partizipationskunst” hergeleitet, diskutiert und dargestellt werden.

Das Institut wird diesen Input von Hertzsch und Page vor dem Hintergrund der seit Beginn der 90er Jahre im deutschsprachigen Raum praktizierten “Kunst als sozialer Raum” während des Semesters kontextualisieren.


Eva Hertzsch und Adam Page (Berlin)
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Ausstellungsbeteiligung, u.a.

- documenta X (Kassel 1997, Page)

- Come-in (Tourneeausstellung des IFA, seit 2002)

- Heimat Moderne (Leipzig, 2005)

- Wildes Kapital (Kunsthaus Dresden, 2005-2006)

- EAST International (Norwich, 2007)

- Sedimente von Wirklichkeit (GfzK Leipzig, 2015)

 

Langfristige Projekte im sozialen Raum, u.a.

- Info Offspring Kiosk (Dresden, 2000-2006 und 2013)

- Stadtteilforum IDEE 01239 (Dresden, 2007-2012)

- Art at The Grove (Norwich, seit 2007)

- Die 12 Veränderer / Die Adresse / PIICE? (Albert-Schweitzer-Platz Berlin-Neukölln, 2011-2014)

- U10 - von hier aus ins Imaginäre und wieder zurück (Kunst im Untergrund der nGbK Berlin, 2009-10)

- Die Hofhelden (Siemens-Gymnasium Berlin-Spandau, seit 2012)

- Was ist draußen? (Kunst im Untergrund der nGbK Berlin, seit 2014)

 

Kuratorische Arbeit, u.a.

- „Picasso ist gut, aber ich bin besser“. In Schule Gesellschaft verändern. (Abschlussausstellung des Modellprogramms Kulturagenten für kreative Schulen, 2011-2015. Berlin 2015)

 

Kulturpolitische Arbeit, u.a.

- Jurymitglied Stiftung Kunstfonds (2006-2011, Hertzsch)

- Mitglied des Beratungsausschuss für Kunst im Stadtraum und Kunst am Bau der Senatskanzlei Berlin, (seit 2014, Page)

- Ausstellung und Begleitprogramm GESCHEITERT? Über einen künstlerisch-kollaborativen Prozess auf dem Albert-Schweitzer-Platz (August-Bebel-Institut Berlin, 2015)